The Movies of January 2017

In den letzten Monaten hatte ich leider weder die Zeit noch die Muse, diesen Blog hier weiterzuführen. Um ihn nicht komplett einschlafen zu lassen, gibt es nun – so zumindest der Plan – immer am Monatsende eine kleine Rückschau auf meinen persönlichen Filmmonat mit ein paar losen Gedanken zu den gesehenen Filmen.

 

Im Januar 2017 stachen für mich insbesondere 4 Filme heraus, die ich allesamt als herausragend bezeichnen möchte:

hell-or-high-water

Mein persönliches Filmhighlight im Januar war HELL OR HIGH WATER (USA 2016, Regie: David Mackenzie), in dem Ben Foster und Chris Pine als Brüderpaar im ländlichen Texas Banken ausrauben um mit dem erbeuteten Geld den Familienbesitz in Form einer Farm zu retten. Alles geht gut, bis die beiden zu unvorsichtig werden und sich mit Jeff Bridges ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger an ihre Fersen heftet, der als letzte Amtshandlung die Bankräuber unbedingt zur Strecke bringen will.

Der Film lebt von seinen drei phantastischen Hauptdarstellern, seiner tollen Kameraarbeit, seinem wundervollen Score von Nick Cave und Warren Ellis, seiner behutsam die Spannungsschraube immer mehr anziehenden Geschichte und seiner ungemein intensiven Atmosphäre.

 

RAMPART (USA 2011, Regie: Oren Moverman), in dem Woody Harrelson einen dreckigen Cop spielt, der ins Visier der Abteilung für Innere Angelegenheiten gerät, war der zweitbeste Film, den ich im Januar gesehen habe.

Ein ungemein intensiv und glaubwürdig gespieltes Cop-Drama, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Am Ende des Tages machen dann wohl doch die Schauspieler den Unterschied zwischen herausragenden, sehr guten, guten, durchschnittlichen und eher schlechten Filmen aus. In RAMPART spielen neben Woody Harrelson u.a. Robin Wright, Ned Beatty, Sigourney Weaver, Steve Buscemi, Anne Heche, Cynthia Nixon, Brie Larson, Ben Foster, Robert Wisdom und Ice Cube mit. Noch Fragen?

 

Platz 3 des persönlichen Januarrankings geht an SING STREET (Großbritannien / Irland / USA 2016, Regie: John Carney), in dem sich ein Teenager im Dublin der 80er Jahre Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt und kurzerhand eine Band gründet, um die Angebetete für sich zu gewinnen.

Nach ONCE und BEGIN AGAIN spielt auch im dritten Film von Regisseur John Carney die Musik bzw. die Liebe zur Musik die heimliche Hauptrolle. Wer insbesondere mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich bei diesem Film von Beginn an einfach nur wohl fühlen. Der Soundtrack ist göttlich und für seine Geschichte findet Carney genau die richtige Balance zwischen tragischen und komischen Momenten.

 

Beim vierten hervorragenden Film des vergangenen Monats handelt es sich um BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua), der die Geschichten dreier verschiedener Polizisten in den Straßen von Brooklyn erzählt.

Ethan Hawke versucht dabei während teils waghalsiger Einsätze schmutziges Geld auf die Seite zu schaffen, um seiner Familie ein besseres Leben zu bieten, Richard Gere ist als desillusionierter Polizist kurz vor dem Ruhestand zu sehen, der lieber mal in die andere Richtung schaut um jeglichen Ärger kurz vor der Pensionierung aus dem Weg zu gehen und Don Cheadle ist der Undercover-Cop, bei dem die Grenzen zwischen Dienstpflicht und den Verlockungen des organisierten Verbrechens langsam zu verschwimmen drohen.

Erwartungsgemäß nicht ganz ohne Klischees auskommend lässt Regisseur Fuqua seine drei parallel und teils extrem ruhig erzählten Handlungsstränge unaufhaltsam auf ein Finale zulaufen, welches an Intensität kaum zu überbieten ist.

 

 

Sehr gut gefallen haben mir folgende Filme:

Den Anfang macht FEDORA (Deutschland / Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder), in dem William Holden als klammer Filmproduzent versucht, eine zurückgezogen lebende Filmdiva aus vergangenen Tagen ausfindig zu machen und diese zu einem Comeback zu überreden. Dabei stößt er auf einige Geheimnisse.

Knapp 30 Jahre nach seinem Meisterwerk SUNSET BLVD. griff Billy Wilder mit FEDORA noch einmal das Thema Traumfabrik auf und besetzte seinen Film abermals mit William Holden in der männlichen Hauptrolle, der sich erneut mit einer alternden Filmdiva herumschlagen musste. Hier nun allerdings mit umgekehrten Voraussetzungen. Sollte Holden knapp 30 Jahre zuvor noch für die Diva arbeiten, versucht er nun eine solche davon zu überzeugen, für ihn vor die Kamera zurückzukehren. Natürlich kommt man nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen und fast zwangsläufig muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass FEDORA in diesem Vergleich nur als zweiter Sieger hervorgehen kann. Die große Klasse eines SUNSET BLVD. erreicht der Film leider nie, was aber natürlich nichts daran ändert, dass es sich auch bei Wilders vorletzter Regiearbeit um einen sehr guten Film handelt. Wegen seiner überzeugenden Schauspieler, wegen des südländischen Flairs, das er verbreitet, wegen seines Mystery-Touchs und nicht zuletzt, weil er diese unausweichliche Problematik der Showbranche, mit dem Alter nicht klar zu kommen und alles für die ewige Jugend zu tun, ausgesprochen überzeugend auf die Leinwand bringt.

 

Ein sehr guter Film ist auch ZOOTOPIA (USA 2016, Regie: Byron Howard / Rich Moore / Jared Bush) aus dem Hause Disney/Pixar geworden, in dem ein Kaninchen allen Widerständen zum Trotz seinen Traum verwirklicht und als Polizeibeamtin Furore macht.

Besonders zu erwähnen ist, dass ZOOTOPIA einfach auf der richtigen Seite steht und seinem jungen Zielpublikum auf einfache Art und Weise eine positive und zutiefst humanitäre Botschaft vermittelt. Und das nicht mit dem Vorschlaghammer oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf ausgesprochen rasante, spannende und lustige Art und Weise.

 

Sehr gut und komplett außergewöhnlich ist THE LOBSTER (Frankreich / Griechenland / Großbritannien / Irland / Niederlande 2015, Regie: Yorgos Lanthimos) geraten, in dessen nicht allzu fernen Zukunft alleinstehende Menschen in ein Hotel gebeten werden, in dem sie 45 Tage Zeit haben, um einen neuen Partner fürs Leben zu finden, andernfalls werden sie in ein Tier verwandelt. Zu den Betroffenen gehört auch Colin Farrell, der in einen Hummer verwandelt werden soll und kurz vor Ablauf seiner Zeit verzweifelt nach Alternativen sucht.

Stellenweise ist THE LOBSTER zwar vielleicht etwas zu bemüht skurril geraten, insgesamt betrachtet stellt diese krude Mischung aus Komik, Spannung und Dramatik aber eine willkommene Abwechslung zum üblichen Mainstream-Einheitsbrei dar, begeistert zudem mit teils atemberaubend schönen Kameraeinstellungen und einem Colin Farrell in Höchstform in einer für ihn ausgesprochen ungewöhnlichen Rolle.

 

Das Prädikat “sehr gut“ hat sich auch LE GENDARME DE SAINT-TROPEZ (Frankreich / Italien 1964, Regie: Jean Girault) verdient, der Auftaktfilm der Gendarm-Reihe mit Louis de Funès, in dem er von einem beschaulichen kleinen Ort, den er mit eiserner Faust regiert hatte, ins weltoffene Saint Tropez versetzt wird und dort allerhand Chaos anrichtet.

Neben de Funès, der mal wieder voll in seinem Element ist, möchte ich hier unbedingt noch die bezaubernde Geneviève Grad in der Rolle seiner Tochter erwähnen, die ihre Sache als ebenso charmanter wie attraktiver Gegenpol zum cholerischen Hauptdarsteller richtig gut macht und so dafür sorgt, dass Giraults Film nicht zur kompletten Ein-Mann-Show verkommt.

 

Mit THE RAVEN (USA 1935, Regie: Lew Landers) habe ich mich ins klassische Gruselkino der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begeben. Bela Lugosi spielt einen genialen Chirurgen, den die nicht erwiderte Liebe einer jungen Frau zu drastischen Taten animiert.

Als Gegenpart zu Lugosi ist mal wieder Boris Karloff mit von der Partie, die Atmosphäre ist unheimlich und das Finale hat es tatsächlich ziemlich in sich. Für Fans solcher Filme gibt’s ‘ne ganz dicke Empfehlung.

 

 

Zwar nicht mehr sehr gut, aber doch immer noch gut haben mir folgende Filme gefallen:

THE VISIT (USA 2015, Regie: M. Night Shyamalan) erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares, welches zum ersten Mal in seinem Leben für eine Woche zu Besuch bei seinen Großeltern ist und schon bald mit außerordentlich seltsamen Verhaltensweisen der Großeltern konfrontiert wird.

Eigenwillige Kameraperspektiven – der komplette Film ist im Doku-Look gedreht -, obskurer Humor mit teils urkomischen Sequenzen und dann auch immer wieder eine Atmosphäre des Unbehagens. Shyamalan macht sich mal wieder einen Spaß daraus, das 08/15-Blockbuster-Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Auf seine ganz eigene Art und Weise schon irgendwie ein diebischer Spaß, dieser Film.

 

Bud Spencer ist der titelgebende BANANA JOE (Deutschland / Italien 1982, Regie: Steno), dessen unbekümmerter Bananenhandel von finsteren Burschen torpediert wird, denen er für ein geplantes Großprojekt ein Dorn im Auge ist. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, wird eine Erlaubnis benötigt. Und diese zu beschaffen ist komplizierter als gedacht.

Ich habe mir schon in den ganzen letzten Monaten immer mal wieder Filme mit Bud Spencer angesehen und musste dabei feststellen, dass so richtig gut eigentlich nur die Filme funktioniert haben, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Der Nostalgiefaktor halt. Stenos Film kannte ich vorher auch noch nicht und der hat trotzdem funktioniert. Denn wie Bud Spencer hier in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben wird ist über weite Strecken einfach nur zum Schreien komisch.

 

In TAKE THIS WALTZ (Japan / Kanada / Spanien 2011, Regie: Sarah Polley) lässt sich Michelle Williams auf eine Affäre mit ihrem Nachbarn ein und betrügt dabei ihren Ehemann Seth Rogen.

Durchaus glaubwürdige und einfühlsame Geschichte einer Ehe, in die sich zu viel Routine eingeschlichen hat. Gut an dem Film ist vor allem die Tatsache, dass der Plot einen für Filme dieser Art eher untypischen Verlauf nimmt. Schön auch zu sehen, dass Seth Rogen weitaus mehr kann als nur den Pausenclown zu spielen. Als betrogener und komplett hilfloser Ehemann macht er seine Sache aber mal richtig gut.

 

In CENTRAL INTELLIGENCE (USA 2016, Regie: Rawson Marshall Thurber) trifft Kevin Hart, der ehemalige Star seiner Highschool, kurz vor der 20-Jahr-Feier auf seinen ehemaligen Mitschüler Dwayne Johnson, dem einst pummeligen Außenseiter, der ihn um einen Gefallen bittet, was für Hart bleihaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Ja, doch, mein Faible für Filme, in denen ein Normalo aufgrund Verkettung unglücklicher Ereignisse in einen gehörigen Schlamassel gerät und praktisch über sich hinauswachsen muss, um diesem wieder zu entkommen, kann ich definitiv nicht verleugnen. CENTRAL INTELLIGENCE schlägt genau in diese Kerbe, fügt dem ganzen noch einen Schuss Buddy-Movie-Theatralik hinzu und hat mich auf diese Weise richtig gut unterhalten. Thurber hat seinen Film rasant inszeniert, eine Vielzahl der Gags funktioniert, die vorhandenen Actionszenen sind ausgesprochen nett anzusehen und die Chemie zwischen Hart und Johnson passt wie die Faust aufs Auge. Guter Film!

 

In seinem zweiten Auftritt als Polizist verschlägt es Louis de Funès in LE GENDARME À NEW YORK (Frankreich / Italien 1965, Regie: Jean Girault) nach New York, wo er mit seinem Vorgesetzten und seinen Männern an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt und schon schnell mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sich seine Tochter verbotenerweise ebenfalls mit in die amerikanische Metropole geschmuggelt hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist dieser zweite Teil für meinen Geschmack etwas arg episodenhaft geraten und wirkt weitaus weniger homogen als der Auftaktfilm der Reihe. Diebischen Spaß macht dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen de Funès und seiner erneut bezaubernden Filmtochter Geneviève Grad natürlich trotzdem und die eine oder andere Länge, die sich da ab und zu einzuschmuggeln droht, wird von de Funès und seinen unnachahmlichen Grimassen immer und immer wieder zuverlässig übertüncht.

 

Jean-Claude Van Damme versucht in MAXIMUM RISK (USA 1996, Regie: Ringo Lam) den Mord an seinem Zwillingsbruder aufzuklären.

Ein Film, über den man keine großen Worte verlieren muss. Ringo Lam präsentiert routinierte 90er-Jahre-Action. Der Film ist rasant, spannend und wird nie langweilig. Kino dieser Art wird heutzutage leider viel zu selten gedreht.

 

Bei RENEGADES (USA 1989, Regie: Jack Sholder), in dem sich Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips als ungleiches Gespann zusammenraufen müssen um einen skrupellosen Killer zur Strecke zu bringen, handelt es sich um grundsolide und schnörkellose Action aus den späten 80er Jahren.

Die beiden Hauptdarsteller gehörten damals zu den großen Hoffungsträgern ihrer Schauspielergeneration und geben in der kurzweiligen Mischung aus Jagd/Flucht- und Racheszenario, in der der damals im Actionfilm schon langsam obligatorisch werdende Humor erfreulicherweise noch fast gänzlich abwesend ist, ein überzeugendes Gespann auf der Jagd nach einem herrlich schmierigen Bösewicht. Das Ganze ist zwar nicht übermäßig spannend geraten, Fans solcher Filme dürfen sich dafür aber an ein paar spektakulären Verfolgungsjagden und jeder Menge blutiger Shoot-Outs erfreuen.

 

Auf seine Weise gut war auch noch UNBROKEN (USA 2014, Regie: Angelina Jolie), der die wahre Geschichte des Mittelstreckenläufers Louis Zamperini erzählt, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Der immer wieder schwierige Spagat, ein so ernsthaftes Thema wie den 2. Weltkrieg in einen Film zu packen, der am Ende des Tages seine Zuschauer ja auch irgendwie fesseln und unterhalten soll, gelingt Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit zwar nicht immer, eindrucksvoll gefilmt und toll gespielt ist UNBROKEN aber trotzdem. Hin und wieder schleichen sich etwas zu viele Längen ein und vielleicht hätte dem Film eine etwas kürzere Laufzeit gut getan, aber da Filme gegen das “Vergessen“ gerade in der heutigen Zeit mehr als wichtig sind, möchte ich auch für UNBROKEN eine Empfehlung aussprechen.

 

Den Abschluss der guten Filme dieses Monats macht SUOR OMICIDI (Italien 1979, Regie: Giulio Berruti), in dem Anita Ekberg eine Nonne spielt, die in einer Klinik immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, während in ihrem direkten Umfeld die Todesfälle rapide zunehmen.

Der wie alle seine Genrekollegen angeblich auf Geheimakten aus dem Vatikan basierende Film wälzt sich – auch das hat er mit praktisch allen Vertretern des Nunsploitation-Films gemein – genüsslich in diversen Geschmacklosigkeiten und möchte auf diese Weise natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch die Verlogenheit der katholischen Kirche als Institution anprangern, die sich einfach mal kurz über alle weltlichen Gesetze stellt und Unpässlichkeiten wie die im Film dargestellten einfach auf ihre eigene Art und Weise zu lösen versucht. Dass dies nicht immer funktioniert zeigt der kleine Twist am Ende des Films, den aufmerksame Filmeschauer natürlich schon ein gutes Stück vorher erahnen können. SUOR OMICIDI überzeugt mit ein bisschen Spannung, einem netten Mystery-Touch und jeder Menge Sleaze und sei jedem Freund des unterschlagenen Kinos an dieser Stelle zur bedenkenlosen Sichtung empfohlen.

