November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 6

TATORT: REIFEZEUGNIS (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)

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(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

Ich habe jetzt nicht näher recherchiert, gehe aber fest davon aus, dass die in der ARD laufende TATORT-Reihe die dienstälteste Krimininalfilmreihe im deutschen Fernsehen ist. Und ich gehe weiter davon aus, dass, würde man eine Umfrage machen, welche Filme der Reihe zu den bekanntesten zählen, neben diversen Filmen mit Götz George als Horst Schimanski insbesondere auch Petersens REIFEZEUGNIS, der insgesamt sechste und letzte Film, den der spätere Hollywoodregisseur für die Reihe inszeniert hat, immer wieder genannt werden dürfte.

REIFEZEUGNIS erzählt die Geschichte einer unheilvollen Beziehung zwischen dem Lehrer Fichte (Christian Quadflieg) und seiner Schülerin Sina (Nastassja Kinski), die Geschichte des eifersüchtigen Klassenkameraden Michael (Markus Boysen) und die fatalen Folgen seines Erpressungsversuchs. Dieser endet nämlich in einer (versuchten) Vergewaltigung und damit, dass Michael von Sina in Notwehr getötet wird. Eine Tat, die Sina natürlich vertuschen möchte, um die Affäre mit ihrem Lehrer nicht auffliegen zu lassen. Und die Story, die sie Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) auftischt, scheint dieser auch fast zu glauben…

Sieht man REIFEZEUGNIS erst jetzt zum ersten Mal, kann man es fast nicht glauben, dass es sich hier um einen TV-Film handelt, der damals in dieser Form tatsächlich ausgestrahlt wurde. Denn REIFEZEUGNIS ist tatsächlich ziemlich heftiger Tobak. Wegen seiner Ausgangssituation, der – auch durchaus explizit dargestellten – Affäre zwischen dem Lehrer und der minderjährigen Schülerin, wegen der Darstellung einer versuchten Vergewaltigung unter Schülern mit anschließender Todesfolge, wegen des teilweise unfassbaren Verhaltens weiterer Beteiligter im Verlauf der Geschichte, welches einem aus heutiger Sicht nicht wenige Fragezeichen raushaut. Und vor allem auch wegen der doch sehr zeigefreudigen Inszenierung der bei den Dreharbeiten wohl noch nicht mal 16 Jahre alt gewesenen Nastassja Kinski, welche ich schon mehr als grenzwertig erachte. REIFEZEUGNIS könnte heute in dieser Form wohl aus verschiedenen Gründen definitiv nicht mehr gedreht werden und liefert so wie er ist natürlich auch ein interessantes Zeugnis einer unbekümmerteren und unbedarfteren Zeit ab.

Aber ganz ungeachtet diverser, aus heutiger Sicht sicher fragwürdiger Inszenierungsentscheidungen, ist REIFEZEUGNIS in erster Linie ein richtiger toller Mix aus Liebesdrama und Kriminalfilm geworden, der seine Spannung nicht aus der Frage zieht, wer das jugendliche Opfer umgebracht hat – hier hat der Zuschauer gegenüber den Ermittlern ja einen Wissensvorsprung -, sondern vielmehr daraus, ob und wie der Kommissar die Wahrheit herausfinden wird und welche Konsequenzen dies nach sich zieht. REIFEZEUGNIS ist von der ersten Minute an packend, wird mit zunehmender Laufzeit immer spannender und kann insbesondere auch auf schauspielerischer Seite absolut überzeugen. Besonders hervorzuheben ist dabei die Leistung von Nastassja Kinski. Die war zuvor im Wenders-Film FALSCHE BEWEGUNG und in der Hammer-Produktion TO THE DEVIL A DAUGHTER zu sehen und liefert in ihrer ersten echten Hauptrolle eine Darbietung ab, vor der man nur sämtliche etwa vorhandenen Hüte ziehen kann.

Bewertung: Hervorragend!

 

THE LEGO MOVIE (Australien/Dänemark/USA 2014, Regie: Phil Lord/Christopher Miller)

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(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

Wer schon immer mal Superman, Batman, Green Lantern, Wonder Woman, Han Solo, C-3PO, Abraham Lincoln, Gandalf, Dumbledore, u.v.a. gemeinsam in einem Film sehen wollte, muss sich wohl oder übel THE LEGO MOVIE ansehen. Die beiden Regisseure Phil Lord und Christopher Miller, die vor allem durch ihre durchgeknallte Serienadaption 21 JUMP STREET und deren Fortsetzung bekannt sein dürften, schicken all diese Figuren in ein wildes Abenteuer durch diverse Legowelten. Held des Films ist der von Chris Pratt gesprochene Emmet, ein einfacher Arbeiter, der es gemeinsam mit der kämpferischen Lucy (gesprochen von Elizabeth Banks) gegen den fiesen President Business (Will Ferrell lieh seine Stimme) aufnehmen muss, um die verschiedenen Legowelten vor einer Katastrophe zu retten.

THE LEGO MOVIE ist laut, schrill, rasant, überzeugt mit einer großen Liebe zum Detail und funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Schließlich besteht (fast) der ganze Film aus zum Leben erweckten Lego-Figuren, die durch mit Lego-Bausteinen erbauten Welten wüten. Ich selbst bin mittlerweile jedoch einfach zu alt für so einen Kram, fand THE LEGO MOVIE zwar ganz hübsch gemacht, mit zunehmender Laufzeit aber auch extrem ermüdend. Zudem waren die 3D-Effekte für einen Animationsfilm eine echte Enttäuschung. Dafür war das Ende ziemlich toll.

Bewertung: Nett!

 

VELVET GOLDMINE (Großbritannien/USA 1998, Regie: Todd Haynes)

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(Fassung: Blu-ray, Miramax/Lionsgate, USA)

VELVET GOLDMINE erzählt die Geschichte des Journalisten Arthur Stuart (Christian Bale), der sich im Jahr 1984 für eine Story auf die Suche nach dem seit einigen Jahren wie vom Erdboden verschwundenen Glam-Rock-Superstar Brian Slade (Jonathan Rhys Meyers) macht und damit gleichzeitig eine Reise in die eigene Vergangenheit unternimmt…

VELVET GOLDMINE ist eine kunterbunte Liebeserklärung an die Glam-Rock-Zeit der 70er Jahre, der gesuchte Superstar Brian Slade dabei leicht an David Bowie und die zweite zentrale Musikerfigur des Films, der von Ewan McGregor gespielte Curt Wild, leicht an Iggy Pop angelehnt. Haynes’ Film lebt dabei in erster Linie von seiner – teils auch durchaus melancholischen – Stimmung, die einen als Zuschauer regelrecht per Zeitmaschine in die 70er Jahre zu versetzen scheint, von seinem verschachtelten Aufbau (die Geschichte wird nicht chronologisch sondern immer wieder in diversen Rückblenden erzählt), der dafür sorgt, dass keinerlei Langeweile aufkommt und VELVET GOLDMINE immer spannend bleibt, und ganz entscheidend auch von seinen audio-visuellen Schlüsselreizen, die Augen und Ohren des Zuschauers regelrecht zum Überlaufen bringen. Set- und Kostüm-Design sind schlicht atemberaubend und der Soundtrack ist – sofern man mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann – der absolute Knaller. Da VELVET GOLDMINE zudem auch noch hervorragend gespielt ist – insbesondere Ewan McGregor als Curt Wild wäre hervorzuheben – und es Abzüge lediglich in der B-Note gibt (weil der Film im letzten Drittel dann doch im einen oder anderen Klischee versinkt), kann ich für alle, die ein Faible für Musikfilme und/oder Zeitportraits der 70er Jahre haben, nur eine glasklare Empfehlung aussprechen.

Bewertung: Sehr gut!

 

DIE ENGEL VON ST. PAULI (Deutschland 1969, Regie: Jürgen Roland)

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(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

Noch einer dieser wunderbaren St.-Pauli-Filme. Dieses Mal geht es um zwei rivalisierende Zuhälter, die sich auf der Reeperbahn mit harten Bandagen bekämpfen. Eine Geschichte, die Regisseur Jürgen Roland wohl so gut gefallen hat, dass er sie vier Jahre später in ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN – meinem persönlichen Lieblingsfilm aus diesem Subgenre – noch einmal so ähnlich und sogar ein bisschen spektakulärer erzählen sollte. Obwohl man sich auch hier nicht über fehlendes Spektakel beklagen kann. Denn auch DIE ENGEL VON ST. PAULI bietet dem Genrefreund all das, was er so sehr an diesen Filmen mag. Natürlich in erster Linie diesen unvergleichlichen Zeit- und Lokalkolorit und diesen wunderbaren Mikrokosmos, der randvoll mit authentisch wirkenden, durchtriebenen und rauen Typen ist, die sich zwar gegenseitig ohne Rücksicht auf große Verluste bekämpfen, dabei aber auch immer irgendwie ihre Ganovenehre im Hinterkopf zu haben scheinen. Schon die Begräbnis-Prozession über die Reeperbahn zu Beginn des Films, wenn der Tod einer Prostituierten betrauert wird, würde sich wunderbar für eine Hall of Fame unvergesslicher Momente in Exploitationfilmen eignen und so die Erwartungen, die dieser vielversprechende Auftakt beim Zuschauer entfacht, sollen in den folgenden knapp 100 Minuten mühelos erfüllt werden. Besonders hervorzuheben ist dabei das Duell der beiden Hauptdarsteller, die sich als Kontrahenten über die komplette Laufzeit des Films gegenüberstehen sollen. Auf der einen Seite der ebenso unterkühlt wie charismatisch wirkende Horst Frank als Jule Nickels, ein echter Hamburger, der einen mit durchdringendem Blick aus seinen stahlblauen Augen regelrecht zu durchbohren scheint. Auf der anderen Seite sein Widersacher Herbert Fux als schon mehr als schmierig wirkender Holleck, der mit originalgetreuem Wiener Schmäh die Macht über die sündige Meile an sich reißen will. Es sind auch die großartigen Leistungen von Frank und Fux, die DIE ENGEL VON ST. PAULI so sehenswert und unwiderstehlich machen.

Bewertung: Sehr gut!

 

SHUTTER (USA 2008, Regie: Masayuki Ochiai)

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(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Der grandiose RINGU von Regisseur Hideo Nakata aus dem Jahr 1998 hat den Horrorfilm entscheidend verändert. Fortan sollten Horrorfilme – insbesondere aus dem asiatischen Raum – bevorzugt von Mädchen mit schwarzen Haaren, Geistererscheinungen und schrecklichen, in der Vergangenheit liegenden Geheimnissen bevölkert werden. Und irgendwie scheint wirklich jeder dieser Horrorfilme aus Asien früher oder später ein US-Remake spendiert bekommen zu haben, welches nur in Ausnahmefällen an das Original herankam. Auch SHUTTER vom japanischen Regisseur Masayuki Ochiai ist ein Remake. Das gleichnamige Original, welches ich nicht kenne, stammt aus Thailand und kam 4 Jahre vor diesem Film hier in die Kinos. Eine Beurteilung, ob die US-Variante von SHUTTER eine der wenigen Ausnahmen sein könnte, welche die Regel bestätigt, und qualitativ dem Original ebenbürtig sein könnte, kann ich mir somit nicht wirklich erlauben. Ich lehne mich jedoch soweit aus dem Fenster, einfach mal behaupten zu wollen, dass ich es mir nach Sichtung dieses Films nicht wirklich vorstellen kann.

In SHUTTER wird ein junges Ehepaar von einem Geist verfolgt und am Ende des Films kommt ein mehr oder weniger schreckliches Geheimnis zum Vorschein. So weit, so gut, so wenig überraschend. Ochiais Film fügt sich wunderbar in diese schier unübersichtliche Masse von „Mädchen mit schwarzen Haaren“-Filmen ein. Während es Ochiai in der ersten Hälfte des Films noch durchaus gelingt, so etwas wie Spannung und eine Atmosphäre des stetigen Unbehagens mit den typischen Mitteln – flackernde Lichter, unerklärliche Streifen in gerade geknipsten Fotos, kurze Geistererscheinungen, usw. – zu erzeugen, flacht SHUTTER in der zweiten Hälfte, wenn es eigentlich ans Eingemachte gehen sollte, extrem ab. Die vorherigen Andeutungen werden konkreter,  der Geist ist immer häufiger und auch in längeren Einstellungen zu sehen und sein Erscheinen hat praktisch keinerlei „shock value“ mehr. Je länger SHUTTER dauert, desto mehr verkommt der Film zur billigen Kirmesveranstaltung und wenn der Abspann schließlich einsetzt, macht sich einmal mehr das Gefühl breit, dass man Filme dieser Art einfach schon viel zu häufig gesehen hat und es einfach keine Überraschungen mehr in diesem Bereich zu geben scheint. Aufgrund der guten ersten Hälfte geht SHUTTER schon in Ordnung, als mehr als einen netten Timewaster möchte ich ihn jetzt aber nicht unbedingt bezeichnen.

Bewertung: Ok!

