Kein Sport mehr…

EXTREME JUSTICE (USA 1993, Regie: Mark L. Lester)

extreme justice

(Fassung: DVD, Filmart, Deutschland)

Mit seinen wenig zimperlichen Methoden bei der Verbrechensbekämpfung ist der junge Cop Jeff Powers (Lou Diamond Phillips) immer ein heißer Kandidat für die Abteilung der internen Ermittlungen. Umso erfreuter ist er, als ihm das Angebot unterbreitet wird, bei einer geheimen Spezialeinheit des Los Angeles Police Department einsteigen zu können. Die sogenannte SIS unter der Leitung von Dan Vaughn (Scott Glenn) hat praktisch komplett freie Hand in der Wahl ihrer Methoden und Powers kann es kaum erwarten, fiese Verbrecher nicht mehr mit Samthandschuhen anfassen zu müssen. Als ihm jedoch nach kurzer Zeit bewusst wird, dass Vaughn wirklich jedes Mittel recht ist um einen Fall abzuschließen und auch Opfer innerhalb der unbescholtenen Zivilbevölkerung und sonstige Kollateralschäden billigend in Kauf nimmt, versucht er alles, um Vaughn zu stoppen…

Wirklich beunruhigend an EXTREME JUSTICE ist insbesondere die Tatsache, dass dieser Film angeblich von einer – zumindest noch zur damaligen Entstehungszeit des Films vor nunmehr auch schon wieder über 20 Jahren – tatsächlich existierenden Spezialeinheit innerhalb der Polizei von Los Angeles inspiriert wurde. Im Endeffekt nimmt EXTREME JUSTICE auf gewisse Weise die Cop-Serie THE SHIELD, die ich ja gerade anschaue, vorweg und konfrontiert den Zuschauer mit einer Welt, in der Selbstjustiz an der Tagesordnung ist und die Trennung zwischen Exekutive, Judikative und Legislative komplett aufgehoben wurde. Regisseur Mark L. Lester hat mit EXTREME JUSTICE einen auch für den Zuschauer unangenehmen Film gedreht, die hier gezeigte Selbstjustiz ist nicht hoffnungslos überzeichnet wie z.B. in seinem grandiosen COMMANDO mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle, als Zuschauer kann man sich nicht gemütlich im Sessel zurücklehnen um einen politisch unkorrekten Actionklopper zu genießen, nein, EXTREME JUSTICE trifft einen wie der sprichwörtliche Faustschlag in die Magengrube. EXTREME JUSTICE ist ein mehr als beeindruckender Film, der leider nie die Beachtung erfahren hat, die er eigentlich verdient hätte. EXTREME JUSTICE ist ein Highlight – sowohl innerhalb des Subgenres des Copfilms als auch im Bereich der Actionfilme der 90er Jahre.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MAN OF STEEL (Großbritannien/Kanada/USA 2013, Regie: Zack Snyder)

man of steel

(Fassung: Blu-ray, Warner, Großbritannien)

Nach dem mehr als durchwachsenem SUPERMAN RETURNS aus dem Jahr 2006 gab es mit MAN OF STEEL sieben Jahre später ein echtes Reboot der Reihe um den vom Planeten Krypton stammenden Superhelden. MAN OF STEEL variiert die mir bekannte, klassische Geschichte von Superman dabei sehr stark und für mich als Zuschauer war diese Version, in der plötzlich alles ganz anders abläuft, durchaus gewöhnungsbedürftig und so wirklich anfreunden konnte ich mich mit dieser Superman-Version über die komplette Laufzeit nicht.

Prinzipiell tut frischer Wind, der alteingesessene Geschichten etwas durcheinanderwirbelt sicher gut, aber MAN OF STEEL kam mir in den ersten 2/3 seiner Laufzeit mitunter doch ziemlich zerfahren vor, so, als ob da ein prinzipiell simpler Plot unnötig aufgebauscht und gekünstelt verkompliziert erzählt werden müsste (mag das vielleicht daran liegen, dass die Vorlage zum Drehbuch von David S. Goyer u.a. von Christopher Nolan stammt, dem ungekrönten König darin, Story-Mücken zu Story-Elefanten aufzublasen?). Noch störender fand ich dann die Tatsache, dass Snyder nach diesen besagten 2/3 der Laufzeit einfach mit seiner Geschichte aufhört und stattdessen mit einer schon sehr schnell sehr ermüdend wirkenden Materialschlacht beginnt, die zwar sicher ganz nett anzusehen ist, in der Art und Weise der Inszenierung – insbesondere Bays TRANSFORMERS-Reihe lässt grüßen – aber nicht sonderlich viel Neues zu bieten hat.

Keine Ahnung, was ich letztendlich von MAN OF STEEL halten soll, vielleicht hatte ich auch einfach keinen guten Tag für einen Film dieser Art erwischt. Im Endeffekt fand ich das Teil hier ausgesprochen bescheiden.

Persönliche Bewertung: Naja!

STREETS (USA 1990, Regie: Katt Shea)

streets

(Fassung: DVD, Shout! Factory, USA)

Nachdem ich mir vor etwas längerer Zeit mit STREETWALKIN’ und UNCAGED bereits zwei von Cormans “(teenage) prostitutes in distress“-Filmen angesehen habe, war mit STREETS der dritte und letzte mir vorliegende Film an der Reihe. Ähnlich wie die beiden anderen Filme zeigt sich auch STREETS von Regisseurin Katt Shea deutlich von Gary Shermans VICE SQUAD aus dem Jahr 1982 und natürlich auch von Robert Vincent O’Neills ANGEL aus dem Jahr 1984 beeinflusst. Im Gegensatz zu STREETWALKIN’ und UNCAGED geht es in STREETS jedoch deutlich ruhiger – man könnte auch sagen “harmloser“ – zur Sache.

Katt Shea erzählt die Geschichte des Ausreißers Sy (David Mendenhall), der die jungen Prositutierte Dawn (Christina Applegate – Corman hat da einen echten Besetzungscoup gelandet, brachte die junge Schauspielerin aufgrund ihrer Rolle der Kelly Bundy aus MARRIED WITH CHILDREN doch fast so etwas wie Starpower in den kleinen Film) vor einem psychopathischen Kunden (Eb Lottimer) rettet, welcher sich schließlich als Motorrad-Cop  entpuppt und fortan Jagd auf das junge Paar macht. STREETS ist behutsam erzählt, überzeugt weniger durch einen steten Spannungsaufbau oder überbordende Schauwerte, sondern vielmehr durch seine tollen Bilder, mit denen Shea ihren Film ausgestattet hat und die dem kleinen Exploiter eine fast schon albtraumhafte Atmosphäre verleihen. Die gezeigten Straßen von Los Angeles sind bei den Tagesaufnahmen in tiefrote und bei den Nachtaufnahmen in tiefblaue Farben getaucht, werden ausschließlich von gescheiterten Existenzen und fragwürdigen Gestalten bevölkert und erzeugen dabei eine Stimmung, die an post-apokalyptische Szenarien erinnert. Auf Schauspielerseite überzeugt insbesondere Eb Lottimer als Bösewicht mit seiner mehr als bedrohlichen und beunruhigenden Aura. Woran STREETS qualitativ jedoch letztendlich ein bisschen zu knabbern hat ist die Tatsache, dass der Plot mit dem jagenden Cop und der Plot der sich anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Sy und Dawn praktisch über die komplette Laufzeit des Films wie zwei Fremdkörper nebeneinander stehen und nie so wirklich miteinander verbunden werden. STREETS wirkt so nie wie eine echte Einheit und hätte sich Katt Shea, die auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnete, einfach auf eine der beiden Geschichten konzentriert und die andere außen vor gelassen, aus STREETS wäre vielleicht sogar ein richtig guter Film geworden.

Persönliche Bewertung: Ok!

TAKERS (USA 2010, Regie: John Luessenhop)

takers

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Auch wenn TAKERS eine ganze Armada an bekannten Gesichtern präsentiert – u.a. Paul Walker, Matt Dillon, Hayden Christensen, Chris Brown, Idris Elba, T.I., Jay Hernandez und Zoe Saldana -, auf schauspielerischer Ebene kann Luessenhops Film eigentlich überhaupt nicht überzeugen. Praktisch alle Schauspieler bleiben blass, keiner hinterlässt so etwas wie eine Duftmarke, und die Figuren, die sie darstellen müssen, sind allesamt nicht viel mehr als klischeehafte Schablonen. Und auch der Plot dieser Mischung aus Heist Movie und Actionfilm gehört dann doch eher zu den vorhersehbareren seiner Sorte – da kann auch die eine oder andere nette Wendung nicht viel retten. Und doch fand ich persönlich TAKERS richtig gut, kurzweilig und extrem unterhaltsam.

