The Movies of February 2017

Der Monat ist zu Ende, es gibt wieder ein paar lose Gedanken zu allen gesehenen Filmen. Angeordnet sind die kurzen Texte in der Reihenfolge des persönlichen Gefallens.

the-proposition

Verdammt großartig ist THE PROPOSITION (Australien / Großbritannien 2005, Regie: John Hillcoat), ein Neo-Western, der im australischen Outback im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielt und in dem sich ein Gesetzloser auf einen Deal mit dem Gesetz einlässt, aus dem am Ende nur Verlierer hervorgehen können.

Überwältigende Bilder von Kameramann Benoît Belhomme, eine wahrlich unter die Haut gehende Geschichte aus der Feder von Nick Cave, der gemeinsam mit Warren Ellis auch noch die Musik beigesteuert hat, eine zutiefst melancholische Stimmung und Atmosphäre sowie mehr als überzeugende Darsteller sorgen dafür, dass Hillcoats THE PROPOSITION einer dieser Filme ist, denen man sich als Zuschauer unmöglich entziehen kann, die einen vollkommen vereinnahmen und schließlich regelrecht atemlos in den Abspann entlassen.

Bewertung: 9/10

 

Als faszinierendes Portrait einer außergewöhnlichen und nicht gerade unkomplizierten Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen möchte ich THE DUKE OF BURGUNDY (Großbritannien / Ungarn 2014, Regie: Peter Strickland) gerne bezeichnen.

Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Geben und Nehmen und das Missverhältnis, das entstehen kann, wenn der eine Teil zu viel vom anderen fordert. Und es geht natürlich nicht zuletzt um sexuelle Obsessionen und – in der filmischen Umsetzung – um den Umgang mit dem Tabuthema S&M. Regisseur Strickland nähert sich seinem Thema auf ungemein ästhetische und behutsame Art und Weise. Er nimmt seine beiden Hauptcharaktere ernst und bringt dem Zuschauer so auf ungemein einfühlsame Art deren gegenseitiges Dilemma näher. Strickland füttert das Kopfkino, verzichtet praktisch gänzlich auf nackte Tatsachen oder gar explizite Details und arbeitet stattdessen mit Andeutungen, symbolträchtiger Bildsprache und einer – in nicht wenigen Momenten – fast schon melancholisch-verträumten Atmosphäre.

Bewertung: 9/10

 

 

Chris Rock spielt sich in TOP FIVE (USA 2014, Regie: Chris Rock), bei dem er neben Hauptrolle und Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, wohl in gewisser Weise selbst. Zumindest dürfte dieser Film, in dem ein ehemaliger Stand-Up-Comedian und jetziger Superstar durch ein geführtes Interview mit einer Journalistin – gespielt von Rosario Dawson – damit beginnt, sein jetziges Leben zu reflektieren und dadurch am Ende des Tages wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet, mit Sicherheit den einen oder anderen autobiographischen Zug aufweisen.

Fälschlicherweise als Komödie beworben und vermarktet, ist TOP FIVE viel mehr ein authentisch wirkender Einblick in die Licht- und Schattenseiten des Showgeschäftes, ein Drama, welches vor allem durch die großartige Chemie zwischen Chris Rock und Rosario Dawson begeistert und darüber hinaus auch so einige denkwürdige Szenen zu bieten hat, von denen nicht wenige in meinen Augen als echte “Magic Moments“ durchgehen.

Bewertung: 8/10

 

Ein britischer Tontechniker wird von einem italienischen Regisseur engagiert und in das titelgebende BERBERIAN SOUND STUDIO (Großbritannien 2012, Regie: Peter Strickland) gebeten um dort an der Vertonung eines Films zu arbeiten, eine Arbeit, die den schüchternen Briten schon bald überfordert und die Grenzen zwischen Film und Realität mehr und mehr ineinander verschwimmen lässt.

Stricklands Film ist sowohl eine Liebeserklärung an die meist im Hintergrund stehenden Leute aus der Sound-Crew eines Filmes als auch an den italienischen Giallo der 70er Jahre. Wer großen Wert auf eine nachvollziehbare Handlung legt, dürfte hier massiv enttäuscht werden. Strickland erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern vermittelt mit seinen Bildern und seinen Tönen eher Stimmungen und Gefühle, erzeugt eine unheimliche Mystery-Atomsphäre und gleitet insbesondere im letzten Drittel des Films mehr und mehr ins Surreale ab. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte begeistert sein.

Bewertung: 8/10

 

Ganz wunderbaren B-Movie-Charme versprüht MOONSHINE COUNTY EXPRESS (USA 1977, Regie: Gus Trikonis) aus der Corman-Schmiede, in dem ein fieser Schurke einen lästigen Konkurrenten im Schwarzbrenner-Business umbringen lässt um das illegale Geschäft für sich alleine zu haben und sich schließlich damit auseinandersetzen muss, dass dessen drei attraktive Töchter in keinster Weise gewillt sind, klein beizugeben.

Trikonis’ Film bietet alles, was man sich von einem Streifen wie diesem hier erhofft: jede Menge bekannte Gesichter aus dem Exploitation-Bereich (u.a. John Saxon, Claudia Jennings und Candice Rialson), einen fiesen Bösewicht, sympathische Heldinnen, die sich diesem widersetzen, die eine oder andere spektakuläre Autoverfolgungsjagd und eine über die komplette Laufzeit ausgesprochen rasante und kurzweilige Art der Inszenierung. Geiler Film!

Bewertung: 8/10

 

Spencer Tracy als alternden Rechtsanwalt mit Alkoholproblemen in THE PEOPLE AGAINST O’HARA (USA 1951, Regie: John Sturges) dabei zuzusehen, wie dieser verzweifelt versucht, einen offensichtlich zu Unrecht des Mordes angeklagten Mann freizubekommen, katapultiert einen als Zuschauer zurück in die klassische Hollywood-Zeit, in der einzig und allein die schauspielerischen Leistungen und die erzählte Geschichte im Mittelpunkt standen.

Dem Zahn der Zeit haben sicher nicht alle Filme von damals so gut standgehalten wie dieser hier. Sturges Film bleibt bis zum großen Finale spannend, kann auch heute noch aufgrund seiner tollen Schauspieler überzeugen und hat im Lauf der Jahre tatsächlich erstaunlich wenig Staub angesetzt.

Bewertung: 8/10

 

In GRIMSBY (Australien / Großbritannien / USA 2016, Regie: Louis Leterrier) gerät ein Top-Agent des britischen Geheimdienstes in den Verdacht des Verrats weil ihn sein tollpatschiger Bruder in Gestalt von Sacha Baron Cohen nach jahrelanger, verzweifelter Suche endlich ausfindig gemacht und sich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für das Wiedersehen ausgesucht hat.

Actionspezialist Louis Leterrier trifft auf den Chaoskomiker Sacha Baron Cohen – herausgekommen ist ein komplett irrsinniger Hybrid aus geiler Actionchoreographie und übelstem Gross-Out-Humor, der sämtliche Grenzen des guten Geschmacks sprengt und den man wohl nur hassen oder lieben kann. Ich muss zugeben, die eine oder andere Szene fand ich auch etwas zu sehr “over the top“ (und wie dieser Film hier eine Freigabe ab 12 Jahren von der FSK bekommen konnte, ist mir ein absolutes Rätsel), bei unzähligen anderen Sequenzen lag ich jedoch fast weinend vor Lachen auf der Couch. Ich mochte GRIMSBY, sehr sogar.

Bewertung: 8/10

 

Ein komplett bizarres Szenario bekommt man von SONNY BOY (Italien / USA 1989, Regie: Robert Martin Carroll) geliefert, in dem ein Kleinkind zufällig in die Hände eines komplett dysfunktionalen Pärchens gerät und von diesem zu einem willenlosen Werkzeug geformt wird, welches im Erwachsenenalter auf Befehl diverse kriminelle Handlungen durchzuführen hat.

Zunächst einmal ist dieser Film komplett aus seiner Entstehungszeit herausgefallen. Er fühlt sich – schon allein aufgrund der Ausgangssituation für die Geschichte und dem weiteren Verlauf der Handlung – praktisch über die komplette Laufzeit nach einem typischen Vertreter des alle Grenzen auslotenden 70er-Jahre-Exploitation-Kinos an und hat auch exakt den Look dieser damaligen Genrevertreter. Wer aufgrund des skizzierten Szenarios nun erwartet, dass Regisseur Carroll seinen Film vor allem mit Geschmacklosigkeiten am laufenden Band garniert hat, kann beruhigt bzw. muss enttäuscht werden. So bizarr SONNY BOY vielleicht auch sein mag, Carroll schafft den fast unmöglich wirkenden Spagat zwischen schriller Exploitation und einfühlsamer Geschichte praktisch mühelos, nimmt alle seine Figuren ernst und erschafft so vor allem im Schlussdrittel stellenweise einen Film von fast poetischer Schönheit.

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Lebensmitteln findet in SAUSAGE PARTY (USA 2016, Regie: Greg Tiernan / Conrad Vernon) heraus, was wirklich mit ihnen passiert, wenn sie von den Menschen aus dem Supermarkt mitgenommen werden.

Politisch höchst inkorrekter Animationsklamauk aus der Feder von u.a. Seth Rogen und Jonah Hill. Wer deren Art von Humor mag und schätzt wird auch mit SAUSAGE PARTY verdammt viel Spaß haben. Ein Film, der zwar genüsslich Grenzen überschreitet und teils extrem derben Gross-Out-Humor liefert, bei näherer Betrachtung aber auch ein satirisch komplett überzeichnetes Statement zur politischen Weltsituation abgibt, damit auf der richtigen Seite steht und allein aus diesem Grund zwei Daumen nach oben verdient hat.

Bewertung: 8/10

 

 

Durch die düsteren Ecken von L.A. begleitet man als Zuschauer den titelgebenden THE CANDY TANGERINE MAN (USA 1975, Regie: Matt Cimber), einen nicht zu großartigen Späßen aufgelegten Zuhälter, und wird dabei Zeuge seines Tages- und Nachtwerks.

Einen herkömmlichen Plot gibt es eigentlich nicht wirklich, der Film setzt sich eher aus verschiedenen Handlungselementen zusammen. Der von John Daniels gespielte Zuhälter versucht seine Prostituierten unter Kontrolle zu halten, liefert sich ein Katz- und Maus-Spiel mit zwei Polizisten, beginnt eine blutige Fehde mit der Konkurrenz und versucht nebenbei, noch ein richtig dickes Ding zu drehen, bei dem ein mehr als stattlicher Geldbetrag herausspringen könnte. Regisseur Cimber holt dabei aus den offensichtlich geringen Mitteln, die er zur Verfügung hatte, nahezu das Maximum raus. Sein Film spielt zwar nicht in einer Liga mit den großen Klassikern des Blaxploitation-Kinos, kann aber durch seine Authentizität vermittelnde Stimmung, sein Setting in den eher ungemütlicheren Ecken der Stadt der Engel, seinen megacoolen Hauptdarsteller, seine grimmige Atmosphäre und jede Menge teils ausgesprochen derber What-the-Fuck-Momente absolut überzeugen.

Bewertung: 7/10

 

Louis de Funès und seine Kollegen werden in LE GENDARME EN BALADE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean Girault) in den Ruhestand zwangsversetzt, was sie – um die schon bald einsetzende Langeweile zu bekämpfen – allerdings nicht daran hindert, weiter die Uniform anzuziehen und heimlich auf Streife zu gehen.

De Funès im Ruhestand ist sogar noch einen Tick witziger als De Funès mit Schmetterlingen im Bauch (den Text hierzu gibt es weiter unten). Girault inszeniert ausgesprochen rasant, gelungene Gags gibt es praktisch im Minutentakt und nebenbei ist der Film natürlich auch eine Liebeserklärung an alle Menschen, die sich nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mal einfach so nebenbei abschieben lassen sondern selbst noch aktiv bleiben.

Bewertung: 7/10

 

In seinem dritten Auftritt als Gendarm verliebt sich Louis de Funès in LE GENDARME SE MARIE (Frankreich / Italien 1968, Regie: Jean Girault) in die bezaubernde Claude Gensac.

Louis de Funès erneut in einer seiner Paraderollen. Als Gendarm mit Schmetterlingen im Bauch richtet er einmal mehr heilloses Chaos an und bereitet einem als Zuschauer so extrem vergnügliche 90 Minuten. Eine wunderbare 60er-Jahre-Atmosphäre, das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus diversen De-Funès-Filmen und die wiederholt federleichte Inszenierung von Regisseur Jean Girault machen auch aus dem dritten Teil der Reihe einen Film, den man sich als Fan immer wieder gerne ansieht.

Bewertung: 7/10

 

Ziemlich durchdrehende Exploitation aus Griechenland liefert ΤΑΓΚΟ 2001 | TANGO 2001 (Griechenland 1974, Regie: Kostas Karagiannis), in dem ein wohlhabender Außenseiter, der von allen nur belächelt und ausgenutzt wird, auf ganz eigene Art und Weise versucht, seinem Dilemma zu entfliehen.

Ganz viel Sleaze, psychedelische Nachtclubsequenzen, grandiose Inneneinrichtungen, What-the-Fuck-Momente im Überfluss und eine Geschichte, bei der man sich nie so sicher sein kann, welche Wendung sie als nächstes einschlagen wird. Ja, doch, TANGO 2001 bietet wirklich ganz schön viel für so einen kleinen, schmuddeligen Film.

Bewertung: 7/10

 

Die Dokumentation THE SEARCH FOR WENG WENG (Australien 2007, Regie: Andrew Leavold) begibt sich auf die Spuren des im Jahr 1992 verstorbenen Weng Weng, der mit nur 83 cm Körpergröße als einer der kleinsten Schauspieler aller Zeiten in die Annalen der Exploitation-Filmgeschichte eingegangen ist.

Regisseur Andrew Leavold hatte den Weng-Film FOR Y’UR HEIGHT ONLY gesehen und es sich danach zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des kleinwüchsigen Hauptdarstellers in einer Dokumentation zu beleuchten. Der nach jahrelangen Recherchearbeiten fertiggestellte Film gewährt einen einfühlsamen und über weite Strecken ausgesprochen interessanten Einblick in ein Mysterium der Filmgeschichte. Regisseur Leavold ist es gelungen, so viele Weggefährten wie möglich vor die Kameras zu locken und so nicht nur Licht ins Dunkel um Weng Weng zu bringen, sondern gleichzeitig auch einen Einblick in das philippinische Kino der 70er und 80er Jahre zu gewähren. Die dabei geleistete Recherchearbeit verdient höchste Anerkennung, wobei man allerdings auch konstatieren muss, dass der fertige Film eindeutig als nerdiges Fanprojekt verstanden werden sollte und nicht unbedingt als professionelle Filmdokumentation.

Bewertung: 7/10

 

Bud Spencer und Terence Hill lassen erneut die Fäuste fliegen und legen sich in PARI E DISPARI (Italien / USA 1978, Regie: Sergio Corbucci) mit der Glücksspielmafia an.

Corbuccis Film zeigt das kongeniale Duo in Bestform. Ausgesprochen hübsch choreographierte Prügeleien en masse, eine ungemein rasante Inszenierung und eine deutsche Synchro, die wahrlich keine Gefangenen macht – wo Spencer und Hill draufsteht ist im vorliegenden Fall auch definitiv Spencer und Hill drin.

Bewertung: 7/10

 

Sofern es einem gelingt, über die etwas krude Ausgangssituation hinwegzublicken, kann man auch mit BLACK FRIDAY (USA 1940, Regie: Arthur Lubin), einem weiteren Film in dem Lugosi und Karloff mitwirken, richtig viel Spaß haben. Lugosi hat hier allerdings eine etwas kleinere Rolle abbekommen. Mehr Screentime hat Karloff als Mediziner, der einem sterbenden Freund in einer illegalen Hauruckaktion das Gehirn eines Gangsters verpflanzt. Das zieht natürlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich, muss der so Geheilte fortan mit einer gespaltenen Persönlichkeit leben. Ein Fakt, aus der Karloff wiederum seinen Nutzen ziehen mag, denn irgendwo im Gehirn des Gangsters sind Informationen zum Versteck einer stattlichen Geldsumme verborgen und die gilt es nun hervorzuholen.

