Jahresendspurt – 2. Teil

STAYING ALIVE (USA 1983, Regie: Sylvester Stallone)

staying alive

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Bei STAYING ALIVE handelt es sich um die Fortsetzung des kürzlich von mir angesehenen SATURDAY NIGHT FEVER. John Travolta ist erneut in der Rolle des Tony Manero zu sehen, der zwar mittlerweile nach Manhattan geschafft hat, sich seine Brötchen allerdings nur als Tanzlehrer und Bedienung verdient und bei diversen Castings als Tänzer eine Absage nach der anderen erhält. Doch eines Tages hat Manero Glück und ergattert eine Rolle in einer großen Show am Broadway und verliebt sich dabei in Laura (Finola Hughes), die Startänzerin des Stücks. Doch seine Gefühle treffen auf wenig Gegenliebe.

Wahrscheinlich ist SATURDAY NIGHT FEVER der bessere Film, weil er insgesamt betrachtet einfach glaubwürdiger und authentischer wirkt, dafür ist STAYING ALIVE irgendwie eingängiger und kurzweiliger geraten als Badhams Vorgänger. Stallone hat mit STAYING ALIVE eine Mischung aus Tanzfilm und kitschiger Romanze gedreht, die – und das hat die Fortsetzung mit Badhams Film gemein – insbesondere von ihren teils spektakulären Tanzszenen (die Aufführung des Stücks am Ende ist schlichtweg der Hammer!) und John Travolta in der Hauptrolle lebt, der den Tony Manero einmal mehr ausgesprochen sympathisch (auch wenn man ihn für so manche Handlung ohrfeigen möchte) und authentisch rüberbringt. Es macht einfach Spaß, Tony und den anderen handelnden Personen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, in ihrem Leben zurechtzukommen und ihr Glück zu finden. Da stört es nicht sonderlich, dass man den Plot so oder so ähnlich schon unzählige Male vorher gesehen hat.

Und ganz am Ende – kurz vor den Endcredits – wenn sich der Kreis schließt, und Travolta in dem selben, unnachahmlichen Stil durch die Straßen New Yorks läuft, wie er es schon zu den Anfangscredits in SATURDAY NIGHT FEVER getan hat, weht durchaus ein Hauch von Magie durchs heimische Wohnzimmer.

Bewertung: Gut!

 

YOUNGBLOOD (USA 1986, Regie: Peter Markle)

youngblood

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Rob Lowe ist Dean Youngblood, ein talentierter, junger Eishockeyspieler, der gegen den Willen seines Vaters die heimische Farm verlässt um bei einem Team in der kanadischen Junior-League zu spielen. Dort will er auf sich aufmerksam machen und einen begehrten Profivertrag ergattern…

Wer aufgrund der kurzen Zusammenfassung des Inhalts nun der Meinung ist, YOUNGBLOOD könnte seinen Zuschauern durchaus das eine oder andere Klischee servieren, der irrt gewaltig. YOUNGBLOOD kommt nicht mit dem einen oder anderen Klischee um die Ecke, YOUNGBLOOD ist im Endeffekt das Klischee. Wenn man sich den Film so anschaut, muss man zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass Regisseur und Drehbuchautor Peter Markle seine Geldgeber irgendwann beim Verfassen des Drehbuchs mal die Frage gestellt haben muss, wie viele Klischees er in seinem Drehbuch verwursten darf. Und diese Frage dürfte ganz eindeutig mit einem einzig Wort beantwortet worden sein: Alle!

Wir haben das junge Talent, das gegen den Willen seines Vaters das schützende Zuhause verlässt. Wir haben den großen Bruder, der einst selbst ein talentierter Eishockeyspieler war, aufgrund einer schweren Verletzung den Sport aber nicht mehr ausüben kann. Wir haben den fiesen Gegenspieler, dem von unserem Protagonisten der Platz im Team weggeschnappt wurde und der nun beim härtesten Konkurrenzteam anheuert und nur darauf wartet, sich zu rächen. Wir haben die typischen Initiationsriten innerhalb der Mannschaft. Wir haben das typische “Sich-Respekt-Erkämpfen“ bei den Teamkollegen. Wir haben die Lovestory zwischen dem Titelhelden und – natürlich – der Tochter des Coachs (der davon – auch natürlich – nicht gerade begeistert ist). Wir haben das traumatische Erlebnis, welches den Protagonisten alles hinwerfen lässt, um auf die heimische Farm zurückzukehren. Wir haben das entscheidende Spiel, zu dem der reumütige Youngblood dann doch wieder zum Team zurückkehrt, bei dem er vom Trainer aber erst mal auf der Bank gelassen wird, nur um dann doch eingewechselt zu werden, sich dem fiesen Gegenspieler zu stellen und den entscheidenden Treffer – 3 Sekunden vor Spielende (!!!) – zu erzielen. Natürlich vor den Augen des Vaters und des Bruders, die sich zum ersten Mal auf den Zuschauerrängen einfinden.

