The Movies of January 2017

In den letzten Monaten hatte ich leider weder die Zeit noch die Muse, diesen Blog hier weiterzuführen. Um ihn nicht komplett einschlafen zu lassen, gibt es nun – so zumindest der Plan – immer am Monatsende eine kleine Rückschau auf meinen persönlichen Filmmonat mit ein paar losen Gedanken zu den gesehenen Filmen.

 

Im Januar 2017 stachen für mich insbesondere 4 Filme heraus, die ich allesamt als herausragend bezeichnen möchte:

hell-or-high-water

Mein persönliches Filmhighlight im Januar war HELL OR HIGH WATER (USA 2016, Regie: David Mackenzie), in dem Ben Foster und Chris Pine als Brüderpaar im ländlichen Texas Banken ausrauben um mit dem erbeuteten Geld den Familienbesitz in Form einer Farm zu retten. Alles geht gut, bis die beiden zu unvorsichtig werden und sich mit Jeff Bridges ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger an ihre Fersen heftet, der als letzte Amtshandlung die Bankräuber unbedingt zur Strecke bringen will.

Der Film lebt von seinen drei phantastischen Hauptdarstellern, seiner tollen Kameraarbeit, seinem wundervollen Score von Nick Cave und Warren Ellis, seiner behutsam die Spannungsschraube immer mehr anziehenden Geschichte und seiner ungemein intensiven Atmosphäre.

 

RAMPART (USA 2011, Regie: Oren Moverman), in dem Woody Harrelson einen dreckigen Cop spielt, der ins Visier der Abteilung für Innere Angelegenheiten gerät, war der zweitbeste Film, den ich im Januar gesehen habe.

Ein ungemein intensiv und glaubwürdig gespieltes Cop-Drama, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Am Ende des Tages machen dann wohl doch die Schauspieler den Unterschied zwischen herausragenden, sehr guten, guten, durchschnittlichen und eher schlechten Filmen aus. In RAMPART spielen neben Woody Harrelson u.a. Robin Wright, Ned Beatty, Sigourney Weaver, Steve Buscemi, Anne Heche, Cynthia Nixon, Brie Larson, Ben Foster, Robert Wisdom und Ice Cube mit. Noch Fragen?

 

Platz 3 des persönlichen Januarrankings geht an SING STREET (Großbritannien / Irland / USA 2016, Regie: John Carney), in dem sich ein Teenager im Dublin der 80er Jahre Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt und kurzerhand eine Band gründet, um die Angebetete für sich zu gewinnen.

Nach ONCE und BEGIN AGAIN spielt auch im dritten Film von Regisseur John Carney die Musik bzw. die Liebe zur Musik die heimliche Hauptrolle. Wer insbesondere mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich bei diesem Film von Beginn an einfach nur wohl fühlen. Der Soundtrack ist göttlich und für seine Geschichte findet Carney genau die richtige Balance zwischen tragischen und komischen Momenten.

 

Beim vierten hervorragenden Film des vergangenen Monats handelt es sich um BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua), der die Geschichten dreier verschiedener Polizisten in den Straßen von Brooklyn erzählt.

Ethan Hawke versucht dabei während teils waghalsiger Einsätze schmutziges Geld auf die Seite zu schaffen, um seiner Familie ein besseres Leben zu bieten, Richard Gere ist als desillusionierter Polizist kurz vor dem Ruhestand zu sehen, der lieber mal in die andere Richtung schaut um jeglichen Ärger kurz vor der Pensionierung aus dem Weg zu gehen und Don Cheadle ist der Undercover-Cop, bei dem die Grenzen zwischen Dienstpflicht und den Verlockungen des organisierten Verbrechens langsam zu verschwimmen drohen.

Erwartungsgemäß nicht ganz ohne Klischees auskommend lässt Regisseur Fuqua seine drei parallel und teils extrem ruhig erzählten Handlungsstränge unaufhaltsam auf ein Finale zulaufen, welches an Intensität kaum zu überbieten ist.

 

 

Sehr gut gefallen haben mir folgende Filme:

Den Anfang macht FEDORA (Deutschland / Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder), in dem William Holden als klammer Filmproduzent versucht, eine zurückgezogen lebende Filmdiva aus vergangenen Tagen ausfindig zu machen und diese zu einem Comeback zu überreden. Dabei stößt er auf einige Geheimnisse.

Knapp 30 Jahre nach seinem Meisterwerk SUNSET BLVD. griff Billy Wilder mit FEDORA noch einmal das Thema Traumfabrik auf und besetzte seinen Film abermals mit William Holden in der männlichen Hauptrolle, der sich erneut mit einer alternden Filmdiva herumschlagen musste. Hier nun allerdings mit umgekehrten Voraussetzungen. Sollte Holden knapp 30 Jahre zuvor noch für die Diva arbeiten, versucht er nun eine solche davon zu überzeugen, für ihn vor die Kamera zurückzukehren. Natürlich kommt man nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen und fast zwangsläufig muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass FEDORA in diesem Vergleich nur als zweiter Sieger hervorgehen kann. Die große Klasse eines SUNSET BLVD. erreicht der Film leider nie, was aber natürlich nichts daran ändert, dass es sich auch bei Wilders vorletzter Regiearbeit um einen sehr guten Film handelt. Wegen seiner überzeugenden Schauspieler, wegen des südländischen Flairs, das er verbreitet, wegen seines Mystery-Touchs und nicht zuletzt, weil er diese unausweichliche Problematik der Showbranche, mit dem Alter nicht klar zu kommen und alles für die ewige Jugend zu tun, ausgesprochen überzeugend auf die Leinwand bringt.

 

Ein sehr guter Film ist auch ZOOTOPIA (USA 2016, Regie: Byron Howard / Rich Moore / Jared Bush) aus dem Hause Disney/Pixar geworden, in dem ein Kaninchen allen Widerständen zum Trotz seinen Traum verwirklicht und als Polizeibeamtin Furore macht.

Besonders zu erwähnen ist, dass ZOOTOPIA einfach auf der richtigen Seite steht und seinem jungen Zielpublikum auf einfache Art und Weise eine positive und zutiefst humanitäre Botschaft vermittelt. Und das nicht mit dem Vorschlaghammer oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf ausgesprochen rasante, spannende und lustige Art und Weise.

 

Sehr gut und komplett außergewöhnlich ist THE LOBSTER (Frankreich / Griechenland / Großbritannien / Irland / Niederlande 2015, Regie: Yorgos Lanthimos) geraten, in dessen nicht allzu fernen Zukunft alleinstehende Menschen in ein Hotel gebeten werden, in dem sie 45 Tage Zeit haben, um einen neuen Partner fürs Leben zu finden, andernfalls werden sie in ein Tier verwandelt. Zu den Betroffenen gehört auch Colin Farrell, der in einen Hummer verwandelt werden soll und kurz vor Ablauf seiner Zeit verzweifelt nach Alternativen sucht.

Stellenweise ist THE LOBSTER zwar vielleicht etwas zu bemüht skurril geraten, insgesamt betrachtet stellt diese krude Mischung aus Komik, Spannung und Dramatik aber eine willkommene Abwechslung zum üblichen Mainstream-Einheitsbrei dar, begeistert zudem mit teils atemberaubend schönen Kameraeinstellungen und einem Colin Farrell in Höchstform in einer für ihn ausgesprochen ungewöhnlichen Rolle.

 

Das Prädikat “sehr gut“ hat sich auch LE GENDARME DE SAINT-TROPEZ (Frankreich / Italien 1964, Regie: Jean Girault) verdient, der Auftaktfilm der Gendarm-Reihe mit Louis de Funès, in dem er von einem beschaulichen kleinen Ort, den er mit eiserner Faust regiert hatte, ins weltoffene Saint Tropez versetzt wird und dort allerhand Chaos anrichtet.

Neben de Funès, der mal wieder voll in seinem Element ist, möchte ich hier unbedingt noch die bezaubernde Geneviève Grad in der Rolle seiner Tochter erwähnen, die ihre Sache als ebenso charmanter wie attraktiver Gegenpol zum cholerischen Hauptdarsteller richtig gut macht und so dafür sorgt, dass Giraults Film nicht zur kompletten Ein-Mann-Show verkommt.

 

Mit THE RAVEN (USA 1935, Regie: Lew Landers) habe ich mich ins klassische Gruselkino der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begeben. Bela Lugosi spielt einen genialen Chirurgen, den die nicht erwiderte Liebe einer jungen Frau zu drastischen Taten animiert.

Als Gegenpart zu Lugosi ist mal wieder Boris Karloff mit von der Partie, die Atmosphäre ist unheimlich und das Finale hat es tatsächlich ziemlich in sich. Für Fans solcher Filme gibt’s ‘ne ganz dicke Empfehlung.

 

 

Zwar nicht mehr sehr gut, aber doch immer noch gut haben mir folgende Filme gefallen:

THE VISIT (USA 2015, Regie: M. Night Shyamalan) erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares, welches zum ersten Mal in seinem Leben für eine Woche zu Besuch bei seinen Großeltern ist und schon bald mit außerordentlich seltsamen Verhaltensweisen der Großeltern konfrontiert wird.

Eigenwillige Kameraperspektiven – der komplette Film ist im Doku-Look gedreht -, obskurer Humor mit teils urkomischen Sequenzen und dann auch immer wieder eine Atmosphäre des Unbehagens. Shyamalan macht sich mal wieder einen Spaß daraus, das 08/15-Blockbuster-Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Auf seine ganz eigene Art und Weise schon irgendwie ein diebischer Spaß, dieser Film.

 

Bud Spencer ist der titelgebende BANANA JOE (Deutschland / Italien 1982, Regie: Steno), dessen unbekümmerter Bananenhandel von finsteren Burschen torpediert wird, denen er für ein geplantes Großprojekt ein Dorn im Auge ist. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, wird eine Erlaubnis benötigt. Und diese zu beschaffen ist komplizierter als gedacht.

Ich habe mir schon in den ganzen letzten Monaten immer mal wieder Filme mit Bud Spencer angesehen und musste dabei feststellen, dass so richtig gut eigentlich nur die Filme funktioniert haben, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Der Nostalgiefaktor halt. Stenos Film kannte ich vorher auch noch nicht und der hat trotzdem funktioniert. Denn wie Bud Spencer hier in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben wird ist über weite Strecken einfach nur zum Schreien komisch.

 

In TAKE THIS WALTZ (Japan / Kanada / Spanien 2011, Regie: Sarah Polley) lässt sich Michelle Williams auf eine Affäre mit ihrem Nachbarn ein und betrügt dabei ihren Ehemann Seth Rogen.

Durchaus glaubwürdige und einfühlsame Geschichte einer Ehe, in die sich zu viel Routine eingeschlichen hat. Gut an dem Film ist vor allem die Tatsache, dass der Plot einen für Filme dieser Art eher untypischen Verlauf nimmt. Schön auch zu sehen, dass Seth Rogen weitaus mehr kann als nur den Pausenclown zu spielen. Als betrogener und komplett hilfloser Ehemann macht er seine Sache aber mal richtig gut.

 

In CENTRAL INTELLIGENCE (USA 2016, Regie: Rawson Marshall Thurber) trifft Kevin Hart, der ehemalige Star seiner Highschool, kurz vor der 20-Jahr-Feier auf seinen ehemaligen Mitschüler Dwayne Johnson, dem einst pummeligen Außenseiter, der ihn um einen Gefallen bittet, was für Hart bleihaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Ja, doch, mein Faible für Filme, in denen ein Normalo aufgrund Verkettung unglücklicher Ereignisse in einen gehörigen Schlamassel gerät und praktisch über sich hinauswachsen muss, um diesem wieder zu entkommen, kann ich definitiv nicht verleugnen. CENTRAL INTELLIGENCE schlägt genau in diese Kerbe, fügt dem ganzen noch einen Schuss Buddy-Movie-Theatralik hinzu und hat mich auf diese Weise richtig gut unterhalten. Thurber hat seinen Film rasant inszeniert, eine Vielzahl der Gags funktioniert, die vorhandenen Actionszenen sind ausgesprochen nett anzusehen und die Chemie zwischen Hart und Johnson passt wie die Faust aufs Auge. Guter Film!

 

In seinem zweiten Auftritt als Polizist verschlägt es Louis de Funès in LE GENDARME À NEW YORK (Frankreich / Italien 1965, Regie: Jean Girault) nach New York, wo er mit seinem Vorgesetzten und seinen Männern an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt und schon schnell mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sich seine Tochter verbotenerweise ebenfalls mit in die amerikanische Metropole geschmuggelt hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist dieser zweite Teil für meinen Geschmack etwas arg episodenhaft geraten und wirkt weitaus weniger homogen als der Auftaktfilm der Reihe. Diebischen Spaß macht dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen de Funès und seiner erneut bezaubernden Filmtochter Geneviève Grad natürlich trotzdem und die eine oder andere Länge, die sich da ab und zu einzuschmuggeln droht, wird von de Funès und seinen unnachahmlichen Grimassen immer und immer wieder zuverlässig übertüncht.

 

Jean-Claude Van Damme versucht in MAXIMUM RISK (USA 1996, Regie: Ringo Lam) den Mord an seinem Zwillingsbruder aufzuklären.

Ein Film, über den man keine großen Worte verlieren muss. Ringo Lam präsentiert routinierte 90er-Jahre-Action. Der Film ist rasant, spannend und wird nie langweilig. Kino dieser Art wird heutzutage leider viel zu selten gedreht.

 

Bei RENEGADES (USA 1989, Regie: Jack Sholder), in dem sich Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips als ungleiches Gespann zusammenraufen müssen um einen skrupellosen Killer zur Strecke zu bringen, handelt es sich um grundsolide und schnörkellose Action aus den späten 80er Jahren.

Die beiden Hauptdarsteller gehörten damals zu den großen Hoffungsträgern ihrer Schauspielergeneration und geben in der kurzweiligen Mischung aus Jagd/Flucht- und Racheszenario, in der der damals im Actionfilm schon langsam obligatorisch werdende Humor erfreulicherweise noch fast gänzlich abwesend ist, ein überzeugendes Gespann auf der Jagd nach einem herrlich schmierigen Bösewicht. Das Ganze ist zwar nicht übermäßig spannend geraten, Fans solcher Filme dürfen sich dafür aber an ein paar spektakulären Verfolgungsjagden und jeder Menge blutiger Shoot-Outs erfreuen.

 

Auf seine Weise gut war auch noch UNBROKEN (USA 2014, Regie: Angelina Jolie), der die wahre Geschichte des Mittelstreckenläufers Louis Zamperini erzählt, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Der immer wieder schwierige Spagat, ein so ernsthaftes Thema wie den 2. Weltkrieg in einen Film zu packen, der am Ende des Tages seine Zuschauer ja auch irgendwie fesseln und unterhalten soll, gelingt Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit zwar nicht immer, eindrucksvoll gefilmt und toll gespielt ist UNBROKEN aber trotzdem. Hin und wieder schleichen sich etwas zu viele Längen ein und vielleicht hätte dem Film eine etwas kürzere Laufzeit gut getan, aber da Filme gegen das “Vergessen“ gerade in der heutigen Zeit mehr als wichtig sind, möchte ich auch für UNBROKEN eine Empfehlung aussprechen.

 

Den Abschluss der guten Filme dieses Monats macht SUOR OMICIDI (Italien 1979, Regie: Giulio Berruti), in dem Anita Ekberg eine Nonne spielt, die in einer Klinik immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, während in ihrem direkten Umfeld die Todesfälle rapide zunehmen.

Der wie alle seine Genrekollegen angeblich auf Geheimakten aus dem Vatikan basierende Film wälzt sich – auch das hat er mit praktisch allen Vertretern des Nunsploitation-Films gemein – genüsslich in diversen Geschmacklosigkeiten und möchte auf diese Weise natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch die Verlogenheit der katholischen Kirche als Institution anprangern, die sich einfach mal kurz über alle weltlichen Gesetze stellt und Unpässlichkeiten wie die im Film dargestellten einfach auf ihre eigene Art und Weise zu lösen versucht. Dass dies nicht immer funktioniert zeigt der kleine Twist am Ende des Films, den aufmerksame Filmeschauer natürlich schon ein gutes Stück vorher erahnen können. SUOR OMICIDI überzeugt mit ein bisschen Spannung, einem netten Mystery-Touch und jeder Menge Sleaze und sei jedem Freund des unterschlagenen Kinos an dieser Stelle zur bedenkenlosen Sichtung empfohlen.

 

 

Nicht mehr richtig gut, aber immerhin noch unterhaltsam waren:

An der Spitze der noch unterhaltsamen Filme des vergangenen Monats steht THE PURGE: ELECTION YEAR (Frankreich / USA 2016, Regie: James DeMonaco), der mittlerweile dritte Teil rund um diese eine Nacht in den USA, in der alle Verbrechen – inklusive Mord – legal sind. Die im dritten Teil behandelte Nacht fällt mitten hinein in den Wahlkampf und die regierende Rechte versucht durch die Aufhebung aller Regeln ihre politische Gegnerin loszuwerden.

Regisseur James DeMonaco, der bereits die ersten beiden Teile realisierte, verlässt mit dem dritten Film nun endgültig den Bereich des Home-Invasion- und Horror-Films und wendet sich mit dem hier gezeigten Jagd/Flucht-Szenario praktisch fast ausschließlich dem Actionfilm zu. Was dem Film im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern vielleicht an Wahnsinn und Spannung fehlen mag, macht er dafür mit einem irren Erzähltempo und überzeugenden Actionszenen wieder wett. Und nach der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident hat man als Zuschauer bei der Sichtung dieses Films doch ein mulmiges Gefühl. So überzeichnet diese dystopische Zukunftsvision auch sein mag, spätestens seit dem 20.01.2017 leben wir alle in einer dystopischen Realität.

 

In höchstem Maße unterhaltsam war auch BASTILLE DAY (Frankreich / Großbritannien / USA 2016, Regie: James Watkins), in dem ein Taschendieb ins Visier der CIA gerät, nachdem er versehentlich eine Bombenexplosion verursacht hatte.

Das hier ist sicher kein Film, der das Rad neu erfindet, aber er erzählt seine Geschichte auf ausgesprochen rasante und wendungsreiche Art und Weise, hat einige tolle Actionsequenzen zu bieten und mit Idris Elba als kompromisslosen CIA-Agenten einen Star in der Hauptrolle, der den Film trägt und vor lauter Coolness nur so strotzt.

 

Heutige Zuschauer dürften für einen Film wie PROJECT MOON BASE (USA 1953, Regie: Richard Talmadge), in dem sich ein russischer Spion in einen bemannten Raumflug der Amerikaner schmuggelt um die erste Raumstation der USA zu zerstören, wohl nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig haben. Hohn und Spott dürfte sich ergießen über die etwas hölzerne Geschichte, die teils unbeholfen wirkenden Schauspieler, die putzigen Kostüme und die nie so wirklich passenden Größenverhältnisse der zum Einsatz kommenden Modelle. Auf mich wirkt das jedoch alles ungemein anziehend, Filme wie dieser verzaubern mich immer wieder mit ihrem kindlich-naivem Charme und dem nicht wegzuleugnenden Enthusiasmus, mit dem damals alle Beteiligten am Werke gewesen sein dürften. Und die Geschichte stammt immerhin aus der Feder von Robert A. Heinlein, der u.a. auch die Romanvorlage für Verhoevens STARSHIP TROOPERS lieferte.

 

Aus der Ära der klassischen Universal-Grusler der 30er Jahre stammt – ebenso wie der weiten oben bereits angesprochene THE RAVEN – THE INVISIBLE RAY (USA 1936, Regie: Lambert Hillyer), der einmal mehr Boris Karloff und Bela Lugosi vor der Kamera vereint. Die Entdeckung eines neuen Elements auf einer wissenschaftlichen Expedition in Afrika hat hier durchaus verheerende Konsequenzen, was allerdings nicht unbedingt dazu führt, dass man sich als Zuschauer vor lauter Anspannung auf den Fingernägeln kauen müsste. Normalerweise weisen Filme wie dieser hier eine Laufzeit von ca. 60, maximal 70 Minuten auf; Hillyers Film dauert geschlagene 80 Minuten und diese für Horrorfilme der damaligen Zeit extrem üppige Laufzeit steht dem Gelingen des Films leider etwas im Weg. Es schleichen sich doch einige Längen ein und Spannung und Atmosphäre entwickelt sich eigentlich erst in den letzten 20 Minuten. Nett anzusehen und durchaus unterhaltsam ist THE INVISIBLE RAY natürlich dennoch geraten.

 

RIDE ALONG (USA 2014, Regie: Tim Story) und die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip gestrickte Fortsetzung RIDE ALONG 2 (USA 2016, Regie: Tim Story), in denen sich Ice Cube als tougher Cop mit dem hyperaktiven Kevin Hart herumschlagen muss.

Regisseur Tim Story versucht sich in seinen Buddy Movies an einer typischen Mischung aus Klamauk und Action. Als Feierabendsnack durchaus brauchbar, Qualitätskino sieht jedoch komplett anders aus. Sonderlob gibt es für den Soundtrack-Einsatz des genialen „Sound of da Police“ von KRS-One in beiden Filmen (in der Fortsetzung leider nur im Abspann).

 

Ebenfalls noch unterhaltsam, aber fast noch einen Tick uninteressanter geraten ist MECHANIC: RESURRECTION (Frankreich / USA 2016, Regie: Dennis Gansel), in dem Profikiller Jason Statham drei Auftragsmorde ausführen muss, um Jessica Alba ihren hübschen Hintern zu retten.

Der zweite Auftragsmord mit dem Swimming Pool bleibt im Gedächtnis, vielleicht auch noch das Hinterteil von Jessica Alba. Ansonsten verblasst das Erinnerungsvermögen an den Film bereits während des Abspanns.

 

Und dass es dann tatsächlich noch egaler geht beweist X-MEN: APOCALYPSE (USA 2016, Regie: Bryan Singer), der in 2,5 Stunden Bombast und Effekte ohne Ende auffährt und dabei auch nichts anderes macht, als diese Gute-Mutanten-gegen-böse-Mutanten-Geschichte abermals durch den sprichwörtlichen Fleischwolf zu drehen. Ja, das ist schon alles nett anzusehen und ja, auch diesem Film ist ein gewisser Unterhaltungswert sicher nicht abzusprechen, mich persönlich langweilt dieser Superheldenkram jedoch von Film zu Film mehr und ich sollte irgendwann mal dieses zwanghafte Verhalten einstellen, mir diese ganzen doofen Superhelden-Blockbuster ansehen zu wollen.

 

Nicht mal mehr als unterhaltsam sondern als ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit habe ich HIGH-RISE (Belgien / Großbritannien 2015, Regie: Ben Wheatley) empfunden, in dem Tom Hiddleston einen Mediziner spielt, der in ein futuristisches Hochhaus mit unzähligen Apartmenteinheiten zieht um dort Anonymität zu genießen und stattdessen in einen Strudel aus Dekadenz, Wahnsinn und Gewalt gerissen wird.

Filme wie dieser hier bekommen von mir immer das Gütesiegel “naja“ verpasst und reihen sich qualitativ irgendwo zwischen Filmen ein, die ich als noch unterhaltsam empfunden habe und solchen, die in meinen Augen einfach nur mies gewesen sind. Das Problem an HIGH-RISE ist, dass diese dystopische Klassenkampfthematik mit ihren ganzen dysfunktionalen Beziehungen einfach nur erschreckend oberflächlich und inhaltsleer daherkommt. Natürlich ist der Film komplett “over the top“, aber die unzähligen Provokationen erscheinen selbstzweckhaft, die Figuren sind allesamt komplett uninteressant und bleiben einem als Zuschauer einfach nur egal. Da gibt es keinen einzigen Charakter, zu dem man auch nur den Hauch einer Bindung aufbauen könnte. Das ist alles ziemlich schade, denn rein handwerklich gibt es an Wheatleys Film nicht wirklich viel auszusetzen. Kameraarbeit, Bildkomposition und Farbgebung möchte ich gar als exzellent bezeichnen und die Szene, in der die Portishead-Version des ABBA-Klassikers “SOS“ ertönt, geht definitiv als Paradebeispiel für perfekte Musikauswahl durch.