Das ist natürlich keine Geschichte, die einem größeren Logiktest standhält, wenn man das als gegeben hinnimmt und akzeptiert, bekommt man dafür eine ausgesprochen kurzweilige Mischung aus Horror- und Gangsterfilm serviert, die von Anfang an als Rückblende erzählt wird und bis zu ihrer endgültigen Auflösung den einen oder anderen Haken schlägt. Schön.

Bewertung: 7/10

 

Mel Gibson ist der titelgebende BLOOD FATHER (Frankreich 2016, Regie: Jean-François Richet), der versucht, seine Tochter vor einer ganzen Armee finsterer Gestalten zu beschützen.

Schnörkellos inszeniertes Jagd/Flucht-Szenario, welches Mel Gibson mal wieder in einer überzeugenden und irgendwie auch maßgeschneiderten Rolle präsentiert. Ich mochte diesen Old-School-Vibe, den der Film verbreitete. Erin Moriarty als Gibsons Tochter spielt zudem richtig gut und die Kameraarbeit von Robert Gantz ist über weite Strecke eine einzige Augenweide.

Bewertung: 7/10

 

In BAD MOMS (USA 2016, Regie: Jon Lucas / Scott Moore) sind drei Frauen in ihren Rollen als perfekte Mütter komplett überfordert und entschließen sich eines Tages dazu, einfach mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken – was sich am Ende des Tages natürlich positiv für sie und ihre Kinder auswirkt.

Durchaus gelungene Komödie, die weitaus harmloser daherkommt als der Titel womöglich zu versprechen mag. Der Verlauf der Geschichte ist natürlich ziemlich vorhersehbar und auch an jeder Menge Klischees wurde nicht gespart. Letztendlich gewinnt der Film durch jede Menge Funken von Wahrheit, die in ihm stecken und seine Armada von überzeugenden Schauspielerinnen.

Bewertung: 7/10

 

Solide 90er-Jahre-Action liefert MONEY TRAIN (USA 1995, Regie: Joseph Ruben), in dem sich Woody Harrelson als Cop mit Geldsorgen dazu entschließt, den titelgebenden Zug zu überfallen, mit dem die Einnahmen sämtlicher New Yorker U-Bahn-Stationen eingesammelt und transportiert werden.

Ein Hauch Buddy-Movie – Wesley Snipes ist als Harrelsons Adoptivbruder und Partner wider Willen mit an Bord -, ein bisschen Romantik – Jennifer Lopez fungiert als Love Interest -, ein paar hübsch anzusehende Subplots und ein zumindest halbwegs spektakuläres Finale runden einen Film ab, der zu keinem Zeitpunkt verleugnen kann, aus welchem Jahrzehnt er stammt, der heutigen Action- und Blockbuster-Filmen in Sachen Spektakel und Schauwerten natürlich nicht annähernd das Wasser reichen kann, diesen jedoch in Sachen Charme und Sympathiewerte haushoch überlegen ist.

Bewertung: 7/10

 

In THUNDERHEART (USA 1992, Regie: Michael Apted) soll Val Kilmer als junger FBI-Agent mit indianischen Vorfahren einen Mord in einem Indianerreservat gemeinsam mit einem älteren Partner aufklären und sticht bei seinen Ermittlungen mitten in ein Wespennest hinein.

Der Film hat kommt zwar nicht wirklich ohne Klischees aus, hat das Herz aber auf dem rechten Fleck und liefert dabei grundsolide und gute Thriller-Handlung mit Mystery-Touch.

Bewertung: 7/10

 

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter ohne jegliche Perspektive liefert sich in SHOPPING (Großbritannien / Japan 1994, Regie: Paul W.S. Anderson) – angeführt von einem jungen Jude Law – erbitterte Kämpfe mit der Polizei und einer rivalisierenden Bande.

Für einen Debütfilm – für den mittlerweile entweder leidenschaftlich geliebten oder ebenso leidenschaftlich verachteten Paul W.S. Anderson stellte dies hier die erste Regiearbeit dar und Jude Law, damals Anfang 20, gab hier sein Leinwanddebüt in einer Hauptrolle – ist SHOPPING mehr als ordentlich geraten. Ich mochte die Punkrock-Attitüde des Films, dieses Unverschämte, Rotzige, das er ausstrahlt, aber gleichzeitig auch die zutiefst melancholischen Momente, die ihn immer wieder durchziehen. In den Actionszenen zeigt Anderson schon deutlich sein gutes Gespür im Timing solcher Sequenzen und der Soundtrack des Films ist ziemlich geil geraten.

Bewertung: 7/10

 

 

In seinem fünften Auftritt als Gendarm bekommt es Louis de Funès in LE GENDARME ET LES EXTRA-TERRESTRES (Frankreich 1979, Regie: Jean Girault) mit Außerirdischen zu tun.

Erste leichte Abnutzungserscheinungen machen sich breit. Nachdem die Gendarm-Reihe nach dem vierten Film eine Pause von immerhin 9 Jahren eingelegt hatte, krankt dieser fünfte Beitrag insbesondere daran, dass nicht mehr die komplette Besetzung zur Verfügung stand. Vor allem das Fehlen von Claude Gensac als Ehefrau des kleinen Cholerikers schmerzt doch sehr. Zudem war mir dieser Film mit den außerirdischen Blechkameraden auch einfach eine Spur zu albern und wirkte mit seinem ganzen Verwechslungsszenario – die Außerirdischen können die beliebige Gestalt von Menschen annehmen – mitunter doch sehr bemüht. Auch wenn das ganze Treiben über weite Strecken natürlich immer noch verdammt unterhaltsam ausgefallen ist, mir persönlich fehlte einfach die Leichtigkeit in der Inszenierung, welche die Vorgängerfilme allesamt ausgezeichnet hatte.

Bewertung: 6/10

 

Wenn Michael Bay etwas kann, dann ist das maximale Unterhaltung mit minimalstem Anspruch zu verbinden. Dazu muss er nicht mal selbst Regie führen, es genügt schon seine Mitwirkung als Produzent, um aus einem Film wie TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: OUT OF THE SHADOWS (China / Hongkong / Kanada / USA 2016, Regie: Dave Green), in dem Megan Fox und die vier riesigen Ninjaschildkröten mal wieder den Tag retten müssen, ein herrlich unbekümmertes Vergnügen zu machen. Das ist filmisches Fast Food mit dem größtmöglichen Unterhaltungsfaktor, rasant inszeniert, mit netten Gags und spektakulären Action-Set-Pieces ausgestattet und mit einem Sound Design gesegnet, welches – eine ordentliche Anlage vorausgesetzt – die heimische Couch unter dem Allerwertesten vibrieren lässt.

Bewertung: 6/10

 

Nett unterhaltsam ist EVE OF DESTRUCTION (USA 1991, Regie: Duncan Gibbins), in dem ein außer Kontrolle geratener Android wieder eingefangen werden muss.

Sympathische, kleine B-Produktion, die aus ihrem schmalen Budget so viel wie möglich herauszuholen vermag. Über ein Viertel Jahrhundert nach Erstveröffentlichung hat das alles zwar schon ordentlich Staub angesetzt und verbreitet nicht mehr wirklich viel Spannung, Zwei damals noch angesagte Hauptdarsteller (die heute wahrscheinlich niemand mehr kennt), das geradlinige Jagd-Flucht-Szenario und ein paar blutige Shoot-Outs sorgen aber dennoch dafür, dass Fans des Actionfilms der damaligen Zeit bei Sichtung dieses Streifens sicher ein paar wohlige Nostalgieschübe bekommen dürften.

Bewertung: 6/10

 

Bud Spencer und Terence Hill in Doppelrollen. In NON C’È DUE SENZA QUATTRO (Italien 1984, Regie: Enzo Barboni) werden die beiden angeheuert um in die Haut zweier Milliardäre zu schlüpfen, denen sie zum Verwechseln ähnlich sehen. Die fürchten nämlich um ihr Leben und wollen ihre Doppelgänger als Kanonenfutter verwenden. Aber natürlich kommt alles anders als erwartet.

So unterhaltsam diese weitere Zusammenarbeit von Spencer und Hill auch sein mag, an die Großtaten des schlagkräftigen Duos kommt Barbonis Film eigentlich nie heran. Dazu war mir der Film in seiner Gesamtheit doch etwas zu schlafmützig inszeniert und kam über die komplette Laufzeit eigentlich nie so richtig in Fahrt.

Bewertung: 6/10

 

Komplett harmlosen aber doch irgendwie auch unterhaltsamen Klamauk bietet das Heinz-Erhardt-Vehikel DAS KANN DOCH UNSREN WILLI NICHT ERSCHÜTTERN (Deutschland 1970, Regie: Rolf Olsen), in dem Erhardt mit der Familie in den gemeinsamen Italien-Urlaub fährt, nur um sich dort mit den ungeliebten Nachbarn zu duellieren (und am Ende natürlich zu versöhnen).

Wo Erhardt drauf steht, ist Erhardt drin. Die präsentierten Gags dürften schon damals nicht mehr ganz frisch gewesen sein, seine unzähligen Wortspiele sind altbekannt und das interessanteste an diesem Film dürfte noch sein, auf welch naiv-charmante Weise er das deutsche Spießbürgertum abbildet und so der kompletten Lächerlichkeit preisgibt.

Bewertung: 6/10

 

MARY REILLY (Großbritannien / USA 1996, Regie: Stephen Frears) erzählt die klassische Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus der Perspektive der titelgebenden und von Julia Roberts gespielten Haushälterin des Wissenschaftlers.

Einer dieser Filme bei denen zwar nicht sonderlich viel anbrennen kann, die dafür aber auch nicht besonders innovativ geraten sind, sondern eher für routinierte und – wenn man es so nennen mag – teils biedere Unterhaltung stehen. Die hier vorliegende Mischung aus Horror, Drama und Romanze ist überaus prominent besetzt und allein aufgrund dieser Tatsache absolut solide gespielt. Viel mehr – vielleicht noch die ziemlich tolle Ausstattung – dürfte von diesem Film auf lange Sicht jedoch nicht im Gedächtnis hängen bleiben.

Bewertung: 6/10

 

 

Für dieses riesige, kreative Loch, in dem sich Hollywood nun schon seit Jahren befindet, ist JASON BOURNE (China / Großbritannien / USA 2016, Regie: Paul Greengrass), in dem sich Matt Damon als Jason Bourne mal wieder ein Katz- und Mausspiel mit seinem früheren Arbeitgeber liefert, ein perfektes Beispiel.

Regisseur Greengrass hält seine Kamera, seine diversen Pro- und Antagonisten und seinen Film zwar immer in Bewegung, doch diese ständige Bewegung führt zu keinerlei Intensität, weckt kein großartiges Interesse und lässt den Zuschauer eher als teilnahmslosen Beobachter zurück. Der Hauptplot ist aus den vorherigen Filmen hinlänglich bekannt und mittlerweile nun wirklich nicht mehr dazu geeignet, so etwas wie Spannung zu verbreiten und der Nebenplot um das neue Geheimprogramm der CIA mit dem erfolgreichen Jungunternehmerstar ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk. Wenigstens sind ein paar nette Actionszenen vorhanden und in ein paar wenigen Momenten blitzt auch kurz so etwas wie Potential auf, insgesamt betrachtet ist das alles aber viel zu wenig um so etwas wie echte Begeisterung bei mir als Zuschauer hervorzurufen. Der mit Abstand schwächste Teil der ganzen Reihe.

Bewertung: 5/10

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Europäisches (Genre-)Kino: Sammelbeitrag Nr. 01

DAS SIEBENTE OPFER (Deutschland 1964, Regie: Franz Josef Gottlieb)

das siebente opfer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Regisseur Franz Josef Gottlieb hatte vor diesem Film hier zwar schon denen einen oder anderen Krimi (auch innerhalb der Edgar-Wallace-Reihe) inszeniert, nach dieser Verfilmung eines Romans von Bryan Edgar Wallace sollte Gottlieb im weiteren Verlauf seiner Kinokarriere jedoch fast ausschließlich im Bereich der (erotischen) Komödie tätig sein. Und irgendwie merkt man diesem Film hier bereits an, dass sich Gottlieb eher für die komischen und absurden Momente und weniger für die spannenden Momente seiner Geschichte interessiert zu haben scheint.

In DAS SIEBENTE OPFER dreht sich alles um eine merkwürdige Mordserie, die sich im Umfeld eines an einem mondänen Schloss angeschlossenen Reitstalls ereignet, während parallel eine ganze Handvoll zwielichtiger Gestalten ein großes Engagement darin zeigen, ein anstehendes Pferderennen zu manipulieren. Das Opfer Nr. 7, welches dem Film seinen Titel gegeben hat, spielt dabei im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Weder ranken sich um dieses bestimmte Opfer ominöse Verwicklungen, noch hat dieses Opfer irgendeine Bedeutung für den Verlauf der Handlung oder für irgendeine Art des Spannungsaufbaus. Nein, es ist vielmehr für den ganzen Film bezeichnend, dass die oder der Tote Nr. 7 einzig und allein für einen netten Gag herhalten muss. Wer sich in irgendeiner Weise so etwas wie Spannung oder zumindest den Hauch einer Mystery-Atmosphäre von DAS SIEBENTE OPFER erhofft, sollte diese Hoffnungen lieber ganz schnell begraben. Gottlieb hat seinen Film nicht als Nailbiter, sondern als locker-flockiges Rätselraten rund um die Mordserie inszeniert und unterhält den Zuschauer dabei immer wieder mit komischen und teils auch albernen Kapriolen. Wer sich also mit dem Stil des Films anfreunden kann, kann sich auf spaßige und kurzweilige Unterhaltung freuen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LE CERCLE ROUGE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

le cercle rouge

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

In LE CERCLE ROUGE trifft Alain Delon als soeben aus dem Gefängnis entlassener Einbruchsspezialist Corey eher zufällig auf den aus Polizeigewahrsam geflüchteten Vogel (Gian Maria Volontè) und findet in diesem und dem Ex-Cop Jansen (Yves Montand) willige Partner, die ihm bei einem Einbruch in ein Juweliergeschäft zur Seite stehen sollen. Während das Trio den Bruch vorbereitet, ist der ehrgeizige Kommissar Mattei (Bourvil) fest entschlossen, den geflohenen Vogel aufzuspüren und kommt so zwangsläufig auch dem Trio in die Quere…

Melvilles Mischung aus Heist Movie, Gangsterfilm und Jagd/Flucht-Szenario gehört zu den ganz großen Klassikern des französischen Kinos und ist gleichzeitig ein Paradebeispiel für das – insbesondere in den 60er und 70er Jahren so beliebte – Subgenre des Heist Movies. In LE CERCLE ROUGE liegt in der Ruhe die Kraft. Wie Melville hier – ohne sonderlich viele Dialoge und vor allem durch die Kraft seiner Bilder – seine verschiedenen Charaktere entwickelt und diese in Stellung bringt, wie er seine Spannung über die gut 140 Minuten, die LE CERCLE ROUGE dauert, immer und immer wieder zu steigern versteht, wie er gänzlich unaufgeregt eine zwar unterkühlte, aber auch ungemein intensive Atmosphäre kreiert und den Zuschauer so über die komplette Laufzeit fesseln kann, ist wirklich mehr als beeindruckend.

Ich habe LE CERCLE ROUGE erst jetzt zum ersten Mal gesehen und wünschte mir, ich hätte ihn schon früher gekannt. Das war eine filmische Bildungslücke, die unbedingt geschlossen werden musste.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

DER SCHNEEMANN (Deutschland 1985, Regie: Peter F. Bringmann)

der schneemann

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Nachdem Sänger Marius Müller-Westernhagen schon seit den 60er Jahren (und bereits vor seiner Karriere als Musiker) in zahlreichen TV-Produktionen mitgewirkt hatte, bekam er ab Ende der 70er Jahre auch die eine oder andere (Haupt-)Rolle in Kinofilmen ab. Eine davon ist die des Kleinganoven Siegfried Dorn, dem in DER SCHNEEMANN zufällig 2 kg Kokain in die Hände fallen und der so naiv ist, zu glauben, er könne den Stoff ohne große Konsequenzen verkaufen. Natürlich sind schon sehr schnell ausgesprochen zwielichtige und ausgesprochen gefährliche Gestalten hinter ihm her.

