8 Kurzkommentare (April 2016)

HOUSE OF WAX (USA 1953, Regie: André De Toth)

house of wax

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

 Dass Remakes oder Reboots kein gänzlich neuartiges Phänomen darstellen, sondern eher etwas, das es schon immer in der Filmgeschichte gab, lässt sich am Beispiel von HOUSE OF WAX aus dem Jahr 1953 gut darstellen. Beim Film von Regisseur André De Toth handelt es sich nämlich um ein Remake des Films MYSTERY OF THE WAX MUSEUM aus dem Jahr 1933 von Regisseur Michael Curtiz, in dem der Betreiber eines Wachsmuseums von seinem Geschäftspartner betrogen und dem eigentlich sicheren Flammentod überlassen wurde, das gelegte Feuer jedoch wie durch ein Wunder und schrecklich entstellt überlebte und daraufhin ein neues Wachsfigurenkabinett der ganz besonderen Art eröffnete. In die im Original von Lionel Atwill gespielte Rolle des Brandopfers schlüpft im Remake nun Vincent Price und der liefert eine wahrlich beeindruckende Vorstellung als gefährlicher Verrückter ab. Dazu gesellen sich ganz wundervolle Kulissen, eine angenehme Gruselatmosphäre im Gothic-Horror-Stil und ein enorm spannendes und packendes Finale, welches  dem geneigten Zuschauer auch heute, über ein halbes Jahrhundert nach Erstaufführung, noch den einen oder anderen Schauer über den Rücken jagt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

L’ULTIMO CACCIATORE (Italien 1980, Regie: Antonio Margheriti)

l'ultimo cacciatore

(Fassung: DVD, Dark Sky Films, USA)

Regisseur Antonio Margheriti schickt seinen Hauptdarsteller David Warbeck in L’ULTIMO CACCIATORE zu Zeiten des Vietnamkriegs auf eine gefährliche Mission – es gilt, einen tief im Feindgebiet gelegenen Propagandaradiosender der Vietnamesen auszuschalten – und mit diesem den Zuschauer auf eine Reise mitten in den Wahnsinn des Krieges.

Das italienische Kino ist natürlich auch dafür bekannt, sich von erfolgreichen US-Produktionen “inspirieren“ zu lassen und zu versuchen, die Erfolge der großen Vorbilder durch kostengünstige Filme, die in die gleiche Kerbe schlagen, zu wiederholen. L’ULTIMO CACCIATORE ist bspw. ganz deutlich von Coppolas APOCALYPSE NOW inspiriert und wurde auf den Philippinen sogar in den Original-Kulissen gedreht, die von Coppolas Erfolgsfilm übrig geblieben waren. Allein diese Settings verleihen L’ULTIMO CACCIATORE eine gewisse Klasse, die er aufgrund seines sicher nicht ausufernd großen Budgets sonst vielleicht nicht unbedingt erreicht hätte. Der zweite große Hauptgewinn des Films ist Hauptdarsteller David Warbeck, der ganz hervorragend in die Rolle des sich immer weiter ins Herz des Wahnsinns vorkämpfenden Soldaten passt und den Zuschauer mit einer nicht gerade einfachen Identifikationsfigur konfrontiert. Für Freunde deftiger Exploitation ist Margheritis Film ein echtes Fest. L’ULTIMO CACCIATORE kommt wie ein verrückter Abenteuerspielplatz daher, ist teils unglaublich brutal, verfügt über praktisch keinerlei Leerlauf und verfällt spätestens ab der Sequenz, in der Warbeck und seine Gefährten zum von anderen US-Soldaten ausgebauten Höhlensystem gelangen, komplett dem Wahnsinn. Wer hier eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Vietnam erwartet, dürfte wohl ziemlich enttäuscht werden. Wer dagegen Lust auf explosive Action im Gewand eines Kriegsfilms hat, kommt voll auf seine Kosten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE STEWARDESSES (USA 1969, Regie: Al Silliman Jr.)

the stewardesses

(Fassung: DVD, Shout! Factory, USA)

Als Ende der 60er Jahre die strengen Zensurvorschriften in den USA – insbesondere auch was die Darstellung von Nacktheit innerhalb eines sexuellen Kontexts anbelangte – endgültig der Vergangenheit angehören sollten, kamen Filme wie THE STEWARDESSES auf den Markt, die dem Zuschauer nun endlich das bieten konnten, was Jahrzehnte zuvor noch verboten war. Und der Erfolg gab ihnen recht. THE STEWARDESSES ist – man mag es kaum glauben – tatsächlich einer der profitabelsten Filme, die je gedreht wurden. Kosten von ca. 100.000 US-Dollar standen weltweite Einnahmen gegenüber, die sich laut IMDB irgendwo zwischen 25 und 30 Mio. US-Dollar bewegten.

So etwas wie eine Handlung such man hier vergebens. Regisseur Al Silliman Jr. konfrontiert den Zuschauer lediglich mit den Freizeitaktivitäten von ein paar Flugbegleiterinnen, die lediglich mit einem wirklich hauchdünnen roten Faden miteinander verbunden sind. Das Hauptanliegen von THE STEWARDESSES ist es, dem Zuschauer möglichst viele Schauwerte zu präsentieren und diese Agenda setzt der Film konsequent um. Nackte Haut, herrlich obskure Kameraeinstellungen (der Film kam damals in 3D in die Kinos), ein psychedelischer Soundtrack und eine Atmosphäre, die einen ständigen Rauschzustand zu simulieren versucht, machen THE STEWARDESSES auch heute noch zu einem großen Vergnügen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE (USA / Vereinigte Arabische Emirate 2011, Regie: Mark Neveldine / Brian Taylor)

ghost rider - spirit of vengeance

(Fassung: Blu-ray 3D, Universum, Deutschland)

