November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 5

THE RUNNING MAN (USA 1987, Regie: Paul Michael Glaser)

the running man

(Fassung: Blu-ray, Olive Films, USA)

Lose basierend auf einem Roman von Stephen King, den dieser einst unter seinem Pseudonym Richard Bachmann verfasste, katapultiert THE RUNNING MAN den Zuschauer in eine dystopische Zukunft, in der die USA nach einer großen Wirtschaftskrise von einem totalitären System regiert werden, die Bevölkerung mit Hilfe des Fernsehens belogen und manipuliert wird und eine sadistische Gameshow, in der Verbrecher von schwerbewaffneten Killern gejagt und getötet werden, zum größten Opium für das Volk geworden ist. Die Idee des Films an sich ist natürlich nicht neu, bereits der deutsche TV-Film DAS MILLIONENSPIEL aus dem Jahr 1970 zeichnete eine ganz ähnliche, düstere Zukunftsvision und übte – ebenso wie Glasers King-Verfilmung – harsche Medienkritik.

An die ganz große Klasse vieler weiterer Actionfilme, die Schwarzenegger damals gedreht hatte – ich denke an COMMANDO, PREDATOR, TOTAL RECALL und natürlich THE TERMINATOR – kommt THE RUNNING MAN nicht ganz heran. Der Film kommt einem zwischen diesen Dinos fast etwas klein vor, das unterirdische Game-Show-Setting wirkt arg beengt, die verschiedenen Jäger werden relativ schnell abgefertigt und wirklich ausufernde Actionsequenzen sind auch eher Mangelware. Aus halbwegs objektiver Sicht wird man wohl auch zugeben müssen, dass THE RUNNING MAN von allen Schwarzenegger-Filmen aus den 80er Jahren der ist, der vielleicht am schlechtesten gealtert ist. Die damals noch futuristischen Kostüme der Gejagten und Jäger muten nur noch absurd-komisch an – insbesondere Dynamo kommt eher als Lachnummer und nicht ernstzunehmende Bedrohung rüber – und was von THE RUNNING MAN unterhaltungstechnisch am Ende bleibt sind vor allem Arnies typische One-Liner.

Wenn man wie ich THE RUNNING MAN jedoch damals im Kino sehen durfte, in einer Zeit, in der sie es mit Alterskontrollen zum Glück noch nicht ganz so ernst nahmen, wird man verzeihen, dass ich diesen Film hier unmöglich objektiv und neutral bewerten kann. Ich habe ihn nun schon lange Jahre nicht mehr gesehen und die jetzige Sichtung war wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Schwarzenegger war neben Stallone der ganz große Action-Held meiner Jugend, ich werde alle seine Filme von damals für immer im Herzen tragen und liebe auch THE RUNNING MAN auf seine ganz eigene Art und Weise.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

 

POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE (Deutschland 1964, Regie: Jürgen Roland)

polizeirevier davidswache

(Fassung: DVD, Polar Film, Deutschland)

Der Film beginnt mit einem Erzähler aus dem Off, der eine Bürgerversammlung kommentiert und mit dramatischer Stimme diverse Protagonisten vorstellt. Die Anfangs-Credits bestehen zu einem großen Bestandteil aus einer Texttafel, aus der hervorgeht, dass alle Vorkommnisse im folgenden Film wahr seien. POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE erinnert in diesen ersten Minuten an einen frühen Vertreter der wenige Jahre später so erfolgreichen Report-Filme, entpuppt sich dann aber doch schnell als episodenhaft erzählter Kriminalfilm mit einem Hauptplot und diversen Nebenhandlungsfäden.

