Jahresendspurt – 3. Teil

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS (Belgien / Frankreich / Luxemburg 2013, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS handelt vom Geschäftsmann Dan Kristensen (Klaus Tange), der von einer Geschäftsreise nach Hause kommt und feststellen muss, dass seine Frau spurlos verschwunden ist. Er macht sich auf die Suche nach ihr und gleitet schon bald in einen Zustand ab, in dem die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen…

Nach dem von mir vor einigen Wochen gesehenen AMER ist dies hier der zweite abendfüllende Spielfilm der beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich erneut der Stilmittel der klassischen Gialli bedienen und mit diesen einen Film erschaffen, dessen Sichtung schon fast einer sinnlichen Erfahrung gleichkommt. Konnte man der Handlung von AMER noch halbwegs folgen, hat man hier als Zuschauer eigentlich gar keine Chance mehr. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS besteht praktisch nur noch aus aufregenden, in satte Farben getauchten Bildern, aus Großaufnahmen von Augen, Mündern und sonstigen Körperpartien, aus beunruhigenden Geräuschen, aus Stimmung und Atmosphäre. Man kann sich diesem Film bereits nach kurzer Zeit einfach nur noch wehrlos ergeben, um was es hier letztendlich geht, wie die Lösung des Rätsels aussehen wird, all das ist vollkommen zweitrangig. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS nimmt einen als Zuschauer in Gefangenschaft und führt einen in unbekannte Dimensionen. Ich hatte über die komplette Laufzeit des Films Gänsehaut, obwohl ich ihm auf Handlungsebene schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr folgen konnte. Wahnsinn, was ein Film alles auslösen kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DAMNATION ALLEY (USA 1977, Regie: Jack Smight)

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(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

DAMNATION ALLEY spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft und handelt von einer Handvoll Menschen, die sich in einem futuristischen Militärgefährt auf den Weg machen, um eine alte, in nicht gerade wirtlicher Gegend gelegene Militärbasis zu verlassen, und dabei hoffen, auf ihrer langen Reise auf einen Ort zu treffen, der tatsächlich noch bewohnbar ist.

Ich würde jetzt wirklich gerne etwas Positives über DAMNATION ALLEY schreiben, schon allein aus dem Grund, weil ich einfach ein Herz für Filme dieser Art habe und ich auf gewisse Art und Weise auch Smights Film ungemein sympathisch finde. Im vorliegenden Fall ist dies aber schon verdammt schwer, weil in DAMNATION ALLEY über die fast komplette Laufzeit einfach nichts Nennenswertes passiert. Smights Film ist nicht spannend, bietet fast keine Schauwerte und kommt zudem noch mit Effekten um die Ecke, denen man ihr Alter in jeder Einstellung ansieht. Und macht man sich dann auch noch bewusst, dass DAMNATION ALLEY im Jahr 1977 immerhin 17 Mio. US-Dollar gekostet hat und ein gewisser Herr Lucas im selben Jahr für 6 Mio. US-Dollar weniger STAR WARS in die Kinos brachte, fällt es noch ein gutes Stück schwerer, ein großartiges Lobeslied auf Smights Film anzustimmen. Sicher, auch DAMNATION ALLEY hat seine Momente, die sind aber leider viel zu rar gesät, um den Film in irgendeiner Weise großartig interessant für sein Zielpublikum zu machen.

Begrüßenswert, dass längst vergessene B-Movies wie DAMNATION ALLEY von umtriebigen Labeln, sowohl in Deutschland als auch in den USA, ausgegraben, für die Nachwelt erhalten und fein säuberlich restauriert auf DVD und Blu-ray veröffentlicht werden, ist es natürlich dennoch, auch wenn sich in den vielen liebevollen Veröffentlichungen die eine oder andere Gurke versteckt wie dieser Film hier.

Bewertung: Naja!

