Ein Kessel Buntes

SICARIO (USA 2015, Regie: Denis Villeneuve)

sicario

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Emily Blunt spielt die FBI-Agentin Kate Mercer, eigentlich Spezialisten für Geiselnahmen, die nach einem traumatischen Einsatz, in dem ein gefährliches Drogenkartell involviert war, gefragt wird, ob sie an einem Spezialeinsatz gegen dieses Kartell teilnehmen würde. Kate sagt zu und lernt schon bald eine ausgesprochen skrupellose Form der Verbrechensbekämpfung kennen, die von Matt Graver (Josh Brolin), dem Leiter des Einsatzes billigend in Kauf genommen wird, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei schreckt dieser auch nicht vor der Zusammenarbeit mit dem eiskalten Söldner Alejandro (Benicio Del Toro) zurück…

Nicht gerade leicht verdauliche Kost, die Regisseur Denis Villeneuve hier seinen Zuschauern auftischt. SICARIO ist schon fast aufreizend ruhig und bedächtig erzählt, erzeugt dabei aber eine so intensive Atmosphäre und ist so ungemein spannend geraten, dass einem als Zuschauer regelrecht der Atem wegbleibt. In extrem stylisher und ausgefeilter Optik konfrontiert Villeneuve den Zuschauer mit einer wahrlich erschreckenden Zwischenwelt, in der sämtliche Grenzen zwischen Gut und Böse zu verschwimmen scheinen und jeder noch so abartige Zweck sämtliche Mittel heiligt. Die Geschichte, die Villeneuve erzählt, wird dabei ungemein glaubwürdig und authentisch rübergebracht, Emily Blunt ist schlicht grandios als hilf- und machtlose Agentin, die mit der Situation, in die sie sich letztendlich selbst gebracht hat, komplett überfordert ist, mit ihrem Latein sprichwörtlich am Ende zu sein scheint und sich dem Wahnsinn, der da vor ihren Augen abläuft, nur noch hilflos ergeben kann. Benicio Del Toro bietet als skrupelloser Söldner eine Leistung, die ich als einfach nur erschreckend realistisch bezeichnen möchte und die bestens dazu geeignet ist, diverse Albträume zu verursachen. Und dann diese unfassbaren Gewalteruptionen, die immer wieder unvermittelt über den Zuschauer hereinbrechen und die von Villeneuve ebenso effektiv wie nüchtern inszeniert worden sind. SICARIO ist definitiv einer dieser Filme, die im Gedächtnis bleiben werden.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

LET’S BE COPS (USA 2014, Regie: Luke Greenfield)

let's be cops

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Da sie die Einladung leicht fehlinterpretiert hatten, tauchen die beiden besten Freunde Ryan (Jake Johnson) und Justin (Damon Wayans Jr.) als Polizisten verkleidet bei ihrem Klassentreffen auf und werden dort, auch der Tatsache geschuldet, dass sie seit ihrem Abschluss noch nicht sonderlich viel in ihrem Leben erreicht haben, schnell zum Gespött der Veranstaltung. Als sie schließlich frustriert nach Hause laufen, merken sie plötzlich, welche Vorteile so eine Polizeiuniform haben kann und entschließen sich dazu, diese Vorteile fortan für sich zu nutzen, erwartungsgemäß mit teils fatalen Folgen…

Ok, die ganze Ausgangssituation von LET’S BE COPS ist schon arg konstruiert und wenn man diese nicht einfach als gegeben hinnehmen kann, wird man wohl wenig Spaß mit Greenfields Komödie haben, die einfach darauf aufgebaut ist, dass es keinerlei Probleme macht, sich als Polizist zu verkleiden, sich ein echtes Polizeiauto auf eBay zu ersteigern, anschließend Streife zu fahren und tatsächlich damit durchzukommen. Lässt man sich jedoch auf LET’S BE COPS ein, wird man mit einem stellenweise wirklich schreiend komischen Film belohnt. Es gab nicht wenige Sequenzen, in denen ich Tränen vor lauter Lachen in den Augen hatte und es ist auch insbesondere die tolle Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Jake Johnson und Damon Wayans Jr. – die sich ja bestens aus der Sitcom NEW GIRL kennen -, die LET’S BE COPS zu einem riesengroßen Spaß werden lässt. Vielleicht hätten ein paar mehr Überraschungen im Handlungsverlauf dem Film gut getan (der Plot ist schon sehr vorhersehbar) und im letzten Drittel geht LET’S BE COPS auch merklich die Puste aus, insgesamt betrachtet hat mich Greenfields Komödie aber absolut positiv überrascht. Der Film ist tatsächlich weitaus besser als zuvor von mir erwartet.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

