The Movies of January 2017

In den letzten Monaten hatte ich leider weder die Zeit noch die Muse, diesen Blog hier weiterzuführen. Um ihn nicht komplett einschlafen zu lassen, gibt es nun – so zumindest der Plan – immer am Monatsende eine kleine Rückschau auf meinen persönlichen Filmmonat mit ein paar losen Gedanken zu den gesehenen Filmen.

 

Im Januar 2017 stachen für mich insbesondere 4 Filme heraus, die ich allesamt als herausragend bezeichnen möchte:

hell-or-high-water

Mein persönliches Filmhighlight im Januar war HELL OR HIGH WATER (USA 2016, Regie: David Mackenzie), in dem Ben Foster und Chris Pine als Brüderpaar im ländlichen Texas Banken ausrauben um mit dem erbeuteten Geld den Familienbesitz in Form einer Farm zu retten. Alles geht gut, bis die beiden zu unvorsichtig werden und sich mit Jeff Bridges ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger an ihre Fersen heftet, der als letzte Amtshandlung die Bankräuber unbedingt zur Strecke bringen will.

Der Film lebt von seinen drei phantastischen Hauptdarstellern, seiner tollen Kameraarbeit, seinem wundervollen Score von Nick Cave und Warren Ellis, seiner behutsam die Spannungsschraube immer mehr anziehenden Geschichte und seiner ungemein intensiven Atmosphäre.

 

RAMPART (USA 2011, Regie: Oren Moverman), in dem Woody Harrelson einen dreckigen Cop spielt, der ins Visier der Abteilung für Innere Angelegenheiten gerät, war der zweitbeste Film, den ich im Januar gesehen habe.

Ein ungemein intensiv und glaubwürdig gespieltes Cop-Drama, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Am Ende des Tages machen dann wohl doch die Schauspieler den Unterschied zwischen herausragenden, sehr guten, guten, durchschnittlichen und eher schlechten Filmen aus. In RAMPART spielen neben Woody Harrelson u.a. Robin Wright, Ned Beatty, Sigourney Weaver, Steve Buscemi, Anne Heche, Cynthia Nixon, Brie Larson, Ben Foster, Robert Wisdom und Ice Cube mit. Noch Fragen?

 

Platz 3 des persönlichen Januarrankings geht an SING STREET (Großbritannien / Irland / USA 2016, Regie: John Carney), in dem sich ein Teenager im Dublin der 80er Jahre Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt und kurzerhand eine Band gründet, um die Angebetete für sich zu gewinnen.

Nach ONCE und BEGIN AGAIN spielt auch im dritten Film von Regisseur John Carney die Musik bzw. die Liebe zur Musik die heimliche Hauptrolle. Wer insbesondere mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich bei diesem Film von Beginn an einfach nur wohl fühlen. Der Soundtrack ist göttlich und für seine Geschichte findet Carney genau die richtige Balance zwischen tragischen und komischen Momenten.

 

Beim vierten hervorragenden Film des vergangenen Monats handelt es sich um BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua), der die Geschichten dreier verschiedener Polizisten in den Straßen von Brooklyn erzählt.

Ethan Hawke versucht dabei während teils waghalsiger Einsätze schmutziges Geld auf die Seite zu schaffen, um seiner Familie ein besseres Leben zu bieten, Richard Gere ist als desillusionierter Polizist kurz vor dem Ruhestand zu sehen, der lieber mal in die andere Richtung schaut um jeglichen Ärger kurz vor der Pensionierung aus dem Weg zu gehen und Don Cheadle ist der Undercover-Cop, bei dem die Grenzen zwischen Dienstpflicht und den Verlockungen des organisierten Verbrechens langsam zu verschwimmen drohen.

Erwartungsgemäß nicht ganz ohne Klischees auskommend lässt Regisseur Fuqua seine drei parallel und teils extrem ruhig erzählten Handlungsstränge unaufhaltsam auf ein Finale zulaufen, welches an Intensität kaum zu überbieten ist.

 

 

Sehr gut gefallen haben mir folgende Filme:

Den Anfang macht FEDORA (Deutschland / Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder), in dem William Holden als klammer Filmproduzent versucht, eine zurückgezogen lebende Filmdiva aus vergangenen Tagen ausfindig zu machen und diese zu einem Comeback zu überreden. Dabei stößt er auf einige Geheimnisse.

Knapp 30 Jahre nach seinem Meisterwerk SUNSET BLVD. griff Billy Wilder mit FEDORA noch einmal das Thema Traumfabrik auf und besetzte seinen Film abermals mit William Holden in der männlichen Hauptrolle, der sich erneut mit einer alternden Filmdiva herumschlagen musste. Hier nun allerdings mit umgekehrten Voraussetzungen. Sollte Holden knapp 30 Jahre zuvor noch für die Diva arbeiten, versucht er nun eine solche davon zu überzeugen, für ihn vor die Kamera zurückzukehren. Natürlich kommt man nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen und fast zwangsläufig muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass FEDORA in diesem Vergleich nur als zweiter Sieger hervorgehen kann. Die große Klasse eines SUNSET BLVD. erreicht der Film leider nie, was aber natürlich nichts daran ändert, dass es sich auch bei Wilders vorletzter Regiearbeit um einen sehr guten Film handelt. Wegen seiner überzeugenden Schauspieler, wegen des südländischen Flairs, das er verbreitet, wegen seines Mystery-Touchs und nicht zuletzt, weil er diese unausweichliche Problematik der Showbranche, mit dem Alter nicht klar zu kommen und alles für die ewige Jugend zu tun, ausgesprochen überzeugend auf die Leinwand bringt.

 

Ein sehr guter Film ist auch ZOOTOPIA (USA 2016, Regie: Byron Howard / Rich Moore / Jared Bush) aus dem Hause Disney/Pixar geworden, in dem ein Kaninchen allen Widerständen zum Trotz seinen Traum verwirklicht und als Polizeibeamtin Furore macht.

Besonders zu erwähnen ist, dass ZOOTOPIA einfach auf der richtigen Seite steht und seinem jungen Zielpublikum auf einfache Art und Weise eine positive und zutiefst humanitäre Botschaft vermittelt. Und das nicht mit dem Vorschlaghammer oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf ausgesprochen rasante, spannende und lustige Art und Weise.

 

Sehr gut und komplett außergewöhnlich ist THE LOBSTER (Frankreich / Griechenland / Großbritannien / Irland / Niederlande 2015, Regie: Yorgos Lanthimos) geraten, in dessen nicht allzu fernen Zukunft alleinstehende Menschen in ein Hotel gebeten werden, in dem sie 45 Tage Zeit haben, um einen neuen Partner fürs Leben zu finden, andernfalls werden sie in ein Tier verwandelt. Zu den Betroffenen gehört auch Colin Farrell, der in einen Hummer verwandelt werden soll und kurz vor Ablauf seiner Zeit verzweifelt nach Alternativen sucht.

Stellenweise ist THE LOBSTER zwar vielleicht etwas zu bemüht skurril geraten, insgesamt betrachtet stellt diese krude Mischung aus Komik, Spannung und Dramatik aber eine willkommene Abwechslung zum üblichen Mainstream-Einheitsbrei dar, begeistert zudem mit teils atemberaubend schönen Kameraeinstellungen und einem Colin Farrell in Höchstform in einer für ihn ausgesprochen ungewöhnlichen Rolle.

 

Das Prädikat “sehr gut“ hat sich auch LE GENDARME DE SAINT-TROPEZ (Frankreich / Italien 1964, Regie: Jean Girault) verdient, der Auftaktfilm der Gendarm-Reihe mit Louis de Funès, in dem er von einem beschaulichen kleinen Ort, den er mit eiserner Faust regiert hatte, ins weltoffene Saint Tropez versetzt wird und dort allerhand Chaos anrichtet.

Neben de Funès, der mal wieder voll in seinem Element ist, möchte ich hier unbedingt noch die bezaubernde Geneviève Grad in der Rolle seiner Tochter erwähnen, die ihre Sache als ebenso charmanter wie attraktiver Gegenpol zum cholerischen Hauptdarsteller richtig gut macht und so dafür sorgt, dass Giraults Film nicht zur kompletten Ein-Mann-Show verkommt.

 

Mit THE RAVEN (USA 1935, Regie: Lew Landers) habe ich mich ins klassische Gruselkino der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begeben. Bela Lugosi spielt einen genialen Chirurgen, den die nicht erwiderte Liebe einer jungen Frau zu drastischen Taten animiert.

Als Gegenpart zu Lugosi ist mal wieder Boris Karloff mit von der Partie, die Atmosphäre ist unheimlich und das Finale hat es tatsächlich ziemlich in sich. Für Fans solcher Filme gibt’s ‘ne ganz dicke Empfehlung.

 

 

Zwar nicht mehr sehr gut, aber doch immer noch gut haben mir folgende Filme gefallen:

THE VISIT (USA 2015, Regie: M. Night Shyamalan) erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares, welches zum ersten Mal in seinem Leben für eine Woche zu Besuch bei seinen Großeltern ist und schon bald mit außerordentlich seltsamen Verhaltensweisen der Großeltern konfrontiert wird.

Eigenwillige Kameraperspektiven – der komplette Film ist im Doku-Look gedreht -, obskurer Humor mit teils urkomischen Sequenzen und dann auch immer wieder eine Atmosphäre des Unbehagens. Shyamalan macht sich mal wieder einen Spaß daraus, das 08/15-Blockbuster-Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Auf seine ganz eigene Art und Weise schon irgendwie ein diebischer Spaß, dieser Film.

 

Bud Spencer ist der titelgebende BANANA JOE (Deutschland / Italien 1982, Regie: Steno), dessen unbekümmerter Bananenhandel von finsteren Burschen torpediert wird, denen er für ein geplantes Großprojekt ein Dorn im Auge ist. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, wird eine Erlaubnis benötigt. Und diese zu beschaffen ist komplizierter als gedacht.

Ich habe mir schon in den ganzen letzten Monaten immer mal wieder Filme mit Bud Spencer angesehen und musste dabei feststellen, dass so richtig gut eigentlich nur die Filme funktioniert haben, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Der Nostalgiefaktor halt. Stenos Film kannte ich vorher auch noch nicht und der hat trotzdem funktioniert. Denn wie Bud Spencer hier in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben wird ist über weite Strecken einfach nur zum Schreien komisch.

 

In TAKE THIS WALTZ (Japan / Kanada / Spanien 2011, Regie: Sarah Polley) lässt sich Michelle Williams auf eine Affäre mit ihrem Nachbarn ein und betrügt dabei ihren Ehemann Seth Rogen.

Durchaus glaubwürdige und einfühlsame Geschichte einer Ehe, in die sich zu viel Routine eingeschlichen hat. Gut an dem Film ist vor allem die Tatsache, dass der Plot einen für Filme dieser Art eher untypischen Verlauf nimmt. Schön auch zu sehen, dass Seth Rogen weitaus mehr kann als nur den Pausenclown zu spielen. Als betrogener und komplett hilfloser Ehemann macht er seine Sache aber mal richtig gut.

 

In CENTRAL INTELLIGENCE (USA 2016, Regie: Rawson Marshall Thurber) trifft Kevin Hart, der ehemalige Star seiner Highschool, kurz vor der 20-Jahr-Feier auf seinen ehemaligen Mitschüler Dwayne Johnson, dem einst pummeligen Außenseiter, der ihn um einen Gefallen bittet, was für Hart bleihaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Ja, doch, mein Faible für Filme, in denen ein Normalo aufgrund Verkettung unglücklicher Ereignisse in einen gehörigen Schlamassel gerät und praktisch über sich hinauswachsen muss, um diesem wieder zu entkommen, kann ich definitiv nicht verleugnen. CENTRAL INTELLIGENCE schlägt genau in diese Kerbe, fügt dem ganzen noch einen Schuss Buddy-Movie-Theatralik hinzu und hat mich auf diese Weise richtig gut unterhalten. Thurber hat seinen Film rasant inszeniert, eine Vielzahl der Gags funktioniert, die vorhandenen Actionszenen sind ausgesprochen nett anzusehen und die Chemie zwischen Hart und Johnson passt wie die Faust aufs Auge. Guter Film!

 

In seinem zweiten Auftritt als Polizist verschlägt es Louis de Funès in LE GENDARME À NEW YORK (Frankreich / Italien 1965, Regie: Jean Girault) nach New York, wo er mit seinem Vorgesetzten und seinen Männern an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt und schon schnell mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sich seine Tochter verbotenerweise ebenfalls mit in die amerikanische Metropole geschmuggelt hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist dieser zweite Teil für meinen Geschmack etwas arg episodenhaft geraten und wirkt weitaus weniger homogen als der Auftaktfilm der Reihe. Diebischen Spaß macht dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen de Funès und seiner erneut bezaubernden Filmtochter Geneviève Grad natürlich trotzdem und die eine oder andere Länge, die sich da ab und zu einzuschmuggeln droht, wird von de Funès und seinen unnachahmlichen Grimassen immer und immer wieder zuverlässig übertüncht.

 

Jean-Claude Van Damme versucht in MAXIMUM RISK (USA 1996, Regie: Ringo Lam) den Mord an seinem Zwillingsbruder aufzuklären.

Ein Film, über den man keine großen Worte verlieren muss. Ringo Lam präsentiert routinierte 90er-Jahre-Action. Der Film ist rasant, spannend und wird nie langweilig. Kino dieser Art wird heutzutage leider viel zu selten gedreht.

 

Bei RENEGADES (USA 1989, Regie: Jack Sholder), in dem sich Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips als ungleiches Gespann zusammenraufen müssen um einen skrupellosen Killer zur Strecke zu bringen, handelt es sich um grundsolide und schnörkellose Action aus den späten 80er Jahren.

Die beiden Hauptdarsteller gehörten damals zu den großen Hoffungsträgern ihrer Schauspielergeneration und geben in der kurzweiligen Mischung aus Jagd/Flucht- und Racheszenario, in der der damals im Actionfilm schon langsam obligatorisch werdende Humor erfreulicherweise noch fast gänzlich abwesend ist, ein überzeugendes Gespann auf der Jagd nach einem herrlich schmierigen Bösewicht. Das Ganze ist zwar nicht übermäßig spannend geraten, Fans solcher Filme dürfen sich dafür aber an ein paar spektakulären Verfolgungsjagden und jeder Menge blutiger Shoot-Outs erfreuen.

 

Auf seine Weise gut war auch noch UNBROKEN (USA 2014, Regie: Angelina Jolie), der die wahre Geschichte des Mittelstreckenläufers Louis Zamperini erzählt, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Der immer wieder schwierige Spagat, ein so ernsthaftes Thema wie den 2. Weltkrieg in einen Film zu packen, der am Ende des Tages seine Zuschauer ja auch irgendwie fesseln und unterhalten soll, gelingt Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit zwar nicht immer, eindrucksvoll gefilmt und toll gespielt ist UNBROKEN aber trotzdem. Hin und wieder schleichen sich etwas zu viele Längen ein und vielleicht hätte dem Film eine etwas kürzere Laufzeit gut getan, aber da Filme gegen das “Vergessen“ gerade in der heutigen Zeit mehr als wichtig sind, möchte ich auch für UNBROKEN eine Empfehlung aussprechen.

