Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 01

YOUNG GUNS (USA 1988, Regie: Christopher Cain)

young guns

(Fassung: Blu-ray, Lionsgate, USA)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich YOUNG GUNS Ende der 80er Jahre komplett umgehauen hat. Ich habe ihn mir unzählige Male angesehen und diese im Neo-Western-Look gehaltene Interpretation der Geschichte des jungen Billy the Kid (gespielt von Emilio Estevez) gehörte definitiv zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Nun ein Wiedersehen ein gutes Viertel Jahrhundert später und auch wenn mir Cains Film noch immer sehr gut gefällt, so muss ich doch einräumen, dass der Zahn der Zeit gehörig an ihm genagt hat. Bei Erscheinen des Films dürfte es vor allem die Besetzung rund um die damals aufstrebenden Jungstars wie Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Charlie Sheen, Dermot Mulroney, Casey Siemaszko und Lou Diamond Phillips (von denen es im Endeffekt aber keiner zum absoluten Superstar geschafft hat) und alten Haudegen wie Terence Stamp und Jack Palance gewesen sein, die einen sofort für den Film einnehmen konnte und dafür sorgte, dass man wohl geflissentlich darüber hinweggesehen hat, dass in diesem wirklich ausgesprochen stylishen Film bei näherer Betrachtung gar nicht mal so viel passiert. Über weite Strecken plätschert YOUNG GUNS tatsächlich eher etwas gemächlich vor sich hin und Regisseur Christopher Cain scheint sich mehr auf die damals noch vorhandene Starpower und die Kraft seiner tollen Bilder verlassen zu haben und nicht unbedingt interessiert daran gewesen zu sein, so etwas wie einen packenden Spannungsbogen zu entwickeln. Was von YOUNG GUNS übrig bleibt sind seine wunderbare Kameraarbeit, die eine oder andere toll choreographierte Actionsequenz (insbesondere natürlich das Finale) und ein wirklich famos agierender Emilio Estevez in der Rolle des Billy the Kid, dessen Schauspiel sich ständig zwischen kindlicher Naivität, unverschämter Arroganz und gefährlichem Größenwahn bewegt. Aber schon diese Dinge reichen in Verbindung mit dem nicht zu vernachlässigenden Nostalgiefaktor locker aus, damit ich mich auch heute noch für Cains Film zumindest verhalten begeistern kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

YOUNG GUNS II (USA 1990, Regie: Geoff Murphy)

young guns ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

YOUNG GUNS II beginnt im Jahr 1950 und greift die Geschichte von Brushy Bill Roberts auf, der damals behauptete Billy the Kid gewesen zu sein (eine Behauptung, die nie bewiesen werden konnte, Roberts selbst verstarb Ende Dezember 1950). In Murphys Film erzählt dieser einem Anwalt nun “seine“ Geschichte und somit schließt YOUNG GUNS II unmittelbar an das Ende von Cains Vorgänger an.

Diesen Film hatte ich deutlich schwächer als YOUNG GUNS in Erinnerung und hier sind meine Eindrücke nach dem jetzigen Wiedersehen nun gänzlich anders. Ich möchte sogar behaupten, dass YOUNG GUNS II seinem Vorgänger qualitativ in nichts nach steht. Emilio Estevez brilliert erneut in der Rolle des Billy the Kid und als Zuschauer bereitet es einem wirklich einen Heidenspaß, Estevez dabei zuzusehen, wie er immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn und der Darstellung des Outlaws wandelt. Da die damaligen Jungstars aus dem Vorgänger aufgrund des Handlungsverlaufs des ersten Film natürlich nicht mehr alle zur Verfügung standen, wurde das verbleibende Trio (Emilio Estevez, Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips) um Christian Slater ergänzt, der sich ganz wunderbar in dieses Gefüge eingliedert und es auch durchaus schafft, dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Schauspielerisch brennt hier also rein gar nicht an – insbesondere auch aufgrund der Tatsache, dass in Murphys Film noch Leute wie William Petersen, Alan Ruck, R.D. Call, James Coburn, Balthazar Getty und Viggo Mortensen mitwirken – und in Sachen Rasanz, Action und Spannung ist YOUNG GUNS II dem Vorgänger sogar leicht überlegen. Vielleicht hat der Vorgänger die ikonischeren Szenen (Stichwort: “Reap the whirlwind, Brady. Reap it.“) und wahrscheinlich ist Cains Film dem von Murphy auch in Sachen Kameraarbeit einen Tick voraus, insgesamt betrachtet sehe ich persönlich jedoch keine großen qualitativen Unterschieden. Ein Double Feature mit den beiden Filmen sei jedem (Neo-)Western-Fan hiermit ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 5 (USA 2015; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

So, mit dieser fünften Staffel ist die Sichtung der letzten derzeit auf einem Heimkinomedium erhältlichen Staffel beendet und nun beginnt für mich persönlich die Wartezeit auf die entsprechende Veröffentlichung von Season Nr. 6 im nächsten Jahr. Die bereits in meinen kurzen Einträgen zu den 4 Staffeln zuvor niedergeschriebenen Eindrücke haben sich auch in Staffel 5 bestätigt und – was sich schon in der 4. Season angedeutet hatte – mittlerweile bin ich nicht mehr nur vom großen Unterhaltungswert und den ausufernden Schauwerten, sondern auch von der Handlung an sich ausgesprochen angetan. Spätestens jetzt hat GAME OF THRONES auch mich komplett gepackt, daran ändert auch die etwas verhaltenere erste Hälfte der Season nichts, in die sich doch zwei bis drei Füllerepisoden eingeschlichen hatten und bei der ich kurz die Befürchtung hatte, es könnte qualitativ etwas abwärts gehen. Bedenken, welche in der zweiten Staffelhälfte komplett weggewischt worden sind. Allein diese Episode mit der Schlacht gegen die Armee der “White Walker“ war so umwerfend gut, so visuell ungemein beeindruckend, dass man sich während der Sichtung ein ums andere Mal in Erinnerung rufen musste, dass man hier “nur“ eine TV-Serie ansieht und keine große Kinoproduktion. Und die diversen Cliffhanger am Ende der Staffel waren einfach nur massiv fies.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WHITE LINE FEVER (Kanada / USA 1976, Regie: Jonathan Kaplan)

white line fever

(Fassung: DVD, Explosive Media, Deutschland)