 

Und nun zum Bodensatz filmischen Schaffens:

Die Gurke des Monats geht an CRIMINAL (Großbritannien / USA 2016, Regie: Ariel Vromen), in dem Kevin Costner einen nicht zur Empathie fähigen Killer spielt, dem die Erinnerungen eines getöteten Agenten in das Gehirn verpflanzt werden und der daraufhin zur Begierde verschiedener Interessengruppen wird.

Ok, die größte Leistung des Films besteht dann am Ende des Tages halt doch darin, es hinzubekommen, offensichtlich vorhandenes Talent – neben Kevin Costner spielen u.a. Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Ryan Reynolds und Gal Gadot mit – so komplett zu vergeuden. Die unfassbar hanebüchene Ausgangssituation entwickelt sich zu einer konfusen, uninteressanten, nervigen und stinklangweiligen Geschichte, die praktisch zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Zur 45-Minuten-Marke gibt es mal eine hübsche Kameraeinstellung (von oben herab in ein Treppenhaus gefilmt) und den Song im Abspann fand ich ganz nett. Ansonsten ist CRIMINAL einfach nur grottenschlechter und schier unerträglicher Rotz. Einer der beschissensten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Enough said…

Juni 2016: Beitrag Nr. 1

HIGH SCHOOL CAESAR (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

high school caesar

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ähnlich wie der kurze Zeit zuvor gesehene HIGH SCHOOL BIG SHOT handelt es sich auch bei HIGH SCHOOL CAESAR um einen typischen Vertreter des Juvenile-Delinquent- bzw. High-School-Films aus der damaligen Zeit. Im direkten Vergleich zu Rapps Film fällt vor allem auf, dass Regisseur O’Dale Ireland definitiv ein höheres Budget zur Verfügung gehabt haben dürfte. Die Settings sind nicht ganz so trist und trostlos geraten, die Schauspieler scheinen talentierter und mit der Sequenz des illegalen Autorennens und der anschließenden Verfolgungsjagd hat HIGH SCHOOL CAESAR sogar so etwas wie echtes Spektakel zu bieten. Was diesem Film hier jedoch fehlt und was ja in gewisser Weise das Salz in der Suppe solcher Filme ist, ist dieser gewisse Hauch von Wahnsinn, dieser Mut, dem Zuschauer mit etwas zu konfrontieren, an das sich dieser auch noch ein bisschen länger zurückerinnern kann. Die komplett obskure Handlung aus HIGH SCHOOL BIG SHOT wird sicher eine Zeit in meinem Gedächtnis bleiben, bei Irelands Film hier bin ich mir nicht so sicher.

In HIGH SCHOOL CAESAR dreht sich alles um den ebenso reichen wie verwöhnten Matt Stevens (John Ashley), der gemeinsam mit seinen Freunden versucht, die Macht an seiner Schule an sich zu reißen. Mit Schutzgelderpressung, das Verkaufen von geklauten Tests und einer getürkten Wahl, die ihm das Amt des Schülersprechers einbringt, versucht Matt seinen Einfluss ständig zu vergrößern, muss sich dabei aber auch mit einer Handvoll Widersachern rumärgern. HIGH SCHOOL CAESAR verläuft sehr konventionell und komplett harmlos, die Geschichte hält praktisch keine Überraschungen parat und es ist natürlich schon sehr schnell klar, wie die ganze Angelegenheit ausgehen wird und dass dieses Ende für den unsympathischen Bully der Schule kein positives sein wird. So ist Irelands Film zwar durchaus nett anzusehen und zum sinnlosen Totschlagen von Zeit sicher gut geeignet, so etwas wie Begeisterung oder auch nur gesteigertes Interesse beim Zuschauer zu wecken, gelingt HIGH SCHOOL CAESAR jedoch zu praktisch keinem Zeitpunkt.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

SNAKE EYES (Kanada / USA 1998, Regie: Brian De Palma)

snake eyes

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

Nicolas Cage spielt den Cop Rick Santoro, der wegen eines Boxkampfes in Atlantic City Zeuge eines Attentats auf den US-Verteidigungsminister wird. Gemeinsam mit dessen Sicherheitschef Kevin Dunne (Gary Sinise), gleichzeitig einer seiner ältesten und besten Freunde, versucht Santoro noch vor Ort den Fall zu lösen und landet mitten in einer typischen Verschwörung…

Als SNAKE EYES im Jahr 1998 in die Kinos kam befand sich Nicolas Cage gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Regisseur Brian De Palma hatte zuvor den Mega-Blockbuster MISSION: IMPOSSIBLE gedreht – eigentlich beste Voraussetzungen für einen ganz großen Erfolg und am Ende des Tages war SNAKE EYES mit einem Budget von 69 Mio. Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von knapp über 100 Mio. Dollar natürlich auch kein Verlustgeschäft für die Macher, so wirklich begeistert waren Publikum und Kritik damals jedoch nicht. In gewisser Weise durchaus nachvollziehbar, denn nach einer mehr als beeindruckenden Sequenz zum Auftakt, die über 12 Minuten ohne einen Schnitt auskommt und in der De Palma alle wichtigen Charaktere vorstellt, und der anfangs noch ausgesprochen spannend begonnenen Auflösung des Rätsels – mit Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven setzt sich das Puzzle langsam zusammen -, muss ich doch feststellen, dass SNAKE EYES nach etwas über der Hälfte der Laufzeit doch langsam die Puste auszugehen scheint und auch die Spannung mehr und mehr nachlässt. Da helfen dann auch ein wahrlich entfesselt aufspielender Nicolas Cage und alle formalen Kniffe des Regisseurs nicht mehr wirklich weiter.

Im Lauf der Jahre habe ich fast alle Filme von Brian De Palma gesehen und zähle ihn zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Innerhalb seiner Filmographie gehört SNAKE EYES für mich zu seinen wenigen, etwas schwächeren Werken, wobei an dieser Stelle natürlich unbedingt klargestellt werden muss, dass es sich auch bei einem schwächeren Film von Brian De Palma immer noch um einen guten Film handelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE NICE GUYS (USA 2016, Regie: Shane Black)

the nice guys

(Fassung: Savoy Kino Hamburg, O-Ton-Vorstellung)

Wenn ich schon mal die Gelegenheit habe, mir einen aktuellen Film im Kino im O-Ton anzusehen, dann muss ich diese natürlich auch wahrnehmen. So nun geschehen mit THE NICE GUYS, den in anlässlich eines Kurzaufenthalts in Hamburg im wirklich wunderschönen Savoy-Kino in der dortigen Bahnhofsgegend genießen konnte…

Im Mittelpunkt des Films stehen die gänzlich unterschiedlichen Privatdetektive Jackson Healy (Russell Crowe) und Holland March (Ryan Gosling), die im Los Angeles der späten 70er Jahre beide auf der Suche nach einer verschwundenen jungen Frau sind, sich zu einer eher unfreiwilligen Zweckgemeinschaft zusammenfinden und  mitten in eine Verschwörung hineingeraten, in der es u.a. auch um den mysteriösen Selbstmord eines Pornostarlets geht…

THE NICE GUYS ist nach KISS KISS BANG BANG aus dem Jahr 2005 und IRON MAN THREE aus dem Jahr 2013 die erst dritte Regiearbeit von Shane Black, der – obwohl er lediglich eine relativ übersichtliche Filmographie auf den Seiten vor oder hinter der Kamera aufweisen kann – allerdings schon knapp 30 Jahre im Geschäft ist, nennenswert erstmals im Jahr 1987 in Erscheinung trat und damals als Drehbuchautor eines Films mit dem Titel LETHAL WEAPON maßgeblich dazu beitragen sollte, dass sich das Actionkino nachhaltig verändern sollte. Ob man ihn dafür nun eher lieben oder eher hassen soll, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn man also weiß, dass Shane Black einer der Männer gewesen ist, die dafür verantwortlich zeichneten, dass das Actionkino mittlerweile ohne Humor und gespielter Coolness nicht mehr vorstellbar zu sein scheint, dürfte man sich nicht wundern, dass es auch in THE NICE GUYS vornehmlich um Klamauk und Albernheiten im spektakulären Gewand geht. Die Story von der Suche nach der verschwundenen Frau, von der Verschwörung, die die beiden plötzlich aufdecken, ist im Endeffekt nicht viel mehr als ein MacGuffin, der dazu verwendet wird, die beiden Protagonisten in möglichst viele absurde Situationen zu bringen, aus denen sie sich möglichst witzig und cool zu befreien haben. Wer mit dieser Art von Kino also nichts oder nicht sonderlich viel anzufangen weiß, sollte wohl lieber die Finger von THE NICE GUYS lassen. Wer sich darauf einlassen kann und will, wird dafür mit einem unglaublich unterhaltsamen Film bewohnt, der von zwei herrlich aufgelegten Hauptdarstellern dominiert wird, die sich die Gags gegenseitig zuspielen und mit Sicherheit jede Menge Spaß beim Dreh gehabt haben dürften. Zudem ist die Zeichnung des L.A. der späten 70er Jahre unglaublich glaubwürdig und authentisch geraten und allein diese unfassbar geile und dekadente Partysequenz – incl. eines Einhorns und hinter Glas im Pool schwimmenden Meerjungfrauen – rechtfertigt für Freunde hübscher Schauwerte allein schon die Sichtung des Films.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER (Deutschland 1962, Regie: Werner Klingler)

das geheimnis der schwarzen koffer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg der Edgar-Wallace-Verfilmungen der Rialto, die seit 1959 die Zuschauer in Scharen in die Kinos lockten, sicherte sich der umtriebige Produzent Artur Brauner die Rechte an den Romanen von Wallaces Sohn und startete mit seiner Produktionsschmiede CCC im Jahr 1962 mit DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER eine Reihe von Bryan-Edgar-Wallace-Filmen, die sich natürlich stilistisch an den Vorbildern der Rialto orientierten.

In DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER muss sich Joachim Hansen als Inspektor Robert Finch mit einer geheimnisvollen und mysteriösen Mordserie auseinandersetzen, deren Rätsel nach einigen kruden Wendungen – auch das kennt man aus den Wallace-Filmen – am Ende natürlich aufgeklärt wird. Lust auf die weiteren Filme dieser Reihe macht dieser Auftakt jedoch nicht wirklich. Das liegt zu großen Teilen an der Tatsache, dass die Geschichte einfach nicht sonderlich spannend geraten ist und über die komplette Laufzeit etwas ziellos vor sich hinplätschert und den Zuschauer eher sanft in den Schlaf wiegt als in gebannt vor dem Bildschirm zu fesseln. Es liegt aber auch an Hauptdarsteller Joachim Hansen, dem einfach das Charisma der Ermittler der großen Vorbilder fehlt, und an Chris Howland als “comic relief“, der eine etwas armselige Eddi-Arent-Kopie abgibt. Positiv zu erwähnen wäre Senta Berger als “love interest“ und das Schlussdrittel des Films, in dem es Regisseur Werner Klingler dann auch endlich gelingt, so etwas wie Spannung und Atmosphäre zu erzeugen und zumindest ein kleines bisschen Wallace-Feeling aufkommen zu lassen.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE DELTA FORCE (Israel / USA 1986, Regie: Menahem Golan)

the delta force

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Chuck Norris ist Major Scott McCoy, der seinen Job bei der militärischen Spezialeinheit Delta Force eigentlich hingeschmissen hatte, aufgrund einer Flugzeugentführung durch palästinensische Terroristen aber dann doch wieder den Kampfanzug anzieht und natürlich den Tag rettet.

THE DELTA FORCE ist ein Paradebeispiel für das komplett humorbefreite Actionkino der 80er Jahre, für Filme, in denen es nur Gut und Böse gab, keinerlei fließende Grenzen vorhanden waren und die mit ihrer ultrareaktionären Agenda eigentlich jedem normal denkenden Menschen den Angstschweiß auf die Stirn treiben sollten, da durchaus zu befürchten ist, dass es den Machern mit der Botschaft, die Filme wie THE DELTA FORCE in die Welt sendeten, durchaus ernst gewesen sein dürfte. Was ihn von anderen Genrevertretern unterscheidet ist seine schon fast epische Länge von etwas über 2 Stunden und die Tatsache, dass die erste der beiden Stunden auf höchste manipulative Weise dazu genutzt wird, menschliche Tragödien in schwülstiger Musik entstehen zu lassen, natürlich nur, damit das fröhliche Action-Massaker in der zweiten Hälfte entsprechend gerechtfertigt werden kann.

Wenn man wie ich mit Filmen dieser Art aufgewachsen ist, sie sich als Jugendlicher aufgrund der meist immer spektakulären Actionszenen reingezogen hat und nie so wirklich auf den Gedanken gekommen ist, das Gezeigte in irgendeiner Weise zu hinterfragen, ist man bei einem Wiedersehen mit Filmen wie THE DELTA FORCE einfach nur hin- und hergerissen. Der Verstand sendet zwar die richtigen Signale, das Herz jedoch schwelgt in purer Nostalgie und zu behaupten, man würde hier nicht für gut 2 Stunden eine richtig gute Zeit mit dem Film haben, wäre natürlich glatt gelogen. Ich werde Kino dieser Art immer lieben, kann und will Filme wie THE DELTA FORCE eigentlich gar nicht so ernst nehmen, dass ich sie kritisch hinterfragen müsste und stehe einfach dazu, dass es mitunter nichts Schöneres gibt als für 2 Stunden in eine Welt zu flüchten, in der man einfach mal jegliche politische Korrektheit an der Garderobe abgeben kann um sich von Knallern wie THE DELTA FORCE einfach nur ganz vorzüglich unterhalten zu lassen. Deswegen muss man sich ja noch lange nicht mit der transportierten Botschaft identifizieren (was für mein Verständnis auch komplett unmöglich wäre).

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BISTURI, LA MAFIA BIANCA (Italien 1973, Regie: Luigi Zampa)

bisturi, la mafia bianca

(Fassung: DVD, filmArt, Deutschland)

In BISTURI, LA MAFIA BIANCA dreht sich alles um die Machenschaften in der Privatklinik des angesehenen Chirurgen Prof. Vallotti (Gabriele Ferzetti), der das dysfunktionale Gesundheitssystem im Italien der 70er Jahre gnadenlos ausnutzt um seine Taschen zu füllen. Um seine außergewöhnliche Stellung beizubehalten ist Vallotti dabei zu allem bereit. Kunstfehler und sonstige Schlampereien werden professionell vertuscht, nicht mehr zu heilende Patienten mit Medikamenten kurz aufgepäppelt und danach entlassen, damit die Klinik ja keine Todesfälle zu vermelden hat. Die einzigen, die sich trauen, Vallotti so etwas wie Paroli zu bieten, sind der desillusionierte Arzt Dr. Giordani (Enrico Maria Salerno) und die engagierte Krankenschwester Maria (Senta Berger)…

BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ein Paradebeispiel des gesellschaftskritischen Kinos aus Italien in den 70er Jahren. Zu sagen, dass das Drama von Regisseur Luigi Zampa den Finger in die sprichwörtliche Wunde legen würde, wäre noch milde ausgedrückt. Zampa legt den Finger auf die Wunde und sticht dann mit aller Kraft hinein. Der Film ist eine Anklage gegen ein Gesundheitssystem, welches nur den Reichen und Mächtigen nützt, ein Aufruf für eine dringend benötigte Gesundheitsreform (die dann ein paar Jahre später tatsächlich kommen sollte) und so ganz nebenbei auch noch ein überaus spannend – und in den nicht wenigen Operationsszenen auch enorm unangenehm – anzusehendes Beispiel einer gelungenen Mischung aus Drama und Thriller. BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ernstes, schwer verdauliches und mitunter vielleicht auch etwas sperrig wirkendes Kino aus Italien, von dem alle, die lediglich nach leichter Unterhaltung suchen, wohl lieber die Finger lassen sollten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE WALK (USA 2015, Regie: Robert Zemeckis)

the walk

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Regisseur Robert Zemeckis entführt den Zuschauer zunächst ins Paris und im weiteren Verlauf dann ins New York der 70er Jahre und erzählt die wahre Geschichte des Hochseilartisten Philippe Petit (toll: Joseph Gordon-Levitt), dem es im August des Jahrs 1974 in einer illegalen Nacht- und Nebelaktion mit diversen Helfern gelang, ein Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers zu spannen, nur um anschließend in schwindelerregender Höhe über dieses Drahtseil zu balancieren…

Was einen als Zuschauer an THE WALK sehr schnell einnimmt, ist diese ungemein sympathische, federleichte und auch irgendwie beschwingte Inszenierung. THE WALK ist ein Film, von dem man sich sofort mitreißen lässt, von dem man sich treiben lassen will und der es insbesondere im letzten Drittel schafft, Spannung zu erzeugen, wo eigentlich gar keine Spannung mehr entstehen dürfte, da aufgrund der wahren Tatsachen, auf denen THE WALK beruht, sein Ausgang ja bereits bekannt ist. Um diese Spannung aufzubauen bedient sich Robert Zemeckis in seiner Inszenierung bei alten Heist Movies – nur dass hier eben keine Bank oder ähnliches überfallen, sondern “lediglich“ ein Drahtseil gespannt werden soll – und das funktioniert, auch dank der überzeugend agierenden Darsteller und der authentischen Darstellung der beiden Weltstädte zur damaligen Zeit, wirklich ausgesprochen gut. Vielleicht wirkt THE WALK streckenweise etwas zu selbstverliebt (wenn man den Ausdruck so verwenden mag), etwas zu unkritisch der geplanten Aktion und seinem sicher auch streitbaren Protagonisten gegenüber, vielleicht an manchen Stellen vor dem Schlussdrittel des Films auch einfach ein bisschen zu langatmig, wirklichen Schaden können diese vermeintlichen Schwächen dieser Liebeserklärung an das Leben, den Mut, die Stadt New York und ihr einstiges Wahrzeichen allerdings nicht zufügen. Und die 3D-Effekte, die Zemeckis insbesondere während des Drahtseilakts auffährt, sind der absolute Hammer.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE (Deutschland 1970, Regie: Wolfgang Staudte)

die herren mit der weißen weste

(Fassung: Blu-ray, Pidax, Deutschland)

Regisseur Wolfgang Staudte lässt in DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE eine Gruppe von rüstigen Rentnern und Pensionären auf Mario Adorf los, der als gewiefter Gauner Dandy Stiegler nach einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA nach Berlin zurückkehrt um dort mit seinen Komplizen (u.a. Herbert Fux) und seiner Geliebten Susan (Hannelore Elsner) ein ganz großes Ding zu drehen, jedoch nicht ahnt, dass der mittlerweile pensionierte Oberlandesgerichtsrat Zänker (Martin Held) einen ausgeklügelten Plan ausgeheckt hat, um ihm endlich das Handwerk zu legen. Zu seiner aktiven Zeit ist Zänker das nie gelungen und nun versucht er gemeinsam mit seinen sich ebenfalls bereits im Ruhestand befindlichen Freunden (u.a. Rudolf Schündler und Heinz Erhardt), Dandy mit dessen eigenen Waffen zu schlagen.

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE ist eine ganz wunderbare Mischung aus Kriminalfilm, Heist Movie und Komödie geworden, die vor allem durch ihre ungemein sympathische, federleichte und unaufgeregte Inszenierung sowie mit ihrer bestens aufgelegten Rentnergang rund um Martin Held zu begeistern weiß. Es macht richtig viel Spaß, den Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie den Profi-Gaunern immer wieder einen Schritt voraus sind und diese dadurch regelrecht in den Wahnsinn zu treiben scheinen und man merkt es den Schauspielern auch an, dass sie beim Dreh dieses Films eine verdammt gute Zeit gehabt haben dürften. Hervorheben möchte ich dabei vor allem Heinz Erhardt, der es sichtlich zu genießen scheint, nicht komplett im Mittelpunkt zu stehen und dessen Wortwitz in diesen wohldosierten Einheiten in diesem Film weitaus besser zur Geltung kommt als in den Filmen, die er als Hauptdarsteller alleine zu tragen hatte. Richtig toll sind natürlich auch Mario Adorf und Herbert Fux auf Seite der Bösen und für Hannelore Elsner gibt es im Endeffekt nur ein Wort, welches sie in ihrer Rolle adäquat beschreiben kann und das lautet: atemberaubend.

Wer mit dem deutschen Kino aus der damaligen Zeit etwas anfangen kann, sollte sich DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE auf keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung: Gut! – 7/10

Second Thoughts of May

BANKLADY (Deutschland 2013, Regie: Christian Alvart)

banklady

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Mit BANKLADY erzählt Regisseur Christian Alvart die zwar auf wahren Begebenheit beruhende, aber dennoch ziemlich unglaubliche Geschichte der Gisela Werler, einem waschechten Mauerblümchen, welches sich im Hamburg der frühen 60er Jahre in den falschen Mann verliebt, zur Bankräuberin wird und insgesamt 19 Banken in und um Hamburg überfällt. Das Leben schreibt dann halt doch die tollsten Geschichten.

