November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

MILLENNIUM DEL 5 & 6: LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES (Deutschland/Schweden 2010, Regie: Daniel Alfredson)

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(Fassung: Blu-ray, Momentum Pictures, Großbritannien)

Der Abschluss der MILLENNIUM-Trilogie wurde erneut von Daniel Alfredson inszeniert, der auch schon für den Mittelteil verantwortlich zeichnete. Das macht auch Sinn, denn FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN und LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES sind im Endeffekt untrennbar miteinander verbunden, dieser Film hier könnte ohne den Vorgänger gar nicht existieren, würde ohne die Kenntnis der Ereignisse aus dem zweiten Teil gar keinen Sinn machen. Hier zeigt sich auch gut, dass das gewählte Format der TV-Mini-Serie praktisch alternativlos ist, die Entscheidung, FLICKAN und LUFTSLOTTET auch in gekürzten Fassungen – der Kinofassung des dritten Teil fehlen auch wieder gut 40 Minuten – ins Kino zu bringen, einzig und allein aus (durchaus verständlichen) finanziellen Gründen getroffen wurde, weil die Kinoversion des Auftaktfilms (der als einziger wirklich eigenständig funktioniert) damals so erfolgreich gewesen ist.

LUFTSLOTTET SOM SPRÄNGDES schließt direkt an den Vorgänger an und beschäftigt sich nun intensiv mit der bis in höchste Kreise reichenden Verschwörung, die in FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN angedeutet wurde. Alfredsons Film hat dabei wieder mit demselben “Manko“ zu kämpfen wie der zweite Teil, nämlich der Tatsache, dass die beiden Hauptcharaktere aufgrund der literarischen Vorlage zu viel nebeneinander und zu wenig miteinander agieren, was letztendlich dazu führt, dass sich dieser Film qualitativ auf einem Level mit dem Vorgänger befindet und ebenso wie der Vorgänger nicht ganz an die große Klasse des Auftaktfilms heranreichen kann.

Fesselnd, spannend und enorm kurzweilig (die 3 Stunden Laufzeit vergehen einmal mehr wie im Flug) ist natürlich auch dieser Abschluss der Trilogie geraten, insbesondere das Schlussdrittel, mit seinen großartigen Szenen im Gerichtssaal, konnte mich als Fan von Justizthrillern und Gerichtsfilmen absolut begeistern.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 6 (USA 2013, Idee: Alan Ball)

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(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In der sechsten Staffel von TRUE BLOOD steht nun der – über weite Strecken reichlich unspektakuläre – Krieg zwischen Menschen und Vampiren ins Haus, neben all dem anderen Kram, den Vampire, Werwölfe, Gestaltenwandler und sonstige Fabelwesen so ausgesetzt sind.

Die von Alan Ball erfundene Serie hat sich in dieser vorletzten Staffel mittlerweile auf einem soliden Niveau eingependelt und lebt praktisch ausschließlich von einer Handvoll Nebencharaktere und der reichlich abstrusen Handlung, die teilweise so unfassbar bescheuert konstruiert zu sein scheint, dass man den Machern schon wieder einen gewissen Respekt zollen muss, die Serie in dieser Form auf das Publikum loszulassen. Absolutes Highlight sind die letzten beiden Episoden, in denen sich ein „What the Fuck!?!“-Moment an den nächsten reiht und die dafür sorgen, dass man die gesamte Staffel wohl weitaus wohlwollender beurteilt, als sie es eigentlich verdient hätte. Vom Glanz der Anfangszeit der Serie, ihrer teils herausragenden Qualität, ist nicht sonderlich viel übrig geblieben. Am Ende des Tages sind es tatsächlich die weiter oben schon genannten Nebencharaktere – insbesondere Chris Bauer als Andy Bellefleur, Kristin Bauer van Straten als Pam De Beaufort, Ryan Kwanten als Jason Stackhouse und Anna Camp als Sarah Newlin -, die der Serie allesamt ihren Stempel aufdrücken und dafür sorgen, dass TRUE BLOOD trotz aller offensichtlicher Schwächen doch irgendwie interessant und sehenswert bleibt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

ENTOURAGE (USA 2015, Regie: Doug Ellin)

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(Fassung: Blu-ray, Warner, Großbritannien)

 

Die gleichnamige TV-Serie habe ich in der ersten Jahreshälfte regelrecht verschlungen. Nun hat Serienerfinder Doug Ellin eine Kinoversion von ENTOURAGE nachgelegt, bei der er auch selbst gleich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.