 

GIGI (USA 1958, Regie: Vincente Minnelli)

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(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Zum Abschluss meines Filmmonats November, der ja doch von einer gewissen Genrevielfalt geprägt war, noch ein klassisches Hollywood-Musical aus den 50er Jahren.

GIGI entführt den Zuschauer ins Paris Anfang des 20. Jahrhunderts, in dem sich der ebenso gelangweilte wie dekadente Lebemann Gaston (Louis Jourdan) über eine Laufzeit von knapp 2 Stunden mehr und mehr in die ebenso zauberhafte wie unbedarfte Gigi (Leslie Caron) verliebt.

Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Beste Ausstattung, Beste Kostüme, Bester Schnitt, Bester Originalsong und Bester Score – GIGI hat insgesamt 9 Oscars gewonnen und steht sinnbildlich für ein pompöses, sich selbst feierndes Hollywood. GIGI versinkt auf allen Ebenen im Kitsch, ist ebenso harmlos wie naiv und das aufregendste an dem Film ist der eine oder andere leicht frivol angehauchte Dialog. Man muss sich auf so einen Film einlassen können und wollen um nicht kreischend davonzulaufen. Gelingt einem dies, wird man von Minnellis für knapp 2 Stunden in eine Parallelwelt entführt, in die man sich einfach ohne große Gedanken fallen lassen kann. Man landet ausgesprochen weich, kann für die Dauer des Films abschalten und vom lästigen Alltag entfliehen. Sonderlich viel mehr kann ein Film wie GIGI heute nicht mehr leisten.

Bewertung: Nett!

 

 

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November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 5

THE RUNNING MAN (USA 1987, Regie: Paul Michael Glaser)

the running man

(Fassung: Blu-ray, Olive Films, USA)

Lose basierend auf einem Roman von Stephen King, den dieser einst unter seinem Pseudonym Richard Bachmann verfasste, katapultiert THE RUNNING MAN den Zuschauer in eine dystopische Zukunft, in der die USA nach einer großen Wirtschaftskrise von einem totalitären System regiert werden, die Bevölkerung mit Hilfe des Fernsehens belogen und manipuliert wird und eine sadistische Gameshow, in der Verbrecher von schwerbewaffneten Killern gejagt und getötet werden, zum größten Opium für das Volk geworden ist. Die Idee des Films an sich ist natürlich nicht neu, bereits der deutsche TV-Film DAS MILLIONENSPIEL aus dem Jahr 1970 zeichnete eine ganz ähnliche, düstere Zukunftsvision und übte – ebenso wie Glasers King-Verfilmung – harsche Medienkritik.

An die ganz große Klasse vieler weiterer Actionfilme, die Schwarzenegger damals gedreht hatte – ich denke an COMMANDO, PREDATOR, TOTAL RECALL und natürlich THE TERMINATOR – kommt THE RUNNING MAN nicht ganz heran. Der Film kommt einem zwischen diesen Dinos fast etwas klein vor, das unterirdische Game-Show-Setting wirkt arg beengt, die verschiedenen Jäger werden relativ schnell abgefertigt und wirklich ausufernde Actionsequenzen sind auch eher Mangelware. Aus halbwegs objektiver Sicht wird man wohl auch zugeben müssen, dass THE RUNNING MAN von allen Schwarzenegger-Filmen aus den 80er Jahren der ist, der vielleicht am schlechtesten gealtert ist. Die damals noch futuristischen Kostüme der Gejagten und Jäger muten nur noch absurd-komisch an – insbesondere Dynamo kommt eher als Lachnummer und nicht ernstzunehmende Bedrohung rüber – und was von THE RUNNING MAN unterhaltungstechnisch am Ende bleibt sind vor allem Arnies typische One-Liner.

Wenn man wie ich THE RUNNING MAN jedoch damals im Kino sehen durfte, in einer Zeit, in der sie es mit Alterskontrollen zum Glück noch nicht ganz so ernst nahmen, wird man verzeihen, dass ich diesen Film hier unmöglich objektiv und neutral bewerten kann. Ich habe ihn nun schon lange Jahre nicht mehr gesehen und die jetzige Sichtung war wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Schwarzenegger war neben Stallone der ganz große Action-Held meiner Jugend, ich werde alle seine Filme von damals für immer im Herzen tragen und liebe auch THE RUNNING MAN auf seine ganz eigene Art und Weise.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

 

POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE (Deutschland 1964, Regie: Jürgen Roland)

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(Fassung: DVD, Polar Film, Deutschland)

Der Film beginnt mit einem Erzähler aus dem Off, der eine Bürgerversammlung kommentiert und mit dramatischer Stimme diverse Protagonisten vorstellt. Die Anfangs-Credits bestehen zu einem großen Bestandteil aus einer Texttafel, aus der hervorgeht, dass alle Vorkommnisse im folgenden Film wahr seien. POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE erinnert in diesen ersten Minuten an einen frühen Vertreter der wenige Jahre später so erfolgreichen Report-Filme, entpuppt sich dann aber doch schnell als episodenhaft erzählter Kriminalfilm mit einem Hauptplot und diversen Nebenhandlungsfäden.

Zentrale Figuren in POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE sind der gerade aus dem Gefängnis entlassene Bruno Kapp (Günther Ungeheuer) und Hauptwachtmeister Glantz (Wolfgang Kieling), der Kapp einst ins Zuchthaus brachte und an dem sich dieser nun rächen will. Während Glantz die Bedrohung nicht wirklich ernst nimmt, versucht Kapp alles, um an eine Waffe zu kommen. In das für Glantz anfangs gar nicht richtig wahrgenommene Katz-und-Maus-Spiel fügt Roland noch diverse andere Charaktere ein, von denen jeder in gewisser Weise seine ganze eigene Reeperbahn-Geschichte verpasst bekommt.

POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE ist ungemein abwechslungsreich und spannend inszeniert und überzeugt zudem mit verdammt viel Liebe zum Detail. Heimlicher Hauptdarsteller des Films ist natürlich der berühmt-berüchtigte Hamburger Stadtteil, der dem Zuschauer hier mit überzeugendem und für die Qualität solcher Filme praktisch unbezahlbarem Lokalkolorit näher gebracht wird. Ein Mikrokosmos verschiedenster Charaktere, der in Rolands Film ungeheuer authentisch, lebendig und sympathisch wirkt.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

TONARI NO TOTORO (aka MY NEIGHBOR TOTORO) (Japan 1988, Regie: Hayao Miyazaki)

tonari no totoro

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

 In TONARI NO TOTORO beziehen die beiden Schwestern Mei und Satsuki gemeinsam mit ihrem Vater ein Haus auf dem Land um näher bei ihrer Mutter zu sein, die sich im nahegelegenen Krankenhaus von einer schweren Krankheit erholt, und freunden sich beim Spielen im Wald mit dem riesigen Waldwesen Totoro an…

TONARI NO TOTORO zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es ein durchweg positiver Film geworden ist, es gibt keine Bösewichter, hier regiert einzig und allein das Gute und würde man behaupten, Miyazakis Film wärme regelrecht das Herz seiner Zuschauer, man würde sicher keinen Unsinn erzählen.

Die Animationen (heißt das bei diesen alten Trickfilmen schon so?) sind einfach nur wunderschön geraten, und die Tatsache, dass sie vielleicht noch keinen so extremen Detailreichtum aufzuweisen haben wie Miyazakis spätere Filme – insbesondere SEN TO CHIHIRO NO KAMIKAKUSHI und HAURU NO UGOKU SHIRO kommen da ins Gedächtnis – fällt in keiner Weise negativ ins Gewicht. TONARI NO TOTORO ist einfach toll und schon allein wegen dieser grandiosen Sequenz sehenswert, in der die beiden Kinder und Totoro im Regen auf den Bus warten. Pure Kinomagie ohne echte Schauspieler.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

 

ALL CHEERLEADERS DIE (USA 2013, Regie: Lucky McKee/Chris Sivertson)

all cheerleaders die

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Regisseur Lucky McKee hat mit THE WOMAN im Jahr 2011 einen der verstörendsten Horrorfilme der letzten Jahre gedreht, ein Film, der dem Zuschauer einiges abverlangt hat und bestens dazu geeignet war, unbedarfte Menschen nachhaltig zu verschrecken. ALL CHEERLEADERS DIE, den McKee gemeinsam mit Chris Sivertson realisiert hat – die beiden haben mit diesem abendfüllenden Spielfilm praktisch ein Remake ihres eigenen, gleichnamigen Debüt-Kurzfilms gedreht -, könnte sich vom Vorgängerfilm wohl nicht größer unterscheiden. ALL CHEERLEADERS DIE ist eine Horrorkomödie um Zombie-Cheerleader, in der genüsslich vorherrschende Rollenklischees zunächst überspitzt dargestellt und dann komplett durch den Fleischwolf gedreht werden. Was dem Film jedoch abgeht, ist ein gewisser Drive. ALL CHEERLEADERS plätschert eher gemächlich vor sich hin, präsentiert einige nette Gags und ein paar ebenso nette Effekte, kommt dabei aber irgendwie auch nie über das Qualitätsmerkmal nett und unterhaltsam hinaus.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WARRIOR (USA 2011, Regie: Gavin O’Connor)

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(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

In WARRIOR nehmen zwei Brüder (Joel Edgerton und Tom Hardy) aus verschiedenen Gründen an einem mit 5 Mio. Dollar dotierten Mixed-Martial-Arts-Turnier teil und stehen sich letztendlich im Finale als Gegner gegenüber…

Das Grundkonstrukt von WARRIOR ist vielleicht recht simpel, unter der Fassade des Sportfilms steckt aber noch ein bewegendes Familiendrama, welches mit authentischen und glaubwürdigen Charakteren zu überzeugen weiß. Der große Clou von WARRIOR ist es, dem Zuschauer zwei potentielle Sympathieträger zu präsentieren, die sich hier gegenüber stehen. Beide mit Ecken und Kanten, beide mit Fehlern, beide sicher streitbar. Es liegt am Zuschauer, wem er letztendlich die Daumen drücken will und das führt dazu, dass der Schlusskampf dann auch wirklich zur spannenden Zerreißprobe wird, da man eben nicht schon von vornherein davon ausgehen kann, dass der persönliche Favorit als Sieger hervorgehen wird. Gespielt ist WARRIOR schlicht grandios, die Kampfszenen sind atemberaubend inszeniert und den ganzen Film möchte ich einfach mal mit dem Wort einnehmend beschreiben. Es ist lange her, dass mich ein Film so dermaßen vor dem heimischen Fernseher gefesselt hat wie dieser hier. Da schaltet man ohne große Erwartungen den Blu-ray-Player an und wird dann über knapp 2,5 Stunden regelrecht weggeblasen. Ich bin schlichtweg begeistert, WARRIOR ist einer dieser Filme, die ich persönlich einfach mal als perfekt bezeichnen möchte.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!

 

HIN UND WEG (Deutschland 2014, Regie: Christian Zübert)

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(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

In HIN UND WEG begibt sich eine Handvoll Freunde auf eine alljährliche Radtour, die sie dieses Mal nach Belgien führen wird, einem Land, das Hannes (Florian David Fitz), der Organisator der Reise, aus gutem Grund gewählt hat. Hannes ist unheilbar an ALS erkrankt und möchte nach Belgien, um dort in Frieden sterben zu können. Und auf dem Weg dorthin müssen seine Freunde wohl oder übel irgendwann von seiner Krankheit und seinem Vorhaben erfahren…

Trotz seines ernsten Themas ist HIN UND WEG kein betrübender oder gar deprimierender Film geworden. Regisseur Christian Zübert hat über weite Strecken eigentlich sogar das Gegenteil davon gedreht. HIN UND WEG ist in erster Linie positiv, lebensbejahend und eine Liebeserklärung an echte Freundschaften, daran, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Die verschiedenen Charaktere mögen in Ansätzen vielleicht klischeehaft erscheinen, sind bei näherer Betrachtung aber vielleicht auch einfach nur ganz gewöhnliche Menschen mit typischen Stärken und Schwächen. Als Zuschauer kann man sich wunderbar mit den verschiedenen Protagonisten identifizieren, man scheint ihre Macken teilweise nur zu gut zu kennen, kann ihre Handlungen nachvollziehen, leidet und lacht mit ihnen gemeinsam. In gewisser Weise ist HIN UND WEG ein ausgesprochen schöner Film geworden und es tut gut, zu sehen, dass das deutsche Kino ab und zu auch mal Filme hervorbringt, die nicht in das typische Beziehungskomödienklischee passen.

Aber HIN UND WEG hat in meinen Augen auch ein paar Schattenseiten. Das letzte Drittel, in dem die Freunde ans Ziel ihrer Tour angelangen und dieses Ziel gleichzeitig das Ende von Hannes’ Leben bedeuten wird, hätte ich mir etwas mehr Zurückhaltung in der Inszenierung gewünscht. Die Geschehnisse sind mir persönlich etwas zu explizit und zu krass dargestellt, man hätte das auch anders lösen können.