Zentrale Figuren in POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE sind der gerade aus dem Gefängnis entlassene Bruno Kapp (Günther Ungeheuer) und Hauptwachtmeister Glantz (Wolfgang Kieling), der Kapp einst ins Zuchthaus brachte und an dem sich dieser nun rächen will. Während Glantz die Bedrohung nicht wirklich ernst nimmt, versucht Kapp alles, um an eine Waffe zu kommen. In das für Glantz anfangs gar nicht richtig wahrgenommene Katz-und-Maus-Spiel fügt Roland noch diverse andere Charaktere ein, von denen jeder in gewisser Weise seine ganze eigene Reeperbahn-Geschichte verpasst bekommt.

POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE ist ungemein abwechslungsreich und spannend inszeniert und überzeugt zudem mit verdammt viel Liebe zum Detail. Heimlicher Hauptdarsteller des Films ist natürlich der berühmt-berüchtigte Hamburger Stadtteil, der dem Zuschauer hier mit überzeugendem und für die Qualität solcher Filme praktisch unbezahlbarem Lokalkolorit näher gebracht wird. Ein Mikrokosmos verschiedenster Charaktere, der in Rolands Film ungeheuer authentisch, lebendig und sympathisch wirkt.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

TONARI NO TOTORO (aka MY NEIGHBOR TOTORO) (Japan 1988, Regie: Hayao Miyazaki)

tonari no totoro

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

 In TONARI NO TOTORO beziehen die beiden Schwestern Mei und Satsuki gemeinsam mit ihrem Vater ein Haus auf dem Land um näher bei ihrer Mutter zu sein, die sich im nahegelegenen Krankenhaus von einer schweren Krankheit erholt, und freunden sich beim Spielen im Wald mit dem riesigen Waldwesen Totoro an…

TONARI NO TOTORO zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es ein durchweg positiver Film geworden ist, es gibt keine Bösewichter, hier regiert einzig und allein das Gute und würde man behaupten, Miyazakis Film wärme regelrecht das Herz seiner Zuschauer, man würde sicher keinen Unsinn erzählen.

Die Animationen (heißt das bei diesen alten Trickfilmen schon so?) sind einfach nur wunderschön geraten, und die Tatsache, dass sie vielleicht noch keinen so extremen Detailreichtum aufzuweisen haben wie Miyazakis spätere Filme – insbesondere SEN TO CHIHIRO NO KAMIKAKUSHI und HAURU NO UGOKU SHIRO kommen da ins Gedächtnis – fällt in keiner Weise negativ ins Gewicht. TONARI NO TOTORO ist einfach toll und schon allein wegen dieser grandiosen Sequenz sehenswert, in der die beiden Kinder und Totoro im Regen auf den Bus warten. Pure Kinomagie ohne echte Schauspieler.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

 

ALL CHEERLEADERS DIE (USA 2013, Regie: Lucky McKee/Chris Sivertson)

all cheerleaders die

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Regisseur Lucky McKee hat mit THE WOMAN im Jahr 2011 einen der verstörendsten Horrorfilme der letzten Jahre gedreht, ein Film, der dem Zuschauer einiges abverlangt hat und bestens dazu geeignet war, unbedarfte Menschen nachhaltig zu verschrecken. ALL CHEERLEADERS DIE, den McKee gemeinsam mit Chris Sivertson realisiert hat – die beiden haben mit diesem abendfüllenden Spielfilm praktisch ein Remake ihres eigenen, gleichnamigen Debüt-Kurzfilms gedreht -, könnte sich vom Vorgängerfilm wohl nicht größer unterscheiden. ALL CHEERLEADERS DIE ist eine Horrorkomödie um Zombie-Cheerleader, in der genüsslich vorherrschende Rollenklischees zunächst überspitzt dargestellt und dann komplett durch den Fleischwolf gedreht werden. Was dem Film jedoch abgeht, ist ein gewisser Drive. ALL CHEERLEADERS plätschert eher gemächlich vor sich hin, präsentiert einige nette Gags und ein paar ebenso nette Effekte, kommt dabei aber irgendwie auch nie über das Qualitätsmerkmal nett und unterhaltsam hinaus.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WARRIOR (USA 2011, Regie: Gavin O’Connor)

warrior

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

In WARRIOR nehmen zwei Brüder (Joel Edgerton und Tom Hardy) aus verschiedenen Gründen an einem mit 5 Mio. Dollar dotierten Mixed-Martial-Arts-Turnier teil und stehen sich letztendlich im Finale als Gegner gegenüber…

