02/2016 – Sichtungen 10-18

THE CONDEMNED (USA 2007, Regie: Scott Wiper)

the condemned

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

 In THE CONDEMNED kauft ein ebenso skrupelloser wie schwerreicher TV-Produzent (Robert Mammone) aus diversen Gefängnissen insgesamt 10 zum Tode verurteilte Verbrecher (u.a. Steve Austin, Vinnie Jones) frei, verfrachtet diese auf eine einsam gelegene Insel, zwingt sie, sich gegenseitig selbst auszuradieren und überträgt das fragwürdige Spektakel per Livestream im Internet. Dem Überlebenden der Todeskandidaten winkt ein Leben in Freiheit…

THE CONDEMNED wurde von WWE Films produziert – WWE steht für World Wrestling Entertainment -, einer Produktionsgesellschaft, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, diverse Superstars des Wrestling auf die große Leinwand zu bringen. Diesen Fakt sollte man bei der Sichtung des Films im Hinterkopf behalten, insbesondere wenn man auch nur einen Hauch von Anspruch erwartet. THE CONDEMNED steht in der Tradition des guten, alten Menschenjagd-Films, von denen es im Lauf der Filmgeschichte ja schon einige gegeben hat. Anders als die meisten Vertreter dieses Subgenres verlegt Scott Wiper die Handlung seines Films jedoch nicht in eine dystopische Gesellschaft der (nicht allzu) fernen Zukunft, sondern ins Hier und Jetzt und zeichnet den momentanen Zustand der Welt als komplett pervertiert und verdorben (womit er ja nicht unbedingt falsch liegt).

THE CONDEMNED hat dabei – wie so viele andere Filme dieses Subgenres – natürlich das Problem, dass er das, was er da anprangert und verurteilt, dem Zuschauer vor der Leinwand bzw. vor dem heimischen Fernseher natürlich auch auf möglichst spektakuläre Weise servieren will und sich aus diesem Grund durchaus kritische Stimmen gefallen lassen und sich mit dem Vorwurf der Verlogenheit auseinandersetzen muss. Es ist dieser schmale Grat zwischen selbstzweckhafter Exploitation und aufrichtiger Medienkritik auf dem es zu wandeln gilt und das gelingt THE CONDEMNED – insbesondere unter der Berücksichtigung, dass sich da nicht unbedingt ein Ensemble talentierter Charakterdarsteller vor der Kamera eingefunden hat – über weite Strecken des Films durchaus passabel. Regisseur Scott Wiper spart sich ironische Distanz zum Geschehen auf der Leinwand und erzählt seine Geschichte praktisch ohne jeglichen Anflug von Humor. Das macht das Gezeigte für den Zuschauer über weite Strecken ziemlich unangenehm und davon, als unbeschwerte Unterhaltung bezeichnet werden zu können, ist THE CONDEMNED doch ziemlich weit entfernt. Vielleicht hätte man sich einige geschmackliche Entgleisungen sparen können (insbesondere diese peinliche Rede am Ende des Films) und vielleicht ist dieser finale Gut-gegen-Böse-Konflikt etwas zu naiv geraten, insgesamt betrachtet hat mich THE CONDEMNED aber durchaus positiv überrascht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DEADPOOL (Kanada / USA 2016, Regie: Tim Miller)

deadpool

(Fassung: Central-Kino Hof, O-Ton-Vorführung)

Ryan Reynolds spielt den ehemaligen Elitesoldaten und jetzigen Söldner Wade, der sich – um eine tödliche Krebserkrankung zu besiegen – auf ein medizinisches Experiment der extremeren Art einlässt und sich schon bald in der Rolle eines Versuchskaninchens wiederfindet. Doch die Behandlungsmethoden zeigen Wirkung und aus Wade wird Deadpool – ein unter einer Persönlichkeitsstörung leidender und mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Superheld der etwas anderen Art…

