Europäisches (Genre-)Kino: Sammelbeitrag Nr. 01

DAS SIEBENTE OPFER (Deutschland 1964, Regie: Franz Josef Gottlieb)

das siebente opfer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Regisseur Franz Josef Gottlieb hatte vor diesem Film hier zwar schon denen einen oder anderen Krimi (auch innerhalb der Edgar-Wallace-Reihe) inszeniert, nach dieser Verfilmung eines Romans von Bryan Edgar Wallace sollte Gottlieb im weiteren Verlauf seiner Kinokarriere jedoch fast ausschließlich im Bereich der (erotischen) Komödie tätig sein. Und irgendwie merkt man diesem Film hier bereits an, dass sich Gottlieb eher für die komischen und absurden Momente und weniger für die spannenden Momente seiner Geschichte interessiert zu haben scheint.

In DAS SIEBENTE OPFER dreht sich alles um eine merkwürdige Mordserie, die sich im Umfeld eines an einem mondänen Schloss angeschlossenen Reitstalls ereignet, während parallel eine ganze Handvoll zwielichtiger Gestalten ein großes Engagement darin zeigen, ein anstehendes Pferderennen zu manipulieren. Das Opfer Nr. 7, welches dem Film seinen Titel gegeben hat, spielt dabei im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Weder ranken sich um dieses bestimmte Opfer ominöse Verwicklungen, noch hat dieses Opfer irgendeine Bedeutung für den Verlauf der Handlung oder für irgendeine Art des Spannungsaufbaus. Nein, es ist vielmehr für den ganzen Film bezeichnend, dass die oder der Tote Nr. 7 einzig und allein für einen netten Gag herhalten muss. Wer sich in irgendeiner Weise so etwas wie Spannung oder zumindest den Hauch einer Mystery-Atmosphäre von DAS SIEBENTE OPFER erhofft, sollte diese Hoffnungen lieber ganz schnell begraben. Gottlieb hat seinen Film nicht als Nailbiter, sondern als locker-flockiges Rätselraten rund um die Mordserie inszeniert und unterhält den Zuschauer dabei immer wieder mit komischen und teils auch albernen Kapriolen. Wer sich also mit dem Stil des Films anfreunden kann, kann sich auf spaßige und kurzweilige Unterhaltung freuen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LE CERCLE ROUGE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

le cercle rouge

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

In LE CERCLE ROUGE trifft Alain Delon als soeben aus dem Gefängnis entlassener Einbruchsspezialist Corey eher zufällig auf den aus Polizeigewahrsam geflüchteten Vogel (Gian Maria Volontè) und findet in diesem und dem Ex-Cop Jansen (Yves Montand) willige Partner, die ihm bei einem Einbruch in ein Juweliergeschäft zur Seite stehen sollen. Während das Trio den Bruch vorbereitet, ist der ehrgeizige Kommissar Mattei (Bourvil) fest entschlossen, den geflohenen Vogel aufzuspüren und kommt so zwangsläufig auch dem Trio in die Quere…

Melvilles Mischung aus Heist Movie, Gangsterfilm und Jagd/Flucht-Szenario gehört zu den ganz großen Klassikern des französischen Kinos und ist gleichzeitig ein Paradebeispiel für das – insbesondere in den 60er und 70er Jahren so beliebte – Subgenre des Heist Movies. In LE CERCLE ROUGE liegt in der Ruhe die Kraft. Wie Melville hier – ohne sonderlich viele Dialoge und vor allem durch die Kraft seiner Bilder – seine verschiedenen Charaktere entwickelt und diese in Stellung bringt, wie er seine Spannung über die gut 140 Minuten, die LE CERCLE ROUGE dauert, immer und immer wieder zu steigern versteht, wie er gänzlich unaufgeregt eine zwar unterkühlte, aber auch ungemein intensive Atmosphäre kreiert und den Zuschauer so über die komplette Laufzeit fesseln kann, ist wirklich mehr als beeindruckend.

Ich habe LE CERCLE ROUGE erst jetzt zum ersten Mal gesehen und wünschte mir, ich hätte ihn schon früher gekannt. Das war eine filmische Bildungslücke, die unbedingt geschlossen werden musste.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

DER SCHNEEMANN (Deutschland 1985, Regie: Peter F. Bringmann)

der schneemann

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Nachdem Sänger Marius Müller-Westernhagen schon seit den 60er Jahren (und bereits vor seiner Karriere als Musiker) in zahlreichen TV-Produktionen mitgewirkt hatte, bekam er ab Ende der 70er Jahre auch die eine oder andere (Haupt-)Rolle in Kinofilmen ab. Eine davon ist die des Kleinganoven Siegfried Dorn, dem in DER SCHNEEMANN zufällig 2 kg Kokain in die Hände fallen und der so naiv ist, zu glauben, er könne den Stoff ohne große Konsequenzen verkaufen. Natürlich sind schon sehr schnell ausgesprochen zwielichtige und ausgesprochen gefährliche Gestalten hinter ihm her.

Wenn man sich Bringmanns Film heute ansieht, kann man es kaum glauben, dass der hier wirklich mal für ein großes Kinopublikum gedacht gewesen sein könnte, denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich DER SCHNEEMANN als eine nicht unbedingt spannende oder spektakuläre, dafür aber umso schmierigere Angelegenheit. Seine Faszination zieht Bringmanns Film vor allem aus seinen Schauwerten, dem teils unglaublichen Sleaze, den er dem Zuschauer serviert, und dem unglaublichen Staunen, das man als Zuschauer während der Sichtung des Films empfindet. Leider habe ich auf die Schnelle im Netz keine Angaben zum Erfolg bzw. Misserfolg des Films gefunden. Würde mich schon interessieren, wie der damals abgeschnitten hat und manchmal würde man nachträglich gerne in die Köpfe so mancher Produzenten und Regisseure schauen können um herauszufinden, was sie sich beim Dreh eines Films wie diesen hier eigentlich gedacht haben. Das ist deutsches Kino im Ausnahmezustand, die 80er waren wahrlich ein verrücktes Jahrzehnt. Ich habe keine Ahnung, ob man DER SCHNEEMANN guten Gewissens zur Sichtung empfehlen kann, ich persönlich fand ihn in all seiner Skurrilität eigentlich ziemlich geil.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

…PIÙ FORTE RAGAZZI! (Italien 1972, Regie: Giuseppe Colizzi)

...più forte ragazzi!

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Am Tag nach dem Tod von Bud Spencer habe auch ich das gemacht, was wohl eine Vielzahl der Menschen gemacht hat, die mit seinen Filmen aufgewachsen sind. Ich habe mir den Film mit ihm angeschaut, der mir persönlich am meisten bedeutet. Das ist schon seit Ewigkeiten …PIÙ FORTE RAGAZZI! aka ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE, in dem Spencer und sein kongenialer Filmpartner Terence Hill als Salud (Spencer) und Plata (Hill) zwei ständig am äußersten Rande der Legalität agierende Bruchpiloten spielen, die eines Tages im südamerikanischen Dschungel abstürzen und dort einer Gruppe von Diamantenschürfern gegen einen skrupellosen Geschäftemacher unterstützen.

Was mich an …PIÙ FORTE RAGAZZI! schon immer so extrem begeistert, war diese leichte Melancholie, die diesen Film durchzieht und diese unglaubliche Warmherzigkeit, die – auch wenn sie sicher in anderen Filmen des Duos oder auch von Spencer allein ebenfalls vorhanden ist – Colizzis Film neben all den typischen Prügeleien und neben all dem Klamauk, den die deutsche Synchro verbreitet, doch zu etwas ganz Besonderem macht. …PIÙ FORTE RAGAZZI! ist ungemein liebenswert und einfach nur wunderschön, ein Film, an dem einfach alles toll ist. Schon die ersten Klänge des grandiosen „Flying Through the Air“ von Oliver Onions sorgen für dieses wohlige Gefühl in der Magengegend. Dann diese einfach nur wundervolle Figur des von Cyril Cusack gespielten Matto, dessen Schicksal einem die Tränen in die Augen treiben kann, usw., usf.; ich liebe …PIÙ FORTE RAGAZZI!, habe ihn nun seit gut 10 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen und kann nur feststellen, dass er auch über die Jahre hinweg rein gar nichts an seiner Faszination einbüßt.