YOUNGBLOOD lässt wirklich gar nichts aus und das wirklich Verwunderliche an dem Film ist die Tatsache, dass er trotzdem funktioniert. Ich habe keine Ahnung warum, aber er funktioniert sogar ganz vorzüglich. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich mit ihm zu viele nostalgische Erinnerungen verbinde (YOUNGBLOOD ist einer dieser Filme, mit denen ich in den 80ern meine Jugendzeit verbracht habe), vielleicht liegt es aber auch daran, dass diese ganzen Klischees irgendwie als das normalste der Welt präsentiert werden, so, als gäbe es gar keine andere Möglichkeit diese Geschichte zu erzählen. Und vielleicht liegt es auch daran, dass YOUNGBLOOD richtig gut besetzt ist. Rob Lowe ist super in der Titelrolle, George J. Finn als mieser Gegenspieler Racki ein Unsympath vor dem Herrn. Dazu überzeugt Patrick Swayze als alter Hase im Team auf ganzer Linie und Ed Lauter ist einfach nur herrlich in der Rolle des oft mürrischen Coachs. Und dann noch die einfach nur ungemein süße Cynthia Gibb als Youngbloods Love Interest Jessie. Wahrscheinlich ist es die Mischung aus allem, die dafür sorgt, dass YOUNGBLOOD auch knapp 30 Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner damaligen Faszination eingebüßt hat. Mir gefällt diese Mischung aus Sportfilm, Coming-of-Age-Geschichte und Lovestory auch heute noch richtig gut.

Bewertung: Sehr gut!

 

MINIONS (USA 2015, Regie: Kyle Balda/Pierre Coffin)

minions

(Fassung: Blu-ray 3D, Universal, Deutschland)

Nachdem sich die kleinen, gelben Helfer des Superkriminellen Gru in den beiden DESPICABLE ME-Filmen aus den Jahren 2010 und 2013 zu absoluten Publikumslieblingen entwickelt hatten, war klar, dass die produzierenden Universal-Studios diese sichere Geldquelle nicht versiegen lassen wollten und den gelben Sidekicks von Gru einen eigenen Film spendieren würden. Das fertige Produkt hört konsequenterweise auf den Namen MINIONS, funktioniert als Prequel zu DESPICABLE ME und erzählt die Vorgeschichte der titelgebenden Helden und wie diese schließlich in Gru ihren Meister fanden.

Und wenn man bedenkt, dass die sich im Endeffekt fast nur in unverständlichem Kauderwelsch artikulierenden Erdnussflips mit Augen ja nun nicht unbedingt dafür prädestiniert sind, alleine einen kompletten Film über 90 Minuten zu tragen, muss man doch eingestehen, dass MINIONS erstaunlich gut geworden ist und weitaus besser funktioniert, als ich das zuvor erwartet hätte. Die beiden Regisseure Balda und Coffin haben ihren Film ausgesprochen rasant inszeniert und mit einigen wirklich grandiosen Gags ausgestattet, bei denen Freunde des Animationsfilms voll auf ihre Kosten kommen dürften. Ich habe an vielen Stellen wirklich herzhaft gelacht und bin positiv überrascht vom Ergebnis. Wirklich enttäuschend sind eigentlich nur die 3D-Effekte geraten. Von einem Animationsfilm hätte ich gelungenere Effekte erwartet.

Bewertung: Gut!

 

BODY SNATCHERS (USA 1993, Regie: Abel Ferrara)

body snatchers

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Wie schon im Text zu THE INVASION angekündigt, schaue ich mir die “The Body Snatchers“-Verfilmungen in umgekehrter Reihenfolge an. Ich verspreche mir davon eine Steigerung von Film zu Film und natürlich ist es auch interessant zu sehen, wie die einzelnen Verfilmungen das Thema variieren. Gab es in THE INVASION zumindest noch die Chance gegen die Außerirdischen immun zu sein und Hoffnung auf ein Gegenmittel, welches den Übernahmeprozess durch die außerirdische Lebensform wieder rückgängig machen konnte, gibt es in Ferraras BODY SNATCHERS aus dem Jahr 1993 keinerlei Hoffnung. Einmal in der Gewalt der Außerirdischen, wird dem Wirtskörper sämtliche Lebensenergie entzogen bis nur noch ein paar Überreste übrig bleiben; parallel wird in ein perfekter, außerirdischer Klon des Wirtskörpers geboren, der fortan dessen Stellung einnimmt. Heilung gibt es hier nicht.