Das ist einer dieser Filme, die ausschließlich über die Schauwerte funktionieren und von denen gibt es – insbesondere in der zweiten Hälfte – jede Menge. TAKERS erwischt mit diesem ausgesprochen hübsch choreographierten Banküberfall gleich zu Beginn schon mal einen richtig guten Start (vor allem die Flucht im Helikopter ist der Knaller), danach geht es – typisch für ein Heist Movie – zwar erst mal etwas ruhiger zur Sache, aber dieses unbewusste Katz-und-Maus zwischen Gangstern und Polizei, welches während der Vorbereitungen zum Überfall aufgezogen wird, sorgt schon dafür, dass es nie zu ruhig wird und wenn der große Coup dann erst mal ins Rollen kommt, gibt es bis zum Abspann sowieso keine Langeweile mehr. Die Verfolgungsjagd zu Fuß ist bspw. einfach nur großartig in Szene gesetzt und diese geile Shoot-Out-Sequenz im Hotelzimmer hat mir auch richtig gut gefallen.

Im Endeffekt ist TAKERS ein auf Handlungsebene bestenfalls durchschnittlicher Film geworden, die überragenden Schauwerte reißen es raus und sorgen schließlich dafür, dass mir TAKERS dann doch eher positiv im Gedächtnis bleiben wird.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE SHIELD: SEASON 3 (USA 2004, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

In der dritten Staffel von THE SHIELD müssen sich Detective Vic Mackey (Michael Chiklis) und sein Team damit auseinandersetzen, dass das von ihnen erbeutete Schwarzgeld mehr Fluch als Segen darzustellen scheint. Die Banknoten sind markiert, das Strike Team gerät ins Visier der Behörden und die armenische Mafia schwört Rache für den Überfall. Und dann bekommt Mackey mit seiner integeren Kollegin Claudette Wyms (CCH Pounder) auch noch einen Wachhund der besonderen Art vorgesetzt. Die verdächtigt Mackey und sein Team schon länger, unlautere Sachen zu treiben und hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, das Strike Team zu Fall zu bringen…

Die von Shawn Ryan entwickelte Copserie büßt auch in dieser dritten Staffel kein bisschen von der Faszination ein, die sie praktisch bereits von Anfang an auf den Zuschauer ausübt. THE SHIELD verbindet Action, Anspruch und Thrill auf nahezu perfekte Art und Weise miteinander. Der die komplette Staffel durchziehende Handlungsstrang rund um das vom Strike Team geklaute Schwarzgeld ist ungemein spannend und wendungsreich inszeniert und die in den einzelnen Episoden vorhandenen Subplots um diverse sonstige Fälle, die es von der Polizeieinheit aufzuklären gilt, fügen sich Folge um Folge ganz vorzüglich in die Haupthandlung ein. Und der halbdokumentarische Stil mit diesen grobkörnigen, teilweise auch unscharfen und durch den Einsatz der Handkamera verwackelten Bildern sorgt auch in dieser Season wieder dafür, dass THE SHIELD ungemein authentisch und realistisch rüberkommt (obwohl so manche Wendung der Handlung und so mancher Fall so “over the top“ erscheint, dass man bei nüchterner Betrachtung sicher nicht von Realismus sprechen kann). Das größte Plus der Serie ist – ich kann mich da nur gebetsmühlenartig wiederholen – jedoch die Besetzung und die Zeichnung und Ausarbeitung der Charaktere. THE SHIELD wird ausschließlich von Typen bevölkert, keine der handelnden Personen ist uneingeschränkt gut oder uneingeschränkt böse, jeder hat seine Ecken und Kanten und jeder – auch die von CCH Pounder gespielte Claudette Wyms, die eigentlich das positive Gegenstück zum korrupten und intriganten Vic Mackey darstellt – ist bereit, für seine Interessen die Spielregeln zu umgehen und alles zu tun, um seine Ziele irgendwie zu erreichen. Als Zuschauer sitzt man eigentlich immer nur fassungslos vor dem Fernseher und das praktisch komplette Abhandensein echter Identifikationsfiguren ist eine der großen Herausforderungen, die THE SHIELD an seine Zuschauer stellt. Großes, wirklich ganz großen Fernsehen!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

STRETCH (USA 2014, Regie: Joe Carnahan)

stretch

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Ich muss zugeben, ich habe ein Herz für diese “Durch die Nacht“-Filme, in denen ein Protagonist ohne es groß vorauszuahnen von einem Schlamassel in den nächsten gerät und im Wachzustand eine Nacht voller Albträume durchstehen muss. Auch STRETCH gehört zu dieser Gattung von Filmen und erzählt die Geschichte des von Patrick Wilson gespielten Titelhelden, der einst mit den Träumen von einer Karriere als Schauspieler nach L.A. kam und sich nun als Fahrer einer Limousine seine Brötchen verdienen muss. In dieser ganz speziellen Nacht hat er den exzentrischen Roger Karos (Chris Pine, der trotz eines ziemlichen großen Parts witzigerweise nicht in den Credits genannt wird) zu chauffieren und der winkt mit einem ordentlichen Trinkgeld, wenn Stretch all das erledigt, was sein verrückter Passagier verlangt. Und da Stretch das Geld dringend benötigt um Schulden bei einem fiesen Buchhalter zurückzuzahlen, willigt er in den Deal ein.

Regisseur Joe Carnahan hat u.a. SMOKIN’ ACES und THE A-TEAM gedreht und mit dieser Vita im Gepäck ist es wenig verwunderlich, dass auch STRETCH vor absurden Situationen überläuft, mit durchgeknallten Charakteren bis zum Abwinken bevölkert ist und die für Filme dieser Art typische Coolness über die komplette Laufzeit vorhanden sein muss. Als ich vor einigen Monaten den vom Stil her ähnlichen HIT AND RUN der beiden Regisseure David Palmer und Dax Shepard gesehen hatte, ist mir damals schon bewusst geworden, dass die Zeit solcher Filme mittlerweile einfach vorbei zu sein scheint. Und diese Erkenntnis wurde durch STRETCH nun erneut bestätigt. Gibt es tatsächlich noch eine Fanbase für Filme dieser Art? Für diese Klone der Tarantino-Klone aus den späten 90er und früher 00er Jahren? Das hat man doch alles schon unzählige Male gesehen und auch STRETCH bietet jetzt nicht wirklich etwas Neues. Natürlich ist das alles in gewisser Weise unterhaltsam, ganz hübsch anzusehen und zu behaupten, dass ich jetzt gar keinen Spaß mit dem Film gehabt hätte, würde auch nicht der Wahrheit entsprechen. Aber “gut“ ist was anderes und wenn ich STRETCH jetzt nicht gesehen hätte, hätte ich auch nichts verpasst.

Persönliche Bewertung: Nett!

MEN, WOMEN & CHILDREN (USA 2014, Regie: Jason Reitman)

men, women & children

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Mit MEN, WOMEN & CHILDREN wendet sich Regisseur Jason Reitman – der mit JUNO, UP IN THE AIR und YOUNG ADULT bereits mindestens drei ganz hervorragende Filme abgeliefert hat – erneut dem unendlichen Thema zwischenmenschlicher Beziehungen zu und wirft einen kritisch, tragikomischen, ernüchternden und auch irgendwie entlarvenden Blick auf die Generation Smartphone und die Probleme, welche die digitale Welt so mit sich bringt.