Bewertung: Lieblingsfilm! – 10/10

 

 

LA SOUPE AUX CHOUX (Frankreich 1981, Regie: Jean Girault)

la soupe aux choux

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Giraults LA SOUPE AUX CHOUX ist der vorletzte Film des französischen Starkomikers Louis de Funès, der zwei Jahre später im Alter von nur 68 Jahren an einem Herzinfarkt sterben sollte, nachdem er schon einige Jahre an einem schweren Herzleiden litt und bereits zwei Infarkte überlebt hatte.

Da sein Gesundheitszustand die Rolle des typischen Cholerikers einfach nicht mehr zuließ, ist LA SOUPE AUX CHOUX einer der Filme von de Funès, in denen sein Charakter eher ruhig und milde gestimmt ist und cholerische Anfälle nur in Ansätzen zu sehen sind. Es geht um den von de Funès gespielten Claude Ratinier, der gemeinsam mit seinem Nachbarn und besten und auch einzigen Freund Francis Chérasse (Jean Carmet) seinen Lebensabend in einem außerhalb einer französischen Kleinstadt gelegenen Bauernhof verbringt. Dort streiten sie, vertragen sich wieder, philosophieren über die Vergangenheit, essen Kohlsuppe und veranstalten vor ihren bescheidenen Häusern Abend für Abend Wettbewerbe im Dauerfurzen. Als von der Furzerei schließlich ein Außerirdischer (Jacques Villeret) angelockt wird, stellt dieser das Leben von Ratinier und Chérasse jedoch gehörig auf den Kopf…

In Deutschland ist Giraults Film unter dem Titel LOUIS UND SEINE AUSSERIRDISCHEN KOHLKÖPFE bekannt und dürfte hierzulande – auch wegen seiner unzähligen Ausstrahlungen im Fernsehen – wohl zu den beliebtesten und bekanntesten Filmen des französischen Komikers gehören. Auch ich bin damals mit LA SOUPE AUX CHOUX aufgewachsen, habe den Film als Kind und Jugendlicher unzählige Male im Fernsehen gesehen und natürlich wegen seiner ausufernden Albernheiten (die Furzerei, die Kommunikation mit dem Außerirdischen) geliebt. Beim jetzigen Wiedersehen nach sehr langer Zeit ist mir erstmals aufgefallen, dass LA SOUPE AUX CHOUX im Grunde genommen, trotz der vorhandenen Gags, ein überaus trauriger und auch zutiefst melancholischer Film ist. Es geht um würdevolles Altern, um Respekt vor älteren Menschen, um Perspektivlosigkeit und auch um die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen. In der französischen Originalversion gibt es bspw. eine längere Szene, in der der von Carmet gespielte Chérasse versucht, sich zu erhängen. Eine Sequenz, die in den deutschen Fassungen (auch in der mir vorliegenden DVD-Fassung) gekürzt wurde, ganz offensichtlich um die Klamauk-Szenen des Films nicht zu torpedieren (mittlerweile gibt es aber auch eine Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland, die komplett ungekürzt erschienen ist). Auch wenn der Film ein Happy End aufweisen kann, Ratinier und Chérasse mit dem Außerirdischen abhauen und einem würdevollen Lebensabend entgegenblicken können, von der oft unbeschwerten Leichtigkeit, welche die Filme von de Funès so häufig durchzogen hat, ist hier nicht mehr sonderlich viel zu spüren.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI (aka He Murdered His Wife, Griechenland 1976, Regie: Kostas Karagiannis)

eglima sto kavouri

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI möchte ein schleimiger Playboy (Lakis Komninos) das stattliche Vermögen seiner älteren Ehefrau (Dorothy Moore) mit seiner jüngeren Geliebten verprassen und paktiert mit einem skrupellosen Frauenmörder (Vagelis Seilinos) um seine Gattin um die Ecke zu bringen…

Regisseur Kostas Karagiannis hat seine Mischung aus Thriller, Mystery und Horror im Stil der italienischen Gialli gedreht. Es gibt brutale Morde, viel nackte Haut und einen im Schlussdrittel wendungsreichen Plot zu bestaunen, in Sachen Spannung muss man aber – trotz der Haken, die die Handlung zum Ende hin schlägt – bedauerlicherweise gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Da die Identität des Killers von Anfang an feststeht und auch der Mordplan des betrügenden Ehemannes sehr schnell offengelegt wird, bezieht Karagiannis’ Film seine Spannung in erster Linie daraus, ob die Täter letztendlich davonkommen werden und wie sie beide versuchen, sich gegenseitig auszuschalten. Das ist ein Tick zu wenig, um den Film über die komplette Länge zu tragen. Freunde des gepflegten Exploitation-Kinos dürften an ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI dennoch ihre Freude haben und sich vor allem an den vorhandenen Schauwerten und der nicht zu verachtenden Menge an Sleaze, welche Karagiannis über seine Zuschauer ausschüttet, ergötzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LA LAMA NEL CORPO (Frankreich / Italien 1966, Regie: Elio Scardamaglia)

la lama nel corpo

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Regisseur Elio Scardamaglia lässt in LA LAMA NEL CORPO einen Killer in einer alten Nervenheilanstalt, welche in einem mehr als mondän zu nennenden, schon fast schlossartigem Anwesen angesiedelt ist, auf Patienten und Belegschaft los…

Scardamaglias Film ist wirklich wunderschön anzusehen. Allein das Setting in diesem alten, beeindruckenden Anwesen reicht aus, um Genrefreunde für den Film einzunehmen. LA LAMA NEL CORPO ist vollgestopft mit tollen Kameraeinstellungen und verbreitet mit seiner irgendwo zwischen Giallo und Gothic Horror angelegten Geschichte eine harmlos-sympathische Grusel-Atmosphäre. Sehr viel mehr hat LA LAMA NEL CORPO jedoch nicht zu bieten. Im Finale geht es zwar ein bisschen ruppiger und auch rasanter zur Sache als zuvor, bis es jedoch so weit ist, plätschert Scardamaglias Film eher gediegen vor sich hin, schwelgt in seinen schönen Bildern und lullt den Zuschauer mit diesen eher ein als ihn mit einer spannenden Geschichte zu packen. Auf seine ganz eigene Art und Weise dürfte LA LAMA NEL CORPO für Freunde des italienischen Genrekinos aber ganz sicher interessant sein. Ich würde ihn jetzt nicht unbedingt als Pflichtprogramm bezeichnen wollen, fand ihn trotz der fehlenden Spannungsmomente jedoch allein aufgrund seiner Settings und der Atmosphäre und Stimmung, die er kreiert durchaus sehenswert und unterhaltend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

REMAKE, REMIX, RIP-OFF: ABOUT COPY CULTURE & TURKISH POP CINEMA (Deutschland / Türkei 2014, Regie: Cem Kaya)

remake, remix, rip-off - about copy culture & turkish pop cinema

(Fassung: Free-TV, ZDF HD, Deutschland)

Insbesondere zwischen den frühen 50er und späten 80er Jahren bestand das türkische Kino zu einem Großteil aus möglichst kostengünstig heruntergekurbelten Remakes bzw. Rip-Offs erfolgreicher Hollywood-Produktionen, welche so manche obskure Perle hervorgebracht haben. Regisseur Cem Kaya wirft in seiner Dokumentation einen Blick auf diese faszinierende Kinolandschaft, lässt damalige Schauspieler und Regisseure zu Wort kommen, teils ausgesprochen witzige Anekdoten von damals erzählen und gewährt dem interessierten Zuschauer so einen Einblick in eine Filmwirtschaft, die vor allem von Improvisationstalent und diversen Guerilla-Taktiken geprägt war (man erfährt bspw., dass es in der Türkei kein geltendes Urheberrecht gab und den Machern somit die Scores sämtlicher Hollywoodfilme zur freien Verfügung standen, welche diese natürlich gerne nutzten, um ihre eigenen Filme zur veredeln; vor allem die Filmmusik aus THE GODFATHER, diversen James-Bond-Filmen, SUPERMAN oder STAR WARS wurde immer wieder gerne verwendet). Insbesondere Çetin İnanç, Regisseur des berühmt-berüchtigten DÜNYAYI KURTARAN ADAM (besser bekannt als TURKISH STAR WARS), hat einige wunderbare Geschichten zu erzählen, insbesondere was die Entstehung seines vorgenannten Films angeht (in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die Filmrollen von STAR WARS aus einem türkischen Kino entwendet und um Szenen erleichtert, welche für den eigenen Film genutzt werden sollten und dann auch in diesen hineingeschnitten wurden), welche Probleme die Filmemacher mit den Zensurbehörden hatten und wie diese übergangen wurden, usw., usf., und weckt im Zuschauer durch seine Ausführungen ein großes Bedürfnis, diverse Filme aus der Türkei lieber heute als morgen sichten zu wollen.