Seit in GHOST RIDER aus dem Jahr 2007 seine Seele an den Teufel verkaufte, fährt der ehemalige Stuntman Johnny Blaze (Nicolas Cage) als feuriges Skelett auf seinem Motorrad umher um die Drecksarbeit des Leibhaftigen zu erledigen. Als er vom undurchschaubaren Moreau (Idris Elba) die Chance bekommt, von diesem Schicksal für immer befreit zu werden, willigt er in den ihm gestellten Auftrag ein, einen kleinen Jungen (Fergus Riordan) zu beschützen, nicht ahnend, mit wem er sich durch die Annahme dieses Auftrags tatsächlich anlegt…

Über GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE wurde damals – ähnlich wie schon über den Vorgänger zuvor – ein regelrechter Kübel an Spott und Häme ausgeschüttet und erwartet man von dieser Fortsetzung so etwas wie einen “herkömmlichen“ bzw. “normalen“ Film, kann ich diese harschen Reaktionen im Ansatz sogar verstehen, auch wenn ich selbst gänzlich anderer Meinung bin. Wer diesen Film der beiden Chaos-Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor – die zuvor ja schon mit CRANK, CRANK: HIGH VOLTAGE und GAMER deutlich aufgezeigt hatten, was von ihnen zu erwarten ist – auch nur im Ansatz ernst nehmen sollte, dem ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen. GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE ist einfach nur hoffnungslos überzeichnet, pfeift auf jegliche Art von Konventionen und geht von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltungstechnisch einfach nur noch durch die Decke. Gut, manche CGI-Effekte sehen etwas schäbig aus, diese Schwäche wird vom enorm hohen Unterhaltungsfaktor des Films aber locker wettgemacht. In GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE gibt es keine Verschnaufpausen, Nicolas Cage spielt sich in einen regelrechten Wahn und erhebt sein gottgegebenes Talent zum Overacting spätestens mit diesem Film zur absoluten Kunstform. Filmschulen sollten sich ernsthaft überlegen, Klassen und Workshops für diese Art des Schauspiels anzubieten. Es wäre schade, wenn sie irgendwann verloren ginge.

Ich habe keine Ahnung, warum GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE so geworden ist, wie er nun mal ist. An welchem Punkt im Produktionsprozess und aus welchen Gründen Neveldine und Taylor sich dazu entschieden haben, jetzt einfach nur noch die sprichwörtlich Sau rauszulassen, aber ich finde es einfach herrlich, wie die beiden Regisseure hier ganz offensichtlich mit Absicht und vollem Risiko die Erwartungshaltung des Publikums untergraben, diesem den gestreckten Stinkefinger entgegenstrecken und ihren Film mit Vollgas einfach gegen die Wand fahren. In einer Zeit, in der gerade im Blockbusterbereich, ja wirklich nichts mehr dem Zufall überlassen wird, ist es regelrecht wohltuend, zu sehen, dass ein Film wie GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE – auch noch aus dem Hause Marvel – tatsächlich noch das Licht der Leinwände erblicken kann.

Neveldine und Taylor haben vielleicht keinen guten, aber dafür einen enorm unterhaltsamen Film gedreht, der bei mir als Filmsammler das dringende Bedürfnis weckt, die Sammlung auf schnellstem Weg mit allen noch fehlenden Nicolas-Cage-Filmen zu ergänzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE INTERNSHIP (USA 2013, Regie: Shawn Levy)

the internship

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), 20th Century Fox)

Nachdem die beiden Kumpels Vince Vaughn und Owen Wilson ihre Jobs als Uhrenvertreter verloren haben und feststellen müssen, dass sie in der modernen Arbeitswelt zum alten Eisen gehören zu scheinen, entscheiden sie sich für ein radikales Experiment. Sie ergattern je einen der begehrten Praktikumsplätze beim Internetriesen Google und erhoffen so, sich für eine feste Anstellung qualifizieren können. Doch die Aufgabe ist schwierig und die weitaus jüngere Konkurrenz scheint ihnen in allen Belangen weit überlegen zu sein…

Regisseur Shawn Levy ist in erster Linie für harmlose Familienunterhaltung der Marke NIGHT AT THE MUSEUM bekannt und so ist es keine große Überraschung, dass auch THE INTERNSHIP eher zur Kategorie der leichten und anspruchslosen Unterhaltung zu zählen ist. Der Film steckt natürlich voller Klischees – der typische Kampf David gegen Goliath, hier im Wettstreit um die begehrten Arbeitsplätze, die Tatsache, dass die jungen Wilden von den erfahrenen Alten immer noch etwas lernen können (und natürlich umgekehrt) -, die Botschaft, die Levy vermitteln will, nämlich nie aufzugeben und immer zu versuchen, die Möglichkeiten, die sich einen bieten, zu nutzen, könnte nicht einfacher gestrickt sein, der Verlauf der Handlung ist komplett vorhersehbar und was an THE INTERNSHIP noch am meisten verwundert ist die Tatsache, dass Google seinen großen Namen geliehen und seine Zentrale ein paar Tage lang sogar für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt hat und dennoch keine Probleme damit gehabt zu haben scheint, hier doch als ziemlich chaotischer und durchgeknallter Kindergarten dargestellt zu werden. Hauptsache, das Logo ist immer im Bild.

