„You Are Now About To Witness The Strength of Street Knowledge“ or The Power Of Black Cinema

HE GOT GAME (USA 1998, Regie: Spike Lee)he got game

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Die große Herausforderung, die HE GOT GAME an den Zuschauer stellt, ist es zunächst, die doch etwas arg hanebüchene Ausgangssituation – dem wegen Mord an seiner Frau einsitzenden Jake Shuttlesworth (Denzel Washington) wird Hafterlass in Aussicht gestellt, wenn es ihm innerhalb einer Woche gelingt, seinen hochtalentierten Sohn Jesus (Ray Allen), der von Basketball-Scouts aus dem ganzen Land gejagt wird, davon zu überzeugen, sich für das Lieblingsteam des für Jake zuständigen Gouverneurs zu entscheiden – zu akzeptieren und dann im weiteren Verlauf auch möglichst großzügig über diverse Klischees hinwegzusehen, die so ein Plot rund um eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung halt einfach so mit sich bringt.

Sollte man als Zuschauer diese Hürde meistern – mir ist das ziemlich problemlos gelungen -, wird man letztendlich mit einem überzeugend gespielten und richtig gut besetzten – neben Denzel Washington sind u.a. Milla Jovovich, Rosario Dawson, Ned Beatty und John Turturro mit von der Partie, auf Schauspielerseite brennt hier also schon mal gar nichts an – Sportdrama belohnt, welches jetzt vielleicht nicht unbedingt durch seinen Hauptplot vollends überzeugen kann, das mich aber in anderen Bereichen ziemlich begeistert hat. Insbesondere diesen Nebenkriegsschauplatz rund um die diversen Universitäten, Sportagenten und Profiteams, welche sich allesamt die Dienste des Jahrhunderttalents sichern wollen, bringt Spike Lee, der auch das Drehbuch verfasste, absolut überzeugend rüber und die verschiedenen Reaktionen des von Ray Allen gespielten Jesus auf diese ganzen Dinge, die da im Verlauf des Films auf ihn hereinprasseln, könnten nicht viel authentischer wirken als sie hier dargestellt sind. In Sachen Charakterentwicklung kann man Spike Lee nun wirklich gar keine Vorwürfe machen.

Positiv hervorheben möchte ich auch noch den mit Songs von Public Enemy veredelten Soundtrack und die diversen Stilmittel und technischen Spielereien, mit denen Lee hier operiert – teilweise wird in Rückblenden erzählt, in manchen Schlüsselszenen erstrahlt der von Ray Allen gespielte Jesus in einem gleißend hellen Licht, usw. -, sorgen die doch über die relativ üppige Laufzeit von gut 130 Minuten immer wieder für Abwechslung und Kurzweil.

Und ganz zum Abschluss – die holde Damenwelt möge mir verzeihen – muss ich aus rein voyeuristischen Gründen einfach noch anmerken, dass man(n) einen Film, der sowohl die blanken Brüste von Milla Jovovich als auch die üppige Oberweite von Rosario Dawson in ihrer vollen Pracht präsentiert, schon allein aufgrund dieser Tatsache gar nicht negativ bewerten kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

STRAIGHT OUTTA COMPTON (USA 2015, Regie: F. Gary Gray)

straight outta compton

(Fassung: O-Ton-Vorstellung, Central-Kino, Hof/Saale)

Vorab ein großes Dankeschön ans Central-Kino in Hof, die tatsächlich ab und zu mal Filme im Originalton zeigen und es mir als O-Ton-Fetischisten somit ermöglichen, immer mal wieder einen aktuellen Film im Kino zu sehen und nicht ausschließlich auf die Heimkinoveröffentlichung warten zu müssen. Und dann auch noch STRAIGT OUTTA COMPTON, der Film, auf den ich mich in diesem Kalenderjahr wohl am meisten gefreut habe.

