Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part IV

DRACULA UNTOLD (Japan / USA 2014, Regie: Gary Shore)dracula untold

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Seit die Universal Studios Anfang der 30er Jahre Filme wie DRACULA und FRANKENSTEIN in die Kinos brachten, schlachten sie diese klassischen Horror-Franchises immer wieder aufs Neue aus.

In DRACULA UNTOLD von Regisseur Gary Shore aus dem Jahr 2014 wird nun die Vorgeschichte des wohl berühmtesten Vampirs erzählt. Es ist die Geschichte des transsilvanischen Prinzen Vlad (Luke Evans), der einst als Sklave für die türkischen Heere kämpfte und als Pfähler in die Annalen der Kriegsgeschichte einging. Als viele Jahre später der türkische Eroberer Mehmed (Dominic Cooper) 1.000 Jünglinge von Vlad einfordert, um diese ebenfalls als Kämpfer für seine Armee auszubilden, weigert sich Vlad und verursacht dadurch einen Krieg, der gegen die türkische Übermacht praktisch nicht zu gewinnen ist. In seiner Verzweiflung lässt sich Vlad auf einen Deal mit einem mächtigen Dämon ein und wird schließlich zum unsterblichen Vampir.

Da diese Vorgeschichte meines Wissens noch nicht wirklich häufig Gegenstand von Dracula-Verfilmungen gewesen ist – in Coppolas DRACULA aus dem Jahr 1992 wurde sie zumindest angerissen – finde ich die Idee, aus ihr einen kompletten Film zu machen, prinzipiell durchaus begrüßenswert. Noch begrüßenswerter wäre es allerdings gewesen, wenn dabei nicht so ein uninspiriertes Etwas herausgekommen wäre wie DRACULA UNTOLD. Bis auf ein paar nette visuelle Einfälle und ein paar ganz hübsch choreographierte Schlachtsequenzen hat DRACULA UNTOLD dem Zuschauer leider nicht sonderlich viel zu bieten. Die Darsteller bleiben durch die Bank blass, die CGI-Effekte sind von der schwächeren Sorte und der ganze Film poltert am Zuschauer vorbei ohne diesen in irgendeiner Art und Weise mitreißen oder berühren zu können. Das mag ja zum kurzen Berieseln lassen durchaus noch halbwegs geeignet sein – die für diese Geschichte überraschend kurze Nettolaufzeit von knapp 90 Minuten trägt viel dazu bei, dass man von Shores Film nicht irgendwann genervt wird -, der Mythos Dracula hat aber definitiv einen besseren Film verdient wie diesen hier, insbesondere wenn er von dem Studio produziert wurde, das damals auch für die Ur-Version mit Bela Lugosi aus dem Jahr 1931 verantwortlich zeichnete.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

神龍猛探 | MIE JUE QI QI (aka Challenge of the Tiger, Italien / Hongkong / USA 1980, Regie: Bruce Le)

mie jue qi qi

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Die Formel für ein neuartiges Serum ist in die falschen Hände geraten und muss nun dringend wiederbeschafft werden, bevor schlimme Dinge mit ihr veranstaltet werden können. Ein Job wie gemacht für die beiden Top-Agenten Huang Lung (Bruce Le) und Richard Cannon (Richard Harrison), die jedoch alle Hände voll zu tun bekommen, da hinter der Formel jede Menge zwielichtiger Gestalten mit verschiedenen Interessenlagen her zu sein scheinen. Und so prügeln und schießen sich Lung und Cannon durch ihre Gegner um am Ende des Films wie erwartet den Tag retten zu können. Wobei für die Abteilung Attacke vor allem der von Regisseur Bruce Le gespielte Lung zuständig ist, sein Partner Cannon nimmt den Auftrag eher als Chance wahr sich durch verschiedene Betten zu vögeln, was für den Filmemacher Le natürlich ein gefundenes Fressen in der Form ist, dass er die Möglichkeit hat, seinen sowieso schon nicht an Schauwerten armen Film auch noch mit jede Menge blanker Brüste anreichern zu können – das Oben-Ohne-Tennis-Match ist beispielsweise einfach nur unglaublich!