RED DAWN (USA 2012, Regie: Dan Bradley)

red dawn

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Im Jahr 1984 ließ Regisseur John Milius russische Truppen in die USA einfallen und diese von einer Handvoll Jugendlicher (damals u.a. gespielt von Patrick Swayze, C. Thomas Howell, Charlie Sheen, Lea Thompson und Jennifer Grey) in einem Guerillakrieg bekämpfen – der Film hörte auf den Titel RED DAWN und gehört bis heute zu den berüchtigtsten der berüchtigten Actionklopper aus den 80er Jahren.

Knapp 30 Jahre später bekam Milius’ Film dieses gleichnamige Remake spendiert, in dem es nun Truppen aus Nordkorea sind, die einen Angriff wagen und in dem sich nun erneut Jugendliche – die nun u.a. von Chris Hemsworth, Josh Hutcherson, Josh Peck und Adrianne Palicki gespielt werden – im Guerillakrieg versuchen. Die Ausgangslage, die bereits knapp 30 Jahre früher ziemlich hanebüchen war, aber thematisch zumindest in die damalige politische Landschaft passte (was dazu führt, dass Milius’ Original aufgrund seiner erzreaktionären Propaganda auch heute noch ziemlich verstörend rüberkommt), wirkt heute natürlich nur noch hirnrissig und führt am Ende des Tages auch dazu, dass man RED DAWN wirklich zu keiner Sekunde mehr ernst nehmen kann. Bradleys Film kann man nicht einmal mehr subversives Potential unterstellen, er wirkt einfach nur doof.

Diese extrem miesen Kritiken, die Bradley für RED DAWN eingesteckt hat, kann ich jedoch nicht wirklich nachvollziehen. Vielleicht war meine Erwartungshaltung aufgrund der überwiegend negativen Stimmen ja tatsächlich schon so extrem niedrig, dass ich gar nicht mehr wirklich enttäuscht werden konnte, reduziert man RED DAWN rein auf sein Unterhaltungspotential – und nichts anderes kann man in meinen Augen mit ihm anstellen – so kommt man sicher nicht umhin, zugeben zu müssen, dass dieses doch ziemlich hoch ausgefallen ist (mitunter auch etwas arg unfreiwillig). Es knallt und kracht ständig an allen Ecken und Enden, der auch in den Dialogen zur Schau getragene Patriotismus ist von entlarvender Dummheit, klischeehaft und immer wieder für einen Lacher gut und ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte mich bei diesem Blödsinn hier nicht doch königlich amüsiert.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE DOLL SQUAD (USA 1973, Regie: Ted V. Mikels)

the doll squad

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Ich hatte in meinem kurzen Text zu MISSION: KILLFAST anfangs des Jahres ja schon angemerkt, dass die Filme von Regisseur Ted V. Mikels im Bereich des Exploitationkinos immer noch eine Spur billiger zu sein scheinen als ihre ja oftmals auch nicht gerade kostspieligen Artverwandten. Das trifft auch auf THE DOLL SQUAD zu, in dem eine Gruppe von Spezialagentinnen einen größenwahnsinnigen Superverbrecher zu Fall bringen soll.

In THE DOLL SQUAD kultiviert Ted V. Mikels die unterhaltsame Langsamkeit, ein großer Teil der Laufzeit wird damit verbracht, dass Personen letztlich sinnlose Gespräche führen oder von Punkt A zu Punkt B gelangen, der Rest wird mit kostengünstigen Unglaublichkeiten befüllt, die vielleicht nicht immer überaus spektakulär geraten sind, dafür aber immer wieder die Grenzen hin zum schmierigen Sleaze genüsslich zu überschreiten versuchen. Ted V. Mikels ist einer dieser Exploitation-Regisseure, die versuchen, ihr Publikum über weite Strecken einzulullen und mit vereinzelten Höhepunkten bei Laune zu halten versuchen. Bei mir funktioniert das immer wieder ganz vorzüglich. Ich mag Mikels’ Filme einfach.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