MEN, WOMEN & CHILDREN erzählt mit seiner episodenhaften Struktur mehrere, kleinere Geschichten. Über gut 2 Stunden begleitet Reitman eine Handvoll Familien und lässt den Zuschauer als stillen Beobachter mit in deren Häuser, lässt ihn an deren Kommunikationen per Mail, Facebook, Twitter, usw. teilhaben und zeigt dabei – ohne dies groß zu werten oder zu kommentieren – deutlich auf, wo die Probleme und Gefahren der immer weiter fortschreitenden, digitalen Welt liegen und wie sich diese auf die zwischenmenschlichen Beziehungen auswirken. Vielleicht kann man Reitman vorwerfen, dass er nur Klischee an Klischee reihen würde und die hier gezeigten Fälle – u.a. ein Teenager, der eine hoffnungsvolle Karriere als Sportler zugunsten eines Online-Spiels in den Sand setzt, ein Ehepaar, welches sich nicht mehr viel zu sagen hat, was schließlich dazu führt, dass sich jeder der beiden Partner bei verschiedenen Dating-Portalen einen neuen Kick sucht, eine überprotektive Mutter, die ihrer Tochter keinerlei Freiraum mehr lässt und diese auf Schritt und Tritt überwacht – zwar sicher in gewisser Weise glaubwürdig sind, aber dennoch nicht unbedingt der Norm entsprechen dürften. Das mag richtig sein, aber schaut man sich MEN, WOMEN & CHILDREN aufmerksam an und beobachtet man insbesondere die Kleinigkeiten am Rande, so wird sicher niemand, der in irgendeiner Weise in der digitalen Welt aktiv ist, behaupten können, dass in MEN, WOMEN & CHILDREN nicht verdammt viel Wahrheit steckt und er sich tatsächlich in keiner einzigen Sequenz zumindest ein kleines bisschen wiederentdeckt hätte. Reitman legt den Finger auf sympathische Weise in die Wunde. Ich mag ihn und seine Filme.

Persönliche Bewertung: Gut!

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Neues vom Sport…

ROCKY IV (USA 1985, Regie: Sylvester Stallone)

rocky iv

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Autorenfilmer Stallone hat wieder zugeschlagen. Wie schon beim zweiten und dritten Teil übernahm Sylvester Stallone auch bei ROCKY IV nicht nur die Hauptrolle, sondern steuerte zusätzlich das Drehbuch bei und machte es sich auch auf dem Regiestuhl bequem (soweit letzteres überhaupt möglich ist, wenn man auch die Hauptrolle spielt).

Wie bereits im Eintrag zum ersten Teil angemerkt, bin ich mit den ersten vier Filmen rund um den Italian Stallion aufgewachsen, habe sie unzählige Male in meiner Jugend gesehen und werde sie schon allein aus diesem Grund wohl für alle Ewigkeit lieben. Von allen vier Filmen habe ich damals ROCKY IV wohl am häufigsten (und wahrscheinlich auch als erstes) gesehen und eine halbwegs objektive Bewertung dieses Filmes ist mir schlicht unmöglich.

Stallone beginnt auch seinen vierten Teil mit einer kurzen Rückblende auf den vorhergehenden Film und gibt danach gleich Vollgas – eine großartige Exposition gibt es genauso wenig wie eine “richtige“ Geschichte, in der sich Charaktere (weiter)entwickeln können und Spannung erzeugt wird. Stattdessen setzt Stallone voll auf Videoclip-Ästhetik und lässt mit Musik untermalte Bilder sprechen. Der fatale Kampf zwischen Rockys Kumpel Apollo Creed (Carl Weathers) und dem russischen Boxer Ivan Drago (Dolph Lundgren), bei dem Apollo getötet wird und der schließlich dazu führt, dass Rocky in Russland gegen Drago antritt um diesen zu besiegen und Apollo zu “rächen“, wird bspw. durch einen mehrminütigen Showact von James Brown eingeleitet, in dem dieser seinen Hit “Living in America“ zum Besten gibt und die Trainingssequenz, in der immer wieder zwischen dem in der Wildnis trainierenden Rocky und dem im hochmodernen Leistungszentrum sich vorbereitenden Drago hin- und hergeschnitten wird, wäre ohne die geniale Musikuntermalung nicht halb so effektiv. Am deutlichsten tritt diese Videoclip-Ästhetik in der Sequenz kurz nach Apollos Tod zum Vorschein. Rocky steigt in sein Auto, fährt durch die Nacht und zu den Klängen von “No Easy Way Out“ von Robert Tepper bekommt der Zuschauer noch einmal eine Art Best Of aus den bisherigen Teilen präsentiert.

ROCKY IV ist im Endeffekt nur noch glänzende Oberfläche, vielleicht der Film, der wie kein zweiter die 80er Jahre definiert. Mit seiner Optik, mit seiner Kalter-Krieg-Thematik, mit seiner Propaganda, die er transportiert. Man könnte ROCKY IV auch als Kriegsfilm lesen, als filmische Lösung des Konflikts zwischen der USA und der UdSSR. Dem Angriff Russlands folgt der amerikanische Gegenschlag, der natürlich siegreich für die Amerikaner ausfällt und am Ende ruft der Sieger zur Völkerverständigung auf. Es wäre schön, wenn internationale Konflikte so einfach durch einen Boxkampf zu lösen wären. ROCKY IV ist irgendwie auch ein wunderbar naives Märchen. Und er ist ein persönlicher Lieblingsfilm und rein subjektiv betrachtet der beste Film der ganzen Reihe.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

HOOSIERS (Großbritannien/USA 1986, Regie: David Anspaugh)

hoosiers

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

In HOOSIERS bzw. BEST SHOT (so der “Original“-Titel im Co-Produktionsland Großbritannien) übernimmt Gene Hackman als umstrittener Coach Anfang der 50er Jahre ein erfolgloses Highschool-Basketball-Team einer Kleinstand in Indiana und macht aus den geborenen Verlierern letztendlich Champions. Bis es jedoch soweit ist, muss Hackman erst die typischen Phasen eines Sportdramas durchlaufen, muss bspw. seinen zahlreichen Kritikern beweisen, dass er der richtige Mann für diesen Job ist, muss den talentiertesten Schüler, der sein Team weiterbringen könnte, dem Sport jedoch abgeschworen hat, auf seine ganz eigene Art und Weise davon überzeugen, dass dieser wieder mit dem Basketball anfangen muss, usw., usf.; auch HOOSIERS tritt letztendlich den Beweis an, dass das Genre des Sportfilms neben dem Genre der romantischen Komödie zu den wohl vorhersehbarsten Filmgenres gehört und es praktisch so gut wie keine Ausnahmen geben dürfte, die die festgelegten Genreregeln brechen und neue Wege gehen. Sonderlich tragisch finde ich das jedoch nicht. Denn das, was mich an diesem Genre so sehr fasziniert, ist, dass es vielen Filmemachern – so auch David Anspaugh, der für HOOSIERS verantwortlich zeichnen – gelingt, dieses von Anfang an bereits feststehende Ende so spannend, emotional und packend herbeizuführen, dass man als Zuschauer vor dem heimischen Bildschirm sitzt und trotzdem mitfiebert. Natürlich gewinnen die Underdogs auch in HOOSIERS am Ende die Highschool-Meisterschaft innerhalb ihres Bundesstaates, natürlich ist das nicht überraschend und natürlich wird auf dem Weg dorthin nicht nur ein Klischee bemüht, spannend, packend und emotional war es für mich als Zuschauer dennoch. Auch HOOSIERS ist ein Sportfilm zum Weiterempfehlen.

Persönliche Bewertung: Gut!

STAY HUNGRY (USA 1976, Regie: Bob Rafelson)

stay hungry

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

STAY HUNGRY ist ein perfekter Titel für einen Sportfilm – ohne den nötigen Hunger auf Erfolg kann man im Endeffekt keine Leistungen bringen, um eben diesen Erfolg dann auch einzufahren. Aber auch wenn Rafelsons Film praktisch diesen wunderbaren Sportfilmtitel mit sich herumträgt, ein Sportfilm ist er eigentlich nur ganz am Rande und ehrlich gesagt hat mich Rafelson mit seinem etwas komischen Genremix ziemlich auf dem falschen Fuß erwischt und ich hab keine Ahnung, was ich letztendlich von dem Film halten soll.

