Shocktober 2015 – First Batch

NIGHT OF THE BIG HEAT (Großbritannien 1967, Regie: Terence Fisher)night of the big heat

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Regisseur Terence Fisher hat Ende der 50er Jahre für die britischen Hammer-Studios Filmgeschichte geschrieben und u.a. DRACULA und THE CURSE OF FRANKENSTEIN mit dem Duo Christopher Lee und Peter Cushing gedreht. Ende der 60er Jahre neigte sich Fishers Karriere als Regisseur schon langsam dem Ende entgegen und mit NIGHT OF THE BIG HEAT hat der tolle Regisseur dann auch mindestens eine Gurke in seiner Vita stehen, aber zumindest eine liebenswerte und sympathische Gurke.

In NIGHT OF THE BIG HEAT geht es um eine unerklärliche Hitzewelle, die eine der Kanalinseln mitten im Winter heimsucht und während der allerhand mysteriöse Dinge geschehen. Zum Glück ist Wissenschaftler Christopher Lee vor Ort, der außerirdische Mächte im Spiel sieht und den Dingen auf den Grund gehen will. Unterstützung erhält er dabei von seinem alten Kumpel Peter Cushing, während der von Patrick Allen gespielt Autor und Gasthausbesitzer Jeff Callum ganz andere Sorgen hat, muss er doch versuchen, seine Ehefrau und seine Geliebte irgendwie unter einen Hut zu bekommen.

NIGHT OF THE BIG HEAT ist harmloser, liebevoller und irgendwie auch sympathischer Science-Fiction-Trash, dem es allerdings doch arg an Spannung mangelt und durch den man sich – ich will da nichts beschönigen – über 90 Minuten mitunter auch etwas durchkämpfen muss. Da auch die hinter der Hitzewelle steckenden Aliens nicht für großartige Überraschungen oder Schauwerte sorgen, liegt es letztendlich allein am Duo Lee/Cushing, den Tag zumindest halbwegs zu retten. So wirklich gelingen mag ihnen das jedoch auch nicht.

Persönliche Bewertung: Naja!

ANNABELLE (USA 2014, Regie: John R. Leonetti)

annabelle

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Paranormale Aktivitäten, Besessenheit, Okkultismus – das sind mit die Lieblingsthemen im Bereich des Horrorkinos. THE CONJURING aus dem Jahr 2013 war einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre in diesem Bereich und hat nun mit ANNABELLE ein Prequel spendiert bekommen, in dem die Vorgeschichte der besessenen Puppe aus THE CONJURING erzählt wird, allerdings in einem eher durchschnittlichen Film innerhalb des Subgenres. Regisseur John R. Leonetti versucht es mit Atmosphäre, vereinzelten Schockeffekten und diesem ungeschriebenen Gesetz, dass Puppen im Horrorfilm allein aufgrund ihrer Anwesenheit einfach immer verdammt creepy rüberkommen. So hat ANNABELLE dann auch durchaus seine Momente, insgesamt betrachtet fehlt es dem Film jedoch an Spannung und die Hauptfigur ist leider so klischeehaft und teilweise auch nervig gezeichnet, dass es schwer fällt, zu ihr eine Beziehung aufzubauen und mit ihr mitzufiebern. So schaut man sich die Kirmesveranstaltung eher im Berieselungsmodus an, erfreut sich am einen oder anderen Schockeffekt und kommt, wenn der Abspann schließlich einsetzt, mal wieder zu der Erkenntnis, dass man bei der persönlichen Bewertung von Horrorfilmen immer mal wieder das eine oder andere Auge zudrückt.

Persönliche Bewertung: Ok!

SATAN’S CHILDREN (USA 1975, Regie: Joe Wiezycki)

satan's children

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

In SATAN’S CHILDREN haut der junge Bobby Douglas (Stephen White) von zu Hause ab, weil er die ständigen Erniedrigungen seines Vaters und seiner Stiefschwester nicht mehr ertragen kann, wird kurz danach von einer Gruppe Homosexueller missbraucht, landet schließlich in den Armen einer Sekte von homophoben Teufelsanbetern und knallt im Finale ähnlich durch wie Regisseur Joe Wiezycki und seine Drehbuchautoren, die diesen unglaublichen Blödsinn zu verantworten haben.