Ferraras Film ist deutlich kleiner als der 14 Jahre später in die Kinos gekommene THE INVASION, die Handlung spielt auf einer Militärbasis, von der aus die Außerirdischen im ganzen Land verteilt werden sollen und der Handlungsort ist im Gegensatz zu THE INVASION somit sehr eingeschränkt. Auch auf echte Starpower muss man als Zuschauer verzichten, am prominentesten dürfte wohl Forest Whitaker in einer Nebenrolle sein, der damals erst ein Jahr vor diesem Film mit seiner Hauptrolle in THE CRYING GAME einem größeren Publikum bekannt wurde. Aber diese Bescheidenheit, der Verzicht auf echte Stars, die Beschränkung der Handlung auf einen abgeschlossenen Raum, steht BODY SNATCHERS richtig gut zu Gesicht. Ferraras Film strahlt diese wunderbare B-Movie-Atmosphäre aus, ist spannend und rasant inszeniert und geizt auch nicht mit Schauwerten. Genrefans dürften definitiv ihren Spaß mit diesem Film haben.

Bewertung: Gut!

 

THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES (Neuseeland/USA 2014, Regie: Peter Jackson)

the hobbit - the battle of the five armies_1

the hobbit - the battle of the five armies_2

(Fassung: Blu-ray 3D Extended Cut, Warner, Deutschland)

 Jacksons letzter Ausflug nach Mittelerde endet in einem bombastischen Schlachtengemälde, welches aus rein technischer Sicht absolut begeisternd geraten ist. Der wuchtige Sound drückt einen regelrecht in die heimische Couch, die visuelle Kraft der Bilder ist überragend und die 3D-Effekte gehören wohl mit zu den besten, die ich je in einem Film gesehen habe. Wenn man sich selbst dabei ertappt, wie man sich auf der Couch vor heranfliegenden Pfeilen duckt, können die Macher nicht wirklich viel falsch gemacht haben. Würde man THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES rein aus technischer Sicht beurteilen, man müsste ihn wohl tatsächlich als Meisterwerk bezeichnen.

Leider (bzw. zum Glück) ist die technische Seite jedoch nicht alles und in all diesen anderen Kleinigkeiten, die einen Film halt auch noch irgendwie ausmachen (z.B. Handlung und Figurenzeichnung) offenbart der Abschluss der THE HOBBIT-Trilogie ähnliche Schwächen wie die beiden Vorgänger und ist – da die eh schon viel zu dünne Buchvorlage für diesen letzten Film nun wirklich gar nichts mehr hergibt und die knapp 3-stündige Handlung sich somit praktisch ausschließlich mit der finalen Schlacht beschäftigt, was irgendwann doch etwas ermüdend wirkt – sogar von allen drei Filmen, die natürlich trotz aller offensichtlichen Schwächen meilenweit davon entfernt sind, auch nur ansatzweise als schlecht bezeichnet zu werden, tatsächlich sogar der schwächste Film geworden. Irgendwie ist es schade, dass es Jackson mit der THE HOBBIT-Trilogie nicht gelungen ist, einen ähnlichen Zauber zu entfachen wie mit seinen grandiosen THE LORD OF THE RINGS-Filmen. Da ist die eher überschaubare Handlung der Vorlage gar nicht mal so entscheidend, den THE HOBBIT-Filmen fehlt es einfach an echten Typen wie es sie in der THE LORD OF THE RINGS-Trilogie einfach zuhauf gab. Ohne echte Charakterköpfe wie es Aragorn oder Gimli gewesen sind, fehlt es einfach an Identifikationsfiguren und als Zuschauer lässt man sich zwar von der visuellen Kraft des Films begeistern, emotional gepackt wird man dadurch aber eher nicht. Es ist bezeichnend, dass die mit Abstand beste und magischste Szene des Films diese kurze Sequenz ganz am Ende ist, in der plötzlich wieder Ian Holm in der Rolle des nun gealterten Bilbo in seinem Zuhause zu sehen ist und Jackson zum Abschluss der THE HOBBIT-Trilogie seinen Film exakt so enden lässt wie das Abenteuer in THE LORD OF THE RINGS: THE FELLOWSHIP OF THE RING einst begann. Zumindest da, wenn auch nur kurz: Gänsehaut!

Bewertung: Gut!

 

YOU BETTER WATCH OUT (USA 1980, Regie: Lewis Jackson)

you better watch out

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

 So ganz ohne Filme mit Weihnachtsbezug geht’s in der Adventszeit ja dann auch nicht. Da mir gerade aber nicht der Sinn nach dem ganzen Besinnlichkeitsoverkill ist, hab ich mich für einen Weihnachtsfilm der etwas anderen Art entschieden.

