Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

CURSE OF THE CRIMSON ALTAR (Großbritannien 1968, Regie: Vernon Sewell)

curse of the crimson altar

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Britische Horror- bzw. Gruselkost aus den späten 60er Jahren – eigentlich immer eine sichere Bank. In CURSE OF THE CRIMSON ALTAR begibt sich ein Mann (Mark Eden) auf die Suche nach seinem verschwundenen Bruder. Diese führt ihn in das mondäne Anwesen des geheimnisvollen Morley (Christopher Lee) und auf die Spur alter Hexenkulte und Opferungszeremonien. Regisseur Vernon Sewell präsentiert mit CURSE OF THE CRIMSON ALTAR eine gelungene Mischung aus Gothic Horror und Sixties-Psychedelia. Die Handlung spielt sich innerhalb eines riesigen, alten Hauses ab, mit düsteren Ecken und Winkeln, mit Spinnweben verhangenen, geheimen Räumen und einem unheimlichen Privatfriedhof. Es gibt obskure Hexenzeremonien in grellen Farben zu bewundern, es gibt eine komplett aus dem Ruder laufende Partyszene, es gibt ein bisschen nackte Haut und es gibt eine rasant erzählte und auch heute noch eine gewisse Spannung verbreitende Geschichte. Und CURSE OF THE CRIMSON ALTAR bietet dem Genrefreund nicht nur Christopher Lee, sondern auch noch Boris Karloff, Michael Gough und Barbara Steele (letztere in einem irrsinnigen Outfit als Hexe Lavinia) in der Besetzungsliste. Sonderlich viel mehr geht eigentlich gar nicht.

Persönliche Bewertung: Gut!

TAKEN 3 (Frankreich 2014, Regie: Olivier Megaton)

taken 3

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Im dritten Teil der Reihe begibt sich Liam Neeson als Bryan Mills auf die Jagd nach den Mördern seiner Ex-Frau (Famke Janssen) und befindet sich dabei gleichzeitig auf der Flucht vor der Polizei in Gestalt von Forest Whitaker, denn die Mörder haben es geschickt hinbekommen, den Verdacht auf Mills zu lenken…

Die Geschichte des unschuldig Verdächtigen, der sich auf die Suche nach den wahren Tätern begibt um sowohl Rache zu üben als auch seine Unschuld zu beweisen, ist wahrscheinlich schon fast so alt wie das Kino selbst. TAKEN 3 ist also ziemlich weit davon entfernt, so etwas wie einen Innovationspreis für das Drehbuch gewinnen zu können. Regisseur Olivier Megaton gelingt es dennoch, diesen 08/15-Plot halbwegs spannend und kurzweilig umzusetzen und wie man Actionszenen gekonnt inszeniert, hat Megaton ja zuvor bereits mit TRANSPORTER 3, COLOMBIANA und TAKEN 2 bewiesen. Die Mischung aus Thrill und Action ist Megaton auch hier richtig gut gelungen, TAKEN 3 ist nicht so extrem überladen wie manch anderer Genrevertreter und vermeidet es, den Zuschauer mit Dauerbefeuerung zu ermüden. Die vorhandenen Actionsequenzen sind – trotz oft schneller Schnitte – übersichtlich geraten, gut choreographiert (insbesondere die Highway-Verfolgungsjagd und die Sache mit dem Flugzeug im Finale) und innerhalb der Handlung jeweils perfekt platziert. Das ist sicher kein Film, der das Rad neu erfinden kann, Freunde des Actionkinos können sich aber definitiv auf gute und solide Unterhaltung einstellen.

Persönliche Bewertung: Gut!

THIEVES’ HIGHWAY (USA 1949, Regie: Jules Dassin)

thieves' highway

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In THIEVES’ HIGHWAY begibt sich Richard Conte als Nick Garcos in eine gefährliche Zwischenwelt skrupelloser Händler und Geschäftemacher. Eigentlich wollte er nur Licht in einen mysteriösen Unfall seines Vaters (Morris Carnovsky) bringen, an dem der fiese Großhändler Mike Figlia (Lee J. Cobb) wohl nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte. Aber auf das, was ihn letztendlich in den dunklen Straßen von San Francisco erwartet, ist Nick gänzlich unvorbereitet…

Regisseur Jules Dassin zeichnet in THIEVES’ HIGHWAY eine Welt, in der sich jeder selbst am nächsten ist, in der man niemandem trauen kann und in der man – sofern man nicht entsprechend gewappnet sein sollte – Gefahr läuft, komplett unter die Räder zu kommen. THIEVES’ HIGHWAY hat mich in erster Linie aufgrund seiner glaubwürdigen und ungemein authentisch rüberkommenden Zeichnung der handelnden Charaktere und ihres eigenen Mikrokosmos fasziniert. Fast könnte man meinen, hier habe ein Kamerateam einfach mal ihr Arbeitsgerät laufen lassen, während die Händler und Geschäftemacher ihre Waren anpreisen und sowohl ihre Geschäftspartner als auch ihre Kunden versuchen, übers Ohr zu hauen. Dassins Film zählt zum Genre des Film Noir, es dürfte einer der ungewöhnlichsten Vertreter seiner Art sein.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

47 RONIN (USA 2013, Regie: Carl Rinsch)

47 ronin

(Fassung: Blu-ray 3D, Universal, Deutschland)

Anfang des 18. Jahrhunderts rächten 47 herrenlose Samurai den Mord an ihrem Lehnsherren. Dieses historische Ereignis diente als Vorlage für den Film von Regisseur Carl Rinsch, der der Geschichte noch einen Fantasy-Touch in Form von Hexen, Drachen u.ä. hinzufügt. 47 RONIN spult sein Pensum dann auch erwartungsgemäß ohne größere Höhepunkte oder Überraschungen ab. Die Kampfszenen sind anspruchsvoll in Szene gesetzt, größere Längen sind praktisch nicht vorhanden und die beiden Wörter, mit denen man 47 RONIN wohl mit am besten beschreiben kann lauten unterhaltsam und solide. Wer sich mit dem asiatischen Kino im Allgemeinen und dem japanischen Kino im Speziellen schon näher auseinandergesetzt hat, dürfte Geschichten wie diese hier schon in Hülle und Fülle und häufig auch weitaus besser und überzeugender zu Gesicht bekommen haben. Für eine Produktion aus den USA geht der Film schon in Ordnung.

Persönliche Bewertung: Ok!

KINGSMAN: THE SECRET SERVICE (Großbritannien 2014, Regie: Matthew Vaughn)

kingsman - the secret service

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Der etwas andere Agentenfilm. War aber auch durchaus zu erwarten. Schließlich führte hier Matthew Vaughn Regie und der hat 4 Jahre vorher mit KICK-ASS ja auch den etwas anderen Superheldenfilm gedreht. KINGSMAN: THE SECRET SERVICE braucht zwar eine gute Stunde, bis er so richtig in Fahrt kommt, sprüht aber auch schon während dieser Zeit, in der er Geschwindigkeit langsam aufnimmt, vor lauter Einfallsreichtum und begeistert mit vielen tollen Ideen und absurden Situationen, in die die verschiedenen Pro- und Antagonisten immer wieder geraten. Das ist einer dieser Filme, die einfach nur richtig gute Laune verbreiten und von vorne bis hinten richtig viel Spaß machen. Erinnerungswürdige Szenen gibt es zuhauf, meine persönlichen Favoriten sind die komplett wahnsinnige Sequenz in der Kirche und dieses ganz spezielle Feuerwerk, welches im Finale gezündet wird. Und Samuel L. Jackson als lispelnder Supergangster ist die absolute Schau. Zu manchen Filmen muss man gar nicht mehr sagen als dieses eine Wort: Anschauen! KINGSMAN: THE SECRET SERVICE ist einer von ihnen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

CHAPPIE (Mexiko/USA 2015, Regie: Neill Blomkamp)

chappie

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Regisseur Neill Blomkamp bleibt sich selbst und dem Science-Fiction-Genre treu. In seinem nach DISTRICT 9 und ElYSIUM dritten, abendfüllenden Spielfilm dreht sich alles um einen Roboter mit einem Bewusstsein.

Dem für einen Waffenkonzern arbeitenden Deon Wilson (Dev Patel) ist nämlich ein bahnbrechender Durchbruch bei der Erforschung künstlicher Intelligenz gelungen. Doch dummerweise ist seine Chefin (Sigourney Weaver) nicht wirklich an seinen Erkenntnissen interessiert und möchte lieber ihre für die Polizei in Johannesburg angefertigten Kampfroboter, die mehr oder weniger selbständig auf Verbrecherjagd gehen können, weiter an den Mann bringen. Als einer dieser Roboter bei einem Einsatz irreparabel beschädigt wird und entsorgt werden soll, klaut Deon den defekten Roboter um ihn eine neue Software aufzuspielen, die dafür sorgen soll, dass der Roboter lernfähiger wird sowie Gefühle und ein eigenes Bewusstsein entwickeln kann. Doch dummerweise fallen Deon und sein Roboter einem Gangsterpärchen (gespielt vom südafrikanischen Alternative-Rap-Duo Die Antwoord, bestehend aus Yolandi Visser und Watkin Tudor Jones aka Ninja, welches auch für einen Großteil der Songs auf dem Soundtrack des Films verantwortlich zeichnet) in die Hände und die haben so ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Nutzen eines intelligenten Roboters…

CHAPPIE ist so etwas wie die Actionvariante von SHORT CIRCUIT, Badhams 80er-Jahre-Klassiker, in dem der kleine Roboter Number 5 ein eigenes Bewusstsein entwickelt, bzw. eine Kreuzung aus SHORT CIRCUIT und ROBOCOP. Blomkamp erzählt seine Geschichte in einer gelungenen Mischung aus dramatischen, komischen und spannenden Momenten, reichert seinen Film mit jeder Menge spektakulärer und druckvoll inszenierter Actionsequenzen an und konfrontiert den Zuschauer in diesen auch mit teils heftigen Gewaltausbrüchen und Splattereffekten. Gleichzeitig gelingt es ihm, den Titelhelden so zu zeichnen und zu entwickeln, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als Empathie für ihn zu entwickeln. Man hofft und bangt tatsächlich mit dieser Maschine und diese Tatsache kann man durchaus als verstörend bezeichnen.

Der in einer nicht allzu weit entfernt liegenden Zukunft spielende Film stellt dabei zwangsläufig die Frage, wie weit technischer Fortschritt noch gehen kann, muss und darf und befindet sich natürlich in bester Gesellschaft unzähliger anderer Genrevertreter, die auch bereits vor CHAPPIE vor der zunehmenden Hilflosigkeit des Menschen gegenüber den Maschinen gewarnt haben.