 

Den Abschluss der guten Filme dieses Monats macht SUOR OMICIDI (Italien 1979, Regie: Giulio Berruti), in dem Anita Ekberg eine Nonne spielt, die in einer Klinik immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, während in ihrem direkten Umfeld die Todesfälle rapide zunehmen.

Der wie alle seine Genrekollegen angeblich auf Geheimakten aus dem Vatikan basierende Film wälzt sich – auch das hat er mit praktisch allen Vertretern des Nunsploitation-Films gemein – genüsslich in diversen Geschmacklosigkeiten und möchte auf diese Weise natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch die Verlogenheit der katholischen Kirche als Institution anprangern, die sich einfach mal kurz über alle weltlichen Gesetze stellt und Unpässlichkeiten wie die im Film dargestellten einfach auf ihre eigene Art und Weise zu lösen versucht. Dass dies nicht immer funktioniert zeigt der kleine Twist am Ende des Films, den aufmerksame Filmeschauer natürlich schon ein gutes Stück vorher erahnen können. SUOR OMICIDI überzeugt mit ein bisschen Spannung, einem netten Mystery-Touch und jeder Menge Sleaze und sei jedem Freund des unterschlagenen Kinos an dieser Stelle zur bedenkenlosen Sichtung empfohlen.

 

 

Nicht mehr richtig gut, aber immerhin noch unterhaltsam waren:

An der Spitze der noch unterhaltsamen Filme des vergangenen Monats steht THE PURGE: ELECTION YEAR (Frankreich / USA 2016, Regie: James DeMonaco), der mittlerweile dritte Teil rund um diese eine Nacht in den USA, in der alle Verbrechen – inklusive Mord – legal sind. Die im dritten Teil behandelte Nacht fällt mitten hinein in den Wahlkampf und die regierende Rechte versucht durch die Aufhebung aller Regeln ihre politische Gegnerin loszuwerden.

Regisseur James DeMonaco, der bereits die ersten beiden Teile realisierte, verlässt mit dem dritten Film nun endgültig den Bereich des Home-Invasion- und Horror-Films und wendet sich mit dem hier gezeigten Jagd/Flucht-Szenario praktisch fast ausschließlich dem Actionfilm zu. Was dem Film im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern vielleicht an Wahnsinn und Spannung fehlen mag, macht er dafür mit einem irren Erzähltempo und überzeugenden Actionszenen wieder wett. Und nach der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident hat man als Zuschauer bei der Sichtung dieses Films doch ein mulmiges Gefühl. So überzeichnet diese dystopische Zukunftsvision auch sein mag, spätestens seit dem 20.01.2017 leben wir alle in einer dystopischen Realität.

 

In höchstem Maße unterhaltsam war auch BASTILLE DAY (Frankreich / Großbritannien / USA 2016, Regie: James Watkins), in dem ein Taschendieb ins Visier der CIA gerät, nachdem er versehentlich eine Bombenexplosion verursacht hatte.

Das hier ist sicher kein Film, der das Rad neu erfindet, aber er erzählt seine Geschichte auf ausgesprochen rasante und wendungsreiche Art und Weise, hat einige tolle Actionsequenzen zu bieten und mit Idris Elba als kompromisslosen CIA-Agenten einen Star in der Hauptrolle, der den Film trägt und vor lauter Coolness nur so strotzt.

 

Heutige Zuschauer dürften für einen Film wie PROJECT MOON BASE (USA 1953, Regie: Richard Talmadge), in dem sich ein russischer Spion in einen bemannten Raumflug der Amerikaner schmuggelt um die erste Raumstation der USA zu zerstören, wohl nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig haben. Hohn und Spott dürfte sich ergießen über die etwas hölzerne Geschichte, die teils unbeholfen wirkenden Schauspieler, die putzigen Kostüme und die nie so wirklich passenden Größenverhältnisse der zum Einsatz kommenden Modelle. Auf mich wirkt das jedoch alles ungemein anziehend, Filme wie dieser verzaubern mich immer wieder mit ihrem kindlich-naivem Charme und dem nicht wegzuleugnenden Enthusiasmus, mit dem damals alle Beteiligten am Werke gewesen sein dürften. Und die Geschichte stammt immerhin aus der Feder von Robert A. Heinlein, der u.a. auch die Romanvorlage für Verhoevens STARSHIP TROOPERS lieferte.

 

Aus der Ära der klassischen Universal-Grusler der 30er Jahre stammt – ebenso wie der weiten oben bereits angesprochene THE RAVEN – THE INVISIBLE RAY (USA 1936, Regie: Lambert Hillyer), der einmal mehr Boris Karloff und Bela Lugosi vor der Kamera vereint. Die Entdeckung eines neuen Elements auf einer wissenschaftlichen Expedition in Afrika hat hier durchaus verheerende Konsequenzen, was allerdings nicht unbedingt dazu führt, dass man sich als Zuschauer vor lauter Anspannung auf den Fingernägeln kauen müsste. Normalerweise weisen Filme wie dieser hier eine Laufzeit von ca. 60, maximal 70 Minuten auf; Hillyers Film dauert geschlagene 80 Minuten und diese für Horrorfilme der damaligen Zeit extrem üppige Laufzeit steht dem Gelingen des Films leider etwas im Weg. Es schleichen sich doch einige Längen ein und Spannung und Atmosphäre entwickelt sich eigentlich erst in den letzten 20 Minuten. Nett anzusehen und durchaus unterhaltsam ist THE INVISIBLE RAY natürlich dennoch geraten.

 

RIDE ALONG (USA 2014, Regie: Tim Story) und die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip gestrickte Fortsetzung RIDE ALONG 2 (USA 2016, Regie: Tim Story), in denen sich Ice Cube als tougher Cop mit dem hyperaktiven Kevin Hart herumschlagen muss.

Regisseur Tim Story versucht sich in seinen Buddy Movies an einer typischen Mischung aus Klamauk und Action. Als Feierabendsnack durchaus brauchbar, Qualitätskino sieht jedoch komplett anders aus. Sonderlob gibt es für den Soundtrack-Einsatz des genialen „Sound of da Police“ von KRS-One in beiden Filmen (in der Fortsetzung leider nur im Abspann).

 

Ebenfalls noch unterhaltsam, aber fast noch einen Tick uninteressanter geraten ist MECHANIC: RESURRECTION (Frankreich / USA 2016, Regie: Dennis Gansel), in dem Profikiller Jason Statham drei Auftragsmorde ausführen muss, um Jessica Alba ihren hübschen Hintern zu retten.

Der zweite Auftragsmord mit dem Swimming Pool bleibt im Gedächtnis, vielleicht auch noch das Hinterteil von Jessica Alba. Ansonsten verblasst das Erinnerungsvermögen an den Film bereits während des Abspanns.

 

Und dass es dann tatsächlich noch egaler geht beweist X-MEN: APOCALYPSE (USA 2016, Regie: Bryan Singer), der in 2,5 Stunden Bombast und Effekte ohne Ende auffährt und dabei auch nichts anderes macht, als diese Gute-Mutanten-gegen-böse-Mutanten-Geschichte abermals durch den sprichwörtlichen Fleischwolf zu drehen. Ja, das ist schon alles nett anzusehen und ja, auch diesem Film ist ein gewisser Unterhaltungswert sicher nicht abzusprechen, mich persönlich langweilt dieser Superheldenkram jedoch von Film zu Film mehr und ich sollte irgendwann mal dieses zwanghafte Verhalten einstellen, mir diese ganzen doofen Superhelden-Blockbuster ansehen zu wollen.

 

Nicht mal mehr als unterhaltsam sondern als ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit habe ich HIGH-RISE (Belgien / Großbritannien 2015, Regie: Ben Wheatley) empfunden, in dem Tom Hiddleston einen Mediziner spielt, der in ein futuristisches Hochhaus mit unzähligen Apartmenteinheiten zieht um dort Anonymität zu genießen und stattdessen in einen Strudel aus Dekadenz, Wahnsinn und Gewalt gerissen wird.

Filme wie dieser hier bekommen von mir immer das Gütesiegel “naja“ verpasst und reihen sich qualitativ irgendwo zwischen Filmen ein, die ich als noch unterhaltsam empfunden habe und solchen, die in meinen Augen einfach nur mies gewesen sind. Das Problem an HIGH-RISE ist, dass diese dystopische Klassenkampfthematik mit ihren ganzen dysfunktionalen Beziehungen einfach nur erschreckend oberflächlich und inhaltsleer daherkommt. Natürlich ist der Film komplett “over the top“, aber die unzähligen Provokationen erscheinen selbstzweckhaft, die Figuren sind allesamt komplett uninteressant und bleiben einem als Zuschauer einfach nur egal. Da gibt es keinen einzigen Charakter, zu dem man auch nur den Hauch einer Bindung aufbauen könnte. Das ist alles ziemlich schade, denn rein handwerklich gibt es an Wheatleys Film nicht wirklich viel auszusetzen. Kameraarbeit, Bildkomposition und Farbgebung möchte ich gar als exzellent bezeichnen und die Szene, in der die Portishead-Version des ABBA-Klassikers “SOS“ ertönt, geht definitiv als Paradebeispiel für perfekte Musikauswahl durch.

 

Und nun zum Bodensatz filmischen Schaffens:

Die Gurke des Monats geht an CRIMINAL (Großbritannien / USA 2016, Regie: Ariel Vromen), in dem Kevin Costner einen nicht zur Empathie fähigen Killer spielt, dem die Erinnerungen eines getöteten Agenten in das Gehirn verpflanzt werden und der daraufhin zur Begierde verschiedener Interessengruppen wird.

Ok, die größte Leistung des Films besteht dann am Ende des Tages halt doch darin, es hinzubekommen, offensichtlich vorhandenes Talent – neben Kevin Costner spielen u.a. Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Ryan Reynolds und Gal Gadot mit – so komplett zu vergeuden. Die unfassbar hanebüchene Ausgangssituation entwickelt sich zu einer konfusen, uninteressanten, nervigen und stinklangweiligen Geschichte, die praktisch zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Zur 45-Minuten-Marke gibt es mal eine hübsche Kameraeinstellung (von oben herab in ein Treppenhaus gefilmt) und den Song im Abspann fand ich ganz nett. Ansonsten ist CRIMINAL einfach nur grottenschlechter und schier unerträglicher Rotz. Einer der beschissensten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Enough said…

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Third Thoughts of May

300: RISE OF AN EMPIRE (USA 2014, Regie: Noam Murro)

300 - rise of an empire

(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

 Eines muss man Regisseur Noam Murro schon lassen: es zu schaffen, den eh schon ziemlich doofen und qualitativ minderwertigen Vorgänger von Zack Snyder an Dummheit zu über- und an Qualität noch mal deutlich zu unterbieten, ist auch eine Leistung. Hut ab!

In 300: RISE OF AN EMPIRE metzeln sich Griechen und Perser gegenseitig ab. Über sehr lange und sehr schnell sehr ermüdende 100 Minuten. In Zeitlupe, nur in Zeitlupe, mit grässlichen CGI-Blutfontänen und hoffnungslos überzeichneter Brutalität. So etwas wie Spannung, Timing oder Rhythmus gibt es in Murros Film nicht. 300: RISE OF AN EMPIRE ist einfach nur stupide und nervig. Die komplett überstilisierten Bilder mit ihrer ach so tollen Farbgebung sollen dem Film wohl einen besonders tollen Look verleihen, tragen letztendlich aber nur dazu bei, dass 300: RISE OF AN EMPIRE nicht nur inhaltlich beschissen ist, sondern auch noch beschissen aussieht. Nerviger als die ständigen Zeitlupen, die schrecklichen Farben und die miesen Effekte sind nur noch diese ständige durchs Bild flirrenden Funken, Staubkörner und sonstigen Partikel, die wohl den 3D-Effekt unterstützen sollen, einem als Zuschauer aber so dermaßen auf die Nerven gehen, dass man vor Wut am liebsten den Fernseher eintreten würde. Und dann noch dieser unerträgliche Score von Junkie XL und diese an Dummheit kaum zu überbietenden Mono- und Dialogzeilen, welche die Figurenschablonen ständig absondern. Ein Wunder, dass meine Ohren nicht zu bluten angefangen haben. Es gibt wirklich nicht ansatzweise etwas Positives von 300: RISE OF AN EMPIRE zu berichten. Ich habe wirklich schon verdammt lange keinen so miesen und beschissenen Film mehr gesehen wie diesen hier.

Bleibt am Ende nur die Frage, wie sich die an und für sich tolle Eva Green in diese Katastrophe verirrt hat. Sie steht bzw. sitzt mit finsterer Miene in der Gegend rum, muss Blödsinn aufsagen und in der Mitte des Films ihre blanken Brüste in die Kamera halten. Vielleicht hatte sie ja zuvor eine Wette verloren und musste deswegen hier mitwirken. Eine andere Erklärung gibt es eigentlich nicht.

Bewertung: Unerträglich! – 1/10

 

 

PERFECT SENSE (Dänemark / Großbritannien / Irland / Schweden 2011, Regie: David Mackenzie)

perfect sense

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Eine rätselhafte Krankheit bereitet auch der Forscherin Susan (Eva Green) Kopfzerbrechen. Nach zuerst heftigen Gefühlsausbrüchen verlieren Menschen weltweit ihren Geruchssinn und diese Krankheit breitet sich rasend schnell aus. Und der Geruchssinn soll nicht der einzige Sinn bleiben, der den Menschen im weiteren Verlauf des Films verloren gehen soll…

Diese kurze Zusammenfassung gibt nur scheinbar die Handlung des Films wieder, denn die Sache mit der Epidemie bildet im Endeffekt lediglich den Rahmen für die Geschichte, die Regisseur David Mackenzie mit PERFECT SENSE eigentlich erzählt. Es ist eine typische Liebesgeschichte, es geht in erster Linie um die schon genannte Susan, die nach Ausbruch der Epidemie zufällig den Chefkoch Michael (Ewan McGregor) kennenlernt und sich nach anfänglichem Zögern auf ihn einlässt. Lässt man die Rahmenhandlung außen vor, verläuft die Geschichte zwischen Susan und Michael exakt so, wie sie schon hunderttausendmal erzählt worden ist. Zwei Menschen verlieben sich, trennen sich zunächst wieder, nur um am Ende doch zusammenzufinden.

Und wäre diese Geschichte in das eingebettet, in das solche Geschichten normalerweise eingebettet sind, nämlich in eine romantische Komödienhandlung, PERFECT SENSE wäre nur ein weiterer Film von vielen. Aber genau das ist hier eben nicht der Fall und genau das macht Mackenzies Film auch so ungemein faszinierend, anders und abwechslungsreich und diese komplett simple Botschaft, die PERFECT SENSE mitzuteilen hat, nämlich dass wahre Liebe auch die größten Hindernisse überwindet, Katastrophen übersteht und am Ende als einziges bestehen bleibt, in Verbindung mit dieser apokalyptischen Stimmung, die der Film aufgrund seiner Rahmenhandlung immer wieder erzeugt, führt letztendlich dazu, dass das hier ein Film geworden ist, der einen als Zuschauer mitten ins Herz trifft. Toll auch die Chemie zwischen Eva Green und Ewan McGregor, denen man diese Liebesgeschichte jederzeit abnimmt und die hier als Paar wirklich perfekt zusammenpassen. Und dann dieses ebenso traurige wie wunderschöne und magische Ende. Gänsehaut!