 

 

Nicht mehr richtig gut, aber immerhin noch unterhaltsam waren:

An der Spitze der noch unterhaltsamen Filme des vergangenen Monats steht THE PURGE: ELECTION YEAR (Frankreich / USA 2016, Regie: James DeMonaco), der mittlerweile dritte Teil rund um diese eine Nacht in den USA, in der alle Verbrechen – inklusive Mord – legal sind. Die im dritten Teil behandelte Nacht fällt mitten hinein in den Wahlkampf und die regierende Rechte versucht durch die Aufhebung aller Regeln ihre politische Gegnerin loszuwerden.

Regisseur James DeMonaco, der bereits die ersten beiden Teile realisierte, verlässt mit dem dritten Film nun endgültig den Bereich des Home-Invasion- und Horror-Films und wendet sich mit dem hier gezeigten Jagd/Flucht-Szenario praktisch fast ausschließlich dem Actionfilm zu. Was dem Film im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern vielleicht an Wahnsinn und Spannung fehlen mag, macht er dafür mit einem irren Erzähltempo und überzeugenden Actionszenen wieder wett. Und nach der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident hat man als Zuschauer bei der Sichtung dieses Films doch ein mulmiges Gefühl. So überzeichnet diese dystopische Zukunftsvision auch sein mag, spätestens seit dem 20.01.2017 leben wir alle in einer dystopischen Realität.

 

In höchstem Maße unterhaltsam war auch BASTILLE DAY (Frankreich / Großbritannien / USA 2016, Regie: James Watkins), in dem ein Taschendieb ins Visier der CIA gerät, nachdem er versehentlich eine Bombenexplosion verursacht hatte.

Das hier ist sicher kein Film, der das Rad neu erfindet, aber er erzählt seine Geschichte auf ausgesprochen rasante und wendungsreiche Art und Weise, hat einige tolle Actionsequenzen zu bieten und mit Idris Elba als kompromisslosen CIA-Agenten einen Star in der Hauptrolle, der den Film trägt und vor lauter Coolness nur so strotzt.

 

Heutige Zuschauer dürften für einen Film wie PROJECT MOON BASE (USA 1953, Regie: Richard Talmadge), in dem sich ein russischer Spion in einen bemannten Raumflug der Amerikaner schmuggelt um die erste Raumstation der USA zu zerstören, wohl nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig haben. Hohn und Spott dürfte sich ergießen über die etwas hölzerne Geschichte, die teils unbeholfen wirkenden Schauspieler, die putzigen Kostüme und die nie so wirklich passenden Größenverhältnisse der zum Einsatz kommenden Modelle. Auf mich wirkt das jedoch alles ungemein anziehend, Filme wie dieser verzaubern mich immer wieder mit ihrem kindlich-naivem Charme und dem nicht wegzuleugnenden Enthusiasmus, mit dem damals alle Beteiligten am Werke gewesen sein dürften. Und die Geschichte stammt immerhin aus der Feder von Robert A. Heinlein, der u.a. auch die Romanvorlage für Verhoevens STARSHIP TROOPERS lieferte.

 

Aus der Ära der klassischen Universal-Grusler der 30er Jahre stammt – ebenso wie der weiten oben bereits angesprochene THE RAVEN – THE INVISIBLE RAY (USA 1936, Regie: Lambert Hillyer), der einmal mehr Boris Karloff und Bela Lugosi vor der Kamera vereint. Die Entdeckung eines neuen Elements auf einer wissenschaftlichen Expedition in Afrika hat hier durchaus verheerende Konsequenzen, was allerdings nicht unbedingt dazu führt, dass man sich als Zuschauer vor lauter Anspannung auf den Fingernägeln kauen müsste. Normalerweise weisen Filme wie dieser hier eine Laufzeit von ca. 60, maximal 70 Minuten auf; Hillyers Film dauert geschlagene 80 Minuten und diese für Horrorfilme der damaligen Zeit extrem üppige Laufzeit steht dem Gelingen des Films leider etwas im Weg. Es schleichen sich doch einige Längen ein und Spannung und Atmosphäre entwickelt sich eigentlich erst in den letzten 20 Minuten. Nett anzusehen und durchaus unterhaltsam ist THE INVISIBLE RAY natürlich dennoch geraten.

 

RIDE ALONG (USA 2014, Regie: Tim Story) und die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip gestrickte Fortsetzung RIDE ALONG 2 (USA 2016, Regie: Tim Story), in denen sich Ice Cube als tougher Cop mit dem hyperaktiven Kevin Hart herumschlagen muss.

Regisseur Tim Story versucht sich in seinen Buddy Movies an einer typischen Mischung aus Klamauk und Action. Als Feierabendsnack durchaus brauchbar, Qualitätskino sieht jedoch komplett anders aus. Sonderlob gibt es für den Soundtrack-Einsatz des genialen „Sound of da Police“ von KRS-One in beiden Filmen (in der Fortsetzung leider nur im Abspann).

 

Ebenfalls noch unterhaltsam, aber fast noch einen Tick uninteressanter geraten ist MECHANIC: RESURRECTION (Frankreich / USA 2016, Regie: Dennis Gansel), in dem Profikiller Jason Statham drei Auftragsmorde ausführen muss, um Jessica Alba ihren hübschen Hintern zu retten.

Der zweite Auftragsmord mit dem Swimming Pool bleibt im Gedächtnis, vielleicht auch noch das Hinterteil von Jessica Alba. Ansonsten verblasst das Erinnerungsvermögen an den Film bereits während des Abspanns.

 

Und dass es dann tatsächlich noch egaler geht beweist X-MEN: APOCALYPSE (USA 2016, Regie: Bryan Singer), der in 2,5 Stunden Bombast und Effekte ohne Ende auffährt und dabei auch nichts anderes macht, als diese Gute-Mutanten-gegen-böse-Mutanten-Geschichte abermals durch den sprichwörtlichen Fleischwolf zu drehen. Ja, das ist schon alles nett anzusehen und ja, auch diesem Film ist ein gewisser Unterhaltungswert sicher nicht abzusprechen, mich persönlich langweilt dieser Superheldenkram jedoch von Film zu Film mehr und ich sollte irgendwann mal dieses zwanghafte Verhalten einstellen, mir diese ganzen doofen Superhelden-Blockbuster ansehen zu wollen.

 

Nicht mal mehr als unterhaltsam sondern als ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit habe ich HIGH-RISE (Belgien / Großbritannien 2015, Regie: Ben Wheatley) empfunden, in dem Tom Hiddleston einen Mediziner spielt, der in ein futuristisches Hochhaus mit unzähligen Apartmenteinheiten zieht um dort Anonymität zu genießen und stattdessen in einen Strudel aus Dekadenz, Wahnsinn und Gewalt gerissen wird.

Filme wie dieser hier bekommen von mir immer das Gütesiegel “naja“ verpasst und reihen sich qualitativ irgendwo zwischen Filmen ein, die ich als noch unterhaltsam empfunden habe und solchen, die in meinen Augen einfach nur mies gewesen sind. Das Problem an HIGH-RISE ist, dass diese dystopische Klassenkampfthematik mit ihren ganzen dysfunktionalen Beziehungen einfach nur erschreckend oberflächlich und inhaltsleer daherkommt. Natürlich ist der Film komplett “over the top“, aber die unzähligen Provokationen erscheinen selbstzweckhaft, die Figuren sind allesamt komplett uninteressant und bleiben einem als Zuschauer einfach nur egal. Da gibt es keinen einzigen Charakter, zu dem man auch nur den Hauch einer Bindung aufbauen könnte. Das ist alles ziemlich schade, denn rein handwerklich gibt es an Wheatleys Film nicht wirklich viel auszusetzen. Kameraarbeit, Bildkomposition und Farbgebung möchte ich gar als exzellent bezeichnen und die Szene, in der die Portishead-Version des ABBA-Klassikers “SOS“ ertönt, geht definitiv als Paradebeispiel für perfekte Musikauswahl durch.

 

Und nun zum Bodensatz filmischen Schaffens:

Die Gurke des Monats geht an CRIMINAL (Großbritannien / USA 2016, Regie: Ariel Vromen), in dem Kevin Costner einen nicht zur Empathie fähigen Killer spielt, dem die Erinnerungen eines getöteten Agenten in das Gehirn verpflanzt werden und der daraufhin zur Begierde verschiedener Interessengruppen wird.

Ok, die größte Leistung des Films besteht dann am Ende des Tages halt doch darin, es hinzubekommen, offensichtlich vorhandenes Talent – neben Kevin Costner spielen u.a. Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Ryan Reynolds und Gal Gadot mit – so komplett zu vergeuden. Die unfassbar hanebüchene Ausgangssituation entwickelt sich zu einer konfusen, uninteressanten, nervigen und stinklangweiligen Geschichte, die praktisch zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Zur 45-Minuten-Marke gibt es mal eine hübsche Kameraeinstellung (von oben herab in ein Treppenhaus gefilmt) und den Song im Abspann fand ich ganz nett. Ansonsten ist CRIMINAL einfach nur grottenschlechter und schier unerträglicher Rotz. Einer der beschissensten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Enough said…

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Juni 2016: Beitrag Nr. 1

HIGH SCHOOL CAESAR (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

high school caesar

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ähnlich wie der kurze Zeit zuvor gesehene HIGH SCHOOL BIG SHOT handelt es sich auch bei HIGH SCHOOL CAESAR um einen typischen Vertreter des Juvenile-Delinquent- bzw. High-School-Films aus der damaligen Zeit. Im direkten Vergleich zu Rapps Film fällt vor allem auf, dass Regisseur O’Dale Ireland definitiv ein höheres Budget zur Verfügung gehabt haben dürfte. Die Settings sind nicht ganz so trist und trostlos geraten, die Schauspieler scheinen talentierter und mit der Sequenz des illegalen Autorennens und der anschließenden Verfolgungsjagd hat HIGH SCHOOL CAESAR sogar so etwas wie echtes Spektakel zu bieten. Was diesem Film hier jedoch fehlt und was ja in gewisser Weise das Salz in der Suppe solcher Filme ist, ist dieser gewisse Hauch von Wahnsinn, dieser Mut, dem Zuschauer mit etwas zu konfrontieren, an das sich dieser auch noch ein bisschen länger zurückerinnern kann. Die komplett obskure Handlung aus HIGH SCHOOL BIG SHOT wird sicher eine Zeit in meinem Gedächtnis bleiben, bei Irelands Film hier bin ich mir nicht so sicher.

In HIGH SCHOOL CAESAR dreht sich alles um den ebenso reichen wie verwöhnten Matt Stevens (John Ashley), der gemeinsam mit seinen Freunden versucht, die Macht an seiner Schule an sich zu reißen. Mit Schutzgelderpressung, das Verkaufen von geklauten Tests und einer getürkten Wahl, die ihm das Amt des Schülersprechers einbringt, versucht Matt seinen Einfluss ständig zu vergrößern, muss sich dabei aber auch mit einer Handvoll Widersachern rumärgern. HIGH SCHOOL CAESAR verläuft sehr konventionell und komplett harmlos, die Geschichte hält praktisch keine Überraschungen parat und es ist natürlich schon sehr schnell klar, wie die ganze Angelegenheit ausgehen wird und dass dieses Ende für den unsympathischen Bully der Schule kein positives sein wird. So ist Irelands Film zwar durchaus nett anzusehen und zum sinnlosen Totschlagen von Zeit sicher gut geeignet, so etwas wie Begeisterung oder auch nur gesteigertes Interesse beim Zuschauer zu wecken, gelingt HIGH SCHOOL CAESAR jedoch zu praktisch keinem Zeitpunkt.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

SNAKE EYES (Kanada / USA 1998, Regie: Brian De Palma)

snake eyes

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

Nicolas Cage spielt den Cop Rick Santoro, der wegen eines Boxkampfes in Atlantic City Zeuge eines Attentats auf den US-Verteidigungsminister wird. Gemeinsam mit dessen Sicherheitschef Kevin Dunne (Gary Sinise), gleichzeitig einer seiner ältesten und besten Freunde, versucht Santoro noch vor Ort den Fall zu lösen und landet mitten in einer typischen Verschwörung…

Als SNAKE EYES im Jahr 1998 in die Kinos kam befand sich Nicolas Cage gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Regisseur Brian De Palma hatte zuvor den Mega-Blockbuster MISSION: IMPOSSIBLE gedreht – eigentlich beste Voraussetzungen für einen ganz großen Erfolg und am Ende des Tages war SNAKE EYES mit einem Budget von 69 Mio. Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von knapp über 100 Mio. Dollar natürlich auch kein Verlustgeschäft für die Macher, so wirklich begeistert waren Publikum und Kritik damals jedoch nicht. In gewisser Weise durchaus nachvollziehbar, denn nach einer mehr als beeindruckenden Sequenz zum Auftakt, die über 12 Minuten ohne einen Schnitt auskommt und in der De Palma alle wichtigen Charaktere vorstellt, und der anfangs noch ausgesprochen spannend begonnenen Auflösung des Rätsels – mit Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven setzt sich das Puzzle langsam zusammen -, muss ich doch feststellen, dass SNAKE EYES nach etwas über der Hälfte der Laufzeit doch langsam die Puste auszugehen scheint und auch die Spannung mehr und mehr nachlässt. Da helfen dann auch ein wahrlich entfesselt aufspielender Nicolas Cage und alle formalen Kniffe des Regisseurs nicht mehr wirklich weiter.

Im Lauf der Jahre habe ich fast alle Filme von Brian De Palma gesehen und zähle ihn zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Innerhalb seiner Filmographie gehört SNAKE EYES für mich zu seinen wenigen, etwas schwächeren Werken, wobei an dieser Stelle natürlich unbedingt klargestellt werden muss, dass es sich auch bei einem schwächeren Film von Brian De Palma immer noch um einen guten Film handelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE NICE GUYS (USA 2016, Regie: Shane Black)

the nice guys

(Fassung: Savoy Kino Hamburg, O-Ton-Vorstellung)

Wenn ich schon mal die Gelegenheit habe, mir einen aktuellen Film im Kino im O-Ton anzusehen, dann muss ich diese natürlich auch wahrnehmen. So nun geschehen mit THE NICE GUYS, den in anlässlich eines Kurzaufenthalts in Hamburg im wirklich wunderschönen Savoy-Kino in der dortigen Bahnhofsgegend genießen konnte…

Im Mittelpunkt des Films stehen die gänzlich unterschiedlichen Privatdetektive Jackson Healy (Russell Crowe) und Holland March (Ryan Gosling), die im Los Angeles der späten 70er Jahre beide auf der Suche nach einer verschwundenen jungen Frau sind, sich zu einer eher unfreiwilligen Zweckgemeinschaft zusammenfinden und  mitten in eine Verschwörung hineingeraten, in der es u.a. auch um den mysteriösen Selbstmord eines Pornostarlets geht…

THE NICE GUYS ist nach KISS KISS BANG BANG aus dem Jahr 2005 und IRON MAN THREE aus dem Jahr 2013 die erst dritte Regiearbeit von Shane Black, der – obwohl er lediglich eine relativ übersichtliche Filmographie auf den Seiten vor oder hinter der Kamera aufweisen kann – allerdings schon knapp 30 Jahre im Geschäft ist, nennenswert erstmals im Jahr 1987 in Erscheinung trat und damals als Drehbuchautor eines Films mit dem Titel LETHAL WEAPON maßgeblich dazu beitragen sollte, dass sich das Actionkino nachhaltig verändern sollte. Ob man ihn dafür nun eher lieben oder eher hassen soll, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn man also weiß, dass Shane Black einer der Männer gewesen ist, die dafür verantwortlich zeichneten, dass das Actionkino mittlerweile ohne Humor und gespielter Coolness nicht mehr vorstellbar zu sein scheint, dürfte man sich nicht wundern, dass es auch in THE NICE GUYS vornehmlich um Klamauk und Albernheiten im spektakulären Gewand geht. Die Story von der Suche nach der verschwundenen Frau, von der Verschwörung, die die beiden plötzlich aufdecken, ist im Endeffekt nicht viel mehr als ein MacGuffin, der dazu verwendet wird, die beiden Protagonisten in möglichst viele absurde Situationen zu bringen, aus denen sie sich möglichst witzig und cool zu befreien haben. Wer mit dieser Art von Kino also nichts oder nicht sonderlich viel anzufangen weiß, sollte wohl lieber die Finger von THE NICE GUYS lassen. Wer sich darauf einlassen kann und will, wird dafür mit einem unglaublich unterhaltsamen Film bewohnt, der von zwei herrlich aufgelegten Hauptdarstellern dominiert wird, die sich die Gags gegenseitig zuspielen und mit Sicherheit jede Menge Spaß beim Dreh gehabt haben dürften. Zudem ist die Zeichnung des L.A. der späten 70er Jahre unglaublich glaubwürdig und authentisch geraten und allein diese unfassbar geile und dekadente Partysequenz – incl. eines Einhorns und hinter Glas im Pool schwimmenden Meerjungfrauen – rechtfertigt für Freunde hübscher Schauwerte allein schon die Sichtung des Films.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER (Deutschland 1962, Regie: Werner Klingler)

das geheimnis der schwarzen koffer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg der Edgar-Wallace-Verfilmungen der Rialto, die seit 1959 die Zuschauer in Scharen in die Kinos lockten, sicherte sich der umtriebige Produzent Artur Brauner die Rechte an den Romanen von Wallaces Sohn und startete mit seiner Produktionsschmiede CCC im Jahr 1962 mit DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER eine Reihe von Bryan-Edgar-Wallace-Filmen, die sich natürlich stilistisch an den Vorbildern der Rialto orientierten.

In DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER muss sich Joachim Hansen als Inspektor Robert Finch mit einer geheimnisvollen und mysteriösen Mordserie auseinandersetzen, deren Rätsel nach einigen kruden Wendungen – auch das kennt man aus den Wallace-Filmen – am Ende natürlich aufgeklärt wird. Lust auf die weiteren Filme dieser Reihe macht dieser Auftakt jedoch nicht wirklich. Das liegt zu großen Teilen an der Tatsache, dass die Geschichte einfach nicht sonderlich spannend geraten ist und über die komplette Laufzeit etwas ziellos vor sich hinplätschert und den Zuschauer eher sanft in den Schlaf wiegt als in gebannt vor dem Bildschirm zu fesseln. Es liegt aber auch an Hauptdarsteller Joachim Hansen, dem einfach das Charisma der Ermittler der großen Vorbilder fehlt, und an Chris Howland als “comic relief“, der eine etwas armselige Eddi-Arent-Kopie abgibt. Positiv zu erwähnen wäre Senta Berger als “love interest“ und das Schlussdrittel des Films, in dem es Regisseur Werner Klingler dann auch endlich gelingt, so etwas wie Spannung und Atmosphäre zu erzeugen und zumindest ein kleines bisschen Wallace-Feeling aufkommen zu lassen.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE DELTA FORCE (Israel / USA 1986, Regie: Menahem Golan)

the delta force

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Chuck Norris ist Major Scott McCoy, der seinen Job bei der militärischen Spezialeinheit Delta Force eigentlich hingeschmissen hatte, aufgrund einer Flugzeugentführung durch palästinensische Terroristen aber dann doch wieder den Kampfanzug anzieht und natürlich den Tag rettet.

THE DELTA FORCE ist ein Paradebeispiel für das komplett humorbefreite Actionkino der 80er Jahre, für Filme, in denen es nur Gut und Böse gab, keinerlei fließende Grenzen vorhanden waren und die mit ihrer ultrareaktionären Agenda eigentlich jedem normal denkenden Menschen den Angstschweiß auf die Stirn treiben sollten, da durchaus zu befürchten ist, dass es den Machern mit der Botschaft, die Filme wie THE DELTA FORCE in die Welt sendeten, durchaus ernst gewesen sein dürfte. Was ihn von anderen Genrevertretern unterscheidet ist seine schon fast epische Länge von etwas über 2 Stunden und die Tatsache, dass die erste der beiden Stunden auf höchste manipulative Weise dazu genutzt wird, menschliche Tragödien in schwülstiger Musik entstehen zu lassen, natürlich nur, damit das fröhliche Action-Massaker in der zweiten Hälfte entsprechend gerechtfertigt werden kann.

Wenn man wie ich mit Filmen dieser Art aufgewachsen ist, sie sich als Jugendlicher aufgrund der meist immer spektakulären Actionszenen reingezogen hat und nie so wirklich auf den Gedanken gekommen ist, das Gezeigte in irgendeiner Weise zu hinterfragen, ist man bei einem Wiedersehen mit Filmen wie THE DELTA FORCE einfach nur hin- und hergerissen. Der Verstand sendet zwar die richtigen Signale, das Herz jedoch schwelgt in purer Nostalgie und zu behaupten, man würde hier nicht für gut 2 Stunden eine richtig gute Zeit mit dem Film haben, wäre natürlich glatt gelogen. Ich werde Kino dieser Art immer lieben, kann und will Filme wie THE DELTA FORCE eigentlich gar nicht so ernst nehmen, dass ich sie kritisch hinterfragen müsste und stehe einfach dazu, dass es mitunter nichts Schöneres gibt als für 2 Stunden in eine Welt zu flüchten, in der man einfach mal jegliche politische Korrektheit an der Garderobe abgeben kann um sich von Knallern wie THE DELTA FORCE einfach nur ganz vorzüglich unterhalten zu lassen. Deswegen muss man sich ja noch lange nicht mit der transportierten Botschaft identifizieren (was für mein Verständnis auch komplett unmöglich wäre).

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BISTURI, LA MAFIA BIANCA (Italien 1973, Regie: Luigi Zampa)

bisturi, la mafia bianca

(Fassung: DVD, filmArt, Deutschland)

In BISTURI, LA MAFIA BIANCA dreht sich alles um die Machenschaften in der Privatklinik des angesehenen Chirurgen Prof. Vallotti (Gabriele Ferzetti), der das dysfunktionale Gesundheitssystem im Italien der 70er Jahre gnadenlos ausnutzt um seine Taschen zu füllen. Um seine außergewöhnliche Stellung beizubehalten ist Vallotti dabei zu allem bereit. Kunstfehler und sonstige Schlampereien werden professionell vertuscht, nicht mehr zu heilende Patienten mit Medikamenten kurz aufgepäppelt und danach entlassen, damit die Klinik ja keine Todesfälle zu vermelden hat. Die einzigen, die sich trauen, Vallotti so etwas wie Paroli zu bieten, sind der desillusionierte Arzt Dr. Giordani (Enrico Maria Salerno) und die engagierte Krankenschwester Maria (Senta Berger)…

BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ein Paradebeispiel des gesellschaftskritischen Kinos aus Italien in den 70er Jahren. Zu sagen, dass das Drama von Regisseur Luigi Zampa den Finger in die sprichwörtliche Wunde legen würde, wäre noch milde ausgedrückt. Zampa legt den Finger auf die Wunde und sticht dann mit aller Kraft hinein. Der Film ist eine Anklage gegen ein Gesundheitssystem, welches nur den Reichen und Mächtigen nützt, ein Aufruf für eine dringend benötigte Gesundheitsreform (die dann ein paar Jahre später tatsächlich kommen sollte) und so ganz nebenbei auch noch ein überaus spannend – und in den nicht wenigen Operationsszenen auch enorm unangenehm – anzusehendes Beispiel einer gelungenen Mischung aus Drama und Thriller. BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ernstes, schwer verdauliches und mitunter vielleicht auch etwas sperrig wirkendes Kino aus Italien, von dem alle, die lediglich nach leichter Unterhaltung suchen, wohl lieber die Finger lassen sollten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE WALK (USA 2015, Regie: Robert Zemeckis)

the walk

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Regisseur Robert Zemeckis entführt den Zuschauer zunächst ins Paris und im weiteren Verlauf dann ins New York der 70er Jahre und erzählt die wahre Geschichte des Hochseilartisten Philippe Petit (toll: Joseph Gordon-Levitt), dem es im August des Jahrs 1974 in einer illegalen Nacht- und Nebelaktion mit diversen Helfern gelang, ein Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers zu spannen, nur um anschließend in schwindelerregender Höhe über dieses Drahtseil zu balancieren…

Was einen als Zuschauer an THE WALK sehr schnell einnimmt, ist diese ungemein sympathische, federleichte und auch irgendwie beschwingte Inszenierung. THE WALK ist ein Film, von dem man sich sofort mitreißen lässt, von dem man sich treiben lassen will und der es insbesondere im letzten Drittel schafft, Spannung zu erzeugen, wo eigentlich gar keine Spannung mehr entstehen dürfte, da aufgrund der wahren Tatsachen, auf denen THE WALK beruht, sein Ausgang ja bereits bekannt ist. Um diese Spannung aufzubauen bedient sich Robert Zemeckis in seiner Inszenierung bei alten Heist Movies – nur dass hier eben keine Bank oder ähnliches überfallen, sondern “lediglich“ ein Drahtseil gespannt werden soll – und das funktioniert, auch dank der überzeugend agierenden Darsteller und der authentischen Darstellung der beiden Weltstädte zur damaligen Zeit, wirklich ausgesprochen gut. Vielleicht wirkt THE WALK streckenweise etwas zu selbstverliebt (wenn man den Ausdruck so verwenden mag), etwas zu unkritisch der geplanten Aktion und seinem sicher auch streitbaren Protagonisten gegenüber, vielleicht an manchen Stellen vor dem Schlussdrittel des Films auch einfach ein bisschen zu langatmig, wirklichen Schaden können diese vermeintlichen Schwächen dieser Liebeserklärung an das Leben, den Mut, die Stadt New York und ihr einstiges Wahrzeichen allerdings nicht zufügen. Und die 3D-Effekte, die Zemeckis insbesondere während des Drahtseilakts auffährt, sind der absolute Hammer.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE (Deutschland 1970, Regie: Wolfgang Staudte)

die herren mit der weißen weste

(Fassung: Blu-ray, Pidax, Deutschland)

Regisseur Wolfgang Staudte lässt in DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE eine Gruppe von rüstigen Rentnern und Pensionären auf Mario Adorf los, der als gewiefter Gauner Dandy Stiegler nach einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA nach Berlin zurückkehrt um dort mit seinen Komplizen (u.a. Herbert Fux) und seiner Geliebten Susan (Hannelore Elsner) ein ganz großes Ding zu drehen, jedoch nicht ahnt, dass der mittlerweile pensionierte Oberlandesgerichtsrat Zänker (Martin Held) einen ausgeklügelten Plan ausgeheckt hat, um ihm endlich das Handwerk zu legen. Zu seiner aktiven Zeit ist Zänker das nie gelungen und nun versucht er gemeinsam mit seinen sich ebenfalls bereits im Ruhestand befindlichen Freunden (u.a. Rudolf Schündler und Heinz Erhardt), Dandy mit dessen eigenen Waffen zu schlagen.

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE ist eine ganz wunderbare Mischung aus Kriminalfilm, Heist Movie und Komödie geworden, die vor allem durch ihre ungemein sympathische, federleichte und unaufgeregte Inszenierung sowie mit ihrer bestens aufgelegten Rentnergang rund um Martin Held zu begeistern weiß. Es macht richtig viel Spaß, den Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie den Profi-Gaunern immer wieder einen Schritt voraus sind und diese dadurch regelrecht in den Wahnsinn zu treiben scheinen und man merkt es den Schauspielern auch an, dass sie beim Dreh dieses Films eine verdammt gute Zeit gehabt haben dürften. Hervorheben möchte ich dabei vor allem Heinz Erhardt, der es sichtlich zu genießen scheint, nicht komplett im Mittelpunkt zu stehen und dessen Wortwitz in diesen wohldosierten Einheiten in diesem Film weitaus besser zur Geltung kommt als in den Filmen, die er als Hauptdarsteller alleine zu tragen hatte. Richtig toll sind natürlich auch Mario Adorf und Herbert Fux auf Seite der Bösen und für Hannelore Elsner gibt es im Endeffekt nur ein Wort, welches sie in ihrer Rolle adäquat beschreiben kann und das lautet: atemberaubend.

Wer mit dem deutschen Kino aus der damaligen Zeit etwas anfangen kann, sollte sich DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE auf keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung: Gut! – 7/10

Second Thoughts of May

BANKLADY (Deutschland 2013, Regie: Christian Alvart)

banklady

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Mit BANKLADY erzählt Regisseur Christian Alvart die zwar auf wahren Begebenheit beruhende, aber dennoch ziemlich unglaubliche Geschichte der Gisela Werler, einem waschechten Mauerblümchen, welches sich im Hamburg der frühen 60er Jahre in den falschen Mann verliebt, zur Bankräuberin wird und insgesamt 19 Banken in und um Hamburg überfällt. Das Leben schreibt dann halt doch die tollsten Geschichten.

Gespielt wird die Hauptfigur von der tollen Nadeshda Brennicke, die ich schon immer gerne gesehen habe und die im Lauf ihrer Karriere in meinen Augen leider viel zu wenig Hauptrollen abbekommen hat. Die Verwandlung in das unscheinbare Mauerblümchen gelingt ihr spielend und die Darstellung dieser unsicheren, leichtgläubigen und – wie sich am Ende herausstellt – auch von ihrem Partner und Komplizen komplett hintergangenen Frau kommt ungemein authentisch rüber. Es ist überhaupt diese Authentizität, die BANKLADY neben den überzeugenden Schauspielerleistungen – auch Charly Hübner in der Rolle des skrupellosen Mittäters spielt richtig klasse – so sehenswert macht. Als Zuschauer fühlt man sich regelrecht in diese frühen 60er Jahre zurückversetzt. Die Stimmung die BANKLADY mit seiner über weite Strecken ruhigen und unaufgeregten Inszenierung ausstrahlt, die Settings, die Kostüme – all das fügt sich zu einem ausgesprochen gelungenen Ganzen zusammen. Vielleicht schleichen sich hier und da mal etwas zu viele Längen ein und sicher ist Alvarts Films jetzt kein kompletter Überflieger, aber er ist ein überzeugendes Beispiel für gutes Kino aus Deutschland fernab des üblichen Komödien- und Betroffenheitskrams.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SEIN LETZTES RENNEN (Deutschland 2013, Regie: Kilian Riedhof)

sein letztes rennen

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Dieter Hallervorden spielt Paul Averhoff, einen rüstigen Renter, der in den 50er Jahren ein Sportstar im Bereich des Langstreckenlaufs gewesen ist und sich nun, da seine Frau Margot (Tatja Seibt) pflegebedürftig wird, damit abfinden soll, seinen Lebensabend in einem Altersheim zu verbringen, nutzlose Kastanienmännchen zu basteln und Lieder zu singen. Paul rebelliert, packt seine alten Sportsachen aus und beginnt, für den Berlin-Marathon zu trainieren, an dem er unbedingt teilnehmen will. Während sich ein Großteil seiner Mitbewohner von seiner Energie anstecken lässt, sind der Heimleitung Pauls Aktivitäten ein Dorn im Auge, da es immer schwieriger wird, die Insassen unter Kontrolle zu halten…

Es fällt mir in gewisser Weise schwer, SEIN LETZTES RENNEN adäquat zu beurteilen. Nach Sichtung dieses Films bin ich mir jedoch sicher, dass ich mir Schweigers HONIG IM KOPF – dem ja auch eine Pflegethematik zugrundeliegt – sicher niemals freiwillig ansehen werde. Denn auch wenn die Grundaussage von Riedhofs Film sicher zu begrüßen ist – auch im hohen Alter nicht aufzugeben, Respekt einzufordern, seine Ziele und Träume zu verwirklichen versuchen -, der Film ausgesprochen berührend inszeniert ist, eine gelungene Balance zwischen Humor und Tragik aufweisen kann, in nicht wenigen Sequenzen – vor allem wegen Hallervordens Leistung – mitten ins Herz geht und alles in allem ungemein unterhaltsam geraten ist, so muss an dieser Stelle doch auch kritisch angemerkt werden dürfen, dass die ganze Ausgangssituation des Films hanebüchen wirkt. Hallervorden und seine Frau sind nun wirklich nicht in einer Verfassung, in der sie in ein Pflegeheim müssten – keiner der beiden dürfte in der Realität eine Pflegestufe erhalten – und dürften finanziell auch so gut gestellt sein, dass es eine Leichtigkeit sein sollte, die erforderliche Pflege der Frau durch eine Pflegefachkraft zuhause durchführen zu lassen. Zudem ist in meinen Augen die Darstellung des Heimalltags extrem unglaubwürdig geraten und dieser Heimalltag im Film wird wie ich finde auch zu Unrecht dämonisiert. In dem Heim im Film wird sich – wenn auch mit scheinbar stupiden und wenig anspruchsvollen Aktionen wie dem Basteln und den Gesangsstunden – doch gut um die Insassen gekümmert, sie werden offensichtlich gut versorgt und dieses versuchte “unter Kontrolle halten“ der Bewohner von Seiten der Organe der Heimleitung dürfte wohl sicher nicht aus Boshaftigkeit erfolgen. Ich habe nun wirklich keine Ahnung, wie es im typischen Pflegeheim so zugeht (aus diesem Grund auch meine Probleme mit einer fairen Beurteilung des Films), wohlbekannte Stichworte wie Pflegenotstand lassen aber eher darauf schließen, dass der Notstand im Heim des Films kein echter Notstand ist, sondern eher ein Jammern auf hohem Niveau darstellt. Ich denke mal, dass es nicht wenige pflegebedürftige Menschen gibt, die froh wären, in einem Heim wie in SEIN LETZTES RENNEN unterkommen zu können. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fällt es mir schwer, SEIN LETZTES RENNEN tatsächlich als guten Film zu bezeichnen. Seinen hohen Unterhaltungswert möchte ich ihm aber sicher nicht absprechen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE (USA 1971, Regie: Ray Dennis Steckler)

the mad love life of a hot vampire

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

Ein seltsam exaltierter Graf Dracula mit einem buckligen Diener entsendet weibliche Vampire mit dem Auftrag, ihm Blut zu besorgen. Ein Auftrag, der auf nicht ganz jugendfreie Art und Weise erledigt wird. Gleichzeitig tüftelt ein gewisser Van Helsing einen Plan aus, um den Fürsten der Dunkelheit in die ewigen Jagdgründe zu schicken…

Schon bevor eine gewisse Linda Lovelace mit einem bestimmten Organ an einer falschen Stelle des Körpers im Jahr 1972 für Aufsehen sorgte, pornographische Filme plötzlich die großen Kinos bevölkerten und der sogenannte “porn chic“ den Mainstream eroberte, gab es im tiefsten Untergrund Filmemacher, die dem sensationshungrigen Publikum genau das lieferten, wonach es nach dem endgültigen Fall der über Jahrzehnte geltenden Zensurvorschriften regelrechte gierte: explizit dargestellten Sex auf der Leinwand, zumeist eingebettet in eine hauchdünne Handlung. Eine Handlung, die im Fall von THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ganz besonders obskur geraten ist. Gut 50 Minuten dauert der Spuk den Regisseur Ray Dennis Steckler seinem Publikum hier vorsetzt und dieser Spuk ist garniert mit schrecklich untalentierten Darstellern, außerordentlich tristen Settings und Sexszenen, die wirklich meilenweit davon entfernt sind, auch nur annähernd als an- oder gar erregend durchgehen zu können.