Auf seine ganz eigene Art und Weise habe ich THE INTERNSHIP – vielleicht sogar wegen seiner Vorhersehbarkeit, seiner einfach gestrickten Handlung und seiner simplen Botschaft – jedoch als ungemein angenehmen und sympathischen Film empfunden. Vince Vaughn und Owen Wilson harmonieren ganz vorzüglich miteinander, viele Gags sind gelungen, die Gastauftritte von John Goodman und Will Ferrell sind der Knaller und Rose Byrne als Love Interest ist ein echter Hingucker. Ein kleiner, feiner Film, der – das Manko fast aller Komödien der letzten Jahre – eigentlich nur mit seiner etwas zu langen Laufzeit von gut 2 Stunden zu kämpfen hat, über weite Strecken aber gar nicht mehr will und gar nicht mehr macht als seinen Zuschauern unbeschwerte Unterhaltung zu liefern. Schön.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

WΔZ (Großbritannien 2007, Regie: Tom Shankland)

w delta z

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Das Cover der deutschen DVD zeigt eine ausgesprochen unappetitlich zugerichtet Hand in Großaufnahme und rückt Shanklands Films somit automatisch in die Ecke von SAW und Konsorten. Eine Ecke, in die WΔZ jedoch nicht wirklich reingehört. Der Film hat zwar teils wirklich fast unerträgliche Härten zu bieten, lebt aber nicht von deren Zurschaustellung, sondern allein von der Spannung, die er langsam aufbaut und der ungemein dichten Atmosphäre, die er kreiert.

WΔZ erinnert mehr an Filme wie THE SILENCE OF THE LAMBS oder SE7EN und handelt von den beiden Polizisten Eddie Argo (Stellan Skarsgård) und Helen Westcott (Melissa George), die in einer unheimlichen Mordserie ermitteln. Schon bald wird klar, dass der gesuchte Serienkiller aus Rache handelt und auch die Identität des Mörders ist nicht sonderlich lange ein Geheimnis. Seine Spannung zieht WΔZ also nicht aus der Frage, wer der Täter ist, sondern wie er zur Strecke gebracht werden kann.

Regisseur Tom Shankland wirft den Zuschauer auf der Jagd nach dem Killer mitten hinein ins Geschehen. Der fast ausschließlich mit – oft wackliger – Handkamera gedrehte Film entwickelt dabei schon sehr schnell eine Intensität, der man sich nur schwer entziehen kann. Das ist ebenso faszinierend wie herausfordernd, WΔZ gehört definitiv zu der Sorte von Film, die man sich nicht mal so kurz nebenbei zur Entspannung anschaut, sondern die einem als Zuschauer doch einiges abverlangt. Mich persönlich hat Shanklands Film extrem positiv überrascht und ich möchte an dieser Stelle eine klare Empfehlung für WΔZ aussprechen. Das ist richtig gutes Horror- bzw. Thrillerkino, das Shankland hier abgeliefert hat.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS (Frankreich 2008, Regie: Dany Boon)

bienvenue chez les ch'tis

(Fassung: DVD, Prokino, Deutschland)

Um seine Ehe zu retten bemüht sich der leitende Postangestellte Philippe Abrams (Kad Merad) verzweifelt um eine Versetzung an die französische Riviera-Küste und versucht dies schließlich auch mit unlauteren Mitteln zu erreichen indem er eine nicht vorhandene Behinderung vortäuscht. Als der Beschiss auffliegt, wird Abrams in den hohen Norden strafversetzt, in eine Region, in die niemand freiwillig gehen möchte…

Wenn man wie ich in der nördlichsten Ecke von Bayern wohnt und arbeitet und es einen dorthin auch nur wahlweise verschlagen hat, kommt man nicht umhin, BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS über die komplette Laufzeit mit einem dicken Grinsen zu betrachten. So wie der von Kad Merad einfach nur herrlich interpretierte Philippe Abrams zunächst reagiert, dürfte in Bayern wohl jeder Beamte oder Angestellte reagieren, der plötzlich von seinem Arbeitgeber damit konfrontiert wird, dass er von bspw. München nach Hof versetzt wird. Und ähnlich wie Philippe im Film dürften dann auch diese Zwangsversetzten sehr schnell realisieren, dass es dort, wo es sie nun hinverschlagen hat, bei näherer Betrachtung gar nicht mal so übel ist.

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS spielt natürlich mit und lebt in erster Linie von seinen Klischees die er verwendet, in denen aber sicher jede Menge Wahrheit stecken dürfte. Regisseur Dany Boon, selbst aus dem französischen Norden stammend, hat mit diesem Film so etwas wie eine Liebeserklärung an seine Heimat  und an die vielleicht etwas rauen, dafür aber umso ehrlicheren Typen, die diese vom Rest der Nation so unattraktive Landschaft bevölkern, gedreht und zeigt auf ungemein liebenswerte und sympathische Art und Weise die Vorzüge dieser Landschaft und ihrer Einwohner auf. Dass BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS darüber hinaus auch noch ungemein witzig, kurzweilig und unterhaltsam geraten ist, wirkt sich natürlich auch nicht negativ auf die Qualität des Films aus.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass man diesen Film wohl nur dann in seiner ganzen Pracht und seinem ganzen Witz genießen kann, wenn man die französische Sprache perfekt beherrscht. BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS funktioniert über weite Strecken über die Sprache, spielt mit Dialekten und lässt sich so natürlich nicht adäquat synchronisieren oder untertiteln. Da mir Synchronfassungen schon seit langer Zeit ein Graus sind, habe ich mir Boons Film mit deutschen Untertiteln angesehen, konnte so zwar über die Untertitel auch “nur“ die deutsche Synchronisation mitlesen, kam aber zumindest in den Genuss der Originalstimmen der Schauspieler.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE LAST AIRBENDER (USA 2010, Regie: M. Night Shyamalan)

the last airbender

(Fassung: Blu-ray 3D, Paramount, Deutschland)