Lediglich das Finale, in dem es schließlich um das Schicksal des Roboters, seines Schöpfers und des Gangsterpaares geht, ist dann doch etwas arg übertrieben und hanebüchen ausgefallen – man könnte fast meinen, Neill Blomkamp seien da selbst ein paar Sicherungen durchgebrannt – und sorgt letztendlich leider dafür, dass aus einem zuvor noch sehr guten dann am Ende des Tages halt doch “nur“ ein guter Film wird.

Persönliche Bewertung: Gut!

TO THE DEVIL A DAUGHTER (Deutschland/Großbritannien 1976, Regie: Peter Sykes)

to the devil a daughter

(Fassung: DVD, Optimum, Großbritannien)

Okkult-Horror aus dem Hause Hammer Films, die mit TO THE DEVIL A DAUGHTER, den sie in Kooperation mit der Berliner Terra Filmkunst verwirklichten, damals den Versuch unternahmen, thematisch an die Erfolge solcher Filme wie ROSEMARY’S BABY und THE EXORCIST anzuknüpfen. Obwohl der Film – das kann man der auf der mir vorliegenden DVD enthaltenen Kurz-Dokumentation entnehmen – durchaus erfolgreich gewesen ist und beim Publikum gut ankam, sollte er damals der letzte Horrorfilm gewesen sein, der von den Hammer Film Studios produziert wurde und gar für sehr, sehr lange Zeit (die umtriebige Produktionsgesellschaft feierte erst im Jahr 2010 ihr Comeback) einer der letzten Filme von Hammer überhaupt (3 Jahre nach diesem Film kam noch ein Remake des Hitchcock-Klassikers THE LADY VANISHES heraus und das sollte es dann im Endeffekt erst mal gewesen sein).

Aus dem direkten Vergleich mit den im Eingangssatz genannten Vorbildern geht TO THE DEVIL A DAUGHTER jedoch nur als zweiter Sieger hervor. Der mit Christopher Lee, Richard Widmark, Honor Blackman, Denholm Elliott und der jungen Nastassja Kinski wirklich ganz hervorragend besetzte Film wirkt stellenweise etwas zerfahren, es dauert sehr lange, bis sich so etwas wie Spannung entwickeln kann und insbesondere das Ende kann nicht wirklich überzeugen. Zuzuschreiben ist das alles wohl in erster Linie den widrigen Produktionsumständen, unter denen der Film entstand. Die Zusammenarbeit mit Richard Widmark, der Hollywood-Standards erwartete und wohl ziemlich kompliziert sein konnte, soll laut Aussagen in der o.g. Kurzdoku die Hölle gewesen sein und die zu Drehbeginn vorliegende Drehbuchfassung war wohl nicht zu gebrauchen, so dass Regisseur Peter Sykes ohne Skript mit den Dreharbeiten beginnen musste und das Drehbuch während der Produktion erst umgeschrieben und überarbeitet wurde.

Bedenkt man diese Umstände, so kann sich das fertige Ergebnis durchaus sehen lassen. TO THE DEVIL A DAUGHTER verbreitet stellenweise eine ziemlich unheimliche und beunruhigende Atmosphäre und dass der Film mit Schauwerten geizen würde, kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Teilweise geht es ziemlich derb zur Sache und so manche Grenze des guten Geschmacks wird in so einigen Sequenzen genüsslich überschritten.  Freunde gepflegter Exploitation machen mit diesem Film hier sicherlich nichts falsch.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE INTERVIEW (USA 2014, Regie: Evan Goldberg/Seth Rogen)

the interview

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Seth Rogen und James Franco spielen zwei TV-Journalisten, die nicht gerade für seriöse Unterhaltung bekannt sind, jedoch die einmalige Chance bekommen, den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un (Randall Park) zu interviewen. Das bleibt auch dem CIA nicht verborgen und die beiden werden vom Geheimdienst angeheuert, einen Mordanschlag auf Kim zu verüben…

THE INTERVIEW hat zur Jahreswende hohe Wellen geschlagen. Die nordkoreanische Führung war über den Inhalt des Films verständlicherweise “not amused“ und bezeichnete die Herstellung des Films als terroristischen Akt. Auf Sony Pictures – als Mutterkonzern der produzierenden Columbia Pictures – wurde im folgenden ein massiver Hackerangriff ausgeübt, bei dem nicht nur eine Kopie dieses Films, sondern unzählige weitere Daten gestohlen wurden und mit der Veröffentlichung dieser Daten gedroht wurde, solle THE INTERVIEW tatsächlich veröffentlicht werden. Als schließlich auch noch ernstzunehmende Anschlagsdrohungen auf Kinos ausgesprochen wurden, die den Film zeigen wollten, zog Sony den Kinostart zurück, Rogen und Franco stellten jede Promotion für den Film ein. Es war schließlich US-Präsident Obama höchstpersönlich, der einen Start des Films forderte und dafür sorgte, dass THE INTERVIEW an Weihnachten 2014 in ausgewählten Programmkinos startete und kurze Zeit später auch im Internet gestreamt wurde. Im Endeffekt war diese Kontroverse natürlich perfekte Werbung für den Film, sorgte auf der anderen Seite aber auch dafür, dass THE INTERVIEW die Erwartungshaltung des Publikums, die aufgrund des Trubels entstanden war nur schwer erfüllen konnte.

Natürlich ist THE INTERVIEW im höchsten Maße respektlos und politisch absolut unkorrekt, verhöhnt den alles andere als ungefährlichen Diktator Nordkoreas auf teils derbe Art und Weise und ist – vor dem Hintergrund des politischen Weltklimas – sicher nicht ganz unproblematisch. Die Frage, wie weit Satire letztendlich gehen darf und ob THE INTERVIEW tatsächlich zu weit geht, muss wohl jeder für sich selbst beantworten.

Ich persönlich stelle mir jedoch eher die Frage, ob man THE INTERVIEW überhaupt ernstnehmen kann. Denn Rogen und Goldberg haben auch ihre Satire mit dem typischen Fäkalhumor angereichert, der praktisch in allen Komödien mit Seth Rogen in der Hauptrolle vorhanden ist und das führt letztendlich dazu, dass der Film stellenweise so extrem überzeichnet rüberkommt, dass er von bitterböser Komik, bei der einem das Lachen regelrecht im Halse steckenzubleiben droht – wie beispielsweise in der Dschihad-Komödie FOUR LIONS perfekt praktiziert – doch meilenweit entfernt ist. Am Ende des Tages ist das hier ein typischer Seth-Rogen-Film mit einigen irrsinnig lustigen Sequenzen und jeder Menge pubertierendem Fäkalhumor. Wenn man – wie ich – die Filme des Komikers mag, wird man auch THE INTERVIEW mögen, wenn man weniger mit seiner Form des Humors anfangen kann, dürfte die Sichtung dieses Films eher verschwendete Lebenszeit darstellen.

Persönliche Bewertung: Gut!

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Noch mehr Männer in Masken und Strumpfhosen

SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE (Großbritannien/USA 1987, Regie: Sidney J. Furie)

superman iv - the quest for peace

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Für den vierten und letzten Film der Reihe mit Christopher Reeve in der Hauptrolle sicherte sich die legendäre Cannon Film Group die Rechte, was letztendlich zur Folge hatte, dass die Reihe eine knapp 20-jährige Pause auf der großen Leinwand einlegen musste. Der Ansatz ist zwar gar nicht mal so schlecht – als Aufhänger diente der Kalte Krieg und das Wettrüsten der Supermächte, Lex Luthor kehrt als Widersacher zurück und die Beziehung zwischen Superman/Clark Kent und der von Margot Kidder erneut gespielten Lois Lane rückt wieder etwas mehr in den Fokus -, die Umsetzung lässt allerdings arg zu wünschen übrig. Von der Größe der vorherigen Filme ist praktisch nichts mehr vorhanden. Standen den Machern des direkten Vorgängers aufgrund Budgetkürzungen schon “nur“ noch ca. $ 39 Mio. zur Verfügung (die ersten beiden Filme hatten je ca. $ 55 Mio. gekostet), musste Regisseur Sidney J. Furie diesen vierten Teil mit einem regelrechten Minibudget von ca. $ 17 Mio. verwirklichen. Entsprechende Abstriche muss man als Zuschauer dann insbesondere auch bei den Effekten und den Settings machen, der ganze Plot kommt zudem ziemlich trashig daher und ein paar extrem bescheuerte Logikfehler hätte man sich auch gerne sparen können. Aber wahrscheinlich hätte SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE unter den gegebenen Umständen auch gar kein besserer Film werden können. Und auch wenn das hier der bisher schwächste Teil der Reihe ist, so hat auch er seine tollen Momente (insbesondere die Sequenz mit dem Doppeldate zwischen Superman/Lois Lane und Clark Kent/Lacy Warfield ist dabei hervorzuheben, da diese tatsächlich ausgesprochen witzig umgesetzt wurde und es verdammt viel Spaß macht, dabei zuzusehen, wie der Superheld ständig seine Identitäten wechseln muss).

Persönliche Bewertung: Nett!

THE PHANTOM (Australien/USA 1996, Regie: Simon Wincer)

the phantom

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Billy Zane ist der titelgebende Held, der in dieser Comicverfilmung aus dem Jahr 1996 verhindern muss, dass der ebenso skrupellose wie größenwahnsinnige Geschäftsmann Xander Drax (Treat Williams) in den Besitz von drei magischen Schädeln kommt, mit denen seine Macht schier unendliche Maße annehmen würde.

Simon Wincer legt THE PHANTOM als Mischung aus Superhelden- und Abenteuerfilm an, sein Film ist knietief im Pulp verwurzelt, die Einflüsse klassischer Serials aus den 30er und 40er Jahren sind ebenso unübersehbar wie die aktuellerer Abenteuerfilme wie beispielsweise der INDIANA JONES-Reihe. THE PHANTOM ist ein klassisches B-Movie, welches seine Herkunft zu keiner Sekunde verleugnet und den Zuschauer einfach nur mit möglichst vielen Schauwerten und einer rasanten Handlung unterhalten möchte. Wincers Film gewinnt vor allem aufgrund der großartigen Besetzung. Billy Zane als Titelheld ist schon ziemlich toll, aber James Remar und Treat Williams in den Rollen der beiden Hauptbösewichte sind einfach nur klasse. Dazu gesellen sich Kristy Swanson als Love Interest und eine junge Catherine Zeta-Jones in einem ihrer ersten größeren Leinwandauftritte. Und Cary-Hiroyuki Tagawa spielt auch noch mit. Zudem gibt es rasante Action zu Wasser, zu Lande und in der Luft, abenteuerliche Höhlen mit alten Artefakten, diverse Dschungelabenteuer, Piraten, usw., usf.; alles in allem ein in meinen Augen komplett gelungener Film, bei dem ich mir die relativ miese Durchschnittsbewertung in der IMDB – THE PHANTOM kommt gerade mal auf 4,9/10 Punkten – nicht wirklich erklären kann. Aber man muss ja nicht alles verstehen.