Es geht um den durch eine Erbschaft an großen Wohlstand gekommen Craig Blake (Jeff Bridges), der sich mit dem schmierigen Geschäftsmann Jabo (toll wie immer: Joe Spinell) einlässt. Blake soll als Mittelsmann ein heruntergekommenes Fitnessstudio erwerben, welches Jabo für ein ambitioniertes Bauprojekt benötigt. Doch der Besitzer (R.G. Armstrong) ist nicht unbedingt handlungsbereit und Blake nicht sonderlich motiviert, den Auftrag auszuführen. Stattdessen freundet er sich mit dem Studioangestellten Franklin (Robert Englund) und dem österreichischen Bodybuilder Joe Sarno (Arnold Schwarzenegger, der sich letztendlich selbst spielt) an, beginnt  im Studio gemeinsam mit Sarno, der sich auf die Wahl zum Mister Universum vorbereitet, zu trainieren und beginnt eine Affäre mit der Empfangsdame Mary Tate (Sally Field). Doch schon bald sitzt ihm der hartnäckige Jabo im Nacken…

STAY HUNGRY ist ein wahrlich seltsamer Film, verbindet Elemente des Thrillers, des Dramas, der Komödie, des Sportfilms und einer Love Story lose miteinander während er eher fragmentarisch die oben skizzierte Handlung abwickelt. Es gibt einige herrlich absurde Füllszenen – großartig bspw. die Sequenzen, in denen der muskelbepackte Arnie unerwartete Talente offenbart und sich als wahrer Meister der Violine outet – und im letzten Drittel driftet STAY HUNGRY immer mehr in den Sleaze und nach Absurdistan ab. Die Sequenz, in der die Teilnehmer am Mr.-Universum-Contest in geballter Ladung und entsprechendem Contest-Outfit durch diverse Straßen stürmen ist nicht weniger als episch.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

MONEYBALL (USA 2011, Regie: Bennett Miller)

moneyball

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

MONEYBALL erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Baseball-Managers Billy Beane (gespielt von Brad Pitt), dem es Anfang der 00er Jahre gelungen ist, mit Hilfe seines Assistenten (Jonah Hill) und intensiver Computeranalysen die Mannschaft der Oakland Athletics trotz geringer finanzieller Mittel so gut aufzustellen, dass sie immer wieder bis in die Play-Off-Phase der Meisterschaft vordringen konnte…

MONEYBALL, der mit seiner extrem ruhigen, unaufgeregten und nüchternen Inszenierung sicher nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte, hat mich persönlich vor allem wegen seiner ausgesprochen authentisch wirkenden Darstellung des Geschäftszweigs Profimannschaftssport fasziniert. Was Regisseur Bennett Miller hier am Beispiel Baseball aufzeigt, dürfte letztendlich auf so gut wie jede Mannschaftssportart übertragen werden können und als Sportfan ist es ausgesprochen interessant zu sehen, wie es vielleicht auch hinter den Kulissen der eigenen Lieblingsmannschaft ablaufen könnte. MONEYBALL zieht in den Bann, öffnet Augen und sorgt sicher auch für die eine oder andere ernüchternde Erkenntnis. Ein Film, den ich jedem Fan einer Sportmannschaft (egal aus welcher Sportart) nur wärmstens empfehlen möchte.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BLOODSPORT (USA 1988, Regie: Newt Arnold)

bloodsport

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Der Film, der für Hauptdarsteller Jean-Claude Van Damme den großen Durchbruch bedeutete. BLOODSPORT wurde von der angeblich wahren Geschichte des Amerikaners Frank W. Dux inspiriert, der nach eigenen Angaben in den 70er Jahren an diesen geheimen Kampfsport-Turnieren teilnahm und dort nicht wenige Rekorde brach.

Bei dem von Van Damme gespielten Dux handelt es sich um einen Agenten einer amerikanischen Spezialeinheit, der unerlaubt nach Hongkong reist um an dem geheimen Turnier teilzunehmen, zwei Agenten (einer davon wird von Forest Whitaker gespielt, der hier in einer seiner ersten Filmrollen zu sehen ist) sollen derweil versuchen, Dux aufzuspüren und ihn in die USA zurückzubringen.

Seinen Reiz gewinnt BLOODSPORT natürlich in erster Linie aus dem Kampfsportturnier und den zahlreichen Kampfszenen, wobei ich auch – durchaus etwas ernüchtert – zugeben muss, dass die Mehrzahl dieser Vollkontaktkampfsequenzen erstaunlich unspektakulär geraten ist und eigentlich nur der Schlusskampf zwischen dem von Van Damme gespielten Frank Dux und dem von Bolo Yeung gespielten Chong Li auch heute noch zu gefallen und zu begeistern weiß. BLOODSPORT gehört dann doch eher zu den Favoriten aus der eigenen Jugendzeit, die nicht so richtig gut gealtert sind und denen man heute nicht mehr so einfach das Prädikat “Weltklasse“ verpassen mag. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Van Damme und den beiden Agenten, die ihn aufspüren sollen, hat mir heute fast mehr Spaß gemacht als die vielen durchschnittlichen Kampfszenen vor dem großen Finale.

Erschrocken war ich während der Sichtung übrigens vor allem vor mir selbst, denn obwohl ich den Film bestimmt seit gut 25 Jahren nicht mehr gesehen habe, konnte ich mich noch an den genauen Ablauf des Schlusskampfes erinnern. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich mir den Film und speziell diesen letzten Fight zwischen Van Damme und Yeung damals wohl angesehen habe. Ach, und irgendwie ist er schon immer noch geil. Verdammte Nostalgie!

Persönliche Bewertung: Gut!

CADDYSHACK (USA 1980, Regie: Harold Ramis)

caddyshack

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Vom Kampfsport zum Golfsport in meinem persönlichen Sportfilmmonat August. In CADDYSHACK lässt Regisseur Harold Ramis, der auch am Verfassen des Drehbuchs beteiligt war, in einem Golfclub das Chaos ausbrechen und regelrecht Welten aufeinanderprallen. Besetzt mit so begnadeten Komikern wie Chevy Chase, Bill Murray und insbesondere Rodney Dangerfield, der eine wahrhaft grandiose Darbietung als Chaosgolfer Al Czervik abgibt, ist CADDYSHACK ein Film, bei dem sich sicher auch Menschen, die zum Lachen normalerweise ausschließlich den Keller aufsuchen, ein gewisses Grinsen nicht verkneifen können. Ramis reiht einen Gag an den nächsten (nicht jeder, aber doch eine verdammt hohe Anzahl trifft dann auch voll ins Schwarze) und schickt seine verschiedenen Figuren in herrlich absurde Situationen. Ein herkömmlicher Plot bleibt dem Zuschauer dabei verwehrt, CADDYSHACK erzählt seine Geschichte in vielen, kleinen Episoden, die zwar immer mal wieder lose zusammenhängen, sich aber nie zu einem großen Ganzen zusammenfügen wollen. Meine ganz persönliche Lieblingsepisode in dem bunten Treiben: der Schokoriegel im Swimmingpool – zum Schreien komisch.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

VARSITY BLUES (USA 1999, Regie: Brian Robbins)

varsity blues

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Regisseur Brian Robbins entführt seine Zuschauer in eine texanische Kleinstadt, in der die Spiele des Football-Teams der örtlichen Highschool schon seit jeher im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses stehen und in der ein ohne Rücksicht auf Verluste agierender Coach (Jon Voight) ein hartes Regiment führt und alles tut, um erfolgreich zu sein und Titel zu gewinnen. Zu seinen Spielern gehört u.a. Mox (James Van Der Beek), der sich nicht sonderlich viel aus dem Sport macht, den er als Reserve-Quarterback größtenteils auf der Ersatzbank absolviert. Doch als sich Lance Harbor (Paul Walker), der Stamm-Quarterback und absoluter Star des Teams so schwer verletzt, dass die Saison gelaufen ist, rückt Mox plötzlich in den Blickpunkt des Interesses und der eigenwillige Spieler findet schon bald Gefallen daran, von der Öffentlichkeit bemerkt und bewundert zu werden und gleichzeitig dem verhassten Trainer eins auswischen zu können…

VARSITY BLUES erzählt die Geschichte des Stars wider Willen, der sich nur langsam mit seiner Rolle anfreunden kann und der diese letztendlich aber umso mehr genießt. Regisseur Brian Robbins kommt – was wäre ein Sportfilm auch ohne sie – natürlich nicht ohne Klischees aus, kriegt es aber dennoch richtig gut hin, seine Story möglichst authentisch und glaubwürdig zu erzählen. Robbins verbindet dabei Elemente der Highschool-Komödie, des Coming-of-Age-Dramas und eben des Sportfilms zu einem homogenen Ganzen und unterhält den Zuschauer mit einer richtig schönen Mischung aus unbekümmerter, jugendlicher Leichtigkeit und dieser nachdenklichen Melancholie, die einen selbst einst an der Schwelle zum Erwachsenwerden begleitet hat.