Wobei ich mir im Endeffekt da gar kein großes Urteil erlauben möchte, vielleicht war genau diese Form auch die richtige. Vielleicht waren dieser extreme Bruch in der Stimmung des Films und das explizite Zeigen der Sterbehilfe auch zwingend notwendig, um die Zuschauer wachzurütteln und zum Nachdenken über dieses ernste Thema zu bewegen. Vielleicht hätte eine zurückhaltendere Inszenierung das doch ernste Thema des Films zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Am Ende des Tages muss das wohl jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

TED 2 (USA 2015, Regie: Seth MacFarlane)

ted 2

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Großbritannien)

Etwas maue Fortsetzung des doch so wunderbar bissigen Vorgängers aus dem Jahr 2012. In TED 2 heiratet der einst lebendig gewordene Teddybär – dem erneut Regisseur Seth MacFarlane seine Stimme geliehen hat – seine große Liebe Tami-Lynn (Jessica Barth) und führt zunächst ein eigentlich stinknormales Leben. Doch schon bald gibt es erste Probleme in der Beziehung, die jedoch mit Nachwuchs gelöst werden sollen. Da dies jedoch nicht auf dem herkömmlichen Weg möglich ist, stellt das ungleiche Paar einen Adoptionsantrag und gerät so ins Visier der Behörden. Ted soll vor Gericht zum Gebrauchsobjekt deklariert werden und kämpft nun gemeinsam mit seinem besten Kumpel John (Mark Wahlberg) und der kiffenden Anwältin Samantha (Amanda Seyfried) um seine Persönlichkeitsrechte.

Der Plot von TED 2 ist – ähnlich wie der des Vorgängers – natürlich wieder herrlich absurd geraten und der Handlungsverlauf verfügt auch durchaus über ein nicht wegzuleugnendes Unterhaltungspotential abgeht. Was TED 2 jedoch fast komplett abgeht ist die extreme Bissigkeit von TED und dessen irrsinniger Gross-Out-Humor. Der beste Gag in dieser Richtung – Stichwort: Samenbank – wird schon relativ früh abgefeuert, danach gibt es noch ein paar vereinzelte Geschmacklosigkeiten der etwas derberen Sorte und ein bisschen „offensive dialogue“, über weite Strecken geht es in TED 2 aber doch sehr gesittet, harmlos und verdammt gemäßigt zur Sache.

Persönliche Bewertung: Nett!

 

JÜRGEN ROLAND’S ST. PAULI-REPORT (Deutschland 1971, Regie: Jürgen Roland)

jürgen roland's st. pauli-report

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Wie es der Titel schon verrät ist dieser Film von Regisseur Jürgen Roland – im Gegensatz zu dem einige Tage zuvor gesehenen POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE – nun tatsächlich ein echter Report-Film mit allem, was so dazugehört. Der Regisseur selbst führt als aktiver Erzähler vor der Kamera durch den Film und konfrontiert den nach Unterhaltung und Schauwerten lechzenden Zuschauer diverse Geschichten von der sündigen Meile. Wie sich das für echte Report-Filme gehört, sind diese abwechselnd komisch, spannend und dramatisch geraten und verfügen jeweils über recht schwankende Qualität. Auch dieser Film lebt vor allem von seinem Handlungsort und den sympathisch-obskuren Figuren, die ihn bevölkern. Für den Freund des gepflegten Exploitationfilms gibt es ein paar nette Schauwerte und – insbesondere in der Episode mit Rudolf Schündler als notgeilem Onkel Troll (!!!) – eine gehörige Portion Sleaze. An die Qualität eines Films wie POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE kommt JÜRGEN ROLAND’S ST. PAULI-REPORT jedoch nie heran.

Persönliche Bewertung: Nett!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 4

MAD LOVE (USA 1935, Regie: Karl Freund)

mad love

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Der ebenso verrückte wie geniale Chirurg Dr. Gogol (Peter Lorre) ist von der Theaterschauspielerin Yvonne Orlac (Frances Drake) so besessen, dass er sogar eine Wachsstatue von ihr in seiner Wohnung stehen hat. Zu seinem Entsetzen muss Gogol jedoch feststellen, dass seine Angebetete mit dem Konzertpianisten Stephen Orlac (Colin Clive) verheiratet ist und sein Traum, mit Yvonne den Rest seines Lebens zu verbringen, wohl eher nicht in Erfüllung gehen wird. Als Stephens Hände bei einem Zugunglück regelrecht zerschmettert werden und es praktisch keine Alternativen zur Amputation gibt, wendet sich Yvonne in ihrer Verzweiflung an Gogol. Mit fatalen Folgen…

MAD LOVE ist eine Mischung aus Liebesgeschichte (wenn man es denn so bezeichnen mag) und Horrorfilm, die Lösung, die Gogol für den Verunglückten bereit hält, besteht darin, ihm die Hände eines erst kürzlich hingerichteten Mörders zu transplantieren und die entwickeln schon bald ein Eigenleben. Gogol sieht darin seine große Chance, den Gatten aus dem Weg zu räumen. Peter Lorre ist schlicht großartig in der Rolle des verrückten Arztes, sein Spiel einfach nur unheimlich und furchteinflößend, aus seinen Augen scheint der Wahnsinn regelrecht zu funkeln. Regisseur Karl Freund hat MAD LOVE mit Hilfe seiner beiden Kameramänner Chester A. Lyons und Gregg Toland zudem in ausgesprochen düstere und beunruhigende Schwarz/Weiß-Bilder gepackt, die dem Film auch heute noch eine schaurig-schöne Atmosphäre verleihen, welche jedoch auch immer wieder durch komische Sequenzen, die insbesondere mit Gogols ständig betrunkener Haushälterin zu tun haben, aufgelockert wird. Für Freunde klassischen Gruselkinos gibt es von mir eine klare Empfehlung für MAD LOVE.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE (USA 2015, Regie: R.D. Braunstein)

i spit on your grave iii - vengeance is mine

(Fassung: Blu-ray, Platform Entertainment, Großbritannien)

 Mit DAY OF THE WOMAN (besser bekannt unter seinem Wiederaufführungstitel I SPIT ON YOUR GRAVE) hat Regisseur Meir Zarchi im Jahr 1978 einen der wohl verstörendsten Filme seiner Zeit gedreht, einen Film, der ein ganzes – sicher ausgesprochen streitbares – Subgenre definiert und bis zum heutigen Tage nichts von seinem Verstörungspotential verloren hat. Im Jahr 2010 kam ein überraschend gut gelungenes Remake in die Kinos, welches dem Original über weite Strecken durchaus gerecht wurde. Nach einem reichlich asozialen Sequel im Jahr 2013, welches lediglich das Genre mit dem Original/Remake teilte und ansonsten nichts mit der Story zu tun hatte, kam nun mit I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE eine echte Fortsetzung heraus, in der wie im Remake erneut Sarah Butler in der Rolle der Jennifer Hills zu sehen ist.

Diese hat mittlerweile ihren Namen geändert, ist untergetaucht und versucht noch immer die Erlebnisse von einst – die in kurzen Rückblenden noch mal ansatzweise visualisiert werden – zu verarbeiten. Der kompletten Männerwelt gegenüber ausnahmslos misstrauisch eingestellt, verliert sich Jennifer immer mehr in Gewaltfantasien und sucht schließlich Hilfe in einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer, in der sie die Außenseiterin Marla (Jennifer Landon) kennenlernt und sich mit ihr anfreundet. Als Marla von ihrem gewalttätigen Exfreund ermordet wird und der Täter aus Mangel an Beweisen auf freien Fuß kommt, nimmt Jennifer das Recht in die eigenen Hände…

Mit I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE vollzieht Regisseur R.D. Braunstein einen Wechsel im Genre, weg vom Rape-and-Revenge-Film, hin zum Vigilanten- bzw. Selbstjustizfilm. Sein Beitrag zur Reihe erinnert mehr an die DEATH-WISH-Filme mit Charles Bronson als an Zarchis ursprünglicher Vision. Ohne Rücksicht auf Verluste hinterlässt der selbsternannte Racheengel eine mehr als beeindruckende Blutspur – Freunde des Horror- und Splatterfilms dürfen sich über einige deftige “creative killings“ freuen – und agiert als Erfüllungsgehilfin diverser Opfer männlicher Gewalt. Dass Braunsteins Film nicht zu sinn- und seelenlosen Nummernrevue verkommt, liegt – wie bereits im 5 Jahre zuvor entstandenen Remake – insbesondere an Hauptdarstellerin Sarah Butler, die schlichtweg großartig spielt, der Hauptfigur echtes Leben einhaucht, ihr einen echten Charakter verleiht und diese nicht nur zur austauschbaren Schablone verkommen lässt.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

MÄNNERHERZEN UND DIE GANZ GANZ GROSSE LIEBE (Deutschland 2011, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen und die ganz ganz große liebe

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

2 Jahre nach MÄNNERHERZEN inszenierte Regisseur Simon Verhoeven diese Fortsetzung, die unmittelbar an die Ereignisse aus dem ersten Teil anschließt (manche in kurzen Rückblenden auch wieder in Erinnerung ruft) und die Geschichten der verschiedenen Protagonisten erneut in episodenhafter Struktur weitererzählt. Der kurze Text, den ich zu MÄNNERHERZEN geschrieben habe, passt im Endeffekt auch für die Fortsetzung. Würde man sich beide Filme hintereinander anschauen, man würde lediglich durch den Abspann des ersten und den Vorspann des zweiten Teils daran erinnert werden, dass es sich tatsächlich um zwei Filme handelt. In Verbindung mit dem Vorgänger erzählt MÄNNERHERZEN UND DIE GANZ GANZ GROSSE LIEBE mehrere kleine, ineinander verwobene Geschichten und befindet sich qualitativ auf exakt demselben Niveau wie der erste Teil. Sehenswert ist auch dieser Film vor allem wegen Christian Ulmen, über den ich mich einmal mehr köstlich amüsiert habe, und Justus von Dohnányi, der seine absurde Performance aus MÄNNERHERZEN sogar noch toppen kann.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

CLOCKERS (USA 1995, Regie: Spike Lee)

clockers

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Spike Lee legt zum wiederholten Male den Finger in die Wunde und beschäftigt sich in CLOCKERS, der erneut in Brooklyn angesiedelt ist, mit dem aus Kriminalität und Drogenabhängigkeit bestehenden Teufelskreis.

Im Gegensatz zu seinen beiden Rassismus-Parabeln DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER, die trotz ihres ernsten Themas doch mit einer gewissen Leichtigkeit inszeniert waren, geht CLOCKERS jedoch jegliche Form von Leichtigkeit ab. Das macht sich bereits im Vorspann bemerkbar, wenn die Credits über Bilder blutüberströmter Leichen laufen, kann man sich als Zuschauer bereits darauf einstellen, dass einen in den nächsten 2 Stunden eher schwer verdauliche Kost vorgesetzt wird.

CLOCKERS dreht sich um den kleinen Dealer Strike (Mekhi Phifer), der zum Netzwerk des das Viertel beherrschenden Rodney Little (Delroy Lindo) gehört, und ins Visier des Polizisten Rocco Klein (Harvey Keitel) gehört. Der ist nach einem Mord an einem Imbissbesitzer nämlich davon überzeugt, dass Strike für die Tat verantwortlich ist und nicht der angeblich geständige Täter (Isaiah Washington), der sich bereits in Polizeigewahrsam befindet und bei dem es sich zufällig um Strikes Bruder handelt. Es entwickelt sich ein Psychospiel nach dem Katze-und-Maus-Prinzip zwischen Strike und Little.

Wie oben schon geschrieben ist CLOCKERS tatsächlich ausgesprochen schwer zu verdauen. Lees Film überzeugt zwar einmal mehr mit eindringlichen, schauspielerischen Leistungen und einer glaubwürdigen Milieuzeichnung, war mir persönlich insgesamt betrachtet jedoch etwas zu sperrig inszeniert. Vielleicht hat mich CLOCKERS auch einfach auf dem falschen Fuß erwischt, aber es ist mir einfach nicht gelungen, einen echten Zugang zu ihm zu finden. So ließ ich das Geschehen eher teilnahmslos an mir vorüberziehen und war am Ende froh, als der Abspann einsetzte. Eine endgültige Bewertung möchte ich mir eigentlich verkneifen, CLOCKERS ist einer der Kandidaten, denen ich – nachdem ich ja nun weiß, was auf mich zukommen wird – irgendwann noch eine zweite Chance geben muss. Ein Film, den ich gerne mehr gemocht hätte und in dem sicherlich viel Potential steckt.

(Vorläufige) persönliche Bewertung: Ok!