Regisseur F. Gary Gray erzählt mit seinem Film die Geschichte von N.W.A., den Pionieren des Gangsta Rap, und versucht dabei, dem Zuschauer einen möglichst vollständigen Einblick in das Innenleben der Gruppe und ihrer verschiedenen Mitglieder zu geben. STRAIGHT OUTTA COMPTON, der u.a. von Ice Cube und Dr. Dre mitproduziert wurde, kommt dann auch sehr authentisch rüber und katapultiert den Rap-affinen Zuschauer zurück in die späten 80er bzw. frühen 90er Jahre, in denen der Sound von N.W.A. und der diversen Epigonen, welche die Gruppe hervorgebracht hatte, ein ganzes Musikgenre definierte.

Der größte Coup des Films ist die Besetzung der drei Hauptprotagonisten. Vor allem O’Shea Jackson Jr., der seinen eigenen Vater Ice Cube spielt, sieht dem jungen Ice Cube tatsächlich wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich, aber auch Corey Hawkins als Dr. Dre und Jason Mitchell als Eazy-E sind einfach nur perfekt gecastet. Insbesondere in den Konzertsequenzen – der Skandal-Auftritt in Detroit, der wegen dem Song „Fuck tha Police“ abgebrochen werden musste und in dessen Folge die Musiker verhaftet wurden, zählt zu einem der absoluten Highlights des Films – könnte man manchmal meinen, dass da tatsächlich die echten N.W.A. auf der Bühne stehen.

Aber STRAIGHT OUTTA COMPTON hat auch ein kleines Problem, denn Regisseur F. Gary Gray – und insbesondere wohl auch Ice Cube und Dr. Dre – wollten mit dem Film vielleicht etwas zu viel. Die Geschichte von N.W.A. und auch die Geschichte der sich nach dem Auflösen der Gruppe entwickelten Soloprojekte scheint fast schon zu penibel nacherzählt zu sein und so läuft STRAIGT OUTTA COMPTON vor Informationen fast über. Das hat zwar den positiven Effekt, dass es einem als Zuschauer während der knapp 150-minütigen Laufzeit nie langweilig wird, führt allerdings auch dazu, dass Grays Film stellenweise regelrecht gehetzt rüberkommt und elementare Hintergrundgeräusche – wie bspw. die Aufstände in Los Angeles nach dem Rodney-King-Vorfall im Jahr 1991 -, die ich im Gesamtzusammenhang als durchaus wichtig erachte und die ja auch Auslöser der unbändigen Wut der Musiker und ihrer Hörer auf das System waren (und auch heute noch sind), nur kurz gestreift werden können.

Weiterhin problematisch sehe ich die Darstellung der Ereignisse, die zum Split von N.W.A. führten, der Zeit, in der sich – anfangs nur Ice Cube, später auch Dr. Dre – mit Eazy-E vorübergehend überwarfen und das gegenseitige Gedisse startete. Die Versöhnung fand damals zwar kurze Zeit später statt, aus der geplanten Reunion wurde jedoch nichts mehr, da Eazy-E bekanntlich im Jahr 1995 an AIDS starb. Gray ist zwar sichtlich bemüht, diese Zeit möglichst neutral darzustellen, am Ende des Tages sollte man als kritischer Zuschauer jedoch im Hinterkopf behalten, dass der tote Eazy-E seine Sicht der Dinge nicht mehr darlegen konnte und das hier Gezeigte somit verständlicherweise eher der Sicht von Ice Cube und Dr. Dre entsprechen dürfte.

Es mit einem Film wie diesem hier allen bzw. möglichst vielen recht zu machen und dem doch durchaus komplexen Thema halbwegs gerecht zu werden ist jedoch ein Kunststück, welches erst mal vollbracht werden muss. Die Geschichte von N.W.A. als Gangsta-Rap-Pioniere, die individuelle Geschichte jedes einzelnen Bandmitglieds, alles nach Möglichkeit noch im großen Kontext der gesellschaftspolitischen Ereignisse von damals – man hätte STRAIGT OUTTA COMPTON wohl auch als Miniserie drehen können. Vor diesem Hintergrund finde ich persönlich, dass F. Gary Gray seine Sache hier richtig, richtig gut gemacht hat. Und spätestens wenn dann kurz vor dem Abspann diverse Archivbilder und Archivaufnahmen von damals eingeblendet werden, dürfte wohl jeder, der ein Faible für diesen klassischen Rap und Hip-Hop der damaligen Zeit hat, mit einer fetten Gänsehaut in den Abspann entlassen werden.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

MENACE II SOCIETY (USA 1993, Regie: Albert Hughes/Allen Hughes)

menace ii society

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), Warner/New Line, USA)

Als John Singleton im Jahr 1991 mit BOYZ N THE HOOD einen Film über die Perspektivlosigkeit schwarzer Jugendlicher in South Central, LA, drehte, war dies eine der Initialzündungen für eine neue Welle von Filmen des “Black Cinema“, in denen dunkelhäutige Protagonisten im Zentrum verschiedenster Genres standen.

