The Movies of February 2017

Der Monat ist zu Ende, es gibt wieder ein paar lose Gedanken zu allen gesehenen Filmen. Angeordnet sind die kurzen Texte in der Reihenfolge des persönlichen Gefallens.

the-proposition

Verdammt großartig ist THE PROPOSITION (Australien / Großbritannien 2005, Regie: John Hillcoat), ein Neo-Western, der im australischen Outback im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielt und in dem sich ein Gesetzloser auf einen Deal mit dem Gesetz einlässt, aus dem am Ende nur Verlierer hervorgehen können.

Überwältigende Bilder von Kameramann Benoît Belhomme, eine wahrlich unter die Haut gehende Geschichte aus der Feder von Nick Cave, der gemeinsam mit Warren Ellis auch noch die Musik beigesteuert hat, eine zutiefst melancholische Stimmung und Atmosphäre sowie mehr als überzeugende Darsteller sorgen dafür, dass Hillcoats THE PROPOSITION einer dieser Filme ist, denen man sich als Zuschauer unmöglich entziehen kann, die einen vollkommen vereinnahmen und schließlich regelrecht atemlos in den Abspann entlassen.

Bewertung: 9/10

 

Als faszinierendes Portrait einer außergewöhnlichen und nicht gerade unkomplizierten Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen möchte ich THE DUKE OF BURGUNDY (Großbritannien / Ungarn 2014, Regie: Peter Strickland) gerne bezeichnen.

Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Geben und Nehmen und das Missverhältnis, das entstehen kann, wenn der eine Teil zu viel vom anderen fordert. Und es geht natürlich nicht zuletzt um sexuelle Obsessionen und – in der filmischen Umsetzung – um den Umgang mit dem Tabuthema S&M. Regisseur Strickland nähert sich seinem Thema auf ungemein ästhetische und behutsame Art und Weise. Er nimmt seine beiden Hauptcharaktere ernst und bringt dem Zuschauer so auf ungemein einfühlsame Art deren gegenseitiges Dilemma näher. Strickland füttert das Kopfkino, verzichtet praktisch gänzlich auf nackte Tatsachen oder gar explizite Details und arbeitet stattdessen mit Andeutungen, symbolträchtiger Bildsprache und einer – in nicht wenigen Momenten – fast schon melancholisch-verträumten Atmosphäre.

Bewertung: 9/10

 

 

Chris Rock spielt sich in TOP FIVE (USA 2014, Regie: Chris Rock), bei dem er neben Hauptrolle und Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, wohl in gewisser Weise selbst. Zumindest dürfte dieser Film, in dem ein ehemaliger Stand-Up-Comedian und jetziger Superstar durch ein geführtes Interview mit einer Journalistin – gespielt von Rosario Dawson – damit beginnt, sein jetziges Leben zu reflektieren und dadurch am Ende des Tages wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet, mit Sicherheit den einen oder anderen autobiographischen Zug aufweisen.

Fälschlicherweise als Komödie beworben und vermarktet, ist TOP FIVE viel mehr ein authentisch wirkender Einblick in die Licht- und Schattenseiten des Showgeschäftes, ein Drama, welches vor allem durch die großartige Chemie zwischen Chris Rock und Rosario Dawson begeistert und darüber hinaus auch so einige denkwürdige Szenen zu bieten hat, von denen nicht wenige in meinen Augen als echte “Magic Moments“ durchgehen.

Bewertung: 8/10

 

Ein britischer Tontechniker wird von einem italienischen Regisseur engagiert und in das titelgebende BERBERIAN SOUND STUDIO (Großbritannien 2012, Regie: Peter Strickland) gebeten um dort an der Vertonung eines Films zu arbeiten, eine Arbeit, die den schüchternen Briten schon bald überfordert und die Grenzen zwischen Film und Realität mehr und mehr ineinander verschwimmen lässt.

Stricklands Film ist sowohl eine Liebeserklärung an die meist im Hintergrund stehenden Leute aus der Sound-Crew eines Filmes als auch an den italienischen Giallo der 70er Jahre. Wer großen Wert auf eine nachvollziehbare Handlung legt, dürfte hier massiv enttäuscht werden. Strickland erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern vermittelt mit seinen Bildern und seinen Tönen eher Stimmungen und Gefühle, erzeugt eine unheimliche Mystery-Atomsphäre und gleitet insbesondere im letzten Drittel des Films mehr und mehr ins Surreale ab. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte begeistert sein.

Bewertung: 8/10

 

Ganz wunderbaren B-Movie-Charme versprüht MOONSHINE COUNTY EXPRESS (USA 1977, Regie: Gus Trikonis) aus der Corman-Schmiede, in dem ein fieser Schurke einen lästigen Konkurrenten im Schwarzbrenner-Business umbringen lässt um das illegale Geschäft für sich alleine zu haben und sich schließlich damit auseinandersetzen muss, dass dessen drei attraktive Töchter in keinster Weise gewillt sind, klein beizugeben.

Trikonis’ Film bietet alles, was man sich von einem Streifen wie diesem hier erhofft: jede Menge bekannte Gesichter aus dem Exploitation-Bereich (u.a. John Saxon, Claudia Jennings und Candice Rialson), einen fiesen Bösewicht, sympathische Heldinnen, die sich diesem widersetzen, die eine oder andere spektakuläre Autoverfolgungsjagd und eine über die komplette Laufzeit ausgesprochen rasante und kurzweilige Art der Inszenierung. Geiler Film!

Bewertung: 8/10

 

Spencer Tracy als alternden Rechtsanwalt mit Alkoholproblemen in THE PEOPLE AGAINST O’HARA (USA 1951, Regie: John Sturges) dabei zuzusehen, wie dieser verzweifelt versucht, einen offensichtlich zu Unrecht des Mordes angeklagten Mann freizubekommen, katapultiert einen als Zuschauer zurück in die klassische Hollywood-Zeit, in der einzig und allein die schauspielerischen Leistungen und die erzählte Geschichte im Mittelpunkt standen.

Dem Zahn der Zeit haben sicher nicht alle Filme von damals so gut standgehalten wie dieser hier. Sturges Film bleibt bis zum großen Finale spannend, kann auch heute noch aufgrund seiner tollen Schauspieler überzeugen und hat im Lauf der Jahre tatsächlich erstaunlich wenig Staub angesetzt.

Bewertung: 8/10

 

In GRIMSBY (Australien / Großbritannien / USA 2016, Regie: Louis Leterrier) gerät ein Top-Agent des britischen Geheimdienstes in den Verdacht des Verrats weil ihn sein tollpatschiger Bruder in Gestalt von Sacha Baron Cohen nach jahrelanger, verzweifelter Suche endlich ausfindig gemacht und sich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für das Wiedersehen ausgesucht hat.

Actionspezialist Louis Leterrier trifft auf den Chaoskomiker Sacha Baron Cohen – herausgekommen ist ein komplett irrsinniger Hybrid aus geiler Actionchoreographie und übelstem Gross-Out-Humor, der sämtliche Grenzen des guten Geschmacks sprengt und den man wohl nur hassen oder lieben kann. Ich muss zugeben, die eine oder andere Szene fand ich auch etwas zu sehr “over the top“ (und wie dieser Film hier eine Freigabe ab 12 Jahren von der FSK bekommen konnte, ist mir ein absolutes Rätsel), bei unzähligen anderen Sequenzen lag ich jedoch fast weinend vor Lachen auf der Couch. Ich mochte GRIMSBY, sehr sogar.

Bewertung: 8/10

 

Ein komplett bizarres Szenario bekommt man von SONNY BOY (Italien / USA 1989, Regie: Robert Martin Carroll) geliefert, in dem ein Kleinkind zufällig in die Hände eines komplett dysfunktionalen Pärchens gerät und von diesem zu einem willenlosen Werkzeug geformt wird, welches im Erwachsenenalter auf Befehl diverse kriminelle Handlungen durchzuführen hat.

Zunächst einmal ist dieser Film komplett aus seiner Entstehungszeit herausgefallen. Er fühlt sich – schon allein aufgrund der Ausgangssituation für die Geschichte und dem weiteren Verlauf der Handlung – praktisch über die komplette Laufzeit nach einem typischen Vertreter des alle Grenzen auslotenden 70er-Jahre-Exploitation-Kinos an und hat auch exakt den Look dieser damaligen Genrevertreter. Wer aufgrund des skizzierten Szenarios nun erwartet, dass Regisseur Carroll seinen Film vor allem mit Geschmacklosigkeiten am laufenden Band garniert hat, kann beruhigt bzw. muss enttäuscht werden. So bizarr SONNY BOY vielleicht auch sein mag, Carroll schafft den fast unmöglich wirkenden Spagat zwischen schriller Exploitation und einfühlsamer Geschichte praktisch mühelos, nimmt alle seine Figuren ernst und erschafft so vor allem im Schlussdrittel stellenweise einen Film von fast poetischer Schönheit.

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Lebensmitteln findet in SAUSAGE PARTY (USA 2016, Regie: Greg Tiernan / Conrad Vernon) heraus, was wirklich mit ihnen passiert, wenn sie von den Menschen aus dem Supermarkt mitgenommen werden.

Politisch höchst inkorrekter Animationsklamauk aus der Feder von u.a. Seth Rogen und Jonah Hill. Wer deren Art von Humor mag und schätzt wird auch mit SAUSAGE PARTY verdammt viel Spaß haben. Ein Film, der zwar genüsslich Grenzen überschreitet und teils extrem derben Gross-Out-Humor liefert, bei näherer Betrachtung aber auch ein satirisch komplett überzeichnetes Statement zur politischen Weltsituation abgibt, damit auf der richtigen Seite steht und allein aus diesem Grund zwei Daumen nach oben verdient hat.

Bewertung: 8/10

 

 

Durch die düsteren Ecken von L.A. begleitet man als Zuschauer den titelgebenden THE CANDY TANGERINE MAN (USA 1975, Regie: Matt Cimber), einen nicht zu großartigen Späßen aufgelegten Zuhälter, und wird dabei Zeuge seines Tages- und Nachtwerks.

Einen herkömmlichen Plot gibt es eigentlich nicht wirklich, der Film setzt sich eher aus verschiedenen Handlungselementen zusammen. Der von John Daniels gespielte Zuhälter versucht seine Prostituierten unter Kontrolle zu halten, liefert sich ein Katz- und Maus-Spiel mit zwei Polizisten, beginnt eine blutige Fehde mit der Konkurrenz und versucht nebenbei, noch ein richtig dickes Ding zu drehen, bei dem ein mehr als stattlicher Geldbetrag herausspringen könnte. Regisseur Cimber holt dabei aus den offensichtlich geringen Mitteln, die er zur Verfügung hatte, nahezu das Maximum raus. Sein Film spielt zwar nicht in einer Liga mit den großen Klassikern des Blaxploitation-Kinos, kann aber durch seine Authentizität vermittelnde Stimmung, sein Setting in den eher ungemütlicheren Ecken der Stadt der Engel, seinen megacoolen Hauptdarsteller, seine grimmige Atmosphäre und jede Menge teils ausgesprochen derber What-the-Fuck-Momente absolut überzeugen.