Im Kinofilm hat es sich Vince (Adrian Grenier) nun in den Kopf gesetzt, bei einem großen Projekt neben der Hauptrolle auch gleich noch Regie zu führen und Ari Gold (Jeremy Piven), mittlerweile an der Spitze eines großen Studios angelangt, hat die zweifelhafte Ehre, den Film zu realisieren. Doch nach Abschluss der Dreharbeiten weigert sich Vince, den Film zu zeigen und fordert mehr Geld, um noch gewisse Feinjustierungen vornehmen zu können, was Ari fast in den Wahnsinn treibt, denn sein texanischer Geldgeber (Billy Bob Thornton) und dessen Sohn (Haley Joel Osment) sind von der Idee, weitere Millionen in ein Projekt zu pumpen, welches sie noch nicht mal ansatzweise zu Gesicht bekommen haben, nicht gerade begeistert…

ENTOURAGE ist reiner Fanservice, ein Geschenk für die Fans der Serie, alle anderen werden mit diesem Film mit ziemlich hoher Sicherheit gar nichts anfangen können. Doug Ellin hat ausnahmslos alle wichtigen Charaktere auch in den Film integriert, ENTOURAGE schließt an das Ende der Serie an und eine Kenntnis der diversen Macken der verschiedenen Charaktere ist zwingende Voraussetzung um auch mit dem Film seinen Spaß zu haben. Auf der Erzählebene unterscheidet sich die Kinoversion nicht groß von den einzelnen Staffeln und Episoden der Serie, sie besticht lediglich durch eine opulentere Optik und mehr “production values“, was aber nicht sonderlich tragisch ist, denn im Endeffekt bekommt man als Fan exakt das, was man sich erwarten und erhoffen konnte. Jeremy Piven läuft als Ari Gold erneut zur Hochform auf, der ganze Film ist mit Cameos diverser Stars – u.a. Mark Wahlberg (auf dessen Erlebnissen als Jungschauspieler in Hollywood die Serie ja basiert), Liam Neeson, Jon Favreau, David Faustino, George Takei, Mike Tyson, T.I., Gary Busey, Pharrell Williams, Jessica Alba, die sich alle selbst spielen – nur so gespickt, eine Vielzahl der Dialoge ist einmal mehr zum Niederknien respektlos und herrlich politisch unkorrekt und der Spaßfaktor, den ENTOURAGE verbreitet, ist exorbitant hoch. Einen Film wie diesen nennt man dann wohl „guilty pleasure“.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

THE FAULT IN OUR STARS (USA 2014, Regie: Josh Boone)

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(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

 

In THE FAULT IN OUR STARS verliebt sich todkranke Hazel (Shailene Woodley) in den ebenfalls todkranken Gus (Ansel Elgort). Gemeinsam versuchen die beiden Teenager die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, zum Verwirklichen letzter Träume zu verwenden…

THE FAULT IN OUR STARS ist eine ebenso dramatische wie schöne Liebesgeschichte, ein Plädoyer für positives Denken, eine Liebeserklärung an das Leben, Lästermäuler dürfen Boones Film aber auch gerne als manipulativen Kitsch abkanzeln, der es versteht, beim Zuschauer die richtigen Knöpfe zu drücken und die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen, um diesen immer wieder zu Tränen zu rühren. Ich hab mich bereitwillig und gerne auf Boones Manipulationen eingelassen. THE FAULT IN OUR STARS ist gleichzeitig todtraurig und wunderschön, berührend, bewegend und mitten ins Herz treffend. Und ja, die eine oder andere Träne kann man sich am Ende tatsächlich nicht verkneifen. Ich steh dazu.

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

A MOST WANTED MAN (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Anton Corbijn)

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(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

 

In A MOST WANTED MAN gerät der russische Flüchtling Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin) in Hamburg ins Visier diverser Geheimdienste. Während die meisten Beteiligten den potentiellen Islamisten gleich hinter Schloss und Riegel bringen möchten, will der mit seiner Einheit im Verborgenen agierende Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) Karpov dazu benutzen, um an einen weitaus größeren Fisch heranzukommen. Gleichzeitig versucht die engagierte Menschenrechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams) den unter Generalverdacht stehenden Flüchtling zu helfen…

A MOST WANTED MAN basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers John le Carré, der seit Anfang der 60er Jahre eine Vielzahl von Spionageromanen veröffentlicht hat und sich in A MOST WANTED MAN wieder einmal um die diversen Verstrickungen innerhalb der Geheimdienste – hier in Verbindung mit dem internationalen Terrorismus – kümmert. Es geht um Vertrauen, Verrat, Loyalität und die Erkenntnis, dass am Ende des Tages alle Beteiligten nur Marionetten in einem großen Spiel zu sein scheinen.

Regisseur Anton Corbijn geht A MOST WANTED MAN extrem ruhig und bedächtig an, Spannung entwickelt sich fast ausschließlich aus den Dialogen und den schauspielerischen Leistungen, Momente, die auch nur im Ansatz mit dem Begriff “Action“ definiert werden könnten, sind praktisch gar nicht vorhanden. Als Zuschauer braucht man viel Geduld mit Corbijns Film, muss sich damit anfreunden können, dass hier nicht irgendwelche Schauwerte im Mittelpunkt stehen, sondern sich die Geschichte eigentlich ausschließlich aus den Gesprächen der verschiedenen Beteiligten heraus entwickelt. Wem dies gelingt, wird mit einer spannenden und atmosphärisch dichten Spionagegeschichte belohnt, die ihren Haupthandlungsort Hamburg perfekt als heimlichen Hauptdarsteller einsetzt und den tatsächlichen Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman in seiner letzten großen Rolle vor seinem Tod im Februar letzten Jahres noch einmal in absoluter Hochform zeigt.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

JUNGLE FEVER (USA 1991, Regie: Spike Lee)