Ein Werk wie THE MAD LOVE LIFE OF A HOT VAMPIRE ist aus heutiger Sicht vor allem aus filmhistorischen Gesichtspunkten interessant, als Zeuge einer längst vergangenen Zeit, als Beispiel für tiefsten filmischen Underground, im vorliegenden Fall aus Las Vegas stammend. Als Filmfan darf man sich glücklich schätzen, dass auch solche obskuren Filme wie dieser hier von Independent-Labels wie Vinegar Syndrome geborgen, restauriert und für die Nachwelt erhalten werden.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE VANISHING (USA 1993, Regie: George Sluizer)

the vanishing

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

THE VANISHING ist ein gutes Beispiel dafür, dass der allgemeine Remake-Wahn aus Hollywood, vor allem dieses von vielen als Unart bezeichnete Drehen von US-Remakes erfolgreicher, ausländischer Filme, keine neue Modeerscheinung ist, sondern so schon vor über 20 Jahren (und natürlich auch noch früher) praktiziert wurde. Besonders beliebt in Hollywood sind dann natürliche Regisseure wie George Sluizer, die sich dazu bereit erklären, ein US-Remake ihres eigenen Films zu drehen. Da steht man dann aus wirtschaftlicher Sicht gleich noch mal etwas sicherer da.

THE VANISHING erzählt die Geschichte von Jeff Harriman (Kiefer Sutherland), der über Jahre hinweg verzweifelt und verbissen nach seiner – während eines gemeinsamen Ausflugs bei einem Zwischenstopp an einer Raststelle – wie vom Erdboden verschwundenen Freundin Diane (Sandra Bullock) sucht und stellt das US-Remake der niederländisch-deutsch-französischen Co-Produktion SPOORLOOS (die ich zu meiner Schande immer noch nicht gesehen habe) aus dem Jahr 1988 dar. Sluizer inszeniert das Remake seines eigenen Films auf ausgesprochen ruhige Art und Weise, die Spannung baut sich langsam und schleichend auf, der Mystery-Touch des Films sorgt immer wieder für eine unheimliche und bedrückende Atmosphäre und wenn man über das vielleicht etwas überkonstruierte Schlussdrittel hinwegsehen oder sich gar mit diesem anfreunden kann, wird man mit einem richtig guten Thriller belohnt. Kiefer Sutherland nimmt man die Rolle des leidenden und verzweifelten Freundes absolut ab, die Besessenheit, mit der er sich auf die Suche begibt, ist auch für den Zuschauer nur schwer zu ertragen, so sehr leidet man mit ihm mit. Und auf der Seite des Bösewichts bietet THE VANISHING mit Jeff Bridges einen fast schon widerwärtig überzeugenden Gegenpol zum verzweifelten Kiefer Sutherland, einen Mann, den man auch als Zuschauer nur von ganzem Herzen hassen kann. Und zwar über die komplette Laufzeit dieses auch heute noch ausgesprochen sehenswerten Thrillers.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SLITHER (USA 1973, Regie: Howard Zieff)

slither

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mittelpunkt von SLITHER ist der von James Caan gespielte Dick Kanipsia, der, soeben aus dem Gefängnis entlassen, gemeinsam mit einem ebenfalls entlassenen Mitinsassen auf dem Weg zu dessen Haus ist und sich – dort angekommen – in einem plötzlichen Kugelhagel wiederfindet. Noch bevor die Anfangscredits des Films zu Ende sind, hat Caan von seinem im Sterben liegenden Kameraden zwei Namen mit dem Hinweis genannt bekommen, die erste Person aufzusuchen, da sie ihm zu einem stattlichen Vermögen führen könne. Für Caans Charakter beginnt ein Road Trip der besonderen Art…

SLITHER ist eigentlich ein typischer Vertreter des Kinos der 70er Jahre, mit einem kantigen Typen in der Hauptrolle, der sich auf ein waghalsiges Abenteuer einlässt. Was ihn von ähnlichen Filmen unterscheidet ist die Tatsache, dass in SLITHER irgendwie alles ein bisschen “over the top“ geraten ist. Sowohl die verschiedenen Charaktere als auch der Verlauf der Handlung ist leicht überzeichnet, der Hang zum Absurden und Skurrilen ist allgegenwärtig und diese Mischung aus komischen und spannenden Momenten, die Zieff seinem Film verpasst hat, macht ihn ziemlich unwiderstehlich. Allein diese komplett irre Bingo-Sequenz (!!!) ist einfach zum Schreien, das Finale ist an Absurdität fast nicht zu überbieten und der tolle Alex Rocco hat eine kleine Rolle abbekommen und stielt in seinen wenigen Momenten wieder mal allen anderen die Schau. Das alles ist dann auch noch so komplett tiefenentspannt und cool inszeniert, dass Freunde des 70er-Jahre-Kinos die komplette Sichtung dieses Films sicher mit einem fetten Grinsen im Gesicht begleiten dürften.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 2 (USA 2012, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Meinen zuvor geschriebenen Text zur ersten Staffel könnte ich an dieser Stelle auch per Copy & Paste einsetzen, denn viel mehr, als ich bereits zu Staffel 1 geschrieben habe, gibt es auch zur zweiten Staffel nicht anzumerken. Die Anzahl der Charaktere nimmt zu, GAME OF THRONES wird handlungstechnisch scheinbar komplizierter, da man erst mal die Übersicht darüber behalten muss, wer nun wohin gehört, mit wem in irgendeiner Weise paktiert oder sonst liiert ist. Diese scheinbare Kompliziertheit dürfte natürlich in erster Linie der Romanvorlage geschuldet sein, den Machern aber auch ganz vorzüglich in die Karten spielen, da ihre Serie so darüber hinwegtäuschen kann, worum es in erster Linie geht: natürlich wieder um Sex und Gewalt und um überbordende Schauwerte. Inszeniert sind die 10 Episoden der zweiten Staffel erneut ausgesprochen spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich, der von Peter Dinklage gespielte Tyrion Lannister könnte sich mit seiner unnachahmlichen Art bald zum persönlichen Liebling entwickeln, Sibel Kekilli ist ein echter Hingucker in der Rolle der Shae und die Sache mit den Babydrachen find ich persönlich mindestens genauso geil wie diese Armee der Untoten, die im Cliffhanger zum Staffelende aufgelaufen ist. Das ist schon eine Serie, die das Zeug dazu hat, süchtig zu machen und die sich qualitativ bisher auf einem durchweg sehr guten Niveau befindet.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE (USA 2015, Regie: Christopher Landon)

scouts guide to the zombie apocalypse

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Mal wieder was aus dem Funsplatter-Bereich. Und sonderlich viel gibt es zu Langdons Film eigentlich gar nicht zu sagen. Der Zielgruppe dürfte er gefallen und für alle, die sich für so einen Kram mittlerweile viel zu alt fühlen, bleibt ja immer noch der bemitleidenswerte Blick auf die sogenannten Gorebauern, die sich mit so einem vermeintlichen Schund wie diesem hier unterhalten lassen können. Dieser kleine Splatterfreak, der ich schon immer war und der ich wohl auch immer bleiben werde, hatte auf jeden Fall richtig viel Spaß mit dem Film.

SCOUTS GUIDE TO THE ZOMBIE APOCALYPSE sieht verdammt gut aus. Er sieht aus wie ein richtiger Film und nicht wie eine dieser Billigproduktionen der berühmt-berüchtigten Asylum-Schmiede, für die man den Film schon allein aufgrund seines Titels halten könnte. Eine großartige Story darf man sich hier natürlich nicht erwarten, im Endeffekt geht es um drei Pfadfinder, die sich ausgesprochen erfolgreich gegen eine ausgebrochene Zombie-Epidemie zur Wehr setzen. Aber mal ernsthaft, wer verlangt von einem Film wie diesem hier auch schon eine ausgeklügelte Geschichte? Langdon inszeniert seinen Splatterspaß mit viel Tempo, vielen netten Einfällen, vielen coolen Effekten und einer ausgewogenen Mischung aus spannenden, komischen und absurden Momenten. Ich mochte den Film und möchte ihn Gleichgesinnten unbedingt weiterempfehlen.  Vielleicht im Double Feature mit Fleischers ZOMBIELAND aus dem Jahr 2009. Viel Spaß dabei!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE D TRAIN (Großbritannien / USA 2015, Regie: Andrew Mogel / Jarrad Paul)

the d train

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Jack Black spielt Dan Landsman, einen Typen, der – obwohl verheiratet und Vater zweier Kinder – das Loser-Image aus Highschool-Zeiten nie abstreifen konnte. Nun möchte er anlässlich des 20. Jahrestages des Highschool-Abschlusses ein Klassentreffen organisieren, um endlich anerkannt zu werden, um sein Ego zu stärken, um den Stempel des Verlierers endgültig loszuwerden, hat aber das Problem, dass keiner seiner ehemaligen Klassenkameraden sich dazu bereit erklärt, zum Treffen zu erscheinen. Als er eines Abends in einem Werbespot den von James Marsden gespielten Oliver Lawless entdeckt, der ebenfalls die betroffene Abschlussklasse besucht hat, hält er diesen für einen großen Filmstar und ist davon überzeugt, dass mit Lawless als Zugpferd auch die übrigen Schulkollegen von einst am Treffen teilnehmen werden. Mit fanatischem Einsatz setzt er alles daran, Lawless zur Teilnahme zu bewegen…

Mit Filmen mit Jack Black in der Hauptrolle kann man eigentlich nie viel verkehrt machen. Meistens taugen sie als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, ohne je ernsthaft in den Verdacht zu geraten, allzu großen Anspruch bieten zu wollen. Die beiden Regisseure Andrew Mogel und Jarrad Paul wären gut beraten gewesen, hätten sie diese Tradition mit THE D TRAIN einfach fortgesetzt. Aber irgendwie mag THE D TRAIN nicht so richtig funktionieren. Weil er sich irgendwie selbst zu ernst nimmt und dabei in Belanglosigkeit zu versinken droht. THE D TRAIN fehlt es an Witz, an Tempo, an Einfallsreichtum. Er ist erschreckend bieder, schafft es eigentlich zu keinem Zeitpunkt, dass man als Zuschauer auch nur ansatzweise so was wie Interesse oder gar Begeisterung für ihn empfinden könnte, plätschert ohne echte Höhepunkte so vor sich hin und ist so etwas wie das filmische Äquivalent zur Hintergrundmusik in einer Bar. Zwar mitunter ganz nett anzusehen, aber irgendwie ohne eigene Identität und dafür stattdessen mit der Gewissheit ausgestattet, dass er kurz nach der Sichtung wieder in Vergessenheit geraten wird. Einer dieser Filme, die man zum Totschlagen der Zeit schon mal in den Player schieben kann. Mehr aber nicht.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

02/2016 – Sichtungen 19-26

THE MESSENGERS (USA 2007, Regie: Danny Pang / Oxide Pang)

the messengers

(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Beim US-Debüt der Zwillingsbrüder Danny und Oxide Pang handelt es sich um einen durch und durch klischeehaften und nur leidlich spannenden Vertreter des Spukhausfilms. Die aus Hongkong stammenden Regisseure hatten sich vor allem mit der erfolgreichen GIN GWAI-Filmreihe regelrecht für den US-Markt aufgedrängt, konnten aber dem offensichtlich vorgezeichneten Schicksal vieler asiatischer Regiekollegen aus den Jahren zuvor, die vom System Hollywood glattgebogen worden, leider auch nicht entfliehen.

THE MESSENGERS handelt von der Teenagerin Jess (Kristen Stewart), die – um Vergangenheitsbewältigung zu betreiben – mit ihren Eltern (Dylan McDermott und Penelope Ann Miller) und ihrem kleinen Bruder Ben in ein altes, abgelegenes Farmhaus zieht, in dem es – welch Überraschung – nicht ganz geheuer zugeht. Ähnlich wie Jess haben auch die im Anwesen hausenden Geister, die zunächst nur der kleine Ben sehen kann, noch etwas Dringendes zu erledigen und bringen dadurch Jess und ihre Familie in Gefahr.