YOU BETTER WATCH OUT handelt von Harry Stadling (Brandon Maggart), der einst als kleines Kind auf eher drastische Art und Weise erfahren musste, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt und von diesem Erlebnis auch über 30 Jahre später noch zutiefst traumatisiert ist. Das ganze Jahr über beobachtet Harry die Kinder in der Nachbarschaft, führt genau Buch darüber, wer von ihnen brav gewesen ist und wer nicht, und entscheidet für sich selbst, wer es letztendlich verdient hat, zu Weihnachten Geschenke zu erhalten. Als Weihnachtsmann verkleidet streift er in der Vorweihnachtszeit durch die Straßen, versucht die lieben Kinder mit Geschenken zu bedenken und legt dabei ein immer psychotischeres Verhalten an den Tag. Bis es am Weihnachtsabend schließlich zur Katastrophe kommt…

Regisseur Lewis Jackson hat mit YOU BETTER WATCH OUT eine Mischung aus Psychostudie und Horrorfilm gedreht. Sonderlich spannend geraten ist YOU BETTER WATCH OUT zwar nicht, dafür überzeugt Jacksons Film mit einem Hauptdarsteller, der diese Rolle des immer mehr dem Wahnsinn verfallenden Psychopathen aber mal richtig glaubwürdig interpretiert. Da gibt es schon einige Sequenzen, bei denen man als Zuschauer einfach nur noch dasitzt und mit offenem Mund auf den Fernseher starrt, sei es weil sie einfach nur absurd komisch (der klägliche Versuch, in ein Haus über den Schornstein einzusteigen) oder halt praktisch aus dem Nichts vollkommen “over the top“ (die Sequenz vor der Kirche, der wütende Mob mit den Fackeln) geraten sind.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

DON’T OPEN TILL CHRISTMAS (Großbritannien 1984, Regie: Edmund Purdom)

don't open till christmas

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Vom tötenden Weihnachtsmann in YOU BETTER WATCH OUT hin zu getöteten Weihnachtsmännern in DON’T OPEN TILL CHRISTMAS, in dem ein irrer Killer in der Vorweihnachtszeit in London Jagd auf Weihnachtsmänner macht, diese auf verschiedenste Art und Weise ins Jenseits befördert und die ermittelnden Polizisten so vor eine schwierige Aufgabe stellt. Für Edmund Purdom, der in unzähligen – meist in Italien produzierten – Genrefilmen aus den 60er, 70er und 80er Jahren vor der Kamera stand und auch hier die Rolle des ermittelnden Inspektors übernommen hat, sollte DON’T OPEN TILL CHRISTMAS leider der einzige Ausflug ins Regiefach bleiben, was sehr schade ist, denn Purdoms Weihnachtsslasher ist rasant inszeniert, über weite Strecken durchaus spannend geraten, hat – für einen Slasher das sprichwörtliche A und O – eine ganze Reihe an “creative kills“ zu bieten und überschreitet genüsslich diverse Grenzen des guten Geschmacks. Sicher kein Film, den man sich am Heiligabend gemeinsam mit der Schwiegermutter ansehen sollte.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

DIE KATZE (Deutschland 1988, Regie: Dominik Graf)

die katze

(Fassung: DVD, FAZ/EuroVideo, Deutschland)

Komplett gegen sein heißblütiges Schimanski-Image besetzt, brilliert Götz George in Grafs DIE KATZE als eiskalter und unterkühlter Gangster im feinen Zwirn, der aus einem Hotelzimmer heraus einen Bankraub samt Geiselnahme organisiert, den seine beiden Komplizen Heinz Hoenig und Ralf Richter ausführen.

DIE KATZE ist reinstes Genrekino, ungemein packend inszeniert, großartig besetzt und spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Mit zunehmender Laufzeit wird das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gangstern und der Polizei immer intensiver, wird der Plot, den Regisseur Dominik Graf erzählt, immer wendungsreicher, überraschender und spannender.

Schaut man sich DIE KATZE heute an, muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, was in den letzten 25 Jahren eigentlich falsch gelaufen ist in der deutschen Filmproduktion, warum Filme wie dieser heutzutage praktisch nicht mehr gedreht werden. Es kann doch nicht sein, dass es für Filme wie DIE KATZE kein Publikum mehr geben soll. Das hier ist überlebensgroßes Kino, ein in allen Bereichen nahezu perfekter Film, der sauspannende und eingängige Unterhaltung bietet und schlicht grandios gespielt ist. Ich fasse es einfach nicht, dass das Publikum Filme dieser Art offensichtlich nicht mehr sehen will. Viel Spaß bei “Kokowääh 15“ und “Siebenohrelefanten“…

Bewertung: Meisterwerk!