Bewertung: 7/10

 

Louis de Funès und seine Kollegen werden in LE GENDARME EN BALADE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean Girault) in den Ruhestand zwangsversetzt, was sie – um die schon bald einsetzende Langeweile zu bekämpfen – allerdings nicht daran hindert, weiter die Uniform anzuziehen und heimlich auf Streife zu gehen.

De Funès im Ruhestand ist sogar noch einen Tick witziger als De Funès mit Schmetterlingen im Bauch (den Text hierzu gibt es weiter unten). Girault inszeniert ausgesprochen rasant, gelungene Gags gibt es praktisch im Minutentakt und nebenbei ist der Film natürlich auch eine Liebeserklärung an alle Menschen, die sich nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mal einfach so nebenbei abschieben lassen sondern selbst noch aktiv bleiben.

Bewertung: 7/10

 

In seinem dritten Auftritt als Gendarm verliebt sich Louis de Funès in LE GENDARME SE MARIE (Frankreich / Italien 1968, Regie: Jean Girault) in die bezaubernde Claude Gensac.

Louis de Funès erneut in einer seiner Paraderollen. Als Gendarm mit Schmetterlingen im Bauch richtet er einmal mehr heilloses Chaos an und bereitet einem als Zuschauer so extrem vergnügliche 90 Minuten. Eine wunderbare 60er-Jahre-Atmosphäre, das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus diversen De-Funès-Filmen und die wiederholt federleichte Inszenierung von Regisseur Jean Girault machen auch aus dem dritten Teil der Reihe einen Film, den man sich als Fan immer wieder gerne ansieht.

Bewertung: 7/10

 

Ziemlich durchdrehende Exploitation aus Griechenland liefert ΤΑΓΚΟ 2001 | TANGO 2001 (Griechenland 1974, Regie: Kostas Karagiannis), in dem ein wohlhabender Außenseiter, der von allen nur belächelt und ausgenutzt wird, auf ganz eigene Art und Weise versucht, seinem Dilemma zu entfliehen.

Ganz viel Sleaze, psychedelische Nachtclubsequenzen, grandiose Inneneinrichtungen, What-the-Fuck-Momente im Überfluss und eine Geschichte, bei der man sich nie so sicher sein kann, welche Wendung sie als nächstes einschlagen wird. Ja, doch, TANGO 2001 bietet wirklich ganz schön viel für so einen kleinen, schmuddeligen Film.

Bewertung: 7/10

 

Die Dokumentation THE SEARCH FOR WENG WENG (Australien 2007, Regie: Andrew Leavold) begibt sich auf die Spuren des im Jahr 1992 verstorbenen Weng Weng, der mit nur 83 cm Körpergröße als einer der kleinsten Schauspieler aller Zeiten in die Annalen der Exploitation-Filmgeschichte eingegangen ist.

Regisseur Andrew Leavold hatte den Weng-Film FOR Y’UR HEIGHT ONLY gesehen und es sich danach zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des kleinwüchsigen Hauptdarstellers in einer Dokumentation zu beleuchten. Der nach jahrelangen Recherchearbeiten fertiggestellte Film gewährt einen einfühlsamen und über weite Strecken ausgesprochen interessanten Einblick in ein Mysterium der Filmgeschichte. Regisseur Leavold ist es gelungen, so viele Weggefährten wie möglich vor die Kameras zu locken und so nicht nur Licht ins Dunkel um Weng Weng zu bringen, sondern gleichzeitig auch einen Einblick in das philippinische Kino der 70er und 80er Jahre zu gewähren. Die dabei geleistete Recherchearbeit verdient höchste Anerkennung, wobei man allerdings auch konstatieren muss, dass der fertige Film eindeutig als nerdiges Fanprojekt verstanden werden sollte und nicht unbedingt als professionelle Filmdokumentation.

Bewertung: 7/10

 

Bud Spencer und Terence Hill lassen erneut die Fäuste fliegen und legen sich in PARI E DISPARI (Italien / USA 1978, Regie: Sergio Corbucci) mit der Glücksspielmafia an.

Corbuccis Film zeigt das kongeniale Duo in Bestform. Ausgesprochen hübsch choreographierte Prügeleien en masse, eine ungemein rasante Inszenierung und eine deutsche Synchro, die wahrlich keine Gefangenen macht – wo Spencer und Hill draufsteht ist im vorliegenden Fall auch definitiv Spencer und Hill drin.

Bewertung: 7/10

 

Sofern es einem gelingt, über die etwas krude Ausgangssituation hinwegzublicken, kann man auch mit BLACK FRIDAY (USA 1940, Regie: Arthur Lubin), einem weiteren Film in dem Lugosi und Karloff mitwirken, richtig viel Spaß haben. Lugosi hat hier allerdings eine etwas kleinere Rolle abbekommen. Mehr Screentime hat Karloff als Mediziner, der einem sterbenden Freund in einer illegalen Hauruckaktion das Gehirn eines Gangsters verpflanzt. Das zieht natürlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich, muss der so Geheilte fortan mit einer gespaltenen Persönlichkeit leben. Ein Fakt, aus der Karloff wiederum seinen Nutzen ziehen mag, denn irgendwo im Gehirn des Gangsters sind Informationen zum Versteck einer stattlichen Geldsumme verborgen und die gilt es nun hervorzuholen.

Das ist natürlich keine Geschichte, die einem größeren Logiktest standhält, wenn man das als gegeben hinnimmt und akzeptiert, bekommt man dafür eine ausgesprochen kurzweilige Mischung aus Horror- und Gangsterfilm serviert, die von Anfang an als Rückblende erzählt wird und bis zu ihrer endgültigen Auflösung den einen oder anderen Haken schlägt. Schön.

Bewertung: 7/10

 

Mel Gibson ist der titelgebende BLOOD FATHER (Frankreich 2016, Regie: Jean-François Richet), der versucht, seine Tochter vor einer ganzen Armee finsterer Gestalten zu beschützen.

Schnörkellos inszeniertes Jagd/Flucht-Szenario, welches Mel Gibson mal wieder in einer überzeugenden und irgendwie auch maßgeschneiderten Rolle präsentiert. Ich mochte diesen Old-School-Vibe, den der Film verbreitete. Erin Moriarty als Gibsons Tochter spielt zudem richtig gut und die Kameraarbeit von Robert Gantz ist über weite Strecke eine einzige Augenweide.

Bewertung: 7/10

 

In BAD MOMS (USA 2016, Regie: Jon Lucas / Scott Moore) sind drei Frauen in ihren Rollen als perfekte Mütter komplett überfordert und entschließen sich eines Tages dazu, einfach mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken – was sich am Ende des Tages natürlich positiv für sie und ihre Kinder auswirkt.

Durchaus gelungene Komödie, die weitaus harmloser daherkommt als der Titel womöglich zu versprechen mag. Der Verlauf der Geschichte ist natürlich ziemlich vorhersehbar und auch an jeder Menge Klischees wurde nicht gespart. Letztendlich gewinnt der Film durch jede Menge Funken von Wahrheit, die in ihm stecken und seine Armada von überzeugenden Schauspielerinnen.

Bewertung: 7/10

 

Solide 90er-Jahre-Action liefert MONEY TRAIN (USA 1995, Regie: Joseph Ruben), in dem sich Woody Harrelson als Cop mit Geldsorgen dazu entschließt, den titelgebenden Zug zu überfallen, mit dem die Einnahmen sämtlicher New Yorker U-Bahn-Stationen eingesammelt und transportiert werden.

Ein Hauch Buddy-Movie – Wesley Snipes ist als Harrelsons Adoptivbruder und Partner wider Willen mit an Bord -, ein bisschen Romantik – Jennifer Lopez fungiert als Love Interest -, ein paar hübsch anzusehende Subplots und ein zumindest halbwegs spektakuläres Finale runden einen Film ab, der zu keinem Zeitpunkt verleugnen kann, aus welchem Jahrzehnt er stammt, der heutigen Action- und Blockbuster-Filmen in Sachen Spektakel und Schauwerten natürlich nicht annähernd das Wasser reichen kann, diesen jedoch in Sachen Charme und Sympathiewerte haushoch überlegen ist.

Bewertung: 7/10

 

In THUNDERHEART (USA 1992, Regie: Michael Apted) soll Val Kilmer als junger FBI-Agent mit indianischen Vorfahren einen Mord in einem Indianerreservat gemeinsam mit einem älteren Partner aufklären und sticht bei seinen Ermittlungen mitten in ein Wespennest hinein.

Der Film hat kommt zwar nicht wirklich ohne Klischees aus, hat das Herz aber auf dem rechten Fleck und liefert dabei grundsolide und gute Thriller-Handlung mit Mystery-Touch.

Bewertung: 7/10

 

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter ohne jegliche Perspektive liefert sich in SHOPPING (Großbritannien / Japan 1994, Regie: Paul W.S. Anderson) – angeführt von einem jungen Jude Law – erbitterte Kämpfe mit der Polizei und einer rivalisierenden Bande.

Für einen Debütfilm – für den mittlerweile entweder leidenschaftlich geliebten oder ebenso leidenschaftlich verachteten Paul W.S. Anderson stellte dies hier die erste Regiearbeit dar und Jude Law, damals Anfang 20, gab hier sein Leinwanddebüt in einer Hauptrolle – ist SHOPPING mehr als ordentlich geraten. Ich mochte die Punkrock-Attitüde des Films, dieses Unverschämte, Rotzige, das er ausstrahlt, aber gleichzeitig auch die zutiefst melancholischen Momente, die ihn immer wieder durchziehen. In den Actionszenen zeigt Anderson schon deutlich sein gutes Gespür im Timing solcher Sequenzen und der Soundtrack des Films ist ziemlich geil geraten.

Bewertung: 7/10

 

 

In seinem fünften Auftritt als Gendarm bekommt es Louis de Funès in LE GENDARME ET LES EXTRA-TERRESTRES (Frankreich 1979, Regie: Jean Girault) mit Außerirdischen zu tun.

Erste leichte Abnutzungserscheinungen machen sich breit. Nachdem die Gendarm-Reihe nach dem vierten Film eine Pause von immerhin 9 Jahren eingelegt hatte, krankt dieser fünfte Beitrag insbesondere daran, dass nicht mehr die komplette Besetzung zur Verfügung stand. Vor allem das Fehlen von Claude Gensac als Ehefrau des kleinen Cholerikers schmerzt doch sehr. Zudem war mir dieser Film mit den außerirdischen Blechkameraden auch einfach eine Spur zu albern und wirkte mit seinem ganzen Verwechslungsszenario – die Außerirdischen können die beliebige Gestalt von Menschen annehmen – mitunter doch sehr bemüht. Auch wenn das ganze Treiben über weite Strecken natürlich immer noch verdammt unterhaltsam ausgefallen ist, mir persönlich fehlte einfach die Leichtigkeit in der Inszenierung, welche die Vorgängerfilme allesamt ausgezeichnet hatte.

