Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 1

SO EIN FLEGEL (Deutschland 1934, Regie: Robert A. Stemmle)

so ein flegel

(Fassung: DVD, DeAgostini, Deutschland)

Helmut Weiss’ DIE FEUERZANGENBOWLE aus dem Jahr 1944 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle dürfte die wohl bekannteste Verfilmung des gleichnamigen Romans von Heinrich Spoerl aus dem Jahr 1933 sein. Es war allerdings nicht die erste Verfilmung des Buchs. Bereits im Jahr 1934 – ein Jahr nachdem das Buch herauskam – drehte Regisseur Robert A. Stemmle mit SO EIN FLEGEL einen Film, der ebenfalls auf dem Roman beruhte, diesen aber stark veränderte. Ist es im Buch und in der werkgetreueren Umsetzung von 1944 ein Schriftsteller, der sich „verjüngt“ noch mal auf die Schulbank setzt, erzählt SO EIN FLEGEL eine typische Verwechselungsgeschichte, in der zwei Brüder die Rollen tauschen (ein Autor für ein Theaterstück nimmt den Platz seines Bruders in der Schule ein und umgekehrt). Was beide Verfilmungen gemeinsam haben, ist die männliche Hauptrolle, denn auch in SO EIN FLEGEL ist Heinz Rühmann in der Pfeiffer-Rolle zu sehen, und zwar in einer echten Doppelrolle (im Finale gibt es einen für die damalige Zeit durchaus beeindruckenden Spezialeffekt, wenn plötzlich beide Brüder nebeneinander auf einer Bühne stehen).

Auffallend an Stemmles Film ist vor allem die Tatsache, dass so gut wie keine Exposition stattfindet und der Zuschauer sofort mitten ins Geschehen geworfen wird. Stemmle springt in schnellen Schritten zwischen beiden Brüdern hin und her und als Zuschauer muss man sich tatsächlich erst mal kurz sortieren, um überhaupt einzuordnen, was hier eigentlich gespielt wird. Der Aufbau der Handlung kann also im wahrsten Sinne des Wortes als sprunghaft bezeichnet werden. Ansonsten ist SO EIN FLEGEL vor allem ein gutes Beispiel für einen frühen Vertreter der Verwechslungskomödie und des Minigenres des Rollentauschfilms, in dem beide Protagonisten aus der jeweils fremden Rolle etwas für sich mitnehmen können und sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst. Aus heutiger Sicht ist SO EIN FLEGEL natürlich vor allem harmlos, wirkt auch durchaus etwas angestaubt und dürfte bei den meisten Zuschauern wahrscheinlich nicht viel mehr als ein müdes Gähnen hervorrufen. Nett anzusehen ist Stemmles Film trotzdem, insbesondere auch wegen einiger wirklich sehr schöner visueller Ideen und toller Kameraeinstellungen.

Persönliche Bewertung: Nett!

PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY (USA 1966, Regie: Barry Mahon)

prostitutes protective society

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

In Barry Mahons Nudie-/Sexploitation-Film dreht sich alles um Madame Sue, die am New Yorker Times Square einen Prostituierten-Ring aufgebaut hat und sich nun damit auseinandersetzen muss, dass ein Gangstersyndikat in Form von Schutzgelderpressung ein Stück vom lukrativen Kuchen abhaben will. Als Madame Sue die Zahlungen verweigert, werden als Reaktion darauf zahlreiche Prostituierte umgebracht. Doch Madame Sue und ihre überlebenden Mädchen schlagen zurück…

Hört sich irgendwie sogar nach einem richtigen Handlungsstrang an, doch der Schein trügt. Die hier skizzierte Handlung ist zwar vorhanden und auch erkennbar, nimmt in dem gerade mal gut 60 Minuten langen Film allerdings eher eine Nebenrolle ein. „Auteur“ Barry Mahon – ich muss ihn einfach so bezeichnen, war er doch für Produktion, Drehbuch, Kamera und Regie des Films verantwortlich – liegt viel mehr daran, seinem Publikum im Jahr 1966 möglichst viel nackte Haut zu zeigen. Und da das damals aufgrund der strengen Zensurauflagen noch verpönt war und in keinstem Falle sexuell motiviert sein durfte, sieht man über lange Strecken des Films die Prostituierten oben ohne bzw. nur in Reizwäsche bekleidet zusammensitzen während sie sich über das weitere Vorgehen gegen die Schutzgelderpresser beraten. Oder man sieht sie nackt vor einem Spiegel im Bad stehen, oder unter der Dusche, oder, oder, oder…; die eigentliche Handlung des Films dürfte zusammengerechnet vielleicht 1/4 der Laufzeit ausmachen.

Es ist klar, dass sich ein Film wie PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY einer halbwegs objektiven Bewertung komplett entzieht. Nimmt man ihn als das, was er ist, nämlich ein weiterer Versuch, nackte Haut an den Zensoren vorbei auf die große Leinwand zu schmuggeln, dann muss man Schmuddelfilmer Mahon jedoch definitiv zugutehalten, dass er das richtig gut hingekriegt hat und es damals unzählige, weitaus kläglichere Versuche gegeben hat, Zuschauer wegen nackter Tatsachen in die Lichtspielhäuser zu locken. Das Ende ist – auch wenn es sich nur im Off abspielt – der Knaller, die Darstellerin der Madame Sue (wie auch immer sie heißen mag, als Darsteller sind in den Credits tatsächlich nur „Madame Sue and her Times Square Girls“ genannt) ist „kinda cute“ und diese unzähligen eingestreuten (Archiv-)Aufnahmen vom New Yorker Times Square aus der damaligen Zeit sind für Filmnostalgiker nicht viel weniger als unbezahlbar.

Persönliche Bewertung: Gut!

DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND (Deutschland 1972, Regie: Alfred Vohrer)

der stoff, aus dem die träume sind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Der für ein Revolverblatt tätige Reporter Walter Roland (Paul Neuhaus) soll – aufgrund jüngster Marktforschungsergebnisse – eine mehrteilige Sexreportage schreiben, fühlt sich allerdings zu größeren Taten berufen und erreicht bei seinem Chef zumindest einen kleinen Kompromiss. Wenn er sich bereit erklärt, nebenbei die Sexgeschichte zu machen, darf er sich gemeinsam mit seinem Fotografen Bertie Engelhardt (Herbert Fleischmann) auch seiner Wunschstory, einer Geschichte rund um tschechische Flüchtlinge, widmen. Doch die Recherchen im Flüchtlingsfall lassen Roland und Engelhardt schon bald zwischen die Fronten diverser Geheimdienste geraten…

In der Chronologie ihres Erscheinens ist DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND die dritte Simmel-Verfilmung der Münchner Roxy Film aus den frühen 70er Jahren. Regie führte auch hier Alfred Vohrer, vor der Kamera versammelte sich richtig viel Prominenz und den Ansatz, den Vohrer für seinen Film wählt, kann man fast schon als episch bezeichnen. DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND läuft über 130 Minuten (es gab wohl sogar eine weitere Kinofassung, die noch 10 Minuten länger gelaufen ist, diese scheint jedoch verschollen zu sein) und genau das ist auch das große Problem des Films. Nach einem noch durchaus spektakulären und vielversprechenden Beginn, verwandelt sich DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND leider ziemlich schnell in eine staubtrockene und ausgesprochen zähe Angelegenheit, durch die man sich als Zuschauer über weite Strecken regelrecht quälen muss. Für Abwechslung sorgen lediglich ein eigentlich unnötiger Subplot rund um eine ältere, verwirrte Flüchtlingshelferin, die sich im Stadium eines ständigen Deliriums befindet und deren Halluzinationen einfach nur als surreal bezeichnet werden können, sowie die Einrichtung und Ausstattung diverser (Wohn-)Räume, die man tatsächlich gesehen haben muss, um glauben zu können, dass es so etwas tatsächlich mal gegeben hat.

