Jahresendspurt – 4. Teil

NEEDFUL THINGS (USA 1993, Regie: Fraser Clarke Heston)

needful things

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 In einer verschlafenen Kleinstadt eröffnet ein neuer Laden, dessen Inhaber – der mysteriöse Leland Gaunt (Max von Sydow) – für die ganz speziellen Wünsche eines jeden Bewohners der Stadt genau das Richtige zu führen scheint. Doch das Erfüllen besonderer Wünsche hat auch seinen Preis…

Nach einem Roman von Stephen King erzählt Regisseur Fraser Clarke Heston in NEEDFUL THINGS die klassische Geschichte von Menschen, die sich – hier ohne es zu ahnen – auf einen Deal mit dem Teufel einlassen. Der von Max von Sydow grandios gespielte Beelzebub entwickelt eine diebische Freude dabei, negative Charaktereigenschaften der Bürger – wie Gier, Neid und Missgunst – für sich zu nutzen um sein Teufelswerk zu vollbringen und die verschlafene Stadt so ins absolute Chaos zu stürzen. NEEDFUL THINGS ist ebenso spannend wie rasant erzählt, überzeugt mit teils tiefschwarzem, bitterbösem Humor und gehört auch aufgrund seiner tollen Besetzung – neben Max von Sydow spielen u.a. Ed Harris, Bonnie Bedelia, Amanda Plummer, J.T. Walsh und Don S. Davis mit – definitiv zu den besten Stephen-King-Verfilmungen, die je das Licht einer großen Leinwand erblickt haben.

Bewertung: Gut!

 

THE DEVIL-DOLL (USA 1936, Regie: Tod Browning)

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(Fassung: DVD, Warner, USA)

Nach vielen Jahren Haft gelingt dem unschuldig verurteilten Pariser Bankier Paul Lavond (Lionel Barrymore) gemeinsam mit dem verrückten Wissenschaftler Marcel (Henry B. Walthall) die Flucht. In Marcels abgelegenem Haus findet er Unterschlupf und wird mit dessen Erfindung vertraut gemacht. Marcel hat ein Serum entwickelt, mit dem er Lebewesen auf Miniaturgröße verkleinern und diese sodann mit Gedankenkraft steuern kann. Regelrecht besessen davon, seine Forschungen weiterzuführen, erliegt Marcel nach den Strapazen der Flucht jedoch einem Herzinfarkt. Lavond begibt sich mit Marcels Witwe Malita (Rafaela Ottiano) daraufhin nach Paris, um sich Marcels Serum zu Nutzen zu machen und sich an all denen zu rächen, die ihn einst unschuldig ins Gefängnis brachten…

Ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie ungemein schnörkellos, effektiv und ökonomisch diese B-Movies aus den 30er Jahren – nicht nur innerhalb des Gruselfilms, sondern auch in vielen anderen Genres – inszeniert waren. In Laufzeiten zwischen 60 und knapp 90 Minuten wurden da mitunter durchaus komplexe Handlungen untergebracht und diese dann mit einer Rasanz erzählt, dass man als Zuschauer – auch heute noch – einfach nur große Anerkennung für die damaligen Filmemacher aufbringen kann.

Auch THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning, dessen Name übrigens nicht mal in den Credits auftaucht, macht da keine Ausnahme. Browning vermischt verschiedene Genreelemente (THE DEVIL-DOLL ist Gruselfilm, Science-Fiction, Thriller und Familiendrama) zu einem großen Ganzen, packt alles in eine Laufzeit von gerade mal 76 Minuten und lässt den Zuschauer praktisch keine Zeit zum Durchschnaufen. Es gibt keinerlei Leerlauf in der wendungsreichen Geschichte – deren Ende dann übrigens auch ein gutes Beispiel dafür ist, wie damalige Filmemacher versuchten, aus den streng auferlegten Regeln des Hays-Codes, doch noch das Beste rauszuholen – und ehe man sich versieht, ist THE DEVIL-DOLL leider auch schon wieder vorbei. Browning hat da einen schönen, stimmungsvollen Grusler gedreht, der auch heute noch funktioniert und dessen Effekte man – bedenkt man das Erscheinungsjahr – einfach nur als absoluten Hammer bezeichnen kann.