SATAN’S CHILDREN ist einer dieser Filme, die man gesehen haben muss, um tatsächlich glauben zu können, dass sie existieren. Es ist allerdings keiner dieser Filme, die in die „So bad, it’s good“-Kategorie passen. (Fast) alles an SATAN’S CHILDREN ist einfach nur stümperhaft. Da helfen auch die vielen Unglaublichkeiten nicht mehr weiter, die Regisseur Joe Wiezycki im Lauf seiner gut 80 Minuten so aneinandergereiht hat (der Sleaze-Faktor dieses Underground-Exploiters ist verdammt hoch). Positiv hervorzuheben ist lediglich der Score von Ray Fletcher, dem es tatsächlich gelingt, ab und an zumindest einen Hauch von Atmosphäre zu erzeugen und der definitiv einen besseren Film als diesen hier verdient gehabt hätte. Die Darsteller (als Schauspieler mag man sie einfach nicht bezeichnen) agieren hölzern, die Settings sind ein Graus, der ganze Plot ergibt einfach keinen Sinn, die latent homophobe Grundaussage des Films ist ärgerlich (aber auch nicht wirklich ernst zu nehmen) und die meisten Kameraeinstellungen sind mit dem Begriff „abenteuerlich“ noch positiv beschrieben. Es gibt im Endeffekt nur eine richtig tolle Sequenz. Kurz nachdem die Hauptfigur abgehauen ist, folgt ihr die Kamera durch die nächtlichen Straßen, als Zuschauer ist man ihr als stiller Beobachter auf der Spur und zu diesem relativ frühen Zeitpunkt (die Szene kommt nach ca. 15 Minuten) hofft man noch, dass der Film vielleicht doch halbwegs ansehbar werden könnte. Es bleibt bei der Hoffnung…

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen ganz wenigen Momenten)!

THE WICKER MAN (Großbritannien 1973, Regie: Robin Hardy)

the wicker man

(Fassung, DVD (Director’s Cut), Warner, Großbritannien)

Um das Verschwinden eines 12-jährigen Mädchens aufzuklären reist ein Polizist (Edward Woodward) auf eine kleine schottische Insel und trifft dort auf heidnische Rituale, eine Wand aus Ablehnung, Schweigen, Widersprüchen und auf den undurchsichtigen Lord Summerisle (Christopher Lee). Doch das Sträuben der Inselbewohner, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, stachelt die Motivation des Polizisten nur noch mehr an…

Wow, was für ein Brett von einem Film. Regisseur Robin Hardy lässt das Grauen heimlich, still und leise über seine Zuschauer hereinbrechen, baut Spannung und Atmosphäre ganz behutsam auf, erschafft mit Hilfe seines Kameramannes Harry Waxman gleichzeitig wunderschöne, verstörend und höchst beunruhigende Bilder und knallt dem Zuschauer ein Ende vor den Latz, welches gut als Äquivalent zum sprichwörtlichen Hieb in die Magengrube durchgehen kann. Und dann noch diese Musik von Paul Giovanni, die man wohl perfekter nicht hätte komponieren können und die einen ganz großen Anteil an der ungemein dichten Atmosphäre von THE WICKER MAN hat. Genrekino at its best.

Und wenn man das Gesehene schließlich nach dem Abspann langsam verarbeitet, fällt natürlich auch auf, dass Hardys Film neben dem Schrecken, den er transportiert, vor allem auch die Glaubensfrage nach dem Sinn und Unsinn von Religionen stellt. Die kann dann jeder für sich selbst beantworten.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE WOMAN IN BLACK (Großbritannien/Kanada/Schweden 2012, Regie: James Watkins)

the woman in black

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Mit der Action-Mystery-Komödie THE LADY VANISHES verabschiedeten sich die altehrwürdigen Hammer Studios aus Großbritannien im Jahr 1979 aus dem Filmgeschäft. 3 Jahre zuvor hatten sie mit TO THE DEVIL A DAUGHTER ihren letzten Horrorfilm in die Kinos gebracht. Das Ende einer der großartigsten Produktionsschmieden des Genrefilms.

