Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 3

ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN (Deutschland/Frankreich 1967, Regie: José Bénazéraf)

st. pauli zwischen nacht und morgen

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Liebesgeschichte mit leicht erotischem Touch, Milieustudie, Kriminalfilm – ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN ist all das und eventuell noch viel mehr, es ist einer dieser Filme, die man nur schwer zu fassen bekommt und noch viel schwerer in Worte fassen kann. Dabei ist die Handlung relativ einfach gestrickt und geradlinig erzählt – den Interpol-Agenten Helmut Schmidt (Helmut Förnbacher) führen Ermittlungen in einer Rauschgiftsache aus der Schweiz nach St. Pauli, wo er die Stripperin Arlette (Eva Christian) kennenlernt und sich in sie verliebt; durch sie und sein mutiges Verhalten während eines Raubüberfalls gelingt es ihm, sich in die Bande von Nachtclubbesitzer Bernie (Rolf Eden) einzuschleusen, der sein Interesse an Drogengeschäften mittlerweile verloren zu haben scheint und stattdessen den Überfall auf einen Geldtransporter plant; mehr und mehr erliegt Schmidt den Verführungen des Verbrechens -, es ist wahrscheinlich die Art der Erzählweise, die Regisseur José Bénazéraf gewählt hat und die ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN so seltsam erscheinen lässt. Viele Sequenzen scheinen einfach nur ohne großartige Bindung nebeneinander zu stehen, die Kamera wackelt hin und wieder wie in einem Amateurfilm, Gegenstände und Menschen werden plötzlich rangezoomt, sind in einem Moment scharf und im nächsten Moment wieder unscharf zu sehen und einen gewissen surrealen Touch kann man dem Film sicher nicht absprechen. Als Zuschauer verfolgt man das Geschehen wie durch einen Schleier, die Atmosphäre des Films gleicht oft einem auf den ersten Blick planlos wirkenden, bei konzentrierterer Betrachtung aber doch irgendwie Sinn ergebenden Traum. Ein sehr seltsamer, aber auch ausgesprochen faszinierender Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE DEVIL RIDES OUT (Großbritannien 1968, Regie: Terence Fisher)

the devil rides out

(Fassung: DVD, Anolis, Deutschland)

Okkult-Horror aus dem Hause Hammer Films, mehr als souverän inszeniert von Terence Fisher, einem der Stammregisseure der britischen Schmiede für Kultfilme. In THE DEVIL RIDES OUT heftet sich der von Christopher Lee gespielte Duc de Richleau an die Fersen des fiesen Mocata (Charles Gray, der 3 Jahre später den Bond-Bösewicht Blofeld in DIAMONDS ARE FOREVER spielen sollte), dem Anführer einer gefährlichen Satanssekte, der es auf die Seele eines Freunds von Richleau abgesehen hat.

THE DEVIL RIDES OUT gehört zu den Geheimtipps und Fanfavoriten innerhalb des großen Filmstocks der Hammer Studios. Zur Zeit seiner Entstehung war er innerhalb des Horrorbereichs der Studioproduktionen so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung, kam er doch zwischen verschiedenen Teilen der damals populären, klassischen Horrorreihen rund um Dracula, Frankenstein und die Mumie heraus. THE DEVIL RIDES OUT sorgt so für eine gewisse Abwechslung unter den typischen Hammer-Gruslern und überzeugt mit einer durchaus rasanten Inszenierung, moderneren Settings und einigen – auch heute noch ausgesprochen nett anzusehenden (z.B. die Spinnenszene) – Schauwerten. Über fehlende Spannung kann man sich definitiv nicht beklagen und wer auch nur ein kleines Faible für Horrorfilme mit okkultem Bezug hat, dürfte seine wahre Freude an THE DEVIL RIDES OUT haben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BATMAN (Großbritannien/USA 1989, Regie: Tim Burton)