Ob DEADPOOL der Comicvorlage nun gerecht wird kann und will ich nicht beurteilen, denn dazu müsste ich die Vorlage kennen. Das sollen andere entscheiden, Aussagen aus meinem Freundeskreis ist aber durchaus zu entnehmen, dass Miller mit seiner Verfilmung den Comic adäquat umgesetzt hat. Innerhalb der unzähligen Superheldenfilme, die in den letzten Jahren so in die Kinos gekommen sind, ragt DEADPOOL definitiv hervor. Ob er nun eher positiv oder eher negativ hervorragt, ist am Ende des Tages wohl reine Geschmackssache. DEADPOOL hat sicher das Potential, dass man sich an ihm reiben kann. Ich denke, hier dürfte es kein sonderlich breites Meinungsspektrum geben. Die einen werden begeistert sein, die anderen werden ihn hassen.

DEADPOOL ist auf größtmögliche Provokation – innerhalb der engen Grenzen des Blockbusterkinos – getrimmt, lotet diese Grenzen genüsslich aus und versucht auch immer wieder, diese zu überschreiten. Die Grenzüberschreitungen werden dann aber auch immer wieder ironisch gebrochen. DEADPOOL ist fast schon bemüht durchgeknallt und überdreht und das ständige Durchbrechen der Vierten Wand und dieses mehr als aufdringliche Spot-the-Reference-Gehabe führen letztendlich auch dazu, dass man DEADPOOL eigentlich nie so richtig ernst nehmen kann. Würde man diese unzähligen Tabubrüche, die hier begangen werden, mal genauer betrachten, würde man wohl zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass da Genrefilmer vor über 40 Jahren weitaus provokantere Sachen in die Kinos gebracht haben als das, was Miller hier abliefert. DEADPOOL funktioniert so vor allem als ultimative Nerdfantasie und als Ansammlung skurriler Schauwerte. Und als solche funktioniert er tatsächlich ganz vorzüglich. Denn wenn man sich auf DEADPOOL mit all seinem Imponiergehabe, all seinem Gepose und all seinem Radau einlässt – und das ist mir glücklicherweise gelungen – wird man mit einem verdammt unterhaltsamen Stück Film belohnt, welches – auch wenn hier weitaus mehr Schein als Sein am Werk ist – innerhalb des typischen Superhelden-Mainstream-Kinos als fast schon einzigartig bezeichnen werden kann. Für einen Blockbuster ist DEADPOOL tatsächlich maximal asozial geraten und es ist ein Wunder, dass dieser Film von einem Major-Studio wie 20th Century Fox in die Kinos gebracht wurde. Bei Disney, welche ja einen Großteil des Marvel-Franchises fürs Kino verwerten, hätte der Film in dieser Form sicher nie die Lichter der Leinwände erblickt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

LOVE (Belgien / Frankreich 2015, Regie: Gaspar Noé)

love

(Fassung: Blu-ray 3D, Alamode Film, Deutschland)

Eine Nachricht auf seiner Mailbox am Neujahrsmorgen schickt den verkaterten Murphy (Karl Glusman), einen in Paris lebenden Amerikaner, auf einen Erinnerungstrip in die eigene Vergangenheit und Regisseur Gaspar Noé lässt uns als Zuschauer daran teilhaben. Wir werden Zeuge, wie Murphy einst die ebenso attraktive wie instabile Electra (Aomi Muyock) kennenlernte, welche die Liebe seines Lebens werden sollte und die er aus Dummheit gehen ließ. Nun sitzt er da, mit einem kleinen Kind und einer anderen Frau (Klara Kristin), die er nicht liebt und sein Leiden über die verlorene Liebe seines Lebens ist auch für den Zuschauer fast körperlich spürbar. LOVE ist ein Film, der mitten ins Herz trifft, einen packt und einfach nicht mehr loslässt. Das Spiel der verschiedenen Darsteller ist so natürlich, so realistisch, so authentisch, so unglaublich explizit und direkt, dass man als Zuschauer das Gefühl bekommt, man würde irgendwo als heimlicher Beobachter in der Ecke sitzen und keinen fiktiven Figuren aus einem Film zusehen, sondern tatsächlich reale Menschen beobachten.