Leider belässt es Regisseur Cem Kaya in seiner Dokumentation nicht bei diesen hoch interessanten Einblicken in diese längst vergangenen Zeiten, sondern will etwas zu viel. Kaya schlägt den Bogen in die Gegenwart, wirft einen Blick auf türkische TV-Produktionen, die mehr als schlechten Arbeitsbedingungen der Cast- und Crewmitglieder in der heutigen Zeit und die Respekt- und Rücksichtslosigkeit, mit der in der Türkei mit dem türkischen Filmerbe umgegangen wird. Das ist zwar sicher lobenswert, hätte aber im Endeffekt einen eigenen Film verdient gehabt und führt letztendlich dazu, dass REMAKE, REMIX, RIP-OFF in zwei Teile auseinanderfällt, die nicht wirklich harmonisch zusammengefügt werden können. Kayas Film wirkt aufgrund dieser Tatsache in der zweiten Hälfte etwas unstruktiert und konfus und in meinen Augen hätte Cem Kaya gut daran getan, wenn er sich auf sein ursprüngliches Thema bis zum Ende konzentriert hätte und den ernsthaften und politischen Teil seiner Dokumentation in einen eigenen Film ausgelagert hätte, der diesem ernsteren und sicher auch hochinteressantem Thema dann auch hätte gerecht werden können.

Bewertung: Gut! – 7/10

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Jahresendspurt – 3. Teil

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS (Belgien / Frankreich / Luxemburg 2013, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS handelt vom Geschäftsmann Dan Kristensen (Klaus Tange), der von einer Geschäftsreise nach Hause kommt und feststellen muss, dass seine Frau spurlos verschwunden ist. Er macht sich auf die Suche nach ihr und gleitet schon bald in einen Zustand ab, in dem die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen…

Nach dem von mir vor einigen Wochen gesehenen AMER ist dies hier der zweite abendfüllende Spielfilm der beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich erneut der Stilmittel der klassischen Gialli bedienen und mit diesen einen Film erschaffen, dessen Sichtung schon fast einer sinnlichen Erfahrung gleichkommt. Konnte man der Handlung von AMER noch halbwegs folgen, hat man hier als Zuschauer eigentlich gar keine Chance mehr. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS besteht praktisch nur noch aus aufregenden, in satte Farben getauchten Bildern, aus Großaufnahmen von Augen, Mündern und sonstigen Körperpartien, aus beunruhigenden Geräuschen, aus Stimmung und Atmosphäre. Man kann sich diesem Film bereits nach kurzer Zeit einfach nur noch wehrlos ergeben, um was es hier letztendlich geht, wie die Lösung des Rätsels aussehen wird, all das ist vollkommen zweitrangig. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS nimmt einen als Zuschauer in Gefangenschaft und führt einen in unbekannte Dimensionen. Ich hatte über die komplette Laufzeit des Films Gänsehaut, obwohl ich ihm auf Handlungsebene schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr folgen konnte. Wahnsinn, was ein Film alles auslösen kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DAMNATION ALLEY (USA 1977, Regie: Jack Smight)

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(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

DAMNATION ALLEY spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft und handelt von einer Handvoll Menschen, die sich in einem futuristischen Militärgefährt auf den Weg machen, um eine alte, in nicht gerade wirtlicher Gegend gelegene Militärbasis zu verlassen, und dabei hoffen, auf ihrer langen Reise auf einen Ort zu treffen, der tatsächlich noch bewohnbar ist.

Ich würde jetzt wirklich gerne etwas Positives über DAMNATION ALLEY schreiben, schon allein aus dem Grund, weil ich einfach ein Herz für Filme dieser Art habe und ich auf gewisse Art und Weise auch Smights Film ungemein sympathisch finde. Im vorliegenden Fall ist dies aber schon verdammt schwer, weil in DAMNATION ALLEY über die fast komplette Laufzeit einfach nichts Nennenswertes passiert. Smights Film ist nicht spannend, bietet fast keine Schauwerte und kommt zudem noch mit Effekten um die Ecke, denen man ihr Alter in jeder Einstellung ansieht. Und macht man sich dann auch noch bewusst, dass DAMNATION ALLEY im Jahr 1977 immerhin 17 Mio. US-Dollar gekostet hat und ein gewisser Herr Lucas im selben Jahr für 6 Mio. US-Dollar weniger STAR WARS in die Kinos brachte, fällt es noch ein gutes Stück schwerer, ein großartiges Lobeslied auf Smights Film anzustimmen. Sicher, auch DAMNATION ALLEY hat seine Momente, die sind aber leider viel zu rar gesät, um den Film in irgendeiner Weise großartig interessant für sein Zielpublikum zu machen.

Begrüßenswert, dass längst vergessene B-Movies wie DAMNATION ALLEY von umtriebigen Labeln, sowohl in Deutschland als auch in den USA, ausgegraben, für die Nachwelt erhalten und fein säuberlich restauriert auf DVD und Blu-ray veröffentlicht werden, ist es natürlich dennoch, auch wenn sich in den vielen liebevollen Veröffentlichungen die eine oder andere Gurke versteckt wie dieser Film hier.

Bewertung: Naja!

 

LUCY (Frankreich/USA 2014, Regie: Luc Besson)

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(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

In LUCY gerät Scarlett Johansson aufgrund widriger Umstände in die ungünstige Situation als Drogenkurier missbraucht zu werden. Ehe sie sich versieht, wird unter ihrer Bauchdecke ein Päckchen neuartiger, synthetischer Drogen verstaut, welches sie in die USA schmuggeln soll. Als das unheilvolle Paket jedoch in ihr aufplatzt und die austretende Droge ihre Wirkung entfaltet, hat das für alle Beteiligten ausgesprochen fatale Konsequenzen. Die bewusstseinserweiternde Droge führt schließlich dazu, dass die Titelheldin sämtliche Kapazitäten ihres Gehirns nutzen kann und übermenschliche Kräfte entwickelt…

Bessons LUCY ist ein typischer 50/50-Film. Love it or hate it – großartige Meinungen dazwischen dürfte es wohl eher nicht geben. Ich bekenne mich dann mal zur “Love It!“- Fraktion, weil ich es schon beeindruckend fand, wie Besson einen Film, der anfangs noch auf ein typisches 08/15-Blockbuster-Publikum zugeschnitten zu sein scheint, innerhalb kürzester Zeit in ein Stadium kompletten Wahnsinns abdriften lässt. Je länger LUCY dauert, desto mehr knallt der Film einfach nur durch, entledigt sich sämtlicher Logik-Grenzen und wird zum rein visuellen Spektakel. Und als Zuschauer sitzt man mit runtergelassener Kinnlade vor dem heimischen Flachbild-TV und traut seinen Augen nicht.

Bewertung: Sehr gut!

 

MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (USA 2015, Regie: Christopher McQuarrie)

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(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 In seinem fünften Kinoeinsatz als Spezialagent Ethan Hunt muss Tom Cruise auf eigene Faust operieren um die gefährliche Verbrecherorganisation “The Syndicate” zu zerschlagen…

In den knapp 20 Jahren, in denen die Reihe nun schon existiert, hat sie in meinen Augen eine beachtliche Entwicklung hingelegt und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass fast jeder Film seinen ganz eigenen Stil hat. Vom reinen Agenten- und Suspensethriller, den Brian De Palma mit dem Auftaktfilm einst abgeliefert hatte, über komplette Over-the-top-Action von John Woo in Teil 2 hin zu mehr Ernsthaftigkeit im dritten Film von J.J. Abrams, nur um diese Ernsthaftigkeit dann in Teil 4 von Brad Bird wieder gehörig aufzulockern.