Persönliche Bewertung: Naja!

DER NEUE HEISSE REPORT – WAS MÄNNER NICHT FÜR MÖGLICH HALTEN (Deutschland 1971, Regie: Ernst Hofbauer)

der neue heiße report - was männer nicht für möglich halten - 1 der neue heiße report - was männer nicht für möglich halten - 2

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

In meinem Eintrag zu Boos’ KRANKENSCHWESTERN-REPORT im letzten Monat bin ich ja schon kurz auf die Welle der Report-Filme in den 70er Jahren eingegangen. Wie es der Titel schon verrät, ist auch Hofbauers Film ein Teil dieser Welle und dieser Beitrag hier stammt dann auch gleich vom Begründer der Welle selbst. Schließlich war es Hofbauer, der mit SCHULMÄDCHEN-REPORT – WAS ELTERN NICHT FÜR MÖGLCH HALTEN das ganze „Unheil“ ein Jahr vorher erst ausgelöst hat.

In dem vorliegenden Film geht es nun nicht mehr um Schulmädchen, die ihre Eltern schockieren, sondern um untreue Ehefrauen, die ihre Männer schockieren. In gewohnt mahnender Form klärt Hofbauer den – damals vielleicht noch schockierten, heute nur noch amüsierten – Zuschauer schonungslos über die grünen Witwen auf, Frauen, die mit ihren erfolgreichen Ehemännern in luxuriösen Wohnungen am Stadtrand leben, von ihren Männern aber nicht allzu viel haben, da sich diese zu sehr mit ihrer Arbeit und dem Bereitstellen der Luxusgüter beschäftigen. Die so vernachlässigten Damen fangen an, ihre Lust durch Seitensprünge zu stillen. Die diversen Episoden, die Hofbauer dem Zuschauer präsentiert, lassen praktisch keine Wünsche offen. Vom großen Drama (eine der Ehefrauen begeht bspw. einen Selbstmordversuch, weil sie das schlechte Gewissen plagt, eine andere wird in die Prostitution getrieben) bis zu debilem Klamauk (eine Dame mittleren Alters versucht, einen jungen Postboten zu verführen) ist alles dabei. Heute, über 40 Jahre später, kann man es tatsächlich kaum fassen, dass Filme wie dieser hier tatsächlich mal erfolgreich im Kino gelaufen sind, auch wenn ich persönlich das Unterhaltungspotential von solchen Filmen als einfach nur exorbitant hoch einschätze. Vor allem diese extrem nüchternen Off-Kommentare zu den gezeigten Szenen und die immer wieder eingefügten, gestellten Interviewsequenzen mit Passanten auf der Straße sind Gold wert und praktisch unbezahlbar.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ASYLUM OF SATAN (USA 1972, Regie: William Girdler)

asylum of satan

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Die attraktive Lucina Martin (Carla Borelli) wacht morgens auf und muss feststellen, dass sie von dem Krankenhaus, in dem sie aufgrund eines leichten Zusammenbruchs untergebracht war, in eine dubiose Privatklinik verlegt wurde und nun von dem noch dubioseren Arzt Dr. Specter (Charles Kissinger) behandelt werden soll. Was Lucina am Anfang noch nicht wissen kann, ist, dass sie sich in den Händen eines Clans von Teufelsanbetern befindet und schon bald dem Leibhaftigen persönlich geopfert werden soll…

ASYLUM OF SATAN ist typische US-C-Movie-Ware aus den frühen 70er Jahren, einer dieser Filme, die wahrscheinlich vor allem aus dem Grund gedreht wurden, um in diversen Drive-In- und Grindhouse-Kinos als Rausschmeißer nach Mitternacht zu laufen. Es sind zwar ein paar ganz nette Ansätze vorhanden, insgesamt betrachtet fehlt es Girdlers Film jedoch vor allem an Spannung und „shock value“, was für einen dem Horrorgenre zuzuordnendem Film natürlich so etwas wie das Todesurteil darstellt. Nur in ganz wenigen Szenen kommt so etwas wie Atmosphäre auf und wenn es überhaupt etwas zu loben gibt, dann vielleicht den teilweise recht kruden Humor, der immer mal wieder zu Tage kommt und Hauptdarstellerin Carla Borelli, die jetzt zwar nicht unbedingt durch sonderlich viel Talent, dafür aber mit ihrer attraktiven Erscheinung zu überzeugen weiß. Die Szene, in der es zum Opferritual kommen soll, ist ganz nett gelungen und die Maske des Teufels wunderbar trashig und irrsinnig geraten. Man gibt sich bei solchen Filmen ja auch mit wenig zufrieden.

Persönliche Bewertung: Naja!

THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER (USA 1978, Regie: Rene Martinez Jr.)

the six thousand dollar nigger

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER ist ein Film, den man allein schon wegen seines unglaublichen Plots in sein Herz schließen muss. Ich habe ja schon viele obskure Filme gesehen, aber der hier ist ganz besonders obskur ausgefallen. Es dreht sich um 2 Gangster, die einen Juwelendiebstahl begehen wollen. Dafür lassen sie sich von einem kleinwüchsigen Wissenschaftler ein Serum entwickeln, welches Superkräfte verleiht. Das Serum hat nur eine Nebenwirkung: Jeder Mensch, der es injiziert bekommt, stirbt eine Woche später. Da sie ihr investiertes Geld (nämlich die 6.000 Dollar aus dem Filmtitel) aber nicht einfach so abschreiben wollen, heuern sie einen Trunkenbold an, der sich das Serum injizieren  lassen soll um danach den Überfall zu begehen. Als der nach der begangenen Tat allerdings von den Nebenwirkungen erfährt, weigert er sich, die Diamanten rauszurücken. Er hätte verständlicherweise gerne eine Gegenmittel. Und einem mit Superkräften ausgestatteten Typen ist nur schwer beizukommen.