 

THE NATURAL (USA 1984, Regie: Barry Levinson)

the natural

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 In THE NATURAL will es das frühere Jahrhunderttalent Roy Hobbs (Robert Redford), dessen Karriere einst nach einem Mordversuch jäh beendet wurde, noch einmal wissen, heuert über 15 Jahre nach dem traumatischen Erlebnissen bei den New York Knights an und beginnt in relativ hohem Alter doch noch eine Karriere im Profi-Baseball…

Auch so ein typischer Award-Kandidat. Gewonnen hat THE NATURAL dann zwar nichts Nennenswertes, aber immerhin 4 Oscar-Nominierungen sind ja auch etwas, das man sich auf den Briefkopf schreiben kann. THE NATURAL besticht durch große Schauspielkunst, tolle Settings, schöne Bilder und eine fast schon epische Art der Inszenierung. Was einem hier jedoch in Sachen Plotkonstruktion geboten wird, übertrifft fast jedes Klischee, welches man dem ja sowieso immer ziemlich klischeebehafteten Sportfilm im Normalfall zubilligen mag. Die ganze Ausgangssituation von THE NATURAL ist nicht sonderlich glaubwürdig, der weitere Handlungsverlauf in Grundzügen fast schon lächerlich. Als der schwer gezeichnete Hobbs im alles entscheidenden Spiel, für dessen Teilnahme er sogar sein Leben riskiert, schließlich auch noch den Verlust seines geliebten und symbolüberladenen Schlägers, den er einst als Jugendlicher selbst gefertigt hatte, verkraften muss, dachte ich mir eigentlich nur “ach nö, bitte nicht auch noch…“. Dass das Spiel von Hobbs natürlich auch mit anderem Schläger entschieden wird, dürfte niemanden überraschen, wie dieser entscheidende Homerun dann aber inszeniert ist, sprengt sämtlichen Kitschgrenzen. Hobbs schlägt den Ball in den Lichtmast und begeht unter sprühenden Funken – fast wie eine Heiligenfigur – seinen letzten Homerun. An solchen Szenen können Filme durchaus scheitern. THE NATURAL tut dies irgendwie nicht, ich würde mit all seinen Handlungsschwächen, all seinen Klischee und dem ganzen übertriebenen Kitsch und Pathos nicht wirklich darauf kommen, ihn als nur mittelprächtigen oder gar schlechten Film bezeichnen zu wollen. Levinsons Film wird am Ende des Tages durch seine Besetzung gerettet. Wer Schauspieler wie Robert Redford, Robert Duvall, Glenn Close, Kim Basinger, Barbara Hershey, Joe Don Baker, Michael Madsen, u.a. gemeinsam vor der Kamera vereint, schafft es wohl allein aufgrund dieser geballten Schauspielkompetenz nicht, keinen guten Film zu inszenieren.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

LABOR DAY (USA 2013, Regie: Jason Reitman)

labor day

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

LABOR DAY führt Kate Winslet als alleinerziehende Mutter und Josh Brolin als verzweifelten Ausbrecher in einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte zusammen, erzählt die Geschichte zweier Menschen, die sich zufällig unter extremen Umständen kennenlernen, sich Hals über Kopf ineinander verlieben und sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass diese Liebe keine Zukunft haben wird. Regisseur Jason Reitman hat mit LABOR DAY eine Mischung aus Drama, Thriller und Romanze gedreht, die nicht mit dem üblichen Kitsch überläuft, sondern den Zuschauer vielmehr mit einer spannenden Geschichte unterhält. Die beiden Hauptfiguren eignen sich ganz vorzüglich dazu, um mit ihnen zu bangen und zu hoffen, dass diese Romanze positiv ausgehen wird. Aufgrund dieser Frage bleibt LABOR DAY bis zum Ende spannend, die Chemie zwischen Winslet und Brolin passt und als Zuschauer betet man regelrecht für ein Happy End für die beiden. Das Ende des Films ist sicher etwas kitschig, aber halt auch einfach nur wunderschön geraten und verursacht ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Ein kleiner, feiner Film und gleichzeitig auch ein flammendes Plädoyer, einfach mal an das Gute im Menschen zu glauben.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

SEABISCUIT (USA 2003, Regie: Gary Ross)

seabiscuit

(Fassung: DVD, DreamWorks, Deutschland)

 SEABISCUIT erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte eines halbblinden Jockeys (Tobey Maguire), der in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem titelgebenden, lahmenden und bereits aussortierten Rennpferd Geschichte im Pferderennsport geschrieben hat. Noch so eine Außenseitergeschichte, die sich natürlich ganz vorzüglich für eine auf möglichst viele Auszeichnungen schielende Verfilmung eignet. Immerhin sieben Nominierungen für den Oscar und zwei Nominierungen bei den Golden Globes sprangen letztendlich heraus. Ausgezeichnet ist an SEABISCUIT vor allem die Zeichnung der Zeit, in der er spielt. Das USA der 30er Jahre kommt ausgesprochen glaubwürdig und authentisch rüber, die Ausstattung des Films ist schlicht superb. Die Geschichte selbst brauchte für meinen Geschmack etwas zu viel Zeit um in Gang zu kommen, so richtig interessant und spannend wurde SEABISCUIT eigentlich erst in der zweiten Hälfte. Dafür sind die diversen Szenen der Pferderennen ungemein intensiv geraten, das Ende verursacht Gänsehaut und Jeff Bridges ist in einer der Hauptrollen mit von der Partie. Und irgendwie ist jeder Film, in dem Jeff Bridges mitspielt, ein guter Film, auch dieser hier.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

WILD (USA 2014, Regie: Jean-Marc Vallée)

wild

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Noch ein Film, der auf wahren Begebenheiten beruht. WILD erzählt die Geschichte von Cheryl Strayed, die in den 90er Jahren im Alter von 26 auf drastische Art und Weise einen neuen Lebensabschnitt startete: Nach dem Tod ihrer Mutter, der Scheidung ihrer Ehe und um sich endgültig von ihrem exzessiven Lebensstil mit Heroinkonsum und ständigen wechselnden Sexualpartnern zu verabschieden, begab sich Strayed auf eine Weitwanderung auf den Pacific Crest Trail und legte so rund 1.600 Kilometer zurück.

Für Hauptdarstellerin Reese Witherspoon, die man wohl am wenigsten in einer solchen Rolle erwarten würde, war WILD eine Herzensangelegenheit. Sie sicherte sich die Filmrechte an Strayeds Buch, produzierte ihn und hatte so überhaupt erst die Möglichkeit, die Hauptrolle zu spielen. Und Reese Witherspoon ist in dieser Rolle, die so gar nicht ihrem üblichen Rollenklischee entspricht, tatsächlich schlichtweg großartig. WILD ist ein Film, der mich von Anfang gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Die Geschichte der Wanderung unterbricht Regisseur Jean-Marc Vallée immer wieder mit – teils extrem kurzen – Flashbacks, in denen der Zuschauer Details des früheren Lebens der Protagonistin zu sehen bekommt und dieses ständige Hin- und Herspringen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verleiht WILD eine ungemeine Dynamik, die ein Film, der lediglich eine junge Frau mit einem übergroßen Rucksack auf steinigen Wegen zeigen würde, wohl kaum erreichen könnte. Ein weiterer, riesiger Pluspunkt des Films ist natürlich die Kameraarbeit. Gedreht wurde u.a. im Crater Lake National Park in Oregon und die Landschaftsaufnahmen, die Kameramann Yves Bélanger da auf die Leinwand zaubert, sind teilweise zum Niederknien schön. Und um die Lobeshymne noch abzurunden möchte ich noch kurz auf die grandiose Musikauswahl eingehen. Die Sequenz, die mit “El Condor Pasa (If I Could)“ von Simon & Garfunkel unterlegt wurde, ist pure Magie, das perfekte Zusammenspiel zwischen Bild und Ton. Das gilt im Übrigen auch für die Szene, in der “Glory Box“ von Portishead Verwendung fand. Einfach nur toll. Wenn es an WILD überhaupt etwas auszusetzen ist, dann die mit knapp 2 Stunden viel zu knapp bemessene Laufzeit. Ich hätte Reese Witherspoon locker noch eine Stunde länger bei ihrer Wanderung durch die Wildnis zusehen können.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

LESBIAN VAMPIRE KILLERS (Großbritannien 2009, Regie: Phil Claydon)

lesbian vampire killers

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Die beiden Loser Jimmy (Mathew Horne) und Fletch (James Corden) beschließen im Suff, nachdem Jimmy wieder mal seine Freundin und Fletch seinen Job verloren hatte, einen Trip ins britische Hinterland zu unternehmen. Das Ziel wird durch den Wurf eines Dartpfeils ausgewählt und die Wahl hätte nicht schlechter ausfallen können. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sich die beiden Freunde mit lesbischen Vampiren (!!!) herumärgern…

LESBIAN VAMPIRE KILLERS ist das, was man gemeinhin als Partyfilm bezeichnet. Sympathischer Thrash, der keinen Hehl daraus macht, dass er nur existiert, um Blödsinn zu verbreiten und sein Zielpublikum mit diversen Schauwerten und ein paar netten Gags zu unterhalten. Funktioniert in diesem Fall auch recht gut, weil Claydon seinen Film mit diesem typischen, britischen Humor gespickt hat und die an die alten Hammer-Filme und diverse Gothic-Grusler erinnernden Locations und Settings schlichtweg toll sind.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WELCOME TO NEW YORK (Frankreich/USA 2014, Regie: Abel Ferrara)

welcome to new york

(Fassung: Blu-ray, Altitude, Großbritannien)

Im Mai 2011 wurde der damalige geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in New York festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens angeklagt. Die Klage wurde später wegen fehlender Glaubwürdigkeit des Opfers fallengelassen; Strauss-Kahn kam frei.

Dieser reale Fall diente als Vorlage für Ferraras fiktiven Film WELCOME TO NEW YORK, der die Ereignisse auf den erfundenen Machtmenschen Devereaux (Gérard Depardieu) überträgt, einem Unsympathen vor dem Herrn, einer einfach nur widerlichen Gestalt, die der Meinung ist, sich alles nehmen zu können, was ihr gefällt, einem Mann ohne jeglichen Respekt vor seinen Mitmenschen, einem sexsüchtigen Monster ohne Gewissen oder Schuldbewusstsein. Strauss-Kahn war von Ferraras Film verständlicherweise alles andere als begeistert, wollte sogar Klage erheben, sein Erscheinen konnte er glücklicherweise nicht verhindern.

WELCOME TO NEW YORK ist in meinen Augen schwer zu bewerten. Ist der Film in der ersten Hälfte noch wirklich ausgesprochen intensiv gespielt – ein genialer Schachzug ist die Besetzung der Hauptrolle mit Gérard Depardieu, einem Schauspieler, der, vorsichtig ausgedrückt, ja durch diverse Eskapaden in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt zu den unumstrittensten seines Fachs gehört, hier aber einfach nur großartig agiert und der Hauptfigur ein wahrlich erschreckendes Gesicht verleiht -, verliert sich der Film in der zweiten Hälfte immer mehr. Man weiß aufgrund des realen Falles, wie die ganze Sache ausgehen wird. Man weiß, dass es sich bei den Devereauxs dieser Welt um unbelehrbare und uneinsichtige Menschen handelt. Ferrara kann irgendwann keine neuen Erkenntnisse mehr liefern und vielleicht hätte dem Film eine etwas straffere Laufzeit ganz gut getan. Unbedingt sehenswert ist WELCOME TO NEW YORK in meinen Augen natürlich trotzdem.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

THE LONG, HOT SUMMER (USA 1958, Regie: Martin Ritt)

the long, hot summer

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

 Paul Newman ist der Rumtreiber Ben Quick, der schließlich in einer kleinen Stadt in den Südstaaten strandet und dort an den Patriarchen Will Varner (Orson Welles) gerät, der mit eiserner Hand sowohl seine Familie als auch die gesamte Kleinstadt regiert und Ben für seine Zwecke missbrauchen will…

Basierend auf diversen Kurzgeschichten von William Faulkner hat Regisseur Martin Ritt mit THE LONG, HOT SUMMER ein opulent ausgestattetes Südstaaten-Drama gedreht. THE LONG, HOT SUMMER ist ein Film voller Intrigen, Verrat, Liebe und Hass, mit einer schwül-heißen Atmosphäre und geschliffenen Dialogen, die mit ihren eindeutigen Zweideutigkeiten in sexueller Hinsicht damals so einige Zensoren sicher auf die Palme gebracht haben dürften. Im Zentrum des Films steht die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem von Newman gespielten Rumtreiber und Varners Tochter Clara (Joanne Woodward). In den Szenen, die Newman und Woodward gemeinsam haben, brennt regelrecht die Leinwand, die Chemie zwischen den beiden ist unbeschreiblich und es ist deutlich zu sehen, dass hier mehr dahintersteckt, als nur Schauspielerei. Eine Vermutung, die sich schließlich bewahrheiten sollte, den Newmann und Woodward wurden auch hinter der Kamera ein Paar und heirateten kurz nach Abschluss der Dreharbeiten.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller, der einfach großartige Orson Welles, die mehr als eindrucksvolle Kameraarbeit von Joseph LaShelle, die intensive Atmosphäre, die beeindruckenden Settings und vieles mehr machen THE LONG, HOT SUMMER zu einem dieser Filme, die man wohl einfach nur als “Großes Kino“ bezeichnen kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

FLASHDANCE (USA 1983, Regie: Adrian Lyne)

flashdance

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Schon die Titeleinblendung zu Beginn gibt die Marschrichtung der folgenden 90 Minuten vor. In Großbuchstaben fährt der Filmtitel durchs Bild, es gibt keine Einzeleinstellung, FLASHDANCE ist von der ersten Minute an in Bewegung und das soll sich auch nicht groß ändern.