Die Gebrüder Pang versuchen ihre Zuschauer mit relativ langsamem Spannungsaufbau und wohldosierten Schock-Momenten für sich zu gewinnen, gelingen tut ihnen das allerdings nur selten. Ab und an erschrickt man sich zwar ein klitzekleines bisschen und hin und weniger kommt auch so etwas wie gruselige Atmosphäre auf, für einen echten Nailbiter ist THE MESSENGERS aber viel zu vorhersehbar und klischeehaft geraten und leider auch nur mit mäßig gelungenen CGI-Effekten ausgestattet worden. So ist dieser Film von Danny und Oxide Pang in erster Linie als nette Zeitverschwendung zu gebrauchen; weiterempfehlen würde ich ihn jetzt nur bedingt.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE ZERO THEOREM (Frankreich / Großbritannien / Rumänien / USA 2013, Regie: Terry Gilliam)

the zero theorem

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Nach BRAZIL aus dem Jahr 1985 und TWELVE MONKEYS aus dem Jahr 1995 beschäftigt sich Regisseur Terry Gilliam in THE ZERO THEOREM erneut mit einer düsteren Zukunftsvision, einer Dystopie, in der wohl niemand wirklich leben will. Als Zuschauer folgen wir dem von Christoph Waltz gespielten Computergenie Qohen Leth, der in einer Welt permanenter Reizüberflutung einfach nur seine Ruhe haben will und verzweifelt versucht, das titelgebende “Zero Theorem“ zu beweisen…

Terry Gilliam konfrontiert seine Zuschauer mit einer Zukunft, die vollkommen dem Wahnsinn verfallen ist, in der es keinerlei Oasen der Ruhe und Stille mehr zu geben scheint und in der der Sinn des Lebens darin zu bestehen scheint, dass es keinerlei Sinn mehr gibt. Visuell ist THE ZERO THEOREM gar prächtig umgesetzt, in der komplett durchgedrehten Zukunft gibt es in jedem Winkel etwas zu entdecken und zu bestaunen und genau wie die Welt, in der THE ZERO THEOREM spielt, ist auch der Film selbst ziemlich durchgeknallt und abgedreht. Das ist natürlich gefundenes Futter für Hauptdarsteller Christoph Waltz, der hier mal wieder seine typische One-Man-Show abziehen darf, damit aber auch so langsam aber sicher zu nerven beginnt. Das Hauptproblem von Gilliams Film ist allerdings nicht sein langsam nervender Hauptdarsteller, sondern die Tatsache, dass sich hinter dem exaltierten Spiel von Waltz und den detailverliebten Settings im Endeffekt lediglich eine große Leere aufzutun scheint. THE ZERO THEOREM wirkt erschreckend banal, die Geschichte kann einen als Zuschauer eigentlich nie so wirklich fesseln und würde der Film nicht in erster Linie von seiner visuellen Stärke leben, man müsste ihn fast als Enttäuschung auf ganzer Linie bezeichnen. Dank seines Kameramanns Nicola Pecorini, seines Production Designers David Warren und seines Kostümdesigners Carlo Poggioli rettet sich Gilliam gerade noch so über die Ziellinie, an die hohe Qualität der beiden im Ausgangssatz genannten Dystopien kommt THE ZERO THEOREM jedoch nicht ansatzweise heran. Am Ende des Tages ist es schon fast eine Ironie des Schicksals, dass ein Film, der Reizüberflutung und Oberflächlichkeiten kritisiert, einzig und allein durch seine Schauwerte zu überzeugen weiß.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE BIG YEAR (USA 2011, Regie: David Frankel)

the big year

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox)

Das titelgebende “Big Year“ bezieht sich auf einen sportlichen Wettkampf unter Vogelbeobachtern, bei dem diese versuchen, während eines Kalenderjahres so viele verschiedene Vogelarten wie möglich zu sichten. Schon diese Tätigkeit allein scheint für einen Normalsterblichen wie mich nicht unbedingt aufregend zu sein, noch weniger aufregend dürfte man es dann verständlicherweise finden, wenn darüber noch ein Film gedreht wird. Und ja, ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir THE BIG YEAR nicht wegen der Geschichte rund um den sportlichen Wettkampf angesehen, sonderlich ausschließlich wegen seiner drei Hauptdarsteller. Wären da mit Steve Martin, Jack Black und Owen Wilson drei in meinen Augen grandiose Komiker vor der Kamera gestanden, ich wäre nie und nimmer auch nur ansatzweise auf die Idee gekommen, mir einen Film über Vogelbeobachter anzusehen. Die Besetzung hat es rausgerissen und die ist auch in den diversen kleineren und größeren Nebenrollen atemberaubend gut. Ich habe keine Ahnung, wie die Casting-Abteilung es geschafft hat, aber in THE BIG YEAR spielen außerdem Rosamund Pike, Kevin Pollak, Dianne Wiest, Brian Dennehy, Anthony Anderson, Anjelica Huston, Tim Blake Nelson und diverse andere bekannte Gesichter mit. Offensichtlich ist so ein “Big Year“ in den USA eine ziemlich große Sache.

Der Film dreht sich nun um den bisherigen Rekordhalter der Vogelbeobachtung, dem von Owen Wilson gespielten Kenny Bostick, der es auf 732 verschiedene Arten innerhalb eines Jahres geschafft hat, der nun Angst hat, dass ihm dieser Rekord genommen werden könnte – Jack Black und Steve Martin sind seine Konkurrenten – und aus diesem Grund alles daran setzt, dies zu verhindern. Ohne Rücksicht auf Verluste setzt er dabei selbst seine Ehe aufs Spiel.

Regisseur David Frankel inszeniert THE BIG YEAR als unterhaltsame Hatz quer durch die Vereinigten Staaten, kreiert dabei ein paar herrlich komische Momente und spart auch nicht an nachdenklichen Untertönen. Die Beobachter werden als Getriebene gezeichnet, als Opfer ihrer Obsessionen, die mitunter einen zu hohen Preis für den vermeintlichen Erfolg zu zahlen bereit sind. Man muss also nicht unbedingt ein Vogelbeobachter sein, um aus THE BIG YEAR auch für sich selbst eine – zugegebenermaßen ausgesprochen einfach gestrickte – Botschaft mitnehmen zu können.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

WHAT DREAMS MAY COME (Neuseeland / USA 1998, Regie: Vincent Ward)

what dreams may come

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Robin Williams spielt Chris Nielsen, der bei einem Autounfall ums Leben kommt und sich – nachdem es ihm endlich gelungen ist, von allem Irdischen zu lösen – tatsächlich im Paradies wiederfindet. Als er dort jedoch erfährt, dass sich seine Frau Annie (Annabella Sciorra) vor lauter Trauer das Leben genommen hat und aufgrund dieser Tat in der Hölle gelandet ist, setzt er alles in Bewegung, um vom Himmel in die Hölle hinabzusteigen und seine Frau vor der ewigen Verdammnis zu retten. Und diese Reise setzt Regisseur Vincent Ward in einfach nur atemberaubenden Bilderwelten um.

WHAT DREAMS MAY COME ist Kitsch. Unfassbar schön anzusehender Kitsch. Mitten ins Herz treffender Kitsch. Kitsch mit einer durchweg positiven Message. Aber am Ende des Tages halt doch nur Kitsch. Kitsch, der – je nach Zuschauer – die verschiedensten Reaktionen hervorrufen dürfte. Die dürften vom hoffnungslosen Hinschmelzen bis zum dringenden Bedürfnis, vor Wut den heimischen Fernseher eintreten zu wollen, alle möglichen Spektren abdecken und eine auch nur halbwegs objektive Bewertung dieses Films scheint mir komplett unmöglich zu sein. Ich hatte das Glück, dass ich mich auf WHAT DREAMS MAY COME einlassen konnte, dass mich seine visuelle Pracht verzaubert hat und dass ich diese herrlich naive und doch auch irgendwie Hoffnung spendende Grundaussage des Films sehr sympathisch fand. Vielleicht wird am Ende ja doch alles gut.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MY WEEK WITH MARILYN (Großbritannien / USA 2011, Regie: Simon Curtis)

my week with marilyn

(Fassung: Blu-ray, Ascot Elite, Deutschland)

 Der spätere Dokumentarfilmer Colin Clark (der allerdings so wenig Sachen gedreht hat, dass man ihn nicht wirklich kennen muss, die IMDB listet fast ausschließlich Credits bei TV-Produktionen in den 60er und 70er Jahren), startete seine Karriere beim Film einst im jungen Alter von 23 Jahren als Produktionsassistent beim Marilyn-Monroe-Film THE PRINCE AND THE SHOWGIRL und wurde im Lauf der Dreharbeiten aufgrund Verkettung verschiedener Umstände zur Vertrauensperson von Marilyn Monroe. Regisseur Simon Curtis erzählt mit MY WEEK WITH MARILYN diese Geschichte, welche auf Büchern beruht, die Colin Clark zu Lebzeiten veröffentlichte. Selbst befragen zu den Ereignissen von damals konnten ihn die Filmemacher nicht mehr, Clark verstarb bereits im Dezember 2002 im Alter von 70 Jahren.

Regisseur Simon Curtis ist sichtlich darum bemüht, den Menschen hinter dem Mythos zu zeigen, so wirklich gelingen mag ihm dies allerdings nicht. Eine Legende wie Marilyn Monroe zu entmystifizieren, dürfte jedoch auch ziemlich unmöglich sein. Als Zuschauer erfährt man nur wenig bis gar nichts Neues über MM, im Endeffekt wird das Bild, das man als Filmfan von der Ikone haben dürfte, nur bestätigt. Aber vielleicht gibt es auch einfach nicht mehr zu zeigen. Vielleicht war MM ja auch wirklich nur diese naive Verführerin, der Männer reihenweise zu Boden lagen, die Regisseure und Produzenten in den Wahnsinn treiben konnte und die sich trotz ihres immensen Erfolges, den sie zur Entstehung von THE PRINCE AND THE SHOWGIRL bereits hatte, vor lauter Unsicherheit vor der Kamera wie ein blutiger Anfänger verhielt.

MY WEEK WITH MARILYN lebt in erster Linie von der Chemie zwischen Michelle Williams, die die Monroe so überzeugend wie nur möglich interpretiert, und Eddie Redmayne, der in der Rolle des jungen Colin Clark zu sehen ist und dessen Figur gar nicht so recht zu wissen scheint, was ihr hier eigentlich wiederfährt. In zweiter Linie lebt MY WEEK WITH MARILYN von der restlichen Besetzung, die sich wirklich mehr als sehen lassen kann und die dazu beiträgt, dass Curtis’ Film, mag er als Biopic auch nicht wirklich überzeugen, über die komplette Laufzeit zu einer enorm vergnüglichen Angelegenheit wird. Wenn man neben Michelle Williams und Eddie Redmayne u.a. auch noch Julia Ormond, Kenneth Branagh, Emma Watson und Judi Dench in der Besetzungsliste vorweisen kann, ist es ja auch fast unmöglich, einen Film zu drehen, bei dem die schauspielerischen Leistungen nicht überzeugen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CRIMSON PEAK (Kanada / USA 2015, Regie: Guillermo del Toro)

crimson peak

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

 Edith Cushing (Mia Wasikowska), Tochter eines amerikanischen Unternehmers, verfällt dem englischen Adeligen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) und zieht mit diesem und dessen Schwester (Jessica Chastain) in das alte Familienanwesen der Familie Sharpe, wo sie schon bald mit Geistererscheinungen konfrontiert wird und schließlich einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt…

Regisseur Guillermo del Toro legt CRIMSON PEAK im Stil klassischer Gothic-Grusel-Filme an, lässt sich viel Zeit, seine Geschichte zu entwickeln und Spannung aufzubauen, konfrontiert den Zuschauer dabei immer wieder mit vereinzelten, wohl dosierten Schockeffekten und Spannungsmomenten und kreiert so eine ungemein dichte und unheimliche Atmosphäre. Das ebenso mondäne wie mysteriöse Familienanwesen als Hauptsetting ist dabei ebenso eine Trumpfkarte wie die vorzüglichen Darsteller – allen voran Mia Wasikowska und Jessica Chastain. Mit seinem behutsamen Spannungsaufbau, seinen klassischen Settings und seiner angenehmen Gruselstimmung mag CRIMSON PEAK stellenweise vielleicht etwas altmodisch anmuten, inmitten der diversen Geisterbahnattraktionen und Gewaltexzesse, die das moderne Horrorkino in den letzten Jahren so hervorgebracht hat, ist del Toros Film in meinen Augen jedoch mehr als eine willkommene Abwechslung und sei auf diesem Weg allen Genrefreunden wärmstens zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DEFIANCE (USA 2008, Regie: Edward Zwick)

defiance

(Fassung: Blu-ray, Constantin Film, Deutschland)

DEFIANCE erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der insgesamt vier Bielski-Brüder (gespielt von Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell und George MacKay), die sich während des zweiten Weltkriegs in den weißrussischen Wäldern vor den Nazis versteckten, mit Gleichgesinnten ein Camp im Wald errichteten und so hunderte Juden vor dem sicheren Tod durch die Nazis retteten.

Filme mit so ernstem Hintergrund wie dieser hier wandeln ja immer auf einem extrem schmalen Grat und müssen sich zwangsläufig die Frage stellen lassen, ob und in welchem Maße ein solches Thema auch “unterhaltsam“ aufbereitet werden darf, kann oder vielleicht sogar muss. Regisseur Edward Zwick gelingt diese schwierige Balance zwischen Unterhaltung und Anspruch zumindest halbwegs. Er konzentriert sich in erster Linie auf die Geschichte der Flüchtenden und die Zweckgemeinschaft, die sie im Wald bilden müssen; Kampf- und Kriegshandlungen stehen in DEFIANCE eher im Hintergrund. Problematisch ist dabei die Zeichnung der beiden älteren, von Liev Schreiber und Daniel Craig gespielten Bielski-Brüder, die mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu Helden stilisiert werden, was sie aufgrund ihrer Taten sicher auch verdient haben, was in der Dramaturgie des Films allerdings auch dazu führt, dass dieses sicher extrem schwierige Zusammenleben so vieler verschiedener Menschen innerhalb eines Camps im Wald größtenteils konfliktfrei und wohl auch leicht verniedlicht dargestellt wird und die Zeichnung der diversen Charaktere stellenweise doch sehr klischeehaft erfolgt. DEFIANCE zieht seine Spannung in erster Linie daraus, wie und ob es den Flüchtenden gelingt, weiterhin unentdeckt zu bleiben und zur Auflockerung der Dramaturgie wird dann auch schon mal die eine oder andere romantische oder komisch anmutende Szene eingebaut, was vor dem Hintergrund, vor dem der Film spielt, mitunter etwas befremdlich wirkt. Um leichte Unterhaltung handelt es sich bei DEFIANCE natürlich dennoch nicht und trotz der vorgenannten Schwächen hat Zwicks Film immer noch genügend Potential, den Zuschauer aufzurütteln und zum Nachdenken zu bringen.

Und wenn es ein Film wie DEFIANCE aufgrund seiner vielleicht etwas leichteren Zugänglichkeit tatsächlich schaffen sollte, auch nur einen dieser besorgten Wutbürger, die nun schon seit Monaten ihre fragwürdigen Parolen von sich geben, zum Umdenken zu bewegen, dann hat er schon verdammt viel bewegt. Gut, dass es ihn gibt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LAKEVIEW TERRACE (USA 2008, Regie: Neil LaBute)

lakeview terrace

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

In LAKEVIEW TERRACE beziehen Patrick Wilson und Kerry Washington als junges Ehepaar Chris und Lisa Mattson ihr Traumhaus in Los Angeles und müssen schnell feststellen, dass ihr direkter Nachbar direkt einem Albtraum entsprungen zu sein scheint. Denn bei dem von Samuel L. Jackson gespielten Abel Turner handelt es sich um einen verbitterten, durchtriebenen und gemeingefährlichen Rassisten, der dummerweise auch noch einer Arbeit als Cop beim LAPD nachgeht…

Regisseur Neil LaBute startet das Aufeinandertreffen der komplett gegensätzlichen Lebensentwürfe zunächst noch sehr ruhig und bedächtig, steigert die Schlagzahl der Gemeinheiten jedoch mit zunehmender Laufzeit des Films immer mehr und lässt diesen letztendlich in der zu erwartenden Katastrophe enden. LAKEVIEW TERRACE ist manchmal etwas zu klischeehaft in der Zeichnung verschiedener Alltagssituationen, mitunter etwas arg unglaubwürdig und alles in allem einfach viel zu vorhersehbar um irgendwelche Höchstnoten in der Bewertung erzielen zu können. Dafür ist Regisseur LaBute die Darstellung dieses gegenseitigen Aufschaukelns, mit den diversen Stadien, bis es schließlich zum großen Finale kommt, richtig gut gelungen und allein das Mitwirken von Samuel L. Jackson, der die Rolle des Bösewichts sichtlich genießt und jede seiner Szenen regelrecht auszukosten scheint, macht LAKEVIEW TERRACE unbedingt sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part II

THE STRANGERS (USA 2008, Regie: Bryan Bertino)

the strangers

(Fassung: Blu-ray, Kinowelt, Deutschland)

Nach einer Hochzeitsfeier fährt ein junges Paar (Liv Tyler und Scott Speedman) zum etwas abgelegenen Sommerhaus seiner Eltern um dort die Nacht zu verbringen und am nächsten Tag die Weiterreise anzutreten. Die Stimmung könnte besser sein, er hat ihr einen Antrag gemacht, den sie allerdings nicht angenommen hat. Doch schon bald haben die beiden weitaus größere Probleme als einen nicht angenommenen Heiratsantrag. Das Haus wird scheinbar grundlos von maskierten Unbekannten angegriffen und die Übernachtungsgäste müssen um ihr Leben fürchten…

THE STRANGERS gehört zum Subgenre des Home-Invasion-Films, in dem das schützende Heim, das Haus bzw. die Wohnung als Rückzugsort, von Fremden angegriffen wird. Bereits zu Beginn des Films erfährt man als Zuschauer mit Hilfe von Texttafeln und einem Sprecher aus dem Off, dass die nachfolgenden Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen und die zugrundeliegenden Verbrechen bis heute nicht aufgeklärt wurden. Es sollte bereits zu diesem Zeitpunkt klar sein, dass man von THE STRANGERS kein kathartisches Ende zu erwarten haben dürfte.

