The Movies of March 2017

Hier meine gesammelten Gedanken zu den von mir im März angesehenen Filmen. Die Reihenfolge der Texte entspricht dabei der Reihenfolge des persönlichen Gefallens, wobei die ersten drei Filme sich doch ziemlich deutlich vom Rest abheben.

the neon demon

Ein junges Mädchen aus der Provinz macht in THE NEON DEMON (Dänemark / Frankreich / USA 2016, Regie: Nicolas Winding Refn) bereits kurz nach ihrer Ankunft in Los Angeles große Karriere als Model und zieht dadurch schnell den Neid diverser Konkurrentinnen auf sich, die auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Was an THE NEON DEMON von Anfang an fasziniert ist reine Oberfläche. Ähnlich wie die Welt der Models, in der er spielt, geht es offensichtlich nur um den Schein und weitaus weniger um das Sein. Das wird erst im letzten Drittel zum Thema, wenn Nicolas Winding Refn sein visuelles Zauberwerk schließlich komplett durchdrehen lässt und den Zuschauer schließlich mit offen stehendem Mund in den Abspann entlässt. Ein faszinierendes, berauschendes Werk. Ein Film, in dem jeder Frame perfekt durchkomponiert zu sein scheint, von dem man sich unzählige Screenshots im XXL-Format an die Wand hängen könnte und der mit seiner einzigarten Optik und dem immer wieder treibenden Score von Cliff Martinez eine Symbiose eingeht, die man fast schon als perfekt bezeichnen kann.

Bewertung: 9/10

 

In VIZI PRIVATI, PUBBLICHE VIRTÙ (Italien / Jugoslawien 1976, Regie: Miklós Jancsó) versucht ein aufmüpfiger Thronfolger zu Zeiten des 19. Jahrhunderts seinen Vater immer wieder durch dekadente und ausufernde Feste zu provozieren und zahlt schließlich dafür einen hohen Preis.

Wow, Sexploitation Meets Arthouse-Cinema. Regisseur Miklís Jancsó präsentiert mit seinem provokanten Sittenbild der dekadenten Oberschicht ein ungemein ästhetisch und sinnlich gefilmtes Erotikdrama, welches – trotz viel Detailfreude und Schauwerten in exorbitanter Höhe – mit dem gemeinen Softcore-Schmuddel-Film der 70er Jahre nicht wirklich viel gemeinsam hat. Ob Setting, Kostüme oder Kameraarbeit – insbesondere in technischer Hinsicht ist Jancsós Film schlichtweg brillant und kann alleine schon aufgrund seiner wunderschönen Bilder, die er in einer Tour auf die Leinwand bzw. per Blu-ray auf den heimischen Flatscreen zaubert absolut begeistern.

Bewertung: 9/10

 

Ein homosexuelles Paar wandert in 春光乍泄 | CHUN GWONG CHA SIT (aka Happy Together, Hongkong / Japan / Südkorea 1997, Regie: Wong Kar-Wai) von Hongkong nach Argentinien aus um dort das gemeinsame Glück zu finden, nur um schon sehr schnell herausfinden zu müssen, dass es weder miteinander noch getrennt voneinander leben kann.

Regisseur Wong Kar-Wai zeichnet ein eindringliches Portrait einer dysfunktionalen Liebesbeziehung, eingefangen in einfach nur wunderschöne Bilder und dabei eine zutiefst melancholische Atmosphäre erzeugend, ist das hier ein Film, der einen als Zuschauer praktisch ab der ersten Szene einfach nicht mehr loslässt und bis zum Ende zutiefst bewegt und berührt. Großes Kino!

Bewertung: 9/10

 

 

Vier Gefängnisinsassen haben in LE TROU (Frankreich / Italien 1960, Regie: Jacques Becker) einen scheinbar perfekten Fluchtplan ausgeheckt und müssen sich plötzlich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ein fünfter Sträfling in ihre Zelle verlegt wird, den sie nun wohl oder übel in ihren Plan einweihen müssen.

Beckers Film beruht auf wahren Begebenheiten, als Vorlage diente ein Roman von José Giovanni, der einst selbst an einem Gefängnisausbruch beteiligt war, fast alle Rollen wurden mit Laienschauspielern besetzt, einer der Insassen wird gar von einem ehemaligen Mithäftling Giovannis gespielt. Das alles, die kammerspielartige Inszenierung, der bis zum Abspann gänzliche Verzicht auf einen Score und teils minutenlange Einstellungen ohne Schnitte verleihen dem Film eine unglaubliche Authentizität und machen die Sichtung des Films zu einem ungemein intensiven und spannenden, mitunter aber auch extrem anstrengenden Erlebnis. Beeindruckend.

Bewertung: 8/10

 

Dustin Hoffman spielt in STRAIGHT TIME (USA 1978, Regie: Ulu Grosbard) einen auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassenen Straftäter, der, nachdem ihm eine faire Behandlung verwehrt bleibt, schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Mischung aus Thriller und Drama, die ein ziemlich ernüchterndes Bild der Chancen entlassener Straftäter auf Rehabilitierung Resozialisierung in der Gesellschaft zeichnet. Der von Hoffman gespielte Max Dembo hat im Endeffekt nie eine Chance und wird durch Handlungen seines schmierigen Bewährungshelfers ziemlich schnell wieder auf die schiefe Bahn gebracht. STRAIGHT TIME braucht zwar ein gutes Stück, bis er in Fahrt kommt, lässt den Zuschauer aber spätestens nach ca. der Hälfte der Laufzeit einfach nicht mehr los und bleibt bis zum grandiosen Ende immer spannend. Mit Dustin Hoffman, Theresa Russell, Gary Busey, M. Emmet Walsh, Harry Dean Stanton und Kathy Bates ist der Film zudem exquisit besetzt und der Zeitkolorit des Los Angeles der späten 70er Jahre ist eh durch nichts zu ersetzen.

Bewertung: 8/10

 

In EN MAN SOM HETER OVE (Schweden 2015, Regie: Hannes Holm) wird das Leben eines verbitterten Spießbürgers mit Todessehnsucht durch eine junge Familie, die in das Nachbarschaft der Reihenhaussiedlung zieht, ganz gehörig auf den Kopf gestellt.

Ganz vorzüglich gespielte Tragikomödie aus Schweden, die dem Zuschauer einen scheinbar kompletten Unsympathen als Identifikationsfigur unterjubelt. In diversen Rückblenden erfährt man, warum Ove letztendlich so ist, wie er ist und man kommt als Zuschauer nicht umhin, große Empathie für den grantigen, älteren Herrn zu entwickeln, mögen seine Verhaltensweisen, die er im Lauf der Handlung an den Tag legt, stellenweise auch noch so obskur und verachtenswert sein. Das große Plus von Holms Film ist, dass er über weite Strecken ohne den für solche Geschichten typischen Kitsch auskommt. Ein kleines Minus von EN MAN SOM HETER OVE ist hingegen, dass so manche Ereignisse im Lauf des Films doch etwas arg dick aufgetragen zu sein scheinen. Hier wäre etwas Weniger ganz eindeutig deutlich Mehr gewesen. Diese kleine Schwäche macht dann aber im nächsten Moment der grandiose Rolf Lassgård in der Hauptrolle und der feine, subtile und manchmal auch schwarze Humor, der den Film durchzieht, wieder wett. Alleine diese kurze Szene, in der Ove eine aufdringliche Journalistin kurzerhand in seine Garage sperrt, um seine Ruhe vor ihr zu haben, ist nicht viel weniger als cineastisches Gold.

Bewertung: 8/10

 

Kompletten Irrsinn präsentiert D’WILD WILD WENG (Philippinen 1982, Regie: Eddie Nicart), in dem es der nur etwas über 80 cm große Weng Weng mit einem Fiesling in einer Art Westernstadt aufnimmt und diesen mit seinem “normal“ großen Sidekick gehörig aufmischt.

Wenn es diesen Film nicht geben würde, man müsste ihn einfach drehen. Hier gibt es so eine Masse an Unglaublichkeiten zu bestaunen, dass es wirklich jedem Freund des etwas absurderen Kinos während der Sichtung die eine oder andere Freudenträne in die Augen treiben dürfte. Spätestens wenn im Finale der kleine Held mit einer Gatling Gun und der Hilfe eines kleinwüchsigen Indianerstammes die Schergen des Fieslings – die u.a. aus Samurais und Ninjas bestehen – niedermacht, wähnt man sich im 7. Exploitation-Himmel.

Bewertung: 8/10

 

Ein skrupelloser Weltraumherrscher plant in SPACEBALLS (USA 1987, Regie: Mel Brooks) die Sauerstoffressourcen eines friedlichen Planeten zu rauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne einen wackeren Helden und dessen (halb-)tierischen Weggefährten gemacht.

Es dürfte ca. 25 Jahre her sein, dass ich Brooks’ STAR WARS-Verarsche zum letzten Mal gesehen habe und das jetzige Wiedersehen nach so langer Zeit hat verdammt viel Spaß bereitet. Keine Ahnung, ob echte STAR WARS-Puristen über diesen Film ebenso herzhaft lachen können wie ich – deckt er die kindliche Naivität der Sternenkriegssaga doch gnadenlos auf -, aber das ist am Ende des Tages sowieso nur zweitrangig. SPACEBALLS hat es längst zum Kultfilm geschafft, bietet jede Menge zitier- und erinnerungswürdiger Sequenzen und liefert ein regelrechtes Feuerwerk meist zeitloser Gags ab. Geil!

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Einbruchspezialisten rund um Robert Redford soll in SNEAKERS (USA 1992, Regie: Phil Alden Robinson) für die US-Spionageabwehr ein geheimes Dechiffrierungsprogramm beschaffen und landet dabei in einem riesigen Schlamassel.

Ein Viertel Jahrhundert hat SNEAKERS mittlerweile auf dem Buckel und wenn man ihn sich so ansieht, merkt man, wie sehr sich doch das Blockbusterkino verändert hat. Eine starbesetzte Mischung aus Komödie, Kriminalfilm und Heist Movie wie diese hier würde heutzutage kaum noch realisiert werden. Das wäre viel zu wenig Spektakel für das angestrebte Zielpublikum und es gäbe wohl kaum die Chance, dass dieser Film auch heute noch das Dreifache seines Budgets wieder einspielen könnte. Irgendwie schade, eine gewisse Entschleunigung täte dem jetzigen Mainstream-Kino sicher ganz gut. SNEAKERS ist mit seiner unaufgeregten Art, seiner ebenso spannenden wie witzigen Geschichte und seiner grandiosen Besetzung schon ziemlich toll. Well, they just don’t make ’em like this anymore…

Bewertung: 8/10

 

Um eine der rein ausstattungstechnisch wohl erlesensten Verfilmungen der Geschichte des wohl berühmtesten Vampirs aller Zeiten handelt es sich bei BRAM STOKER’S DRACULA (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola).

Eine beeindruckende Besetzung, die fast zwangsläufig große Schauspielkunst liefert, edel ausgestattete Kulissen und Settings – das sieht schon alles nach richtig großem Kino aus, was Coppolas Film ja natürlich auch ist. Umso schöner, dass bei all der Größe nicht vergessen wurde, dass das hier eine Horrorgeschichte und kein Kostümball ist. Die Atmosphäre ist ungemein dicht und wirkt oft auch durchaus bedrohlich. Die Effekte sind teils ausgesprochen krude ausgefallen und Coppola geizt weder mit blutigen Details noch mit nackten Tatsachen. Und Szenen wie die in der Irrenanstalt, kann man sich heute – 25 Jahre später – in einer größeren Studioproduktion mit einer solchen Besetzung nicht mehr wirklich vorstellen.

Bewertung: 8/10

 

Ein goldenes Ticket gewährt fünf glücklichen Gewinnern in WILLY WONKA & THE CHOCOLATE FACTORY (USA 1971, Regie: Mel Stuart) Zutritt zu einer geheimnisvollen Schokoladenfabrik, in der alle Kinderträume wahr zu werden scheinen.

Herrlich skurrile Mischung aus Kinderfilm, Musical und Fantasyfilm. In kunterbunten Settings bekommt das junge Zielpublikum eine positive Botschaft – Wahrheit zahlt sich aus – vermittelt und als Erwachsener kann man sich an jeder Menge obskurer Einfälle und einem bestens aufgelegten Gene Wilder als mysteriösen Fabrikbesitzer erfreuen.

Bewertung: 8/10

 

 

Ein Medizinstudent entdeckt in BEZETEN – HE GAT IN DE MUUR (Deutschland / Niederlande 1969, Regie: Pim de la Parra) in seiner Bude ein Loch in der Wand, durch das sich ganz vorzüglich das auffällige Treiben in der Nachbarwohnung beobachten lässt.

Voyeurismus, Besessenheit, Drogen, Mord – die deutsch-niederländische Ko-Produktion geizt weder mit Schauwerten noch mit Spannung und präsentiert ein buntes Potpourri teils extrem sleaziger Abgründe. Hauptdarstellerin Alexandra Stewart, die hier die Freundin des Voyeurs spielen und mit diesem so einiges mitmachen muss, ist eine Augenweide und lohnt alleine schon die Sichtung des Films. Und für das Drehbuch zeichnete übrigens ein gewisser Herr Scorsese mitverantwortlich.

Bewertung: 7/10

 

Roy Scheider als Geheimagent, der in LAST EMBRACE (USA 1979, Regie: Jonathan Demme) verschiedenen Anschlägen und Morddrohungen ausgesetzt ist und auf eigene Faust versucht, herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet.

Unbedingt sehenswerter Film aus der früheren Schaffensphase von Jonathan Demme, der hier einen grundsoliden Thriller mit Mystery-Touch abgeliefert hat und der sich insbesondere durch seinen langsamen Spannungsaufbau und einer Atmosphäre stetigen Unbehagens auszeichnet. Toll auch der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der späten 70er Jahre und die bis in die kleinsten Nebenrollen mit bekannten Gesichtern – neben Roy Scheider spielen u.a. Charles Napier, Christopher Walken, John Glover, Sam Levene, David Margulies, Max Wright und Joe Spinell mit – gespickte Besetzungsliste.

Bewertung: 7/10

 

Ein von Kurt Russell angeführtes Quartett begibt sich in BONE TOMAHAWK (USA 2015, Regie: S. Craig Zahler) zu Zeiten des Wilden Westens auf die Suche nach der verschleppten Frau des örtlichen Rinderbarons.

Zu viele Vorschusslorbeeren tun oft auch nicht gut. Dieses unglaubliche Meisterwerk, als welches Zahlers Film vielerorts gefeiert wurde, ist er dann am Ende halt doch nicht. Aber Kurt Russell spielt die männliche Hauptrolle, was schon fast zwangsläufig dazu führt, dass dieser Kannibalen-Western ein ziemlich guter Film geworden ist. Besonders gefallen hat mir die wundervolle Kameraarbeit und wie die teils melancholische Grundstimmung des Films immer wieder durch plötzliche Gewalteruptionen erschüttert wird. Schwächen hat BONE TOMAHAWK vor allem im Mittelteil, wenn manchmal einfach zu wenig Abwechslungsreiches passiert um die Spannung wirklich hochhalten zu können.

Bewertung: 7/10

 

Ganz wunderbare Gruselatmosphäre gibt’s in THE CITY OF THE DEAD (Großbritannien 1960, Regie: John Llewellyn Moxey), in dem eine Studentin in einem abgelegenen Dorf Erkundungen zu Hexenritualen anstellen will.

Ein unheimlicher Hexenkult, ein nebelverhangenes Nest im Nirgendwo, Kellerverliese voller Spinnweben, Christopher Lee in einer undurchsichtigen Rolle und pünktlich zur Halbzeit des Films ein Plottwist, den man so nicht unbedingt erwartet hätte. Fans klassischen Gruselkinos machen hier definitiv nichts falsch.

Bewertung: 7/10

 

Bela Lugosi verwandelt Menschen mittels eines Elixiers in WHITE ZOMBIE (USA 1932, Regie: Victor Halperin) in willenlose Kreaturen und soll mit dieser Gabe auch einem reichen Schnösel behilflich sein, damit dieser die Frau seiner Träume für sich besitzen kann.

Visuell beeindruckendes und atmosphärisch ungemein dichtes Gruselkino aus den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bela Lugosi muss im Endeffekt nur anwesend sein um ein kreuzunheimliche Stimmung zu verbreiten, die Verwendung diverser Horror-Settings (u.a. aus DRACULA und FRANKENSTEIN) der Universal Studios ist für das Erzeugen dieser Stimmung natürlich auch bestens geeignet und die experimentelle Kameraarbeit und die tollen Make-Up-Effekte tun ihr Übriges, um aus Halperins Film – auch aus heutiger Sicht –  einen unbedingt sehenswerten Vertreter des klassischen Gruselkinos zu machen.

Bewertung: 7/10

 

Prince spielt sich in dem halbautobiografisch angelegten PURPLE RAIN (USA 1984, Regie: Albert Magnoli), in dem ein junger Musiker versucht, durch regelmäßige Auftritte in einem angesagten Club groß rauszukommen, im Endeffekt selbst und macht dabei natürlich vor allem in den zahlreichen Konzertsequenzen eine richtig gute Figur. Der Story rund um diese Konzertszenen ist fast zwangsweise etwas klischeebehaftet und lässt in ihrem Verlauf keine großartigen Überraschungen zu. Aber wer will das den Machern schon verdenken? Die Konzertszenen sind atemberaubend, der Titelsong ein einziger magischer Moment und mit dem Einsatz des Überhits “When Doves Cry“ gibt’s auch mindestens eine erinnerungswürdige Szene, die nicht im oder auf der Bühne des Clubs spielt.

Bewertung: 7/10

 

Blake Lively wird in THE SHALLOWS (USA 2016, Regie: Jaume Collet-Serra) von einem Hai angegriffen und kann sich gerade noch auf einen Felsen retten, der allerdings nur bis zum Einsetzen der Flut Schutz bieten kann.

Nachdem das Subgenre des Hai-Films in den letzten Jahren praktisch komplett in den Sümpfen absurdester B- und C-Movies versunken ist, bringt THE SHALLOWS wieder so etwas wie Seriosität ins Genre zurück. Collet-Serra legt seinen Film als Kammerspiel unter freiem Himmel an. Das Natursetting ist atemberaubend, der Raum extrem begrenzt und der aggressiv seine Runden drehende Hai stellt tatsächlich eine permanente Bedrohung dar. Blake Lively macht ihre Sache als schwer verletzte Surferin auf diesem kleinen Felsen richtig gut und die sich stetig steigernde Spannung entlädt sich schließlich in einem fast schon etwas zu spektakulären Finale, in dem Collet-Serra dann doch etwas die Gäule durchgegangen sind und in dem die CGI-Effekte auch nicht immer die allerbeste Figur machen.

Bewertung: 7/10

 

In IS YOUR HONEYMOON REALLY NECESSARY? (Großbritannien 1953, Regie: Maurice Elvey) steht ein frisch verheirateter Ehemann in seiner Hochzeitsnacht plötzlich mit zwei Ehefrauen da.

Diese Geschichte des frisch verheirateten Ehemannes, der ausgerechnet in seiner Hochzeitsnacht feststellen muss, dass die Scheidung seiner vorherigen Ehe nie rechtskräftig geworden ist und nun – da seine Ex- bzw. Noch-Ehefrau plötzlich an seiner Tür klingelt – alle Hände voll damit zu tun hat, diese Angelegenheit vor seiner neuen Ehefrau zu vertuschen, ist natürlich ganz vorzüglich geeignet, den Zuschauer mit jeder Menge Verwechslungen, Albernheiten und absurden Ausflüchten über knapp 80 Minuten bei der Stange zu halten und ihm ausgesprochen kurzweilige und witzige Unterhaltung zu liefern. Ein diebischer Spaß.

Bewertung: 7/10

 

In the THE SECRET LIFE OF PETS (Japan / USA 2016, Regie: Chris Renaud / Yarrow Cheney) gehen während eines Spaziergangs zwei um die Gunst ihres Frauchens rivalisierende Hunde verloren und sehen sich plötzlich den Gefahren des wilden Lebens in den Straßen von New York ausgesetzt.