Gespielt wird die Hauptfigur von der tollen Nadeshda Brennicke, die ich schon immer gerne gesehen habe und die im Lauf ihrer Karriere in meinen Augen leider viel zu wenig Hauptrollen abbekommen hat. Die Verwandlung in das unscheinbare Mauerblümchen gelingt ihr spielend und die Darstellung dieser unsicheren, leichtgläubigen und – wie sich am Ende herausstellt – auch von ihrem Partner und Komplizen komplett hintergangenen Frau kommt ungemein authentisch rüber. Es ist überhaupt diese Authentizität, die BANKLADY neben den überzeugenden Schauspielerleistungen – auch Charly Hübner in der Rolle des skrupellosen Mittäters spielt richtig klasse – so sehenswert macht. Als Zuschauer fühlt man sich regelrecht in diese frühen 60er Jahre zurückversetzt. Die Stimmung die BANKLADY mit seiner über weite Strecken ruhigen und unaufgeregten Inszenierung ausstrahlt, die Settings, die Kostüme – all das fügt sich zu einem ausgesprochen gelungenen Ganzen zusammen. Vielleicht schleichen sich hier und da mal etwas zu viele Längen ein und sicher ist Alvarts Films jetzt kein kompletter Überflieger, aber er ist ein überzeugendes Beispiel für gutes Kino aus Deutschland fernab des üblichen Komödien- und Betroffenheitskrams.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SEIN LETZTES RENNEN (Deutschland 2013, Regie: Kilian Riedhof)

sein letztes rennen

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Dieter Hallervorden spielt Paul Averhoff, einen rüstigen Renter, der in den 50er Jahren ein Sportstar im Bereich des Langstreckenlaufs gewesen ist und sich nun, da seine Frau Margot (Tatja Seibt) pflegebedürftig wird, damit abfinden soll, seinen Lebensabend in einem Altersheim zu verbringen, nutzlose Kastanienmännchen zu basteln und Lieder zu singen. Paul rebelliert, packt seine alten Sportsachen aus und beginnt, für den Berlin-Marathon zu trainieren, an dem er unbedingt teilnehmen will. Während sich ein Großteil seiner Mitbewohner von seiner Energie anstecken lässt, sind der Heimleitung Pauls Aktivitäten ein Dorn im Auge, da es immer schwieriger wird, die Insassen unter Kontrolle zu halten…

Es fällt mir in gewisser Weise schwer, SEIN LETZTES RENNEN adäquat zu beurteilen. Nach Sichtung dieses Films bin ich mir jedoch sicher, dass ich mir Schweigers HONIG IM KOPF – dem ja auch eine Pflegethematik zugrundeliegt – sicher niemals freiwillig ansehen werde. Denn auch wenn die Grundaussage von Riedhofs Film sicher zu begrüßen ist – auch im hohen Alter nicht aufzugeben, Respekt einzufordern, seine Ziele und Träume zu verwirklichen versuchen -, der Film ausgesprochen berührend inszeniert ist, eine gelungene Balance zwischen Humor und Tragik aufweisen kann, in nicht wenigen Sequenzen – vor allem wegen Hallervordens Leistung – mitten ins Herz geht und alles in allem ungemein unterhaltsam geraten ist, so muss an dieser Stelle doch auch kritisch angemerkt werden dürfen, dass die ganze Ausgangssituation des Films hanebüchen wirkt. Hallervorden und seine Frau sind nun wirklich nicht in einer Verfassung, in der sie in ein Pflegeheim müssten – keiner der beiden dürfte in der Realität eine Pflegestufe erhalten – und dürften finanziell auch so gut gestellt sein, dass es eine Leichtigkeit sein sollte, die erforderliche Pflege der Frau durch eine Pflegefachkraft zuhause durchführen zu lassen. Zudem ist in meinen Augen die Darstellung des Heimalltags extrem unglaubwürdig geraten und dieser Heimalltag im Film wird wie ich finde auch zu Unrecht dämonisiert. In dem Heim im Film wird sich – wenn auch mit scheinbar stupiden und wenig anspruchsvollen Aktionen wie dem Basteln und den Gesangsstunden – doch gut um die Insassen gekümmert, sie werden offensichtlich gut versorgt und dieses versuchte “unter Kontrolle halten“ der Bewohner von Seiten der Organe der Heimleitung dürfte wohl sicher nicht aus Boshaftigkeit erfolgen. Ich habe nun wirklich keine Ahnung, wie es im typischen Pflegeheim so zugeht (aus diesem Grund auch meine Probleme mit einer fairen Beurteilung des Films), wohlbekannte Stichworte wie Pflegenotstand lassen aber eher darauf schließen, dass der Notstand im Heim des Films kein echter Notstand ist, sondern eher ein Jammern auf hohem Niveau darstellt. Ich denke mal, dass es nicht wenige pflegebedürftige Menschen gibt, die froh wären, in einem Heim wie in SEIN LETZTES RENNEN unterkommen zu können. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fällt es mir schwer, SEIN LETZTES RENNEN tatsächlich als guten Film zu bezeichnen. Seinen hohen Unterhaltungswert möchte ich ihm aber sicher nicht absprechen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE (USA 1971, Regie: Ray Dennis Steckler)

the mad love life of a hot vampire

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

Ein seltsam exaltierter Graf Dracula mit einem buckligen Diener entsendet weibliche Vampire mit dem Auftrag, ihm Blut zu besorgen. Ein Auftrag, der auf nicht ganz jugendfreie Art und Weise erledigt wird. Gleichzeitig tüftelt ein gewisser Van Helsing einen Plan aus, um den Fürsten der Dunkelheit in die ewigen Jagdgründe zu schicken…

Schon bevor eine gewisse Linda Lovelace mit einem bestimmten Organ an einer falschen Stelle des Körpers im Jahr 1972 für Aufsehen sorgte, pornographische Filme plötzlich die großen Kinos bevölkerten und der sogenannte “porn chic“ den Mainstream eroberte, gab es im tiefsten Untergrund Filmemacher, die dem sensationshungrigen Publikum genau das lieferten, wonach es nach dem endgültigen Fall der über Jahrzehnte geltenden Zensurvorschriften regelrechte gierte: explizit dargestellten Sex auf der Leinwand, zumeist eingebettet in eine hauchdünne Handlung. Eine Handlung, die im Fall von THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ganz besonders obskur geraten ist. Gut 50 Minuten dauert der Spuk den Regisseur Ray Dennis Steckler seinem Publikum hier vorsetzt und dieser Spuk ist garniert mit schrecklich untalentierten Darstellern, außerordentlich tristen Settings und Sexszenen, die wirklich meilenweit davon entfernt sind, auch nur annähernd als an- oder gar erregend durchgehen zu können.

Ein Werk wie THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ist aus heutiger Sicht vor allem aus filmhistorischen Gesichtspunkten interessant, als Zeuge einer längst vergangenen Zeit, als Beispiel für tiefsten filmischen Underground, im vorliegenden Fall aus Las Vegas stammend. Als Filmfan darf man sich glücklich schätzen, dass auch solche obskuren Filme wie dieser hier von Independent-Labels wie Vinegar Syndrome geborgen, restauriert und für die Nachwelt erhalten werden.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE VANISHING (USA 1993, Regie: George Sluizer)

the vanishing

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

THE VANISHING ist ein gutes Beispiel dafür, dass der allgemeine Remake-Wahn aus Hollywood, vor allem dieses von vielen als Unart bezeichnete Drehen von US-Remakes erfolgreicher, ausländischer Filme, keine neue Modeerscheinung ist, sondern so schon vor über 20 Jahren (und natürlich auch noch früher) praktiziert wurde. Besonders beliebt in Hollywood sind dann natürliche Regisseure wie George Sluizer, die sich dazu bereit erklären, ein US-Remake ihres eigenen Films zu drehen. Da steht man dann aus wirtschaftlicher Sicht gleich noch mal etwas sicherer da.

THE VANISHING erzählt die Geschichte von Jeff Harriman (Kiefer Sutherland), der über Jahre hinweg verzweifelt und verbissen nach seiner – während eines gemeinsamen Ausflugs bei einem Zwischenstopp an einer Raststelle – wie vom Erdboden verschwundenen Freundin Diane (Sandra Bullock) sucht und stellt das US-Remake der niederländisch-deutsch-französischen Co-Produktion SPOORLOOS (die ich zu meiner Schande immer noch nicht gesehen habe) aus dem Jahr 1988 dar. Sluizer inszeniert das Remake seines eigenen Films auf ausgesprochen ruhige Art und Weise, die Spannung baut sich langsam und schleichend auf, der Mystery-Touch des Films sorgt immer wieder für eine unheimliche und bedrückende Atmosphäre und wenn man über das vielleicht etwas überkonstruierte Schlussdrittel hinwegsehen oder sich gar mit diesem anfreunden kann, wird man mit einem richtig guten Thriller belohnt. Kiefer Sutherland nimmt man die Rolle des leidenden und verzweifelten Freundes absolut ab, die Besessenheit, mit der er sich auf die Suche begibt, ist auch für den Zuschauer nur schwer zu ertragen, so sehr leidet man mit ihm mit. Und auf der Seite des Bösewichts bietet THE VANISHING mit Jeff Bridges einen fast schon widerwärtig überzeugenden Gegenpol zum verzweifelten Kiefer Sutherland, einen Mann, den man auch als Zuschauer nur von ganzem Herzen hassen kann. Und zwar über die komplette Laufzeit dieses auch heute noch ausgesprochen sehenswerten Thrillers.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SLITHER (USA 1973, Regie: Howard Zieff)

slither

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mittelpunkt von SLITHER ist der von James Caan gespielte Dick Kanipsia, der, soeben aus dem Gefängnis entlassen, gemeinsam mit einem ebenfalls entlassenen Mitinsassen auf dem Weg zu dessen Haus ist und sich – dort angekommen – in einem plötzlichen Kugelhagel wiederfindet. Noch bevor die Anfangscredits des Films zu Ende sind, hat Caan von seinem im Sterben liegenden Kameraden zwei Namen mit dem Hinweis genannt bekommen, die erste Person aufzusuchen, da sie ihm zu einem stattlichen Vermögen führen könne. Für Caans Charakter beginnt ein Road Trip der besonderen Art…

SLITHER ist eigentlich ein typischer Vertreter des Kinos der 70er Jahre, mit einem kantigen Typen in der Hauptrolle, der sich auf ein waghalsiges Abenteuer einlässt. Was ihn von ähnlichen Filmen unterscheidet ist die Tatsache, dass in SLITHER irgendwie alles ein bisschen “over the top“ geraten ist. Sowohl die verschiedenen Charaktere als auch der Verlauf der Handlung ist leicht überzeichnet, der Hang zum Absurden und Skurrilen ist allgegenwärtig und diese Mischung aus komischen und spannenden Momenten, die Zieff seinem Film verpasst hat, macht ihn ziemlich unwiderstehlich. Allein diese komplett irre Bingo-Sequenz (!!!) ist einfach zum Schreien, das Finale ist an Absurdität fast nicht zu überbieten und der tolle Alex Rocco hat eine kleine Rolle abbekommen und stielt in seinen wenigen Momenten wieder mal allen anderen die Schau. Das alles ist dann auch noch so komplett tiefenentspannt und cool inszeniert, dass Freunde des 70er-Jahre-Kinos die komplette Sichtung dieses Films sicher mit einem fetten Grinsen im Gesicht begleiten dürften.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 2 (USA 2012, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Meinen zuvor geschriebenen Text zur ersten Staffel könnte ich an dieser Stelle auch per Copy & Paste einsetzen, denn viel mehr, als ich bereits zu Staffel 1 geschrieben habe, gibt es auch zur zweiten Staffel nicht anzumerken. Die Anzahl der Charaktere nimmt zu, GAME OF THRONES wird handlungstechnisch scheinbar komplizierter, da man erst mal die Übersicht darüber behalten muss, wer nun wohin gehört, mit wem in irgendeiner Weise paktiert oder sonst liiert ist. Diese scheinbare Kompliziertheit dürfte natürlich in erster Linie der Romanvorlage geschuldet sein, den Machern aber auch ganz vorzüglich in die Karten spielen, da ihre Serie so darüber hinwegtäuschen kann, worum es in erster Linie geht: natürlich wieder um Sex und Gewalt und um überbordende Schauwerte. Inszeniert sind die 10 Episoden der zweiten Staffel erneut ausgesprochen spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich, der von Peter Dinklage gespielte Tyrion Lannister könnte sich mit seiner unnachahmlichen Art bald zum persönlichen Liebling entwickeln, Sibel Kekilli ist ein echter Hingucker in der Rolle der Shae und die Sache mit den Babydrachen find ich persönlich mindestens genauso geil wie diese Armee der Untoten, die im Cliffhanger zum Staffelende aufgelaufen ist. Das ist schon eine Serie, die das Zeug dazu hat, süchtig zu machen und die sich qualitativ bisher auf einem durchweg sehr guten Niveau befindet.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE (USA 2015, Regie: Christopher Landon)

scouts guide to the zombie apocalypse

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Mal wieder was aus dem Funsplatter-Bereich. Und sonderlich viel gibt es zu Langdons Film eigentlich gar nicht zu sagen. Der Zielgruppe dürfte er gefallen und für alle, die sich für so einen Kram mittlerweile viel zu alt fühlen, bleibt ja immer noch der bemitleidenswerte Blick auf die sogenannten Gorebauern, die sich mit so einem vermeintlichen Schund wie diesem hier unterhalten lassen können. Dieser kleine Splatterfreak, der ich schon immer war und der ich wohl auch immer bleiben werde, hatte auf jeden Fall richtig viel Spaß mit dem Film.

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE sieht verdammt gut aus. Er sieht aus wie ein richtiger Film und nicht wie eine dieser Billigproduktionen der berühmt-berüchtigten Asylum-Schmiede, für die man den Film schon allein aufgrund seines Titels halten könnte. Eine großartige Story darf man sich hier natürlich nicht erwarten, im Endeffekt geht es um drei Pfadfinder, die sich ausgesprochen erfolgreich gegen eine ausgebrochene Zombie-Epidemie zur Wehr setzen. Aber mal ernsthaft, wer verlangt von einem Film wie diesem hier auch schon eine ausgeklügelte Geschichte? Langdon inszeniert seinen Splatterspaß mit viel Tempo, vielen netten Einfällen, vielen coolen Effekten und einer ausgewogenen Mischung aus spannenden, komischen und absurden Momenten. Ich mochte den Film und möchte ihn Gleichgesinnten unbedingt weiterempfehlen.  Vielleicht im Double Feature mit Fleischers ZOMBIELAND aus dem Jahr 2009. Viel Spaß dabei!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE D TRAIN (Großbritannien / USA 2015, Regie: Andrew Mogel / Jarrad Paul)

the d train

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Jack Black spielt Dan Landsman, einen Typen, der – obwohl verheiratet und Vater zweier Kinder – das Loser-Image aus Highschool-Zeiten nie abstreifen konnte. Nun möchte er anlässlich des 20. Jahrestages des Highschool-Abschlusses ein Klassentreffen organisieren, um endlich anerkannt zu werden, um sein Ego zu stärken, um den Stempel des Verlierers endgültig loszuwerden, hat aber das Problem, dass keiner seiner ehemaligen Klassenkameraden sich dazu bereit erklärt, zum Treffen zu erscheinen. Als er eines Abends in einem Werbespot den von James Marsden gespielten Oliver Lawless entdeckt, der ebenfalls die betroffene Abschlussklasse besucht hat, hält er diesen für einen großen Filmstar und ist davon überzeugt, dass mit Lawless als Zugpferd auch die übrigen Schulkollegen von einst am Treffen teilnehmen werden. Mit fanatischem Einsatz setzt er alles daran, Lawless zur Teilnahme zu bewegen…

Mit Filmen mit Jack Black in der Hauptrolle kann man eigentlich nie viel verkehrt machen. Meistens taugen sie als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, ohne je ernsthaft in den Verdacht zu geraten, allzu großen Anspruch bieten zu wollen. Die beiden Regisseure Andrew Mogel und Jarrad Paul wären gut beraten gewesen, hätten sie diese Tradition mit THE D TRAIN einfach fortgesetzt. Aber irgendwie mag THE D TRAIN nicht so richtig funktionieren. Weil er sich irgendwie selbst zu ernst nimmt und dabei in Belanglosigkeit zu versinken droht. THE D TRAIN fehlt es an Witz, an Tempo, an Einfallsreichtum. Er ist erschreckend bieder, schafft es eigentlich zu keinem Zeitpunkt, dass man als Zuschauer auch nur ansatzweise so was wie Interesse oder gar Begeisterung für ihn empfinden könnte, plätschert ohne echte Höhepunkte so vor sich hin und ist so etwas wie das filmische Äquivalent zur Hintergrundmusik in einer Bar. Zwar mitunter ganz nett anzusehen, aber irgendwie ohne eigene Identität und dafür stattdessen mit der Gewissheit ausgestattet, dass er kurz nach der Sichtung wieder in Vergessenheit geraten wird. Einer dieser Filme, die man zum Totschlagen der Zeit schon mal in den Player schieben kann. Mehr aber nicht.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

02/2016 – Sichtungen 19-26

THE MESSENGERS (USA 2007, Regie: Danny Pang / Oxide Pang)

the messengers

(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Beim US-Debüt der Zwillingsbrüder Danny und Oxide Pang handelt es sich um einen durch und durch klischeehaften und nur leidlich spannenden Vertreter des Spukhausfilms. Die aus Hongkong stammenden Regisseure hatten sich vor allem mit der erfolgreichen GIN GWAI-Filmreihe regelrecht für den US-Markt aufgedrängt, konnten aber dem offensichtlich vorgezeichneten Schicksal vieler asiatischer Regiekollegen aus den Jahren zuvor, die vom System Hollywood glattgebogen worden, leider auch nicht entfliehen.

THE MESSENGERS handelt von der Teenagerin Jess (Kristen Stewart), die – um Vergangenheitsbewältigung zu betreiben – mit ihren Eltern (Dylan McDermott und Penelope Ann Miller) und ihrem kleinen Bruder Ben in ein altes, abgelegenes Farmhaus zieht, in dem es – welch Überraschung – nicht ganz geheuer zugeht. Ähnlich wie Jess haben auch die im Anwesen hausenden Geister, die zunächst nur der kleine Ben sehen kann, noch etwas Dringendes zu erledigen und bringen dadurch Jess und ihre Familie in Gefahr.

Die Gebrüder Pang versuchen ihre Zuschauer mit relativ langsamem Spannungsaufbau und wohldosierten Schock-Momenten für sich zu gewinnen, gelingen tut ihnen das allerdings nur selten. Ab und an erschrickt man sich zwar ein klitzekleines bisschen und hin und weniger kommt auch so etwas wie gruselige Atmosphäre auf, für einen echten Nailbiter ist THE MESSENGERS aber viel zu vorhersehbar und klischeehaft geraten und leider auch nur mit mäßig gelungenen CGI-Effekten ausgestattet worden. So ist dieser Film von Danny und Oxide Pang in erster Linie als nette Zeitverschwendung zu gebrauchen; weiterempfehlen würde ich ihn jetzt nur bedingt.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE ZERO THEOREM (Frankreich / Großbritannien / Rumänien / USA 2013, Regie: Terry Gilliam)

the zero theorem

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Nach BRAZIL aus dem Jahr 1985 und TWELVE MONKEYS aus dem Jahr 1995 beschäftigt sich Regisseur Terry Gilliam in THE ZERO THEOREM erneut mit einer düsteren Zukunftsvision, einer Dystopie, in der wohl niemand wirklich leben will. Als Zuschauer folgen wir dem von Christoph Waltz gespielten Computergenie Qohen Leth, der in einer Welt permanenter Reizüberflutung einfach nur seine Ruhe haben will und verzweifelt versucht, das titelgebende “Zero Theorem“ zu beweisen…

Terry Gilliam konfrontiert seine Zuschauer mit einer Zukunft, die vollkommen dem Wahnsinn verfallen ist, in der es keinerlei Oasen der Ruhe und Stille mehr zu geben scheint und in der der Sinn des Lebens darin zu bestehen scheint, dass es keinerlei Sinn mehr gibt. Visuell ist THE ZERO THEOREM gar prächtig umgesetzt, in der komplett durchgedrehten Zukunft gibt es in jedem Winkel etwas zu entdecken und zu bestaunen und genau wie die Welt, in der THE ZERO THEOREM spielt, ist auch der Film selbst ziemlich durchgeknallt und abgedreht. Das ist natürlich gefundenes Futter für Hauptdarsteller Christoph Waltz, der hier mal wieder seine typische One-Man-Show abziehen darf, damit aber auch so langsam aber sicher zu nerven beginnt. Das Hauptproblem von Gilliams Film ist allerdings nicht sein langsam nervender Hauptdarsteller, sondern die Tatsache, dass sich hinter dem exaltierten Spiel von Waltz und den detailverliebten Settings im Endeffekt lediglich eine große Leere aufzutun scheint. THE ZERO THEOREM wirkt erschreckend banal, die Geschichte kann einen als Zuschauer eigentlich nie so wirklich fesseln und würde der Film nicht in erster Linie von seiner visuellen Stärke leben, man müsste ihn fast als Enttäuschung auf ganzer Linie bezeichnen. Dank seines Kameramanns Nicola Pecorini, seines Production Designers David Warren und seines Kostümdesigners Carlo Poggioli rettet sich Gilliam gerade noch so über die Ziellinie, an die hohe Qualität der beiden im Ausgangssatz genannten Dystopien kommt THE ZERO THEOREM jedoch nicht ansatzweise heran. Am Ende des Tages ist es schon fast eine Ironie des Schicksals, dass ein Film, der Reizüberflutung und Oberflächlichkeiten kritisiert, einzig und allein durch seine Schauwerte zu überzeugen weiß.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE BIG YEAR (USA 2011, Regie: David Frankel)

the big year

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox)

Das titelgebende “Big Year“ bezieht sich auf einen sportlichen Wettkampf unter Vogelbeobachtern, bei dem diese versuchen, während eines Kalenderjahres so viele verschiedene Vogelarten wie möglich zu sichten. Schon diese Tätigkeit allein scheint für einen Normalsterblichen wie mich nicht unbedingt aufregend zu sein, noch weniger aufregend dürfte man es dann verständlicherweise finden, wenn darüber noch ein Film gedreht wird. Und ja, ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir THE BIG YEAR nicht wegen der Geschichte rund um den sportlichen Wettkampf angesehen, sonderlich ausschließlich wegen seiner drei Hauptdarsteller. Wären da mit Steve Martin, Jack Black und Owen Wilson drei in meinen Augen grandiose Komiker vor der Kamera gestanden, ich wäre nie und nimmer auch nur ansatzweise auf die Idee gekommen, mir einen Film über Vogelbeobachter anzusehen. Die Besetzung hat es rausgerissen und die ist auch in den diversen kleineren und größeren Nebenrollen atemberaubend gut. Ich habe keine Ahnung, wie die Casting-Abteilung es geschafft hat, aber in THE BIG YEAR spielen außerdem Rosamund Pike, Kevin Pollak, Dianne Wiest, Brian Dennehy, Anthony Anderson, Anjelica Huston, Tim Blake Nelson und diverse andere bekannte Gesichter mit. Offensichtlich ist so ein “Big Year“ in den USA eine ziemlich große Sache.

Der Film dreht sich nun um den bisherigen Rekordhalter der Vogelbeobachtung, dem von Owen Wilson gespielten Kenny Bostick, der es auf 732 verschiedene Arten innerhalb eines Jahres geschafft hat, der nun Angst hat, dass ihm dieser Rekord genommen werden könnte – Jack Black und Steve Martin sind seine Konkurrenten – und aus diesem Grund alles daran setzt, dies zu verhindern. Ohne Rücksicht auf Verluste setzt er dabei selbst seine Ehe aufs Spiel.

Regisseur David Frankel inszeniert THE BIG YEAR als unterhaltsame Hatz quer durch die Vereinigten Staaten, kreiert dabei ein paar herrlich komische Momente und spart auch nicht an nachdenklichen Untertönen. Die Beobachter werden als Getriebene gezeichnet, als Opfer ihrer Obsessionen, die mitunter einen zu hohen Preis für den vermeintlichen Erfolg zu zahlen bereit sind. Man muss also nicht unbedingt ein Vogelbeobachter sein, um aus THE BIG YEAR auch für sich selbst eine – zugegebenermaßen ausgesprochen einfach gestrickte – Botschaft mitnehmen zu können.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

WHAT DREAMS MAY COME (Neuseeland / USA 1998, Regie: Vincent Ward)

what dreams may come

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Robin Williams spielt Chris Nielsen, der bei einem Autounfall ums Leben kommt und sich – nachdem es ihm endlich gelungen ist, von allem Irdischen zu lösen – tatsächlich im Paradies wiederfindet. Als er dort jedoch erfährt, dass sich seine Frau Annie (Annabella Sciorra) vor lauter Trauer das Leben genommen hat und aufgrund dieser Tat in der Hölle gelandet ist, setzt er alles in Bewegung, um vom Himmel in die Hölle hinabzusteigen und seine Frau vor der ewigen Verdammnis zu retten. Und diese Reise setzt Regisseur Vincent Ward in einfach nur atemberaubenden Bilderwelten um.

WHAT DREAMS MAY COME ist Kitsch. Unfassbar schön anzusehender Kitsch. Mitten ins Herz treffender Kitsch. Kitsch mit einer durchweg positiven Message. Aber am Ende des Tages halt doch nur Kitsch. Kitsch, der – je nach Zuschauer – die verschiedensten Reaktionen hervorrufen dürfte. Die dürften vom hoffnungslosen Hinschmelzen bis zum dringenden Bedürfnis, vor Wut den heimischen Fernseher eintreten zu wollen, alle möglichen Spektren abdecken und eine auch nur halbwegs objektive Bewertung dieses Films scheint mir komplett unmöglich zu sein. Ich hatte das Glück, dass ich mich auf WHAT DREAMS MAY COME einlassen konnte, dass mich seine visuelle Pracht verzaubert hat und dass ich diese herrlich naive und doch auch irgendwie Hoffnung spendende Grundaussage des Films sehr sympathisch fand. Vielleicht wird am Ende ja doch alles gut.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MY WEEK WITH MARILYN (Großbritannien / USA 2011, Regie: Simon Curtis)

my week with marilyn

(Fassung: Blu-ray, Ascot Elite, Deutschland)

 Der spätere Dokumentarfilmer Colin Clark (der allerdings so wenig Sachen gedreht hat, dass man ihn nicht wirklich kennen muss, die IMDB listet fast ausschließlich Credits bei TV-Produktionen in den 60er und 70er Jahren), startete seine Karriere beim Film einst im jungen Alter von 23 Jahren als Produktionsassistent beim Marilyn-Monroe-Film THE PRINCE AND THE SHOWGIRL und wurde im Lauf der Dreharbeiten aufgrund Verkettung verschiedener Umstände zur Vertrauensperson von Marilyn Monroe. Regisseur Simon Curtis erzählt mit MY WEEK WITH MARILYN diese Geschichte, welche auf Büchern beruht, die Colin Clark zu Lebzeiten veröffentlichte. Selbst befragen zu den Ereignissen von damals konnten ihn die Filmemacher nicht mehr, Clark verstarb bereits im Dezember 2002 im Alter von 70 Jahren.