Auch MENACE II SOCIETY gehört zu den Nachfolgefilmen von BOYZ N THE HOOD, und der Debütfilm der beiden Brüder Albert und Allen Hughes schließt auch thematisch an BOYZ N THE HOOD an. Erzählt wird die Geschichte der beiden Freunde Caine (Tyrin Turner) und O-Dog (Larenz Tate), die im Problemviertel Watts in Los Angeles aufgewachsen sind, keinerlei Perspektive haben und deren Alltag von Drogen und Gewalt beherrscht wird. War bereits BOYZ N THE HOOD nur schwer verdaulich, setzen die Hughes Brüder mit MENACE II SOCIETY noch mal einen drauf. Hier gibt es wirklich keinerlei Hoffnung mehr, das Leben in Watts ist nicht mehr als ein Überleben, aus dem aus Drogen und Verbrechen bestehenden Sumpf gibt es kein Entrinnen und die Spirale von Gewalt und Gegengewalt dreht sich immer und immer weiter. Hatte Singleton seinen Zuschauern zwei Jahre zuvor zumindest noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gewährt, gönnen die Hughes Brüder ihrem Publikum keinerlei Lichtblicke, keinerlei Hoffnung. Die Perspektive, am Ende des Films doch aus Watts herauszukommen und ein neues Leben zu starten, endet im Kugelhagel. Verdammt schwere Kost und richtig großes Kino!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

HUSTLE & FLOW (USA 2005, Regie: Craig Brewer)

hustle & flow

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Djay (Terrence Howard) lebt in Memphis und hält sich mit kleineren Dealereien und Zuhälterei über Wasser. Sein großes Vorbild ist der Rapper Skinny Black (Ludacris), den er zumindest von früher noch vom Sehen kennt und der den Absprung aus Memphis geschafft hat und nun auf eine erfolgreiche Karriere im Musikbusiness blicken kann. Auch Djay träumt davon, ein großer Rap-Star zu werden und als er eines Tages seinen alten Schulfreund Key (Anthony Anderson), einen Toningenieur, wieder trifft und sich mit diesem zusammentut, scheint er seinem Traum zumindest ein klitzekleines Stück näher kommen zu können. Denn Skinny Black hat einen Besuch in seiner alten Heimat angekündigt und Djay möchte bis zu diesem Zeitpunkt ein brauchbares Demotape aufnehmen, um mit diesem Skinny zu beeindrucken…

Regisseur Craig Brewer gelingt es, mit HUSTLE & FLOW ein überzeugendes, authentisch wirkendes und eindringliches Portrait eines Mannes zu schaffen, der an einem Punkt in seinem Lebens angekommen ist, an dem ihm klar wird, dass es so nicht mehr weitergehen kann und der nun mit aller Kraft – und der Hilfe seines Umfelds – versucht, die Kurve zu kriegen und wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Terrence Howard als Djay ist schlichtweg grandios, die diversen Aufnahmesessions im selbstgebauten Studio von einer unglaublichen Intensität und welche Energie der eigentlich recht ruhig erzählte Film auf den Zuschauer überträgt, ist wirklich beeindruckend. Man glaubt, mit Djay in diesem kleinen Raum zu sitzen – die schwüle Hitze Tennessees, die der Film ausstrahlt, ist regelrecht zu spüren – und möchte ihm einfach nur alle Daumen drücken, dass sein Song tatsächlich Gehör findet und er seinen Weg erfolgreich zu Ende gehen kann. Ob er dies tatsächlich schaffen wird? Schaut euch den Film an, es lohnt sich.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BLACK CAESAR (USA 1973, Regie: Larry Cohen)