batman

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burtons Version von BATMAN gefällt mir persönlich dann halt doch mit Abstand am besten. Das Set Design ist schlichtweg atemberaubend, die ganze Atmosphäre des Films ist einfach nur skurril und Jack Nicholson als Joker ist unfassbar gut und zeigt eine Darbietung, die alle Grenzen des gesunden Menschverstands zu sprengen scheint. Ich liebe diese unzähligen, irrsinnigen Einfälle, die Burton dem Zuschauer präsentiert. Ich liebe den makabren Humor des Films, den düsteren Gothik-Look von Gotham City, den Score von Danny Elfman mit den Songs von Prince und die anbetungswürdige Kim Basinger in der Rolle der Vicky Vale.

Ich habe keine Ahnung, ob Burton der Vorlage großartig gerecht wird, mit den Comics habe ich mich nie wirklich intensiv beschäftigt, und es könnte mir auch gar nicht egaler sein. Für Comic-Puristen, die sich über Burtons Umsetzung gerne echauffieren können, gibt es ja noch Nolans DARK KNIGHT-Trilogie, die diesem Film hier in meinen Augen aber auch nicht nur im Ansatz das Wasser reichen kann. BATMAN ist groß, übermenschlich groß!

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

BATMAN RETURNS (Großbritannien/USA 1992, Regie: Tim Burton)

batman returns

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

3 Jahre nach dem Erfolg von BATMAN legte Regisseur Tim Burton dieses Sequel nach. Den üblichen Sequel-Regeln folgend, funktioniert BATMAN RETURNS nach dem “Höher, schneller, weiter“-Prinzip, welches ja in nur wenigen Fällen aufgeht. BATMAN RETURNS ist einer der Glücksfälle, bei dem es perfekt funktioniert. Vom Stil her bleibt Burton dem Vorgänger treu. Die düstere Gothik-Atmosphäre, die atemberaubenden Settings, die unzähligen skurrilen Einfälle, die in jeder Sequenz auszumachende Liebe zum Detail, der makabre Humor – alles was den Vorgänger so sehenswert gemacht hat, ist in BATMAN RETURNS in verstärkter und intensivierter Form vorhanden und führt dazu, dass man diesen Film einfach nur als visuellen Augenschmaus bezeichnen kann. Im direkten Vergleich zum Vorgänger muss man Abstriche lediglich im Hinblick auf den Bösewicht machen. Diese Anmerkung soll jedoch keineswegs die Leistung von Danny DeVito schmälern, der einen grandiosen Gegenspieler abgibt und seinen Pinguin innerhalb der Schnittmenge zwischen abgrundtief bösen Psychopathen und bemitleidenswerten Außenseiter famos verkörpert, sie soll vielmehr darauf hinweisen, dass Jack Nicholson im Vorgänger nicht viel weniger als eine Jahrhundert-Performance hingelegt hat und unmöglich adäquat zu ersetzen gewesen ist. Bereits BATMAN war übermenschlich groß und unbeschreiblich gut, BATMAN RETURNS ist in meinen Augen sogar minimal besser. Nicht viel, aber ein klitzekleines bisschen.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

SIEBEN TAGE FRIST (Deutschland 1969, Regie: Alfred Vohrer)

sieben tage frist

(Fassung: DVD, Filmjuwelen, Deutschland)

In einem Internat in Norddeutschland verschwindet der Schüler Kurrat (Arthur Richelmann) spurlos, pikanterweise kurze Zeit nachdem er von seinem Lehrer Fromm (Konrad Georg) unberechtigterweise eine Ohrfeige bekommen hatte. Um kein Aufsehen zu erregen, versuchen die Internatsverantwortlichen – allen voran der Lehrer Hendriks (Joachim Fuchsberger) – das Verschwinden des Jungen auf eigene Faust aufzuklären. Als jedoch plötzlich die Leiche des Lehrers Stallmann (Paul Albert Krumm) aus der See gefischt wird, schaltet sich die Polizei in Form von Inspektor Klevenow (Horst Tappert) doch ein und beginnt ihre Ermittlungen im und rund um das Internat…