LOVE fordert einen als Zuschauer. Wegen seiner Explizitheit, seiner Tabulosigkeit und wegen dieses bereits erwähnten, ungemein intensiven Spiels von insbesondere Karl Glusman und Aomi Muyock. Aber so verstörend und herausfordernd LOVE stellenweise auch sein mag, er ist in allererster Linie eine hocherotische und einfach nur wunderschöne Liebeserklärung an die Liebe und das Leben. Er ist gerade wegen des dramatischen Schicksals von Murphy und Electra eine regelrechte Aufforderung an den Zuschauer, nicht dieselben Fehler zu begehen wie die beiden, sondern sich bewusst zu machen, welch unbezahlbarer Schatz dieses Finden der “wahren“ Liebe doch ist. Jeder hat es selbst in der Hand, diesen Schatz festzuhalten und nicht leichtfertig wieder aufzugeben.

Bewertung: Meisterwerk! – 10/10

 

 

WHIPLASH (USA 2014, Regie: Damien Chazelle)

whiplash

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

WHIPLASH scheint ja tatsächlich zum erlauchten Kreis der Filme zu gehören, die man als Zuschauer laut herrschender Meinung gefälligst meisterlich, zumindest aber hervorragend zu finden hat. In den Top 250 der IMDB belegt er momentan den 44. Platz, es gab Oscar-Nominierungen als bester Film und für das beste, adaptierte Drehbuch und u.a. eine Oscar-Auszeichnung für J.K. Simmons als bester Nebendarsteller.

Erzählt wird die Geschichte eines talentierten, jungen Musikschülers – gespielt von Miles Teller -, der von seinem Lehrer (J.K. Simmons) gequält, tyrannisiert und an sämtliche Belastungsgrenzen getrieben wird, bis er schließlich daran zu zerbrechen droht.

Zu behaupten, WHIPLASH sei ein guter Film, fällt definitiv nicht schwer. Dazu spielt J.K. Simmons diesen tyrannischen, ja fast schon diabolischen Lehrer, einfach viel zu gut und es macht als Zuschauer zu viel Spaß, diesem etwas anderen Bösewicht bei seinem fiesen Treiben zuzusehen. Sonderlich viel mehr hat WHIPLASH meines Erachtens jedoch nicht zu bieten. Die ganze Geschichte ist viel zu vorhersehbar und klischeehaft in ihrem Verlauf und so etwas wie eine echte Bindung zu den handelnden Personen konnte ich während des ganzen Films nicht aufbauen. WHIPLASH hat mich als Zuschauer nicht wirklich berührt, er hat mich in der Rolle des stillen Beobachters in der Ecke sitzen lassen. Ich persönlich war – nach diesen unzähligen positiven und euphorischen Stimmen zum Film – fast ein bisschen enttäuscht, bin vielleicht auch an der eigenen Erwartungshaltung gescheitert. Aber zumindest dieses Drumsolo, mit dem Chazelle seinen Film beendet, ist tatsächlich so intensiv, atemberaubend und grandios wie überall beschrieben.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

FOR LOVE OF THE GAME (USA 1999, Regie: Sam Raimi)

for love of the game

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 Kevin Costner spielt den alternden Baseball-Star Billy Chapel, der sein Leben lang für die Detroit Tigers angetreten ist und nicht wenige Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt hat. Nun ist er im Spätherbst seiner Karriere angelangt und muss – nachdem er erfahren hat, dass die Tigers den Besitzer wechseln und er zur neuen Saison verkauft werden soll – eine Entscheidung treffen, wie es mit seiner Karriere und seinem Leben weitergehen soll…