Bewertung: 6/10

 

Wenn Michael Bay etwas kann, dann ist das maximale Unterhaltung mit minimalstem Anspruch zu verbinden. Dazu muss er nicht mal selbst Regie führen, es genügt schon seine Mitwirkung als Produzent, um aus einem Film wie TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: OUT OF THE SHADOWS (China / Hongkong / Kanada / USA 2016, Regie: Dave Green), in dem Megan Fox und die vier riesigen Ninjaschildkröten mal wieder den Tag retten müssen, ein herrlich unbekümmertes Vergnügen zu machen. Das ist filmisches Fast Food mit dem größtmöglichen Unterhaltungsfaktor, rasant inszeniert, mit netten Gags und spektakulären Action-Set-Pieces ausgestattet und mit einem Sound Design gesegnet, welches – eine ordentliche Anlage vorausgesetzt – die heimische Couch unter dem Allerwertesten vibrieren lässt.

Bewertung: 6/10

 

Nett unterhaltsam ist EVE OF DESTRUCTION (USA 1991, Regie: Duncan Gibbins), in dem ein außer Kontrolle geratener Android wieder eingefangen werden muss.

Sympathische, kleine B-Produktion, die aus ihrem schmalen Budget so viel wie möglich herauszuholen vermag. Über ein Viertel Jahrhundert nach Erstveröffentlichung hat das alles zwar schon ordentlich Staub angesetzt und verbreitet nicht mehr wirklich viel Spannung, Zwei damals noch angesagte Hauptdarsteller (die heute wahrscheinlich niemand mehr kennt), das geradlinige Jagd-Flucht-Szenario und ein paar blutige Shoot-Outs sorgen aber dennoch dafür, dass Fans des Actionfilms der damaligen Zeit bei Sichtung dieses Streifens sicher ein paar wohlige Nostalgieschübe bekommen dürften.

Bewertung: 6/10

 

Bud Spencer und Terence Hill in Doppelrollen. In NON C’È DUE SENZA QUATTRO (Italien 1984, Regie: Enzo Barboni) werden die beiden angeheuert um in die Haut zweier Milliardäre zu schlüpfen, denen sie zum Verwechseln ähnlich sehen. Die fürchten nämlich um ihr Leben und wollen ihre Doppelgänger als Kanonenfutter verwenden. Aber natürlich kommt alles anders als erwartet.

So unterhaltsam diese weitere Zusammenarbeit von Spencer und Hill auch sein mag, an die Großtaten des schlagkräftigen Duos kommt Barbonis Film eigentlich nie heran. Dazu war mir der Film in seiner Gesamtheit doch etwas zu schlafmützig inszeniert und kam über die komplette Laufzeit eigentlich nie so richtig in Fahrt.

Bewertung: 6/10

 

Komplett harmlosen aber doch irgendwie auch unterhaltsamen Klamauk bietet das Heinz-Erhardt-Vehikel DAS KANN DOCH UNSREN WILLI NICHT ERSCHÜTTERN (Deutschland 1970, Regie: Rolf Olsen), in dem Erhardt mit der Familie in den gemeinsamen Italien-Urlaub fährt, nur um sich dort mit den ungeliebten Nachbarn zu duellieren (und am Ende natürlich zu versöhnen).

Wo Erhardt drauf steht, ist Erhardt drin. Die präsentierten Gags dürften schon damals nicht mehr ganz frisch gewesen sein, seine unzähligen Wortspiele sind altbekannt und das interessanteste an diesem Film dürfte noch sein, auf welch naiv-charmante Weise er das deutsche Spießbürgertum abbildet und so der kompletten Lächerlichkeit preisgibt.

Bewertung: 6/10

 

MARY REILLY (Großbritannien / USA 1996, Regie: Stephen Frears) erzählt die klassische Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus der Perspektive der titelgebenden und von Julia Roberts gespielten Haushälterin des Wissenschaftlers.

Einer dieser Filme bei denen zwar nicht sonderlich viel anbrennen kann, die dafür aber auch nicht besonders innovativ geraten sind, sondern eher für routinierte und – wenn man es so nennen mag – teils biedere Unterhaltung stehen. Die hier vorliegende Mischung aus Horror, Drama und Romanze ist überaus prominent besetzt und allein aufgrund dieser Tatsache absolut solide gespielt. Viel mehr – vielleicht noch die ziemlich tolle Ausstattung – dürfte von diesem Film auf lange Sicht jedoch nicht im Gedächtnis hängen bleiben.

Bewertung: 6/10

 

 

Für dieses riesige, kreative Loch, in dem sich Hollywood nun schon seit Jahren befindet, ist JASON BOURNE (China / Großbritannien / USA 2016, Regie: Paul Greengrass), in dem sich Matt Damon als Jason Bourne mal wieder ein Katz- und Mausspiel mit seinem früheren Arbeitgeber liefert, ein perfektes Beispiel.

Regisseur Greengrass hält seine Kamera, seine diversen Pro- und Antagonisten und seinen Film zwar immer in Bewegung, doch diese ständige Bewegung führt zu keinerlei Intensität, weckt kein großartiges Interesse und lässt den Zuschauer eher als teilnahmslosen Beobachter zurück. Der Hauptplot ist aus den vorherigen Filmen hinlänglich bekannt und mittlerweile nun wirklich nicht mehr dazu geeignet, so etwas wie Spannung zu verbreiten und der Nebenplot um das neue Geheimprogramm der CIA mit dem erfolgreichen Jungunternehmerstar ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk. Wenigstens sind ein paar nette Actionszenen vorhanden und in ein paar wenigen Momenten blitzt auch kurz so etwas wie Potential auf, insgesamt betrachtet ist das alles aber viel zu wenig um so etwas wie echte Begeisterung bei mir als Zuschauer hervorzurufen. Der mit Abstand schwächste Teil der ganzen Reihe.

Bewertung: 5/10

Final Thoughts of May

THE SLAMS (USA 1973, Regie: Jonathan Kaplan)

the slams

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Jim Brown ist Curtis X. Hook, der soeben den Mob um stattliche 1,5 Mio Dollar erleichtert und das erbeutete Geld sicher versteckt hat und nun wegen einer eigentlichen Lappalie im Knast landet. Seine Zeit dort würde er eigentlich locker absitzen, dumm nur, dass ihm sowohl die Beklauten und auch korrupte Staatsdiener, die von der Sache Wind bekommen haben, das Leben zur Hölle machen möchten, um ihm das Versteck der Beute zu entlocken. Als Hook auch noch mitbekommt, dass sein Versteck in wenigen Tagen abgerissen werden soll und das Geld dann für immer verloren sein dürfte, entschließt er sich dazu, einen Ausbruchsversuch zu wagen…

Für Regisseur Jonathan Kaplan, der einst unter Roger Corman seine ersten Schritte als Regisseur unternahm, Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre einige größere Erfolge verzeichnen konnte – u.a. drehte er das Oscar-prämierte Vergewaltigungsdrama THE ACCUSED mit Jodie Foster in der Hauptrolle – und mittlerweile beim TV gelandet ist, war THE SLAMS damals die dritte Regiearbeit und stellte einen weiteren Versuch eines größeren Hollywood-Studios – hier: MGM – dar, unter seinem Banner auf den damals so erfolgreichen Blaxploitation-Zug aufzuspringen. Und die Zutaten passen durchaus: Hauptdarsteller Jim Brown bringt die nötige Coolness eines echten Blaxploitation-Helden mit, der Film geizt nicht mit Gewalt und präsentiert in ein paar außerhalb des Gefängnisses spielenden Szenen natürlich auch die obligatorischen, nackten Damenbrüste. Etwas problematisch ist das Setting im Gefängnis, da sich bis zur Planung und Durchführung der Flucht – die übrigens mit einigen netten Ideen und Wendungen überraschen kann – im räumlich arg begrenzten Gefängnis-Setting doch etwas Längen einschleichen, man sich als Zuschauer natürlich nur wenig Sorgen um das Wohlergehen der Hauptfigur machen muss und echte Spannung erst im Finale aufkommen kann.

Für Freunde des Kinos der 70er Jahre im Allgemeinen und für Fans des Exploitationfilms im Speziellen gibt’s für THE SLAMS natürlich trotzdem eine Empfehlung. Allein schon wegen der kantigen Typen, die diesen Film bevölkern, wegen dieses unnachahmlichen 70er-Jahre-Looks und vor allem auch wegen dieser wundervollen Atmosphäre, die praktisch alle guten Genreproduktionen aus der damaligen Zeit für Fans so unwiderstehlich macht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN (USA 1991, Regie: Simon Wincer)

harley davidson and the marlboro man

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Mickey Rourke und Don Johnson spielen die beiden Titelfiguren Harley (Rourke) und Marlboro (Johnson), zwei waschechte Haudegen, die – weil sie gerade nichts anderes zu tun haben – einen Geldtransporter überfallen um ihre Lieblingskneipe vor der Schließung zu retten. Doch statt Geld erbeuten sie Drogen und deren Besitzer sind darüber nicht gerade erfreut…

Wenn man HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN halbwegs objektiv betrachten möchte, muss man sicher eingestehen, dass Simon Wincer hier einen ziemlichen Schmarrn fabriziert hat. Die Ausgangssituation und der komplette Handlungsverlauf des Films sind absolut hanebüchen und nicht wirklich dazu geeignete, Argumente für ein Gelingen des Films ins Feld zu führen. Wincers Film lebt einzig und allein von seinen beiden Hauptdarstellern, die – wie es sich für ein Buddy Movie gehört – die zwischen ihnen ständig schwelenden Konflikte auf möglichst alberne und coole Art untereinander austragen, nie um einen Spruch verlegen sind und ein paar hübsch fotografierte Actionsequenzen zu bewältigen haben. Man merkt Wincers Film an, dass er in einer Zeit entstanden ist, in dem das humorbefreite Actionkino der 80er Jahre langsam aber sicher durch Filme abgelöst werden sollte, in denen Action und Gewalt nur noch mit Humor und dummen Sprüchen einhergingen.