Werbeanzeigen

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

LESBIAN VAMPIRE KILLERS (Großbritannien 2009, Regie: Phil Claydon)

lesbian vampire killers

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Die beiden Loser Jimmy (Mathew Horne) und Fletch (James Corden) beschließen im Suff, nachdem Jimmy wieder mal seine Freundin und Fletch seinen Job verloren hatte, einen Trip ins britische Hinterland zu unternehmen. Das Ziel wird durch den Wurf eines Dartpfeils ausgewählt und die Wahl hätte nicht schlechter ausfallen können. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sich die beiden Freunde mit lesbischen Vampiren (!!!) herumärgern…

LESBIAN VAMPIRE KILLERS ist das, was man gemeinhin als Partyfilm bezeichnet. Sympathischer Thrash, der keinen Hehl daraus macht, dass er nur existiert, um Blödsinn zu verbreiten und sein Zielpublikum mit diversen Schauwerten und ein paar netten Gags zu unterhalten. Funktioniert in diesem Fall auch recht gut, weil Claydon seinen Film mit diesem typischen, britischen Humor gespickt hat und die an die alten Hammer-Filme und diverse Gothic-Grusler erinnernden Locations und Settings schlichtweg toll sind.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WELCOME TO NEW YORK (Frankreich/USA 2014, Regie: Abel Ferrara)

welcome to new york

(Fassung: Blu-ray, Altitude, Großbritannien)

Im Mai 2011 wurde der damalige geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in New York festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens angeklagt. Die Klage wurde später wegen fehlender Glaubwürdigkeit des Opfers fallengelassen; Strauss-Kahn kam frei.

Dieser reale Fall diente als Vorlage für Ferraras fiktiven Film WELCOME TO NEW YORK, der die Ereignisse auf den erfundenen Machtmenschen Devereaux (Gérard Depardieu) überträgt, einem Unsympathen vor dem Herrn, einer einfach nur widerlichen Gestalt, die der Meinung ist, sich alles nehmen zu können, was ihr gefällt, einem Mann ohne jeglichen Respekt vor seinen Mitmenschen, einem sexsüchtigen Monster ohne Gewissen oder Schuldbewusstsein. Strauss-Kahn war von Ferraras Film verständlicherweise alles andere als begeistert, wollte sogar Klage erheben, sein Erscheinen konnte er glücklicherweise nicht verhindern.

WELCOME TO NEW YORK ist in meinen Augen schwer zu bewerten. Ist der Film in der ersten Hälfte noch wirklich ausgesprochen intensiv gespielt – ein genialer Schachzug ist die Besetzung der Hauptrolle mit Gérard Depardieu, einem Schauspieler, der, vorsichtig ausgedrückt, ja durch diverse Eskapaden in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt zu den unumstrittensten seines Fachs gehört, hier aber einfach nur großartig agiert und der Hauptfigur ein wahrlich erschreckendes Gesicht verleiht -, verliert sich der Film in der zweiten Hälfte immer mehr. Man weiß aufgrund des realen Falles, wie die ganze Sache ausgehen wird. Man weiß, dass es sich bei den Devereauxs dieser Welt um unbelehrbare und uneinsichtige Menschen handelt. Ferrara kann irgendwann keine neuen Erkenntnisse mehr liefern und vielleicht hätte dem Film eine etwas straffere Laufzeit ganz gut getan. Unbedingt sehenswert ist WELCOME TO NEW YORK in meinen Augen natürlich trotzdem.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

THE LONG, HOT SUMMER (USA 1958, Regie: Martin Ritt)

the long, hot summer

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

 Paul Newman ist der Rumtreiber Ben Quick, der schließlich in einer kleinen Stadt in den Südstaaten strandet und dort an den Patriarchen Will Varner (Orson Welles) gerät, der mit eiserner Hand sowohl seine Familie als auch die gesamte Kleinstadt regiert und Ben für seine Zwecke missbrauchen will…

Basierend auf diversen Kurzgeschichten von William Faulkner hat Regisseur Martin Ritt mit THE LONG, HOT SUMMER ein opulent ausgestattetes Südstaaten-Drama gedreht. THE LONG, HOT SUMMER ist ein Film voller Intrigen, Verrat, Liebe und Hass, mit einer schwül-heißen Atmosphäre und geschliffenen Dialogen, die mit ihren eindeutigen Zweideutigkeiten in sexueller Hinsicht damals so einige Zensoren sicher auf die Palme gebracht haben dürften. Im Zentrum des Films steht die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem von Newman gespielten Rumtreiber und Varners Tochter Clara (Joanne Woodward). In den Szenen, die Newman und Woodward gemeinsam haben, brennt regelrecht die Leinwand, die Chemie zwischen den beiden ist unbeschreiblich und es ist deutlich zu sehen, dass hier mehr dahintersteckt, als nur Schauspielerei. Eine Vermutung, die sich schließlich bewahrheiten sollte, den Newmann und Woodward wurden auch hinter der Kamera ein Paar und heirateten kurz nach Abschluss der Dreharbeiten.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller, der einfach großartige Orson Welles, die mehr als eindrucksvolle Kameraarbeit von Joseph LaShelle, die intensive Atmosphäre, die beeindruckenden Settings und vieles mehr machen THE LONG, HOT SUMMER zu einem dieser Filme, die man wohl einfach nur als “Großes Kino“ bezeichnen kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

FLASHDANCE (USA 1983, Regie: Adrian Lyne)

flashdance

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Schon die Titeleinblendung zu Beginn gibt die Marschrichtung der folgenden 90 Minuten vor. In Großbuchstaben fährt der Filmtitel durchs Bild, es gibt keine Einzeleinstellung, FLASHDANCE ist von der ersten Minute an in Bewegung und das soll sich auch nicht groß ändern.