Regisseur Simon Curtis ist sichtlich darum bemüht, den Menschen hinter dem Mythos zu zeigen, so wirklich gelingen mag ihm dies allerdings nicht. Eine Legende wie Marilyn Monroe zu entmystifizieren, dürfte jedoch auch ziemlich unmöglich sein. Als Zuschauer erfährt man nur wenig bis gar nichts Neues über MM, im Endeffekt wird das Bild, das man als Filmfan von der Ikone haben dürfte, nur bestätigt. Aber vielleicht gibt es auch einfach nicht mehr zu zeigen. Vielleicht war MM ja auch wirklich nur diese naive Verführerin, der Männer reihenweise zu Boden lagen, die Regisseure und Produzenten in den Wahnsinn treiben konnte und die sich trotz ihres immensen Erfolges, den sie zur Entstehung von THE PRINCE AND THE SHOWGIRL bereits hatte, vor lauter Unsicherheit vor der Kamera wie ein blutiger Anfänger verhielt.

MY WEEK WITH MARILYN lebt in erster Linie von der Chemie zwischen Michelle Williams, die die Monroe so überzeugend wie nur möglich interpretiert, und Eddie Redmayne, der in der Rolle des jungen Colin Clark zu sehen ist und dessen Figur gar nicht so recht zu wissen scheint, was ihr hier eigentlich wiederfährt. In zweiter Linie lebt MY WEEK WITH MARILYN von der restlichen Besetzung, die sich wirklich mehr als sehen lassen kann und die dazu beiträgt, dass Curtis’ Film, mag er als Biopic auch nicht wirklich überzeugen, über die komplette Laufzeit zu einer enorm vergnüglichen Angelegenheit wird. Wenn man neben Michelle Williams und Eddie Redmayne u.a. auch noch Julia Ormond, Kenneth Branagh, Emma Watson und Judi Dench in der Besetzungsliste vorweisen kann, ist es ja auch fast unmöglich, einen Film zu drehen, bei dem die schauspielerischen Leistungen nicht überzeugen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CRIMSON PEAK (Kanada / USA 2015, Regie: Guillermo del Toro)

crimson peak

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

 Edith Cushing (Mia Wasikowska), Tochter eines amerikanischen Unternehmers, verfällt dem englischen Adeligen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) und zieht mit diesem und dessen Schwester (Jessica Chastain) in das alte Familienanwesen der Familie Sharpe, wo sie schon bald mit Geistererscheinungen konfrontiert wird und schließlich einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt…

Regisseur Guillermo del Toro legt CRIMSON PEAK im Stil klassischer Gothic-Grusel-Filme an, lässt sich viel Zeit, seine Geschichte zu entwickeln und Spannung aufzubauen, konfrontiert den Zuschauer dabei immer wieder mit vereinzelten, wohl dosierten Schockeffekten und Spannungsmomenten und kreiert so eine ungemein dichte und unheimliche Atmosphäre. Das ebenso mondäne wie mysteriöse Familienanwesen als Hauptsetting ist dabei ebenso eine Trumpfkarte wie die vorzüglichen Darsteller – allen voran Mia Wasikowska und Jessica Chastain. Mit seinem behutsamen Spannungsaufbau, seinen klassischen Settings und seiner angenehmen Gruselstimmung mag CRIMSON PEAK stellenweise vielleicht etwas altmodisch anmuten, inmitten der diversen Geisterbahnattraktionen und Gewaltexzesse, die das moderne Horrorkino in den letzten Jahren so hervorgebracht hat, ist del Toros Film in meinen Augen jedoch mehr als eine willkommene Abwechslung und sei auf diesem Weg allen Genrefreunden wärmstens zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DEFIANCE (USA 2008, Regie: Edward Zwick)

defiance

(Fassung: Blu-ray, Constantin Film, Deutschland)

DEFIANCE erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der insgesamt vier Bielski-Brüder (gespielt von Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell und George MacKay), die sich während des zweiten Weltkriegs in den weißrussischen Wäldern vor den Nazis versteckten, mit Gleichgesinnten ein Camp im Wald errichteten und so hunderte Juden vor dem sicheren Tod durch die Nazis retteten.

Filme mit so ernstem Hintergrund wie dieser hier wandeln ja immer auf einem extrem schmalen Grat und müssen sich zwangsläufig die Frage stellen lassen, ob und in welchem Maße ein solches Thema auch “unterhaltsam“ aufbereitet werden darf, kann oder vielleicht sogar muss. Regisseur Edward Zwick gelingt diese schwierige Balance zwischen Unterhaltung und Anspruch zumindest halbwegs. Er konzentriert sich in erster Linie auf die Geschichte der Flüchtenden und die Zweckgemeinschaft, die sie im Wald bilden müssen; Kampf- und Kriegshandlungen stehen in DEFIANCE eher im Hintergrund. Problematisch ist dabei die Zeichnung der beiden älteren, von Liev Schreiber und Daniel Craig gespielten Bielski-Brüder, die mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu Helden stilisiert werden, was sie aufgrund ihrer Taten sicher auch verdient haben, was in der Dramaturgie des Films allerdings auch dazu führt, dass dieses sicher extrem schwierige Zusammenleben so vieler verschiedener Menschen innerhalb eines Camps im Wald größtenteils konfliktfrei und wohl auch leicht verniedlicht dargestellt wird und die Zeichnung der diversen Charaktere stellenweise doch sehr klischeehaft erfolgt. DEFIANCE zieht seine Spannung in erster Linie daraus, wie und ob es den Flüchtenden gelingt, weiterhin unentdeckt zu bleiben und zur Auflockerung der Dramaturgie wird dann auch schon mal die eine oder andere romantische oder komisch anmutende Szene eingebaut, was vor dem Hintergrund, vor dem der Film spielt, mitunter etwas befremdlich wirkt. Um leichte Unterhaltung handelt es sich bei DEFIANCE natürlich dennoch nicht und trotz der vorgenannten Schwächen hat Zwicks Film immer noch genügend Potential, den Zuschauer aufzurütteln und zum Nachdenken zu bringen.

Und wenn es ein Film wie DEFIANCE aufgrund seiner vielleicht etwas leichteren Zugänglichkeit tatsächlich schaffen sollte, auch nur einen dieser besorgten Wutbürger, die nun schon seit Monaten ihre fragwürdigen Parolen von sich geben, zum Umdenken zu bewegen, dann hat er schon verdammt viel bewegt. Gut, dass es ihn gibt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LAKEVIEW TERRACE (USA 2008, Regie: Neil LaBute)

lakeview terrace

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

In LAKEVIEW TERRACE beziehen Patrick Wilson und Kerry Washington als junges Ehepaar Chris und Lisa Mattson ihr Traumhaus in Los Angeles und müssen schnell feststellen, dass ihr direkter Nachbar direkt einem Albtraum entsprungen zu sein scheint. Denn bei dem von Samuel L. Jackson gespielten Abel Turner handelt es sich um einen verbitterten, durchtriebenen und gemeingefährlichen Rassisten, der dummerweise auch noch einer Arbeit als Cop beim LAPD nachgeht…

Regisseur Neil LaBute startet das Aufeinandertreffen der komplett gegensätzlichen Lebensentwürfe zunächst noch sehr ruhig und bedächtig, steigert die Schlagzahl der Gemeinheiten jedoch mit zunehmender Laufzeit des Films immer mehr und lässt diesen letztendlich in der zu erwartenden Katastrophe enden. LAKEVIEW TERRACE ist manchmal etwas zu klischeehaft in der Zeichnung verschiedener Alltagssituationen, mitunter etwas arg unglaubwürdig und alles in allem einfach viel zu vorhersehbar um irgendwelche Höchstnoten in der Bewertung erzielen zu können. Dafür ist Regisseur LaBute die Darstellung dieses gegenseitigen Aufschaukelns, mit den diversen Stadien, bis es schließlich zum großen Finale kommt, richtig gut gelungen und allein das Mitwirken von Samuel L. Jackson, der die Rolle des Bösewichts sichtlich genießt und jede seiner Szenen regelrecht auszukosten scheint, macht LAKEVIEW TERRACE unbedingt sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part II

THE STRANGERS (USA 2008, Regie: Bryan Bertino)

the strangers

(Fassung: Blu-ray, Kinowelt, Deutschland)

Nach einer Hochzeitsfeier fährt ein junges Paar (Liv Tyler und Scott Speedman) zum etwas abgelegenen Sommerhaus seiner Eltern um dort die Nacht zu verbringen und am nächsten Tag die Weiterreise anzutreten. Die Stimmung könnte besser sein, er hat ihr einen Antrag gemacht, den sie allerdings nicht angenommen hat. Doch schon bald haben die beiden weitaus größere Probleme als einen nicht angenommenen Heiratsantrag. Das Haus wird scheinbar grundlos von maskierten Unbekannten angegriffen und die Übernachtungsgäste müssen um ihr Leben fürchten…

THE STRANGERS gehört zum Subgenre des Home-Invasion-Films, in dem das schützende Heim, das Haus bzw. die Wohnung als Rückzugsort, von Fremden angegriffen wird. Bereits zu Beginn des Films erfährt man als Zuschauer mit Hilfe von Texttafeln und einem Sprecher aus dem Off, dass die nachfolgenden Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen und die zugrundeliegenden Verbrechen bis heute nicht aufgeklärt wurden. Es sollte bereits zu diesem Zeitpunkt klar sein, dass man von THE STRANGERS kein kathartisches Ende zu erwarten haben dürfte.

Regisseur Bryan Bertino lässt den Schrecken und das Grauen ganz langsam über den Zuschauer und seine beiden Protagonisten hereinbrechen, baut seine Spannung behutsam auf und kreiert eine ungemein dichte und bedrohliche Atmosphäre. Als Horrorfilm ist THE STRANGERS ungemein effektiv. Er ist zutiefst beunruhigend und verstörend und lässt den Zuschauer am Ende ratlos zurück. Es gibt keine Erlösung, es gibt keine Erklärung für die Taten der Verbrecher, ihr Handeln ergibt absolut keinen Sinn. Das angegriffene Paar hatte lediglich das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. THE STRANGERS ist ein ungemein spannendes und erschreckendes Beispiel für die Sinnlosigkeit von Gewalt und zeichnet ein ebenso pessimistisches wie mittlerweile leider auch realistisches Bild vom Zustand unserer Welt. Niemand ist mehr sicher.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

INHERENT VICE (USA 2014, Regie: Paul Thomas Anderson)

inherent vice

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Joaquin Phoenix ist Larry „Doc“ Sportello, ein ständig bekiffter Privatdetektiv, der eines Tages Besuch von seiner Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston) erhält, die ihm eine wilde Geschichte erzählt, nach der ihr derzeitiger Geliebter, der mächtige Baulöwe Wolfmann (Eric Roberts), von seiner Ehefrau und deren Geliebten entführt werden soll. Doc nimmt sich der Sache an und befindet sich plötzlich in einem heillosen Durcheinander, welches wohl nur im berauschten Zustand zu entwirren ist. Ich selbst habe Andersons Mischung aus Komödie, Drama, Kriminal- und Mysteryfilm vollkommen nüchtern betrachtet und kann bezeugen, dass INHERENT VICE auch auf einen nüchternen Zuschauer eine durchaus psychedelische Wirkung entfaltet. An den Punkt, an dem man der Handlung einfach nicht mehr folgen will und wohl auch nicht mehr folgen kann, kommt man als Zuschauer relativ schnell. Viel lieber will man sich von dieser obskuren Geschichte mit ihren noch obskureren Typen treiben lassen, will diese einzigartige Stimmung des Films aufsaugen, will regelrecht in ihm versinken. INHERENT VICE ist von einem herkömmlichen Plot vollkommen losgelöstes Kino, welches auf den Zuschauer wohl nur zwei Wirkungen haben kann: Man findet es entweder todlangweilig oder lässt sich von der transportierten Stimmung und Atmosphäre packen und mitreißen. Mir ist – auch aufgrund des tollen Soundtracks – glücklicherweise letzteres gelungen. Faszinierend.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN (aka The Super Inframan, Hongkong 1975, Regie: Hua Shan)

zhong guo chao ren

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Ein außerirdische (?) Prinzessin (Terry Liu) arbeitet sich aus dem Erdinneren über einen lange ruhenden Vulkan an die Oberfläche und möchte mit ihrer aus Latexmonstern bestehenden Armee nicht viel weniger als die Weltherrschaft an sich reißen. Doch sie hat die Rechnung ohne Professor Liu (Wang Hsieh) gemacht, der verwandelt kurzerhand einen einfachen Soldaten (Danny Lee) in Inframan, einen unbezwingbaren Superhelden…

Wow, 中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN ist ja mal richtig toll. Es kracht und knallt an allen Ecken und Enden und ein Film, in dem ein quietschbunter Superheld gegen putzige Latexmonster antritt und diese sich teilweise in Martial-Arts-Fights bekämpfen, muss das Kind im Manne einfach wecken und eine entsprechend begeisterte Reaktion hervorrufen. Entstanden als chinesische Antwort auf die japanischen Monster- und Superheldenfilme der damaligen Zeit und produziert von den altehrwürdigen Shaw Brothers, ist 中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN eine regelrechte Wundertüte geworden, ein Film, bei dem man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt und der mit seiner obskuren Ausgangssituation, seinen wunderschönen Latexmonstern und seinen geilen Fights tatsächlich Schauwerte am laufenden Band liefert und einen als Zuschauer zufrieden grinsend vor dem heimischen Flatscreen sitzen lässt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

PERFECT (USA 1985, Regie: James Bridges)

perfect

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Der für das angesehene Rolling-Stone-Magazin tätige Reporter Adam Lawrence (John Travolta) soll einen Artikel über Fitnessstudios als neue Kontakthöfe schreiben, lernt bei seinen Recherchen die Aerobic-Trainerin Jessie (Jamie Lee Curtis) kennen und verliebt sich in sie…

PERFECT gehört zu den Filmen, die man tatsächlich gesehen haben muss, um glauben zu können, dass Filme wie dieser einst tatsächlich von großen Studios – im vorliegenden Fall die Columbia Pictures – finanziert und in die Kinos gebracht wurden. PERFECT pendelt irgendwo zwischen Drama und Romanze, zwischen Kitsch und Sleaze und was das nun tatsächlich für ein Film gewesen sein soll, hat sich mir noch nicht gänzlich erschlossen. Mit ausgesprochen wohlwollender Betrachtung könnte man PERFECT vielleicht als Satire auf den Fitness-Wahn lesen, meine Befürchtung geht allerdings eher in die Richtung, dass das Gezeigte hier alles tatsächlich ernst gemeint sein könnte. PERFECT ist so ein eher entlarvendes Beispiel seiner Zeit, aus der er entsprungen ist, ein Film, der als Sinnbild für die 80er Jahre steht, den Zuschauer mit Künstlichkeiten und Oberflächlichkeiten bombardiert und die als höchstes Lebensziel zu propagieren scheint. So unglaublich die Prämisse von Bridges’ Film aus heutiger Sicht auch sein mag, so unglaublich unterhaltsam ist PERFECT aber auch geraten. Das Teil hier rockt ganz gewaltig, aufgrund seiner Schauwerte, aufgrund seines geilen Soundtracks und aufgrund seiner Obskurität. Und diese Aerobic-Sequenz um die 40-Minuten-Marke herum, in der Travoltas Gemächt fast aus dem Sporthöschen zu quellen droht, ist so unfassbar grandios, dass sie einen Platz in jeder Hall of Fame unvergesslicher Filmmomente definitiv verdient hat.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

REVENGE OF THE VIRGINS (USA 1959, Regie: Peter Perry Jr.)

revenge of the virgins

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

 In REVENGE OF THE VIRGINS begeben sich ein paar Goldsucher, von denen jeder seine eigene Agenda hat, aus unersättlicher Gier tief in Indianergebiet und werden dort prompt von den letzten Überlebenden eines Stammes angegriffen – zur Freude des männlichen Zuschauers handelt es sich dabei ausschließlich um barbusige Schönheiten, die lustige Rituale aufführen, durch Büsche schleichen und ausgesprochen gut mit Pfeil und Bogen umgehen können…

REVENGE OF THE VIRGINS stammt aus dem Jahr 1959, einer Zeit, in der die Zensur das Zeigen nackter Haut in Filmen praktisch unmöglich machte. Blanke Brüste durften nicht in einem sexuellen Kontext auf den Leinwänden präsentiert werden und so wurde das wohl obskurste aller Subgenres im Bereich des Exploitationkinos geboren: der sogenannte “nudie cutie“; die Handlungen solcher Filme spielten sich im Normalfall in diversen Nudistencamps ab, die bspw. von Monstern überfallen wurden oder sich auch gerne mal auf dem Mond (!!!) befanden. So wurde der Zensur ein Schnippchen geschlagen und den Zuschauer konnten nackte Tatsachen auf den Leinwänden präsentiert werden. Wie dieser Film von Regisseur Peter Perry Jr. nun zeigt, machten die “nudie cuties“ auch vor dem Westerngenre nicht halt. Es ist also kaum verwunderlich, dass REVENGE OF THE VIRGINS jetzt nicht unbedingt über einen spannenden Plot oder großartig talentierte Darsteller verfügt, für einen Film, dessen ausschließliches Ziel es ist, seinen Zuschauern blanke Brüste zu präsentieren, ist das Teil hier aber erstaunlich unterhaltsam und kurzweilig geraten – was natürlich auch an der extrem überschaubaren Laufzeit von gerade mal einer knappen Stunden liegen kann.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ZOOKEEPER (USA 2011, Regie: Frank Coraci)

zookeeper

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Einst wurde dem einfachen Zoowärter Griffin Keyes (Kevin James) von seiner damaligen Freundin Stephanie (Leslie Bibb) das Herz gebrochen. Ein Vorfall, von dem er sich nie richtig erholt hat. Für die Tiere im Zoo ist Griffin ein echter Glücksfall, sie lieben ihren Wärter über alles und ergreifen – als Griffin und Stephanie plötzlich wieder aufeinandertreffen und sie die Gefahr sehen, ihren Wärter zu verlieren – zu einer radikalen Maßnahme, um Griffin weiter an sich binden. Sie offenbaren ihm ihr größtes Geheimnis – dass sie imstande sind zu sprechen und sich mit den Menschen zu verständigen – und geben Griffin mehr oder weniger wertvolle Dating-Tipps…

Ich möchte an dieser Stelle mal eine kleine Lanze für Filme wie ZOOKEEPER brechen. Für Filme wie diesen hier, bei denen man sich ja fast nicht mehr traut, öffentlich zuzugeben, dass man sie unterhaltsam oder gar gut findet. Für Filme, die praktisch überall nur als minderwertige Unterhaltung angesehen werden, über deren typischen Handlungsverlauf gelästert wird und deren Harmlosigkeit als Schwäche angesehen wird. Ich finde es toll, dass es Filme wie ZOOKEEPER gibt. Natürlich ist Coracis Film vorhersehbar und naiv, aber er ist mit seiner durch und durch positiven Grundaussage und seiner liebenswürdigen Harmlosigkeit auch verdammt sympathisch. Ich liebe es, mich von Filmen wie diesem hier nach anstrengenden Arbeitstagen einfach nur berieseln und einlullen zu lassen und habe nicht eine Sekunde lang ein schlechtes Gewissen, wenn sie mir gefallen und ich sie als perfekte Unterhaltung zum Ausklang eines Arbeitstages betrachte. ZOOKEEPER ist einfach sympathisch, verfügt über ein paar tolle Gags und macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

STREET KINGS (USA 2008, Regie: David Ayer)

street kings

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

In STREET KINGS gerät der nicht gerade für seine fürsorglichen Methoden bekannte Cop Tom Ludlow (Keanu Reeves) ins Visier der Abteilung für innere Angelegenheiten…

Ayers Cop-Thriller funktioniert ganz gute als filmischer Nachschlag zu der erst vor kurzer Zeit von mir zu Ende gesehenen TV-Serie THE SHIELD. Auch STREET KINGS spielt in den Straßen von Los Angeles und verfügt über eine mehr als streitbare Haupt- und – wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen will – Identifikationsfigur. Und dass in Ayers Film auch noch Forest Whitaker mitspielt, der ja auch in einer Staffel von THE SHIELD eine entscheidende Rolle bekleidete, passt ebenfalls gut ins Bild. Und auch der Grundton, mit dem Ayer hier den Zuschauer konfrontiert, ist dem der von Shawn Ryan kreierten Serie sehr ähnlich. Auf Identifikationsfiguren muss man fast gänzlich verzichten, der Polizeiapparat besteht aus einem einzigen Sumpf aus Korruption und die Methoden, mit denen die Cops ihre Arbeit verrichten, sind mehr als streitbar. STREET KINGS wirkt dabei – wahrscheinlich auch, weil er nicht im halbdokumentarischen Stil inszeniert ist – zwar noch nicht ganz so desillusionierend wie Ayers Nachfolgefilm END OF WATCH, trifft mit seiner kompromisslosen Härte den Zuschauer aber trotzdem stellenweise bis ins Mark. STREET KINGS hat allerdings auch ein Problem, und das liegt in den vielen Wendungen, welche in der Geschichte, die STREET KINGS erzählt, wohl aus Spannungsgründen eingebaut sind. STREET KINGS wirkt so mitunter etwas arg unglaubwürdig und konstruiert, was ich persönlich als doch etwas störend empfunden habe. Am durchaus positiven Gesamteindruck ändert diese vermeintliche Schwäche jedoch nicht wirklich viel.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

VICTORIA (Deutschland 2015, Regie: Sebastian Schipper)

victoria

(Fassung: Blu-ray, WildBunch/Senator/Universum, Deutschland)

Treibende Elektro-Beats in einer Berliner Untergrund-Disco. Extatisch tanzende Körper. Eine junge Frau, der deutschen Sprache nicht mächtig, die beim Verlassen der Discothek auf vier Typen der Marke Möchtegerngangster trifft und sich schließlich – in gebrochenem Englisch mit ihnen verständigend – auf ein impulsives, intensives und gefährliches Abenteuer einlässt. So beginnt VICTORIA von Regisseur Sebastian Schipper, der den Zuschauer mit diesen ersten Bildern und Tönen mit auf eine faszinierende Reise ins nächtliche Berlin nimmt, ihn regelrecht in den Film hineinzieht und ihm mit der sich ständig in Bewegung befindlichen Kamera das Gefühl verpasst, Teil dieses nächtlichen Abenteuers zu sein.

Ich habe im Vorfeld praktisch nur Gutes über VICTORIA gehört und gelesen und auch in diversen Jahresbestenlisten war Schippers Film auf den vorderen Plätzen zu finden. Meine Erwartungshaltung war vielleicht etwas zu groß und konnte am Ende leider nicht ganz erfüllt werden. Das Problem, das ich mit dem Film hatte, waren die vier männlichen Protagonisten, die ich allesamt als unsympathisch empfunden habe, mit denen mir eine Identifikation praktisch zu keiner Zeit möglich war und für die ich auch keine Empathie aufbringen konnte. Das hatte letztendlich auch Auswirkungen auf meine Beziehung zur Titelfigur, für die ich nur wenig Verständnis aufbringen konnte und bei der es mir schleierhaft war, wie sie sich mit diesen Typen überhaupt einlassen konnte.