Persönliche Bewertung: Gut!

SUPERMAN RETURNS (USA 2006, Regie: Bryan Singer)

superman returns

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Knapp 20 Jahre nach SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE kam mit SUPERMAN RETURNS der fünfte Teil der Reihe in die Kinos. Kein Remake, kein Reboot, sondern tatsächlich eine echte Fortsetzung. So wirklich funktionieren mag der Film als Fortsetzung jedoch nicht und vielleicht hätte man die Reihe nach so langer Zeit entweder ruhen lassen oder einfach nur rebooten sollen (was dann ja 7 Jahre später mit MAN OF STEEL auch gemacht wurde).

Das größte Problem dieser Fortsetzung ist, dass die Geschichte zwar an die Vorgängerfilme anschließt – Superman (Brandon Routh) war einige Jahre wie vom Erdboden verschwunden und kehrt schließlich doch nach Metropolis zurück um den Menschen wieder zu dienen; gleichzeitig will der mittlerweile aus dem Gefängnis entlassene Lex Luthor (Kevin Spacey) dem Kapitel Superman ein ultimatives Ende setzen -, die Darsteller – insbesondere Brandon Routh als Superman/Clark Kent und Kate Bosworth als Lois Lane – aber viel zu jung für ihre Rollen sind. Dieses Manko fällt natürlich umso schwerer ins Gewicht, wenn man die vier Vorgängerfilme kurz zuvor gesehen hat.

Ein weiteres Problem des Films ist, dass die Chemie zwischen den Charakteren nicht passt. Das Duo Routh/Bosworth schafft es nicht einmal annähernd, eine dem Duo Reeve/Kidder ähnliche Magie auf die Leinwand zu zaubern. Und auch die Story selbst gibt nicht wirklich viel hier und mit einer Laufzeit von fast 2,5 Stunden ist SUPERMAN RETURNS für das, was er letztendlich zu bieten hat, viel zu lang ausgefallen.

Es ist schade, dass dieser Film letztendlich eher enttäuschend ausgefallen ist. Denn trotz aller Schwächen ist spürbar, dass Singer hier mit verdammt viel Leidenschaft ans Werk gegangen ist und alles versucht hat, um den Vorgängerfilmen und dem Gedenken an Christopher Reeve, der im Oktober 2004 an einem Herzinfarkt verstorben ist, irgendwie gerecht zu werden. SUPERMAN RETURNS sieht toll aus, die Effekte sind klasse und vor allem Routh und Spacey können ja auch durchaus überzeugen. Aber am Ende des Tages ist das Gegenteil von gut dann halt leider doch nur gut gemeint.

Persönliche Bewertung: Naja!

MYSTERY MEN (USA 1999, Regie: Kinka Usher)

mystery men

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Nachdem er alle Superschurken hinter Schloss und Riegel gebracht hat, ist der Superheld Captain Amazing (Greg Kinnear) stark unterfordert, da er einfach keine gleichwertigen Gegner mehr hat. Er entschließt sich dazu, dafür zu sorgen, dass sein Erzfeind Casanova Frankenstein (Geoffrey Rush) aus dem Gefängnis freikommt, um dann wieder eine echte Aufgabe zu haben. Doch der Plan geht schief. Der freigelassene Frankenstein überwältigt den selbstherrlichen Helden und nimmt ihn gefangen. Nun liegt das Schicksal der Menschheit in den Händen einer Gruppe selbsternannter Superhelden (u.a. Ben Stiller, William H. Macy), deren Mitglieder jedoch über ein gehöriges Manko verfügen: keiner von ihnen hat echte Superkräfte…

Regisseur Kinka Usher, dessen bis heute einzige Regiearbeit dieser Film bleiben sollte, hat mit MYSTERY MEN eine sympathische Mischung aus Superheldenparodie und Außenseiterballade gedreht. Die titelgebende Truppe rund um Ben Stiller und William H. Macy gleicht fehlendes Talent mit purem Optimismus, unbändiger Energie und ausgesprochen interessanten “Superkräften“ aus. Als Zuschauer hat man sofort ein Herz für diese liebenswerten Typen, diese vermeintlichen Versager, die einfach nur ihren Teil dazu beitragen wollen, dass das Böse nicht die Überhand gewinnt. Regisseur Usher entwickelt seine skurrilen Charaktere mit viel Respekt und Liebe zum Detail, er macht sich zu keiner Zeit über seine chaotischen Superhelden lustig, lacht nie über sie, sondern immer nur mit ihnen. Natürlich schleicht sich auch das eine oder andere, wohl auch aus Gründen der Plotentwicklung vorhandene Klischee in die Charakterisierung der Möchtegernsuperhelden ein (insbesondere was den von Ben Stiller gespielten Charakter anbelangt), aber diese vermeintliche Schwäche machen die Beteiligten vor und hinter der Kamera mit ihrer tollen Mischung aus gelungenen Gags, einer rasant erzählten Geschichte und jeder Menge herrlich absurder Einfälle locker wieder wett. Unter den Schauspielern gilt es dabei besonders Greg Kinnear als arroganten Captain Amazing, Geoffrey Rush als Casanova Frankenstein, sowie Ben Stiller und William H. Macy hervorzuheben.

Persönliche Bewertung: Gut!

X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST (Rogue Cut) (Großbritannien/Kanada/USA 2014, Regie: Bryan Singer)

x-men - days of future past

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Zählt man die beiden Filme, in denen der von Hugh Jackman gespielte Wolverine im Zentrum steht, mit, ist das hier nun schon der siebte Film innerhalb der X-MEN-Reihe. Die Mutanten begeben sich auf Zeitreise in die frühen 70er Jahre des 20. Jahrhunderts und versuchen so, ihr Auslöschen in der Zukunft zu verhindern. Und eines muss man den Machern bei Marvel schon zugestehen: früher hätte man sich den siebten Teil einer Filmreihe nicht mehr wirklich anschauen können, X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST funktioniert sogar über seine epische Laufzeit von knapp 150 Minuten im nunmehr vorliegenden “Rogue Cut“ ziemlich gut (die Kinofassung war 17 Minuten kürzer und ich möchte gar nicht wissen, was da so alles gefehlt hat). So wirklich viel Neues hat Singer zwar nicht zu erzählen – im direkten Vergleich mit den anderen Filmen der Reihe war das hier gemeinsam mit THE WOLVERINE in meinen Augen auch der bisher schwächste Beitrag und man könnte durchaus auch feststellen, dass sich die Reihe innerhalb der 14 Jahre, in der sie existiert, nicht sonderlich viel weiterentwickelt hat -, aber zumindest sieht dieses Nichts, das es zu erzählen gibt, richtig gut aus und macht durchaus Laune auf die weiteren Filme der Reihe, die in Zukunft ebenso sicher kommen werden wie das berühmte Amen in der Kirche (insbesondere aufgrund der Tatsache, dass die komplette Reihe mit dem Finale dieses Films im Endeffekt ja wieder auf null zurückgesetzt wurde).

Persönliche Bewertung: Gut!

THE SHADOW (USA 1994, Regie: Russell Mulcahy)

the shadow

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Alec Baldwin ist der titelgebende Held, der im New York der 30er Jahre einen Nachfahren des berüchtigten Dschingis Khan davon abhalten muss, die ganze Welt ins Chaos zu stürzen…

Rein thematisch passt THE SHADOW eigentlich ganz gut zu dem zwei Jahre später erschienenen und vor mir kurz zuvor gesehenen THE PHANTOM. Auch THE SHADOW kann seine B-Movie-Wurzeln zu keiner Zeit verleugnen und hat ebenso wie THE PHANTOM diesen Abenteuerfilmcharakter. Mit Alec Baldwin, Ian McKellen und Tim Curry ist THE SHADOW zudem richtig gut besetzt und die Jagd nach dem fiesen Shiwan Khan (John Lone) wird über die komplette Laufzeit praktisch nie langweilig. Was Mulcahys Film ein bisschen fehlt, sind diese überbordenden Schauwerte, die in THE PHANTOM – auch bedingt durch die vielen Locationwechsel – vorhanden waren. THE SHADOW wirkt im Vergleich – den ich aufgrund der kurz hintereinander erfolgten Sichtungen einfach ziehen muss, da sich die Filme doch sehr ähnlich sind – deutlich kleiner und weniger spektakulär. Spaß hat man natürlich auch mit Mulcahys Film jede Menge und wer vielleicht irgendwann mal Lust auf Filme dieser Art verspürt, sei ein Double-Feature-Programm mit THE SHADOW und THE PHANTOM hiermit wärmstens empfohlen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

FLASH GORDON (Großbritannien/USA 1980, Regie: Mike Hodges)

flash gordon

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Der titelgebende Held (Sam J. Jones) muss auf dem fernen Planenten Mongo (!!!) den größenwahnsinnigen Kaiser Ming (Max von Sydow) davon abhalten, die Erde zu vernichten…

Film ist ein visuelles Medium, FLASH GORDON ist der Tatsachenbeweis zu dieser Aussage. Hodges’ Film entzieht sich im Endeffekt jeglicher Art von Bewertung, würde es ihn nicht geben, müsste man ihn erfinden. Natürlich ist die Handlung purer Trash, natürlich bekommt die Floskel des “comichaft überzogenen“ Films hier eine komplett neue Bedeutung und natürlich ist das, was man hier zu sehen bekommt, nicht viel weniger als kompletter Irrsinn. Aber vielleicht nie war Irrsinn so wunderschön anzusehen wie hier. FLASH GORDON ist ein visuelles Sahnestück, die kunterbunten Settings, Requisiten und Kostüme sind eine einzige Augenweide und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie FLASH GORDON auf einen als Zuschauer wirken würde, wenn man ihn sich in einem berauschten Zustand ansähe. Ein Film wie ein kunterbunter Trip, vielleicht am effektivsten gemeinsam mit Vadims wundervollem BARBARELLA im Double Feature zu genießen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

Männer in Masken und Strumpfhosen

SUPERMAN (Director’s Cut) (Großbritannien/USA 1978, Regie: Richard Donner)

superman

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Wenn mich nicht alles täuscht, dürfte SUPERMAN damals die erste, richtig große Comicverfilmung gewesen sein. Ausgestattet mit einem für damalige Verhältnisse irrsinnig hohen Budget von $ 55 Mio. (nur zum Vergleich: JAWS kostete drei Jahre vorher $ 8 Mio., STAR WARS ein Jahr vorher $ 11 Mio.) begründete er damals mit den beiden in den Klammern genannten Filmen endgültig das Blockbusterkino.