Mit Jon Voight als fieser Trainer und den damaligen Jungstars James Van Der Beek, Paul Walker, Scott Caan, Ali Larter und Amy Smart ist VARSITY BLUES zudem richtig gut besetzt, Kameramann Chuck Cohen hat die Geschichte in tollen Bildern festgehalten und von der Tonspur tönt ein rockiger Teenie-Soundtrack mit Songs von den Foo Fighters, Green Day, The Offspring u.a.; von mit gibt’s ne Empfehlung.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

ROCKY V (USA 1990, Regie: John G. Avildsen)

rocky v

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Zu ROCKY V steuerte Hauptdarsteller Sylvester Stallone nur noch das Drehbuch bei. Die Regie übernahm John G. Avildsen, der einst auch den Auftakt zur Reihe inszenierte. Auch dieser Film startet – wie es mittlerweile zur Tradition der Reihe gehört – mit dem Ende des Vorgängers und die Geschichte, die Avildsen und Stallone erzählen, schließt direkt an ROCKY IV an.

In ROCKY V geht es “back to the roots“, der leicht naive Boxer mit dem großen Herzen hat aufgrund eines Fehlers seines Schwagers Paulie (Burt Young) sein komplettes Vermögen verloren und hat aus dem Kampf gegen Drago zudem so schwere und irreparable Verletzungen davon getragen, dass er auch nicht mehr in den Ring steigen kann, um Geld zu verdienen. Rocky landet wieder dort, wo er einst herkam, eröffnet das alte Trainingszentrum seines toten Mentors Mickey (Burgess Meredith), lernt so das hungrige Boxtalent Tommy Gunn (Tommy Morrison) kennen und versucht alles, den Jungen nach oben zu bringen. Doch Rocky wird Opfer seiner eigenen Naivität, sein Ziehsohn wendet sich ab und am Ende kommt es zum alles entscheidenden Straßenkampf…

Puh, es fällt nicht wirklich leicht, ROCKY V in sein Herz zu schließen. Insbesondere im Vergleich zum unmittelbaren Vorgänger stellt dieser Film – vor allem was den Stil und die filmische Ästhetik angeht – einen extrem harten Bruch dar. Avildsen und Stallone unternehmen hier den Versuch, dem Franchise wieder mehr Herzblut einzuhauchen und sich deutlich mehr auf die Entwicklung der Story und der Charaktere und weniger auf die Schauwerte zu konzentrieren. Das ist zwar durchaus sympathisch, geht aber leider auch irgendwie ziemlich in die Hose. ROCKY V versinkt im tiefsten Kitsch und in übelsten Klischees und wirkt stellenweise wie der hilflose Versuch, an den grandiosen Auftaktfilm aus dem Jahr 1976 anzuknüpfen, was vor allem dadurch gelingen soll, dass einzelne Szenen mehr als deutlich und in nur leicht abgeänderter Weise aus diesem Film übernommen werden. Funktionieren mag das irgendwie alles nicht so richtig und doch bin ich nach der jetzigen Sichtung – früher fand ich ROCKY V einfach nur beschissen – doch irgendwie hin- und hergerissen. Denn trotz all seiner offensichtlichen Schwächen hat mir Avildsens Film heute ziemlich gut gefallen. Ich fand den gescheiterten Versuch, den Stallone und Avildsen unternommen haben, eine echte Geschichte zu erzählen, ungemein sympathisch und es war auch schön, diese in den letzten vier Filmen einfach ins Herz geschlossenen Charaktere auch ein fünftes Mal bis zum Abspann zu begleiten.

Ich verstehe jeden, der diesen Film mies findet. Ich fand ihn bei der jetzigen Sichtung eigentlich ziemlich geil.

Persönliche Bewertung: Gut!

Das Vermächtnis des Paul Walker

FURIOUS SEVEN (Japan/USA 2015, Regie: James Wan)

furious seven

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Deutschland)

Die FAST & FURIOUS-Reihe hat seit dem vierten Teil aus dem Jahr 2009 eine wahrlich bemerkenswerte Entwicklung hingelegt und muss in meinen Augen ohne Frage als große Bereicherung innerhalb des Genres des Actionfilms angesehen werden. Mit FURIOUS SEVEN, dem mittlerweile siebten Film, führt Regisseur James Wan die Arbeit von Justin Lin, der die Reihe im Jahr 2006 mit THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT übernommen hatte und bis zum sechsten Teil als Regisseur begleiten sollte, auf mehr als beeindruckende Art und Weise fort und bringt die Reihe mit dem wahrlich furiosen FURIOUS SEVEN gleichzeitig zu einem würdigen Ende.

Denn auch wenn für 2017 bereits FURIOUS 8 angekündigt ist, FURIOUS SEVEN stellt gezwungenermaßen einen Endpunkt dar, FURIOUS 8 wird zwangsläufig einen Neuanfang markieren müssen. Denn spätestens seit dem vierten Teil lebten die Filme der Reihe neben ihren atemberaubenden Actionsequenzen, die sich von Film zu Film immer mehr steigern sollten und hier nun ihren absoluten Höhepunkt erreichen, vor allem vom Miteinander der verschiedenen Protagonisten, von der kleinen Welt, in der sich die Freunde bewegten und in deren Zentrum die Freundschaft zwischen dem von Vin Diesel gespielten Dominic Toretto und dem von Paul Walker gespielten Brian O’Conner stand.

Wie nun hinlänglich bekannt sein dürfte, verstarb Paul Walker am 30.11.2013 im Alter von gerade mal 40 Jahren bei – welch perverse Fügung des Schicksals – einem Autounfall, zu einem Zeitpunkt, in dem FURIOUS SEVEN noch nicht abgedreht war; die Produktion musste logischerweise gestoppt werden und es war unklar, ob der Film überhaupt fertiggestellt werden würde (Walker hatte wohl ca. die Hälfte seiner Szenen abgedreht). Mit Hilfe von Body Doubles und Stunt Doubles, unter denen sich auch Walkers Brüder Caleb und Cody befanden (die außerdem die Sprechrolle des von Walker gespielten Charakters in den neuen Szenen übernahmen), CGI-Effekten und dem Einfügen nicht verwendeter Szenen aus dem Vorgänger-Film, konnte Wan seinen Film – dessen Handlung natürlich auch angepasst werden musste – schließlich doch noch fertigstellen. Und ich denke, Paul Walker wäre mehr als zufrieden mit dem Ergebnis gewesen.

FURIOUS SEVEN ist – insbesondere auch im Hinblick auf die schwierigen Umstände, unter denen er fertiggestellt werden musste – schlichtweg grandios, die Actionszenen sind perfekt inszeniert, erstklassig choreographiert, lassen einen als Zuschauer mit offenem Mund und aufgerissenen Augen ungläubig und begeistert auf den Bildschirm bzw. die Leinwand starren und sind zudem innerhalb der Handlung so optimal platziert, dass praktisch zu keinem Zeitpunkt die Gefahr besteht, dass man als Zuschauer Ermüdungserscheinungen aufgrund eines Action-Dauerbombardements erwarten müsste (ein Problem, das sehr viele der hoffnungslos überladenen Event-Movies der letzten Jahre hatten).

Dann die Besetzung des Films, die man einfach nur als Knaller bezeichnen kann. Zu den vielen altbekannten Gesichtern aus den vorangegangenen Filmen gesellen sich noch Jason Statham und Djimon Hounsou als fiese Bösewichter, die in ihren Rollen ebenso überzeugen können wie Kurt Russell, der einen wunderbaren Part als obskurer Regierungsangestellter abbekommen hat. Und da den Machern mit Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson (dessen Part allerdings leider etwas kleiner ausgefallen ist), Jason Statham, Michelle Rodriguez und Kurt Russell wohl noch nicht genug Schauspieler mit Actionerfahrung an Bord waren, tauchen außerdem noch die Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Ronda Rousey (in ihrem zweiten Filmauftritt nach THE EXPENDABLES 3) und der aus diversen Thai-Kloppern der letzten Jahre bestens bekannte Tony Jaa in der Besetzungsliste auf und dürfen ihre Kampfkünste präsentieren.