Für Liebhaber von Animationsfilmen ist ja schon seit einigen Jahren ein goldenes Zeitalter angebrochen. War diese Sparte früher – zumindest was die US-Produktionen angeht – fest in der Hand von Disney/Pixar, gibt es mittlerweile jede Menge Studios, die auf den Erfolgszug aufgesprungen sind und jede Menge gute Filme raushauen. Auch mit der Sichtung von PETS, von den Machern der DESPICABLE ME-Filme, macht man sicher nichts falsch. Renau und sein Co-Regisseur präsentieren extrem kurzweilige und rasante Action und eine Menge wirklich gelungener Gags. Der größte Pluspunkt des Films ist jedoch die feine Beobachtungsgabe, welche die Macher bei der Animation der Haustiere bewiesen haben. Jeder Halter eines Haustieres dürfte dem bunten Treiben in nicht wenigen Szenen mit einem fetten Grinsen beiwohnen. Ja, diese verrückten Viecher verhalten sich auch im echten Leben nicht viel anders als ihre animierten Freunde.

Bewertung: 7/10

 

In der dystopischen Zukunft des Jahres 2050 wird die USA von Konzernen regiert und das Volk in ROGER CORMAN’S DEATH RACE 2050 (USA 2017, Regie: G.J. Echternkamp) mit einem ultrabrutalen Autorennen bei Laune gehalten.

DEATH RACE 2000 aus dem Jahr 1975 war einer der ganz großen Hits von Produzent Roger Corman. Nachdem in den letzten Jahren bereits ein Remake und zwei Sequels hierzu das Licht der Leinwände bzw. Flatscreens erblickten, hat Roger Corman – mittlerweile 90 Jahre alt (!) – es sich nicht nehmen lassen, ein eigenes Remake seines Klassikers zu produzieren. Und dieses Remake dürfte vor allem einem etwas unbedarfteren Publikum die Haare zu Berge stehen lassen. DEATH RACE 2050 ist eine komplett überspitzte und bitterböse Satire auf den American Way of Life und präsentiert mit Malcolm McDowell als Präsident der Vereinten Konzerne von Amerika eine grelle Donald-Trump-Parodie, die nun – nachdem der Mann mit der verrückten Frisur tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde – eine noch größere Wirkung erzielt als sich die Macher damals beim Dreh gedacht haben dürften. Unbedingt positiv hervorzuheben wäre noch, dass auch bei diesem Film die Handschrift von Corman als Produzent unverkennbar zu erkennen ist. Es ging bei ihm nie ausschließlich um grelle Exploitation mit exorbitanten Schauwerten, es ging auch immer um die Figuren, die seine wilden Geschichten bevölkerten und diesem Stil ist er sich auch hier treu geblieben. Die einzige und wohl auch eklatanteste Schwäche des Films ist der heutigen Zeit, seinem sicher extrem niedrigen Budget und den technischen Möglichkeiten geschuldet, die hier einfach aufgrund Geldmangels nicht ausgenutzt werden konnten. Die 70er Jahre sind vorbei, der Charme und die Atmosphäre, die die damaligen Filme allein aufgrund ihrer Entstehungszeit ausgemacht haben, können mit teils grottenhässlichen CGI-Effekten einfach nicht reproduziert werden. Corman-Aficionados wie ich selbst es einer bin erfreuen sich natürlich trotzdem an den Film. Denn tief unter den missratenen Effekten ist ein großes Herz begraben, das definitiv an der richtigen Stelle schlägt.

Bewertung: 7/10

 

Prince als verführerischer Barpianist, der sich in UNDER THE CHERRY MOON (USA 1986, Regie: Prince) an der französischen Riviera von reichen Frauen aushalten lässt und auf einem seiner Beutezüge plötzlich die wahre Liebe findet.

Bereits diese kurze Skizzierung der Handlung dürfte klar machen, dass Prince in seinem zweiten Kinofilm – bei dem er auch gleich Regie führte – auf große Gefühle und großen Kitsch setzt. Hier ist wirklich alles komplett over the top; sei es das Produktions- und Kostümdesign, der Plot, das exaltierte Getue des Hauptdarstellers und die wirklich wunderbar anzusehende Schwarz/Weiß-Fotografie von Kameramann Michael Ballhaus (die in gewisser Weise jedoch auch dazu führt, den Film – der auch irgendwie komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint – zumindest noch halbwegs am Boden zu halten; in Farbe würde wohl die Leinwand bzw. der Bildschirm des heimischen TVs explodieren). Aber irgendwie funktionieren dieser ganze Kitsch und diese ganzen Übertreibungen erstaunlich gut. Man ist als Zuschauer geneigt, diesem Film einfach verdammt viel zu verzeihen und lässt sich nur zu gerne von diesem campy Märchen einlullen und verzaubern. Und das Ende ist der Knaller!

Bewertung: 7/10

 

Eine Astronomin hat in THE MAFU CAGE (USA 1978, Regie: Karen Arthur) alle Hände voll zu tun, um ihre jüngere Schwester, die spätestens seit dem plötzlichen Tod des gemeinsamen Vaters extreme Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legt, irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Einer dieser Filme, die heutzutage in dieser Form einfach nicht mehr entstehen könnten. THE MAFU CAGE verbindet ein psychologisches Drama rund um eine schwer dysfunktionale Beziehung zweier Schwestern mit Horrorelementen und ist über seine komplette Laufzeit einfach nur extrem seltsam, aufgrund dieser Tatsache aber auch wieder absolut faszinierend.

Bewertung: 7/10

 

Kim Basinger als Bankräuberin, die in THE REAL MCCOY (USA 1993, Regie: Russell Mulcahy) nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf Bewährung eigentlich ein normales Leben führen will, durch widrige Umstände aber zu einem allerletzten Bankraub gezwungen wird.

Typisches Kino der 90er Jahre, hier als Mischung aus Heist Movie und Familiendrama angelegt und mit Kim Basinger, Val Kilmer und Terence Stamp ganz vorzüglich besetzt. Im Verlauf der Handlung gibt’s zwar Logiklöcher die so tief sind wie die Schluchten des Grand Canyon, wenn man ein Faible für Kino dieser Art hat, kann man da aber locker drüber hinwegsehen. Ich mag den Film.

Bewertung: 7/10

 

Zac Efron begibt sich mit seinem Großvater Robert De Niro in DIRTY GRANDPA (USA 2016, Regie: Dan Mazer) auf einen Road Trip, der seine Zukunft nachhaltig verändern soll.

Was auf den ersten Blick wie eine weitere, niveaulose Gross-Out-Komödie aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung sogar als ziemlich guter Film. Natürlich gibt es derben Humor unter der Gürtellinie und deftige Zoten, es gibt aber auch nicht wenige Momente der ruhigeren Sorte. Im Endeffekt geht es um das Treffen richtiger Entscheidungen und das Wahrnehmen zweiter Chancen. Klar, vielleicht ist das alles etwas zu klischeehaft und platt geraten, aber allein dabei zuschauen zu können, welchen riesigen Spaß De Niro an dieser für ihn doch eher ungewöhnlichen Rolle gehabt haben dürfte, macht den Film schon sehenswert.

Bewertung: 7/10

 

Heinz Erhardt versucht als Vorstandsvorsitzender eines hochverschuldeten Fußballvereins in WILLI WIRD DAS KIND SCHON SCHAUKELN (Deutschland 1972, Regie: Werner Jacobs) gegenüber seiner in Brasilien lebenden Schwester – um deren großzügige Mitgiftversprechen der Vereinskasse überführen zu können – mit Hilfe von Fotomontagen vorzutäuschen, dass seine drei Töchter geheiratet hätten, landet mit dieser Masche aber ganz schnell im tiefsten Schlamassel nachdem sich seine Schwester kurzfristig zu einem Heimatbesuch angekündigt hat.

Einer der Erhardt-Filme, die auch nach vielen Jahrzehnten noch ganz vorzüglich funktionieren. Weil hier tatsächlich eine echte Geschichte erzählt wird und nicht nur einzelne Episoden aneinandergereiht werden. Weil Erhardt hier nicht den kompletten Alleinunterhalter geben muss und sein Wortwitz nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern fester Bestandteil der Handlung ist. Und weil diese Verwechslungsgeschichte so extrem schwungvoll und kurzweilig inszeniert ist, dass sie einem auch heute einfach nur verdammt viel Spaß bereitet.

Bewertung: 7/10

 

Terence Hill und Bud Spencer verschlägt es als zerstrittenes Duo in CHI TROVA UN AMICO TROVA UN TESORO (Italien / USA 1981, Regie: Sergio Corbucci) auf eine einsame Insel, auf der angeblich ein Schatz begraben sein soll.

Ein komplett grenzdebiler Beitrag aus dem Spencer/Hill-Kosmos, der nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute enorm viel Laune verbreitet, ein hohes Tempo geht und in der deutschen Vertonung mit einer Gaga-Synchro gesegnet ist, die einem vor Fremdscham ein ums andere Mal die Röte in die Wangen treibt. Ich fand das bunte Treiben vielleicht auch gerade deshalb jedoch extrem kurzweilig und verdammt unterhaltsam.

Bewertung: 7/10

 

 

Chris Hemsworth und Jessica Chastain versuchen in THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR (USA 2016, Regie: Cedric Nicolas-Troyan) zu verhindern, dass das sich in Charlize Theron und Emily Blunt personifizierte Böse die Macht über einen magischen Spiegel erlangt.

Wirklich ausgesprochen nett anzusehendes Fantasy-Abenteuer, welches vor allem durch seine Besetzung, seine teils atemberaubenden Bilder und sein tolles Production Design zu überzeugen weiß. Großartige Überraschungen darf man sich von der erzählten Geschichte erwartungsgemäß nicht erhoffen, wer Lust auf einen kurzweiligen Snack aus Action, Fantasy und Humor haben sollte, darf hier aber auf jeden Fall gerne zugreifen. Ein Film für verregnete Sonntagnachmittage.

Bewertung: 6/10

 

Nachdem seine Schwester samt Familie bei ihm eingezogen ist, wird für Heinz Erhardt als Finanzbeamter im Ruhestand in UNSER WILLI IST DER BESTE (Deutschland 1971, Regie: Werner Jacobs) das Geld knapp und er ist gezwungen, einen Job als Vertreter von Elektrogeräten anzunehmen.

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen. Hier verbreitet er als Vertreter diverser Haushaltsgeräte in stimmig aneinandergereihten Episoden das komplette Chaos und als Zuschauer und Freund eskapistischen Blödsinns lehnt man sich grinsend auf der Couch zurück und harrt der Dinge, die da so kommen mögen. Großartige Überraschungen darf man natürlich nicht erwarten. Der Meister des Wortspiels wirft einmal mehr die Kalauerkanone an, feuert damit aus allen Rohren, stiftet heilloses Durcheinander und steht am Ende – wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat – doch als strahlender Sieger da.

Bewertung: 6/10

 

In seinem letzten Auftritt als Gendarm gehen Louis de Funès und seinen in LE GENDARME ET LES GENDARMETTES (Frankreich 1982, Regie: Jean Girault) vier junge Politessen verloren, die den schusseligen Polizisten zur Ausbildung anvertraut wurden.

Der letzte Auftritt von de Funès als Gendarm war dann leider auch der letzte Leinwandauftritt des französischen Komikers überhaupt. Nur knapp 4 Monate nach dem französischen Kinostart dieses Films starb de Funès im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als Fan des Komikers hätte man ihm sicher einen besseren letzten Film gewünscht als diesen hier. Man kann zwar auch diesem insgesamt sechsten Gendarm-Film einen gewissen – mitunter auch durchaus hohen – Unterhaltungswert nicht absprechen, der präsentierte Klamauk bietet jetzt allerdings nicht wirklich großartig neues. Die aus den vorherigen Filmen bekannten Muster und Klischees werden brav abgearbeitet und von Highlights wie OSCAR oder JO ist de Funès’ letzter Film qualitativ leider meilenweit entfernt.

Bewertung: 6/10

 

 

Jake Gyllenhaal und Ben Kingsley liefern sich in PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME (USA 2010, Regie: Mike Newell) ein abenteuerliches und actionreiches Wettrennen um einen magischen Dolch.

Seltsam sterile Videospieladaption, die dem Zuschauer zwar über die knapp 2-stündige Laufzeit immer etwas zu bieten versucht, der es aber dennoch praktisch zu keiner Sekunde gelingt, den Zuschauer so für sie zu interessieren, dass dieser irgendeine Beziehung zum Film, zur erzählten Geschichte oder zu den handelnden Personen aufbauen könnte. Newells Wüsten-Abenteuer fließt an einem vorbei, die diversen Actionszenen wirken bald schon ermüdend und während der Abspann läuft, kann man sich fast schon nicht mehr daran erinnern, um was es in dem Film nun eigentlich gegangen ist.

Bewertung: 5/10

 

 

Ex-Basketball-Superstar Dennis Rodman als Geheimagent, der sich in SIMON SEZ (Belgien / Deutschland / USA 1999, Regie: Kevin Elders) mit einem ebenso verrückten wie gefährlichen Waffenhändler anlegt.

Was Regisseur Kevin Elders da eigentlich genau gedreht hat, dürfte er wahrscheinlich selbst nicht wissen. Vielleicht sollte der Film eine überdrehte Agentenfilmparodie werden. Ich habe keine Ahnung, was er letztendlich geworden ist. Der Film sieht aus, als habe man Bewusstseinsströme verschiedener Kleinkinder abgefilmt und wild durcheinander gemischt. Nichts ergibt wirklich Sinn, nicht wenige Sequenzen laden zur Fremdscham ein und wenn nach knapp 80 Minuten schließlich der Abspann einsetzt, raucht einem als Zuschauer aufgrund des dargebotenen Unfugs regelrecht der Kopf. Immerhin haben es ein paar nette Action- und Kampfchoreographien in den Film geschafft und Langeweile kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Am Ende des Tages ist das Teil hier natürlich nur für filmische Allesfresser noch halbwegs interessant und goutierbar.

Bewertung: 4/10

Werbeanzeigen

The Movies of January 2017

In den letzten Monaten hatte ich leider weder die Zeit noch die Muse, diesen Blog hier weiterzuführen. Um ihn nicht komplett einschlafen zu lassen, gibt es nun – so zumindest der Plan – immer am Monatsende eine kleine Rückschau auf meinen persönlichen Filmmonat mit ein paar losen Gedanken zu den gesehenen Filmen.

 

Im Januar 2017 stachen für mich insbesondere 4 Filme heraus, die ich allesamt als herausragend bezeichnen möchte:

hell-or-high-water

Mein persönliches Filmhighlight im Januar war HELL OR HIGH WATER (USA 2016, Regie: David Mackenzie), in dem Ben Foster und Chris Pine als Brüderpaar im ländlichen Texas Banken ausrauben um mit dem erbeuteten Geld den Familienbesitz in Form einer Farm zu retten. Alles geht gut, bis die beiden zu unvorsichtig werden und sich mit Jeff Bridges ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger an ihre Fersen heftet, der als letzte Amtshandlung die Bankräuber unbedingt zur Strecke bringen will.

Der Film lebt von seinen drei phantastischen Hauptdarstellern, seiner tollen Kameraarbeit, seinem wundervollen Score von Nick Cave und Warren Ellis, seiner behutsam die Spannungsschraube immer mehr anziehenden Geschichte und seiner ungemein intensiven Atmosphäre.

 

RAMPART (USA 2011, Regie: Oren Moverman), in dem Woody Harrelson einen dreckigen Cop spielt, der ins Visier der Abteilung für Innere Angelegenheiten gerät, war der zweitbeste Film, den ich im Januar gesehen habe.

Ein ungemein intensiv und glaubwürdig gespieltes Cop-Drama, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Am Ende des Tages machen dann wohl doch die Schauspieler den Unterschied zwischen herausragenden, sehr guten, guten, durchschnittlichen und eher schlechten Filmen aus. In RAMPART spielen neben Woody Harrelson u.a. Robin Wright, Ned Beatty, Sigourney Weaver, Steve Buscemi, Anne Heche, Cynthia Nixon, Brie Larson, Ben Foster, Robert Wisdom und Ice Cube mit. Noch Fragen?

 

Platz 3 des persönlichen Januarrankings geht an SING STREET (Großbritannien / Irland / USA 2016, Regie: John Carney), in dem sich ein Teenager im Dublin der 80er Jahre Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt und kurzerhand eine Band gründet, um die Angebetete für sich zu gewinnen.

Nach ONCE und BEGIN AGAIN spielt auch im dritten Film von Regisseur John Carney die Musik bzw. die Liebe zur Musik die heimliche Hauptrolle. Wer insbesondere mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich bei diesem Film von Beginn an einfach nur wohl fühlen. Der Soundtrack ist göttlich und für seine Geschichte findet Carney genau die richtige Balance zwischen tragischen und komischen Momenten.

 

Beim vierten hervorragenden Film des vergangenen Monats handelt es sich um BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua), der die Geschichten dreier verschiedener Polizisten in den Straßen von Brooklyn erzählt.

Ethan Hawke versucht dabei während teils waghalsiger Einsätze schmutziges Geld auf die Seite zu schaffen, um seiner Familie ein besseres Leben zu bieten, Richard Gere ist als desillusionierter Polizist kurz vor dem Ruhestand zu sehen, der lieber mal in die andere Richtung schaut um jeglichen Ärger kurz vor der Pensionierung aus dem Weg zu gehen und Don Cheadle ist der Undercover-Cop, bei dem die Grenzen zwischen Dienstpflicht und den Verlockungen des organisierten Verbrechens langsam zu verschwimmen drohen.

Erwartungsgemäß nicht ganz ohne Klischees auskommend lässt Regisseur Fuqua seine drei parallel und teils extrem ruhig erzählten Handlungsstränge unaufhaltsam auf ein Finale zulaufen, welches an Intensität kaum zu überbieten ist.

 

 

Sehr gut gefallen haben mir folgende Filme:

Den Anfang macht FEDORA (Deutschland / Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder), in dem William Holden als klammer Filmproduzent versucht, eine zurückgezogen lebende Filmdiva aus vergangenen Tagen ausfindig zu machen und diese zu einem Comeback zu überreden. Dabei stößt er auf einige Geheimnisse.

Knapp 30 Jahre nach seinem Meisterwerk SUNSET BLVD. griff Billy Wilder mit FEDORA noch einmal das Thema Traumfabrik auf und besetzte seinen Film abermals mit William Holden in der männlichen Hauptrolle, der sich erneut mit einer alternden Filmdiva herumschlagen musste. Hier nun allerdings mit umgekehrten Voraussetzungen. Sollte Holden knapp 30 Jahre zuvor noch für die Diva arbeiten, versucht er nun eine solche davon zu überzeugen, für ihn vor die Kamera zurückzukehren. Natürlich kommt man nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen und fast zwangsläufig muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass FEDORA in diesem Vergleich nur als zweiter Sieger hervorgehen kann. Die große Klasse eines SUNSET BLVD. erreicht der Film leider nie, was aber natürlich nichts daran ändert, dass es sich auch bei Wilders vorletzter Regiearbeit um einen sehr guten Film handelt. Wegen seiner überzeugenden Schauspieler, wegen des südländischen Flairs, das er verbreitet, wegen seines Mystery-Touchs und nicht zuletzt, weil er diese unausweichliche Problematik der Showbranche, mit dem Alter nicht klar zu kommen und alles für die ewige Jugend zu tun, ausgesprochen überzeugend auf die Leinwand bringt.

 

Ein sehr guter Film ist auch ZOOTOPIA (USA 2016, Regie: Byron Howard / Rich Moore / Jared Bush) aus dem Hause Disney/Pixar geworden, in dem ein Kaninchen allen Widerständen zum Trotz seinen Traum verwirklicht und als Polizeibeamtin Furore macht.

Besonders zu erwähnen ist, dass ZOOTOPIA einfach auf der richtigen Seite steht und seinem jungen Zielpublikum auf einfache Art und Weise eine positive und zutiefst humanitäre Botschaft vermittelt. Und das nicht mit dem Vorschlaghammer oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf ausgesprochen rasante, spannende und lustige Art und Weise.

 

Sehr gut und komplett außergewöhnlich ist THE LOBSTER (Frankreich / Griechenland / Großbritannien / Irland / Niederlande 2015, Regie: Yorgos Lanthimos) geraten, in dessen nicht allzu fernen Zukunft alleinstehende Menschen in ein Hotel gebeten werden, in dem sie 45 Tage Zeit haben, um einen neuen Partner fürs Leben zu finden, andernfalls werden sie in ein Tier verwandelt. Zu den Betroffenen gehört auch Colin Farrell, der in einen Hummer verwandelt werden soll und kurz vor Ablauf seiner Zeit verzweifelt nach Alternativen sucht.