Bewertung: Gut!

 

RUNNER RUNNER (USA 2013, Regie: Brad Furman)

runner runner

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Um sein Studium an der renommierten Princeton-University zu finanzieren, verdient sich Justin Timberlake als Student Richie Furst als eine Art Buchmacher für Online-Glücksspiele eine goldene Nase. Als ihm jedoch von der Universitätsleitung der Riegel vorgeschoben wird, ist die Finanzierung seines Studiums in Gefahr. Mit Mut zum Risiko setzt er sein ganzes Geld beim Online-Poker ein und verliert schließlich alles. Davon überzeugt, betrogen worden zu sein, reist er schließlich nach Costa Rica um Ivan Block (Ben Affleck), den schwerreichen Betreiber der Seite, zur Rede zu stellen, erliegt dort jedoch den Verlockungen von Blocks Luxusleben und lässt sich auf gefährliche Machenschaften mit dem charismatischen Menschenfänger ein…

Regisseur Brad Furman inszeniert seinen Thriller auf extrem ruhige Art und Weise und scheint sich weniger auf seine Geschichte und seine Schauspieler, sondern mehr auf seine visuelle Ästhetik und die entspannt-chillige Atmosphäre seines Films zu verlassen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man RUNNER RUNNER überhaupt als Thriller bezeichnen kann, denn Furmans Film funktioniert tatsächlich weniger als Spannungskino im herkömmlichen Sinn, sondern praktisch ausschließlich aufgrund seiner ausgesprochen hübsch anzusehenden Bilder. So plätschert RUNNER RUNNER über gut 90 Minuten vor sich hin, lullt den Zuschauer von Minute zu Minute mehr ein und die einzige Spannung, für die er sorgt, ist die Entspannung, die sich bei mir mit zunehmender Laufzeit als Betrachter breitgemacht hat. Film als Hintergrundrauschen, zum Runterkommen nach einem stressigen Arbeitstag, zum Berieseln. Film an der Grenze zur absoluten Belanglosigkeit – aber immerhin nett anzusehen.

Bewertung: Ok!

 

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA (Deutschland 1970, Regie: Werner Jacobs)

was ist denn bloß - mit willi los grüß sie gott frau stirnima.

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen als gutmütiger Finanzbeamter Willi Winzig, der kurz vor seiner Pension gerne mal ein Auge zudrückt und dem kleinen Mann auf eigene Faust von seiner Steuerschuld betreibt. Als die Sache auffliegt, droht Willi einen Großteil seiner Pension zu verlieren. Sein Kollege und bester Freund Felix Klein (Ralf Wolter) hat die Lösung für das Problem: Willi solle doch einfach komplett verrücktspielen und sich so als unzurechnungsfähig erklären lassen. In all das Tohuwabohu gesellt sich außerdem noch Willis Nichte Helga (Stella Mooney), die von zuhause ausgerissen ist, bei Willi nun Unterschlupf sucht und ihre neugewonnene Freiheit dergestalt nutzt, dass sie sich immer wieder heimlich mit ihren großen Liebe, dem Musiker Frankie (Rex Gildo), zum gemeinsamen Stelldichein trifft…

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA ist ein typisches Produkt seiner Zeit, unterhält den Zuschauer mit maximal harmlosen und ungemein sympathischen Episödchen, die sich am Ende zu einem großen Ganzen vermischen. Rex Gildo darf ein paar Songs zum Besten geben und Heinz Erhardt und Ralf Wolter spielen sich die Gags gegenseitig zu. Natürlich lockt Jacobs’ Film heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor und die Tatsache, dass ein Film wie dieser das Publikum einst in Scharen in die Kinos locken konnte, mag aus heutiger Sicht ziemlich verwundern. Dass ich während der Sichtung des Films aber an einigen Stellen auch heute noch ein fettes Grinsen im Gesicht hatte, mag ich beim besten Willen nicht abstreiten. Das Schauspiel und der Wortwitz von Heinz Erhardt kann man in meinen Augen guten Gewissens als zeitlos bezeichnen. Erhardt schafft es mit Leichtigkeit, auch die größten Kalauer in einer Art zu präsentieren, dass man als Zuschauer regelrecht zum Lachen gezwungen wird.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