Mit Ausnahme von MAD MAX: FURY ROAD hat mich schon seit langer Zeit kein Actionfilm mehr so dermaßen begeistert wie FURIOUS SEVEN. Klar, mit aus einem Flugzeug stürzenden Autos, die mit Hilfe von GPS-gesteuerten Fallschirmen zielgenau auf einer Straße landen (!!!), mit einem PS-Boliden, der in schwindelerregender Höhe und mit voller Geschwindigkeit von einen Wolkenkratzer in den nächsten rast (!!!) und mit haarsträubenden Crashs, nach denen die Fahrer wie durch ein Wunder unversehrt aus ihren Wracks steigen, sollte man sich schon anfreunden können, um meine Begeisterung für diesen Film teilen zu können. Schafft man das, bekommt man mit FURIOUS SEVEN den “real deal“, einen Film der waghalsige Stunts, handgemachte Effekte und den Einsatz von CGI perfekt miteinander verbindet und bei dem eigentlich jedem Fan des Actionkinos zumindest ein kleines bisschen das Herz aufgehen sollte. Und in einer Zeit, in der die Blockbuster- und Event-Kino-Kultur (wenn ich sie einfach mal so bezeichnen darf) gefühlt nur aus unzähligen Superheldenverfilmungen besteht, tut es einfach gut, zu sehen, dass es da noch immer eine Filmreihe gibt, die mit “herkömmlicher“ Action ihr Publikum erreicht und erfolgreich ist (und sogar so erfolgreich, dass FURIOUS SEVEN bis dato der Film mit dem fünfthöchsten Einspielergebnis aller Zeiten ist). Vielleicht ist die FAST & FURIOUS-Reihe ja so etwas wie das gallische Dorf inmitten des Blockbusterkinos, umgeben von unzähligen  Comicverfilmungen, einfach nicht kleinzukriegen. Schön, dass es sie gibt…

Wer den Film noch nicht gesehen hat und ihn sich noch anschauen möchte, sollte nun das Lesen einstellen. Denn zum Abschluss des Textes möchte ich noch kurz auf das Ende eingehen, mit dem sich die Macher nicht nur vom Charakter Brian O’Conner verabschieden mussten, sondern sich letztendlich auch vom Menschen Paul Walker verabschieden wollten. Dies ist ihnen in meinen Augen auf wirklich emotionale und einfach nur wunderschöne Art und Weise gelungen. Wenn die Kamera in dieser Sequenz am Strand über die Gesichter von Michelle Rodriguez, Ludacris, Tyrese Gibson und Vin Diesel fährt, ist in deren Augen die Wehmut und die Trauer über den Verlust ihres Freundes deutlich zu sehen (am deutlichsten in dem von Vin Diesel). Und wenn Diesels Toretto  schließlich mit seinem Auto wegfährt, von Walkers O’Conner noch einmal eingeholt wird, die beiden Autos ein Stück weit nebeneinander herfahren und sich ihre Wege an einer Gabelung schließlich trennen und jeder weiß, dass dies eine Trennung für immer darstellen wird, ist das nicht viel weniger als ein magischer Moment, bei dem man als Zuschauer zwangsläufig Gänsehaut bekommt. FURIOUS SEVEN ist ein Endpunkt, FURIOUS 8 wird einen Neuanfang markieren müssen.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!

Es lebe der Sport…

ROCKY (USA 1976, Regie: John G. Avildsen)

rocky

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Sylvester Stallone ist Rocky Balboa, ein junger Mann, der sich mit Boxkämpfen und einem Job als Geldeintreiber über Wasser hält, in die unscheinbare Schwester (Talia Shire) seines besten Kumpels (Burt Young) verliebt ist und einfach nur seinen Platz im Leben finden will. Doch eines Tages erhält die Chance seines Lebens. Der ungeschlagene Box-Champion Apollo Creed (Carl Weathers) möchte – vor allem aus Marketinggründen – einem unbekannten Boxtalent die Möglichkeit geben, gegen ihn um den Titel zu kämpfen. Die Wahl fällt auf Rocky…

Im Endeffekt dürfte es überflüssig sein, die Ausgangssituation von Avildsens ROCKY überhaupt zu skizzieren, dürfte er doch zu den Filmen gehören, die nun wirklich jeder, der sich auch nur ein bisschen für Film interessiert, irgendwann schon mal gesehen haben dürfte. ROCKY ist Kult, einer der größten Sportfilme aller Zeiten und bedeutete für Sylvester Stallone damals den Durchbruch. Dieser Film, der die Oscars für Beste Regie, Bester Film und Bester Schnitt abräumte und ihn 7 weiteren Kategorien für den Oscar nominiert gewesen ist, machte Stallone zum Superstar. Es ist – natürlich neben der Rolle des John Rambo – die Figur des Rocky Balboa, die man fast zwangsläufig mit Sylvester Stallone in Verbindung bringt.

Ich selbst bin mit den ersten vier ROCKY-Filmen aufgewachsen, habe sie mir in den 80er Jahren immer und immer wieder angesehen. Die jetzige Sichtung des ersten Teils bedeutete ein Wiedersehen nach verdammt langer Zeit (ich habe die Film sicher schon über 20 Jahre nicht mehr gesehen) und irgendwie war es so, als ob man einen alten Freund nach langen Jahren wieder trifft und feststellt, dass sich an der Freundschaft nichts verändert hat und man sich auf Anhieb wieder versteht.

ROCKY ist dabei fast mehr als Sozialdrama als Sportfilm, der Kampf gegen Creed und auch die Vorbereitung auf diesen nimmt im Vergleich zum Rest der Handlung vergleichsweise wenig Spielraum ein. Getragen wird Avildsens Film in erster Linie von seinem Hauptdarsteller, der in der Titelrolle schlichtweg großartig ist und diesen jungen Mann mit dem riesengroßen Herzen, der eigentlich zu gut für seine Umwelt ist, eine Authentizität und Glaubwürdigkeit verleiht, vor der man nur seinen Hut ziehen kann. Als Zuschauer fühlt und leidet, hofft und bangt man mit diesem Rocky Balboa. Bewundert ihn für sein großes Herz (einem Schuldner seines Bosses bricht er bspw. nicht wie aufgetragen die Daumen, sondern gewährt ihm stattdessen auf eigene Verantwortung Zahlungsaufschub), versteht ihn in seinen Wutausbrüchen, begleitet ihn bei seinen zaghaften und unbeholfenen Versuchen, das Herz seiner Angebeteten zu gewinnen, schwitzt mit ihm während der Trainingsvorbereitung und bangt schließlich mit ihm im großen Kampf (dessen Ende – das ist auch eine ganz große Stärke des Films – dann eben nicht dem üblichen Sportfilmklischee entspricht). Ich glaube nicht, dass ROCKY mit einem anderen Schauspieler in der Hauptrolle funktioniert hätte. Fast scheint es, als ob Stallone nur für diese Rolle beim Film gelandet wäre.

Aber natürlich ist Stallone nicht alleine für die hohe Qualität des Films verantwortlich – seine Co-Stars, allen voran Talia Shire und Burt Young, agieren ebenso überzeugend in ihren Rollen wie der Hauptdarsteller, der Score von Bill Conti mit dem eingehenden Titelthema ist nicht viel weniger als ein Glücksgriff und dann hatte Regisseur John G. Avildsen auch noch den Ehrgeiz eine Hall of Fame magischer Filmmomente ausschließlich mit Szenen aus seinem Film füllen zu wollen. ROCKY läuft vor erinnerungswürdigen Gänsehautmomenten regelrecht über, seien es nun eher kleinere Szenen (bspw. die erste Reaktion Rockys auf das Angebot zum Kampf) oder eben Sequenzen, die so berühmt geworden sind, dass sie auch Menschen kennen dürften, die den ganzen Film noch nie gesehen haben (bspw. wie Rocky nach dem Kampf nach Adrian ruft). ROCKY ist nicht viel weniger als ein Meisterwerk, einer dieser Filme für die Insel, ein Lieblingsfilm, Kino für die Ewigkeit!

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

ROCKY II (USA 1979, Regie: Sylvester Stallone)

rocky ii

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass Fortsetzungen von so großartigen Filmen wie ROCKY es schaffen, ihren Vorgängern praktisch ebenbürtig zu sein oder diese gar noch zu übertreffen. ROCKY II ist so ein Glücksfall. 3 Jahre nach Avildsens ROCKY inszenierte Hauptdarsteller Sylvester Stallone diese Fortsetzung, zu der er auch das Drehbuch beisteuerte. Stallone orientiert sich – was den Verlauf der Handlung angeht – dabei deutlich am Vorgänger und macht damit im Endeffekt alles richtig. Nach einem kurzen Rückblick auf das Ende des ersten Teils – ein kluger Schachzug, diesen Film gleich noch mal mit dem Finale des Vorgängers zu beginnen, da man als Zuschauer sofort wieder in diesen magischen Momenten des ersten Teils gefangen ist – wird die Geschichte des Titelhelden konsequent und glaubwürdig weitererzählt. Während der gutmütige Rocky mit dem plötzlichen Geldsegen und den ihm zufliegenden Sympathien überfordert ist, einige falsche Entscheidungen trifft und schließlich wieder am unteren Ende der Nahrungskette landet, hadert der abermals von Carl Weathers gespielte Apollo Creed noch immer mit seinem Sieg nach Punkten. Er kann es einfach nicht ertragen, dass Rocky als moralischer Sieger aus dem Kampf hervorging und fordert den Underdog zu einem erneuten Duell heraus.

