Männer in Masken und Strumpfhosen

SUPERMAN (Director’s Cut) (Großbritannien/USA 1978, Regie: Richard Donner)

superman

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Wenn mich nicht alles täuscht, dürfte SUPERMAN damals die erste, richtig große Comicverfilmung gewesen sein. Ausgestattet mit einem für damalige Verhältnisse irrsinnig hohen Budget von $ 55 Mio. (nur zum Vergleich: JAWS kostete drei Jahre vorher $ 8 Mio., STAR WARS ein Jahr vorher $ 11 Mio.) begründete er damals mit den beiden in den Klammern genannten Filmen endgültig das Blockbusterkino.

Und SUPERMAN funktioniert auch heute noch ganz vorzüglich. Das wird einem richtig bewusst, wenn man den Film heute praktisch “fast“ zum ersten Mal sieht (meine letzte und wahrscheinlich auch einzige Sichtung der SUPERMAN-Filme datiert aus den 80er Jahren, ich konnte mich zwar noch bruchstückhaft an einzelne Szenen erinnern, im Großen und Ganzen kam die Sichtung des Films aber einer Erstsichtung gleich). Natürlich dauert es ein Stück, bis SUPERMAN so richtig in Fahrt kommt, schließlich muss Richard Donner im ersten SUPERMAN-Film die komplette Vorgeschichte abwickeln, aber auch in diesen ersten 90 Minuten des Films kommt keinerlei Langeweile auf und davon, dass man sich durch die Vorgeschichte vielleicht durchkämpfen müsste, bis endlich die Action einsetzt, kann keine Rede sein. Das liegt natürlich in erster Linie an der großartigen Besetzung. Insbesondere Christopher Reeve als Superman/Clark Kent und Margot Kidder als Lois Lane passen ganz vorzüglich zusammen und harmonieren so gut, als ob sie diese Rollen schon seit Jahren spielen würden. Und dann Marlon Brando, dessen Part zwar nicht allzu groß ausgefallen ist, dem es aber natürlich trotzdem gelingt, als Supermans Vater Jor-El im Gedächtnis zu bleiben. Oder Gene Hackmann als größenwahnsinniger Gangster Lex Luthor – die Castingabteilung hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Und dieses Lob kann man auch den Set Designern und den Effektkünstlern aussprechen. Der Planet Krypton, Supermans Eispalast und Luthors Unterschlupf – das sieht alles einfach nur richtig, richtig gut aus und die zahlreichen zum Einsatz kommenden Spezialeffekte entfalten auch heute noch ihre Wirkung und kommen nur in ganz wenigen Sequenzen altersbedingt etwas angestaubt rüber (das ist aber nichts, was man dem Film jetzt als Schwäche auslegen könnte). Das Ende des Films ist nicht viel weniger als Kinomagie und wenn dann der Abspann zu den Klängen von Williams’ Score einsetzt, wird einem erst richtig bewusst, dass SUPERMAN noch Blockbusterkino mit Herz, Seele und Verstand gewesen ist und Filme aus dem Blockbusterbereich, denen man auch dieses Attribut zuweisen könnte, gerade in den letzten Jahren schon verdammt rar gesät waren.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

SUPERMAN II (Richard Donner Cut) (Großbritannien/USA 1980/2006, Regie: Richard Donner/Richard Lester)

superman ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Die Produktionsgeschichte von SUPERMAN II ist eine der absurderen der Traumfabrik.