Jan-Michael Vincent ist Carrol Jo Hummer, ein junger Mann, der sich nach seiner Zeit beim Militär einen Truck zulegt und fortan als unabhängiger Trucker sein Geld verdienen und sich und seine Familie ernähren will. Da hierfür ist er auf Aufträge angewiesen und die haben in WHITE LINE FEVER ihren Preis. Denn hinter potentiellen Auftraggebern steht ein kriminelles Kartell und die nutzen unabhängige Trucker nur zu gerne aus, um illegale Waren von A nach B zu transportieren. Der grundehrliche Hummer versucht alles, um sich gegen diese Machenschaften zu wehren…

WHITE LINE FEVER behandelt eines der klassischsten Themen der Filmgeschichte. Es geht um Vergeltung, Rache, Widerstand, das Aufbegehren gegen ein System, den Kampf des David gegen den unbesiegbar erscheinenden Goliath. Das hat man natürlich alles schon unzählige Male in irgendeiner Form so gesehen, diese Tatsache ändert aber natürlich rein gar nichts daran, dass man es sich auch unzählige weitere Male gerne ansieht. Und wenn es dann auch noch in Form solider 70er-Jahre-Exploitation serviert wird, ist es natürlich umso besser.

Kaplans Film punktet in erster Linie mit dieser ganz besonderen Stimmung, die so viele Filme aus der damaligen Zeit auszeichnet und der ich mich unmöglich entziehen kann. Und dann ist WHITE LINE FEVER mit einer Besetzung gesegnet, die das Herz eines jeden Fans des Kinos der 70er Jahre höher schlagen lassen dürfte. Neben Jan-Michael Vincent geben sich u.a. Kay Lenz, Slim Pickens, L.Q. Jones, Don Porter, R.G. Armstrong, Martin Kove und – fast möchte man sagen natürlich – Dick Miller die Ehre und sorgen dafür, dass man sich in Kaplans Film von der ersten Minute an heimisch fühlt. Vielleicht hätten dem Film insgesamt betrachtet eine etwas härtere Gangart und ein bisschen mehr Schauwerte ganz gut zu Gesicht gestanden. Im Großen und Ganzen geht es hier trotz des behandelten Themas eher etwas harmlos und gemächlich zur Sache (WHITE LINE FEVER hat damals auch das familienfreundliche PG-Rating zugesprochen bekommen), den insgesamt positiven Gesamteindruck schmälert dies jedoch nicht. Und das Finale des Films ist der absolute Knaller!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DATE BAIT (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

date bait

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ich gebe zu, ich liebe ja solche Low- bzw. No-Budget-Produktionen wie diese hier. Vom Regisseur O’Dale Ireland stammt auch der erst vor wenigen Wochen von mir gesichtete und für ganz in Ordnung gefundene HIGH SCHOOL CAESAR, der wohl parallel zu diesem Werk hier entstanden ist. Zumindest lassen es die doch sehr ähnlich wirkenden Settings und der gemeinsame Starttermin – beide Filme starteten der IMDB zufolge damals im November 1960 in den US-Kinos – vermuten. Und mit der Sichtung von DATE BAIT habe ich mir nun auch schon das komplette Regiewerk von O’Dale Ireland reingezogen. Außer diesen beiden Filmen hat der gute Mann offensichtlich nichts mehr sonst gedreht.

In DATE BAIT dreht sich nun alles um ein jungverliebtes Paar – Danny (Gary Clarke) und Sue (Marlo Ryan) -, welches mit starken Widrigkeiten zu kämpfen hat. Zum einen sind Sues Eltern nicht wirklich von der Liaison angetan, zum anderen findet sich Sues ziemlich wahnsinniger und auch ziemlich gefährlicher Ex-Freund Brad (Dick Gering) nicht wirklich damit ab, dass seine Angebetete nun einen anderen Typen zu lieben scheint. Bevor es zum obligatorischen Happy End kommen kann, muss sich die angespannte Situation natürlich in einem spektakulären Finale entladen.

Ungeachtet des schmalen Budgets, der nicht gerade attraktiven Settings und der auch nicht gerade mit extrem viel Talent gesegneten Schauspieler hätte die Geschichte, die in DATE BAIT erzählt wird, durchaus dazu taugen können, zumindest ansatzweise so etwas wie einen Spannungsbogen zu entwickeln. Das scheint aus welchen Gründen auch immer jedoch einfach nicht möglich gewesen zu sein. DATE BAIT läuft gerade mal 71 Minuten, von denen geschlagene 65 Minuten lang nicht wirklich viel passiert und man sich bestenfalls von der gebotenen Langeweile einlullen lassen kann. Erst in den letzten 6 Minuten überschlagen sich dann die Ereignisse und fast scheint es so, als sei es Regisseur O’Dale Ireland da siedend heiß eingefallen, dass er auch noch einen Film abzuwickeln hat.

