Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

BATMAN & ROBIN (Großbritannien/USA 1997, Regie: Joel Schumacher)

batman & robin

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

War in Schumachers Vorgänger BATMAN FOREVER zumindest noch ein Ansatz der Vision aus Burtons ersten beiden Filmen und der düsteren Atmosphäre von Gotham City vorhanden, so ist dieser in BATMAN & ROBIN überhaupt nicht mehr existent. Was wohl insbesondere daran liegen mag, dass Burton beim Vorgänger zumindest noch als Produzent regulierenden Einfluss gehabt haben dürfte und hier einfach nicht mehr an Bord war um die große Katastrophe zu verhindern.

Regisseur Joel Schumacher führt den Franchise mit BATMAN & ROBIN nach Absurdistan. Sein Film ist komplett überzeichneter Kintopp, macht einfach überhaupt gar keinen Sinn mehr und kann wohl als Paradebeispiel eines völlig aus der Bahn geratenen Multi-Millionen-Dollar-Projekts bezeichnet werden. BATMAN & ROBIN hat ca. 125 Mio. Dollar gekostet und es ist unfassbar, dass der Film in dieser Form überhaupt auf ein Publikum losgelassen wurde. Schumacher präsentiert über die komplette Laufzeit von gut 2 Stunden nicht viel mehr als debiles und infantiles Kasperletheater, BATMAN & ROBIN ist Trash in Reinform, allerdings keiner aus der “so bad, it’s good“-Kategorie. Sicher, auch dieser Film hat seine Momente, die sind jedoch ausgesprochen rar gesät und erzeugen ihre Wirkung mehr aus der Fassungslosigkeit des Betrachters heraus und haben weniger mit einer in irgendeiner Weise vorhandenen Qualität zu tun. Unglaublich, einfach unglaublich! Und es ist kein Wunder, dass die Warner Studios nach diesem Film die Reißleine zogen und dem Franchise 8 Jahre später mit BATMAN BEGINS und dem Auftakt von Nolans Trilogie rund um den schwarzen Ritter einen Reboot mit gänzlich anderer Ausrichtung spendierten.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)!

THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Wes Anderson)

grand budapest hotel

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Wes Anderson und seine komischen Filme. THE GRAND BUDAPEST HOTEL ist der aktuellste Streich des eigenwilligen Regisseurs und natürlich zu jeder Sekunde als Film von Wes Anderson zu identifizieren. Allerdings muss ich sagen, dass Andersons Stil – zumindest bei mir – langsam erste Abnutzungserscheinungen erkennen lässt. Fand ich den vor ein paar Wochen gesehenen MOONRISE KINGDOM beispielsweise noch ziemlich hervorragend und witzig ohne Ende, so konnte mich THE GRAND BUDAPEST HOTEL eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich zum Lachen bringen. Natürlich ist das Staraufgebot wieder durchaus beeindruckend geraten und natürlich sieht auch THE GRAND BUDAPEST HOTEL in fast allen Einstellungen atemberaubend gut aus (man könnte sich unzählige Screenshots in Postergröße ausdrucken und an die Wand hängen) und vielleicht war das hier – was die visuelle Gestaltung betrifft – sogar einer der beeindruckendsten Filme, die ich seit langer Zeit gesehen habe (THE GRAND BUDAPEST HOTEL ist komplett aufgeräumt, jede Einstellung scheint in perfekter Symmetrie komponiert zu sein und das für den größten Teil der Laufzeit gewählte 1,37:1-Format passt da natürlich hervorragend dazu), aber unter der ganzen Oberfläche, unter den tollen Bildern, den absurden Situationen und den skurrilen Charakteren, befindet sich im Endeffekt ein großes Nichts. THE GRAND BUDAPEST wirkt seltsam kalt und steril, es ist ein Film ohne Herz und ohne Seele (vielleicht kann man das Andersons anderen Filmen auch vorwerfen, aber nie ist es mir so sehr aufgefallen wie hier). Das ist zwar alles ganz hübsch und nett anzusehen, aber das war es dann auch schon wieder.

Persönliche Bewertung: Ok!

NASHVILLE GIRL (USA 1976, Regie: Gus Trikonis)

nashville girl

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

Jamie (Monica Gayle), ein Teenager aus Kentucky, träumt von einer großen Karriere als Country-Star und haut von zu Hause ab um ihr Glück in Nashville, der Hochburg der Country-Szene, zu versuchen. Doch der Weg an die Spitze erweist sich als ausgesprochen steinig…