Geklautes Wissen aus dem Wikipedia-Artikel zum Film kurz zusammengefasst: Regisseur Richard Donner drehte einen Großteil des Films bereits parallel zum Vorgänger SUPERMAN. Als dieser extrem erfolgreich wurde, bekamen die Produzenten aufgrund einer Vertragsklausel mit Marlon Brando, der Supermans Vater Jor-El spielte, kalte Füße. Dieser hätte bei einem Mitwirken in der Fortsetzung wohl eine beachtliche Gewinnbeteiligung erhalten. Donner sollte alle Szenen mit Brando entfernen, weigerte sich und wurde – obwohl bereits gut 70% des Films fertiggestellt waren – gefeuert. Stattdessen engagierten die Produzenten Richard Lester als Regisseur, der den Film fertigstellten sollte und Ersatz für die bereits gedrehten Szenen mit Brando liefern musste. In der Kinofassung von SUPERMAN II taucht Marlon Brando somit wohl überhaupt nicht mehr auf.

Im Jahr 2006 wurde SUPERMAN II schließlich in einer Fassung neu veröffentlicht, die der ursprünglichen Vision von Richard Donner ziemlich nah kommen dürfte. Die ursprünglichen Szenen mit Brando wurden geborgen und von Film Editor Michael Thau mit den sonstigen Donner- und Lester-Szenen zu einem völlig neuen Film zusammengeschnitten. Diesen “Richard Donner Cut“ habe ich mir nun angesehen und ich muss sagen, dass er richtig gut gelungen ist (leider kann ich momentan keinen Vergleich zur damaligen Kinofassung ziehen, da meine Erinnerung an diese praktisch überhaupt nicht mehr vorhanden ist).

SUPERMAN II handelt vom Kampf des Titelhelden gegen drei – von Supermans Vater ursprünglich in die Phantomzone verbannte – Schwerverbrecher von Krypton, welche durch Supermans Rettungsaktion zu Ende des ersten Teils aus ihrem Gefängnis befreit werden und sich zur Erde begeben, wo sie dieselben Kräfte haben wie Superman. Da alle wichtigen Charaktere in dieser Fortsetzung nun bereits eingeführt sind, muss sich Regisseur Donner nicht mehr mit allzu viel Vorgeplänkel befassen und kann sofort in die Geschichte einsteigen. Die Beziehung zwischen Superman/Clark Kent und Lois Lane (Christopher Reeve und Margot Kidder harmonieren wieder ganz vorzüglich) wird ausgebaut und bildet das emotionale Zentrum des Films, Donner/Lester hat/haben ein paar herrlich komische Szenen in den Film eingebaut, Gene Hackman darf als Lex Luthor wieder vorbeischauen (wenngleich seine Rolle auch nicht mehr so dominant ausgefallen ist wie im Vorgänger) und die drei Superverbrecher (u.a. Terence Stamp als General Zod) von Krypton sorgen für spektakuläre Kampfszenen im Finale. Set Design und Effekte sind auch hier wieder einfach nur als superb zu bezeichnen und insgesamt betrachtet hat mir persönlich SUPERMAN II in dieser Schnittfassung noch einen kleinen Tick besser gefallen als der Vorgänger.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BATMAN (USA 1966, Regie: Leslie H. Martinson)

batman 1966

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Ab Januar 1966 kämpften Adam West als Batman und Burt Ward als Robin in einer insgesamt 3 Staffeln laufenden TV-Serie gegen Bösewichter in Gotham City. Und bereits am 30.07.1966 – nach Abschluss der ersten Staffel der TV-Serie – feierte BATMAN Kinopremiere. West und Ward bekommen es im Film mit dem Joker (Cesar Romero), dem Pinguin (Burgess Meredith), dem Riddler (Frank Gorshin) und der verführerischen Catwoman (Lee Meriwether) gleich mit vier Superschurken im Paket zu tun und haben nicht wenige Anstrengungen zu bewältigen, um nach gut 105 Minuten dann doch den Tag zu retten.