Regisseur Bryan Bertino lässt den Schrecken und das Grauen ganz langsam über den Zuschauer und seine beiden Protagonisten hereinbrechen, baut seine Spannung behutsam auf und kreiert eine ungemein dichte und bedrohliche Atmosphäre. Als Horrorfilm ist THE STRANGERS ungemein effektiv. Er ist zutiefst beunruhigend und verstörend und lässt den Zuschauer am Ende ratlos zurück. Es gibt keine Erlösung, es gibt keine Erklärung für die Taten der Verbrecher, ihr Handeln ergibt absolut keinen Sinn. Das angegriffene Paar hatte lediglich das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. THE STRANGERS ist ein ungemein spannendes und erschreckendes Beispiel für die Sinnlosigkeit von Gewalt und zeichnet ein ebenso pessimistisches wie mittlerweile leider auch realistisches Bild vom Zustand unserer Welt. Niemand ist mehr sicher.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

INHERENT VICE (USA 2014, Regie: Paul Thomas Anderson)

inherent vice

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Joaquin Phoenix ist Larry „Doc“ Sportello, ein ständig bekiffter Privatdetektiv, der eines Tages Besuch von seiner Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston) erhält, die ihm eine wilde Geschichte erzählt, nach der ihr derzeitiger Geliebter, der mächtige Baulöwe Wolfmann (Eric Roberts), von seiner Ehefrau und deren Geliebten entführt werden soll. Doc nimmt sich der Sache an und befindet sich plötzlich in einem heillosen Durcheinander, welches wohl nur im berauschten Zustand zu entwirren ist. Ich selbst habe Andersons Mischung aus Komödie, Drama, Kriminal- und Mysteryfilm vollkommen nüchtern betrachtet und kann bezeugen, dass INHERENT VICE auch auf einen nüchternen Zuschauer eine durchaus psychedelische Wirkung entfaltet. An den Punkt, an dem man der Handlung einfach nicht mehr folgen will und wohl auch nicht mehr folgen kann, kommt man als Zuschauer relativ schnell. Viel lieber will man sich von dieser obskuren Geschichte mit ihren noch obskureren Typen treiben lassen, will diese einzigartige Stimmung des Films aufsaugen, will regelrecht in ihm versinken. INHERENT VICE ist von einem herkömmlichen Plot vollkommen losgelöstes Kino, welches auf den Zuschauer wohl nur zwei Wirkungen haben kann: Man findet es entweder todlangweilig oder lässt sich von der transportierten Stimmung und Atmosphäre packen und mitreißen. Mir ist – auch aufgrund des tollen Soundtracks – glücklicherweise letzteres gelungen. Faszinierend.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN (aka The Super Inframan, Hongkong 1975, Regie: Hua Shan)

zhong guo chao ren

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Ein außerirdische (?) Prinzessin (Terry Liu) arbeitet sich aus dem Erdinneren über einen lange ruhenden Vulkan an die Oberfläche und möchte mit ihrer aus Latexmonstern bestehenden Armee nicht viel weniger als die Weltherrschaft an sich reißen. Doch sie hat die Rechnung ohne Professor Liu (Wang Hsieh) gemacht, der verwandelt kurzerhand einen einfachen Soldaten (Danny Lee) in Inframan, einen unbezwingbaren Superhelden…

Wow, 中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN ist ja mal richtig toll. Es kracht und knallt an allen Ecken und Enden und ein Film, in dem ein quietschbunter Superheld gegen putzige Latexmonster antritt und diese sich teilweise in Martial-Arts-Fights bekämpfen, muss das Kind im Manne einfach wecken und eine entsprechend begeisterte Reaktion hervorrufen. Entstanden als chinesische Antwort auf die japanischen Monster- und Superheldenfilme der damaligen Zeit und produziert von den altehrwürdigen Shaw Brothers, ist 中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN eine regelrechte Wundertüte geworden, ein Film, bei dem man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt und der mit seiner obskuren Ausgangssituation, seinen wunderschönen Latexmonstern und seinen geilen Fights tatsächlich Schauwerte am laufenden Band liefert und einen als Zuschauer zufrieden grinsend vor dem heimischen Flatscreen sitzen lässt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

PERFECT (USA 1985, Regie: James Bridges)

perfect

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Der für das angesehene Rolling-Stone-Magazin tätige Reporter Adam Lawrence (John Travolta) soll einen Artikel über Fitnessstudios als neue Kontakthöfe schreiben, lernt bei seinen Recherchen die Aerobic-Trainerin Jessie (Jamie Lee Curtis) kennen und verliebt sich in sie…

PERFECT gehört zu den Filmen, die man tatsächlich gesehen haben muss, um glauben zu können, dass Filme wie dieser einst tatsächlich von großen Studios – im vorliegenden Fall die Columbia Pictures – finanziert und in die Kinos gebracht wurden. PERFECT pendelt irgendwo zwischen Drama und Romanze, zwischen Kitsch und Sleaze und was das nun tatsächlich für ein Film gewesen sein soll, hat sich mir noch nicht gänzlich erschlossen. Mit ausgesprochen wohlwollender Betrachtung könnte man PERFECT vielleicht als Satire auf den Fitness-Wahn lesen, meine Befürchtung geht allerdings eher in die Richtung, dass das Gezeigte hier alles tatsächlich ernst gemeint sein könnte. PERFECT ist so ein eher entlarvendes Beispiel seiner Zeit, aus der er entsprungen ist, ein Film, der als Sinnbild für die 80er Jahre steht, den Zuschauer mit Künstlichkeiten und Oberflächlichkeiten bombardiert und die als höchstes Lebensziel zu propagieren scheint. So unglaublich die Prämisse von Bridges’ Film aus heutiger Sicht auch sein mag, so unglaublich unterhaltsam ist PERFECT aber auch geraten. Das Teil hier rockt ganz gewaltig, aufgrund seiner Schauwerte, aufgrund seines geilen Soundtracks und aufgrund seiner Obskurität. Und diese Aerobic-Sequenz um die 40-Minuten-Marke herum, in der Travoltas Gemächt fast aus dem Sporthöschen zu quellen droht, ist so unfassbar grandios, dass sie einen Platz in jeder Hall of Fame unvergesslicher Filmmomente definitiv verdient hat.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

REVENGE OF THE VIRGINS (USA 1959, Regie: Peter Perry Jr.)

revenge of the virgins

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

 In REVENGE OF THE VIRGINS begeben sich ein paar Goldsucher, von denen jeder seine eigene Agenda hat, aus unersättlicher Gier tief in Indianergebiet und werden dort prompt von den letzten Überlebenden eines Stammes angegriffen – zur Freude des männlichen Zuschauers handelt es sich dabei ausschließlich um barbusige Schönheiten, die lustige Rituale aufführen, durch Büsche schleichen und ausgesprochen gut mit Pfeil und Bogen umgehen können…

REVENGE OF THE VIRGINS stammt aus dem Jahr 1959, einer Zeit, in der die Zensur das Zeigen nackter Haut in Filmen praktisch unmöglich machte. Blanke Brüste durften nicht in einem sexuellen Kontext auf den Leinwänden präsentiert werden und so wurde das wohl obskurste aller Subgenres im Bereich des Exploitationkinos geboren: der sogenannte “nudie cutie“; die Handlungen solcher Filme spielten sich im Normalfall in diversen Nudistencamps ab, die bspw. von Monstern überfallen wurden oder sich auch gerne mal auf dem Mond (!!!) befanden. So wurde der Zensur ein Schnippchen geschlagen und den Zuschauer konnten nackte Tatsachen auf den Leinwänden präsentiert werden. Wie dieser Film von Regisseur Peter Perry Jr. nun zeigt, machten die “nudie cuties“ auch vor dem Westerngenre nicht halt. Es ist also kaum verwunderlich, dass REVENGE OF THE VIRGINS jetzt nicht unbedingt über einen spannenden Plot oder großartig talentierte Darsteller verfügt, für einen Film, dessen ausschließliches Ziel es ist, seinen Zuschauern blanke Brüste zu präsentieren, ist das Teil hier aber erstaunlich unterhaltsam und kurzweilig geraten – was natürlich auch an der extrem überschaubaren Laufzeit von gerade mal einer knappen Stunden liegen kann.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ZOOKEEPER (USA 2011, Regie: Frank Coraci)

zookeeper

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Einst wurde dem einfachen Zoowärter Griffin Keyes (Kevin James) von seiner damaligen Freundin Stephanie (Leslie Bibb) das Herz gebrochen. Ein Vorfall, von dem er sich nie richtig erholt hat. Für die Tiere im Zoo ist Griffin ein echter Glücksfall, sie lieben ihren Wärter über alles und ergreifen – als Griffin und Stephanie plötzlich wieder aufeinandertreffen und sie die Gefahr sehen, ihren Wärter zu verlieren – zu einer radikalen Maßnahme, um Griffin weiter an sich binden. Sie offenbaren ihm ihr größtes Geheimnis – dass sie imstande sind zu sprechen und sich mit den Menschen zu verständigen – und geben Griffin mehr oder weniger wertvolle Dating-Tipps…

Ich möchte an dieser Stelle mal eine kleine Lanze für Filme wie ZOOKEEPER brechen. Für Filme wie diesen hier, bei denen man sich ja fast nicht mehr traut, öffentlich zuzugeben, dass man sie unterhaltsam oder gar gut findet. Für Filme, die praktisch überall nur als minderwertige Unterhaltung angesehen werden, über deren typischen Handlungsverlauf gelästert wird und deren Harmlosigkeit als Schwäche angesehen wird. Ich finde es toll, dass es Filme wie ZOOKEEPER gibt. Natürlich ist Coracis Film vorhersehbar und naiv, aber er ist mit seiner durch und durch positiven Grundaussage und seiner liebenswürdigen Harmlosigkeit auch verdammt sympathisch. Ich liebe es, mich von Filmen wie diesem hier nach anstrengenden Arbeitstagen einfach nur berieseln und einlullen zu lassen und habe nicht eine Sekunde lang ein schlechtes Gewissen, wenn sie mir gefallen und ich sie als perfekte Unterhaltung zum Ausklang eines Arbeitstages betrachte. ZOOKEEPER ist einfach sympathisch, verfügt über ein paar tolle Gags und macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

STREET KINGS (USA 2008, Regie: David Ayer)

street kings

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

In STREET KINGS gerät der nicht gerade für seine fürsorglichen Methoden bekannte Cop Tom Ludlow (Keanu Reeves) ins Visier der Abteilung für innere Angelegenheiten…

Ayers Cop-Thriller funktioniert ganz gute als filmischer Nachschlag zu der erst vor kurzer Zeit von mir zu Ende gesehenen TV-Serie THE SHIELD. Auch STREET KINGS spielt in den Straßen von Los Angeles und verfügt über eine mehr als streitbare Haupt- und – wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen will – Identifikationsfigur. Und dass in Ayers Film auch noch Forest Whitaker mitspielt, der ja auch in einer Staffel von THE SHIELD eine entscheidende Rolle bekleidete, passt ebenfalls gut ins Bild. Und auch der Grundton, mit dem Ayer hier den Zuschauer konfrontiert, ist dem der von Shawn Ryan kreierten Serie sehr ähnlich. Auf Identifikationsfiguren muss man fast gänzlich verzichten, der Polizeiapparat besteht aus einem einzigen Sumpf aus Korruption und die Methoden, mit denen die Cops ihre Arbeit verrichten, sind mehr als streitbar. STREET KINGS wirkt dabei – wahrscheinlich auch, weil er nicht im halbdokumentarischen Stil inszeniert ist – zwar noch nicht ganz so desillusionierend wie Ayers Nachfolgefilm END OF WATCH, trifft mit seiner kompromisslosen Härte den Zuschauer aber trotzdem stellenweise bis ins Mark. STREET KINGS hat allerdings auch ein Problem, und das liegt in den vielen Wendungen, welche in der Geschichte, die STREET KINGS erzählt, wohl aus Spannungsgründen eingebaut sind. STREET KINGS wirkt so mitunter etwas arg unglaubwürdig und konstruiert, was ich persönlich als doch etwas störend empfunden habe. Am durchaus positiven Gesamteindruck ändert diese vermeintliche Schwäche jedoch nicht wirklich viel.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

VICTORIA (Deutschland 2015, Regie: Sebastian Schipper)

victoria

(Fassung: Blu-ray, WildBunch/Senator/Universum, Deutschland)

Treibende Elektro-Beats in einer Berliner Untergrund-Disco. Extatisch tanzende Körper. Eine junge Frau, der deutschen Sprache nicht mächtig, die beim Verlassen der Discothek auf vier Typen der Marke Möchtegerngangster trifft und sich schließlich – in gebrochenem Englisch mit ihnen verständigend – auf ein impulsives, intensives und gefährliches Abenteuer einlässt. So beginnt VICTORIA von Regisseur Sebastian Schipper, der den Zuschauer mit diesen ersten Bildern und Tönen mit auf eine faszinierende Reise ins nächtliche Berlin nimmt, ihn regelrecht in den Film hineinzieht und ihm mit der sich ständig in Bewegung befindlichen Kamera das Gefühl verpasst, Teil dieses nächtlichen Abenteuers zu sein.

Ich habe im Vorfeld praktisch nur Gutes über VICTORIA gehört und gelesen und auch in diversen Jahresbestenlisten war Schippers Film auf den vorderen Plätzen zu finden. Meine Erwartungshaltung war vielleicht etwas zu groß und konnte am Ende leider nicht ganz erfüllt werden. Das Problem, das ich mit dem Film hatte, waren die vier männlichen Protagonisten, die ich allesamt als unsympathisch empfunden habe, mit denen mir eine Identifikation praktisch zu keiner Zeit möglich war und für die ich auch keine Empathie aufbringen konnte. Das hatte letztendlich auch Auswirkungen auf meine Beziehung zur Titelfigur, für die ich nur wenig Verständnis aufbringen konnte und bei der es mir schleierhaft war, wie sie sich mit diesen Typen überhaupt einlassen konnte.

Aber dieses Problem mal außen vor gelassen, diese Intensität, diese Unmittelbarkeit, dieses Wilde und Unvorhersehbare, das der Film vermittelt, hat auch mich gepackt und sehr schnell in den Bann gezogen. So etwas ist man als Zuschauer von deutschen Filmen ja nicht unbedingt gewohnt und VICTORIA ist schon allein aufgrund der Tatsache, dass er so komplett anders ist als das Gros der deutschen Filme der letzten Jahre, unbedingt sehens- und empfehlenswert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STRAIGHT OUTTA COMPTON (USA 2015, Regie: F. Gary Gray)

straight outta compton

(Fassung: Blu-ray Director’s Cut, Universal, Deutschland)

Nachdem ich STRAIGHT OUTTA COMPTON ja bereits im September im Kino gesehen hatte und ausgesprochen begeistert von Grays Biopic gewesen bin, konnte ich es kaum erwarten, mir den um 20 Minuten verlängerten Director’s Cut, der mittlerweile auf Blu-ray erschienen ist, auch noch anzusehen. Meinem damaligen Text zur Kinofassung gibt es eigentlich nicht viel hinzuzufügen und so entstehen diese wenigen Zeilen hier vor allem aus Komplettierungsgründen. Schließlich soll dieser Blog hier ja als Filmtagebuch dienen, in dem zu jedem gesehenen Film eines Monats ein paar Zeilen niedergeschrieben werden.

Festzuhalten wäre in erster Linie (und hier wird mein Hauptkritikpunkt am Film leider bestätigt), dass es auch dem Director’s Cut mit seiner um 20 Minuten längeren Laufzeit nicht gelingt, den Film weniger gehetzt wirken zu lassen. STRAIGHT OUTTA COMPTON läuft einfach über vor Informationen und Ereignissen und rast an den Zuschauer trotz nun fast 3-stündiger Laufzeit regelrecht vorbei und man kommt einfach nicht umhin, festzustellen, dass hier stellenweise etwas weniger tatsächlich deutlich mehr gewesen wäre.

Aber trotz aller Kritik, die man sicher aufbringen kann, muss ich einfach auch noch mal feststellen, dass die Schwächen des Films meine Begeisterung für ihn in keiner Weise trüben können und ich diesen Film für Fans der Musik unverzichtbar halte. Wegen des Einblicks in die damalige Zeit, die er vermittelt, wegen des nahezu perfekten Castings, mit dem die Schlüsselrollen besetzt worden sind und natürlich auch wegen der unfassbar geilen Konzertsequenzen, die einfach nur Gänsehaut verursachen. STRAIGHT OUTTA COMPTON rockt, äh rappt!