 

LUCY (Frankreich/USA 2014, Regie: Luc Besson)

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(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

In LUCY gerät Scarlett Johansson aufgrund widriger Umstände in die ungünstige Situation als Drogenkurier missbraucht zu werden. Ehe sie sich versieht, wird unter ihrer Bauchdecke ein Päckchen neuartiger, synthetischer Drogen verstaut, welches sie in die USA schmuggeln soll. Als das unheilvolle Paket jedoch in ihr aufplatzt und die austretende Droge ihre Wirkung entfaltet, hat das für alle Beteiligten ausgesprochen fatale Konsequenzen. Die bewusstseinserweiternde Droge führt schließlich dazu, dass die Titelheldin sämtliche Kapazitäten ihres Gehirns nutzen kann und übermenschliche Kräfte entwickelt…

Bessons LUCY ist ein typischer 50/50-Film. Love it or hate it – großartige Meinungen dazwischen dürfte es wohl eher nicht geben. Ich bekenne mich dann mal zur “Love It!“- Fraktion, weil ich es schon beeindruckend fand, wie Besson einen Film, der anfangs noch auf ein typisches 08/15-Blockbuster-Publikum zugeschnitten zu sein scheint, innerhalb kürzester Zeit in ein Stadium kompletten Wahnsinns abdriften lässt. Je länger LUCY dauert, desto mehr knallt der Film einfach nur durch, entledigt sich sämtlicher Logik-Grenzen und wird zum rein visuellen Spektakel. Und als Zuschauer sitzt man mit runtergelassener Kinnlade vor dem heimischen Flachbild-TV und traut seinen Augen nicht.

Bewertung: Sehr gut!

 

MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (USA 2015, Regie: Christopher McQuarrie)

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(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 In seinem fünften Kinoeinsatz als Spezialagent Ethan Hunt muss Tom Cruise auf eigene Faust operieren um die gefährliche Verbrecherorganisation “The Syndicate” zu zerschlagen…

In den knapp 20 Jahren, in denen die Reihe nun schon existiert, hat sie in meinen Augen eine beachtliche Entwicklung hingelegt und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass fast jeder Film seinen ganz eigenen Stil hat. Vom reinen Agenten- und Suspensethriller, den Brian De Palma mit dem Auftaktfilm einst abgeliefert hatte, über komplette Over-the-top-Action von John Woo in Teil 2 hin zu mehr Ernsthaftigkeit im dritten Film von J.J. Abrams, nur um diese Ernsthaftigkeit dann in Teil 4 von Brad Bird wieder gehörig aufzulockern.

Für MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION wurde mit Christopher McQuarrie nun der fünfte Regisseur für den fünften Film verpflichtet. Der hatte vor diesem Film gerade erst 2 Regiearbeiten vorzuweisen, den ziemlich tollen THE WAY OF THE GUN aus dem Jahr 2000 und den eher nicht so tollen JACK REACHER aus dem Jahr 2012. Ihn auszuwählen war also erneut eine durchaus mutige Entscheidung der Produzenten – bereits J.J. Abrams (der damals vom TV kam) und Brad Bird (der zuvor nur Animationsfilme gedreht hatte) waren einst ebenso mutige Entscheidungen gewesen – und auch wenn ich der Meinung bin, dass dieser fünfte Teil gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger etwas abfällt, so muss man nach Sichtung des Films doch konstatieren, dass die Entscheidung für McQuarrie eine gute gewesen ist.

Auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION kann durch einen eigenen Stil überzeugen, da der Film aber an die Ereignisse des Vorgängers anschließt und dessen Geschichte weitererzählt, ist der Stilbruch nicht ganz so eklatant wie zwischen den vier Filmen zuvor. McQuarrie setzt – wie schon Bird – auf Agentenkino im klassischen Bond-Stil mit humoristischen Einschlägen (für die der mal wieder toll aufspielende Simon Pegg sorgt), hat dem Zuschauer sehr viele verschiedene Locations zu bieten, an denen sein Film spielt, fährt aber im Vergleich zum Vorgänger die Actionsequenzen in ihrer Anzahl deutlich zurück, orientiert sich dabei mehr an De Palmas einstigen Auftaktfilm und setzt insbesondere auf Suspense. Die Sequenz in der Oper ist schlicht grandios, die Unterwasserszene an Spannung kaum zu überbieten. Für reine Action sorgen dagegen die etwas arg übertriebene Auftaktsequenz und die atemberaubende Verfolgungsjagd mit den Motorrädern (die dann auch ein bisschen was von Woos zweiten Teil hat).