Wie man vorstehenden Ausführungen sicher leicht entnehmen kann, ist 神龍猛探 | MIE JUE QI QI kein Film für das feingeistige Arthouse-Publikum, sondern spricht dann doch eher den Geschmack des B-Movie-Freaks an, der sich schon immer mal eine extrem sleazige Hongkong-Variante eines Bondfilms gewünscht hat. Regisseur Bruce Le jagt sich selbst als Hauptdarsteller, seine Mitstreiter vor und hinter der Kamera und natürlich auch sein Publikum durch einen hauchdünnen Plot, der ausschließlich durch Attraktionen verschiedenster Art zusammengehalten wird. Langeweile kommt in diesem wilden Reigen, in diesem atemberaubenden Kessel voll Buntem eigentlich nie auf und über fehlende “What the Fuck!?!“-Momente kann man sich auch nicht beschweren. 神龍猛探 | MIE JUE QI QI ist meilenweit davon entfernt, auch nur einen Hauch von Anspruch zu verbreiten und ich würde nicht mal so weit gehen wollen, ihn tatsächlich als guten Film zu bezeichnen, aber er ist unterhaltsam, extrem unterhaltsam. Und oft reicht allein diese Tatsache vollkommen aus!

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

MISSION: KILLFAST (USA 1991, Regie: Ted V. Mikels)

mission - killfast

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Im Vergleich zu anderen Exploitern scheinen die Filme von Regisseur Ted V. Mikels immer noch einen Hauch billiger, schäbiger und schmieriger zu sein – was im Bereich des Exploitationfilms ja nun wahrlich nichts Negatives ist. Auch MISSION: KILLFAST übt durch seine ganz eigene Art und Weise eine gewisse Faszination auf den gestählten B- und C-Movie-Freak aus, ist mit seiner für Filme dieser Art als episch zu bezeichnenden Laufzeit von knapp 100 Minuten aber schon fast einen Tick zu lang geraten, um den Zuschauer über die komplette Distanz die erhoffte Unterhaltung bieten zu können.

Ähnlich wie in dem unmittelbar zuvor angesehenen 神龍猛探 | MIE JUE QI QI von Bruce Le geht es auch in MISSION: KILLFAST um eine Art MacGuffin um den der Plot konstruiert ist. Hier sind es gefährliche Zünder, die zum Bau einer Nuklearbombe verwendet werden können, in die falschen Hände geraten sind und im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes von einem Martial-Arts-Meister (Tiger Yang Cheng-Wu) wieder beschafft werden sollen. Auch Mikels reichert seinen Film mit einer Vielzahl an Schauwerten an. So gibt es Prügeleien, Schießereien, nackte Haut, einen Typen mit Augenbrauen- und Gesichtshaartoupets sowie derbe Gewaltspitzen in Hülle und Fülle und eigentlich sollte man meinen, dass mit diesen Zutaten ein ähnlich unterhaltsamer Cocktail hätte gemixt werden können wie in dem zuvor gesehenen Kracher von Bruce Le. Das gelingt Regisseur Mikels leider nicht ganz, was insbesondere daran liegt, dass er viel zu sehr damit beschäftigt ist, einen eigentlich simplen Plot auf wirklich so extrem komplizierte Weise abzuwickeln, dass man als Zuschauer irgendwann überhaupt nicht mehr durchblickt und die Harmonie zwischen den gezeigten Attraktionen und der erzählten Geschichte einfach nicht mehr stimmen mag. MISSION: KILLFAST wirkt seltsam zerfahren und mitunter vollkommen planlos, wobei zur Ehrenrettung von Mikels Film unbedingt angemerkt werden muss, dass MISSION: KILLFAST bereits Anfang der 80er Jahre gedreht wurde, aufgrund akuten Geldmangels jedoch erst Jahre später fertiggestellt werden konnte und so auch erst im Jahr 1991 (!) seine Erstveröffentlichung erfahren hat. Mit dieser Information im Hinterkopf kann man durchaus auch zu dem Schluss kommen, dass MISSION: KILLFAST genau der Film geworden ist, der er aufgrund der widrigen Entstehungsumstände werden konnte.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER (Deutschland 2014, Regie: Baran bo Odar)

who am i - kein system ist sicher

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Computer-Freak Benjamin (Tom Schilling) ist ein Niemand – zumindest bis er Max (Elyas M’Barek), Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot Jr.) kennenlernt. Die vier schließen sich zur Hackergruppe “Clay“ zusammen und hinterlassen schon bald erste Spuren in der Szene. Doch aus anfangs kleinen Streichen wird schon bald blutiger Ernst und um ihre eigenen Köpfe zu retten, muss die Gruppe alles daran setzen, die Identität des Hackergenies Mr. X zu entlarven, das mit kriminellen Vereinigungen zusammenarbeitet…