Wenn man sich Bringmanns Film heute ansieht, kann man es kaum glauben, dass der hier wirklich mal für ein großes Kinopublikum gedacht gewesen sein könnte, denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich DER SCHNEEMANN als eine nicht unbedingt spannende oder spektakuläre, dafür aber umso schmierigere Angelegenheit. Seine Faszination zieht Bringmanns Film vor allem aus seinen Schauwerten, dem teils unglaublichen Sleaze, den er dem Zuschauer serviert, und dem unglaublichen Staunen, das man als Zuschauer während der Sichtung des Films empfindet. Leider habe ich auf die Schnelle im Netz keine Angaben zum Erfolg bzw. Misserfolg des Films gefunden. Würde mich schon interessieren, wie der damals abgeschnitten hat und manchmal würde man nachträglich gerne in die Köpfe so mancher Produzenten und Regisseure schauen können um herauszufinden, was sie sich beim Dreh eines Films wie diesen hier eigentlich gedacht haben. Das ist deutsches Kino im Ausnahmezustand, die 80er waren wahrlich ein verrücktes Jahrzehnt. Ich habe keine Ahnung, ob man DER SCHNEEMANN guten Gewissens zur Sichtung empfehlen kann, ich persönlich fand ihn in all seiner Skurrilität eigentlich ziemlich geil.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

…PIÙ FORTE RAGAZZI! (Italien 1972, Regie: Giuseppe Colizzi)

...più forte ragazzi!

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Am Tag nach dem Tod von Bud Spencer habe auch ich das gemacht, was wohl eine Vielzahl der Menschen gemacht hat, die mit seinen Filmen aufgewachsen sind. Ich habe mir den Film mit ihm angeschaut, der mir persönlich am meisten bedeutet. Das ist schon seit Ewigkeiten …PIÙ FORTE RAGAZZI! aka ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE, in dem Spencer und sein kongenialer Filmpartner Terence Hill als Salud (Spencer) und Plata (Hill) zwei ständig am äußersten Rande der Legalität agierende Bruchpiloten spielen, die eines Tages im südamerikanischen Dschungel abstürzen und dort einer Gruppe von Diamantenschürfern gegen einen skrupellosen Geschäftemacher unterstützen.

Was mich an …PIÙ FORTE RAGAZZI! schon immer so extrem begeistert, war diese leichte Melancholie, die diesen Film durchzieht und diese unglaubliche Warmherzigkeit, die – auch wenn sie sicher in anderen Filmen des Duos oder auch von Spencer allein ebenfalls vorhanden ist – Colizzis Film neben all den typischen Prügeleien und neben all dem Klamauk, den die deutsche Synchro verbreitet, doch zu etwas ganz Besonderem macht. …PIÙ FORTE RAGAZZI! ist ungemein liebenswert und einfach nur wunderschön, ein Film, an dem einfach alles toll ist. Schon die ersten Klänge des grandiosen „Flying Through the Air“ von Oliver Onions sorgen für dieses wohlige Gefühl in der Magengegend. Dann diese einfach nur wundervolle Figur des von Cyril Cusack gespielten Matto, dessen Schicksal einem die Tränen in die Augen treiben kann, usw., usf.; ich liebe …PIÙ FORTE RAGAZZI!, habe ihn nun seit gut 10 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen und kann nur feststellen, dass er auch über die Jahre hinweg rein gar nichts an seiner Faszination einbüßt.

Bewertung: Lieblingsfilm! – 10/10

 

 

LA SOUPE AUX CHOUX (Frankreich 1981, Regie: Jean Girault)

la soupe aux choux

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Giraults LA SOUPE AUX CHOUX ist der vorletzte Film des französischen Starkomikers Louis de Funès, der zwei Jahre später im Alter von nur 68 Jahren an einem Herzinfarkt sterben sollte, nachdem er schon einige Jahre an einem schweren Herzleiden litt und bereits zwei Infarkte überlebt hatte.

Da sein Gesundheitszustand die Rolle des typischen Cholerikers einfach nicht mehr zuließ, ist LA SOUPE AUX CHOUX einer der Filme von de Funès, in denen sein Charakter eher ruhig und milde gestimmt ist und cholerische Anfälle nur in Ansätzen zu sehen sind. Es geht um den von de Funès gespielten Claude Ratinier, der gemeinsam mit seinem Nachbarn und besten und auch einzigen Freund Francis Chérasse (Jean Carmet) seinen Lebensabend in einem außerhalb einer französischen Kleinstadt gelegenen Bauernhof verbringt. Dort streiten sie, vertragen sich wieder, philosophieren über die Vergangenheit, essen Kohlsuppe und veranstalten vor ihren bescheidenen Häusern Abend für Abend Wettbewerbe im Dauerfurzen. Als von der Furzerei schließlich ein Außerirdischer (Jacques Villeret) angelockt wird, stellt dieser das Leben von Ratinier und Chérasse jedoch gehörig auf den Kopf…

In Deutschland ist Giraults Film unter dem Titel LOUIS UND SEINE AUSSERIRDISCHEN KOHLKÖPFE bekannt und dürfte hierzulande – auch wegen seiner unzähligen Ausstrahlungen im Fernsehen – wohl zu den beliebtesten und bekanntesten Filmen des französischen Komikers gehören. Auch ich bin damals mit LA SOUPE AUX CHOUX aufgewachsen, habe den Film als Kind und Jugendlicher unzählige Male im Fernsehen gesehen und natürlich wegen seiner ausufernden Albernheiten (die Furzerei, die Kommunikation mit dem Außerirdischen) geliebt. Beim jetzigen Wiedersehen nach sehr langer Zeit ist mir erstmals aufgefallen, dass LA SOUPE AUX CHOUX im Grunde genommen, trotz der vorhandenen Gags, ein überaus trauriger und auch zutiefst melancholischer Film ist. Es geht um würdevolles Altern, um Respekt vor älteren Menschen, um Perspektivlosigkeit und auch um die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen. In der französischen Originalversion gibt es bspw. eine längere Szene, in der der von Carmet gespielte Chérasse versucht, sich zu erhängen. Eine Sequenz, die in den deutschen Fassungen (auch in der mir vorliegenden DVD-Fassung) gekürzt wurde, ganz offensichtlich um die Klamauk-Szenen des Films nicht zu torpedieren (mittlerweile gibt es aber auch eine Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland, die komplett ungekürzt erschienen ist). Auch wenn der Film ein Happy End aufweisen kann, Ratinier und Chérasse mit dem Außerirdischen abhauen und einem würdevollen Lebensabend entgegenblicken können, von der oft unbeschwerten Leichtigkeit, welche die Filme von de Funès so häufig durchzogen hat, ist hier nicht mehr sonderlich viel zu spüren.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI (aka He Murdered His Wife, Griechenland 1976, Regie: Kostas Karagiannis)

eglima sto kavouri

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI möchte ein schleimiger Playboy (Lakis Komninos) das stattliche Vermögen seiner älteren Ehefrau (Dorothy Moore) mit seiner jüngeren Geliebten verprassen und paktiert mit einem skrupellosen Frauenmörder (Vagelis Seilinos) um seine Gattin um die Ecke zu bringen…

Regisseur Kostas Karagiannis hat seine Mischung aus Thriller, Mystery und Horror im Stil der italienischen Gialli gedreht. Es gibt brutale Morde, viel nackte Haut und einen im Schlussdrittel wendungsreichen Plot zu bestaunen, in Sachen Spannung muss man aber – trotz der Haken, die die Handlung zum Ende hin schlägt – bedauerlicherweise gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Da die Identität des Killers von Anfang an feststeht und auch der Mordplan des betrügenden Ehemannes sehr schnell offengelegt wird, bezieht Karagiannis’ Film seine Spannung in erster Linie daraus, ob die Täter letztendlich davonkommen werden und wie sie beide versuchen, sich gegenseitig auszuschalten. Das ist ein Tick zu wenig, um den Film über die komplette Länge zu tragen. Freunde des gepflegten Exploitation-Kinos dürften an ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI dennoch ihre Freude haben und sich vor allem an den vorhandenen Schauwerten und der nicht zu verachtenden Menge an Sleaze, welche Karagiannis über seine Zuschauer ausschüttet, ergötzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LA LAMA NEL CORPO (Frankreich / Italien 1966, Regie: Elio Scardamaglia)

la lama nel corpo

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Regisseur Elio Scardamaglia lässt in LA LAMA NEL CORPO einen Killer in einer alten Nervenheilanstalt, welche in einem mehr als mondän zu nennenden, schon fast schlossartigem Anwesen angesiedelt ist, auf Patienten und Belegschaft los…

Scardamaglias Film ist wirklich wunderschön anzusehen. Allein das Setting in diesem alten, beeindruckenden Anwesen reicht aus, um Genrefreunde für den Film einzunehmen. LA LAMA NEL CORPO ist vollgestopft mit tollen Kameraeinstellungen und verbreitet mit seiner irgendwo zwischen Giallo und Gothic Horror angelegten Geschichte eine harmlos-sympathische Grusel-Atmosphäre. Sehr viel mehr hat LA LAMA NEL CORPO jedoch nicht zu bieten. Im Finale geht es zwar ein bisschen ruppiger und auch rasanter zur Sache als zuvor, bis es jedoch so weit ist, plätschert Scardamaglias Film eher gediegen vor sich hin, schwelgt in seinen schönen Bildern und lullt den Zuschauer mit diesen eher ein als ihn mit einer spannenden Geschichte zu packen. Auf seine ganz eigene Art und Weise dürfte LA LAMA NEL CORPO für Freunde des italienischen Genrekinos aber ganz sicher interessant sein. Ich würde ihn jetzt nicht unbedingt als Pflichtprogramm bezeichnen wollen, fand ihn trotz der fehlenden Spannungsmomente jedoch allein aufgrund seiner Settings und der Atmosphäre und Stimmung, die er kreiert durchaus sehenswert und unterhaltend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

REMAKE, REMIX, RIP-OFF: ABOUT COPY CULTURE & TURKISH POP CINEMA (Deutschland / Türkei 2014, Regie: Cem Kaya)

remake, remix, rip-off - about copy culture & turkish pop cinema

(Fassung: Free-TV, ZDF HD, Deutschland)

Insbesondere zwischen den frühen 50er und späten 80er Jahren bestand das türkische Kino zu einem Großteil aus möglichst kostengünstig heruntergekurbelten Remakes bzw. Rip-Offs erfolgreicher Hollywood-Produktionen, welche so manche obskure Perle hervorgebracht haben. Regisseur Cem Kaya wirft in seiner Dokumentation einen Blick auf diese faszinierende Kinolandschaft, lässt damalige Schauspieler und Regisseure zu Wort kommen, teils ausgesprochen witzige Anekdoten von damals erzählen und gewährt dem interessierten Zuschauer so einen Einblick in eine Filmwirtschaft, die vor allem von Improvisationstalent und diversen Guerilla-Taktiken geprägt war (man erfährt bspw., dass es in der Türkei kein geltendes Urheberrecht gab und den Machern somit die Scores sämtlicher Hollywoodfilme zur freien Verfügung standen, welche diese natürlich gerne nutzten, um ihre eigenen Filme zur veredeln; vor allem die Filmmusik aus THE GODFATHER, diversen James-Bond-Filmen, SUPERMAN oder STAR WARS wurde immer wieder gerne verwendet). Insbesondere Çetin İnanç, Regisseur des berühmt-berüchtigten DÜNYAYI KURTARAN ADAM (besser bekannt als TURKISH STAR WARS), hat einige wunderbare Geschichten zu erzählen, insbesondere was die Entstehung seines vorgenannten Films angeht (in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die Filmrollen von STAR WARS aus einem türkischen Kino entwendet und um Szenen erleichtert, welche für den eigenen Film genutzt werden sollten und dann auch in diesen hineingeschnitten wurden), welche Probleme die Filmemacher mit den Zensurbehörden hatten und wie diese übergangen wurden, usw., usf., und weckt im Zuschauer durch seine Ausführungen ein großes Bedürfnis, diverse Filme aus der Türkei lieber heute als morgen sichten zu wollen.

Leider belässt es Regisseur Cem Kaya in seiner Dokumentation nicht bei diesen hoch interessanten Einblicken in diese längst vergangenen Zeiten, sondern will etwas zu viel. Kaya schlägt den Bogen in die Gegenwart, wirft einen Blick auf türkische TV-Produktionen, die mehr als schlechten Arbeitsbedingungen der Cast- und Crewmitglieder in der heutigen Zeit und die Respekt- und Rücksichtslosigkeit, mit der in der Türkei mit dem türkischen Filmerbe umgegangen wird. Das ist zwar sicher lobenswert, hätte aber im Endeffekt einen eigenen Film verdient gehabt und führt letztendlich dazu, dass REMAKE, REMIX, RIP-OFF in zwei Teile auseinanderfällt, die nicht wirklich harmonisch zusammengefügt werden können. Kayas Film wirkt aufgrund dieser Tatsache in der zweiten Hälfte etwas unstruktiert und konfus und in meinen Augen hätte Cem Kaya gut daran getan, wenn er sich auf sein ursprüngliches Thema bis zum Ende konzentriert hätte und den ernsthaften und politischen Teil seiner Dokumentation in einen eigenen Film ausgelagert hätte, der diesem ernsteren und sicher auch hochinteressantem Thema dann auch hätte gerecht werden können.

Bewertung: Gut! – 7/10

First Thoughts of May

MIDNIGHT RUN (USA 1988, Regie: Martin Brest)

midnight run

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Kopfgeldjäger Jack Walsh (Robert De Niro) könnte mit einem letzten Auftrag, der ihm 100.000 Dollar einbringen soll, für immer aussorgen. Die Aufgabe scheint nicht allzu schwer zu sein. Innerhalb von 5 Tagen soll er den Buchhalter Jonathan Mardukas (Charles Grodin), der die Mafia um ein mehr als stattlichen Betrag erleichtert und das Geld für wohltätige Zwecke gespendet hat, aufspüren und nach L.A. bringen. Doch der vermeintliche Routinejob entpuppt sich als schwerer Brocken, denn Walsh findet sich schnell im Kreuzfeuer zwischen dem FBI, der Mafia und einem konkurrierenden Kopfgeldjäger wieder…

Die Feststellung, dass Filme wie MIDNIGHT RUN heutzutage einfach nicht mehr gedreht werden, mag meinetwegen von Kulturpessimismus und Melancholie geprägt sein und gerne als überflüssige Phrase abgetan werden, sie entsprechend aber halt leider auch der Wirklichkeit.

Regisseur Martin Brest, der 4 Jahre zuvor den tollen BEVERLY HILLS COP inszeniert hatte, schickt seinen Star Robert De Niro in ein ungemein kurzweiliges und unterhaltsames Jagd/Flucht-Szenario, welches sich insbesondere durch die wunderbare Chemie auszeichnet, die De Niro und Grodin im Verlauf der Handlung entwickeln. Es macht riesigen Spaß, diesen beiden Typen dabei zuzusehen, wie sie immer wieder versuchen, sich gegenseitig auszutricksen, nur um letztendlich feststellen zu müssen, dass sie sich, hätten sie nicht von Anfang an gegeneinander gearbeitet, eine Menge Ärger und Stress hätten ersparen können. Als Zuschauer hätte man dann natürlich einen Film mit weitaus weniger Action, weitaus weniger Witz, weitaus weniger Wendungen und weitaus weniger Charme zu sehen bekommen als diesen hier. Für Freunde des Action- und Komödienkinos der 80er Jahre möchte ich MIDNIGHT RUN sogar als Pflichtprogramm bezeichnen. Toll!