Ähnlich wie im ersten Teil dient auch hier die erste Hälfte des Films dazu, einen Blick auf Rockys Leben zu werfen, den Zuschauer weiter an die Identifikationsfigur zu binden (wenn dies überhaupt noch erforderlich ist) um schließlich erneut von ganzem Herzen mit ihr mitfiebern zu können. Die zweite Hälfte des Films widmet sich dann wieder den Vorbereitungen zum Kampf und natürlich dem Kampf selbst, beide Hälften sind perfekt aufeinander abgestimmt und präsentieren dem Zuschauer – wie schon ROCKY zuvor – eine Vielzahl an erinnerungswürdigen Szenen und magischen Momenten. Ich liebe bspw. diese gemeinsame Pressekonferenz von Rocky und Apollo und diese Schlussszene des Kampfes, in der beide Boxer parallel zu Boden gehen, hat sich für alle Ewigkeiten in meine Netzhaut eingebrannt.

Und auch wenn ROCKY II vielleicht nicht ganz an den Vorgänger herankommt, ich liebe auch diese Fortsetzung – von ganzem Herzen.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

THE LONGEST YARD (USA 1974, Regie: Robert Aldrich)

the longest yard 1974

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Vor einigen Wochen habe ich mir das Remake mit Adam Sandler in der Hauptrolle aus dem Jahr 2005 angesehen und war von diesem zwar nicht unbedingt restlos begeistert, aber doch ziemlich angetan. Nun als Aldrichs Original aus dem Jahr 1974, in dem Burt Reynolds die Hauptrolle des Ex-Football-Stars Paul Crewe spielt, der wegen diverser Delikte im Knast landet und dort dazu gezwungen wird, ein Football-Team unter den Häftlingen zusammenzustellen, die in einem fingierten Match gegen das halbprofessionelle Team der Wärter antreten und dieses natürlich verlieren sollen.

War der Grundton von Peter Segals Remake noch eher unbekümmert, locker und mit jeder Menge Humor durchsetzt, geht es in THE LONGEST YARD aus dem Jahr 1974 – obwohl auch dieser Film einige sehr witzige Szenen zu bieten hat – doch weitaus ernster zur Sache. Reynolds Crewe geht hier – ganz im Gegensatz zu Sandlers Crewe – echte (und nicht nur behauptete) Risiken ein, sein Verhalten und seine Entscheidungen drohen dramatische Konsequenzen nach sich zu ziehen und als Zuschauer fällt es einem somit leichter als in Segals Film, mit der Hauptfigur mitzufiebern. Die Inszenierung des entscheidenden Spiels zwischen den Häftlingen und den Wärtern stellt natürlich erwartungsgemäß den absoluten Höhepunkt des Films dar und findet über fast die komplette zweite Hälfte des Films statt. Dass es auch für Zuschauer wie mich, die mit den Regeln des American Football nicht wirklich vertraut sind, über die doch recht lange Laufzeit, die dieses Spiel dauert, nie auch nur ansatzweise langweilig wird und man sich stattdessen immer wieder dabei ertappt, wie man mit dem Team der Underdogs leidet, bangt und hofft, ist wohl der beste Beweis dafür, dass Aldrich, sein Team hinter der Kamera und seine Schauspieler, hier wirklich Großes zustande gebracht haben. Und diese Szene, in der Reynolds am Ende den Football holt, stellt nicht viel weniger als pure Kinomagie dar.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DAYS OF THUNDER (USA 1990, Regie: Tony Scott)

 days of thunder

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Der smarte Newcomer, der über Nacht zum Star wird und den alteingesessenen Champion herausfordert. Zwei besessene Rivalen, die aufgrund eines traumatischen Ereignisses zu Freunden werden. Der alte Haudegen, der mit diesem Sport schon längst abgeschlossen hat und sich doch wieder dazu überreden lässt, sich erneut zu engagieren. Der Unfall, der Karrieren beenden kann, der aus dem erfolgreichen Newcomer einen Außenseiter macht, der es allen noch einmal beweisen will und der im entscheidenden Rennen dann natürlich wieder mit exakt der Rennsituation konfrontiert wird, die einige Monate zuvor zum Unfall führte. Ich könnte sicher noch weiter ausführen, belasse es aber an dieser Stelle einfach bei der Aufzählung der vorgenannten Plotpunkte. Wie sicher nicht schwer zu erkennen ist, verwurstet Scotts DAYS OF THUNDER so ziemlich jedes Klischee, welches man aus dem Genre des Sportfilms so kennt und ist meinetwegen alles, aber sicher nicht in irgendeiner Weise innovativ was das Storytelling angeht.

Warum DAYS OF THUNDER dennoch halbwegs funktioniert und es auch schafft, über die komplette Laufzeit ziemlich gut zu unterhalten, liegt also weniger an der erzählten Geschichte, sondern eher an der Art und Weise und mit welchen Stilmitteln diese erzählt wird und an der Tatsache, dass mit Tom Cruise, Robert Duvall, Michael Rooker, Randy Quaid, John C. Reilly, Fred Dalton Thompson und Nicole Kidman ein paar richtig gute Schauspieler am Werk sind. Das ganz große Plus von DAYS OF THUNDER ist seine Optik, der typische Stil von Regisseur Tony Scott passt ganz vorzüglich zu der portraitierten NASCAR-Rennszene, der Score von Hans Zimmer und der rockige Soundtrack mit Songs von Künstlern wie Chicago, Tina Turner, Elton John, der Spencer Davis Group und Guns N‘ Roses passt ganz vorzüglich zu den stylishen Bildern, die Scott gemeinsam mit seinem Kameramann Ward Russell auf die Leinwand zaubert und die im wahrsten Sinne des Wortes rasante Inszenierung der Rennszenen ist absolut packend, spannend und spektakulär geraten.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

MAJOR LEAGUE (USA 1989, Regie: David S. Ward)

 major league

(Fassung: DVD, Paramount, USA)

Mit dem Tod ihres schwerreichen Gatten hat Rachel Phelps (Margaret Whitton) nicht nur dessen Vermögen, sondern auch dessen Herzensangelegenheit, die Cleveland Indians, einen schon seit Jahrzehnten erfolglosen Baseballclub, geerbt. Da es der Witwe in Cleveland nicht unbedingt gut gefällt und sie mitsamt dem Verein lieber Miami umziehen würde, möchte sie eine Klausel in den Verträgen mit den öffentlichen Trägern ausnutzen. Sollte das Team tatsächlich eine weitere Saison komplett erfolglos abschließen, könnte sie aus den laufenden Verträgen aussteigen und den Club tatsächlich nach Miami verlegen. Phelps heuert aus diesem Grund einen Haufen von Verlierern an, doch die spielen urplötzlich weitaus besser als erwartet…

MAJOR LEAGUE ist ein absolutes Paradebeispiel für das Genre des Sportfilms. Schon der Ausgangspunkt des Plots, der einen Haufen offensichtlicher Verlierer zusammenbringt, die sich letztendlich zusammenraufen, über sich hinauswachsen und schier Unmögliches erreichen, wurde in ähnlicher Art und Weise wohl schon unzählige Male in ähnlichen Genreproduktionen verwendet. Aber nur selten dürfte es so extrem unterhaltsam gewesen sein wie im Film von David S. Ward. Das liegt zum einen am tollen Casting – Tom Berenger als abgehalfterter Ex-Star, Charlie Sheen als unberechenbarer Psychopath, Wesley Snipes als halbwegs talentierter Blender, Dennis Haysbert als ehrfurchtsgebietende und dem Voodookult verfallene Diva, usw., usf. -, zum anderen an einer perfekten Mischung aus spannenden, komischen und dramatischen Momenten. Die Protagonisten wachsen dem Zuschauer ans Herz, Ward hat einige phänomenal gute Gags eingebaut und diese Sequenz im finalen Spiel, in der schließlich Charlie Sheen als Ricky “Wild Thing“ Vaughn eingewechselt wird und das komplette Stadion zum Ausrasten bringt, ist einer dieser magischen Momente für die Ewigkeit, eine der Szenen, in denen sich die Essenz eines ganzen Genres perfekt wiederspiegelt.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

ROCKY III (USA 1982, Regie: Sylvester Stallone)

rocky iii

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Wie bereits beim unmittelbaren Vorgänger zeichnete Hauptdarsteller Sylvester Stallone auch bei diesem Film hier für Drehbuch und Regie verantwortlich (was ROCKY III letztendlich zu einem Autorenfilm macht). Eine weitere Parallele zum Vorgänger findet sich im Auftakt des Films. Auch ROCKY III beginnt mit den letzten Einstellungen des Kampfes des vorangegangenen Films und versucht auf diese Weise, den Zuschauer mit der Wiederholung der emotionalen Momente gleich wieder zu packen. So wirklich gelingen mag Stallone dies bei diesem Film allerdings nicht. Trotz all der nostalgischen Erinnerungen, die ich auch mit diesem Film hier verbinde, ist das jetzige Wiedersehen doch eher ernüchternd ausgefallen.