Und ja, THE SIX THOUSAND DOLLAR NIGGER ist exakt so verrückt, wie sich das alles anhört. Natürlich ist das hier ein Film aus dem tiefsten Untergrund, ein Projekt, welches mit wenig Talent und noch weniger Budget durchgezogen wurde. Aber es ist auch ein Film, dem man einfach anmerkt, dass hier vor und hinter der Kamera Menschen mit Herzblut bei der Sache waren. Und das ist ein Pluspunkt, der praktisch nicht in Juwelen aufzuwiegen ist.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

A SWEET SICKNESS (USA 1968, Regie: Jon Martin)

a sweet sickness

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Sexploitation aus den 60er Jahren und doch ganz anders als der von mir wenige Tage zuvor gesehene PROSTITUTES PROTECTIVE SOCIETY. Hatte Barry Mahon in seinem 1966 produzierten Film nämlich noch mit den Zensurauflagen des Hays Code zu kämpfen, konnte Regisseur Jon Martin nur 2 Jahre später aus dem Vollen schöpfen. Der Hays Code wurde im Jahr 1967 nämlich abgeschafft und endlich war es möglich, nackte Haut auch in Verbindung mit sexuellen Situationen auf der Leinwand zu zeigen. Verständlich, dass die auf den schnellen Dollar schielenden Macher solcher Billigfilme gerade Ende der 60er Jahre komplett am Rad drehten. Jon Martin hält sich mit so etwas wie einer Story gar nicht mehr groß auf, A SWEET SICKNESS ist eher im Stil der deutschen Report-Filme gedreht (jedoch ohne den episodenhaften Charakter) und beschäftigt sich mit einer jungen Frau (Vincence Wallace), die eigentlich von einer großen Filmkarriere in Hollywood träumt, jedoch auch ihre Rechnungen zahlen muss und aus diesem Grund von Agenten und Produzenten ausgebeutet wird, die nicht ihr Talent, sondern viel lieber ihre Brüste ins richtige Licht setzen wollen. So ist A SWEET SICKNESS vor allem eine relativ langweilige Abfolge von diversen Nacktszenen (in Badezimmern, Stripclubs und natürlich auch endlich – jedoch meistens vor allem inszenatorisch recht unbeholfen – in verschiedenen Betten), die von einem Sprecher aus dem Off immer wieder kommentiert werden (wohl um zumindest den Ansatz einer Handlung voranzutreiben).

A SWEET SICKNESS ist eigentlich kaum mehr goutierbar und es dürfte helfen, wenn man ihn wie ich an einem Tag ansieht, an dem einen die Hitze draußen schon fast um den Verstand bringt, man deliriös auf der Couch liegt und sich vom Geschehen auf der Mattscheibe einfach nur in entfernte Universen beamen lässt. Dann funktioniert auch ein Film wie A SWEET SICKNESS zumindest noch als filmhistorische Obskurität, die aber – wenn überhaupt – wohl nur wegen ihres offen zur Schau getragenen Zynismus im Gedächtnis bleiben wird. Denn die Träume der jungen Frau, die man während der gut 60-minütigen Laufzeit begleitet, „erfüllen“ sich am Ende des Tages dann halt doch nur in einem Film wie diesem hier.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)!

Werbeanzeigen

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 3

ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN (Deutschland/Frankreich 1967, Regie: José Bénazéraf)

st. pauli zwischen nacht und morgen

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Liebesgeschichte mit leicht erotischem Touch, Milieustudie, Kriminalfilm – ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN ist all das und eventuell noch viel mehr, es ist einer dieser Filme, die man nur schwer zu fassen bekommt und noch viel schwerer in Worte fassen kann. Dabei ist die Handlung relativ einfach gestrickt und geradlinig erzählt – den Interpol-Agenten Helmut Schmidt (Helmut Förnbacher) führen Ermittlungen in einer Rauschgiftsache aus der Schweiz nach St. Pauli, wo er die Stripperin Arlette (Eva Christian) kennenlernt und sich in sie verliebt; durch sie und sein mutiges Verhalten während eines Raubüberfalls gelingt es ihm, sich in die Bande von Nachtclubbesitzer Bernie (Rolf Eden) einzuschleusen, der sein Interesse an Drogengeschäften mittlerweile verloren zu haben scheint und stattdessen den Überfall auf einen Geldtransporter plant; mehr und mehr erliegt Schmidt den Verführungen des Verbrechens -, es ist wahrscheinlich die Art der Erzählweise, die Regisseur José Bénazéraf gewählt hat und die ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN so seltsam erscheinen lässt. Viele Sequenzen scheinen einfach nur ohne großartige Bindung nebeneinander zu stehen, die Kamera wackelt hin und wieder wie in einem Amateurfilm, Gegenstände und Menschen werden plötzlich rangezoomt, sind in einem Moment scharf und im nächsten Moment wieder unscharf zu sehen und einen gewissen surrealen Touch kann man dem Film sicher nicht absprechen. Als Zuschauer verfolgt man das Geschehen wie durch einen Schleier, die Atmosphäre des Films gleicht oft einem auf den ersten Blick planlos wirkenden, bei konzentrierterer Betrachtung aber doch irgendwie Sinn ergebenden Traum. Ein sehr seltsamer, aber auch ausgesprochen faszinierender Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE DEVIL RIDES OUT (Großbritannien 1968, Regie: Terence Fisher)

the devil rides out

(Fassung: DVD, Anolis, Deutschland)

Okkult-Horror aus dem Hause Hammer Films, mehr als souverän inszeniert von Terence Fisher, einem der Stammregisseure der britischen Schmiede für Kultfilme. In THE DEVIL RIDES OUT heftet sich der von Christopher Lee gespielte Duc de Richleau an die Fersen des fiesen Mocata (Charles Gray, der 3 Jahre später den Bond-Bösewicht Blofeld in DIAMONDS ARE FOREVER spielen sollte), dem Anführer einer gefährlichen Satanssekte, der es auf die Seele eines Freunds von Richleau abgesehen hat.

THE DEVIL RIDES OUT gehört zu den Geheimtipps und Fanfavoriten innerhalb des großen Filmstocks der Hammer Studios. Zur Zeit seiner Entstehung war er innerhalb des Horrorbereichs der Studioproduktionen so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung, kam er doch zwischen verschiedenen Teilen der damals populären, klassischen Horrorreihen rund um Dracula, Frankenstein und die Mumie heraus. THE DEVIL RIDES OUT sorgt so für eine gewisse Abwechslung unter den typischen Hammer-Gruslern und überzeugt mit einer durchaus rasanten Inszenierung, moderneren Settings und einigen – auch heute noch ausgesprochen nett anzusehenden (z.B. die Spinnenszene) – Schauwerten. Über fehlende Spannung kann man sich definitiv nicht beklagen und wer auch nur ein kleines Faible für Horrorfilme mit okkultem Bezug hat, dürfte seine wahre Freude an THE DEVIL RIDES OUT haben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BATMAN (Großbritannien/USA 1989, Regie: Tim Burton)

batman

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burtons Version von BATMAN gefällt mir persönlich dann halt doch mit Abstand am besten. Das Set Design ist schlichtweg atemberaubend, die ganze Atmosphäre des Films ist einfach nur skurril und Jack Nicholson als Joker ist unfassbar gut und zeigt eine Darbietung, die alle Grenzen des gesunden Menschverstands zu sprengen scheint. Ich liebe diese unzähligen, irrsinnigen Einfälle, die Burton dem Zuschauer präsentiert. Ich liebe den makabren Humor des Films, den düsteren Gothik-Look von Gotham City, den Score von Danny Elfman mit den Songs von Prince und die anbetungswürdige Kim Basinger in der Rolle der Vicky Vale.