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WECHSELZEITEN – AUF DEM WEG ZUM ERSTEN TRIATHLON (Deutschland 2014, Regie: Guido Weihermüller)

wechselzeiten - auf dem weg zum ersten triathlon

(Fassung: DVD, Close Distance Productions, Deutschland)

Meine Frau, selbst begeisterte Hobby-Triathletin, war von dieser Dokumentation jetzt nicht unbedingt angetan und auch ich stelle mir die Frage, was Regisseur Guido Weihermüller mit seinem Film überhaupt bezwecken wollte, welches Publikum er erreichen wollte, um was es ihm mit WECHSELZEITEN – AUF DEM WEG ZUM ERSTEN TRIATHLON überhaupt gegangen ist. Der Sport selbst kann es nicht gewesen sein. WECHSELZEITEN ist weder dazu geeignet, überzeugte Sportmuffel zum Umdenken zu bewegen, noch hält er irgendwelche Erkenntnisse für Sportler bereit, die aus dieser Dokumentation für sich selbst etwas mitnehmen können. Weihermüller begleitet mit WECHSELZEITEN vier Frauen, die sich – aus verschiedenen Gründen – dazu entscheiden, zum ersten Mal in ihrem Leben am renommierten Hamburg-Triathlon teilzunehmen, versucht dabei, deren Beweggründe offenzulegen, gewährt Einblicke in die Trainingsvorbereitung und zeigt zum Schluss auch Bilder vom Wettkampf selbst. Im Mittelpunkt des Films stehen dabei die Egos der vier Teilnehmerinnen, die dem Zuschauer jedoch ziemlich egal sein dürften und die Tatsache, dass mindestens zwei der vier Damen auch noch komplett unsympathisch und nervig rüberkommen (die alleinerziehende Mutter und die von ihrem Luxus gelangweilte Hoteliers-Gattin) und einer dieser beiden darüber hinaus eine exorbitant hohe Aufmerksamkeit von Weihermüller geschenkt wird, trägt nun auch nicht wirklich viel dazu bei, dass man als Zuschauer während der Sichtung dieses Films in Begeisterungsstürme ausbrechen könnte. Und spätestens während des Wettkampfs, als gezeigt wird, wie in der Wechselzone der Lippenstift nachgezogen wird, disqualifiziert sich WECHSELZEITEN als ernstzunehmende Sportdokumentation fast vollkommen.

Weihermüllers Film ist nicht viel mehr als eine auf spielfilmlänge gestreckte Doku-Soap eines beliebigen Privatsenders. Schade drum.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

PRAXIS DR. HASENBEIN! (Deutschland 1997, Regie: Helge Schneider)

praxis dr, hasenbein!

(Fassung: DVD, Senator/EuroVideo, Deutschland)

Bei Filmen von und mit Helge Schneider kann es wohl wirklich nur zwei Meinungen geben. Auf der einen Seite die Fans, die bei Schneiders Albernheiten regelmäßig vor lauter Lachen in der Ecke liegen, auf der anderen Seite die Menschen, die mit dieser Art von Humor rein gar nichts anfangen können und schon bei Nennung des Namens panisch die Flucht ergreifen.

In PRAXIS DR. HASENBEIN! spielt Helge zur Vorkriegszeit den Arzt Dr. Angelika Hasenbein, hat in seiner Praxis ein eher beschauliches Leben, schaut ab und zu mal im Tabakwarenladen um die Ecke vorbei, beobachtet seinen Sohn Peterchen (Peter Berling) beim Ballspielen und überlegt sich, ob er die Einladung zum anstehenden Geburtstag der Waisenhausleiterin Tante Uschi (Andreas Kunze) annehmen soll oder nicht. Wer hier so etwas wie eine herkömmliche Geschichte mit einem klassischen Handlungs- bzw. Spannungsaufbau erwartet, wird logischerweise bitter enttäuscht werden. Ich selbst würde mich nun nicht unbedingt zu den begeisterten Helge-Fans zählen, wohl aber zu seinen Sympathisanten, die einen Film wie PRAXIS DR. HASENBEIN! mit einem dicken Grinsen im Gesicht ansehen und sich von der vorgetragenen Kunst der Infantilität verzaubern lassen. Ich mag diesen liebevollen Dilettantismus von Schneiders Filmen, diese Liebe zum Detail, die in ihnen steckt, diese wunderbar skurrilen Figuren, die sie bevölkern und diesen herrlich schrägen Humor, mit denen sie ausgestattet sind. PRAXIS DR. HASENBEIN! ist ein Film, der, wenn man sich auf ihn einlassen kann und will, sicher mit jeder Sichtung besser werden dürfte und in dem es wohl noch unzählige kleine Details zu entdecken gibt die einem bei der Erstsichtung verborgen geblieben sind. Ich habe ihn erst jetzt zum ersten Mal gesehen und mochte ihn wirklich sehr. Und jetzt geh ich mal in den nächsten Tabakwarenladen, rieche an den Zigarren, kaufe mir eine Moped 2000, einen Block und eine Überraschungstüte für den Herrn.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IL FALCO E LA COLOMBA (Italien 1981, Regie: Fabrizio Lori)

il falco e la colomba

(Fassung: DVD, FilmArt, Deutschland)

Fabio Testi spielt den jungen und aufstrebenden Politiker Michele Alemani, der nach einem Anschlag von einer mysteriösen Unbekannten (Lara Wendel) vor dem Verbluten gerettet wird. Alemani spürt seine Retterin, ein heroinabhängiges Model, auf, verliebt sich in sie, verlässt seine Frau und versucht diese Liebe gegen alle Widerstände durchzusetzen…

Regisseur Fabrizio Lori liefert mit seinem IL FALCO E LA COLOMBA einen späten Beitrag zum – vor allem in den 70er Jahren – ausgesprochen populären, gesellschaftskritischen Kino aus Italien ab. In seinem Drama um eine verpönte Liebschaft geht es letztendlich um politische Klüngeleien, den Kampf gegen verlogene Moralvorschriften und veraltete, gesellschaftliche Normen. Mich als Zuschauer hat Lori mit seinem Film jedoch nicht wirklich erreicht. IL FALCO E LA COLOMBA ist sicher nicht schlecht, wirkt aber über seine komplette Laufzeit einfach zu bemüht und auch zu konstruiert, um nachhaltig im Gedächtnis bleiben zu können.

Noch eine kurze Anmerkung zur deutschen DVD, denn die Tatsache, dass ich den Film in seiner deutschen Synchronfassung ansehen musste, war dem Filmgenuss auch nicht gerade zuträglich. So lobenswert die Arbeit kleiner Label wie FilmArt prinzipiell auch ist, wenn der italienische O-Ton vorhanden ist und auf dem Backcover Untertitel angegeben werden, dann sollten diese auch für den ganzen Film verfügbar sein und nicht nur für eine kurze Szene, die in der alten deutschen Fassung gefehlt hat und aus diesem Grund damals nicht mitsynchronisiert wurde.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE PRIZE (USA 1963, Regie: Mark Robson)

the prize

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Paul Newman spielt den dem Alkohol nicht gerade abgeneigten Schriftsteller Andrew Craig, der, obwohl nicht mehr sonderlich erfolgreich, den Literaturnobelpreis erhalten soll. Eher abgeneigt und in erster Linie wegen des Preisgeldes von 50.000 Dollar begibt er sich nach Stockholm zur Preisverleihung und gerät dort mitten hinein in einen Komplott rund um den Physiker Dr. Stratman (Edward G. Robinson), der ebenfalls mit einem Nobelpreis ausgezeichnet werden soll…

Ich habe THE PRIZE vor einer halben Ewigkeit mal im Fernsehen gesehen, damals als ausgesprochen gelungen empfunden und war nun lange Jahre auf der Suche nach diesem Film. Nun hab ich ihn dank der Warner Archive Collection aus den USA endlich in die Finger bekommen mich erneut – sicher auch mit einem Hauch nostalgischer Verklärung – von ihm verzaubern lassen können. Regisseur Mark Robson legt seinen Film als ebenso humorvolle wie wendungsreiche und spannende Murder-Mystery an und in seinen besten Momenten erinnert der Film – was Stimmung und Atmosphäre angeht – an die großen Klassiker der damaligen Zeit, an Filme wie bspw. Hitchcocks NORTH BY NORTHWEST (um nur mal einen zu nennen). THE PRIZE begeistert mit seiner unaufgeregten, federleichten Inszenierung, mit seiner tollen Besetzung und mit diesem unverwechselbaren Stil, der das klassische Hollywoodkino vor allem in den 50er und 60er Jahren auszeichnete. Paul Newman ist als ständig angetrunkener Schriftsteller – vor allem im Zusammenspiel mit der tollen Elke Sommer – schlicht grandios und Edward G. Robinson als undurchsichtiger Physiker einfach herrlich mysteriös. Als Zuschauer sitzt man gebannt vor dem Bildschirm, lässt sich immer wieder von den verschiedenen Wendungen überraschen, hofft und bangt mit den diversen Protagonisten und bekommt – nachdem der Film zu Ende ist – einfach nur riesengroße Lust, sich in der nächsten Zeit ein bisschen intensiver diesem klassischen Hollywoodkino zu widmen.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 1 (USA 2011, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Irgendwann will man halt auch mal mitreden können. Ich glaube, dass in den letzten 10 Jahren keine einzige Serie so einen extremen Hype und so eine durchgehende Begeisterung bei den Zuschauern ausgelöst hat wie GAME OF THRONES. Nach Sichtung der ersten Staffel kann ich diese uneingeschränkte Hysterie um die Serie zwar nicht unbedingt teilen, aber schon ganz gut nachvollziehen. Denn auch wenn GAME OF THRONES zumindest in dieser ersten Staffel vielleicht (noch) nicht dieses höchstanspruchsvolle Serienkunstwerk ist, als was es gerne dargestellt wird, so muss man den Machern rund um David Benioff und D.B. Weiss, welche die zugrundeliegende Romanreihe des Schriftstellers George R.R. Martin in bewegte Bilder verwandelt haben, doch das große Kompliment machen, hier eine Serie erschaffen zu haben, die über einen immens hohen Unterhaltungswert verfügt und durchaus dazu geeignet ist, beim Zuschauer ein gewisses Suchtverhalten hervorzurufen. Auch ich habe nicht allzu lange gebraucht, um mir diese 10 Folgen der ersten Staffel anzusehen.

Benioff und Weiss konfrontieren ihr Publikum mit Schauwerten in Hülle und Fülle, GAME OF THRONES läuft vor Sex und Gewalt fast über und ist im Endeffekt Big-Budget-Exploitation in Reinform. Dass die Serie mit all ihren Schauwerten nicht irgendwann ermüdend wird und noch ein bisschen mehr zu bieten hat als Blut und Titten liegt insbesondere an der guten Figurenentwicklung und Charakterzeichnung der handelnden Personen (und das sind jede Menge), an den diversen Verbindungen, die diese miteinander haben und an der Tatsache, dass trotz der großen Anzahl von Pro- und Antagonisten jedem von diesen genügend Zeit und Raum eingeräumt wird um als Zuschauer entsprechende Sym- und Antipathien zu entwickeln. So bleibt GAME OF THRONES immer spannend, immer interessant, immer überraschend und immer außerordentlich unterhaltsam. Ich bin schon auf die noch folgenden Staffeln gespannt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SPECTRE (Großbritannien / USA 2015, Regie: Sam Mendes)

spectre

(Fassung: Blu-ray, MGM/20th Century Fox, Deutschland)

Um das nachfolgende Gemotze zu relativieren und das abschließende Bewertungsurteil zu erklären, möchte ich vorab anmerken, dass SPECTRE sicher ein guter Actionfilm geworden ist und sich die am Ende dieses Kurzeintrags stehende Bewertung auch einzig und allein auf diese Tatsache bezieht. Ob ihn das gleichzeitig auch zu einem guten Bondfilm macht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe da so meine Zweifel und die beginnen schon damit, dass man SPECTRE – noch mehr als seine beiden Vorgänger – nicht mehr als separaten Film betrachten kann. Ähnlich wie bei den ganzen Superheldenfilmen von Marvel und DC wurde bzw. wird mit den Craig-Bonds ein eigenes Universum aufgebaut, in der man zwingend alle Filme kennen muss, um dann auch wirklich irgendwann das große Ganze zu erkennen. Ich sehne mir die Zeiten zurück, in denen man sich einst vollkommen unbedarft als allerersten Bond bspw. GOLDFINGER ansehen konnte und es für das Verständnis nicht erforderlich gewesen ist, die Vorgänger bereits zu kennen. Ich habe mir – pflichtbewusst wie ich bin und weil mir bewusst gewesen ist, dass es für das Verständnis von SPECTRE hilfreich sein dürfte – vor SPECTRE auch noch mal die drei bisherigen Craig-Bonds angesehen, spare mir zu diesen Filmen aber neue Texte, da ich zu alten Filmforen-Zeiten bereits zu CASINO ROYALE hier, zu QUANTUM OF SOLACE hier und zu SKYFALL hier etwas geschrieben habe, möchte zu diesen Texten jedoch kurz anmerken, dass insbesondere SKYFALL die Zweitsichtung nicht sonderlich gut überstanden hat und die Euphorie, die aus meinem alten Text vielleicht noch herauszulesen ist, einer gewissen Ernüchterung weichen musste.

Nun aber zu SPECTRE, dem vierten und hoffentlich letzten Craig-Bond, der die mit CASINO ROYALE angefangene Geschichte zu einem zumindest zufriedenstellenden Abschluss bringt. Was man dem Film unbedingt zugutehalten muss, sind seine wirklich famosen Actionsequenzen, die – auch was das Sounddesign angeht – perfekt choreographiert und über weite Strecken nicht weniger als atemberaubend sind. Toll auch wieder Ben Whishaw als Q, erfreulich auch wieder die Tatsache, dass durch kleine Reminiszenzen an alte Filme der Bondreihe – insbesondere aus der Connery-Ära – in manchen Momenten des Films tatsächlich so etwas wie echtes Bondfeeling aufkommen konnte. In diesen Szenen offenbart sich aber auch wieder einmal die ganz große Schwäche der Bondfilme mit Daniel Craig, und die ist – das ist nach Sichtung aller vier Filme hintereinander einfach meine Meinung – der Hauptdarsteller bzw. die Art, wie Bond hier angelegt ist. Denn in diesen Szenen, in denen der Geist der klassischen Filme beschworen wird, wirkt Craig einfach nur bemüht, unbeholfen und unglaubwürdig, diese Szenen passen nicht zu diesem modernen James Bond und hier offenbart sich letztendlich auch das Dilemma, in dem die Macher mittlerweile zu stecken scheinen. Sie haben Bond neu erfunden, können und wollen sich aber dennoch nicht von der Vergangenheit trennen, da sie erkannt haben, dass dieser neue Bond nicht mehr zur über Jahrzehnte etablierten “Marke Bond“ passt und auch irgendeinen anderen Namen tragen könnte. Dann wird in aller Verzweiflung auf Altbewährtes gesetzt, die titelgebende Organisation wird wieder ausgegraben und auch Blofeld wird als Bonds Gegenspieler reaktiviert. Und mit dessen Besetzung haben sie dem Film wahrlich keinen Gefallen getan. An dieser Stelle könnte man jetzt darüber motzen, dass Bonds Gegenspieler viel zu wenig Screentime abbekommen hat, aufgrund der Tatsache, dass Blofeld von Christoph Waltz gespielt wird, kann man dafür nur dankbar sein. Waltz agiert mal wieder auf Autopilot, kopiert zum gefühlten tausendsten Mal seine Hans-Landa-Rolle (die natürlich einzig und allein in INGLOURIOUS BASTERDS großartig gewesen ist) und darf sich somit rühmen, der wohl mit Abstand schlechteste aller Bond-Bösewichte gewesen zu sein. Was Waltz hier abliefert ist in meinen Augen nur noch traurig und gruselig.

Ich könnte mich jetzt noch darüber ereifern, dass man die tolle Monica Bellucci in diesem Film hier komplett verheizt hat, lasse das aber einfach sein und versuche SPECTRE vielleicht einfach nur noch als Actionfilm und nicht mehr als Bondfilm zu sehen. Als Actionfilm ist er nämlich durchaus zu gebrauchen und auch sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CREED (USA 2015, Regie: Ryan Coogler)

creed

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Als ich mir im Sommer letzten Jahres mal wieder die Rocky-Filme angesehen habe, hatte ich nach dem tollen ROCKY BALBOA, der die Reihe eigentlich zu einem mehr als würdigen Abschluss brachte, durchaus Bedenken, ob CREED, der als weiterer Film bereits in den Startlöchern stand, tatsächlich funktionieren könne. Nach der jetzigen Sichtung von CREED bleibt mir im Endeffekt gar nicht viel mehr als zu sagen, dass diese Bedenken komplett unbegründet gewesen sind. CREED ist einfach großartig und hat mir mindestens genauso gut gefallen wie der unmittelbare Vorgänger ROCKY BALBOA.