Erzählt wird eine eher stereotype Geschichte einer jungen Frau mit einem großen Traum. Alex Owens (Jennifer Beals) arbeitet tagsüber als Schweißerin und geht an den Abenden in einer Bar ihrer großen Leidenschaft als Tänzerin nach. In aufwendigen Choreographien unterhält sie die Gäste, ihr großer Traum – das Tanzen zum Hauptberuf zu machen und den Durchbruch als Tänzerin zu schaffen – scheint in weiter Ferne. Wie das in Filmen wie diesem hier aber nun mal so ist, wird es ihr am Ende doch gelingen und auf dem Weg zum Ziel findet sie gleich noch die große Liebe.

FLASHDANCE ist auf den ersten Blick nur eine weitere Mischung aus einer typischen Underdog- und einer typischen Love-Story. Vergleicht man ihn aber bspw. mit DIRTY DANCING, der ja auch einen Tanzfilm mit einer Liebesgeschichte verbindet, so könnten die Unterschiede nicht größer sein. Der Grund dafür findet sich hinter der Kamera. Regisseur Adrian Lyne sollte nach FLASHDANCE u.a. NINE 1/2 WEEKS und FATAL ATTRACTION drehen, die beiden Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer insbesondere im Bereich des Actionkinos tätig sein. FLASHDANCE nimmt den Look späterer Actionfilme des Duos Simpson/Bruckheimer bereits vorweg, verstrahlt eine ähnlich kühle Atmosphäre wie Lynes spätere Filme und begeistert mit perfekt choreographierten Tanzszenen in Videoclipästhetik und einem dieser Soundtracks für die Ewigkeit. Man könnte FLASHDANCE auch als Prototyp des Kinos der 80er Jahre bezeichnen und wollte man sich diesen Film im Double Feature mit einem anderen Film ansehen, so wäre bspw. TOP GUN weitaus besser dazu geeignet als DIRTY DANCING und jeder, der einen Kanon essentieller Filme der 80er Jahre erstellen will, kommt in meinen Augen an Lynes FLASHDANCE nicht vorbei.

Abschließend noch was aus der Kategorie “unnützes Filmwissen zum wieder Vergessen“: Der Song Maniac von Michael Sembello, der durch diesen Film zum Hit wurde, hatte ursprünglich einen komplett anderen Text, wurde eigentlich inspiriert durch Lustigs gleichnamigen Film aus dem Jahr 1980 und handelte somit von einem Serienkiller. Sembellos Ehefrau hatte den Song in seiner ursprünglichen Fassung eher versehentlich mit auf ein Tape gepackt, welches an Paramount gesendet wurde, die Musik für FLASHDANCE suchten. Die Leute von Paramount waren von der Musik, nicht aber von den Lyrics begeistert und so musste Sembello einen neuen Text schreiben. Aus dem manischen Killer wurde eine manische Tänzerin.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

THE FIGHTER (USA 2010, Regie: David O. Russell)

the fighter

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Auch ein Film über einen Underdog, der den Weg an die Spitze schafft. Sogar auf wahren Begebenheiten beruhend. THE FIGHTER erzählt die Geschichte der beiden boxenden Brüder Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale) und Mickys beschwerlichen Weg an die Spitze in seiner Gewichtsklasse.

Russells Film ist in erster Linie mal das, was gemeinhin wohl als großes Schauspielerkino bezeichnet wird, ein Film, der sich irgendwie automatisch für diverse Preise qualifiziert (Bale und Melissa Leo, die die Mutter der beiden Brüder spielt, haben dann auch beide einen Oscar und einen Golden Globe in den Nebenrollen-Kategorien erhalten), sich in gewisser Weise vielleicht aber auch den Vorwurf gefallen lassen muss, dass er mitunter doch arg künstlich und gestellt wirkt. Es hat etwas gedauert, bis ich mit THE FIGHTER warm geworden bin. Insbesondere Bales Spiel war mir etwas zu exaltiert, etwas zu übertrieben, etwas zu gekünstelt. Aufgewogen wurde dies durch Melissa Leo, Amy Adams (in der Rolle von Mickys Freundin Charlene) und Mark Wahlberg, die allesamt das richtige Maß in ihrer Darstellung gefunden haben und deren Charaktere man auch tatsächlich ernst nehmen konnte. Und aufgewogen wurde das natürlich auch durch die Geschichte an sich, die mich irgendwann doch so gepackt hat, dass der eigentliche Störfaktor Bale vernachlässigt werden konnte. Und die mal etwas andere Inszenierung (insbesondere den Look betreffend) der Boxszenen fand ich auch ziemlich großartig.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

RUBBER (Angola/Frankreich 2010, Regie: Quentin Dupieux)

rubber

(Fassung: Blu-ray, Capelight, Deutschland)

Einen Film über einen Autoreifen drehen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, muss man aber nicht.