Seit nunmehr 5 Jahren ist Hammer Films zurück und ja, es tut gut, in den Anfangscredits eines Horrorfilms zu lesen, dass dieser von Hammer (mit-)produziert wurde. THE WOMAN IN BLACK mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe in der Hauptrolle ist eine dieser neueren Hammer-Produktionen und zumindest mit diesem Film bleibt sich das Londoner Studio vom Stil her treu und versucht, an alte Taten aus den 50er, 60er und 70er Jahren anzuknüpfen. THE WOMAN IN BLACK präsentiert routinierten Gothic Horror, mit einem Hauptdarsteller, dem es erfolgreich gelingt, das Image des Zauberlehrlings abzustreifen, mit einer traumhaften Ausstattung und tollen Settings in typischer Hammer-Tradition, mit ein paar gelungenen Schockeffekten und mit einer wundervollen Gruselatmosphäre, die an die glorreichen Zeiten des Studios erinnert. Ein rundum sympathischer Film, dem es aber – und da nutzen auch die schönste Atmosphäre und die tollste Ausstattung nichts – für einen Film aus dem Horrorgenre doch zu sehr an Spannung mangelt und der aus diesem Grund nicht vollends zu überzeugen weiß. Die Verpackung von THE WOMAN IN BLACK ist grandios, wenn dann vielleicht auch bald wieder der Inhalt passt, kann man sich über die Auferstehung der Hammer Studios noch mehr freuen.

Persönliche Bewertung: Nett!

IL DIO SERPENTE (Italien/Venezuela 1970, Regie: Piero Vivarelli)

il dio serpente

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In IL DIO SERPENTE dreht sich alles um die attraktive Paola (Nadia Cassini), die gelangweilt und einsam auf einer Insel in der Karibik sitzt, weil ihr schwerreicher Ehemann mehr Zeit mit seinen Geschäften verbringt als mit seiner Ehefrau. Als sie die unabhängige und freiheitsliebende Stella (Beryl Cunningham) kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen schon bald eine innige Freundschaft. Über Stella kommt Paola mit einem Voodookult in Berührung und nimmt auch schon bald an einem Ritual teil, während dem sie dem titelgebenden Schlangengott verfällt. Mit fatalen Folgen…

Die IMDB listet IL DIO SERPENTE auch als Horrorfilm, so wirklich zutreffend ist diese Kategorisierung nicht. Gut, das ausführlich gezeigte Voodooritual würde auch in einen Horrorfilm passen und passagenweise weist Vivarellis Film auch eine durchaus unheimliche Atmosphäre auf, davon, ein echter Schocker zu sein, ist IL DIO SERPENTE jedoch meilenweit entfernt. Das liegt vor allem daran, dass Regisseur Piero Vivarelli sich nicht wirklich für das theoretisch vorhandene Horrorpotential – unheimlicher Voodookult, eine Frau unter dem Einfluss einer mysteriösen Gottheit – interessiert, einfach keine spannende Geschichte erzählen will, sondern sich einzig und allein auf seine Schauwerte verlässt. IL DIO SERPENTE fließt förmlich am Zuschauer vorbei und überzeugt bzw. unterhält einzig und allein aufgrund seiner traumhaften Kulisse, seines nichtwegzuleugnenden Mystery-Touchs, seines exotischen Story-Aufhängers und seiner ungemein attraktiven Hauptdarstellerin, die ihre formvollendeten Rundungen in nicht wenigen Szenen fast gänzlich unverhüllt in die Kamera hält.

Persönliche Bewertung: Ok!