Und SUPERMAN funktioniert auch heute noch ganz vorzüglich. Das wird einem richtig bewusst, wenn man den Film heute praktisch “fast“ zum ersten Mal sieht (meine letzte und wahrscheinlich auch einzige Sichtung der SUPERMAN-Filme datiert aus den 80er Jahren, ich konnte mich zwar noch bruchstückhaft an einzelne Szenen erinnern, im Großen und Ganzen kam die Sichtung des Films aber einer Erstsichtung gleich). Natürlich dauert es ein Stück, bis SUPERMAN so richtig in Fahrt kommt, schließlich muss Richard Donner im ersten SUPERMAN-Film die komplette Vorgeschichte abwickeln, aber auch in diesen ersten 90 Minuten des Films kommt keinerlei Langeweile auf und davon, dass man sich durch die Vorgeschichte vielleicht durchkämpfen müsste, bis endlich die Action einsetzt, kann keine Rede sein. Das liegt natürlich in erster Linie an der großartigen Besetzung. Insbesondere Christopher Reeve als Superman/Clark Kent und Margot Kidder als Lois Lane passen ganz vorzüglich zusammen und harmonieren so gut, als ob sie diese Rollen schon seit Jahren spielen würden. Und dann Marlon Brando, dessen Part zwar nicht allzu groß ausgefallen ist, dem es aber natürlich trotzdem gelingt, als Supermans Vater Jor-El im Gedächtnis zu bleiben. Oder Gene Hackmann als größenwahnsinniger Gangster Lex Luthor – die Castingabteilung hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Und dieses Lob kann man auch den Set Designern und den Effektkünstlern aussprechen. Der Planet Krypton, Supermans Eispalast und Luthors Unterschlupf – das sieht alles einfach nur richtig, richtig gut aus und die zahlreichen zum Einsatz kommenden Spezialeffekte entfalten auch heute noch ihre Wirkung und kommen nur in ganz wenigen Sequenzen altersbedingt etwas angestaubt rüber (das ist aber nichts, was man dem Film jetzt als Schwäche auslegen könnte). Das Ende des Films ist nicht viel weniger als Kinomagie und wenn dann der Abspann zu den Klängen von Williams’ Score einsetzt, wird einem erst richtig bewusst, dass SUPERMAN noch Blockbusterkino mit Herz, Seele und Verstand gewesen ist und Filme aus dem Blockbusterbereich, denen man auch dieses Attribut zuweisen könnte, gerade in den letzten Jahren schon verdammt rar gesät waren.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

SUPERMAN II (Richard Donner Cut) (Großbritannien/USA 1980/2006, Regie: Richard Donner/Richard Lester)

superman ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Die Produktionsgeschichte von SUPERMAN II ist eine der absurderen der Traumfabrik.

Geklautes Wissen aus dem Wikipedia-Artikel zum Film kurz zusammengefasst: Regisseur Richard Donner drehte einen Großteil des Films bereits parallel zum Vorgänger SUPERMAN. Als dieser extrem erfolgreich wurde, bekamen die Produzenten aufgrund einer Vertragsklausel mit Marlon Brando, der Supermans Vater Jor-El spielte, kalte Füße. Dieser hätte bei einem Mitwirken in der Fortsetzung wohl eine beachtliche Gewinnbeteiligung erhalten. Donner sollte alle Szenen mit Brando entfernen, weigerte sich und wurde – obwohl bereits gut 70% des Films fertiggestellt waren – gefeuert. Stattdessen engagierten die Produzenten Richard Lester als Regisseur, der den Film fertigstellten sollte und Ersatz für die bereits gedrehten Szenen mit Brando liefern musste. In der Kinofassung von SUPERMAN II taucht Marlon Brando somit wohl überhaupt nicht mehr auf.

Im Jahr 2006 wurde SUPERMAN II schließlich in einer Fassung neu veröffentlicht, die der ursprünglichen Vision von Richard Donner ziemlich nah kommen dürfte. Die ursprünglichen Szenen mit Brando wurden geborgen und von Film Editor Michael Thau mit den sonstigen Donner- und Lester-Szenen zu einem völlig neuen Film zusammengeschnitten. Diesen “Richard Donner Cut“ habe ich mir nun angesehen und ich muss sagen, dass er richtig gut gelungen ist (leider kann ich momentan keinen Vergleich zur damaligen Kinofassung ziehen, da meine Erinnerung an diese praktisch überhaupt nicht mehr vorhanden ist).

SUPERMAN II handelt vom Kampf des Titelhelden gegen drei – von Supermans Vater ursprünglich in die Phantomzone verbannte – Schwerverbrecher von Krypton, welche durch Supermans Rettungsaktion zu Ende des ersten Teils aus ihrem Gefängnis befreit werden und sich zur Erde begeben, wo sie dieselben Kräfte haben wie Superman. Da alle wichtigen Charaktere in dieser Fortsetzung nun bereits eingeführt sind, muss sich Regisseur Donner nicht mehr mit allzu viel Vorgeplänkel befassen und kann sofort in die Geschichte einsteigen. Die Beziehung zwischen Superman/Clark Kent und Lois Lane (Christopher Reeve und Margot Kidder harmonieren wieder ganz vorzüglich) wird ausgebaut und bildet das emotionale Zentrum des Films, Donner/Lester hat/haben ein paar herrlich komische Szenen in den Film eingebaut, Gene Hackman darf als Lex Luthor wieder vorbeischauen (wenngleich seine Rolle auch nicht mehr so dominant ausgefallen ist wie im Vorgänger) und die drei Superverbrecher (u.a. Terence Stamp als General Zod) von Krypton sorgen für spektakuläre Kampfszenen im Finale. Set Design und Effekte sind auch hier wieder einfach nur als superb zu bezeichnen und insgesamt betrachtet hat mir persönlich SUPERMAN II in dieser Schnittfassung noch einen kleinen Tick besser gefallen als der Vorgänger.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BATMAN (USA 1966, Regie: Leslie H. Martinson)

batman 1966

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Ab Januar 1966 kämpften Adam West als Batman und Burt Ward als Robin in einer insgesamt 3 Staffeln laufenden TV-Serie gegen Bösewichter in Gotham City. Und bereits am 30.07.1966 – nach Abschluss der ersten Staffel der TV-Serie – feierte BATMAN Kinopremiere. West und Ward bekommen es im Film mit dem Joker (Cesar Romero), dem Pinguin (Burgess Meredith), dem Riddler (Frank Gorshin) und der verführerischen Catwoman (Lee Meriwether) gleich mit vier Superschurken im Paket zu tun und haben nicht wenige Anstrengungen zu bewältigen, um nach gut 105 Minuten dann doch den Tag zu retten.

BATMAN nimmt sich – wahrscheinlich wie die TV-Serie, die ich leider nicht kenne – dabei keine Sekunde ernst und bombardiert den Zuschauer im Minutentakt mit absurden Ideen und kunterbuntem 60er-Jahre-Kitsch. Das macht eine Zeit lang auch wirklich einfach nur verdammt viel Spaß, wird – weil es im letzten Drittel dann doch zunehmend kindischer und infantiler wird – aber auch irgendwann ziemlich ermüdend. Dafür ist der Soundtrack einfach nur hammermäßig geil und sorgt dafür, dass man den Ermüdungserscheinungen nicht erliegt und sicher bis zum Ende des Films geleitet wird. Und dann ist das hier auf jeden Fall auch der Erklärbärfilm des 20. Jahrhunderts. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Film gesehen zu haben, in dem praktische alle handelnden Personen wirklich ständig erklärt haben, was sie denn da gerade tun. Zudem ist wirklich ausnahmslos jedes technische Gerät mit einem lustigen Schild versehen, so dass der Zuschauer gleich erkennen kann, worum es sich hier denn nun exakt handeln soll. Irgendwie putzig.

Persönliche Bewertung: Gut!

SUPERMAN AND THE MOLE-MEN (USA 1951, Regie: Lee Sholem)

superman and the mole-men

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Nach diversen Kurzanimationsfilmen aus den 40er Jahren und zwei Serials aus den Jahren 1948 und 1950 markierte der knapp 1-stündige SUPERMAN AND THE MOLE-MEN im Jahr 1951 den ersten richtigen Spielfilm- und Leindwandauftritt des Superhelden vom Planeten Krypton, der hier von George Reeves gespielt wird, der den Kryptonier auch in der dem Film folgenden und insgesamt 6 Staffeln umfassenden TV-Serie ADVENTURES OF SUPERMAN spielen sollte.

Regisseur Lee Sholem hält sich mit Exposition gar nicht groß auf, in ein paar Sätzen am Anfang des Films wird die Herkunft und Identität Supermans erklärt, danach ist man als Zuschauer sofort mitten drin im Geschehen. In SUPERMAN AND THE MOLE-MEN geht es zunächst um Supermans irdische Identität Clark Kent, der gemeinsam mit seiner Reporterkollegin Lois Lane (Phyllis Coates) in ein kleines Nest fährt um dort eine Story über eine Ölförderstation zu schreiben, deren Betreiber so tief nach Öl bohren wie sonst keiner vor ihnen. Was noch keiner weiß, ist, dass durch das zu tiefe Bohren eine unterirdische Höhle freigelegt wurde und nun zwei Maulwurf-Menschen an die Oberfläche gelangt sind und sich hier eigentlich nur mal umsehen wollen. Aber wie das nun mal so ist, führt Hass auf und Angst vor dem Fremden beinahe in eine Katastrophe. Zum Glück ist Clark Kent vor Ort und kann in sein Superman-Kostüm schlüpfen um Schlimmeres zu verhindern.