Mit THE LAST AIRBENDER entführt Regisseur M. Night Shyamalan den Zuschauer in eine mystische Fantasy-Welt, in der es ein kleiner Junge mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Hand hat, schon seit Jahrzehnten schwelende Konflikte zu beenden und das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Völkern wieder herzustellen…

Konnte ich seinen vorherigen Filmen, von denen ja insbesondere LADY IN THE WATER und THE HAPPENING nicht gerade mit Lob überhäuft worden sind, bisher allesamt noch etwas abgewinnen, hat mich M. Night Shyamalan mit THE LAST AIRBENDER als bisher treuen Zuschauer nun auch verloren (was ihm jedoch definitiv vollkommen egal sein kann und dürfte). Gut, Shyamalans Fantasy-Welt sieht stellenweise atemberaubend gut aus und aus rein visuellen Gesichtspunkten ist THE LAST AIRBENDER auf jeden Fall ein echter Hingucker und diese visuelle Kraft des Films ist es dann auch, die ihn noch halbwegs sehenswert macht. Ansonsten ist hier leider nicht viel geboten. Die Story ist mir zu sehr auf ein kindliches Publikum zugeschnitten und plätschert ohne große Höhepunkte so unmotiviert vor sich hin, dass sich wahrscheinlich sogar das anvisierte Zielpublikum dabei langweilen dürfte. Dazu gesellen sich wahrlich unfassbar hölzern agierende Darsteller und ein vollkommen sinnloser Cliffhanger, der an der Zurechnungsfähigkeit der Produzenten bei Paramount zweifeln lässt. Haben die echt nicht erkannt, dass mit diesem Film zum Auftakt definitiv kein Franchise entwickelt werden kann?

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

The Last of March and the First of April

SUPERNATURAL: SEASON 2 (USA 2006 / 2007, Idee: Eric Kripke)

supernatural - season 2

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In diesem Jahr startet die mittlerweile 12. Staffel von SUPERNATURAL im US-Fernsehen. Eine Serie, die es auf so eine extrem lange Laufzeit bringt, muss irgendwas verdammt richtig machen. Ansonsten hätten sich die Fans schon lange abgewendet. Hat man wie ich nun gerade mal die ersten beiden Staffeln gesichtet, muss man sich allerdings zwangsläufig die Frage stellen, wann es denn endlich so weit sein wird, dass SUPERNATURAL die Kurve kriegt und sich zum echten Serienhit entwickelt. Die wie schon die Auftaktstaffel ist auch Season 2 bestenfalls als unterhaltsam zu bezeichnen und über die komplette Distanz von 22 Episoden mitunter eine arg zähe Angelegenheit.

Als Zuschauer begleitet man erneut die beiden Brüder Sam (Jared Padalecki) und Dean Winchester (Jensen Ackles) auf ihrer Reise durch die Vereinigten Staaten, die sie immer wieder an teils abgelegene Orte bringt, an denen es irgendwelche Dämonen, Geister oder sonstige Wesen der Unterwelt zu bekämpfen und zu besiegen gibt. Erneut ist jede Folge in sich abgeschlossen, jede Folge hält sich an einen fest vorgegebenen Handlungsverlauf und ein roter Faden, der alle Folgen der Staffel miteinander verbindet, ist zwar vorhanden, aber nur so hauchdünn, dass man nun nicht gerade behaupten könnte, SUPERNATURAL würde durch eine übergeordnete Rahmenhandlung großartig Spannung verbreiten.

Als wirklich sehenswert und gut würde ich gerade mal die ersten drei Folgen der Staffel bezeichnen wollen, danach geht es qualitativ leider merklich bergab und knapp die Hälfte aller Episoden haben sich nicht einmal das Prädikat “unterhaltsam“ verdient, welches sich die komplette Staffel bei Zusammenzählen der Bewertungen der einzelnen Folgen im Durchschnitt gerade noch knapp erkämpft hat. SUPERNATURAL: SEASON 2 plätschert ohne große Höhepunkte so vor sich hin, tut niemandem dabei ernsthaft weh und dürfte auch niemanden zu großen Begeisterungsstürmen hinreißen. Ich bin echt gespannt, ab welcher Staffel es mit dieser Serie qualitativ bergauf gehen wird. Diese Spannung werde ich allerdings noch eine ganze Weile aufrecht erhalten. Fürs Erste stelle ich SUPERNATURAL wieder zurück ins Regal. Hab momentan keinen Lust mehr auf den Kram.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

INSIDE OUT (USA 2015, Regie: Pete Docter / Ronnie Del Carmen)

inside out

(Fassung: Blu-ray 3D, Disney, Deutschland)

In INSIDE OUT katapultieren die beiden Regisseure Pete Docter und Ronnie Del Carmen mitten in das Gehirn der kleinen Riley, welches als riesengroße Schaltzentrale daherkommt, in der die Hauptemotionen Freude, Kummer, Angst, Ekel und Wut – animationsfilmgerecht als putzige Figuren dargestellt – irgendwie versuchen, die geänderte Lebenssituation zu verarbeiten, in der sich Riley nach einem Umzug nach San Francisco befindet..