In CREED lässt sich Sylvester Stallone als alternder Rocky dazu überreden, Adonis Johnson (Michael B. Jordan) – einen talentierten Nachwuchsboxer und auch gleichzeitig unehelichen Sohn seines alten Freundes und Konkurrenten Apollo Creed – zu trainieren und auf einen Titelkampf gegen den scheinbar unbezwingbaren Pretty Ricky Conlan (Tony Bellew) vorzubereiten. Ich bin mir sicher, dass wirklich alle Fans der Rocky-Reihe hier voll auf ihre Kosten kommen werden. Man merkt CREED in fast jeder Sekunde an, dass dieser Film mit sehr viel Liebe zu und Respekt vor den alten Filmen inszeniert worden ist. CREED ist zutiefst berührend, setzt sich direkt im Herz fest und hat mir in nicht wenigen Szenen die eine oder andere Träne in die Augen getrieben. Und dass die Boxkämpfe einfach nur packend und mitreißend inszeniert sind, muss ich wohl erst gar nicht groß erwähnen. Sylvester Stallone ist in dieser Rolle seines Lebens wirklich umwerfend gut und wenn man sich Michael B. Jordan als Adonis Johnson so ansieht, kann man die unzufriedenen Stimmen der schwarzen Schauspieler und Filmemacher anlässlich der letzten Oscar-Nominierungen jetzt noch mehr verstehen als zuvor. Jordan ist schlicht großartig in dieser Rolle und die Tatsache, dass er für diese Leistung nicht mal eine Oscar-Nominierung erhalten hat ist eine regelrechte Frechheit und nur ein weiterer Beleg dafür, dass die Oscars nun schon seit einigen Jahren keinerlei Gütesiegel für die Qualität eines Films mehr darstellen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

MILLENNIUM DEL 5 & 6: LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES (Deutschland/Schweden 2010, Regie: Daniel Alfredson)

millennium del 5 & 6 - luftslottet som sprängdes_1

millennium del 5 & 6 - luftslottet som sprängdes_2

(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Der Abschluss der MILLENNIUM-Trilogie wurde erneut von Daniel Alfredson inszeniert, der auch schon für den Mittelteil verantwortlich zeichnete. Das macht auch Sinn, denn FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN und LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES sind im Endeffekt untrennbar miteinander verbunden, dieser Film hier könnte ohne den Vorgänger gar nicht existieren, würde ohne die Kenntnis der Ereignisse aus dem zweiten Teil gar keinen Sinn machen. Hier zeigt sich auch gut, dass das gewählte Format der TV-Mini-Serie praktisch alternativlos ist, die Entscheidung, FLICKAN und LUFTSLOTTET auch in gekürzten Fassungen – der Kinofassung des dritten Teil fehlen auch wieder gut 40 Minuten – ins Kino zu bringen, einzig und allein aus (durchaus verständlichen) finanziellen Gründen getroffen wurde, weil die Kinoversion des Auftaktfilms (der als einziger wirklich eigenständig funktioniert) damals so erfolgreich gewesen ist.

LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES schließt direkt an den Vorgänger an und beschäftigt sich nun intensiv mit der bis in höchste Kreise reichenden Verschwörung, die in FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN angedeutet wurde. Alfredsons Film hat dabei wieder mit demselben “Manko“ zu kämpfen wie der zweite Teil, nämlich der Tatsache, dass die beiden Hauptcharaktere aufgrund der literarischen Vorlage zu viel nebeneinander und zu wenig miteinander agieren, was letztendlich dazu führt, dass sich dieser Film qualitativ auf einem Level mit dem Vorgänger befindet und ebenso wie der Vorgänger nicht ganz an die große Klasse des Auftaktfilms heranreichen kann.

Fesselnd, spannend und enorm kurzweilig (die 3 Stunden Laufzeit vergehen einmal mehr wie im Flug) ist natürlich auch dieser Abschluss der Trilogie geraten, insbesondere das Schlussdrittel, mit seinen großartigen Szenen im Gerichtssaal, konnte mich als Fan von Justizthrillern und Gerichtsfilmen absolut begeistern.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 6 (USA 2013, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In der sechsten Staffel von TRUE BLOOD steht nun der – über weite Strecken reichlich unspektakuläre – Krieg zwischen Menschen und Vampiren ins Haus, neben all dem anderen Kram, den Vampire, Werwölfe, Gestaltenwandler und sonstige Fabelwesen so ausgesetzt sind.

Die von Alan Ball erfundene Serie hat sich in dieser vorletzten Staffel mittlerweile auf einem soliden Niveau eingependelt und lebt praktisch ausschließlich von einer Handvoll Nebencharaktere und der reichlich abstrusen Handlung, die teilweise so unfassbar bescheuert konstruiert zu sein scheint, dass man den Machern schon wieder einen gewissen Respekt zollen muss, die Serie in dieser Form auf das Publikum loszulassen. Absolutes Highlight sind die letzten beiden Episoden, in denen sich ein „What the Fuck!?!“-Moment an den nächsten reiht und die dafür sorgen, dass man die gesamte Staffel wohl weitaus wohlwollender beurteilt, als sie es eigentlich verdient hätte. Vom Glanz der Anfangszeit der Serie, ihrer teils herausragenden Qualität, ist nicht sonderlich viel übrig geblieben. Am Ende des Tages sind es tatsächlich die weiter oben schon genannten Nebencharaktere – insbesondere Chris Bauer als Andy Bellefleur, Kristin Bauer van Straten als Pam De Beaufort, Ryan Kwanten als Jason Stackhouse und Anna Camp als Sarah Newlin -, die der Serie allesamt ihren Stempel aufdrücken und dafür sorgen, dass TRUE BLOOD trotz aller offensichtlicher Schwächen doch irgendwie interessant und sehenswert bleibt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

ENTOURAGE (USA 2015, Regie: Doug Ellin)

entourage movie

(Fassung: Blu-ray, Warner, Großbritannien)

 

Die gleichnamige TV-Serie habe ich in der ersten Jahreshälfte regelrecht verschlungen. Nun hat Serienerfinder Doug Ellin eine Kinoversion von ENTOURAGE nachgelegt, bei der er auch selbst gleich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.

Im Kinofilm hat es sich Vince (Adrian Grenier) nun in den Kopf gesetzt, bei einem großen Projekt neben der Hauptrolle auch gleich noch Regie zu führen und Ari Gold (Jeremy Piven), mittlerweile an der Spitze eines großen Studios angelangt, hat die zweifelhafte Ehre, den Film zu realisieren. Doch nach Abschluss der Dreharbeiten weigert sich Vince, den Film zu zeigen und fordert mehr Geld, um noch gewisse Feinjustierungen vornehmen zu können, was Ari fast in den Wahnsinn treibt, denn sein texanischer Geldgeber (Billy Bob Thornton) und dessen Sohn (Haley Joel Osment) sind von der Idee, weitere Millionen in ein Projekt zu pumpen, welches sie noch nicht mal ansatzweise zu Gesicht bekommen haben, nicht gerade begeistert…

ENTOURAGE ist reiner Fanservice, ein Geschenk für die Fans der Serie, alle anderen werden mit diesem Film mit ziemlich hoher Sicherheit gar nichts anfangen können. Doug Ellin hat ausnahmslos alle wichtigen Charaktere auch in den Film integriert, ENTOURAGE schließt an das Ende der Serie an und eine Kenntnis der diversen Macken der verschiedenen Charaktere ist zwingende Voraussetzung um auch mit dem Film seinen Spaß zu haben. Auf der Erzählebene unterscheidet sich die Kinoversion nicht groß von den einzelnen Staffeln und Episoden der Serie, sie besticht lediglich durch eine opulentere Optik und mehr “production values“, was aber nicht sonderlich tragisch ist, denn im Endeffekt bekommt man als Fan exakt das, was man sich erwarten und erhoffen konnte. Jeremy Piven läuft als Ari Gold erneut zur Hochform auf, der ganze Film ist mit Cameos diverser Stars – u.a. Mark Wahlberg (auf dessen Erlebnissen als Jungschauspieler in Hollywood die Serie ja basiert), Liam Neeson, Jon Favreau, David Faustino, George Takei, Mike Tyson, T.I., Gary Busey, Pharrell Williams, Jessica Alba, die sich alle selbst spielen – nur so gespickt, eine Vielzahl der Dialoge ist einmal mehr zum Niederknien respektlos und herrlich politisch unkorrekt und der Spaßfaktor, den ENTOURAGE verbreitet, ist exorbitant hoch. Einen Film wie diesen nennt man dann wohl „guilty pleasure“.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

THE FAULT IN OUR STARS (USA 2014, Regie: Josh Boone)

the fault in our stars

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

 

In THE FAULT IN OUR STARS verliebt sich todkranke Hazel (Shailene Woodley) in den ebenfalls todkranken Gus (Ansel Elgort). Gemeinsam versuchen die beiden Teenager die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, zum Verwirklichen letzter Träume zu verwenden…

THE FAULT IN OUR STARS ist eine ebenso dramatische wie schöne Liebesgeschichte, ein Plädoyer für positives Denken, eine Liebeserklärung an das Leben, Lästermäuler dürfen Boones Film aber auch gerne als manipulativen Kitsch abkanzeln, der es versteht, beim Zuschauer die richtigen Knöpfe zu drücken und die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen, um diesen immer wieder zu Tränen zu rühren. Ich hab mich bereitwillig und gerne auf Boones Manipulationen eingelassen. THE FAULT IN OUR STARS ist gleichzeitig todtraurig und wunderschön, berührend, bewegend und mitten ins Herz treffend. Und ja, die eine oder andere Träne kann man sich am Ende tatsächlich nicht verkneifen. Ich steh dazu.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

A MOST WANTED MAN (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Anton Corbijn)

a most wanted man

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

 

In A MOST WANTED MAN gerät der russische Flüchtling Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin) in Hamburg ins Visier diverser Geheimdienste. Während die meisten Beteiligten den potentiellen Islamisten gleich hinter Schloss und Riegel bringen möchten, will der mit seiner Einheit im Verborgenen agierende Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) Karpov dazu benutzen, um an einen weitaus größeren Fisch heranzukommen. Gleichzeitig versucht die engagierte Menschenrechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) den unter Generalverdacht stehenden Flüchtling zu helfen…

A MOST WANTED MAN basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers John le Carré, der seit Anfang der 60er Jahre eine Vielzahl von Spionageromanen veröffentlicht hat und sich in A MOST WANTED MAN wieder einmal um die diversen Verstrickungen innerhalb der Geheimdienste – hier in Verbindung mit dem internationalen Terrorismus – kümmert. Es geht um Vertrauen, Verrat, Loyalität und die Erkenntnis, dass am Ende des Tages alle Beteiligten nur Marionetten in einem großen Spiel zu sein scheinen.

Regisseur Anton Corbijn geht A MOST WANTED MAN extrem ruhig und bedächtig an, Spannung entwickelt sich fast ausschließlich aus den Dialogen und den schauspielerischen Leistungen, Momente, die auch nur im Ansatz mit dem Begriff “Action“ definiert werden könnten, sind praktisch gar nicht vorhanden. Als Zuschauer braucht man viel Geduld mit Corbijns Film, muss sich damit anfreunden können, dass hier nicht irgendwelche Schauwerte im Mittelpunkt stehen, sondern sich die Geschichte eigentlich ausschließlich aus den Gesprächen der verschiedenen Beteiligten heraus entwickelt. Wem dies gelingt, wird mit einer spannenden und atmosphärisch dichten Spionagegeschichte belohnt, die ihren Haupthandlungsort Hamburg perfekt als heimlichen Hauptdarsteller einsetzt und den tatsächlichen Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman in seiner letzten großen Rolle vor seinem Tod im Februar letzten Jahres noch einmal in absoluter Hochform zeigt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

JUNGLE FEVER (USA 1991, Regie: Spike Lee)

jungle fever

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 

In JUNGLE FEVER lässt sich der schwarze Architekt Flipper Purify (Wesley Snipes) auf eine Affäre mit seiner neuen Kollegin, der Italienerin Angie Tucci (Annabella Sciorra) ein, was zu gewissen Irritationen – um es harmlos zu bezeichnen – im jeweiligen Umfeld führt…

Ähnlich wie in dem von mir vor wenigen Wochen angesehenen DO THE RIGHT THING beschäftigt sich Regisseur Spike Lee auch in JUNGLE FEVER mit dem Thema Alltagsrassismus, legt auf spielerische Art und Weise den Finger in die Wunde und hält seinem Publikum, egal welcher Hautfarbe, den Spiegel vor Augen. Für Flippers Frau (Lonette McKee) ist der Seitensprung ihres Mannes deshalb so schlimm, weil er mit einer weißen Frau erfolgt ist. Angies Vater (Frank Vincent) schlägt seine Tochter auf übelste Weise zusammen, als er von ihrer Affäre mit dem dunkelhäutigen Flipper erfährt, Flippers Vater (Ossie Davis) wiederum lädt seinen Sohn und Angie zum Essen ein, nur um die hellhäutige Italienerin wüst beschimpfen zu können. Die Botschaft von Spike Lee ist klar: Wenn die Menschen es nicht schaffen, zu erkennen, dass es vollkommen egal ist, welche Hautfarbe ihr Gegenüber hat, welcher Religion er angehört oder aus welchem Land er kommt, wird Rassismus immer existieren. Und leider ist diese Botschaft auch 24 Jahre nach Erscheinen dieses Films noch immer brandaktuell. Fuck Racism!!!

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

SATURDAY NIGHT FEVER (USA 1977, Regie: John Badham)

saturday night fever

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 

John Travolta ist Tony Manero, Sohn italienischer Einwanderer, mit einem reichlich aussichtslosen Leben in Brooklyn und dem großen Traum ausgestattet, aus diesem Leben auszubrechen und es zu etwas zu bringen. Unter der Woche für wenig Geld in einem Farbengeschäft arbeitend, stellen die Wochenenden in seiner Stammdiscothek die einsamen Highlights in Tonys Leben dar. Hier wird er auf der Tanzfläche zu einem anderen Menschen, zu dem seine Freunde und die übrigen Gäste der Discothek aufschauen. Und ein bald stattfindender Tanzwettbewerb scheint eine kleine Chance zu sein, tatsächlich ein besseres Leben leben zu können…

SATURDAY NIGHT FEVER hat damals einen kleinen Boom von Tanz- und Discofilmen entfacht und es sind dann auch in allererster Linie die wirklich atemberaubend choreographierten Sequenzen in der Discothek, die SATURDAY NIGHT FEVER so sehenswert machen. Gerade in Verbindung mit dem kongenialen Soundtrack der Bee Gees ist Badhams Film in diesen Szenen nicht viel weniger als ganz großes Kino. SATURDAY NIGHT FEVER lebt neben den Szenen in der Disco vor allem auch von seinem Hauptdarsteller. Travolta, damals für seine Leistung immerhin mit einer Oscar-Nominierung bedacht, spielt diesen Tony Manero absolut überzeugend, das, was man da zu sehen bekommt, wirkt ungemein glaubwürdig und authentisch. Die Geschichte selbst, diese Story um den vermeintlichen Loser mit den großen Träumen, bleibt hinter Travoltas Leistung jedoch etwas zurück. Der Plot plätschert fast schon ziellos vor sich hin und es gibt keinen echten Spannungsbogen, der den Zuschauer einnehmen und fesseln könnte. Aber vielleicht passt gerade das ja auch ganz gut zu dem eher langweiligen Leben, welches Travoltas Manero außerhalb der Discothek zu leben hat.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

WISH I WAS HERE (USA 2014, Regie: Zach Braff)

wish i was here

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 

Die Zutaten von Filmen wie WISH I WAS HERE sind fast immer gleich: die Geschichte dreht sich um ziemlich wohlhabende Mittelständler mit “First World Problems“, es gibt mindestens einen schrulligen Haupt- oder Nebencharakter, es gibt mindestens einen tragischen Subplot, am Ende des Films gehen alle Sympathieträger gestärkt und mit neuen Erkenntnissen aus den ihnen zuvor gestellten Aufgaben hervor, die Grundstimmung des ganzen Films ist zudem leicht melancholisch angehaucht, die Kameramänner tauchen den Film in teils wunderschöne Bilder und von der Tonspur gibt es Alternative-Songs von Bands wie Coldplay oder The Shins.

