November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

MILLENNIUM DEL 5 & 6: LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES (Deutschland/Schweden 2010, Regie: Daniel Alfredson)

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(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Der Abschluss der MILLENNIUM-Trilogie wurde erneut von Daniel Alfredson inszeniert, der auch schon für den Mittelteil verantwortlich zeichnete. Das macht auch Sinn, denn FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN und LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES sind im Endeffekt untrennbar miteinander verbunden, dieser Film hier könnte ohne den Vorgänger gar nicht existieren, würde ohne die Kenntnis der Ereignisse aus dem zweiten Teil gar keinen Sinn machen. Hier zeigt sich auch gut, dass das gewählte Format der TV-Mini-Serie praktisch alternativlos ist, die Entscheidung, FLICKAN und LUFTSLOTTET auch in gekürzten Fassungen – der Kinofassung des dritten Teil fehlen auch wieder gut 40 Minuten – ins Kino zu bringen, einzig und allein aus (durchaus verständlichen) finanziellen Gründen getroffen wurde, weil die Kinoversion des Auftaktfilms (der als einziger wirklich eigenständig funktioniert) damals so erfolgreich gewesen ist.

LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES schließt direkt an den Vorgänger an und beschäftigt sich nun intensiv mit der bis in höchste Kreise reichenden Verschwörung, die in FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN angedeutet wurde. Alfredsons Film hat dabei wieder mit demselben “Manko“ zu kämpfen wie der zweite Teil, nämlich der Tatsache, dass die beiden Hauptcharaktere aufgrund der literarischen Vorlage zu viel nebeneinander und zu wenig miteinander agieren, was letztendlich dazu führt, dass sich dieser Film qualitativ auf einem Level mit dem Vorgänger befindet und ebenso wie der Vorgänger nicht ganz an die große Klasse des Auftaktfilms heranreichen kann.

Fesselnd, spannend und enorm kurzweilig (die 3 Stunden Laufzeit vergehen einmal mehr wie im Flug) ist natürlich auch dieser Abschluss der Trilogie geraten, insbesondere das Schlussdrittel, mit seinen großartigen Szenen im Gerichtssaal, konnte mich als Fan von Justizthrillern und Gerichtsfilmen absolut begeistern.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 6 (USA 2013, Idee: Alan Ball)

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(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In der sechsten Staffel von TRUE BLOOD steht nun der – über weite Strecken reichlich unspektakuläre – Krieg zwischen Menschen und Vampiren ins Haus, neben all dem anderen Kram, den Vampire, Werwölfe, Gestaltenwandler und sonstige Fabelwesen so ausgesetzt sind.

Die von Alan Ball erfundene Serie hat sich in dieser vorletzten Staffel mittlerweile auf einem soliden Niveau eingependelt und lebt praktisch ausschließlich von einer Handvoll Nebencharaktere und der reichlich abstrusen Handlung, die teilweise so unfassbar bescheuert konstruiert zu sein scheint, dass man den Machern schon wieder einen gewissen Respekt zollen muss, die Serie in dieser Form auf das Publikum loszulassen. Absolutes Highlight sind die letzten beiden Episoden, in denen sich ein „What the Fuck!?!“-Moment an den nächsten reiht und die dafür sorgen, dass man die gesamte Staffel wohl weitaus wohlwollender beurteilt, als sie es eigentlich verdient hätte. Vom Glanz der Anfangszeit der Serie, ihrer teils herausragenden Qualität, ist nicht sonderlich viel übrig geblieben. Am Ende des Tages sind es tatsächlich die weiter oben schon genannten Nebencharaktere – insbesondere Chris Bauer als Andy Bellefleur, Kristin Bauer van Straten als Pam De Beaufort, Ryan Kwanten als Jason Stackhouse und Anna Camp als Sarah Newlin -, die der Serie allesamt ihren Stempel aufdrücken und dafür sorgen, dass TRUE BLOOD trotz aller offensichtlicher Schwächen doch irgendwie interessant und sehenswert bleibt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

ENTOURAGE (USA 2015, Regie: Doug Ellin)

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(Fassung: Blu-ray, Warner, Großbritannien)

 

Die gleichnamige TV-Serie habe ich in der ersten Jahreshälfte regelrecht verschlungen. Nun hat Serienerfinder Doug Ellin eine Kinoversion von ENTOURAGE nachgelegt, bei der er auch selbst gleich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.