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(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

 

In JUNGLE FEVER lässt sich der schwarze Architekt Flipper Purify (Wesley Snipes) auf eine Affäre mit seiner neuen Kollegin, der Italienerin Angie Tucci (Annabella Sciorra) ein, was zu gewissen Irritationen – um es harmlos zu bezeichnen – im jeweiligen Umfeld führt…

Ähnlich wie in dem von mir vor wenigen Wochen angesehenen DO THE RIGHT THING beschäftigt sich Regisseur Spike Lee auch in JUNGLE FEVER mit dem Thema Alltagsrassismus, legt auf spielerische Art und Weise den Finger in die Wunde und hält seinem Publikum, egal welcher Hautfarbe, den Spiegel vor Augen. Für Flippers Frau (Lonette McKee) ist der Seitensprung ihres Mannes deshalb so schlimm, weil er mit einer weißen Frau erfolgt ist. Angies Vater (Frank Vincent) schlägt seine Tochter auf übelste Weise zusammen, als er von ihrer Affäre mit dem dunkelhäutigen Flipper erfährt, Flippers Vater (Ossie Davis) wiederum lädt seinen Sohn und Angie zum Essen ein, nur um die hellhäutige Italienerin wüst beschimpfen zu können. Die Botschaft von Spike Lee ist klar: Wenn die Menschen es nicht schaffen, zu erkennen, dass es vollkommen egal ist, welche Hautfarbe ihr Gegenüber hat, welcher Religion er angehört oder aus welchem Land er kommt, wird Rassismus immer existieren. Und leider ist diese Botschaft auch 24 Jahre nach Erscheinen dieses Films noch immer brandaktuell. Fuck Racism!!!

 

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

 

SATURDAY NIGHT FEVER (USA 1977, Regie: John Badham)

saturday night fever

(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 

John Travolta ist Tony Manero, Sohn italienischer Einwanderer, mit einem reichlich aussichtslosen Leben in Brooklyn und dem großen Traum ausgestattet, aus diesem Leben auszubrechen und es zu etwas zu bringen. Unter der Woche für wenig Geld in einem Farbengeschäft arbeitend, stellen die Wochenenden in seiner Stammdiscothek die einsamen Highlights in Tonys Leben dar. Hier wird er auf der Tanzfläche zu einem anderen Menschen, zu dem seine Freunde und die übrigen Gäste der Discothek aufschauen. Und ein bald stattfindender Tanzwettbewerb scheint eine kleine Chance zu sein, tatsächlich ein besseres Leben leben zu können…

SATURDAY NIGHT FEVER hat damals einen kleinen Boom von Tanz- und Discofilmen entfacht und es sind dann auch in allererster Linie die wirklich atemberaubend choreographierten Sequenzen in der Discothek, die SATURDAY NIGHT FEVER so sehenswert machen. Gerade in Verbindung mit dem kongenialen Soundtrack der Bee Gees ist Badhams Film in diesen Szenen nicht viel weniger als ganz großes Kino. SATURDAY NIGHT FEVER lebt neben den Szenen in der Disco vor allem auch von seinem Hauptdarsteller. Travolta, damals für seine Leistung immerhin mit einer Oscar-Nominierung bedacht, spielt diesen Tony Manero absolut überzeugend, das, was man da zu sehen bekommt, wirkt ungemein glaubwürdig und authentisch. Die Geschichte selbst, diese Story um den vermeintlichen Loser mit den großen Träumen, bleibt hinter Travoltas Leistung jedoch etwas zurück. Der Plot plätschert fast schon ziellos vor sich hin und es gibt keinen echten Spannungsbogen, der den Zuschauer einnehmen und fesseln könnte. Aber vielleicht passt gerade das ja auch ganz gut zu dem eher langweiligen Leben, welches Travoltas Manero außerhalb der Discothek zu leben hat.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

 

WISH I WAS HERE (USA 2014, Regie: Zach Braff)

wish i was here

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 

Die Zutaten von Filmen wie WISH I WAS HERE sind fast immer gleich: die Geschichte dreht sich um ziemlich wohlhabende Mittelständler mit “First World Problems“, es gibt mindestens einen schrulligen Haupt- oder Nebencharakter, es gibt mindestens einen tragischen Subplot, am Ende des Films gehen alle Sympathieträger gestärkt und mit neuen Erkenntnissen aus den ihnen zuvor gestellten Aufgaben hervor, die Grundstimmung des ganzen Films ist zudem leicht melancholisch angehaucht, die Kameramänner tauchen den Film in teils wunderschöne Bilder und von der Tonspur gibt es Alternative-Songs von Bands wie Coldplay oder The Shins.

In WISH I WAS HERE ist Zach Braff, der auch gleich Regie geführt hat, als erfolgloser Schauspieler zu sehen, der sich die teure Privatschule seiner beiden Kinder nicht mehr leisten kann, da sein Vater, der diese bisher finanziert hatte, das Geld für eine alternative Krebsbehandlung benötigt, und der Verdienst von Ehefrau Kate Hudson nicht auch noch zur Finanzierung einer Privatschule ausreicht. Braff versucht sich darin, seine Kinder zuhause zu unterrichten.