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

NEW GIRL: SEASON 4 (USA 2014 / 2015, Idee: Elizabeth Meriwether)

new girl - season 4

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Großbritannien)

Zooey Deschanel behauptet sich in der Rolle der Lehrerin Jess Day nun schon im vierten Jahr in ihrer Männer-WG und auch wenn bei NEW GIRL in dieser mittlerweile vierten Season erste Abnutzungserscheinungen deutlich zu erkennen sind, macht es noch immer Spaß, sich mit der von Elizabeth Meriwether erdachten Sitcom die Zeit zu vertreiben. Das liegt natürlich in allererster Linie an der Hauptdarstellerin, die es mit ihrer herrlich schrulligen und wunderbar nerdigen Art einfach drauf hat, einen als Zuschauer zu verzaubern und dazu zu bringen, milde lächelnd über einige schwächere Episoden hinwegzusehen. Und solange die Serie noch so Knallerfolgen wie „Background Check“ aus dem Ärmel zaubert, in der der von Lamorne Morris gespielte Winston als Teil seiner Polizeiausbildung eine Prüfung seiner privaten Lebensumstände über sich ergehen lassen muss und diese wegen seiner chaotischen Mitbewohner fast in einem Fiasko zu enden droht, gibt es von meiner Seite aus an NEW GIRL schon mal rein gar nichts auszusetzen. Ich mag die Serie einfach und freue mich schon auf die im Herbst anstehende Heimkinoveröffentlichung von Staffel Nr. 5.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOUSE OF CARDS: SEASON 3 (USA 2015, Idee: Beau Willimon)

house of cards

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 Nach dieser letzten Folge der dritten Staffel bin ich persönlich schon sehr gespannt, wie es in Staffel Nr. 4 weitergehen wird. Allerdings weniger, was die Handlung angeht, obwohl der Cliffhanger am Ende schon als ausgesprochen gelungen bezeichnet werden muss, sondern mehr, was die Qualität angeht. Ich bin gespannt, ob es den Machern gelingt, zu alter Stärke zurückzufinden, was insbesondere in den letzten drei Episoden der dritten Staffel angedeutet wurde, oder ob die Luft aus HOUSE OF CARDS tatsächlich schon draußen ist, wie die ersten beiden Drittel dieser Season 3 vermuten lassen könnten.

Der von Kevin Spacey gespielte Frank Underwood ist nun im Amt des US-Präsidenten angekommen und muss sich damit auseinandersetzen, dass er selbst nun zur Zielscheibe seiner politischen Gegner wird, jeder seiner Schritte und jede seiner Handlungen mit Argusaugen beobachtet wird und es nicht wenige, (welt-)politische Probleme zu lösen gibt.

Natürlich ist auch diese Staffel in schauspielerischer Hinsicht über jeden Zweifel erhaben, problematisch ist einfach der Handlungsverlauf. Das politische Alltagsgeschäft und die Angriffe von Underwoods politischen Gegnern auf seine Person wirkten auf mich weitaus weniger faszinierend als die in den beiden Auftaktstaffeln von der Hauptfigur gespannten Netze aus Lügen und Intrigen, die dazu führten, dass diese sich nun im Sessel des US-Präsidenten niederlassen kann. Über weite Strecken wirkte HOUSE OF CARDS in dieser Season auf mich bemüht, extrem konstruiert und innerhalb dieser Konstruiertheit (gibt es dieses Wort überhaupt?) auch erstmals wenig glaubwürdig. Hatte man in den beiden wirklich hervorragenden Staffeln zuvor nach jeder Folge das dringende Bedürfnis, sich auch die nächste Episode nach anzuziehen, ist den Machern rund um Beau Willimon dieses Suchtpotential nun fast vollkommen abhanden gekommen. Erst die letzten paar Folgen üben wieder eine ähnliche Faszination aus wie die beiden Auftaktstaffeln und machen Hoffnung, dass es mit Staffel 4 tatsächlich wieder aufwärts gehen könnte. Vielleicht ist die nächste Staffel dann ja wieder hervorragend und nicht “nur“ gut.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HITMAN: AGENT 47 (Deutschland / Großbritannien / USA 2015, Regie: Aleksander Bach)

hitman - agent 47_01

hitman - agent 47_02

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Nach HITMAN von Regisseur Xavier Gens aus dem Jahr 2007 ist HITMAN: AGENT 47 von Aleksander Bach nun der zweite Versuch, die beliebte Videospielreihe für die große Leinwand zu adaptieren. Und so wirklich gelungen ist auch dieser Film hier nicht. HITMAN: AGENT 47 hat zwar den besseren Hauptdarsteller zu bieten – im Gegensatz zu Timothy Olyphant passt Rupert Friend wirklich ganz vorzüglich in die Rolle des ebenso schweigsamen wie eiskalten Killers -, ganz spontan würde ich jetzt aber einfach mal behaupten wollen, dass mir Gens’ Version damals einen Tick besser gefallen hat, weil ich ihn einfach als visuell eindrucksvoller in Erinnerung habe.

Auf der Habenseite von HITMAN: AGENT 47 stehen neben seinem Hauptdarsteller vor allem die Atmosphäre des Films, die durchaus an die aus den Videospielen erinnert, und der ebenfalls an ein Videospiel erinnernde Aufbau der Handlung. Nicht wirklich gut gelungen ist Bach der ganze Look des Films, was natürlich am für heutige Verhältnisse relativ schmalen Budget von 35 Mio. Dollar liegen dürfte. HITMAN: AGENT 47 sieht streckenweise extrem billig und schäbig aus, der ständige Einsatz von Zeitlupen um in den Actionsequenzen so etwas wie Dynamik zu erzeugen fängt sehr schnell an zu nerven und so manche Idee innerhalb des Handlungsverlaufs erschien mir persönlich einfach zu konstruiert und zu unglaubwürdig, insbesondere natürlich der von Zachary Quinto gespielte und praktisch unzerstörbare John Smith. Das war dann doch etwas zu viel abgedrehte Science Fiction.

Einen gewissen Unterhaltungswert möchte ich HITMAN: AGENT 47 natürlich keineswegs absprechen und als kurzweiliger Zeitvertreib ist auch diese Videospielverfilmung sicher zu gebrauchen. Vielleicht gelingt ja irgendwann mal in einem dritten Anlauf eine wirklich geglückte Filmversion der Spielreihe. Das Potential für großes Spektakel ist in den Vorlagen definitiv vorhanden.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE F WORD (Irland / Kanada 2013, Regie: Michael Dowse)

the f word

(Fassung: Blu-ray, Entertainment One, Großbritannien)

Der von Daniel Radcliffe gespielte Wallace hatte nach seiner letzten, großen Enttäuschung erst mal die Schnauze von Beziehungen voll und sich aus dem gesellschaftlichen Leben nahezu zurückgezogen. Als er auf einer Party die von Zoe Kazan gespielte Chantry kennenlernt, verliebt er sich Hals über Kopf in die junge Frau, sieht sich aber schon schnell mit einem offensichtlich unlösbaren Problem konfrontiert: Chantry ist in einer festen Beziehung und möchte von Wallace nur eine ehrliche Freundschaft und keinen Deut mehr…

Wer aufgrund der vorstehend skizzierten Ausgangssituation nun laut aufschreit, dass Wallace und Chantry am Ende des Films doch sowieso zueinander finden werden und aus Freundschaft dann doch Liebe werden wird, hat natürlich vollkommen recht. THE F WORD – der nach seiner Premiere auf den Filmfestspielen in Toronto übrigens teilweise unter dem Alternativtitel WHAT IF in die Kinos gebracht wurde (nur zur Info, falls sich jemand über den Title Screen dieses Beitrags wundern sollte) – ist eine romantische Komödie und bei denen steht in den allermeisten Fällen das Ende ebenso fest wie die zwingend vorhandenen Eckpunkte des Handlungsverlaufs (das Kennenlernen, das Trennen aufgrund eines Missverständnisses oder sonstiger widriger Umstände und das Wiederfinden zum Schluss). Wie bei seinen unzähligen Genrekollegen ist auch hier mal wieder der Weg das Ziel und der ist hier mit einer der Gründe, weswegen THE F WORD zumindest leicht aus der unübersichtlichen Durchschnittsware des Genres hervorsticht. Dowse hat seinen Film ungemein kurzweilig, witzig (der Fenstersturz beispielsweise!!!) und abwechslungsreich inszeniert und mit Charakteren bevölkert, die – und das ist der andere Pluspunkt des Films – jetzt nicht unbedingt diesen typischen Klischees des Genres entsprechen. Daniel Radcliffe und Zoe Kazan kommen beide als stinknormale Menschen rüber und sind meilenweit davon entfernt, dem sonst so standardisierten Ken-und-Barby-Ideal solcher Filme zu entsprechen, was am Ende des Tages natürlich dazu führt, dass man sie als Identifikationsfiguren und Sympathieträger gerne annimmt und einem die von ihnen gespielten Charaktere nicht schon von der ersten Minute an komplett egal sind. Wer ein Herz für RomComs hat, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

WHILE WE’RE YOUNG (USA 2014, Regie: Noah Baumbach)

while we're young

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Ben Stiller und Naomi Watts spielen in WHILE WE’RE YOUNG ein verheiratetes, kinderloses Paar Anfang 40, welches sich damit auseinandersetzen muss, dass all ihre Freunde mittlerweile Eltern geworden sind, bei diesen logischerweise der Nachwuchs im Mittelpunkt steht und die Zeit spontaner Unternehmungen im Freundeskreis endgültig vorbei zu sein scheint. Als der von Stiller gespielte Josh eines Tages den gut 20 Jahre jüngeren Jamie (Adam Driver) und dessen Frau Darby (Amanda Seyfried) kennenlernt und die beiden seiner Frau Cornelia vorstellt, entwickelt sich zwischen den beiden Paaren mit hohem Altersunterschied eine Freundschaft, die auch in das routinierte Leben von Josh und Cornelia wieder Abwechslung und Spannung zu bringen verspricht…

Ein Film dieser Art kommt natürlich nicht ohne gewisse Klischees aus, anders würde die teils überspitzte Darstellung mancher Alltagssituation einfach nicht funktionieren. Das Problem, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach jedoch zu kämpfen hat ist die Tatsache, dass er insbesondere das von Adam Driver und Amanda Seyfried gespielte Ehepaar Mitte Zwanzig teilweise so übertrieben darstellt, dass dieses nicht mehr wirklich glaubwürdig und authentisch wirkt. Es sind vor allem kleine Details, die da sauer aufstoßen. Die riesige Plattensammlung in der Wohnung von Jamie und Darby ist in diesem Alter schon leicht übertrieben, dass Menschen, wie die beiden es sind, sich abgenudelte Videokassetten in den VHS-Player schieben, wenn sie sich Filme ansehen wollen, wirkt jedoch schon fast grotesk lächerlich. Da sollten die jüngeren Charaktere einfach zu unangepasst, zu cool und zu hip gestaltet werden und das ist Baumbach streckenweise einfach nicht geglückt.

Was Baumbach hingegen richtig gut gelungen ist, ist in meinen Augen die Zeichnung der von Stiller und Watts gespielten Charaktere und der Umgang mit diesen. Auch wenn sich die beiden immer wieder in ihren Bemühungen mit ihren weitaus jüngeren Freunden mitzuhalten – insbesondere vor ihren gleichaltrigen Freunden von früher – fast der Lächerlichkeit preiszugeben drohen, nimmt Baumbach seine Charaktere ernst, macht sich nie über sie lustig und lacht mit ihnen und nicht über sie. Wenn man wie ich selbst Anfang 40 ist und natürlich auch selbst nicht wahrhaben will, dass der Zahn der Zeit unnachgiebig an einem nagt und man sich gefühlt für maximal Mitte Zwanzig hält, kommt man nicht umhin, sich in so mancher Szene des Films wiederzuerkennen und diese mit einem wissenden Lächeln zu kommentieren, nur um sich mit einer gewissen Melancholie im Herzen einzugestehen, dass die eigene Jugend schon (viel) zu lange vorbei ist. Aus dem Blickfeld der “älteren“ Generation betrachtet ist WHILE WE’RE YOUNG in meinen Augen unbedingt sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

RICKI AND THE FLASH (USA 2015, Regie: Jonathan Demme)

ricki and the flash

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 Meryl Streep spielt Ricki, die Sängerin einer Coverband, die einst den Traum von der großen Musikerkarriere träumte und wegen dieses Traums ihre Familie verlor. Ihr Ex-Mann Pete (Kevin Kline) ist wieder verheiratet, zu ihren drei Kindern hat sie keinen Kontakt und die Karriere als Musikerin verlief alles andere als wünschenswert. Ricki absolviert mit ihrer Band Auftritte in der örtlichen Kneipe, sitzt am Supermarkt an der Kasse, ist mit ihrem Bandkollegen Greg (Rick Springfield) liiert und ansonsten ständig pleite. Als sich eines Tages ihr Ex-Mann bei ihr meldet und sie bittet, wegen der gemeinsamen Tochter (Mamie Gummer), die gerade von ihrem Mann verlassen wurde und in tiefste Depressionen versunken ist, zu ihm zu kommen, kratzt Ricki ihr letztes Geld für ein Flugticket zusammen und hofft auf diese Weise, den einen oder anderen Fehler aus der Vergangenheit wieder gerade rücken zu können…

RICKI AND THE FLASH ist wahrscheinlich nicht viel mehr als formelhaftes und stets vorhersehbares Kino, welchem man aufgrund seiner ausgewogenen Balance aus dramatischen, komischen und ans Herz gehenden Momenten sicher guten Gewissens diesen abgedroschenen Stempel des “Wohlfühl-Kinos“ aufdrücken kann. Jonathan Demme hat da einen Film gedreht, der wirklich niemandem in irgendeiner Weise weh tun wird, der in keinster Weise dazu geeignet ist, irgendwelche Kontroversen auszulösen und den man sicherlich alles andere als innovativ bezeichnen kann. Das einzig wirklich überraschende an RICKI AND THE FLASH ist die Tatsache, dass er so, wie er ist, ganz vorzüglich funktioniert, dass er einen als Zuschauer trotz seiner Vorhersehbarkeit und Formelhaftigkeit tatsächlich berührt und von mir an dieser Stelle guten Gewissens weiterempfohlen werden kann. Vielleicht liegt es ja an Meryl Streep, die auch in dieser für sie vollkommen untypischen Rolle zu überzeugen weiß und einen als Zuschauer mit ihrer Performance komplett überrascht (natürlich ist einen bewusst, dass die gute Frau so ziemlich alles und jeden spielen kann, aber diese authentische Darstellung einer gescheiterten Rocksängerin hätte ich ihr nicht zugetraut). Vielleicht liegt es auch an der großen und natürlich ganz persönlichen und rein subjektiven Freude, einen alten Helden wie Rick Springfield mal wieder zu sehen – sein 85er-Album “Tao“ mit dem Überhit “Celebrate Youth“ lief in meiner Jugendzeit in Dauerrotation auf dem heimischen Schallplattenspieler -, vielleicht liegt es aber auch schlicht und einfach an der Tatsache, dass Jonathan Demme mit RICKI AND THE FLASH einfach nur einen richtig, richtig guten Film gedreht hat. Geheimtipp!