Im Kinofilm hat es sich Vince (Adrian Grenier) nun in den Kopf gesetzt, bei einem großen Projekt neben der Hauptrolle auch gleich noch Regie zu führen und Ari Gold (Jeremy Piven), mittlerweile an der Spitze eines großen Studios angelangt, hat die zweifelhafte Ehre, den Film zu realisieren. Doch nach Abschluss der Dreharbeiten weigert sich Vince, den Film zu zeigen und fordert mehr Geld, um noch gewisse Feinjustierungen vornehmen zu können, was Ari fast in den Wahnsinn treibt, denn sein texanischer Geldgeber (Billy Bob Thornton) und dessen Sohn (Haley Joel Osment) sind von der Idee, weitere Millionen in ein Projekt zu pumpen, welches sie noch nicht mal ansatzweise zu Gesicht bekommen haben, nicht gerade begeistert…

ENTOURAGE ist reiner Fanservice, ein Geschenk für die Fans der Serie, alle anderen werden mit diesem Film mit ziemlich hoher Sicherheit gar nichts anfangen können. Doug Ellin hat ausnahmslos alle wichtigen Charaktere auch in den Film integriert, ENTOURAGE schließt an das Ende der Serie an und eine Kenntnis der diversen Macken der verschiedenen Charaktere ist zwingende Voraussetzung um auch mit dem Film seinen Spaß zu haben. Auf der Erzählebene unterscheidet sich die Kinoversion nicht groß von den einzelnen Staffeln und Episoden der Serie, sie besticht lediglich durch eine opulentere Optik und mehr “production values“, was aber nicht sonderlich tragisch ist, denn im Endeffekt bekommt man als Fan exakt das, was man sich erwarten und erhoffen konnte. Jeremy Piven läuft als Ari Gold erneut zur Hochform auf, der ganze Film ist mit Cameos diverser Stars – u.a. Mark Wahlberg (auf dessen Erlebnissen als Jungschauspieler in Hollywood die Serie ja basiert), Liam Neeson, Jon Favreau, David Faustino, George Takei, Mike Tyson, T.I., Gary Busey, Pharrell Williams, Jessica Alba, die sich alle selbst spielen – nur so gespickt, eine Vielzahl der Dialoge ist einmal mehr zum Niederknien respektlos und herrlich politisch unkorrekt und der Spaßfaktor, den ENTOURAGE verbreitet, ist exorbitant hoch. Einen Film wie diesen nennt man dann wohl „guilty pleasure“.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

THE FAULT IN OUR STARS (USA 2014, Regie: Josh Boone)

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(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

 

In THE FAULT IN OUR STARS verliebt sich todkranke Hazel (Shailene Woodley) in den ebenfalls todkranken Gus (Ansel Elgort). Gemeinsam versuchen die beiden Teenager die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, zum Verwirklichen letzter Träume zu verwenden…

THE FAULT IN OUR STARS ist eine ebenso dramatische wie schöne Liebesgeschichte, ein Plädoyer für positives Denken, eine Liebeserklärung an das Leben, Lästermäuler dürfen Boones Film aber auch gerne als manipulativen Kitsch abkanzeln, der es versteht, beim Zuschauer die richtigen Knöpfe zu drücken und die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen, um diesen immer wieder zu Tränen zu rühren. Ich hab mich bereitwillig und gerne auf Boones Manipulationen eingelassen. THE FAULT IN OUR STARS ist gleichzeitig todtraurig und wunderschön, berührend, bewegend und mitten ins Herz treffend. Und ja, die eine oder andere Träne kann man sich am Ende tatsächlich nicht verkneifen. Ich steh dazu.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

A MOST WANTED MAN (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Anton Corbijn)

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(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

 

In A MOST WANTED MAN gerät der russische Flüchtling Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin) in Hamburg ins Visier diverser Geheimdienste. Während die meisten Beteiligten den potentiellen Islamisten gleich hinter Schloss und Riegel bringen möchten, will der mit seiner Einheit im Verborgenen agierende Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) Karpov dazu benutzen, um an einen weitaus größeren Fisch heranzukommen. Gleichzeitig versucht die engagierte Menschenrechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) den unter Generalverdacht stehenden Flüchtling zu helfen…