Ich habe keine Ahnung, ob Burton der Vorlage großartig gerecht wird, mit den Comics habe ich mich nie wirklich intensiv beschäftigt, und es könnte mir auch gar nicht egaler sein. Für Comic-Puristen, die sich über Burtons Umsetzung gerne echauffieren können, gibt es ja noch Nolans DARK KNIGHT-Trilogie, die diesem Film hier in meinen Augen aber auch nicht nur im Ansatz das Wasser reichen kann. BATMAN ist groß, übermenschlich groß!

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

BATMAN RETURNS (Großbritannien/USA 1992, Regie: Tim Burton)

batman returns

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

3 Jahre nach dem Erfolg von BATMAN legte Regisseur Tim Burton dieses Sequel nach. Den üblichen Sequel-Regeln folgend, funktioniert BATMAN RETURNS nach dem “Höher, schneller, weiter“-Prinzip, welches ja in nur wenigen Fällen aufgeht. BATMAN RETURNS ist einer der Glücksfälle, bei dem es perfekt funktioniert. Vom Stil her bleibt Burton dem Vorgänger treu. Die düstere Gothik-Atmosphäre, die atemberaubenden Settings, die unzähligen skurrilen Einfälle, die in jeder Sequenz auszumachende Liebe zum Detail, der makabre Humor – alles was den Vorgänger so sehenswert gemacht hat, ist in BATMAN RETURNS in verstärkter und intensivierter Form vorhanden und führt dazu, dass man diesen Film einfach nur als visuellen Augenschmaus bezeichnen kann. Im direkten Vergleich zum Vorgänger muss man Abstriche lediglich im Hinblick auf den Bösewicht machen. Diese Anmerkung soll jedoch keineswegs die Leistung von Danny DeVito schmälern, der einen grandiosen Gegenspieler abgibt und seinen Pinguin innerhalb der Schnittmenge zwischen abgrundtief bösen Psychopathen und bemitleidenswerten Außenseiter famos verkörpert, sie soll vielmehr darauf hinweisen, dass Jack Nicholson im Vorgänger nicht viel weniger als eine Jahrhundert-Performance hingelegt hat und unmöglich adäquat zu ersetzen gewesen ist. Bereits BATMAN war übermenschlich groß und unbeschreiblich gut, BATMAN RETURNS ist in meinen Augen sogar minimal besser. Nicht viel, aber ein klitzekleines bisschen.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

SIEBEN TAGE FRIST (Deutschland 1969, Regie: Alfred Vohrer)

sieben tage frist

(Fassung: DVD, Filmjuwelen, Deutschland)

In einem Internat in Norddeutschland verschwindet der Schüler Kurrat (Arthur Richelmann) spurlos, pikanterweise kurze Zeit nachdem er von seinem Lehrer Fromm (Konrad Georg) unberechtigterweise eine Ohrfeige bekommen hatte. Um kein Aufsehen zu erregen, versuchen die Internatsverantwortlichen – allen voran der Lehrer Hendriks (Joachim Fuchsberger) – das Verschwinden des Jungen auf eigene Faust aufzuklären. Als jedoch plötzlich die Leiche des Lehrers Stallmann (Paul Albert Krumm) aus der See gefischt wird, schaltet sich die Polizei in Form von Inspektor Klevenow (Horst Tappert) doch ein und beginnt ihre Ermittlungen im und rund um das Internat…

Was sich jetzt auf den ersten Blick vielleicht wie ein typischer und nicht sonderlich aufregender Krimi lesen mag, ist tatsächlich ein ausgesprochen ausgeklügeltes und wendungsreiches Kriminaldrama, welches den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt und ihm am Ende schließlich eine Auflösung präsentiert, bei der einem erst mal die Sprache wegbleibt. SIEBEN TAGE FRIST ist ungemein spannend, atmosphärisch dicht und einfach nur großartig besetzt. Horst Tappert gibt schon einen Vorgeschmack auf seine spätere Rolle als Stephan Derrick, der von Joachim Fuchsberger gespielte Hendriks erinnert hin und wieder an seine Ermittlerrollen in den Edgar-Wallace-Filmen, Konrad Georg als Fromm ist überragend gut und die diversen Darsteller der Jugendlichen sind perfekt gecastet.

Es scheint sich zu lohnen, in den Tiefen der deutschen Kinogeschichte nach noch unbekannten Perlen zu suchen. SIEBEN TAGE FRIST – den wahrscheinlich so gut wie kein Mensch kennt (in der IMDB kommt Vohrers Film gerade mal auf 63 Bewertungen) – ist nicht viel weniger als ein Glücksfall von einem Film.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

BATMAN FOREVER (Großbritannien/USA 1995, Regie: Joel Schumacher)

batman forever

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burton räumte den Regiestuhl und war hier nur noch als Produzent tätig. Mit Joel Schumacher als Regisseur kommt der Zirkus in die Stadt. Und nicht nur in Form des Artisten Dick Grayson (Chris O’Donnell), der hier im Verlauf des Films als Robin an Batmans (nicht mehr Michael Keaton, sondern nun Val Kilmer) Seite gegen die beiden Bösewichter des Films, Two-Face (Tommy Lee Jones) und den Riddler (Jim Carrey), kämpfen soll. BATMAN FOREVER ist eine kunterbunte Kirmesveranstaltung. Von Burtons Vision aus den ersten beiden Teilen ist im Endeffekt nur noch der düstere Look von Gotham City übrig – und selbst der wird durch viele bunte Farben aufgeweicht. BATMAN FOREVER krankt vor allem an seinen beiden Bösewichtern, die an den Joker und den Pinguin aus den ersten beiden Filmen nicht ansatzweise herankommen und deren Charakteren es einfach an Tiefe fehlt (was war der Joker doch für ein abgrundtief böser und erschreckender Fiesling und was war der Pinguin doch für eine zutiefst traurige Gestalt); beide bleiben – trotz vieler bunter Farben, viel Krawall und Tohuwabohu, doch relativ blass. Was für die Schurken gilt, gilt leider auch für die weibliche Hauptrolle. Nicole Kidman, hier noch nicht als Botoxbomber unterwegs, darf nicht sonderlich viel mehr tun als hübsch auszusehen. Kein Vergleich zu Kim Basinger aus BATMAN oder Michelle Pfeiffer aus BATMAN RETURNS.