Was sich jetzt auf den ersten Blick vielleicht wie ein typischer und nicht sonderlich aufregender Krimi lesen mag, ist tatsächlich ein ausgesprochen ausgeklügeltes und wendungsreiches Kriminaldrama, welches den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt und ihm am Ende schließlich eine Auflösung präsentiert, bei der einem erst mal die Sprache wegbleibt. SIEBEN TAGE FRIST ist ungemein spannend, atmosphärisch dicht und einfach nur großartig besetzt. Horst Tappert gibt schon einen Vorgeschmack auf seine spätere Rolle als Stephan Derrick, der von Joachim Fuchsberger gespielte Hendriks erinnert hin und wieder an seine Ermittlerrollen in den Edgar-Wallace-Filmen, Konrad Georg als Fromm ist überragend gut und die diversen Darsteller der Jugendlichen sind perfekt gecastet.

Es scheint sich zu lohnen, in den Tiefen der deutschen Kinogeschichte nach noch unbekannten Perlen zu suchen. SIEBEN TAGE FRIST – den wahrscheinlich so gut wie kein Mensch kennt (in der IMDB kommt Vohrers Film gerade mal auf 63 Bewertungen) – ist nicht viel weniger als ein Glücksfall von einem Film.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

BATMAN FOREVER (Großbritannien/USA 1995, Regie: Joel Schumacher)

batman forever

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burton räumte den Regiestuhl und war hier nur noch als Produzent tätig. Mit Joel Schumacher als Regisseur kommt der Zirkus in die Stadt. Und nicht nur in Form des Artisten Dick Grayson (Chris O’Donnell), der hier im Verlauf des Films als Robin an Batmans (nicht mehr Michael Keaton, sondern nun Val Kilmer) Seite gegen die beiden Bösewichter des Films, Two-Face (Tommy Lee Jones) und den Riddler (Jim Carrey), kämpfen soll. BATMAN FOREVER ist eine kunterbunte Kirmesveranstaltung. Von Burtons Vision aus den ersten beiden Teilen ist im Endeffekt nur noch der düstere Look von Gotham City übrig – und selbst der wird durch viele bunte Farben aufgeweicht. BATMAN FOREVER krankt vor allem an seinen beiden Bösewichtern, die an den Joker und den Pinguin aus den ersten beiden Filmen nicht ansatzweise herankommen und deren Charakteren es einfach an Tiefe fehlt (was war der Joker doch für ein abgrundtief böser und erschreckender Fiesling und was war der Pinguin doch für eine zutiefst traurige Gestalt); beide bleiben – trotz vieler bunter Farben, viel Krawall und Tohuwabohu, doch relativ blass. Was für die Schurken gilt, gilt leider auch für die weibliche Hauptrolle. Nicole Kidman, hier noch nicht als Botoxbomber unterwegs, darf nicht sonderlich viel mehr tun als hübsch auszusehen. Kein Vergleich zu Kim Basinger aus BATMAN oder Michelle Pfeiffer aus BATMAN RETURNS.

Gegenüber Burtons Großtaten muss man hier also schon verdammt viele Abstriche machen und rein objektiv betrachtet ist BATMAN FOREVER doch ziemlich weit davon entfernt, so etwas wie ein guter Film zu sein. Aber so etwas wie Objektivität kann ich beim Ansehen von Filmen sowieso nie aufbringen und ich muss gestehen, dass ich BATMAN FOREVER trotz all seiner offensichtlichen Schwächen irgendwie sehr gerne mag, insbesondere, weil der Unterhaltungsfaktor dieses Films in meinen Augen schon verdammt hoch ausgefallen ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET (aka Thirsty for Love, Sex and Murder, Türkei 1972, Regie: Mehmet Aslan)

aska susayanlar seks ve cinayet

(Fassung: DVD, Onar Films, Griechenland)