FOR Y’UR HEIGHT ONLY (Philippinen 1981, Regie: Eddie Nicart)

for y'ur height only

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Ähnlich wie in dem unmittelbar zuvor angesehenen THE DOLL SQUAD geht es auch in FOR Y’UR HEIGHT ONLY um eine gemeingefährliche Verbrecherorganisation, die von einem Agenten zur Strecke gebracht werden muss. In Nicarts Film reicht zum Stoppen der Gangster ein einziger Superagent, der wirklich alle Tricks drauf hat, um mit einem kompletten Syndikat spielend fertig zu werden – und das, obwohl er gerade mal 84 cm (!!!) groß ist! Hauptdarsteller Weng Weng ist damit – glaubt man der IMDB – der kleinste Schauspieler, der je in einem Action- oder Martial-Arts-Film die Hauptrolle übernommen hat und natürlich ist die “Größe“ des Stars in diesem schamlosen James-Bond-Rip-Off, in dem sogar der Score aus Variationen diverser Bond-Scores besteht, genau das Element, dass für den Unterhaltungswert des Films und die diversen Schauwerte herhalten muss.

FOR Y’UR HEIGHT ONLY gehört zu dieser Art von Filmen, die man einfach gesehen haben muss, um glauben zu können, dass sie tatsächlich existieren. Regisseur Eddie Nicart reiht hier eine Unglaublichkeit an die nächste und setzt seinen Film aus diversen Ereignissen zusammen, die letztendlich so etwas wie einen Plot ergeben sollen, was allerdings nicht wirklich gelingen mag. FOR Y’UR HEIGHT ONLY wirkt mitunter etwas gehetzt und episodenhaft und das gänzliche Fehlen etwas ruhigerer Passagen führt schließlich auch dazu, dass diese zusammengesetzten Zirkusnummern mit zunehmender Laufzeit doch ein kleines bisschen ermüdend wirken. Wer jedoch auch nur ein kleines Herz für etwas obskurere Filme haben sollte, kommt an FOR Y’UR HEIGHT ONLY definitiv nicht vorbei. Der Unterhaltungswert ist insgesamt betrachtet wirklich verdammt hoch.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

PIXELS (China / Kanada / USA 2015, Regie: Chris Columbus)

pixels

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Anfang der 80er Jahre wurde ein Video von einer Videospiel-Meisterschaft von der NASA ins All geschickt und erreichte dummerweise die falschen Adressaten. Aliens verstanden das Video als Kriegserklärung und nun, über 30 Jahre später, muss sich der US-Präsident (Kevin James) damit auseinandersetzen, dass die Erde von den angepissten Außerirdischen mit Kriegsmaschinen angegriffen wird, die alten Arcade-Spielen wie Pac-Man und Co. nachempfunden sind. Nun liegt es an einer kleinen Gruppe einst passionierter Arcade-Zocker (u.a. Adam Sandler und Peter Dinklage) die Welt zu retten…

Filme mit Adam Sandler und/oder Kevin James in der Hauptrolle genießen ja nicht wirklich den besten Ruf, werden gemeinhin als dumme und minderwertige Unterhaltung abgetan und fast allerorts belächelt. Ich persönlich habe ein Herz für die Filme dieser beiden Komiker, weil ich es prinzipiell sehr schön finde, welch positives Weltbild sie immer wieder zeichnen. Man mag dieses gezeichnete Weltbild gerne als naiv abtun, in den politischen Zeiten, in denen wir uns jedoch gerade befinden, halte ich es für absolut begrüßenswert, dass es Filme wie bspw. GROWN UPS und ZOOKEEPER gibt, die es einem erlauben, zumindest für 90 oder 120 Minuten ein bisschen Realitätsflucht zu betreiben.

Meine persönlichen Erwartungen an PIXELS waren – allein aufgrund seiner herrlich-absurden Grundidee – doch ziemlich hoch, konnten dieses Mal jedoch nicht ganz erfüllt werden. Vielleicht war Chris Columbus einfach nicht der richtige Regisseur für diesen Film, vielleicht wäre bei diesem Film Sandler-Spezialist Dennis Dugan die bessere Wahl gewesen. Zwar entdeckt man auch in PIXELS viele liebevoll zusammengestellte Details, das Zusammenspiel von Sandler und James bleibt jedoch erstaunlich blass, die Gags zünden nur bedingt und aufgrund der Ausgangssituation des Plots habe ich mir persönlich auch etwas mehr Spielfiguren-Action erhofft. Unterhaltsam ist PIXELS dennoch geraten und wer Filmen mit Adam Sandler und Kevin James in den Hauptrollen prinzipiell etwas abgewinnen kann, dürfte auch hier seinen Spaß haben. Vielleicht aber nicht ganz so viel Spaß wie mit den anderen Filmen der beiden Komiker.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM (aka The Good, the Bad, the Weird, Südkorea 2008, Regie: Kim Ji-woon)

joheunnom nabbeunnom isanghannom

(Fassung: Blu-ray, Splendid, Deutschland)

THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD – so lautet der internationale Titel des Films und allein aufgrund der Titelgebung dürften Filminteressierte sofort erkennen, dass es sich beim Film von Regisseur Kim Ji-woon in erster Linie um eine Variante des Italowestern-Klassikers IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO (aka The Good, the Bad and the Ugly) handelt, weiter gefasst um eine Hommage an den Italowestern im Allgemeinen.

좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM handelt von einer Schatzkarte, auf die es verschiedene Parteien abgesehen haben – insbesondere Jeong Woo-seong als Park Do-won in der Rolle von Clint Eastwood, Lee Byeong-heon als Park Chang-i in der Rolle des Bösen, die Lee Van Cleef in Leones Original bekleidete, und schließlich Song Kang-ho als Yoo Dae-goo, der dem von Eli Wallach im Leone-Film gespielten Tuco nachempfunden ist – und die von diesen erbittert gejagt wird.

Wie Regisseur Kim Ji-woon diese wilde Jagd bebildert und inszeniert ist schlicht atemberaubend. 좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM ist ein wilde Mischung aus Western und Eastern, mit großartig choreographierten Actionsequenzen, slapstickartigen Comedy-Einlagen, teils heftigen Gewaltausbrüchen und vielen, vielen Momenten, in denen sich Kim Ji-woon vor seinen Vorbildern respektvoll verneigt und in denen spürbar ist, mit wie viel Liebe und Herzblut dieser Film hier hergestellt wurde. Ich persönlich fand vor allem die Mischung aus komischen, spektakulären, ruhigen und brutalen Sequenzen sehr ausgewogen und gelungen und diese irrsinnige Verfolgungsjagd im letzten Drittel zu den Klängen des von Bennie Benjamin und Gloria Caldwell komponierten Songs “Don’t Let Me Be Missunderstood“ war mit das Beste, was ich in letzter Seite im Bereich des Actionkinos zu sehen bekommen habe.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

KNOWING (Australien / Großbritannien / USA 2009, Regie: Alex Proyas)

knowing

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Nicolas Cage spielt John Koestler, einen alleinerziehenden und nach dem Tod seiner Frau vom Glauben abgefallenen Astrophysiker, dem zufällig ein 50 Jahre alter Zettel mit diversen Zahlenreihen in die Hände fällt. Als er sich daran macht, die Zahlenreihen näher zu untersuchen, stellt er fest, dass die Zahlen die Daten diverser Katastrophen incl. der exakten Opferzahlen und der Koordinaten des Unglücksortes darstellen. Da es sich bei den letzten enthaltenen Zahlen auf dem Zettel um Datumsangaben handelt, die nur wenige Tage nach dem Fund des Zettels liegen, beginnt für John ein Wettlauf gegen die Zeit…

Beim Ansehen von KNOWING sollte man nach Möglichkeit seine Gehirnzellen weitestgehend deaktivieren. Dann kann man sich von Cages berühmten Overacting, dem einen oder anderen miesen CGI-Effekt und einer – das muss man dem Film neidlos anerkennen – ungemein dichten und über weite Strecken auch durchaus unheimlichen Mystery-Atmosphäre und einem zumindest bis zum letzten Drittel des Films spannenden Plot ausgesprochen nett unterhalten lassen. Aber auch mit weitestgehend deaktivierter Gehirnaktivität dürfte man dann im letzten Drittel des Films erkennen, dass man es hier eigentlich mit religiösem Mumpitz der übelsten Sorte zu tun hat und KNOWING in erster Linie als Propagandafilm beliebiger religiöser Sekten zu gebrauchen ist und man sich insgeheim erhofft, man könnte es hier vielleicht auch einfach nur mit übertriebener Satire zu tun haben. Es steht jedoch zu befürchten, dass Proyas diesen Unsinn, den er hier verzapft ab, absolut ernst gemeint hat. Darauf ein dreifaches Halleluja. Wenigstens ist der Käse über weite Strecken extrem unterhaltsam geraten.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

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