BATMAN nimmt sich – wahrscheinlich wie die TV-Serie, die ich leider nicht kenne – dabei keine Sekunde ernst und bombardiert den Zuschauer im Minutentakt mit absurden Ideen und kunterbuntem 60er-Jahre-Kitsch. Das macht eine Zeit lang auch wirklich einfach nur verdammt viel Spaß, wird – weil es im letzten Drittel dann doch zunehmend kindischer und infantiler wird – aber auch irgendwann ziemlich ermüdend. Dafür ist der Soundtrack einfach nur hammermäßig geil und sorgt dafür, dass man den Ermüdungserscheinungen nicht erliegt und sicher bis zum Ende des Films geleitet wird. Und dann ist das hier auf jeden Fall auch der Erklärbärfilm des 20. Jahrhunderts. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Film gesehen zu haben, in dem praktische alle handelnden Personen wirklich ständig erklärt haben, was sie denn da gerade tun. Zudem ist wirklich ausnahmslos jedes technische Gerät mit einem lustigen Schild versehen, so dass der Zuschauer gleich erkennen kann, worum es sich hier denn nun exakt handeln soll. Irgendwie putzig.

Persönliche Bewertung: Gut!

SUPERMAN AND THE MOLE-MEN (USA 1951, Regie: Lee Sholem)

superman and the mole-men

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Nach diversen Kurzanimationsfilmen aus den 40er Jahren und zwei Serials aus den Jahren 1948 und 1950 markierte der knapp 1-stündige SUPERMAN AND THE MOLE-MEN im Jahr 1951 den ersten richtigen Spielfilm- und Leindwandauftritt des Superhelden vom Planeten Krypton, der hier von George Reeves gespielt wird, der den Kryptonier auch in der dem Film folgenden und insgesamt 6 Staffeln umfassenden TV-Serie ADVENTURES OF SUPERMAN spielen sollte.

Regisseur Lee Sholem hält sich mit Exposition gar nicht groß auf, in ein paar Sätzen am Anfang des Films wird die Herkunft und Identität Supermans erklärt, danach ist man als Zuschauer sofort mitten drin im Geschehen. In SUPERMAN AND THE MOLE-MEN geht es zunächst um Supermans irdische Identität Clark Kent, der gemeinsam mit seiner Reporterkollegin Lois Lane (Phyllis Coates) in ein kleines Nest fährt um dort eine Story über eine Ölförderstation zu schreiben, deren Betreiber so tief nach Öl bohren wie sonst keiner vor ihnen. Was noch keiner weiß, ist, dass durch das zu tiefe Bohren eine unterirdische Höhle freigelegt wurde und nun zwei Maulwurf-Menschen an die Oberfläche gelangt sind und sich hier eigentlich nur mal umsehen wollen. Aber wie das nun mal so ist, führt Hass auf und Angst vor dem Fremden beinahe in eine Katastrophe. Zum Glück ist Clark Kent vor Ort und kann in sein Superman-Kostüm schlüpfen um Schlimmeres zu verhindern.

Was sich von der Ausgangssituation wie typischer 50er-Jahre-Trash lesen mag, ist tatsächlich ziemlich ernsthaft und nachdenklich umgesetzt. Natürlich kann man sich heute – das ist aber einfach der Erscheinungszeit geschuldet – in der einen oder anderen Situation des Films ein Grinsen nicht ganz verkneifen, insgesamt betrachtet ist SUPERMAN AND THE MOLE-MEN mit seinem Thema Fremdenfeindlichkeit aber leider auch heutzutage noch brandaktuell und mit dem flammenden Plädoyer, das der Film im Endeffekt für Toleranz und gegen Rassismus hält, unbedingt beklatschenswert.

Persönliche Bewertung: Gut!

HERO AT LARGE (USA 1980, Regie: Martin Davidson)

hero at large

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Als vor einigen Jahren Filme wie KICK-ASS, DEFENDOR oder SUPER herauskamen, waren sehr viele – mich eingeschlossen – doch ziemlich begeistert von dieser neueren Art des Superheldenfilms, welche “normale“ Menschen ohne Superkräfte in Kostüme stiegen und so zu (streitbaren) Helden werden ließ. Dass diese Idee des Superhelden ohne Superkräfte im Endeffekt gar nicht so neu gewesen ist, beweist der aus dem Jahr 1980 stammende HERO AT LARGE.