black caesar

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Die Blaxploitation-Variante diverser Mafia- und Gangsterfilme. Bezeichnenderweise läuft Hauptdarsteller Fred Williamson dann auch im Film in einer Szene an einem Kino vorbei, in dem gerade THE GODFATHER läuft. Anders als in diesem Genre üblich, steht Regisseur Larry Cohen jedoch keine üppige Laufzeit nahe der 3-Stunden-Marke zur Verfügung. Die blutgetränkte Geschichte vom Aufstieg des kleinen Gangsters Tommy Gibbs (Fred Williamson) zum schwarzen Paten von New York samt des anschließenden, tiefen Falls mitten hinein in die Gosse muss in exakt 90 Minuten erzählt sein und so legt BLACK CAESAR von Beginn an ein beachtliches Tempo vor. Für eine echte Entwicklung von Geschichte und Charakteren bleibt dabei wenig Zeit, Cohen springt immer wieder in der Zeit nach vorne und gewährt dem Zuschauer dabei eigentlich immer nur auszugsweise Einblicke in den Verlauf der zweifelhaften Karriere seiner Hauptfigur. BLACK CAESAR überzeugt somit vor allem durch sein hohes Erzähltempo, seine zahlreichen Gewaltspitzen, die den Zuschauer immer wieder heftig ins Mark treffen, sein einfach unbezahlbares Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der frühen 70er Jahre und nicht zuletzt auch durch den phantastischen Soundtrack von James Brown, der Gibbs’ Geschichte mit grandiosen Songs veredelt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HELL UP IN HARLEM (USA 1973, Regie: Larry Cohen)

hell up in harlem

(Fassung: DVD, MGM, USA)

Der im Februar 1973 gestartete BLACK CAESAR war tatsächlich so erfolgreich, dass auf schnellstem Weg ein Sequel nachgeschoben werden musste um die Cashcow weiter zu melken. Das Kind hört auf den Namen HELL UP IN HARLEM und kam bereits im Dezember 1973 in die Kinos.

HELL UP IN HARLEM schließt handlungstechnisch unmittelbar an den Vorgänger an. In der aus TV-Serien bekannten “Was bisher geschah“-Manier wird in den ersten Minuten des Films das Schlussdrittel des Vorgängers durch einen Zusammenschnitt entsprechender Sequenzen noch einmal kurz zusammengefasst und dann geht es auch schon in die Vollen. Um die Geschichte überhaupt weitererzählen zu können, musste jedoch noch kurz die Schlussszene aus BLACK CAESAR – nach der man eigentlich davon ausgehen musste, dass der von Williamson gespielte Tommy Gibbs nicht überlebt haben dürfte – unter den Teppich gekehrt werden. Gibbs wird in der Fortsetzung nun schwerverletzt von seinem Vater gerettet, schmiedet bereits im Krankenhaus erste Pläne und beginnt gemeinsam mit seinem Vater und den ihn verbliebenen Vertrauten zuerst einen Rachefeldzug gegen seine Widersacher und baut danach sein Imperium wieder auf.

Noch mehr als der Vorgänger springt HELL UP IN HARLEM im Plot regelrecht von einem Höhepunkt zum anderen. Cohens Film ist im Endeffekt nur noch eine Aneinanderreihung diverser Schauwerte und es fällt ziemlich schwer, in diesem anarchischen Chaos (wer hat nun warum eigentlich mit wem so alles ein Problem?) auch nur halbwegs den Überblick zu behalten. Dem enorm hohen Spaß- und Unterhaltungsfaktor des Films schadet dies allerdings nicht wirklich und bedenkt man, dass die Produktionsbedingungen von HELL UP IN HARLEM alles andere als rosig gewesen sind und der Film größtenteils gedreht wurde ohne dass sich Hauptdarsteller Fred Williamson überhaupt am Set befand – die Trivia-Abteilung der IMDB weiß dazu folgendes zu berichten: „Due to the success of BLACK CAESAR, AIP wanted a sequel. Unfortunately, Fred Williamson was filming THAT MAN BOLT during the week from Monday to Friday, and director Larry Cohen was busy making IT’S ALIVE, but they made this sequel concurrently by filming the majority of it on weekends. Larry Cohen filmed some of the scenes with the same crew and equipment as IT’S ALIVE, and due to Fred Williamson’s other commitments he had to make most of the film with a stand-in, Williamson himself only really appearing in the close-ups. The close-ups were filmed in LA, where Williamson was based, and the rest of the film was shot on location in New York.“ – kann man vor dem endgültigen Film eigentlich fast nur noch anerkennend seinen Hut ziehen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