Ja, auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION ist richtig gut geworden und stellt eine willkommene Abwechslung innerhalb des sonst einfach viel zu sehr von diversen Superhelden dominierten Blockbusterbereichs dar. Im direkten Vergleich mit dem unmittelbaren Vorgänger muss ich allerdings feststellen, dass mir Birds actionreicherer und spektakulärerer Film einen Tick besser gefallen hat.

Bewertung: Sehr gut!

 

INVICTUS (USA 2009, Regie: Clint Eastwood)

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(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

 Clint Eastwood erzählt in INVICTUS die Geschichte von Nelson Mandela, der Mitte der 90er Jahre, kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten von Südafrika, mit allen Mitteln versuchte, das gespaltene Land zu einen und sich dabei auch auf die Menschen verbindende Kraft des Sports verließ.

Man mag Eastwood vielleicht vorwerfen, dass er es sich etwas zu einfach macht, die sicher extrem komplexe politische Situation auf ein Sportdrama herunter zu brechen, wie er dies allerdings inszeniert, wie geschickt er den Zuschauer emotional packt und manipuliert und wie großartig er seine Darsteller in Szene setzt, das ist wahrlich meisterhaft. Insbesondere Morgan Freeman liefert in der Rolle des Nelson Mandela eine Darbietung für die Annalen der Filmgeschichte ab, man kann sich nach Sichtung dieses Films tatsächlich keinen einzigen anderen Schauspieler in dieser Rolle vorstellen. Es ist vor allem auch Freemans Spiel, das INVICTUS so lebendig werden und so glaubwürdig erscheinen lässt, mag der Film auch noch so simpel gestrickt sein.

Mich persönlich hat INVICTUS emotional komplett mitgerissen und begeistert, ich hatte an mehreren Stellen des Films – insbesondere natürlich im Finale – vor lauter Rührung Tränen in den Augen und habe praktisch jede Sekunde von INVICTUS einfach nur genossen.

Bewertung: Meisterwerk!

 

JOSHÛ ORI (Japan 1983, Regie: Masaru Konuma)

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(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In den 70er und 80er Jahren produzierte das japanische Kult-Studio Nikkatsu fast ausschließlich Film mit (soft-)erotischen Inhalten um so größere Zuschauerzahlen zu generieren. Das Resultat waren dabei nicht selten wilde Exploitation-Filme, die innerhalb verschiedenster Subgenres versuchten, neue Grenzen auszuloten. JOSHÛ ORI von Regisseur Masaru Konuma ist ein Vertreter des – sich für das Zeigen nackter Tatsachen natürlich ganz vorzüglich geeigneten – Women-in-Prison-Films und handelt von der Gefangenen Masayo (Mina Asami), an der nach einem missglückten Ausbruchversuch ein Exempel statuiert werden soll, damit solche Versuche nicht plötzlich Mode machen. In seinen knapp 70 Minuten, die JOSHÛ ORI gerade mal dauert, werden dann auch alle Zutaten des WIP-Films abgearbeitet. Die – nennen wir es mal vorsichtig – Konflikte der Häftlinge untereinander, die fiesen und sadistischen Wärterinnen, die Hauptfigur, die sich einfach nicht brechen lässt. Leider vergisst Regisseur Konuma inmitten all seiner Schauwerte ein bisschen, auch so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. JOSHÛ ORI mangelt es an einem Spannungsbogen, Konuma konfrontiert den Zuschauer zwar mit so einigen “What the Fuck!?!“-Momenten, die bloße Aneinanderreihung solcher Sequenzen reicht am Ende aber doch nicht aus, um JOSHÛ ORI als guten Filmen bezeichnen zu können.

Bewertung: Ok!