A MOST WANTED MAN basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers John le Carré, der seit Anfang der 60er Jahre eine Vielzahl von Spionageromanen veröffentlicht hat und sich in A MOST WANTED MAN wieder einmal um die diversen Verstrickungen innerhalb der Geheimdienste – hier in Verbindung mit dem internationalen Terrorismus – kümmert. Es geht um Vertrauen, Verrat, Loyalität und die Erkenntnis, dass am Ende des Tages alle Beteiligten nur Marionetten in einem großen Spiel zu sein scheinen.

Regisseur Anton Corbijn geht A MOST WANTED MAN extrem ruhig und bedächtig an, Spannung entwickelt sich fast ausschließlich aus den Dialogen und den schauspielerischen Leistungen, Momente, die auch nur im Ansatz mit dem Begriff “Action“ definiert werden könnten, sind praktisch gar nicht vorhanden. Als Zuschauer braucht man viel Geduld mit Corbijns Film, muss sich damit anfreunden können, dass hier nicht irgendwelche Schauwerte im Mittelpunkt stehen, sondern sich die Geschichte eigentlich ausschließlich aus den Gesprächen der verschiedenen Beteiligten heraus entwickelt. Wem dies gelingt, wird mit einer spannenden und atmosphärisch dichten Spionagegeschichte belohnt, die ihren Haupthandlungsort Hamburg perfekt als heimlichen Hauptdarsteller einsetzt und den tatsächlichen Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman in seiner letzten großen Rolle vor seinem Tod im Februar letzten Jahres noch einmal in absoluter Hochform zeigt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

JUNGLE FEVER (USA 1991, Regie: Spike Lee)

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(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 

In JUNGLE FEVER lässt sich der schwarze Architekt Flipper Purify (Wesley Snipes) auf eine Affäre mit seiner neuen Kollegin, der Italienerin Angie Tucci (Annabella Sciorra) ein, was zu gewissen Irritationen – um es harmlos zu bezeichnen – im jeweiligen Umfeld führt…

Ähnlich wie in dem von mir vor wenigen Wochen angesehenen DO THE RIGHT THING beschäftigt sich Regisseur Spike Lee auch in JUNGLE FEVER mit dem Thema Alltagsrassismus, legt auf spielerische Art und Weise den Finger in die Wunde und hält seinem Publikum, egal welcher Hautfarbe, den Spiegel vor Augen. Für Flippers Frau (Lonette McKee) ist der Seitensprung ihres Mannes deshalb so schlimm, weil er mit einer weißen Frau erfolgt ist. Angies Vater (Frank Vincent) schlägt seine Tochter auf übelste Weise zusammen, als er von ihrer Affäre mit dem dunkelhäutigen Flipper erfährt, Flippers Vater (Ossie Davis) wiederum lädt seinen Sohn und Angie zum Essen ein, nur um die hellhäutige Italienerin wüst beschimpfen zu können. Die Botschaft von Spike Lee ist klar: Wenn die Menschen es nicht schaffen, zu erkennen, dass es vollkommen egal ist, welche Hautfarbe ihr Gegenüber hat, welcher Religion er angehört oder aus welchem Land er kommt, wird Rassismus immer existieren. Und leider ist diese Botschaft auch 24 Jahre nach Erscheinen dieses Films noch immer brandaktuell. Fuck Racism!!!

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

SATURDAY NIGHT FEVER (USA 1977, Regie: John Badham)

saturday night fever

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 

John Travolta ist Tony Manero, Sohn italienischer Einwanderer, mit einem reichlich aussichtslosen Leben in Brooklyn und dem großen Traum ausgestattet, aus diesem Leben auszubrechen und es zu etwas zu bringen. Unter der Woche für wenig Geld in einem Farbengeschäft arbeitend, stellen die Wochenenden in seiner Stammdiscothek die einsamen Highlights in Tonys Leben dar. Hier wird er auf der Tanzfläche zu einem anderen Menschen, zu dem seine Freunde und die übrigen Gäste der Discothek aufschauen. Und ein bald stattfindender Tanzwettbewerb scheint eine kleine Chance zu sein, tatsächlich ein besseres Leben leben zu können…