Für MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION wurde mit Christopher McQuarrie nun der fünfte Regisseur für den fünften Film verpflichtet. Der hatte vor diesem Film gerade erst 2 Regiearbeiten vorzuweisen, den ziemlich tollen THE WAY OF THE GUN aus dem Jahr 2000 und den eher nicht so tollen JACK REACHER aus dem Jahr 2012. Ihn auszuwählen war also erneut eine durchaus mutige Entscheidung der Produzenten – bereits J.J. Abrams (der damals vom TV kam) und Brad Bird (der zuvor nur Animationsfilme gedreht hatte) waren einst ebenso mutige Entscheidungen gewesen – und auch wenn ich der Meinung bin, dass dieser fünfte Teil gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger etwas abfällt, so muss man nach Sichtung des Films doch konstatieren, dass die Entscheidung für McQuarrie eine gute gewesen ist.

Auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION kann durch einen eigenen Stil überzeugen, da der Film aber an die Ereignisse des Vorgängers anschließt und dessen Geschichte weitererzählt, ist der Stilbruch nicht ganz so eklatant wie zwischen den vier Filmen zuvor. McQuarrie setzt – wie schon Bird – auf Agentenkino im klassischen Bond-Stil mit humoristischen Einschlägen (für die der mal wieder toll aufspielende Simon Pegg sorgt), hat dem Zuschauer sehr viele verschiedene Locations zu bieten, an denen sein Film spielt, fährt aber im Vergleich zum Vorgänger die Actionsequenzen in ihrer Anzahl deutlich zurück, orientiert sich dabei mehr an De Palmas einstigen Auftaktfilm und setzt insbesondere auf Suspense. Die Sequenz in der Oper ist schlicht grandios, die Unterwasserszene an Spannung kaum zu überbieten. Für reine Action sorgen dagegen die etwas arg übertriebene Auftaktsequenz und die atemberaubende Verfolgungsjagd mit den Motorrädern (die dann auch ein bisschen was von Woos zweiten Teil hat).

Ja, auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION ist richtig gut geworden und stellt eine willkommene Abwechslung innerhalb des sonst einfach viel zu sehr von diversen Superhelden dominierten Blockbusterbereichs dar. Im direkten Vergleich mit dem unmittelbaren Vorgänger muss ich allerdings feststellen, dass mir Birds actionreicherer und spektakulärerer Film einen Tick besser gefallen hat.

Bewertung: Sehr gut!

 

INVICTUS (USA 2009, Regie: Clint Eastwood)

invictus

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

 Clint Eastwood erzählt in INVICTUS die Geschichte von Nelson Mandela, der Mitte der 90er Jahre, kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten von Südafrika, mit allen Mitteln versuchte, das gespaltene Land zu einen und sich dabei auch auf die Menschen verbindende Kraft des Sports verließ.

Man mag Eastwood vielleicht vorwerfen, dass er es sich etwas zu einfach macht, die sicher extrem komplexe politische Situation auf ein Sportdrama herunter zu brechen, wie er dies allerdings inszeniert, wie geschickt er den Zuschauer emotional packt und manipuliert und wie großartig er seine Darsteller in Szene setzt, das ist wahrlich meisterhaft. Insbesondere Morgan Freeman liefert in der Rolle des Nelson Mandela eine Darbietung für die Annalen der Filmgeschichte ab, man kann sich nach Sichtung dieses Films tatsächlich keinen einzigen anderen Schauspieler in dieser Rolle vorstellen. Es ist vor allem auch Freemans Spiel, das INVICTUS so lebendig werden und so glaubwürdig erscheinen lässt, mag der Film auch noch so simpel gestrickt sein.

Mich persönlich hat INVICTUS emotional komplett mitgerissen und begeistert, ich hatte an mehreren Stellen des Films – insbesondere natürlich im Finale – vor lauter Rührung Tränen in den Augen und habe praktisch jede Sekunde von INVICTUS einfach nur genossen.

Bewertung: Meisterwerk!

 

JOSHÛ ORI (Japan 1983, Regie: Masaru Konuma)

joshû ori

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In den 70er und 80er Jahren produzierte das japanische Kult-Studio Nikkatsu fast ausschließlich Film mit (soft-)erotischen Inhalten um so größere Zuschauerzahlen zu generieren. Das Resultat waren dabei nicht selten wilde Exploitation-Filme, die innerhalb verschiedenster Subgenres versuchten, neue Grenzen auszuloten. JOSHÛ ORI von Regisseur Masaru Konuma ist ein Vertreter des – sich für das Zeigen nackter Tatsachen natürlich ganz vorzüglich geeigneten – Women-in-Prison-Films und handelt von der Gefangenen Masayo (Mina Asami), an der nach einem missglückten Ausbruchversuch ein Exempel statuiert werden soll, damit solche Versuche nicht plötzlich Mode machen. In seinen knapp 70 Minuten, die JOSHÛ ORI gerade mal dauert, werden dann auch alle Zutaten des WIP-Films abgearbeitet. Die – nennen wir es mal vorsichtig – Konflikte der Häftlinge untereinander, die fiesen und sadistischen Wärterinnen, die Hauptfigur, die sich einfach nicht brechen lässt. Leider vergisst Regisseur Konuma inmitten all seiner Schauwerte ein bisschen, auch so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. JOSHÛ ORI mangelt es an einem Spannungsbogen, Konuma konfrontiert den Zuschauer zwar mit so einigen “What the Fuck!?!“-Momenten, die bloße Aneinanderreihung solcher Sequenzen reicht am Ende aber doch nicht aus, um JOSHÛ ORI als guten Filmen bezeichnen zu können.

Bewertung: Ok!

 

DER ARZT VON ST. PAULI (Deutschland 1968, Regie: Rolf Olsen)

der arzt von st. pauli

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

DER ARZT VON ST. PAULI war damals der Auftakt einer kleinen Reihe von St.-Pauli-Filmen, die zwischen 1968 und 1971 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle in die deutschen Kinos kamen. Leider ist die Verfügbarkeit der Film auf DVD noch sehr schlecht und so ist dieser Film hier – neben den schon vor etwas längerer Zeit gesehenen AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS – leider der einzige dieser Filme, die man sich problemlos zuhause ansehen kann ohne TV-Zeitschriften wälzen zu müssen und auf eine Ausstrahlung zu hoffen. Verdammt schade, denn Olsens Film macht definitiv Lust auf mehr.

Curd Jürgens spielt den Allgemeinarzt Dr. Jan Diffring, einem Mann mit großem Herzen und viel Liebe für seine Patientinnen und Patienten vom Kiez, der im Verlauf des Films in einen Kriminalfall hineingezogen wird und schließlich feststellen muss, dass es sich bei seinem Bruder, den als Gynäkologen praktizierenden Dr. Klaus Diffring (Horst Naumann) um einen skrupellosen Gangster handelt…

Olsen erzählt die Geschichte der beiden Brüder zunächst eher episodenhaft nebeneinander her und verbindet die beiden Handlungsstränge erst relativ spät miteinander (wobei man als Zuschauer allerdings immer einen Wissensvorsprung hat und somit den finalen Konflikt schon bald erahnen kann). Das führt – und das ist das einzige, kleine Manko des Films – leider etwas dazu, dass Curd Jürgens nicht allzu viel Screentime abbekommen hat und DER ARZT VON ST. PAULI nicht so sehr beherrschen kann, wie er nur ein Jahr später AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS beherrschen sollte. In den Szenen, die ihm bleiben, ist er dafür einfach grandios, spielt den Allgemeinarzt als gäbe es kein Morgen mehr und als würde das Schicksal der Welt davon abhängen, dass er diesem Charakter glaubwürdiges Leben verleiht. In Verbindung mit dem wirklich abwechslungsreichen Plot, den unzähligen Schauwerten des Films, die immer wieder auch die Grenze zum Sleaze genüsslich überschreiten, den herrlichen Dialogen und dem unschlagbaren Zeit- und Lokalkolorit ist DER ARZT VON ST. PAULI ein Paradebeispiel dieser Sittenreißer aus längst vergangenen Tagen und kann einen als Zuschauer nur hoffen lassen, dass noch mehr deutsche Filme dieser Art aus der damaligen Zeit geborgen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Bewertung: Sehr gut!