Sieht man mal über die pädagogisch eher suboptimale Message des Films hinweg – INSIDE OUT bietet für Kinder natürlich eine herrliche Ausrede, den verschiedenen Stimmungen vollkommen freien Lauf zu lassen, sind ja bei plötzlichen Stimmungsschwankungen ganz offensichtlich, wie uns der Film lehrt, höhere Kräfte am Werk -, so kann man guten Gewissens feststellen, dass das, was Docter und sein Co-Regisseur Del Carmen hier präsentieren, schon einen riesigen Spaß für Jung und Alt darstellen dürfte. INSIDE OUT steckt voller witziger und charmanter Ideen, sprüht regelrecht vor Einfallsreichtum, ist toll animiert und ungemein kurzweilig und unterhaltsam erzählt. Und diese kurze Sequenz, in der INSIDE OUT auch mal einen kleinen Ausflug in die Schaltzentralen der Eltern der kindlichen Hauptfigur unternimmt, trifft so exakt ins Schwarze und ist so ungemein komisch, dass man sich als erwachsener Zuschauer eine Fortsetzung wünschen würde, in der dann tatsächlich das Gehirn erwachsener Menschen im Mittelpunkt steht. Die könnte diesen Film hier dann wahrscheinlich sogar noch toppen.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

THE LOST WORLD: JURASSIC PARK (USA 1997, Regie: Steven Spielberg)

the lost world - jurassic park

(Fassung: DVD, Columbia TriStar/Universal, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg von JURASSIC PARK musste natürlich eine Fortsetzung her. Steven Spielberg selbst inszenierte 4 Jahre später diesen Nachfolger, ohne Sam Neill und Laura Dern, dafür erneut mit Jeff Goldblum, dieses Mal auch in der Hauptrolle, der es erneut mit Dinosauriern zu tun bekommt, weil der für den im Vorgänger gescheiterten Vergnügungspark verantwortliche John Hammond (Richard Attenborough) ausgerechnet die abenteuerlustige Freundin (Julianne Moore) des von Goldblum gespielten Chaostheoretikers Ian Malcolm auf eine Insel voller Dinos geschickt hat, um dokumentieren zu lassen, wie sich diese nunmehr ohne menschlichen Einfluss entwickeln…

Den Regeln der Fortsetzung folgend bietet THE LOST WORLD: JURASSIC PARK natürlich noch mehr Dino-Action als der Vorgänger, verkommt so aber leider auch relativ schnell zur bloßen Nummernrevue. Diesen Zauber und diese Magie, die von JURASSIC PARK noch ausging, kann der Nachfolger praktisch nie vermitteln. Was Spielberg hier jedoch erneut gelingt, sind famose Suspense-Sequenzen – allein diese Szene mit dem Angriff der beiden T-Rex und dem über dem Abgrund baumelnden Anhänger bietet Spannung pur und rechtfertigt schon allein die Sichtung des Films – und das Kunststück, dass dem Zuschauer innerhalb der gebotenen Jahrmarktsattraktionen die handelnden Figuren nicht irgendwann egal werden, sondern er bis zum Ende mit diesen gemeinsam hoffen und bangen kann. Alles in allem also eine gelungene Fortsetzung, die ich persönlich komischerweise tatsächlich erst jetzt zum allerersten Mal gesehen habe.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

JURASSIC PARK III (USA 2001, Regie: Joe Johnston)

jurassic park iii

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Vier weitere Jahre sind seit THE LOST WORLD: JURASSIC PARK ins Land gezogen und bei den Universal Studios dachten sie wohl, es sei an der Zeit für mehr Dino-Action. JURASSIC PARK III erblickte die Leinwände, Steven Spielberg wirkte nur noch als ausführender Produzent mit, für den Regiestuhl wurde stattdessen Joe Johnston verpflichtet, der sich zuvor mit THE ROCKETEER und JUMANJI einen Namen gemacht hatte. Und Sam Neill kehrt als Hauptdarsteller zurück, der mit einem Täuschungsmanöver von William H. Macy zur Dino-Insel gelockt wird. Dessen Sohn ist nämlich bei einem Paragliding-Unfall über der Insel abgestürzt und soll nun gerettet werden…

Puh, fehlt THE LOST WORLD: JURASSIC PARK im Vergleich zu JURASSIC PARK „nur“ der Zauber und die Magie, geht JURASSIC PARK III im Vergleich zum unmittelbaren Vorgänger nun auch noch die Spannung ab. Johnstons Film bietet dafür Dino-Action am laufenden Band, bombardiert den Zuschauer mit katastrophalen Vorkommnissen und lässt diesem kaum Zeit zum Atmen. Das wird alles sehr schnell sehr ermüdend und die gerade mal 90-minütige Laufzeit kommt einem schier unendlich vor. Als Zuschauer eine Bindung zu den handelnden Personen aufzubauen ist praktisch unmöglich, die Dinos sind erschreckend schlecht animiert (insbesondere im Vergleich zum 8 Jahre älteren Ausgangsfilm) und so manche Dino-Sequenz ist einfach nur komplett bescheuert geraten. Es ist fast schon erschreckend, wie belanglos der bis dato teuerste Film der Reihe doch geworden ist. Und noch erschreckender bzw. extrem erstaunlich ist es, dass dieser Film, in den 93 Mio. Dollar investiert wurden (20 Mio. mehr als beim zweiten und 30 Mio. mehr als beim Auftaktfilm) sogar noch fast das doppelte seiner Produktionskosten wieder eingespielt hat und nicht einfach nur gnadenlos gefloppt ist. Es hätte mich nicht gewundert.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

BIRDMAN OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE) (USA 2014, Regie: Alejandro González Iñárritu)

birdman or (the unexpected virtue of ignorance)

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

BIRDMAN – den kompletten Filmtitel einmal in der Überschrift zu nennen, muss genügen – erzählt die Geschichte des einst kommerziell erfolgreichen Schauspielers Riggan Thomson (Michael Keaton), der, um an alte Erfolge anzuknüpfen, nun versucht, mit einem Bühnenstück am Broadway sein Glück zu machen, bei dem er sowohl die Hauptrolle bekleidet als auch den Job als Regisseur und Drehbuchautor übernimmt. Doch während der Vorbereitungen auf die große Premiere hat Riggan nicht nur mit seinem Alter Ego zu kämpfen, sondern auch mit den Meriten des Starschauspielers Mike Shiner (Edward Norton), der kurzfristig für die zweite männliche Hauptrolle einspringt, da der dafür vorgesehene Schauspieler von einem herunterfallenden Scheinwerfer schwer verletzt wurde und nun ausfällt…