Erzählt wird eine eher stereotype Geschichte einer jungen Frau mit einem großen Traum. Alex Owens (Jennifer Beals) arbeitet tagsüber als Schweißerin und geht an den Abenden in einer Bar ihrer großen Leidenschaft als Tänzerin nach. In aufwendigen Choreographien unterhält sie die Gäste, ihr großer Traum – das Tanzen zum Hauptberuf zu machen und den Durchbruch als Tänzerin zu schaffen – scheint in weiter Ferne. Wie das in Filmen wie diesem hier aber nun mal so ist, wird es ihr am Ende doch gelingen und auf dem Weg zum Ziel findet sie gleich noch die große Liebe.

FLASHDANCE ist auf den ersten Blick nur eine weitere Mischung aus einer typischen Underdog- und einer typischen Love-Story. Vergleicht man ihn aber bspw. mit DIRTY DANCING, der ja auch einen Tanzfilm mit einer Liebesgeschichte verbindet, so könnten die Unterschiede nicht größer sein. Der Grund dafür findet sich hinter der Kamera. Regisseur Adrian Lyne sollte nach FLASHDANCE u.a. NINE 1/2 WEEKS und FATAL ATTRACTION drehen, die beiden Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer insbesondere im Bereich des Actionkinos tätig sein. FLASHDANCE nimmt den Look späterer Actionfilme des Duos Simpson/Bruckheimer bereits vorweg, verstrahlt eine ähnlich kühle Atmosphäre wie Lynes spätere Filme und begeistert mit perfekt choreographierten Tanzszenen in Videoclipästhetik und einem dieser Soundtracks für die Ewigkeit. Man könnte FLASHDANCE auch als Prototyp des Kinos der 80er Jahre bezeichnen und wollte man sich diesen Film im Double Feature mit einem anderen Film ansehen, so wäre bspw. TOP GUN weitaus besser dazu geeignet als DIRTY DANCING und jeder, der einen Kanon essentieller Filme der 80er Jahre erstellen will, kommt in meinen Augen an Lynes FLASHDANCE nicht vorbei.

Abschließend noch was aus der Kategorie “unnützes Filmwissen zum wieder Vergessen“: Der Song Maniac von Michael Sembello, der durch diesen Film zum Hit wurde, hatte ursprünglich einen komplett anderen Text, wurde eigentlich inspiriert durch Lustigs gleichnamigen Film aus dem Jahr 1980 und handelte somit von einem Serienkiller. Sembellos Ehefrau hatte den Song in seiner ursprünglichen Fassung eher versehentlich mit auf ein Tape gepackt, welches an Paramount gesendet wurde, die Musik für FLASHDANCE suchten. Die Leute von Paramount waren von der Musik, nicht aber von den Lyrics begeistert und so musste Sembello einen neuen Text schreiben. Aus dem manischen Killer wurde eine manische Tänzerin.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

THE FIGHTER (USA 2010, Regie: David O. Russell)

the fighter

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Auch ein Film über einen Underdog, der den Weg an die Spitze schafft. Sogar auf wahren Begebenheiten beruhend. THE FIGHTER erzählt die Geschichte der beiden boxenden Brüder Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale) und Mickys beschwerlichen Weg an die Spitze in seiner Gewichtsklasse.

Russells Film ist in erster Linie mal das, was gemeinhin wohl als großes Schauspielerkino bezeichnet wird, ein Film, der sich irgendwie automatisch für diverse Preise qualifiziert (Bale und Melissa Leo, die die Mutter der beiden Brüder spielt, haben dann auch beide einen Oscar und einen Golden Globe in den Nebenrollen-Kategorien erhalten), sich in gewisser Weise vielleicht aber auch den Vorwurf gefallen lassen muss, dass er mitunter doch arg künstlich und gestellt wirkt. Es hat etwas gedauert, bis ich mit THE FIGHTER warm geworden bin. Insbesondere Bales Spiel war mir etwas zu exaltiert, etwas zu übertrieben, etwas zu gekünstelt. Aufgewogen wurde dies durch Melissa Leo, Amy Adams (in der Rolle von Mickys Freundin Charlene) und Mark Wahlberg, die allesamt das richtige Maß in ihrer Darstellung gefunden haben und deren Charaktere man auch tatsächlich ernst nehmen konnte. Und aufgewogen wurde das natürlich auch durch die Geschichte an sich, die mich irgendwann doch so gepackt hat, dass der eigentliche Störfaktor Bale vernachlässigt werden konnte. Und die mal etwas andere Inszenierung (insbesondere den Look betreffend) der Boxszenen fand ich auch ziemlich großartig.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

RUBBER (Angola/Frankreich 2010, Regie: Quentin Dupieux)

rubber

(Fassung: Blu-ray, Capelight, Deutschland)

Einen Film über einen Autoreifen drehen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, muss man aber nicht.

Sich einen Film über einen Autoreifen anschauen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, sollte man aber wohl nur, wenn man wirklich gar nichts anderes zu tun hat (also gerade auch nicht Farbe beim Trocknen oder Gras beim Wachsen zusehen kann).

Am Anfang von RUBBER erscheint ein Polizist in der Wüste, der sowohl dem Zuschauer vor der Leinwand als auch einer in diesem Moment noch nicht im Bild zu sehenden Gruppe von Menschen erklärt, dass alle großen Filme der Filmgeschichte Szenen beinhalten, für die es eigentlich keinen Grund gibt und dass der nun folgende Film diese Grundlosigkeit zu feiern gedenkt. Danach überreicht er der Gruppe Ferngläser und diese hat das ebenso zweifelhafte Vergnügen wie der Zuschauer, einen Autoreifen beim planlosen Durch-die-Wüste-rollen und Sachen-zum-Platzen-bringen zu beobachten.

RUBBER hatte gleich nach dieser Anfangssequenz bei mir verloren. Filme, die meinen, sich selbst – auch noch gleich zu Beginn – erklären zu müssen, disqualifizieren sich schon allein aufgrund dieser Tatsache. Aber selbst mit viel Wohlwollen und sämtlichen zugedrückten Augen kann ich mir persönlich einfach nicht erklären, weshalb man RUBBER tatsächlich für einen guten Film halten sollte. Die gut 80 Minuten Laufzeit ziehen sich wie Kaugummi, Dupieux’ Film ist einfach nur stinklangweilig und nervig, es gibt keine Spannung, keinen Witz und die Tatsache, dass hier Wings Hauser mitgewirkt hat, stimmt richtiggehend traurig.

Punkten kann RUBBER nur auf technischer Seite. Regisseur Dupieux, der auch für Drehbuch, Musik, Schnitt und die Kameraarbeit verantwortlich zeichnete, hat sich bei letzterer richtig ins Zeug gelegt und seinen Film mit einer Vielzahl an atemberaubenden Bildern und Einstellungen ausgestattet, die man sich gerne als Poster in Großformat an die Wand hängen möchte. Das stimmt ein kleines bisschen versöhnlich und lässt RUBBER nicht zum kompletten Ärgernis werden, die Kameraarbeit hätte aber definitiv einen besseren Film verdient gehabt.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen – wegen der tollen Kameraarbeit – wenigen guten Momenten)!

 

C(R)OOK (Deutschland/Österreich 2004, Regie: Pepe Danquart)

c(r)ook

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

C(R)OOK ist ein deutsch-österreichischer Tarantino-Klon, ein Film mit einer durchgeknallten Geschichte, ebenso durchgeknallten Charakteren, viel schwarzem Humor, schrägen Dialogen, absurden Situationen und all den anderen Spielereien, die man von Filmen dieser Art zur Genüge kennt. In den letzten Jahren sind Filme dieser Art erfreulicherweise etwas rarer geworden, man hat sich an ihnen satt gesehen, sie mögen einfach nicht mehr funktionieren.

C(R)OOK ist nun schon über 10 Jahre alt, damals waren Filme wie dieser noch an der Tagesordnung und zumindest der hier funktioniert auch heute noch – selbst wenn man ihn sich zum ersten Mal anschaut – erstaunlich gut. Das liegt in erster Linie an der großartigen Besetzung. Henry Hübchen als kochender Gangster Oskar und Corinna Harfouch als seine Freundin, die Therapeutin Maria, harmonieren einfach großartig miteinander, Josef Hader ist als Polizist Nowak ebenso in seinem Element wie Moritz Bleibtreu als leicht debiler Gangster Valentin, Roland Düringer als Valentins Sidekick Belmondo ist die absolute Schau und ein Film, in dem eine meiner absoluten deutschen Lieblingsschauspielerinnen, die bezaubernde und leider viel zu selten zu sehende Nadeshda Brennicke, mitwirkt, hat allein schon wegen ihr einen Stein bei mir im Brett. Lediglich den unnötigen Storytwist am Ende hätte es nicht gebraucht, der ist fast schon als ärgerlich zu bezeichnen.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 7 (USA 2011/2012, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Schon ein bisschen komisch, aber HOW I MET YOUR MOTHER gefällt mir mit jeder Staffel ein bisschen besser. Normalerweise ist bei Serien ja eher das Gegenteil der Fall. Auch im mittlerweile siebten Jahr dreht sich natürlich wieder alles um die Freundschaft der Protagonisten und Teds (Josh Radnor) Suche nach der Frau fürs Leben. Was sich bereits in den letzten beiden Staffeln angedeutet hatte, wird nun auch in Season 7 konsequent fortgeführt. Die Haupthandlung steht mehr im Vordergrund, die Episoden scheinen mehr miteinander verbunden zu sein, die extrem lose Erzählweise der ersten vier Staffeln ist nur noch selten vorhanden und in sich abgeschlossene Ereignisse, die früher in einer einzelnen Folge abgehandelt worden wären, finden nun größtenteils über mehrere Episoden statt. Vor allem die seit der vorherigen Staffel immer wieder eingestreuten, nachdenklichen Momente, tun der Serie richtig gut und verleihen den verschiedenen Charakteren auf ihre späten Serientage deutlich mehr Tiefe. In Sachen Gagdichte muss man den Autoren zudem ein ganz großes Kompliment machen. Die ist immer noch extrem hoch und Neil Patrick Harris glänzt in der Rolle des Barney Stinson einmal mehr in praktisch allen 24 Folgen. Er ist noch immer der Hauptgrund, weswegen die Serie so gut funktioniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

MÄNNERHERZEN (Deutschland 2009, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Deutsche Beziehungskomödie, die siebenhundertdreiundzwanzigste. Wobei MÄNNERHERZEN wohl deutlich besser und unterhaltsamer geraten sein dürfte als die meisten der unzähligen anderen Filme dieser Art, die seit dem Erfolg von Wortmanns DER BEWEGTE MANN im Jahr 1994 das Epizentrum des deutschen Kino- und TV-Films darstellen. Zwar gibt es auch hier die typischen Klischee-Figuren zu sehen und auch Til Schweiger gilt es einmal mehr zu ertragen, ansonsten ist Verhoeven da aber schon ein ausgesprochen unterhaltsamer Genrebeitrag gelungen. Das liegt vor allem an der episodenhaften Erzählweise, die für Abwechslung sorgt und die diversen, kleinen Geschichten der verschiedenen Protagonisten lose miteinander verbindet. Und das liegt insbesondere auch an Hauptdarsteller Christian Ulmen (wegen dem ich mir den Film überhaupt angesehen habe), der in seiner Rolle als verklemmter Beamter auf der Suche nach einer Freundin einfach nur zum Schreien komisch ist und alle sonstigen Schwächen des Films locker aufwiegt. Ach ja, Justus von Dohnányi als skurriler Schlagerstar ist auch ziemlich toll.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

SCACCO ALLA REGINA (Deutschland/Italien 1969, Regie: Pasquale Festa Campanile)

scacco alla regina

(Fassung: Blu-ray, Mondo Macabro, USA)

SCACCO ALLA REGINA erzählt die Geschichte der wohlhabenden, jungen Silvia (Haydée Politoff), die sich immer mehr in Tagträumen mit sexuellen Unterwerfungsfantasien verliert und sich dazu entschließt, als persönliche Assistentin der berühmten Schauspielerin Margaret Mevin (Rosanna Schiaffino) anzuheuern. Diese findet die Unterwürfigkeit ihrer neuen Angestellten überaus angenehm und nutzt diese schamlos aus…

Regisseur Pasquale Festa Campanile hat mit SCACCO ALLA REGINA ein Fest für die Sinne geschaffen. Die ausladende Villa der Schauspiel-Diva, die als Location gewählt wurde, ist schlicht atemberaubend, die Einrichtung dieser, mit ihrer Mischung aus 60er-Jahre-Chic und ausufernder Dekadenz (da steht ein mechanisches Pferd (!!!) im Wohnzimmer rum), schlichtweg traumhaft schön, die Wahl der Kostüme einfach zum Niederknien und stellenweise – insbesondere in Silvias Traumsequenzen – meint man, sich nicht in einem Film, sondern auf einem psychedelischen Trip zu befinden. Für Freunde des italienischen Films der 60er und 70er Jahre dürfte SCACCO ALLA REGINA allein aufgrund seines Set Designs schon eine echte Offenbarung darstellen. Die Geschichte rund um Dominanz und Unterwerfung geht in dieser visuellen Pracht fast etwas unter, wobei der Ansatz, den Pasquale Festa Campanile gewählt hat, um den Zuschauer die Begierden Silvias näher zu bringen, durchaus interessant ist. Die Problematik wird nicht exploitativ ausgeschlachtet (was sich sicher angeboten hätte), stattdessen bringt Festa Campanile viel Mitgefühl für seine Figuren auf, entwickelt die Beziehung zwischen Margaret und Silvia auf glaubwürdige Art und Weise und findet schließlich auch ein angemessenes Ende für seinen Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

MILLENNIUM DEL 5 & 6: LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES (Deutschland/Schweden 2010, Regie: Daniel Alfredson)

millennium del 5 & 6 - luftslottet som sprängdes_1

millennium del 5 & 6 - luftslottet som sprängdes_2

(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Der Abschluss der MILLENNIUM-Trilogie wurde erneut von Daniel Alfredson inszeniert, der auch schon für den Mittelteil verantwortlich zeichnete. Das macht auch Sinn, denn FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN und LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES sind im Endeffekt untrennbar miteinander verbunden, dieser Film hier könnte ohne den Vorgänger gar nicht existieren, würde ohne die Kenntnis der Ereignisse aus dem zweiten Teil gar keinen Sinn machen. Hier zeigt sich auch gut, dass das gewählte Format der TV-Mini-Serie praktisch alternativlos ist, die Entscheidung, FLICKAN und LUFTSLOTTET auch in gekürzten Fassungen – der Kinofassung des dritten Teil fehlen auch wieder gut 40 Minuten – ins Kino zu bringen, einzig und allein aus (durchaus verständlichen) finanziellen Gründen getroffen wurde, weil die Kinoversion des Auftaktfilms (der als einziger wirklich eigenständig funktioniert) damals so erfolgreich gewesen ist.

LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES schließt direkt an den Vorgänger an und beschäftigt sich nun intensiv mit der bis in höchste Kreise reichenden Verschwörung, die in FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN angedeutet wurde. Alfredsons Film hat dabei wieder mit demselben “Manko“ zu kämpfen wie der zweite Teil, nämlich der Tatsache, dass die beiden Hauptcharaktere aufgrund der literarischen Vorlage zu viel nebeneinander und zu wenig miteinander agieren, was letztendlich dazu führt, dass sich dieser Film qualitativ auf einem Level mit dem Vorgänger befindet und ebenso wie der Vorgänger nicht ganz an die große Klasse des Auftaktfilms heranreichen kann.

Fesselnd, spannend und enorm kurzweilig (die 3 Stunden Laufzeit vergehen einmal mehr wie im Flug) ist natürlich auch dieser Abschluss der Trilogie geraten, insbesondere das Schlussdrittel, mit seinen großartigen Szenen im Gerichtssaal, konnte mich als Fan von Justizthrillern und Gerichtsfilmen absolut begeistern.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 6 (USA 2013, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In der sechsten Staffel von TRUE BLOOD steht nun der – über weite Strecken reichlich unspektakuläre – Krieg zwischen Menschen und Vampiren ins Haus, neben all dem anderen Kram, den Vampire, Werwölfe, Gestaltenwandler und sonstige Fabelwesen so ausgesetzt sind.

Die von Alan Ball erfundene Serie hat sich in dieser vorletzten Staffel mittlerweile auf einem soliden Niveau eingependelt und lebt praktisch ausschließlich von einer Handvoll Nebencharaktere und der reichlich abstrusen Handlung, die teilweise so unfassbar bescheuert konstruiert zu sein scheint, dass man den Machern schon wieder einen gewissen Respekt zollen muss, die Serie in dieser Form auf das Publikum loszulassen. Absolutes Highlight sind die letzten beiden Episoden, in denen sich ein „What the Fuck!?!“-Moment an den nächsten reiht und die dafür sorgen, dass man die gesamte Staffel wohl weitaus wohlwollender beurteilt, als sie es eigentlich verdient hätte. Vom Glanz der Anfangszeit der Serie, ihrer teils herausragenden Qualität, ist nicht sonderlich viel übrig geblieben. Am Ende des Tages sind es tatsächlich die weiter oben schon genannten Nebencharaktere – insbesondere Chris Bauer als Andy Bellefleur, Kristin Bauer van Straten als Pam De Beaufort, Ryan Kwanten als Jason Stackhouse und Anna Camp als Sarah Newlin -, die der Serie allesamt ihren Stempel aufdrücken und dafür sorgen, dass TRUE BLOOD trotz aller offensichtlicher Schwächen doch irgendwie interessant und sehenswert bleibt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

ENTOURAGE (USA 2015, Regie: Doug Ellin)

entourage movie

(Fassung: Blu-ray, Warner, Großbritannien)

 

Die gleichnamige TV-Serie habe ich in der ersten Jahreshälfte regelrecht verschlungen. Nun hat Serienerfinder Doug Ellin eine Kinoversion von ENTOURAGE nachgelegt, bei der er auch selbst gleich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.

Im Kinofilm hat es sich Vince (Adrian Grenier) nun in den Kopf gesetzt, bei einem großen Projekt neben der Hauptrolle auch gleich noch Regie zu führen und Ari Gold (Jeremy Piven), mittlerweile an der Spitze eines großen Studios angelangt, hat die zweifelhafte Ehre, den Film zu realisieren. Doch nach Abschluss der Dreharbeiten weigert sich Vince, den Film zu zeigen und fordert mehr Geld, um noch gewisse Feinjustierungen vornehmen zu können, was Ari fast in den Wahnsinn treibt, denn sein texanischer Geldgeber (Billy Bob Thornton) und dessen Sohn (Haley Joel Osment) sind von der Idee, weitere Millionen in ein Projekt zu pumpen, welches sie noch nicht mal ansatzweise zu Gesicht bekommen haben, nicht gerade begeistert…

ENTOURAGE ist reiner Fanservice, ein Geschenk für die Fans der Serie, alle anderen werden mit diesem Film mit ziemlich hoher Sicherheit gar nichts anfangen können. Doug Ellin hat ausnahmslos alle wichtigen Charaktere auch in den Film integriert, ENTOURAGE schließt an das Ende der Serie an und eine Kenntnis der diversen Macken der verschiedenen Charaktere ist zwingende Voraussetzung um auch mit dem Film seinen Spaß zu haben. Auf der Erzählebene unterscheidet sich die Kinoversion nicht groß von den einzelnen Staffeln und Episoden der Serie, sie besticht lediglich durch eine opulentere Optik und mehr “production values“, was aber nicht sonderlich tragisch ist, denn im Endeffekt bekommt man als Fan exakt das, was man sich erwarten und erhoffen konnte. Jeremy Piven läuft als Ari Gold erneut zur Hochform auf, der ganze Film ist mit Cameos diverser Stars – u.a. Mark Wahlberg (auf dessen Erlebnissen als Jungschauspieler in Hollywood die Serie ja basiert), Liam Neeson, Jon Favreau, David Faustino, George Takei, Mike Tyson, T.I., Gary Busey, Pharrell Williams, Jessica Alba, die sich alle selbst spielen – nur so gespickt, eine Vielzahl der Dialoge ist einmal mehr zum Niederknien respektlos und herrlich politisch unkorrekt und der Spaßfaktor, den ENTOURAGE verbreitet, ist exorbitant hoch. Einen Film wie diesen nennt man dann wohl „guilty pleasure“.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

THE FAULT IN OUR STARS (USA 2014, Regie: Josh Boone)

the fault in our stars

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

 

In THE FAULT IN OUR STARS verliebt sich todkranke Hazel (Shailene Woodley) in den ebenfalls todkranken Gus (Ansel Elgort). Gemeinsam versuchen die beiden Teenager die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, zum Verwirklichen letzter Träume zu verwenden…

THE FAULT IN OUR STARS ist eine ebenso dramatische wie schöne Liebesgeschichte, ein Plädoyer für positives Denken, eine Liebeserklärung an das Leben, Lästermäuler dürfen Boones Film aber auch gerne als manipulativen Kitsch abkanzeln, der es versteht, beim Zuschauer die richtigen Knöpfe zu drücken und die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen, um diesen immer wieder zu Tränen zu rühren. Ich hab mich bereitwillig und gerne auf Boones Manipulationen eingelassen. THE FAULT IN OUR STARS ist gleichzeitig todtraurig und wunderschön, berührend, bewegend und mitten ins Herz treffend. Und ja, die eine oder andere Träne kann man sich am Ende tatsächlich nicht verkneifen. Ich steh dazu.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

A MOST WANTED MAN (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Anton Corbijn)

a most wanted man

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

 

In A MOST WANTED MAN gerät der russische Flüchtling Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin) in Hamburg ins Visier diverser Geheimdienste. Während die meisten Beteiligten den potentiellen Islamisten gleich hinter Schloss und Riegel bringen möchten, will der mit seiner Einheit im Verborgenen agierende Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) Karpov dazu benutzen, um an einen weitaus größeren Fisch heranzukommen. Gleichzeitig versucht die engagierte Menschenrechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) den unter Generalverdacht stehenden Flüchtling zu helfen…

A MOST WANTED MAN basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers John le Carré, der seit Anfang der 60er Jahre eine Vielzahl von Spionageromanen veröffentlicht hat und sich in A MOST WANTED MAN wieder einmal um die diversen Verstrickungen innerhalb der Geheimdienste – hier in Verbindung mit dem internationalen Terrorismus – kümmert. Es geht um Vertrauen, Verrat, Loyalität und die Erkenntnis, dass am Ende des Tages alle Beteiligten nur Marionetten in einem großen Spiel zu sein scheinen.

Regisseur Anton Corbijn geht A MOST WANTED MAN extrem ruhig und bedächtig an, Spannung entwickelt sich fast ausschließlich aus den Dialogen und den schauspielerischen Leistungen, Momente, die auch nur im Ansatz mit dem Begriff “Action“ definiert werden könnten, sind praktisch gar nicht vorhanden. Als Zuschauer braucht man viel Geduld mit Corbijns Film, muss sich damit anfreunden können, dass hier nicht irgendwelche Schauwerte im Mittelpunkt stehen, sondern sich die Geschichte eigentlich ausschließlich aus den Gesprächen der verschiedenen Beteiligten heraus entwickelt. Wem dies gelingt, wird mit einer spannenden und atmosphärisch dichten Spionagegeschichte belohnt, die ihren Haupthandlungsort Hamburg perfekt als heimlichen Hauptdarsteller einsetzt und den tatsächlichen Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman in seiner letzten großen Rolle vor seinem Tod im Februar letzten Jahres noch einmal in absoluter Hochform zeigt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

JUNGLE FEVER (USA 1991, Regie: Spike Lee)

jungle fever

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 

In JUNGLE FEVER lässt sich der schwarze Architekt Flipper Purify (Wesley Snipes) auf eine Affäre mit seiner neuen Kollegin, der Italienerin Angie Tucci (Annabella Sciorra) ein, was zu gewissen Irritationen – um es harmlos zu bezeichnen – im jeweiligen Umfeld führt…

Ähnlich wie in dem von mir vor wenigen Wochen angesehenen DO THE RIGHT THING beschäftigt sich Regisseur Spike Lee auch in JUNGLE FEVER mit dem Thema Alltagsrassismus, legt auf spielerische Art und Weise den Finger in die Wunde und hält seinem Publikum, egal welcher Hautfarbe, den Spiegel vor Augen. Für Flippers Frau (Lonette McKee) ist der Seitensprung ihres Mannes deshalb so schlimm, weil er mit einer weißen Frau erfolgt ist. Angies Vater (Frank Vincent) schlägt seine Tochter auf übelste Weise zusammen, als er von ihrer Affäre mit dem dunkelhäutigen Flipper erfährt, Flippers Vater (Ossie Davis) wiederum lädt seinen Sohn und Angie zum Essen ein, nur um die hellhäutige Italienerin wüst beschimpfen zu können. Die Botschaft von Spike Lee ist klar: Wenn die Menschen es nicht schaffen, zu erkennen, dass es vollkommen egal ist, welche Hautfarbe ihr Gegenüber hat, welcher Religion er angehört oder aus welchem Land er kommt, wird Rassismus immer existieren. Und leider ist diese Botschaft auch 24 Jahre nach Erscheinen dieses Films noch immer brandaktuell. Fuck Racism!!!