Stellenweise ist THE LOBSTER zwar vielleicht etwas zu bemüht skurril geraten, insgesamt betrachtet stellt diese krude Mischung aus Komik, Spannung und Dramatik aber eine willkommene Abwechslung zum üblichen Mainstream-Einheitsbrei dar, begeistert zudem mit teils atemberaubend schönen Kameraeinstellungen und einem Colin Farrell in Höchstform in einer für ihn ausgesprochen ungewöhnlichen Rolle.

 

Das Prädikat “sehr gut“ hat sich auch LE GENDARME DE SAINT-TROPEZ (Frankreich / Italien 1964, Regie: Jean Girault) verdient, der Auftaktfilm der Gendarm-Reihe mit Louis de Funès, in dem er von einem beschaulichen kleinen Ort, den er mit eiserner Faust regiert hatte, ins weltoffene Saint Tropez versetzt wird und dort allerhand Chaos anrichtet.

Neben de Funès, der mal wieder voll in seinem Element ist, möchte ich hier unbedingt noch die bezaubernde Geneviève Grad in der Rolle seiner Tochter erwähnen, die ihre Sache als ebenso charmanter wie attraktiver Gegenpol zum cholerischen Hauptdarsteller richtig gut macht und so dafür sorgt, dass Giraults Film nicht zur kompletten Ein-Mann-Show verkommt.

 

Mit THE RAVEN (USA 1935, Regie: Lew Landers) habe ich mich ins klassische Gruselkino der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begeben. Bela Lugosi spielt einen genialen Chirurgen, den die nicht erwiderte Liebe einer jungen Frau zu drastischen Taten animiert.

Als Gegenpart zu Lugosi ist mal wieder Boris Karloff mit von der Partie, die Atmosphäre ist unheimlich und das Finale hat es tatsächlich ziemlich in sich. Für Fans solcher Filme gibt’s ‘ne ganz dicke Empfehlung.

 

 

Zwar nicht mehr sehr gut, aber doch immer noch gut haben mir folgende Filme gefallen:

THE VISIT (USA 2015, Regie: M. Night Shyamalan) erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares, welches zum ersten Mal in seinem Leben für eine Woche zu Besuch bei seinen Großeltern ist und schon bald mit außerordentlich seltsamen Verhaltensweisen der Großeltern konfrontiert wird.

Eigenwillige Kameraperspektiven – der komplette Film ist im Doku-Look gedreht -, obskurer Humor mit teils urkomischen Sequenzen und dann auch immer wieder eine Atmosphäre des Unbehagens. Shyamalan macht sich mal wieder einen Spaß daraus, das 08/15-Blockbuster-Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Auf seine ganz eigene Art und Weise schon irgendwie ein diebischer Spaß, dieser Film.

 

Bud Spencer ist der titelgebende BANANA JOE (Deutschland / Italien 1982, Regie: Steno), dessen unbekümmerter Bananenhandel von finsteren Burschen torpediert wird, denen er für ein geplantes Großprojekt ein Dorn im Auge ist. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, wird eine Erlaubnis benötigt. Und diese zu beschaffen ist komplizierter als gedacht.

Ich habe mir schon in den ganzen letzten Monaten immer mal wieder Filme mit Bud Spencer angesehen und musste dabei feststellen, dass so richtig gut eigentlich nur die Filme funktioniert haben, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Der Nostalgiefaktor halt. Stenos Film kannte ich vorher auch noch nicht und der hat trotzdem funktioniert. Denn wie Bud Spencer hier in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben wird ist über weite Strecken einfach nur zum Schreien komisch.

 

In TAKE THIS WALTZ (Japan / Kanada / Spanien 2011, Regie: Sarah Polley) lässt sich Michelle Williams auf eine Affäre mit ihrem Nachbarn ein und betrügt dabei ihren Ehemann Seth Rogen.

Durchaus glaubwürdige und einfühlsame Geschichte einer Ehe, in die sich zu viel Routine eingeschlichen hat. Gut an dem Film ist vor allem die Tatsache, dass der Plot einen für Filme dieser Art eher untypischen Verlauf nimmt. Schön auch zu sehen, dass Seth Rogen weitaus mehr kann als nur den Pausenclown zu spielen. Als betrogener und komplett hilfloser Ehemann macht er seine Sache aber mal richtig gut.

 

In CENTRAL INTELLIGENCE (USA 2016, Regie: Rawson Marshall Thurber) trifft Kevin Hart, der ehemalige Star seiner Highschool, kurz vor der 20-Jahr-Feier auf seinen ehemaligen Mitschüler Dwayne Johnson, dem einst pummeligen Außenseiter, der ihn um einen Gefallen bittet, was für Hart bleihaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Ja, doch, mein Faible für Filme, in denen ein Normalo aufgrund Verkettung unglücklicher Ereignisse in einen gehörigen Schlamassel gerät und praktisch über sich hinauswachsen muss, um diesem wieder zu entkommen, kann ich definitiv nicht verleugnen. CENTRAL INTELLIGENCE schlägt genau in diese Kerbe, fügt dem ganzen noch einen Schuss Buddy-Movie-Theatralik hinzu und hat mich auf diese Weise richtig gut unterhalten. Thurber hat seinen Film rasant inszeniert, eine Vielzahl der Gags funktioniert, die vorhandenen Actionszenen sind ausgesprochen nett anzusehen und die Chemie zwischen Hart und Johnson passt wie die Faust aufs Auge. Guter Film!

 

In seinem zweiten Auftritt als Polizist verschlägt es Louis de Funès in LE GENDARME À NEW YORK (Frankreich / Italien 1965, Regie: Jean Girault) nach New York, wo er mit seinem Vorgesetzten und seinen Männern an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt und schon schnell mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sich seine Tochter verbotenerweise ebenfalls mit in die amerikanische Metropole geschmuggelt hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist dieser zweite Teil für meinen Geschmack etwas arg episodenhaft geraten und wirkt weitaus weniger homogen als der Auftaktfilm der Reihe. Diebischen Spaß macht dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen de Funès und seiner erneut bezaubernden Filmtochter Geneviève Grad natürlich trotzdem und die eine oder andere Länge, die sich da ab und zu einzuschmuggeln droht, wird von de Funès und seinen unnachahmlichen Grimassen immer und immer wieder zuverlässig übertüncht.

 

Jean-Claude Van Damme versucht in MAXIMUM RISK (USA 1996, Regie: Ringo Lam) den Mord an seinem Zwillingsbruder aufzuklären.

Ein Film, über den man keine großen Worte verlieren muss. Ringo Lam präsentiert routinierte 90er-Jahre-Action. Der Film ist rasant, spannend und wird nie langweilig. Kino dieser Art wird heutzutage leider viel zu selten gedreht.

 

Bei RENEGADES (USA 1989, Regie: Jack Sholder), in dem sich Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips als ungleiches Gespann zusammenraufen müssen um einen skrupellosen Killer zur Strecke zu bringen, handelt es sich um grundsolide und schnörkellose Action aus den späten 80er Jahren.

Die beiden Hauptdarsteller gehörten damals zu den großen Hoffungsträgern ihrer Schauspielergeneration und geben in der kurzweiligen Mischung aus Jagd/Flucht- und Racheszenario, in der der damals im Actionfilm schon langsam obligatorisch werdende Humor erfreulicherweise noch fast gänzlich abwesend ist, ein überzeugendes Gespann auf der Jagd nach einem herrlich schmierigen Bösewicht. Das Ganze ist zwar nicht übermäßig spannend geraten, Fans solcher Filme dürfen sich dafür aber an ein paar spektakulären Verfolgungsjagden und jeder Menge blutiger Shoot-Outs erfreuen.

 

Auf seine Weise gut war auch noch UNBROKEN (USA 2014, Regie: Angelina Jolie), der die wahre Geschichte des Mittelstreckenläufers Louis Zamperini erzählt, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Der immer wieder schwierige Spagat, ein so ernsthaftes Thema wie den 2. Weltkrieg in einen Film zu packen, der am Ende des Tages seine Zuschauer ja auch irgendwie fesseln und unterhalten soll, gelingt Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit zwar nicht immer, eindrucksvoll gefilmt und toll gespielt ist UNBROKEN aber trotzdem. Hin und wieder schleichen sich etwas zu viele Längen ein und vielleicht hätte dem Film eine etwas kürzere Laufzeit gut getan, aber da Filme gegen das “Vergessen“ gerade in der heutigen Zeit mehr als wichtig sind, möchte ich auch für UNBROKEN eine Empfehlung aussprechen.

 

Den Abschluss der guten Filme dieses Monats macht SUOR OMICIDI (Italien 1979, Regie: Giulio Berruti), in dem Anita Ekberg eine Nonne spielt, die in einer Klinik immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, während in ihrem direkten Umfeld die Todesfälle rapide zunehmen.

Der wie alle seine Genrekollegen angeblich auf Geheimakten aus dem Vatikan basierende Film wälzt sich – auch das hat er mit praktisch allen Vertretern des Nunsploitation-Films gemein – genüsslich in diversen Geschmacklosigkeiten und möchte auf diese Weise natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch die Verlogenheit der katholischen Kirche als Institution anprangern, die sich einfach mal kurz über alle weltlichen Gesetze stellt und Unpässlichkeiten wie die im Film dargestellten einfach auf ihre eigene Art und Weise zu lösen versucht. Dass dies nicht immer funktioniert zeigt der kleine Twist am Ende des Films, den aufmerksame Filmeschauer natürlich schon ein gutes Stück vorher erahnen können. SUOR OMICIDI überzeugt mit ein bisschen Spannung, einem netten Mystery-Touch und jeder Menge Sleaze und sei jedem Freund des unterschlagenen Kinos an dieser Stelle zur bedenkenlosen Sichtung empfohlen.

 

 

Nicht mehr richtig gut, aber immerhin noch unterhaltsam waren:

An der Spitze der noch unterhaltsamen Filme des vergangenen Monats steht THE PURGE: ELECTION YEAR (Frankreich / USA 2016, Regie: James DeMonaco), der mittlerweile dritte Teil rund um diese eine Nacht in den USA, in der alle Verbrechen – inklusive Mord – legal sind. Die im dritten Teil behandelte Nacht fällt mitten hinein in den Wahlkampf und die regierende Rechte versucht durch die Aufhebung aller Regeln ihre politische Gegnerin loszuwerden.

Regisseur James DeMonaco, der bereits die ersten beiden Teile realisierte, verlässt mit dem dritten Film nun endgültig den Bereich des Home-Invasion- und Horror-Films und wendet sich mit dem hier gezeigten Jagd/Flucht-Szenario praktisch fast ausschließlich dem Actionfilm zu. Was dem Film im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern vielleicht an Wahnsinn und Spannung fehlen mag, macht er dafür mit einem irren Erzähltempo und überzeugenden Actionszenen wieder wett. Und nach der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident hat man als Zuschauer bei der Sichtung dieses Films doch ein mulmiges Gefühl. So überzeichnet diese dystopische Zukunftsvision auch sein mag, spätestens seit dem 20.01.2017 leben wir alle in einer dystopischen Realität.

 

In höchstem Maße unterhaltsam war auch BASTILLE DAY (Frankreich / Großbritannien / USA 2016, Regie: James Watkins), in dem ein Taschendieb ins Visier der CIA gerät, nachdem er versehentlich eine Bombenexplosion verursacht hatte.

Das hier ist sicher kein Film, der das Rad neu erfindet, aber er erzählt seine Geschichte auf ausgesprochen rasante und wendungsreiche Art und Weise, hat einige tolle Actionsequenzen zu bieten und mit Idris Elba als kompromisslosen CIA-Agenten einen Star in der Hauptrolle, der den Film trägt und vor lauter Coolness nur so strotzt.

 

Heutige Zuschauer dürften für einen Film wie PROJECT MOON BASE (USA 1953, Regie: Richard Talmadge), in dem sich ein russischer Spion in einen bemannten Raumflug der Amerikaner schmuggelt um die erste Raumstation der USA zu zerstören, wohl nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig haben. Hohn und Spott dürfte sich ergießen über die etwas hölzerne Geschichte, die teils unbeholfen wirkenden Schauspieler, die putzigen Kostüme und die nie so wirklich passenden Größenverhältnisse der zum Einsatz kommenden Modelle. Auf mich wirkt das jedoch alles ungemein anziehend, Filme wie dieser verzaubern mich immer wieder mit ihrem kindlich-naivem Charme und dem nicht wegzuleugnenden Enthusiasmus, mit dem damals alle Beteiligten am Werke gewesen sein dürften. Und die Geschichte stammt immerhin aus der Feder von Robert A. Heinlein, der u.a. auch die Romanvorlage für Verhoevens STARSHIP TROOPERS lieferte.

 

Aus der Ära der klassischen Universal-Grusler der 30er Jahre stammt – ebenso wie der weiten oben bereits angesprochene THE RAVEN – THE INVISIBLE RAY (USA 1936, Regie: Lambert Hillyer), der einmal mehr Boris Karloff und Bela Lugosi vor der Kamera vereint. Die Entdeckung eines neuen Elements auf einer wissenschaftlichen Expedition in Afrika hat hier durchaus verheerende Konsequenzen, was allerdings nicht unbedingt dazu führt, dass man sich als Zuschauer vor lauter Anspannung auf den Fingernägeln kauen müsste. Normalerweise weisen Filme wie dieser hier eine Laufzeit von ca. 60, maximal 70 Minuten auf; Hillyers Film dauert geschlagene 80 Minuten und diese für Horrorfilme der damaligen Zeit extrem üppige Laufzeit steht dem Gelingen des Films leider etwas im Weg. Es schleichen sich doch einige Längen ein und Spannung und Atmosphäre entwickelt sich eigentlich erst in den letzten 20 Minuten. Nett anzusehen und durchaus unterhaltsam ist THE INVISIBLE RAY natürlich dennoch geraten.

 

RIDE ALONG (USA 2014, Regie: Tim Story) und die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip gestrickte Fortsetzung RIDE ALONG 2 (USA 2016, Regie: Tim Story), in denen sich Ice Cube als tougher Cop mit dem hyperaktiven Kevin Hart herumschlagen muss.

Regisseur Tim Story versucht sich in seinen Buddy Movies an einer typischen Mischung aus Klamauk und Action. Als Feierabendsnack durchaus brauchbar, Qualitätskino sieht jedoch komplett anders aus. Sonderlob gibt es für den Soundtrack-Einsatz des genialen „Sound of da Police“ von KRS-One in beiden Filmen (in der Fortsetzung leider nur im Abspann).

 

Ebenfalls noch unterhaltsam, aber fast noch einen Tick uninteressanter geraten ist MECHANIC: RESURRECTION (Frankreich / USA 2016, Regie: Dennis Gansel), in dem Profikiller Jason Statham drei Auftragsmorde ausführen muss, um Jessica Alba ihren hübschen Hintern zu retten.

Der zweite Auftragsmord mit dem Swimming Pool bleibt im Gedächtnis, vielleicht auch noch das Hinterteil von Jessica Alba. Ansonsten verblasst das Erinnerungsvermögen an den Film bereits während des Abspanns.

 

Und dass es dann tatsächlich noch egaler geht beweist X-MEN: APOCALYPSE (USA 2016, Regie: Bryan Singer), der in 2,5 Stunden Bombast und Effekte ohne Ende auffährt und dabei auch nichts anderes macht, als diese Gute-Mutanten-gegen-böse-Mutanten-Geschichte abermals durch den sprichwörtlichen Fleischwolf zu drehen. Ja, das ist schon alles nett anzusehen und ja, auch diesem Film ist ein gewisser Unterhaltungswert sicher nicht abzusprechen, mich persönlich langweilt dieser Superheldenkram jedoch von Film zu Film mehr und ich sollte irgendwann mal dieses zwanghafte Verhalten einstellen, mir diese ganzen doofen Superhelden-Blockbuster ansehen zu wollen.

 

Nicht mal mehr als unterhaltsam sondern als ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit habe ich HIGH-RISE (Belgien / Großbritannien 2015, Regie: Ben Wheatley) empfunden, in dem Tom Hiddleston einen Mediziner spielt, der in ein futuristisches Hochhaus mit unzähligen Apartmenteinheiten zieht um dort Anonymität zu genießen und stattdessen in einen Strudel aus Dekadenz, Wahnsinn und Gewalt gerissen wird.

Filme wie dieser hier bekommen von mir immer das Gütesiegel “naja“ verpasst und reihen sich qualitativ irgendwo zwischen Filmen ein, die ich als noch unterhaltsam empfunden habe und solchen, die in meinen Augen einfach nur mies gewesen sind. Das Problem an HIGH-RISE ist, dass diese dystopische Klassenkampfthematik mit ihren ganzen dysfunktionalen Beziehungen einfach nur erschreckend oberflächlich und inhaltsleer daherkommt. Natürlich ist der Film komplett “over the top“, aber die unzähligen Provokationen erscheinen selbstzweckhaft, die Figuren sind allesamt komplett uninteressant und bleiben einem als Zuschauer einfach nur egal. Da gibt es keinen einzigen Charakter, zu dem man auch nur den Hauch einer Bindung aufbauen könnte. Das ist alles ziemlich schade, denn rein handwerklich gibt es an Wheatleys Film nicht wirklich viel auszusetzen. Kameraarbeit, Bildkomposition und Farbgebung möchte ich gar als exzellent bezeichnen und die Szene, in der die Portishead-Version des ABBA-Klassikers “SOS“ ertönt, geht definitiv als Paradebeispiel für perfekte Musikauswahl durch.

 

Und nun zum Bodensatz filmischen Schaffens:

Die Gurke des Monats geht an CRIMINAL (Großbritannien / USA 2016, Regie: Ariel Vromen), in dem Kevin Costner einen nicht zur Empathie fähigen Killer spielt, dem die Erinnerungen eines getöteten Agenten in das Gehirn verpflanzt werden und der daraufhin zur Begierde verschiedener Interessengruppen wird.

Ok, die größte Leistung des Films besteht dann am Ende des Tages halt doch darin, es hinzubekommen, offensichtlich vorhandenes Talent – neben Kevin Costner spielen u.a. Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Ryan Reynolds und Gal Gadot mit – so komplett zu vergeuden. Die unfassbar hanebüchene Ausgangssituation entwickelt sich zu einer konfusen, uninteressanten, nervigen und stinklangweiligen Geschichte, die praktisch zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Zur 45-Minuten-Marke gibt es mal eine hübsche Kameraeinstellung (von oben herab in ein Treppenhaus gefilmt) und den Song im Abspann fand ich ganz nett. Ansonsten ist CRIMINAL einfach nur grottenschlechter und schier unerträglicher Rotz. Einer der beschissensten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Enough said…

Final Thoughts of May

THE SLAMS (USA 1973, Regie: Jonathan Kaplan)

the slams

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Jim Brown ist Curtis X. Hook, der soeben den Mob um stattliche 1,5 Mio Dollar erleichtert und das erbeutete Geld sicher versteckt hat und nun wegen einer eigentlichen Lappalie im Knast landet. Seine Zeit dort würde er eigentlich locker absitzen, dumm nur, dass ihm sowohl die Beklauten und auch korrupte Staatsdiener, die von der Sache Wind bekommen haben, das Leben zur Hölle machen möchten, um ihm das Versteck der Beute zu entlocken. Als Hook auch noch mitbekommt, dass sein Versteck in wenigen Tagen abgerissen werden soll und das Geld dann für immer verloren sein dürfte, entschließt er sich dazu, einen Ausbruchsversuch zu wagen…

Für Regisseur Jonathan Kaplan, der einst unter Roger Corman seine ersten Schritte als Regisseur unternahm, Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre einige größere Erfolge verzeichnen konnte – u.a. drehte er das Oscar-prämierte Vergewaltigungsdrama THE ACCUSED mit Jodie Foster in der Hauptrolle – und mittlerweile beim TV gelandet ist, war THE SLAMS damals die dritte Regiearbeit und stellte einen weiteren Versuch eines größeren Hollywood-Studios – hier: MGM – dar, unter seinem Banner auf den damals so erfolgreichen Blaxploitation-Zug aufzuspringen. Und die Zutaten passen durchaus: Hauptdarsteller Jim Brown bringt die nötige Coolness eines echten Blaxploitation-Helden mit, der Film geizt nicht mit Gewalt und präsentiert in ein paar außerhalb des Gefängnisses spielenden Szenen natürlich auch die obligatorischen, nackten Damenbrüste. Etwas problematisch ist das Setting im Gefängnis, da sich bis zur Planung und Durchführung der Flucht – die übrigens mit einigen netten Ideen und Wendungen überraschen kann – im räumlich arg begrenzten Gefängnis-Setting doch etwas Längen einschleichen, man sich als Zuschauer natürlich nur wenig Sorgen um das Wohlergehen der Hauptfigur machen muss und echte Spannung erst im Finale aufkommen kann.