Sich einen Film über einen Autoreifen anschauen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, sollte man aber wohl nur, wenn man wirklich gar nichts anderes zu tun hat (also gerade auch nicht Farbe beim Trocknen oder Gras beim Wachsen zusehen kann).

Am Anfang von RUBBER erscheint ein Polizist in der Wüste, der sowohl dem Zuschauer vor der Leinwand als auch einer in diesem Moment noch nicht im Bild zu sehenden Gruppe von Menschen erklärt, dass alle großen Filme der Filmgeschichte Szenen beinhalten, für die es eigentlich keinen Grund gibt und dass der nun folgende Film diese Grundlosigkeit zu feiern gedenkt. Danach überreicht er der Gruppe Ferngläser und diese hat das ebenso zweifelhafte Vergnügen wie der Zuschauer, einen Autoreifen beim planlosen Durch-die-Wüste-rollen und Sachen-zum-Platzen-bringen zu beobachten.

RUBBER hatte gleich nach dieser Anfangssequenz bei mir verloren. Filme, die meinen, sich selbst – auch noch gleich zu Beginn – erklären zu müssen, disqualifizieren sich schon allein aufgrund dieser Tatsache. Aber selbst mit viel Wohlwollen und sämtlichen zugedrückten Augen kann ich mir persönlich einfach nicht erklären, weshalb man RUBBER tatsächlich für einen guten Film halten sollte. Die gut 80 Minuten Laufzeit ziehen sich wie Kaugummi, Dupieux’ Film ist einfach nur stinklangweilig und nervig, es gibt keine Spannung, keinen Witz und die Tatsache, dass hier Wings Hauser mitgewirkt hat, stimmt richtiggehend traurig.

Punkten kann RUBBER nur auf technischer Seite. Regisseur Dupieux, der auch für Drehbuch, Musik, Schnitt und die Kameraarbeit verantwortlich zeichnete, hat sich bei letzterer richtig ins Zeug gelegt und seinen Film mit einer Vielzahl an atemberaubenden Bildern und Einstellungen ausgestattet, die man sich gerne als Poster in Großformat an die Wand hängen möchte. Das stimmt ein kleines bisschen versöhnlich und lässt RUBBER nicht zum kompletten Ärgernis werden, die Kameraarbeit hätte aber definitiv einen besseren Film verdient gehabt.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen – wegen der tollen Kameraarbeit – wenigen guten Momenten)!

 

C(R)OOK (Deutschland/Österreich 2004, Regie: Pepe Danquart)

c(r)ook

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

C(R)OOK ist ein deutsch-österreichischer Tarantino-Klon, ein Film mit einer durchgeknallten Geschichte, ebenso durchgeknallten Charakteren, viel schwarzem Humor, schrägen Dialogen, absurden Situationen und all den anderen Spielereien, die man von Filmen dieser Art zur Genüge kennt. In den letzten Jahren sind Filme dieser Art erfreulicherweise etwas rarer geworden, man hat sich an ihnen satt gesehen, sie mögen einfach nicht mehr funktionieren.

C(R)OOK ist nun schon über 10 Jahre alt, damals waren Filme wie dieser noch an der Tagesordnung und zumindest der hier funktioniert auch heute noch – selbst wenn man ihn sich zum ersten Mal anschaut – erstaunlich gut. Das liegt in erster Linie an der großartigen Besetzung. Henry Hübchen als kochender Gangster Oskar und Corinna Harfouch als seine Freundin, die Therapeutin Maria, harmonieren einfach großartig miteinander, Josef Hader ist als Polizist Nowak ebenso in seinem Element wie Moritz Bleibtreu als leicht debiler Gangster Valentin, Roland Düringer als Valentins Sidekick Belmondo ist die absolute Schau und ein Film, in dem eine meiner absoluten deutschen Lieblingsschauspielerinnen, die bezaubernde und leider viel zu selten zu sehende Nadeshda Brennicke, mitwirkt, hat allein schon wegen ihr einen Stein bei mir im Brett. Lediglich den unnötigen Storytwist am Ende hätte es nicht gebraucht, der ist fast schon als ärgerlich zu bezeichnen.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 7 (USA 2011/2012, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Schon ein bisschen komisch, aber HOW I MET YOUR MOTHER gefällt mir mit jeder Staffel ein bisschen besser. Normalerweise ist bei Serien ja eher das Gegenteil der Fall. Auch im mittlerweile siebten Jahr dreht sich natürlich wieder alles um die Freundschaft der Protagonisten und Teds (Josh Radnor) Suche nach der Frau fürs Leben. Was sich bereits in den letzten beiden Staffeln angedeutet hatte, wird nun auch in Season 7 konsequent fortgeführt. Die Haupthandlung steht mehr im Vordergrund, die Episoden scheinen mehr miteinander verbunden zu sein, die extrem lose Erzählweise der ersten vier Staffeln ist nur noch selten vorhanden und in sich abgeschlossene Ereignisse, die früher in einer einzelnen Folge abgehandelt worden wären, finden nun größtenteils über mehrere Episoden statt. Vor allem die seit der vorherigen Staffel immer wieder eingestreuten, nachdenklichen Momente, tun der Serie richtig gut und verleihen den verschiedenen Charakteren auf ihre späten Serientage deutlich mehr Tiefe. In Sachen Gagdichte muss man den Autoren zudem ein ganz großes Kompliment machen. Die ist immer noch extrem hoch und Neil Patrick Harris glänzt in der Rolle des Barney Stinson einmal mehr in praktisch allen 24 Folgen. Er ist noch immer der Hauptgrund, weswegen die Serie so gut funktioniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