Regisseur Baran bo Odar hat mit WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER einen immer spannend bleibenden Cyber-Thriller gedreht, dem es mit geschickt platzierten Wendungen immer wieder gelingt, den Zuschauer zu überraschen. Die vier Hauptfiguren harmonieren dabei ganz vorzüglich miteinander – insbesondere Antoine Monot Jr. und Wotan Wilke Möhring sind klasse in ihren Rollen – und wie Baran bo Odar diese Hackerszene zeichnet, wirkte zumindest auf mich als Computerlaien durchaus glaubwürdig und authentisch. Dazu noch ein paar nette visuelle Spielereien – mir hat vor allem die Visualisierung der Treffen in den Underground-Hacker-Foren sehr gut gefallen – und ein richtig geiler Soundtrack, der ganz entscheidend für den “Flow“ des Films verantwortlich zeichnet, und fertig ist ein Film, der sich erfreulich von der Masse der stromlinienförmigen, größeren deutschen Kinoproduktionen der vergangenen Jahre abhebt und dem man auch gerne verzeiht, dass er im letzten Drittel der Geschichte die Grenzen von Logik und Glaubwürdigkeit vielleicht ein klitzekleines bisschen zu sehr auszuloten versucht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

NIGHT MOVES (USA 2013, Regie: Kelly Reichardt)

night moves

(Fassung: Blu-ray, MFA/Ascot Elite, Deutschland)

Um ein deutliches Zeichen gegen die Zerstörung der Umwelt zu setzen, entschließen sich die drei jungen Umweltaktivisten Josh (Jesse Eisenberg), Dena (Dakota Fanning) und Harmon (Peter Sarsgaard) dazu, einen Staudamm in die Luft zu sprengen. Nach mühsamen Vorbereitungen gelingt der Plan, doch leider mit nicht einkalkulierten Konsequenzen. Bei dem Anschlag kommt ein Camper ums Leben und die drei Umweltschützer müssen nun irgendwie mit dieser Schuld zurechtkommen…

NIGHT MOVES verfällt in zwei Teile, die etwas unausgegoren nebeneinander zu stehen scheinen und nicht wirklich den Eindruck erwecken, miteinander verknüpft zu sein. Zuerst bekommt man als Zuschauer einen Einblick in die peniblen Vorbereitungen zur Sprengung des Damms, im Anschluss steht vor allem der von Jesse Eisenberg gespielte Josh im Mittelpunkt, wenn es schließlich darum geht, dem Zuschauer aufzuzeigen, wie dieser die aufgeladene Schuld verarbeitet. NIGHT MOVES ist in erster Linie auch ein Drama, in dem es um die Verarbeitung der eigenen Taten geht. Regisseurin Kelly Reichardt wählt für ihren Film eine fast schon aufreizend ruhige und langsame Erzählweise und ohne jetzt groß motzen zu wollen, muss ich doch feststellen, dass dem Film etwas mehr Dynamik oder vielleicht auch eine etwas andere Erzählweise – nicht ganz so chronologisch, vielleicht eher verschachtelt, mit Rückblenden arbeitend, usw. – sicher gut getan hätte. Man muss sich auf NIGHT MOVES einlassen können, was eine echte Herausforderung darstellt, weil Reichardt keine großartigen Identifikationsfiguren anbietet. Als Zuschauer bleibt man in der Rolle des stillen Beobachters, es ist mir persönlich etwas schwer gefallen, eine echte Bindung zum Film, zu den Figuren und zur Geschichte aufzubauen. Irgendwie hätte ich NIGHT MOVES gerne noch mehr gemocht, allein es ist mir einfach nicht gelungen, was ich insbesondere im Hinblick auf die durch die Bank guten Schauspielerleistungen etwas schade finde.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

FOCUS (Argentinien / USA 2015, Regie: Glenn Ficarra / John Requa)

focus

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Wahrscheinlich ist es müßig, sich über die Qualitäten eines Films wie FOCUS überhaupt großartige Gedanken zu machen. Der Film der beiden Regisseure Glenn Ficarra und John Requa existiert ganz offensichtlich einzig und allein zu dem Zweck, seinen Zuschauern gut 105 Minuten lang eine unbeschwerte und gute Zeit zu bereiten. FOCUS hat keine nennenswerte Aussage, erfindet das Rad nicht neu und ob man ihn nun gesehen hat oder nicht, dürfte relativ egal sein. In 20 oder 30 Jahren wird einen niemand schief ansehen, wenn man zugibt, diesen Film nicht zu kennen. Er hat nicht das Zeug zum Klassiker und taugt erst recht nicht zum Kultfilm. Im Endeffekt ist er wohl ziemlich überflüssig. Ist er deswegen aber auch schlecht? Ich denke nicht.