Wie im Eingangssatz schon geschrieben, ich habe ein unendlich großes Herz für Filme wie diesen, allerdings muss man als Fan solcher Filme schon auch aufpassen, dass man nicht mit jeden Quark, den man sich da so im Laufe eines Filmfanlebens reinzieht, komplett gnädig umgeht. DATE BAIT tut niemandem weh, hat sicher auch so einige Momente, ist aber in allererster Linie eine verdammt langweilige und öde Gurke, die man ehrlich gesagt nicht mal mehr als ganz in Ordnung bezeichnen kann.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

SILVER LININGS PLAYBOOK (USA 2012, Regie: David O. Russell)

silver linings playbook

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Bradley Cooper spielt den instabilen und gerade aus einer Nervenheilanstalt entlassenen Pat, in die er eingewiesen wurde weil er den Liebhaber seiner Frau übel zusammengeschlagen hatte, der in SILVER LININGS PLAYBOOK nun versucht, die Liebe seiner Frau zurückzugewinnen. Dabei soll ihm die psychisch auch nicht gerade besonders stabile Tiffany (Jennifer Lawrence) helfen, die ihre Hilfe jedoch an eine Bedingung knüpft: Pat muss mit ihr zusammen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen. Während des gemeinsamen Trainings kommen sich beide schließlich näher…

Am Ende des Tages präsentiert Regisseur David O. Russell mit SILVER LININGS PLAYBOOK natürlich auch nur eine weitere, romantische Komödie, an deren Ende sich die beiden Turteltauben finden werden. Was Russells Film vom Gros des Genres abhebt – und ihm einen Oscar (für Jennifer Lawrence als beste Hauptdarstellerin) und immerhin sieben (!!!) weitere Nominierungen des begehrten Filmpreises eingebracht hat – sind diese nahezu perfekte Balance zwischen Tragik und Komik, die dem Regisseur hier geglückt ist, die gelungene Zeichnung der Figuren und deren Entwicklung, die dazu führt, dass man als Zuschauer eine echte Bindung zu den handelnden Personen aufbauen kann und die gleichzeitig verhindert, dass hier einmal mehr nur weitere Abziehbilder der typischen Klischeefiguren präsentiert werden, und natürlich die Besetzung der beiden Haupt-, aber auch der diversen Nebenrollen. Bradley Cooper und Jennifer Lawrence harmonieren ganz vorzüglich als scheinbar dysfunktionales Paar wider Willen und in den Nebenrollen geben sich Schauspieler wie Robert De Niro, Jacki Weaver, Chris Tucker, Julia Stiles und Paul Herman die Ehre und tragen durch ihr Mitwirken einen großen Teil zum Gelingen des Films bei.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TROUBLE WITH THE CURVE (USA 2012, Regie: Robert Lorenz)

trouble with the curve

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In seinem zum jetzigen Zeitpunkt bisher letzten Leinwandauftritt ist Clint Eastwood in der Rolle eines alternden Talentscouts zu sehen, der im Auftrag seines langjährigen Arbeitgebers, einem renommierten Profi-Baseball-Team, einen talentierten Nachwuchsspieler beobachten und wenn möglich zur Verpflichtung empfehlen soll. Doch der von Eastwood gespielte Gus ist mittlerweile ein Relikt aus vergangenen Tagen, ist fast blind, will sich das jedoch nicht eingestehen und steht bei seinem Arbeitgeber letztendlich auf der Abschlussliste. Um den Job für Gus etwas leichter zu gestalten bittet sein langjähriger Freund und Kollege Pete (John Goodman) Gus’ Tochter Mickey (Amy Adams), eine aufstrebende und engagierte Anwältin, ihren Vater auf seiner Tour zu begleiten, wovon Gus jedoch alles andere als begeistert ist…

TROUBLE WITH THE CURVE ist eine dieser kleineren Independent-Produktionen, eine dieser immer wieder gern gesehenen Alternativen zu den Mega-Blockbustern aus Hollywood. Um Baseball, dem Ausgangspunkt des Plots, geht es nur nebenbei, weswegen ich TROUBLE WITH THE CURVE auch nur in zweiter Linie als Sportfilm bezeichnen würde. In erster Linie hat Regisseur Robert Lorenz da eine Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte (ja, ganz ohne Love Story kommt ein Film wie dieser hier einfach nicht aus) gedreht, eine Art Road Trip, während dem es einer von ihrem Vater entfremdeten Tochter gelingt, sich diesem wieder anzunähern und ganz nebenbei ihre wahre Bestimmung im Berufsleben und ihre große Liebe (Justin Timberlake als männlicher Love Interest) zu finden. TROUBLE WITH THE CURVE lebt von seinen Schauspielern. Vor allem natürlich von Clint Eastwood, der einmal mehr in seiner Paraderolle des mürrischen Grantlers zu sehen ist, dessen stahlharte Schale aber doch einen durchaus weichen Kern umgibt. Er lebt aber auch von dieser wundervollen Chemie, die sich zwischen Eastwood und seinem weiblichen Co-Star Amy Adams im Laufe des Films entwickelt und von dieser unglaublichen Prominenz, die sich da ihn den zahlreichen Nebenrollen tummelt. Neben den schon erwähnten John Goodman und Justin Timberlake sind in TROUBLE WITH THE CURVE u.a. Matthew Lillard, Robert Patrick, Bob Gunton, George Wyner, Chelcie Ross und Ed Lauter mit von der Partie, allesamt mehr als bekannte Gesichter, die dem Film durch ihr Mitwirken erhebliche Qualität verleihen. Natürlich sollte man auch kritisch anmerken, dass die erzählte Geschichte in ihrem Verlauf schon ziemlich vorhersehbar geraten ist, was vor allem auch für das Ende des Films gilt, welches schon sehr bald abzusehen ist. Aber bei Filmen wie diesen ist ja meistens eher der Weg das Ziel und dieser Weg ist im vorliegenden Fall mit von Kameramann Tom Stern wunderschön eingefangenen Sequenzen, tollen schauspielerischen Leistungen und ganz vielen Gänsehautmomenten gepflastert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CHEF (USA 2014, Regie: Jon Favreau)