Aber dieses Problem mal außen vor gelassen, diese Intensität, diese Unmittelbarkeit, dieses Wilde und Unvorhersehbare, das der Film vermittelt, hat auch mich gepackt und sehr schnell in den Bann gezogen. So etwas ist man als Zuschauer von deutschen Filmen ja nicht unbedingt gewohnt und VICTORIA ist schon allein aufgrund der Tatsache, dass er so komplett anders ist als das Gros der deutschen Filme der letzten Jahre, unbedingt sehens- und empfehlenswert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STRAIGHT OUTTA COMPTON (USA 2015, Regie: F. Gary Gray)

straight outta compton

(Fassung: Blu-ray Director’s Cut, Universal, Deutschland)

Nachdem ich STRAIGHT OUTTA COMPTON ja bereits im September im Kino gesehen hatte und ausgesprochen begeistert von Grays Biopic gewesen bin, konnte ich es kaum erwarten, mir den um 20 Minuten verlängerten Director’s Cut, der mittlerweile auf Blu-ray erschienen ist, auch noch anzusehen. Meinem damaligen Text zur Kinofassung gibt es eigentlich nicht viel hinzuzufügen und so entstehen diese wenigen Zeilen hier vor allem aus Komplettierungsgründen. Schließlich soll dieser Blog hier ja als Filmtagebuch dienen, in dem zu jedem gesehenen Film eines Monats ein paar Zeilen niedergeschrieben werden.

Festzuhalten wäre in erster Linie (und hier wird mein Hauptkritikpunkt am Film leider bestätigt), dass es auch dem Director’s Cut mit seiner um 20 Minuten längeren Laufzeit nicht gelingt, den Film weniger gehetzt wirken zu lassen. STRAIGHT OUTTA COMPTON läuft einfach über vor Informationen und Ereignissen und rast an den Zuschauer trotz nun fast 3-stündiger Laufzeit regelrecht vorbei und man kommt einfach nicht umhin, festzustellen, dass hier stellenweise etwas weniger tatsächlich deutlich mehr gewesen wäre.

Aber trotz aller Kritik, die man sicher aufbringen kann, muss ich einfach auch noch mal feststellen, dass die Schwächen des Films meine Begeisterung für ihn in keiner Weise trüben können und ich diesen Film für Fans der Musik unverzichtbar halte. Wegen des Einblicks in die damalige Zeit, die er vermittelt, wegen des nahezu perfekten Castings, mit dem die Schlüsselrollen besetzt worden sind und natürlich auch wegen der unfassbar geilen Konzertsequenzen, die einfach nur Gänsehaut verursachen. STRAIGHT OUTTA COMPTON rockt, äh rappt!

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

Jahresendspurt – 3. Teil

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS (Belgien / Frankreich / Luxemburg 2013, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS handelt vom Geschäftsmann Dan Kristensen (Klaus Tange), der von einer Geschäftsreise nach Hause kommt und feststellen muss, dass seine Frau spurlos verschwunden ist. Er macht sich auf die Suche nach ihr und gleitet schon bald in einen Zustand ab, in dem die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen…

Nach dem von mir vor einigen Wochen gesehenen AMER ist dies hier der zweite abendfüllende Spielfilm der beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich erneut der Stilmittel der klassischen Gialli bedienen und mit diesen einen Film erschaffen, dessen Sichtung schon fast einer sinnlichen Erfahrung gleichkommt. Konnte man der Handlung von AMER noch halbwegs folgen, hat man hier als Zuschauer eigentlich gar keine Chance mehr. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS besteht praktisch nur noch aus aufregenden, in satte Farben getauchten Bildern, aus Großaufnahmen von Augen, Mündern und sonstigen Körperpartien, aus beunruhigenden Geräuschen, aus Stimmung und Atmosphäre. Man kann sich diesem Film bereits nach kurzer Zeit einfach nur noch wehrlos ergeben, um was es hier letztendlich geht, wie die Lösung des Rätsels aussehen wird, all das ist vollkommen zweitrangig. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS nimmt einen als Zuschauer in Gefangenschaft und führt einen in unbekannte Dimensionen. Ich hatte über die komplette Laufzeit des Films Gänsehaut, obwohl ich ihm auf Handlungsebene schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr folgen konnte. Wahnsinn, was ein Film alles auslösen kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DAMNATION ALLEY (USA 1977, Regie: Jack Smight)

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(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

DAMNATION ALLEY spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft und handelt von einer Handvoll Menschen, die sich in einem futuristischen Militärgefährt auf den Weg machen, um eine alte, in nicht gerade wirtlicher Gegend gelegene Militärbasis zu verlassen, und dabei hoffen, auf ihrer langen Reise auf einen Ort zu treffen, der tatsächlich noch bewohnbar ist.

Ich würde jetzt wirklich gerne etwas Positives über DAMNATION ALLEY schreiben, schon allein aus dem Grund, weil ich einfach ein Herz für Filme dieser Art habe und ich auf gewisse Art und Weise auch Smights Film ungemein sympathisch finde. Im vorliegenden Fall ist dies aber schon verdammt schwer, weil in DAMNATION ALLEY über die fast komplette Laufzeit einfach nichts Nennenswertes passiert. Smights Film ist nicht spannend, bietet fast keine Schauwerte und kommt zudem noch mit Effekten um die Ecke, denen man ihr Alter in jeder Einstellung ansieht. Und macht man sich dann auch noch bewusst, dass DAMNATION ALLEY im Jahr 1977 immerhin 17 Mio. US-Dollar gekostet hat und ein gewisser Herr Lucas im selben Jahr für 6 Mio. US-Dollar weniger STAR WARS in die Kinos brachte, fällt es noch ein gutes Stück schwerer, ein großartiges Lobeslied auf Smights Film anzustimmen. Sicher, auch DAMNATION ALLEY hat seine Momente, die sind aber leider viel zu rar gesät, um den Film in irgendeiner Weise großartig interessant für sein Zielpublikum zu machen.

Begrüßenswert, dass längst vergessene B-Movies wie DAMNATION ALLEY von umtriebigen Labeln, sowohl in Deutschland als auch in den USA, ausgegraben, für die Nachwelt erhalten und fein säuberlich restauriert auf DVD und Blu-ray veröffentlicht werden, ist es natürlich dennoch, auch wenn sich in den vielen liebevollen Veröffentlichungen die eine oder andere Gurke versteckt wie dieser Film hier.

Bewertung: Naja!

 

LUCY (Frankreich/USA 2014, Regie: Luc Besson)

lucy

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

In LUCY gerät Scarlett Johansson aufgrund widriger Umstände in die ungünstige Situation als Drogenkurier missbraucht zu werden. Ehe sie sich versieht, wird unter ihrer Bauchdecke ein Päckchen neuartiger, synthetischer Drogen verstaut, welches sie in die USA schmuggeln soll. Als das unheilvolle Paket jedoch in ihr aufplatzt und die austretende Droge ihre Wirkung entfaltet, hat das für alle Beteiligten ausgesprochen fatale Konsequenzen. Die bewusstseinserweiternde Droge führt schließlich dazu, dass die Titelheldin sämtliche Kapazitäten ihres Gehirns nutzen kann und übermenschliche Kräfte entwickelt…

Bessons LUCY ist ein typischer 50/50-Film. Love it or hate it – großartige Meinungen dazwischen dürfte es wohl eher nicht geben. Ich bekenne mich dann mal zur “Love It!“- Fraktion, weil ich es schon beeindruckend fand, wie Besson einen Film, der anfangs noch auf ein typisches 08/15-Blockbuster-Publikum zugeschnitten zu sein scheint, innerhalb kürzester Zeit in ein Stadium kompletten Wahnsinns abdriften lässt. Je länger LUCY dauert, desto mehr knallt der Film einfach nur durch, entledigt sich sämtlicher Logik-Grenzen und wird zum rein visuellen Spektakel. Und als Zuschauer sitzt man mit runtergelassener Kinnlade vor dem heimischen Flachbild-TV und traut seinen Augen nicht.

Bewertung: Sehr gut!

 

MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (USA 2015, Regie: Christopher McQuarrie)

mission impossible - rogue nation

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 In seinem fünften Kinoeinsatz als Spezialagent Ethan Hunt muss Tom Cruise auf eigene Faust operieren um die gefährliche Verbrecherorganisation “The Syndicate” zu zerschlagen…

In den knapp 20 Jahren, in denen die Reihe nun schon existiert, hat sie in meinen Augen eine beachtliche Entwicklung hingelegt und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass fast jeder Film seinen ganz eigenen Stil hat. Vom reinen Agenten- und Suspensethriller, den Brian De Palma mit dem Auftaktfilm einst abgeliefert hatte, über komplette Over-the-top-Action von John Woo in Teil 2 hin zu mehr Ernsthaftigkeit im dritten Film von J.J. Abrams, nur um diese Ernsthaftigkeit dann in Teil 4 von Brad Bird wieder gehörig aufzulockern.

Für MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION wurde mit Christopher McQuarrie nun der fünfte Regisseur für den fünften Film verpflichtet. Der hatte vor diesem Film gerade erst 2 Regiearbeiten vorzuweisen, den ziemlich tollen THE WAY OF THE GUN aus dem Jahr 2000 und den eher nicht so tollen JACK REACHER aus dem Jahr 2012. Ihn auszuwählen war also erneut eine durchaus mutige Entscheidung der Produzenten – bereits J.J. Abrams (der damals vom TV kam) und Brad Bird (der zuvor nur Animationsfilme gedreht hatte) waren einst ebenso mutige Entscheidungen gewesen – und auch wenn ich der Meinung bin, dass dieser fünfte Teil gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger etwas abfällt, so muss man nach Sichtung des Films doch konstatieren, dass die Entscheidung für McQuarrie eine gute gewesen ist.

Auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION kann durch einen eigenen Stil überzeugen, da der Film aber an die Ereignisse des Vorgängers anschließt und dessen Geschichte weitererzählt, ist der Stilbruch nicht ganz so eklatant wie zwischen den vier Filmen zuvor. McQuarrie setzt – wie schon Bird – auf Agentenkino im klassischen Bond-Stil mit humoristischen Einschlägen (für die der mal wieder toll aufspielende Simon Pegg sorgt), hat dem Zuschauer sehr viele verschiedene Locations zu bieten, an denen sein Film spielt, fährt aber im Vergleich zum Vorgänger die Actionsequenzen in ihrer Anzahl deutlich zurück, orientiert sich dabei mehr an De Palmas einstigen Auftaktfilm und setzt insbesondere auf Suspense. Die Sequenz in der Oper ist schlicht grandios, die Unterwasserszene an Spannung kaum zu überbieten. Für reine Action sorgen dagegen die etwas arg übertriebene Auftaktsequenz und die atemberaubende Verfolgungsjagd mit den Motorrädern (die dann auch ein bisschen was von Woos zweiten Teil hat).

Ja, auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION ist richtig gut geworden und stellt eine willkommene Abwechslung innerhalb des sonst einfach viel zu sehr von diversen Superhelden dominierten Blockbusterbereichs dar. Im direkten Vergleich mit dem unmittelbaren Vorgänger muss ich allerdings feststellen, dass mir Birds actionreicherer und spektakulärerer Film einen Tick besser gefallen hat.

Bewertung: Sehr gut!

 

INVICTUS (USA 2009, Regie: Clint Eastwood)

invictus

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

 Clint Eastwood erzählt in INVICTUS die Geschichte von Nelson Mandela, der Mitte der 90er Jahre, kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten von Südafrika, mit allen Mitteln versuchte, das gespaltene Land zu einen und sich dabei auch auf die Menschen verbindende Kraft des Sports verließ.

Man mag Eastwood vielleicht vorwerfen, dass er es sich etwas zu einfach macht, die sicher extrem komplexe politische Situation auf ein Sportdrama herunter zu brechen, wie er dies allerdings inszeniert, wie geschickt er den Zuschauer emotional packt und manipuliert und wie großartig er seine Darsteller in Szene setzt, das ist wahrlich meisterhaft. Insbesondere Morgan Freeman liefert in der Rolle des Nelson Mandela eine Darbietung für die Annalen der Filmgeschichte ab, man kann sich nach Sichtung dieses Films tatsächlich keinen einzigen anderen Schauspieler in dieser Rolle vorstellen. Es ist vor allem auch Freemans Spiel, das INVICTUS so lebendig werden und so glaubwürdig erscheinen lässt, mag der Film auch noch so simpel gestrickt sein.

Mich persönlich hat INVICTUS emotional komplett mitgerissen und begeistert, ich hatte an mehreren Stellen des Films – insbesondere natürlich im Finale – vor lauter Rührung Tränen in den Augen und habe praktisch jede Sekunde von INVICTUS einfach nur genossen.

Bewertung: Meisterwerk!

 

JOSHÛ ORI (Japan 1983, Regie: Masaru Konuma)

joshû ori

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In den 70er und 80er Jahren produzierte das japanische Kult-Studio Nikkatsu fast ausschließlich Film mit (soft-)erotischen Inhalten um so größere Zuschauerzahlen zu generieren. Das Resultat waren dabei nicht selten wilde Exploitation-Filme, die innerhalb verschiedenster Subgenres versuchten, neue Grenzen auszuloten. JOSHÛ ORI von Regisseur Masaru Konuma ist ein Vertreter des – sich für das Zeigen nackter Tatsachen natürlich ganz vorzüglich geeigneten – Women-in-Prison-Films und handelt von der Gefangenen Masayo (Mina Asami), an der nach einem missglückten Ausbruchversuch ein Exempel statuiert werden soll, damit solche Versuche nicht plötzlich Mode machen. In seinen knapp 70 Minuten, die JOSHÛ ORI gerade mal dauert, werden dann auch alle Zutaten des WIP-Films abgearbeitet. Die – nennen wir es mal vorsichtig – Konflikte der Häftlinge untereinander, die fiesen und sadistischen Wärterinnen, die Hauptfigur, die sich einfach nicht brechen lässt. Leider vergisst Regisseur Konuma inmitten all seiner Schauwerte ein bisschen, auch so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. JOSHÛ ORI mangelt es an einem Spannungsbogen, Konuma konfrontiert den Zuschauer zwar mit so einigen “What the Fuck!?!“-Momenten, die bloße Aneinanderreihung solcher Sequenzen reicht am Ende aber doch nicht aus, um JOSHÛ ORI als guten Filmen bezeichnen zu können.

Bewertung: Ok!

 

DER ARZT VON ST. PAULI (Deutschland 1968, Regie: Rolf Olsen)

der arzt von st. pauli

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

DER ARZT VON ST. PAULI war damals der Auftakt einer kleinen Reihe von St.-Pauli-Filmen, die zwischen 1968 und 1971 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle in die deutschen Kinos kamen. Leider ist die Verfügbarkeit der Film auf DVD noch sehr schlecht und so ist dieser Film hier – neben den schon vor etwas längerer Zeit gesehenen AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS – leider der einzige dieser Filme, die man sich problemlos zuhause ansehen kann ohne TV-Zeitschriften wälzen zu müssen und auf eine Ausstrahlung zu hoffen. Verdammt schade, denn Olsens Film macht definitiv Lust auf mehr.

Curd Jürgens spielt den Allgemeinarzt Dr. Jan Diffring, einem Mann mit großem Herzen und viel Liebe für seine Patientinnen und Patienten vom Kiez, der im Verlauf des Films in einen Kriminalfall hineingezogen wird und schließlich feststellen muss, dass es sich bei seinem Bruder, den als Gynäkologen praktizierenden Dr. Klaus Diffring (Horst Naumann) um einen skrupellosen Gangster handelt…

Olsen erzählt die Geschichte der beiden Brüder zunächst eher episodenhaft nebeneinander her und verbindet die beiden Handlungsstränge erst relativ spät miteinander (wobei man als Zuschauer allerdings immer einen Wissensvorsprung hat und somit den finalen Konflikt schon bald erahnen kann). Das führt – und das ist das einzige, kleine Manko des Films – leider etwas dazu, dass Curd Jürgens nicht allzu viel Screentime abbekommen hat und DER ARZT VON ST. PAULI nicht so sehr beherrschen kann, wie er nur ein Jahr später AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS beherrschen sollte. In den Szenen, die ihm bleiben, ist er dafür einfach grandios, spielt den Allgemeinarzt als gäbe es kein Morgen mehr und als würde das Schicksal der Welt davon abhängen, dass er diesem Charakter glaubwürdiges Leben verleiht. In Verbindung mit dem wirklich abwechslungsreichen Plot, den unzähligen Schauwerten des Films, die immer wieder auch die Grenze zum Sleaze genüsslich überschreiten, den herrlichen Dialogen und dem unschlagbaren Zeit- und Lokalkolorit ist DER ARZT VON ST. PAULI ein Paradebeispiel dieser Sittenreißer aus längst vergangenen Tagen und kann einen als Zuschauer nur hoffen lassen, dass noch mehr deutsche Filme dieser Art aus der damaligen Zeit geborgen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Bewertung: Sehr gut!

 

HERE COMES THE BOOM (USA 2012, Regie: Frank Coraci)

here comes the boom

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Kevin James spielt den Highschool-Lehrer Scott Voss, der sich als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer versucht um auf dieser Art und Weise Geld aufzutreiben und den Job seines Freundes und Kollegen Marty (Henry Winkler) zu sichern, der aufgrund von Budgetkürzungen wegrationalisiert werden soll…

Sollte jemand behaupten, HERE COMES THE BOOM sei harmlos, kitschig, klischeehaft und vorhersehbar, könnte man ihm voll nicht großartig widersprechen. Aber diese eher negativen Eigenschaften macht Regisseur Coraci mit der Warmherzigkeit, der positiven Energie und der schlichten Schönheit, die sein Film ausstrahlt, locker wieder weg. Und natürlich mit den vielen, einfach nur urkomischen Szenen, die Coraci mit Hilfe seines Hauptdarstellers Kevin James zu bieten hat.

HERE COMES THE BOOM ist verdammt witzig und zudem einer der positivsten Filme, die ich je gesehen habe. Hier regiert der kindlich-naive Glaube an das Gute, es gibt so gut wie nichts Negatives in diesem Film und wenn es aus dramaturgischen Gründen doch notwendig sein sollte (wie bspw. vor dem finalen Kampf), wird es eher nebenbei erwähnt, nur um die positive Grundstimmung nicht zu gefährden. Nicht einmal Voss’ Gegner im Schlusskampf, der durchaus martialisch gezeichnete Ken Dietrich (Krzysztof Soszynski), taugt als “Bösewicht“, auch er zeigt plötzlich seine gute und positive Seite. Das alles macht HERE COMES THE BOOM in meinen Augen ungemein sympathisch, liebens- und absolut empfehlenswert.

Bewertung: Gut!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 4

MAD LOVE (USA 1935, Regie: Karl Freund)

mad love

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Der ebenso verrückte wie geniale Chirurg Dr. Gogol (Peter Lorre) ist von der Theaterschauspielerin Yvonne Orlac (Frances Drake) so besessen, dass er sogar eine Wachsstatue von ihr in seiner Wohnung stehen hat. Zu seinem Entsetzen muss Gogol jedoch feststellen, dass seine Angebetete mit dem Konzertpianisten Stephen Orlac (Colin Clive) verheiratet ist und sein Traum, mit Yvonne den Rest seines Lebens zu verbringen, wohl eher nicht in Erfüllung gehen wird. Als Stephens Hände bei einem Zugunglück regelrecht zerschmettert werden und es praktisch keine Alternativen zur Amputation gibt, wendet sich Yvonne in ihrer Verzweiflung an Gogol. Mit fatalen Folgen…

MAD LOVE ist eine Mischung aus Liebesgeschichte (wenn man es denn so bezeichnen mag) und Horrorfilm, die Lösung, die Gogol für den Verunglückten bereit hält, besteht darin, ihm die Hände eines erst kürzlich hingerichteten Mörders zu transplantieren und die entwickeln schon bald ein Eigenleben. Gogol sieht darin seine große Chance, den Gatten aus dem Weg zu räumen. Peter Lorre ist schlicht großartig in der Rolle des verrückten Arztes, sein Spiel einfach nur unheimlich und furchteinflößend, aus seinen Augen scheint der Wahnsinn regelrecht zu funkeln. Regisseur Karl Freund hat MAD LOVE mit Hilfe seiner beiden Kameramänner Chester A. Lyons und Gregg Toland zudem in ausgesprochen düstere und beunruhigende Schwarz/Weiß-Bilder gepackt, die dem Film auch heute noch eine schaurig-schöne Atmosphäre verleihen, welche jedoch auch immer wieder durch komische Sequenzen, die insbesondere mit Gogols ständig betrunkener Haushälterin zu tun haben, aufgelockert wird. Für Freunde klassischen Gruselkinos gibt es von mir eine klare Empfehlung für MAD LOVE.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE (USA 2015, Regie: R.D. Braunstein)

i spit on your grave iii - vengeance is mine

(Fassung: Blu-ray, Platform Entertainment, Großbritannien)

 Mit DAY OF THE WOMAN (besser bekannt unter seinem Wiederaufführungstitel I SPIT ON YOUR GRAVE) hat Regisseur Meir Zarchi im Jahr 1978 einen der wohl verstörendsten Filme seiner Zeit gedreht, einen Film, der ein ganzes – sicher ausgesprochen streitbares – Subgenre definiert und bis zum heutigen Tage nichts von seinem Verstörungspotential verloren hat. Im Jahr 2010 kam ein überraschend gut gelungenes Remake in die Kinos, welches dem Original über weite Strecken durchaus gerecht wurde. Nach einem reichlich asozialen Sequel im Jahr 2013, welches lediglich das Genre mit dem Original/Remake teilte und ansonsten nichts mit der Story zu tun hatte, kam nun mit I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE eine echte Fortsetzung heraus, in der wie im Remake erneut Sarah Butler in der Rolle der Jennifer Hills zu sehen ist.

Diese hat mittlerweile ihren Namen geändert, ist untergetaucht und versucht noch immer die Erlebnisse von einst – die in kurzen Rückblenden noch mal ansatzweise visualisiert werden – zu verarbeiten. Der kompletten Männerwelt gegenüber ausnahmslos misstrauisch eingestellt, verliert sich Jennifer immer mehr in Gewaltfantasien und sucht schließlich Hilfe in einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer, in der sie die Außenseiterin Marla (Jennifer Landon) kennenlernt und sich mit ihr anfreundet. Als Marla von ihrem gewalttätigen Exfreund ermordet wird und der Täter aus Mangel an Beweisen auf freien Fuß kommt, nimmt Jennifer das Recht in die eigenen Hände…

Mit I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE vollzieht Regisseur R.D. Braunstein einen Wechsel im Genre, weg vom Rape-and-Revenge-Film, hin zum Vigilanten- bzw. Selbstjustizfilm. Sein Beitrag zur Reihe erinnert mehr an die DEATH-WISH-Filme mit Charles Bronson als an Zarchis ursprünglicher Vision. Ohne Rücksicht auf Verluste hinterlässt der selbsternannte Racheengel eine mehr als beeindruckende Blutspur – Freunde des Horror- und Splatterfilms dürfen sich über einige deftige “creative killings“ freuen – und agiert als Erfüllungsgehilfin diverser Opfer männlicher Gewalt. Dass Braunsteins Film nicht zu sinn- und seelenlosen Nummernrevue verkommt, liegt – wie bereits im 5 Jahre zuvor entstandenen Remake – insbesondere an Hauptdarstellerin Sarah Butler, die schlichtweg großartig spielt, der Hauptfigur echtes Leben einhaucht, ihr einen echten Charakter verleiht und diese nicht nur zur austauschbaren Schablone verkommen lässt.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

MÄNNERHERZEN UND DIE GANZ GANZ GROSSE LIEBE (Deutschland 2011, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen und die ganz ganz große liebe

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

2 Jahre nach MÄNNERHERZEN inszenierte Regisseur Simon Verhoeven diese Fortsetzung, die unmittelbar an die Ereignisse aus dem ersten Teil anschließt (manche in kurzen Rückblenden auch wieder in Erinnerung ruft) und die Geschichten der verschiedenen Protagonisten erneut in episodenhafter Struktur weitererzählt. Der kurze Text, den ich zu MÄNNERHERZEN geschrieben habe, passt im Endeffekt auch für die Fortsetzung. Würde man sich beide Filme hintereinander anschauen, man würde lediglich durch den Abspann des ersten und den Vorspann des zweiten Teils daran erinnert werden, dass es sich tatsächlich um zwei Filme handelt. In Verbindung mit dem Vorgänger erzählt MÄNNERHERZEN UND DIE GANZ GANZ GROSSE LIEBE mehrere kleine, ineinander verwobene Geschichten und befindet sich qualitativ auf exakt demselben Niveau wie der erste Teil. Sehenswert ist auch dieser Film vor allem wegen Christian Ulmen, über den ich mich einmal mehr köstlich amüsiert habe, und Justus von Dohnányi, der seine absurde Performance aus MÄNNERHERZEN sogar noch toppen kann.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

CLOCKERS (USA 1995, Regie: Spike Lee)

clockers

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Spike Lee legt zum wiederholten Male den Finger in die Wunde und beschäftigt sich in CLOCKERS, der erneut in Brooklyn angesiedelt ist, mit dem aus Kriminalität und Drogenabhängigkeit bestehenden Teufelskreis.