 

HERE COMES THE BOOM (USA 2012, Regie: Frank Coraci)

here comes the boom

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Kevin James spielt den Highschool-Lehrer Scott Voss, der sich als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer versucht um auf dieser Art und Weise Geld aufzutreiben und den Job seines Freundes und Kollegen Marty (Henry Winkler) zu sichern, der aufgrund von Budgetkürzungen wegrationalisiert werden soll…

Sollte jemand behaupten, HERE COMES THE BOOM sei harmlos, kitschig, klischeehaft und vorhersehbar, könnte man ihm voll nicht großartig widersprechen. Aber diese eher negativen Eigenschaften macht Regisseur Coraci mit der Warmherzigkeit, der positiven Energie und der schlichten Schönheit, die sein Film ausstrahlt, locker wieder weg. Und natürlich mit den vielen, einfach nur urkomischen Szenen, die Coraci mit Hilfe seines Hauptdarstellers Kevin James zu bieten hat.

HERE COMES THE BOOM ist verdammt witzig und zudem einer der positivsten Filme, die ich je gesehen habe. Hier regiert der kindlich-naive Glaube an das Gute, es gibt so gut wie nichts Negatives in diesem Film und wenn es aus dramaturgischen Gründen doch notwendig sein sollte (wie bspw. vor dem finalen Kampf), wird es eher nebenbei erwähnt, nur um die positive Grundstimmung nicht zu gefährden. Nicht einmal Voss’ Gegner im Schlusskampf, der durchaus martialisch gezeichnete Ken Dietrich (Krzysztof Soszynski), taugt als “Bösewicht“, auch er zeigt plötzlich seine gute und positive Seite. Das alles macht HERE COMES THE BOOM in meinen Augen ungemein sympathisch, liebens- und absolut empfehlenswert.

Bewertung: Gut!

Shocktober 2015 – Final Batch / October 2015 – Non-Horror-Stuff

MAMA (Kanada/Spanien 2013, Regie: Andrés Muschietti)

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(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Vor fünf Jahren verschwanden zwei kleine Mädchen (Megan Charpentier und Isabelle Nélisse) spurlos, nun werden sie in der Wildnis wiedergefunden und sollen künftig bei ihrem Onkel Lucas (Nikolaj Coster-Waldau) und dessen Freundin Annabel (Jessica Chastain) aufwachsen. Doch die Jahre in der Einsamkeit der Wildnis haben ihre Spuren bei den beiden Schwestern hinterlassen und als Lucas nach einem mysteriösen Unfall im Krankenhaus landet und Annabel fortan mit den Kindern allein im Haus ist, muss sie bald feststellen, dass hier etwas gar nicht mit rechten Dingen zugeht. Offensichtlich wurden die Mädchen in der Wildnis von einer Kreatur beschützt, welche die Kinder Mama nennen. Und diese Kreatur nimmt es mit der Aufgabe als Beschützer immer noch sehr genau…

Einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre. Weil Regisseur Andrés Muschietti eine sehr gute Balance zwischen ruhigen Momenten und Schockeffekten findet, über weite Strecken eine wahrlich beunruhigende Atmosphäre aufbaut und mit Jessica Chastain in der Hauptrolle – die ich mit ihren kurzen, schwarzen Haaren fast nicht erkannt hätte – eine Hauptdarstellerin am Start hat, die ihr Handwerk versteht und MAMA allein durch ihr Mitwirken ungemein aufwertet. Leider hat Muschietti (der auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnete) das Ende versaut und erweist seinem bis dahin eigentlich sehr guten Film einen Bärendienst. Der Schluss von MAMA ist tatsächlich eine ziemliche Katastrophe und mag so gar nicht zu dem passen, was man zuvor gesehen hat. Aber man muss ja nicht alle Entscheidungen verstehen, die ihm Laufe des Entstehungsprozesses eines Films so gefällt werden.

Persönliche Bewertung: Gut!

PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI (Italien 1980, Regie: Lucio Fulci)

paura nella città dei morti viventi

(Fassung: DVD, Blue Underground, USA)

Während einer Séance hat Mary Woodhouse (Catriona MacColl) eine Vision von einem Priester in einer Kleinstadt, der Selbstmord begeht und dadurch die Pforten zur Hölle öffnet. Gemeinsam mit dem Reporter Peter Bell (Christopher George) macht sich Mary auf die Suche nach dieser Stadt um das Schlimmste zu verhindern…

PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI ist einer von Fulcis berüchtigten Goreklassikern und trägt seit seinem Erscheinen die Last mit sich herum, immer wieder auf seine Gore-, Splatter- und Ekelsequenzen reduziert zu werden. Natürlich muss ich zugeben, dass diese Szenen – eine Frau kotzt sich nicht nur die Seele, sondern auch gleich sämtliche Gedärme aus dem Leib, der Kopf eines Mannes macht Bekanntschaft mit einer Bohrmaschine, die Protagonisten sind einem Wirbelsturm aus Maden ausgesetzt, usw. – auch in mir den kleinen Gorehound von früher wieder zum Leben erwecken und dessen Herz höher schlagen lassen, die wahre Qualität von PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI liegt aber woanders. Ich finde es einfach faszinierend, wie sich Fulcis Film – zwar noch nicht ganz so extrem, aber doch ähnlich wie in dem ein Jahr später entstandenen Glanzstück …E TU VIVRAI NEL TERRORE! L’ALDILÀ – den Regeln einer herkömmlichen Narration und eines herkömmlichen Spannungsaufbaus zu entziehen versucht. Dinge passieren hier einfach, ohne dass es weiterer Erklärungen bedarf und ohne dass großartig auf bestimmte Ereignisse hingearbeitet werden müsste. PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI definiert sich nicht durch seine Geschichte, sondern vielmehr durch seine albtraumhafte Stimmung, die er erzeugt, durch seine unheimliche Atmosphäre und durch seinen ebenso simplen wie intensiven Score von Komponist Fabio Frizzi, der den Zuschauer durch den Film trägt. Auch in PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI kommt man als Zuschauer irgendwann an einen Punkt, an dem es egal ist, ob man der Handlung nun noch folgen mag oder nicht, an dem nur noch die vermittelte Stimmung von Bedeutung ist und man bereit ist, Fulci alles abzunehmen und alles zu glauben, was er einem so vorsetzt. PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI ist ein Film von morbider Schönheit.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THE MASK OF FU MANCHU (USA 1932, Regie: Charles Brabin / Charles Vidor)

the mask of fu manchu

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Ein englisches Archäologenteam soll das erst vor kurzer Zeit entdeckte Grab des berühmt-berüchtigten Dschingis Khan sichern und die darin enthaltenen Schätze bergen, insbesondere die Maske und das Schwert des Eroberers, zwei Artefakte, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Die Zeit drängt, denn auch der von Boris Karloff gespielte Superverbrecher Dr. Fu Manchu will die sagenumwobenen Artefakte in seinen Besitz bringen und hat gar grausige Dinge mit diesen vor…

THE MASK OF FU MANCHU ist ein netter kleiner Gruselstreifen aus längst vergangenen Tagen, der Grusel- und Mystery-Elemente mit denen des Abenteuerfilms verbindet und so versucht, seine Zuschauer bei der Stange halten. Was vor gut über 80 Jahren noch gelungen haben mag, ist heute jedoch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Im Gegensatz zu ähnlichen Filmen aus der damaligen Zeit fehlt es THE MASK OF FU MANCHU einfach an Spannungspotential, an Atmosphäre und auch an Charme. Die Settings sind größtenteils ausgesprochen spartanisch ausgefallen und so etwas wie Gruselstimmung kommt nur sehr selten – und dann auch nur ansatzweise – auf. Lediglich ein paar wenige Szenen bleiben im Gedächtnis, die sind dann aber auch allesamt ziemlich toll geraten (Fu Manchu ganz am Anfang mit dem dampfenden Gebräu, eine aus einem Totenschädel krabbelnde Spinne, die Foltereinlagen der sadistischen Tochter Fu Manchus und die Sequenz mit den Krokodilen) und sorgen letztendlich dafür, dass ich doch eine verhaltene Empfehlung für den Film aussprechen möchte.

Persönliche Bewertung: Nett!