Das Grundkonstrukt von WARRIOR ist vielleicht recht simpel, unter der Fassade des Sportfilms steckt aber noch ein bewegendes Familiendrama, welches mit authentischen und glaubwürdigen Charakteren zu überzeugen weiß. Der große Clou von WARRIOR ist es, dem Zuschauer zwei potentielle Sympathieträger zu präsentieren, die sich hier gegenüber stehen. Beide mit Ecken und Kanten, beide mit Fehlern, beide sicher streitbar. Es liegt am Zuschauer, wem er letztendlich die Daumen drücken will und das führt dazu, dass der Schlusskampf dann auch wirklich zur spannenden Zerreißprobe wird, da man eben nicht schon von vornherein davon ausgehen kann, dass der persönliche Favorit als Sieger hervorgehen wird. Gespielt ist WARRIOR schlicht grandios, die Kampfszenen sind atemberaubend inszeniert und den ganzen Film möchte ich einfach mal mit dem Wort einnehmend beschreiben. Es ist lange her, dass mich ein Film so dermaßen vor dem heimischen Fernseher gefesselt hat wie dieser hier. Da schaltet man ohne große Erwartungen den Blu-ray-Player an und wird dann über knapp 2,5 Stunden regelrecht weggeblasen. Ich bin schlichtweg begeistert, WARRIOR ist einer dieser Filme, die ich persönlich einfach mal als perfekt bezeichnen möchte.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!

 

HIN UND WEG (Deutschland 2014, Regie: Christian Zübert)

hin und weg

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

In HIN UND WEG begibt sich eine Handvoll Freunde auf eine alljährliche Radtour, die sie dieses Mal nach Belgien führen wird, einem Land, das Hannes (Florian David Fitz), der Organisator der Reise, aus gutem Grund gewählt hat. Hannes ist unheilbar an ALS erkrankt und möchte nach Belgien, um dort in Frieden sterben zu können. Und auf dem Weg dorthin müssen seine Freunde wohl oder übel irgendwann von seiner Krankheit und seinem Vorhaben erfahren…

Trotz seines ernsten Themas ist HIN UND WEG kein betrübender oder gar deprimierender Film geworden. Regisseur Christian Zübert hat über weite Strecken eigentlich sogar das Gegenteil davon gedreht. HIN UND WEG ist in erster Linie positiv, lebensbejahend und eine Liebeserklärung an echte Freundschaften, daran, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Die verschiedenen Charaktere mögen in Ansätzen vielleicht klischeehaft erscheinen, sind bei näherer Betrachtung aber vielleicht auch einfach nur ganz gewöhnliche Menschen mit typischen Stärken und Schwächen. Als Zuschauer kann man sich wunderbar mit den verschiedenen Protagonisten identifizieren, man scheint ihre Macken teilweise nur zu gut zu kennen, kann ihre Handlungen nachvollziehen, leidet und lacht mit ihnen gemeinsam. In gewisser Weise ist HIN UND WEG ein ausgesprochen schöner Film geworden und es tut gut, zu sehen, dass das deutsche Kino ab und zu auch mal Filme hervorbringt, die nicht in das typische Beziehungskomödienklischee passen.

Aber HIN UND WEG hat in meinen Augen auch ein paar Schattenseiten. Das letzte Drittel, in dem die Freunde ans Ziel ihrer Tour angelangen und dieses Ziel gleichzeitig das Ende von Hannes’ Leben bedeuten wird, hätte ich mir etwas mehr Zurückhaltung in der Inszenierung gewünscht. Die Geschehnisse sind mir persönlich etwas zu explizit und zu krass dargestellt, man hätte das auch anders lösen können.