In WISH I WAS HERE ist Zach Braff, der auch gleich Regie geführt hat, als erfolgloser Schauspieler zu sehen, der sich die teure Privatschule seiner beiden Kinder nicht mehr leisten kann, da sein Vater, der diese bisher finanziert hatte, das Geld für eine alternative Krebsbehandlung benötigt, und der Verdienst von Ehefrau Kate Hudson nicht auch noch zur Finanzierung einer Privatschule ausreicht. Braff versucht sich darin, seine Kinder zuhause zu unterrichten.

Ich kann jeden verstehen, der mit Filmen wie diesem hier mittlerweile gar nichts mehr anfangen kann. Diese Nische kleiner Independent-Filme, aus der insbesondere Mitte der 00er Jahre des neuen Jahrtausends so tolle Sachen wie GARDEN STATE, ELIZABETHTOWN oder A LOVE SONG FOR BOBBY LONG hervorgekommen sind, scheint mittlerweile regelrecht geflutet zu werden und irgendwie kommt es einen so vor, als ob da wirklich gar nichts mehr Neues dabei ist, alles scheint man schon einmal gesehen zu haben. Die große Begeisterung, die ich damals für vorgenannte Titel aufbringen konnte, kann praktisch keiner der neueren Vertreter dieser Filme mehr hervorrufen. Auch WISH I WAS HERE macht da keine Ausnahme. Aber dennoch lösen auch Filme wie dieser hier immer noch etwas in mir aus. Ich fühle mich geborgen bei ihnen, kann in ihnen versinken, lasse mich bereitwillig und gerne von ihnen einlullen. Und solange Filme wie WISH I WAS HERE noch in dieser Form für mich funktionieren, werde ich sie mir weiterhin ansehen. Da reicht es mir auch, wenn ich sie „nur“ noch als gut und nicht mehr als herausragend empfinde.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

CINEMA PERVERSO – DIE WUNDERBARE UND KAPUTTE WELT DES BAHNHOFSKINOS (Deutschland 2015, Regie: Oliver Schwehm)

cinema perverso

(Fassung: TV-Aufzeichnung, Free-TV, arteHD)

 

Eine Dokumentation über ein deutsches Phänomen, die bis in die 80er Jahre andauernde Bahnhofskinosubkultur. Was auf den ersten Blick wie ein vielversprechendes Projekt erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als ziemlich halbgare Angelegenheit. Wenn der gerade mal 60 Minuten dauernde Film vorbei ist, macht sich beim Zuschauer doch eher Enttäuschung und Ernüchterung breit. Das Hauptproblem des Films ist dabei in meinen Augen, dass Regisseur Oliver Schwehm wohl nicht so wirklich wusste, was er mit seiner Dokumentation eigentlich erzählen will. Wollte er nun – wie ich es eigentlich erwartet hätte – einen Film über das Phänomen Bahnhofskino an sich drehen? Oder wollte er – was in meinen Augen ziemlich überflüssig ist – nur einen Überblick über die Art von Filmen geben, die damals dort liefen? Schwehm kann sich weder für das eine noch für das andere so richtig entscheiden und für das theoretische Optimum, eine Vermischung beider Aspekte, steht ihm viel zu wenig Laufzeit zur Verfügung. So kratzt CINEMA PERVERSO lediglich ein bisschen an der Oberfläche, vermischt Filmausschnitte, Statements diverser Personen und Material aus dem Fotoarchiv miteinander und macht so niemanden wirklich glücklich. Vor allem die Auswahl der Rede und Antwort stehenden Personen ist mehr als unglücklich ausgefallen. Einzig die Aussagen und Statements des Herrn aus dem Filmarchiv, des Filmhändlers und von Regisseur Jörg Buttgereit sind interessant und fundiert, die Mitwirkung aller weiterer Beteiligten vor der Kamera ist nichts als plumpe Zeitverschwendung (und gerade das sollte man sich bei einem Film, der nur 60 Minuten läuft, doch einfach verkneifen). Weder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken noch Schauspielerin Mechthild Großmann können irgendwelche interessanten Erkenntnisse zum Thema liefern, Christian Anders und René Weller erzählen lediglich über ihre Filme – ersterer über DIE TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS, letzterer über MACHO MAN -, die damals auch in den Bahnhofskinos liefen und tätigen Aussagen, die vielleicht im Bonusmaterial entsprechender Heimkinoveröffentlichungen der beiden Filme gut aufgehoben wären, nicht aber in einer solchen Dokumentation. Schauspieler Ben Becker disqualifiziert sich spätestens in dem Moment, in dem er sich über Olsens BLUTIGER FREITAG lustig macht, komplett selbst und die Tatsache, dass der sogenannte Regisseur Uwe Boll hier überhaupt zu Wort kommen darf, ist in meinen Augen eine Beleidigung und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Films, der jemals in einem Bahnhofskino gelaufen ist. Am Ende von CINEMA PERVERSO steht für mich somit vor allem folgende Erkenntnis: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

 

Persönliche Bewertung: Naja!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 7 (USA 2014, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In den letzten zehn Folgen von TRUE BLOOD ist nun endgültig die Luft raus. Es scheinen hier auch keine Regisseure mehr am Werk gewesen sein, sondern lediglich Abwickler. Die einst so furios gestartete Serie wird in der letzten Staffel abgewickelt wie ein in Insolvenz geratenes Unternehmen. Man merkt jeder einzelnen Folge irgendwie an, dass die Macher nur noch versucht haben, TRUE BLOOD ohne größere Kollateralschäden noch halbwegs vernünftig über die Zielgeraden zu bringen. Netterweise ist zumindest das auch einigermaßen geglückt. Ich würde jetzt nicht soweit gehen wollen und behaupten, dass diese finale Staffel extrem mies ausgefallen wäre. Sie ist über weite Strecken unterhaltsam, lebt einmal mehr vor allem von ihren Nebencharakteren und bringt die Geschichte in den letzten zwei Folgen auch zu einem akzeptablen Ende. Denkt man jedoch zurück, welche herausragende Qualität TRUE BLOOD in den ersten drei Staffeln hatte, so ist die Entwicklung, die die Serie seit der 4. Staffel genommen hat, doch sehr enttäuschend und ernüchternd.

 

Persönliche Bewertung: Ok!

Es lebe der Sport…

ROCKY (USA 1976, Regie: John G. Avildsen)

rocky

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Sylvester Stallone ist Rocky Balboa, ein junger Mann, der sich mit Boxkämpfen und einem Job als Geldeintreiber über Wasser hält, in die unscheinbare Schwester (Talia Shire) seines besten Kumpels (Burt Young) verliebt ist und einfach nur seinen Platz im Leben finden will. Doch eines Tages erhält die Chance seines Lebens. Der ungeschlagene Box-Champion Apollo Creed (Carl Weathers) möchte – vor allem aus Marketinggründen – einem unbekannten Boxtalent die Möglichkeit geben, gegen ihn um den Titel zu kämpfen. Die Wahl fällt auf Rocky…

Im Endeffekt dürfte es überflüssig sein, die Ausgangssituation von Avildsens ROCKY überhaupt zu skizzieren, dürfte er doch zu den Filmen gehören, die nun wirklich jeder, der sich auch nur ein bisschen für Film interessiert, irgendwann schon mal gesehen haben dürfte. ROCKY ist Kult, einer der größten Sportfilme aller Zeiten und bedeutete für Sylvester Stallone damals den Durchbruch. Dieser Film, der die Oscars für Beste Regie, Bester Film und Bester Schnitt abräumte und ihn 7 weiteren Kategorien für den Oscar nominiert gewesen ist, machte Stallone zum Superstar. Es ist – natürlich neben der Rolle des John Rambo – die Figur des Rocky Balboa, die man fast zwangsläufig mit Sylvester Stallone in Verbindung bringt.

Ich selbst bin mit den ersten vier ROCKY-Filmen aufgewachsen, habe sie mir in den 80er Jahren immer und immer wieder angesehen. Die jetzige Sichtung des ersten Teils bedeutete ein Wiedersehen nach verdammt langer Zeit (ich habe die Film sicher schon über 20 Jahre nicht mehr gesehen) und irgendwie war es so, als ob man einen alten Freund nach langen Jahren wieder trifft und feststellt, dass sich an der Freundschaft nichts verändert hat und man sich auf Anhieb wieder versteht.

ROCKY ist dabei fast mehr als Sozialdrama als Sportfilm, der Kampf gegen Creed und auch die Vorbereitung auf diesen nimmt im Vergleich zum Rest der Handlung vergleichsweise wenig Spielraum ein. Getragen wird Avildsens Film in erster Linie von seinem Hauptdarsteller, der in der Titelrolle schlichtweg großartig ist und diesen jungen Mann mit dem riesengroßen Herzen, der eigentlich zu gut für seine Umwelt ist, eine Authentizität und Glaubwürdigkeit verleiht, vor der man nur seinen Hut ziehen kann. Als Zuschauer fühlt und leidet, hofft und bangt man mit diesem Rocky Balboa. Bewundert ihn für sein großes Herz (einem Schuldner seines Bosses bricht er bspw. nicht wie aufgetragen die Daumen, sondern gewährt ihm stattdessen auf eigene Verantwortung Zahlungsaufschub), versteht ihn in seinen Wutausbrüchen, begleitet ihn bei seinen zaghaften und unbeholfenen Versuchen, das Herz seiner Angebeteten zu gewinnen, schwitzt mit ihm während der Trainingsvorbereitung und bangt schließlich mit ihm im großen Kampf (dessen Ende – das ist auch eine ganz große Stärke des Films – dann eben nicht dem üblichen Sportfilmklischee entspricht). Ich glaube nicht, dass ROCKY mit einem anderen Schauspieler in der Hauptrolle funktioniert hätte. Fast scheint es, als ob Stallone nur für diese Rolle beim Film gelandet wäre.

Aber natürlich ist Stallone nicht alleine für die hohe Qualität des Films verantwortlich – seine Co-Stars, allen voran Talia Shire und Burt Young, agieren ebenso überzeugend in ihren Rollen wie der Hauptdarsteller, der Score von Bill Conti mit dem eingehenden Titelthema ist nicht viel weniger als ein Glücksgriff und dann hatte Regisseur John G. Avildsen auch noch den Ehrgeiz eine Hall of Fame magischer Filmmomente ausschließlich mit Szenen aus seinem Film füllen zu wollen. ROCKY läuft vor erinnerungswürdigen Gänsehautmomenten regelrecht über, seien es nun eher kleinere Szenen (bspw. die erste Reaktion Rockys auf das Angebot zum Kampf) oder eben Sequenzen, die so berühmt geworden sind, dass sie auch Menschen kennen dürften, die den ganzen Film noch nie gesehen haben (bspw. wie Rocky nach dem Kampf nach Adrian ruft). ROCKY ist nicht viel weniger als ein Meisterwerk, einer dieser Filme für die Insel, ein Lieblingsfilm, Kino für die Ewigkeit!

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

ROCKY II (USA 1979, Regie: Sylvester Stallone)

rocky ii

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass Fortsetzungen von so großartigen Filmen wie ROCKY es schaffen, ihren Vorgängern praktisch ebenbürtig zu sein oder diese gar noch zu übertreffen. ROCKY II ist so ein Glücksfall. 3 Jahre nach Avildsens ROCKY inszenierte Hauptdarsteller Sylvester Stallone diese Fortsetzung, zu der er auch das Drehbuch beisteuerte. Stallone orientiert sich – was den Verlauf der Handlung angeht – dabei deutlich am Vorgänger und macht damit im Endeffekt alles richtig. Nach einem kurzen Rückblick auf das Ende des ersten Teils – ein kluger Schachzug, diesen Film gleich noch mal mit dem Finale des Vorgängers zu beginnen, da man als Zuschauer sofort wieder in diesen magischen Momenten des ersten Teils gefangen ist – wird die Geschichte des Titelhelden konsequent und glaubwürdig weitererzählt. Während der gutmütige Rocky mit dem plötzlichen Geldsegen und den ihm zufliegenden Sympathien überfordert ist, einige falsche Entscheidungen trifft und schließlich wieder am unteren Ende der Nahrungskette landet, hadert der abermals von Carl Weathers gespielte Apollo Creed noch immer mit seinem Sieg nach Punkten. Er kann es einfach nicht ertragen, dass Rocky als moralischer Sieger aus dem Kampf hervorging und fordert den Underdog zu einem erneuten Duell heraus.

Ähnlich wie im ersten Teil dient auch hier die erste Hälfte des Films dazu, einen Blick auf Rockys Leben zu werfen, den Zuschauer weiter an die Identifikationsfigur zu binden (wenn dies überhaupt noch erforderlich ist) um schließlich erneut von ganzem Herzen mit ihr mitfiebern zu können. Die zweite Hälfte des Films widmet sich dann wieder den Vorbereitungen zum Kampf und natürlich dem Kampf selbst, beide Hälften sind perfekt aufeinander abgestimmt und präsentieren dem Zuschauer – wie schon ROCKY zuvor – eine Vielzahl an erinnerungswürdigen Szenen und magischen Momenten. Ich liebe bspw. diese gemeinsame Pressekonferenz von Rocky und Apollo und diese Schlussszene des Kampfes, in der beide Boxer parallel zu Boden gehen, hat sich für alle Ewigkeiten in meine Netzhaut eingebrannt.

Und auch wenn ROCKY II vielleicht nicht ganz an den Vorgänger herankommt, ich liebe auch diese Fortsetzung – von ganzem Herzen.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

THE LONGEST YARD (USA 1974, Regie: Robert Aldrich)

the longest yard 1974

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Vor einigen Wochen habe ich mir das Remake mit Adam Sandler in der Hauptrolle aus dem Jahr 2005 angesehen und war von diesem zwar nicht unbedingt restlos begeistert, aber doch ziemlich angetan. Nun als Aldrichs Original aus dem Jahr 1974, in dem Burt Reynolds die Hauptrolle des Ex-Football-Stars Paul Crewe spielt, der wegen diverser Delikte im Knast landet und dort dazu gezwungen wird, ein Football-Team unter den Häftlingen zusammenzustellen, die in einem fingierten Match gegen das halbprofessionelle Team der Wärter antreten und dieses natürlich verlieren sollen.