LADY IN THE WATER (USA 2006, Regie: M. Night Shyamalan)

lady in the water

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In LADY IN THE WATER findet Paul Giamatti als Hausmeister einer Apartmentanlage ein Fabelwesen im Swimmingpool und versucht, dieses mit Hilfe der Bewohner der Anlage vor fiesen Monstern zu retten…

Nach seinen vier erfolgreichen Plot-Twist-Filmen (THE SIXTH SENSE, UNBREAKABLE, SIGNS und THE VILLAGE) knallt Regie-Wunderkind M. Night Shyamalan dem Publikum diesen obskuren Fantasy-Mystery-Märchen-Mix um die Ohren, fiel damit komplett auf die Fresse und sollte sich danach dazu entschließen, sein Publikum mit Filmen wie THE HAPPENING (den ich persönlich richtig toll finde) noch mehr zu strapazieren bzw. auf die Probe zu stellen.

Weshalb jetzt gerade LADY IN THE WATER damals so extrem kritisiert wurde, mag sich mir nicht erschließen. Wahrscheinlich waren alle enttäuscht, dass es keinen Plot-Twist am Ende gab. Vielleicht hat Publikum und Kritik nicht gefallen, dass sich Shyamalan selbst als eine Art unverstandener Märtyrer inszeniert (er spielt einen Schriftsteller, dessen Werk irgendwann die Welt verändern wird, im Hier und Jetzt allerdings mit Missachtung gestraft wird) und in seinem Film zudem noch einen Filmkritiker als Witzfigur installiert hat. Hängt man sich an solchen Dingen auf, läuft man allerdings Gefahr, zu sehen, dass man es hier im Grunde mit einem ausgesprochen schönen Fantasy-Grusel-Märchen zu tun hat, mit einer zwar einfach gestrickten und vielleicht kitschigen, aber doch lobenswerten Botschaft, das mit tollen Schauspielern besetzt, toll fotografiert und mit einem stimmigen Score versehen ist und an dem es bei näherer Betrachtungsweise in meinen Augen rein gar nichts auszusetzen gibt.

Persönliche Bewertung: Gut!

TRICK ‚R TREAT (USA 2007, Regie: Michael Dougherty)

trick 'r treat

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In TRICK ‚R TREAT verbindet Regisseur Michael Dougherty verschiedene, sich in der Halloweennacht abspielende Handlungsstränge lose miteinander und erschafft dadurch einen ausgesprochen kurzweiligen und unterhaltsamen Episodenfilm zum Thema Halloween. Urbane Legenden, fiese Killer, Werwölfe und ein im höchsten Maße aggressives Kürbismännchen sorgen für reichlich Abwechslung. Spannung, schwarzer Humor, eine unheimliche Atmosphäre, der eine oder andere What-the-Fuck-!?!-Moment und viele Schauwerte vereinen sich zu einem homogenen Ganzen und sorgen dafür, dass die extrem übersichtliche Laufzeit von gerade mal knapp 80 Minuten regelrecht wie im Flug vergeht. Dazu die tolle Kameraarbeit, die gelungene Song-Auswahl auf dem Soundtrack und einige bekannte Gesichter auf der Besetzungsliste (Anna Paquin, Brian Cox) und fertig ist ein rundum gelungener Horror- bzw. Gruselspaß, der wohl jedem Genrefreund ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte.

Persönliche Bewertung: Gut!

TEENAGE ZOMBIES (USA 1960, Regie: Jerry Warren)

teenage zombies

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

In TEENAGE ZOMBIES geraten ein paar Teenager auf einer eigentlich menschenleeren Insel in die Fänge einer verrückten Wissenschaftlerin, die dringend menschlichen Nachschub für ihre Experimente mit einem Nervengas benötigt, durch das ihre Opfer in willenlose Kreaturen verwandelt werden…

Bereits im Jahr 1957 gedreht, erblickte Warrens Film – wenn man den Angaben in der IMDB glauben darf – erst drei Jahre später die Leinwände diverser Drive-In-Kinos. TEENAGE ZOMBIES ist dabei klar als B-Movie aus den 50er Jahren zu identifizieren, mit seiner Mischung aus Science Fiction, Verschwörungstheorien und sanftem Grusel (wenn man die unheimlichen Szenen des Films überhaupt so bezeichnen kann) und gefällt heute in erster Linie wegen seiner herrlich naiven Machart, dem komplett unschuldigen Tonfall, den er anschlägt, seiner strikten Trennung zwischen Gut und Böse und diesem fast schon kindlich-naiven Charme, den er verbreitet.

TEENAGE ZOMBIES dürfte schon damals niemanden schockiert haben und er tut es heute erst recht nicht. Und mit ganz großer Sicherheit hat man auch nichts in seinem Leben verpasst, wenn man nun gerade diesen Film hier nicht gesehen haben sollte. Trotzdem ist es schön, dass es ihn gibt und den Jungs vom US-Label Vinegar Syndrome, die solche kleinen obskuren Filme vor dem kompletten Vergessen bewahren und für die Nachwelt erhalten, sei an dieser Stelle mal mein aufrichtiger Dank ausgerichtet.

Persönliche Bewertung: Nett!

AMER (Belgien/Frankreich 2009, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

amer

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

In AMER folgt der Zuschauer der Protagonistin Ana in drei Stadien ihres Lebens. Als Kind (Cassandra Forêt) in einer albtraumhaften Sequenz in der heimischen Villa kurz nach dem Tod des Großvaters, als Teenager (Charlotte Eugène Guibeaud) im Sommerurlaub beim Austesten ihrer sexuellen Reize und schließlich als erwachsene Frau (Marie Bos), die in ihr Elternhaus, die mittlerweile verlassene Villa, zurückkehrt und dort mit den Ängsten ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. AMER ist eine Coming-of-Age-Geschichte im Horrorgewand, auf der einen Seite sehr experimentell und sehr artifiziell, auf der anderen Seite aber auch lebendig, organisch, berauschend und mitreißend.

Die beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani erzählen die Geschichte, in der immer wieder die Grenzen von Fiktion und Realität ineinander verschwimmen, praktisch ausschließlich mit Bildern, Soundeffekten und der Musik. Es gibt in AMER so gut wie keine Dialoge und die wenigen, die vorhanden sind, tragen nichts dazu bei, die Geschichte weiterzubringen. Würde AMER komplett ohne gesprochenes Wort auskommen, es wäre im Endeffekt auch egal. Formal orientieren sich Cattet und Forzani am italienischen Giallo der 70er Jahre, brechen diesen auf sein visuelles Grundgerüst herunter und tauchen ihren Film in einfach nur atemberaubende Bilder. Die Farben Rot, Gelb, Grün und Blau dominieren, immer wieder gibt es Close-Ups, insbesondere vom menschlichen Auge, dann wieder werden die Bilder unscharf, verschwimmen regelrecht vor dem Auge des Betrachters – dazu der aus klassischen Gialli wie LA TARANTOLA DAL VENTRE NERO oder LA POLIZIA CHIEDE AIUTO entliehene Score; AMER ist wie ein einziger Rausch, ein beeindruckendes filmisches Experiment und ein mehr als würdiger Abschluss meiner Horrorsichtungen in diesem Oktober.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

AVENGERS: AGE OF ULTRON (USA 2015, Regie: Joss Whedon)

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(Fassung: Blu-ray 3D, Walt Disney, Deutschland)

Nachdem Marvel über Jahre hinweg zunächst in diversen Einzelfilmen ein zuvor (fast) nur in Comics existierendes Superheldenuniversum in die Filmwelt übertragen hatte, kam es im Jahr 2012 in THE AVENGERS zum lang herbeigesehnten Gipfeltreffen der einzelnen Protagonisten. Und dieses Gipfeltreffen war schlichtweg atemberaubend und die Vorfreude auf das, was da noch so kommen sollte, stieg ins Unermessliche.

3 Jahre später kehrt das aus Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) und dem Hulk (Mark Ruffalo) bestehende Superheldenteam nun in AVENGERS: AGE OF ULTRON zurück und die Vorfreude von damals wurde mittlerweile durch eine gewisse Übersättigung von heute ersetzt. Das Blockbusterkino scheint fast nur noch aus diversen Superheldenfilmen zu bestehen und in den beiden konkurrierenden Häusern Warner (welche das Universum der DC-Comics rund um Superman und Batman betreuen) und Marvel scheint es nur noch darum zu gehen, den anderen in Sachen Bombast zu übertreffen. Man darf durchaus gespannt sein, wann dieses System kollabieren wird und sich die noch zahlreich vorhandenen Zuschauer gelangweilt abwenden werden.