Ich selbst habe HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN nun seit über 20 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen und muss gestehen, dass ich den Film – wohl vor allem aus nostalgischen Gründen, aber auch weil ich finde, dass Rourke und Johnson in diese Rollen passen wie die Faust aufs Auge und herrlich miteinander (dis-)harmonieren – auch heute noch sehr gerne mag. Dass er Menschen, die ihn jetzt, im Jahr 2016, zum ersten Mal in ihrem Leben sehen, auf irgendeine Art und Weise noch ansprechen könnte, möchte ich jedoch stark anzweifeln.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SHOOT TO KILL (USA 1988, Regie: Roger Spottiswoode)

shoot to kill

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

In SHOOT TO KILL bzw. DEADLY PURSUIT (so der internationale englische Titel, der die Handlung des Films im Gegensatz zum US-Originaltitel kurz und knapp auf den Punkt bringt) jagen Sidney Poitier als FBI-Agent und Tom Berenger als Bergführer einen gefährlichen Killer (Clancy Brown) durch unwirtliche Gebirge nahe der kanadischen Grenze und liefern sich einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der skrupellose Verbrecher hat Berengers Filmfreundin Kirstie Alley in seiner Gewalt und es steht zu befürchten, dass er sie nicht mit dem Leben davonkommen lassen wird, sobald er sich in Sicherheit wiegt…

Ich habe das Anfang des Monats schon in meinem Text zu MIDNIGHT RUN angemerkt und kann es auch hier einfach nur wiederholen: schade, dass solche Filme nicht mehr gedreht werden. Ohne großartige Exposition ist man sofort drin in Spottiswoodes Film, der – aufs wesentliche herunter gebrochen – zwar nicht viel mehr als eine simple Jagd/Flucht-Story anzubieten hat, es aber ohne Probleme versteht, den Zuschauer für sich einzunehmen. Die Einführung und Charakterisierung der Figuren erfolgt praktisch nebenbei und ist doch so gelungen, dass man sofort eine Bindung zu den handelnden Personen aufbaut. Sofort hofft und bangt man mit den Protagonisten und mindestens ebenso schnell verteufelt man den Bösewicht. SHOOT TO KILL ist jetzt vielleicht kein kompletter Über-Film geworden (dazu haben sich im Mittelteil etwas zu viele Längen eingeschlichen und die Szene mit der schnell ausgegrabenen Höhle im Schnee strapazierte die Glaubwürdigkeit des Films doch sehr und war mir einfach etwas “too much“), aber er liefert spannende, schnörkellose und unaufgeregte Unterhaltung vor teils extrem atemberaubender Kulisse. Wer ein Herz für das Kino der 80er Jahre hat, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LANTANA (Australien / Deutschland 2001, Regie: Ray Lawrence)

lantana

(Fassung: DVD, Universal, Großbritannien)

Regisseur Ray Lawrence konfrontiert den Zuschauer in LANTANA mit verschiedenen Paaren, die alle ihre Beziehungsprobleme haben und die – ohne es unbedingt auf Anhieb zu ahnen – alle in gewisser Weise miteinander in Verbindung stehen. Und dann geht es auch noch um eine wie vom Erdboden verschwundene Frau. Bis es soweit ist, dauert es jedoch relativ lange, und das ist vielleicht auch die eine große Schwäche dieses Films, der vielleicht etwas zielgerichteter inszeniert hätte werden müssen und den man – würde man allein die schauspielerischen Leistungen bewerten – als Zuschauer eigentlich gerne als hervorragenden Film weiterempfehlen würde.

Vielleicht ist das auch einfach nur mal wieder ein Jammern auf hohem Niveau, aber für meinen Geschmack hat sich Regisseur Ray Lawrence einfach etwas zu viel Zeit gelassen um seine Charaktere einzuführen und zu entwickeln, um seine Figurenkonstellationen zu positionieren und um seine Zuschauer mit vagen Hinweisen hinters Licht zu führen um so auch die Spannung des Films hochzuhalten. Wenn man sich vorher nicht die Inhaltsangabe durchgelesen hat – was eigentlich immer von Vorteil ist – kann man tatsächlich nie so richtig einschätzen, in welche Richtung sich LANTANA letztendlich entwickeln wird. Das Problem dabei ist, dass man ab einem gewissen Punkt das Gefühl einfach nicht mehr losbekommt, dass das, was man hier zu sehen kriegt, nur wenig zielgerichtet zu sein scheint. So gut mir die schauspielerischen Leistungen auch gefallen haben und so sehr ich mich von dem leichten Mystery-Touch des Films gefangen nehmen lassen wollte, am Ende des Films – wenn sich dann mehr oder weniger doch alles wieder in Wohlgefallen aufzulösen scheint – reift bei mir als Zuschauer auch die Erkenntnis, dass der Aufwand, den Regisseur Lawrence in den ersten 2/3 des Films betrieben hat, ein weitaus besseres Schlussdrittel verdient hätte und eine nüchterne Aufwand/Ertrag-Rechnung hier wohl nicht gerade positiv ausfallen würde. Gut und sehenswert ist LANTANA natürlich dennoch. Wie schon geschrieben, Gejammer auf hohem Niveau.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MO’ BETTER BLUES (USA 1990, Regie: Spike Lee)

mo' better blues

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Denzel Washington ist Bleek Gilliam, ein überaus talentierter Jazztrompeter, der mit seinen Bandkollegen (u.a. Wesley Snipes und Giancarlo Esposito) Abend für Abend in einem angesagten Club das Publikum begeistert. Musik ist Bleeks Leben, ihr ordnet er alles unter und übersieht dabei fast, die diversen Pulverfässer, die um ihn herum jederzeit hochzugehen drohen: da wäre sein von Snipes gespielter Saxophonist Shadow, der endlich für seine Auftritte angemessen entlohnt werden möchte und ernsthafte Planungen anstrebt, die Band zu verlassen, da wäre sein Freund und Manager Giant (Spike Lee), den seine Wettsucht in den Ruin getrieben hat und der Schulden bei Menschen angehäuft hat, bei denen man besser keine Schulden haben sollte, und da wären nicht zuletzt seine Beziehungen zu zwei verschiedenen Frauen, zur Lehrerin Indigo (Joie Lee) und zur Sängerin Clarke (Cynda Williams), die sich immer komplizierter organisieren lassen…

Einmal mehr kreiert Regisseur Spike Lee mit MO’ BETTER BLUES einen Mikrokosmos voller Emotionen, im vorliegenden Fall jedoch einen Mikrokosmos in den es sich als Zuschauer etwas leichter und unbekümmerter eintauchen lässt als in die seiner unmittelbaren Vorgänger- und Nachfolgefilme DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER. Obwohl in MO’ BETTER BLUES neben den vielen komischen Momenten auch jede Menge tragische Augenblicke vorkommen, ist das hier ein Film, der für seine Zuschauer mit seiner ruhigen Art, seiner einladenden Farbgebung, seiner beruhigenden, teils traumhaften Atmosphäre und seiner mitreißenden Musik eine Art Wohlfühloase generiert, in der man sich – bildlich gesprochen – nur zu gerne niederlässt um in ihr zu verweilen. MO’ BETTER BLUES ist einer dieser Filme, in die man mit spielerischer Leichtigkeit versinken kann, über deren manchmal etwas schrullige Art – insbesondere in den Szenen mit Spike Lee – man nur zu gerne schmunzeln möchte und von denen man mit einem mehr als positiven Gefühl in den Abspann entlassen wird. Und dann ist MO’ BETTER BLUES natürlich so ganz nebenbei eine Liebeserklärung an die Kunst der Musik.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 3 (USA 2013, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Der Kampf um Thronfolgen, diverse Schlachten, das Paktieren und Intrigieren (angeblich) Verbündeter, die versuchte Flucht vor Feinden, usw., usf. – dies alles geht nun in die dritte Runde und dies alles ist auch in dieser dritten Runde ungemein unterhaltsam und wegen der einfach nicht weniger werden wollenden Schauwerte auch ausgesprochen nett anzusehen.

Aber auch wenn mir GAME OF THRONES noch immer außerordentlich gut gefällt, muss ich doch anmerken, dass die Serie für mich persönlich nicht so funktioniert wie sie wohl – wenn man den Hype berücksichtigt, der schon seit Jahren um sie gemacht wird – für den Großteil der Zuschauer funktionieren dürfte. Ich gebe zu, ich lasse mich von GAME OF THRONES ausschließlich berieseln, der Verlauf der Handlung ist mir dabei ziemlich egal und ich verspüre keinerlei Motivation, wirklich jeden dieser unzähligen Nebencharaktere seinem Clan zuzuordnen oder mir einen Überblick zu verschaffen wer nun aus welchem Grund gegen wen kämpft, mit wem paktiert und auf was auch immer irgendwelche Ansprüche erhebt und ich finde es ehrlich gesagt richtig bewundernswert, dass sich die Vielzahl der Zuschauer wohl offensichtlich tatsächlich für diese in meinen Augen ziemlich aufgeblasene Handlung begeistern kann, in Gedanken Stammbäume erstellt und es schafft, so etwas wie Sympathien für einzelne Charaktere aufzubauen und mit diesen mitzufiebern.

Für mich funktioniert GAME OF THRONES nur als perfektes “eye candy“, als Musterbeispiel für Exploitation im aufwändigen Gewand – als das funktioniert die Serie aber auch wirklich richtig, richtig gut. Ich freue mich schon auf die vierte Staffel.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

HIGH SCHOOL BIG SHOT (USA 1959, Regie: Joel Rapp)

high school big shot

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

 Ein kleiner No-Budget-Beitrag aus dem Bereich des zum damaligen Entstehungszeitpunkt überaus beliebten Subgenre des Juvenile-Delinquent-Films. In HIGH SCHOOL BIG SHOT dreht sich alles um den Musterschüler Marv (Tom Pittman), der sich eines Tages ernsthafte Hoffnungen macht, bei Betty (Virginia Aldridge), der beliebtesten (und scheinbar auch einzigen) Schülerin seiner Schule zu landen und dafür sogar bereit ist, einen kriminellen Pfad einzuschlagen…

Man könnte sich nun natürlich mit Leichtigkeit über HIGH SCHOOL BIG SHOT lustig machen. Bspw. über seine tristen Settings, seine hölzernen Darsteller oder seine überkonstruierte Handlung. Regisseur Joel Rapp hat seinen Film ganz offensichtlich ohne nennenswertes Budget mit nicht unbedingt hochtalentierten Schauspielern in ein paar Hinterzimmern gedreht. So wird bspw. die Highschool lediglich von einem Lehrer und einer Handvoll Schülern bevölkert – letztere sehen zum Großteil viel zu alt für ihre Rollen aus -, irgend ein geschäftiges Treiben auf Straßen oder in Bars, in die der Film kurze Ausflüge unternimmt, findet praktisch nicht statt und irgendwie wirkt HIGH SCHOOL BIG SHOT auf krude Art und Weise etwas leblos. Und doch möchte ich an dieser Stelle eine kleine Lanze für den Film brechen, denn bei näherer Betrachtung der – zugegebenermaßen etwas arg abenteuerlichen – Handlung fällt doch auf, Regisseur und Drehbuchautor Joel Rapp es auf wundersame Weise geschafft hat, in einen Film, der gerade mal 60 Minuten dauert, schier unendlich viel hineinzustecken. HIGH SCHOOL BIG SHOT ist Coming-of-Age-Geschichte, Love Story, Familiendrama, Kriminalfilm und Heist Movie in einem und wird durch diese ziemlich verrückte Mischung – und natürlich auch wegen seiner ausgesprochen kurzen Laufzeit – zu keinem Zeitpunkt langweilig und zaubert dem geneigten Zuschauer das eine oder andere fette Grinsen während der Sichtung ins Gesicht.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ARMED AND DANGEROUS (USA 1986, Regie: Mark L. Lester)

armed and dangerous

(Fassung: DVD, Sony, Großbritannien)

Zwischen Kultfilmen wie CLASS OF 1984, COMMANDO und EXTREME JUSTICE, die ja allesamt eher etwas heftigere Kost zu bieten hatten, drehte Regisseur Mark L. Lester diese kleine Action-Komödie mit John Candy und Eugene Levy in den Hauptrollen. Candy spielt einen gescheiterten Polizisten, Levy einen ebenfalls gescheiterten Rechtsanwalt. Die beiden Protagonisten lernen sich in ARMED AND DANGEROUS bei einer Security-Firma kennen, bei der sie untergekommen sind, sorgen zunächst für viel Chaos, kommen schließlich einer waschechten Verschwörung auf die Spur und retten am Ende natürlich den Tag.