chef

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Jon Favreau, der – sofern er nicht gerade Marvel-Superheldenfilme wie IRON MAN und IRON MAN 2 dreht – ja mehr vor als hinter der Kamera zu finden ist, scheint sich mit CHEF so etwas wie einen Lebenstraum verwirklich zu haben. Er fungierte als Produzent, verfasste das Drehbuch, führte Regie und übernahm zudem die Hauptrolle. Sonderlich viel mehr geht eigentlich nicht.

CHEF dreht sich um den von Favreau gespielten Gourmetkoch Carl Casper, der in einem angesehenen Restaurant arbeitet, von dessen Besitzer (Dustin Hoffman) jedoch in seiner Kreativität stark eingeschränkt wird. Als er aufgrund dessen von einem einflussreichen Essenskritiker (Oliver Platt) eine schlechte Bewertung bekommt, tickt Casper aus, wird gefeuert, macht sich mit einem Food Truck selbständig und erfüllt sich so einen Lebenstraum.

CHEF ist natürlich ein Film, der ohne Klischees nicht auskommen kann. So gibt es einen Handlungsstrang mit Caspers kleinem Sohn, von dem er sich aufgrund seines Jobs im Restaurant und der Trennung von seiner Frau entfremdet hat und mit dem er nun im Food Truck eine neue Bindung aufbauen kann. Und natürlich ist es klar, dass auch hinsichtlich der Beziehung zu seiner Frau am Ende eine neue Chance entstehen wird. Aber bei Filmen wie diesen sind solche Klischees auch irgendwie zwingend notwendig. Sonst würden sie wahrscheinlich einfach nicht funktionieren. CHEF ist einer dieser Filme, denen man einfach anmerkt, dass da mit verdammt viel Herzblut gearbeitet wurde. Es ist einer dieser Filme, die beim Zuschauer dieses wunderbar wohlige Gefühl in der Magengegend verursachen. Einer dieser Filme, bei denen man sich während der Sichtung von Minute zu Minute besser fühlt. Ein Film, der positive Energie regelrecht zu injizieren scheint. Besetzt ist CHEF mit Jon Favreau in der Hauptrolle und Schauspielern wie John Leguizamo, Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Oliver Platt und Robert Downey Jr. in diversen größeren und kleineren Nebenrollen übrigens fantastisch und lohnt schon allein wegen seiner Besetzung die Sichtung. CHEF ist eine Liebeserklärung an das Leben, eine Aufforderung, keine Zeit zu verschwenden und Chancen zu ergreifen, die einem geboten werden. Und er ist eine Liebeserklärung an gutes Essen. Ein Film, bei dem während der Sichtung richtiggehend Hunger bekommt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IRRATIONAL MAN (USA 2015, Regie: Woody Allen)

irrational man

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Woody Allen bleibt sich selbst treu. IRRATIONAL MAN behandelt mal wieder die Lieblingsthemen des Altmeisters. Es geht sowohl um verhängnisvolle Liebesbeziehungen als auch um einen ebenso kleinen wie feinen Kriminalfall.

Erzählt wird die Geschichte des mit einem mehr als verruchten Ruf ausgestatteten Philosophieprofessors Abe Lucas (Joaquin Phoenix), der schon kurz nach seinem Dienstantritt in einem Kleinstadt-College die Aufmerksamkeit zweier Frauen auf sich zieht. Mit seiner verheirateten und in ihrer Ehe gelangweilten Kollegin Rita (Parker Posey) beginnt er schon schnell eine Affäre, mit seiner talentiertesten Studentin Jill (Emma Stone) entwickelt sich eine enge Freundschaftsbeziehung, aus der schon bald echte Liebe wird. Und dann beschließt Abe, als er gemeinsam mit Jill in einem Diner zufällig ein am Nachbartisch geführtes Gespräch belauscht, einer wildfremden Frau aus ihrer Misere zu helfen. Doch dazu muss ein Richter sterben und Abe beginnt, den perfekten Mord zu planen…

Es gibt ja nicht wenige Stimmen, die Allen schon seit Jahren vorwerfen, dass er – leicht variiert – immer wieder die gleichen Filme dreht. Natürlich ist da nicht nur ein Funken Wahrheit dran. Ich stelle mir allerdings die Frage, mit welcher Erwartungshaltung solche Leute an Allens Filme herangehen. Der gute Mann hat letztes Jahr im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert. Glaubt jemand ernsthaft, er würde sich jetzt noch mal neu erfinden? Woody Allen dreht im Endeffekt schon sein ganzes Leben lang genau die Filme, auf die er eben Lust hat. Und meistens handeln sie von Beziehungen, Kunst und Kriminalfällen, da macht auch IRRATIONAL MAN – welch Überraschung – keine Ausnahme. Sicher wäre es mal wieder schön, ein Meisterwerk mit der Klasse eines MANHATTAN oder eines ANNIE HALL von ihm zu sehen, aber machen wir uns nichts vor, diese Zeiten scheinen einfach vorbei zu sein. Und so lange Allen noch so herrlich unaufgeregte, so wundervoll gespielte, mit so reichhaltigem Wortwitz ausgestattete und so hervorragend besetzte Filme wie IRRATIONAL MAN herausbringt, ist doch alles gut. Woody Allen gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und selbst ein nur guter oder mittelmäßiger Film innerhalb seines Gesamtwerkes ist meistens noch weitaus besser als vieles, was man sonst so aus Hollywood zum Fraß vorgeworfen bekommt. Und IRRATIONAL MAN gehört sogar zu den sehr guten Filmen des Meisters.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STILL ALICE (Frankreich / USA 2014, Regie: Richard Glatzer / Wash Westmoreland)