In AVENGERS: AGE OF ULTRON geht es nun um die künstliche Intelligenz Ultron, die als Android ihr Unwesen treibt und – um die Erde zu retten – die gesamte Menschheit auslöschen will. Einmal mehr ist es an den Titelhelden, dies zu verhindern. Vergleicht man AVENGERS: AGE OF ULTRON mit seinen Vorgänger aus dem Jahr 2012 ist auffallend, dass diese Fortsetzung – anders als THE AVENGERS – weitaus nicht so homogen und in sich geschlossen wirkt. Ähnlich wie einst IRON MAN 2 scheint AVENGERS: AGE OF ULTRON ein Zwischenfilm zu sein, der benötigt wird, um künftige Filme vorzubereiten. Vieles in Whedons Film scheint nur kurz angerissen zu sein – sei es auf der Handlungsebene, beim Einführen neuer Charaktere oder bei der Weiterentwicklung der Beziehungen der Figuren untereinander – und so wirkt AVENGERS: AGE OF ULTRON irgendwie etwas unausgegoren und im Vergleich mit seinem genialen Vorgänger fast schon enttäuschend.

Gerettet wird der Film letztendlich durch seine Schauwerte. Die Action Set Pieces, die Whedon dem Zuschauer hier präsentiert, sind schlichtweg atemberaubend. Die Choreographie der verschiedenen Actionsequenzen scheint nicht von dieser Welt, als Zuschauer kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und – im Endeffekt macht ja auch immer der Ton die Musik – das Sound Design in diesen Actionszenen ist mit dem Wort brachial noch absolut unzureichend beschrieben. In diesem Bereich ist AVENGERS: AGE OF ULTRON nahe an der Perfektion, insbesondere auch weil es Whedon gelingt, seinen Zuschauer immer bei Laune zu halten und die Action so intensiv und abwechslungsreich zu inszenieren, dass sich wirklich keinerlei Ermüdungserscheinungen breitmachen. Und das ist ja durchaus eine Kunst, die nicht jeder Blockbuster-Regisseur beherrscht. AVENGERS: AGE OF ULTRON läuft vor Schauwerten fast über und wirkt dennoch nie überladen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL BAXTER (Deutschland 1994, Regie: Helge Schneider)

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(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Helge Schneider und seine Filme – entweder man hasst sie oder man liebt sie. Dazwischen gibt es nicht sonderlich viel Freiraum. Ich habe seine drei Filme aus den 90er Jahren – TEXAS – DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM, diesen hier und PRAXIS DR. HASENBEIN – damals wahrscheinlich nur ein einziges Mal (und wohl auch eher so nebenbei) gesehen und die Erinnerung an sie war bzw. ist komplett verblasst. So kam die jetzige Sichtung von 00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL, der gemeinhin als Schneiders bester Film gilt, praktisch einer Erstsichtung gleich.

Helge Schneider, der neben den beiden Hauptrollen gleich noch zwei kleinere Nebenrollen bekleidete, die Musik komponierte und für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete, versucht als 00 Schneider den Mord an einem Zirkusclown aufzuklären und gerät dabei dem Bösewicht Nihil Baxter (die zweite Hauptrolle, die Schneider spielt) auf die Spur. Schneider klamaukt sich dabei mit seinen kongenialen Partnern Helmut Körschgen (als Sidekick von 00 Schneider), Andreas Kunze (als Frau 00 Schneider) und Werner Abrolat (als Polizeipräsident) durch einen absurd-komischen Plot, der sich hauptsächlich in obskuren Settings (die Einrichtung des Unterschlupfs von Nihil Baxter ist der absolute Knaller) abspielt. Die absichtlich schlechte Machart des Films, der irrsinnige Humor und die noch irrsinnigere Geschichte vereinen sich dabei zu einem unwiderstehlichen Ganzen, welches dem dieser Art von Humor positiv zugeneigten Zuschauer eine Lachsalve nach der anderen garantiert. Ein Heidenspaß!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE (Deutschland 2013, Regie: Helge Schneider)

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(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Knapp 20 Jahre nach 00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL BAXTER kehrte Helge Schneider in der Titelrolle zurück und versucht erneut, ein reichlich obskures Verbrechen zu lösen. An die Qualität des Vorgängers reicht diese Quasi-Fortsetzung jedoch nicht ansatzweise heran. Das größte Problem von 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE ist, dass Helge Schneider im Lauf der Jahre seine kongenialen Mitstreiter verloren gegangen sind. Werner Abrolat verstarb bereits im Jahr 1997, Helmut Körschgen im Jahr 2002 und Andreas Kunze schließlich im Jahr 2010. Helge Schneider ist in 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE praktisch auf sich allein gestellt und die gezeigte One Man Show tut dem Film nicht wirklich gut, sondern wirkt mit zunehmender Laufzeit eher ermüdend. Das zweite Problem des Films ist – so doof sich das vielleicht anhören mag -, dass dieser Film hier handwerklich, insbesondere was die Kameraarbeit angeht, viel zu gut gemacht ist. Im Vorgänger war es gerade dieses Zusammenspiel aus vorgetäuschtem Dilettantismus und dem ganzen Blödsinn, den die Mitstreiter vor der Kamera veranstalteten, der den Film so unwiderstehlich machte. Hier mögen der Inhalt (Plot, Dialoge, Schauspiel) und die Verpackung (Kameraarbeit und Settings) einfach nicht zusammenpassen. Schneider wirkt fast etwas verloren in diesem Film, agiert irgendwie zu bemüht und kommt schon beinahe altersmüde rüber. So sehr es mir leid tut, es sagen zu müssen, aber im Vergleich zum Vorgänger ist 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE eine echte Enttäuschung.

Persönliche Bewertung: Naja!

Shocktober 2015 – Second Batch

FRIGHT NIGHT (USA 2011, Regie: Craig Gillespie)

fright night

(Fassung: Blu-ray, Touchstone, Deutschland)

Mit FRIGHT NIGHT hat Regisseur Craig Gillespie eine Neuinterpretation des gleichnamigen Klassikers aus dem Jahr 1985 gedreht, die zumindest so gut gelungen ist, dass sich Fans des Originals nicht vor Wut die Haare raufen müssen. Positiv hervorzuheben ist vor allem die Tatsache, dass Craig Gillespie nicht penibel am Original klebt, sich im Endeffekt nur die wichtigsten Eckpunkte des Originals vorgeknöpft und diese zu etwas Neuem zusammengesetzt hat. Colin Farrell, der in der Rolle des Vampirs zu sehen ist, hat sichtlich Spaß an seinem Part und die Neuinterpretation der alten Roddy-McDowall-Rolle ist die absolute Schau. David Tennant als Vampirjäger Peter Vincent ist der heimliche Star dieses Films. FRIGHT NIGHT ist durchaus nett anzusehen, rasant erzählt und hat einen ziemlich hohen Unterhaltungswert. Aber er hat auch ein großes Manko, und das ist die technische Umsetzung. Die CGI-Effekte kann man – insbesondere für eine Kinoproduktion – fast nur noch als Frechheit bezeichnen und die 3D-Umsetzung des zu großen Teilen im Dunklen spielenden Films ist eine einzige Katastrophe. Die mir vorliegende Blu-ray war in der 3D-Version praktisch nicht ansehbar, das Bild war viel zu dunkel und zu unscharf, die Geschehnisse auf dem Bildschirm fast nicht zu erkennen und bereits nach gut 20 Minuten habe ich entnervt aufgegeben und den Film stattdessen in der 2D-Fassung weiter angeschaut.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

THE SHINING (Großbritannien/USA 1980, Regie: Stanley Kubrick)

the shining

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Kubricks geniale Verfilmung eines Romans von Stephen King (auch wenn der Autor anderer Ansicht war bzw. ist) ist einer dieser Filme, über die im Endeffekt eigentlich schon alles gesagt bzw. geschrieben wurde. Ein Film, dessen Status als zeitloser Klassiker absolut unbestritten sein dürfte. Ein Film, der ein ganzes Genre mit-definiert hat und der mit ein paar Handvoll weiteren Werken für immer im Olymp des Horrorgenres seinen Platz gefunden hat. THE SHINING hat im Jahr 1980 funktioniert, er funktioniert im Jahr 2015 noch immer und er wird wohl auch noch im Jahr 2050 funktionieren. Selbst wann man ihn wie ich schon mehrere Male gesehen hat und im Endeffekt genau weiß, was als nächstes passieren wird, zieht er einen in seinen Bann, lässt einen immer wieder erschaudern und verpasst eine Gänsehaut nach der anderen. Er ist der beste Beweis dafür, dass keine expliziten Gewaltorgien notwendig sind, um Horror so erschaffen. Kubrick löst das allein durch seine großartigen Schauspieler – Jack Nicholson in der Rolle des immer mehr in den Wahnsinn abdriftenden Schriftstellers ist schlichtweg genial -, durch kurze Andeutungen, durch eine unheimliche Stimmung und Atmosphäre und durch einen Score, in dem Musik- und Soundeffekte miteinander verschmelzen. THE SHINING ist einer der unheimlichsten Filme, die ich kenne und auch noch bei der x-ten Sichtung einfach nur spannend wie Sau!