Gegenüber Burtons Großtaten muss man hier also schon verdammt viele Abstriche machen und rein objektiv betrachtet ist BATMAN FOREVER doch ziemlich weit davon entfernt, so etwas wie ein guter Film zu sein. Aber so etwas wie Objektivität kann ich beim Ansehen von Filmen sowieso nie aufbringen und ich muss gestehen, dass ich BATMAN FOREVER trotz all seiner offensichtlichen Schwächen irgendwie sehr gerne mag, insbesondere, weil der Unterhaltungsfaktor dieses Films in meinen Augen schon verdammt hoch ausgefallen ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET (aka Thirsty for Love, Sex and Murder, Türkei 1972, Regie: Mehmet Aslan)

aska susayanlar seks ve cinayet

(Fassung: DVD, Onar Films, Griechenland)

Ein Killer mit einer Rasierklinge, weibliche Opfer, Blut, nackte Haut, Intrigen, Ereignisse, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragen, Ehebruch, Gier – all das sind die Zutaten von Mehmet Aslans knapp 60-minütigem AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET, einem lupenreinen Giallo, wie ihn auch so mancher italienische Regisseur nicht viel besser hätte hinkriegen können, auf dessen Handlung – das muss man dann bei aller Sympathie aber doch eingestehen – Drehbuchautor Aykut Düz jetzt nicht wirklich das alleinige Urheberrecht anmelden kann, denn im Endeffekt handelt es sich bei Aslans Film um eine Variation des Sergio-Martino-Klassikers LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH. Aber wer will sich darüber beschweren, wenn dann so ein Film dabei herauskommt. Und vor allem, wenn man sieht, was Aslan hier mit – ganz offensichtlich – verdammt wenig Kohle auf die Leinwand gezaubert hat. Das fehlende Budget macht Aslan mit ganz viel Atmosphäre und Schauwerten wieder wett, die (geklaute) Handlung seines Films ist wendungsreich und rast regelrecht am Zuschauer vorbei und Zeit zum Durchschnaufen gönnt Aslan seinem Publikum nicht. Und dann dieser komplett irrsinnige – natürlich mal wieder “geliehene“ – Score, der den Zuschauer von der Tonspur regelrecht entgegen schreit und verdammt viel zur Wirkung dieser Sleazegranate beiträgt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HORROR EXPRESS (Großbritannien/Spanien 1972, Regie: Eugenio Martín)

horror express

(Fassung: DVD, CCI, Deutschland)

Christopher Lee spielt den Anthropologie-Professor Saxton, der ein im Eis eingefrorenes Wesen entdeckt, dieses birgt und eingeschlossen in einer riesigen Kiste im Transsibirien-Express zu weiteren Forschungszwecken nach England bringen will. Als der sich ebenfalls im Zug befindliche Dr. Wells (Peter Cushing) unbedingt herausfinden will, was sich in der geheimen Kiste befindet, wird das Wesen versehentlich befreit…

Lee und Cushing in Hochform, gepaart mit einem Regisseur, der ganz genau weiß, was er tun muss, um sein Zielpublikum glücklich zu machen. HORROR EXPRESS steckt voller toller Sachen. Es gibt einen außerirdischen Affenmenschen, gruselig entstellte Mordopfer, blutige Autopsien, einen verrückten Mönch (großartig: Alberto de Mendoza) und im Finale sogar eine von Telly Savalas angeführte Zombie-Armee.

Das Zug-Setting ist toll – gibt es Menschen da draußen, die Filmen, die in Zügen spielen, tatsächlich gar nichts abgewinnen können (ich kann es nicht glauben)? -, Schauwerte sind, wie oben schon angeführt, mehr als reichlich vorhanden und die teils herrlich trashigen Dialoge, in denen wissenschaftliche Erklärungen für die schrecklichen Ereignisse während der Zugfahrt gesucht werden, tragen zudem viel zum unwiderstehlichen Charme des Films bei.

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 5 (USA 2009-2010, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In der fünften Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER müssen sich Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) damit auseinandersetzen, dass sie sich tatsächlich ineinander verliebt zu haben scheinen und schließlich schon bald mit der Konsequenz leben, dass sie für eine gemeinsame Beziehung einfach nicht gemacht sind. Gleichzeitig versuchen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) weiterhin, die Tücken des Ehelebens zu meistern und Ted (Josh Radnor) ist noch immer auf der Suche nach der Mutter seiner beiden zukünftigen Kinder…

Die beiden Serienerfinder Carter Bays und Craig Thomas halten HOW I MET YOUR MOTHER auch in der mittlerweile fünften Staffel auf einem guten bis sehr guten Niveau. Die einzelnen, jeweils für sich abgeschlossenen Episoden, werden durch lose Handlungsfäden miteinander verknüpft und den fünf Freunden wird es ermöglicht, sich auch in dieser fünften Staffel stetig weiterzuentwickeln. Der Star dieser Staffel ist natürlich wieder Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney, der den Großteil der Lacher auf seiner Seite hat und der hier neben seiner sonstigen Souveränität auch vermehrt Schwächen zeigen darf. Ein Fakt, der den zynischen Womanizer zeitweise schon fast sympathisch erscheinen lässt. Highlight der Staffel: die Episode GIRLS VS. SUITS, die in einem famosen Musical-Finale endet und in der sich Barney zwischen seinen geliebten Anzügen und der Eroberung einer Frau entscheiden muss, die für Anzugträger rein gar nichts übrig hat.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND (Deutschland/Frankreich 1974, Regie: Alfred Vohrer)

die antwort kennt nur der wind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Ich hatte mir vor mittlerweile doch schon etwas längerer Zeit mal die erste Simmel-Verfilmung UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN angesehen und war damals doch ziemlich überrascht, welch bizarrer Film das im Endeffekt doch gewesen ist. Der ursprüngliche Plan war damals, mir auch die weiteren Simmel-Filme anzusehen und dieser Plan soll nun nach und nach in die Tat umgesetzt werden.

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist der sechste von insgesamt acht Filmen, die zwischen 1971 und 1976 ins Kino gekommen sind und gleichzeitig der letzte, den Alfred Vohrer inszeniert hat. Es geht um den von Maurice Ronet gespielten Robert Lucas, einen Ermittler einer Versicherungsgesellschaft, der Beweise dafür finden soll, dass der deutsche Bankier Hellmann, der vor Cannes gemeinsam mit seiner Luxusyacht in die Luft flog, nicht Opfer eines Mordanschlags wurde, sondern Selbstmord begangen hat. In diesem Fall müsste die stattliche Versicherungssume von 15 Millionen Mark nicht ausgezahlt werden. Lucas stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf jede Menge zwielichtige Personen, sondern auch auf zwei schöne Frauen (Karin Dor und Marthe Keller), die durchaus hilfreiche Informationen für ihn haben könnten. Doch je länger die Ermittlungen andauern, desto mehr lässt sich Lucas selbst auf ein gefährliches Spiel ein…

Vohrer inszeniert DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND als spannenden, wendungsreichen Thriller, der – und das dürfte definitiv der Vorlage geschuldet sein – jedoch nicht ohne eine kleine Portion Schmalz und Kitsch auskommt. Im Vergleich zu UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (soweit ich mich noch an ihn erinnern kann) ist DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND weit weniger bizarr ausgefallen und erinnert über weite Strecken an eine bessere TV-Produktion aus der damaligen Zeit und nicht unbedingt an einen Film, der für die große Leinwand gemacht wurde. Obwohl teilweise an Originalschauplätzen in Cannes und Nizza gedreht, kommt Vohrers Film – insbesondere was die potentiellen Schauwerte der Drehorte betrifft – ziemlich unspektakulär daher, was ihm allerdings nicht wirklich schadet, sondern sogar eher nützt. DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist stellenweise ziemlich düster ausgefallen und verbreitet über die komplette Laufzeit – auch unterstützt durch den Score von Komponist Erich Ferstl – eine extrem melancholische Grundstimmung, die ganz hervorragend zu den Ereignissen auf der Leinwand passt. Auch diese Simmel-Verfilmung hat mich mehr als positiv überrascht und mir im Endeffekt sogar besser gefallen als der o.g. UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN. Ich bin auf die anderen Filme der Reihe schon sehr gespannt.

