Das Vermächtnis des Paul Walker

FURIOUS SEVEN (Japan/USA 2015, Regie: James Wan)

furious seven

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Deutschland)

Die FAST & FURIOUS-Reihe hat seit dem vierten Teil aus dem Jahr 2009 eine wahrlich bemerkenswerte Entwicklung hingelegt und muss in meinen Augen ohne Frage als große Bereicherung innerhalb des Genres des Actionfilms angesehen werden. Mit FURIOUS SEVEN, dem mittlerweile siebten Film, führt Regisseur James Wan die Arbeit von Justin Lin, der die Reihe im Jahr 2006 mit THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT übernommen hatte und bis zum sechsten Teil als Regisseur begleiten sollte, auf mehr als beeindruckende Art und Weise fort und bringt die Reihe mit dem wahrlich furiosen FURIOUS SEVEN gleichzeitig zu einem würdigen Ende.

Denn auch wenn für 2017 bereits FURIOUS 8 angekündigt ist, FURIOUS SEVEN stellt gezwungenermaßen einen Endpunkt dar, FURIOUS 8 wird zwangsläufig einen Neuanfang markieren müssen. Denn spätestens seit dem vierten Teil lebten die Filme der Reihe neben ihren atemberaubenden Actionsequenzen, die sich von Film zu Film immer mehr steigern sollten und hier nun ihren absoluten Höhepunkt erreichen, vor allem vom Miteinander der verschiedenen Protagonisten, von der kleinen Welt, in der sich die Freunde bewegten und in deren Zentrum die Freundschaft zwischen dem von Vin Diesel gespielten Dominic Toretto und dem von Paul Walker gespielten Brian O’Conner stand.

Wie nun hinlänglich bekannt sein dürfte, verstarb Paul Walker am 30.11.2013 im Alter von gerade mal 40 Jahren bei – welch perverse Fügung des Schicksals – einem Autounfall, zu einem Zeitpunkt, in dem FURIOUS SEVEN noch nicht abgedreht war; die Produktion musste logischerweise gestoppt werden und es war unklar, ob der Film überhaupt fertiggestellt werden würde (Walker hatte wohl ca. die Hälfte seiner Szenen abgedreht). Mit Hilfe von Body Doubles und Stunt Doubles, unter denen sich auch Walkers Brüder Caleb und Cody befanden (die außerdem die Sprechrolle des von Walker gespielten Charakters in den neuen Szenen übernahmen), CGI-Effekten und dem Einfügen nicht verwendeter Szenen aus dem Vorgänger-Film, konnte Wan seinen Film – dessen Handlung natürlich auch angepasst werden musste – schließlich doch noch fertigstellen. Und ich denke, Paul Walker wäre mehr als zufrieden mit dem Ergebnis gewesen.

FURIOUS SEVEN ist – insbesondere auch im Hinblick auf die schwierigen Umstände, unter denen er fertiggestellt werden musste – schlichtweg grandios, die Actionszenen sind perfekt inszeniert, erstklassig choreographiert, lassen einen als Zuschauer mit offenem Mund und aufgerissenen Augen ungläubig und begeistert auf den Bildschirm bzw. die Leinwand starren und sind zudem innerhalb der Handlung so optimal platziert, dass praktisch zu keinem Zeitpunkt die Gefahr besteht, dass man als Zuschauer Ermüdungserscheinungen aufgrund eines Action-Dauerbombardements erwarten müsste (ein Problem, das sehr viele der hoffnungslos überladenen Event-Movies der letzten Jahre hatten).