Im Gegensatz zu seinen beiden Rassismus-Parabeln DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER, die trotz ihres ernsten Themas doch mit einer gewissen Leichtigkeit inszeniert waren, geht CLOCKERS jedoch jegliche Form von Leichtigkeit ab. Das macht sich bereits im Vorspann bemerkbar, wenn die Credits über Bilder blutüberströmter Leichen laufen, kann man sich als Zuschauer bereits darauf einstellen, dass einen in den nächsten 2 Stunden eher schwer verdauliche Kost vorgesetzt wird.

CLOCKERS dreht sich um den kleinen Dealer Strike (Mekhi Phifer), der zum Netzwerk des das Viertel beherrschenden Rodney Little (Delroy Lindo) gehört, und ins Visier des Polizisten Rocco Klein (Harvey Keitel) gehört. Der ist nach einem Mord an einem Imbissbesitzer nämlich davon überzeugt, dass Strike für die Tat verantwortlich ist und nicht der angeblich geständige Täter (Isaiah Washington), der sich bereits in Polizeigewahrsam befindet und bei dem es sich zufällig um Strikes Bruder handelt. Es entwickelt sich ein Psychospiel nach dem Katze-und-Maus-Prinzip zwischen Strike und Little.

Wie oben schon geschrieben ist CLOCKERS tatsächlich ausgesprochen schwer zu verdauen. Lees Film überzeugt zwar einmal mehr mit eindringlichen, schauspielerischen Leistungen und einer glaubwürdigen Milieuzeichnung, war mir persönlich insgesamt betrachtet jedoch etwas zu sperrig inszeniert. Vielleicht hat mich CLOCKERS auch einfach auf dem falschen Fuß erwischt, aber es ist mir einfach nicht gelungen, einen echten Zugang zu ihm zu finden. So ließ ich das Geschehen eher teilnahmslos an mir vorüberziehen und war am Ende froh, als der Abspann einsetzte. Eine endgültige Bewertung möchte ich mir eigentlich verkneifen, CLOCKERS ist einer der Kandidaten, denen ich – nachdem ich ja nun weiß, was auf mich zukommen wird – irgendwann noch eine zweite Chance geben muss. Ein Film, den ich gerne mehr gemocht hätte und in dem sicherlich viel Potential steckt.

(Vorläufige) persönliche Bewertung: Ok!

 

THE NATURAL (USA 1984, Regie: Barry Levinson)

the natural

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 In THE NATURAL will es das frühere Jahrhunderttalent Roy Hobbs (Robert Redford), dessen Karriere einst nach einem Mordversuch jäh beendet wurde, noch einmal wissen, heuert über 15 Jahre nach dem traumatischen Erlebnissen bei den New York Knights an und beginnt in relativ hohem Alter doch noch eine Karriere im Profi-Baseball…

Auch so ein typischer Award-Kandidat. Gewonnen hat THE NATURAL dann zwar nichts Nennenswertes, aber immerhin 4 Oscar-Nominierungen sind ja auch etwas, das man sich auf den Briefkopf schreiben kann. THE NATURAL besticht durch große Schauspielkunst, tolle Settings, schöne Bilder und eine fast schon epische Art der Inszenierung. Was einem hier jedoch in Sachen Plotkonstruktion geboten wird, übertrifft fast jedes Klischee, welches man dem ja sowieso immer ziemlich klischeebehafteten Sportfilm im Normalfall zubilligen mag. Die ganze Ausgangssituation von THE NATURAL ist nicht sonderlich glaubwürdig, der weitere Handlungsverlauf in Grundzügen fast schon lächerlich. Als der schwer gezeichnete Hobbs im alles entscheidenden Spiel, für dessen Teilnahme er sogar sein Leben riskiert, schließlich auch noch den Verlust seines geliebten und symbolüberladenen Schlägers, den er einst als Jugendlicher selbst gefertigt hatte, verkraften muss, dachte ich mir eigentlich nur “ach nö, bitte nicht auch noch…“. Dass das Spiel von Hobbs natürlich auch mit anderem Schläger entschieden wird, dürfte niemanden überraschen, wie dieser entscheidende Homerun dann aber inszeniert ist, sprengt sämtlichen Kitschgrenzen. Hobbs schlägt den Ball in den Lichtmast und begeht unter sprühenden Funken – fast wie eine Heiligenfigur – seinen letzten Homerun. An solchen Szenen können Filme durchaus scheitern. THE NATURAL tut dies irgendwie nicht, ich würde mit all seinen Handlungsschwächen, all seinen Klischee und dem ganzen übertriebenen Kitsch und Pathos nicht wirklich darauf kommen, ihn als nur mittelprächtigen oder gar schlechten Film bezeichnen zu wollen. Levinsons Film wird am Ende des Tages durch seine Besetzung gerettet. Wer Schauspieler wie Robert Redford, Robert Duvall, Glenn Close, Kim Basinger, Barbara Hershey, Joe Don Baker, Michael Madsen, u.a. gemeinsam vor der Kamera vereint, schafft es wohl allein aufgrund dieser geballten Schauspielkompetenz nicht, keinen guten Film zu inszenieren.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

LABOR DAY (USA 2013, Regie: Jason Reitman)

labor day

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

LABOR DAY führt Kate Winslet als alleinerziehende Mutter und Josh Brolin als verzweifelten Ausbrecher in einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte zusammen, erzählt die Geschichte zweier Menschen, die sich zufällig unter extremen Umständen kennenlernen, sich Hals über Kopf ineinander verlieben und sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass diese Liebe keine Zukunft haben wird. Regisseur Jason Reitman hat mit LABOR DAY eine Mischung aus Drama, Thriller und Romanze gedreht, die nicht mit dem üblichen Kitsch überläuft, sondern den Zuschauer vielmehr mit einer spannenden Geschichte unterhält. Die beiden Hauptfiguren eignen sich ganz vorzüglich dazu, um mit ihnen zu bangen und zu hoffen, dass diese Romanze positiv ausgehen wird. Aufgrund dieser Frage bleibt LABOR DAY bis zum Ende spannend, die Chemie zwischen Winslet und Brolin passt und als Zuschauer betet man regelrecht für ein Happy End für die beiden. Das Ende des Films ist sicher etwas kitschig, aber halt auch einfach nur wunderschön geraten und verursacht ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Ein kleiner, feiner Film und gleichzeitig auch ein flammendes Plädoyer, einfach mal an das Gute im Menschen zu glauben.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

SEABISCUIT (USA 2003, Regie: Gary Ross)

seabiscuit

(Fassung: DVD, DreamWorks, Deutschland)

 SEABISCUIT erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte eines halbblinden Jockeys (Tobey Maguire), der in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem titelgebenden, lahmenden und bereits aussortierten Rennpferd Geschichte im Pferderennsport geschrieben hat. Noch so eine Außenseitergeschichte, die sich natürlich ganz vorzüglich für eine auf möglichst viele Auszeichnungen schielende Verfilmung eignet. Immerhin sieben Nominierungen für den Oscar und zwei Nominierungen bei den Golden Globes sprangen letztendlich heraus. Ausgezeichnet ist an SEABISCUIT vor allem die Zeichnung der Zeit, in der er spielt. Das USA der 30er Jahre kommt ausgesprochen glaubwürdig und authentisch rüber, die Ausstattung des Films ist schlicht superb. Die Geschichte selbst brauchte für meinen Geschmack etwas zu viel Zeit um in Gang zu kommen, so richtig interessant und spannend wurde SEABISCUIT eigentlich erst in der zweiten Hälfte. Dafür sind die diversen Szenen der Pferderennen ungemein intensiv geraten, das Ende verursacht Gänsehaut und Jeff Bridges ist in einer der Hauptrollen mit von der Partie. Und irgendwie ist jeder Film, in dem Jeff Bridges mitspielt, ein guter Film, auch dieser hier.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

WILD (USA 2014, Regie: Jean-Marc Vallée)

wild

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Noch ein Film, der auf wahren Begebenheiten beruht. WILD erzählt die Geschichte von Cheryl Strayed, die in den 90er Jahren im Alter von 26 auf drastische Art und Weise einen neuen Lebensabschnitt startete: Nach dem Tod ihrer Mutter, der Scheidung ihrer Ehe und um sich endgültig von ihrem exzessiven Lebensstil mit Heroinkonsum und ständigen wechselnden Sexualpartnern zu verabschieden, begab sich Strayed auf eine Weitwanderung auf den Pacific Crest Trail und legte so rund 1.600 Kilometer zurück.

Für Hauptdarstellerin Reese Witherspoon, die man wohl am wenigsten in einer solchen Rolle erwarten würde, war WILD eine Herzensangelegenheit. Sie sicherte sich die Filmrechte an Strayeds Buch, produzierte ihn und hatte so überhaupt erst die Möglichkeit, die Hauptrolle zu spielen. Und Reese Witherspoon ist in dieser Rolle, die so gar nicht ihrem üblichen Rollenklischee entspricht, tatsächlich schlichtweg großartig. WILD ist ein Film, der mich von Anfang gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Die Geschichte der Wanderung unterbricht Regisseur Jean-Marc Vallée immer wieder mit – teils extrem kurzen – Flashbacks, in denen der Zuschauer Details des früheren Lebens der Protagonistin zu sehen bekommt und dieses ständige Hin- und Herspringen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verleiht WILD eine ungemeine Dynamik, die ein Film, der lediglich eine junge Frau mit einem übergroßen Rucksack auf steinigen Wegen zeigen würde, wohl kaum erreichen könnte. Ein weiterer, riesiger Pluspunkt des Films ist natürlich die Kameraarbeit. Gedreht wurde u.a. im Crater Lake National Park in Oregon und die Landschaftsaufnahmen, die Kameramann Yves Bélanger da auf die Leinwand zaubert, sind teilweise zum Niederknien schön. Und um die Lobeshymne noch abzurunden möchte ich noch kurz auf die grandiose Musikauswahl eingehen. Die Sequenz, die mit “El Condor Pasa (If I Could)“ von Simon & Garfunkel unterlegt wurde, ist pure Magie, das perfekte Zusammenspiel zwischen Bild und Ton. Das gilt im Übrigen auch für die Szene, in der “Glory Box“ von Portishead Verwendung fand. Einfach nur toll. Wenn es an WILD überhaupt etwas auszusetzen ist, dann die mit knapp 2 Stunden viel zu knapp bemessene Laufzeit. Ich hätte Reese Witherspoon locker noch eine Stunde länger bei ihrer Wanderung durch die Wildnis zusehen können.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

LESBIAN VAMPIRE KILLERS (Großbritannien 2009, Regie: Phil Claydon)

lesbian vampire killers

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Die beiden Loser Jimmy (Mathew Horne) und Fletch (James Corden) beschließen im Suff, nachdem Jimmy wieder mal seine Freundin und Fletch seinen Job verloren hatte, einen Trip ins britische Hinterland zu unternehmen. Das Ziel wird durch den Wurf eines Dartpfeils ausgewählt und die Wahl hätte nicht schlechter ausfallen können. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sich die beiden Freunde mit lesbischen Vampiren (!!!) herumärgern…

LESBIAN VAMPIRE KILLERS ist das, was man gemeinhin als Partyfilm bezeichnet. Sympathischer Thrash, der keinen Hehl daraus macht, dass er nur existiert, um Blödsinn zu verbreiten und sein Zielpublikum mit diversen Schauwerten und ein paar netten Gags zu unterhalten. Funktioniert in diesem Fall auch recht gut, weil Claydon seinen Film mit diesem typischen, britischen Humor gespickt hat und die an die alten Hammer-Filme und diverse Gothic-Grusler erinnernden Locations und Settings schlichtweg toll sind.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WELCOME TO NEW YORK (Frankreich/USA 2014, Regie: Abel Ferrara)

welcome to new york

(Fassung: Blu-ray, Altitude, Großbritannien)

Im Mai 2011 wurde der damalige geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in New York festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens angeklagt. Die Klage wurde später wegen fehlender Glaubwürdigkeit des Opfers fallengelassen; Strauss-Kahn kam frei.

Dieser reale Fall diente als Vorlage für Ferraras fiktiven Film WELCOME TO NEW YORK, der die Ereignisse auf den erfundenen Machtmenschen Devereaux (Gérard Depardieu) überträgt, einem Unsympathen vor dem Herrn, einer einfach nur widerlichen Gestalt, die der Meinung ist, sich alles nehmen zu können, was ihr gefällt, einem Mann ohne jeglichen Respekt vor seinen Mitmenschen, einem sexsüchtigen Monster ohne Gewissen oder Schuldbewusstsein. Strauss-Kahn war von Ferraras Film verständlicherweise alles andere als begeistert, wollte sogar Klage erheben, sein Erscheinen konnte er glücklicherweise nicht verhindern.

WELCOME TO NEW YORK ist in meinen Augen schwer zu bewerten. Ist der Film in der ersten Hälfte noch wirklich ausgesprochen intensiv gespielt – ein genialer Schachzug ist die Besetzung der Hauptrolle mit Gérard Depardieu, einem Schauspieler, der, vorsichtig ausgedrückt, ja durch diverse Eskapaden in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt zu den unumstrittensten seines Fachs gehört, hier aber einfach nur großartig agiert und der Hauptfigur ein wahrlich erschreckendes Gesicht verleiht -, verliert sich der Film in der zweiten Hälfte immer mehr. Man weiß aufgrund des realen Falles, wie die ganze Sache ausgehen wird. Man weiß, dass es sich bei den Devereauxs dieser Welt um unbelehrbare und uneinsichtige Menschen handelt. Ferrara kann irgendwann keine neuen Erkenntnisse mehr liefern und vielleicht hätte dem Film eine etwas straffere Laufzeit ganz gut getan. Unbedingt sehenswert ist WELCOME TO NEW YORK in meinen Augen natürlich trotzdem.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

THE LONG, HOT SUMMER (USA 1958, Regie: Martin Ritt)

the long, hot summer

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

 Paul Newman ist der Rumtreiber Ben Quick, der schließlich in einer kleinen Stadt in den Südstaaten strandet und dort an den Patriarchen Will Varner (Orson Welles) gerät, der mit eiserner Hand sowohl seine Familie als auch die gesamte Kleinstadt regiert und Ben für seine Zwecke missbrauchen will…

Basierend auf diversen Kurzgeschichten von William Faulkner hat Regisseur Martin Ritt mit THE LONG, HOT SUMMER ein opulent ausgestattetes Südstaaten-Drama gedreht. THE LONG, HOT SUMMER ist ein Film voller Intrigen, Verrat, Liebe und Hass, mit einer schwül-heißen Atmosphäre und geschliffenen Dialogen, die mit ihren eindeutigen Zweideutigkeiten in sexueller Hinsicht damals so einige Zensoren sicher auf die Palme gebracht haben dürften. Im Zentrum des Films steht die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem von Newman gespielten Rumtreiber und Varners Tochter Clara (Joanne Woodward). In den Szenen, die Newman und Woodward gemeinsam haben, brennt regelrecht die Leinwand, die Chemie zwischen den beiden ist unbeschreiblich und es ist deutlich zu sehen, dass hier mehr dahintersteckt, als nur Schauspielerei. Eine Vermutung, die sich schließlich bewahrheiten sollte, den Newmann und Woodward wurden auch hinter der Kamera ein Paar und heirateten kurz nach Abschluss der Dreharbeiten.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller, der einfach großartige Orson Welles, die mehr als eindrucksvolle Kameraarbeit von Joseph LaShelle, die intensive Atmosphäre, die beeindruckenden Settings und vieles mehr machen THE LONG, HOT SUMMER zu einem dieser Filme, die man wohl einfach nur als “Großes Kino“ bezeichnen kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

FLASHDANCE (USA 1983, Regie: Adrian Lyne)

flashdance

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Schon die Titeleinblendung zu Beginn gibt die Marschrichtung der folgenden 90 Minuten vor. In Großbuchstaben fährt der Filmtitel durchs Bild, es gibt keine Einzeleinstellung, FLASHDANCE ist von der ersten Minute an in Bewegung und das soll sich auch nicht groß ändern.

Erzählt wird eine eher stereotype Geschichte einer jungen Frau mit einem großen Traum. Alex Owens (Jennifer Beals) arbeitet tagsüber als Schweißerin und geht an den Abenden in einer Bar ihrer großen Leidenschaft als Tänzerin nach. In aufwendigen Choreographien unterhält sie die Gäste, ihr großer Traum – das Tanzen zum Hauptberuf zu machen und den Durchbruch als Tänzerin zu schaffen – scheint in weiter Ferne. Wie das in Filmen wie diesem hier aber nun mal so ist, wird es ihr am Ende doch gelingen und auf dem Weg zum Ziel findet sie gleich noch die große Liebe.

FLASHDANCE ist auf den ersten Blick nur eine weitere Mischung aus einer typischen Underdog- und einer typischen Love-Story. Vergleicht man ihn aber bspw. mit DIRTY DANCING, der ja auch einen Tanzfilm mit einer Liebesgeschichte verbindet, so könnten die Unterschiede nicht größer sein. Der Grund dafür findet sich hinter der Kamera. Regisseur Adrian Lyne sollte nach FLASHDANCE u.a. NINE 1/2 WEEKS und FATAL ATTRACTION drehen, die beiden Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer insbesondere im Bereich des Actionkinos tätig sein. FLASHDANCE nimmt den Look späterer Actionfilme des Duos Simpson/Bruckheimer bereits vorweg, verstrahlt eine ähnlich kühle Atmosphäre wie Lynes spätere Filme und begeistert mit perfekt choreographierten Tanzszenen in Videoclipästhetik und einem dieser Soundtracks für die Ewigkeit. Man könnte FLASHDANCE auch als Prototyp des Kinos der 80er Jahre bezeichnen und wollte man sich diesen Film im Double Feature mit einem anderen Film ansehen, so wäre bspw. TOP GUN weitaus besser dazu geeignet als DIRTY DANCING und jeder, der einen Kanon essentieller Filme der 80er Jahre erstellen will, kommt in meinen Augen an Lynes FLASHDANCE nicht vorbei.

Abschließend noch was aus der Kategorie “unnützes Filmwissen zum wieder Vergessen“: Der Song Maniac von Michael Sembello, der durch diesen Film zum Hit wurde, hatte ursprünglich einen komplett anderen Text, wurde eigentlich inspiriert durch Lustigs gleichnamigen Film aus dem Jahr 1980 und handelte somit von einem Serienkiller. Sembellos Ehefrau hatte den Song in seiner ursprünglichen Fassung eher versehentlich mit auf ein Tape gepackt, welches an Paramount gesendet wurde, die Musik für FLASHDANCE suchten. Die Leute von Paramount waren von der Musik, nicht aber von den Lyrics begeistert und so musste Sembello einen neuen Text schreiben. Aus dem manischen Killer wurde eine manische Tänzerin.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

THE FIGHTER (USA 2010, Regie: David O. Russell)

the fighter

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Auch ein Film über einen Underdog, der den Weg an die Spitze schafft. Sogar auf wahren Begebenheiten beruhend. THE FIGHTER erzählt die Geschichte der beiden boxenden Brüder Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale) und Mickys beschwerlichen Weg an die Spitze in seiner Gewichtsklasse.

Russells Film ist in erster Linie mal das, was gemeinhin wohl als großes Schauspielerkino bezeichnet wird, ein Film, der sich irgendwie automatisch für diverse Preise qualifiziert (Bale und Melissa Leo, die die Mutter der beiden Brüder spielt, haben dann auch beide einen Oscar und einen Golden Globe in den Nebenrollen-Kategorien erhalten), sich in gewisser Weise vielleicht aber auch den Vorwurf gefallen lassen muss, dass er mitunter doch arg künstlich und gestellt wirkt. Es hat etwas gedauert, bis ich mit THE FIGHTER warm geworden bin. Insbesondere Bales Spiel war mir etwas zu exaltiert, etwas zu übertrieben, etwas zu gekünstelt. Aufgewogen wurde dies durch Melissa Leo, Amy Adams (in der Rolle von Mickys Freundin Charlene) und Mark Wahlberg, die allesamt das richtige Maß in ihrer Darstellung gefunden haben und deren Charaktere man auch tatsächlich ernst nehmen konnte. Und aufgewogen wurde das natürlich auch durch die Geschichte an sich, die mich irgendwann doch so gepackt hat, dass der eigentliche Störfaktor Bale vernachlässigt werden konnte. Und die mal etwas andere Inszenierung (insbesondere den Look betreffend) der Boxszenen fand ich auch ziemlich großartig.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

RUBBER (Angola/Frankreich 2010, Regie: Quentin Dupieux)

rubber

(Fassung: Blu-ray, Capelight, Deutschland)

Einen Film über einen Autoreifen drehen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, muss man aber nicht.

Sich einen Film über einen Autoreifen anschauen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, sollte man aber wohl nur, wenn man wirklich gar nichts anderes zu tun hat (also gerade auch nicht Farbe beim Trocknen oder Gras beim Wachsen zusehen kann).

Am Anfang von RUBBER erscheint ein Polizist in der Wüste, der sowohl dem Zuschauer vor der Leinwand als auch einer in diesem Moment noch nicht im Bild zu sehenden Gruppe von Menschen erklärt, dass alle großen Filme der Filmgeschichte Szenen beinhalten, für die es eigentlich keinen Grund gibt und dass der nun folgende Film diese Grundlosigkeit zu feiern gedenkt. Danach überreicht er der Gruppe Ferngläser und diese hat das ebenso zweifelhafte Vergnügen wie der Zuschauer, einen Autoreifen beim planlosen Durch-die-Wüste-rollen und Sachen-zum-Platzen-bringen zu beobachten.

RUBBER hatte gleich nach dieser Anfangssequenz bei mir verloren. Filme, die meinen, sich selbst – auch noch gleich zu Beginn – erklären zu müssen, disqualifizieren sich schon allein aufgrund dieser Tatsache. Aber selbst mit viel Wohlwollen und sämtlichen zugedrückten Augen kann ich mir persönlich einfach nicht erklären, weshalb man RUBBER tatsächlich für einen guten Film halten sollte. Die gut 80 Minuten Laufzeit ziehen sich wie Kaugummi, Dupieux’ Film ist einfach nur stinklangweilig und nervig, es gibt keine Spannung, keinen Witz und die Tatsache, dass hier Wings Hauser mitgewirkt hat, stimmt richtiggehend traurig.

Punkten kann RUBBER nur auf technischer Seite. Regisseur Dupieux, der auch für Drehbuch, Musik, Schnitt und die Kameraarbeit verantwortlich zeichnete, hat sich bei letzterer richtig ins Zeug gelegt und seinen Film mit einer Vielzahl an atemberaubenden Bildern und Einstellungen ausgestattet, die man sich gerne als Poster in Großformat an die Wand hängen möchte. Das stimmt ein kleines bisschen versöhnlich und lässt RUBBER nicht zum kompletten Ärgernis werden, die Kameraarbeit hätte aber definitiv einen besseren Film verdient gehabt.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen – wegen der tollen Kameraarbeit – wenigen guten Momenten)!