Ich kann jeden verstehen, der mit Filmen wie diesem hier mittlerweile gar nichts mehr anfangen kann. Diese Nische kleiner Independent-Filme, aus der insbesondere Mitte der 00er Jahre des neuen Jahrtausends so tolle Sachen wie GARDEN STATE, ELIZABETHTOWN oder A LOVE SONG FOR BOBBY LONG hervorgekommen sind, scheint mittlerweile regelrecht geflutet zu werden und irgendwie kommt es einen so vor, als ob da wirklich gar nichts mehr Neues dabei ist, alles scheint man schon einmal gesehen zu haben. Die große Begeisterung, die ich damals für vorgenannte Titel aufbringen konnte, kann praktisch keiner der neueren Vertreter dieser Filme mehr hervorrufen. Auch WISH I WAS HERE macht da keine Ausnahme. Aber dennoch lösen auch Filme wie dieser hier immer noch etwas in mir aus. Ich fühle mich geborgen bei ihnen, kann in ihnen versinken, lasse mich bereitwillig und gerne von ihnen einlullen. Und solange Filme wie WISH I WAS HERE noch in dieser Form für mich funktionieren, werde ich sie mir weiterhin ansehen. Da reicht es mir auch, wenn ich sie „nur“ noch als gut und nicht mehr als herausragend empfinde.

 

Persönliche Bewertung: Gut!

 

CINEMA PERVERSO – DIE WUNDERBARE UND KAPUTTE WELT DES BAHNHOFSKINOS (Deutschland 2015, Regie: Oliver Schwehm)

cinema perverso

(Fassung: TV-Aufzeichnung, Free-TV, arteHD)

 

Eine Dokumentation über ein deutsches Phänomen, die bis in die 80er Jahre andauernde Bahnhofskinosubkultur. Was auf den ersten Blick wie ein vielversprechendes Projekt erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als ziemlich halbgare Angelegenheit. Wenn der gerade mal 60 Minuten dauernde Film vorbei ist, macht sich beim Zuschauer doch eher Enttäuschung und Ernüchterung breit. Das Hauptproblem des Films ist dabei in meinen Augen, dass Regisseur Oliver Schwehm wohl nicht so wirklich wusste, was er mit seiner Dokumentation eigentlich erzählen will. Wollte er nun – wie ich es eigentlich erwartet hätte – einen Film über das Phänomen Bahnhofskino an sich drehen? Oder wollte er – was in meinen Augen ziemlich überflüssig ist – nur einen Überblick über die Art von Filmen geben, die damals dort liefen? Schwehm kann sich weder für das eine noch für das andere so richtig entscheiden und für das theoretische Optimum, eine Vermischung beider Aspekte, steht ihm viel zu wenig Laufzeit zur Verfügung. So kratzt CINEMA PERVERSO lediglich ein bisschen an der Oberfläche, vermischt Filmausschnitte, Statements diverser Personen und Material aus dem Fotoarchiv miteinander und macht so niemanden wirklich glücklich. Vor allem die Auswahl der Rede und Antwort stehenden Personen ist mehr als unglücklich ausgefallen. Einzig die Aussagen und Statements des Herrn aus dem Filmarchiv, des Filmhändlers und von Regisseur Jörg Buttgereit sind interessant und fundiert, die Mitwirkung aller weiterer Beteiligten vor der Kamera ist nichts als plumpe Zeitverschwendung (und gerade das sollte man sich bei einem Film, der nur 60 Minuten läuft, doch einfach verkneifen). Weder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken noch Schauspielerin Mechthild Großmann können irgendwelche interessanten Erkenntnisse zum Thema liefern, Christian Anders und René Weller erzählen lediglich über ihre Filme – ersterer über DIE TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS, letzterer über MACHO MAN -, die damals auch in den Bahnhofskinos liefen und tätigen Aussagen, die vielleicht im Bonusmaterial entsprechender Heimkinoveröffentlichungen der beiden Filme gut aufgehoben wären, nicht aber in einer solchen Dokumentation. Schauspieler Ben Becker disqualifiziert sich spätestens in dem Moment, in dem er sich über Olsens BLUTIGER FREITAG lustig macht, komplett selbst und die Tatsache, dass der sogenannte Regisseur Uwe Boll hier überhaupt zu Wort kommen darf, ist in meinen Augen eine Beleidigung und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Films, der jemals in einem Bahnhofskino gelaufen ist. Am Ende von CINEMA PERVERSO steht für mich somit vor allem folgende Erkenntnis: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

 

Persönliche Bewertung: Naja!