Dann die Besetzung des Films, die man einfach nur als Knaller bezeichnen kann. Zu den vielen altbekannten Gesichtern aus den vorangegangenen Filmen gesellen sich noch Jason Statham und Djimon Hounsou als fiese Bösewichter, die in ihren Rollen ebenso überzeugen können wie Kurt Russell, der einen wunderbaren Part als obskurer Regierungsangestellter abbekommen hat. Und da den Machern mit Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson (dessen Part allerdings leider etwas kleiner ausgefallen ist), Jason Statham, Michelle Rodriguez und Kurt Russell wohl noch nicht genug Schauspieler mit Actionerfahrung an Bord waren, tauchen außerdem noch die Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Ronda Rousey (in ihrem zweiten Filmauftritt nach THE EXPENDABLES 3) und der aus diversen Thai-Kloppern der letzten Jahre bestens bekannte Tony Jaa in der Besetzungsliste auf und dürfen ihre Kampfkünste präsentieren.

Mit Ausnahme von MAD MAX: FURY ROAD hat mich schon seit langer Zeit kein Actionfilm mehr so dermaßen begeistert wie FURIOUS SEVEN. Klar, mit aus einem Flugzeug stürzenden Autos, die mit Hilfe von GPS-gesteuerten Fallschirmen zielgenau auf einer Straße landen (!!!), mit einem PS-Boliden, der in schwindelerregender Höhe und mit voller Geschwindigkeit von einen Wolkenkratzer in den nächsten rast (!!!) und mit haarsträubenden Crashs, nach denen die Fahrer wie durch ein Wunder unversehrt aus ihren Wracks steigen, sollte man sich schon anfreunden können, um meine Begeisterung für diesen Film teilen zu können. Schafft man das, bekommt man mit FURIOUS SEVEN den “real deal“, einen Film der waghalsige Stunts, handgemachte Effekte und den Einsatz von CGI perfekt miteinander verbindet und bei dem eigentlich jedem Fan des Actionkinos zumindest ein kleines bisschen das Herz aufgehen sollte. Und in einer Zeit, in der die Blockbuster- und Event-Kino-Kultur (wenn ich sie einfach mal so bezeichnen darf) gefühlt nur aus unzähligen Superheldenverfilmungen besteht, tut es einfach gut, zu sehen, dass es da noch immer eine Filmreihe gibt, die mit “herkömmlicher“ Action ihr Publikum erreicht und erfolgreich ist (und sogar so erfolgreich, dass FURIOUS SEVEN bis dato der Film mit dem fünfthöchsten Einspielergebnis aller Zeiten ist). Vielleicht ist die FAST & FURIOUS-Reihe ja so etwas wie das gallische Dorf inmitten des Blockbusterkinos, umgeben von unzähligen  Comicverfilmungen, einfach nicht kleinzukriegen. Schön, dass es sie gibt…

Wer den Film noch nicht gesehen hat und ihn sich noch anschauen möchte, sollte nun das Lesen einstellen. Denn zum Abschluss des Textes möchte ich noch kurz auf das Ende eingehen, mit dem sich die Macher nicht nur vom Charakter Brian O’Conner verabschieden mussten, sondern sich letztendlich auch vom Menschen Paul Walker verabschieden wollten. Dies ist ihnen in meinen Augen auf wirklich emotionale und einfach nur wunderschöne Art und Weise gelungen. Wenn die Kamera in dieser Sequenz am Strand über die Gesichter von Michelle Rodriguez, Ludacris, Tyrese Gibson und Vin Diesel fährt, ist in deren Augen die Wehmut und die Trauer über den Verlust ihres Freundes deutlich zu sehen (am deutlichsten in dem von Vin Diesel). Und wenn Diesels Toretto  schließlich mit seinem Auto wegfährt, von Walkers O’Conner noch einmal eingeholt wird, die beiden Autos ein Stück weit nebeneinander herfahren und sich ihre Wege an einer Gabelung schließlich trennen und jeder weiß, dass dies eine Trennung für immer darstellen wird, ist das nicht viel weniger als ein magischer Moment, bei dem man als Zuschauer zwangsläufig Gänsehaut bekommt. FURIOUS SEVEN ist ein Endpunkt, FURIOUS 8 wird einen Neuanfang markieren müssen.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s