BIRDMAN war der große Gewinner der letztjährigen Oscarverleihung, konnte 4 der begehrten Trophäen einsacken (Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera) und wurde mit guten Kritiken überhäuft. Ja, in Hollywood lieben sie solche Geschichten. Geschichten, die mit dem ach so schweren Schicksal des Schauspielers erzählen, der doch vornehmlich anspruchsvolle Kost abliefern möchte, beim unangenehmen Pöbel aber nur dann Erfolg hat, wenn er niveaulose Hauptrollen in Superheldenverfilmungen übernimmt. Puh, da hat uns doofen Zuschauern Alejandro González Iñárritu mit BIRDMAN aber mal so richtig einen vor den Latz geknallt. Jetzt haben wir beim nächsten Blockbuster, der uns blendend unterhält, sicherlich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen und schauen von nun an nur noch Filme wie BIRDMAN an, die Hollywood wohl für so etwas wie anspruchsvolles Kunstkino zu halten scheint. Gut, ausgerechnet Michael Keaton in der Hauptrolle des hadernden Schauspielers zu besetzen war ein kluger Schachzug, dieses Zugeständnis muss man Iñárritu machen, bildet BIRDMAN letztendlich ja ein Schicksal ab, dass dem von Keaton selbst nicht ganz unähnlich ist. Nachdem er den Batman in den beiden Burton-Filmen Anfang der 90er Jahre gespielt hatte, ging es mit seiner Karriere eher ab- als aufwärts. Aber im Endeffekt ist das, was Iñárritu hier abliefert, nur jämmerlicher Schein, ein aufgeblähtes Nichts, ein Film, der mich zu keiner Sekunde seiner Laufzeit auch nur ansatzweise für seine Geschichte interessieren konnte. Dieses (vorgetäuschte) Stilmittel, BIRDMAN sei nur in einem Take gedreht (es gibt tatsächlich nur sehr wenige sichtbare Schnitte innerhalb des Films) und die daraus resultierende Tatsache, dass die Handkamera ständig am Arsch der handelnden Personen hängt, mag vielleicht auf den ersten Blick eindrucksvoll erscheinen, ist am Ende des Tages aber Beleg dafür, dass hier kein großer Regisseur, sondern in erster Linie ein großer Täuscher am Werk gewesen ist. Dieses Stilmittel – das in der vorliegenden Umsetzung übrigens extrem schnell extrem zu nerven beginnt – soll ganz offensichtlich über die Leere und Bedeutungslosigkeit der Geschichte hinwegtäuschen, dient in keiner Weise der Handlung und wirkt einfach nur selbstzweckhaft. Ich will BIRDMAN jetzt nicht komplett verreißen, dafür spielen Keaton, Norton und insbesondere auch die tolle Emma Stone in diesem großen Nichts einfach zu gut und retten Iñárritus Film schließlich auch davor, zum kompletten Ärgernis zu werden, aber das, was dem Zuschauer hier präsentiert wird, ist kein Film, sondern die Demonstration eines hochnäsigen Regisseurs, der sich anscheinend für den größten seines Fachs zu halten scheint. Ich habe selten einen unsympathischeren und dekadenteren Film gesehen als diesen hier. Und soll ich jetzt noch etwas über den unfassbar nervtötenden Drum Score von Antonio Sanchez schreiben? Ich lass es einfach.

Bewertung: Mies (mit wenigen guten Momenten)! – 3/10

 

 

 

MAN UP (Frankreich / Großbritannien 2015, Regie: Ben Palmer)

man up

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Großbritannien)

Nancy (Lake Bell) ist Mitte 30, Single, und hat die Hoffnung, doch noch irgendwann den Mann fürs Leben zu finden eigentlich schon fast aufgegeben. Bis sie eines Tages nach London reist um an der Feier des 40. Hochzeitstages ihrer Eltern teilzunehmen und dort am Londoner Hauptbahnhof auf Jack (Simon Pegg) trifft, der Nancy verwechselt und für sein Blind Date hält. Nancy packt die Gelegenheit am Schopf und lässt sich auf eine aufregende Reise in die Nacht ein…

Wie es sich für eine echte RomCom gehört, muss auch MAN UP die typischen Stadien innerhalb des vorgegebenen Handlungsverlaufs abhaken. Auf das Kennenlernen folgt das Verlieben, darauf die Trennung aufgrund eines dummen Fehlers/Missverständnisses/usw. und am Ende natürlich die herbeigesehnte Wiedervereinigung. Und wie es sich für eine echte RomCom gehört, ist auch in MAN UP ausschließlich der Weg zum vorbestimmten Ende das Ziel und nicht dieses vorbestimmte Ende selbst. Und dieser Weg ist hier doch um einiges lustiger und unterhaltsamer geraten als in der stereotypen Durchschnitts-RomCom. Der besondere Reiz an diesem Weg ist die Tatsache, dass sich die Haupthandlung von MAN UP im Endeffekt auf einen einzigen Abend bzw. eine einzige Nacht beschränkt und die vorgenannten Eckpunkte des Handlungsverlaufs somit in Windeseile erreicht werden müssen. MAN UP ist ungemein rasant inszeniert, die Chemie der beiden Hauptdarsteller Simon Pegg und Lake Bell passt ausgesprochen gut, die vorhandenen Gags funktionieren zu größten Teilen und die diversen abstrusen Situationen, in die das Paar immer wieder gerät, wirken in ihrer teils hoffnungslosen Überzeichnung schon fast wieder glaubwürdig. MAN UP ragt qualitativ deutlich aus dem mittlerweile schon ausgesprochen unübersichtlich gewordenen Genre der romantischen Komödie heraus und sei an dieser Stelle ausdrücklich zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

AMERICAN FLYERS (USA 1985, Regie: John Badham)

american flyers

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Regisseur John Badham erzählt die Geschichte zweier Brüder (Kevin Costner und David Marshall Grant), die durch die gemeinsame Teilnahme an einem höllischen Radrennen nach Jahren der Trennung versuchen, ihre Familie wieder zu einen.