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

8 Kurzkommentare (April 2016)

HOUSE OF WAX (USA 1953, Regie: André De Toth)

house of wax

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

 Dass Remakes oder Reboots kein gänzlich neuartiges Phänomen darstellen, sondern eher etwas, das es schon immer in der Filmgeschichte gab, lässt sich am Beispiel von HOUSE OF WAX aus dem Jahr 1953 gut darstellen. Beim Film von Regisseur André De Toth handelt es sich nämlich um ein Remake des Films MYSTERY OF THE WAX MUSEUM aus dem Jahr 1933 von Regisseur Michael Curtiz, in dem der Betreiber eines Wachsmuseums von seinem Geschäftspartner betrogen und dem eigentlich sicheren Flammentod überlassen wurde, das gelegte Feuer jedoch wie durch ein Wunder und schrecklich entstellt überlebte und daraufhin ein neues Wachsfigurenkabinett der ganz besonderen Art eröffnete. In die im Original von Lionel Atwill gespielte Rolle des Brandopfers schlüpft im Remake nun Vincent Price und der liefert eine wahrlich beeindruckende Vorstellung als gefährlicher Verrückter ab. Dazu gesellen sich ganz wundervolle Kulissen, eine angenehme Gruselatmosphäre im Gothic-Horror-Stil und ein enorm spannendes und packendes Finale, welches  dem geneigten Zuschauer auch heute, über ein halbes Jahrhundert nach Erstaufführung, noch den einen oder anderen Schauer über den Rücken jagt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

L’ULTIMO CACCIATORE (Italien 1980, Regie: Antonio Margheriti)

l'ultimo cacciatore

(Fassung: DVD, Dark Sky Films, USA)

Regisseur Antonio Margheriti schickt seinen Hauptdarsteller David Warbeck in L’ULTIMO CACCIATORE zu Zeiten des Vietnamkriegs auf eine gefährliche Mission – es gilt, einen tief im Feindgebiet gelegenen Propagandaradiosender der Vietnamesen auszuschalten – und mit diesem den Zuschauer auf eine Reise mitten in den Wahnsinn des Krieges.

Das italienische Kino ist natürlich auch dafür bekannt, sich von erfolgreichen US-Produktionen “inspirieren“ zu lassen und zu versuchen, die Erfolge der großen Vorbilder durch kostengünstige Filme, die in die gleiche Kerbe schlagen, zu wiederholen. L’ULTIMO CACCIATORE ist bspw. ganz deutlich von Coppolas APOCALYPSE NOW inspiriert und wurde auf den Philippinen sogar in den Original-Kulissen gedreht, die von Coppolas Erfolgsfilm übrig geblieben waren. Allein diese Settings verleihen L’ULTIMO CACCIATORE eine gewisse Klasse, die er aufgrund seines sicher nicht ausufernd großen Budgets sonst vielleicht nicht unbedingt erreicht hätte. Der zweite große Hauptgewinn des Films ist Hauptdarsteller David Warbeck, der ganz hervorragend in die Rolle des sich immer weiter ins Herz des Wahnsinns vorkämpfenden Soldaten passt und den Zuschauer mit einer nicht gerade einfachen Identifikationsfigur konfrontiert. Für Freunde deftiger Exploitation ist Margheritis Film ein echtes Fest. L’ULTIMO CACCIATORE kommt wie ein verrückter Abenteuerspielplatz daher, ist teils unglaublich brutal, verfügt über praktisch keinerlei Leerlauf und verfällt spätestens ab der Sequenz, in der Warbeck und seine Gefährten zum von anderen US-Soldaten ausgebauten Höhlensystem gelangen, komplett dem Wahnsinn. Wer hier eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Vietnam erwartet, dürfte wohl ziemlich enttäuscht werden. Wer dagegen Lust auf explosive Action im Gewand eines Kriegsfilms hat, kommt voll auf seine Kosten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE STEWARDESSES (USA 1969, Regie: Al Silliman Jr.)

the stewardesses

(Fassung: DVD, Shout! Factory, USA)

Als Ende der 60er Jahre die strengen Zensurvorschriften in den USA – insbesondere auch was die Darstellung von Nacktheit innerhalb eines sexuellen Kontexts anbelangte – endgültig der Vergangenheit angehören sollten, kamen Filme wie THE STEWARDESSES auf den Markt, die dem Zuschauer nun endlich das bieten konnten, was Jahrzehnte zuvor noch verboten war. Und der Erfolg gab ihnen recht. THE STEWARDESSES ist – man mag es kaum glauben – tatsächlich einer der profitabelsten Filme, die je gedreht wurden. Kosten von ca. 100.000 US-Dollar standen weltweite Einnahmen gegenüber, die sich laut IMDB irgendwo zwischen 25 und 30 Mio. US-Dollar bewegten.

So etwas wie eine Handlung such man hier vergebens. Regisseur Al Silliman Jr. konfrontiert den Zuschauer lediglich mit den Freizeitaktivitäten von ein paar Flugbegleiterinnen, die lediglich mit einem wirklich hauchdünnen roten Faden miteinander verbunden sind. Das Hauptanliegen von THE STEWARDESSES ist es, dem Zuschauer möglichst viele Schauwerte zu präsentieren und diese Agenda setzt der Film konsequent um. Nackte Haut, herrlich obskure Kameraeinstellungen (der Film kam damals in 3D in die Kinos), ein psychedelischer Soundtrack und eine Atmosphäre, die einen ständigen Rauschzustand zu simulieren versucht, machen THE STEWARDESSES auch heute noch zu einem großen Vergnügen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE (USA / Vereinigte Arabische Emirate 2011, Regie: Mark Neveldine / Brian Taylor)

ghost rider - spirit of vengeance

(Fassung: Blu-ray 3D, Universum, Deutschland)

Seit in GHOST RIDER aus dem Jahr 2007 seine Seele an den Teufel verkaufte, fährt der ehemalige Stuntman Johnny Blaze (Nicolas Cage) als feuriges Skelett auf seinem Motorrad umher um die Drecksarbeit des Leibhaftigen zu erledigen. Als er vom undurchschaubaren Moreau (Idris Elba) die Chance bekommt, von diesem Schicksal für immer befreit zu werden, willigt er in den ihm gestellten Auftrag ein, einen kleinen Jungen (Fergus Riordan) zu beschützen, nicht ahnend, mit wem er sich durch die Annahme dieses Auftrags tatsächlich anlegt…

Über GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE wurde damals – ähnlich wie schon über den Vorgänger zuvor – ein regelrechter Kübel an Spott und Häme ausgeschüttet und erwartet man von dieser Fortsetzung so etwas wie einen “herkömmlichen“ bzw. “normalen“ Film, kann ich diese harschen Reaktionen im Ansatz sogar verstehen, auch wenn ich selbst gänzlich anderer Meinung bin. Wer diesen Film der beiden Chaos-Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor – die zuvor ja schon mit CRANK, CRANK: HIGH VOLTAGE und GAMER deutlich aufgezeigt hatten, was von ihnen zu erwarten ist – auch nur im Ansatz ernst nehmen sollte, dem ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen. GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE ist einfach nur hoffnungslos überzeichnet, pfeift auf jegliche Art von Konventionen und geht von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltungstechnisch einfach nur noch durch die Decke. Gut, manche CGI-Effekte sehen etwas schäbig aus, diese Schwäche wird vom enorm hohen Unterhaltungsfaktor des Films aber locker wettgemacht. In GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE gibt es keine Verschnaufpausen, Nicolas Cage spielt sich in einen regelrechten Wahn und erhebt sein gottgegebenes Talent zum Overacting spätestens mit diesem Film zur absoluten Kunstform. Filmschulen sollten sich ernsthaft überlegen, Klassen und Workshops für diese Art des Schauspiels anzubieten. Es wäre schade, wenn sie irgendwann verloren ginge.

Ich habe keine Ahnung, warum GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE so geworden ist, wie er nun mal ist. An welchem Punkt im Produktionsprozess und aus welchen Gründen Neveldine und Taylor sich dazu entschieden haben, jetzt einfach nur noch die sprichwörtlich Sau rauszulassen, aber ich finde es einfach herrlich, wie die beiden Regisseure hier ganz offensichtlich mit Absicht und vollem Risiko die Erwartungshaltung des Publikums untergraben, diesem den gestreckten Stinkefinger entgegenstrecken und ihren Film mit Vollgas einfach gegen die Wand fahren. In einer Zeit, in der gerade im Blockbusterbereich, ja wirklich nichts mehr dem Zufall überlassen wird, ist es regelrecht wohltuend, zu sehen, dass ein Film wie GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE – auch noch aus dem Hause Marvel – tatsächlich noch das Licht der Leinwände erblicken kann.

Neveldine und Taylor haben vielleicht keinen guten, aber dafür einen enorm unterhaltsamen Film gedreht, der bei mir als Filmsammler das dringende Bedürfnis weckt, die Sammlung auf schnellstem Weg mit allen noch fehlenden Nicolas-Cage-Filmen zu ergänzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE INTERNSHIP (USA 2013, Regie: Shawn Levy)

the internship

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), 20th Century Fox)

Nachdem die beiden Kumpels Vince Vaughn und Owen Wilson ihre Jobs als Uhrenvertreter verloren haben und feststellen müssen, dass sie in der modernen Arbeitswelt zum alten Eisen gehören zu scheinen, entscheiden sie sich für ein radikales Experiment. Sie ergattern je einen der begehrten Praktikumsplätze beim Internetriesen Google und erhoffen so, sich für eine feste Anstellung qualifizieren können. Doch die Aufgabe ist schwierig und die weitaus jüngere Konkurrenz scheint ihnen in allen Belangen weit überlegen zu sein…

Regisseur Shawn Levy ist in erster Linie für harmlose Familienunterhaltung der Marke NIGHT AT THE MUSEUM bekannt und so ist es keine große Überraschung, dass auch THE INTERNSHIP eher zur Kategorie der leichten und anspruchslosen Unterhaltung zu zählen ist. Der Film steckt natürlich voller Klischees – der typische Kampf David gegen Goliath, hier im Wettstreit um die begehrten Arbeitsplätze, die Tatsache, dass die jungen Wilden von den erfahrenen Alten immer noch etwas lernen können (und natürlich umgekehrt) -, die Botschaft, die Levy vermitteln will, nämlich nie aufzugeben und immer zu versuchen, die Möglichkeiten, die sich einen bieten, zu nutzen, könnte nicht einfacher gestrickt sein, der Verlauf der Handlung ist komplett vorhersehbar und was an THE INTERNSHIP noch am meisten verwundert ist die Tatsache, dass Google seinen großen Namen geliehen und seine Zentrale ein paar Tage lang sogar für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt hat und dennoch keine Probleme damit gehabt zu haben scheint, hier doch als ziemlich chaotischer und durchgeknallter Kindergarten dargestellt zu werden. Hauptsache, das Logo ist immer im Bild.

Auf seine ganz eigene Art und Weise habe ich THE INTERNSHIP – vielleicht sogar wegen seiner Vorhersehbarkeit, seiner einfach gestrickten Handlung und seiner simplen Botschaft – jedoch als ungemein angenehmen und sympathischen Film empfunden. Vince Vaughn und Owen Wilson harmonieren ganz vorzüglich miteinander, viele Gags sind gelungen, die Gastauftritte von John Goodman und Will Ferrell sind der Knaller und Rose Byrne als Love Interest ist ein echter Hingucker. Ein kleiner, feiner Film, der – das Manko fast aller Komödien der letzten Jahre – eigentlich nur mit seiner etwas zu langen Laufzeit von gut 2 Stunden zu kämpfen hat, über weite Strecken aber gar nicht mehr will und gar nicht mehr macht als seinen Zuschauern unbeschwerte Unterhaltung zu liefern. Schön.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

WΔZ (Großbritannien 2007, Regie: Tom Shankland)

w delta z

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Das Cover der deutschen DVD zeigt eine ausgesprochen unappetitlich zugerichtet Hand in Großaufnahme und rückt Shanklands Films somit automatisch in die Ecke von SAW und Konsorten. Eine Ecke, in die WΔZ jedoch nicht wirklich reingehört. Der Film hat zwar teils wirklich fast unerträgliche Härten zu bieten, lebt aber nicht von deren Zurschaustellung, sondern allein von der Spannung, die er langsam aufbaut und der ungemein dichten Atmosphäre, die er kreiert.

WΔZ erinnert mehr an Filme wie THE SILENCE OF THE LAMBS oder SE7EN und handelt von den beiden Polizisten Eddie Argo (Stellan Skarsgård) und Helen Westcott (Melissa George), die in einer unheimlichen Mordserie ermitteln. Schon bald wird klar, dass der gesuchte Serienkiller aus Rache handelt und auch die Identität des Mörders ist nicht sonderlich lange ein Geheimnis. Seine Spannung zieht WΔZ also nicht aus der Frage, wer der Täter ist, sondern wie er zur Strecke gebracht werden kann.

Regisseur Tom Shankland wirft den Zuschauer auf der Jagd nach dem Killer mitten hinein ins Geschehen. Der fast ausschließlich mit – oft wackliger – Handkamera gedrehte Film entwickelt dabei schon sehr schnell eine Intensität, der man sich nur schwer entziehen kann. Das ist ebenso faszinierend wie herausfordernd, WΔZ gehört definitiv zu der Sorte von Film, die man sich nicht mal so kurz nebenbei zur Entspannung anschaut, sondern die einem als Zuschauer doch einiges abverlangt. Mich persönlich hat Shanklands Film extrem positiv überrascht und ich möchte an dieser Stelle eine klare Empfehlung für WΔZ aussprechen. Das ist richtig gutes Horror- bzw. Thrillerkino, das Shankland hier abgeliefert hat.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS (Frankreich 2008, Regie: Dany Boon)

bienvenue chez les ch'tis

(Fassung: DVD, Prokino, Deutschland)

Um seine Ehe zu retten bemüht sich der leitende Postangestellte Philippe Abrams (Kad Merad) verzweifelt um eine Versetzung an die französische Riviera-Küste und versucht dies schließlich auch mit unlauteren Mitteln zu erreichen indem er eine nicht vorhandene Behinderung vortäuscht. Als der Beschiss auffliegt, wird Abrams in den hohen Norden strafversetzt, in eine Region, in die niemand freiwillig gehen möchte…

Wenn man wie ich in der nördlichsten Ecke von Bayern wohnt und arbeitet und es einen dorthin auch nur wahlweise verschlagen hat, kommt man nicht umhin, BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS über die komplette Laufzeit mit einem dicken Grinsen zu betrachten. So wie der von Kad Merad einfach nur herrlich interpretierte Philippe Abrams zunächst reagiert, dürfte in Bayern wohl jeder Beamte oder Angestellte reagieren, der plötzlich von seinem Arbeitgeber damit konfrontiert wird, dass er von bspw. München nach Hof versetzt wird. Und ähnlich wie Philippe im Film dürften dann auch diese Zwangsversetzten sehr schnell realisieren, dass es dort, wo es sie nun hinverschlagen hat, bei näherer Betrachtung gar nicht mal so übel ist.

BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS spielt natürlich mit und lebt in erster Linie von seinen Klischees die er verwendet, in denen aber sicher jede Menge Wahrheit stecken dürfte. Regisseur Dany Boon, selbst aus dem französischen Norden stammend, hat mit diesem Film so etwas wie eine Liebeserklärung an seine Heimat  und an die vielleicht etwas rauen, dafür aber umso ehrlicheren Typen, die diese vom Rest der Nation so unattraktive Landschaft bevölkern, gedreht und zeigt auf ungemein liebenswerte und sympathische Art und Weise die Vorzüge dieser Landschaft und ihrer Einwohner auf. Dass BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS darüber hinaus auch noch ungemein witzig, kurzweilig und unterhaltsam geraten ist, wirkt sich natürlich auch nicht negativ auf die Qualität des Films aus.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass man diesen Film wohl nur dann in seiner ganzen Pracht und seinem ganzen Witz genießen kann, wenn man die französische Sprache perfekt beherrscht. BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS funktioniert über weite Strecken über die Sprache, spielt mit Dialekten und lässt sich so natürlich nicht adäquat synchronisieren oder untertiteln. Da mir Synchronfassungen schon seit langer Zeit ein Graus sind, habe ich mir Boons Film mit deutschen Untertiteln angesehen, konnte so zwar über die Untertitel auch “nur“ die deutsche Synchronisation mitlesen, kam aber zumindest in den Genuss der Originalstimmen der Schauspieler.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE LAST AIRBENDER (USA 2010, Regie: M. Night Shyamalan)

the last airbender

(Fassung: Blu-ray 3D, Paramount, Deutschland)

Mit THE LAST AIRBENDER entführt Regisseur M. Night Shyamalan den Zuschauer in eine mystische Fantasy-Welt, in der es ein kleiner Junge mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Hand hat, schon seit Jahrzehnten schwelende Konflikte zu beenden und das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Völkern wieder herzustellen…

Konnte ich seinen vorherigen Filmen, von denen ja insbesondere LADY IN THE WATER und THE HAPPENING nicht gerade mit Lob überhäuft worden sind, bisher allesamt noch etwas abgewinnen, hat mich M. Night Shyamalan mit THE LAST AIRBENDER als bisher treuen Zuschauer nun auch verloren (was ihm jedoch definitiv vollkommen egal sein kann und dürfte). Gut, Shyamalans Fantasy-Welt sieht stellenweise atemberaubend gut aus und aus rein visuellen Gesichtspunkten ist THE LAST AIRBENDER auf jeden Fall ein echter Hingucker und diese visuelle Kraft des Films ist es dann auch, die ihn noch halbwegs sehenswert macht. Ansonsten ist hier leider nicht viel geboten. Die Story ist mir zu sehr auf ein kindliches Publikum zugeschnitten und plätschert ohne große Höhepunkte so unmotiviert vor sich hin, dass sich wahrscheinlich sogar das anvisierte Zielpublikum dabei langweilen dürfte. Dazu gesellen sich wahrlich unfassbar hölzern agierende Darsteller und ein vollkommen sinnloser Cliffhanger, der an der Zurechnungsfähigkeit der Produzenten bei Paramount zweifeln lässt. Haben die echt nicht erkannt, dass mit diesem Film zum Auftakt definitiv kein Franchise entwickelt werden kann?

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

02/2016 – Sichtungen 19-26

THE MESSENGERS (USA 2007, Regie: Danny Pang / Oxide Pang)

the messengers

(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Beim US-Debüt der Zwillingsbrüder Danny und Oxide Pang handelt es sich um einen durch und durch klischeehaften und nur leidlich spannenden Vertreter des Spukhausfilms. Die aus Hongkong stammenden Regisseure hatten sich vor allem mit der erfolgreichen GIN GWAI-Filmreihe regelrecht für den US-Markt aufgedrängt, konnten aber dem offensichtlich vorgezeichneten Schicksal vieler asiatischer Regiekollegen aus den Jahren zuvor, die vom System Hollywood glattgebogen worden, leider auch nicht entfliehen.

THE MESSENGERS handelt von der Teenagerin Jess (Kristen Stewart), die – um Vergangenheitsbewältigung zu betreiben – mit ihren Eltern (Dylan McDermott und Penelope Ann Miller) und ihrem kleinen Bruder Ben in ein altes, abgelegenes Farmhaus zieht, in dem es – welch Überraschung – nicht ganz geheuer zugeht. Ähnlich wie Jess haben auch die im Anwesen hausenden Geister, die zunächst nur der kleine Ben sehen kann, noch etwas Dringendes zu erledigen und bringen dadurch Jess und ihre Familie in Gefahr.

Die Gebrüder Pang versuchen ihre Zuschauer mit relativ langsamem Spannungsaufbau und wohldosierten Schock-Momenten für sich zu gewinnen, gelingen tut ihnen das allerdings nur selten. Ab und an erschrickt man sich zwar ein klitzekleines bisschen und hin und weniger kommt auch so etwas wie gruselige Atmosphäre auf, für einen echten Nailbiter ist THE MESSENGERS aber viel zu vorhersehbar und klischeehaft geraten und leider auch nur mit mäßig gelungenen CGI-Effekten ausgestattet worden. So ist dieser Film von Danny und Oxide Pang in erster Linie als nette Zeitverschwendung zu gebrauchen; weiterempfehlen würde ich ihn jetzt nur bedingt.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE ZERO THEOREM (Frankreich / Großbritannien / Rumänien / USA 2013, Regie: Terry Gilliam)

the zero theorem

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Nach BRAZIL aus dem Jahr 1985 und TWELVE MONKEYS aus dem Jahr 1995 beschäftigt sich Regisseur Terry Gilliam in THE ZERO THEOREM erneut mit einer düsteren Zukunftsvision, einer Dystopie, in der wohl niemand wirklich leben will. Als Zuschauer folgen wir dem von Christoph Waltz gespielten Computergenie Qohen Leth, der in einer Welt permanenter Reizüberflutung einfach nur seine Ruhe haben will und verzweifelt versucht, das titelgebende “Zero Theorem“ zu beweisen…

Terry Gilliam konfrontiert seine Zuschauer mit einer Zukunft, die vollkommen dem Wahnsinn verfallen ist, in der es keinerlei Oasen der Ruhe und Stille mehr zu geben scheint und in der der Sinn des Lebens darin zu bestehen scheint, dass es keinerlei Sinn mehr gibt. Visuell ist THE ZERO THEOREM gar prächtig umgesetzt, in der komplett durchgedrehten Zukunft gibt es in jedem Winkel etwas zu entdecken und zu bestaunen und genau wie die Welt, in der THE ZERO THEOREM spielt, ist auch der Film selbst ziemlich durchgeknallt und abgedreht. Das ist natürlich gefundenes Futter für Hauptdarsteller Christoph Waltz, der hier mal wieder seine typische One-Man-Show abziehen darf, damit aber auch so langsam aber sicher zu nerven beginnt. Das Hauptproblem von Gilliams Film ist allerdings nicht sein langsam nervender Hauptdarsteller, sondern die Tatsache, dass sich hinter dem exaltierten Spiel von Waltz und den detailverliebten Settings im Endeffekt lediglich eine große Leere aufzutun scheint. THE ZERO THEOREM wirkt erschreckend banal, die Geschichte kann einen als Zuschauer eigentlich nie so wirklich fesseln und würde der Film nicht in erster Linie von seiner visuellen Stärke leben, man müsste ihn fast als Enttäuschung auf ganzer Linie bezeichnen. Dank seines Kameramanns Nicola Pecorini, seines Production Designers David Warren und seines Kostümdesigners Carlo Poggioli rettet sich Gilliam gerade noch so über die Ziellinie, an die hohe Qualität der beiden im Ausgangssatz genannten Dystopien kommt THE ZERO THEOREM jedoch nicht ansatzweise heran. Am Ende des Tages ist es schon fast eine Ironie des Schicksals, dass ein Film, der Reizüberflutung und Oberflächlichkeiten kritisiert, einzig und allein durch seine Schauwerte zu überzeugen weiß.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE BIG YEAR (USA 2011, Regie: David Frankel)

the big year

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox)

Das titelgebende “Big Year“ bezieht sich auf einen sportlichen Wettkampf unter Vogelbeobachtern, bei dem diese versuchen, während eines Kalenderjahres so viele verschiedene Vogelarten wie möglich zu sichten. Schon diese Tätigkeit allein scheint für einen Normalsterblichen wie mich nicht unbedingt aufregend zu sein, noch weniger aufregend dürfte man es dann verständlicherweise finden, wenn darüber noch ein Film gedreht wird. Und ja, ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir THE BIG YEAR nicht wegen der Geschichte rund um den sportlichen Wettkampf angesehen, sonderlich ausschließlich wegen seiner drei Hauptdarsteller. Wären da mit Steve Martin, Jack Black und Owen Wilson drei in meinen Augen grandiose Komiker vor der Kamera gestanden, ich wäre nie und nimmer auch nur ansatzweise auf die Idee gekommen, mir einen Film über Vogelbeobachter anzusehen. Die Besetzung hat es rausgerissen und die ist auch in den diversen kleineren und größeren Nebenrollen atemberaubend gut. Ich habe keine Ahnung, wie die Casting-Abteilung es geschafft hat, aber in THE BIG YEAR spielen außerdem Rosamund Pike, Kevin Pollak, Dianne Wiest, Brian Dennehy, Anthony Anderson, Anjelica Huston, Tim Blake Nelson und diverse andere bekannte Gesichter mit. Offensichtlich ist so ein “Big Year“ in den USA eine ziemlich große Sache.

Der Film dreht sich nun um den bisherigen Rekordhalter der Vogelbeobachtung, dem von Owen Wilson gespielten Kenny Bostick, der es auf 732 verschiedene Arten innerhalb eines Jahres geschafft hat, der nun Angst hat, dass ihm dieser Rekord genommen werden könnte – Jack Black und Steve Martin sind seine Konkurrenten – und aus diesem Grund alles daran setzt, dies zu verhindern. Ohne Rücksicht auf Verluste setzt er dabei selbst seine Ehe aufs Spiel.

Regisseur David Frankel inszeniert THE BIG YEAR als unterhaltsame Hatz quer durch die Vereinigten Staaten, kreiert dabei ein paar herrlich komische Momente und spart auch nicht an nachdenklichen Untertönen. Die Beobachter werden als Getriebene gezeichnet, als Opfer ihrer Obsessionen, die mitunter einen zu hohen Preis für den vermeintlichen Erfolg zu zahlen bereit sind. Man muss also nicht unbedingt ein Vogelbeobachter sein, um aus THE BIG YEAR auch für sich selbst eine – zugegebenermaßen ausgesprochen einfach gestrickte – Botschaft mitnehmen zu können.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

WHAT DREAMS MAY COME (Neuseeland / USA 1998, Regie: Vincent Ward)

what dreams may come

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Robin Williams spielt Chris Nielsen, der bei einem Autounfall ums Leben kommt und sich – nachdem es ihm endlich gelungen ist, von allem Irdischen zu lösen – tatsächlich im Paradies wiederfindet. Als er dort jedoch erfährt, dass sich seine Frau Annie (Annabella Sciorra) vor lauter Trauer das Leben genommen hat und aufgrund dieser Tat in der Hölle gelandet ist, setzt er alles in Bewegung, um vom Himmel in die Hölle hinabzusteigen und seine Frau vor der ewigen Verdammnis zu retten. Und diese Reise setzt Regisseur Vincent Ward in einfach nur atemberaubenden Bilderwelten um.

WHAT DREAMS MAY COME ist Kitsch. Unfassbar schön anzusehender Kitsch. Mitten ins Herz treffender Kitsch. Kitsch mit einer durchweg positiven Message. Aber am Ende des Tages halt doch nur Kitsch. Kitsch, der – je nach Zuschauer – die verschiedensten Reaktionen hervorrufen dürfte. Die dürften vom hoffnungslosen Hinschmelzen bis zum dringenden Bedürfnis, vor Wut den heimischen Fernseher eintreten zu wollen, alle möglichen Spektren abdecken und eine auch nur halbwegs objektive Bewertung dieses Films scheint mir komplett unmöglich zu sein. Ich hatte das Glück, dass ich mich auf WHAT DREAMS MAY COME einlassen konnte, dass mich seine visuelle Pracht verzaubert hat und dass ich diese herrlich naive und doch auch irgendwie Hoffnung spendende Grundaussage des Films sehr sympathisch fand. Vielleicht wird am Ende ja doch alles gut.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MY WEEK WITH MARILYN (Großbritannien / USA 2011, Regie: Simon Curtis)

my week with marilyn

(Fassung: Blu-ray, Ascot Elite, Deutschland)

 Der spätere Dokumentarfilmer Colin Clark (der allerdings so wenig Sachen gedreht hat, dass man ihn nicht wirklich kennen muss, die IMDB listet fast ausschließlich Credits bei TV-Produktionen in den 60er und 70er Jahren), startete seine Karriere beim Film einst im jungen Alter von 23 Jahren als Produktionsassistent beim Marilyn-Monroe-Film THE PRINCE AND THE SHOWGIRL und wurde im Lauf der Dreharbeiten aufgrund Verkettung verschiedener Umstände zur Vertrauensperson von Marilyn Monroe. Regisseur Simon Curtis erzählt mit MY WEEK WITH MARILYN diese Geschichte, welche auf Büchern beruht, die Colin Clark zu Lebzeiten veröffentlichte. Selbst befragen zu den Ereignissen von damals konnten ihn die Filmemacher nicht mehr, Clark verstarb bereits im Dezember 2002 im Alter von 70 Jahren.

Regisseur Simon Curtis ist sichtlich darum bemüht, den Menschen hinter dem Mythos zu zeigen, so wirklich gelingen mag ihm dies allerdings nicht. Eine Legende wie Marilyn Monroe zu entmystifizieren, dürfte jedoch auch ziemlich unmöglich sein. Als Zuschauer erfährt man nur wenig bis gar nichts Neues über MM, im Endeffekt wird das Bild, das man als Filmfan von der Ikone haben dürfte, nur bestätigt. Aber vielleicht gibt es auch einfach nicht mehr zu zeigen. Vielleicht war MM ja auch wirklich nur diese naive Verführerin, der Männer reihenweise zu Boden lagen, die Regisseure und Produzenten in den Wahnsinn treiben konnte und die sich trotz ihres immensen Erfolges, den sie zur Entstehung von THE PRINCE AND THE SHOWGIRL bereits hatte, vor lauter Unsicherheit vor der Kamera wie ein blutiger Anfänger verhielt.