Persönliche Bewertung: Gut!

ROTE SONNE (Deutschland 1970, Regie: Rudolf Thome)

rote sonne

(Fassung: DVD, Galileo Medien, Deutschland)

In ROTE SONNE trennen sich vier WG-Bewohnerinnen (u.a. Uschi Obermaier) jeweils nach fünf Tagen auf ausgesprochen drastische Art und Weise von ihren männlichen Liebhabern – sie bringen sie einfach um. Als jedoch mit Thomas (Marquard Bohm) der Ex-Freund der von Uschi Obermaier gespielten Peggy vor der Tür steht, um Asyl bittet und sich zwischen ihm und Peggy plötzlich wieder etwas anzubandeln scheint, gerät das ungeschriebene Gesetz zum Umgang mit Männern schnell ins Wanken…

Ziemlich skurriler Film, den Regisseur Rudolf Thome da gedreht hat. So wirklich Zugang habe ich nicht zu ihm gefunden, fasziniert hat er mich in gewisser Weise trotzdem. ROTE SONNE ist phasenweise extrem witzig (wobei ich nicht ganz einschätzen kann, ob das aus heutiger Sicht nur so wirkt, oder auch damals schon lustig war), plätschert dann wieder einfach nur so vor sich hin und knallt dem Zuschauer dann unvermittelt Szenen vor den Latz, bei denen man seinen Augen kaum zu trauen vermag. ROTE SONNE ist in gleichem Maße sperrig und hochinteressant, insbesondere diese ständige Konfrontation zwischen dem Macho Thomas und den vier radikalen Feministinnen hat ihren Reiz, die Stilmittel, die Thome teilweise verwendet, sind aber durchaus gewöhnungsbedürftig. ROTE SONNE scheint nie “im Fluss“ zu sein, wirkt extrem sprunghaft und der fast gänzliche Verzicht auf einen extradiegetischen Score raubt dem Film zudem die Dynamik und lässt ihn sehr trocken erscheinen. Aber dann halt auch Uschi Obermaier, die tatsächlich der Inbegriff von “sexiness“ zu sein scheint und die ROTE SONNE unbedingt sehenswert macht. Oder die teils wunderschöne Kameraarbeit von Bernd Fiedler, die den Film in kunterbunten Farben von der Leinwand (bzw. dem heimischen Flatscreen) strahlen lässt. Irgendwie war ROTE SONNE schon ziemlich toll, irgendwie aber auch nicht…

Persönliche Bewertung: Gut!

UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI (Deutschland 1970, Regie: Alfred Weidenmann)

unter den dächern von st. pauli

(Fassung: DVD, Lighthouse, Deutschland)

Wie es der Titel in gewisser Weise schon verrät, handelt es sich bei Weidenmanns Film um einen der in den späten 60er und frühen 70er Jahren so beliebten Sittenreißer, welche zwar durchaus auch in anderen deutschen Großstädten, am häufigsten jedoch im Hamburger Stadtteil St. Pauli angesiedelt waren.

Regisseur Weidenmann lässt in UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI verschiedene Charaktere in einem Zeitraum von gut 2 Tagen aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht viel miteinander zu tun haben und deren Wege sich auch oft eher zufällig kreuzen. Weidenmann erzählt seine Geschichten in episodenhafter Struktur. Als Zuschauer verfolgt man bspw. einen Mann, der von Rache getrieben einem Gangsterboss nachstellt, einen besorgten Vater, der seine erst 17 Jahre alte Tochter davon abhalten will, in einem Stripclub aufzutreten, einen eifersüchtigen Ehemann, der es nicht mehr aushält, dass seine Frau der Star einer angesagten Sexshow ist, diese ermordet und auf seiner Flucht vor der Polizei eine Teenagerin als Geisel nimmt, einen Lehrer, der mit einer kurz vor dem Abitur stehenden Schulklasse einen Ausflug nach St. Pauli unternimmt und von seinen Schülern üble Streiche gespielt bekommt, einen Trunkenbold, der immer auf der Suche nach einem Gratisschnaps durch die Straßen zieht, usw.; die erzählten Episoden sind in gleichem Maße spannend, dramatisch und komisch und es ist vor allem diese Mischung, die UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI extrem kurzweilig und sehenswert macht. Und über fehlende Schauwerte kann man sich beim besten Willen auch nicht beklagen.

Persönliche Bewertung: Gut!

Mad Max: Fury Road / Non-Stop / Entourage: Season 8 / A Free Soul / Wall Street: Money Never Sleeps / Miami Vice: Season 5 / Verbrechen nach Schulschluss / Begin Again / Haywire

Filme und TV-Serien im Mai 2015 – Teil 3

Der letzte Sammeleintrag zu den in Mai gesehenen Filmen und TV-Serien:

MAD MAX: FURY ROAD (Australien/USA 2015, Regie: George Miller)

mad max fury road

(Fassung: Originalversion, 2D, Central Kino, Hof)

Ich gehe, weil ich mir schon seit Jahren Filme ausschließlich im Originalton anschaue, in Deutschland praktisch nicht mehr ins Kino. Wenn dann sogar hier im beschaulichen Hof alle heilige Zeiten mal ein Film im Originalton gezeigt wird und man das große Glück hat, dass es sich dabei auch noch um MAD MAX: FURY ROAD handelt, muss man das natürlich ausnützen. Zwar nur in 2D und auf einer der kleineren Leinwände, aber immerhin.
Nach knapp 30 Jahren schickt Regisseur George Miller seine Titelfigur, die hier von Tom Hardy gespielt wird, wieder auf eine irrsinnige Reise durch die postapokalyptische Welt. Wobei die Hauptfigur hier nicht komplett im Zentrum des Geschehens steht, es geht in erster Linie um die von Charlize Theron gespielte Furiosa, welche die fünf Frauen eines grausamen Warlords (Hugh Keays-Byrne) befreit hat und sich nun auf der Flucht ins gelobte Land befindet, den Warlord und unzählige seiner Schergen im Schlepptau. Max selbst gerät eher zufällig in dieses ganze Schlamassel, hilft aber natürlich, am Ende doch den Tag zu retten.
Das relativ simple Jagd/Flucht-Szenario inszeniert George Miller in einer Art und Weise, als ob es kein Morgen mehr gäbe. MAD MAX: FURY ROAD ist schlichtweg atemberaubend, drückt einen regelrecht in den Kinosessel und lässt einen die Augen überlaufen. Was Miller hier in einer perfekten Mischung aus handgemachten und computergenerierten Effekten auf die Leinwand gezaubert hat, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Mich persönlich hat MAD MAX: FURY ROAD komplett überrollt und platt gewalzt. Ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten Jahren einen visuell so ausgereiften und beeindruckenden Blockbuster gesehen zu haben wie diesen hier. Allein diese Sandsturmsequenz – der pure Wahnsinn. Ich kann meine Begeisterung nur schwer in Worte fassen und möchte einfach nur jedem, der ein Faible für Actionfilme hat, anraten, sich diesen Film im Kino anzusehen. Es ist der Hammer, der pure Wahnsinn.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk /potentieller Lieblingsfilm!