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

Jahresendspurt – 3. Teil

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS (Belgien / Frankreich / Luxemburg 2013, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS handelt vom Geschäftsmann Dan Kristensen (Klaus Tange), der von einer Geschäftsreise nach Hause kommt und feststellen muss, dass seine Frau spurlos verschwunden ist. Er macht sich auf die Suche nach ihr und gleitet schon bald in einen Zustand ab, in dem die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen…

Nach dem von mir vor einigen Wochen gesehenen AMER ist dies hier der zweite abendfüllende Spielfilm der beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich erneut der Stilmittel der klassischen Gialli bedienen und mit diesen einen Film erschaffen, dessen Sichtung schon fast einer sinnlichen Erfahrung gleichkommt. Konnte man der Handlung von AMER noch halbwegs folgen, hat man hier als Zuschauer eigentlich gar keine Chance mehr. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS besteht praktisch nur noch aus aufregenden, in satte Farben getauchten Bildern, aus Großaufnahmen von Augen, Mündern und sonstigen Körperpartien, aus beunruhigenden Geräuschen, aus Stimmung und Atmosphäre. Man kann sich diesem Film bereits nach kurzer Zeit einfach nur noch wehrlos ergeben, um was es hier letztendlich geht, wie die Lösung des Rätsels aussehen wird, all das ist vollkommen zweitrangig. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS nimmt einen als Zuschauer in Gefangenschaft und führt einen in unbekannte Dimensionen. Ich hatte über die komplette Laufzeit des Films Gänsehaut, obwohl ich ihm auf Handlungsebene schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr folgen konnte. Wahnsinn, was ein Film alles auslösen kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DAMNATION ALLEY (USA 1977, Regie: Jack Smight)

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(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

DAMNATION ALLEY spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft und handelt von einer Handvoll Menschen, die sich in einem futuristischen Militärgefährt auf den Weg machen, um eine alte, in nicht gerade wirtlicher Gegend gelegene Militärbasis zu verlassen, und dabei hoffen, auf ihrer langen Reise auf einen Ort zu treffen, der tatsächlich noch bewohnbar ist.

Ich würde jetzt wirklich gerne etwas Positives über DAMNATION ALLEY schreiben, schon allein aus dem Grund, weil ich einfach ein Herz für Filme dieser Art habe und ich auf gewisse Art und Weise auch Smights Film ungemein sympathisch finde. Im vorliegenden Fall ist dies aber schon verdammt schwer, weil in DAMNATION ALLEY über die fast komplette Laufzeit einfach nichts Nennenswertes passiert. Smights Film ist nicht spannend, bietet fast keine Schauwerte und kommt zudem noch mit Effekten um die Ecke, denen man ihr Alter in jeder Einstellung ansieht. Und macht man sich dann auch noch bewusst, dass DAMNATION ALLEY im Jahr 1977 immerhin 17 Mio. US-Dollar gekostet hat und ein gewisser Herr Lucas im selben Jahr für 6 Mio. US-Dollar weniger STAR WARS in die Kinos brachte, fällt es noch ein gutes Stück schwerer, ein großartiges Lobeslied auf Smights Film anzustimmen. Sicher, auch DAMNATION ALLEY hat seine Momente, die sind aber leider viel zu rar gesät, um den Film in irgendeiner Weise großartig interessant für sein Zielpublikum zu machen.

Begrüßenswert, dass längst vergessene B-Movies wie DAMNATION ALLEY von umtriebigen Labeln, sowohl in Deutschland als auch in den USA, ausgegraben, für die Nachwelt erhalten und fein säuberlich restauriert auf DVD und Blu-ray veröffentlicht werden, ist es natürlich dennoch, auch wenn sich in den vielen liebevollen Veröffentlichungen die eine oder andere Gurke versteckt wie dieser Film hier.

Bewertung: Naja!

 

LUCY (Frankreich/USA 2014, Regie: Luc Besson)

lucy

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

In LUCY gerät Scarlett Johansson aufgrund widriger Umstände in die ungünstige Situation als Drogenkurier missbraucht zu werden. Ehe sie sich versieht, wird unter ihrer Bauchdecke ein Päckchen neuartiger, synthetischer Drogen verstaut, welches sie in die USA schmuggeln soll. Als das unheilvolle Paket jedoch in ihr aufplatzt und die austretende Droge ihre Wirkung entfaltet, hat das für alle Beteiligten ausgesprochen fatale Konsequenzen. Die bewusstseinserweiternde Droge führt schließlich dazu, dass die Titelheldin sämtliche Kapazitäten ihres Gehirns nutzen kann und übermenschliche Kräfte entwickelt…

Bessons LUCY ist ein typischer 50/50-Film. Love it or hate it – großartige Meinungen dazwischen dürfte es wohl eher nicht geben. Ich bekenne mich dann mal zur “Love It!“- Fraktion, weil ich es schon beeindruckend fand, wie Besson einen Film, der anfangs noch auf ein typisches 08/15-Blockbuster-Publikum zugeschnitten zu sein scheint, innerhalb kürzester Zeit in ein Stadium kompletten Wahnsinns abdriften lässt. Je länger LUCY dauert, desto mehr knallt der Film einfach nur durch, entledigt sich sämtlicher Logik-Grenzen und wird zum rein visuellen Spektakel. Und als Zuschauer sitzt man mit runtergelassener Kinnlade vor dem heimischen Flachbild-TV und traut seinen Augen nicht.

Bewertung: Sehr gut!

 

MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (USA 2015, Regie: Christopher McQuarrie)

mission impossible - rogue nation

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 In seinem fünften Kinoeinsatz als Spezialagent Ethan Hunt muss Tom Cruise auf eigene Faust operieren um die gefährliche Verbrecherorganisation “The Syndicate” zu zerschlagen…

In den knapp 20 Jahren, in denen die Reihe nun schon existiert, hat sie in meinen Augen eine beachtliche Entwicklung hingelegt und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass fast jeder Film seinen ganz eigenen Stil hat. Vom reinen Agenten- und Suspensethriller, den Brian De Palma mit dem Auftaktfilm einst abgeliefert hatte, über komplette Over-the-top-Action von John Woo in Teil 2 hin zu mehr Ernsthaftigkeit im dritten Film von J.J. Abrams, nur um diese Ernsthaftigkeit dann in Teil 4 von Brad Bird wieder gehörig aufzulockern.

Für MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION wurde mit Christopher McQuarrie nun der fünfte Regisseur für den fünften Film verpflichtet. Der hatte vor diesem Film gerade erst 2 Regiearbeiten vorzuweisen, den ziemlich tollen THE WAY OF THE GUN aus dem Jahr 2000 und den eher nicht so tollen JACK REACHER aus dem Jahr 2012. Ihn auszuwählen war also erneut eine durchaus mutige Entscheidung der Produzenten – bereits J.J. Abrams (der damals vom TV kam) und Brad Bird (der zuvor nur Animationsfilme gedreht hatte) waren einst ebenso mutige Entscheidungen gewesen – und auch wenn ich der Meinung bin, dass dieser fünfte Teil gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger etwas abfällt, so muss man nach Sichtung des Films doch konstatieren, dass die Entscheidung für McQuarrie eine gute gewesen ist.

Auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION kann durch einen eigenen Stil überzeugen, da der Film aber an die Ereignisse des Vorgängers anschließt und dessen Geschichte weitererzählt, ist der Stilbruch nicht ganz so eklatant wie zwischen den vier Filmen zuvor. McQuarrie setzt – wie schon Bird – auf Agentenkino im klassischen Bond-Stil mit humoristischen Einschlägen (für die der mal wieder toll aufspielende Simon Pegg sorgt), hat dem Zuschauer sehr viele verschiedene Locations zu bieten, an denen sein Film spielt, fährt aber im Vergleich zum Vorgänger die Actionsequenzen in ihrer Anzahl deutlich zurück, orientiert sich dabei mehr an De Palmas einstigen Auftaktfilm und setzt insbesondere auf Suspense. Die Sequenz in der Oper ist schlicht grandios, die Unterwasserszene an Spannung kaum zu überbieten. Für reine Action sorgen dagegen die etwas arg übertriebene Auftaktsequenz und die atemberaubende Verfolgungsjagd mit den Motorrädern (die dann auch ein bisschen was von Woos zweiten Teil hat).

Ja, auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION ist richtig gut geworden und stellt eine willkommene Abwechslung innerhalb des sonst einfach viel zu sehr von diversen Superhelden dominierten Blockbusterbereichs dar. Im direkten Vergleich mit dem unmittelbaren Vorgänger muss ich allerdings feststellen, dass mir Birds actionreicherer und spektakulärerer Film einen Tick besser gefallen hat.

Bewertung: Sehr gut!

 

INVICTUS (USA 2009, Regie: Clint Eastwood)

invictus

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

 Clint Eastwood erzählt in INVICTUS die Geschichte von Nelson Mandela, der Mitte der 90er Jahre, kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten von Südafrika, mit allen Mitteln versuchte, das gespaltene Land zu einen und sich dabei auch auf die Menschen verbindende Kraft des Sports verließ.

Man mag Eastwood vielleicht vorwerfen, dass er es sich etwas zu einfach macht, die sicher extrem komplexe politische Situation auf ein Sportdrama herunter zu brechen, wie er dies allerdings inszeniert, wie geschickt er den Zuschauer emotional packt und manipuliert und wie großartig er seine Darsteller in Szene setzt, das ist wahrlich meisterhaft. Insbesondere Morgan Freeman liefert in der Rolle des Nelson Mandela eine Darbietung für die Annalen der Filmgeschichte ab, man kann sich nach Sichtung dieses Films tatsächlich keinen einzigen anderen Schauspieler in dieser Rolle vorstellen. Es ist vor allem auch Freemans Spiel, das INVICTUS so lebendig werden und so glaubwürdig erscheinen lässt, mag der Film auch noch so simpel gestrickt sein.

Mich persönlich hat INVICTUS emotional komplett mitgerissen und begeistert, ich hatte an mehreren Stellen des Films – insbesondere natürlich im Finale – vor lauter Rührung Tränen in den Augen und habe praktisch jede Sekunde von INVICTUS einfach nur genossen.

Bewertung: Meisterwerk!

 

JOSHÛ ORI (Japan 1983, Regie: Masaru Konuma)

joshû ori

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In den 70er und 80er Jahren produzierte das japanische Kult-Studio Nikkatsu fast ausschließlich Film mit (soft-)erotischen Inhalten um so größere Zuschauerzahlen zu generieren. Das Resultat waren dabei nicht selten wilde Exploitation-Filme, die innerhalb verschiedenster Subgenres versuchten, neue Grenzen auszuloten. JOSHÛ ORI von Regisseur Masaru Konuma ist ein Vertreter des – sich für das Zeigen nackter Tatsachen natürlich ganz vorzüglich geeigneten – Women-in-Prison-Films und handelt von der Gefangenen Masayo (Mina Asami), an der nach einem missglückten Ausbruchversuch ein Exempel statuiert werden soll, damit solche Versuche nicht plötzlich Mode machen. In seinen knapp 70 Minuten, die JOSHÛ ORI gerade mal dauert, werden dann auch alle Zutaten des WIP-Films abgearbeitet. Die – nennen wir es mal vorsichtig – Konflikte der Häftlinge untereinander, die fiesen und sadistischen Wärterinnen, die Hauptfigur, die sich einfach nicht brechen lässt. Leider vergisst Regisseur Konuma inmitten all seiner Schauwerte ein bisschen, auch so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. JOSHÛ ORI mangelt es an einem Spannungsbogen, Konuma konfrontiert den Zuschauer zwar mit so einigen “What the Fuck!?!“-Momenten, die bloße Aneinanderreihung solcher Sequenzen reicht am Ende aber doch nicht aus, um JOSHÛ ORI als guten Filmen bezeichnen zu können.

Bewertung: Ok!

 

DER ARZT VON ST. PAULI (Deutschland 1968, Regie: Rolf Olsen)

der arzt von st. pauli

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

DER ARZT VON ST. PAULI war damals der Auftakt einer kleinen Reihe von St.-Pauli-Filmen, die zwischen 1968 und 1971 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle in die deutschen Kinos kamen. Leider ist die Verfügbarkeit der Film auf DVD noch sehr schlecht und so ist dieser Film hier – neben den schon vor etwas längerer Zeit gesehenen AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS – leider der einzige dieser Filme, die man sich problemlos zuhause ansehen kann ohne TV-Zeitschriften wälzen zu müssen und auf eine Ausstrahlung zu hoffen. Verdammt schade, denn Olsens Film macht definitiv Lust auf mehr.

Curd Jürgens spielt den Allgemeinarzt Dr. Jan Diffring, einem Mann mit großem Herzen und viel Liebe für seine Patientinnen und Patienten vom Kiez, der im Verlauf des Films in einen Kriminalfall hineingezogen wird und schließlich feststellen muss, dass es sich bei seinem Bruder, den als Gynäkologen praktizierenden Dr. Klaus Diffring (Horst Naumann) um einen skrupellosen Gangster handelt…

Olsen erzählt die Geschichte der beiden Brüder zunächst eher episodenhaft nebeneinander her und verbindet die beiden Handlungsstränge erst relativ spät miteinander (wobei man als Zuschauer allerdings immer einen Wissensvorsprung hat und somit den finalen Konflikt schon bald erahnen kann). Das führt – und das ist das einzige, kleine Manko des Films – leider etwas dazu, dass Curd Jürgens nicht allzu viel Screentime abbekommen hat und DER ARZT VON ST. PAULI nicht so sehr beherrschen kann, wie er nur ein Jahr später AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS beherrschen sollte. In den Szenen, die ihm bleiben, ist er dafür einfach grandios, spielt den Allgemeinarzt als gäbe es kein Morgen mehr und als würde das Schicksal der Welt davon abhängen, dass er diesem Charakter glaubwürdiges Leben verleiht. In Verbindung mit dem wirklich abwechslungsreichen Plot, den unzähligen Schauwerten des Films, die immer wieder auch die Grenze zum Sleaze genüsslich überschreiten, den herrlichen Dialogen und dem unschlagbaren Zeit- und Lokalkolorit ist DER ARZT VON ST. PAULI ein Paradebeispiel dieser Sittenreißer aus längst vergangenen Tagen und kann einen als Zuschauer nur hoffen lassen, dass noch mehr deutsche Filme dieser Art aus der damaligen Zeit geborgen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Bewertung: Sehr gut!

 

HERE COMES THE BOOM (USA 2012, Regie: Frank Coraci)

here comes the boom

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Kevin James spielt den Highschool-Lehrer Scott Voss, der sich als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer versucht um auf dieser Art und Weise Geld aufzutreiben und den Job seines Freundes und Kollegen Marty (Henry Winkler) zu sichern, der aufgrund von Budgetkürzungen wegrationalisiert werden soll…

Sollte jemand behaupten, HERE COMES THE BOOM sei harmlos, kitschig, klischeehaft und vorhersehbar, könnte man ihm voll nicht großartig widersprechen. Aber diese eher negativen Eigenschaften macht Regisseur Coraci mit der Warmherzigkeit, der positiven Energie und der schlichten Schönheit, die sein Film ausstrahlt, locker wieder weg. Und natürlich mit den vielen, einfach nur urkomischen Szenen, die Coraci mit Hilfe seines Hauptdarstellers Kevin James zu bieten hat.

HERE COMES THE BOOM ist verdammt witzig und zudem einer der positivsten Filme, die ich je gesehen habe. Hier regiert der kindlich-naive Glaube an das Gute, es gibt so gut wie nichts Negatives in diesem Film und wenn es aus dramaturgischen Gründen doch notwendig sein sollte (wie bspw. vor dem finalen Kampf), wird es eher nebenbei erwähnt, nur um die positive Grundstimmung nicht zu gefährden. Nicht einmal Voss’ Gegner im Schlusskampf, der durchaus martialisch gezeichnete Ken Dietrich (Krzysztof Soszynski), taugt als “Bösewicht“, auch er zeigt plötzlich seine gute und positive Seite. Das alles macht HERE COMES THE BOOM in meinen Augen ungemein sympathisch, liebens- und absolut empfehlenswert.

Bewertung: Gut!