MY WEEK WITH MARILYN lebt in erster Linie von der Chemie zwischen Michelle Williams, die die Monroe so überzeugend wie nur möglich interpretiert, und Eddie Redmayne, der in der Rolle des jungen Colin Clark zu sehen ist und dessen Figur gar nicht so recht zu wissen scheint, was ihr hier eigentlich wiederfährt. In zweiter Linie lebt MY WEEK WITH MARILYN von der restlichen Besetzung, die sich wirklich mehr als sehen lassen kann und die dazu beiträgt, dass Curtis’ Film, mag er als Biopic auch nicht wirklich überzeugen, über die komplette Laufzeit zu einer enorm vergnüglichen Angelegenheit wird. Wenn man neben Michelle Williams und Eddie Redmayne u.a. auch noch Julia Ormond, Kenneth Branagh, Emma Watson und Judi Dench in der Besetzungsliste vorweisen kann, ist es ja auch fast unmöglich, einen Film zu drehen, bei dem die schauspielerischen Leistungen nicht überzeugen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CRIMSON PEAK (Kanada / USA 2015, Regie: Guillermo del Toro)

crimson peak

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

 Edith Cushing (Mia Wasikowska), Tochter eines amerikanischen Unternehmers, verfällt dem englischen Adeligen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) und zieht mit diesem und dessen Schwester (Jessica Chastain) in das alte Familienanwesen der Familie Sharpe, wo sie schon bald mit Geistererscheinungen konfrontiert wird und schließlich einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt…

Regisseur Guillermo del Toro legt CRIMSON PEAK im Stil klassischer Gothic-Grusel-Filme an, lässt sich viel Zeit, seine Geschichte zu entwickeln und Spannung aufzubauen, konfrontiert den Zuschauer dabei immer wieder mit vereinzelten, wohl dosierten Schockeffekten und Spannungsmomenten und kreiert so eine ungemein dichte und unheimliche Atmosphäre. Das ebenso mondäne wie mysteriöse Familienanwesen als Hauptsetting ist dabei ebenso eine Trumpfkarte wie die vorzüglichen Darsteller – allen voran Mia Wasikowska und Jessica Chastain. Mit seinem behutsamen Spannungsaufbau, seinen klassischen Settings und seiner angenehmen Gruselstimmung mag CRIMSON PEAK stellenweise vielleicht etwas altmodisch anmuten, inmitten der diversen Geisterbahnattraktionen und Gewaltexzesse, die das moderne Horrorkino in den letzten Jahren so hervorgebracht hat, ist del Toros Film in meinen Augen jedoch mehr als eine willkommene Abwechslung und sei auf diesem Weg allen Genrefreunden wärmstens zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DEFIANCE (USA 2008, Regie: Edward Zwick)

defiance

(Fassung: Blu-ray, Constantin Film, Deutschland)

DEFIANCE erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der insgesamt vier Bielski-Brüder (gespielt von Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell und George MacKay), die sich während des zweiten Weltkriegs in den weißrussischen Wäldern vor den Nazis versteckten, mit Gleichgesinnten ein Camp im Wald errichteten und so hunderte Juden vor dem sicheren Tod durch die Nazis retteten.

Filme mit so ernstem Hintergrund wie dieser hier wandeln ja immer auf einem extrem schmalen Grat und müssen sich zwangsläufig die Frage stellen lassen, ob und in welchem Maße ein solches Thema auch “unterhaltsam“ aufbereitet werden darf, kann oder vielleicht sogar muss. Regisseur Edward Zwick gelingt diese schwierige Balance zwischen Unterhaltung und Anspruch zumindest halbwegs. Er konzentriert sich in erster Linie auf die Geschichte der Flüchtenden und die Zweckgemeinschaft, die sie im Wald bilden müssen; Kampf- und Kriegshandlungen stehen in DEFIANCE eher im Hintergrund. Problematisch ist dabei die Zeichnung der beiden älteren, von Liev Schreiber und Daniel Craig gespielten Bielski-Brüder, die mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu Helden stilisiert werden, was sie aufgrund ihrer Taten sicher auch verdient haben, was in der Dramaturgie des Films allerdings auch dazu führt, dass dieses sicher extrem schwierige Zusammenleben so vieler verschiedener Menschen innerhalb eines Camps im Wald größtenteils konfliktfrei und wohl auch leicht verniedlicht dargestellt wird und die Zeichnung der diversen Charaktere stellenweise doch sehr klischeehaft erfolgt. DEFIANCE zieht seine Spannung in erster Linie daraus, wie und ob es den Flüchtenden gelingt, weiterhin unentdeckt zu bleiben und zur Auflockerung der Dramaturgie wird dann auch schon mal die eine oder andere romantische oder komisch anmutende Szene eingebaut, was vor dem Hintergrund, vor dem der Film spielt, mitunter etwas befremdlich wirkt. Um leichte Unterhaltung handelt es sich bei DEFIANCE natürlich dennoch nicht und trotz der vorgenannten Schwächen hat Zwicks Film immer noch genügend Potential, den Zuschauer aufzurütteln und zum Nachdenken zu bringen.

Und wenn es ein Film wie DEFIANCE aufgrund seiner vielleicht etwas leichteren Zugänglichkeit tatsächlich schaffen sollte, auch nur einen dieser besorgten Wutbürger, die nun schon seit Monaten ihre fragwürdigen Parolen von sich geben, zum Umdenken zu bewegen, dann hat er schon verdammt viel bewegt. Gut, dass es ihn gibt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LAKEVIEW TERRACE (USA 2008, Regie: Neil LaBute)

lakeview terrace

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

In LAKEVIEW TERRACE beziehen Patrick Wilson und Kerry Washington als junges Ehepaar Chris und Lisa Mattson ihr Traumhaus in Los Angeles und müssen schnell feststellen, dass ihr direkter Nachbar direkt einem Albtraum entsprungen zu sein scheint. Denn bei dem von Samuel L. Jackson gespielten Abel Turner handelt es sich um einen verbitterten, durchtriebenen und gemeingefährlichen Rassisten, der dummerweise auch noch einer Arbeit als Cop beim LAPD nachgeht…

Regisseur Neil LaBute startet das Aufeinandertreffen der komplett gegensätzlichen Lebensentwürfe zunächst noch sehr ruhig und bedächtig, steigert die Schlagzahl der Gemeinheiten jedoch mit zunehmender Laufzeit des Films immer mehr und lässt diesen letztendlich in der zu erwartenden Katastrophe enden. LAKEVIEW TERRACE ist manchmal etwas zu klischeehaft in der Zeichnung verschiedener Alltagssituationen, mitunter etwas arg unglaubwürdig und alles in allem einfach viel zu vorhersehbar um irgendwelche Höchstnoten in der Bewertung erzielen zu können. Dafür ist Regisseur LaBute die Darstellung dieses gegenseitigen Aufschaukelns, mit den diversen Stadien, bis es schließlich zum großen Finale kommt, richtig gut gelungen und allein das Mitwirken von Samuel L. Jackson, der die Rolle des Bösewichts sichtlich genießt und jede seiner Szenen regelrecht auszukosten scheint, macht LAKEVIEW TERRACE unbedingt sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part III

THE HOMESMAN (Frankreich / USA 2014, Regie: Tommy Lee Jones)

the homesman

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Mitte des 19. Jahrhunderts erklärt sich die alleinstehende Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) dazu bereit, drei dem Wahnsinn verfallene Frauen in einer Kutsche quer durch den mittleren Westen von Nebraska nach Iowa in die Obhut einer Methodistengemeinde zu bringen. Begleitet wird sie auf dem beschwerlichen Weg vom Rumtreiber George Briggs (Tommy Lee Jones), den Mary vor dem Erhängen gerettet hat und von dem sie nun seine Begleitung als Gegenleistung einfordert…

Regisseur Tommy Lee Jones erzählt in THE HOMESMAN im Endeffekt die Geschichte gescheiterter Existenzen – und das gilt im Endeffekt für fast jeden Charakter, der dem Zuschauer hier über den Weg läuft. Die drei wahnsinnig gewordenen Frauen sind an den Erwartungshaltungen gescheitert, welche ihre Familien und die Dorfgemeinschaft an sie gestellt hatte. Die Dorfgemeinschaft selbst ist daran gescheitert, diese Frauen trotzdem zu akzeptieren und zu integrieren und schiebt sie lieber ab. Die von Hilary Swank gespielte Mary Bee Cuddy ist schließlich an sich selbst und ihrem Leben gescheitert und Tommy Lee Jones als George Briggs passt als gescheiterter Rumtreiber natürlich auch noch wunderbar in diesen Mikrokosmos. THE HOMESMAN lässt den Zuschauer gut 2 Stunden daran teilhaben, wie diese verschiedenen Charaktere miteinander klar kommen müssen. Tommy Lee Jones wählt dabei eine sehr ruhige Erzählweise, verwöhnt den Zuschauer auf der einen Seite mit atemberaubend fotografierten Sequenzen und verpasst ihm auf der anderen Seite – insbesondere in diversen Rückblenden, in denen man Hintergrundinformationen zu den drei deportierten Frauen bekommt – immer wieder gezielte und schwer verdauliche Schläge in die Magengrube und konfrontiert ihn mit mehr als erschreckenden Sequenzen, die auch beim Zuschauer selbst Spuren hinterlassen. Demgegenüber stehen dann wieder etliche komische Szenen, die meist im Zusammenhang mit dem von Tommy Lee Jones gespielten Briggs stehen, die wohl zur Auflockerung im Film gelandet sind, im Endeffekt aufgrund der sonstigen Ernsthaftigkeit des Gezeigten aber eher deplatziert wirken.

THE HOMESMAN ist trotz all seiner nicht wegzuleugnenden Qualität ein seltsamer, streckenweise extrem sperriger Film, der es einem als Zuschauer nicht gerade leicht macht, sich mit ihm “anzufreunden“ (mir fällt gerade kein besserer Ausdruck ein). Man sollte sich auf einen schweren Gang gefasst machen, wenn man sich zum Ansehen dieses Films entscheidet.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

FIRED UP! (USA 2009, Regie: Will Gluck)

fired up!

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

In FIRED UP! schwänzen zwei Spieler des Football-Teams der lokalen Highschool das Trainingslager und schreiben sich lieber für das Cheerleader Team ein. Die seit Jahren chronisch erfolglosen Mädels der Highschool können männliche Hilfe durchaus gebrauchen und akzeptieren die beiden Machos in ihren Reihen, wohl wissend, dass die Schürzenjäger weniger am Cheerleading interessiert sind, sondern die Motivation, Teil des Teams zu werden, sich einzig und allein daraus speist, dass im bevorstehenden Cheerleader Camp insgesamt gut 300 meist weibliche Cheerleader ja nur darauf warten könnten, von den beiden Machos verführt zu werden. Wie das in Filmen wie diesem hier aber nun mal so ist, kommt schließlich alles anders als erwartet. Die Jungs lernen ihre Lektion, begeistern sich schließlich für das Team und verhelfen diesem zumindest zu einem Achtungserfolg.

Der Teenie- bzw. Highschool-Film ist im Bereich des Komödiengenres im Endeffekt genau das, was der Slasherfilm für das Horrorgenre ist. Qualitativ gibt es verdammt viel Bodensatz, eine praktisch nicht überschaubare Menge an netter Durchschnittsware und ein paar vereinzelte Highlights. Als Fan schaut man sich natürlich trotzdem bereitwillig jeden Film innerhalb des Genres an, meist schon von vornherein wissend, dass einen in den anstehenden 90 Minuten wohl nicht unbedingt das nächste Meisterwerk erwarten dürfte. FIRED UP! würde ich persönlich qualitativ im Bereich der Durchschnittsware einordnen. Regisseur Will Gluck erzählt in seinem Filmdebüt – danach sollte er u.a. noch die richtig tollen EASY A und FRIENDS WITH BENEFITS drehen – eine jederzeit vorhersehbare Geschichte, geizt nicht mit Schauwerten, hat ein paar geile Gags auf Lager und liefert so solide und kurzweilige Unterhaltung. Und mehr gibt es im Endeffekt dann auch nicht zu sagen.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE NOVEMBER MAN (Großbritannien / USA 2014, Regie: Roger Donaldson)

the november man

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

In THE NOVEMBER MAN wird der sich im Ruhestand befindliche CIA-Agent Devereaux (Pierce Brosnan) für einen letzten Job reaktiviert und findet sich plötzlich in einer Verschwörung wieder…

Man merkt THE NOVEMBER MAN an, dass sich mit dem 1945 geborenen Roger Donaldson ein etwas älterer Regisseur auf dem Regiestuhl niedergelassen hat. Die Inszenierung des Films kann man durchaus als gediegen und ruhig bezeichnen, was dem Film jedoch keineswegs schadet, sondern eher als Vorteil zu verstehen ist. THE NOVEMBER MAN ist stil- und stimmungsvoll, atmosphärisch und scheint mit seiner federleicht anmutenden Inszenierungsart von allem unnötigen Ballast befreit zu sein. Die vorhandenen Actionsequenzen sind verhalten spektakulär, treffen punktgenau ins Schwarze und überzeugen zudem durch eine mehr als gesunde Härte. Kein überflüssiger Humor, kein überirdisches Spektakel, dafür nahezu perfektes Timing sowohl bei der Inszenierung der Schauwerte als auch bei der Platzierung innerhalb des Handlungsverlaufs. Pierce Brosnan hatte sichtlich Spaß daran, mal wieder in die Rolle eines Agenten zu schlüpfen, Olga Kurylenko konnte hier weitaus mehr überzeugen als in ähnlich gelagerten Rollen, die sie bspw. in HITMAN, MAX PAYNE oder QUANTUM OF SOLACE spielte, und die wendungsreiche und immer spannend bleibende Geschichte, die THE NOVEMBER MAN zu erzählen hat, hält den Zuschauer über die komplette Laufzeit bei Laune. Ich hatte mir von Donaldsons Film eigentlich überhaupt gar nichts erwartet und wurde absolut positiv überrascht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE THIRD MAN (Großbritannien 1949, Regie: Carol Reed)

the third man

(Fassung: Blu-ray, Arthaus / Studiocanal, Deutschland)

In THE THIRD MAN versucht der amerikanische Schriftsteller Holly Martins (Joseph Cotten) im Nachkriegs-Wien den mysteriösen Tod seines Freundes Harry Lime (Orson Welles) aufzuklären und macht schon bald eine unerwartete Entdeckung…

Reeds THE THIRD MAN gehört zu diesen unbestrittenen Klassikern der Filmgeschichte, ist einer der Filme, die in praktisch allen Bestenlisten auftauchen und wird gemeinhin als unumstrittenes Meisterwerk bezeichnet. Als interessierter Filmfan traut man sich fast gar nicht auszusprechen, dass man ihn vielleicht tatsächlich noch nie gesehen hat und schaut man sich ihn dann doch endlich mal an, schließt diese Sichtung eine filmische Bildungslücke, die schon viel zu lange offen stand. Danach über einen Film wie THE THIRD MAN überhaupt noch etwas zu schreiben, erscheint fast überflüssig. Den schier unzähligen Texten, die über ihn bereits existieren, gibt es ja eigentlich eh nichts mehr hinzuzufügen. So bleibt nur die Schilderung persönlicher Eindrücke.