 

C(R)OOK (Deutschland/Österreich 2004, Regie: Pepe Danquart)

c(r)ook

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

C(R)OOK ist ein deutsch-österreichischer Tarantino-Klon, ein Film mit einer durchgeknallten Geschichte, ebenso durchgeknallten Charakteren, viel schwarzem Humor, schrägen Dialogen, absurden Situationen und all den anderen Spielereien, die man von Filmen dieser Art zur Genüge kennt. In den letzten Jahren sind Filme dieser Art erfreulicherweise etwas rarer geworden, man hat sich an ihnen satt gesehen, sie mögen einfach nicht mehr funktionieren.

C(R)OOK ist nun schon über 10 Jahre alt, damals waren Filme wie dieser noch an der Tagesordnung und zumindest der hier funktioniert auch heute noch – selbst wenn man ihn sich zum ersten Mal anschaut – erstaunlich gut. Das liegt in erster Linie an der großartigen Besetzung. Henry Hübchen als kochender Gangster Oskar und Corinna Harfouch als seine Freundin, die Therapeutin Maria, harmonieren einfach großartig miteinander, Josef Hader ist als Polizist Nowak ebenso in seinem Element wie Moritz Bleibtreu als leicht debiler Gangster Valentin, Roland Düringer als Valentins Sidekick Belmondo ist die absolute Schau und ein Film, in dem eine meiner absoluten deutschen Lieblingsschauspielerinnen, die bezaubernde und leider viel zu selten zu sehende Nadeshda Brennicke, mitwirkt, hat allein schon wegen ihr einen Stein bei mir im Brett. Lediglich den unnötigen Storytwist am Ende hätte es nicht gebraucht, der ist fast schon als ärgerlich zu bezeichnen.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 7 (USA 2011/2012, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Schon ein bisschen komisch, aber HOW I MET YOUR MOTHER gefällt mir mit jeder Staffel ein bisschen besser. Normalerweise ist bei Serien ja eher das Gegenteil der Fall. Auch im mittlerweile siebten Jahr dreht sich natürlich wieder alles um die Freundschaft der Protagonisten und Teds (Josh Radnor) Suche nach der Frau fürs Leben. Was sich bereits in den letzten beiden Staffeln angedeutet hatte, wird nun auch in Season 7 konsequent fortgeführt. Die Haupthandlung steht mehr im Vordergrund, die Episoden scheinen mehr miteinander verbunden zu sein, die extrem lose Erzählweise der ersten vier Staffeln ist nur noch selten vorhanden und in sich abgeschlossene Ereignisse, die früher in einer einzelnen Folge abgehandelt worden wären, finden nun größtenteils über mehrere Episoden statt. Vor allem die seit der vorherigen Staffel immer wieder eingestreuten, nachdenklichen Momente, tun der Serie richtig gut und verleihen den verschiedenen Charakteren auf ihre späten Serientage deutlich mehr Tiefe. In Sachen Gagdichte muss man den Autoren zudem ein ganz großes Kompliment machen. Die ist immer noch extrem hoch und Neil Patrick Harris glänzt in der Rolle des Barney Stinson einmal mehr in praktisch allen 24 Folgen. Er ist noch immer der Hauptgrund, weswegen die Serie so gut funktioniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

MÄNNERHERZEN (Deutschland 2009, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Deutsche Beziehungskomödie, die siebenhundertdreiundzwanzigste. Wobei MÄNNERHERZEN wohl deutlich besser und unterhaltsamer geraten sein dürfte als die meisten der unzähligen anderen Filme dieser Art, die seit dem Erfolg von Wortmanns DER BEWEGTE MANN im Jahr 1994 das Epizentrum des deutschen Kino- und TV-Films darstellen. Zwar gibt es auch hier die typischen Klischee-Figuren zu sehen und auch Til Schweiger gilt es einmal mehr zu ertragen, ansonsten ist Verhoeven da aber schon ein ausgesprochen unterhaltsamer Genrebeitrag gelungen. Das liegt vor allem an der episodenhaften Erzählweise, die für Abwechslung sorgt und die diversen, kleinen Geschichten der verschiedenen Protagonisten lose miteinander verbindet. Und das liegt insbesondere auch an Hauptdarsteller Christian Ulmen (wegen dem ich mir den Film überhaupt angesehen habe), der in seiner Rolle als verklemmter Beamter auf der Suche nach einer Freundin einfach nur zum Schreien komisch ist und alle sonstigen Schwächen des Films locker aufwiegt. Ach ja, Justus von Dohnányi als skurriler Schlagerstar ist auch ziemlich toll.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

SCACCO ALLA REGINA (Deutschland/Italien 1969, Regie: Pasquale Festa Campanile)

scacco alla regina

(Fassung: Blu-ray, Mondo Macabro, USA)

SCACCO ALLA REGINA erzählt die Geschichte der wohlhabenden, jungen Silvia (Haydée Politoff), die sich immer mehr in Tagträumen mit sexuellen Unterwerfungsfantasien verliert und sich dazu entschließt, als persönliche Assistentin der berühmten Schauspielerin Margaret Mevin (Rosanna Schiaffino) anzuheuern. Diese findet die Unterwürfigkeit ihrer neuen Angestellten überaus angenehm und nutzt diese schamlos aus…

Regisseur Pasquale Festa Campanile hat mit SCACCO ALLA REGINA ein Fest für die Sinne geschaffen. Die ausladende Villa der Schauspiel-Diva, die als Location gewählt wurde, ist schlicht atemberaubend, die Einrichtung dieser, mit ihrer Mischung aus 60er-Jahre-Chic und ausufernder Dekadenz (da steht ein mechanisches Pferd (!!!) im Wohnzimmer rum), schlichtweg traumhaft schön, die Wahl der Kostüme einfach zum Niederknien und stellenweise – insbesondere in Silvias Traumsequenzen – meint man, sich nicht in einem Film, sondern auf einem psychedelischen Trip zu befinden. Für Freunde des italienischen Films der 60er und 70er Jahre dürfte SCACCO ALLA REGINA allein aufgrund seines Set Designs schon eine echte Offenbarung darstellen. Die Geschichte rund um Dominanz und Unterwerfung geht in dieser visuellen Pracht fast etwas unter, wobei der Ansatz, den Pasquale Festa Campanile gewählt hat, um den Zuschauer die Begierden Silvias näher zu bringen, durchaus interessant ist. Die Problematik wird nicht exploitativ ausgeschlachtet (was sich sicher angeboten hätte), stattdessen bringt Festa Campanile viel Mitgefühl für seine Figuren auf, entwickelt die Beziehung zwischen Margaret und Silvia auf glaubwürdige Art und Weise und findet schließlich auch ein angemessenes Ende für seinen Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 1

DU ZHAN (aka DRUG WAR) (China/Hongkong 2012, Regie: Johnnie To)

du zhan

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Um der sicheren Todesstrafe zu entgehen, versucht der skrupellose Drogenhändler Timmy Choi (Louis Koo) dem Chefermittler der Polizei, Captain Zhang Lei (Sun Honglei), bei einer Undercover-Operation zu helfen und so die wirklich dicken Fische im Drogengeschäft an Land zu ziehen. Doch Zhang Lei ist sich nicht sicher, ob Choi nicht ein doppeltes Spiel spielt…

Mal wieder ein Ausflug ins asiatische Kino, wird von mir sowieso viel zu selten unternommen. Die Filme von Johnnie To sind im Endeffekt immer ein Bank, da bildet auch DU ZHAN keine Ausnahme. To wählt eine relativ ruhige Erzählweise, baut langsam Spannung auf und platziert dazwischen immer wieder tolle Suspense-Szenen und ebenso staubtrocken wie druckvoll inszenierte Actioneinlagen mit blutigen Shoot-Outs. An die exorbitant hohe Qualität eines FONG JUK (aka EXILED) kommt DU ZHAN zwar nicht ganz heran, als Fan (asiatischen) Actionkinos führt allerdings kein Weg an DU ZHAN vorbei. Anschauen, unbedingt!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THIS IS WHERE I LEAVE YOU (USA 2014, Regie: Shawn Levy)

this is where i leave you

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In THIS IS WHERE I LEAVE YOU muss sich Jason Bateman als Judd Altman – kurz nachdem er seine Frau beim Seitensprung erwischt hatte – auch noch damit auseinandersetzen, dass sein Vater verstorben ist und dieser einen außergewöhnlichen Wunsch hinterlassen hat: Judd und seine drei Geschwister (Tina Fey, Adam Driver, Corey Stoll) sollen für eine Woche in ihr Elternhaus zurückkehren um gemeinsam mit ihrer Mutter (Jane Fonda) Trauerarbeit zu leisten. Es werden, wie der deutsche Titel ausnahmsweise einmal ziemlich treffend umschreibt, sieben verdammt lange Tage…

THIS IS WHERE I LEAVE YOU ist eine dieser kleinen Tragikomödien, wie sie in den letzten Jahren zentnerweise in die Kinos gespült werden. Und wie so viele ähnliche Filme überrascht es nicht wirklich, dass es auch hier keine größeren Überraschungen für das Publikum gibt. Es geht mal wieder um eine gemäßigt dysfunktionale Familie, die durch einen tragischen Schicksalsschlag wieder funktionsfähig gemacht wird. Es geht um das Zurückkehren in die alte Heimatstadt, um die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit und um Auseinandersetzungen, aus denen letztendlich alle in gewisser Weise als Sieger hervorgehen werden. Es gibt den üblichen Alternative- bzw. 80er-Jahre-Soundtrack zu hören (im vorliegenden Fall u.a. Coldplay, Pearl Jam, INXS und Cyndi Lauper), es gibt die übliche Mischung aus komischen und dramatischen Momenten und es gibt natürlich eine routinierte Besetzung (neben Jason Bateman und Tina Fey sind bspw. noch Rose Byrne und Timothy Olyphant mit von der Partie), mit deren Hilfe schauspielerisch nichts groß anbrennen kann. Ich verstehe jeden, der Filme wie diesen hier als langweilig, unspektakulär oder überflüssig empfindet, der diese Art von Kino in den letzten Jahren vielleicht schon zu oft gesehen hat und es langsam aber sich nicht mehr sehen kann. Ich persönlich habe jedoch eine absolute Schwäche für diese Tragikomödien, sie lösen – so vorhersehbar sie auch sein mögen – einfach etwas in mir aus, sorgen für ein wohliges Gefühl in der Magengegend und es bereitet mir immer wieder große Freude, solche Filme anzusehen. Auch THIS IS WHERE I LEAVE YOU macht da keine Ausnahme. Kino zum Wohlfühlen. Schön.

Persönliche Bewertung: Gut!

MILLENNIUM DEL 1 & 2: MÄN SOM HATAR KVINNOR (Dänemark / Deutschland / Norwegen / Schweden 2010, Regie: Niels Arden Oplev)

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(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Bereits im Jahr 2009 kamen die Verfilmungen der Millennium-Trilogie des Autors Stieg Larsson in die Kinos. Die schwedische Produktionsfirma Yellow Bird plante ursprünglich nur den ersten Teil als Kinofilm zu vermarkten, die beiden anderen Filme sollten nur im TV laufen. Der große Erfolg des ersten Films führte schließlich dazu, dass auch die beiden anderen, eigentlich ausschließlich fürs TV produzierten Filme, in die Kinos kamen. Ein Jahr nach dem Kinoeinsatz kam die komplette Trilogie schließlich als Miniserie ins Fernsehen, bei der jeder Film in zwei Episoden geteilt und insgesamt mit einer teils weitaus längeren Laufzeit ausgestattet wurde als die Kinoversionen. Die Kinofilme habe ich damals allesamt nicht gesehen, stattdessen möchte ich mir nun die längeren TV-Fassungen zu Gemüte führen.

MILLENNIUM DEL 1 & 2: MÄN SOM HATAR KVINNOR ist die um knapp 40 Minuten längere Version des ersten Teils, der damals unter dem Titel VERBLENDUNG in den deutschen Kinos lief. MÄN SOM HATAR KVINNOR dient in allerster Linie als Einführung der beiden Hauptfiguren, der von Noomi Rapace gespielten Hackerin Lisbeth Salander und des von Michael Nyqvist gespielten Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, die den Zuschauer auch in den nächsten beiden Filmen bzw. vier Episoden begleiten sollen, und zur langsamen Entwicklung ihrer Beziehung miteinander. Ganz nebenbei hat Regisseur Oplev aber auch noch die Geschichte des zu lösenden Kriminalfalls zu erzählen, mit all seinen überraschenden Wendungen, seinen dubiosen Beteiligten und seinem schockierenden Ende. Und das gelingt ihm auf absolut mitreißende und packende Art und Weise. Die epische Laufzeit von 3 Stunden vergeht praktisch wie im Flug. MÄN SOM HATAR KVINNOR beginnt schon nach wenigen Minuten, den Zuschauer zu fesseln, zu begeistern und einfach nicht mehr loszulassen. Ein großer Verdienst vor allem der durch die Bank vorzüglichen Schauspieler, die ihre Rollen mit Leben füllen und mehr als überzeugend agieren. Hervorzuheben ist dabei insbesondere Noomi Rapace in der Rolle der Lisbeth Salander, die eine wirklich großartige Vorstellung abliefert und der man wohl noch viel länger bei ihrem Schauspiel hätte zusehen können. Meine Vorfreude auf die anderen beiden Filme der Trilogie ist auch wegen ihr ziemlich hoch.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

CHARIOTS OF FIRE (Großbritannien 1981, Regie: Hugh Hudson)

chariots of fire

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Hugh Hudsons Sportdrama erzählt die wahre Geschichte der beiden britischen Sprinter Eric Liddell (Ian Charleson) und Harold Abrahams (Ben Cross), die sich im Jahr 1924 einen Traum erfüllten, bei den Olympischen Spielen teilnahmen und als gesellschaftliche Außenseiter jeweils die Goldmedaille gewinnen konnten.

Im Gegenteil zu den explosiven Sprints, welche die beiden Sportler im Film immer wieder ansetzen, ist CHARIOTS OF FIRE jedoch ziemlich ruhig geraten. Hudsons Film plätschert ohne große Höhepunkte vor sich hin, ist sicher gut gespielt und auch ausgesprochen hübsch inszeniert, hat jedoch über die komplette Laufzeit immer wieder damit zu kämpfen, dass – dies ist dann halt auch den historischen Ereignissen geschuldet, auf die der Film basiert – einfach zu wenig passiert, um den Zuschauer zu echten Begeisterungsstürmen zu bewegen. Dass der Film nach seiner 2-stündigen Laufzeit trotz dieser vermeintlichen Schwäche dennoch ohne größere Längen über die Zielgerade kommt, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass CHARIOTS OF FIRE, je länger er dauert, eine Atmosphäre entwickelt, bei der man sich als Zuschauer einfach wohlfühlt. Man sieht den beiden Kontrahenten gerne beim respektvollen Zweikampf zu, beobachtet sie interessiert beim Trainieren, freut sich mit ihnen über den jeweiligen Triumph und hat Respekt vor ihrer Einstellung, sich nicht durch äußere Einflüsse verbiegen zu lassen. CHARIOTS OF FIRE ist sicher kein strahlender Höhepunkt innerhalb des Genres des Sportfilms (auch wenn er einst den Oscar als “Bester Film“ gewinnen konnte), sehenswert ist Hudsons Film jedoch allemal.

Persönliche Bewertung: Gut!

STRIPPED TO KILL (USA 1987, Regie: Katt Shea)

stripped to kill

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

„STRIPPED TO KILL came out in a very strange way. Katt Shea was an actress who had worked with us, who was very bright and very good and she wanted to direct. And she had directed a little short subjects which I had seen and I thought it was fine. I said: ‚Fine Katt, come up with some sort of an idea. If it’s an idea I like, I’ll back you up in the picture.‘ So she sent me a long detailed treatment of something and I didn’t like it. She than sent me a shorter treatment, anyway, to make the story short, there was a number of treatments and they each got shorter as I turned down each one of them. And finally she would just call me on the phone and tell me in one sentence the idea. She said there has been a murder in a strip club and a police woman detective has to go undercover as a stripper to solve the mystery. I said: ‚Katt, we will make that picture.'“ – mit vorstehenden Worten erinnert sich Roger Corman in einer kurzen Featurette, welche im Bonusmaterial der US-DVD von STRIPPED TO KILL enthalten ist, an die damalige Entstehung des Films. Filmemachen kann so einfach sein.

So simpel wie die Grundidee ist dann auch der Film geraten. In der ersten Stunde interessiert sich Regisseurin Katt Shea nicht wirklich für ihre Geschichte, sondern konzentriert sich eher darauf, ihr geneigtes Zielpublikum mit ausufernden Schauwerten einzulullen. STRIPPED TO KILL besteht zunächst fast ausschließlich aus – teils durchaus aufwendig choreographierten – Stripszenen, die durch einen Hauch von Handlung lose miteinander verbunden werden. Im letzten Drittel kommt die Tittenparade langsam zur Ruhe und stattdessen nimmt der Thrillerplot an Fahrt auf. Plötzlich entwickelt sich tatsächlich so etwas wie Spannung und es gibt sogar einen kleinen Plottwist zu bewundern. Für Corman war STRIPPED TO KILL – das betont er auch in der eingangs genannten Featurette – überraschenderweise so erfolgreich, dass er zwei Jahre später sogar noch eine Fortsetzung drehen ließ, die abermals von Katt Shea inszeniert wurde. Vielleicht erbarmt sich ja ein Label und bringt auch die noch auf DVD raus. Ich würde mir sie ansehen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

THE MAN WITH TWO BRAINS (USA 1983, Regie: Carl Reiner)

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(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In THE MAN WITH TWO BRAINS fällt Steve Martin als Gehirnspezialist Dr. Hfuhruhurr zunächst auf eine fiese Heiratsschwindlerin (Kathleen Turner) herein und verliebt sich schließlich in die bezaubernde Anne Uumellmahaye – die Sache hat nur einen Haken: Anne ist ein Gehirn in einem Einmachglas (dem Sissy Spacek in der Originalfassung ihre Stimme geliehen hat) mit dem der liebestrunkene Arzt telepathisch kommuniziert und für das er fortan versucht, einen geeigneten Körper zu finden…

Reiners Film lässt sich vielleicht am besten mit den Komödien eines Mel Brooks oder des unwiderstehlichen Trios David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker vergleichen. Mit Filmen, in denen die verrücktesten und absurdesten Situationen mit größter Selbstverständlichkeit zur Normalität erklärt werden und die vor obskuren Witzen und herrlicher Situationskomik fast überquellen zu scheinen. THE MAN WITH TWO BRAINS ist ein Paradebeispiel für diese besondere Art von Humor und Steve Martin – der in vielen seiner Filme ja auch immer vollen Körpereinsatz zeigt und ein wahrer Meister des sich Verrenkens und Grimasse Schneidens ist – ist als Dr. Hfuhruhurr (allein dieser Name!!!) hier natürlich absolut in seinem Element. THE MAN WITH TWO BRAINS ist mit seiner Mischung aus Mad-Scientist-Geschichte und Love-Story einfach zum Schreien komisch. Martin zieht alle Register seines Könnens, es gibt eigentlich keinen Gag, der nicht zündet und würde man versuchen, Reiners Film mit einem Wort zu beschreiben, so wäre “irrsinnig“ vielleicht die beste Wahl.

THE MAN WITH TWO BRAINS gehört zu den Filmen, mit denen ich als Jugendlicher praktisch aufgewachsen bin und natürlich neigt man dann dazu, solche Filme, bei einem späteren Wiedersehen dann in gewisser Weise nostalgisch zu verklären. THE MAN WITH TWO BRAINS benötigt keine nostalgische Verklärung, er ist einfach klasse.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MILLENNIUM DEL 3 & 4: FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN (Dänemark / Deutschland / Schweden 2010, Regie: Daniel Alfredson)

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(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Ging es im Vorgänger noch um Missbrauch und das Auffinden eines vor langer Zeit spurlos verschwundenen Mädchens, wird Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) im Mittelteil der MILLENNIUM-Trilogie nun mit einer sich rund um Menschenhandel und Zwangsprostitution drehenden Story konfrontiert, die es zu veröffentlichen gilt. Als im Wege der Recherchen sowohl der junge Reporter Dag (Hans Christian Thulin) und dessen Freundin Mia (Jennie Silfverhjelm), als auch der Anwalt Bjurmann (Peter Andersson) ermordet aufgefunden werden, gerät die seit einem Jahr untergetauchte Lisbeth Salander (Noomi Rapace) ins Visier der Polizei. Beim ermordeten Anwalt handelte es sich um ihren gesetzlichen Betreuer, alle drei Opfer wurden mit derselben Waffe erschossen und auf dieser befanden sich Lisbeths Fingerabdrücke…

Auch FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN überzeugt durch eine ausgeklügelte Story, die auf ausgesprochen spannende Art und Weise präsentiert wird und den Zuschauer sehr schnell in ihren Bann zieht. Auch hier vergeht die insgesamt 3-stündige Laufzeit der beiden Teile wie im Flug und Regisseur Daniel Alfredson hat natürlich den großen Vorteil, dass er seine Hauptcharaktere nicht erst noch einführen muss – dies hat sein Kollege Niels Arden Oplev ja bereits in MÄN SOM HATAR KVINNOR erledigt – und sich stattdessen unmittelbar in den neuen Fall stürzen kann. Und doch ist FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN etwas schwächer als der hervorragende Vorgänger ausgefallen, was jedoch einfach der literarischen Vorlage geschuldet ist. Das Zusammenspiel der beiden Charaktere Blomkvist und Salander, das den ganz großen Reiz von MÄN SOM HATAR KVINNOR ausgemacht hatte, ist in FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN praktisch nicht vorhanden. Die die beiden Hauptfiguren betreffenden Erzählstränge laufen nebeneinander ab – Blomkvist versucht zu beweisen, dass Lisbeth unschuldig ist, gleichzeitig hält sich Lisbeth vor der Polizei versteckt und versucht ebenfalls, ihre Unschuld zu beweisen – und es gibt so gut wie keine Szene, in der Michael Nyqvist als Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth gemeinsam im Bild zu sehen sind. Das fand ich zwar etwas schade, an der Tatsache, dass Regisseur Daniel Alfredson hier trotzdem richtig, richtig gutes Fernsehen abgeliefert hat, ändert natürlich auch dieser vermeintliche Makel nichts.

Die von mir angesehene TV-Fassung läuft übrigens gut 1 Stunde länger als die Version, die damals unter dem Titel VERDAMMNIS in den deutschen Kinos gelaufen ist. Beim Vorgänger fehlten in der Kinofassung gegenüber der TV-Fassung “nur“ knapp 40 Minuten. Ich persönlich möchte keine Minute der Langfassungen missen und will gar nicht wissen, was da alles rausgeschnitten werden musste, um die Filme auf Kinolänge zu kürzen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

ALI (USA 2001, Regie: Michael Mann)

ali

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Mit ALI hat sich Regisseur Michael Mann einem relativ kurzen Zeitraum – von 1964-1974 – in der Biographie des Boxchampions Muhammad Ali vorgeknöpft und präsentiert dem Zuschauer zwar ziemlich unkritisches, aber dafür umso größeres Kino auf einer epischen Länge von 150 Minuten. ALI ist bis in die kleinste Nebenrolle schlicht phantastisch besetzt – neben Will Smith in der Hauptrolle überzeugen u.a. Jamie Foxx, Jon Voight, Mario Van Peebles, Jada Pinkett Smith, Bruce McGill, LeVar Burton (um nur einige zu nennen) in ihren Rollen allesamt auf ganzer Linie – und überzeugt neben der schauspielerischen Seite auch in technischer Hinsicht vollkommen. Die Handschrift von Action- und Thrillerspezialist Michael Mann ist auch in dieser Sportbiographie unverkennbar, Kameramann Emmanuel Lubezki taucht den Film in wunderschöne Bilder, die Inszenierung und Choreographie der Boxkämpfe ist unheimlich dynamisch und schlichtweg atemberaubend und der Score von Pieter Bourke und Lisa Gerrard sorgt im Zusammenspiel mit der tollen Songauswahl immer wieder für eine verträumt-melancholische Atmosphäre. Großes Kino!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

„You Are Now About To Witness The Strength of Street Knowledge“ or The Power Of Black Cinema

HE GOT GAME (USA 1998, Regie: Spike Lee)he got game

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Die große Herausforderung, die HE GOT GAME an den Zuschauer stellt, ist es zunächst, die doch etwas arg hanebüchene Ausgangssituation – dem wegen Mord an seiner Frau einsitzenden Jake Shuttlesworth (Denzel Washington) wird Hafterlass in Aussicht gestellt, wenn es ihm innerhalb einer Woche gelingt, seinen hochtalentierten Sohn Jesus (Ray Allen), der von Basketball-Scouts aus dem ganzen Land gejagt wird, davon zu überzeugen, sich für das Lieblingsteam des für Jake zuständigen Gouverneurs zu entscheiden – zu akzeptieren und dann im weiteren Verlauf auch möglichst großzügig über diverse Klischees hinwegzusehen, die so ein Plot rund um eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung halt einfach so mit sich bringt.