MÄNNERHERZEN (Deutschland 2009, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Deutsche Beziehungskomödie, die siebenhundertdreiundzwanzigste. Wobei MÄNNERHERZEN wohl deutlich besser und unterhaltsamer geraten sein dürfte als die meisten der unzähligen anderen Filme dieser Art, die seit dem Erfolg von Wortmanns DER BEWEGTE MANN im Jahr 1994 das Epizentrum des deutschen Kino- und TV-Films darstellen. Zwar gibt es auch hier die typischen Klischee-Figuren zu sehen und auch Til Schweiger gilt es einmal mehr zu ertragen, ansonsten ist Verhoeven da aber schon ein ausgesprochen unterhaltsamer Genrebeitrag gelungen. Das liegt vor allem an der episodenhaften Erzählweise, die für Abwechslung sorgt und die diversen, kleinen Geschichten der verschiedenen Protagonisten lose miteinander verbindet. Und das liegt insbesondere auch an Hauptdarsteller Christian Ulmen (wegen dem ich mir den Film überhaupt angesehen habe), der in seiner Rolle als verklemmter Beamter auf der Suche nach einer Freundin einfach nur zum Schreien komisch ist und alle sonstigen Schwächen des Films locker aufwiegt. Ach ja, Justus von Dohnányi als skurriler Schlagerstar ist auch ziemlich toll.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

SCACCO ALLA REGINA (Deutschland/Italien 1969, Regie: Pasquale Festa Campanile)

scacco alla regina

(Fassung: Blu-ray, Mondo Macabro, USA)

SCACCO ALLA REGINA erzählt die Geschichte der wohlhabenden, jungen Silvia (Haydée Politoff), die sich immer mehr in Tagträumen mit sexuellen Unterwerfungsfantasien verliert und sich dazu entschließt, als persönliche Assistentin der berühmten Schauspielerin Margaret Mevin (Rosanna Schiaffino) anzuheuern. Diese findet die Unterwürfigkeit ihrer neuen Angestellten überaus angenehm und nutzt diese schamlos aus…

Regisseur Pasquale Festa Campanile hat mit SCACCO ALLA REGINA ein Fest für die Sinne geschaffen. Die ausladende Villa der Schauspiel-Diva, die als Location gewählt wurde, ist schlicht atemberaubend, die Einrichtung dieser, mit ihrer Mischung aus 60er-Jahre-Chic und ausufernder Dekadenz (da steht ein mechanisches Pferd (!!!) im Wohnzimmer rum), schlichtweg traumhaft schön, die Wahl der Kostüme einfach zum Niederknien und stellenweise – insbesondere in Silvias Traumsequenzen – meint man, sich nicht in einem Film, sondern auf einem psychedelischen Trip zu befinden. Für Freunde des italienischen Films der 60er und 70er Jahre dürfte SCACCO ALLA REGINA allein aufgrund seines Set Designs schon eine echte Offenbarung darstellen. Die Geschichte rund um Dominanz und Unterwerfung geht in dieser visuellen Pracht fast etwas unter, wobei der Ansatz, den Pasquale Festa Campanile gewählt hat, um den Zuschauer die Begierden Silvias näher zu bringen, durchaus interessant ist. Die Problematik wird nicht exploitativ ausgeschlachtet (was sich sicher angeboten hätte), stattdessen bringt Festa Campanile viel Mitgefühl für seine Figuren auf, entwickelt die Beziehung zwischen Margaret und Silvia auf glaubwürdige Art und Weise und findet schließlich auch ein angemessenes Ende für seinen Film.

Persönliche Bewertung: Gut!