SATURDAY NIGHT FEVER hat damals einen kleinen Boom von Tanz- und Discofilmen entfacht und es sind dann auch in allererster Linie die wirklich atemberaubend choreographierten Sequenzen in der Discothek, die SATURDAY NIGHT FEVER so sehenswert machen. Gerade in Verbindung mit dem kongenialen Soundtrack der Bee Gees ist Badhams Film in diesen Szenen nicht viel weniger als ganz großes Kino. SATURDAY NIGHT FEVER lebt neben den Szenen in der Disco vor allem auch von seinem Hauptdarsteller. Travolta, damals für seine Leistung immerhin mit einer Oscar-Nominierung bedacht, spielt diesen Tony Manero absolut überzeugend, das, was man da zu sehen bekommt, wirkt ungemein glaubwürdig und authentisch. Die Geschichte selbst, diese Story um den vermeintlichen Loser mit den großen Träumen, bleibt hinter Travoltas Leistung jedoch etwas zurück. Der Plot plätschert fast schon ziellos vor sich hin und es gibt keinen echten Spannungsbogen, der den Zuschauer einnehmen und fesseln könnte. Aber vielleicht passt gerade das ja auch ganz gut zu dem eher langweiligen Leben, welches Travoltas Manero außerhalb der Discothek zu leben hat.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

WISH I WAS HERE (USA 2014, Regie: Zach Braff)

wish i was here

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 

Die Zutaten von Filmen wie WISH I WAS HERE sind fast immer gleich: die Geschichte dreht sich um ziemlich wohlhabende Mittelständler mit “First World Problems“, es gibt mindestens einen schrulligen Haupt- oder Nebencharakter, es gibt mindestens einen tragischen Subplot, am Ende des Films gehen alle Sympathieträger gestärkt und mit neuen Erkenntnissen aus den ihnen zuvor gestellten Aufgaben hervor, die Grundstimmung des ganzen Films ist zudem leicht melancholisch angehaucht, die Kameramänner tauchen den Film in teils wunderschöne Bilder und von der Tonspur gibt es Alternative-Songs von Bands wie Coldplay oder The Shins.

In WISH I WAS HERE ist Zach Braff, der auch gleich Regie geführt hat, als erfolgloser Schauspieler zu sehen, der sich die teure Privatschule seiner beiden Kinder nicht mehr leisten kann, da sein Vater, der diese bisher finanziert hatte, das Geld für eine alternative Krebsbehandlung benötigt, und der Verdienst von Ehefrau Kate Hudson nicht auch noch zur Finanzierung einer Privatschule ausreicht. Braff versucht sich darin, seine Kinder zuhause zu unterrichten.

Ich kann jeden verstehen, der mit Filmen wie diesem hier mittlerweile gar nichts mehr anfangen kann. Diese Nische kleiner Independent-Filme, aus der insbesondere Mitte der 00er Jahre des neuen Jahrtausends so tolle Sachen wie GARDEN STATE, ELIZABETHTOWN oder A LOVE SONG FOR BOBBY LONG hervorgekommen sind, scheint mittlerweile regelrecht geflutet zu werden und irgendwie kommt es einen so vor, als ob da wirklich gar nichts mehr Neues dabei ist, alles scheint man schon einmal gesehen zu haben. Die große Begeisterung, die ich damals für vorgenannte Titel aufbringen konnte, kann praktisch keiner der neueren Vertreter dieser Filme mehr hervorrufen. Auch WISH I WAS HERE macht da keine Ausnahme. Aber dennoch lösen auch Filme wie dieser hier immer noch etwas in mir aus. Ich fühle mich geborgen bei ihnen, kann in ihnen versinken, lasse mich bereitwillig und gerne von ihnen einlullen. Und solange Filme wie WISH I WAS HERE noch in dieser Form für mich funktionieren, werde ich sie mir weiterhin ansehen. Da reicht es mir auch, wenn ich sie „nur“ noch als gut und nicht mehr als herausragend empfinde.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

CINEMA PERVERSO – DIE WUNDERBARE UND KAPUTTE WELT DES BAHNHOFSKINOS (Deutschland 2015, Regie: Oliver Schwehm)

