4 Frauen auf Geisterjagd

GHOSTBUSTERS (USA 2016, Regie: Paul Feig)ghostbusters

(Fassung: 3D-Originalfassung, Odeon Premierenkino, London)

Jetzt ist er also in der Welt. Dieser Film, der die Fans von Reitmans Original aus dem Jahr 1984 schon auf die Barrikaden gehen ließ, bevor er überhaupt das Licht der Leinwände erblicken konnte. Der von vielen sogenannten Filmfreunden aus Prinzip gehasst werden wird – nur aufgrund der Tatsache, dass die Rollen der Geisterjäger hier mit 4 Frauen besetzt worden sind – und der praktisch keine Chance auf eine faire Behandlung haben dürfte. Ich finde es sehr traurig, dass es scheinbar nicht möglich ist, an einen Film wie diesen hier erst mal unvoreingenommen heranzugehen, ihn sich anzusehen und sich danach eine Meinung zu bilden. Wenn man ihn dann immer noch beschissen findet, ist das ja in Ordnung. Aber dieser Shitstorm vorab? Man muss es nicht verstehen.

In Deutschland startet GHOSTBUSTERS Anfang Augst, anlässlich eines Kurzurlaubs in London hatte ich bereits am vergangenen Samstag die Gelegenheit, mir den Film in 3D im riesigen Odeon-Kino am Londoner Leicester Square anzusehen (in diesem Kino finden auch alle wichtigen Filmpremieren in England statt) und möchte nach Sichtung des Films all diesen selbsternannten Experten, all diesen bescheuerten Hatern und all diesen ekligen Supernerds, die GHOSTBUSTERS bereits vor Start und nur aufgrund der Besetzung und des Trailers zur Totgeburt erklärt hatten, ein fettes „FUCK YOU!!!“ entgegen schreien, denn Paul Feig hat hier zwar keinen perfekten, aber doch einen extrem unterhaltsamen Film gedreht. Einen Film, der mir persönlich über die komplette Laufzeit verdammt viel Vergnügen bereitet hat, den man sicher kritisch sehen kann, der diese breite Ablehnung und diesen Hass, der ihm schon seit Wochen und Monaten vielerorts entgegenschlägt, jedoch in keinster Weise verdient hat.

Was man den Machern vielleicht vorwerfen kann, darf und muss, ist, dass sie diesen Mut, den sie mit der Besetzung der vier Hauptrollen mit Frauen ja eigentlich bewiesen haben, nicht konsequent fortgeführt und so etwas gänzlich Neues erschaffen haben. GHOSTBUSTERS ist im Endeffekt ein Remake bzw. Reboot des Originals und seines Sequels aus dem Jahr 1989 und funktioniert eher als liebevolle Hommage an diese beiden Filme und weniger als eigenständige Geschichte. Dafür wurden einfach zu viele Elemente der beiden Ur-Filme aufgegriffen, dafür gibt es zu viele obligatorische Gastauftritte und dafür fehlt es dem Film einfach an Originalität und Einfallsreichtum was den Handlungsverlauf angeht. Und dafür übertreibt es Paul Feig im Finale etwas zu sehr mit den Reminiszenzen. Die Entstehung des „Endgegners“ ist bspw. komplett misslungen und das Finale des großen Finales ist in meinen Augen auch eher als missglückt zu bezeichnen. Bis auf diese beiden großen Schwächen zum Ende hin funktioniert GHOSTBUSTERS als Hommage jedoch nahezu perfekt und wenn man es schafft, sich auch mit den vier Damen in den Rollen der Geisterjäger anzufreunden (was mir glücklicherweise gelungen ist), dürfte einem mehr als vergnüglichem Filmerlebnis nichts mehr im Wege stehen.

Regisseur Paul Feig zelebriert mal wieder den aus seinen bisherigen Filmen bekannten, etwas kruden Humor und hat insbesondere mit Melissa McCarthy und Kristen Wiig zwei Schauspielerinnen am Start, die sich die Gags wie die sprichwörtlichen Bälle hin- und her spielen. Chris Hemsworth als männliche und leicht unterbelichtete Empfangsdame ist teilweise zum Schreien komisch und komplettiert mit seinem Part die Umkehr der Geschlechterrollen des Originals. Die aus den beiden Ur-Filmen zusammengesetzten Handlungselemente hat Feig zudem mit jeder Menge netter Ideen angereichert und die Kreativität, die im großen Ganzen des Plots vielleicht etwas fehlen mag, ist in den Details jederzeit erkennbar (man achte bspw. nur mal auf die zeitgenössischen Movie Marquees während der Times-Square-Sequenz im Finale). Über die diversen Variationen altbekannter Geistererscheinungen habe ich mich genauso gefreut wie über die ausgesprochen gelungenen Gastauftritte diverser Stars des Originals – neben Bill Murray als Wissenschaftler und Dan Aykroyd als Taxifahrer geben sich auch Annie Potts, Ernie Hudson und Sigourney Weaver die Ehre – und diese Konzertsequenz (incl. eines Gastauftritts von Ozzy Osbourne) in der Mitte des Films ist der absolute Knaller. Toll auch die Effekte, vor allem die 3D-Effekte in den Actionszenen. Alles in allem ist GHOSTBUSTERS ein riesengroßer Spaß. Wer dem Film eine echte Chance geben will soll doch einfach reingehen, sich hinsetzen, ihn sich anschauen, hoffentlich Spaß haben und vor allem bis nach dem Abspann sitzen bleiben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

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