AMERICAN FLYERS ist eine Mischung aus Sportfilm und Familiendrama, welche exakt die unzähligen Klischees aufbietet, welche man sich aufgrund der Mini-Inhaltsangabe im ersten Satz dieses Textes so ausmalen könnte. Es gibt mit Kevin Costner den Bruder, der sich einst abgewendet hat und nun wieder zurückkehrt. Es gibt eine schwere Krankheit, die zusätzlich Dramatik ins Geschehen bringt. Und es gibt natürlich dieses gemeinschaftliche Sportereignis (incl. des fiesen Gegenspielers), welches bestens dazu geeignet ist, die Protagonisten an ihre Grenzen gehen zu lassen um im ach so unerwarteten Erfolg die Familie schließlich wieder zu vereinigen.

Wenn man einem Genre solche Klischees verzeihen kann, dann ist es allerdings das Genre des Sportfilms. Hier lässt man sich immer wieder gerne und bereitwillig anstecken und überrumpeln, hier ertappt man sich jedes Mal aufs Neue und stellt fest, dass man hofft und bangt, wo es doch eigentlich gar nichts zu hoffen und zu bangen gibt, weil das Ende der Geschichte in 99% aller Fälle doch sowieso von vornherein schon feststeht. Und doch bekommt man immer und immer wieder bei solchen Filmen eine Gänsehaut in diesen entscheidenden Szenen, in denen es ums Ganze geht, um den sportlichen Erfolg oder die (eh nicht stattfindende) Niederlage. AMERICAN FLYERS macht mit seinen enorm packend und spektakulär inszenierten Radrennsequenzen da keine Ausnahme. Auch John Badham gelingt es – wie vielen seiner Kollegen zuvor – mit Leichtigkeit, den Zuschauer für sich einzunehmen und Spannung zu erzeugen, wo doch eigentlich gar keine Spannung existieren dürfte. Davor kann man auch gerne mal seinen imaginären Hut ziehen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MEN IN BLACK 3 (USA 2012, Regie: Barry Sonnenfeld)

men in black 3

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Regisseur Barry Sonnenfeld kehrt mit MEN IN BLACK 3 – stolze 10 Jahre nach dem unmittelbaren Vorgänger – erneut zu der geheimen Spezialeinheit zurück, welche das bunte Treiben der zahlreichen Außerirdischen auf der Erde überwacht und legt einen Film vor, der sich qualitativ vor den beiden ersten Teilen sicher nicht verstecken muss.

Aufgrund des Verlaufs des Plots – Will Smith als Agent J muss ins Jahr 1969 zurückreisen um zu verhindern, dass sein Partner K (Tommy Lee Jones / Josh Brolin) von einem besonders gefährlichen Alien getötet, die Geschichte dadurch entscheidend verändert wird und die Erde in der Gegenwart vor der Auslöschung steht – hat Tommy Lee Jones zwar nur eine etwas größere Nebenrolle abbekommen und taucht letztendlich nur im ersten Drittel und ganz am Ende des Films auf, sein Fehlen wird aber durch das Mitwirken von Josh Brolin, der den jungen K im Jahr 1969 spielt, locker wettgemacht und wurden die ersten beiden Filme zu großen Teilen auch durch diese Chemie zwischen Will Smith und Tommy Lee Jones getragen, so trägt MEN IN BLACK 3 nun stattdessen eben die Chemie zwischen Will Smith und Josh Brolin. Sehr schön auch zu sehen, dass Barry Sonnenfeld dem Stil der beiden Vorgänger treu geblieben ist und sich nicht den Gepflogenheiten des modernen Blockbusterkinos angepasst hat. MEN IN BLACK 3 kommt schon fast nostalgisch daher, mit seiner wieder mal ziemlich geradlinigen Geschichte (trotz Zeitreisethematik), seiner erneut übersichtlichen Laufzeit (der Film ist mit etwas über 100 Minuten gerade mal gut 20 Minuten länger als die beiden Vorgänger und so immer noch meilenweit von den Laufzeiten moderner Blockbuster entfernt, die ja gerne mal 2,5 Stunden oder noch länger dauern) und seinen unkomplizierten Helden, die keine gebrochenen Figuren sein müssen, um den Zuschauer zu erreichen. MEN IN BLACK 3 bietet kurzweiligen Spaß, ist witzig und actionreich und läuft, was die diversen Alien-Effekte angeht, vor Kreativität mal wieder regelrecht über.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Ein paar Gedanken zu Tarantinos 8. Film

THE HATEFUL EIGHT (USA 2015, Regie: Quentin Tarantino)

the hateful eight

(Fassung: Blu-ray, Entertainment One, Kanada)

Die USA, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg: der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) ist in einer Kutsche mit seiner Gefangenen Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) im kalten Winter von Wyoming unterwegs in die nächstgelegene Stadt, um dort die Verbrecherin abzuliefern und das Kopfgeld zu kassieren. Auf diesem Weg gabelt er zuerst den ehemaligen Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) und anschließend Chris Mannix (Walton Goggins) auf, der sich als künftiger Sheriff der Stadt ausgibt, die Ruth erreichen will. Da Ruth und seiner Gefolgschaft jedoch ein gefährlicher Schneesturm im Nacken sitzt, suchen die Männer Unterkunft in einer einsam gelegenen Raststation, in der sich schon diverse andere, zwielichtige Gestalten (Michael Madsen, Tim Roth, Bruce Dern) aufhalten…