 

 

TRUE BLOOD: SEASON 7 (USA 2014, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

 

In den letzten zehn Folgen von TRUE BLOOD ist nun endgültig die Luft raus. Es scheinen hier auch keine Regisseure mehr am Werk gewesen sein, sondern lediglich Abwickler. Die einst so furios gestartete Serie wird in der letzten Staffel abgewickelt wie ein in Insolvenz geratenes Unternehmen. Man merkt jeder einzelnen Folge irgendwie an, dass die Macher nur noch versucht haben, TRUE BLOOD ohne größere Kollateralschäden noch halbwegs vernünftig über die Zielgeraden zu bringen. Netterweise ist zumindest das auch einigermaßen geglückt. Ich würde jetzt nicht soweit gehen wollen und behaupten, dass diese finale Staffel extrem mies ausgefallen wäre. Sie ist über weite Strecken unterhaltsam, lebt einmal mehr vor allem von ihren Nebencharakteren und bringt die Geschichte in den letzten zwei Folgen auch zu einem akzeptablen Ende. Denkt man jedoch zurück, welche herausragende Qualität TRUE BLOOD in den ersten drei Staffeln hatte, so ist die Entwicklung, die die Serie seit der 4. Staffel genommen hat, doch sehr enttäuschend und ernüchternd.

 

Persönliche Bewertung: Ok!

Shocktober 2015 – Third Batch

MYSTERY OF THE WAX MUSEUM (USA 1933, Regie: Michael Curtiz)

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(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Ein Horrorfilm aus der Pre-Code-Ära, der allein aufgrund seines Erscheinungsjahres mehr wagen konnte und zeigen durfte als so manche Filme, die einige Jahre später in die Kinos kamen. MYSTERY OF THE WAX MUSEUM spielt offen mit sexuellen Anspielungen, thematisiert Drogenabhängigkeit, nutzt “rude language“ und zeigt so einige, für die damalige Zeit erstaunlich derbe Sequenzen.

Es geht um den von Lionel Atwill gespielten Ivan Igor, der einst ein Wachsfigurenkabinett in London sein Eigen nennen konnte, zumindest bis dieses von seinem skrupellosen Geschäftspartner (Edwin Maxwell) in Brand gesteckt wurde, damit dieser die Versicherungssumme kassieren konnte. Ivan überlebte mit schweren Brandwunden und ist nun – über ein Jahrzehnt später – dabei, in New York ein neues Kabinett zu erstellen. Mit Figuren der ganz besonderen Art…

Regisseur Michael Curtiz – der ja knapp 10 Jahre später mit CASABLANCA einen der größten Klassiker der Filmgeschichte drehen sollte – legt MYSTERY OF THE WAX MUSEUM als turbulente Mischung aus Mystery-, Horror- und Kriminalfilm an, packt seine gut 75 Minuten randvoll mit Ereignissen, peitscht die Handlung dabei regelrecht nach vorne und konfrontiert seine Zuschauer letztendlich mit einem Film, den man wohl nur als rasant bezeichnen kann. Sogar die Schauspieler feuern ihre Dialoge wie Gewehrsalven ab, alles scheint darauf konzipiert zu sein, möglichst keine Zeit verlieren und keine Sekunde der knapp bemessenen Laufzeit zu verschwenden. Leider wirkt der Film dadurch stellenweise auch etwas überhastet, etwas arg sprunghaft und eine etwas längere Laufzeit hätte MYSTERY OF THE WAX MUSEUM sicherlich gut getan. Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die technische Seite des Films. Zwar sind Masken, Kostüme, Settings und Effekte über jeden Zweifel erhaben, die Wahl, den Film in Farbe zu drehen, nimmt ihm aber ein gutes Stück seiner Atmosphäre. Vielleicht ist es auch nur meine Sehgewohnheit, aber ein Horrorfilm aus dem Jahr 1933 muss in meinen Augen einfach in Schwarz/Weiß gehalten sein, damit er diese typische Stimmung entfallen kann, welche diese alten Klassiker einfach ausmacht. Aber das ist Gejammer auf hohem Niveau.

Persönliche Bewertung: Gut!

DANCE OF THE VAMPIRES (Großbritannien/USA 1967, Regie: Roman Polanski)

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(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

DANCE OF THE VAMPIRES (aka THE FEARLESS VAMPIRE KILLERS) von Regisseur Roman Polanski ist vielleicht tatsächlich die ultimative Horrorkomödie. Dem chaotischen Treiben von Prof. Abronsius (Jack MacGowran) und seinem Assistenten Alfred (Roman Polanski) zuzusehen ist nicht viel weniger als eine wahre Freude und wer bei diesem Film tatsächlich nicht lachen können sollte, dem kann wohl einfach nicht mehr geholfen werden. Ab in den Keller.

Polanski verbindet auf schlichtweg geniale Art und Weise urkomischen Slapstick-Humor mit wundervoller Gruselatmosphäre. In das Schloss, in dem DANCE OF THE VAMPIRES hauptsächlich spielt, mit seinen unzähligen Treppenauf- und -abgängen, den spinnwebenverhangenen Räumen und Gängen, den dunklen Nischen, den riesigen Kerzenleuchtern, in denen nur noch monströse Wachsgebilde auszumachen sind und all seinen anderen Requisiten, die mit viel Liebe zum Detail platziert worden sind, kann man sich einfach nur verlieben, dürfte es doch das vielleicht beeindruckendste Setting eines Vampirfilms darstellen, welches ich je gesehen habe. Dagegen verkommen die auch schon tollen Settings der Hammer-Filme fast zu lieblosen Kulissen. Die Dialoge, die Polanski und sein Co-Autor Gérard Brach ihren Charakteren in den Mund gelegt haben, sprühen nur so vor hintergründigem Humor und Wortwitz und Jack MacGowran als zerstreuter Professor und Polanski selbst als dessen Assistent liefern ganz große Schauspielkunst. Allein wie sich MacGowran in seiner Rolle bewegt, ist einfach nur zum Schreien komisch. Und dieses Finale mit dem titelgebenden Tanz, der dann so abrupt vor einem Spiegel endet, ist einer dieser magischen Momente der Filmgeschichte, eine dieser Sequenzen für die Ewigkeit.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