NON-STOP (Frankreich/Großbritannien/USA 2014, Regie: Jaume Collet-Serra)

non-stop

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Liam Neeson hat sich ja in den letzten Jahren zu einem echten Actionhelden auf der Leinwand entwickelt. In NON-STOP spielt er einen Air Marshall, der während eines Langstreckenfluges von einem Unbekannten erpresst wird. Dieser fordert die stolze Summe von $ 150 Mio. und droht damit, alle 20 Minuten ein Menschenleben innerhalb des Flugzeugs zu opfern, wenn das Geld nicht überwiesen wird…
Man muss sich schon vollkommen auf den teils obskur konstruierten Plotverlauf einlassen können, um mit NON-STOP seinen Spaß zu haben. Teilweise ist das, was Regisseur Jaume Collet-Serra seinen Zuschauern bietet, doch etwas arg abenteuerlich ausgefallen. Und auch über die extrem klischeehaft gezeichneten Charaktere sollte man wohlwollend hinwegsehen können. Gelingt dies, kann man sich von NON-STOP ziemlich gut unterhalten lassen. Der Film ist, so klischeehaft und konstruiert er auch sein und wirken mag, über weite Strecken tatsächlich verdammt spannend ausgefallen und vergeht – dem Thema des Films angemessen – sprichwörtlich “wie im Flug“.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ENTOURAGE: SEASON 8 (USA 2011, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

In der achten und letzten Staffel von ENTOURAGE richtet sich der Fokus mehr und mehr auf die titelgebende Gefolgschaft von Vincent Chase (Adrian Grenier), von denen sich letztendlich jeder ein eigenes Standbein aufbauen kann. Und es geht um den von Jeremy Piven gespielten Ari Gold, der sich praktisch am Abgrund befindet und alles versucht, um seine Ehe zu retten…
Serienschöpfer Doug Ellin bringt ENTOURAGE in leider nur acht Episoden, die mal wieder wie im Flug vergangen sind, zu einem ausgesprochen schönen Ende. Als Zuschauer kann man sich insbesondere von dieser letzten Staffel ganz wunderbar treiben lassen und hat diese acht Folgen auch Zeit, sich auf den Abschied von die liebgewonnen Charakteren und ihren ganzen Macken, Schwächen und Stärken vorzubereiten. Es ist nur konsequent, dass die letzte Szene der Serie – nach dem Abspann – Jeremy Piven und seinem Ari Gold gehört. Er war der heimliche Star von ENTOURAGE, ich bin mir nicht sicher, ob die Serie ohne ihn auch so extrem gut funktioniert hätte.
Was Doug Ellin, seine Crew und seine Schauspieler mit ENTOURAGE erschaffen haben war definitiv überlebensgroßes Fernsehen. Eine der besten Serien, die ich persönlich je gesehen habe. Umso schöner, dass in Kürze der Kinofilm zur Serie anlaufen wird. So war diese letzte Episode glücklicherweise kein Abschied für immer.

A FREE SOUL (USA 1931, Regie: Clarence Brown)

a free soul

(Fassung: DVD, Warner, USA)

In A FREE SOUL geht es um Jan Ashe (Norma Shearer), eine junge und selbstbewusste Frau, die sich von niemandem etwas vorschreiben lassen will. Durch ihren Vater (Lionel Barrymore), einen alkoholkranken Anwalt, lernt sie den Gangster Ace Wilfong (Clark Gable) kennen – es entwickelt sich eine Liaison, die letztendlich in einer Katastrophe endet…
Mal wieder ein Film aus der Ära vor dem Production-Code, der Filmemacher in den USA wenige Jahre später in ihren Möglichkeiten stark beschränken sollte. Wie so viele andere Beispiele aus dieser Zeit überzeugt A FREE SOUL vor allem durch die erfreulich moderne und emanzipierte Zeichnung der weiblichen Hauptrolle. Die von Norma Shearer einfach nur famos gespielte Jan Ashe weiß genau, was sie will und ist nicht bereit, großartige Kompromisse einzugehen. Das müssen sowohl ihr Vater und ihr Freund (Leslie Howard), dessen Heiratsantrag sie ausschlägt, als auch der Gangster Ace, der glaubt, hier eine gehorsame Gespielin erobert zu haben, auf teils drastische Art und Weise erkennen.
Die für einen solchen Film relativ üppige Laufzeit von knapp über 90 Minuten (normalerweise wurde Geschichten dieser Art Anfang der 30er Jahre in maximal 75-80 Minuten erzählt) vergeht wie im Flug und es ist mir persönlich immer wieder eine Freude, mir Produktionen aus dieser Zeit anzusehen und mich von ihrer Frische, ihrem Mut und ihrem Tempo einnehmen zu lassen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS (USA 2010, Regie: Oliver Stone)

wall street money never sleeps

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

23 Jahre nach WALL STREET hat Regisseur Oliver Stone – wohl auch als Reaktion auf die Entwicklungen innerhalb der Finanzmärkte in den Jahren zuvor – diese Fortsetzung gedreht, in der Shia LaBeouf den jungen Investmentbanker Jake Moore spielt, der mit der Tochter (Carey Mulligan) von dem mittlerweile wieder aus dem Gefängnis entlassenen Gordon Gecko (Michael Douglas) liiert ist und der Geckos Manipulationskünsten zum Opfer fällt, da dieser hofft, über Moore wieder Kontakt zu seiner Tochter bekommen zu können.
WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS sieht toll aus, ist großartig besetzt und überzeugend gespielt – Michael Douglas ist erneut über jeden Zweifel erhaben, Eli Wallach ist in seiner letzten Rolle zu sehen, Josh Brolin gibt einen herrlich schmierigen Fiesling und dem Gastauftritt von Charlie Sheen als Bud Fox kann man ein gewisses Gänsehautpotential sicher auch nicht absprechen -, so wirklich gepackt hat mich diese Fortsetzung allerdings nicht. WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS fehlt einfach der Biss des Vorgängers, die Faszination, die dieser auf mich als Zuschauer ausgeübt hat, ist hier nur in ganz wenigen Momenten vorhanden. Ein schlechter Film ist diese Fortsetzung natürlich trotzdem, aber halt auch kein wirklich guter.

Persönliche Bewertung: Ok!