still alice

(Fassung: Blu-ray, Artificial Eye, Großbritannien)

Julianne Moore ist Dr. Alice Howland, eine Universitätsprofessorin, bei der mit Anfang 50 Alzheimer diagnostiziert wird und die fortan lernen muss, mit dieser Krankheit zu leben…

Die beiden Regisseure Richard Glatzer und Wash Westmoreland gehen bei ihrer Verfilmung der auf einem Roman basierenden Geschichte ausgesprochen ruhig und feinfühlig vor. STILL ALICE zeichnet sich durch eine sorgfältige Charakterisierung der handelnden Personen aus, wirkt jederzeit glaubwürdig und authentisch und zeigt auf beeindruckende und äußerst bewegende Art und Weise, wie die Alzheimer-Diagnose das Leben der Hauptfigur und ihres gesamten Umfeldes – sowohl familiär als auch beruflich – verändert. Getragen wird STILL ALICE von seinen durch die Bank großartig agierenden Schauspielern, insbesondere natürlich von Julianne Moore, die diese Rolle so hingebungsvoll und überzeugend spielt, dass das Schicksal ihrer Figur einem als Zuschauer wirklich extrem nahegeht. Richtig toll ist auch Kristen Stewart in der Rolle ihrer Tochter Lydia, die nun spätestens mit dieser Leistung endgültig aus dem TWILIGHT-Schatten herausgetreten sein dürfte und mit gutem Gewissen als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation bezeichnet werden kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

LESBIAN VAMPIRE KILLERS (Großbritannien 2009, Regie: Phil Claydon)

lesbian vampire killers

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Die beiden Loser Jimmy (Mathew Horne) und Fletch (James Corden) beschließen im Suff, nachdem Jimmy wieder mal seine Freundin und Fletch seinen Job verloren hatte, einen Trip ins britische Hinterland zu unternehmen. Das Ziel wird durch den Wurf eines Dartpfeils ausgewählt und die Wahl hätte nicht schlechter ausfallen können. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sich die beiden Freunde mit lesbischen Vampiren (!!!) herumärgern…

LESBIAN VAMPIRE KILLERS ist das, was man gemeinhin als Partyfilm bezeichnet. Sympathischer Thrash, der keinen Hehl daraus macht, dass er nur existiert, um Blödsinn zu verbreiten und sein Zielpublikum mit diversen Schauwerten und ein paar netten Gags zu unterhalten. Funktioniert in diesem Fall auch recht gut, weil Claydon seinen Film mit diesem typischen, britischen Humor gespickt hat und die an die alten Hammer-Filme und diverse Gothic-Grusler erinnernden Locations und Settings schlichtweg toll sind.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WELCOME TO NEW YORK (Frankreich/USA 2014, Regie: Abel Ferrara)

welcome to new york

(Fassung: Blu-ray, Altitude, Großbritannien)

Im Mai 2011 wurde der damalige geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in New York festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens angeklagt. Die Klage wurde später wegen fehlender Glaubwürdigkeit des Opfers fallengelassen; Strauss-Kahn kam frei.

Dieser reale Fall diente als Vorlage für Ferraras fiktiven Film WELCOME TO NEW YORK, der die Ereignisse auf den erfundenen Machtmenschen Devereaux (Gérard Depardieu) überträgt, einem Unsympathen vor dem Herrn, einer einfach nur widerlichen Gestalt, die der Meinung ist, sich alles nehmen zu können, was ihr gefällt, einem Mann ohne jeglichen Respekt vor seinen Mitmenschen, einem sexsüchtigen Monster ohne Gewissen oder Schuldbewusstsein. Strauss-Kahn war von Ferraras Film verständlicherweise alles andere als begeistert, wollte sogar Klage erheben, sein Erscheinen konnte er glücklicherweise nicht verhindern.

WELCOME TO NEW YORK ist in meinen Augen schwer zu bewerten. Ist der Film in der ersten Hälfte noch wirklich ausgesprochen intensiv gespielt – ein genialer Schachzug ist die Besetzung der Hauptrolle mit Gérard Depardieu, einem Schauspieler, der, vorsichtig ausgedrückt, ja durch diverse Eskapaden in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt zu den unumstrittensten seines Fachs gehört, hier aber einfach nur großartig agiert und der Hauptfigur ein wahrlich erschreckendes Gesicht verleiht -, verliert sich der Film in der zweiten Hälfte immer mehr. Man weiß aufgrund des realen Falles, wie die ganze Sache ausgehen wird. Man weiß, dass es sich bei den Devereauxs dieser Welt um unbelehrbare und uneinsichtige Menschen handelt. Ferrara kann irgendwann keine neuen Erkenntnisse mehr liefern und vielleicht hätte dem Film eine etwas straffere Laufzeit ganz gut getan. Unbedingt sehenswert ist WELCOME TO NEW YORK in meinen Augen natürlich trotzdem.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