Roger Corman hatte schon immer ein Gespür für die richtigen Geschichten zum richtigen Zeitpunkt. NASHVILLE GIRL entstand im Jahr 1976, auf dem absoluten Höhepunkt der Country-Welle und außerdem auch in dem Jahr, in dem Robert Altman NASHVILLE drehte. Mit – für Corman üblich – geringsten Mitteln gedreht, wurde natürlich auch dieser Film hier für Corman zum Erfolg. Wahrscheinlich liegt das insbesondere auch daran, dass diese B-Movies, bei denen Roger Corman seine Finger im Spiel hatte, doch immer noch ein kleines bisschen mehr waren als bloße Exploitation. Wie so viele andere Corman-Produktionen auch, zeichnet sich NASHVILLE GIRL vor allem dadurch aus, dass die zahlreich vorhandenen Schauwerte nicht nur lieblos aneinandergereiht wurden, sondern sich in eine Geschichte einfügen, die tatsächlich Interesse beim Zuschauer weckt und diesem nicht vollkommen egal ist. Man möchte einfach wissen, wie es mit Jamie weitergeht, man bangt und hofft mit ihr und wünscht ihr, dass sich all ihre Träume erfüllen mögen. Das ist der kleine und feine Unterschied zu so vielen anderen Filmen aus dem Exploitation-Bereich und das ist auch der Grund, weswegen Roger Corman nun schon seit mittlerweile über 60 Jahren (!!!) mit dem, was er tut, so verdammt erfolgreich ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

BLACKHAT (USA 2015, Regie: Michael Mann)

blackhat

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Nach seinem eher etwas durchwachsenen Ausflug in die Welt des John Dillinger mit PUBLIC ENEMIES kehrt Regisseur Michael Mann mit seinem aktuellen Film wieder ins Hier und Jetzt zurück. BLACKHAT handelt von dem Cyber-Kriminellen Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth), der vom FBI aus dem Knast geholt wird und gemeinsam mit einem chinesischen Agenten (Leehom Wang) Jagd auf einen gefährlichen Hacker machen soll, der durch eine Cyberattacke eine Explosion in einem chinesischen Atomkraftwerk ausgelöst hat…

Spätestens seit dem großartigen, phantastischen, einfach phänomenalen MIAMI VICE scheinen sich an Michael Mann die Geister extrem zu scheiden. PUBLIC ENEMIES fand ich persönlich auch nicht sonderlich gelungen, da der typische Look von Manns Filmen einfach nicht in das im Film dargestellte USA der 30er Jahre gepasst hat. Was es aber nun schon wieder allerorts an BLACKHAT auszusetzen gibt, kann ich ebenso wenig nachvollziehen wie die Kritik an MIAMI VICE vor 9 Jahren.

BLACKHAT ist einfach nur packend und spannend geraten und führt man sich vor Augen, dass Mann hier ja eigentlich ein eher “trockenes“ Thema in einen Thriller umzusetzen hatte, dann kann man nur seinen Hut vor dem Ergebnis ziehen. Über den speziellen Look von Manns Filmen muss man wohl keine großen Worte verlieren, auch BLACKHAT ist visuell wieder allererste Sahne und erinnert – was Stimmung und Atmosphäre angeht, welche ja vor allem durch Manns Bildsprache erzeugt wird (natürlich auch in Verbindung mit dem sensationell guten Score) – stark an COLLATERAL und MIAMI VICE. Die Spannung baut sich langsam und stetig auf und wenn man sich auf den Film einlässt, wird man schon bald in seinen Bann gezogen, versinkt in dieser ganz eigenen Atmosphäre und hat keine Chance, dieser zu entkommen. Und während man gespannt der Handlung des Films folgt, wird man von den wenigen vorhandenen Actionsequenzen, die förmlich aus dem Nichts kommen, staubtrocken, nüchtern und verdammt druckvoll umgesetzt und innerhalb des Handlungsverlaufs jeweils perfekt platziert sind, regelrecht aufgerüttelt und durchgeschüttelt, nur um danach wieder tief einsinken zu können in Manns einzigartige Bilderwelten. Ich bin ziemlich begeistert von BLACKHAT.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE STUNT MAN (USA 1980, Regie: Richard Rush)

the stunt man

(Fassung: Blu-ray, Explosive Media, Deutschland)

Auf der Flucht vor der Polizei landet Cameron (Steve Railsback) eher zufällig am Set des exzentrischen Regisseurs Eli Cross (Peter O’Toole). Dieser bietet ihm Unterschlupf vor der Polizei, im Gegenzug soll Cameron jedoch als Stuntman bei den Dreharbeiten des Kriegsfilms mitwirken, den Cross gerade inszeniert. Die Win-Win-Situation wird schon bald eine einseitige Angelegenheit, denn Eli verlangt von Cameron immer waghalsigere und gefährlichere Stunts und der Stuntman wider Willen ist schon bald fest davon überzeugt, dass ihm der Regisseur nach dem Leben trachtet und seinen Tod vor der Kamera provozieren will…

Einer der späteren Vertreter des New-Hollywood-Kinos, entstanden und herausgekommen zu einer Zeit, in der die ambitionierte New-Hollywood-Bewegung bereits dem Blockbuster-Kino geopfert wurde. THE STUNT MAN ist ein Film, der sich nur schwer greifen lässt, er bewegt sich irgendwo in Grauzonen zwischen Thriller, Komödie, Satire und Drama, Ernsthaftigkeit und exaltierter Klamauk geben sich die Klinke in die Hand und als Zuschauer sitzt man nicht selten etwas ratlos da, weil man einfach nicht genau weiß, wie man das Gezeigte nun einschätzen soll. Aber das macht auch den großen Reiz von Rushs Film aus, der ständig neue Wege einschlägt und so nie Gefahr läuft, in irgendeiner Weise langweilig zu werden. Der Dreh des Kriegsfilms als Rahmenhandlung des Gezeigten sorgt zudem für jede Menge Action, Spektakel und Schauwerte und die beiden Hauptdarsteller agieren einfach großartig. Insbesondere Peter O’Toole als verrückter Regisseur ist schier unglaublich gut.