TRUE BLOOD: SEASON 5 (USA 2012, Idee: Alan Ball)

true blood

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

Nachdem mich die ersten drei Staffeln von TRUE BLOOD damals ziemlich begeistert hatten, leistete sich die von Alan Ball erfundene Serie mit Staffel Nr. 4 eine echte Auszeit und tötete praktisch jedes Verlangen, die Serie überhaupt weiter anzuschauen, erst mal ab. Aber wie das so mit zwanghaftem Verhalten ist: irgendwann will man als Film- und Serienfreak einmal angefangene Reihen doch zu Ende bringen und so wagte ich mich nun nach ziemlich langer Pause endlich an Staffel Nr. 5. Und die hat insbesondere in den ersten paar Episoden noch stark mit den Nachwehen der vorangegangenen Season zu kämpfen. Es dauert ein Stück, bis TRUE BLOOD wieder richtig Fahrt aufnimmt und es zumindest schafft, den Zuschauer wieder mit sich zu versöhnen. Die Qualität von Staffel 1-3 erreicht allerdings auch diese Staffel nicht annähernd.

Nachdem in den vier Staffeln zuvor nun praktisch alle übernatürlichen Wesen eingeführt worden sind – Vampire, Werwölfe, Gestaltenwandler, Feen, Medien, Hexen, usw. – beginnt die Serie sich ab dieser fünften Staffel nun endgültig um das große Ganze zu drehen, nämlich die finale Auseinandersetzung zwischen den Menschen auf der einen und den Vampiren auf der anderen Seite, die dann wahrscheinlich in den letzten beiden Staffeln ausgetragen werden wird. Sowohl der Haupthandlungsstrang als auch die neben diesem parallel laufenden Nebenhandlungsstränge wirken dabei zwar zeitweise etwas arg konstruiert, die einem über die Jahre ans Herz gewachsenen Charaktere mit ihren unzähligen Eigenheiten gleichen diese Schwäche jedoch wieder halbwegs aus. Und die überbordenden Schauwerte – bestehend aus zahlreichen Splattereffekten (die mitunter etwas bessere CGI verdient hätten) und viel nackter Haut -, welche die Serie bisher (auch) ausgezeichnet hatten, sind natürlich ebenfalls wieder üppig vorhanden und haben natürlich einen großen Anteil daran, dass TRUE BLOOD über die 12 Folgen dieser fünften Staffel immer unterhaltsam und kurzweilig bleibt.

Auf Schauspielerseite hervorzuheben sind insbesondere Ryan Kwanten als treudoofer Jason Stackhouse und die umwerfende Kristin Bauer van Straten in der Rolle der ständig genervten Vampirin Pam De Beaufort. Anna Paquin – eigentliche Hauptdarstellerin und als Sookie Stackhouse potentielle Identifikationsfigur – nervt mit ihrem dauernden Geheule dafür immer mehr und vielleicht wären die Autoren gut beraten gewesen, wenn sie diesen Charakter nicht ganz so tränenreich gestaltet hätten. So läuft TRUE BLOOD doch immer wieder Gefahr als TV-Variante von TWILIGHT bezeichnet zu werden – nur halt mit Blut und Titten.

Persönliche Bewertung: Gut!

ROSEMARY’S BABY (USA 1968, Regie: Roman Polanski)

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(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Die Geschichte von Rosemary Woodhouse (Mia Farrow) und ihrem Mann Guy (John Cassavetes), die eine Wohnung in einem riesigen Apartmenthaus beziehen und dort in die Fänge eines auf den ersten Blick rührig erscheinenden, älteren Ehepaares (Ruth Gordon und Sidney Blackmer) geraten, gehört auch zu diesen ganz großen Meilensteinen, die das Horrorkino hervorgebracht hat. Obwohl ROSEMARY’S BABY gar nicht so üppig mit den typischen Elementen des Horrorfilms bestückt ist. Es gibt keine großartigen Schockeffekte, es gibt praktisch keine Gewaltszenen, es gibt kein herkömmliches Monster und für die Protagonistin droht eigentlich auch keine größere Gefahr. Und doch ist Polanskis Film einfach nur scary und creepy geraten und verursacht auch heute noch, bald 50 Jahre nach seinem Erscheinen, ein unbehagliches Gefühl beim Zuschauer. ROSEMARY’S BABY erzielt diese Wirkung vor allem aufgrund seiner bedrückenden Atmosphäre und der förmlich kriechenden Spannung, die Polanski erzeugt und die dem Zuschauer immer wieder kalte Schauer über den Rücken jagt. Das Setting in dem alten Apartmenthaus ist perfekt gewählt und mit Mia Farrow ist in der Rolle der Hauptprotagonistin eine Schauspielerin zu sehen, die sich aufgrund ihrer Zerbrechlichkeit, die sie so überzeugend zur Schau stellt, bestens als Identifikationsfigur eignet. Man kann als Zuschauer gar nicht anders, als um ihr Wohl zu bangen und wird in ihre Ängste, die sie von Minute zu Minute mehr entwickelt, regelrecht hineingezogen. ROSEMARY’S BABY ist sicher einer der unheimlichsten Filme, die ich kenne. Ein  beunruhigendes Glanzstück von einem Film.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!