ARMED AND DANGEROUS erinnert vom Ansatz zunächst stark an die in den 80er Jahren ausgesprochen beliebte und erfolgreiche POLICE ACADEMY-Reihe – ein ganzer Haufen von chaotischen Typen, die alle einen Job ausüben möchten, für den sie offensichtlich nicht geeignet sind, werden nach lustigen Trainingssequenzen auf die Menschheit losgelassen -, die, als Lesters Film startete, bereits 3 Filme umfasste, wendet sich dann aber sehr schnell seinen beiden Protagonisten und der aufzudeckenden Verschwörung zu und erinnert im weiteren Verlauf dann doch eher an ein Buddy-Movie. Lester inszeniert seinen Film unheimlich rasant, hat einige verdammt witzige Sequenzen zu bieten, bemüht sich so gut es eben geht um Spannung und beendet seine gut 80 Minuten dauernde Geschichte schließlich in einer äußert hübsch anzusehenden Verfolgungsjagd. Das größte Plus des Films ist jedoch seine grandiose Besetzung. Neben den beiden Stars und Meg Ryan, die so etwas wie die weibliche Hauptrolle abbekommen hat, geben sich bis in die kleinsten Nebenrollen aus unzähligen (Genre-)Produktionen bekannte Gesichter die sprichwörtliche Klinke in die Hand. U.a. sind Robert Loggia, Brion James, Don Stroud, Steve Railsback, Tony Burton und Tommy ‚Tiny‘ Lister mit von der Partie (um nur mal ein paar Namen zu nennen) und in einer Mini-Sequenz habe ich sogar den großartigen David Hess entdecken können. ARMED AND DANGEROUS ist schon allein aufgrund seiner Besetzung unbedingt sehenswert und sei hiermit jedem 80er-Jahre-Afficionado zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

KNOCK KNOCK (Chile / USA 2015, Regie: Eli Roth)

knock knock

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Keanu Reeves spielt den Architekten Evan, der eigentlich ein Wochenende mit seiner Familie am Strand verbringen sollte, wegen dringend zu erledigender Arbeiten aber stattdessen alleine zuhause geblieben ist – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als zwei junge und vollkommen durchnässte Frauen (Lorenza Izzo und Ana de Armas) vor seiner Tür stehen und um Hilfe bitten. Evan lässt sie herein und begeht damit den Fehler seines Lebens. Von der Exaltiertheit und Freizügigkeit seiner beiden Gäste komplett überfordert, lässt er sich auf ein sexuelles Abenteuer ein und erwacht schließlich in einem Albtraum…

Mal wieder ein Beispiel des allseits beliebten Terror- bzw. Home-Invasion-Films, nur dass Regisseur Eli Roth, der auch am Drehbuch mitarbeitete, die Genrekonventionen mit KNOCK KNOCK umkehrt und komplett auf den Kopf stellt. Sind die Eindringline normalerweise männlichen Geschlechts und die Opfer in solchen Filmen vornehmlich weiblich, ist es hier ein scheinbar starker Mann, der gegen die Waffen des vermeintlich schwächeren Geschlechts einfach nicht ankommen mag. Als Zuschauer möchte man dem von Reeves gespielten Evan regelrecht zurufen, dass er sich doch endlich mal effektiv zur Wehr setzen solle, muss aber hilflos mit ansehen, wie dieser gegen seine immer mehr in den Wahnsinn abzudriften scheinenden Gegnerinnen einfach keinerlei Chance zur Gegenwehr bekommt.

Warum dieser in meinen Augen ungemein spannende und als Terror- bzw. Horrorfilm auch verdammt effektive Film beim Publikum komplett durchgefallen zu sein scheint – in der IMDB kommt KNOCK KNOCK momentan auf eine durchschnittliche Punktzahl von gerade mal 4.9/10 – mag sich mir nicht wirklich ergründen. Vielleicht war KNOCK KNOCK seinem Zielpublikum ja einfach zu unangenehm. Unbeschwerte Unterhaltung sieht definitiv anders aus, aber das war ja noch nie die Sache von Eli Roth. Und das ist auch gut so.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Shocktober 2015 – Second Batch

FRIGHT NIGHT (USA 2011, Regie: Craig Gillespie)

fright night

(Fassung: Blu-ray, Touchstone, Deutschland)

Mit FRIGHT NIGHT hat Regisseur Craig Gillespie eine Neuinterpretation des gleichnamigen Klassikers aus dem Jahr 1985 gedreht, die zumindest so gut gelungen ist, dass sich Fans des Originals nicht vor Wut die Haare raufen müssen. Positiv hervorzuheben ist vor allem die Tatsache, dass Craig Gillespie nicht penibel am Original klebt, sich im Endeffekt nur die wichtigsten Eckpunkte des Originals vorgeknöpft und diese zu etwas Neuem zusammengesetzt hat. Colin Farrell, der in der Rolle des Vampirs zu sehen ist, hat sichtlich Spaß an seinem Part und die Neuinterpretation der alten Roddy-McDowall-Rolle ist die absolute Schau. David Tennant als Vampirjäger Peter Vincent ist der heimliche Star dieses Films. FRIGHT NIGHT ist durchaus nett anzusehen, rasant erzählt und hat einen ziemlich hohen Unterhaltungswert. Aber er hat auch ein großes Manko, und das ist die technische Umsetzung. Die CGI-Effekte kann man – insbesondere für eine Kinoproduktion – fast nur noch als Frechheit bezeichnen und die 3D-Umsetzung des zu großen Teilen im Dunklen spielenden Films ist eine einzige Katastrophe. Die mir vorliegende Blu-ray war in der 3D-Version praktisch nicht ansehbar, das Bild war viel zu dunkel und zu unscharf, die Geschehnisse auf dem Bildschirm fast nicht zu erkennen und bereits nach gut 20 Minuten habe ich entnervt aufgegeben und den Film stattdessen in der 2D-Fassung weiter angeschaut.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

THE SHINING (Großbritannien/USA 1980, Regie: Stanley Kubrick)

the shining

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Kubricks geniale Verfilmung eines Romans von Stephen King (auch wenn der Autor anderer Ansicht war bzw. ist) ist einer dieser Filme, über die im Endeffekt eigentlich schon alles gesagt bzw. geschrieben wurde. Ein Film, dessen Status als zeitloser Klassiker absolut unbestritten sein dürfte. Ein Film, der ein ganzes Genre mit-definiert hat und der mit ein paar Handvoll weiteren Werken für immer im Olymp des Horrorgenres seinen Platz gefunden hat. THE SHINING hat im Jahr 1980 funktioniert, er funktioniert im Jahr 2015 noch immer und er wird wohl auch noch im Jahr 2050 funktionieren. Selbst wann man ihn wie ich schon mehrere Male gesehen hat und im Endeffekt genau weiß, was als nächstes passieren wird, zieht er einen in seinen Bann, lässt einen immer wieder erschaudern und verpasst eine Gänsehaut nach der anderen. Er ist der beste Beweis dafür, dass keine expliziten Gewaltorgien notwendig sind, um Horror so erschaffen. Kubrick löst das allein durch seine großartigen Schauspieler – Jack Nicholson in der Rolle des immer mehr in den Wahnsinn abdriftenden Schriftstellers ist schlichtweg genial -, durch kurze Andeutungen, durch eine unheimliche Stimmung und Atmosphäre und durch einen Score, in dem Musik- und Soundeffekte miteinander verschmelzen. THE SHINING ist einer der unheimlichsten Filme, die ich kenne und auch noch bei der x-ten Sichtung einfach nur spannend wie Sau!

Persönliche Bewertung: Meisterwerk/Lieblingsfilm!

VIDEODROME (Kanada 1983, Regie: David Cronenberg)

videodrome

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), Koch Media, Österreich)

In VIDEODROME stößt Fernsehmacher Max Renn (James Woods) auf einen Piratensender, der mit seinem radikalen und ausschließlich auf Sex und Gewalt reduziertem Programm bei Renn große Begierden auslöst. Er will den titelgebenden Sender in sein Programm integrieren und versucht, die Macher von Videodrome aufzuspüren. Mit fatalen Folgen…

Cronenbergs VIDEODROME hat ja nun auch schon länger den Status des Kultfilms inne und gehört zu den unbestrittenen Klassikern des Genres. Wie Cronenberg hier Mensch und Technik, Realität und Fiktion, Normalität und Wahnsinn miteinander verschmelzen lässt ist einzigartig und heute noch genauso beunruhigend und verstörend, wie es vor etwas über 30 Jahren gewesen sein dürfte, als dieser kleine Bastard von einem Film das Licht der Leinwände erblickte und sein Publikum nachhaltig vor den Kopf gestoßen haben dürfte. Von einem Major-Studio wie Universal haben sich die Kinozuschauer damals sicher keinen Film wie VIDEODROME erwartet.

Für mich selbst war dies nun tatsächlich die allererste Sichtung dieses Kultklassikers. Manche Filme fallen dann doch irgendwie über all die Jahre hinweg durch die Maschen, man hat sie zwar immer auf dem Radar, kommt aber aus verschiedenen Gründen einfach nie dazu, sie sich endlich anzusehen. VIDEODROME gehörte dummerweise zu diesen Filmen und so sehr er mich doch begeistert hat, so sehr bereue ich es auch, ihn mir nicht schon viel früher angesehen zu haben, zu einem Zeitpunkt, wo ich noch nicht so viel Vorwissen hatte und mich Cronenbergs Film gänzlich unvorbereitet in andere Sphären hätte katapultieren können. Ne Zeitmaschine hat hier keiner zufällig zur Hand?

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

IL MOSTRO DI FIRENZE (Italien 1986, Regie: Cesare Ferrario)

il mostro di firenze

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Von 1968 bis 1985 trieb in Florenz ein Killer sein Unwesen, der insgesamt 8 Paare bei ihrem nächtlichen Stelldichein getötet und die Leichen danach verstümmelt hat. Endgültig aufgeklärt wurde diese Mordserie nie.

IL MOSTRO DI FIRENZE, der ein Jahr nach dem letzten Mord in die italienischen Kinos kam, nimmt sich dieser realen Mordserie an und verknüpft sie mit fiktiven Spekulationen über den Killer. Im Zentrum von Ferrarios Film steht ein Schriftsteller (Leonard Mann), der versucht, sich in den Killer (Gabriele Tinti) hineinzuversetzen und Thesen aufzustellen, weswegen dieser die Morde verübt.

Das Problem an IL MOSTRO DI FIRENZE ist, dass es ihm einfach zu keinem Zeitpunkt gelingt, so etwas wie Spannung zu erzeugen, weil diese Mischung aus historischen Fakten und ausgedachten Spekulationen einfach nicht funktionieren will.

In den in Rückblenden gezeigten Mordszenen kann keinerlei Spannung aufkommen, da diese ja nur die dem Film zugrundeliegenden Taten abbilden und somit zumindest die theoretische Möglichkeit, dass ein Opfer dem Killer entkommen könnte, gar nicht vorhanden ist. In den Szenen schließlich, die den Background des Killers beleuchten, verhält es sich genauso, da man ja weiß, dass diese nur ein Abbild der Thesen des von Leonard Mann gespielten Schriftstellers darstellen und nichts mit der realen Vorlage zum Film zu tun haben.

Das Resultat ist ein Film, der gänzlich ohne Spannung auskommen muss, nur ganz wenige, atmosphärisch dichte Sequenzen zu bieten hat (die Szene in der Oper ist bspw. ziemlich klasse) und den Zuschauer mit seiner extrem ruhigen und behäbigen Erzählweise über die komplette Laufzeit einiges an Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt.