War der Grundton von Peter Segals Remake noch eher unbekümmert, locker und mit jeder Menge Humor durchsetzt, geht es in THE LONGEST YARD aus dem Jahr 1974 – obwohl auch dieser Film einige sehr witzige Szenen zu bieten hat – doch weitaus ernster zur Sache. Reynolds Crewe geht hier – ganz im Gegensatz zu Sandlers Crewe – echte (und nicht nur behauptete) Risiken ein, sein Verhalten und seine Entscheidungen drohen dramatische Konsequenzen nach sich zu ziehen und als Zuschauer fällt es einem somit leichter als in Segals Film, mit der Hauptfigur mitzufiebern. Die Inszenierung des entscheidenden Spiels zwischen den Häftlingen und den Wärtern stellt natürlich erwartungsgemäß den absoluten Höhepunkt des Films dar und findet über fast die komplette zweite Hälfte des Films statt. Dass es auch für Zuschauer wie mich, die mit den Regeln des American Football nicht wirklich vertraut sind, über die doch recht lange Laufzeit, die dieses Spiel dauert, nie auch nur ansatzweise langweilig wird und man sich stattdessen immer wieder dabei ertappt, wie man mit dem Team der Underdogs leidet, bangt und hofft, ist wohl der beste Beweis dafür, dass Aldrich, sein Team hinter der Kamera und seine Schauspieler, hier wirklich Großes zustande gebracht haben. Und diese Szene, in der Reynolds am Ende den Football holt, stellt nicht viel weniger als pure Kinomagie dar.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DAYS OF THUNDER (USA 1990, Regie: Tony Scott)

 days of thunder

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Der smarte Newcomer, der über Nacht zum Star wird und den alteingesessenen Champion herausfordert. Zwei besessene Rivalen, die aufgrund eines traumatischen Ereignisses zu Freunden werden. Der alte Haudegen, der mit diesem Sport schon längst abgeschlossen hat und sich doch wieder dazu überreden lässt, sich erneut zu engagieren. Der Unfall, der Karrieren beenden kann, der aus dem erfolgreichen Newcomer einen Außenseiter macht, der es allen noch einmal beweisen will und der im entscheidenden Rennen dann natürlich wieder mit exakt der Rennsituation konfrontiert wird, die einige Monate zuvor zum Unfall führte. Ich könnte sicher noch weiter ausführen, belasse es aber an dieser Stelle einfach bei der Aufzählung der vorgenannten Plotpunkte. Wie sicher nicht schwer zu erkennen ist, verwurstet Scotts DAYS OF THUNDER so ziemlich jedes Klischee, welches man aus dem Genre des Sportfilms so kennt und ist meinetwegen alles, aber sicher nicht in irgendeiner Weise innovativ was das Storytelling angeht.

Warum DAYS OF THUNDER dennoch halbwegs funktioniert und es auch schafft, über die komplette Laufzeit ziemlich gut zu unterhalten, liegt also weniger an der erzählten Geschichte, sondern eher an der Art und Weise und mit welchen Stilmitteln diese erzählt wird und an der Tatsache, dass mit Tom Cruise, Robert Duvall, Michael Rooker, Randy Quaid, John C. Reilly, Fred Dalton Thompson und Nicole Kidman ein paar richtig gute Schauspieler am Werk sind. Das ganz große Plus von DAYS OF THUNDER ist seine Optik, der typische Stil von Regisseur Tony Scott passt ganz vorzüglich zu der portraitierten NASCAR-Rennszene, der Score von Hans Zimmer und der rockige Soundtrack mit Songs von Künstlern wie Chicago, Tina Turner, Elton John, der Spencer Davis Group und Guns N‘ Roses passt ganz vorzüglich zu den stylishen Bildern, die Scott gemeinsam mit seinem Kameramann Ward Russell auf die Leinwand zaubert und die im wahrsten Sinne des Wortes rasante Inszenierung der Rennszenen ist absolut packend, spannend und spektakulär geraten.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

MAJOR LEAGUE (USA 1989, Regie: David S. Ward)

 major league

(Fassung: DVD, Paramount, USA)

Mit dem Tod ihres schwerreichen Gatten hat Rachel Phelps (Margaret Whitton) nicht nur dessen Vermögen, sondern auch dessen Herzensangelegenheit, die Cleveland Indians, einen schon seit Jahrzehnten erfolglosen Baseballclub, geerbt. Da es der Witwe in Cleveland nicht unbedingt gut gefällt und sie mitsamt dem Verein lieber Miami umziehen würde, möchte sie eine Klausel in den Verträgen mit den öffentlichen Trägern ausnutzen. Sollte das Team tatsächlich eine weitere Saison komplett erfolglos abschließen, könnte sie aus den laufenden Verträgen aussteigen und den Club tatsächlich nach Miami verlegen. Phelps heuert aus diesem Grund einen Haufen von Verlierern an, doch die spielen urplötzlich weitaus besser als erwartet…

MAJOR LEAGUE ist ein absolutes Paradebeispiel für das Genre des Sportfilms. Schon der Ausgangspunkt des Plots, der einen Haufen offensichtlicher Verlierer zusammenbringt, die sich letztendlich zusammenraufen, über sich hinauswachsen und schier Unmögliches erreichen, wurde in ähnlicher Art und Weise wohl schon unzählige Male in ähnlichen Genreproduktionen verwendet. Aber nur selten dürfte es so extrem unterhaltsam gewesen sein wie im Film von David S. Ward. Das liegt zum einen am tollen Casting – Tom Berenger als abgehalfterter Ex-Star, Charlie Sheen als unberechenbarer Psychopath, Wesley Snipes als halbwegs talentierter Blender, Dennis Haysbert als ehrfurchtsgebietende und dem Voodookult verfallene Diva, usw., usf. -, zum anderen an einer perfekten Mischung aus spannenden, komischen und dramatischen Momenten. Die Protagonisten wachsen dem Zuschauer ans Herz, Ward hat einige phänomenal gute Gags eingebaut und diese Sequenz im finalen Spiel, in der schließlich Charlie Sheen als Ricky “Wild Thing“ Vaughn eingewechselt wird und das komplette Stadion zum Ausrasten bringt, ist einer dieser magischen Momente für die Ewigkeit, eine der Szenen, in denen sich die Essenz eines ganzen Genres perfekt wiederspiegelt.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

ROCKY III (USA 1982, Regie: Sylvester Stallone)

rocky iii

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Wie bereits beim unmittelbaren Vorgänger zeichnete Hauptdarsteller Sylvester Stallone auch bei diesem Film hier für Drehbuch und Regie verantwortlich (was ROCKY III letztendlich zu einem Autorenfilm macht). Eine weitere Parallele zum Vorgänger findet sich im Auftakt des Films. Auch ROCKY III beginnt mit den letzten Einstellungen des Kampfes des vorangegangenen Films und versucht auf diese Weise, den Zuschauer mit der Wiederholung der emotionalen Momente gleich wieder zu packen. So wirklich gelingen mag Stallone dies bei diesem Film allerdings nicht. Trotz all der nostalgischen Erinnerungen, die ich auch mit diesem Film hier verbinde, ist das jetzige Wiedersehen doch eher ernüchternd ausgefallen.

Im Endeffekt ist die Geschichte von ROCKY III nur eine leicht veränderte Zusammenfassung der ersten beiden Filme. Ein Starboxer – nun der von Stallone gespielte Rocky Balboa – tritt gegen einen Underdog – Mr. T, vor allem bekannt aus der TV-Serie THE A-TEAM, mit der er ein Jahr nach ROCKY III TV-Geschichte schreiben sollte, als Clubber Lang – an, verliert diesen Kampf und gewinnt schließlich die Revanche (dies stellt auch die einzige Variation zur Geschichte der ersten beiden Filme dar, in dem es ja bekanntermaßen genau andersrum abgelaufen ist). Was ROCKY III fehlt, ist diese Geschichte rund um das Boxevent herum, diese Beschäftigung mit den Charakteren und deren sorgfältige Zeichnung, praktisch all das, was ROCKY so großartig gemacht hat und auch in ROCKY II zumindest noch in Ansätzen vorhanden war. ROCKY III ist eine Kirmesveranstaltung – am deutlichsten und auch negativsten wird einem dies in dem Showkampf zwischen Rocky und dem von Hulk Hogan gespielten Wrestler Thunderlips bewusst, eine Sequenz, die man einfach nur noch als peinlich bezeichnen kann. Und auch wie der von Mr. T gespielte Clubber Lang gezeichnet und charakterisiert ist nicht wirklich eine Glanzleistung von Drehbuch und Regie. Lang ist das ultimative Böse, der Antichrist im Boxring, eine komplett überzeichnete Figur, die man als Zuschauer gar nicht mehr ernst nehmen kann, was letztendlich auch dazu führt, dass der finale Kampf zwischen Rocky und Clubber zwar durchaus nett inszeniert ist, aber beim Zuschauer in keinster Weise die Emotionalität hervorrufen kann, wie es die beiden Schlusskämpfe der ersten beiden Filme noch vermochten. Emotionaler Höhepunkt von ROCKY III ist der Tod von Rockys Trainer Mickey (Burgess Meredith), inszenatorischer Höhepunkt ist zum einen die Pre-Credit-Sequenz, in der man kurz den weiteren Verlauf von Rockys Leben und Karriere nach dem zweiten Kampf gegen Apollo skizziert bekommt und parallel immer wieder Bilder des verbissen kämpfenden und trainierenden Clubber Lang montiert sind, zum anderen die Sequenz rund um das von Apollo geleitete Training, in dem Rocky für den zweiten Fight gegen Clubber fitgemacht wird.

Hätte ich ROCKY III jetzt zum ersten Mal gesehen, meine Bewertung würde wohl ziemlich negativ ausfallen. Aufgrund meiner persönlichen Geschichte mit der Reihe und der Tatsache, dass auch die Sichtung dieses dritten Teils jede Menge Erinnerungen hervorgerufen hat, bringe ich es jedoch nicht wirklich fertig, allzu hart mit ihm ins Gericht zu gehen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

FOLLOW ME (USA 1969, Regie: Gene McCabe)

follow me

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

Die IMDB listet FOLLOW ME von Regisseur Gene McCabe als Dokumentation, was irgendwie schon zutreffen mag, irgendwie aber auch nicht. McCabe folgt in seinem Film drei Surfern (Mary Lou McGinnis, Bob Purvey und Jerry Dexter) rund um die Welt und beobachtet sie beim Wellenreiten an verschiedensten Stränden der Erde. Jerry Dexter fungiert dabei noch als Off-Erzähler, der Film selbst kommt ansonsten ohne jeglichen Dialog aus und lässt über die komplette Laufzeit von gut 75 Minuten einfach nur seine Bilder sprechen. Und die sind tatsächlich teils atemberaubend schön geraten und insbesondere die Aufnahmen aus Hawaii, die McCabe da eingefangen hat, sind schon mehr als beeindruckend zu bezeichnen. FOLLOW ME vermittelt dabei allerdings weniger den Eindruck, so etwas wie eine Dokumentation zu sein, sondern kommt – insbesondere auch in Verbindung mit Soundtrack und Score – eher wie ein überlanges, psychedelisch angehauchtes Urlaubsvideo rüber. Wenn man diesen Film wie ich bei glühend heißen Temperaturen einfach so auf sich einwirken lässt, kann man ihm eine gewisse Sogwirkung wohl sicher nicht absprechen. Bedingungslos weiterempfehlen würde ich ihn allerdings nicht unbedingt wollen.

Persönliche Bewertung: Nett!

KANSAS CITY BOMBER (USA 1972, Regie: Jerrold Freedman)

 kansas city bomber

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Regisseur Jerrold Freedman unternimmt mit KANSAS CITY BOMBER einen Blick auf die Roller-Derby-Szene in den USA der früher 70er Jahre und folgt den Träumen der Top-Skaterin K.C. Carr (gespielt von der einfach nur atemberaubend attraktiven Raquel Welch), die versucht, ihr Privatleben und sportlichen Erfolg in Einklang zu bringen.

KANSAS CITY BOMBER versucht dabei vor allem die Problematiken zu thematisieren, die sich ergeben, wenn ein neuer Topathlet (hier die von Welch gespielte Carr) in ein eingespieltes Team integriert werden muss und der bisherige Platzhirsch (Helena Kallianiotes in der Rolle der Jackie Burdette) versucht, seinen Stand mit allen Mitteln gegen den unangenehmen Neuankömmling zu verteidigen. Man muss jedoch eingestehen, dass es beim Versuch bleibt. So wirklich gelungen ist Freedman sein KANSAS CITY BOMBER nämlich nicht, der Film wirkt zerfahren und – was für einen Sportfilm ja im Endeffekt mit am wichtigsten ist – es gelingt Freedman eigentlich zu keiner Zeit, den Zuschauer emotional zu packen. Das ist zwar alles ganz nett anzusehen (insbesondere natürlich Raquel Welch) und die diversen Roller-Derby-Einlagen haben auch durchaus hohen Unterhaltungswert, neben diversen Schauwerten bietet KANSAS CITY BOMBER jedoch nicht wirklich viel an und ist – wenn überhaupt – nur wegen seines Zeitkolorits und wegen Raquel Welch empfehlenswert.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

WILDCATS (USA 1986, Regie: Michael Ritchie)

wildcats

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Ok, mit Goldie Hawn als Football-Coach und der ziemlich hanebüchenen Ausgangssituation der Geschichte muss man sich definitiv anfreunden und arrangieren können, damit man seinen Spaß mit Ritchies Film haben kann. Gelingt dies, ist dieser Spaß allerdings tatsächlich vorprogrammiert. WILDCATS erzählt eine dieser typischen Underdog-Geschichten, in der ein Haufen von Chaoten und Versagern zu einem Team geformt wird und letztendlich über sich hinauswächst. Ritchie verbindet dabei geschickt dramatische und komische Momente und präsentiert dem Zuschauer auch die eine oder andere Gänsehaut verursachende Sequenz. Die Inszenierung des entscheidenden Spiels ist richtig, richtig gut geraten und im ganzen Haufen der diversen Loser und Versager, die eine Mannschaft bilden müssen, tummeln sich u.a. Wesley Snipes und Woody Harrelson in ihrem jeweils ersten größeren Leinwandauftritt. Und sonderlich viel mehr gibt es zu Ritchies Film in meinen Augen auch gar nicht zu sagen.

Persönliche Bewertung: Gut!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 1

THE CALL (USA 2013, Regie: Brad Anderson)

the call

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Halle Berry spielt Jordan Turner, eine Telefonistin in der Notrufzentrale in Los Angeles, die einst aufgrund einer falschen Entscheidung ein junges Mädchen einem Killer auslieferte. Nun, ein halbes Jahr später, wird erneut ein junges Mädchen (Abigail Breslin) entführt und Jordan setzt alles daran, das Leben des Teenagers zu retten…

Regisseur Brad Anderson hat mit THE CALL einen kleinen und ziemlich feinen Thriller hingelegt. Natürlich gibt es Klischees zuhauf (insbesondere natürlich die Zeichnung, der Background und das “Motiv“ des Killers, aber natürlich auch die Tatsache, dass die von Berry gespielte Jordan ihre zweite Chance bekommt und so ihre Katharsis erfährt) und auch die eine oder andere Entscheidung der handelnden Personen scheint nicht immer logisch zu sein, aber letztendlich sind diese Klischees und diese falschen Entscheidungen der Pro- und Antagonisten ja auch erforderlich, damit die Handlung des Films möglichst spannend und spektakulär  entwickelt werden kann. Wer sich als Zuschauer einfach fallen und von Regisseur Brad Anderson gefangen nehmen lässt, wird mit einem zeitweise sauspannenden und extrem kurzweiligen Thriller belohnt. THE CALL erfindet das Rad definitiv nicht neu, aber er unterhält ganz vorzüglich und ist für Fans des Genres sicher einen Blick wert.

Persönliche Bewertung: Gut!

THAT GUY DICK MILLER (USA 2014, Regie: Elijah Drenner)

that guy dick miller

(Fassung: DVD, Indiecan Entertainment, USA)

Es gibt ja diese typischen Nebendarsteller, deren Gesichter man zwar aus unzähligen Filmen und TV-Serien kennt, deren Namen den meisten Zuschauern allerdings unbekannt bleiben. Dick Miller ist der Inbegriff eines solchen Darstellers. Zwischen 1955 und 2014 hat der mittlerweile 86 Jahre alte Schauspieler in immerhin 175 Filmen und TV-Serien mitgewirkt und jeder, der sich für Filme interessiert, sollte sein Gesicht kennen. Er war bspw. der Waffenhändler, der von Arnold Schwarzenegger in THE TERMINATOR niedergeschossen wird, er hat in wohl jedem Film von Regisseur Joe Dante (z.B. GREMLINS, THE ‘BURBS und EXPLORERS) mitgespielt und er hat – insbesondere in den 60er und 70er Jahren – unzählige Filme für Roger Corman gedreht. Das besondere an Dick Miller war dabei immer, dass er jeder Rolle – so klein sie auch gewesen ist – in gewisser Weise seinen Stempel aufgedrückt hat. Gerade Freunde des Genrefilms freuen sich immer wieder, wenn sie ihn in einem Film entdecken.