In FOCUS dreht sich alles um den von Will Smith gespielten Nicky, dem ungekrönten König der Trickbetrüger, der eine junge und talentierte Diebin (gespielt von der bezaubernden Margot Robbie) unter seine Fittiche nimmt und ihr sein Handwerk lernt, nur um sie kurze Zeit später wieder fallen lassen. Aber natürlich sehen sich die beiden Protagonisten – fast wie im richtigen Leben – einige Jahre später ein weiteres Mal…

FOCUS hat mich ziemlich schnell für sich eingenommen. Mit seinen bestens aufgelegten Darstellern, mit seinen schönen Bildern, mit seiner tiefenentspannten Erzählweise, mit seinem eingängigen Soundtrack und mit seiner gelungenen Mischung aus komischen und spannenden Momenten. Vielleicht übertreiben es Glenn Ficarra und John Requa – die nicht nur gemeinsam Regie führten, sondern auch das Drehbuch zusammen verfassten – das eine oder andere Mal etwas damit, den Zuschauer und die Opfer der Trickbetrüger in die Irre zu führen, so wirklich böse sein mag man ihnen aber selbst bei den abenteuerlichsten Plotkonstruktionen nicht. Dafür ist FOCUS insgesamt betrachtet einfach viel zu sympathisch, viel zu gechillt und viel zu unterhaltsam geraten und in seinen besten Momenten erinnert der Film gar an diese wunderbaren, oft ebenfalls federleicht inszenierten Gaunerfilme aus den 60er Jahren. Das hier ist der perfekte Film für einen verregneten Sonntagnachmittag auf der heimischen Couch.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE REAPING (USA 2007, Regie: Stephen Hopkins)

the reaping

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Regisseur Stephen Hopkins hat einst PREDATOR 2 und JUDGMENT NIGHT gedreht, die als Produzenten tätigen Joel Silver und Robert Zemeckis sind ja auch für den einen oder anderen gelungenen Genrefilm bekannt und mit Hilary Swank und Idris Elba kann THE REAPING auch auf schauspielerischer Seite durchaus großes Talent anbieten. Zudem mag ich persönlich Horrorfilme und Thriller mit okkultem bzw. religiösem Bezug. Ein komplett hoffnungsloser Fall schien mir THE REAPING aus all diesen Gründen also nicht zu sein. War er dann auch nicht, ein wirklich guter Film ist er dennoch nicht geworden.

Regisseur Stephen Hopkins packt seinen Horrorfilm um die diversen Zeichen der drohenden Apokalypse, die in einer Kleinstadt in Louisiana beobachtet werden, und die die von Hilary Swank gespielte Wissenschaftlerin Katherine gemeinsam mit ihrem von Idris Elba gespielten Partner versucht, wissenschaftlich zu erklären, mit allerlei Humbug, Klischees und Jahrmarktattraktionen voll, vergisst dabei allerdings, auch so etwas wie eine spannende Geschichte zu erzählen. So bietet THE REAPING über lange Strecken seiner Laufzeit nur leidlich spannende Unterhaltung und hat außer ein paar netten Schockeffekten, einigen schön atmosphärischen Sequenzen und zwei guten Hauptdarstellern, die gerade noch retten, was zu retten ist, nicht sonderlich viel auf der Pfanne, was einen als Zuschauer für ihn einnehmen könnte. Und über die Effekte im Finale legen wir mal lieber den Deckmantel des Schweigens.

Irgendwie ist ein Film wie THE REAPING so etwas wie das filmische Äquivalent zur guten alten Geisterbahn. Man weiß von vornherein, dass es wohl nicht sonderlich toll werden wird, steigt dennoch ein, lässt sich ein oder zwei Mal erschrecken und steigt letztendlich mit der Erkenntnis aus, dass man nichts verpasst hätte, wenn man nicht gefahren wäre, die Fahrt an sich aber dennoch nicht bereut. Denn eigentlich war sie ja schon ganz in Ordnung.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

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