Ein Killer mit einer Rasierklinge, weibliche Opfer, Blut, nackte Haut, Intrigen, Ereignisse, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragen, Ehebruch, Gier – all das sind die Zutaten von Mehmet Aslans knapp 60-minütigem AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET, einem lupenreinen Giallo, wie ihn auch so mancher italienische Regisseur nicht viel besser hätte hinkriegen können, auf dessen Handlung – das muss man dann bei aller Sympathie aber doch eingestehen – Drehbuchautor Aykut Düz jetzt nicht wirklich das alleinige Urheberrecht anmelden kann, denn im Endeffekt handelt es sich bei Aslans Film um eine Variation des Sergio-Martino-Klassikers LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH. Aber wer will sich darüber beschweren, wenn dann so ein Film dabei herauskommt. Und vor allem, wenn man sieht, was Aslan hier mit – ganz offensichtlich – verdammt wenig Kohle auf die Leinwand gezaubert hat. Das fehlende Budget macht Aslan mit ganz viel Atmosphäre und Schauwerten wieder wett, die (geklaute) Handlung seines Films ist wendungsreich und rast regelrecht am Zuschauer vorbei und Zeit zum Durchschnaufen gönnt Aslan seinem Publikum nicht. Und dann dieser komplett irrsinnige – natürlich mal wieder “geliehene“ – Score, der den Zuschauer von der Tonspur regelrecht entgegen schreit und verdammt viel zur Wirkung dieser Sleazegranate beiträgt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HORROR EXPRESS (Großbritannien/Spanien 1972, Regie: Eugenio Martín)

horror express

(Fassung: DVD, CCI, Deutschland)

Christopher Lee spielt den Anthropologie-Professor Saxton, der ein im Eis eingefrorenes Wesen entdeckt, dieses birgt und eingeschlossen in einer riesigen Kiste im Transsibirien-Express zu weiteren Forschungszwecken nach England bringen will. Als der sich ebenfalls im Zug befindliche Dr. Wells (Peter Cushing) unbedingt herausfinden will, was sich in der geheimen Kiste befindet, wird das Wesen versehentlich befreit…

Lee und Cushing in Hochform, gepaart mit einem Regisseur, der ganz genau weiß, was er tun muss, um sein Zielpublikum glücklich zu machen. HORROR EXPRESS steckt voller toller Sachen. Es gibt einen außerirdischen Affenmenschen, gruselig entstellte Mordopfer, blutige Autopsien, einen verrückten Mönch (großartig: Alberto de Mendoza) und im Finale sogar eine von Telly Savalas angeführte Zombie-Armee.

Das Zug-Setting ist toll – gibt es Menschen da draußen, die Filmen, die in Zügen spielen, tatsächlich gar nichts abgewinnen können (ich kann es nicht glauben)? -, Schauwerte sind, wie oben schon angeführt, mehr als reichlich vorhanden und die teils herrlich trashigen Dialoge, in denen wissenschaftliche Erklärungen für die schrecklichen Ereignisse während der Zugfahrt gesucht werden, tragen zudem viel zum unwiderstehlichen Charme des Films bei.

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 5 (USA 2009-2010, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In der fünften Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER müssen sich Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) damit auseinandersetzen, dass sie sich tatsächlich ineinander verliebt zu haben scheinen und schließlich schon bald mit der Konsequenz leben, dass sie für eine gemeinsame Beziehung einfach nicht gemacht sind. Gleichzeitig versuchen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) weiterhin, die Tücken des Ehelebens zu meistern und Ted (Josh Radnor) ist noch immer auf der Suche nach der Mutter seiner beiden zukünftigen Kinder…