Was sich von der Ausgangssituation wie typischer 50er-Jahre-Trash lesen mag, ist tatsächlich ziemlich ernsthaft und nachdenklich umgesetzt. Natürlich kann man sich heute – das ist aber einfach der Erscheinungszeit geschuldet – in der einen oder anderen Situation des Films ein Grinsen nicht ganz verkneifen, insgesamt betrachtet ist SUPERMAN AND THE MOLE-MEN mit seinem Thema Fremdenfeindlichkeit aber leider auch heutzutage noch brandaktuell und mit dem flammenden Plädoyer, das der Film im Endeffekt für Toleranz und gegen Rassismus hält, unbedingt beklatschenswert.

Persönliche Bewertung: Gut!

HERO AT LARGE (USA 1980, Regie: Martin Davidson)

hero at large

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Als vor einigen Jahren Filme wie KICK-ASS, DEFENDOR oder SUPER herauskamen, waren sehr viele – mich eingeschlossen – doch ziemlich begeistert von dieser neueren Art des Superheldenfilms, welche “normale“ Menschen ohne Superkräfte in Kostüme stiegen und so zu (streitbaren) Helden werden ließ. Dass diese Idee des Superhelden ohne Superkräfte im Endeffekt gar nicht so neu gewesen ist, beweist der aus dem Jahr 1980 stammende HERO AT LARGE.

John Ritter spielt den erfolglosen New Yorker Schauspieler Steve Nichols, der sich mit wenig attraktiven Jobs über Wasser halten muss um überhaupt seine Miete zahlen zu können. Als er an einem Abend im Superheldenkostüm Promotion für einen neuen Film macht und nach getaner Arbeit in diesem Kostüm eher zufällig den Raubüberfall auf einen kleinen Gemischtwarenladen vereitelt, verändert sich sein Leben jedoch schlagartig und Steve findet Gefallen daran, Gauner als Superheld zur Strecke zu bringen, jedoch mit nicht vorhersehbaren Folgen. Die Grundaussage von HERO AT LARGE – nämlich, dass jeder ein Held sein kann, wenn er nur seinen Mut zusammennimmt und Gutes tut – ist zwar durchaus sympathisch und nett, die Art und Weise, wie das alles transportiert wird, mutet jedoch schon sehr naiv an und die dem Plot hinzugefügte Liebesgeschichte mit Anne Archer als Love Interest passt in den kitschigen Grundton des Films wunderbar hinein. HERO AT LARGE fehlt es einfach an Drive und auch an einem gewissen Biss und so schafft es Davidsons Film eigentlich zu keinem Zeitpunkt, den Zuschauer so wirklich für sich einzunehmen. Ja, das ist schon alles ganz nett anzusehen. Aber halt auch wirklich kein bisschen mehr.

Persönliche Bewertung: Nett!

SUPERMAN III (Großbritannien/USA 1983, Regie: Richard Lester)

superman iii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Zu SUPERMAN III habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Das war damals der allererste Film, den ich auf dem brandneuen Medium VHS-Video gesehen habe (noch vor den ersten beiden Teilen) und dementsprechend war dieses Wiedersehen nach unzähligen Jahren auch so etwas wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Diesen Film halbwegs objektiv zu bewerten, fällt mir schwer.

Auffällig ist natürlich, dass in diesem Teil der Reihe, der mit dem Komiker Richard Pryor in einer weiteren Hauptrolle als “Bösewicht wider Willen“ besetzt ist, die komischen Momente – die ja auch in den ersten beiden Filmen reichlich vorhanden waren – absolut im Mittelpunkt stehen. Ich liebe beispielsweise diesen Slapstick-Anfang während die Credits laufen. Pryor hat ein paar großartige Momente und in der Sequenz, in der Superman unter dem Einfluss des gepanschten Kryptonits steht und sich wie ein rüpelhafter Rowdy verhält, gibt’s auch ein paar nette Gags zu sehen. Abstriche muss man leider beim Set Design und bei der Qualität der Effekte machen. Gerade zum Ende hin sieht so mancher Effekt etwas arg trashig aus. Und auch die Tatsache, dass Margot Kidder als Lois Lane nicht viel mehr als einen kurzen Gastauftritt absolviert, stimmt etwas traurig. War es ja auch gerade diese wunderbare Harmonie zwischen Reeve und Kidder, die viel zum Gelingen der ersten beiden Filme beigetragen hat. Als Love Interest bekommt Clark Kent hier Lana Lang (Annette O’Toole) zur Seite gestellt, die er anlässlich eines Klassentreffens in seiner kleinen Heimatstadt Smallville nach langen Jahren erstmals wieder trifft. Auch das hat durchaus Charme, das Fehlen von Margot Kidder kann Annette O’Toole allerdings nicht gleichwertig kompensieren. Ich kann also durchaus verstehen, wenn man diesem Film nach den beiden tollen Vorgängern eine gewisse Ablehnung entgegenbringt. Ich mag ihn trotzdem, Nostalgie ist halt doch etwas Schönes.

Persönliche Bewertung: Gut!

Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

BATMAN & ROBIN (Großbritannien/USA 1997, Regie: Joel Schumacher)

batman & robin

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

War in Schumachers Vorgänger BATMAN FOREVER zumindest noch ein Ansatz der Vision aus Burtons ersten beiden Filmen und der düsteren Atmosphäre von Gotham City vorhanden, so ist dieser in BATMAN & ROBIN überhaupt nicht mehr existent. Was wohl insbesondere daran liegen mag, dass Burton beim Vorgänger zumindest noch als Produzent regulierenden Einfluss gehabt haben dürfte und hier einfach nicht mehr an Bord war um die große Katastrophe zu verhindern.

Regisseur Joel Schumacher führt den Franchise mit BATMAN & ROBIN nach Absurdistan. Sein Film ist komplett überzeichneter Kintopp, macht einfach überhaupt gar keinen Sinn mehr und kann wohl als Paradebeispiel eines völlig aus der Bahn geratenen Multi-Millionen-Dollar-Projekts bezeichnet werden. BATMAN & ROBIN hat ca. 125 Mio. Dollar gekostet und es ist unfassbar, dass der Film in dieser Form überhaupt auf ein Publikum losgelassen wurde. Schumacher präsentiert über die komplette Laufzeit von gut 2 Stunden nicht viel mehr als debiles und infantiles Kasperletheater, BATMAN & ROBIN ist Trash in Reinform, allerdings keiner aus der “so bad, it’s good“-Kategorie. Sicher, auch dieser Film hat seine Momente, die sind jedoch ausgesprochen rar gesät und erzeugen ihre Wirkung mehr aus der Fassungslosigkeit des Betrachters heraus und haben weniger mit einer in irgendeiner Weise vorhandenen Qualität zu tun. Unglaublich, einfach unglaublich! Und es ist kein Wunder, dass die Warner Studios nach diesem Film die Reißleine zogen und dem Franchise 8 Jahre später mit BATMAN BEGINS und dem Auftakt von Nolans Trilogie rund um den schwarzen Ritter einen Reboot mit gänzlich anderer Ausrichtung spendierten.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)!

THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Wes Anderson)

grand budapest hotel

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Wes Anderson und seine komischen Filme. THE GRAND BUDAPEST HOTEL ist der aktuellste Streich des eigenwilligen Regisseurs und natürlich zu jeder Sekunde als Film von Wes Anderson zu identifizieren. Allerdings muss ich sagen, dass Andersons Stil – zumindest bei mir – langsam erste Abnutzungserscheinungen erkennen lässt. Fand ich den vor ein paar Wochen gesehenen MOONRISE KINGDOM beispielsweise noch ziemlich hervorragend und witzig ohne Ende, so konnte mich THE GRAND BUDAPEST HOTEL eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich zum Lachen bringen. Natürlich ist das Staraufgebot wieder durchaus beeindruckend geraten und natürlich sieht auch THE GRAND BUDAPEST HOTEL in fast allen Einstellungen atemberaubend gut aus (man könnte sich unzählige Screenshots in Postergröße ausdrucken und an die Wand hängen) und vielleicht war das hier – was die visuelle Gestaltung betrifft – sogar einer der beeindruckendsten Filme, die ich seit langer Zeit gesehen habe (THE GRAND BUDAPEST HOTEL ist komplett aufgeräumt, jede Einstellung scheint in perfekter Symmetrie komponiert zu sein und das für den größten Teil der Laufzeit gewählte 1,37:1-Format passt da natürlich hervorragend dazu), aber unter der ganzen Oberfläche, unter den tollen Bildern, den absurden Situationen und den skurrilen Charakteren, befindet sich im Endeffekt ein großes Nichts. THE GRAND BUDAPEST wirkt seltsam kalt und steril, es ist ein Film ohne Herz und ohne Seele (vielleicht kann man das Andersons anderen Filmen auch vorwerfen, aber nie ist es mir so sehr aufgefallen wie hier). Das ist zwar alles ganz hübsch und nett anzusehen, aber das war es dann auch schon wieder.

Persönliche Bewertung: Ok!

NASHVILLE GIRL (USA 1976, Regie: Gus Trikonis)

nashville girl

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

Jamie (Monica Gayle), ein Teenager aus Kentucky, träumt von einer großen Karriere als Country-Star und haut von zu Hause ab um ihr Glück in Nashville, der Hochburg der Country-Szene, zu versuchen. Doch der Weg an die Spitze erweist sich als ausgesprochen steinig…

Roger Corman hatte schon immer ein Gespür für die richtigen Geschichten zum richtigen Zeitpunkt. NASHVILLE GIRL entstand im Jahr 1976, auf dem absoluten Höhepunkt der Country-Welle und außerdem auch in dem Jahr, in dem Robert Altman NASHVILLE drehte. Mit – für Corman üblich – geringsten Mitteln gedreht, wurde natürlich auch dieser Film hier für Corman zum Erfolg. Wahrscheinlich liegt das insbesondere auch daran, dass diese B-Movies, bei denen Roger Corman seine Finger im Spiel hatte, doch immer noch ein kleines bisschen mehr waren als bloße Exploitation. Wie so viele andere Corman-Produktionen auch, zeichnet sich NASHVILLE GIRL vor allem dadurch aus, dass die zahlreich vorhandenen Schauwerte nicht nur lieblos aneinandergereiht wurden, sondern sich in eine Geschichte einfügen, die tatsächlich Interesse beim Zuschauer weckt und diesem nicht vollkommen egal ist. Man möchte einfach wissen, wie es mit Jamie weitergeht, man bangt und hofft mit ihr und wünscht ihr, dass sich all ihre Träume erfüllen mögen. Das ist der kleine und feine Unterschied zu so vielen anderen Filmen aus dem Exploitation-Bereich und das ist auch der Grund, weswegen Roger Corman nun schon seit mittlerweile über 60 Jahren (!!!) mit dem, was er tut, so verdammt erfolgreich ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

BLACKHAT (USA 2015, Regie: Michael Mann)

blackhat

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Nach seinem eher etwas durchwachsenen Ausflug in die Welt des John Dillinger mit PUBLIC ENEMIES kehrt Regisseur Michael Mann mit seinem aktuellen Film wieder ins Hier und Jetzt zurück. BLACKHAT handelt von dem Cyber-Kriminellen Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth), der vom FBI aus dem Knast geholt wird und gemeinsam mit einem chinesischen Agenten (Leehom Wang) Jagd auf einen gefährlichen Hacker machen soll, der durch eine Cyberattacke eine Explosion in einem chinesischen Atomkraftwerk ausgelöst hat…

Spätestens seit dem großartigen, phantastischen, einfach phänomenalen MIAMI VICE scheinen sich an Michael Mann die Geister extrem zu scheiden. PUBLIC ENEMIES fand ich persönlich auch nicht sonderlich gelungen, da der typische Look von Manns Filmen einfach nicht in das im Film dargestellte USA der 30er Jahre gepasst hat. Was es aber nun schon wieder allerorts an BLACKHAT auszusetzen gibt, kann ich ebenso wenig nachvollziehen wie die Kritik an MIAMI VICE vor 9 Jahren.