Innerhalb der Regiekarriere von Sam Raimi sticht FOR LOVE OF THE GAME deutlich hervor. Nicht aufgrund seines etwa großen Erfolges, vielmehr war eher das Gegenteil der Fall. Schenkt man der IMDB Glauben, spielte FOR LOVE OF THE GAME nicht mal die Hälfte seines Budgets von rund 80 Mio. US-Dollar wieder ein und muss dann doch eher als großer Flop verbucht werden. Nein, dieser Film sticht aus Raimis Filmographie so hervor, da er der einzige Film ist, den Raimi bis heute außerhalb des Genres des (weitläufigen) phantastischen Films gedreht hat. Raimi hat sich hier an einer Mischung aus Liebesgeschichte, Drama und Sportfilm versucht und ist dabei so richtig baden gegangen. Weshalb nun gerade dieser Film bei Kritik und Publikum so dermaßen durchfiel, kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich erklären. Wenn man einem Subgenre klischeehafte Charaktere und vorhersehbare Handlungsverläufe verzeiht, dann ist es doch eigentlich das Genre des Sportfilms. Denn das lebt ja gerade von seinen Klischees, davon, dass am Ende der große Erfolg steht, der den Sieg holt, der ihn sich verdient hat, die richtigen Entscheidungen getroffen werden – mögen sie noch so klischeehaft und vorhersehbar sein. Dies alles gibt es auch in FOR LOVE OF THE GAME für den Zuschauer zu sehen und wenn man sich auf den Film einlässt und entsprechend nachsichtig mit ihm ist, dann kann man meines Erachtens durchaus von ihm mitgerissen werden. Ich fand beispielsweise, dass gerade der von Kevin Costner gespielte Billy Chapel in seiner Unentschlossenheit, seiner Melancholie aufgrund des nahenden Karriereendes durchaus überzeugend und glaubwürdig gezeichnet wurde. Man nimmt dem Mann ab, dass er zwischen der Liebe zum Spiel und seiner Liebe zu der von Kelly Preston gespielten Jane Aubrey hin- und hergerissen ist und hofft mit ihm, dass er die für ihn richtige Entscheidung finden möge. Und auch das Stilmittel, die Geschichte immer wieder auch in Rückblenden zu erzählen, hat mir gerade bei dieser Geschichte ausgesprochen gut gefallen.

Für mich persönlich ist es bei der Beurteilung eines Films wichtig, dass er mich in irgendeiner Weise berührt hat. Und das ist Raimi mit seinem Flop FOR LOVE OF THE GAME weitaus besser gelungen als beispielsweise Damien Chazelle mit dem unmittelbar zuvor angesehenen und vom Publikum und Kritik hochgelobten WHIPLASH. Am Ende des Tages ist wohl doch alles nur eine Frage des Geschmacks. Und über den lässt sich ja bekanntlich schlecht streiten. Auch wenn es mitunter verdammt viel Spaß macht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SAN ANDREAS (USA 2015, Regie: Brad Peyton)

san andreas

(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

In Kalifornien bebt die Erde und Dwayne Johnson versucht als Pilot eines Rettungshubschraubers seine Tochter und seine Ex-Frau aus der Naturkatastrophe zu retten…

SAN ANDREAS gehört zum Genre des guten, alten Katastrophenfilms und überzeugt natürlich in erster Linie durch seine Schauwerte und weniger durch eine besonders ausgeklügelte und innovative Handlung. Inmitten der Katastrophe gibt es das standardisierte Familienmelodram, an dessen Ende natürlich die Rettung und Wiedervereinigung der zuvor – nicht nur durch die Katastrophe – getrennten Familie steht. So darf man sich als Zuschauer bei SAN ANDREAS also in erster Linie entspannt zurücklehnen und sich von den Schauwerten begeistern lassen. Und die haben es tatsächlich in sich. Peytons Film ist visuell – auch aufgrund seiner guten 3D-Effekte – wirklich mehr als ansprechend geraten und die spektakulären Effekte, bei denen einem als Zuschauer das eine oder andere Mal der Mund vor Erstaunen und Begeisterung offen steht, werden durch ein mehr als druckvolles Sounddesign ergänzt, was letztendlich dazu führt, dass es in rein technischer Hinsicht an SAN ANDREAS aber mal rein gar nichts auszusetzen geben dürfte. Ganz wunderbares Popcornkino – nicht mehr und auch nicht weniger.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