Sollte man als Zuschauer diese Hürde meistern – mir ist das ziemlich problemlos gelungen -, wird man letztendlich mit einem überzeugend gespielten und richtig gut besetzten – neben Denzel Washington sind u.a. Milla Jovovich, Rosario Dawson, Ned Beatty und John Turturro mit von der Partie, auf Schauspielerseite brennt hier also schon mal gar nichts an – Sportdrama belohnt, welches jetzt vielleicht nicht unbedingt durch seinen Hauptplot vollends überzeugen kann, das mich aber in anderen Bereichen ziemlich begeistert hat. Insbesondere diesen Nebenkriegsschauplatz rund um die diversen Universitäten, Sportagenten und Profiteams, welche sich allesamt die Dienste des Jahrhunderttalents sichern wollen, bringt Spike Lee, der auch das Drehbuch verfasste, absolut überzeugend rüber und die verschiedenen Reaktionen des von Ray Allen gespielten Jesus auf diese ganzen Dinge, die da im Verlauf des Films auf ihn hereinprasseln, könnten nicht viel authentischer wirken als sie hier dargestellt sind. In Sachen Charakterentwicklung kann man Spike Lee nun wirklich gar keine Vorwürfe machen.

Positiv hervorheben möchte ich auch noch den mit Songs von Public Enemy veredelten Soundtrack und die diversen Stilmittel und technischen Spielereien, mit denen Lee hier operiert – teilweise wird in Rückblenden erzählt, in manchen Schlüsselszenen erstrahlt der von Ray Allen gespielte Jesus in einem gleißend hellen Licht, usw. -, sorgen die doch über die relativ üppige Laufzeit von gut 130 Minuten immer wieder für Abwechslung und Kurzweil.

Und ganz zum Abschluss – die holde Damenwelt möge mir verzeihen – muss ich aus rein voyeuristischen Gründen einfach noch anmerken, dass man(n) einen Film, der sowohl die blanken Brüste von Milla Jovovich als auch die üppige Oberweite von Rosario Dawson in ihrer vollen Pracht präsentiert, schon allein aufgrund dieser Tatsache gar nicht negativ bewerten kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

STRAIGHT OUTTA COMPTON (USA 2015, Regie: F. Gary Gray)

straight outta compton

(Fassung: O-Ton-Vorstellung, Central-Kino, Hof/Saale)

Vorab ein großes Dankeschön ans Central-Kino in Hof, die tatsächlich ab und zu mal Filme im Originalton zeigen und es mir als O-Ton-Fetischisten somit ermöglichen, immer mal wieder einen aktuellen Film im Kino zu sehen und nicht ausschließlich auf die Heimkinoveröffentlichung warten zu müssen. Und dann auch noch STRAIGT OUTTA COMPTON, der Film, auf den ich mich in diesem Kalenderjahr wohl am meisten gefreut habe.

Regisseur F. Gary Gray erzählt mit seinem Film die Geschichte von N.W.A., den Pionieren des Gangsta Rap, und versucht dabei, dem Zuschauer einen möglichst vollständigen Einblick in das Innenleben der Gruppe und ihrer verschiedenen Mitglieder zu geben. STRAIGHT OUTTA COMPTON, der u.a. von Ice Cube und Dr. Dre mitproduziert wurde, kommt dann auch sehr authentisch rüber und katapultiert den Rap-affinen Zuschauer zurück in die späten 80er bzw. frühen 90er Jahre, in denen der Sound von N.W.A. und der diversen Epigonen, welche die Gruppe hervorgebracht hatte, ein ganzes Musikgenre definierte.

Der größte Coup des Films ist die Besetzung der drei Hauptprotagonisten. Vor allem O’Shea Jackson Jr., der seinen eigenen Vater Ice Cube spielt, sieht dem jungen Ice Cube tatsächlich wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich, aber auch Corey Hawkins als Dr. Dre und Jason Mitchell als Eazy-E sind einfach nur perfekt gecastet. Insbesondere in den Konzertsequenzen – der Skandal-Auftritt in Detroit, der wegen dem Song „Fuck tha Police“ abgebrochen werden musste und in dessen Folge die Musiker verhaftet wurden, zählt zu einem der absoluten Highlights des Films – könnte man manchmal meinen, dass da tatsächlich die echten N.W.A. auf der Bühne stehen.

Aber STRAIGHT OUTTA COMPTON hat auch ein kleines Problem, denn Regisseur F. Gary Gray – und insbesondere wohl auch Ice Cube und Dr. Dre – wollten mit dem Film vielleicht etwas zu viel. Die Geschichte von N.W.A. und auch die Geschichte der sich nach dem Auflösen der Gruppe entwickelten Soloprojekte scheint fast schon zu penibel nacherzählt zu sein und so läuft STRAIGT OUTTA COMPTON vor Informationen fast über. Das hat zwar den positiven Effekt, dass es einem als Zuschauer während der knapp 150-minütigen Laufzeit nie langweilig wird, führt allerdings auch dazu, dass Grays Film stellenweise regelrecht gehetzt rüberkommt und elementare Hintergrundgeräusche – wie bspw. die Aufstände in Los Angeles nach dem Rodney-King-Vorfall im Jahr 1991 -, die ich im Gesamtzusammenhang als durchaus wichtig erachte und die ja auch Auslöser der unbändigen Wut der Musiker und ihrer Hörer auf das System waren (und auch heute noch sind), nur kurz gestreift werden können.

Weiterhin problematisch sehe ich die Darstellung der Ereignisse, die zum Split von N.W.A. führten, der Zeit, in der sich – anfangs nur Ice Cube, später auch Dr. Dre – mit Eazy-E vorübergehend überwarfen und das gegenseitige Gedisse startete. Die Versöhnung fand damals zwar kurze Zeit später statt, aus der geplanten Reunion wurde jedoch nichts mehr, da Eazy-E bekanntlich im Jahr 1995 an AIDS starb. Gray ist zwar sichtlich bemüht, diese Zeit möglichst neutral darzustellen, am Ende des Tages sollte man als kritischer Zuschauer jedoch im Hinterkopf behalten, dass der tote Eazy-E seine Sicht der Dinge nicht mehr darlegen konnte und das hier Gezeigte somit verständlicherweise eher der Sicht von Ice Cube und Dr. Dre entsprechen dürfte.

Es mit einem Film wie diesem hier allen bzw. möglichst vielen recht zu machen und dem doch durchaus komplexen Thema halbwegs gerecht zu werden ist jedoch ein Kunststück, welches erst mal vollbracht werden muss. Die Geschichte von N.W.A. als Gangsta-Rap-Pioniere, die individuelle Geschichte jedes einzelnen Bandmitglieds, alles nach Möglichkeit noch im großen Kontext der gesellschaftspolitischen Ereignisse von damals – man hätte STRAIGT OUTTA COMPTON wohl auch als Miniserie drehen können. Vor diesem Hintergrund finde ich persönlich, dass F. Gary Gray seine Sache hier richtig, richtig gut gemacht hat. Und spätestens wenn dann kurz vor dem Abspann diverse Archivbilder und Archivaufnahmen von damals eingeblendet werden, dürfte wohl jeder, der ein Faible für diesen klassischen Rap und Hip-Hop der damaligen Zeit hat, mit einer fetten Gänsehaut in den Abspann entlassen werden.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

MENACE II SOCIETY (USA 1993, Regie: Albert Hughes/Allen Hughes)

menace ii society

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), Warner/New Line, USA)

Als John Singleton im Jahr 1991 mit BOYZ N THE HOOD einen Film über die Perspektivlosigkeit schwarzer Jugendlicher in South Central, LA, drehte, war dies eine der Initialzündungen für eine neue Welle von Filmen des “Black Cinema“, in denen dunkelhäutige Protagonisten im Zentrum verschiedenster Genres standen.

Auch MENACE II SOCIETY gehört zu den Nachfolgefilmen von BOYZ N THE HOOD, und der Debütfilm der beiden Brüder Albert und Allen Hughes schließt auch thematisch an BOYZ N THE HOOD an. Erzählt wird die Geschichte der beiden Freunde Caine (Tyrin Turner) und O-Dog (Larenz Tate), die im Problemviertel Watts in Los Angeles aufgewachsen sind, keinerlei Perspektive haben und deren Alltag von Drogen und Gewalt beherrscht wird. War bereits BOYZ N THE HOOD nur schwer verdaulich, setzen die Hughes Brüder mit MENACE II SOCIETY noch mal einen drauf. Hier gibt es wirklich keinerlei Hoffnung mehr, das Leben in Watts ist nicht mehr als ein Überleben, aus dem aus Drogen und Verbrechen bestehenden Sumpf gibt es kein Entrinnen und die Spirale von Gewalt und Gegengewalt dreht sich immer und immer weiter. Hatte Singleton seinen Zuschauern zwei Jahre zuvor zumindest noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gewährt, gönnen die Hughes Brüder ihrem Publikum keinerlei Lichtblicke, keinerlei Hoffnung. Die Perspektive, am Ende des Films doch aus Watts herauszukommen und ein neues Leben zu starten, endet im Kugelhagel. Verdammt schwere Kost und richtig großes Kino!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

HUSTLE & FLOW (USA 2005, Regie: Craig Brewer)

hustle & flow

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Djay (Terrence Howard) lebt in Memphis und hält sich mit kleineren Dealereien und Zuhälterei über Wasser. Sein großes Vorbild ist der Rapper Skinny Black (Ludacris), den er zumindest von früher noch vom Sehen kennt und der den Absprung aus Memphis geschafft hat und nun auf eine erfolgreiche Karriere im Musikbusiness blicken kann. Auch Djay träumt davon, ein großer Rap-Star zu werden und als er eines Tages seinen alten Schulfreund Key (Anthony Anderson), einen Toningenieur, wieder trifft und sich mit diesem zusammentut, scheint er seinem Traum zumindest ein klitzekleines Stück näher kommen zu können. Denn Skinny Black hat einen Besuch in seiner alten Heimat angekündigt und Djay möchte bis zu diesem Zeitpunkt ein brauchbares Demotape aufnehmen, um mit diesem Skinny zu beeindrucken…

Regisseur Craig Brewer gelingt es, mit HUSTLE & FLOW ein überzeugendes, authentisch wirkendes und eindringliches Portrait eines Mannes zu schaffen, der an einem Punkt in seinem Lebens angekommen ist, an dem ihm klar wird, dass es so nicht mehr weitergehen kann und der nun mit aller Kraft – und der Hilfe seines Umfelds – versucht, die Kurve zu kriegen und wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Terrence Howard als Djay ist schlichtweg grandios, die diversen Aufnahmesessions im selbstgebauten Studio von einer unglaublichen Intensität und welche Energie der eigentlich recht ruhig erzählte Film auf den Zuschauer überträgt, ist wirklich beeindruckend. Man glaubt, mit Djay in diesem kleinen Raum zu sitzen – die schwüle Hitze Tennessees, die der Film ausstrahlt, ist regelrecht zu spüren – und möchte ihm einfach nur alle Daumen drücken, dass sein Song tatsächlich Gehör findet und er seinen Weg erfolgreich zu Ende gehen kann. Ob er dies tatsächlich schaffen wird? Schaut euch den Film an, es lohnt sich.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BLACK CAESAR (USA 1973, Regie: Larry Cohen)

black caesar

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Die Blaxploitation-Variante diverser Mafia- und Gangsterfilme. Bezeichnenderweise läuft Hauptdarsteller Fred Williamson dann auch im Film in einer Szene an einem Kino vorbei, in dem gerade THE GODFATHER läuft. Anders als in diesem Genre üblich, steht Regisseur Larry Cohen jedoch keine üppige Laufzeit nahe der 3-Stunden-Marke zur Verfügung. Die blutgetränkte Geschichte vom Aufstieg des kleinen Gangsters Tommy Gibbs (Fred Williamson) zum schwarzen Paten von New York samt des anschließenden, tiefen Falls mitten hinein in die Gosse muss in exakt 90 Minuten erzählt sein und so legt BLACK CAESAR von Beginn an ein beachtliches Tempo vor. Für eine echte Entwicklung von Geschichte und Charakteren bleibt dabei wenig Zeit, Cohen springt immer wieder in der Zeit nach vorne und gewährt dem Zuschauer dabei eigentlich immer nur auszugsweise Einblicke in den Verlauf der zweifelhaften Karriere seiner Hauptfigur. BLACK CAESAR überzeugt somit vor allem durch sein hohes Erzähltempo, seine zahlreichen Gewaltspitzen, die den Zuschauer immer wieder heftig ins Mark treffen, sein einfach unbezahlbares Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der frühen 70er Jahre und nicht zuletzt auch durch den phantastischen Soundtrack von James Brown, der Gibbs’ Geschichte mit grandiosen Songs veredelt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HELL UP IN HARLEM (USA 1973, Regie: Larry Cohen)

hell up in harlem

(Fassung: DVD, MGM, USA)

Der im Februar 1973 gestartete BLACK CAESAR war tatsächlich so erfolgreich, dass auf schnellstem Weg ein Sequel nachgeschoben werden musste um die Cashcow weiter zu melken. Das Kind hört auf den Namen HELL UP IN HARLEM und kam bereits im Dezember 1973 in die Kinos.

HELL UP IN HARLEM schließt handlungstechnisch unmittelbar an den Vorgänger an. In der aus TV-Serien bekannten “Was bisher geschah“-Manier wird in den ersten Minuten des Films das Schlussdrittel des Vorgängers durch einen Zusammenschnitt entsprechender Sequenzen noch einmal kurz zusammengefasst und dann geht es auch schon in die Vollen. Um die Geschichte überhaupt weitererzählen zu können, musste jedoch noch kurz die Schlussszene aus BLACK CAESAR – nach der man eigentlich davon ausgehen musste, dass der von Williamson gespielte Tommy Gibbs nicht überlebt haben dürfte – unter den Teppich gekehrt werden. Gibbs wird in der Fortsetzung nun schwerverletzt von seinem Vater gerettet, schmiedet bereits im Krankenhaus erste Pläne und beginnt gemeinsam mit seinem Vater und den ihn verbliebenen Vertrauten zuerst einen Rachefeldzug gegen seine Widersacher und baut danach sein Imperium wieder auf.

Noch mehr als der Vorgänger springt HELL UP IN HARLEM im Plot regelrecht von einem Höhepunkt zum anderen. Cohens Film ist im Endeffekt nur noch eine Aneinanderreihung diverser Schauwerte und es fällt ziemlich schwer, in diesem anarchischen Chaos (wer hat nun warum eigentlich mit wem so alles ein Problem?) auch nur halbwegs den Überblick zu behalten. Dem enorm hohen Spaß- und Unterhaltungsfaktor des Films schadet dies allerdings nicht wirklich und bedenkt man, dass die Produktionsbedingungen von HELL UP IN HARLEM alles andere als rosig gewesen sind und der Film größtenteils gedreht wurde ohne dass sich Hauptdarsteller Fred Williamson überhaupt am Set befand – die Trivia-Abteilung der IMDB weiß dazu folgendes zu berichten: „Due to the success of BLACK CAESAR, AIP wanted a sequel. Unfortunately, Fred Williamson was filming THAT MAN BOLT during the week from Monday to Friday, and director Larry Cohen was busy making IT’S ALIVE, but they made this sequel concurrently by filming the majority of it on weekends. Larry Cohen filmed some of the scenes with the same crew and equipment as IT’S ALIVE, and due to Fred Williamson’s other commitments he had to make most of the film with a stand-in, Williamson himself only really appearing in the close-ups. The close-ups were filmed in LA, where Williamson was based, and the rest of the film was shot on location in New York.“ – kann man vor dem endgültigen Film eigentlich fast nur noch anerkennend seinen Hut ziehen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

HIGHER LEARNING (USA 1995, Regie: John Singleton)

higher learning

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

In seinem dritten Spielfilm beschäftigt sich BOYZ N THE HOOD-Regisseur John Singleton mit Rassismus im Alltag und verlegt die Bandenkriege seines Erstlingswerks auf den Campus einer Universität. Hier treffen Menschen mit verschiedenen Hautfarben, Religionen, politischen Einstellungen und sexuellen Vorlieben aufeinander und müssten einfach nur versuchen, irgendwie miteinander auszukommen. Doch fehlende Toleranz und zu viele Vorurteile auf allen Seiten verhindern dies. Bis es am Ende schließlich zur Katastrophe kommt.

Vielleicht ist HIGHER LEARNING zu klischeehaft, zu überzeichnet, zu übertrieben oberlehrerhaft und vielleicht führt das alles auch dazu, dass Singletons Grundaussage – sich von Vorurteilen zu befreien, tolerant zu sein, auf seine Mitmenschen zuzugehen – in dieser Klischeehaftigkeit etwas unterzugehen droht. Aber die Botschaft ist da. Sie steht im Raum. Und sie ist heute, 20 Jahre nach Erscheinen des Films, in einer Zeit, in der hier in Deutschland wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen, in der allerorts lauthals rassistische Parolen verbreitet werden können und in der das Wort Menschlichkeit für viele eine Fremdwort zu sein scheint, vielleicht wichtiger wie nie zuvor.

Und wenn es – ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Träumer – ein Film wie HIGHER LEARNING vielleicht tatsächlich schafft, den einen oder anderen Menschen, der ideologisch auf der Kippe steht, zum Umdenken zu bewegen, hat er schon verdammt viel geleistet und man kann Singleton einfach nur dankbar sein für diesen Film.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DO THE RIGHT THING (USA 1989, Regie: Spike Lee)

do the right thing

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Es ist einer der heißesten Tage des Sommers und in einem kleinen Straßenzug in Brooklyn, New York, entwickelt sich aus zunächst nur kleinen Sticheleien und Auseinandersetzungen eine große Katastrophe.

Regisseur Spike Lee konfrontiert seinen Zuschauer mit einer Geschichte, die rund um das Thema Alltagsrassismus kreist. DO THE RIGHT THING ist fein beobachtet, klug erzählt und von wahrlich bedrückender Atmosphäre. Die Hitze in den Straßen von Brooklyn ist regelrecht zu spüren und die ganz eigene Farbgebung des Films – DO THE RIGHT THING ist praktisch über die komplette Laufzeit in satten Rot-, Gelb- und Orange-Tönen gehalten – tut ihr übriges, um den Zuschauer regelrecht ins Schwitzen zu bringen. Der Titel des Films ist im Endeffekt natürlich Programm und als Aufforderung an den Zuschauer zu verstehen, verdammt noch mal das Richtige zu tun und nicht – wie praktisch alle Figuren im Film – immer nur das Falsche.

DO THE RIGHT THING endet mit Zitaten von Martin Luther King Jr. und Malcolm X. Und bereits mit diesem ersten Zitat von Martin Luther King Jr. ist im Endeffekt alles gesagt: „Violence as a way of achieving racial justice is both impractical and immoral. It is impractical because it is a descending spiral ending in destruction for all. The old law of an eye for an eye leaves everybody blind. It is immoral because it seeks to humiliate the opponent rather than win his understanding; it seeks to annihilate rather than to convert. Violence is immoral because it thrives on hatred rather than love. It destroys a community and makes brotherhood impossible. It leaves society in monologue rather than dialogue. Violence ends by defeating itself. It creates bitterness in the survivors and brutality in the destroyers.“

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

NOTORIOUS (USA 2009, Regie: George Tillman Jr.)

notorious

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), 20th Century Fox, Deutschland)

Regisseur George Tillman Jr. erzählt mit NOTORIOUS die Geschichte von Christopher Wallace, der in Brooklyn aufwächst, schon jung mit dem Gesetz in Konflikt kommt und nach einem Aufenthalt im Gefängnis sein Glück als Rapper versucht. Aus Christopher Wallace wird The Notorious B.I.G., einer der größten Rapstars seiner Zeit und eine der tragischsten Figuren der Rapmusik der 90er Jahre. Er und Tupac Shakur waren die prominenten Opfer im Konflikt der beiden Plattenfirmen Death Row Records aus L.A. und Bad Boy Records aus New York. Beide wurden jeweils von Unbekannten erschossen. Tupac wurde 25, B.I.G. gerade mal 24 Jahre alt.

NOTORIOUS kümmert sich in allererster Linie um den Aufstieg des Titelcharakters, um seine Beziehungen mit den Rap- und R&B-Künstlerinnen Lil’ Kim und Faith Evans und versucht den Menschen hinter dem Mythos darzustellen. Natürlich hält auch der Konflikt zwischen East Coast und West Coast und seine tödlichen Folgen Einzug in den Film, dieser wird jedoch ausschließlich aus der Sicht der Entourage rund um The Notorious B.I.G. geschildert – wenig verwunderlich, Sean Combs (aka Puff Daddy), seines Zeichens Gründer des Labels Bad Boys Records und Produzent von B.I.G., wirkte als ausführender Produzent bei NOTORIOUS mit -, was dazu führt, dass ausgerechnet die Darstellung dieses Konflikts den Schwachpunkt des Films ausmacht, da er nur von einer Seite aus beleuchtet wird. Das ist etwas schade, da dies doch einen gewissen Schatten über einen eigentlich ganz vorzüglichen Film wirft. Denn insbesondere aufgrund der hervorragenden Leistung von Jamal Woolard in der Rolle des B.I.G. ist NOTORIOUS zumindest für Fans dieser Art von Musik unbedingt sehenswert. Alle anderen lassen lieber die Finger von dem Film.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

CORNBREAD, EARL AND ME (USA 1975, Regie: Joseph Manduke)

cornbread, earl and me

(Fassung: DVD, MGM, USA)

CORNBREAD, EARL AND ME ist zunächst mal ein Beweis dafür, dass während dieser Hochzeit des Black Cinema in den 70er Jahren nicht nur Action-, Thriller- und Exploitation-Filme produziert worden sind, sondern durchaus auch ernsthafte Dramen das Licht der Leinwände erblickten.

In Mandukes Film geht es um zwei Polizisten, die auf der Jagd nach einem Verbrecher versehentlich den Falschen erschießen, um verschiedene Zeugen, u.a. einen kleinen Jungen, die die Wahrheit kennen und um die Behörden, die diese Wahrheit verheimlichen wollen und versuchen, alle Zeugen mundtot zu machen. CORNBREAD, EARL AND ME ist fesselnd und eindringlich erzählt, die verschiedenen Charaktere werden sorgfältig entwickelt und auch wenn in einer solchen Geschichte in der Konstellation der Figuren wohl nicht alle Klischees vermieden werden können, so gelingt es Regisseur Joseph Manduke doch ganz vorzüglich, die Handlungen aller Personen nachvollziehbar und glaubwürdig darzustellen.

CORNBREAD, EARL AND ME ist in seiner Intensität ein beeindruckender Film, der einen als Zuschauer einfach nicht mehr loslässt und einen gebannt auf ein halbwegs gutes Ende hoffen lässt, er ist ein Plädoyer für Zivilcourage und Gerechtigkeit. Und er ist ein Film, der einen heutigen Hollywood-Star in seinem allerersten Leinwandauftritt zeigt, gleich in einer Hauptrolle und gleich mit einer wirklich umwerfenden Leistung. Denn der kleine Junge, der alles beobachtet hatte und das Zünglein an der Waage spielen kann ist: Laurence Fishburne, im zarten Alter von 13 Jahren.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!