Für Freunde des Kinos der 70er Jahre im Allgemeinen und für Fans des Exploitationfilms im Speziellen gibt’s für THE SLAMS natürlich trotzdem eine Empfehlung. Allein schon wegen der kantigen Typen, die diesen Film bevölkern, wegen dieses unnachahmlichen 70er-Jahre-Looks und vor allem auch wegen dieser wundervollen Atmosphäre, die praktisch alle guten Genreproduktionen aus der damaligen Zeit für Fans so unwiderstehlich macht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN (USA 1991, Regie: Simon Wincer)

harley davidson and the marlboro man

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Mickey Rourke und Don Johnson spielen die beiden Titelfiguren Harley (Rourke) und Marlboro (Johnson), zwei waschechte Haudegen, die – weil sie gerade nichts anderes zu tun haben – einen Geldtransporter überfallen um ihre Lieblingskneipe vor der Schließung zu retten. Doch statt Geld erbeuten sie Drogen und deren Besitzer sind darüber nicht gerade erfreut…

Wenn man HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN halbwegs objektiv betrachten möchte, muss man sicher eingestehen, dass Simon Wincer hier einen ziemlichen Schmarrn fabriziert hat. Die Ausgangssituation und der komplette Handlungsverlauf des Films sind absolut hanebüchen und nicht wirklich dazu geeignete, Argumente für ein Gelingen des Films ins Feld zu führen. Wincers Film lebt einzig und allein von seinen beiden Hauptdarstellern, die – wie es sich für ein Buddy Movie gehört – die zwischen ihnen ständig schwelenden Konflikte auf möglichst alberne und coole Art untereinander austragen, nie um einen Spruch verlegen sind und ein paar hübsch fotografierte Actionsequenzen zu bewältigen haben. Man merkt Wincers Film an, dass er in einer Zeit entstanden ist, in dem das humorbefreite Actionkino der 80er Jahre langsam aber sicher durch Filme abgelöst werden sollte, in denen Action und Gewalt nur noch mit Humor und dummen Sprüchen einhergingen.

Ich selbst habe HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN nun seit über 20 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen und muss gestehen, dass ich den Film – wohl vor allem aus nostalgischen Gründen, aber auch weil ich finde, dass Rourke und Johnson in diese Rollen passen wie die Faust aufs Auge und herrlich miteinander (dis-)harmonieren – auch heute noch sehr gerne mag. Dass er Menschen, die ihn jetzt, im Jahr 2016, zum ersten Mal in ihrem Leben sehen, auf irgendeine Art und Weise noch ansprechen könnte, möchte ich jedoch stark anzweifeln.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SHOOT TO KILL (USA 1988, Regie: Roger Spottiswoode)

shoot to kill

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

In SHOOT TO KILL bzw. DEADLY PURSUIT (so der internationale englische Titel, der die Handlung des Films im Gegensatz zum US-Originaltitel kurz und knapp auf den Punkt bringt) jagen Sidney Poitier als FBI-Agent und Tom Berenger als Bergführer einen gefährlichen Killer (Clancy Brown) durch unwirtliche Gebirge nahe der kanadischen Grenze und liefern sich einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der skrupellose Verbrecher hat Berengers Filmfreundin Kirstie Alley in seiner Gewalt und es steht zu befürchten, dass er sie nicht mit dem Leben davonkommen lassen wird, sobald er sich in Sicherheit wiegt…

Ich habe das Anfang des Monats schon in meinem Text zu MIDNIGHT RUN angemerkt und kann es auch hier einfach nur wiederholen: schade, dass solche Filme nicht mehr gedreht werden. Ohne großartige Exposition ist man sofort drin in Spottiswoodes Film, der – aufs wesentliche herunter gebrochen – zwar nicht viel mehr als eine simple Jagd/Flucht-Story anzubieten hat, es aber ohne Probleme versteht, den Zuschauer für sich einzunehmen. Die Einführung und Charakterisierung der Figuren erfolgt praktisch nebenbei und ist doch so gelungen, dass man sofort eine Bindung zu den handelnden Personen aufbaut. Sofort hofft und bangt man mit den Protagonisten und mindestens ebenso schnell verteufelt man den Bösewicht. SHOOT TO KILL ist jetzt vielleicht kein kompletter Über-Film geworden (dazu haben sich im Mittelteil etwas zu viele Längen eingeschlichen und die Szene mit der schnell ausgegrabenen Höhle im Schnee strapazierte die Glaubwürdigkeit des Films doch sehr und war mir einfach etwas “too much“), aber er liefert spannende, schnörkellose und unaufgeregte Unterhaltung vor teils extrem atemberaubender Kulisse. Wer ein Herz für das Kino der 80er Jahre hat, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LANTANA (Australien / Deutschland 2001, Regie: Ray Lawrence)

lantana

(Fassung: DVD, Universal, Großbritannien)

Regisseur Ray Lawrence konfrontiert den Zuschauer in LANTANA mit verschiedenen Paaren, die alle ihre Beziehungsprobleme haben und die – ohne es unbedingt auf Anhieb zu ahnen – alle in gewisser Weise miteinander in Verbindung stehen. Und dann geht es auch noch um eine wie vom Erdboden verschwundene Frau. Bis es soweit ist, dauert es jedoch relativ lange, und das ist vielleicht auch die eine große Schwäche dieses Films, der vielleicht etwas zielgerichteter inszeniert hätte werden müssen und den man – würde man allein die schauspielerischen Leistungen bewerten – als Zuschauer eigentlich gerne als hervorragenden Film weiterempfehlen würde.

Vielleicht ist das auch einfach nur mal wieder ein Jammern auf hohem Niveau, aber für meinen Geschmack hat sich Regisseur Ray Lawrence einfach etwas zu viel Zeit gelassen um seine Charaktere einzuführen und zu entwickeln, um seine Figurenkonstellationen zu positionieren und um seine Zuschauer mit vagen Hinweisen hinters Licht zu führen um so auch die Spannung des Films hochzuhalten. Wenn man sich vorher nicht die Inhaltsangabe durchgelesen hat – was eigentlich immer von Vorteil ist – kann man tatsächlich nie so richtig einschätzen, in welche Richtung sich LANTANA letztendlich entwickeln wird. Das Problem dabei ist, dass man ab einem gewissen Punkt das Gefühl einfach nicht mehr losbekommt, dass das, was man hier zu sehen kriegt, nur wenig zielgerichtet zu sein scheint. So gut mir die schauspielerischen Leistungen auch gefallen haben und so sehr ich mich von dem leichten Mystery-Touch des Films gefangen nehmen lassen wollte, am Ende des Films – wenn sich dann mehr oder weniger doch alles wieder in Wohlgefallen aufzulösen scheint – reift bei mir als Zuschauer auch die Erkenntnis, dass der Aufwand, den Regisseur Lawrence in den ersten 2/3 des Films betrieben hat, ein weitaus besseres Schlussdrittel verdient hätte und eine nüchterne Aufwand/Ertrag-Rechnung hier wohl nicht gerade positiv ausfallen würde. Gut und sehenswert ist LANTANA natürlich dennoch. Wie schon geschrieben, Gejammer auf hohem Niveau.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MO’ BETTER BLUES (USA 1990, Regie: Spike Lee)

mo' better blues

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Denzel Washington ist Bleek Gilliam, ein überaus talentierter Jazztrompeter, der mit seinen Bandkollegen (u.a. Wesley Snipes und Giancarlo Esposito) Abend für Abend in einem angesagten Club das Publikum begeistert. Musik ist Bleeks Leben, ihr ordnet er alles unter und übersieht dabei fast, die diversen Pulverfässer, die um ihn herum jederzeit hochzugehen drohen: da wäre sein von Snipes gespielter Saxophonist Shadow, der endlich für seine Auftritte angemessen entlohnt werden möchte und ernsthafte Planungen anstrebt, die Band zu verlassen, da wäre sein Freund und Manager Giant (Spike Lee), den seine Wettsucht in den Ruin getrieben hat und der Schulden bei Menschen angehäuft hat, bei denen man besser keine Schulden haben sollte, und da wären nicht zuletzt seine Beziehungen zu zwei verschiedenen Frauen, zur Lehrerin Indigo (Joie Lee) und zur Sängerin Clarke (Cynda Williams), die sich immer komplizierter organisieren lassen…

Einmal mehr kreiert Regisseur Spike Lee mit MO’ BETTER BLUES einen Mikrokosmos voller Emotionen, im vorliegenden Fall jedoch einen Mikrokosmos in den es sich als Zuschauer etwas leichter und unbekümmerter eintauchen lässt als in die seiner unmittelbaren Vorgänger- und Nachfolgefilme DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER. Obwohl in MO’ BETTER BLUES neben den vielen komischen Momenten auch jede Menge tragische Augenblicke vorkommen, ist das hier ein Film, der für seine Zuschauer mit seiner ruhigen Art, seiner einladenden Farbgebung, seiner beruhigenden, teils traumhaften Atmosphäre und seiner mitreißenden Musik eine Art Wohlfühloase generiert, in der man sich – bildlich gesprochen – nur zu gerne niederlässt um in ihr zu verweilen. MO’ BETTER BLUES ist einer dieser Filme, in die man mit spielerischer Leichtigkeit versinken kann, über deren manchmal etwas schrullige Art – insbesondere in den Szenen mit Spike Lee – man nur zu gerne schmunzeln möchte und von denen man mit einem mehr als positiven Gefühl in den Abspann entlassen wird. Und dann ist MO’ BETTER BLUES natürlich so ganz nebenbei eine Liebeserklärung an die Kunst der Musik.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 3 (USA 2013, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Der Kampf um Thronfolgen, diverse Schlachten, das Paktieren und Intrigieren (angeblich) Verbündeter, die versuchte Flucht vor Feinden, usw., usf. – dies alles geht nun in die dritte Runde und dies alles ist auch in dieser dritten Runde ungemein unterhaltsam und wegen der einfach nicht weniger werden wollenden Schauwerte auch ausgesprochen nett anzusehen.

Aber auch wenn mir GAME OF THRONES noch immer außerordentlich gut gefällt, muss ich doch anmerken, dass die Serie für mich persönlich nicht so funktioniert wie sie wohl – wenn man den Hype berücksichtigt, der schon seit Jahren um sie gemacht wird – für den Großteil der Zuschauer funktionieren dürfte. Ich gebe zu, ich lasse mich von GAME OF THRONES ausschließlich berieseln, der Verlauf der Handlung ist mir dabei ziemlich egal und ich verspüre keinerlei Motivation, wirklich jeden dieser unzähligen Nebencharaktere seinem Clan zuzuordnen oder mir einen Überblick zu verschaffen wer nun aus welchem Grund gegen wen kämpft, mit wem paktiert und auf was auch immer irgendwelche Ansprüche erhebt und ich finde es ehrlich gesagt richtig bewundernswert, dass sich die Vielzahl der Zuschauer wohl offensichtlich tatsächlich für diese in meinen Augen ziemlich aufgeblasene Handlung begeistern kann, in Gedanken Stammbäume erstellt und es schafft, so etwas wie Sympathien für einzelne Charaktere aufzubauen und mit diesen mitzufiebern.

Für mich funktioniert GAME OF THRONES nur als perfektes “eye candy“, als Musterbeispiel für Exploitation im aufwändigen Gewand – als das funktioniert die Serie aber auch wirklich richtig, richtig gut. Ich freue mich schon auf die vierte Staffel.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

HIGH SCHOOL BIG SHOT (USA 1959, Regie: Joel Rapp)

high school big shot

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

 Ein kleiner No-Budget-Beitrag aus dem Bereich des zum damaligen Entstehungszeitpunkt überaus beliebten Subgenre des Juvenile-Delinquent-Films. In HIGH SCHOOL BIG SHOT dreht sich alles um den Musterschüler Marv (Tom Pittman), der sich eines Tages ernsthafte Hoffnungen macht, bei Betty (Virginia Aldridge), der beliebtesten (und scheinbar auch einzigen) Schülerin seiner Schule zu landen und dafür sogar bereit ist, einen kriminellen Pfad einzuschlagen…

Man könnte sich nun natürlich mit Leichtigkeit über HIGH SCHOOL BIG SHOT lustig machen. Bspw. über seine tristen Settings, seine hölzernen Darsteller oder seine überkonstruierte Handlung. Regisseur Joel Rapp hat seinen Film ganz offensichtlich ohne nennenswertes Budget mit nicht unbedingt hochtalentierten Schauspielern in ein paar Hinterzimmern gedreht. So wird bspw. die Highschool lediglich von einem Lehrer und einer Handvoll Schülern bevölkert – letztere sehen zum Großteil viel zu alt für ihre Rollen aus -, irgend ein geschäftiges Treiben auf Straßen oder in Bars, in die der Film kurze Ausflüge unternimmt, findet praktisch nicht statt und irgendwie wirkt HIGH SCHOOL BIG SHOT auf krude Art und Weise etwas leblos. Und doch möchte ich an dieser Stelle eine kleine Lanze für den Film brechen, denn bei näherer Betrachtung der – zugegebenermaßen etwas arg abenteuerlichen – Handlung fällt doch auf, Regisseur und Drehbuchautor Joel Rapp es auf wundersame Weise geschafft hat, in einen Film, der gerade mal 60 Minuten dauert, schier unendlich viel hineinzustecken. HIGH SCHOOL BIG SHOT ist Coming-of-Age-Geschichte, Love Story, Familiendrama, Kriminalfilm und Heist Movie in einem und wird durch diese ziemlich verrückte Mischung – und natürlich auch wegen seiner ausgesprochen kurzen Laufzeit – zu keinem Zeitpunkt langweilig und zaubert dem geneigten Zuschauer das eine oder andere fette Grinsen während der Sichtung ins Gesicht.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ARMED AND DANGEROUS (USA 1986, Regie: Mark L. Lester)

armed and dangerous

(Fassung: DVD, Sony, Großbritannien)

Zwischen Kultfilmen wie CLASS OF 1984, COMMANDO und EXTREME JUSTICE, die ja allesamt eher etwas heftigere Kost zu bieten hatten, drehte Regisseur Mark L. Lester diese kleine Action-Komödie mit John Candy und Eugene Levy in den Hauptrollen. Candy spielt einen gescheiterten Polizisten, Levy einen ebenfalls gescheiterten Rechtsanwalt. Die beiden Protagonisten lernen sich in ARMED AND DANGEROUS bei einer Security-Firma kennen, bei der sie untergekommen sind, sorgen zunächst für viel Chaos, kommen schließlich einer waschechten Verschwörung auf die Spur und retten am Ende natürlich den Tag.

ARMED AND DANGEROUS erinnert vom Ansatz zunächst stark an die in den 80er Jahren ausgesprochen beliebte und erfolgreiche POLICE ACADEMY-Reihe – ein ganzer Haufen von chaotischen Typen, die alle einen Job ausüben möchten, für den sie offensichtlich nicht geeignet sind, werden nach lustigen Trainingssequenzen auf die Menschheit losgelassen -, die, als Lesters Film startete, bereits 3 Filme umfasste, wendet sich dann aber sehr schnell seinen beiden Protagonisten und der aufzudeckenden Verschwörung zu und erinnert im weiteren Verlauf dann doch eher an ein Buddy-Movie. Lester inszeniert seinen Film unheimlich rasant, hat einige verdammt witzige Sequenzen zu bieten, bemüht sich so gut es eben geht um Spannung und beendet seine gut 80 Minuten dauernde Geschichte schließlich in einer äußert hübsch anzusehenden Verfolgungsjagd. Das größte Plus des Films ist jedoch seine grandiose Besetzung. Neben den beiden Stars und Meg Ryan, die so etwas wie die weibliche Hauptrolle abbekommen hat, geben sich bis in die kleinsten Nebenrollen aus unzähligen (Genre-)Produktionen bekannte Gesichter die sprichwörtliche Klinke in die Hand. U.a. sind Robert Loggia, Brion James, Don Stroud, Steve Railsback, Tony Burton und Tommy ‚Tiny‘ Lister mit von der Partie (um nur mal ein paar Namen zu nennen) und in einer Mini-Sequenz habe ich sogar den großartigen David Hess entdecken können. ARMED AND DANGEROUS ist schon allein aufgrund seiner Besetzung unbedingt sehenswert und sei hiermit jedem 80er-Jahre-Afficionado zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

KNOCK KNOCK (Chile / USA 2015, Regie: Eli Roth)

knock knock

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Keanu Reeves spielt den Architekten Evan, der eigentlich ein Wochenende mit seiner Familie am Strand verbringen sollte, wegen dringend zu erledigender Arbeiten aber stattdessen alleine zuhause geblieben ist – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als zwei junge und vollkommen durchnässte Frauen (Lorenza Izzo und Ana de Armas) vor seiner Tür stehen und um Hilfe bitten. Evan lässt sie herein und begeht damit den Fehler seines Lebens. Von der Exaltiertheit und Freizügigkeit seiner beiden Gäste komplett überfordert, lässt er sich auf ein sexuelles Abenteuer ein und erwacht schließlich in einem Albtraum…

Mal wieder ein Beispiel des allseits beliebten Terror- bzw. Home-Invasion-Films, nur dass Regisseur Eli Roth, der auch am Drehbuch mitarbeitete, die Genrekonventionen mit KNOCK KNOCK umkehrt und komplett auf den Kopf stellt. Sind die Eindringline normalerweise männlichen Geschlechts und die Opfer in solchen Filmen vornehmlich weiblich, ist es hier ein scheinbar starker Mann, der gegen die Waffen des vermeintlich schwächeren Geschlechts einfach nicht ankommen mag. Als Zuschauer möchte man dem von Reeves gespielten Evan regelrecht zurufen, dass er sich doch endlich mal effektiv zur Wehr setzen solle, muss aber hilflos mit ansehen, wie dieser gegen seine immer mehr in den Wahnsinn abzudriften scheinenden Gegnerinnen einfach keinerlei Chance zur Gegenwehr bekommt.

Warum dieser in meinen Augen ungemein spannende und als Terror- bzw. Horrorfilm auch verdammt effektive Film beim Publikum komplett durchgefallen zu sein scheint – in der IMDB kommt KNOCK KNOCK momentan auf eine durchschnittliche Punktzahl von gerade mal 4.9/10 – mag sich mir nicht wirklich ergründen. Vielleicht war KNOCK KNOCK seinem Zielpublikum ja einfach zu unangenehm. Unbeschwerte Unterhaltung sieht definitiv anders aus, aber das war ja noch nie die Sache von Eli Roth. Und das ist auch gut so.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Third Thoughts of May

300: RISE OF AN EMPIRE (USA 2014, Regie: Noam Murro)

300 - rise of an empire

(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

 Eines muss man Regisseur Noam Murro schon lassen: es zu schaffen, den eh schon ziemlich doofen und qualitativ minderwertigen Vorgänger von Zack Snyder an Dummheit zu über- und an Qualität noch mal deutlich zu unterbieten, ist auch eine Leistung. Hut ab!