BECKS LETZTER SOMMER (Deutschland 2015, Regie: Frieder Wittich)

becks letzter sommer

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Christian Ulmen spielt den Lehrer Robert Beck, der einst eine vielversprechende Karriere als Musiker aufgab um lieber einen sicheren Job als Staatsbeamter anzutreten. Nun ist Beck Mitte 30, frustriert von Privatleben und Job und hadert zudem mit den vergebenen Chancen seiner Vergangenheit. Als er in einem seiner Schüler (Nahuel Pérez Biscayart) großes musikalisches Talent entdeckt, versucht er, diesem einen Plattenvertrag zu verschaffen und erhofft sich dadurch, auch selbst aus dem ungeliebten Hamsterrad des Beamtentums aussteigen zu können und es doch noch zu einer Karriere im Musikbusiness zu bringen…

Wittichs Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Benedict Wells, der angeblich beim Schreiben des Buchs und der Entwicklung der Figur des Robert Beck an Christian Ulmen gedacht hat (dummerweise finde ich die Quelle für diese Behauptung gerade nicht, bin mir aber sicher, dass mehrmals gelesen zu haben). Und tatsächlich kann man sich niemanden anders als Christian Ulmen in der Rolle dieses streitbaren Verlierers feststellen, der die Förderung seines Schülers nicht nur aus barmherzigem Samaritertum, sondern vor allem auch aus egoistischen Gründen vorantreibt. Da Ulmen diesen Charakter aber spielt wie Ulmen solche Charaktere nun mal zu spielen pflegt, kann man sich als Zuschauer – der sich vielleicht selbst gerade in Becks Alter befindet oder dieses bereits vor ein paar Jahren überschritten hat und diese Situationen kennt, in denen man sich gerade in diesem Alter Gedanken darüber macht, ob man nicht irgendwelche Chancen in seinem Leben unbedacht hat liegen lassen – ganz vorzüglich in den von Ulmen gespielten Beck hineinversetzen, ihn stellenweise verstehen, Empathie und durchaus auch Sympathie für ihn empfinden. Regisseur Frieder Wittich ist mit BECKS LETZTER SOMMER insbesondere in der ersten Hälfte eine witzige, wunderbar melancholische und auch bewegende Loser-Ballade gelungen, von der man sich als Zuschauer ganz vorzüglich treiben lassen kann. Das Problem von Wittichs Film – und das dürfte der Vorlage geschuldet sein – ist dann die zweite Hälfte, in der BECKS LETZER SOMMER zum Road Movie mutiert, in der er etwas die Orientierung zu verlieren scheint und auch viel seiner Glaubwürdigkeit aus der ersten Hälfte des Films wieder einbüßt. Die macht dann leider aus einem anfangs noch sehr guten Film am Ende doch einen “nur“ guten Film.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CLOUDS OF SILS MARIA (Deutschland / Frankreich / Schweiz 2014, Regie: Olivier Assayas)

clouds of sils maria

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

Mit dem Theaterstück “Maloja Snake“ und dem gleichnamigen darauffolgenden Film schaffte die Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) einst den großen Durchbruch in der Rolle einer blutjungen Verführerin, die ihre Vorgesetzte in ein Verhältnis verwickelt. Nun, 20 Jahre später, möchte ein erfolgreicher Jungregisseur (Lars Eidinger) das Stück mit der Starschauspielerin erneut auf die Bühnen bringen. Nun soll sie verständlicherweise jedoch die Rolle der älteren Verführten bekleiden, ihr Part von damals geht an die skandalumwitterte Jungschauspielerin Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz). Nach anfänglichem Zögern sagt Maria zu und begibt sich mit ihrer persönlichen Assistentin, der weitaus jüngeren Valentine (Kristen Stewart), in die einsame Schweizer Bergwelt, um sich dort auf ihre Rolle vorzubereiten…