BLACKHAT ist einfach nur packend und spannend geraten und führt man sich vor Augen, dass Mann hier ja eigentlich ein eher “trockenes“ Thema in einen Thriller umzusetzen hatte, dann kann man nur seinen Hut vor dem Ergebnis ziehen. Über den speziellen Look von Manns Filmen muss man wohl keine großen Worte verlieren, auch BLACKHAT ist visuell wieder allererste Sahne und erinnert – was Stimmung und Atmosphäre angeht, welche ja vor allem durch Manns Bildsprache erzeugt wird (natürlich auch in Verbindung mit dem sensationell guten Score) – stark an COLLATERAL und MIAMI VICE. Die Spannung baut sich langsam und stetig auf und wenn man sich auf den Film einlässt, wird man schon bald in seinen Bann gezogen, versinkt in dieser ganz eigenen Atmosphäre und hat keine Chance, dieser zu entkommen. Und während man gespannt der Handlung des Films folgt, wird man von den wenigen vorhandenen Actionsequenzen, die förmlich aus dem Nichts kommen, staubtrocken, nüchtern und verdammt druckvoll umgesetzt und innerhalb des Handlungsverlaufs jeweils perfekt platziert sind, regelrecht aufgerüttelt und durchgeschüttelt, nur um danach wieder tief einsinken zu können in Manns einzigartige Bilderwelten. Ich bin ziemlich begeistert von BLACKHAT.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE STUNT MAN (USA 1980, Regie: Richard Rush)

the stunt man

(Fassung: Blu-ray, Explosive Media, Deutschland)

Auf der Flucht vor der Polizei landet Cameron (Steve Railsback) eher zufällig am Set des exzentrischen Regisseurs Eli Cross (Peter O’Toole). Dieser bietet ihm Unterschlupf vor der Polizei, im Gegenzug soll Cameron jedoch als Stuntman bei den Dreharbeiten des Kriegsfilms mitwirken, den Cross gerade inszeniert. Die Win-Win-Situation wird schon bald eine einseitige Angelegenheit, denn Eli verlangt von Cameron immer waghalsigere und gefährlichere Stunts und der Stuntman wider Willen ist schon bald fest davon überzeugt, dass ihm der Regisseur nach dem Leben trachtet und seinen Tod vor der Kamera provozieren will…

Einer der späteren Vertreter des New-Hollywood-Kinos, entstanden und herausgekommen zu einer Zeit, in der die ambitionierte New-Hollywood-Bewegung bereits dem Blockbuster-Kino geopfert wurde. THE STUNT MAN ist ein Film, der sich nur schwer greifen lässt, er bewegt sich irgendwo in Grauzonen zwischen Thriller, Komödie, Satire und Drama, Ernsthaftigkeit und exaltierter Klamauk geben sich die Klinke in die Hand und als Zuschauer sitzt man nicht selten etwas ratlos da, weil man einfach nicht genau weiß, wie man das Gezeigte nun einschätzen soll. Aber das macht auch den großen Reiz von Rushs Film aus, der ständig neue Wege einschlägt und so nie Gefahr läuft, in irgendeiner Weise langweilig zu werden. Der Dreh des Kriegsfilms als Rahmenhandlung des Gezeigten sorgt zudem für jede Menge Action, Spektakel und Schauwerte und die beiden Hauptdarsteller agieren einfach großartig. Insbesondere Peter O’Toole als verrückter Regisseur ist schier unglaublich gut.

Schade, dass THE STUNT MAN, der im Jahr 1981 immerhin für 3 Oscars nominiert war, damals kein allzu großer Erfolg beim Publikum gewesen ist und im Endeffekt sogar das Ende der Karriere von Regisseur Richard Rush bedeutete.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE SHIELD: SEASON 2 (USA 2003, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

Detective Vic Mackey (Michael Chiklis) und sein Strike Team sind zurück und planen in dieser zweiten Staffel von THE SHIELD den Coup ihres Lebens. Und dazwischen gibt es natürlich auch noch ein kleines bisschen echte Polizeiarbeit zu erledigen – bevorzugt mit eher fragwürdigen Methoden.

Die zweite Staffel geht ähnlich vielversprechend weiter wie die erste Staffel zu Ende gegangen ist. Shawn Ryan und seine kreativen Köpfe vor und hinter der Kamera werfen den Zuschauer mitten hinein in den von Mackey bearbeiteten Problembezirk von L.A. und konfrontieren diesen erneut mit einem Hauptcharakter, der streitbarer nicht sein könnte. Michael Chiklis ist erneut grandios in der Rolle des kriminellen Cops, der es mit unglaublicher Arroganz immer wieder schafft, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen und einfach sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen. Erschreckend an THE SHIELD ist insbesondere, wie unheimlich authentisch das Gezeigte wirkt – was natürlich auch dem halbdokumentarischen Stil geschuldet ist, aufgrund des überwiegenden Einsatzes von Handkameras, vielen verwackelten und grobkörnigen Aufnahmen und teils abenteuerlichen Einstellungen und Schnitten, wird man als Zuschauer regelrecht ins Geschehen katapultiert – und es steht zu hoffen, dass es den Machern lediglich verdammt gut gelungen ist, so etwas wie Realität vorzutäuschen. Dass das hier tatsächlich so etwas wie den Polizeialltag wiederspiegeln könnte, kann und will ich einfach nicht glauben.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

SNITCH (USA/Vereinigte Arabische Emirate 2013, Regie: Ric Roman Waugh)

snitch

(Fassung: Blu-ray, Tobis, Deutschland)

In SNITCH lässt sich ein verzweifelter Vater (Dwayne Johnson) auf einen gefährlichen Deal mit den Behörden ein. Um seinen Sohn aus dem Gefängnis zu holen, versucht er einen mächtigen Drogendealer zu Fall zu bringen. SNITCH startet mit einer Hinweistafel, dass der folgende Film auf wahren Begebenheiten beruhe. Wahr dürfte dabei allerdings weniger der konkrete Fall sein, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Ric Roman Waugh für seine fiktive Geschichte von einer gleichnamigen Dokumentation aus dem Jahr 1999 inspirieren ließ.

Im Grunde erzählt SNITCH eine Geschichte, wie sie schon unzählige Male vorher erzählt wurde. Die Geschichte des verzweifelten Vaters, der alles tun würde, um seine Familie zu beschützen, die Geschichte des Underdogs, der es mit einer Übermacht aufnimmt und die Geschichte eines verlogenen Justizsystems, welches Kollateralschäden billigend in Kauf nimmt um irgendwie diesen einen, großen Fisch an die Angel zu bekommen. Großartige Überraschungen darf man von SNITCH also nicht unbedingt erwarten. Waugh erzählt seine Geschichte auf zunächst ausgesprochen ruhige und behutsame Art und Weise, es ist ihm viel daran gelegen, die Spannung langsam aufzubauen und seine Charaktere ordentlich zu entwickeln. Das gelingt ihm im Großen und Ganzen auch recht ansprechend und SNITCH ist durchaus ein Film – vor allem dank Hauptdarsteller Dwayne Johnson, der seine Sache richtig gut macht und den Part des verzweifelten Vaters überzeugend spielt – bei dem man dranbleiben möchte, bei dem man doch irgendwann gespannt ist, welchen Weg das Drehbuch nehmen wird um zum unumgänglichen Happy End zu gelangen. Es ist aber kein Film der großartig fesseln würde, den man seinen Freunden sofort weiterempfehlen möchte und der lange im Gedächtnis bleiben wird. Dafür ist das dann doch alles viel zu austauschbar und vorhersehbar geraten. Solide Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger.

Persönliche Bewertung: Ok!

(S)HE’S LOST „CONTROL“ – Der Film über Ian Curtis

CONTROL (Australien/Großbritannien/Japan/USA 2007, Regie: Anton Corbijn)

control

(Fassung: Blu-ray, Capelight, Deutschland)

„Confusion in her eyes that says it all. She’s lost control. And she’s clinging to the nearest passer-by, she’s lost control. And she gave away the secrets of her past, and said I’ve lost control again, and of a voice that told her when and where to act, she said I’ve lost control again.“ – mit diesen Worten beginnt der Joy-Division-Song „She’s Lost Control“, der sich auf dem am 15.06.1979 veröffentlichten Debüt-Album „Unknown Pleasures“ befindet (jedoch bereits im Jahr 1978 live gespielt wurde). Nicht einmal ein Jahr später sollte Ian Curtis, Verfasser der Textzeilen und Sänger von Joy Division, selbst endgültig die Kontrolle über sich und sein Leben verlieren. Er beging am 18.05.1980 im Alter von 23 Jahren Selbstmord. Ian Curtis war nicht der erste junge Musiker, der seinem Leben selbst ein Ende setzte und er sollte auch nicht der letzte gewesen sein.

CONTROL erzählt seine Geschichte, beginnend im Jahr 1973, als Curtis noch zur Schule ging und endend mit seinem Selbstmord im Mai 1980. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der wohl einfach zu jung gewesen ist, um mit den Aufgaben, die ihm das Leben stellte, zurechtzukommen, der zu jung geheiratet hat, zu jung Vater wurde und auch zu jung als Musiker erfolgreich war und der zu allem Überfluss auch noch an Epilepsie litt.