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(Fassung: TV-Aufzeichnung, Free-TV, arteHD)

 

Eine Dokumentation über ein deutsches Phänomen, die bis in die 80er Jahre andauernde Bahnhofskinosubkultur. Was auf den ersten Blick wie ein vielversprechendes Projekt erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als ziemlich halbgare Angelegenheit. Wenn der gerade mal 60 Minuten dauernde Film vorbei ist, macht sich beim Zuschauer doch eher Enttäuschung und Ernüchterung breit. Das Hauptproblem des Films ist dabei in meinen Augen, dass Regisseur Oliver Schwehm wohl nicht so wirklich wusste, was er mit seiner Dokumentation eigentlich erzählen will. Wollte er nun – wie ich es eigentlich erwartet hätte – einen Film über das Phänomen Bahnhofskino an sich drehen? Oder wollte er – was in meinen Augen ziemlich überflüssig ist – nur einen Überblick über die Art von Filmen geben, die damals dort liefen? Schwehm kann sich weder für das eine noch für das andere so richtig entscheiden und für das theoretische Optimum, eine Vermischung beider Aspekte, steht ihm viel zu wenig Laufzeit zur Verfügung. So kratzt CINEMA PERVERSO lediglich ein bisschen an der Oberfläche, vermischt Filmausschnitte, Statements diverser Personen und Material aus dem Fotoarchiv miteinander und macht so niemanden wirklich glücklich. Vor allem die Auswahl der Rede und Antwort stehenden Personen ist mehr als unglücklich ausgefallen. Einzig die Aussagen und Statements des Herrn aus dem Filmarchiv, des Filmhändlers und von Regisseur Jörg Buttgereit sind interessant und fundiert, die Mitwirkung aller weiterer Beteiligten vor der Kamera ist nichts als plumpe Zeitverschwendung (und gerade das sollte man sich bei einem Film, der nur 60 Minuten läuft, doch einfach verkneifen). Weder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken noch Schauspielerin Mechthild Großmann können irgendwelche interessanten Erkenntnisse zum Thema liefern, Christian Anders und René Weller erzählen lediglich über ihre Filme – ersterer über DIE TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS, letzterer über MACHO MAN -, die damals auch in den Bahnhofskinos liefen und tätigen Aussagen, die vielleicht im Bonusmaterial entsprechender Heimkinoveröffentlichungen der beiden Filme gut aufgehoben wären, nicht aber in einer solchen Dokumentation. Schauspieler Ben Becker disqualifiziert sich spätestens in dem Moment, in dem er sich über Olsens BLUTIGER FREITAG lustig macht, komplett selbst und die Tatsache, dass der sogenannte Regisseur Uwe Boll hier überhaupt zu Wort kommen darf, ist in meinen Augen eine Beleidigung und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Films, der jemals in einem Bahnhofskino gelaufen ist. Am Ende von CINEMA PERVERSO steht für mich somit vor allem folgende Erkenntnis: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

 

Persönliche Bewertung: Naja!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 7 (USA 2014, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In den letzten zehn Folgen von TRUE BLOOD ist nun endgültig die Luft raus. Es scheinen hier auch keine Regisseure mehr am Werk gewesen sein, sondern lediglich Abwickler. Die einst so furios gestartete Serie wird in der letzten Staffel abgewickelt wie ein in Insolvenz geratenes Unternehmen. Man merkt jeder einzelnen Folge irgendwie an, dass die Macher nur noch versucht haben, TRUE BLOOD ohne größere Kollateralschäden noch halbwegs vernünftig über die Zielgeraden zu bringen. Netterweise ist zumindest das auch einigermaßen geglückt. Ich würde jetzt nicht soweit gehen wollen und behaupten, dass diese finale Staffel extrem mies ausgefallen wäre. Sie ist über weite Strecken unterhaltsam, lebt einmal mehr vor allem von ihren Nebencharakteren und bringt die Geschichte in den letzten zwei Folgen auch zu einem akzeptablen Ende. Denkt man jedoch zurück, welche herausragende Qualität TRUE BLOOD in den ersten drei Staffeln hatte, so ist die Entwicklung, die die Serie seit der 4. Staffel genommen hat, doch sehr enttäuschend und ernüchternd.

 

Persönliche Bewertung: Ok!

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