Wobei ich mir im Endeffekt da gar kein großes Urteil erlauben möchte, vielleicht war genau diese Form auch die richtige. Vielleicht waren dieser extreme Bruch in der Stimmung des Films und das explizite Zeigen der Sterbehilfe auch zwingend notwendig, um die Zuschauer wachzurütteln und zum Nachdenken über dieses ernste Thema zu bewegen. Vielleicht hätte eine zurückhaltendere Inszenierung das doch ernste Thema des Films zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Am Ende des Tages muss das wohl jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

TED 2 (USA 2015, Regie: Seth MacFarlane)

ted 2

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Großbritannien)

Etwas maue Fortsetzung des doch so wunderbar bissigen Vorgängers aus dem Jahr 2012. In TED 2 heiratet der einst lebendig gewordene Teddybär – dem erneut Regisseur Seth MacFarlane seine Stimme geliehen hat – seine große Liebe Tami-Lynn (Jessica Barth) und führt zunächst ein eigentlich stinknormales Leben. Doch schon bald gibt es erste Probleme in der Beziehung, die jedoch mit Nachwuchs gelöst werden sollen. Da dies jedoch nicht auf dem herkömmlichen Weg möglich ist, stellt das ungleiche Paar einen Adoptionsantrag und gerät so ins Visier der Behörden. Ted soll vor Gericht zum Gebrauchsobjekt deklariert werden und kämpft nun gemeinsam mit seinem besten Kumpel John (Mark Wahlberg) und der kiffenden Anwältin Samantha (Amanda Seyfried) um seine Persönlichkeitsrechte.

Der Plot von TED 2 ist – ähnlich wie der des Vorgängers – natürlich wieder herrlich absurd geraten und der Handlungsverlauf verfügt auch durchaus über ein nicht wegzuleugnendes Unterhaltungspotential abgeht. Was TED 2 jedoch fast komplett abgeht ist die extreme Bissigkeit von TED und dessen irrsinniger Gross-Out-Humor. Der beste Gag in dieser Richtung – Stichwort: Samenbank – wird schon relativ früh abgefeuert, danach gibt es noch ein paar vereinzelte Geschmacklosigkeiten der etwas derberen Sorte und ein bisschen „offensive dialogue“, über weite Strecken geht es in TED 2 aber doch sehr gesittet, harmlos und verdammt gemäßigt zur Sache.

Persönliche Bewertung: Nett!

 

JÜRGEN ROLAND’S ST. PAULI-REPORT (Deutschland 1971, Regie: Jürgen Roland)

jürgen roland's st. pauli-report

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Wie es der Titel schon verrät ist dieser Film von Regisseur Jürgen Roland – im Gegensatz zu dem einige Tage zuvor gesehenen POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE – nun tatsächlich ein echter Report-Film mit allem, was so dazugehört. Der Regisseur selbst führt als aktiver Erzähler vor der Kamera durch den Film und konfrontiert den nach Unterhaltung und Schauwerten lechzenden Zuschauer diverse Geschichten von der sündigen Meile. Wie sich das für echte Report-Filme gehört, sind diese abwechselnd komisch, spannend und dramatisch geraten und verfügen jeweils über recht schwankende Qualität. Auch dieser Film lebt vor allem von seinem Handlungsort und den sympathisch-obskuren Figuren, die ihn bevölkern. Für den Freund des gepflegten Exploitationfilms gibt es ein paar nette Schauwerte und – insbesondere in der Episode mit Rudolf Schündler als notgeilem Onkel Troll (!!!) – eine gehörige Portion Sleaze. An die Qualität eines Films wie POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE kommt JÜRGEN ROLAND’S ST. PAULI-REPORT jedoch nie heran.

Persönliche Bewertung: Nett!

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