HIGHER LEARNING (USA 1995, Regie: John Singleton)

higher learning

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

In seinem dritten Spielfilm beschäftigt sich BOYZ N THE HOOD-Regisseur John Singleton mit Rassismus im Alltag und verlegt die Bandenkriege seines Erstlingswerks auf den Campus einer Universität. Hier treffen Menschen mit verschiedenen Hautfarben, Religionen, politischen Einstellungen und sexuellen Vorlieben aufeinander und müssten einfach nur versuchen, irgendwie miteinander auszukommen. Doch fehlende Toleranz und zu viele Vorurteile auf allen Seiten verhindern dies. Bis es am Ende schließlich zur Katastrophe kommt.

Vielleicht ist HIGHER LEARNING zu klischeehaft, zu überzeichnet, zu übertrieben oberlehrerhaft und vielleicht führt das alles auch dazu, dass Singletons Grundaussage – sich von Vorurteilen zu befreien, tolerant zu sein, auf seine Mitmenschen zuzugehen – in dieser Klischeehaftigkeit etwas unterzugehen droht. Aber die Botschaft ist da. Sie steht im Raum. Und sie ist heute, 20 Jahre nach Erscheinen des Films, in einer Zeit, in der hier in Deutschland wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen, in der allerorts lauthals rassistische Parolen verbreitet werden können und in der das Wort Menschlichkeit für viele eine Fremdwort zu sein scheint, vielleicht wichtiger wie nie zuvor.

Und wenn es – ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Träumer – ein Film wie HIGHER LEARNING vielleicht tatsächlich schafft, den einen oder anderen Menschen, der ideologisch auf der Kippe steht, zum Umdenken zu bewegen, hat er schon verdammt viel geleistet und man kann Singleton einfach nur dankbar sein für diesen Film.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DO THE RIGHT THING (USA 1989, Regie: Spike Lee)

do the right thing

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Es ist einer der heißesten Tage des Sommers und in einem kleinen Straßenzug in Brooklyn, New York, entwickelt sich aus zunächst nur kleinen Sticheleien und Auseinandersetzungen eine große Katastrophe.

Regisseur Spike Lee konfrontiert seinen Zuschauer mit einer Geschichte, die rund um das Thema Alltagsrassismus kreist. DO THE RIGHT THING ist fein beobachtet, klug erzählt und von wahrlich bedrückender Atmosphäre. Die Hitze in den Straßen von Brooklyn ist regelrecht zu spüren und die ganz eigene Farbgebung des Films – DO THE RIGHT THING ist praktisch über die komplette Laufzeit in satten Rot-, Gelb- und Orange-Tönen gehalten – tut ihr übriges, um den Zuschauer regelrecht ins Schwitzen zu bringen. Der Titel des Films ist im Endeffekt natürlich Programm und als Aufforderung an den Zuschauer zu verstehen, verdammt noch mal das Richtige zu tun und nicht – wie praktisch alle Figuren im Film – immer nur das Falsche.

DO THE RIGHT THING endet mit Zitaten von Martin Luther King Jr. und Malcolm X. Und bereits mit diesem ersten Zitat von Martin Luther King Jr. ist im Endeffekt alles gesagt: „Violence as a way of achieving racial justice is both impractical and immoral. It is impractical because it is a descending spiral ending in destruction for all. The old law of an eye for an eye leaves everybody blind. It is immoral because it seeks to humiliate the opponent rather than win his understanding; it seeks to annihilate rather than to convert. Violence is immoral because it thrives on hatred rather than love. It destroys a community and makes brotherhood impossible. It leaves society in monologue rather than dialogue. Violence ends by defeating itself. It creates bitterness in the survivors and brutality in the destroyers.“