OPERA (Italien 1987, Regie: Dario Argento)

opera

(Fassung: DVD, Arrow Video, Großbritannien)

Die junge Opernsängerin Betty (Cristina Marsillach) erhält kurzfristig die Chance auf die weibliche Hauptrolle in einer neuen Aufführung von MacBeth und lässt ihr Publikum begeistert zurück. Doch die Freude über den Erfolg ist nur von kurzer Dauer, denn Betty muss sich damit auseinandersetzen, dass ein verrückter Killer plötzlich anfängt, Menschen in ihrem Umfeld auf bestialische Weise zu ermorden – und Betty zwingt, bei den Morden zuzusehen…

Mit OPERA hat Altmeister Dario Argento einen mehr als beeindruckenden Spät-Giallo hingelegt, der sich weder vor Argentos eigenen Großtaten noch vor sonstigen Klassikern des insbesondere in den 70er Jahren erfolgreichen Subgenres verstecken muss. OPERA bietet tatsächlich alles, was man sich vom Genre erwartet und erhofft. Eine weibliche Hauptperson, mit der man ganz vorzüglich mitfiebern kann, einen mysteriösen Killer mit schwarzen Handschuhen, eine wendungsreiche und spannende Handlung, eine unheilschwangere Atmosphäre, extrem blutige Mordszenen, tolle Settings, grandiose Kamerafahrten und einen atmosphärischen Score. Ich habe OPERA erst jetzt zum allerersten Mal gesehen und bin ziemlich geplättet. Es sind Filme wie dieser hier, wegen denen ich dem italienischen Genrekino schon seit einigen Jahren hoffnungslos verfallen bin.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

HELLRAISER III: HELL ON EARTH (Kanada/USA 1992, Regie: Anthony Hickox)

hellraiser iii - hell on earth

(Fassung: DVD, Anchor Bay, Großbritannien)

Ich habe mir bisher immer nur die ersten beiden Teile der Hellraiser-Reihe angesehen und möchte mich nun auch mal an die Nachfolgefilme wagen. In HELLRAISER: HELL ON EARTH bekommt es dieses Mal eine TV-Reporterin (Terry Farrell) mit Pinhead (Doug Bradley) zu tun und hat alle Mühe, das Nadelgesicht und seine Kumpanen wieder zurück in die Hölle zu schicken.

An die beiden ziemlich tollen Vorgänger kommt dieser dritte Teil von Anthony Hickox erwartungsgemäß nicht heran. HELLRAISER III: HELL ON EARTH ist – obwohl sich Hickox in Sachen Settings und Effektkunst viel Mühe gegeben hat, den beiden Auftaktfilmen gerecht zu werden – deutlich eingängiger als die Filme von Clive Barker und Tony Randel geraten und wirkt auch deutlich weniger verstörend. Insbesondere im Vergleich zu Barkers Original aus dem Jahr 1987 wirkt dieser Film hier fast schon harmlos. Gefallen hat mir HELLRAISER III: HELL ON EARTH dennoch ziemlich gut. Weil er seine Geschichte ohne großartige Schnörkel an den Mann bringt, weil die Effekte wieder richtig gut gelungen sind und der Film visuell ein paar ausgesprochen hübsche Einfälle zu bieten hat, weil Hauptdarstellerin Terry Farrell einfach toll ist und sich die von ihr gespielte Reporterin bestens als beschützenswerte Identifikationsfigur eignet, weil insbesondere diese Szenen im Underground-Club klasse umgesetzt sind und – vielleicht der Hauptgrund, weswegen ich den Film mochte – weil Anthony Hickox insgesamt betrachtet mit diesem Film vielleicht sogar mehr geboten hat, als man von so einer Fortsetzung, die ja auch eher mit einem sehr schmalen Budget ausgestattet gewesen sein dürfte (lt. IMDB hat der Film ca. 5 Mio. Dollar gekostet) und eher im Hinblick darauf gedreht wurde, noch mal schnell ein bisschen Kohle mit dem Franchise zu machen, überhaupt erwarten konnte.

Persönliche Bewertung: Gut!

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