TATORT: GRENZGÄNGER (Deutschland 1981, Regie: Ilse Hofmann)

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(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

In seinem zweiten Auftritt als Horst Schimanski gefährdet Götz George aufgrund leichtsinnigen Handelns das Leben seines Kollegen Hollai (Günther Maria Halmer), der undercover arbeitet und dessen Deckung nun aufzufliegen droht. Auf eigene Faust holt Schimanski seinen alten Kumpel Hollai aus dem Untergrund und sorgt somit dafür, dass dieser wieder im normalen Polizeidienst tätig sein kann/darf/muss. Doch bald schon bekommt Schimanski Zweifel an Hollais Integrität…

GRENZGÄNGER greift das klassische Motiv des Undercover-Cops auf, der den Verlockungen des Verbrechens nicht länger widerstehen zu können scheint. Georges zweiter Auftritt ist somit weniger ein klassischer Kriminalfall, sondern eher ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel, in dem auch noch genügend Zeit bleibt, die im ersten Fall begonnene Charakterisierung der beiden Hauptfiguren Schimanski und Thanner (Eberhard Feik) fortzuführen. Echte Spannungssequenzen sind in GRENZGÄNGER rat gesät, Regisseurin Hofmann verlässt sich voll und ganz auf ihre Hauptdarsteller und die sind es letztendlich dann auch, die dafür sorgen, dass auch der zweite Fall aus Duisburg zu einem der sehenswerten Krimis innerhalb der TATORT-Reihe gehört. George und Feik harmonieren als ungleiche Partner einfach ganz vorzüglich miteinander und schüren beim Zuschauer eine große Vorfreude auf all die anderen Fälle, welche die beiden noch zu lösen bekommen werden. Interessant fand ich bei GRENZGÄNGER auch die Darstellung des Handlungsortes. Duisburg wird im Vergleich zum Vorgänger DUISBURG-RUHRORT, in dem die Stadt einem halb verfallenen Moloch glich, deutlich positiver und freundlicher gezeichnet und kommt auf ihre eigene Art und Weise ausgesprochen sympathisch rüber. Und vom Soundtrack gibt es Songs von Marius Müller-Westernhagen, die ganz wunderbar zur Atmosphäre des Films passen.

Bewertung: Gut!

 

INVASION OF THE BODY SNATCHERS (USA 1978, Regie: Philip Kaufman)

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(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Bei meinen in umgedrehter Reihenfolge durchgeführten Sichtungen der Verfilmungen des Romans “The Body Snatchers“ von Jack Finney bin ich nun bei der zweiten Verfilmung angelangt, die Regisseur im Jahr 1978 realisiert hat. Hier ist es nun Donald Sutherland als Matthew Bennell, einem leitenden Angestellten des Gesundheitsamtes in San Francisco, der gemeinsam mit seiner Kollegin Elizabeth (Brooke Adams) der außerirdischen Invasion auf die Schliche kommt und mit allen Kräften versucht, diese zu verhindern.

Regisseur Philip Kaufman setzt verdammt viel auf die Karte “Stimmung und Atmosphäre“ und macht damit alles richtig. Das Grauen bricht langsam und ausweichlich über den Zuschauer herein und Kameramann Michael Chapman liefert entsprechend stimmungsvolle und furchterregende Bilder dazu ab. Diese Sequenz am Hafen beispielsweise, zu den Klängen von “Amazing Grace“, ist an Intensität kaum noch zu überbieten. Die Besetzung rund um Donald Sutherland – bestehend u.a. aus Brooke Adams, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright, Leonard Nimoy und Art Hindle – agiert hervorragend und so brennt auch auf schauspielerischer Seite nie etwas an. Und dann dieses für die 70er Jahre so typische Ende mit dieser letzten Einstellung von Donald Sutherland, die schon längst zum Kanon ikonischer Filmbilder gehören dürfte.