Für den niederländischen Regisseur Anton Corbijn war CONTROL der erste Film für die große Leinwand, zuvor war er als Regisseur von Musikvideos (insbesondere für Depeche Mode) und als Fotograf im Musikbereich tätig. Die Geschichte von Ian Curtis dürfte eine Herzensangelegenheit für ihn gewesen sein. Seiner Biographie kann man entnehmen, dass er – inspiriert von der Musik von Joy Division – Ende der 70er Jahre von Holland nach England zog, dort als Bandfotograf tätig war, die Band rund um Ian Curtis mehrmals getroffen hat und die Bandmitglieder persönlich kannte. Beim Macher von CONTROL handelt es sich also um einen Zeitzeugen, der – das merkt man dem Film definitiv an – mit viel Sorgfalt ans Werk gegangen ist und sauber recherchiert hat. Der Film basiert nicht nur auf dem Buch „Touching from a Distance“ von Curtis‘ Witwe Deborah, sondern es flossen auch Gespräche mit den drei verbliebenen Bandmitgliedern ein und Corbijn und seinem Team gelang es sogar, die im Film von Alexandra Maria Lara gespielte Geliebte (darf man sie überhaupt als solche bezeichnen?) von Ian Curtis, Annik Honoré, dazu zu bewegen, ihre persönlichen Erinnerungen an die Zeit mit Ian Curtis mit den Filmemachern zu teilen. Herausgekommen ist ein Film, der trotz all der Traurigkeit, Melancholie und Nachdenklichkeit, die er verbreitet, eine ungemeine Energie ausstrahlt und extrem authentisch und glaubwürdig wirkt.

Sam Riley in der Rolle des Ian Curtis spielt einfach nur sagenhaft gut und interpretiert diesen jungen, melancholischen, nachdenklichen, depressiven, tieftraurigen und introvertierten Menschen auf mehr als nur beeindruckende Art und Weise. Das von Regisseur Anton Corbijn gewählte Stilmittel der Schwarz/Weiß-Fotografie passt perfekt zur Stimmung des Films und die Tatsache, dass CONTROL an Originalschauplätzen gedreht wurde und die vier Schauspieler der Bandmitglieder (neben Sam Riley noch Joe Anderson, James Anthony Pearson und Harry Treadaway) in den diversen Konzert- und Live-Auftritt-Sequenzen die Songs selbst spielen und die Musik nicht per Playback eingespielt wird, tragen einen weiteren, großen Teil dazu bei, dass CONTROL so unglaublich gut gelungen ist und so faszinierend und eindringlich auf den Zuschauer wirkt.

Natürlich ist CONTROL in erster Linie ein Film über Ian Curtis und nicht unbedingt eine Bandbiographie, er ist in zweiter Linie aber auch – vor allem dank der Stimmung und Atmosphäre die er verbreitet und auch dank des mit Songs von (neben Joy Division) David Bowie, Roxy Music, The Buzzcocks, The Sex Pistols, Iggy Pop, Kraftwerk und The Velvet Underground ausgestatteten Soundtracks – ein beeindruckendes Zeitportrait und für jeden Freund (alternativer) Musik unbedingt einen Blick wert.

Mich persönlich hat CONTROL vor zwei Tagen regelrecht weggebeamt und einfach nur begeistert zurückgelassen. Ich bin mit Jahrgang 1972 zwar noch zu jung, um die Chance gehabt zu haben, die Band während ihrer kurzen Hochzeit wahrzunehmen, wenn man wie ich aber in den 80er Jahren mit der Musik von Bands wie New Order (die ja von den verbliebenen Joy-Division-Mitgliedern gegründet wurden), The Smiths, The Cure, Depeche Mode und The Jesus and Mary Chain aufgewachsen ist, kam man fast zwangsläufig auch mit der Musik von Joy Division in Berührung. Mir persönlich bedeutet gerade die Musik von Joy Division unheimlich viel, ich halte den Song „Love Will Tear Us Apart“ für einen der größten Songs, die jemals geschrieben wurden, und wahrscheinlich hat mir CONTROL auch wegen meiner Liebe zur Musik von Ian Curtis so einzigartig gut gefallen. Ein Film, dessen Größe ich irgendwie gar nicht richtig in Worte fassen kann.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!

Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 1

SO EIN FLEGEL (Deutschland 1934, Regie: Robert A. Stemmle)

so ein flegel

(Fassung: DVD, DeAgostini, Deutschland)

Helmut Weiss’ DIE FEUERZANGENBOWLE aus dem Jahr 1944 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle dürfte die wohl bekannteste Verfilmung des gleichnamigen Romans von Heinrich Spoerl aus dem Jahr 1933 sein. Es war allerdings nicht die erste Verfilmung des Buchs. Bereits im Jahr 1934 – ein Jahr nachdem das Buch herauskam – drehte Regisseur Robert A. Stemmle mit SO EIN FLEGEL einen Film, der ebenfalls auf dem Roman beruhte, diesen aber stark veränderte. Ist es im Buch und in der werkgetreueren Umsetzung von 1944 ein Schriftsteller, der sich „verjüngt“ noch mal auf die Schulbank setzt, erzählt SO EIN FLEGEL eine typische Verwechselungsgeschichte, in der zwei Brüder die Rollen tauschen (ein Autor für ein Theaterstück nimmt den Platz seines Bruders in der Schule ein und umgekehrt). Was beide Verfilmungen gemeinsam haben, ist die männliche Hauptrolle, denn auch in SO EIN FLEGEL ist Heinz Rühmann in der Pfeiffer-Rolle zu sehen, und zwar in einer echten Doppelrolle (im Finale gibt es einen für die damalige Zeit durchaus beeindruckenden Spezialeffekt, wenn plötzlich beide Brüder nebeneinander auf einer Bühne stehen).

Auffallend an Stemmles Film ist vor allem die Tatsache, dass so gut wie keine Exposition stattfindet und der Zuschauer sofort mitten ins Geschehen geworfen wird. Stemmle springt in schnellen Schritten zwischen beiden Brüdern hin und her und als Zuschauer muss man sich tatsächlich erst mal kurz sortieren, um überhaupt einzuordnen, was hier eigentlich gespielt wird. Der Aufbau der Handlung kann also im wahrsten Sinne des Wortes als sprunghaft bezeichnet werden. Ansonsten ist SO EIN FLEGEL vor allem ein gutes Beispiel für einen frühen Vertreter der Verwechslungskomödie und des Minigenres des Rollentauschfilms, in dem beide Protagonisten aus der jeweils fremden Rolle etwas für sich mitnehmen können und sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst. Aus heutiger Sicht ist SO EIN FLEGEL natürlich vor allem harmlos, wirkt auch durchaus etwas angestaubt und dürfte bei den meisten Zuschauern wahrscheinlich nicht viel mehr als ein müdes Gähnen hervorrufen. Nett anzusehen ist Stemmles Film trotzdem, insbesondere auch wegen einiger wirklich sehr schöner visueller Ideen und toller Kameraeinstellungen.

Persönliche Bewertung: Nett!

PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY (USA 1966, Regie: Barry Mahon)

prostitutes protective society

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

In Barry Mahons Nudie-/Sexploitation-Film dreht sich alles um Madame Sue, die am New Yorker Times Square einen Prostituierten-Ring aufgebaut hat und sich nun damit auseinandersetzen muss, dass ein Gangstersyndikat in Form von Schutzgelderpressung ein Stück vom lukrativen Kuchen abhaben will. Als Madame Sue die Zahlungen verweigert, werden als Reaktion darauf zahlreiche Prostituierte umgebracht. Doch Madame Sue und ihre überlebenden Mädchen schlagen zurück…

Hört sich irgendwie sogar nach einem richtigen Handlungsstrang an, doch der Schein trügt. Die hier skizzierte Handlung ist zwar vorhanden und auch erkennbar, nimmt in dem gerade mal gut 60 Minuten langen Film allerdings eher eine Nebenrolle ein. „Auteur“ Barry Mahon – ich muss ihn einfach so bezeichnen, war er doch für Produktion, Drehbuch, Kamera und Regie des Films verantwortlich – liegt viel mehr daran, seinem Publikum im Jahr 1966 möglichst viel nackte Haut zu zeigen. Und da das damals aufgrund der strengen Zensurauflagen noch verpönt war und in keinstem Falle sexuell motiviert sein durfte, sieht man über lange Strecken des Films die Prostituierten oben ohne bzw. nur in Reizwäsche bekleidet zusammensitzen während sie sich über das weitere Vorgehen gegen die Schutzgelderpresser beraten. Oder man sieht sie nackt vor einem Spiegel im Bad stehen, oder unter der Dusche, oder, oder, oder…; die eigentliche Handlung des Films dürfte zusammengerechnet vielleicht 1/4 der Laufzeit ausmachen.

Es ist klar, dass sich ein Film wie PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY einer halbwegs objektiven Bewertung komplett entzieht. Nimmt man ihn als das, was er ist, nämlich ein weiterer Versuch, nackte Haut an den Zensoren vorbei auf die große Leinwand zu schmuggeln, dann muss man Schmuddelfilmer Mahon jedoch definitiv zugutehalten, dass er das richtig gut hingekriegt hat und es damals unzählige, weitaus kläglichere Versuche gegeben hat, Zuschauer wegen nackter Tatsachen in die Lichtspielhäuser zu locken. Das Ende ist – auch wenn es sich nur im Off abspielt – der Knaller, die Darstellerin der Madame Sue (wie auch immer sie heißen mag, als Darsteller sind in den Credits tatsächlich nur „Madame Sue and her Times Square Girls“ genannt) ist „kinda cute“ und diese unzähligen eingestreuten (Archiv-)Aufnahmen vom New Yorker Times Square aus der damaligen Zeit sind für Filmnostalgiker nicht viel weniger als unbezahlbar.

Persönliche Bewertung: Gut!

DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND (Deutschland 1972, Regie: Alfred Vohrer)

der stoff, aus dem die träume sind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Der für ein Revolverblatt tätige Reporter Walter Roland (Paul Neuhaus) soll – aufgrund jüngster Marktforschungsergebnisse – eine mehrteilige Sexreportage schreiben, fühlt sich allerdings zu größeren Taten berufen und erreicht bei seinem Chef zumindest einen kleinen Kompromiss. Wenn er sich bereit erklärt, nebenbei die Sexgeschichte zu machen, darf er sich gemeinsam mit seinem Fotografen Bertie Engelhardt (Herbert Fleischmann) auch seiner Wunschstory, einer Geschichte rund um tschechische Flüchtlinge, widmen. Doch die Recherchen im Flüchtlingsfall lassen Roland und Engelhardt schon bald zwischen die Fronten diverser Geheimdienste geraten…

In der Chronologie ihres Erscheinens ist DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND die dritte Simmel-Verfilmung der Münchner Roxy Film aus den frühen 70er Jahren. Regie führte auch hier Alfred Vohrer, vor der Kamera versammelte sich richtig viel Prominenz und den Ansatz, den Vohrer für seinen Film wählt, kann man fast schon als episch bezeichnen. DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND läuft über 130 Minuten (es gab wohl sogar eine weitere Kinofassung, die noch 10 Minuten länger gelaufen ist, diese scheint jedoch verschollen zu sein) und genau das ist auch das große Problem des Films. Nach einem noch durchaus spektakulären und vielversprechenden Beginn, verwandelt sich DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND leider ziemlich schnell in eine staubtrockene und ausgesprochen zähe Angelegenheit, durch die man sich als Zuschauer über weite Strecken regelrecht quälen muss. Für Abwechslung sorgen lediglich ein eigentlich unnötiger Subplot rund um eine ältere, verwirrte Flüchtlingshelferin, die sich im Stadium eines ständigen Deliriums befindet und deren Halluzinationen einfach nur als surreal bezeichnet werden können, sowie die Einrichtung und Ausstattung diverser (Wohn-)Räume, die man tatsächlich gesehen haben muss, um glauben zu können, dass es so etwas tatsächlich mal gegeben hat.

Persönliche Bewertung: Naja!

DER NEUE HEISSE REPORT – WAS MÄNNER NICHT FÜR MÖGLICH HALTEN (Deutschland 1971, Regie: Ernst Hofbauer)

der neue heiße report - was männer nicht für möglich halten - 1 der neue heiße report - was männer nicht für möglich halten - 2

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

In meinem Eintrag zu Boos’ KRANKENSCHWESTERN-REPORT im letzten Monat bin ich ja schon kurz auf die Welle der Report-Filme in den 70er Jahren eingegangen. Wie es der Titel schon verrät, ist auch Hofbauers Film ein Teil dieser Welle und dieser Beitrag hier stammt dann auch gleich vom Begründer der Welle selbst. Schließlich war es Hofbauer, der mit SCHULMÄDCHEN-REPORT – WAS ELTERN NICHT FÜR MÖGLCH HALTEN das ganze „Unheil“ ein Jahr vorher erst ausgelöst hat.

In dem vorliegenden Film geht es nun nicht mehr um Schulmädchen, die ihre Eltern schockieren, sondern um untreue Ehefrauen, die ihre Männer schockieren. In gewohnt mahnender Form klärt Hofbauer den – damals vielleicht noch schockierten, heute nur noch amüsierten – Zuschauer schonungslos über die grünen Witwen auf, Frauen, die mit ihren erfolgreichen Ehemännern in luxuriösen Wohnungen am Stadtrand leben, von ihren Männern aber nicht allzu viel haben, da sich diese zu sehr mit ihrer Arbeit und dem Bereitstellen der Luxusgüter beschäftigen. Die so vernachlässigten Damen fangen an, ihre Lust durch Seitensprünge zu stillen. Die diversen Episoden, die Hofbauer dem Zuschauer präsentiert, lassen praktisch keine Wünsche offen. Vom großen Drama (eine der Ehefrauen begeht bspw. einen Selbstmordversuch, weil sie das schlechte Gewissen plagt, eine andere wird in die Prostitution getrieben) bis zu debilem Klamauk (eine Dame mittleren Alters versucht, einen jungen Postboten zu verführen) ist alles dabei. Heute, über 40 Jahre später, kann man es tatsächlich kaum fassen, dass Filme wie dieser hier tatsächlich mal erfolgreich im Kino gelaufen sind, auch wenn ich persönlich das Unterhaltungspotential von solchen Filmen als einfach nur exorbitant hoch einschätze. Vor allem diese extrem nüchternen Off-Kommentare zu den gezeigten Szenen und die immer wieder eingefügten, gestellten Interviewsequenzen mit Passanten auf der Straße sind Gold wert und praktisch unbezahlbar.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ASYLUM OF SATAN (USA 1972, Regie: William Girdler)

asylum of satan

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Die attraktive Lucina Martin (Carla Borelli) wacht morgens auf und muss feststellen, dass sie von dem Krankenhaus, in dem sie aufgrund eines leichten Zusammenbruchs untergebracht war, in eine dubiose Privatklinik verlegt wurde und nun von dem noch dubioseren Arzt Dr. Specter (Charles Kissinger) behandelt werden soll. Was Lucina am Anfang noch nicht wissen kann, ist, dass sie sich in den Händen eines Clans von Teufelsanbetern befindet und schon bald dem Leibhaftigen persönlich geopfert werden soll…

ASYLUM OF SATAN ist typische US-C-Movie-Ware aus den frühen 70er Jahren, einer dieser Filme, die wahrscheinlich vor allem aus dem Grund gedreht wurden, um in diversen Drive-In- und Grindhouse-Kinos als Rausschmeißer nach Mitternacht zu laufen. Es sind zwar ein paar ganz nette Ansätze vorhanden, insgesamt betrachtet fehlt es Girdlers Film jedoch vor allem an Spannung und „shock value“, was für einen dem Horrorgenre zuzuordnendem Film natürlich so etwas wie das Todesurteil darstellt. Nur in ganz wenigen Szenen kommt so etwas wie Atmosphäre auf und wenn es überhaupt etwas zu loben gibt, dann vielleicht den teilweise recht kruden Humor, der immer mal wieder zu Tage kommt und Hauptdarstellerin Carla Borelli, die jetzt zwar nicht unbedingt durch sonderlich viel Talent, dafür aber mit ihrer attraktiven Erscheinung zu überzeugen weiß. Die Szene, in der es zum Opferritual kommen soll, ist ganz nett gelungen und die Maske des Teufels wunderbar trashig und irrsinnig geraten. Man gibt sich bei solchen Filmen ja auch mit wenig zufrieden.

Persönliche Bewertung: Naja!

THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER (USA 1978, Regie: Rene Martinez Jr.)

the six thousand dollar nigger

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER ist ein Film, den man allein schon wegen seines unglaublichen Plots in sein Herz schließen muss. Ich habe ja schon viele obskure Filme gesehen, aber der hier ist ganz besonders obskur ausgefallen. Es dreht sich um 2 Gangster, die einen Juwelendiebstahl begehen wollen. Dafür lassen sie sich von einem kleinwüchsigen Wissenschaftler ein Serum entwickeln, welches Superkräfte verleiht. Das Serum hat nur eine Nebenwirkung: Jeder Mensch, der es injiziert bekommt, stirbt eine Woche später. Da sie ihr investiertes Geld (nämlich die 6.000 Dollar aus dem Filmtitel) aber nicht einfach so abschreiben wollen, heuern sie einen Trunkenbold an, der sich das Serum injizieren  lassen soll um danach den Überfall zu begehen. Als der nach der begangenen Tat allerdings von den Nebenwirkungen erfährt, weigert er sich, die Diamanten rauszurücken. Er hätte verständlicherweise gerne eine Gegenmittel. Und einem mit Superkräften ausgestatteten Typen ist nur schwer beizukommen.

Und ja, THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER ist exakt so verrückt, wie sich das alles anhört. Natürlich ist das hier ein Film aus dem tiefsten Untergrund, ein Projekt, welches mit wenig Talent und noch weniger Budget durchgezogen wurde. Aber es ist auch ein Film, dem man einfach anmerkt, dass hier vor und hinter der Kamera Menschen mit Herzblut bei der Sache waren. Und das ist ein Pluspunkt, der praktisch nicht in Juwelen aufzuwiegen ist.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

A SWEET SICKNESS (USA 1968, Regie: Jon Martin)

a sweet sickness

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Sexploitation aus den 60er Jahren und doch ganz anders als der von mir wenige Tage zuvor gesehene PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY. Hatte Barry Mahon in seinem 1966 produzierten Film nämlich noch mit den Zensurauflagen des Hays Code zu kämpfen, konnte Regisseur Jon Martin nur 2 Jahre später aus dem Vollen schöpfen. Der Hays Code wurde im Jahr 1967 nämlich abgeschafft und endlich war es möglich, nackte Haut auch in Verbindung mit sexuellen Situationen auf der Leinwand zu zeigen. Verständlich, dass die auf den schnellen Dollar schielenden Macher solcher Billigfilme gerade Ende der 60er Jahre komplett am Rad drehten. Jon Martin hält sich mit so etwas wie einer Story gar nicht mehr groß auf, A SWEET SICKNESS ist eher im Stil der deutschen Report-Filme gedreht (jedoch ohne den episodenhaften Charakter) und beschäftigt sich mit einer jungen Frau (Vincence Wallace), die eigentlich von einer großen Filmkarriere in Hollywood träumt, jedoch auch ihre Rechnungen zahlen muss und aus diesem Grund von Agenten und Produzenten ausgebeutet wird, die nicht ihr Talent, sondern viel lieber ihre Brüste ins richtige Licht setzen wollen. So ist A SWEET SICKNESS vor allem eine relativ langweilige Abfolge von diversen Nacktszenen (in Badezimmern, Stripclubs und natürlich auch endlich – jedoch meistens vor allem inszenatorisch recht unbeholfen – in verschiedenen Betten), die von einem Sprecher aus dem Off immer wieder kommentiert werden (wohl um zumindest den Ansatz einer Handlung voranzutreiben).

A SWEET SICKNESS ist eigentlich kaum mehr goutierbar und es dürfte helfen, wenn man ihn wie ich an einem Tag ansieht, an dem einen die Hitze draußen schon fast um den Verstand bringt, man deliriös auf der Couch liegt und sich vom Geschehen auf der Mattscheibe einfach nur in entfernte Universen beamen lässt. Dann funktioniert auch ein Film wie A SWEET SICKNESS zumindest noch als filmhistorische Obskurität, die aber – wenn überhaupt – wohl nur wegen ihres offen zur Schau getragenen Zynismus im Gedächtnis bleiben wird. Denn die Träume der jungen Frau, die man während der gut 60-minütigen Laufzeit begleitet, „erfüllen“ sich am Ende des Tages dann halt doch nur in einem Film wie diesem hier.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)!