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 4

MAD LOVE (USA 1935, Regie: Karl Freund)

mad love

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Der ebenso verrückte wie geniale Chirurg Dr. Gogol (Peter Lorre) ist von der Theaterschauspielerin Yvonne Orlac (Frances Drake) so besessen, dass er sogar eine Wachsstatue von ihr in seiner Wohnung stehen hat. Zu seinem Entsetzen muss Gogol jedoch feststellen, dass seine Angebetete mit dem Konzertpianisten Stephen Orlac (Colin Clive) verheiratet ist und sein Traum, mit Yvonne den Rest seines Lebens zu verbringen, wohl eher nicht in Erfüllung gehen wird. Als Stephens Hände bei einem Zugunglück regelrecht zerschmettert werden und es praktisch keine Alternativen zur Amputation gibt, wendet sich Yvonne in ihrer Verzweiflung an Gogol. Mit fatalen Folgen…

MAD LOVE ist eine Mischung aus Liebesgeschichte (wenn man es denn so bezeichnen mag) und Horrorfilm, die Lösung, die Gogol für den Verunglückten bereit hält, besteht darin, ihm die Hände eines erst kürzlich hingerichteten Mörders zu transplantieren und die entwickeln schon bald ein Eigenleben. Gogol sieht darin seine große Chance, den Gatten aus dem Weg zu räumen. Peter Lorre ist schlicht großartig in der Rolle des verrückten Arztes, sein Spiel einfach nur unheimlich und furchteinflößend, aus seinen Augen scheint der Wahnsinn regelrecht zu funkeln. Regisseur Karl Freund hat MAD LOVE mit Hilfe seiner beiden Kameramänner Chester A. Lyons und Gregg Toland zudem in ausgesprochen düstere und beunruhigende Schwarz/Weiß-Bilder gepackt, die dem Film auch heute noch eine schaurig-schöne Atmosphäre verleihen, welche jedoch auch immer wieder durch komische Sequenzen, die insbesondere mit Gogols ständig betrunkener Haushälterin zu tun haben, aufgelockert wird. Für Freunde klassischen Gruselkinos gibt es von mir eine klare Empfehlung für MAD LOVE.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE (USA 2015, Regie: R.D. Braunstein)

i spit on your grave iii - vengeance is mine

(Fassung: Blu-ray, Platform Entertainment, Großbritannien)

 Mit DAY OF THE WOMAN (besser bekannt unter seinem Wiederaufführungstitel I SPIT ON YOUR GRAVE) hat Regisseur Meir Zarchi im Jahr 1978 einen der wohl verstörendsten Filme seiner Zeit gedreht, einen Film, der ein ganzes – sicher ausgesprochen streitbares – Subgenre definiert und bis zum heutigen Tage nichts von seinem Verstörungspotential verloren hat. Im Jahr 2010 kam ein überraschend gut gelungenes Remake in die Kinos, welches dem Original über weite Strecken durchaus gerecht wurde. Nach einem reichlich asozialen Sequel im Jahr 2013, welches lediglich das Genre mit dem Original/Remake teilte und ansonsten nichts mit der Story zu tun hatte, kam nun mit I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE eine echte Fortsetzung heraus, in der wie im Remake erneut Sarah Butler in der Rolle der Jennifer Hills zu sehen ist.

Diese hat mittlerweile ihren Namen geändert, ist untergetaucht und versucht noch immer die Erlebnisse von einst – die in kurzen Rückblenden noch mal ansatzweise visualisiert werden – zu verarbeiten. Der kompletten Männerwelt gegenüber ausnahmslos misstrauisch eingestellt, verliert sich Jennifer immer mehr in Gewaltfantasien und sucht schließlich Hilfe in einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer, in der sie die Außenseiterin Marla (Jennifer Landon) kennenlernt und sich mit ihr anfreundet. Als Marla von ihrem gewalttätigen Exfreund ermordet wird und der Täter aus Mangel an Beweisen auf freien Fuß kommt, nimmt Jennifer das Recht in die eigenen Hände…

Mit I SPIT ON YOUR GRAVE III: VENGEANCE IS MINE vollzieht Regisseur R.D. Braunstein einen Wechsel im Genre, weg vom Rape-and-Revenge-Film, hin zum Vigilanten- bzw. Selbstjustizfilm. Sein Beitrag zur Reihe erinnert mehr an die DEATH-WISH-Filme mit Charles Bronson als an Zarchis ursprünglicher Vision. Ohne Rücksicht auf Verluste hinterlässt der selbsternannte Racheengel eine mehr als beeindruckende Blutspur – Freunde des Horror- und Splatterfilms dürfen sich über einige deftige “creative killings“ freuen – und agiert als Erfüllungsgehilfin diverser Opfer männlicher Gewalt. Dass Braunsteins Film nicht zu sinn- und seelenlosen Nummernrevue verkommt, liegt – wie bereits im 5 Jahre zuvor entstandenen Remake – insbesondere an Hauptdarstellerin Sarah Butler, die schlichtweg großartig spielt, der Hauptfigur echtes Leben einhaucht, ihr einen echten Charakter verleiht und diese nicht nur zur austauschbaren Schablone verkommen lässt.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

MÄNNERHERZEN UND DIE GANZ GANZ GROSSE LIEBE (Deutschland 2011, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen und die ganz ganz große liebe

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

2 Jahre nach MÄNNERHERZEN inszenierte Regisseur Simon Verhoeven diese Fortsetzung, die unmittelbar an die Ereignisse aus dem ersten Teil anschließt (manche in kurzen Rückblenden auch wieder in Erinnerung ruft) und die Geschichten der verschiedenen Protagonisten erneut in episodenhafter Struktur weitererzählt. Der kurze Text, den ich zu MÄNNERHERZEN geschrieben habe, passt im Endeffekt auch für die Fortsetzung. Würde man sich beide Filme hintereinander anschauen, man würde lediglich durch den Abspann des ersten und den Vorspann des zweiten Teils daran erinnert werden, dass es sich tatsächlich um zwei Filme handelt. In Verbindung mit dem Vorgänger erzählt MÄNNERHERZEN UND DIE GANZ GANZ GROSSE LIEBE mehrere kleine, ineinander verwobene Geschichten und befindet sich qualitativ auf exakt demselben Niveau wie der erste Teil. Sehenswert ist auch dieser Film vor allem wegen Christian Ulmen, über den ich mich einmal mehr köstlich amüsiert habe, und Justus von Dohnányi, der seine absurde Performance aus MÄNNERHERZEN sogar noch toppen kann.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

CLOCKERS (USA 1995, Regie: Spike Lee)

clockers

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Spike Lee legt zum wiederholten Male den Finger in die Wunde und beschäftigt sich in CLOCKERS, der erneut in Brooklyn angesiedelt ist, mit dem aus Kriminalität und Drogenabhängigkeit bestehenden Teufelskreis.

Im Gegensatz zu seinen beiden Rassismus-Parabeln DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER, die trotz ihres ernsten Themas doch mit einer gewissen Leichtigkeit inszeniert waren, geht CLOCKERS jedoch jegliche Form von Leichtigkeit ab. Das macht sich bereits im Vorspann bemerkbar, wenn die Credits über Bilder blutüberströmter Leichen laufen, kann man sich als Zuschauer bereits darauf einstellen, dass einen in den nächsten 2 Stunden eher schwer verdauliche Kost vorgesetzt wird.

CLOCKERS dreht sich um den kleinen Dealer Strike (Mekhi Phifer), der zum Netzwerk des das Viertel beherrschenden Rodney Little (Delroy Lindo) gehört, und ins Visier des Polizisten Rocco Klein (Harvey Keitel) gehört. Der ist nach einem Mord an einem Imbissbesitzer nämlich davon überzeugt, dass Strike für die Tat verantwortlich ist und nicht der angeblich geständige Täter (Isaiah Washington), der sich bereits in Polizeigewahrsam befindet und bei dem es sich zufällig um Strikes Bruder handelt. Es entwickelt sich ein Psychospiel nach dem Katze-und-Maus-Prinzip zwischen Strike und Little.

Wie oben schon geschrieben ist CLOCKERS tatsächlich ausgesprochen schwer zu verdauen. Lees Film überzeugt zwar einmal mehr mit eindringlichen, schauspielerischen Leistungen und einer glaubwürdigen Milieuzeichnung, war mir persönlich insgesamt betrachtet jedoch etwas zu sperrig inszeniert. Vielleicht hat mich CLOCKERS auch einfach auf dem falschen Fuß erwischt, aber es ist mir einfach nicht gelungen, einen echten Zugang zu ihm zu finden. So ließ ich das Geschehen eher teilnahmslos an mir vorüberziehen und war am Ende froh, als der Abspann einsetzte. Eine endgültige Bewertung möchte ich mir eigentlich verkneifen, CLOCKERS ist einer der Kandidaten, denen ich – nachdem ich ja nun weiß, was auf mich zukommen wird – irgendwann noch eine zweite Chance geben muss. Ein Film, den ich gerne mehr gemocht hätte und in dem sicherlich viel Potential steckt.

(Vorläufige) persönliche Bewertung: Ok!

 

THE NATURAL (USA 1984, Regie: Barry Levinson)

the natural

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 In THE NATURAL will es das frühere Jahrhunderttalent Roy Hobbs (Robert Redford), dessen Karriere einst nach einem Mordversuch jäh beendet wurde, noch einmal wissen, heuert über 15 Jahre nach dem traumatischen Erlebnissen bei den New York Knights an und beginnt in relativ hohem Alter doch noch eine Karriere im Profi-Baseball…

Auch so ein typischer Award-Kandidat. Gewonnen hat THE NATURAL dann zwar nichts Nennenswertes, aber immerhin 4 Oscar-Nominierungen sind ja auch etwas, das man sich auf den Briefkopf schreiben kann. THE NATURAL besticht durch große Schauspielkunst, tolle Settings, schöne Bilder und eine fast schon epische Art der Inszenierung. Was einem hier jedoch in Sachen Plotkonstruktion geboten wird, übertrifft fast jedes Klischee, welches man dem ja sowieso immer ziemlich klischeebehafteten Sportfilm im Normalfall zubilligen mag. Die ganze Ausgangssituation von THE NATURAL ist nicht sonderlich glaubwürdig, der weitere Handlungsverlauf in Grundzügen fast schon lächerlich. Als der schwer gezeichnete Hobbs im alles entscheidenden Spiel, für dessen Teilnahme er sogar sein Leben riskiert, schließlich auch noch den Verlust seines geliebten und symbolüberladenen Schlägers, den er einst als Jugendlicher selbst gefertigt hatte, verkraften muss, dachte ich mir eigentlich nur “ach nö, bitte nicht auch noch…“. Dass das Spiel von Hobbs natürlich auch mit anderem Schläger entschieden wird, dürfte niemanden überraschen, wie dieser entscheidende Homerun dann aber inszeniert ist, sprengt sämtlichen Kitschgrenzen. Hobbs schlägt den Ball in den Lichtmast und begeht unter sprühenden Funken – fast wie eine Heiligenfigur – seinen letzten Homerun. An solchen Szenen können Filme durchaus scheitern. THE NATURAL tut dies irgendwie nicht, ich würde mit all seinen Handlungsschwächen, all seinen Klischee und dem ganzen übertriebenen Kitsch und Pathos nicht wirklich darauf kommen, ihn als nur mittelprächtigen oder gar schlechten Film bezeichnen zu wollen. Levinsons Film wird am Ende des Tages durch seine Besetzung gerettet. Wer Schauspieler wie Robert Redford, Robert Duvall, Glenn Close, Kim Basinger, Barbara Hershey, Joe Don Baker, Michael Madsen, u.a. gemeinsam vor der Kamera vereint, schafft es wohl allein aufgrund dieser geballten Schauspielkompetenz nicht, keinen guten Film zu inszenieren.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

LABOR DAY (USA 2013, Regie: Jason Reitman)

labor day

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

LABOR DAY führt Kate Winslet als alleinerziehende Mutter und Josh Brolin als verzweifelten Ausbrecher in einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte zusammen, erzählt die Geschichte zweier Menschen, die sich zufällig unter extremen Umständen kennenlernen, sich Hals über Kopf ineinander verlieben und sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass diese Liebe keine Zukunft haben wird. Regisseur Jason Reitman hat mit LABOR DAY eine Mischung aus Drama, Thriller und Romanze gedreht, die nicht mit dem üblichen Kitsch überläuft, sondern den Zuschauer vielmehr mit einer spannenden Geschichte unterhält. Die beiden Hauptfiguren eignen sich ganz vorzüglich dazu, um mit ihnen zu bangen und zu hoffen, dass diese Romanze positiv ausgehen wird. Aufgrund dieser Frage bleibt LABOR DAY bis zum Ende spannend, die Chemie zwischen Winslet und Brolin passt und als Zuschauer betet man regelrecht für ein Happy End für die beiden. Das Ende des Films ist sicher etwas kitschig, aber halt auch einfach nur wunderschön geraten und verursacht ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Ein kleiner, feiner Film und gleichzeitig auch ein flammendes Plädoyer, einfach mal an das Gute im Menschen zu glauben.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

SEABISCUIT (USA 2003, Regie: Gary Ross)

seabiscuit

(Fassung: DVD, DreamWorks, Deutschland)

 SEABISCUIT erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte eines halbblinden Jockeys (Tobey Maguire), der in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem titelgebenden, lahmenden und bereits aussortierten Rennpferd Geschichte im Pferderennsport geschrieben hat. Noch so eine Außenseitergeschichte, die sich natürlich ganz vorzüglich für eine auf möglichst viele Auszeichnungen schielende Verfilmung eignet. Immerhin sieben Nominierungen für den Oscar und zwei Nominierungen bei den Golden Globes sprangen letztendlich heraus. Ausgezeichnet ist an SEABISCUIT vor allem die Zeichnung der Zeit, in der er spielt. Das USA der 30er Jahre kommt ausgesprochen glaubwürdig und authentisch rüber, die Ausstattung des Films ist schlicht superb. Die Geschichte selbst brauchte für meinen Geschmack etwas zu viel Zeit um in Gang zu kommen, so richtig interessant und spannend wurde SEABISCUIT eigentlich erst in der zweiten Hälfte. Dafür sind die diversen Szenen der Pferderennen ungemein intensiv geraten, das Ende verursacht Gänsehaut und Jeff Bridges ist in einer der Hauptrollen mit von der Partie. Und irgendwie ist jeder Film, in dem Jeff Bridges mitspielt, ein guter Film, auch dieser hier.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

WILD (USA 2014, Regie: Jean-Marc Vallée)

wild

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Noch ein Film, der auf wahren Begebenheiten beruht. WILD erzählt die Geschichte von Cheryl Strayed, die in den 90er Jahren im Alter von 26 auf drastische Art und Weise einen neuen Lebensabschnitt startete: Nach dem Tod ihrer Mutter, der Scheidung ihrer Ehe und um sich endgültig von ihrem exzessiven Lebensstil mit Heroinkonsum und ständigen wechselnden Sexualpartnern zu verabschieden, begab sich Strayed auf eine Weitwanderung auf den Pacific Crest Trail und legte so rund 1.600 Kilometer zurück.

Für Hauptdarstellerin Reese Witherspoon, die man wohl am wenigsten in einer solchen Rolle erwarten würde, war WILD eine Herzensangelegenheit. Sie sicherte sich die Filmrechte an Strayeds Buch, produzierte ihn und hatte so überhaupt erst die Möglichkeit, die Hauptrolle zu spielen. Und Reese Witherspoon ist in dieser Rolle, die so gar nicht ihrem üblichen Rollenklischee entspricht, tatsächlich schlichtweg großartig. WILD ist ein Film, der mich von Anfang gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Die Geschichte der Wanderung unterbricht Regisseur Jean-Marc Vallée immer wieder mit – teils extrem kurzen – Flashbacks, in denen der Zuschauer Details des früheren Lebens der Protagonistin zu sehen bekommt und dieses ständige Hin- und Herspringen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verleiht WILD eine ungemeine Dynamik, die ein Film, der lediglich eine junge Frau mit einem übergroßen Rucksack auf steinigen Wegen zeigen würde, wohl kaum erreichen könnte. Ein weiterer, riesiger Pluspunkt des Films ist natürlich die Kameraarbeit. Gedreht wurde u.a. im Crater Lake National Park in Oregon und die Landschaftsaufnahmen, die Kameramann Yves Bélanger da auf die Leinwand zaubert, sind teilweise zum Niederknien schön. Und um die Lobeshymne noch abzurunden möchte ich noch kurz auf die grandiose Musikauswahl eingehen. Die Sequenz, die mit “El Condor Pasa (If I Could)“ von Simon & Garfunkel unterlegt wurde, ist pure Magie, das perfekte Zusammenspiel zwischen Bild und Ton. Das gilt im Übrigen auch für die Szene, in der “Glory Box“ von Portishead Verwendung fand. Einfach nur toll. Wenn es an WILD überhaupt etwas auszusetzen ist, dann die mit knapp 2 Stunden viel zu knapp bemessene Laufzeit. Ich hätte Reese Witherspoon locker noch eine Stunde länger bei ihrer Wanderung durch die Wildnis zusehen können.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!