Da ist er nun, der achte Film von Quentin Tarantino, und wahrscheinlich ist THE HATEFUL EIGHT sogar Tarantinos persönlichster Film seit JACKIE BROWN. Und vielleicht hätte gerade THE HATEFUL EIGHT all diese Liebe von mir verdient gehabt, die ich für all seine anderen Filme empfinde. Um jetzt keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sei gleich vorweg angemerkt, dass das, was in den nächsten Absätzen folgt, am Ende des Tages Jammern auf extrem hohem Niveau darstellt, und dass mir THE HATEFUL unterm Strich sehr gut gefallen hat. Ich mochte den Verlauf, den die Handlung nimmt, ich konnte in den tollen Bildern von Kameramann Robert Richardson regelrecht versinken (insbesondere in denen, die außerhalb der Raststation spielten), der Score von Morricone erzeugte eine ungemein intensive Atmosphäre und hinsichtlich der schauspielerischen Leistungen der vielen bekannten Gesichter gibt es eh nichts auszusetzen. Aber diese Höchstwertung von 10 Punkten, die ich persönlich bisher jedem Film von Tarantino guten Gewissens erteilen konnte, muss ich hier doch verweigern.

Neben JACKIE BROWN, der auf einem Roman von Elmore Leonard basierte, ist THE HATEFUL EIGHT der einzige Film von Tarantino, der nicht aus unzähligen Vorlagen zusammengebastelt zu sein scheint, sondern in dem tatsächlich eine “neue“ Geschichte erzählt wird. THE HATEFUL EIGHT ist neben JACKIE BROWN somit wahrscheinlich nicht nur der persönlichste, sondern vielleicht auch der reifste Film Tarantinos. Obwohl es auf der Movie-Connections-Seite der IMDB auch zu diesem Film schon wieder unzählige Aufzählungen gibt, welche Vorbilder er angeblich zitiert, springt einem dieses “spot the reference“-Getue hier bei weitem nicht so sehr ins Gesicht, wie in seinen anderen Filmen, insbesondere bspw. in DEATH PROOF und KILL BILL: VOL. 1 und VOL. 2, die ja nur aus Zitaten zusammengesetzt zu sein scheinen. Neu für Tarantino ist auch, dass er hier erstmals einen eigenen Score verwendet, komponiert vom Altmeister Ennio Morricone, der dafür im Alter von 87 Jahren dann auch endlich seinen ersten Oscar bekam. THE HATEFUL EIGHT wirkt auch aus diesem Grund eigenständiger als Tarantinos sonstige Regiearbeiten, bei denen einem die Szenen der filmischen Vorbilder schon allein aufgrund der Verwendung der entsprechenden Musik bereits während der Sichtung der Filme vor dem geistigen Auge erscheinen. Eigentlich beste Voraussetzungen für einen echten Volltreffer, was ist nun schief gelaufen?

In meinen Augen übertreibt es Tarantino in THE HATEFUL EIGHT mit seinen Dialogen. Prinzipiell liebe ich diese ganz eigene Art der Dialoge in seinen Filmen und könnte ihnen theoretisch stundenlang zuhören. Während in seinen Filmen zuvor jedoch immer Bewegung im Spiel ist und die Dialogzeilen von sich gegeben werden, während etwas passiert, ist THE HATEFUL EIGHT irgendwie steif und statisch geraten. Ich mochte zwar, wie sich der Film im letzten Drittel vom Western zum Mysteryfilm entwickelt, aber diese kammerspielartige Inszenierung, die den Film über die fast komplette Laufzeit tragen muss, wirkt irgendwann ermüdend. Fast scheint es so, als habe sich Tarantino hier selbst in seinen Dialogen verloren, THE HATEFUL EIGHT scheint irgendwann zur Plattform seines selbstverliebten Autoren zu verkommen, wirkt bemüht und unnötig in die Länge gezogen und versetzt den Zuschauer irgendwann in einen regelrecht lethargischen Zustand, aus dem ihn nicht einmal mehr die extremen Gewaltausbrüche, die es in der zweiten Hälfte des Films immer wieder zu bewundern gibt, herausreißen können. In meinen Augen ist THE HATEFUL EIGHT sogar schon in der normalen Kinofassung, die auf der mir vorliegenden kanadischen Blu-ray enthalten ist, um mindestens 30-40 Minuten zu lang geraten. Die Geschichte, die Tarantino erzählt, rechtfertigt einfach keine Laufzeit von knapp 170 Minuten. Vor ein paar Wochen war ich noch enttäuscht darüber, dass diese exklusive 70mm-Roadshow-Version, die in ausgewählten Kinos gelaufen ist, und den Film ganz klassisch mit Ouvertüre, Intermission und noch mehr Handlung präsentiert, wohl nicht auf einem Heimkinomedium veröffentlicht werden wird, nach Sichtung der normalen Version bin ich fast schon froh darüber, dass mir eine noch längere Fassung dieses Films erspart bleibt. Vielleicht braucht es weitere Sichtungen – die definitiv kommen werden – um auch meine Liebe zu THE HATEFUL EIGHT zu entfachen, fürs Erste bleibt jedoch anzumerken, dass dieser achte Film von Tarantino, der aufgrund seiner Voraussetzungen eigentlich prädestiniert dafür gewesen wäre, den Höhepunkt in seinem bisherigen Schaffen darzustellen, sein bisher “schwächster“ Film geworden ist.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10