In 300: RISE OF AN EMPIRE metzeln sich Griechen und Perser gegenseitig ab. Über sehr lange und sehr schnell sehr ermüdende 100 Minuten. In Zeitlupe, nur in Zeitlupe, mit grässlichen CGI-Blutfontänen und hoffnungslos überzeichneter Brutalität. So etwas wie Spannung, Timing oder Rhythmus gibt es in Murros Film nicht. 300: RISE OF AN EMPIRE ist einfach nur stupide und nervig. Die komplett überstilisierten Bilder mit ihrer ach so tollen Farbgebung sollen dem Film wohl einen besonders tollen Look verleihen, tragen letztendlich aber nur dazu bei, dass 300: RISE OF AN EMPIRE nicht nur inhaltlich beschissen ist, sondern auch noch beschissen aussieht. Nerviger als die ständigen Zeitlupen, die schrecklichen Farben und die miesen Effekte sind nur noch diese ständige durchs Bild flirrenden Funken, Staubkörner und sonstigen Partikel, die wohl den 3D-Effekt unterstützen sollen, einem als Zuschauer aber so dermaßen auf die Nerven gehen, dass man vor Wut am liebsten den Fernseher eintreten würde. Und dann noch dieser unerträgliche Score von Junkie XL und diese an Dummheit kaum zu überbietenden Mono- und Dialogzeilen, welche die Figurenschablonen ständig absondern. Ein Wunder, dass meine Ohren nicht zu bluten angefangen haben. Es gibt wirklich nicht ansatzweise etwas Positives von 300: RISE OF AN EMPIRE zu berichten. Ich habe wirklich schon verdammt lange keinen so miesen und beschissenen Film mehr gesehen wie diesen hier.

Bleibt am Ende nur die Frage, wie sich die an und für sich tolle Eva Green in diese Katastrophe verirrt hat. Sie steht bzw. sitzt mit finsterer Miene in der Gegend rum, muss Blödsinn aufsagen und in der Mitte des Films ihre blanken Brüste in die Kamera halten. Vielleicht hatte sie ja zuvor eine Wette verloren und musste deswegen hier mitwirken. Eine andere Erklärung gibt es eigentlich nicht.

Bewertung: Unerträglich! – 1/10

 

 

PERFECT SENSE (Dänemark / Großbritannien / Irland / Schweden 2011, Regie: David Mackenzie)

perfect sense

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Eine rätselhafte Krankheit bereitet auch der Forscherin Susan (Eva Green) Kopfzerbrechen. Nach zuerst heftigen Gefühlsausbrüchen verlieren Menschen weltweit ihren Geruchssinn und diese Krankheit breitet sich rasend schnell aus. Und der Geruchssinn soll nicht der einzige Sinn bleiben, der den Menschen im weiteren Verlauf des Films verloren gehen soll…

Diese kurze Zusammenfassung gibt nur scheinbar die Handlung des Films wieder, denn die Sache mit der Epidemie bildet im Endeffekt lediglich den Rahmen für die Geschichte, die Regisseur David Mackenzie mit PERFECT SENSE eigentlich erzählt. Es ist eine typische Liebesgeschichte, es geht in erster Linie um die schon genannte Susan, die nach Ausbruch der Epidemie zufällig den Chefkoch Michael (Ewan McGregor) kennenlernt und sich nach anfänglichem Zögern auf ihn einlässt. Lässt man die Rahmenhandlung außen vor, verläuft die Geschichte zwischen Susan und Michael exakt so, wie sie schon hunderttausendmal erzählt worden ist. Zwei Menschen verlieben sich, trennen sich zunächst wieder, nur um am Ende doch zusammenzufinden.

Und wäre diese Geschichte in das eingebettet, in das solche Geschichten normalerweise eingebettet sind, nämlich in eine romantische Komödienhandlung, PERFECT SENSE wäre nur ein weiterer Film von vielen. Aber genau das ist hier eben nicht der Fall und genau das macht Mackenzies Film auch so ungemein faszinierend, anders und abwechslungsreich und diese komplett simple Botschaft, die PERFECT SENSE mitzuteilen hat, nämlich dass wahre Liebe auch die größten Hindernisse überwindet, Katastrophen übersteht und am Ende als einziges bestehen bleibt, in Verbindung mit dieser apokalyptischen Stimmung, die der Film aufgrund seiner Rahmenhandlung immer wieder erzeugt, führt letztendlich dazu, dass das hier ein Film geworden ist, der einen als Zuschauer mitten ins Herz trifft. Toll auch die Chemie zwischen Eva Green und Ewan McGregor, denen man diese Liebesgeschichte jederzeit abnimmt und die hier als Paar wirklich perfekt zusammenpassen. Und dann dieses ebenso traurige wie wunderschöne und magische Ende. Gänsehaut!

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

NEW GIRL: SEASON 4 (USA 2014 / 2015, Idee: Elizabeth Meriwether)

new girl - season 4

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Großbritannien)

Zooey Deschanel behauptet sich in der Rolle der Lehrerin Jess Day nun schon im vierten Jahr in ihrer Männer-WG und auch wenn bei NEW GIRL in dieser mittlerweile vierten Season erste Abnutzungserscheinungen deutlich zu erkennen sind, macht es noch immer Spaß, sich mit der von Elizabeth Meriwether erdachten Sitcom die Zeit zu vertreiben. Das liegt natürlich in allererster Linie an der Hauptdarstellerin, die es mit ihrer herrlich schrulligen und wunderbar nerdigen Art einfach drauf hat, einen als Zuschauer zu verzaubern und dazu zu bringen, milde lächelnd über einige schwächere Episoden hinwegzusehen. Und solange die Serie noch so Knallerfolgen wie „Background Check“ aus dem Ärmel zaubert, in der der von Lamorne Morris gespielte Winston als Teil seiner Polizeiausbildung eine Prüfung seiner privaten Lebensumstände über sich ergehen lassen muss und diese wegen seiner chaotischen Mitbewohner fast in einem Fiasko zu enden droht, gibt es von meiner Seite aus an NEW GIRL schon mal rein gar nichts auszusetzen. Ich mag die Serie einfach und freue mich schon auf die im Herbst anstehende Heimkinoveröffentlichung von Staffel Nr. 5.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOUSE OF CARDS: SEASON 3 (USA 2015, Idee: Beau Willimon)

house of cards

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 Nach dieser letzten Folge der dritten Staffel bin ich persönlich schon sehr gespannt, wie es in Staffel Nr. 4 weitergehen wird. Allerdings weniger, was die Handlung angeht, obwohl der Cliffhanger am Ende schon als ausgesprochen gelungen bezeichnet werden muss, sondern mehr, was die Qualität angeht. Ich bin gespannt, ob es den Machern gelingt, zu alter Stärke zurückzufinden, was insbesondere in den letzten drei Episoden der dritten Staffel angedeutet wurde, oder ob die Luft aus HOUSE OF CARDS tatsächlich schon draußen ist, wie die ersten beiden Drittel dieser Season 3 vermuten lassen könnten.

Der von Kevin Spacey gespielte Frank Underwood ist nun im Amt des US-Präsidenten angekommen und muss sich damit auseinandersetzen, dass er selbst nun zur Zielscheibe seiner politischen Gegner wird, jeder seiner Schritte und jede seiner Handlungen mit Argusaugen beobachtet wird und es nicht wenige, (welt-)politische Probleme zu lösen gibt.

Natürlich ist auch diese Staffel in schauspielerischer Hinsicht über jeden Zweifel erhaben, problematisch ist einfach der Handlungsverlauf. Das politische Alltagsgeschäft und die Angriffe von Underwoods politischen Gegnern auf seine Person wirkten auf mich weitaus weniger faszinierend als die in den beiden Auftaktstaffeln von der Hauptfigur gespannten Netze aus Lügen und Intrigen, die dazu führten, dass diese sich nun im Sessel des US-Präsidenten niederlassen kann. Über weite Strecken wirkte HOUSE OF CARDS in dieser Season auf mich bemüht, extrem konstruiert und innerhalb dieser Konstruiertheit (gibt es dieses Wort überhaupt?) auch erstmals wenig glaubwürdig. Hatte man in den beiden wirklich hervorragenden Staffeln zuvor nach jeder Folge das dringende Bedürfnis, sich auch die nächste Episode nach anzuziehen, ist den Machern rund um Beau Willimon dieses Suchtpotential nun fast vollkommen abhanden gekommen. Erst die letzten paar Folgen üben wieder eine ähnliche Faszination aus wie die beiden Auftaktstaffeln und machen Hoffnung, dass es mit Staffel 4 tatsächlich wieder aufwärts gehen könnte. Vielleicht ist die nächste Staffel dann ja wieder hervorragend und nicht “nur“ gut.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HITMAN: AGENT 47 (Deutschland / Großbritannien / USA 2015, Regie: Aleksander Bach)

hitman - agent 47_01

hitman - agent 47_02

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Nach HITMAN von Regisseur Xavier Gens aus dem Jahr 2007 ist HITMAN: AGENT 47 von Aleksander Bach nun der zweite Versuch, die beliebte Videospielreihe für die große Leinwand zu adaptieren. Und so wirklich gelungen ist auch dieser Film hier nicht. HITMAN: AGENT 47 hat zwar den besseren Hauptdarsteller zu bieten – im Gegensatz zu Timothy Olyphant passt Rupert Friend wirklich ganz vorzüglich in die Rolle des ebenso schweigsamen wie eiskalten Killers -, ganz spontan würde ich jetzt aber einfach mal behaupten wollen, dass mir Gens’ Version damals einen Tick besser gefallen hat, weil ich ihn einfach als visuell eindrucksvoller in Erinnerung habe.

Auf der Habenseite von HITMAN: AGENT 47 stehen neben seinem Hauptdarsteller vor allem die Atmosphäre des Films, die durchaus an die aus den Videospielen erinnert, und der ebenfalls an ein Videospiel erinnernde Aufbau der Handlung. Nicht wirklich gut gelungen ist Bach der ganze Look des Films, was natürlich am für heutige Verhältnisse relativ schmalen Budget von 35 Mio. Dollar liegen dürfte. HITMAN: AGENT 47 sieht streckenweise extrem billig und schäbig aus, der ständige Einsatz von Zeitlupen um in den Actionsequenzen so etwas wie Dynamik zu erzeugen fängt sehr schnell an zu nerven und so manche Idee innerhalb des Handlungsverlaufs erschien mir persönlich einfach zu konstruiert und zu unglaubwürdig, insbesondere natürlich der von Zachary Quinto gespielte und praktisch unzerstörbare John Smith. Das war dann doch etwas zu viel abgedrehte Science Fiction.

Einen gewissen Unterhaltungswert möchte ich HITMAN: AGENT 47 natürlich keineswegs absprechen und als kurzweiliger Zeitvertreib ist auch diese Videospielverfilmung sicher zu gebrauchen. Vielleicht gelingt ja irgendwann mal in einem dritten Anlauf eine wirklich geglückte Filmversion der Spielreihe. Das Potential für großes Spektakel ist in den Vorlagen definitiv vorhanden.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE F WORD (Irland / Kanada 2013, Regie: Michael Dowse)

the f word

(Fassung: Blu-ray, Entertainment One, Großbritannien)

Der von Daniel Radcliffe gespielte Wallace hatte nach seiner letzten, großen Enttäuschung erst mal die Schnauze von Beziehungen voll und sich aus dem gesellschaftlichen Leben nahezu zurückgezogen. Als er auf einer Party die von Zoe Kazan gespielte Chantry kennenlernt, verliebt er sich Hals über Kopf in die junge Frau, sieht sich aber schon schnell mit einem offensichtlich unlösbaren Problem konfrontiert: Chantry ist in einer festen Beziehung und möchte von Wallace nur eine ehrliche Freundschaft und keinen Deut mehr…

Wer aufgrund der vorstehend skizzierten Ausgangssituation nun laut aufschreit, dass Wallace und Chantry am Ende des Films doch sowieso zueinander finden werden und aus Freundschaft dann doch Liebe werden wird, hat natürlich vollkommen recht. THE F WORD – der nach seiner Premiere auf den Filmfestspielen in Toronto übrigens teilweise unter dem Alternativtitel WHAT IF in die Kinos gebracht wurde (nur zur Info, falls sich jemand über den Title Screen dieses Beitrags wundern sollte) – ist eine romantische Komödie und bei denen steht in den allermeisten Fällen das Ende ebenso fest wie die zwingend vorhandenen Eckpunkte des Handlungsverlaufs (das Kennenlernen, das Trennen aufgrund eines Missverständnisses oder sonstiger widriger Umstände und das Wiederfinden zum Schluss). Wie bei seinen unzähligen Genrekollegen ist auch hier mal wieder der Weg das Ziel und der ist hier mit einer der Gründe, weswegen THE F WORD zumindest leicht aus der unübersichtlichen Durchschnittsware des Genres hervorsticht. Dowse hat seinen Film ungemein kurzweilig, witzig (der Fenstersturz beispielsweise!!!) und abwechslungsreich inszeniert und mit Charakteren bevölkert, die – und das ist der andere Pluspunkt des Films – jetzt nicht unbedingt diesen typischen Klischees des Genres entsprechen. Daniel Radcliffe und Zoe Kazan kommen beide als stinknormale Menschen rüber und sind meilenweit davon entfernt, dem sonst so standardisierten Ken-und-Barby-Ideal solcher Filme zu entsprechen, was am Ende des Tages natürlich dazu führt, dass man sie als Identifikationsfiguren und Sympathieträger gerne annimmt und einem die von ihnen gespielten Charaktere nicht schon von der ersten Minute an komplett egal sind. Wer ein Herz für RomComs hat, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

WHILE WE’RE YOUNG (USA 2014, Regie: Noah Baumbach)

while we're young

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Ben Stiller und Naomi Watts spielen in WHILE WE’RE YOUNG ein verheiratetes, kinderloses Paar Anfang 40, welches sich damit auseinandersetzen muss, dass all ihre Freunde mittlerweile Eltern geworden sind, bei diesen logischerweise der Nachwuchs im Mittelpunkt steht und die Zeit spontaner Unternehmungen im Freundeskreis endgültig vorbei zu sein scheint. Als der von Stiller gespielte Josh eines Tages den gut 20 Jahre jüngeren Jamie (Adam Driver) und dessen Frau Darby (Amanda Seyfried) kennenlernt und die beiden seiner Frau Cornelia vorstellt, entwickelt sich zwischen den beiden Paaren mit hohem Altersunterschied eine Freundschaft, die auch in das routinierte Leben von Josh und Cornelia wieder Abwechslung und Spannung zu bringen verspricht…

Ein Film dieser Art kommt natürlich nicht ohne gewisse Klischees aus, anders würde die teils überspitzte Darstellung mancher Alltagssituation einfach nicht funktionieren. Das Problem, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach jedoch zu kämpfen hat ist die Tatsache, dass er insbesondere das von Adam Driver und Amanda Seyfried gespielte Ehepaar Mitte Zwanzig teilweise so übertrieben darstellt, dass dieses nicht mehr wirklich glaubwürdig und authentisch wirkt. Es sind vor allem kleine Details, die da sauer aufstoßen. Die riesige Plattensammlung in der Wohnung von Jamie und Darby ist in diesem Alter schon leicht übertrieben, dass Menschen, wie die beiden es sind, sich abgenudelte Videokassetten in den VHS-Player schieben, wenn sie sich Filme ansehen wollen, wirkt jedoch schon fast grotesk lächerlich. Da sollten die jüngeren Charaktere einfach zu unangepasst, zu cool und zu hip gestaltet werden und das ist Baumbach streckenweise einfach nicht geglückt.

Was Baumbach hingegen richtig gut gelungen ist, ist in meinen Augen die Zeichnung der von Stiller und Watts gespielten Charaktere und der Umgang mit diesen. Auch wenn sich die beiden immer wieder in ihren Bemühungen mit ihren weitaus jüngeren Freunden mitzuhalten – insbesondere vor ihren gleichaltrigen Freunden von früher – fast der Lächerlichkeit preiszugeben drohen, nimmt Baumbach seine Charaktere ernst, macht sich nie über sie lustig und lacht mit ihnen und nicht über sie. Wenn man wie ich selbst Anfang 40 ist und natürlich auch selbst nicht wahrhaben will, dass der Zahn der Zeit unnachgiebig an einem nagt und man sich gefühlt für maximal Mitte Zwanzig hält, kommt man nicht umhin, sich in so mancher Szene des Films wiederzuerkennen und diese mit einem wissenden Lächeln zu kommentieren, nur um sich mit einer gewissen Melancholie im Herzen einzugestehen, dass die eigene Jugend schon (viel) zu lange vorbei ist. Aus dem Blickfeld der “älteren“ Generation betrachtet ist WHILE WE’RE YOUNG in meinen Augen unbedingt sehenswert.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

RICKI AND THE FLASH (USA 2015, Regie: Jonathan Demme)

ricki and the flash

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

 Meryl Streep spielt Ricki, die Sängerin einer Coverband, die einst den Traum von der großen Musikerkarriere träumte und wegen dieses Traums ihre Familie verlor. Ihr Ex-Mann Pete (Kevin Kline) ist wieder verheiratet, zu ihren drei Kindern hat sie keinen Kontakt und die Karriere als Musikerin verlief alles andere als wünschenswert. Ricki absolviert mit ihrer Band Auftritte in der örtlichen Kneipe, sitzt am Supermarkt an der Kasse, ist mit ihrem Bandkollegen Greg (Rick Springfield) liiert und ansonsten ständig pleite. Als sich eines Tages ihr Ex-Mann bei ihr meldet und sie bittet, wegen der gemeinsamen Tochter (Mamie Gummer), die gerade von ihrem Mann verlassen wurde und in tiefste Depressionen versunken ist, zu ihm zu kommen, kratzt Ricki ihr letztes Geld für ein Flugticket zusammen und hofft auf diese Weise, den einen oder anderen Fehler aus der Vergangenheit wieder gerade rücken zu können…

RICKI AND THE FLASH ist wahrscheinlich nicht viel mehr als formelhaftes und stets vorhersehbares Kino, welchem man aufgrund seiner ausgewogenen Balance aus dramatischen, komischen und ans Herz gehenden Momenten sicher guten Gewissens diesen abgedroschenen Stempel des “Wohlfühl-Kinos“ aufdrücken kann. Jonathan Demme hat da einen Film gedreht, der wirklich niemandem in irgendeiner Weise weh tun wird, der in keinster Weise dazu geeignet ist, irgendwelche Kontroversen auszulösen und den man sicherlich alles andere als innovativ bezeichnen kann. Das einzig wirklich überraschende an RICKI AND THE FLASH ist die Tatsache, dass er so, wie er ist, ganz vorzüglich funktioniert, dass er einen als Zuschauer trotz seiner Vorhersehbarkeit und Formelhaftigkeit tatsächlich berührt und von mir an dieser Stelle guten Gewissens weiterempfohlen werden kann. Vielleicht liegt es ja an Meryl Streep, die auch in dieser für sie vollkommen untypischen Rolle zu überzeugen weiß und einen als Zuschauer mit ihrer Performance komplett überrascht (natürlich ist einen bewusst, dass die gute Frau so ziemlich alles und jeden spielen kann, aber diese authentische Darstellung einer gescheiterten Rocksängerin hätte ich ihr nicht zugetraut). Vielleicht liegt es auch an der großen und natürlich ganz persönlichen und rein subjektiven Freude, einen alten Helden wie Rick Springfield mal wieder zu sehen – sein 85er-Album “Tao“ mit dem Überhit “Celebrate Youth“ lief in meiner Jugendzeit in Dauerrotation auf dem heimischen Schallplattenspieler -, vielleicht liegt es aber auch schlicht und einfach an der Tatsache, dass Jonathan Demme mit RICKI AND THE FLASH einfach nur einen richtig, richtig guten Film gedreht hat. Geheimtipp!