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

SATURDAY NIGHT FEVER (USA 1977, Regie: John Badham)

saturday night fever

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 

John Travolta ist Tony Manero, Sohn italienischer Einwanderer, mit einem reichlich aussichtslosen Leben in Brooklyn und dem großen Traum ausgestattet, aus diesem Leben auszubrechen und es zu etwas zu bringen. Unter der Woche für wenig Geld in einem Farbengeschäft arbeitend, stellen die Wochenenden in seiner Stammdiscothek die einsamen Highlights in Tonys Leben dar. Hier wird er auf der Tanzfläche zu einem anderen Menschen, zu dem seine Freunde und die übrigen Gäste der Discothek aufschauen. Und ein bald stattfindender Tanzwettbewerb scheint eine kleine Chance zu sein, tatsächlich ein besseres Leben leben zu können…

SATURDAY NIGHT FEVER hat damals einen kleinen Boom von Tanz- und Discofilmen entfacht und es sind dann auch in allererster Linie die wirklich atemberaubend choreographierten Sequenzen in der Discothek, die SATURDAY NIGHT FEVER so sehenswert machen. Gerade in Verbindung mit dem kongenialen Soundtrack der Bee Gees ist Badhams Film in diesen Szenen nicht viel weniger als ganz großes Kino. SATURDAY NIGHT FEVER lebt neben den Szenen in der Disco vor allem auch von seinem Hauptdarsteller. Travolta, damals für seine Leistung immerhin mit einer Oscar-Nominierung bedacht, spielt diesen Tony Manero absolut überzeugend, das, was man da zu sehen bekommt, wirkt ungemein glaubwürdig und authentisch. Die Geschichte selbst, diese Story um den vermeintlichen Loser mit den großen Träumen, bleibt hinter Travoltas Leistung jedoch etwas zurück. Der Plot plätschert fast schon ziellos vor sich hin und es gibt keinen echten Spannungsbogen, der den Zuschauer einnehmen und fesseln könnte. Aber vielleicht passt gerade das ja auch ganz gut zu dem eher langweiligen Leben, welches Travoltas Manero außerhalb der Discothek zu leben hat.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

WISH I WAS HERE (USA 2014, Regie: Zach Braff)

wish i was here

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 

Die Zutaten von Filmen wie WISH I WAS HERE sind fast immer gleich: die Geschichte dreht sich um ziemlich wohlhabende Mittelständler mit “First World Problems“, es gibt mindestens einen schrulligen Haupt- oder Nebencharakter, es gibt mindestens einen tragischen Subplot, am Ende des Films gehen alle Sympathieträger gestärkt und mit neuen Erkenntnissen aus den ihnen zuvor gestellten Aufgaben hervor, die Grundstimmung des ganzen Films ist zudem leicht melancholisch angehaucht, die Kameramänner tauchen den Film in teils wunderschöne Bilder und von der Tonspur gibt es Alternative-Songs von Bands wie Coldplay oder The Shins.

In WISH I WAS HERE ist Zach Braff, der auch gleich Regie geführt hat, als erfolgloser Schauspieler zu sehen, der sich die teure Privatschule seiner beiden Kinder nicht mehr leisten kann, da sein Vater, der diese bisher finanziert hatte, das Geld für eine alternative Krebsbehandlung benötigt, und der Verdienst von Ehefrau Kate Hudson nicht auch noch zur Finanzierung einer Privatschule ausreicht. Braff versucht sich darin, seine Kinder zuhause zu unterrichten.

Ich kann jeden verstehen, der mit Filmen wie diesem hier mittlerweile gar nichts mehr anfangen kann. Diese Nische kleiner Independent-Filme, aus der insbesondere Mitte der 00er Jahre des neuen Jahrtausends so tolle Sachen wie GARDEN STATE, ELIZABETHTOWN oder A LOVE SONG FOR BOBBY LONG hervorgekommen sind, scheint mittlerweile regelrecht geflutet zu werden und irgendwie kommt es einen so vor, als ob da wirklich gar nichts mehr Neues dabei ist, alles scheint man schon einmal gesehen zu haben. Die große Begeisterung, die ich damals für vorgenannte Titel aufbringen konnte, kann praktisch keiner der neueren Vertreter dieser Filme mehr hervorrufen. Auch WISH I WAS HERE macht da keine Ausnahme. Aber dennoch lösen auch Filme wie dieser hier immer noch etwas in mir aus. Ich fühle mich geborgen bei ihnen, kann in ihnen versinken, lasse mich bereitwillig und gerne von ihnen einlullen. Und solange Filme wie WISH I WAS HERE noch in dieser Form für mich funktionieren, werde ich sie mir weiterhin ansehen. Da reicht es mir auch, wenn ich sie „nur“ noch als gut und nicht mehr als herausragend empfinde.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

CINEMA PERVERSO – DIE WUNDERBARE UND KAPUTTE WELT DES BAHNHOFSKINOS (Deutschland 2015, Regie: Oliver Schwehm)

cinema perverso

(Fassung: TV-Aufzeichnung, Free-TV, arteHD)

 

Eine Dokumentation über ein deutsches Phänomen, die bis in die 80er Jahre andauernde Bahnhofskinosubkultur. Was auf den ersten Blick wie ein vielversprechendes Projekt erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als ziemlich halbgare Angelegenheit. Wenn der gerade mal 60 Minuten dauernde Film vorbei ist, macht sich beim Zuschauer doch eher Enttäuschung und Ernüchterung breit. Das Hauptproblem des Films ist dabei in meinen Augen, dass Regisseur Oliver Schwehm wohl nicht so wirklich wusste, was er mit seiner Dokumentation eigentlich erzählen will. Wollte er nun – wie ich es eigentlich erwartet hätte – einen Film über das Phänomen Bahnhofskino an sich drehen? Oder wollte er – was in meinen Augen ziemlich überflüssig ist – nur einen Überblick über die Art von Filmen geben, die damals dort liefen? Schwehm kann sich weder für das eine noch für das andere so richtig entscheiden und für das theoretische Optimum, eine Vermischung beider Aspekte, steht ihm viel zu wenig Laufzeit zur Verfügung. So kratzt CINEMA PERVERSO lediglich ein bisschen an der Oberfläche, vermischt Filmausschnitte, Statements diverser Personen und Material aus dem Fotoarchiv miteinander und macht so niemanden wirklich glücklich. Vor allem die Auswahl der Rede und Antwort stehenden Personen ist mehr als unglücklich ausgefallen. Einzig die Aussagen und Statements des Herrn aus dem Filmarchiv, des Filmhändlers und von Regisseur Jörg Buttgereit sind interessant und fundiert, die Mitwirkung aller weiterer Beteiligten vor der Kamera ist nichts als plumpe Zeitverschwendung (und gerade das sollte man sich bei einem Film, der nur 60 Minuten läuft, doch einfach verkneifen). Weder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken noch Schauspielerin Mechthild Großmann können irgendwelche interessanten Erkenntnisse zum Thema liefern, Christian Anders und René Weller erzählen lediglich über ihre Filme – ersterer über DIE TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS, letzterer über MACHO MAN -, die damals auch in den Bahnhofskinos liefen und tätigen Aussagen, die vielleicht im Bonusmaterial entsprechender Heimkinoveröffentlichungen der beiden Filme gut aufgehoben wären, nicht aber in einer solchen Dokumentation. Schauspieler Ben Becker disqualifiziert sich spätestens in dem Moment, in dem er sich über Olsens BLUTIGER FREITAG lustig macht, komplett selbst und die Tatsache, dass der sogenannte Regisseur Uwe Boll hier überhaupt zu Wort kommen darf, ist in meinen Augen eine Beleidigung und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Films, der jemals in einem Bahnhofskino gelaufen ist. Am Ende von CINEMA PERVERSO steht für mich somit vor allem folgende Erkenntnis: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

 

Persönliche Bewertung: Naja!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 7 (USA 2014, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In den letzten zehn Folgen von TRUE BLOOD ist nun endgültig die Luft raus. Es scheinen hier auch keine Regisseure mehr am Werk gewesen sein, sondern lediglich Abwickler. Die einst so furios gestartete Serie wird in der letzten Staffel abgewickelt wie ein in Insolvenz geratenes Unternehmen. Man merkt jeder einzelnen Folge irgendwie an, dass die Macher nur noch versucht haben, TRUE BLOOD ohne größere Kollateralschäden noch halbwegs vernünftig über die Zielgeraden zu bringen. Netterweise ist zumindest das auch einigermaßen geglückt. Ich würde jetzt nicht soweit gehen wollen und behaupten, dass diese finale Staffel extrem mies ausgefallen wäre. Sie ist über weite Strecken unterhaltsam, lebt einmal mehr vor allem von ihren Nebencharakteren und bringt die Geschichte in den letzten zwei Folgen auch zu einem akzeptablen Ende. Denkt man jedoch zurück, welche herausragende Qualität TRUE BLOOD in den ersten drei Staffeln hatte, so ist die Entwicklung, die die Serie seit der 4. Staffel genommen hat, doch sehr enttäuschend und ernüchternd.

 

Persönliche Bewertung: Ok!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 1

DU ZHAN (aka DRUG WAR) (China/Hongkong 2012, Regie: Johnnie To)

du zhan

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Um der sicheren Todesstrafe zu entgehen, versucht der skrupellose Drogenhändler Timmy Choi (Louis Koo) dem Chefermittler der Polizei, Captain Zhang Lei (Sun Honglei), bei einer Undercover-Operation zu helfen und so die wirklich dicken Fische im Drogengeschäft an Land zu ziehen. Doch Zhang Lei ist sich nicht sicher, ob Choi nicht ein doppeltes Spiel spielt…

Mal wieder ein Ausflug ins asiatische Kino, wird von mir sowieso viel zu selten unternommen. Die Filme von Johnnie To sind im Endeffekt immer ein Bank, da bildet auch DU ZHAN keine Ausnahme. To wählt eine relativ ruhige Erzählweise, baut langsam Spannung auf und platziert dazwischen immer wieder tolle Suspense-Szenen und ebenso staubtrocken wie druckvoll inszenierte Actioneinlagen mit blutigen Shoot-Outs. An die exorbitant hohe Qualität eines FONG JUK (aka EXILED) kommt DU ZHAN zwar nicht ganz heran, als Fan (asiatischen) Actionkinos führt allerdings kein Weg an DU ZHAN vorbei. Anschauen, unbedingt!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THIS IS WHERE I LEAVE YOU (USA 2014, Regie: Shawn Levy)

this is where i leave you

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In THIS IS WHERE I LEAVE YOU muss sich Jason Bateman als Judd Altman – kurz nachdem er seine Frau beim Seitensprung erwischt hatte – auch noch damit auseinandersetzen, dass sein Vater verstorben ist und dieser einen außergewöhnlichen Wunsch hinterlassen hat: Judd und seine drei Geschwister (Tina Fey, Adam Driver, Corey Stoll) sollen für eine Woche in ihr Elternhaus zurückkehren um gemeinsam mit ihrer Mutter (Jane Fonda) Trauerarbeit zu leisten. Es werden, wie der deutsche Titel ausnahmsweise einmal ziemlich treffend umschreibt, sieben verdammt lange Tage…

THIS IS WHERE I LEAVE YOU ist eine dieser kleinen Tragikomödien, wie sie in den letzten Jahren zentnerweise in die Kinos gespült werden. Und wie so viele ähnliche Filme überrascht es nicht wirklich, dass es auch hier keine größeren Überraschungen für das Publikum gibt. Es geht mal wieder um eine gemäßigt dysfunktionale Familie, die durch einen tragischen Schicksalsschlag wieder funktionsfähig gemacht wird. Es geht um das Zurückkehren in die alte Heimatstadt, um die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit und um Auseinandersetzungen, aus denen letztendlich alle in gewisser Weise als Sieger hervorgehen werden. Es gibt den üblichen Alternative- bzw. 80er-Jahre-Soundtrack zu hören (im vorliegenden Fall u.a. Coldplay, Pearl Jam, INXS und Cyndi Lauper), es gibt die übliche Mischung aus komischen und dramatischen Momenten und es gibt natürlich eine routinierte Besetzung (neben Jason Bateman und Tina Fey sind bspw. noch Rose Byrne und Timothy Olyphant mit von der Partie), mit deren Hilfe schauspielerisch nichts groß anbrennen kann. Ich verstehe jeden, der Filme wie diesen hier als langweilig, unspektakulär oder überflüssig empfindet, der diese Art von Kino in den letzten Jahren vielleicht schon zu oft gesehen hat und es langsam aber sich nicht mehr sehen kann. Ich persönlich habe jedoch eine absolute Schwäche für diese Tragikomödien, sie lösen – so vorhersehbar sie auch sein mögen – einfach etwas in mir aus, sorgen für ein wohliges Gefühl in der Magengegend und es bereitet mir immer wieder große Freude, solche Filme anzusehen. Auch THIS IS WHERE I LEAVE YOU macht da keine Ausnahme. Kino zum Wohlfühlen. Schön.

Persönliche Bewertung: Gut!

MILLENNIUM DEL 1 & 2: MÄN SOM HATAR KVINNOR (Dänemark / Deutschland / Norwegen / Schweden 2010, Regie: Niels Arden Oplev)

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(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Bereits im Jahr 2009 kamen die Verfilmungen der Millennium-Trilogie des Autors Stieg Larsson in die Kinos. Die schwedische Produktionsfirma Yellow Bird plante ursprünglich nur den ersten Teil als Kinofilm zu vermarkten, die beiden anderen Filme sollten nur im TV laufen. Der große Erfolg des ersten Films führte schließlich dazu, dass auch die beiden anderen, eigentlich ausschließlich fürs TV produzierten Filme, in die Kinos kamen. Ein Jahr nach dem Kinoeinsatz kam die komplette Trilogie schließlich als Miniserie ins Fernsehen, bei der jeder Film in zwei Episoden geteilt und insgesamt mit einer teils weitaus längeren Laufzeit ausgestattet wurde als die Kinoversionen. Die Kinofilme habe ich damals allesamt nicht gesehen, stattdessen möchte ich mir nun die längeren TV-Fassungen zu Gemüte führen.