RED RIDING HOOD (Kanada/USA 2011, Regie: Catherine Hardwicke)

red riding hood

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Für die Handlung von RED RIDING HOOD wurden zwar Motive aus dem klassischen Märchen Rotkäppchen adaptiert, um eine richtige Märchenverfilmung handelt es sich bei Hardwickes Film jedoch nicht. RED RIDING HOOD pendelt sich irgendwo zwischen Fantasy, Mystery, Thriller und Horror ein, bleibt dabei aber so harmlos wie ein Film aus diesem Bereich nur sein kann. Hardwicke, die zuvor TWILIGHT gedreht hatte, begnügt sich damit, dem Zuschauer leichtverdauliche Gruselkost vor beeindruckenden Kulissen zu bieten. So ist RED RIDING HOOD in erster Linie was fürs Auge, im Mittelpunkt steht die vorzügliche Kameraarbeit von Kamerafrau Mandy Walker, welche die märchenhafte Mystery-Stimmung in teils wunderschönen Bildern auf die Leinwand bringt. Weniger schön sind die Werwolf-Effekte, die mal wieder beweisen, wie falsch es ist, sich für CGI-Effekte zu entscheiden, wenn nicht das nötige Kleingeld vorhanden ist, um diese auch nur halbwegs anschaubar zu gestalten.

Am Ende ist RED RIDING HOOD ebenso kurzweilig wie harmlos, ebenso schön (wie gesagt, die Kameraarbeit) wie hässlich (auch wie gesagt, die CGI) und ebenso überflüssig wie unzählige andere Vertreter dieser Art. Immerhin hat dieser Film hier Amanda Seyfried und Gary Oldman zu bieten. Das ist ja auch schon was.

Persönliche Bewertung: Nett!

MARK OF THE VAMPIRE (USA 1935, Regie: Tod Browning)

mark of the vampire

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Regisseur Tod Browning, der mit seinem Hauptdarsteller Bela Lugosi 4 Jahre vor diesem Film einen der vielleicht größten Klassiker des Horrorfilms gedreht hat – die Rede ist natürlich von DRACULA – kehrt mit MARK OF THE VAMPIRE zu den untoten Blutsaugern zurück und präsentiert dem Zuschauer eine mehr als gelungene Mischung aus Horror-, Mystery- und Krimielementen.

MARK OF THE VAMPIRE handelt von der attraktiven Irena Borotyn (Elizabeth Allan), deren Vater vor einem Jahr unter merkwürdigen Umständen ums Leben kam (sein Leichnam wurde blutleer aufgefunden) und die nun selbst um Leib und Leben bangen muss. Bisswunden an ihrem Hals weisen auf den Angriff eines Vampirs hin und der ermittelnde Inspektor (Lionel Atwill) holt sich mit Professor Zelin (Lionel Barrymore) einen Experten des Okkulten zu Hilfe. Der Professor befürchtet, dass Irena das neue Opfer des Grafen Mora (Bela Lugosi) werden soll, bei dem es sich – so des Professors feste Überzeugung – um einen waschechten Vampir handelt…

MARK OF THE VAMPIRE dauert gerade mal gut 60 Minuten, die haben es aber wirklich in sich. Brownings Film ist spannend, begeistert mit seiner schaurig-schönen Gruselstimmung, seiner tollen Schwarz/Weiß-Fotografie, seinen unheimlichen Settings (der Friedhof (!!!), das Schloss (!!!) – einfach atemberaubend schön), Bela Lugosi in seiner Paraderolle und einem herrlichen Plottwist am Ende.

Freunde des klassischen Gruselkinos dürften ihren Spaß mit diesem Film haben, da bin ich mir sicher!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THE OBLONG BOX (Großbritannien 1969, Regie: Gordon Hessler)

the oblong box

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Vincent Price und Christopher Lee, eine Familie mit einem dunklen Geheimnis, die Light-Version eines “mad scientist”, mondäne Anwesen mit beeindruckender Einrichtung, überhaupt die tollen Settings und Kostüme, ein tragisches Monster hinter einer geheimnisvoll wirkenden Maske, mindestens eine Party-Sequenz orgiastischen Ausmaßes, viel Blut, ein Voodoo-Ritual, ein paar nackte Brüste, verstörend wirkende Rückblenden – THE OBLONG BOX besteht aus ganz vielen, unheimlich tollen Einzelteilen, die sich jedoch nie so richtig als homogenes Ganzes präsentieren wollen. Hesslers Film mangelt es leider über weite Strecken an Spannung und Atmosphäre und wenn der Film dann schließlich nach gut 90 Minuten vorbei ist, bleibt vor allem der Eindruck verpasster Möglichkeiten und vergebener Chancen beim Zuschauer zurück. Ausgesprochen hübsch anzusehen ist THE OBLONG BOX aufgrund seiner im Eingangssatz aufgeführten Einzelteile natürlich dennoch. Und für Fans des Gespanns Price/Lee führt eh kein Weg an Hesslers Gothik-Grusler vorbei.