Im Gegensatz zu so manch anderem Kanon-Film macht es THE THIRD MAN dem Zuschauer ausgesprochen leicht, ihn von Anfang an zu mögen – es gibt ja auch durchaus so manche Klassiker der Filmgeschichte, an denen man bei der Erstsichtung regelrecht verzweifelt und an der eigenen Erwartungshaltung hoffnungslos scheitert. Da ist die spannende und wendungsreiche Geschichte, die einen sofort in den Bann zieht. Da ist dieses berühmte Zither-Thema von Anton Karas, das immer wieder Gänsehaut verursacht. Da ist der Schauplatz des Nachkriegs-Wiens, mit seinen teils zerstörten Gebäuden, welcher viel zur Atmosphäre des Films beiträgt. Da ist diese stimmungsvolle und einfach nur wunderschöne Schwarz/Weiß-Fotografie von Kameramann Robert Krasker und da sind natürlich diese berühmten Sequenzen für die Ewigkeit, insbesondere natürlich das Finale in den Abwasserkanälen, aber auch der erste Auftritt von Orson Welles im dunklen Hauseingang. Das sind wahrlich Szenen, die man, einmal gesehen, wohl nie mehr in seinem Leben vergessen wird. THE THIRD MAN ist einer dieser Filme, bei denen man während der kompletten Sichtung das Gefühl hat, hier etwas ganz Großem beizuwohnen. Die Klassifizierung dieses Films als Meisterwerk dürfte wohl nur von ganz wenigen Menschen angezweifelt werden.

Bewertung: Meisterwerk! – 10/10

 

 

NORD (Norwegen 2009, Regie: Rune Denstad Langlo)

nord

(Fassung: Blu-ray, Alamode Film, Deutschland)

In NORD macht sich der schwer depressive Liftwärter Jomar (Anders Baasmo Christiansen) mit einem Schneemobil auf einen langen und beschwerlichen Weg in den hohen Norden Norwegens um dort seinen kleinen Sohn zu besuchen…

Regisseur Rune Denstad Langlo präsentiert ein Road Movie der etwas anderen Art – praktisch ganz ohne Straßen, dafür quer durch für einige spektakuläre Bilder sorgende Schnee- und Eislandschaft. Wie das bei Road Movies meistens so ist, ist auch in NORD der Weg das Ziel. Der von Christiansen gespielte Jomar trifft auf seiner beschwerlichen Reise auf verschiedene, mitunter ausgesprochen skurrile Persönlichkeiten, und findet so letztendlich wieder zu sich selbst. Um diese These noch zu unterstreichen, endet NORD dann auch genau in dem Moment, in dem das geographische Ziel von Jomars Reise erreicht ist. Wie es mit ihm, seinem Sohn und der Mutter seines Sohnes letztendlich weitergehen wird, ist für Regisseur Rune Denstad Langlo einfach nicht mehr von Belang. Eines dieser Filmenden, vor denen man als Zuschauer nur seinen imaginären Hut ziehen kann. Einfach toll.

Neben diesem grandiosen Ende hat NORD vor allem aufgrund seines trockenen Humors und seiner leicht melancholischen Grundstimmung gepackt, es macht einfach unheimlich viel Spaß, Jomar auf seiner Reise zu begleiten und wenn man dem Film etwas vorwerfen möchte, dann vielleicht, dass er mit gerade mal 75 Minuten Laufzeit leider sehr kurz geraten ist. Ich wäre gerne noch ein bisschen länger mit Jomar im Schnee unterwegs gewesen.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TATORT: DER UNSICHTBARE GEGNER (Deutschland 1982, Regie: Hajo Gies)

tatort - der unsichtbare gegner_01

tatort - der unsichtbare gegner_02

(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

In seinem dritten Auftritt als Horst Schimanski bekommt es Götz George mit einem gefährlichen Unbekannten zu tun, der ihm aus Rachegelüsten nach dem Leben trachtet. Schimanski selbst wird nun unter Polizeischutz gestellt – erledigt wird dies von Chiem van Houweninge, der hier als Hänschen seinen ersten Auftritt hat und mit dessen Einführung im dritten Schimanski-Tatort nun alle wichtigen, wiederkehrenden Charaktere vorgestellt sein müssten -, was ihm verständlicherweise überhaupt nicht gefällt…

Auch TATORT: DER UNSICHTBARE GEGNER lebt – wie bereits die beiden Filme zuvor – weniger von seiner Spannung, sondern mehr vom Miteinander seiner Protagonisten, von dieser ganz wunderbaren Chemie, die sich zwischen Götz George als Schimanski und Eberhard Feik als Thanner – künftig noch ergänzt von Chiem van Houweninge – von Film zu Film mehr zu entwickeln scheint und diese Beiträge zur TATORT-Reihe wohl auch aus diesem Grund so beliebt und erfolgreich hat werden lassen. TATORT: DER UNSICHTBARE GEGNER weiß vor allem aufgrund seiner Mischung aus Spannung, Humor, Lokalkolorit und Charme zu gefallen – da wirkt es auch nicht sonderlich störend, dass auch dieser dritte Einsatz von Schimanski nur wenig mit einem klassischen Krimi zu tun hat.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

VICTORY (Großbritannien / USA 1981, Regie: John Huston)

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(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Dem fußballbegeisterten Major Karl von Steiner (Max von Sydow) kommt während des 2. Weltkriegs die Idee, ein Fußballspiel zwischen einer Auswahl alliierter Kriegsgefangener und der deutschen Wehrmacht zu organisieren, welches im besetzten Paris ausgetragen werden und vor allem Propagandazwecken dienen soll. Der sich in Gefangenschaft befindliche John Colby (Michael Caine) vom englischen Militär, einst selbst Fußballprofi, soll ein entsprechendes Team zusammenstellen. Anfangs von der Idee nicht allzu begeistert, erkennen Colby und die anderen Gefangenen bald die große Möglichkeit, die ihnen dieses Spiel bieten könnte – nämlich die Flucht aus deutscher Gefangenschaft anlässlich des anstehenden Großereignisses…

Hustons VICTORY geht fast schon als eine Art Sportfilm-Remake von Sturges’ grandiosem THE GREAT ESCAPE durch, hat mit Sylvester Stallone und Michael Caine ein bestens aufgelegtes Hauptdarstellerpaar zu bieten und tut ansonsten das, was Filme dieser Art halt oft zu tun pflegen und was sie letztendlich in meinen Augen auch immer etwas problematisch macht: er nutzt den Hintergrund des Krieges fast schon als eine Art Abenteuerspielplatz, im Gefangenenlager geht es dann auch mal etwas lustiger zur Sache und nur zu behaupten, das Grauen des Krieges würde hier verharmlost oder verniedlicht werden, wäre wohl eine ziemliche Untertreibung. Aber irgendwie merkt man diesem Film auch an, dass ihm diese Verharmlosung gar nicht so bewusst zu sein scheint, dass er einfach eine Art Märchen erzählen möchte, eine einfache Geschichte von Gut gegen Böse, bei der am Ende das Gute gewinnen soll, dass diese Zeichnung des Kriegsgefangenenlagers als Abenteuerspielplatz wohl hauptsächlich aus Unbedarftheit entstanden sein dürfte. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf kann man sich von VICTORY dann auch durchaus “unterhalten“ lassen. Hustons Film ist spannend und nach guten einem Drittel der Laufzeit auch ausgesprochen rasant geraten und die Inszenierung des entscheidenden Spiels am Ende bedient zwar sämtliche Sportfilmklischees, ist Huston aber auch sehr packend gelungen, was sicher auch daran liegen dürfte, dass die aus Alliierten zusammengestellte Mannschaft mit Sylvester Stallone im Tor über einige echte Fußballprofis in ihren Reihen verfügt, die bereitwillig ihre Ballkünste präsentieren – allen voran wären hier natürlich die brasilianische Legende Pelé und die englische Legende Bobby Moore zu nennen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

RUN ALL NIGHT (USA 2015, Regie: Jaume Collet-Serra)

run all night

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Um seinen Sohn Mike (Joel Kinnaman) zu schützen, tötet der abgehalfterte Ex-Profikiller Jimmy Conlon (Liam Neeson) in Notwehr ausgerechnet den Filius seines früheren Auftraggebers und Freundes, des Gangsterbosses Shawn Maguire (Ed Harris) und befindet sich urplötzlich auf der Flucht vor Gangstern und Polizei…

Regisseur Jaume Collet-Serra konfrontiert den Zuschauer mit einem typischen Jagd/Flucht-Szenario und hetzt ihn gemeinsam mit seinem Antihelden und dessen Sohn durch das nächtliche New York, natürlich incl. diverser Handlungsklischees – die beiden alten Freunde, die sich nun als erbitterte Feinde bekämpfen und natürlich die schwierige Vater-Sohn-Beziehung, die es auf der Flucht noch irgendwie zu kitten gilt -, ohne die ein Film wie RUN ALL NIGHT einfach nicht auskommen kann. Die Inszenierung des Films ist – sieht man mal von ein paar recht überflüssigen visuellen Spielereien ab – dabei erfreulich schnörkellos geraten. Es gibt keinen überflüssigen Humor, der das Gezeigte herunterspielen könnte, die Action ist nüchtern, staubtrocken und druckvoll geraten, Collet-Serra verzichtet auf allzu übertriebene Sequenzen und gönnt seinem Zuschauer im Verlauf der rasant fortschreitenden Handlung auch immer wieder kurze Verschnaufpausen, kleine Oasen der Ruhe, die perfekt platziert sind und dafür sorgen, dass die Jagd durch das nächtliche New York beim Zuschauer keine Ermüdungserscheinungen verursacht. RUN ALL NIGHT ist jetzt sicher kein Überflieger – dafür fehlt es dem Film dann doch etwas an Spannung und dafür ist das alles vielleicht einfach zu vorhersehbar geraten -, wer jedoch an grundsoliden Actionfilmen Freude hat, macht mit diesem Film hier sicher nichts verkehrt.

Bewertung: Gut! – 7/10

Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part I

THE MAN FROM U.N.C.L.E. (Großbritannien / USA 2015, Regie: Guy Ritchie)

the man from u.n.c.l.e.

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Als eine Verbrecherorganisation plant, eine Nuklearwaffe zu bauen, müssen die beiden verfeindeten Supermächte zwangsläufig zusammenarbeiten um eine weltweite Katastrophe zu verhindern. CIA-Agent Napoleon Solo (Henry Cavill) und Illya Kuryakin (Armie Hammer) vom russischen KGB gehen die ihnen gestellte Aufgabe jedoch eher widerwillig an…

Regisseur Guy Ritchie hat mit THE MAN FROM U.N.C.L.E. eine Kinofassung der gleichnamigen TV-Serie aus den 60er Jahren vorgelegt, die den Zuschauer über gut 2 Stunden in eine beschwingte Stimmung versetzt und locker-flockig unterhält. Die Atmosphäre der 60er Jahre wurde dabei ziemlich gut getroffen, Cavill und Hammer als Partner wider Willen spielen sich bestens gelaunt gegenseitig die Gags zu, Score und Soundtrack sind ein Traum und Kameramann John Mathieson verwöhnt das Publikum mit extrem stylishen Bildern. Inmitten seines komplett gechillten und federleicht inszenierten Films hat Ritchie dann netterweise auch immer wieder die eine oder andere spektakuläre Actionsequenz platziert und so kann man THE MAN FROM U.N.C.L.E. eigentlich nur als ausgesprochen gelungenen Unterhaltungsfilm bezeichnen, dessen einzige Schwäche es ist, dass er bei manchen Gags schwarzen Humor mit purem Zynismus verwechselt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ANT-MAN (USA 2015, Regie: Peyton Reed)

ant-man

(Fassung: Blu-ray 3D, Marvel, Deutschland)

Mit dem titelgebenden Ameisenmann installieren die Marvel Studios einen weiteren Superhelden aus ihrem riesigen Comic- innerhalb ihres stetig wachsenden Filmuniversums. ANT-MAN ist der mittlerweile zehnte Film des Avengers-Franchises, der im Jahr 2008 mit IRON MAN gestartet wurde und ich muss zugeben, dass ich an den Film – insbesondere nach dem nicht sonderlich begeisternden AVENGERS: AGE OF ULTRON – wenige bis gar keine Erwartungen hatte. Alles deutete darauf hin, dass ANT-MAN auch nur ein weiterer Zwischenschritt sein könnte, eine weitere Vorbereitung auf das große Finale, welches dann in drei Jahren anstehen soll. Und ja, Reeds Film hat natürlich diese Elemente, die ihn innerhalb des großen Ganzen positionieren sollen, aber er ist dennoch erfrischend anders und stellt eine überraschende Abwechslung innerhalb des Avengers-Franchises dar.