THE LONG, HOT SUMMER (USA 1958, Regie: Martin Ritt)

the long, hot summer

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

 Paul Newman ist der Rumtreiber Ben Quick, der schließlich in einer kleinen Stadt in den Südstaaten strandet und dort an den Patriarchen Will Varner (Orson Welles) gerät, der mit eiserner Hand sowohl seine Familie als auch die gesamte Kleinstadt regiert und Ben für seine Zwecke missbrauchen will…

Basierend auf diversen Kurzgeschichten von William Faulkner hat Regisseur Martin Ritt mit THE LONG, HOT SUMMER ein opulent ausgestattetes Südstaaten-Drama gedreht. THE LONG, HOT SUMMER ist ein Film voller Intrigen, Verrat, Liebe und Hass, mit einer schwül-heißen Atmosphäre und geschliffenen Dialogen, die mit ihren eindeutigen Zweideutigkeiten in sexueller Hinsicht damals so einige Zensoren sicher auf die Palme gebracht haben dürften. Im Zentrum des Films steht die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem von Newman gespielten Rumtreiber und Varners Tochter Clara (Joanne Woodward). In den Szenen, die Newman und Woodward gemeinsam haben, brennt regelrecht die Leinwand, die Chemie zwischen den beiden ist unbeschreiblich und es ist deutlich zu sehen, dass hier mehr dahintersteckt, als nur Schauspielerei. Eine Vermutung, die sich schließlich bewahrheiten sollte, den Newmann und Woodward wurden auch hinter der Kamera ein Paar und heirateten kurz nach Abschluss der Dreharbeiten.

Die Chemie der beiden Hauptdarsteller, der einfach großartige Orson Welles, die mehr als eindrucksvolle Kameraarbeit von Joseph LaShelle, die intensive Atmosphäre, die beeindruckenden Settings und vieles mehr machen THE LONG, HOT SUMMER zu einem dieser Filme, die man wohl einfach nur als “Großes Kino“ bezeichnen kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

FLASHDANCE (USA 1983, Regie: Adrian Lyne)

flashdance

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Schon die Titeleinblendung zu Beginn gibt die Marschrichtung der folgenden 90 Minuten vor. In Großbuchstaben fährt der Filmtitel durchs Bild, es gibt keine Einzeleinstellung, FLASHDANCE ist von der ersten Minute an in Bewegung und das soll sich auch nicht groß ändern.

Erzählt wird eine eher stereotype Geschichte einer jungen Frau mit einem großen Traum. Alex Owens (Jennifer Beals) arbeitet tagsüber als Schweißerin und geht an den Abenden in einer Bar ihrer großen Leidenschaft als Tänzerin nach. In aufwendigen Choreographien unterhält sie die Gäste, ihr großer Traum – das Tanzen zum Hauptberuf zu machen und den Durchbruch als Tänzerin zu schaffen – scheint in weiter Ferne. Wie das in Filmen wie diesem hier aber nun mal so ist, wird es ihr am Ende doch gelingen und auf dem Weg zum Ziel findet sie gleich noch die große Liebe.

FLASHDANCE ist auf den ersten Blick nur eine weitere Mischung aus einer typischen Underdog- und einer typischen Love-Story. Vergleicht man ihn aber bspw. mit DIRTY DANCING, der ja auch einen Tanzfilm mit einer Liebesgeschichte verbindet, so könnten die Unterschiede nicht größer sein. Der Grund dafür findet sich hinter der Kamera. Regisseur Adrian Lyne sollte nach FLASHDANCE u.a. NINE 1/2 WEEKS und FATAL ATTRACTION drehen, die beiden Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer insbesondere im Bereich des Actionkinos tätig sein. FLASHDANCE nimmt den Look späterer Actionfilme des Duos Simpson/Bruckheimer bereits vorweg, verstrahlt eine ähnlich kühle Atmosphäre wie Lynes spätere Filme und begeistert mit perfekt choreographierten Tanzszenen in Videoclipästhetik und einem dieser Soundtracks für die Ewigkeit. Man könnte FLASHDANCE auch als Prototyp des Kinos der 80er Jahre bezeichnen und wollte man sich diesen Film im Double Feature mit einem anderen Film ansehen, so wäre bspw. TOP GUN weitaus besser dazu geeignet als DIRTY DANCING und jeder, der einen Kanon essentieller Filme der 80er Jahre erstellen will, kommt in meinen Augen an Lynes FLASHDANCE nicht vorbei.

Abschließend noch was aus der Kategorie “unnützes Filmwissen zum wieder Vergessen“: Der Song Maniac von Michael Sembello, der durch diesen Film zum Hit wurde, hatte ursprünglich einen komplett anderen Text, wurde eigentlich inspiriert durch Lustigs gleichnamigen Film aus dem Jahr 1980 und handelte somit von einem Serienkiller. Sembellos Ehefrau hatte den Song in seiner ursprünglichen Fassung eher versehentlich mit auf ein Tape gepackt, welches an Paramount gesendet wurde, die Musik für FLASHDANCE suchten. Die Leute von Paramount waren von der Musik, nicht aber von den Lyrics begeistert und so musste Sembello einen neuen Text schreiben. Aus dem manischen Killer wurde eine manische Tänzerin.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

THE FIGHTER (USA 2010, Regie: David O. Russell)

the fighter

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Auch ein Film über einen Underdog, der den Weg an die Spitze schafft. Sogar auf wahren Begebenheiten beruhend. THE FIGHTER erzählt die Geschichte der beiden boxenden Brüder Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale) und Mickys beschwerlichen Weg an die Spitze in seiner Gewichtsklasse.