Persönliche Bewertung: Naja!

HOLOCAUST 2000 (Großbritannien/Italien 1977, Regie: Alberto De Martino)

holocaust 2000

(Fassung: DVD, Lionsgate, USA)

In HOLOCAUST 2000 möchte sich Kirk Douglas als Großindustrieller Robert Caine ein Denkmal setzen und ein riesiges Kernkraftwerk errichten. Doch je mehr Caine das Bauvorhaben vorantreibt, desto mehr kommen ihm Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns und schon bald muss Caine erkennen, dass er drauf und dran ist, im wahrsten Sinne des Wortes das Werk des Teufels zu verrichten…

HOLOCAUST 2000 ist ein von den britischen Embassy Pictures co-produziertes Italo-Rip-Off diverser US-Okkult-Horror-Filme aus den 70er Jahren. Regisseur Alberto De Martino erzählt HOLOCAUST 2000 auf sehr ruhige und bedächtige Art und Weise, zieht langsam die Spannungsschraube an und kreiert von Minute zu Minute mehr eine Stimmung steten Unbehagens. Man könnte, wäre man böswillig, zwar durchaus behaupten, De Martino versuche, sein Publikum einzulullen, weil man bei näherer Betrachtung des Films doch feststellen muss, dass HOLOCAUST 2000 für einen Horrorfilm stellenweise etwas zu sehr vor sich hinplätschert. Bei mir persönlich hat das jedoch ganz vorzüglich funktioniert, was sicher auch daran liegen mag, dass ich einfach ein Faible für dieses Subgenre innerhalb des Horrorbereichs habe und mich allein aus diesem Grund gerne und bereitwillig von De Martino einlullen lasse. Denn in all der Ruhe, mit der die Geschichte erzählt wird, gibt es auch immer wieder heftige Eruptionen und fehlende Spannung oder fehlende Schauwerte kann man HOLOCAUST 2000 sicher nicht vorwerfen, als Beispiel sei hier nur mal die Helikoptersequenz genannt, die man einfach nur als “What the Fuck!?!“-Moment bezeichnen kann. Dann die Szenen in der Irrenanstalt, die einfach nur extrem creepy geraten sind und natürlich die surreale Albtraumsequenz in der Mitte des Films, die den inszenatorischen Höhepunkt von HOLOCAUST 2000 darstellt. Und das Ende des Films fand ich in all seiner ernüchternden Konsequenz einfach nur grandios.

Persönliche Bewertung: Gut!

CARRIE (USA 2013, Regie: Kimberly Peirce)

carrie

(Fassung: Blu-ray, MGM/20th Century Fox, Deutschland)

Das Original von Brian De Palma aus dem Jahr 1976 ist für mich persönlich nicht nur eine der besten Stephen-King-Verfilmungen, die je gedreht worden sind, sondern darüber hinaus auch einer dieser Horrorfilme, die wohl in jedem Horrorfilmkanon genannt werden müssen. Wenn ein Film, der einem persönlich besonders viel bedeutet, dann ein Remake spendiert bekommt, steht man diesem wohl von vornherein eher skeptisch gegenüber (wobei ich prinzipiell diese immer wieder neu aufkeimenden Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Remakes ziemlich überflüssig und langweilig finde). Und dann ist es umso schöner, festzustellen, dass diese Skepsis doch eigentlich relativ unbegründet gewesen ist.

Regisseurin Kimberly Peirce hat ihre Neuauflage von CARRIE zum einen sehr eng am Original angelegt, zum anderen aber auch überzeugend ins Hier und Heute übertragen. So kommt bspw. diese Diskrepanz zwischen den mobbenden Mitschülerinnen auf der einen Seite und der von ihrer fanatisch-religiösen Mutter unterdrückten Außenseiterin auf der anderen Seite – auch wegen des technischen Fortschritts, der sich in den letzten Jahrzehnten so zugetragen hat und eine ganz neue Dimension der Erniedrigung durch die Mitschülerinnen zulässt (Carrie wird währenddessen mit dem Smartphone gefilmt, das Video landet auf YouTube) – im Remake besonders krass zum Vorschein. Die Carrie aus dem Remake muss dann – auch wegen des erhöhten Schutzbedürfnisses durch ihre Mutter – tatsächlich noch etwas mehr vertragen als die Carrie aus dem Original. In diesem Zusammenhang finde ich auch die Besetzung der Hauptrolle mit Chloë Grace Moretz als ausgesprochen gelungen. Hier kam ja vermehrt Kritik auf, dass Moretz zu attraktiv und auch irgendwie zu tough für diese Rolle sei – letzteres wohl vor allem aufgrund ihres Parts in den beiden KICK ASS-Filmen -, in meinen Augen spielt sie diese neue Carrie absolut überzeugend und es ist gut so, dass sie – allein aufgrund der Tatsache, dass ihre Carrie einfach noch mehr zu ertragen hat als die Carrie von Sissy Spacek aus dem Original – in der Rolle nicht ganz so zerbrechlich und verschüchtert rüberkommt, da dies in der Neuauflage einfach nicht mehr glaubwürdig wäre. Und auch mit Julianne Moore als Carries Mutter haben die Macher einen echten Besetzungscoup gelandet. Mir würde keine Schauspielerin einfallen, die besser in die Fußstapfen von Piper Laurie hätte treten können als Julianne Moore.

Regisseurin Kimberley Pierce hat mit CARRIE auf jeden Fall verdammt viel verdammt richtig gemacht. De Palmas Original ist unantastbar, unerreichbar, über jeden Zweifel erhaben. Dieses Remake macht ihm keine Schande, ganz im Gegenteil.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

NIGHT OF THE COBRA WOMAN (Philippinen/USA 1972, Regie: Andrew Meyer)

night of the cobra woman

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

NIGHT OF THE COBRA WOMAN ist einer von Roger Cormans Exploitern, die der umtriebige Produzent Anfang der 70er Jahre reihenweise billig auf den Philippinen drehen ließ. Der Film dreht sich um die mysteriöse Lena Aruza (Marlene Clark), die einst von einer Cobra gebissen wurde, seitdem die ewige Jugend besitzt und mit der Schlange in einer Art symbiotischen Verhältnis lebt. Als die Cobra eines Tages getötet wird, fängt Lena an, zu altern und sich selbst in eine Schlange zu verwandeln…

Ich habe wirklich keine Ahnung, wer sich damals (und auch heute noch) die ganzen Storys für diese unzähligen Corman-Filme ausgedacht hat, aber in gewisser Weise hat der gute Mensch einen Orden verdient. NIGHT OF THE COBRA WOMAN ist in erster Linie ein Film der nicht nachvollziehbaren Handlungen und Entscheidungen. Der ganze Plot entwickelt sich von Anfang bis zum Ende ausschließlich aufgrund komplett hirnrissiger Taten, welche die diversen Figuren im Film begehen. In NIGHT OF THE COBRA WOMAN gibt es praktisch keine einzige erklärbare Vorgehensweise irgendeiner Figur und diese Selbstverständlichkeit, mit der die Figuren eine dumme Tat nach der anderen vollbringen, macht Meyers Film in gewisser Weise verdammt faszinierend und sympathisch. Auch dieser Film – so mies er objektiv betrachtet auch sein mag – ist ein wunderbares Beispiel für Cormans Talent, mir als Zuschauer die hanebüchensten Absurditäten auf eine Art und Weise zu präsentieren, dass es mir praktisch unmöglich ist, den Film nicht zu mögen. Ich habe keine Ahnung, was es ist, aber Cormans Filme habe einfach dieses gewisse Etwas, das vielen anderen Filmen im Exploitation-Bereich einfach fehlt. Und Vic Diaz stolpert ständig als Buckliger mit vorstehendem Gebiss und mutiertem Auge durchs Bild. Wie soll man NIGHT OF THE COBRA WOMAN bitte nicht mögen können?

Persönliche Bewertung: Nett!

J.D.’S REVENGE (USA 1976, Regie: Arthur Marks)

j.d.'s revenge

(Fassung: DVD, MGM, USA)

In J.D.’S REVENGE fährt während eines Hypnoseakts der Geist des vor 30 Jahren ermordeten Gangsters J.D. Walker (David McKnight) in den Körper des Studenten Ike (Glynn Turman), übernimmt nach und nach die Kontrolle über den Wirtskörper und versucht so, den damals an ihn und seiner Schwester (Alice Jubert) verübten Mord zu rächen…

Ein Horrorthriller im Blaxploitation-Gewand, souverän inszeniert von Regisseur Arthur Marks, einem meiner persönlichen Lieblingsregisseure im Genrefilmbereich, hat er doch – soweit ich sie bisher gesehen habe – ausschließlich gute bis sehr gute Filme gedreht. Auch J.D.’S REVENGE ist da keine Ausnahme. Marks kommt ohne großes Vorgeplänkel relativ schnell zur Sache, erzählt seine Besessenen-Story auf rasante und spannende Art und Weise, verwöhnt sein Zielpublikum mit einer Vielzahl an Schauwerten und erschafft durch diverse Rückblenden sowie Visions- und Albtraum-Sequenzen immer wieder eine unheimliche Atmosphäre. Kein Meisterwerk, aber grundsolide und extrem kurzweilige Genreunterhaltung. Ich mochte den Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

„You Are Now About To Witness The Strength of Street Knowledge“ or The Power Of Black Cinema

HE GOT GAME (USA 1998, Regie: Spike Lee)he got game

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Die große Herausforderung, die HE GOT GAME an den Zuschauer stellt, ist es zunächst, die doch etwas arg hanebüchene Ausgangssituation – dem wegen Mord an seiner Frau einsitzenden Jake Shuttlesworth (Denzel Washington) wird Hafterlass in Aussicht gestellt, wenn es ihm innerhalb einer Woche gelingt, seinen hochtalentierten Sohn Jesus (Ray Allen), der von Basketball-Scouts aus dem ganzen Land gejagt wird, davon zu überzeugen, sich für das Lieblingsteam des für Jake zuständigen Gouverneurs zu entscheiden – zu akzeptieren und dann im weiteren Verlauf auch möglichst großzügig über diverse Klischees hinwegzusehen, die so ein Plot rund um eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung halt einfach so mit sich bringt.

Sollte man als Zuschauer diese Hürde meistern – mir ist das ziemlich problemlos gelungen -, wird man letztendlich mit einem überzeugend gespielten und richtig gut besetzten – neben Denzel Washington sind u.a. Milla Jovovich, Rosario Dawson, Ned Beatty und John Turturro mit von der Partie, auf Schauspielerseite brennt hier also schon mal gar nichts an – Sportdrama belohnt, welches jetzt vielleicht nicht unbedingt durch seinen Hauptplot vollends überzeugen kann, das mich aber in anderen Bereichen ziemlich begeistert hat. Insbesondere diesen Nebenkriegsschauplatz rund um die diversen Universitäten, Sportagenten und Profiteams, welche sich allesamt die Dienste des Jahrhunderttalents sichern wollen, bringt Spike Lee, der auch das Drehbuch verfasste, absolut überzeugend rüber und die verschiedenen Reaktionen des von Ray Allen gespielten Jesus auf diese ganzen Dinge, die da im Verlauf des Films auf ihn hereinprasseln, könnten nicht viel authentischer wirken als sie hier dargestellt sind. In Sachen Charakterentwicklung kann man Spike Lee nun wirklich gar keine Vorwürfe machen.