Ich denke, es ist ein großer Vorteil, dass mit Regisseur Peyton Reed und den – neben Hauptdarsteller Paul Rudd und Joe Cornish – fürs Drehbuch mitverantwortlichen Edgar Wright und Adam McKay drei Männer für den kreativen Prozess verantwortlich zeichneten, die bisher insbesondere im Bereich der (romantischen) Komödie tätig waren, was natürlich auch auf Paul Rudd zutrifft, auf dessen Namen man vor diesem Film wohl am wenigsten gekommen wäre, wenn es um die Besetzung einer neuen Superheldenrolle ging. Dieser Komödien-Background hilft ANT-MAN ungemein, Reeds Film bietet eine herrlich kurzweilige Mischung aus spannenden und komischen Momenten und Paul Rudd ist in der Rolle des Losers Scott Lang, der zu seinen Superkräften kommt wie die Jungfrau zum Kind und überhaupt nicht weiß, wie er mit diesen umgehen soll, richtig, richtig gut und eignet sich so hervorragend als Sympathieträger und Identifikationsfigur. Ein weiterer, großer Vorteil von ANT-MAN ist es zudem, dass die Story, die hier erzählt wird, auch außerhalb des Franchises funktioniert. Man muss nicht zwingend alle anderen Filme gesehen haben, um seinen Spaß mit ANT-MAN haben zu können, Reeds Film macht nie den Anschein, als sei er nur ein weiterer Lückenfüller bis zum nächsten, großen Avengers-Mega-Event. Ich bin absolut positiv überrascht von ANT-MAN, von seinem Witz, seiner federleichten Inszenierung, seinem sympathischen Helden und – das soll an dieser Stelle auch noch erwähnt werden – von seiner visuellen Pracht. Die Visual-Effects-Abteilung hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet, ANT-MAN läuft über vor tollen Ideen und visuellen Gimmicks, und zwar ohne dabei Gefahr zu laufen, im typischen Blockbuster-Bombast zu versinken.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CRAZY HEART (USA 2009, Regie: Scott Cooper)

crazy heart

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Jeff Bridges ist Bad Blake, ein abgehalfterter Country-Star, der von besseren Zeiten träumt, seinen Lebensunterhalt durch Auftritte in Kneipen und Bars finanziert und das verdiente Geld sogleich in Alkohol reinvestiert. Als er bei einem seiner Auftritte die Reporterin Jean Craddock (Maggie Gyllenhaal) kennenlernt, die ihn um ein Interview bittet, scheint er durch diese Bekanntschaft, aus der sich langsam echte Zuneigung für die alleinerziehende Mutter entwickelt, endlich wieder Licht am Ende des Tunnels sehen zu können…

Regisseur Scott Cooper hat mit dieser Verfilmung des gleichnamigen Romans einen Film gedreht, der den Zuschauer mit auf eine Art Road Trip nimmt, auf eine Reise voller Musik, mit ebenso dramatischen und komischen Momenten und mit einem Jeff Bridges in Bestform, dem es mit seiner Darstellung des früheren Stars mit Leichtigkeit gelingt, dass man als Zuschauer eine Bindung zu seiner Figur aufbaut und sowohl Sympathie als auch Empathie für diese empfindet. Lediglich im Mittelteil hängt CRAZY HEART mal für eine Weile durch, da scheint es fast so, als habe Regisseur Scott Cooper etwas sein Ziel aus den Augen verloren, da wird man plötzlich mit dem einen oder anderen Klischee konfrontiert (bspw. dem Versuch von Blake, wieder mit seinem Sohn in Kontakt zu treten, den er seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat), das man sich vielleicht hätte sparen können. Schön ist auf jeden Fall, dass die vorhandenen und sicher auch nicht ganz zu vermeidenden Klischees in der Zeichnung der Charaktere und deren Handlungen auf lange Sicht eben nicht in den dann normalerweise unumgänglichen Handlungsverlaufsklischees münden, sondern dass Regisseur Cooper – was sicher auch der Vorlage geschuldet sein mag, die mir allerdings nicht bekannt ist – das Ende seines Films relativ offen hält und jeder für sich selbst entscheiden kann, wie es letztendlich mit Bridges Charakter weitergeht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TERMINATOR GENISYS (USA 2015, Regie: Alan Taylor)

terminator genisys

(Fassung: Blu-ray 3D, Paramount, Deutschland)

James Camerons dystopische Zukunftsvision THE TERMINATOR aus dem Jahr 1984 ist der Film, der mir am meisten bedeutet. Mein absoluter Lieblingsfilm, die ewige Nr. 1 in meiner persönlichen Bestenliste. Bereits Camerons sieben Jahre später in die Kinos gekommene Fortsetzung habe ich aufgrund der Änderung der Tonart der Geschichte – weg von der beunruhigenden Dystopie, hin zu der harmloseren Familienunterhaltung – mit all ihren Gags und Onelinern, die diese mit sich brachte, schon immer etwas kritisch gesehen, gleichwohl aber in mein Herz geschlossen, genau wie den von praktischen allen Fans so verhassten dritten Teil aus dem Jahr 2003, den ich – trotz sicher nicht wegzuleugnender Schwächen – für einfach nur grandios halte und für den ich jederzeit sämtlichen Lanzen dieser Welt brechen würde. Die eher schlechten Kritiken, die TERMINATOR GENISYS überall erhalten hat, konnten mich also wahrlich nicht abschrecken. Zu groß war die Vorfreude, endlich wieder einen neuen Terminator-Film mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle zu sehen. Jetzt, nach der Sichtung, stellt sich dann doch etwas Ernüchterung ein. Ich weiß nicht, was ich so recht halten soll, von dem Film. Er hat mir schon gefallen, aber halt nur “gut“ und nicht “sehr gut“ und echte Begeisterungsstürme konnte er zu keinem Zeitpunkt auslösen.

Die Idee der alternativen Zeitlinie fand ich – nach einem ersten Anfangsschock, schien es sich bei TERMINATOR GENISYS in den ersten paar Minuten doch fast schon um eine Parodie des ersten Teils zu handeln – prinzipiell ganz gut und bis auf ein paar nicht erklärbare Logikfehler auch schlüssig, überzeugend und abwechslungsreich umgesetzt. Die vorhandenen Actionszenen sind perfekt in die Handlung integriert, toll choreographiert und visuell beeindruckend gestaltet, die Effekte sind klasse und das Sound Design der pure Wahnsinn (und sollte in diesem Jahr unbedingt bei den Oscars berücksichtigt werden). Die eingestreuten Gags muss man mittlerweile halt einfach so hinnehmen und dem Film aus diesem Grund einen Strick zu drehen, halte ich für zu einfach. Was ich an TERMINATOR GENISYS einfach nur schrecklich fand, war die Besetzung der Rollen von John Connor, Sarah Connor und Kyle Reese, insbesondere Emilia Clarke passte rein gar nicht in diese Rolle und kam – obwohl sie sogar ein Jahr älter ist als Linda Hamilton es damals war – einfach viel zu jung rüber. Ihre Sarah Connor sah aus wie ein Teenager und nicht wie eine Frau Ende 20/Anfang 30 und wirkte in der Rolle nur wenig authentisch und eher unglaubwürdig. Und auch Jai Courtney als Kyle Reese und Jason Clarke als John Connor wurden ihren Vorbildern aus den ersten drei Filmen in keinster Weise gerecht. Rein besetzungstechnisch wurde hier bestenfalls TV-Format in einer 155-Mio-Dollar-Produktion platziert und das tut dem Film wirklich nicht sonderlich gut. Und die Stilisierung des von Arnie gespielten Terminators hin zur Vaterfigur, die von Sarah Connor dann auch ständig mit “Pops“ angesprochen wird, hätte auch nicht unbedingt sein müssen. Aber ich will nicht zu viel motzen, eigentlich hat mir Taylors Films ja ganz gut gefallen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MINDSCAPE (Frankreich / Großbritannien / Spanien / USA 2013, Regie: Jorge Dorado)

mindscape

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

In MINDSCAPE bekommt es der Kriminalpsychologe John Washington (Mark Strong) – der über die Gabe verfügt, in die Erinnerungen seines Gegenübers eindringen zu können – mit dem Fall der 16-jährigen Anna Greene (Taissa Farmiga) zu tun. Mit Hilfe seiner Gabe soll Washington herausfinden, ob es sich bei dem im Hungerstreik befindlichen Mädchen nur um einen Teenager mit psychischen Problemen oder doch um eine gefährliche Soziopathin handelt. Doch während der Sitzungen kollidieren eigene Erinnerungen von Washington mit denen seiner Patientin und der Psychologe scheint langsam die Kontrolle zu verlieren…

Regisseur Jorge Dorado hat mit MINDSCAPE einen kleinen, ausgesprochen atmosphärischen Thriller gedreht, der mit seiner wendungsreichen und nicht zwingend vorhersehbaren Handlung (incl. Gänsehaut-Twist am Ende) für abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung sorgt und streckenweise eine verdammt unheimliche und beunruhigende Stimmung verbreitet. Der Schlüssel im Gelingen des Films liegt in Hauptdarstellerin Taissa Farmiga, die ihrer Anna eine fast schon mystische Aura verleiht und ihre Rolle so facettenreich spielt, dass man sie als Zuschauer genauso wenig zu greifen bekommt wie ihr Gegenüber im Film. Die von ihr gespielte Anna ist hochintelligent, begabt, unheimlich, unsicher, zerbrechlich, stark, arrogant, durchtrieben und skrupellos – und scheint dies alles irgendwie gleichzeitig zu sein. Normalerweise wäre MINDSCAPE jetzt kein Film, den man zwingend weiterempfehlen müsste, aufgrund Farmigas Leistung ist Dorados Mysterythriller jedoch unbedingt sehens- und empfehlenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

江山美人 | JIANG SHAN MEI REN (aka An Empress and the Warriors, China / Hongkong 2008, Regie: Ching Siu-Tung)

jiang shan mei ren

(Fassung: Blu-ray, Showbox Media Group, Großbritannien)

Nach dem gewaltsamen Tod des Herrschers ist es an dessen Tochter, der Prinzessin Yen (Kelly Chen), das entstandene Machtvakuum auszufüllen. Doch der für den Tod ihres Vaters verantwortliche und ebenfalls auf den Thron schielende Wu Ba (Guo Xiaodong) setzt alles daran, selbst die Macht zu ergreifen…

Freunde des asiatischen Kinos dürfte eine Handlung wie diese relativ bekannt vorkommen. Gerade in aus China und Hongkong stammenden Filmen sind solche Geschichten rund um Verrat, Intrigen, Ehre und Loyalität an antiken Kaiser- und Königshöfen ausgesprochen beliebt. 江山美人 | JIANG SHAN MEI REN ist dann auch nicht sonderlich mehr als ein weiterer, solider Genrebeitrag mit schönen Bildern und beeindruckend choreographierten Kampf- und Schlachtszenen. Was den Film von Ching Siu-Tung aus der Masse des Durchschnitts ein bisschen heraushebt, ist die eingeflochtene Liebesgeschichte zwischen der Prinzessin und dem ehemaligen Krieger Duan Lan Quan (Leon Lai), der nun zurückgezogen und einsam in der Wildnis lebt und die Prinzessin nach einem missglückten Mordanschlag findet und gesund pflegt. Insbesondere die Sequenz mit dem selbst gebauten, frühen Model eines Heißluftballons, mit dem der Prinzessin der Traum vom Fliegen erfüllt wird, fand ich inmitten der ganzen Kampfsequenzen ausgesprochen schön und beruhigend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

MAGIC MIKE XXL (USA 2015, Regie: Gregory Jacobs)

magic mike xxl

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Auf Bitte seiner früheren Kollegen, die sich genau wie er es bereits getan hat, nun langsam aus dem Stripper-Geschäft verabschieden wollen, kehrt Channing Tatum als Magic Mike auf die Leinwand zurück. Denn der Abschied soll bei einer großen Stripper Convention stattfinden und Mike soll auf jeden Fall dabei sein. Die Freunde begeben sich auf einen Road Trip der besonderen Art…

Faszinierte Soderberghs MAGIC MIKE aus dem Jahr 2012 auch in erster Linie durch seine ganze eigene, in Teilen fast schon melancholische und schwermütige Atmosphäre, in welche die wundervollen Bilder und Choreographien eingetaucht waren, ist in Jacobs Film von dieser Schwere nicht viel zu spüren. MAGIC MIKE XXL verbreitet viel mehr allerbeste Laune, wirft einen liebenswürdigen, humorvollen und augenzwinkernden Blick auf seine Protagonisten, vermeidet jedoch, sich über sie lustig zu machen, sondern behandelt diese ernsthaft und respektvoll. MAGIC MIKE XXL ist ein durchweg positiver Film, in den man sich als Zuschauer regelrecht hineinfallen lassen kann. Mit Soderberghs Vorgänger hat er vor allem die visuelle Brillanz gemein – was wenig verwunderlich ist, denn Steven Soderbergh war hier nicht nur als ausführender Produzent mit an Bord, sondern zeichnete darüber hinaus auch für Kameraarbeit und Schnitt verantwortlich -, die MAGIC MIKE XXL streckenweise zu einem Fest für die Sinne werden lässt. Und auf seine Schauwerte, auf die Kraft von Soderberghs Kameraführung und den tollen Soundtrack kann sich Regisseur Jacobs ebenso verlassen wie auf seine Schauspieler, denen man richtig anzumerken scheint, was sie für einen Spaß beim Dreh gehabt haben dürften. Mir persönlich hat die Fortsetzung sogar noch einen kleinen Tick besser gefallen als der auch schon ziemlich tolle Vorgänger.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ST. VINCENT (USA 2014, Regie: Theodore Melfi)

st. vincent

(Fassung: Blu-ray, Polyband, Deutschland)

 Bill Murray ist Vincent, ein griesgrämiger Rentner, der raucht, trinkt, wegen seiner Spielsucht notorisch pleite und hochverschuldet ist und mit Ausnahme seiner Katze Felix und der Prostitutierten Daka (Naomi Watts) allen Lebewesen gegenüber erstmals misstrauisch und feindselig eingestellt zu sein scheint. Das ändert sich, als die alleinerziehende Maggie (Melissa McCarthy) mit ihrem 12-jährigen Sohn Oliver (Jaeden Lieberher) ins Nachbarhaus zieht. Sieht Vincent in Oliver zunächst in erster Linie eine Einnahmequelle – da Maggie ständig Überstunden machen muss, benötigt sie einen Babysitter -, verändert der Umgang mit dem Jungen den alten Nörgler nach und nach immer mehr…

ST. VINCENT ist ein echter Glücksfall von einem Film, geht schon nach wenigen Minuten mitten ins Herz und setzt sich dort komplett fest. Aus der Masse dieser kleinen Independent-Produktionen, die in den letzten Jahren so als Gegenpol zum Big-Budget-Blockbuster-Kino entstanden sind, ragt ST. VINCENT deutlich hervor, auch wenn die Moral von der Geschichte natürlich nicht klischeehafter sein könnte und auch das Ende des Films sehr vorhersehbar geraten ist. ST. VINCENT lebt von seinen durch die Bank großartigen Schauspielern. Ob das nun Melissa McCarthy ist, die hier gekonnt gegen ihr Image der schrillen Schreckschraube anspielt, oder Naomi Watts in der Rolle der russischen Prostituierten oder natürlich Filmdebütant Jaeden Lieberher als Oliver, der es schafft, das Herz seines griesgrämigen Nachbarn zu erobern und damit sowohl dessen als auch sein Leben nachhaltig zu verändern. Aus all diesen großartigen Schauspielerleistungen sticht Bill Murray in der Rolle des Vincent jedoch noch mal deutlich hervor. Murray liefert hier eine der besten Darbietungen seiner Karriere ab und wäre in einer besseren Welt für seine Leistung wahrscheinlich mit Preisen überhäuft worden.

ST. VINCENT ist komisch, tragisch, bewegend, berührend und sei hiermit jedem, der sich auch nur im Ansatz für diese kleinen aber feinen Feel-Good-Movies begeistern kann, dringend ans Herz gelegt.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

THE SHIELD: SEASON 7 (USA 2008, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

 In diesen dreizehn Episoden der siebten und letzten Staffel von THE SHIELD versucht der von Michael Chiklis einmal mehr herausragend verkörperte Vic Mackey seine Karriere zu retten und seine Schäfchen endgültig ins Trockene zu bringen. Doch nicht alles läuft wie geplant und es entwickelt sich ein nervenaufreibendes Katz- und Mausspiel…

Das Lob, das ich in meinen bisherigen Einträgen zu THE SHIELD vergeben habe, kann ich auch für diese letzte Staffel nur wiederholen. 13 außerordentlich spannende Folgen erwarten den Zuschauer – und sie alle sind auf ein wirklich großartiges Ende hin konzipiert. Ich möchte mich jetzt gar nicht noch mal groß gebetsmühlenartig über die extrem hohe Qualität dieser Serie auslassen, über ihre tolle Machart im quasi halbdokumentarischen Stil, ihre großartigen Schauspieler, die diesen ganzen streitbaren Charakteren und Typen ein Gesicht verliehen haben, usw., usf.; THE SHIELD hält über sieben Staffeln ein wahrlich herausragendes Seherlebnis bereit und sei hiermit jedem Freund von TV-Serien nachhaltig empfohlen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10