 

DER ARZT VON ST. PAULI (Deutschland 1968, Regie: Rolf Olsen)

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(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

DER ARZT VON ST. PAULI war damals der Auftakt einer kleinen Reihe von St.-Pauli-Filmen, die zwischen 1968 und 1971 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle in die deutschen Kinos kamen. Leider ist die Verfügbarkeit der Film auf DVD noch sehr schlecht und so ist dieser Film hier – neben den schon vor etwas längerer Zeit gesehenen AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS – leider der einzige dieser Filme, die man sich problemlos zuhause ansehen kann ohne TV-Zeitschriften wälzen zu müssen und auf eine Ausstrahlung zu hoffen. Verdammt schade, denn Olsens Film macht definitiv Lust auf mehr.

Curd Jürgens spielt den Allgemeinarzt Dr. Jan Diffring, einem Mann mit großem Herzen und viel Liebe für seine Patientinnen und Patienten vom Kiez, der im Verlauf des Films in einen Kriminalfall hineingezogen wird und schließlich feststellen muss, dass es sich bei seinem Bruder, den als Gynäkologen praktizierenden Dr. Klaus Diffring (Horst Naumann) um einen skrupellosen Gangster handelt…

Olsen erzählt die Geschichte der beiden Brüder zunächst eher episodenhaft nebeneinander her und verbindet die beiden Handlungsstränge erst relativ spät miteinander (wobei man als Zuschauer allerdings immer einen Wissensvorsprung hat und somit den finalen Konflikt schon bald erahnen kann). Das führt – und das ist das einzige, kleine Manko des Films – leider etwas dazu, dass Curd Jürgens nicht allzu viel Screentime abbekommen hat und DER ARZT VON ST. PAULI nicht so sehr beherrschen kann, wie er nur ein Jahr später AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS beherrschen sollte. In den Szenen, die ihm bleiben, ist er dafür einfach grandios, spielt den Allgemeinarzt als gäbe es kein Morgen mehr und als würde das Schicksal der Welt davon abhängen, dass er diesem Charakter glaubwürdiges Leben verleiht. In Verbindung mit dem wirklich abwechslungsreichen Plot, den unzähligen Schauwerten des Films, die immer wieder auch die Grenze zum Sleaze genüsslich überschreiten, den herrlichen Dialogen und dem unschlagbaren Zeit- und Lokalkolorit ist DER ARZT VON ST. PAULI ein Paradebeispiel dieser Sittenreißer aus längst vergangenen Tagen und kann einen als Zuschauer nur hoffen lassen, dass noch mehr deutsche Filme dieser Art aus der damaligen Zeit geborgen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Bewertung: Sehr gut!

 

HERE COMES THE BOOM (USA 2012, Regie: Frank Coraci)

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(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Kevin James spielt den Highschool-Lehrer Scott Voss, der sich als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer versucht um auf dieser Art und Weise Geld aufzutreiben und den Job seines Freundes und Kollegen Marty (Henry Winkler) zu sichern, der aufgrund von Budgetkürzungen wegrationalisiert werden soll…

Sollte jemand behaupten, HERE COMES THE BOOM sei harmlos, kitschig, klischeehaft und vorhersehbar, könnte man ihm voll nicht großartig widersprechen. Aber diese eher negativen Eigenschaften macht Regisseur Coraci mit der Warmherzigkeit, der positiven Energie und der schlichten Schönheit, die sein Film ausstrahlt, locker wieder weg. Und natürlich mit den vielen, einfach nur urkomischen Szenen, die Coraci mit Hilfe seines Hauptdarstellers Kevin James zu bieten hat.

HERE COMES THE BOOM ist verdammt witzig und zudem einer der positivsten Filme, die ich je gesehen habe. Hier regiert der kindlich-naive Glaube an das Gute, es gibt so gut wie nichts Negatives in diesem Film und wenn es aus dramaturgischen Gründen doch notwendig sein sollte (wie bspw. vor dem finalen Kampf), wird es eher nebenbei erwähnt, nur um die positive Grundstimmung nicht zu gefährden. Nicht einmal Voss’ Gegner im Schlusskampf, der durchaus martialisch gezeichnete Ken Dietrich (Krzysztof Soszynski), taugt als “Bösewicht“, auch er zeigt plötzlich seine gute und positive Seite. Das alles macht HERE COMES THE BOOM in meinen Augen ungemein sympathisch, liebens- und absolut empfehlenswert.

Bewertung: Gut!

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