John Ritter spielt den erfolglosen New Yorker Schauspieler Steve Nichols, der sich mit wenig attraktiven Jobs über Wasser halten muss um überhaupt seine Miete zahlen zu können. Als er an einem Abend im Superheldenkostüm Promotion für einen neuen Film macht und nach getaner Arbeit in diesem Kostüm eher zufällig den Raubüberfall auf einen kleinen Gemischtwarenladen vereitelt, verändert sich sein Leben jedoch schlagartig und Steve findet Gefallen daran, Gauner als Superheld zur Strecke zu bringen, jedoch mit nicht vorhersehbaren Folgen. Die Grundaussage von HERO AT LARGE – nämlich, dass jeder ein Held sein kann, wenn er nur seinen Mut zusammennimmt und Gutes tut – ist zwar durchaus sympathisch und nett, die Art und Weise, wie das alles transportiert wird, mutet jedoch schon sehr naiv an und die dem Plot hinzugefügte Liebesgeschichte mit Anne Archer als Love Interest passt in den kitschigen Grundton des Films wunderbar hinein. HERO AT LARGE fehlt es einfach an Drive und auch an einem gewissen Biss und so schafft es Davidsons Film eigentlich zu keinem Zeitpunkt, den Zuschauer so wirklich für sich einzunehmen. Ja, das ist schon alles ganz nett anzusehen. Aber halt auch wirklich kein bisschen mehr.

Persönliche Bewertung: Nett!

SUPERMAN III (Großbritannien/USA 1983, Regie: Richard Lester)

superman iii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Zu SUPERMAN III habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Das war damals der allererste Film, den ich auf dem brandneuen Medium VHS-Video gesehen habe (noch vor den ersten beiden Teilen) und dementsprechend war dieses Wiedersehen nach unzähligen Jahren auch so etwas wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Diesen Film halbwegs objektiv zu bewerten, fällt mir schwer.

Auffällig ist natürlich, dass in diesem Teil der Reihe, der mit dem Komiker Richard Pryor in einer weiteren Hauptrolle als “Bösewicht wider Willen“ besetzt ist, die komischen Momente – die ja auch in den ersten beiden Filmen reichlich vorhanden waren – absolut im Mittelpunkt stehen. Ich liebe beispielsweise diesen Slapstick-Anfang während die Credits laufen. Pryor hat ein paar großartige Momente und in der Sequenz, in der Superman unter dem Einfluss des gepanschten Kryptonits steht und sich wie ein rüpelhafter Rowdy verhält, gibt’s auch ein paar nette Gags zu sehen. Abstriche muss man leider beim Set Design und bei der Qualität der Effekte machen. Gerade zum Ende hin sieht so mancher Effekt etwas arg trashig aus. Und auch die Tatsache, dass Margot Kidder als Lois Lane nicht viel mehr als einen kurzen Gastauftritt absolviert, stimmt etwas traurig. War es ja auch gerade diese wunderbare Harmonie zwischen Reeve und Kidder, die viel zum Gelingen der ersten beiden Filme beigetragen hat. Als Love Interest bekommt Clark Kent hier Lana Lang (Annette O’Toole) zur Seite gestellt, die er anlässlich eines Klassentreffens in seiner kleinen Heimatstadt Smallville nach langen Jahren erstmals wieder trifft. Auch das hat durchaus Charme, das Fehlen von Margot Kidder kann Annette O’Toole allerdings nicht gleichwertig kompensieren. Ich kann also durchaus verstehen, wenn man diesem Film nach den beiden tollen Vorgängern eine gewisse Ablehnung entgegenbringt. Ich mag ihn trotzdem, Nostalgie ist halt doch etwas Schönes.

Persönliche Bewertung: Gut!

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