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

Noch ein Kessel Buntes

SPARTAN (Deutschland / USA 2004, Regie: David Mamet)

spartan

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Laura Newton (Kristen Bell), die Tochter des US-Präsidenten, ist spurlos verschwunden und Val Kilmer als Spezialagent Robert Scott soll alle Hebel in Bewegung setzen, um die junge Frau wieder aufzufinden. Doch auf seiner Suche gerät er plötzlich in Störfeuer aus eigenen Reihen…

Regisseur und Drehbuchautor David Mamet erzählt mit SPARTAN eine eigentlich ziemlich typische Agentengeschichte, die man so oder so ähnlich sicher schon viele Male gesehen hat. Warum mir nun gerade SPARTAN so ausgesprochen gut gefallen hat, kann ich mir selbst nicht erklären. Auf den ersten Blick unterscheidet sich Mamets Film nicht sonderlich von anderen Genrebeiträgen. Vielleicht lag es an Val Kilmer, der doch ausgesprochen überzeugend als kompromissloser Agent in Erscheinung tritt und hier so etwas wie einen zweiten Frühling zu erleben scheint. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass es David Mamet trotz aller Vorhersehbarkeit der Geschichte dennoch gelungen ist, über weite Streckung des Films Spannung und Gänsehaut zu erzeugen und der Film über ein nahezu perfektes Timing zwischen ruhigen, dramatischen und actionreichen Sequenzen verfügt. Vielleicht lag es auch am Mitwirken von Ed O’Neill und William H. Macy in  Nebenrollen, über deren Auftritte man sich immer wieder freuen konnte und bei denen man sich durchaus etwas mehr Screentime gewünscht hätte. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass SPARTAN in der Masse solcher Filme dann doch qualitativ etwas heraussticht und einfach ein ziemlich toller Film geworden ist.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SCHUTZENGEL (Deutschland 2012, Regie: Til Schweiger)

schutzengel

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Die Teenagerin Nina (Luna Schweiger) wird Zeuge, wie ein Hotelangestellter vom einflussreichen Waffenmagnaten Thomas Backer (Heiner Lauterbach) – zwar versehentlich, aber doch eiskalt – ermordet wird. Backer versucht die Tat als Notwehr zu verkaufen, die Zeugin muss er dafür jedoch loswerden. Auftritt Max Fischer (Til Schweiger), ein absoluter Spezialist, der alles daran setzt, Nina zu beschützen und am Leben zu halten und dabei gegen Störfeuer aus den eigenen Reihen ankämpfen muss…

Im Abspann gedenkt Til Schweiger dem großen Tony Scott, der sich im August 2012 das Leben nahm und dessen Art des Actionkinos Schweiger wohl gerne nachgeeifert hätte. Könnte Scott sehen, was Schweiger aus seinem Vorbild gemacht hat, er würde sich im Grabe umdrehen. SCHUTZENGEL ist der verzweifelte Versuch, großes Actionkino nach Hollywood-Vorbild auch in Deutschland zu verwirklichen. So ehrbar dieses Vorhaben auch sein mag, so ernüchternd ist das Ergebnis ausgefallen. Gut, man muss neidlos anerkennen, dass SCHUTZENGEL stellenweise tatsächlich richtig gut aussieht. Aber halt nur stellenweise und kratzt man ein bisschen an der schönen Oberfläche, fällt der ganze Lack gleich ab. Schweiger umgibt sich zwar mit großer Prominenz aus Film und Fernsehen, mehr als Statistenrollen bleiben für die meisten der mitwirkenden Schauspieler jedoch nicht übrig. Nur ein kleines Beispiel: Antoine Monot Jr., der mich vor kurzem noch in WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER absolut überzeugt hat, wird sogar in den Anfangscredits aufgeführt, hat im Film letztendlich nur Screentime von gut 1 Minute. Sorry, das ist einfach nur lächerlich. SCHUTZENGEL fungiert einzig und allein als Spielplatz für Til Schweiger und seine Tochter Luna, die hier beide eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass schauspielerisches Talent innerhalb der Familie nicht unbedingt vorhanden ist. Man könnte auch sagen, dass das Spiel von Vater und Tochter fast nicht zu ertragen ist und vor allem die vorgetragenen Dialoge bestens dazu geeignet sind, Fremdscham beim verzweifelten Zuschauer auszulösen. Dann die Actionszenen, die auf den ersten Blick zwar durchaus ansprechend und spektakulär in Szene gesetzt zu sein scheinen, bei näherer Betrachtung aber vor allem daran leiden, dass sie komplett chaotisch und unübersichtlich inszeniert sind. Als Zuschauer weiß man nie, wer jetzt nun aus welcher Deckung heraus auf wen schießt und diese komplett anarchische Inszenierung des Raums führt letztendlich auch dazu, dass einem das Treiben auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm gänzlich am Arsch vorbeigeht. So etwas wie Spannung oder Atmosphäre kommt während der epischen Laufzeit von gut 130 Minuten eigentlich nie auf. Einziger Lichtblick in SCHUTZENGEL ist Moritz Bleibtreu, der zwar auch keine allzu große Rolle abbekommen hat, in den wenigen Szenen, in denen er mitwirkt, aber alles versucht, den Film irgendwie zu retten und letztendlich auch der einzige Grund ist, weswegen man SCHUTZENGEL nun nicht als komplett beschissene Vollkatastrophe bezeichnen muss.

Til Schweiger, der ja nun nicht wirklich dafür bekannt ist, selbstkritisch sein zu können, hat in Interviews angemerkt, dass – da SCHUTZENGEL wohl kein allzu großer Erfolg gewesen ist – Actionkino aus Deutschland einfach nicht funktioniert. Ich behaupte, es würde eventuell funktionieren, wenn es sich um gutes Actionkino handeln würde. SCHUTZENGEL scheitert an einer Mischung aus Unvermögen und Größenwahn und erweist dem Genrekino in Deutschland einen Bärendienst. Denn wenn es selbst die heilige Kuh Schweiger nicht gebacken kriegt, Action im Kino zu etablieren, dann werden auch ähnliche Projekte talentierterer Filmemacher nicht mehr finanziert. Es ist ein Teufelskreis und eine Ironie des Schicksals, dass Schweiger als Schauspieler ja gerade Action ganz gut kann. Allerdings nicht, wenn er Dialoge von sich geben muss. Dann scheitert er wie hier. Ich will mir eigentlich seit Jahren mal wieder KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR ansehen, den ich für den mit großen Abstand besten Schweiger-Film halte und den ich damals geliebt habe. Nach der Sichtung von SCHUTZENGEL und dem Wissen, dass Schweiger auch in diesem Film mehrere Dialogpassagen zu meistern hat, habe ich jedoch Angst vor einem Wiedersehen. Das wahre Talent von Til Schweiger scheinen bisher insbesondere Antoine Fuqua und Quentin Tarantino erkannt zu haben, die ihn in THE REPLACEMENT KILLERS und INGLOURIOUS BASTERDS in Rollen besetzten, in denen er grimmig schauen, rumballern und in erster Linie seinen Mund halten musste.

Bewertung: Mies (mit ein paar wenigen Momenten)! – 3/10

 

 

THE BEES (Mexiko / USA 1978, Regie: Alfredo Zacarías)

the bees

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Während eine Gruppe von Wissenschaftlern in den USA verzweifelt versucht, eine hochaggressive und extrem gefährliche Bienenart aus Südamerika zu zähmen und in Nutztiere zu verwandeln, nehmen skrupellose Geschäftsleute die Gefahr, die von den Bienen ausgeht, nicht ernst und siedeln diese in Amerika an, da ausgerechnet diese Art einen wertvollen Rohstoff für Kosmetikprodukte liefert. Schon bald ziehen mordende Bienenschwärme durch die Vereinigten Staaten…

Halleluja, THE BEES ist auf seine ganz eigene Art und Weise einfach nur herrlich. Die Grundaussage des Films ist identisch mit denen unzähliger Genrekollegen aus dem Tier- und Ökohorrorbereich und lautet natürlich, die Natur nicht weiter auszubeuten, da diese sonst gnadenlos zurückschlagen wird. So begrüßenswert die Agenda des Films auch ist, die zu vermittelnde Botschaft hat das Problem, dass sie von einem Film vermittelt werden soll, der wirklich extrem unsinnig geraten ist (schon die ganze Ausgangssituation ist einfach nur komplett hanebüchen). THE BEES verfügt über keinerlei Spannung, keinen klassischen Handlungsstrang, der sich in irgendeiner Weise entwickeln würde, sondern lediglich um eine Aneinanderreihung verschiedener Szenen, die durch Taten handelnder Personen miteinander verbunden werden, die man bei kritischer Betrachtung einfach nur als bescheuert bezeichnen kann. In THE BEES ergibt wirklich gar nichts einen Sinn.

Für Fans obskurerer Filme ist Zacarías’ Genrebeitrag aber gleich aus mehreren Gründen einen Blick wert. Wegen dieser unglaublichen Selbstverständlichkeit und Ernsthaftigkeit, mit der noch der größte Unfug vermittelt werden soll, und durch die THE BEES einen herrlich naiven Charme entwickelt, dem man sich als B-Movie-Fan nur schwer entziehen kann und will. Wegen der herrlichen Stock-Footage-Sequenzen (bspw. der Flugzeugabsturz), die immer wieder eingebaut wurden, um diesem kleinen Film so etwas wie Größe zu verleihen. Und natürlich wegen der Besetzung, die mit John Saxon, Angel Tompkins und John Carradine mindestens drei B-Movie-Urgesteine aufweisen kann, denen man als Fan immer wieder gerne bei der Arbeit zusieht.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

SMITHEREENS (USA 1982, Regie: Susan Seidelman)

smithereens

(Fassung: DVD, Blue Underground, USA)

Regisseurin Susan Seidelman erzählt in SMITHEREENS die Geschichte der aus Jersey stammenden Wren (Susan Berman), die auf Biegen und Brechen versucht, in der Musikszene von New York Fuß zu fassen. Doch ohne Geld, ohne Bleibe und ohne Perspektive fällt das durchaus schwer. Ihre große Hoffnung setzt sie in den Musiker Eric (Richard Hell), mit dem sie sich am liebsten nach Kalifornien absetzen würde. Doch Eric hat – im Gegensatz zu dem in einem Van lebenden Paul (Brad Rijn) – nicht wirklich Interesse an Wren und nutzt diese stattdessen für seine Zwecke schamlos aus…

Susan Seidelman zeichnet das über weite Strecken durchaus ernüchternde Bild einer Generation bzw. Jugendkultur, in der sich jeder Einzelne eine Strategie zurechtgelegt hat, um irgendwie zu überleben. Und diese Strategie besteht in erster Linie darin, zuerst an sich selbst zu denken. So wie Wren bspw. von Eric ausgenutzt wird, nutzt sie wiederum den gutmütigen Paul aus, im Endeffekt um ihn sich warm zu halten, sollte der Plan mit Eric wider Erwarten für sie doch nicht aufgehen. Und als Zuschauer wird einem relativ schnell klar, dass SMITHEREENS für keine der Hauptfiguren ein wirklich zufriedenstellendes Ende bereit halten dürfte.

SMITHEREENS lebt in erster Linie von seiner Stimmung und Atmosphäre, die immer einen leichten Hauch an Melancholie versprüht, sowie von dem für solche Filme einfach unbezahlbaren Zeit- und Lokalkolorit des New York der frühen 80er Jahre. Zu den handelnden Figuren eine echte Beziehung aufbauen zu können fällt dagegen relativ schwer. Dafür sind deren Taten und Entscheidungen im Verlauf des Plots zu oft einfach zu wenig nachvollziehbar. So bleibt man eher in der Rolle des stillen Beobachters, was zuweilen ja auch nicht die allerschlechteste Rolle ist, die man als Zuschauer einnahmen kann. Wer Filme wie SUBURBIA oder LADIES AND GENTLEMEN, THE FABULOUS STAINS mochte, kann auch bei SMITHEREENS gerne mal einen Blick riskieren. Seidelmans Film kommt zwar nicht ganz an die Qualität der beiden genannten Filme heran, sehenswert ist er in meinen Augen dennoch geraten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MEN IN BLACK (USA 1997, Regie: Barry Sonnenfeld)

men in black

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Wow, MEN IN BLACK hat nun auch schon wieder knapp 20 Jahre auf dem Buckel und scheint – schaut man ihn sich heute an – tatsächlich aus einer komplett anderen Zeit zu kommen, einer Zeit, die weit länger als nur 20 Jahre zurückliegt. Im Jahr 1997 war Sonnenfelds Film um die beiden von Will Smith und Tommy Lee Jones gespielten Agenten einer geheimen Regierungsorganisation, die das Treiben diverser Aliens auf der Erde zu überwachen haben, ein absoluter Blockbuster, großes Popcorn-Kino, das bis heute zwei Fortsetzungen nach sich zog. Im Vergleich mit den insbesondere von Superhelden beherrschten Blockbustern aus der Gegenwart, kommt MEN IN BLACK – der übrigens auch auf einem Comic aus dem Hause Marvel basiert – fast wie ein kleines B-Movie daher. Hier gibt es keine epische Laufzeit von weit über 2 Stunden, keine gebrochenen Helden, keinen überbordenden Bombast, bei dem ganze Städte dem Erdboden gleich gemacht werden. Barry Sonnenfeld erzählt seine einfach gestrickte Geschichte in knackigen 90 Minuten, überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus Action, komischen Elementen, obskuren Aliens und auch heute noch ausgesprochen hübsch anzusehenden Effekten und scheint als oberste Agenda auf dem Schirm zu haben, seinem Publikum eine möglichst unterhaltsame und unbeschwerte Zeit zu bereiten.

Mir hat MEN IN BLACK bei diesem Wiedersehen nach vielen Jahren wirklich ausgesprochen viel Spaß gemacht, ich fand ihn ungemein sympathisch und unterhaltsam und hatte ihn gar nicht als so gut in Erinnerung. Jetzt bin ich schon sehr auf die beiden Fortsetzungen gespannt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL (USA 1989, Regie: Arthur Hiller)

see no evil, hear no evil

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

In SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL bilden der blinde Wally (Richard Pryor) und der taube Dave (Gene Wilder) eine Zweckgemeinschaft der besonderen Art, die sich plötzlich damit auseinandersetzen muss, dass sie sich aufgrund der Verkettung ungünstiger Umstände auf der Flucht vor der Polizei und skrupellosen Gangstern befindet. Vor dem Kiosk, den Dave betreibt und in dem auch Wally arbeitet, wurde nämlich ein Buchhalter ermordet, der zuvor noch eine wertvolle Münze in einem Kästchen mit Kleingeld verstauen konnte. Zum Zeitpunkt der Tat hatte Dave dem Opfer dem Rücken zugedreht, folglich den Schuss nicht gehört und sich nichts dabei gedacht, als er sich kurze Zeit später umdrehte und lediglich eine Frau von hinten weglaufen sah. Der blinde Wally konnte den Schuss natürlich hören, die Täterin aber nicht sehen. Und da Wally beim Opfer auch noch Schulden hatte, geraten die beiden Protagonisten unter Mordverdacht, fliehen im weiteren Verlauf der Handlung aus der Polizeigewahrsam, versuchen ihre Unschuld zu beweisen und müssen sich mit den Mördern auseinandersetzen, die hinter der wertvollen Münze her sind…

Gut, die ganze Ausgangssituation des Films ist natürlich reichlich albern und es dürfte jedem klar sein, dass die Qualität von Hillers Krimi- und Actionkomödie weniger in einer ausgetüftelten Handlung, sondern mehr in einer einzigartigen Gagparade zu finden ist, die sich logischerweise aus der jeweiligen Behinderung der beiden Hauptfiguren und vor allem auch aus der Tatsache speist, dass die beiden Protagonisten einfach nicht bereit sind, sich ihre jeweilige Behinderung einzugestehen und zu ihr zu stehen. Das mag vielleicht alles nicht unbedingt politisch korrekt sein, ist aber dafür einfach nur lustig und stellenweise wirklich zum Schreien komisch. Ob das nun eher kleinere Sequenzen sind, wie die, in der der blinde Wally einen anderen Blinden über die Straße begleitet und diesen und sich selbst geradewegs in den Laderaum eines Lastwagen manövriert, oder ob es sich um größer angelegte Szenen wie die Flucht mit dem Polizeiwagen handelt, in der selbstredend der blinde Wally hinter dem Steuer landet und vom tauben Dave dirigiert wird.

SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL lebt von seinem ebenso schwarzen wie liebenswerten Humor und von seinen beiden Hauptdarstellern, die diesen einfach nur phänomenal rüberbringen. Vor allem Richard Pryor ist – ohne die tolle Leistung von Gene Wilder in irgendeiner Weise schmälern zu wollen – schlicht grandios und der Rolle und spielt den blinden Wally so unglaublich gut und überzeugend, dass man meinen könnte, Pryor selbst wäre blind. Dieser starre Blick, die Tatsache, dass er beim Spiel praktisch keine Mine verzieht, nie blinzelt – Pryors Leistung ist der pure Wahnsinn und der Hauptgarant dafür, dass SEE NO EVIL, HEAR NO EVIL so fantastisch funktioniert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

THE PRINCIPAL (USA 1987, Regie: Christopher Cain)

the principal

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Durch den Erfolg von Lesters CLASS OF 1984 aus dem Jahr 1982 hatte in den Folgejahren das Subsubgenre des “Terror an der Highschool”-Films zwar nicht unbedingt Hochkonjunktur, aber doch Konjunktur. Die Versatzstücke dieser Filme waren immer dieselben. Es gab die Problemschule im Problembezirk, brutale Banden, die vornehmlich mit Drogen handelten und auch vor Mord nicht zurückschreckten, einzelne Schüler, die tatsächlich etwas lernen wollten, unter diesen Bedingungen aber keine Aussicht auf schulischen Erfolg hatten, den einen Lehrer, der sich gegen den Bandenterror auflehnte und natürlich mindestens einen Schüler auf der Seite der Bösen, der im Laufe des Films bekehrt werden und die Seiten wechseln sollte.

Von diesen vorgegebenen Regeln weicht auch THE PRINCIPAL von Regisseur Christopher Cain nicht. Hier wird James Belushi, der nun nicht gerade den Vorzeigelehrer gibt, von einer harmlosen Schule an die schlimmste Schule der Stadt strafversetzt und soll dort den Job als Direktor übernehmen. Schon bald kommt es zu ersten Konfrontationen mit den Gangstern, die die Schule beherrschen und zur Entscheidung des neuen Direktors, hier gründlich aufzuräumen, was – mit einigen Hochs und Tiefs versehen – am Ende des Tages natürlich gelingt. Was THE PRINCIPAL von ähnlichen Filmen unterscheidet ist die Tatsache, dass Christopher Cain versucht, nicht zu sehr auf Exploitation zu setzen, sondern seine Geschichte eher ernsthaft und dramatisch aufzuziehen. Im Weg stehen ihm dabei allerdings der vorhersehbare und durch die Regeln des Genres vorgegebene Handlungsverlauf und die ziemliche klischeehafte Zeichnung der verschiedenen Charaktere. Auf der Habenseite stehen James Belushi, Louis Gossett Jr. und Rae Dawn Chong, durch deren Mitwirken hohe schauspielerische Qualität in den Film gebracht wird, eine ausgesprochen kurzweilig erzählte Geschichte und ein Finale, bei dem phasenweise sogar richtige Spannung aufkommt. Genrefans können gerne mal einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

PRETTY PEACHES (USA 1978, Regie: Alex de Renzy)

pretty peaches

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Ein kleiner Ausflug in den Bereich der klassischen Erwachsenenunterhaltung. Aus einer Zeit, in der noch nicht jeder Vollidiot mit einer Videokamera irgendwelche holprigen Ferkeleien drehen und in entsprechenden Portalen jedermann zugänglich machen konnte. Von den frühen 70er Jahren bis Mitte der 80er Jahre waren das tatsächlich noch richtige Filme, die oftmals einen echten Kinostart bekamen und von Leuten gedreht wurden, die etwas von ihrem Handwerk verstanden. Eine 35mm-Filmkamera ist dann doch nicht ganz so leicht zu bedienen wie eine einfache Videokamera. Dementsprechend aufwendig sind Filme wie PRETTY PEACHES dann auch geraten und es ist beruhigend zu sehen, dass auch diese unterschlagensten der unterschlagenen Filme von engagierten Labels wie bspw. Vinegar Syndrome aus den USA mittlerweile mit der Sorgfalt behandelt werden, die sie verdient haben, einem aufwändigen Restaurierungsprozess unterliegen und so für die Nachwelt erhalten werden.

PRETTY PEACHES handelt von einer jungen Frau (Desiree Cousteau), die nach einem Verkehrsunfall einen Gedächtnisverlust erleidet und zwei zwielichtigen Typen (Joey Silvera und Ken Scudder) in die Hände fällt, die die missliche Lage der Verunglückten schamlos auszunutzen versuchen. Diese Ausgangssituation führt natürlich zu allerlei frivolen Situationen, die entsprechend explizit dargestellt werden. PRETTY PEACHES lotet definitiv diverse Grenzen aus, hat so einige Sequenzen an Bord, die verklemmten Personen die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte, ist vom Grundton dann aber auch wieder so charmant-naiv, locker und lustig geraten, dass die Sichtung dieses kleinen Hardcore-Klassikers von Anfang bis zum Ende ein einfach nur diebisches Vergnügen darstellt.