Die beiden Serienerfinder Carter Bays und Craig Thomas halten HOW I MET YOUR MOTHER auch in der mittlerweile fünften Staffel auf einem guten bis sehr guten Niveau. Die einzelnen, jeweils für sich abgeschlossenen Episoden, werden durch lose Handlungsfäden miteinander verknüpft und den fünf Freunden wird es ermöglicht, sich auch in dieser fünften Staffel stetig weiterzuentwickeln. Der Star dieser Staffel ist natürlich wieder Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney, der den Großteil der Lacher auf seiner Seite hat und der hier neben seiner sonstigen Souveränität auch vermehrt Schwächen zeigen darf. Ein Fakt, der den zynischen Womanizer zeitweise schon fast sympathisch erscheinen lässt. Highlight der Staffel: die Episode GIRLS VS. SUITS, die in einem famosen Musical-Finale endet und in der sich Barney zwischen seinen geliebten Anzügen und der Eroberung einer Frau entscheiden muss, die für Anzugträger rein gar nichts übrig hat.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND (Deutschland/Frankreich 1974, Regie: Alfred Vohrer)

die antwort kennt nur der wind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Ich hatte mir vor mittlerweile doch schon etwas längerer Zeit mal die erste Simmel-Verfilmung UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN angesehen und war damals doch ziemlich überrascht, welch bizarrer Film das im Endeffekt doch gewesen ist. Der ursprüngliche Plan war damals, mir auch die weiteren Simmel-Filme anzusehen und dieser Plan soll nun nach und nach in die Tat umgesetzt werden.

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist der sechste von insgesamt acht Filmen, die zwischen 1971 und 1976 ins Kino gekommen sind und gleichzeitig der letzte, den Alfred Vohrer inszeniert hat. Es geht um den von Maurice Ronet gespielten Robert Lucas, einen Ermittler einer Versicherungsgesellschaft, der Beweise dafür finden soll, dass der deutsche Bankier Hellmann, der vor Cannes gemeinsam mit seiner Luxusyacht in die Luft flog, nicht Opfer eines Mordanschlags wurde, sondern Selbstmord begangen hat. In diesem Fall müsste die stattliche Versicherungssume von 15 Millionen Mark nicht ausgezahlt werden. Lucas stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf jede Menge zwielichtige Personen, sondern auch auf zwei schöne Frauen (Karin Dor und Marthe Keller), die durchaus hilfreiche Informationen für ihn haben könnten. Doch je länger die Ermittlungen andauern, desto mehr lässt sich Lucas selbst auf ein gefährliches Spiel ein…

Vohrer inszeniert DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND als spannenden, wendungsreichen Thriller, der – und das dürfte definitiv der Vorlage geschuldet sein – jedoch nicht ohne eine kleine Portion Schmalz und Kitsch auskommt. Im Vergleich zu UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (soweit ich mich noch an ihn erinnern kann) ist DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND weit weniger bizarr ausgefallen und erinnert über weite Strecken an eine bessere TV-Produktion aus der damaligen Zeit und nicht unbedingt an einen Film, der für die große Leinwand gemacht wurde. Obwohl teilweise an Originalschauplätzen in Cannes und Nizza gedreht, kommt Vohrers Film – insbesondere was die potentiellen Schauwerte der Drehorte betrifft – ziemlich unspektakulär daher, was ihm allerdings nicht wirklich schadet, sondern sogar eher nützt. DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist stellenweise ziemlich düster ausgefallen und verbreitet über die komplette Laufzeit – auch unterstützt durch den Score von Komponist Erich Ferstl – eine extrem melancholische Grundstimmung, die ganz hervorragend zu den Ereignissen auf der Leinwand passt. Auch diese Simmel-Verfilmung hat mich mehr als positiv überrascht und mir im Endeffekt sogar besser gefallen als der o.g. UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN. Ich bin auf die anderen Filme der Reihe schon sehr gespannt.

Persönliche Bewertung: Gut!