Regisseur Elijah Drenner, der bereits die sehr sehenswerte Dokumentation AMERICAN GRINDHOUSE gedreht hat und außerdem ein vielbeschäftigter Mann ist, wenn es um Kurzdokumentationen zu Exploitationfilmen anhand bevorstehender Heimkinoveröffentlichungen geht, hat Dick Miller nun mit THAT GUY DICK MILLER ein kleines Denkmal gesetzt. Der Zuschauer bekommt einen Einblick in die lange Karriere des sympathischen Schauspielers, es gibt viel Archivmaterial – auch eine Menge private Aufnahmen – zu sehen und Weggefährten wie Joe Dante, Roger Corman, Allan Arkush, Jonathan Kaplan und Mary Woronov plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen die eine oder andere hörenswerte Anekdote. Neben dem Portrait eines Schauspielers ist THAT GUY DICK MILLER aber auch gleichzeitig ein interessanter und nostalgischer Blick zurück auf die B-Movies aus der Corman-Schmiede und für den Exploitationfan auch als eine Art Filmführer bestens geeignet. Da gibt es schon so einige Ausschnitte aus mir bisher unbekannten Filmen zu sehen, die man nach Sichtung dieser Doku gerne entdecken möchte.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

GLI INTOCCABILI (Italien 1969, Regie: Giuliano Montaldo)

gli intoccabili

(Fassung: Blu-ray, Blue Underground, USA)

In GLI INTOCCABILI geht es um Hank McCain (großartig: John Cassavetes), der ohne es zu wissen zum Spielball des Mafioso Charlie Adamo (Peter Falk) wird. Adamo versuchte sich in ein Casino einzukaufen, jedoch ohne Erfolg, und nun soll McCain dieses Casino für ihn ausrauben. Als Adamo jedoch erfährt, dass einer der Casinoeigner ausgerechnet sein Boss Don DeMarco (Gabriele Ferzetti) ist, muss er alles daran setzen, McCain, der fest davon überzeugt ist, auf eigene Rechnung zu handeln, aufzuhalten. Doch das gestaltet sich ausgesprochen schwierig…

Regisseur Giuliano Montaldo präsentiert seinen Zuschauern eine schöne Mischung aus Gangsterfilm, Heist Movie und Thriller. GLI INTOCCABILI ist spannend und wendungsreich inszeniert, toll gespielt und bis in die kleinsten Nebenrollen mit (Genre-)Stars wie John Cassavetes, Britt Ekland, Peter Falk, Gabriele Ferzetti, Luigi Pistilli, Florinda Bolkan und Gena Rowlands hervorragend besetzt. Und dann diese einfach nur unwiderstehliche Atmosphäre, die GLI INTOCCABILI bereits innerhalb kürzester Zeit entwickelt und die einen als Zuschauer sofort packt und bis zum spektakulären Finale nicht mehr loslässt.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE GIRLFRIEND EXPERIENCE (USA 2009, Regie: Steven Soderbergh)

the girlfriend experience

(Fassung: Blu-ray, Magnolia, USA)

In Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist auch der Job von Chelsea (Sasha Grey), einem Luxus-Call-Girl, nicht mehr krisensicher. Sie lebt zwar gemeinsam mit ihrem Freund Chris (Chris Santos) in einem luxuriösen Loft in Manhattan, muss sich aber ernsthafte Gedanken darüber machen, wie sie sich in Zukunft weiter vermarkten will. Zur wirtschaftlichen Krise gesellt sich auch noch eine Krise privater Natur, als Chelsea in einem potentiellen Kunden ihren Seelenverwandten gefunden zu haben scheint und Chris davon verständlicherweise nicht überaus begeistert ist…

Was durchaus als Vorlage für einen interessanten Plot gedient hätte, interessiert Regisseur Steven Soderbergh nur am Rande. Mit einem extrem schmalen Budget von gerade mal 1,7 Mio. Dollar innerhalb von 14 Tagen abgedreht und mit der – mittlerweile ehemaligen, zum damaligen Zeitpunkt noch aktiven – Pornodarstellerin Sasha Grey in der Hauptrolle durchaus radikal und eigenwillig besetzt, ist THE GIRLFRIEND EXPERIENCE mehr Arthouse-Experiment und weniger das Erzählen einer Geschichte. Soderbergh arbeitet viel mit Rückblenden, verschiedenen Handlungs- und Erzählebenen und verleiht jeder von diesen einen ganz eigenen Look. Storytechnisch hat THE GIRLFRIEND EXPERIENCE nicht sonderlich viel Substanz, aufgrund seiner eigenwilligen “Erzähl“weise und seiner noch eigenwilligeren Optik übt Soderberghs Low-Budget-Experiment aber dennoch einen ganz eigenen Reiz und eine ganz eigene Faszination aus.

Persönliche Bewertung: Gut!

JOHN WICK (USA 2014, Regie: Chad Stahelski)

john wick

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Meine Fresse, was für ein Brett! Keanu Reeves spielt den ehemaligen Profikiller John Wick, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, als der Sohn eines russischen Gangsterbosses nichts Besseres zu tun hat, als ihn zu überfallen, sein Auto zu stehlen und seinen Hund zu töten. Wick begibt sich auf einen Rachefeldzug, der in der jüngeren Kinovergangenheit seinesgleichen sucht und hinterlässt nicht viel mehr als Schutt und Asche.

Mit JOHN WICK hat Regisseur Chad Stahelski die vielleicht ultimative Hommage an das Actionkino der 80er Jahre gedreht. Hier gibt es ohne große Kompromisse voll eins auf die Zwölf, Stahelskis Film ist komplett humorbefreit, derbst brutal und mit einfach nur grandiosen Shoot-Out-, Fight- und sonstigen Action-Sequenzen gesegnet. Hier dürfte das Herz eines jeden Actionfans deutlich höher schlagen und es ist einfach schön zu sehen, dass ein Film wie dieser auch heutzutage noch für die große Leinwand gedreht werden kann. JOHN WICK würde auch im Double-Feature mit Filmen wie COMMANDO, COBRA, INVASION U.S.A. oder DEATH WISH 3 mehr als vorzüglich funktionieren und fast scheint es so, als habe dieser Film die letzten 30 Jahre irgendwo in einer Zeitkapsel verbracht und wurde erst jetzt durch Zufall entdeckt. Wenn doch auch die THE EXPENDABLES-Filme so oder so ähnlich ausgesehen hätten wie dieser Film hier…

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE GORGON (Großbritannien 1964, Regie: Terence Fisher)

the gorgon

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Wie am 11.06. bekannt wurde, verstarb am 07.06. in London Christopher Lee an Herzversagen, keine zwei Wochen nach seinem 93. Geburtstag. In Gedenken an diesen ebenso groß- wie einzigartigen Schauspieler musste ich mir einfach einen Film mit ihm ansehen. Die Wahl fiel auf THE GORGON, eine von Lees Hammer-Produktionen. Ein mir bisher unbekannter Film, in dem der unvergessliche – und durch seine Filme ja auch in gewisser Weise unsterbliche – Schauspieler einmal mehr gemeinsam mit Peter Cushing vor der Kamera stand.

In THE GORGON dreht sich alles um einen jungen Mann (Richard Pasco), der den mysteriösen Tod seines Vaters mit Hilfe des von Christopher Lee gespielten Prof. Meister aufklären will und dabei auf eine Wand des Schweigens stößt. Insbesondere der von Cushing gespielte Arzt der kleinen Stadt scheint etwas zu verbergen zu haben…

THE GORGON bietet grundsolide, routinierte und ausgesprochen schöne Gruselunterhaltung, welche sich im vorliegenden Fall der griechischen Medusa-Sage bedient, und ist angesiedelt in den typischen Settings (ich liebe diese spinnwebenverhangenen, alten Schlösser) der britischen Kultschmiede und ausgestattet mit dieser unnachahmlichen Atmosphäre, die so viele Filme der Hammer Studios auszeichnet. Undurchsichtige Machenschaften sorgen für kurzweilige Spannung und mit Cushing und Lee sind zwei absolute Großmeister ihres Fachs in den beiden Hauptrollen zu sehen (auch wenn der Part von Christopher Lee leider deutlich kleiner ausgefallen ist als der von Cushing). Wer Filme dieser Art zu schätzen weiß, dürfte auch an THE GORGON seinen Spaß haben, dessen bin ich mir sicher.

Persönliche Bewertung: Gut!

INVADERS FROM MARS (USA 1986, Regie: Tobe Hooper)

invaders from mars

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Hoopers Remake des gleichnamigen Science-Fiction- und Paranoia-Films aus den 50er Jahren passt ganz wunderbar in seine Entstehungszeit, machten in den 80er Jahren ja nicht gerade wenige Filme Furore, die Kinder und Jugendliche zu Hauptprotagonisten meist phantastischer Abenteuer machten.

In INVADERS FROM MARS muss der junge David (Hunter Carson) mit ansehen, wie alle Erwachsenen um ihn herum von außerirdischen Invasoren zu willenlosen Werkzeugen umfunktioniert werden. Mit Hilfe der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) wendet er sich an das Militär in Form des von James Karen gespielten General Wilson und versucht, so den Tag zu retten.

Und auch wenn INVADERS FROM MARS an die hohe Qualität manch ähnlicher (Sub-)Genrevertreter wie beispielsweise THE GOONIES, GREMLINS oder auch YOUNG SHERLOCK HOLMES vielleicht nicht ganz herankommen mag, so weiß Hoopers Film doch mit einer schwungvollen Mischung aus Action, Spannung und Humor zu überzeugen. Das Finale ist spektakulär und das von Stan Winston stammende Creature Design über jeden Zweifel erhaben.

Persönliche Bewertung: Gut!

MOONRISE KINGDOM (USA 2012, Regie: Wes Anderson)

moonrise kingdom

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Ein Waisenjunge (Jared Gilman) verlässt in einer Nacht- und Nebelaktion sein Pfadfindercamp, ein Mädchen (Kara Hayward) haut von zu Hause ab. Zusammen wollen sie in eine gemeinsame Zukunft flüchten, doch die Eltern des Mädchens (Bill Murray und Frances McDormand), der ortsansässige Polizist (Bruce Willis) sowie der Leiter des Camps (Edward Norton) und jede Menge Mitpfadfinder befinden sich bereits auf ihrer Fährte…

Die Filme von Regisseur Wes Anderson kann man entweder lieben oder hassen. Ein Zwischending ist eigentlich nicht möglich. Entweder man kommt mit dieser ganz besonderen Art klar, mit der Anderson seine Geschichten erzählt oder es dürfte problematisch werden, seine Filme gut zu finden. MOONRISE KINGDOM ist wieder ein typischer Anderson-Film und für mich als Fan des eigenwilligen Regisseurs bedeutete dies, dass ich gut 90 Minuten einen riesengroßen Spaß hatte. Ich liebe die Optik, die Andersons Filme auszeichnet, den trockenen und teils rabenschwarzen Humor, der sie durchzieht, die skurrilen und schrulligen Charaktere, die sie bevölkern und die einfach nur wunderschönen Geschichten, die von ihnen erzählt werden. Auch auf MOONRISE KINGDOM trifft all dies zu. Ein visuell beeindruckender, saukomischer, herrlich schräger und einfach nur richtig, richtig guter Film!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

FIREFLY: SEASON 1 (USA 2002-2003, Idee: Joss Whedon)

firefly

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In Nerdkreisen ist die Empörung darüber, dass FIREFLY nach nur 11 ausgestrahlten Folgen (von insgesamt 14 produzierten) wieder abgesetzt wurde, noch heute ziemlich groß. Irgendwie verständlich, denn FIREFLY hätte es durchaus verdient gehabt, eine echte Chance zu bekommen. Diese hatte die Serie jedoch niemals. Die Differenzen der ausstrahlenden Fox Studios und des Machers Joss Whedon waren einfach zu groß und so war das TV-Projekt FIREFLY praktisch von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Nicht nur, dass Fox lediglich 11 der 14 produzierten Folgen ausstrahlte, sie wurden auch noch in komplett chaotischer und sinnentstellender Reihenfolge gesendet (Höhepunkt des Chaos dürfte sicherlich die Tatsache sein, dass ausgerechnet die Pilotfolge, also der Einstieg in die Serie, von Fox als letztes ausgestrahlt wurde). Zwar verfügt jede Episode für sich über eine abgeschlossene Handlung, die sich im Laufe dieser ersten und einzigen Season jedoch aufbauende Rahmenhandlung und die Entwicklung der verschiedenen Charaktere wurde durch die chaotische Ausstrahlungsreihenfolge komplett torpediert und so ist es nicht verwunderlich, dass nur wenige Zuschauer einschalteten. Erst auf DVD, als alle 14 Folgen in der korrekten Reihenfolge veröffentlicht wurden, entwickelte sich FIREFLY zur Kultserie und ermöglichte es Whedon, im Jahr 2005 mit SERENITY einen Kinofilm zu drehen, mit dem er sein Objekt schließlich doch noch zu einem Ende bringen konnte.

Ich selbst habe FIREFLY erst jetzt zum ersten Mal gesehen (der Kinofilm folgt dann in ein paar Tagen) und muss sagen, dass ich die Empörung über das Absetzen der Serie zwar durchaus nachvollziehen kann, den extremen Hype, der um sie gemacht wurde, aber dann doch nicht ganz verstehe.

FIREFLY ist sicherlich innovativ und außergewöhnlich und die Idee, das Science-Fiction-Genre mit dem Genre des Westerns und auch mit dem Genre des Abenteuerfilms zu verbinden, halte ich für ausgesprochen gelungen. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Nachhaltigkeit des Ganzen. Als wirklich herausragend hab ich beispielsweise keine einzige Episode empfunden, die Qualität der erzählten Geschichten schwankt zwischen solide, gut und sehr gut und für eine Serie, die erst Anfang dieses Jahrtausends produziert wurde, empfand ich FIREFLY als erstaunlich “dated“, was vielleicht auch an den – wohl aus Budgetgründen – nicht immer wirklich gut gelungenen Effekten liegen dürfte. Toll ist dagegen die Mischung aus teils ziemlich krudem Humor und durchaus heftigen Gewaltspitzen (nicht aufgrund der graphischen Darstellung, sondern aufgrund der Handlungen, die die Personen vollziehen). Nathan Fillion und Adam Baldwin rocken zudem – jeder auf seine eigene Art und Weise – ziemlich das Haus und Morena Baccarin ist “hot as hell“. Da war durchaus viel Potential vorhanden, welches sicherlich genutzt und weiterentwickelt hätte werden können.

Persönliche Bewertung: Gut!

WANTED DEAD OR ALIVE (USA 1987, Regie: Gary Sherman)

wanted dead or alive

(Fassung: DVD, Anchor Bay, USA)

Kopfgeldjäger Rutger Hauer soll Gene Simmons (ja, den Bassisten von KISS) zur Strecke bringen, der hier einen Terroristen aus Nahost zum Besten gibt. Schon bald wird die Angelegenheit persönlich…

Actionkino aus den 80er Jahren – die Rollen zwischen Gut und Böse sind klar verteilt und natürlich kann man Filmen wie diesen hier, die aufgrund ihrer Terrorismus-Thematik ja leider immer noch eine gewisse Aktualität aufweisen, den Vorwurf machen, ideologisch durchaus fragwürdig geraten zu sein. Kann man, muss man aber nicht. Man kann sich als Fan des 80er-Jahre-Kinos auch einfach nur von ihnen unterhalten lassen. Bei WANTED DEAD OR ALIVE fällt insbesondere auf, das weniger die Action, sondern mehr der Thrill im Vordergrund steht. Echte Actionszenen sind rar gesät und Regisseur Gary Sherman ist viel mehr am Spannungsaufbau und der Charakterisierung des von Rutger Hauer gespielten Protagonisten interessiert und das gelingt ihm auch richtig gut. WANTED DEAD OR ALIVE zeigt keinen Amoklauf eines schießwütigen Militaristen, sondern die penible Jagd eines desillusionierten Mannes, der eine persönliche Rechnung zu begleichen hat. WANTED DEAD OR ALIVE ist praktisch der Thriller unter den Actionfilmen aus den 80er Jahren und sei hiermit jedem Freund dieser Art von Kinos wärmstens empfohlen. Und das Ende des Bösewichts – “Fuck the bonus!“ – ist “priceless“!

Persönliche Bewertung: Gut!