Ich bin nun schon auf die Ursprungsversion von Don Siegel – der hier übrigens einen Gastauftritt als Taxifahrer absolviert – gespannt, wage aber zu bezweifeln, dass Kaufmans Variante von Finneys Roman nochmals übertroffen werden kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DOCTOR X (USA 1932, Regie: Michael Curtiz)

doctor x

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Eine schreckliche Mordserie führt die Polizei direkt zum Forschungszentrum des Wissenschaftlers Dr. Xavier (Lionel Atwill). Entweder er oder einer seiner Forschungskollegen scheint für die Morde verantwortlich zu sein. Um nicht in die Schlagzeilen zu geraten, bittet Dr. Xavier die Beamten um etwas Aufschub. Er möchte selbst herausfinden, wer der Täter in seinen Reihen ist. Gleichzeitig hat der Reporter Lee Taylor (Lee Tracy) Wind davon bekommen, dass gegen Dr. Xavier ermittelt wird, und wittert eine große Story…

Ähnlich wie der ein paar Tage zuvor gesehene THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning ist auch DOCTOR X von Michael Curtiz ein Paradebeispiel des B-Movie-Gruslers aus den 30er Jahren. Gefilmt mit einem frühen Technicolor-Verfahren ist die mir vorliegende Farbfassung von DOCTOR X in schaurig-schöne Farben getaucht, die dem Film – ebenso wie das Setting in den Labors von Dr. Xavier mit ihrem ganzen Technikkram und den brodelnden Reagenzgläsern – eine wunderbare Gruselatmosphäre verleiht. Aufgelockert wird die spannende Suche nach dem Täter immer wieder durch Lee Tracy in der Rolle des Reporters, der hier ganz eindeutig als “comic relief“ besetzt ist und immer wieder für einige Lacher sorgt. So präsentiert DOCTOR X über die komplette Laufzeit eine ganz wunderbare Mischung aus spannenden, unheimlichen und komischen Momenten und sei hiermit jedem, der mit Filmen dieser Art auch nur ansatzweise etwas anfangen kann, dringendst ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut!

 

WHEELS OF FIRE (Philippinen/USA 1985, Regie: Cirio H. Santiago)

wheels of fire

(Fassung: Blu-ray, Code Red, USA)

 Wenn es jemand drauf hat, gelungene Rip-Offs zuvor erfolgreicher Kinofilme zu drehen bzw. drehen zu lassen, dann ist es Roger Corman. In seinem Auftrag wurde im Jahr 1985 auf den Philippinen von Stamm-Regisseur Cirio H. Santiago WHEELS OF FIRE gedreht, ein Film, der in einer post-apokalyptischen Welt spielt und ganz eindeutig als Rip-Off von MAD MAX 2 zu erkennen ist. Und Regisseur Santiago “delivers the goods“, sein Film ist vollgepackt mit Schauwerten, legt ein irres Tempo vor und begeistert mit geilen Wüsten-Settings, verrückten Klamotten, spektakulären Verfolgungsjagden in umgebauten Boliden, Schießereien, Prügeleien und einer gehörigen Portion Sleaze. WHEELS OF FIRE ist definitiv nichts für Feingeister, nichts für das Arthouse-Publikum mit dem Rotweinglas in der Hand und auch nichts für Leute, die sich von einem Film eine zumindest halbwegs vernünftige Geschichte erwarten. Fans des Exploitation-Kinos dürften bei WHEELS OF FIRE jedoch schon fast Freudentränen in den Augen haben. Verdammt, ist das Teil geil!

Bewertung: Sehr gut!

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