ROTE SONNE (Deutschland 1970, Regie: Rudolf Thome)

rote sonne

(Fassung: DVD, Galileo Medien, Deutschland)

In ROTE SONNE trennen sich vier WG-Bewohnerinnen (u.a. Uschi Obermaier) jeweils nach fünf Tagen auf ausgesprochen drastische Art und Weise von ihren männlichen Liebhabern – sie bringen sie einfach um. Als jedoch mit Thomas (Marquard Bohm) der Ex-Freund der von Uschi Obermaier gespielten Peggy vor der Tür steht, um Asyl bittet und sich zwischen ihm und Peggy plötzlich wieder etwas anzubandeln scheint, gerät das ungeschriebene Gesetz zum Umgang mit Männern schnell ins Wanken…

Ziemlich skurriler Film, den Regisseur Rudolf Thome da gedreht hat. So wirklich Zugang habe ich nicht zu ihm gefunden, fasziniert hat er mich in gewisser Weise trotzdem. ROTE SONNE ist phasenweise extrem witzig (wobei ich nicht ganz einschätzen kann, ob das aus heutiger Sicht nur so wirkt, oder auch damals schon lustig war), plätschert dann wieder einfach nur so vor sich hin und knallt dem Zuschauer dann unvermittelt Szenen vor den Latz, bei denen man seinen Augen kaum zu trauen vermag. ROTE SONNE ist in gleichem Maße sperrig und hochinteressant, insbesondere diese ständige Konfrontation zwischen dem Macho Thomas und den vier radikalen Feministinnen hat ihren Reiz, die Stilmittel, die Thome teilweise verwendet, sind aber durchaus gewöhnungsbedürftig. ROTE SONNE scheint nie “im Fluss“ zu sein, wirkt extrem sprunghaft und der fast gänzliche Verzicht auf einen extradiegetischen Score raubt dem Film zudem die Dynamik und lässt ihn sehr trocken erscheinen. Aber dann halt auch Uschi Obermaier, die tatsächlich der Inbegriff von “sexiness“ zu sein scheint und die ROTE SONNE unbedingt sehenswert macht. Oder die teils wunderschöne Kameraarbeit von Bernd Fiedler, die den Film in kunterbunten Farben von der Leinwand (bzw. dem heimischen Flatscreen) strahlen lässt. Irgendwie war ROTE SONNE schon ziemlich toll, irgendwie aber auch nicht…

Persönliche Bewertung: Gut!

UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI (Deutschland 1970, Regie: Alfred Weidenmann)

unter den dächern von st. pauli

(Fassung: DVD, Lighthouse, Deutschland)

Wie es der Titel in gewisser Weise schon verrät, handelt es sich bei Weidenmanns Film um einen der in den späten 60er und frühen 70er Jahren so beliebten Sittenreißer, welche zwar durchaus auch in anderen deutschen Großstädten, am häufigsten jedoch im Hamburger Stadtteil St. Pauli angesiedelt waren.

Regisseur Weidenmann lässt in UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI verschiedene Charaktere in einem Zeitraum von gut 2 Tagen aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht viel miteinander zu tun haben und deren Wege sich auch oft eher zufällig kreuzen. Weidenmann erzählt seine Geschichten in episodenhafter Struktur. Als Zuschauer verfolgt man bspw. einen Mann, der von Rache getrieben einem Gangsterboss nachstellt, einen besorgten Vater, der seine erst 17 Jahre alte Tochter davon abhalten will, in einem Stripclub aufzutreten, einen eifersüchtigen Ehemann, der es nicht mehr aushält, dass seine Frau der Star einer angesagten Sexshow ist, diese ermordet und auf seiner Flucht vor der Polizei eine Teenagerin als Geisel nimmt, einen Lehrer, der mit einer kurz vor dem Abitur stehenden Schulklasse einen Ausflug nach St. Pauli unternimmt und von seinen Schülern üble Streiche gespielt bekommt, einen Trunkenbold, der immer auf der Suche nach einem Gratisschnaps durch die Straßen zieht, usw.; die erzählten Episoden sind in gleichem Maße spannend, dramatisch und komisch und es ist vor allem diese Mischung, die UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI extrem kurzweilig und sehenswert macht. Und über fehlende Schauwerte kann man sich beim besten Willen auch nicht beklagen.

Persönliche Bewertung: Gut!

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