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

NOTORIOUS (USA 2009, Regie: George Tillman Jr.)

notorious

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), 20th Century Fox, Deutschland)

Regisseur George Tillman Jr. erzählt mit NOTORIOUS die Geschichte von Christopher Wallace, der in Brooklyn aufwächst, schon jung mit dem Gesetz in Konflikt kommt und nach einem Aufenthalt im Gefängnis sein Glück als Rapper versucht. Aus Christopher Wallace wird The Notorious B.I.G., einer der größten Rapstars seiner Zeit und eine der tragischsten Figuren der Rapmusik der 90er Jahre. Er und Tupac Shakur waren die prominenten Opfer im Konflikt der beiden Plattenfirmen Death Row Records aus L.A. und Bad Boy Records aus New York. Beide wurden jeweils von Unbekannten erschossen. Tupac wurde 25, B.I.G. gerade mal 24 Jahre alt.

NOTORIOUS kümmert sich in allererster Linie um den Aufstieg des Titelcharakters, um seine Beziehungen mit den Rap- und R&B-Künstlerinnen Lil’ Kim und Faith Evans und versucht den Menschen hinter dem Mythos darzustellen. Natürlich hält auch der Konflikt zwischen East Coast und West Coast und seine tödlichen Folgen Einzug in den Film, dieser wird jedoch ausschließlich aus der Sicht der Entourage rund um The Notorious B.I.G. geschildert – wenig verwunderlich, Sean Combs (aka Puff Daddy), seines Zeichens Gründer des Labels Bad Boys Records und Produzent von B.I.G., wirkte als ausführender Produzent bei NOTORIOUS mit -, was dazu führt, dass ausgerechnet die Darstellung dieses Konflikts den Schwachpunkt des Films ausmacht, da er nur von einer Seite aus beleuchtet wird. Das ist etwas schade, da dies doch einen gewissen Schatten über einen eigentlich ganz vorzüglichen Film wirft. Denn insbesondere aufgrund der hervorragenden Leistung von Jamal Woolard in der Rolle des B.I.G. ist NOTORIOUS zumindest für Fans dieser Art von Musik unbedingt sehenswert. Alle anderen lassen lieber die Finger von dem Film.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

CORNBREAD, EARL AND ME (USA 1975, Regie: Joseph Manduke)

cornbread, earl and me

(Fassung: DVD, MGM, USA)

CORNBREAD, EARL AND ME ist zunächst mal ein Beweis dafür, dass während dieser Hochzeit des Black Cinema in den 70er Jahren nicht nur Action-, Thriller- und Exploitation-Filme produziert worden sind, sondern durchaus auch ernsthafte Dramen das Licht der Leinwände erblickten.

In Mandukes Film geht es um zwei Polizisten, die auf der Jagd nach einem Verbrecher versehentlich den Falschen erschießen, um verschiedene Zeugen, u.a. einen kleinen Jungen, die die Wahrheit kennen und um die Behörden, die diese Wahrheit verheimlichen wollen und versuchen, alle Zeugen mundtot zu machen. CORNBREAD, EARL AND ME ist fesselnd und eindringlich erzählt, die verschiedenen Charaktere werden sorgfältig entwickelt und auch wenn in einer solchen Geschichte in der Konstellation der Figuren wohl nicht alle Klischees vermieden werden können, so gelingt es Regisseur Joseph Manduke doch ganz vorzüglich, die Handlungen aller Personen nachvollziehbar und glaubwürdig darzustellen.

CORNBREAD, EARL AND ME ist in seiner Intensität ein beeindruckender Film, der einen als Zuschauer einfach nicht mehr loslässt und einen gebannt auf ein halbwegs gutes Ende hoffen lässt, er ist ein Plädoyer für Zivilcourage und Gerechtigkeit. Und er ist ein Film, der einen heutigen Hollywood-Star in seinem allerersten Leinwandauftritt zeigt, gleich in einer Hauptrolle und gleich mit einer wirklich umwerfenden Leistung. Denn der kleine Junge, der alles beobachtet hatte und das Zünglein an der Waage spielen kann ist: Laurence Fishburne, im zarten Alter von 13 Jahren.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s