Russells Film ist in erster Linie mal das, was gemeinhin wohl als großes Schauspielerkino bezeichnet wird, ein Film, der sich irgendwie automatisch für diverse Preise qualifiziert (Bale und Melissa Leo, die die Mutter der beiden Brüder spielt, haben dann auch beide einen Oscar und einen Golden Globe in den Nebenrollen-Kategorien erhalten), sich in gewisser Weise vielleicht aber auch den Vorwurf gefallen lassen muss, dass er mitunter doch arg künstlich und gestellt wirkt. Es hat etwas gedauert, bis ich mit THE FIGHTER warm geworden bin. Insbesondere Bales Spiel war mir etwas zu exaltiert, etwas zu übertrieben, etwas zu gekünstelt. Aufgewogen wurde dies durch Melissa Leo, Amy Adams (in der Rolle von Mickys Freundin Charlene) und Mark Wahlberg, die allesamt das richtige Maß in ihrer Darstellung gefunden haben und deren Charaktere man auch tatsächlich ernst nehmen konnte. Und aufgewogen wurde das natürlich auch durch die Geschichte an sich, die mich irgendwann doch so gepackt hat, dass der eigentliche Störfaktor Bale vernachlässigt werden konnte. Und die mal etwas andere Inszenierung (insbesondere den Look betreffend) der Boxszenen fand ich auch ziemlich großartig.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

RUBBER (Angola/Frankreich 2010, Regie: Quentin Dupieux)

rubber

(Fassung: Blu-ray, Capelight, Deutschland)

Einen Film über einen Autoreifen drehen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, muss man aber nicht.

Sich einen Film über einen Autoreifen anschauen, der durch die Wüste kullert und mit telekinetischen Kräften Gegenstände, Kleintiere und menschliche Köpfe zum Platzen bringt? – Kann man machen, sollte man aber wohl nur, wenn man wirklich gar nichts anderes zu tun hat (also gerade auch nicht Farbe beim Trocknen oder Gras beim Wachsen zusehen kann).

Am Anfang von RUBBER erscheint ein Polizist in der Wüste, der sowohl dem Zuschauer vor der Leinwand als auch einer in diesem Moment noch nicht im Bild zu sehenden Gruppe von Menschen erklärt, dass alle großen Filme der Filmgeschichte Szenen beinhalten, für die es eigentlich keinen Grund gibt und dass der nun folgende Film diese Grundlosigkeit zu feiern gedenkt. Danach überreicht er der Gruppe Ferngläser und diese hat das ebenso zweifelhafte Vergnügen wie der Zuschauer, einen Autoreifen beim planlosen Durch-die-Wüste-rollen und Sachen-zum-Platzen-bringen zu beobachten.

RUBBER hatte gleich nach dieser Anfangssequenz bei mir verloren. Filme, die meinen, sich selbst – auch noch gleich zu Beginn – erklären zu müssen, disqualifizieren sich schon allein aufgrund dieser Tatsache. Aber selbst mit viel Wohlwollen und sämtlichen zugedrückten Augen kann ich mir persönlich einfach nicht erklären, weshalb man RUBBER tatsächlich für einen guten Film halten sollte. Die gut 80 Minuten Laufzeit ziehen sich wie Kaugummi, Dupieux’ Film ist einfach nur stinklangweilig und nervig, es gibt keine Spannung, keinen Witz und die Tatsache, dass hier Wings Hauser mitgewirkt hat, stimmt richtiggehend traurig.

Punkten kann RUBBER nur auf technischer Seite. Regisseur Dupieux, der auch für Drehbuch, Musik, Schnitt und die Kameraarbeit verantwortlich zeichnete, hat sich bei letzterer richtig ins Zeug gelegt und seinen Film mit einer Vielzahl an atemberaubenden Bildern und Einstellungen ausgestattet, die man sich gerne als Poster in Großformat an die Wand hängen möchte. Das stimmt ein kleines bisschen versöhnlich und lässt RUBBER nicht zum kompletten Ärgernis werden, die Kameraarbeit hätte aber definitiv einen besseren Film verdient gehabt.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen – wegen der tollen Kameraarbeit – wenigen guten Momenten)!

 

C(R)OOK (Deutschland/Österreich 2004, Regie: Pepe Danquart)

c(r)ook

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

C(R)OOK ist ein deutsch-österreichischer Tarantino-Klon, ein Film mit einer durchgeknallten Geschichte, ebenso durchgeknallten Charakteren, viel schwarzem Humor, schrägen Dialogen, absurden Situationen und all den anderen Spielereien, die man von Filmen dieser Art zur Genüge kennt. In den letzten Jahren sind Filme dieser Art erfreulicherweise etwas rarer geworden, man hat sich an ihnen satt gesehen, sie mögen einfach nicht mehr funktionieren.