Positiv hervorheben möchte ich auch noch den mit Songs von Public Enemy veredelten Soundtrack und die diversen Stilmittel und technischen Spielereien, mit denen Lee hier operiert – teilweise wird in Rückblenden erzählt, in manchen Schlüsselszenen erstrahlt der von Ray Allen gespielte Jesus in einem gleißend hellen Licht, usw. -, sorgen die doch über die relativ üppige Laufzeit von gut 130 Minuten immer wieder für Abwechslung und Kurzweil.

Und ganz zum Abschluss – die holde Damenwelt möge mir verzeihen – muss ich aus rein voyeuristischen Gründen einfach noch anmerken, dass man(n) einen Film, der sowohl die blanken Brüste von Milla Jovovich als auch die üppige Oberweite von Rosario Dawson in ihrer vollen Pracht präsentiert, schon allein aufgrund dieser Tatsache gar nicht negativ bewerten kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

STRAIGHT OUTTA COMPTON (USA 2015, Regie: F. Gary Gray)

straight outta compton

(Fassung: O-Ton-Vorstellung, Central-Kino, Hof/Saale)

Vorab ein großes Dankeschön ans Central-Kino in Hof, die tatsächlich ab und zu mal Filme im Originalton zeigen und es mir als O-Ton-Fetischisten somit ermöglichen, immer mal wieder einen aktuellen Film im Kino zu sehen und nicht ausschließlich auf die Heimkinoveröffentlichung warten zu müssen. Und dann auch noch STRAIGT OUTTA COMPTON, der Film, auf den ich mich in diesem Kalenderjahr wohl am meisten gefreut habe.

Regisseur F. Gary Gray erzählt mit seinem Film die Geschichte von N.W.A., den Pionieren des Gangsta Rap, und versucht dabei, dem Zuschauer einen möglichst vollständigen Einblick in das Innenleben der Gruppe und ihrer verschiedenen Mitglieder zu geben. STRAIGHT OUTTA COMPTON, der u.a. von Ice Cube und Dr. Dre mitproduziert wurde, kommt dann auch sehr authentisch rüber und katapultiert den Rap-affinen Zuschauer zurück in die späten 80er bzw. frühen 90er Jahre, in denen der Sound von N.W.A. und der diversen Epigonen, welche die Gruppe hervorgebracht hatte, ein ganzes Musikgenre definierte.

Der größte Coup des Films ist die Besetzung der drei Hauptprotagonisten. Vor allem O’Shea Jackson Jr., der seinen eigenen Vater Ice Cube spielt, sieht dem jungen Ice Cube tatsächlich wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich, aber auch Corey Hawkins als Dr. Dre und Jason Mitchell als Eazy-E sind einfach nur perfekt gecastet. Insbesondere in den Konzertsequenzen – der Skandal-Auftritt in Detroit, der wegen dem Song „Fuck tha Police“ abgebrochen werden musste und in dessen Folge die Musiker verhaftet wurden, zählt zu einem der absoluten Highlights des Films – könnte man manchmal meinen, dass da tatsächlich die echten N.W.A. auf der Bühne stehen.

Aber STRAIGHT OUTTA COMPTON hat auch ein kleines Problem, denn Regisseur F. Gary Gray – und insbesondere wohl auch Ice Cube und Dr. Dre – wollten mit dem Film vielleicht etwas zu viel. Die Geschichte von N.W.A. und auch die Geschichte der sich nach dem Auflösen der Gruppe entwickelten Soloprojekte scheint fast schon zu penibel nacherzählt zu sein und so läuft STRAIGT OUTTA COMPTON vor Informationen fast über. Das hat zwar den positiven Effekt, dass es einem als Zuschauer während der knapp 150-minütigen Laufzeit nie langweilig wird, führt allerdings auch dazu, dass Grays Film stellenweise regelrecht gehetzt rüberkommt und elementare Hintergrundgeräusche – wie bspw. die Aufstände in Los Angeles nach dem Rodney-King-Vorfall im Jahr 1991 -, die ich im Gesamtzusammenhang als durchaus wichtig erachte und die ja auch Auslöser der unbändigen Wut der Musiker und ihrer Hörer auf das System waren (und auch heute noch sind), nur kurz gestreift werden können.

Weiterhin problematisch sehe ich die Darstellung der Ereignisse, die zum Split von N.W.A. führten, der Zeit, in der sich – anfangs nur Ice Cube, später auch Dr. Dre – mit Eazy-E vorübergehend überwarfen und das gegenseitige Gedisse startete. Die Versöhnung fand damals zwar kurze Zeit später statt, aus der geplanten Reunion wurde jedoch nichts mehr, da Eazy-E bekanntlich im Jahr 1995 an AIDS starb. Gray ist zwar sichtlich bemüht, diese Zeit möglichst neutral darzustellen, am Ende des Tages sollte man als kritischer Zuschauer jedoch im Hinterkopf behalten, dass der tote Eazy-E seine Sicht der Dinge nicht mehr darlegen konnte und das hier Gezeigte somit verständlicherweise eher der Sicht von Ice Cube und Dr. Dre entsprechen dürfte.

Es mit einem Film wie diesem hier allen bzw. möglichst vielen recht zu machen und dem doch durchaus komplexen Thema halbwegs gerecht zu werden ist jedoch ein Kunststück, welches erst mal vollbracht werden muss. Die Geschichte von N.W.A. als Gangsta-Rap-Pioniere, die individuelle Geschichte jedes einzelnen Bandmitglieds, alles nach Möglichkeit noch im großen Kontext der gesellschaftspolitischen Ereignisse von damals – man hätte STRAIGT OUTTA COMPTON wohl auch als Miniserie drehen können. Vor diesem Hintergrund finde ich persönlich, dass F. Gary Gray seine Sache hier richtig, richtig gut gemacht hat. Und spätestens wenn dann kurz vor dem Abspann diverse Archivbilder und Archivaufnahmen von damals eingeblendet werden, dürfte wohl jeder, der ein Faible für diesen klassischen Rap und Hip-Hop der damaligen Zeit hat, mit einer fetten Gänsehaut in den Abspann entlassen werden.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

MENACE II SOCIETY (USA 1993, Regie: Albert Hughes/Allen Hughes)

menace ii society

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), Warner/New Line, USA)

Als John Singleton im Jahr 1991 mit BOYZ N THE HOOD einen Film über die Perspektivlosigkeit schwarzer Jugendlicher in South Central, LA, drehte, war dies eine der Initialzündungen für eine neue Welle von Filmen des “Black Cinema“, in denen dunkelhäutige Protagonisten im Zentrum verschiedenster Genres standen.

Auch MENACE II SOCIETY gehört zu den Nachfolgefilmen von BOYZ N THE HOOD, und der Debütfilm der beiden Brüder Albert und Allen Hughes schließt auch thematisch an BOYZ N THE HOOD an. Erzählt wird die Geschichte der beiden Freunde Caine (Tyrin Turner) und O-Dog (Larenz Tate), die im Problemviertel Watts in Los Angeles aufgewachsen sind, keinerlei Perspektive haben und deren Alltag von Drogen und Gewalt beherrscht wird. War bereits BOYZ N THE HOOD nur schwer verdaulich, setzen die Hughes Brüder mit MENACE II SOCIETY noch mal einen drauf. Hier gibt es wirklich keinerlei Hoffnung mehr, das Leben in Watts ist nicht mehr als ein Überleben, aus dem aus Drogen und Verbrechen bestehenden Sumpf gibt es kein Entrinnen und die Spirale von Gewalt und Gegengewalt dreht sich immer und immer weiter. Hatte Singleton seinen Zuschauern zwei Jahre zuvor zumindest noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gewährt, gönnen die Hughes Brüder ihrem Publikum keinerlei Lichtblicke, keinerlei Hoffnung. Die Perspektive, am Ende des Films doch aus Watts herauszukommen und ein neues Leben zu starten, endet im Kugelhagel. Verdammt schwere Kost und richtig großes Kino!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

HUSTLE & FLOW (USA 2005, Regie: Craig Brewer)

hustle & flow

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Djay (Terrence Howard) lebt in Memphis und hält sich mit kleineren Dealereien und Zuhälterei über Wasser. Sein großes Vorbild ist der Rapper Skinny Black (Ludacris), den er zumindest von früher noch vom Sehen kennt und der den Absprung aus Memphis geschafft hat und nun auf eine erfolgreiche Karriere im Musikbusiness blicken kann. Auch Djay träumt davon, ein großer Rap-Star zu werden und als er eines Tages seinen alten Schulfreund Key (Anthony Anderson), einen Toningenieur, wieder trifft und sich mit diesem zusammentut, scheint er seinem Traum zumindest ein klitzekleines Stück näher kommen zu können. Denn Skinny Black hat einen Besuch in seiner alten Heimat angekündigt und Djay möchte bis zu diesem Zeitpunkt ein brauchbares Demotape aufnehmen, um mit diesem Skinny zu beeindrucken…

Regisseur Craig Brewer gelingt es, mit HUSTLE & FLOW ein überzeugendes, authentisch wirkendes und eindringliches Portrait eines Mannes zu schaffen, der an einem Punkt in seinem Lebens angekommen ist, an dem ihm klar wird, dass es so nicht mehr weitergehen kann und der nun mit aller Kraft – und der Hilfe seines Umfelds – versucht, die Kurve zu kriegen und wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Terrence Howard als Djay ist schlichtweg grandios, die diversen Aufnahmesessions im selbstgebauten Studio von einer unglaublichen Intensität und welche Energie der eigentlich recht ruhig erzählte Film auf den Zuschauer überträgt, ist wirklich beeindruckend. Man glaubt, mit Djay in diesem kleinen Raum zu sitzen – die schwüle Hitze Tennessees, die der Film ausstrahlt, ist regelrecht zu spüren – und möchte ihm einfach nur alle Daumen drücken, dass sein Song tatsächlich Gehör findet und er seinen Weg erfolgreich zu Ende gehen kann. Ob er dies tatsächlich schaffen wird? Schaut euch den Film an, es lohnt sich.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BLACK CAESAR (USA 1973, Regie: Larry Cohen)

black caesar

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Die Blaxploitation-Variante diverser Mafia- und Gangsterfilme. Bezeichnenderweise läuft Hauptdarsteller Fred Williamson dann auch im Film in einer Szene an einem Kino vorbei, in dem gerade THE GODFATHER läuft. Anders als in diesem Genre üblich, steht Regisseur Larry Cohen jedoch keine üppige Laufzeit nahe der 3-Stunden-Marke zur Verfügung. Die blutgetränkte Geschichte vom Aufstieg des kleinen Gangsters Tommy Gibbs (Fred Williamson) zum schwarzen Paten von New York samt des anschließenden, tiefen Falls mitten hinein in die Gosse muss in exakt 90 Minuten erzählt sein und so legt BLACK CAESAR von Beginn an ein beachtliches Tempo vor. Für eine echte Entwicklung von Geschichte und Charakteren bleibt dabei wenig Zeit, Cohen springt immer wieder in der Zeit nach vorne und gewährt dem Zuschauer dabei eigentlich immer nur auszugsweise Einblicke in den Verlauf der zweifelhaften Karriere seiner Hauptfigur. BLACK CAESAR überzeugt somit vor allem durch sein hohes Erzähltempo, seine zahlreichen Gewaltspitzen, die den Zuschauer immer wieder heftig ins Mark treffen, sein einfach unbezahlbares Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der frühen 70er Jahre und nicht zuletzt auch durch den phantastischen Soundtrack von James Brown, der Gibbs’ Geschichte mit grandiosen Songs veredelt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HELL UP IN HARLEM (USA 1973, Regie: Larry Cohen)

hell up in harlem

(Fassung: DVD, MGM, USA)

Der im Februar 1973 gestartete BLACK CAESAR war tatsächlich so erfolgreich, dass auf schnellstem Weg ein Sequel nachgeschoben werden musste um die Cashcow weiter zu melken. Das Kind hört auf den Namen HELL UP IN HARLEM und kam bereits im Dezember 1973 in die Kinos.