Bewertung: Gut! – 7/10

02/2016 – Sichtungen 10-18

THE CONDEMNED (USA 2007, Regie: Scott Wiper)

the condemned

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

 In THE CONDEMNED kauft ein ebenso skrupelloser wie schwerreicher TV-Produzent (Robert Mammone) aus diversen Gefängnissen insgesamt 10 zum Tode verurteilte Verbrecher (u.a. Steve Austin, Vinnie Jones) frei, verfrachtet diese auf eine einsam gelegene Insel, zwingt sie, sich gegenseitig selbst auszuradieren und überträgt das fragwürdige Spektakel per Livestream im Internet. Dem Überlebenden der Todeskandidaten winkt ein Leben in Freiheit…

THE CONDEMNED wurde von WWE Films produziert – WWE steht für World Wrestling Entertainment -, einer Produktionsgesellschaft, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, diverse Superstars des Wrestling auf die große Leinwand zu bringen. Diesen Fakt sollte man bei der Sichtung des Films im Hinterkopf behalten, insbesondere wenn man auch nur einen Hauch von Anspruch erwartet. THE CONDEMNED steht in der Tradition des guten, alten Menschenjagd-Films, von denen es im Lauf der Filmgeschichte ja schon einige gegeben hat. Anders als die meisten Vertreter dieses Subgenres verlegt Scott Wiper die Handlung seines Films jedoch nicht in eine dystopische Gesellschaft der (nicht allzu) fernen Zukunft, sondern ins Hier und Jetzt und zeichnet den momentanen Zustand der Welt als komplett pervertiert und verdorben (womit er ja nicht unbedingt falsch liegt).

THE CONDEMNED hat dabei – wie so viele andere Filme dieses Subgenres – natürlich das Problem, dass er das, was er da anprangert und verurteilt, dem Zuschauer vor der Leinwand bzw. vor dem heimischen Fernseher natürlich auch auf möglichst spektakuläre Weise servieren will und sich aus diesem Grund durchaus kritische Stimmen gefallen lassen und sich mit dem Vorwurf der Verlogenheit auseinandersetzen muss. Es ist dieser schmale Grat zwischen selbstzweckhafter Exploitation und aufrichtiger Medienkritik auf dem es zu wandeln gilt und das gelingt THE CONDEMNED – insbesondere unter der Berücksichtigung, dass sich da nicht unbedingt ein Ensemble talentierter Charakterdarsteller vor der Kamera eingefunden hat – über weite Strecken des Films durchaus passabel. Regisseur Scott Wiper spart sich ironische Distanz zum Geschehen auf der Leinwand und erzählt seine Geschichte praktisch ohne jeglichen Anflug von Humor. Das macht das Gezeigte für den Zuschauer über weite Strecken ziemlich unangenehm und davon, als unbeschwerte Unterhaltung bezeichnet werden zu können, ist THE CONDEMNED doch ziemlich weit entfernt. Vielleicht hätte man sich einige geschmackliche Entgleisungen sparen können (insbesondere diese peinliche Rede am Ende des Films) und vielleicht ist dieser finale Gut-gegen-Böse-Konflikt etwas zu naiv geraten, insgesamt betrachtet hat mich THE CONDEMNED aber durchaus positiv überrascht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DEADPOOL (Kanada / USA 2016, Regie: Tim Miller)

deadpool

(Fassung: Central-Kino Hof, O-Ton-Vorführung)

Ryan Reynolds spielt den ehemaligen Elitesoldaten und jetzigen Söldner Wade, der sich – um eine tödliche Krebserkrankung zu besiegen – auf ein medizinisches Experiment der extremeren Art einlässt und sich schon bald in der Rolle eines Versuchskaninchens wiederfindet. Doch die Behandlungsmethoden zeigen Wirkung und aus Wade wird Deadpool – ein unter einer Persönlichkeitsstörung leidender und mit übernatürlichen Kräften ausgestatteter Superheld der etwas anderen Art…

Ob DEADPOOL der Comicvorlage nun gerecht wird kann und will ich nicht beurteilen, denn dazu müsste ich die Vorlage kennen. Das sollen andere entscheiden, Aussagen aus meinem Freundeskreis ist aber durchaus zu entnehmen, dass Miller mit seiner Verfilmung den Comic adäquat umgesetzt hat. Innerhalb der unzähligen Superheldenfilme, die in den letzten Jahren so in die Kinos gekommen sind, ragt DEADPOOL definitiv hervor. Ob er nun eher positiv oder eher negativ hervorragt, ist am Ende des Tages wohl reine Geschmackssache. DEADPOOL hat sicher das Potential, dass man sich an ihm reiben kann. Ich denke, hier dürfte es kein sonderlich breites Meinungsspektrum geben. Die einen werden begeistert sein, die anderen werden ihn hassen.

DEADPOOL ist auf größtmögliche Provokation – innerhalb der engen Grenzen des Blockbusterkinos – getrimmt, lotet diese Grenzen genüsslich aus und versucht auch immer wieder, diese zu überschreiten. Die Grenzüberschreitungen werden dann aber auch immer wieder ironisch gebrochen. DEADPOOL ist fast schon bemüht durchgeknallt und überdreht und das ständige Durchbrechen der Vierten Wand und dieses mehr als aufdringliche Spot-the-Reference-Gehabe führen letztendlich auch dazu, dass man DEADPOOL eigentlich nie so richtig ernst nehmen kann. Würde man diese unzähligen Tabubrüche, die hier begangen werden, mal genauer betrachten, würde man wohl zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass da Genrefilmer vor über 40 Jahren weitaus provokantere Sachen in die Kinos gebracht haben als das, was Miller hier abliefert. DEADPOOL funktioniert so vor allem als ultimative Nerdfantasie und als Ansammlung skurriler Schauwerte. Und als solche funktioniert er tatsächlich ganz vorzüglich. Denn wenn man sich auf DEADPOOL mit all seinem Imponiergehabe, all seinem Gepose und all seinem Radau einlässt – und das ist mir glücklicherweise gelungen – wird man mit einem verdammt unterhaltsamen Stück Film belohnt, welches – auch wenn hier weitaus mehr Schein als Sein am Werk ist – innerhalb des typischen Superhelden-Mainstream-Kinos als fast schon einzigartig bezeichnen werden kann. Für einen Blockbuster ist DEADPOOL tatsächlich maximal asozial geraten und es ist ein Wunder, dass dieser Film von einem Major-Studio wie 20th Century Fox in die Kinos gebracht wurde. Bei Disney, welche ja einen Großteil des Marvel-Franchises fürs Kino verwerten, hätte der Film in dieser Form sicher nie die Lichter der Leinwände erblickt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

LOVE (Belgien / Frankreich 2015, Regie: Gaspar Noé)

love

(Fassung: Blu-ray 3D, Alamode Film, Deutschland)

Eine Nachricht auf seiner Mailbox am Neujahrsmorgen schickt den verkaterten Murphy (Karl Glusman), einen in Paris lebenden Amerikaner, auf einen Erinnerungstrip in die eigene Vergangenheit und Regisseur Gaspar Noé lässt uns als Zuschauer daran teilhaben. Wir werden Zeuge, wie Murphy einst die ebenso attraktive wie instabile Electra (Aomi Muyock) kennenlernte, welche die Liebe seines Lebens werden sollte und die er aus Dummheit gehen ließ. Nun sitzt er da, mit einem kleinen Kind und einer anderen Frau (Klara Kristin), die er nicht liebt und sein Leiden über die verlorene Liebe seines Lebens ist auch für den Zuschauer fast körperlich spürbar. LOVE ist ein Film, der mitten ins Herz trifft, einen packt und einfach nicht mehr loslässt. Das Spiel der verschiedenen Darsteller ist so natürlich, so realistisch, so authentisch, so unglaublich explizit und direkt, dass man als Zuschauer das Gefühl bekommt, man würde irgendwo als heimlicher Beobachter in der Ecke sitzen und keinen fiktiven Figuren aus einem Film zusehen, sondern tatsächlich reale Menschen beobachten.

LOVE fordert einen als Zuschauer. Wegen seiner Explizitheit, seiner Tabulosigkeit und wegen dieses bereits erwähnten, ungemein intensiven Spiels von insbesondere Karl Glusman und Aomi Muyock. Aber so verstörend und herausfordernd LOVE stellenweise auch sein mag, er ist in allererster Linie eine hocherotische und einfach nur wunderschöne Liebeserklärung an die Liebe und das Leben. Er ist gerade wegen des dramatischen Schicksals von Murphy und Electra eine regelrechte Aufforderung an den Zuschauer, nicht dieselben Fehler zu begehen wie die beiden, sondern sich bewusst zu machen, welch unbezahlbarer Schatz dieses Finden der “wahren“ Liebe doch ist. Jeder hat es selbst in der Hand, diesen Schatz festzuhalten und nicht leichtfertig wieder aufzugeben.

Bewertung: Meisterwerk! – 10/10

 

 

WHIPLASH (USA 2014, Regie: Damien Chazelle)

whiplash

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

WHIPLASH scheint ja tatsächlich zum erlauchten Kreis der Filme zu gehören, die man als Zuschauer laut herrschender Meinung gefälligst meisterlich, zumindest aber hervorragend zu finden hat. In den Top 250 der IMDB belegt er momentan den 44. Platz, es gab Oscar-Nominierungen als bester Film und für das beste, adaptierte Drehbuch und u.a. eine Oscar-Auszeichnung für J.K. Simmons als bester Nebendarsteller.

Erzählt wird die Geschichte eines talentierten, jungen Musikschülers – gespielt von Miles Teller -, der von seinem Lehrer (J.K. Simmons) gequält, tyrannisiert und an sämtliche Belastungsgrenzen getrieben wird, bis er schließlich daran zu zerbrechen droht.

Zu behaupten, WHIPLASH sei ein guter Film, fällt definitiv nicht schwer. Dazu spielt J.K. Simmons diesen tyrannischen, ja fast schon diabolischen Lehrer, einfach viel zu gut und es macht als Zuschauer zu viel Spaß, diesem etwas anderen Bösewicht bei seinem fiesen Treiben zuzusehen. Sonderlich viel mehr hat WHIPLASH meines Erachtens jedoch nicht zu bieten. Die ganze Geschichte ist viel zu vorhersehbar und klischeehaft in ihrem Verlauf und so etwas wie eine echte Bindung zu den handelnden Personen konnte ich während des ganzen Films nicht aufbauen. WHIPLASH hat mich als Zuschauer nicht wirklich berührt, er hat mich in der Rolle des stillen Beobachters in der Ecke sitzen lassen. Ich persönlich war – nach diesen unzähligen positiven und euphorischen Stimmen zum Film – fast ein bisschen enttäuscht, bin vielleicht auch an der eigenen Erwartungshaltung gescheitert. Aber zumindest dieses Drumsolo, mit dem Chazelle seinen Film beendet, ist tatsächlich so intensiv, atemberaubend und grandios wie überall beschrieben.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

FOR LOVE OF THE GAME (USA 1999, Regie: Sam Raimi)

for love of the game

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 Kevin Costner spielt den alternden Baseball-Star Billy Chapel, der sein Leben lang für die Detroit Tigers angetreten ist und nicht wenige Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt hat. Nun ist er im Spätherbst seiner Karriere angelangt und muss – nachdem er erfahren hat, dass die Tigers den Besitzer wechseln und er zur neuen Saison verkauft werden soll – eine Entscheidung treffen, wie es mit seiner Karriere und seinem Leben weitergehen soll…

Innerhalb der Regiekarriere von Sam Raimi sticht FOR LOVE OF THE GAME deutlich hervor. Nicht aufgrund seines etwa großen Erfolges, vielmehr war eher das Gegenteil der Fall. Schenkt man der IMDB Glauben, spielte FOR LOVE OF THE GAME nicht mal die Hälfte seines Budgets von rund 80 Mio. US-Dollar wieder ein und muss dann doch eher als großer Flop verbucht werden. Nein, dieser Film sticht aus Raimis Filmographie so hervor, da er der einzige Film ist, den Raimi bis heute außerhalb des Genres des (weitläufigen) phantastischen Films gedreht hat. Raimi hat sich hier an einer Mischung aus Liebesgeschichte, Drama und Sportfilm versucht und ist dabei so richtig baden gegangen. Weshalb nun gerade dieser Film bei Kritik und Publikum so dermaßen durchfiel, kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich erklären. Wenn man einem Subgenre klischeehafte Charaktere und vorhersehbare Handlungsverläufe verzeiht, dann ist es doch eigentlich das Genre des Sportfilms. Denn das lebt ja gerade von seinen Klischees, davon, dass am Ende der große Erfolg steht, der den Sieg holt, der ihn sich verdient hat, die richtigen Entscheidungen getroffen werden – mögen sie noch so klischeehaft und vorhersehbar sein. Dies alles gibt es auch in FOR LOVE OF THE GAME für den Zuschauer zu sehen und wenn man sich auf den Film einlässt und entsprechend nachsichtig mit ihm ist, dann kann man meines Erachtens durchaus von ihm mitgerissen werden. Ich fand beispielsweise, dass gerade der von Kevin Costner gespielte Billy Chapel in seiner Unentschlossenheit, seiner Melancholie aufgrund des nahenden Karriereendes durchaus überzeugend und glaubwürdig gezeichnet wurde. Man nimmt dem Mann ab, dass er zwischen der Liebe zum Spiel und seiner Liebe zu der von Kelly Preston gespielten Jane Aubrey hin- und hergerissen ist und hofft mit ihm, dass er die für ihn richtige Entscheidung finden möge. Und auch das Stilmittel, die Geschichte immer wieder auch in Rückblenden zu erzählen, hat mir gerade bei dieser Geschichte ausgesprochen gut gefallen.

Für mich persönlich ist es bei der Beurteilung eines Films wichtig, dass er mich in irgendeiner Weise berührt hat. Und das ist Raimi mit seinem Flop FOR LOVE OF THE GAME weitaus besser gelungen als beispielsweise Damien Chazelle mit dem unmittelbar zuvor angesehenen und vom Publikum und Kritik hochgelobten WHIPLASH. Am Ende des Tages ist wohl doch alles nur eine Frage des Geschmacks. Und über den lässt sich ja bekanntlich schlecht streiten. Auch wenn es mitunter verdammt viel Spaß macht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SAN ANDREAS (USA 2015, Regie: Brad Peyton)

san andreas

(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

In Kalifornien bebt die Erde und Dwayne Johnson versucht als Pilot eines Rettungshubschraubers seine Tochter und seine Ex-Frau aus der Naturkatastrophe zu retten…

SAN ANDREAS gehört zum Genre des guten, alten Katastrophenfilms und überzeugt natürlich in erster Linie durch seine Schauwerte und weniger durch eine besonders ausgeklügelte und innovative Handlung. Inmitten der Katastrophe gibt es das standardisierte Familienmelodram, an dessen Ende natürlich die Rettung und Wiedervereinigung der zuvor – nicht nur durch die Katastrophe – getrennten Familie steht. So darf man sich als Zuschauer bei SAN ANDREAS also in erster Linie entspannt zurücklehnen und sich von den Schauwerten begeistern lassen. Und die haben es tatsächlich in sich. Peytons Film ist visuell – auch aufgrund seiner guten 3D-Effekte – wirklich mehr als ansprechend geraten und die spektakulären Effekte, bei denen einem als Zuschauer das eine oder andere Mal der Mund vor Erstaunen und Begeisterung offen steht, werden durch ein mehr als druckvolles Sounddesign ergänzt, was letztendlich dazu führt, dass es in rein technischer Hinsicht an SAN ANDREAS aber mal rein gar nichts auszusetzen geben dürfte. Ganz wunderbares Popcornkino – nicht mehr und auch nicht weniger.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

BECKS LETZTER SOMMER (Deutschland 2015, Regie: Frieder Wittich)

becks letzter sommer

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Christian Ulmen spielt den Lehrer Robert Beck, der einst eine vielversprechende Karriere als Musiker aufgab um lieber einen sicheren Job als Staatsbeamter anzutreten. Nun ist Beck Mitte 30, frustriert von Privatleben und Job und hadert zudem mit den vergebenen Chancen seiner Vergangenheit. Als er in einem seiner Schüler (Nahuel Pérez Biscayart) großes musikalisches Talent entdeckt, versucht er, diesem einen Plattenvertrag zu verschaffen und erhofft sich dadurch, auch selbst aus dem ungeliebten Hamsterrad des Beamtentums aussteigen zu können und es doch noch zu einer Karriere im Musikbusiness zu bringen…

Wittichs Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Benedict Wells, der angeblich beim Schreiben des Buchs und der Entwicklung der Figur des Robert Beck an Christian Ulmen gedacht hat (dummerweise finde ich die Quelle für diese Behauptung gerade nicht, bin mir aber sicher, dass mehrmals gelesen zu haben). Und tatsächlich kann man sich niemanden anders als Christian Ulmen in der Rolle dieses streitbaren Verlierers feststellen, der die Förderung seines Schülers nicht nur aus barmherzigem Samaritertum, sondern vor allem auch aus egoistischen Gründen vorantreibt. Da Ulmen diesen Charakter aber spielt wie Ulmen solche Charaktere nun mal zu spielen pflegt, kann man sich als Zuschauer – der sich vielleicht selbst gerade in Becks Alter befindet oder dieses bereits vor ein paar Jahren überschritten hat und diese Situationen kennt, in denen man sich gerade in diesem Alter Gedanken darüber macht, ob man nicht irgendwelche Chancen in seinem Leben unbedacht hat liegen lassen – ganz vorzüglich in den von Ulmen gespielten Beck hineinversetzen, ihn stellenweise verstehen, Empathie und durchaus auch Sympathie für ihn empfinden. Regisseur Frieder Wittich ist mit BECKS LETZTER SOMMER insbesondere in der ersten Hälfte eine witzige, wunderbar melancholische und auch bewegende Loser-Ballade gelungen, von der man sich als Zuschauer ganz vorzüglich treiben lassen kann. Das Problem von Wittichs Film – und das dürfte der Vorlage geschuldet sein – ist dann die zweite Hälfte, in der BECKS LETZER SOMMER zum Road Movie mutiert, in der er etwas die Orientierung zu verlieren scheint und auch viel seiner Glaubwürdigkeit aus der ersten Hälfte des Films wieder einbüßt. Die macht dann leider aus einem anfangs noch sehr guten Film am Ende doch einen “nur“ guten Film.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

CLOUDS OF SILS MARIA (Deutschland / Frankreich / Schweiz 2014, Regie: Olivier Assayas)

clouds of sils maria

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

Mit dem Theaterstück “Maloja Snake“ und dem gleichnamigen darauffolgenden Film schaffte die Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) einst den großen Durchbruch in der Rolle einer blutjungen Verführerin, die ihre Vorgesetzte in ein Verhältnis verwickelt. Nun, 20 Jahre später, möchte ein erfolgreicher Jungregisseur (Lars Eidinger) das Stück mit der Starschauspielerin erneut auf die Bühnen bringen. Nun soll sie verständlicherweise jedoch die Rolle der älteren Verführten bekleiden, ihr Part von damals geht an die skandalumwitterte Jungschauspielerin Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz). Nach anfänglichem Zögern sagt Maria zu und begibt sich mit ihrer persönlichen Assistentin, der weitaus jüngeren Valentine (Kristen Stewart), in die einsame Schweizer Bergwelt, um sich dort auf ihre Rolle vorzubereiten…

CLOUDS OF SILS MARIA funktioniert in erster Linie als Metafilm, denn im Endeffekt spielen sich Juliette Binoche und Chloë Grace Moretz selbst. Wie ihre Maria Enders muss auch Juliette Binoche in ihrer echten Karriere damit leben, dass die wirklich attraktiven Rollen an weitaus jüngere Schauspielerinnen vergeben werden, so wie sie einst selbst als Jungschauspielerin den älteren Kolleginnen begehrte Parts vor der Nase wegschnappte. Regisseur und Drehbuchautor Olivier Assayas hat mit CLOUDS OF SILS MARIA einen Film über das Älterwerden, über Generationenkonflikte und über Würde gedreht, der bestens dazu geeignet ist, auch beim Zuschauer diverse Prozesse des Nachdenkens anzustoßen.