Im Endeffekt ist die Geschichte von ROCKY III nur eine leicht veränderte Zusammenfassung der ersten beiden Filme. Ein Starboxer – nun der von Stallone gespielte Rocky Balboa – tritt gegen einen Underdog – Mr. T, vor allem bekannt aus der TV-Serie THE A-TEAM, mit der er ein Jahr nach ROCKY III TV-Geschichte schreiben sollte, als Clubber Lang – an, verliert diesen Kampf und gewinnt schließlich die Revanche (dies stellt auch die einzige Variation zur Geschichte der ersten beiden Filme dar, in dem es ja bekanntermaßen genau andersrum abgelaufen ist). Was ROCKY III fehlt, ist diese Geschichte rund um das Boxevent herum, diese Beschäftigung mit den Charakteren und deren sorgfältige Zeichnung, praktisch all das, was ROCKY so großartig gemacht hat und auch in ROCKY II zumindest noch in Ansätzen vorhanden war. ROCKY III ist eine Kirmesveranstaltung – am deutlichsten und auch negativsten wird einem dies in dem Showkampf zwischen Rocky und dem von Hulk Hogan gespielten Wrestler Thunderlips bewusst, eine Sequenz, die man einfach nur noch als peinlich bezeichnen kann. Und auch wie der von Mr. T gespielte Clubber Lang gezeichnet und charakterisiert ist nicht wirklich eine Glanzleistung von Drehbuch und Regie. Lang ist das ultimative Böse, der Antichrist im Boxring, eine komplett überzeichnete Figur, die man als Zuschauer gar nicht mehr ernst nehmen kann, was letztendlich auch dazu führt, dass der finale Kampf zwischen Rocky und Clubber zwar durchaus nett inszeniert ist, aber beim Zuschauer in keinster Weise die Emotionalität hervorrufen kann, wie es die beiden Schlusskämpfe der ersten beiden Filme noch vermochten. Emotionaler Höhepunkt von ROCKY III ist der Tod von Rockys Trainer Mickey (Burgess Meredith), inszenatorischer Höhepunkt ist zum einen die Pre-Credit-Sequenz, in der man kurz den weiteren Verlauf von Rockys Leben und Karriere nach dem zweiten Kampf gegen Apollo skizziert bekommt und parallel immer wieder Bilder des verbissen kämpfenden und trainierenden Clubber Lang montiert sind, zum anderen die Sequenz rund um das von Apollo geleitete Training, in dem Rocky für den zweiten Fight gegen Clubber fitgemacht wird.

Hätte ich ROCKY III jetzt zum ersten Mal gesehen, meine Bewertung würde wohl ziemlich negativ ausfallen. Aufgrund meiner persönlichen Geschichte mit der Reihe und der Tatsache, dass auch die Sichtung dieses dritten Teils jede Menge Erinnerungen hervorgerufen hat, bringe ich es jedoch nicht wirklich fertig, allzu hart mit ihm ins Gericht zu gehen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

FOLLOW ME (USA 1969, Regie: Gene McCabe)

follow me

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

Die IMDB listet FOLLOW ME von Regisseur Gene McCabe als Dokumentation, was irgendwie schon zutreffen mag, irgendwie aber auch nicht. McCabe folgt in seinem Film drei Surfern (Mary Lou McGinnis, Bob Purvey und Jerry Dexter) rund um die Welt und beobachtet sie beim Wellenreiten an verschiedensten Stränden der Erde. Jerry Dexter fungiert dabei noch als Off-Erzähler, der Film selbst kommt ansonsten ohne jeglichen Dialog aus und lässt über die komplette Laufzeit von gut 75 Minuten einfach nur seine Bilder sprechen. Und die sind tatsächlich teils atemberaubend schön geraten und insbesondere die Aufnahmen aus Hawaii, die McCabe da eingefangen hat, sind schon mehr als beeindruckend zu bezeichnen. FOLLOW ME vermittelt dabei allerdings weniger den Eindruck, so etwas wie eine Dokumentation zu sein, sondern kommt – insbesondere auch in Verbindung mit Soundtrack und Score – eher wie ein überlanges, psychedelisch angehauchtes Urlaubsvideo rüber. Wenn man diesen Film wie ich bei glühend heißen Temperaturen einfach so auf sich einwirken lässt, kann man ihm eine gewisse Sogwirkung wohl sicher nicht absprechen. Bedingungslos weiterempfehlen würde ich ihn allerdings nicht unbedingt wollen.

Persönliche Bewertung: Nett!

KANSAS CITY BOMBER (USA 1972, Regie: Jerrold Freedman)

 kansas city bomber

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Regisseur Jerrold Freedman unternimmt mit KANSAS CITY BOMBER einen Blick auf die Roller-Derby-Szene in den USA der früher 70er Jahre und folgt den Träumen der Top-Skaterin K.C. Carr (gespielt von der einfach nur atemberaubend attraktiven Raquel Welch), die versucht, ihr Privatleben und sportlichen Erfolg in Einklang zu bringen.

KANSAS CITY BOMBER versucht dabei vor allem die Problematiken zu thematisieren, die sich ergeben, wenn ein neuer Topathlet (hier die von Welch gespielte Carr) in ein eingespieltes Team integriert werden muss und der bisherige Platzhirsch (Helena Kallianiotes in der Rolle der Jackie Burdette) versucht, seinen Stand mit allen Mitteln gegen den unangenehmen Neuankömmling zu verteidigen. Man muss jedoch eingestehen, dass es beim Versuch bleibt. So wirklich gelungen ist Freedman sein KANSAS CITY BOMBER nämlich nicht, der Film wirkt zerfahren und – was für einen Sportfilm ja im Endeffekt mit am wichtigsten ist – es gelingt Freedman eigentlich zu keiner Zeit, den Zuschauer emotional zu packen. Das ist zwar alles ganz nett anzusehen (insbesondere natürlich Raquel Welch) und die diversen Roller-Derby-Einlagen haben auch durchaus hohen Unterhaltungswert, neben diversen Schauwerten bietet KANSAS CITY BOMBER jedoch nicht wirklich viel an und ist – wenn überhaupt – nur wegen seines Zeitkolorits und wegen Raquel Welch empfehlenswert.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

WILDCATS (USA 1986, Regie: Michael Ritchie)

wildcats

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Ok, mit Goldie Hawn als Football-Coach und der ziemlich hanebüchenen Ausgangssituation der Geschichte muss man sich definitiv anfreunden und arrangieren können, damit man seinen Spaß mit Ritchies Film haben kann. Gelingt dies, ist dieser Spaß allerdings tatsächlich vorprogrammiert. WILDCATS erzählt eine dieser typischen Underdog-Geschichten, in der ein Haufen von Chaoten und Versagern zu einem Team geformt wird und letztendlich über sich hinauswächst. Ritchie verbindet dabei geschickt dramatische und komische Momente und präsentiert dem Zuschauer auch die eine oder andere Gänsehaut verursachende Sequenz. Die Inszenierung des entscheidenden Spiels ist richtig, richtig gut geraten und im ganzen Haufen der diversen Loser und Versager, die eine Mannschaft bilden müssen, tummeln sich u.a. Wesley Snipes und Woody Harrelson in ihrem jeweils ersten größeren Leinwandauftritt. Und sonderlich viel mehr gibt es zu Ritchies Film in meinen Augen auch gar nicht zu sagen.

Persönliche Bewertung: Gut!