Persönliche Bewertung: Ok!

REPULSION (Großbritannien 1965, Regie: Roman Polanski)

repulsion

(Fassung: DVD, McOne, Deutschland)

Ähnlich wie in seinem 3 Jahre später entstandenen ROSEMARY’S BABY dreht sich auch in REPULSION alles um eine junge Frau, die langsam aber sich in den Wahnsinn abgleitet.

Als Zuschauer begleiten wir die junge Carol (Catherine Deneuve), die gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Helen (Yvonne Furneaux) ein Apartment in London bewohnt und außer dieser Schwester auch sonst keine großartigen Bezugspersonen gefunden hat. Insbesondere auf die Männerwelt ist Carol nicht gut zu sprechen, fühlt sie sich von diesen doch immer wieder bedroht und in die Ecke gedrängt, vor allem von Helens Freund Michael (Ian Hendry), der immer häufiger im gemeinsamen Apartment übernachtet und von dem sich Carol schließlich in ihrem einzigen Rückzugsort, ihrer eigenen Wohnung, regelrecht angegriffen fühlt. Als Helen und Michael eines Tages verreisen und Carol allein in der Wohnung zurücklassen, verfällt die instabile Frau langsam aber sich ihren Wahnvorstellungen…

Auch REPULSION ist kein typischer Vertreter des Horrorkinos, wirkt jedoch – ähnlich wie auch ROSEMARY’S BABY – weitaus erschreckender, unheimlicher und bedrohlicher wie viele Horrorfilme. Auch hier ist es wieder die Besetzung der weiblichen Hauptrolle, die maßgeblich für das Gelingen des Films verantwortlich ist. Catherine Deneuve spielt die paranoide Carol einfach nur grandios. Je mehr für ihre Figur Realität und Halluzination miteinander verschmelzen, desto intensiver wird Deneuves Spiel. In ihren Augen kann man den Wahnsinn, in den Carol abgleitet, den unendlichen Schmerz, den sie zu ertragen hat und auch die apathischen Zustände, in die sie immer wieder verfällt, regelrecht ablesen. Das ist nicht viel weniger als ganz große Schauspielkunst. REPULSION lebt von Deneuve und ist dank ihr ein regelrechtes Monstrum von einem Film geworden. Ein mitunter etwas sperrig erscheinendes, schwer zu fassendes und zutiefst beunruhigendes Monstrum.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE RESURRECTED (Kanada/USA 1991, Regie: Dan O’Bannon)

the resurrected

(Fassung: Blu-ray, OFDb Filmworks, Deutschland)

THE RESURRECTED basiert auf einer Geschichte von H. P. Lovecraft und wie sich das nun mal für eine Lovecraft-Verfilmung gehört, geht es auch in diesem Film um einen Mann, der die letzte Grenze überwinden will, dem Tod ein Schnippchen schlagen und Unsterblichkeit erlangen möchte. Mit fatalen Folgen wie sie relativ schnell herausstellen soll. Auf dem Regiestuhl nahm mit Dan O’Bannon ein Mann Platz, der sich bestens mit Untoten auskennt, zeichnete er doch für die vorzügliche Zombiekomödie THE RETURN OF THE LIVING DEAD verantwortlich. Den grellen Humor dieses Films sucht man hier jedoch vergeblich, O’Bannon geht THE RESURRECTED zwar mit teils humorvollem Unterton, aber von der Grundstimmung eher ernsthaft an, lässt sich Zeit, seine Charaktere einzuführen, die Handlung zu entwickeln und die Spannung aufzubauen. Prinzipiell eine begrüßenswerte Herangehensweise, in diesem speziellen Fall dauert es aber doch etwas arg lange, bis die Story richtig Fahrt aufnimmt, was letztendlich auch dazu führt, dass THE RESURRECTED an die exorbitant hohe Qualität manch anderer Lovecraft-Verfilmung – insbesondere FROM BEYOND und THE RE-ANIMATOR kommen in den Sinn – nicht wirklich heranreicht. Was diese beiden Filme über ihre nahezu komplette Laufzeit auszeichnete und was man sich vielleicht auch von THE RESURRECTED erhofft hatte – nämlich diese wunderbar obskure Mischung aus krudem, tiefschwarzem Humor und ausgiebigen Creature-, Gore- und Splattereffekten – gibt es im Fall von THE RESURRECTED erst im letzten Drittel ausgiebig zu bewundern. Wenn dann in diesen unterirdischen Katakomben die Hölle ausbricht, fühlt man sich endlich angekommen in diesem Film, fühlt man sich heimisch in der Welt von H. P. Lovecraft und muss leider viel zu schnell feststellen, dass man sie schon wieder verlassen muss. Der Beginn des Abspanns ist bei manchen Filmen der wahre Horror.

Persönliche Bewertung: Gut!