Seine Faszination zieht Assayas’ Film vor allem aus dem ganz vorzüglichem Spiel seiner drei weiblichen Hauptdarstellerinnen (wobei man die Rolle von Chloë Grace Moretz auch als Nebenrolle bezeichnen könnte, ist sie doch deutlich kleiner als die von Binoche und Stewart), insbesondere aus dem Zusammenspiel zwischen Juliette Binoche und Kristen Stewart, die sich wirklich perfekt ergänzen und dieses Aufeinanderprallen verschiedener Generationen unheimlich authentisch und witzig rüberbringen. Es ist eine Freude den Dialogen der beiden zu lauschen und sie dabei zu beobachten, wie sich aus den Proben für das Theaterstück immer wieder interessante Streitgespräche und Diskussionen entwickeln. Vor allem die Leistung von Kristen Stewart kann man gar nicht hoch genug in den Himmel loben. Sie gibt hier die wahrscheinlich beste Vorstellung ihrer bisherigen Karriere und ich muss gestehen, dass ich ihr einen solchen Auftritt nicht wirklich zugetraut hätte.

CLOUDS OF SILS MARIA ist intelligent, dramatisch, witzig, regt zum Nachdenken an und begeistert zudem mit dieser einfach nur beeindruckenden Naturkulisse der Schweizer Bergwelt, die auch dazu führt, dass sich über CLOUDS OF SILS MARIA stellenweise eine leicht mystisch angehauchte Stimmung legt.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 8 (USA 2012 /2013, Idee: Carter Bays / Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

 Auch in der mittlerweile achten und vorletzten Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER versuchen die Macher den in den beiden vorherigen Staffeln eingeschlagenen Weg weiterzugehen und sich in den einzelnen Episoden mehr auf das große Ganze und weniger auf von der Rahmenhandlung unabhängige Folgen zu konzentrieren. Das gelingt über weite Strecken zwar ganz gut, qualitativ muss man im direkten Vergleich zu den sehr guten Staffeln Nr. 6 und 7 aber doch einige Abstriche in Kauf nehmen. Man merkt der Serie an, dass im achten Jahr nun doch so langsam die Ideen auszugehen scheinen. Viele Gags wiederholen sich, die eine oder andere Füller-Episode hat sich auch eingeschlichen und insgesamt betrachtet ist HOW I MET YOUR MOTHER einfach nicht mehr so extrem lustig wie in den Jahren zuvor. Die besten Gags gehen – wie gewohnt – erneut auf das Konto von Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney Stinson und er ist dann auch hauptverantwortlich dafür, dass sich HOW I MET YOUR MOTHER im Laufe der 24 Episoden dieser achten Staffel zumindest auf einem guten Level einpendelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part II

THE STRANGERS (USA 2008, Regie: Bryan Bertino)

the strangers

(Fassung: Blu-ray, Kinowelt, Deutschland)

Nach einer Hochzeitsfeier fährt ein junges Paar (Liv Tyler und Scott Speedman) zum etwas abgelegenen Sommerhaus seiner Eltern um dort die Nacht zu verbringen und am nächsten Tag die Weiterreise anzutreten. Die Stimmung könnte besser sein, er hat ihr einen Antrag gemacht, den sie allerdings nicht angenommen hat. Doch schon bald haben die beiden weitaus größere Probleme als einen nicht angenommenen Heiratsantrag. Das Haus wird scheinbar grundlos von maskierten Unbekannten angegriffen und die Übernachtungsgäste müssen um ihr Leben fürchten…

THE STRANGERS gehört zum Subgenre des Home-Invasion-Films, in dem das schützende Heim, das Haus bzw. die Wohnung als Rückzugsort, von Fremden angegriffen wird. Bereits zu Beginn des Films erfährt man als Zuschauer mit Hilfe von Texttafeln und einem Sprecher aus dem Off, dass die nachfolgenden Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen und die zugrundeliegenden Verbrechen bis heute nicht aufgeklärt wurden. Es sollte bereits zu diesem Zeitpunkt klar sein, dass man von THE STRANGERS kein kathartisches Ende zu erwarten haben dürfte.

Regisseur Bryan Bertino lässt den Schrecken und das Grauen ganz langsam über den Zuschauer und seine beiden Protagonisten hereinbrechen, baut seine Spannung behutsam auf und kreiert eine ungemein dichte und bedrohliche Atmosphäre. Als Horrorfilm ist THE STRANGERS ungemein effektiv. Er ist zutiefst beunruhigend und verstörend und lässt den Zuschauer am Ende ratlos zurück. Es gibt keine Erlösung, es gibt keine Erklärung für die Taten der Verbrecher, ihr Handeln ergibt absolut keinen Sinn. Das angegriffene Paar hatte lediglich das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. THE STRANGERS ist ein ungemein spannendes und erschreckendes Beispiel für die Sinnlosigkeit von Gewalt und zeichnet ein ebenso pessimistisches wie mittlerweile leider auch realistisches Bild vom Zustand unserer Welt. Niemand ist mehr sicher.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

INHERENT VICE (USA 2014, Regie: Paul Thomas Anderson)

inherent vice

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Joaquin Phoenix ist Larry „Doc“ Sportello, ein ständig bekiffter Privatdetektiv, der eines Tages Besuch von seiner Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston) erhält, die ihm eine wilde Geschichte erzählt, nach der ihr derzeitiger Geliebter, der mächtige Baulöwe Wolfmann (Eric Roberts), von seiner Ehefrau und deren Geliebten entführt werden soll. Doc nimmt sich der Sache an und befindet sich plötzlich in einem heillosen Durcheinander, welches wohl nur im berauschten Zustand zu entwirren ist. Ich selbst habe Andersons Mischung aus Komödie, Drama, Kriminal- und Mysteryfilm vollkommen nüchtern betrachtet und kann bezeugen, dass INHERENT VICE auch auf einen nüchternen Zuschauer eine durchaus psychedelische Wirkung entfaltet. An den Punkt, an dem man der Handlung einfach nicht mehr folgen will und wohl auch nicht mehr folgen kann, kommt man als Zuschauer relativ schnell. Viel lieber will man sich von dieser obskuren Geschichte mit ihren noch obskureren Typen treiben lassen, will diese einzigartige Stimmung des Films aufsaugen, will regelrecht in ihm versinken. INHERENT VICE ist von einem herkömmlichen Plot vollkommen losgelöstes Kino, welches auf den Zuschauer wohl nur zwei Wirkungen haben kann: Man findet es entweder todlangweilig oder lässt sich von der transportierten Stimmung und Atmosphäre packen und mitreißen. Mir ist – auch aufgrund des tollen Soundtracks – glücklicherweise letzteres gelungen. Faszinierend.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN (aka The Super Inframan, Hongkong 1975, Regie: Hua Shan)

zhong guo chao ren

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Ein außerirdische (?) Prinzessin (Terry Liu) arbeitet sich aus dem Erdinneren über einen lange ruhenden Vulkan an die Oberfläche und möchte mit ihrer aus Latexmonstern bestehenden Armee nicht viel weniger als die Weltherrschaft an sich reißen. Doch sie hat die Rechnung ohne Professor Liu (Wang Hsieh) gemacht, der verwandelt kurzerhand einen einfachen Soldaten (Danny Lee) in Inframan, einen unbezwingbaren Superhelden…

Wow, 中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN ist ja mal richtig toll. Es kracht und knallt an allen Ecken und Enden und ein Film, in dem ein quietschbunter Superheld gegen putzige Latexmonster antritt und diese sich teilweise in Martial-Arts-Fights bekämpfen, muss das Kind im Manne einfach wecken und eine entsprechend begeisterte Reaktion hervorrufen. Entstanden als chinesische Antwort auf die japanischen Monster- und Superheldenfilme der damaligen Zeit und produziert von den altehrwürdigen Shaw Brothers, ist 中國超人 | ZHONG GUO CHAO REN eine regelrechte Wundertüte geworden, ein Film, bei dem man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt und der mit seiner obskuren Ausgangssituation, seinen wunderschönen Latexmonstern und seinen geilen Fights tatsächlich Schauwerte am laufenden Band liefert und einen als Zuschauer zufrieden grinsend vor dem heimischen Flatscreen sitzen lässt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

PERFECT (USA 1985, Regie: James Bridges)

perfect

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Der für das angesehene Rolling-Stone-Magazin tätige Reporter Adam Lawrence (John Travolta) soll einen Artikel über Fitnessstudios als neue Kontakthöfe schreiben, lernt bei seinen Recherchen die Aerobic-Trainerin Jessie (Jamie Lee Curtis) kennen und verliebt sich in sie…

PERFECT gehört zu den Filmen, die man tatsächlich gesehen haben muss, um glauben zu können, dass Filme wie dieser einst tatsächlich von großen Studios – im vorliegenden Fall die Columbia Pictures – finanziert und in die Kinos gebracht wurden. PERFECT pendelt irgendwo zwischen Drama und Romanze, zwischen Kitsch und Sleaze und was das nun tatsächlich für ein Film gewesen sein soll, hat sich mir noch nicht gänzlich erschlossen. Mit ausgesprochen wohlwollender Betrachtung könnte man PERFECT vielleicht als Satire auf den Fitness-Wahn lesen, meine Befürchtung geht allerdings eher in die Richtung, dass das Gezeigte hier alles tatsächlich ernst gemeint sein könnte. PERFECT ist so ein eher entlarvendes Beispiel seiner Zeit, aus der er entsprungen ist, ein Film, der als Sinnbild für die 80er Jahre steht, den Zuschauer mit Künstlichkeiten und Oberflächlichkeiten bombardiert und die als höchstes Lebensziel zu propagieren scheint. So unglaublich die Prämisse von Bridges’ Film aus heutiger Sicht auch sein mag, so unglaublich unterhaltsam ist PERFECT aber auch geraten. Das Teil hier rockt ganz gewaltig, aufgrund seiner Schauwerte, aufgrund seines geilen Soundtracks und aufgrund seiner Obskurität. Und diese Aerobic-Sequenz um die 40-Minuten-Marke herum, in der Travoltas Gemächt fast aus dem Sporthöschen zu quellen droht, ist so unfassbar grandios, dass sie einen Platz in jeder Hall of Fame unvergesslicher Filmmomente definitiv verdient hat.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

REVENGE OF THE VIRGINS (USA 1959, Regie: Peter Perry Jr.)

revenge of the virgins

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

 In REVENGE OF THE VIRGINS begeben sich ein paar Goldsucher, von denen jeder seine eigene Agenda hat, aus unersättlicher Gier tief in Indianergebiet und werden dort prompt von den letzten Überlebenden eines Stammes angegriffen – zur Freude des männlichen Zuschauers handelt es sich dabei ausschließlich um barbusige Schönheiten, die lustige Rituale aufführen, durch Büsche schleichen und ausgesprochen gut mit Pfeil und Bogen umgehen können…

REVENGE OF THE VIRGINS stammt aus dem Jahr 1959, einer Zeit, in der die Zensur das Zeigen nackter Haut in Filmen praktisch unmöglich machte. Blanke Brüste durften nicht in einem sexuellen Kontext auf den Leinwänden präsentiert werden und so wurde das wohl obskurste aller Subgenres im Bereich des Exploitationkinos geboren: der sogenannte “nudie cutie“; die Handlungen solcher Filme spielten sich im Normalfall in diversen Nudistencamps ab, die bspw. von Monstern überfallen wurden oder sich auch gerne mal auf dem Mond (!!!) befanden. So wurde der Zensur ein Schnippchen geschlagen und den Zuschauer konnten nackte Tatsachen auf den Leinwänden präsentiert werden. Wie dieser Film von Regisseur Peter Perry Jr. nun zeigt, machten die “nudie cuties“ auch vor dem Westerngenre nicht halt. Es ist also kaum verwunderlich, dass REVENGE OF THE VIRGINS jetzt nicht unbedingt über einen spannenden Plot oder großartig talentierte Darsteller verfügt, für einen Film, dessen ausschließliches Ziel es ist, seinen Zuschauern blanke Brüste zu präsentieren, ist das Teil hier aber erstaunlich unterhaltsam und kurzweilig geraten – was natürlich auch an der extrem überschaubaren Laufzeit von gerade mal einer knappen Stunden liegen kann.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ZOOKEEPER (USA 2011, Regie: Frank Coraci)

zookeeper

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Einst wurde dem einfachen Zoowärter Griffin Keyes (Kevin James) von seiner damaligen Freundin Stephanie (Leslie Bibb) das Herz gebrochen. Ein Vorfall, von dem er sich nie richtig erholt hat. Für die Tiere im Zoo ist Griffin ein echter Glücksfall, sie lieben ihren Wärter über alles und ergreifen – als Griffin und Stephanie plötzlich wieder aufeinandertreffen und sie die Gefahr sehen, ihren Wärter zu verlieren – zu einer radikalen Maßnahme, um Griffin weiter an sich binden. Sie offenbaren ihm ihr größtes Geheimnis – dass sie imstande sind zu sprechen und sich mit den Menschen zu verständigen – und geben Griffin mehr oder weniger wertvolle Dating-Tipps…

Ich möchte an dieser Stelle mal eine kleine Lanze für Filme wie ZOOKEEPER brechen. Für Filme wie diesen hier, bei denen man sich ja fast nicht mehr traut, öffentlich zuzugeben, dass man sie unterhaltsam oder gar gut findet. Für Filme, die praktisch überall nur als minderwertige Unterhaltung angesehen werden, über deren typischen Handlungsverlauf gelästert wird und deren Harmlosigkeit als Schwäche angesehen wird. Ich finde es toll, dass es Filme wie ZOOKEEPER gibt. Natürlich ist Coracis Film vorhersehbar und naiv, aber er ist mit seiner durch und durch positiven Grundaussage und seiner liebenswürdigen Harmlosigkeit auch verdammt sympathisch. Ich liebe es, mich von Filmen wie diesem hier nach anstrengenden Arbeitstagen einfach nur berieseln und einlullen zu lassen und habe nicht eine Sekunde lang ein schlechtes Gewissen, wenn sie mir gefallen und ich sie als perfekte Unterhaltung zum Ausklang eines Arbeitstages betrachte. ZOOKEEPER ist einfach sympathisch, verfügt über ein paar tolle Gags und macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

STREET KINGS (USA 2008, Regie: David Ayer)

street kings

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

In STREET KINGS gerät der nicht gerade für seine fürsorglichen Methoden bekannte Cop Tom Ludlow (Keanu Reeves) ins Visier der Abteilung für innere Angelegenheiten…

Ayers Cop-Thriller funktioniert ganz gute als filmischer Nachschlag zu der erst vor kurzer Zeit von mir zu Ende gesehenen TV-Serie THE SHIELD. Auch STREET KINGS spielt in den Straßen von Los Angeles und verfügt über eine mehr als streitbare Haupt- und – wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen will – Identifikationsfigur. Und dass in Ayers Film auch noch Forest Whitaker mitspielt, der ja auch in einer Staffel von THE SHIELD eine entscheidende Rolle bekleidete, passt ebenfalls gut ins Bild. Und auch der Grundton, mit dem Ayer hier den Zuschauer konfrontiert, ist dem der von Shawn Ryan kreierten Serie sehr ähnlich. Auf Identifikationsfiguren muss man fast gänzlich verzichten, der Polizeiapparat besteht aus einem einzigen Sumpf aus Korruption und die Methoden, mit denen die Cops ihre Arbeit verrichten, sind mehr als streitbar. STREET KINGS wirkt dabei – wahrscheinlich auch, weil er nicht im halbdokumentarischen Stil inszeniert ist – zwar noch nicht ganz so desillusionierend wie Ayers Nachfolgefilm END OF WATCH, trifft mit seiner kompromisslosen Härte den Zuschauer aber trotzdem stellenweise bis ins Mark. STREET KINGS hat allerdings auch ein Problem, und das liegt in den vielen Wendungen, welche in der Geschichte, die STREET KINGS erzählt, wohl aus Spannungsgründen eingebaut sind. STREET KINGS wirkt so mitunter etwas arg unglaubwürdig und konstruiert, was ich persönlich als doch etwas störend empfunden habe. Am durchaus positiven Gesamteindruck ändert diese vermeintliche Schwäche jedoch nicht wirklich viel.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

VICTORIA (Deutschland 2015, Regie: Sebastian Schipper)

victoria

(Fassung: Blu-ray, WildBunch/Senator/Universum, Deutschland)

Treibende Elektro-Beats in einer Berliner Untergrund-Disco. Extatisch tanzende Körper. Eine junge Frau, der deutschen Sprache nicht mächtig, die beim Verlassen der Discothek auf vier Typen der Marke Möchtegerngangster trifft und sich schließlich – in gebrochenem Englisch mit ihnen verständigend – auf ein impulsives, intensives und gefährliches Abenteuer einlässt. So beginnt VICTORIA von Regisseur Sebastian Schipper, der den Zuschauer mit diesen ersten Bildern und Tönen mit auf eine faszinierende Reise ins nächtliche Berlin nimmt, ihn regelrecht in den Film hineinzieht und ihm mit der sich ständig in Bewegung befindlichen Kamera das Gefühl verpasst, Teil dieses nächtlichen Abenteuers zu sein.

Ich habe im Vorfeld praktisch nur Gutes über VICTORIA gehört und gelesen und auch in diversen Jahresbestenlisten war Schippers Film auf den vorderen Plätzen zu finden. Meine Erwartungshaltung war vielleicht etwas zu groß und konnte am Ende leider nicht ganz erfüllt werden. Das Problem, das ich mit dem Film hatte, waren die vier männlichen Protagonisten, die ich allesamt als unsympathisch empfunden habe, mit denen mir eine Identifikation praktisch zu keiner Zeit möglich war und für die ich auch keine Empathie aufbringen konnte. Das hatte letztendlich auch Auswirkungen auf meine Beziehung zur Titelfigur, für die ich nur wenig Verständnis aufbringen konnte und bei der es mir schleierhaft war, wie sie sich mit diesen Typen überhaupt einlassen konnte.

Aber dieses Problem mal außen vor gelassen, diese Intensität, diese Unmittelbarkeit, dieses Wilde und Unvorhersehbare, das der Film vermittelt, hat auch mich gepackt und sehr schnell in den Bann gezogen. So etwas ist man als Zuschauer von deutschen Filmen ja nicht unbedingt gewohnt und VICTORIA ist schon allein aufgrund der Tatsache, dass er so komplett anders ist als das Gros der deutschen Filme der letzten Jahre, unbedingt sehens- und empfehlenswert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STRAIGHT OUTTA COMPTON (USA 2015, Regie: F. Gary Gray)

straight outta compton

(Fassung: Blu-ray Director’s Cut, Universal, Deutschland)

Nachdem ich STRAIGHT OUTTA COMPTON ja bereits im September im Kino gesehen hatte und ausgesprochen begeistert von Grays Biopic gewesen bin, konnte ich es kaum erwarten, mir den um 20 Minuten verlängerten Director’s Cut, der mittlerweile auf Blu-ray erschienen ist, auch noch anzusehen. Meinem damaligen Text zur Kinofassung gibt es eigentlich nicht viel hinzuzufügen und so entstehen diese wenigen Zeilen hier vor allem aus Komplettierungsgründen. Schließlich soll dieser Blog hier ja als Filmtagebuch dienen, in dem zu jedem gesehenen Film eines Monats ein paar Zeilen niedergeschrieben werden.

Festzuhalten wäre in erster Linie (und hier wird mein Hauptkritikpunkt am Film leider bestätigt), dass es auch dem Director’s Cut mit seiner um 20 Minuten längeren Laufzeit nicht gelingt, den Film weniger gehetzt wirken zu lassen. STRAIGHT OUTTA COMPTON läuft einfach über vor Informationen und Ereignissen und rast an den Zuschauer trotz nun fast 3-stündiger Laufzeit regelrecht vorbei und man kommt einfach nicht umhin, festzustellen, dass hier stellenweise etwas weniger tatsächlich deutlich mehr gewesen wäre.

Aber trotz aller Kritik, die man sicher aufbringen kann, muss ich einfach auch noch mal feststellen, dass die Schwächen des Films meine Begeisterung für ihn in keiner Weise trüben können und ich diesen Film für Fans der Musik unverzichtbar halte. Wegen des Einblicks in die damalige Zeit, die er vermittelt, wegen des nahezu perfekten Castings, mit dem die Schlüsselrollen besetzt worden sind und natürlich auch wegen der unfassbar geilen Konzertsequenzen, die einfach nur Gänsehaut verursachen. STRAIGHT OUTTA COMPTON rockt, äh rappt!

Bewertung: Hervorragend! – 9/10