MIAMI VICE: SEASON 5 (USA 1988-1989; Idee: Anthony Yerkovich)

miami vice

(Fassung: DVD, Universal, USA)

Die letzten 21 Episoden der Kultserie aus den 80er Jahren. Und ja, wenn diese allerletzte, spielfilmlange Episode der Serie langsam auf ihr Ende zusteuert und kurz vor und auch während des Abspanns diverse Szenen zurückliegender Episoden und Staffeln eingeblendet werden, macht sich schon so etwas wie Wehmut breit und man mag es gar nicht so richtig glauben, dass es nun keine neuen Fälle vor Crockett und Tubbs mehr zu bearbeiten geben soll. Aber diese Wehmut darf – nüchtern betrachtet – natürlich auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ende von MIAMI VICE zwingend erforderlich gewesen ist, um die Serie positiv im Gedächtnis behalten zu können. In dieser fünften Staffel, das merkt man überdeutlich, ist die Luft einfach raus. Es gibt zwar keine qualitativen Ausreißer mehr nach unten (wie in der Staffel zuvor), die einzelnen Folgen sind aber bestenfalls als solide und gut zu bezeichnen, auf echte Highlights wartet man vergebens und die Tatsache, dass in sehr vielen Episoden einzelne Hauptpersonen überhaupt nicht oder nur kurz auftauchen – vor allem Don Johnson macht sich verdammt rar in dieser Staffel – hat sich auch nicht unbedingt positiv auf das Seherlebnis ausgewirkt. Und dann ist auch noch der Start in die Staffel – mit dem Auflösen des Cliffhangers aus Season Nr. 4 und der Amnesie von Crockett – komplett misslungen. Hanebüchener kann man einen Plot gar nicht entwickeln. Es ist etwas schade, dass MIAMI VICE in den letzten beiden Staffeln so extrem abgebaut hat. So bleiben die ersten drei Staffeln als ganz vorzüglich und großartig, die letzten beiden Staffeln als solide und durchwachsen und die komplette Serie in der Gesamtbetrachtung als sehr gut in Erinnerung.

VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (Deutschland 1959, Regie: Alfred Vohrer)

verbrechen nach schulschluss

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Mischung aus Juvenile-Delinquent-Drama und Kriminalfilm aus deutschen Landen. Regisseur Alfred Vohrer zeichnet ein lebhaftes Bild des jungen Rebellen Fabian König (Christian Wolff), der wegen einer Nichtigkeit von der Schule fliegt, anschließend eine kriminelle Jugendbande gründet und schließlich zwischen zwei Frauen gerät, was ihm zum Verhängnis werden soll. Ich hatte – insbesondere aufgrund des Erscheinungsjahres – erwartet, dass VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS in der Tradition der diversen “scare movies“ aus den USA stehen dürfte, Filme, die gesellschaftliche Missstände (insbesondere innerhalb jugendlicher Subkulturen) mit erhobenem Zeigefinger anprangern und pflegen, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Zwar gibt es auch in VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS die einfache Botschaft, dass sich Verbrechen am Ende doch nicht auszahlen, den erhobenen Zeigefinger lässt Vohrer jedoch weg. VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS wirkt rein gar nicht angestaubt oder altbacken, sondern ist vielmehr erstaunlich unbeschwert, spannend, wendungsreich und in gewisser Weise auch rasant inszeniert und bietet so herrlich kurzweilige Genreunterhaltung. Und diese (Party-)Szenen, die die Jugendlichen unter sich zeigen, sind so toll inszeniert, dass man sich am liebsten in den Film hineinbeamen möchte, nur, um sich in eine Ecke zu setzen und die diversen Protagonisten zu beobachten.

Persönliche Bewertung: Gut!

BEGIN AGAIN (USA 2013, Regie: John Carney)

begin again

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg seines Low-Budgets-Werks ONCE (den ich mir Anfang des Monats angesehen hatte) verschlug es den irischen Regisseur John Carney in die USA, wo er BEGIN AGAIN drehen durfte. Einen Film mit deutlich höherem Budget, zwei namhaften Hauptdarstellern (Keira Knightley und Mark Ruffalo) und New York als heimlichen Star.
Carney bleibt auch in BEGIN AGAIN dem Thema Musik treu. Der Film dreht sich um einen verzweifelten Musikagenten (Ruffalo), der auf der Suche nach einem neuen Star eher zufällig auf die Sängerin und Songwriterin Gretta (Knightley) trifft und versucht, dieser einen Plattenvertrag zu verschaffen. Doch sein Plattenlabel, bei dem er kurz vorher die Segel geschmissen hatte, hat kein Interesse an einer Verpflichtung und aus Geldmangel entsteht die aberwitzige Idee, eine Demo-CD nicht in einem Studio, sondern an verschiedenen Orten New Yorks aufzunehmen, mit dem Sound der Stadt im Hintergrund.
BEGIN AGAIN ist einer dieser Filme, die man wohl einfach nur als schön bezeichnen kann. Die Chemie zwischen Ruffalo und Knightley stimmt, die Guerilla-Aufnahmesessions in den Straßen von New Yorks verursachen Gänsehaut und der bei einem Film wie diesen fast zwangsweise vorhandene Kitschfaktor wird dabei glücklicherweise relativ niedrig gehalten. Sehr schön auch zu sehen, dass der Plot – was die “Beziehung“ der beiden Hauptfiguren angeht – eben nicht diese typischen Verlauf nimmt. In 99 von 100 ähnlichen Filmen würden die Sängerin und der Produzent am Ende des Tages als Liebespaar in den Abspann entlassen werden und sich der ganze Film darauf konzentrieren, dass sich zwischen den beiden Protagonisten eine Liebesbeziehung entwickelt. Carney konzentriert sich stattdessen auf die Musik und legt BEGIN AGAIN als Liebeserklärung an die Alternative- & Indieszene an und hat ganz nebenbei noch einen der schönsten New-York-Filme der letzten Jahre gedreht. Der “deutsche“ Titel von BEGIN AGAIN stellt die Fragen “Can a Song Save Your Life?“ – nach Sichtung von BEGIN AGAIN darf man diese gerne mit Ja beantworten.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

HAYWIRE (Irland/USA 2011, Regie: Steven Soderbergh)

haywire

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

HAYWIRE oder: Action Goes Arthouse. Regisseur Steven Soderbergh, der nun wahrlich nicht als Spezialist in Sachen Actionkino bekannt ist, schnappt sich mit Gina Carano eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin für die Hauptrolle und lässt diese in einem typischen Racheplot mit Jagd/Flucht-Szenario auf Stars wie Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Channing Tatum, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz und Bill Paxton treffen (wobei jetzt nicht alle der vorgenannten Schauspieler im Filme auf der Seite der Bösen stehen). Seinen eigentlich relativ simplen Plot erzählt Soderbergh verschachtelt, in Rückblenden und teils atemberaubend schönen Bildern. Die Kampfchoreographien sind exzellent und die Kampf- und Actionszenen kommen immer wieder unerwartet aus dem Nichts und zeichnen sich nicht durch übertriebenen Schnickschnack sondern eher durch staubtrockene Härte aus. Von den zahlreichen Fights ist insbesondere der am Strand im letzten Drittel des Films hervorzuheben, der einfach nur wunderschön in Szene gesetzt ist.
HAYWIRE ist auf seine Art und Weise schon ziemlich toll, aber irgendwie wurde ich während der Sichtung das Gefühl nicht los, dass diesem Film doch irgendetwas fehlt. Ich kann es nicht wirklich beschreiben, aber so richtig begeistert hat mich Soderberghs Ausflug ins Actiongenre dann doch nicht. Kann mir aber gut vorstellen, dass HAYWIRE das Potential hat, nach weiteren Sichtungen noch zu wachsen.

Persönliche Bewertung: Gut!