MILLENNIUM DEL 1 & 2: MÄN SOM HATAR KVINNOR ist die um knapp 40 Minuten längere Version des ersten Teils, der damals unter dem Titel VERBLENDUNG in den deutschen Kinos lief. MÄN SOM HATAR KVINNOR dient in allerster Linie als Einführung der beiden Hauptfiguren, der von Noomi Rapace gespielten Hackerin Lisbeth Salander und des von Michael Nyqvist gespielten Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, die den Zuschauer auch in den nächsten beiden Filmen bzw. vier Episoden begleiten sollen, und zur langsamen Entwicklung ihrer Beziehung miteinander. Ganz nebenbei hat Regisseur Oplev aber auch noch die Geschichte des zu lösenden Kriminalfalls zu erzählen, mit all seinen überraschenden Wendungen, seinen dubiosen Beteiligten und seinem schockierenden Ende. Und das gelingt ihm auf absolut mitreißende und packende Art und Weise. Die epische Laufzeit von 3 Stunden vergeht praktisch wie im Flug. MÄN SOM HATAR KVINNOR beginnt schon nach wenigen Minuten, den Zuschauer zu fesseln, zu begeistern und einfach nicht mehr loszulassen. Ein großer Verdienst vor allem der durch die Bank vorzüglichen Schauspieler, die ihre Rollen mit Leben füllen und mehr als überzeugend agieren. Hervorzuheben ist dabei insbesondere Noomi Rapace in der Rolle der Lisbeth Salander, die eine wirklich großartige Vorstellung abliefert und der man wohl noch viel länger bei ihrem Schauspiel hätte zusehen können. Meine Vorfreude auf die anderen beiden Filme der Trilogie ist auch wegen ihr ziemlich hoch.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

CHARIOTS OF FIRE (Großbritannien 1981, Regie: Hugh Hudson)

chariots of fire

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Hugh Hudsons Sportdrama erzählt die wahre Geschichte der beiden britischen Sprinter Eric Liddell (Ian Charleson) und Harold Abrahams (Ben Cross), die sich im Jahr 1924 einen Traum erfüllten, bei den Olympischen Spielen teilnahmen und als gesellschaftliche Außenseiter jeweils die Goldmedaille gewinnen konnten.

Im Gegenteil zu den explosiven Sprints, welche die beiden Sportler im Film immer wieder ansetzen, ist CHARIOTS OF FIRE jedoch ziemlich ruhig geraten. Hudsons Film plätschert ohne große Höhepunkte vor sich hin, ist sicher gut gespielt und auch ausgesprochen hübsch inszeniert, hat jedoch über die komplette Laufzeit immer wieder damit zu kämpfen, dass – dies ist dann halt auch den historischen Ereignissen geschuldet, auf die der Film basiert – einfach zu wenig passiert, um den Zuschauer zu echten Begeisterungsstürmen zu bewegen. Dass der Film nach seiner 2-stündigen Laufzeit trotz dieser vermeintlichen Schwäche dennoch ohne größere Längen über die Zielgerade kommt, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass CHARIOTS OF FIRE, je länger er dauert, eine Atmosphäre entwickelt, bei der man sich als Zuschauer einfach wohlfühlt. Man sieht den beiden Kontrahenten gerne beim respektvollen Zweikampf zu, beobachtet sie interessiert beim Trainieren, freut sich mit ihnen über den jeweiligen Triumph und hat Respekt vor ihrer Einstellung, sich nicht durch äußere Einflüsse verbiegen zu lassen. CHARIOTS OF FIRE ist sicher kein strahlender Höhepunkt innerhalb des Genres des Sportfilms (auch wenn er einst den Oscar als “Bester Film“ gewinnen konnte), sehenswert ist Hudsons Film jedoch allemal.

Persönliche Bewertung: Gut!

STRIPPED TO KILL (USA 1987, Regie: Katt Shea)

stripped to kill

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

„STRIPPED TO KILL came out in a very strange way. Katt Shea was an actress who had worked with us, who was very bright and very good and she wanted to direct. And she had directed a little short subjects which I had seen and I thought it was fine. I said: ‚Fine Katt, come up with some sort of an idea. If it’s an idea I like, I’ll back you up in the picture.‘ So she sent me a long detailed treatment of something and I didn’t like it. She than sent me a shorter treatment, anyway, to make the story short, there was a number of treatments and they each got shorter as I turned down each one of them. And finally she would just call me on the phone and tell me in one sentence the idea. She said there has been a murder in a strip club and a police woman detective has to go undercover as a stripper to solve the mystery. I said: ‚Katt, we will make that picture.'“ – mit vorstehenden Worten erinnert sich Roger Corman in einer kurzen Featurette, welche im Bonusmaterial der US-DVD von STRIPPED TO KILL enthalten ist, an die damalige Entstehung des Films. Filmemachen kann so einfach sein.

So simpel wie die Grundidee ist dann auch der Film geraten. In der ersten Stunde interessiert sich Regisseurin Katt Shea nicht wirklich für ihre Geschichte, sondern konzentriert sich eher darauf, ihr geneigtes Zielpublikum mit ausufernden Schauwerten einzulullen. STRIPPED TO KILL besteht zunächst fast ausschließlich aus – teils durchaus aufwendig choreographierten – Stripszenen, die durch einen Hauch von Handlung lose miteinander verbunden werden. Im letzten Drittel kommt die Tittenparade langsam zur Ruhe und stattdessen nimmt der Thrillerplot an Fahrt auf. Plötzlich entwickelt sich tatsächlich so etwas wie Spannung und es gibt sogar einen kleinen Plottwist zu bewundern. Für Corman war STRIPPED TO KILL – das betont er auch in der eingangs genannten Featurette – überraschenderweise so erfolgreich, dass er zwei Jahre später sogar noch eine Fortsetzung drehen ließ, die abermals von Katt Shea inszeniert wurde. Vielleicht erbarmt sich ja ein Label und bringt auch die noch auf DVD raus. Ich würde mir sie ansehen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

THE MAN WITH TWO BRAINS (USA 1983, Regie: Carl Reiner)

the man with two brains

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In THE MAN WITH TWO BRAINS fällt Steve Martin als Gehirnspezialist Dr. Hfuhruhurr zunächst auf eine fiese Heiratsschwindlerin (Kathleen Turner) herein und verliebt sich schließlich in die bezaubernde Anne Uumellmahaye – die Sache hat nur einen Haken: Anne ist ein Gehirn in einem Einmachglas (dem Sissy Spacek in der Originalfassung ihre Stimme geliehen hat) mit dem der liebestrunkene Arzt telepathisch kommuniziert und für das er fortan versucht, einen geeigneten Körper zu finden…

Reiners Film lässt sich vielleicht am besten mit den Komödien eines Mel Brooks oder des unwiderstehlichen Trios David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker vergleichen. Mit Filmen, in denen die verrücktesten und absurdesten Situationen mit größter Selbstverständlichkeit zur Normalität erklärt werden und die vor obskuren Witzen und herrlicher Situationskomik fast überquellen zu scheinen. THE MAN WITH TWO BRAINS ist ein Paradebeispiel für diese besondere Art von Humor und Steve Martin – der in vielen seiner Filme ja auch immer vollen Körpereinsatz zeigt und ein wahrer Meister des sich Verrenkens und Grimasse Schneidens ist – ist als Dr. Hfuhruhurr (allein dieser Name!!!) hier natürlich absolut in seinem Element. THE MAN WITH TWO BRAINS ist mit seiner Mischung aus Mad-Scientist-Geschichte und Love-Story einfach zum Schreien komisch. Martin zieht alle Register seines Könnens, es gibt eigentlich keinen Gag, der nicht zündet und würde man versuchen, Reiners Film mit einem Wort zu beschreiben, so wäre “irrsinnig“ vielleicht die beste Wahl.

THE MAN WITH TWO BRAINS gehört zu den Filmen, mit denen ich als Jugendlicher praktisch aufgewachsen bin und natürlich neigt man dann dazu, solche Filme, bei einem späteren Wiedersehen dann in gewisser Weise nostalgisch zu verklären. THE MAN WITH TWO BRAINS benötigt keine nostalgische Verklärung, er ist einfach klasse.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MILLENNIUM DEL 3 & 4: FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN (Dänemark / Deutschland / Schweden 2010, Regie: Daniel Alfredson)

millennium del 3 & 4 - flickan som lekte med elden_1

millennium del 3 & 4 - flickan som lekte med elden_2

(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Ging es im Vorgänger noch um Missbrauch und das Auffinden eines vor langer Zeit spurlos verschwundenen Mädchens, wird Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) im Mittelteil der MILLENNIUM-Trilogie nun mit einer sich rund um Menschenhandel und Zwangsprostitution drehenden Story konfrontiert, die es zu veröffentlichen gilt. Als im Wege der Recherchen sowohl der junge Reporter Dag (Hans Christian Thulin) und dessen Freundin Mia (Jennie Silfverhjelm), als auch der Anwalt Bjurmann (Peter Andersson) ermordet aufgefunden werden, gerät die seit einem Jahr untergetauchte Lisbeth Salander (Noomi Rapace) ins Visier der Polizei. Beim ermordeten Anwalt handelte es sich um ihren gesetzlichen Betreuer, alle drei Opfer wurden mit derselben Waffe erschossen und auf dieser befanden sich Lisbeths Fingerabdrücke…

Auch FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN überzeugt durch eine ausgeklügelte Story, die auf ausgesprochen spannende Art und Weise präsentiert wird und den Zuschauer sehr schnell in ihren Bann zieht. Auch hier vergeht die insgesamt 3-stündige Laufzeit der beiden Teile wie im Flug und Regisseur Daniel Alfredson hat natürlich den großen Vorteil, dass er seine Hauptcharaktere nicht erst noch einführen muss – dies hat sein Kollege Niels Arden Oplev ja bereits in MÄN SOM HATAR KVINNOR erledigt – und sich stattdessen unmittelbar in den neuen Fall stürzen kann. Und doch ist FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN etwas schwächer als der hervorragende Vorgänger ausgefallen, was jedoch einfach der literarischen Vorlage geschuldet ist. Das Zusammenspiel der beiden Charaktere Blomkvist und Salander, das den ganz großen Reiz von MÄN SOM HATAR KVINNOR ausgemacht hatte, ist in FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN praktisch nicht vorhanden. Die die beiden Hauptfiguren betreffenden Erzählstränge laufen nebeneinander ab – Blomkvist versucht zu beweisen, dass Lisbeth unschuldig ist, gleichzeitig hält sich Lisbeth vor der Polizei versteckt und versucht ebenfalls, ihre Unschuld zu beweisen – und es gibt so gut wie keine Szene, in der Michael Nyqvist als Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth gemeinsam im Bild zu sehen sind. Das fand ich zwar etwas schade, an der Tatsache, dass Regisseur Daniel Alfredson hier trotzdem richtig, richtig gutes Fernsehen abgeliefert hat, ändert natürlich auch dieser vermeintliche Makel nichts.

Die von mir angesehene TV-Fassung läuft übrigens gut 1 Stunde länger als die Version, die damals unter dem Titel VERDAMMNIS in den deutschen Kinos gelaufen ist. Beim Vorgänger fehlten in der Kinofassung gegenüber der TV-Fassung “nur“ knapp 40 Minuten. Ich persönlich möchte keine Minute der Langfassungen missen und will gar nicht wissen, was da alles rausgeschnitten werden musste, um die Filme auf Kinolänge zu kürzen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

ALI (USA 2001, Regie: Michael Mann)

ali

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Mit ALI hat sich Regisseur Michael Mann einem relativ kurzen Zeitraum – von 1964-1974 – in der Biographie des Boxchampions Muhammad Ali vorgeknöpft und präsentiert dem Zuschauer zwar ziemlich unkritisches, aber dafür umso größeres Kino auf einer epischen Länge von 150 Minuten. ALI ist bis in die kleinste Nebenrolle schlicht phantastisch besetzt – neben Will Smith in der Hauptrolle überzeugen u.a. Jamie Foxx, Jon Voight, Mario Van Peebles, Jada Pinkett Smith, Bruce McGill, LeVar Burton (um nur einige zu nennen) in ihren Rollen allesamt auf ganzer Linie – und überzeugt neben der schauspielerischen Seite auch in technischer Hinsicht vollkommen. Die Handschrift von Action- und Thrillerspezialist Michael Mann ist auch in dieser Sportbiographie unverkennbar, Kameramann Emmanuel Lubezki taucht den Film in wunderschöne Bilder, die Inszenierung und Choreographie der Boxkämpfe ist unheimlich dynamisch und schlichtweg atemberaubend und der Score von Pieter Bourke und Lisa Gerrard sorgt im Zusammenspiel mit der tollen Songauswahl immer wieder für eine verträumt-melancholische Atmosphäre. Großes Kino!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!