C(R)OOK ist nun schon über 10 Jahre alt, damals waren Filme wie dieser noch an der Tagesordnung und zumindest der hier funktioniert auch heute noch – selbst wenn man ihn sich zum ersten Mal anschaut – erstaunlich gut. Das liegt in erster Linie an der großartigen Besetzung. Henry Hübchen als kochender Gangster Oskar und Corinna Harfouch als seine Freundin, die Therapeutin Maria, harmonieren einfach großartig miteinander, Josef Hader ist als Polizist Nowak ebenso in seinem Element wie Moritz Bleibtreu als leicht debiler Gangster Valentin, Roland Düringer als Valentins Sidekick Belmondo ist die absolute Schau und ein Film, in dem eine meiner absoluten deutschen Lieblingsschauspielerinnen, die bezaubernde und leider viel zu selten zu sehende Nadeshda Brennicke, mitwirkt, hat allein schon wegen ihr einen Stein bei mir im Brett. Lediglich den unnötigen Storytwist am Ende hätte es nicht gebraucht, der ist fast schon als ärgerlich zu bezeichnen.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 7 (USA 2011/2012, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

Schon ein bisschen komisch, aber HOW I MET YOUR MOTHER gefällt mir mit jeder Staffel ein bisschen besser. Normalerweise ist bei Serien ja eher das Gegenteil der Fall. Auch im mittlerweile siebten Jahr dreht sich natürlich wieder alles um die Freundschaft der Protagonisten und Teds (Josh Radnor) Suche nach der Frau fürs Leben. Was sich bereits in den letzten beiden Staffeln angedeutet hatte, wird nun auch in Season 7 konsequent fortgeführt. Die Haupthandlung steht mehr im Vordergrund, die Episoden scheinen mehr miteinander verbunden zu sein, die extrem lose Erzählweise der ersten vier Staffeln ist nur noch selten vorhanden und in sich abgeschlossene Ereignisse, die früher in einer einzelnen Folge abgehandelt worden wären, finden nun größtenteils über mehrere Episoden statt. Vor allem die seit der vorherigen Staffel immer wieder eingestreuten, nachdenklichen Momente, tun der Serie richtig gut und verleihen den verschiedenen Charakteren auf ihre späten Serientage deutlich mehr Tiefe. In Sachen Gagdichte muss man den Autoren zudem ein ganz großes Kompliment machen. Die ist immer noch extrem hoch und Neil Patrick Harris glänzt in der Rolle des Barney Stinson einmal mehr in praktisch allen 24 Folgen. Er ist noch immer der Hauptgrund, weswegen die Serie so gut funktioniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

MÄNNERHERZEN (Deutschland 2009, Regie: Simon Verhoeven)

männerherzen

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Deutsche Beziehungskomödie, die siebenhundertdreiundzwanzigste. Wobei MÄNNERHERZEN wohl deutlich besser und unterhaltsamer geraten sein dürfte als die meisten der unzähligen anderen Filme dieser Art, die seit dem Erfolg von Wortmanns DER BEWEGTE MANN im Jahr 1994 das Epizentrum des deutschen Kino- und TV-Films darstellen. Zwar gibt es auch hier die typischen Klischee-Figuren zu sehen und auch Til Schweiger gilt es einmal mehr zu ertragen, ansonsten ist Verhoeven da aber schon ein ausgesprochen unterhaltsamer Genrebeitrag gelungen. Das liegt vor allem an der episodenhaften Erzählweise, die für Abwechslung sorgt und die diversen, kleinen Geschichten der verschiedenen Protagonisten lose miteinander verbindet. Und das liegt insbesondere auch an Hauptdarsteller Christian Ulmen (wegen dem ich mir den Film überhaupt angesehen habe), der in seiner Rolle als verklemmter Beamter auf der Suche nach einer Freundin einfach nur zum Schreien komisch ist und alle sonstigen Schwächen des Films locker aufwiegt. Ach ja, Justus von Dohnányi als skurriler Schlagerstar ist auch ziemlich toll.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

SCACCO ALLA REGINA (Deutschland/Italien 1969, Regie: Pasquale Festa Campanile)

scacco alla regina

(Fassung: Blu-ray, Mondo Macabro, USA)

SCACCO ALLA REGINA erzählt die Geschichte der wohlhabenden, jungen Silvia (Haydée Politoff), die sich immer mehr in Tagträumen mit sexuellen Unterwerfungsfantasien verliert und sich dazu entschließt, als persönliche Assistentin der berühmten Schauspielerin Margaret Mevin (Rosanna Schiaffino) anzuheuern. Diese findet die Unterwürfigkeit ihrer neuen Angestellten überaus angenehm und nutzt diese schamlos aus…

Regisseur Pasquale Festa Campanile hat mit SCACCO ALLA REGINA ein Fest für die Sinne geschaffen. Die ausladende Villa der Schauspiel-Diva, die als Location gewählt wurde, ist schlicht atemberaubend, die Einrichtung dieser, mit ihrer Mischung aus 60er-Jahre-Chic und ausufernder Dekadenz (da steht ein mechanisches Pferd (!!!) im Wohnzimmer rum), schlichtweg traumhaft schön, die Wahl der Kostüme einfach zum Niederknien und stellenweise – insbesondere in Silvias Traumsequenzen – meint man, sich nicht in einem Film, sondern auf einem psychedelischen Trip zu befinden. Für Freunde des italienischen Films der 60er und 70er Jahre dürfte SCACCO ALLA REGINA allein aufgrund seines Set Designs schon eine echte Offenbarung darstellen. Die Geschichte rund um Dominanz und Unterwerfung geht in dieser visuellen Pracht fast etwas unter, wobei der Ansatz, den Pasquale Festa Campanile gewählt hat, um den Zuschauer die Begierden Silvias näher zu bringen, durchaus interessant ist. Die Problematik wird nicht exploitativ ausgeschlachtet (was sich sicher angeboten hätte), stattdessen bringt Festa Campanile viel Mitgefühl für seine Figuren auf, entwickelt die Beziehung zwischen Margaret und Silvia auf glaubwürdige Art und Weise und findet schließlich auch ein angemessenes Ende für seinen Film.

Persönliche Bewertung: Gut!