Schade, dass THE STUNT MAN, der im Jahr 1981 immerhin für 3 Oscars nominiert war, damals kein allzu großer Erfolg beim Publikum gewesen ist und im Endeffekt sogar das Ende der Karriere von Regisseur Richard Rush bedeutete.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE SHIELD: SEASON 2 (USA 2003, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

Detective Vic Mackey (Michael Chiklis) und sein Strike Team sind zurück und planen in dieser zweiten Staffel von THE SHIELD den Coup ihres Lebens. Und dazwischen gibt es natürlich auch noch ein kleines bisschen echte Polizeiarbeit zu erledigen – bevorzugt mit eher fragwürdigen Methoden.

Die zweite Staffel geht ähnlich vielversprechend weiter wie die erste Staffel zu Ende gegangen ist. Shawn Ryan und seine kreativen Köpfe vor und hinter der Kamera werfen den Zuschauer mitten hinein in den von Mackey bearbeiteten Problembezirk von L.A. und konfrontieren diesen erneut mit einem Hauptcharakter, der streitbarer nicht sein könnte. Michael Chiklis ist erneut grandios in der Rolle des kriminellen Cops, der es mit unglaublicher Arroganz immer wieder schafft, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen und einfach sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen. Erschreckend an THE SHIELD ist insbesondere, wie unheimlich authentisch das Gezeigte wirkt – was natürlich auch dem halbdokumentarischen Stil geschuldet ist, aufgrund des überwiegenden Einsatzes von Handkameras, vielen verwackelten und grobkörnigen Aufnahmen und teils abenteuerlichen Einstellungen und Schnitten, wird man als Zuschauer regelrecht ins Geschehen katapultiert – und es steht zu hoffen, dass es den Machern lediglich verdammt gut gelungen ist, so etwas wie Realität vorzutäuschen. Dass das hier tatsächlich so etwas wie den Polizeialltag wiederspiegeln könnte, kann und will ich einfach nicht glauben.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

SNITCH (USA/Vereinigte Arabische Emirate 2013, Regie: Ric Roman Waugh)

snitch

(Fassung: Blu-ray, Tobis, Deutschland)

In SNITCH lässt sich ein verzweifelter Vater (Dwayne Johnson) auf einen gefährlichen Deal mit den Behörden ein. Um seinen Sohn aus dem Gefängnis zu holen, versucht er einen mächtigen Drogendealer zu Fall zu bringen. SNITCH startet mit einer Hinweistafel, dass der folgende Film auf wahren Begebenheiten beruhe. Wahr dürfte dabei allerdings weniger der konkrete Fall sein, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Ric Roman Waugh für seine fiktive Geschichte von einer gleichnamigen Dokumentation aus dem Jahr 1999 inspirieren ließ.

Im Grunde erzählt SNITCH eine Geschichte, wie sie schon unzählige Male vorher erzählt wurde. Die Geschichte des verzweifelten Vaters, der alles tun würde, um seine Familie zu beschützen, die Geschichte des Underdogs, der es mit einer Übermacht aufnimmt und die Geschichte eines verlogenen Justizsystems, welches Kollateralschäden billigend in Kauf nimmt um irgendwie diesen einen, großen Fisch an die Angel zu bekommen. Großartige Überraschungen darf man von SNITCH also nicht unbedingt erwarten. Waugh erzählt seine Geschichte auf zunächst ausgesprochen ruhige und behutsame Art und Weise, es ist ihm viel daran gelegen, die Spannung langsam aufzubauen und seine Charaktere ordentlich zu entwickeln. Das gelingt ihm im Großen und Ganzen auch recht ansprechend und SNITCH ist durchaus ein Film – vor allem dank Hauptdarsteller Dwayne Johnson, der seine Sache richtig gut macht und den Part des verzweifelten Vaters überzeugend spielt – bei dem man dranbleiben möchte, bei dem man doch irgendwann gespannt ist, welchen Weg das Drehbuch nehmen wird um zum unumgänglichen Happy End zu gelangen. Es ist aber kein Film der großartig fesseln würde, den man seinen Freunden sofort weiterempfehlen möchte und der lange im Gedächtnis bleiben wird. Dafür ist das dann doch alles viel zu austauschbar und vorhersehbar geraten. Solide Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger.

Persönliche Bewertung: Ok!

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