HELL UP IN HARLEM schließt handlungstechnisch unmittelbar an den Vorgänger an. In der aus TV-Serien bekannten “Was bisher geschah“-Manier wird in den ersten Minuten des Films das Schlussdrittel des Vorgängers durch einen Zusammenschnitt entsprechender Sequenzen noch einmal kurz zusammengefasst und dann geht es auch schon in die Vollen. Um die Geschichte überhaupt weitererzählen zu können, musste jedoch noch kurz die Schlussszene aus BLACK CAESAR – nach der man eigentlich davon ausgehen musste, dass der von Williamson gespielte Tommy Gibbs nicht überlebt haben dürfte – unter den Teppich gekehrt werden. Gibbs wird in der Fortsetzung nun schwerverletzt von seinem Vater gerettet, schmiedet bereits im Krankenhaus erste Pläne und beginnt gemeinsam mit seinem Vater und den ihn verbliebenen Vertrauten zuerst einen Rachefeldzug gegen seine Widersacher und baut danach sein Imperium wieder auf.

Noch mehr als der Vorgänger springt HELL UP IN HARLEM im Plot regelrecht von einem Höhepunkt zum anderen. Cohens Film ist im Endeffekt nur noch eine Aneinanderreihung diverser Schauwerte und es fällt ziemlich schwer, in diesem anarchischen Chaos (wer hat nun warum eigentlich mit wem so alles ein Problem?) auch nur halbwegs den Überblick zu behalten. Dem enorm hohen Spaß- und Unterhaltungsfaktor des Films schadet dies allerdings nicht wirklich und bedenkt man, dass die Produktionsbedingungen von HELL UP IN HARLEM alles andere als rosig gewesen sind und der Film größtenteils gedreht wurde ohne dass sich Hauptdarsteller Fred Williamson überhaupt am Set befand – die Trivia-Abteilung der IMDB weiß dazu folgendes zu berichten: „Due to the success of BLACK CAESAR, AIP wanted a sequel. Unfortunately, Fred Williamson was filming THAT MAN BOLT during the week from Monday to Friday, and director Larry Cohen was busy making IT’S ALIVE, but they made this sequel concurrently by filming the majority of it on weekends. Larry Cohen filmed some of the scenes with the same crew and equipment as IT’S ALIVE, and due to Fred Williamson’s other commitments he had to make most of the film with a stand-in, Williamson himself only really appearing in the close-ups. The close-ups were filmed in LA, where Williamson was based, and the rest of the film was shot on location in New York.“ – kann man vor dem endgültigen Film eigentlich fast nur noch anerkennend seinen Hut ziehen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

HIGHER LEARNING (USA 1995, Regie: John Singleton)

higher learning

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

In seinem dritten Spielfilm beschäftigt sich BOYZ N THE HOOD-Regisseur John Singleton mit Rassismus im Alltag und verlegt die Bandenkriege seines Erstlingswerks auf den Campus einer Universität. Hier treffen Menschen mit verschiedenen Hautfarben, Religionen, politischen Einstellungen und sexuellen Vorlieben aufeinander und müssten einfach nur versuchen, irgendwie miteinander auszukommen. Doch fehlende Toleranz und zu viele Vorurteile auf allen Seiten verhindern dies. Bis es am Ende schließlich zur Katastrophe kommt.

Vielleicht ist HIGHER LEARNING zu klischeehaft, zu überzeichnet, zu übertrieben oberlehrerhaft und vielleicht führt das alles auch dazu, dass Singletons Grundaussage – sich von Vorurteilen zu befreien, tolerant zu sein, auf seine Mitmenschen zuzugehen – in dieser Klischeehaftigkeit etwas unterzugehen droht. Aber die Botschaft ist da. Sie steht im Raum. Und sie ist heute, 20 Jahre nach Erscheinen des Films, in einer Zeit, in der hier in Deutschland wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen, in der allerorts lauthals rassistische Parolen verbreitet werden können und in der das Wort Menschlichkeit für viele eine Fremdwort zu sein scheint, vielleicht wichtiger wie nie zuvor.

Und wenn es – ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Träumer – ein Film wie HIGHER LEARNING vielleicht tatsächlich schafft, den einen oder anderen Menschen, der ideologisch auf der Kippe steht, zum Umdenken zu bewegen, hat er schon verdammt viel geleistet und man kann Singleton einfach nur dankbar sein für diesen Film.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DO THE RIGHT THING (USA 1989, Regie: Spike Lee)

do the right thing

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Es ist einer der heißesten Tage des Sommers und in einem kleinen Straßenzug in Brooklyn, New York, entwickelt sich aus zunächst nur kleinen Sticheleien und Auseinandersetzungen eine große Katastrophe.

Regisseur Spike Lee konfrontiert seinen Zuschauer mit einer Geschichte, die rund um das Thema Alltagsrassismus kreist. DO THE RIGHT THING ist fein beobachtet, klug erzählt und von wahrlich bedrückender Atmosphäre. Die Hitze in den Straßen von Brooklyn ist regelrecht zu spüren und die ganz eigene Farbgebung des Films – DO THE RIGHT THING ist praktisch über die komplette Laufzeit in satten Rot-, Gelb- und Orange-Tönen gehalten – tut ihr übriges, um den Zuschauer regelrecht ins Schwitzen zu bringen. Der Titel des Films ist im Endeffekt natürlich Programm und als Aufforderung an den Zuschauer zu verstehen, verdammt noch mal das Richtige zu tun und nicht – wie praktisch alle Figuren im Film – immer nur das Falsche.

DO THE RIGHT THING endet mit Zitaten von Martin Luther King Jr. und Malcolm X. Und bereits mit diesem ersten Zitat von Martin Luther King Jr. ist im Endeffekt alles gesagt: „Violence as a way of achieving racial justice is both impractical and immoral. It is impractical because it is a descending spiral ending in destruction for all. The old law of an eye for an eye leaves everybody blind. It is immoral because it seeks to humiliate the opponent rather than win his understanding; it seeks to annihilate rather than to convert. Violence is immoral because it thrives on hatred rather than love. It destroys a community and makes brotherhood impossible. It leaves society in monologue rather than dialogue. Violence ends by defeating itself. It creates bitterness in the survivors and brutality in the destroyers.“

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

NOTORIOUS (USA 2009, Regie: George Tillman Jr.)

notorious

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), 20th Century Fox, Deutschland)

Regisseur George Tillman Jr. erzählt mit NOTORIOUS die Geschichte von Christopher Wallace, der in Brooklyn aufwächst, schon jung mit dem Gesetz in Konflikt kommt und nach einem Aufenthalt im Gefängnis sein Glück als Rapper versucht. Aus Christopher Wallace wird The Notorious B.I.G., einer der größten Rapstars seiner Zeit und eine der tragischsten Figuren der Rapmusik der 90er Jahre. Er und Tupac Shakur waren die prominenten Opfer im Konflikt der beiden Plattenfirmen Death Row Records aus L.A. und Bad Boy Records aus New York. Beide wurden jeweils von Unbekannten erschossen. Tupac wurde 25, B.I.G. gerade mal 24 Jahre alt.

NOTORIOUS kümmert sich in allererster Linie um den Aufstieg des Titelcharakters, um seine Beziehungen mit den Rap- und R&B-Künstlerinnen Lil’ Kim und Faith Evans und versucht den Menschen hinter dem Mythos darzustellen. Natürlich hält auch der Konflikt zwischen East Coast und West Coast und seine tödlichen Folgen Einzug in den Film, dieser wird jedoch ausschließlich aus der Sicht der Entourage rund um The Notorious B.I.G. geschildert – wenig verwunderlich, Sean Combs (aka Puff Daddy), seines Zeichens Gründer des Labels Bad Boys Records und Produzent von B.I.G., wirkte als ausführender Produzent bei NOTORIOUS mit -, was dazu führt, dass ausgerechnet die Darstellung dieses Konflikts den Schwachpunkt des Films ausmacht, da er nur von einer Seite aus beleuchtet wird. Das ist etwas schade, da dies doch einen gewissen Schatten über einen eigentlich ganz vorzüglichen Film wirft. Denn insbesondere aufgrund der hervorragenden Leistung von Jamal Woolard in der Rolle des B.I.G. ist NOTORIOUS zumindest für Fans dieser Art von Musik unbedingt sehenswert. Alle anderen lassen lieber die Finger von dem Film.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

CORNBREAD, EARL AND ME (USA 1975, Regie: Joseph Manduke)

cornbread, earl and me

(Fassung: DVD, MGM, USA)

CORNBREAD, EARL AND ME ist zunächst mal ein Beweis dafür, dass während dieser Hochzeit des Black Cinema in den 70er Jahren nicht nur Action-, Thriller- und Exploitation-Filme produziert worden sind, sondern durchaus auch ernsthafte Dramen das Licht der Leinwände erblickten.

In Mandukes Film geht es um zwei Polizisten, die auf der Jagd nach einem Verbrecher versehentlich den Falschen erschießen, um verschiedene Zeugen, u.a. einen kleinen Jungen, die die Wahrheit kennen und um die Behörden, die diese Wahrheit verheimlichen wollen und versuchen, alle Zeugen mundtot zu machen. CORNBREAD, EARL AND ME ist fesselnd und eindringlich erzählt, die verschiedenen Charaktere werden sorgfältig entwickelt und auch wenn in einer solchen Geschichte in der Konstellation der Figuren wohl nicht alle Klischees vermieden werden können, so gelingt es Regisseur Joseph Manduke doch ganz vorzüglich, die Handlungen aller Personen nachvollziehbar und glaubwürdig darzustellen.

CORNBREAD, EARL AND ME ist in seiner Intensität ein beeindruckender Film, der einen als Zuschauer einfach nicht mehr loslässt und einen gebannt auf ein halbwegs gutes Ende hoffen lässt, er ist ein Plädoyer für Zivilcourage und Gerechtigkeit. Und er ist ein Film, der einen heutigen Hollywood-Star in seinem allerersten Leinwandauftritt zeigt, gleich in einer Hauptrolle und gleich mit einer wirklich umwerfenden Leistung. Denn der kleine Junge, der alles beobachtet hatte und das Zünglein an der Waage spielen kann ist: Laurence Fishburne, im zarten Alter von 13 Jahren.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!