CLOUDS OF SILS MARIA funktioniert in erster Linie als Metafilm, denn im Endeffekt spielen sich Juliette Binoche und Chloë Grace Moretz selbst. Wie ihre Maria Enders muss auch Juliette Binoche in ihrer echten Karriere damit leben, dass die wirklich attraktiven Rollen an weitaus jüngere Schauspielerinnen vergeben werden, so wie sie einst selbst als Jungschauspielerin den älteren Kolleginnen begehrte Parts vor der Nase wegschnappte. Regisseur und Drehbuchautor Olivier Assayas hat mit CLOUDS OF SILS MARIA einen Film über das Älterwerden, über Generationenkonflikte und über Würde gedreht, der bestens dazu geeignet ist, auch beim Zuschauer diverse Prozesse des Nachdenkens anzustoßen.

Seine Faszination zieht Assayas’ Film vor allem aus dem ganz vorzüglichem Spiel seiner drei weiblichen Hauptdarstellerinnen (wobei man die Rolle von Chloë Grace Moretz auch als Nebenrolle bezeichnen könnte, ist sie doch deutlich kleiner als die von Binoche und Stewart), insbesondere aus dem Zusammenspiel zwischen Juliette Binoche und Kristen Stewart, die sich wirklich perfekt ergänzen und dieses Aufeinanderprallen verschiedener Generationen unheimlich authentisch und witzig rüberbringen. Es ist eine Freude den Dialogen der beiden zu lauschen und sie dabei zu beobachten, wie sich aus den Proben für das Theaterstück immer wieder interessante Streitgespräche und Diskussionen entwickeln. Vor allem die Leistung von Kristen Stewart kann man gar nicht hoch genug in den Himmel loben. Sie gibt hier die wahrscheinlich beste Vorstellung ihrer bisherigen Karriere und ich muss gestehen, dass ich ihr einen solchen Auftritt nicht wirklich zugetraut hätte.

CLOUDS OF SILS MARIA ist intelligent, dramatisch, witzig, regt zum Nachdenken an und begeistert zudem mit dieser einfach nur beeindruckenden Naturkulisse der Schweizer Bergwelt, die auch dazu führt, dass sich über CLOUDS OF SILS MARIA stellenweise eine leicht mystisch angehauchte Stimmung legt.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 8 (USA 2012 /2013, Idee: Carter Bays / Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

 Auch in der mittlerweile achten und vorletzten Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER versuchen die Macher den in den beiden vorherigen Staffeln eingeschlagenen Weg weiterzugehen und sich in den einzelnen Episoden mehr auf das große Ganze und weniger auf von der Rahmenhandlung unabhängige Folgen zu konzentrieren. Das gelingt über weite Strecken zwar ganz gut, qualitativ muss man im direkten Vergleich zu den sehr guten Staffeln Nr. 6 und 7 aber doch einige Abstriche in Kauf nehmen. Man merkt der Serie an, dass im achten Jahr nun doch so langsam die Ideen auszugehen scheinen. Viele Gags wiederholen sich, die eine oder andere Füller-Episode hat sich auch eingeschlichen und insgesamt betrachtet ist HOW I MET YOUR MOTHER einfach nicht mehr so extrem lustig wie in den Jahren zuvor. Die besten Gags gehen – wie gewohnt – erneut auf das Konto von Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney Stinson und er ist dann auch hauptverantwortlich dafür, dass sich HOW I MET YOUR MOTHER im Laufe der 24 Episoden dieser achten Staffel zumindest auf einem guten Level einpendelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

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