Persönliche Bewertung: Meisterwerk/Lieblingsfilm!

VIDEODROME (Kanada 1983, Regie: David Cronenberg)

videodrome

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), Koch Media, Österreich)

In VIDEODROME stößt Fernsehmacher Max Renn (James Woods) auf einen Piratensender, der mit seinem radikalen und ausschließlich auf Sex und Gewalt reduziertem Programm bei Renn große Begierden auslöst. Er will den titelgebenden Sender in sein Programm integrieren und versucht, die Macher von Videodrome aufzuspüren. Mit fatalen Folgen…

Cronenbergs VIDEODROME hat ja nun auch schon länger den Status des Kultfilms inne und gehört zu den unbestrittenen Klassikern des Genres. Wie Cronenberg hier Mensch und Technik, Realität und Fiktion, Normalität und Wahnsinn miteinander verschmelzen lässt ist einzigartig und heute noch genauso beunruhigend und verstörend, wie es vor etwas über 30 Jahren gewesen sein dürfte, als dieser kleine Bastard von einem Film das Licht der Leinwände erblickte und sein Publikum nachhaltig vor den Kopf gestoßen haben dürfte. Von einem Major-Studio wie Universal haben sich die Kinozuschauer damals sicher keinen Film wie VIDEODROME erwartet.

Für mich selbst war dies nun tatsächlich die allererste Sichtung dieses Kultklassikers. Manche Filme fallen dann doch irgendwie über all die Jahre hinweg durch die Maschen, man hat sie zwar immer auf dem Radar, kommt aber aus verschiedenen Gründen einfach nie dazu, sie sich endlich anzusehen. VIDEODROME gehörte dummerweise zu diesen Filmen und so sehr er mich doch begeistert hat, so sehr bereue ich es auch, ihn mir nicht schon viel früher angesehen zu haben, zu einem Zeitpunkt, wo ich noch nicht so viel Vorwissen hatte und mich Cronenbergs Film gänzlich unvorbereitet in andere Sphären hätte katapultieren können. Ne Zeitmaschine hat hier keiner zufällig zur Hand?

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

IL MOSTRO DI FIRENZE (Italien 1986, Regie: Cesare Ferrario)

il mostro di firenze

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Von 1968 bis 1985 trieb in Florenz ein Killer sein Unwesen, der insgesamt 8 Paare bei ihrem nächtlichen Stelldichein getötet und die Leichen danach verstümmelt hat. Endgültig aufgeklärt wurde diese Mordserie nie.

IL MOSTRO DI FIRENZE, der ein Jahr nach dem letzten Mord in die italienischen Kinos kam, nimmt sich dieser realen Mordserie an und verknüpft sie mit fiktiven Spekulationen über den Killer. Im Zentrum von Ferrarios Film steht ein Schriftsteller (Leonard Mann), der versucht, sich in den Killer (Gabriele Tinti) hineinzuversetzen und Thesen aufzustellen, weswegen dieser die Morde verübt.

Das Problem an IL MOSTRO DI FIRENZE ist, dass es ihm einfach zu keinem Zeitpunkt gelingt, so etwas wie Spannung zu erzeugen, weil diese Mischung aus historischen Fakten und ausgedachten Spekulationen einfach nicht funktionieren will.

In den in Rückblenden gezeigten Mordszenen kann keinerlei Spannung aufkommen, da diese ja nur die dem Film zugrundeliegenden Taten abbilden und somit zumindest die theoretische Möglichkeit, dass ein Opfer dem Killer entkommen könnte, gar nicht vorhanden ist. In den Szenen schließlich, die den Background des Killers beleuchten, verhält es sich genauso, da man ja weiß, dass diese nur ein Abbild der Thesen des von Leonard Mann gespielten Schriftstellers darstellen und nichts mit der realen Vorlage zum Film zu tun haben.

Das Resultat ist ein Film, der gänzlich ohne Spannung auskommen muss, nur ganz wenige, atmosphärisch dichte Sequenzen zu bieten hat (die Szene in der Oper ist bspw. ziemlich klasse) und den Zuschauer mit seiner extrem ruhigen und behäbigen Erzählweise über die komplette Laufzeit einiges an Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt.

Persönliche Bewertung: Naja!

HOLOCAUST 2000 (Großbritannien/Italien 1977, Regie: Alberto De Martino)

holocaust 2000

(Fassung: DVD, Lionsgate, USA)

In HOLOCAUST 2000 möchte sich Kirk Douglas als Großindustrieller Robert Caine ein Denkmal setzen und ein riesiges Kernkraftwerk errichten. Doch je mehr Caine das Bauvorhaben vorantreibt, desto mehr kommen ihm Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns und schon bald muss Caine erkennen, dass er drauf und dran ist, im wahrsten Sinne des Wortes das Werk des Teufels zu verrichten…

HOLOCAUST 2000 ist ein von den britischen Embassy Pictures co-produziertes Italo-Rip-Off diverser US-Okkult-Horror-Filme aus den 70er Jahren. Regisseur Alberto De Martino erzählt HOLOCAUST 2000 auf sehr ruhige und bedächtige Art und Weise, zieht langsam die Spannungsschraube an und kreiert von Minute zu Minute mehr eine Stimmung steten Unbehagens. Man könnte, wäre man böswillig, zwar durchaus behaupten, De Martino versuche, sein Publikum einzulullen, weil man bei näherer Betrachtung des Films doch feststellen muss, dass HOLOCAUST 2000 für einen Horrorfilm stellenweise etwas zu sehr vor sich hinplätschert. Bei mir persönlich hat das jedoch ganz vorzüglich funktioniert, was sicher auch daran liegen mag, dass ich einfach ein Faible für dieses Subgenre innerhalb des Horrorbereichs habe und mich allein aus diesem Grund gerne und bereitwillig von De Martino einlullen lasse. Denn in all der Ruhe, mit der die Geschichte erzählt wird, gibt es auch immer wieder heftige Eruptionen und fehlende Spannung oder fehlende Schauwerte kann man HOLOCAUST 2000 sicher nicht vorwerfen, als Beispiel sei hier nur mal die Helikoptersequenz genannt, die man einfach nur als “What the Fuck!?!“-Moment bezeichnen kann. Dann die Szenen in der Irrenanstalt, die einfach nur extrem creepy geraten sind und natürlich die surreale Albtraumsequenz in der Mitte des Films, die den inszenatorischen Höhepunkt von HOLOCAUST 2000 darstellt. Und das Ende des Films fand ich in all seiner ernüchternden Konsequenz einfach nur grandios.

Persönliche Bewertung: Gut!

CARRIE (USA 2013, Regie: Kimberly Peirce)

carrie

(Fassung: Blu-ray, MGM/20th Century Fox, Deutschland)

Das Original von Brian De Palma aus dem Jahr 1976 ist für mich persönlich nicht nur eine der besten Stephen-King-Verfilmungen, die je gedreht worden sind, sondern darüber hinaus auch einer dieser Horrorfilme, die wohl in jedem Horrorfilmkanon genannt werden müssen. Wenn ein Film, der einem persönlich besonders viel bedeutet, dann ein Remake spendiert bekommt, steht man diesem wohl von vornherein eher skeptisch gegenüber (wobei ich prinzipiell diese immer wieder neu aufkeimenden Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Remakes ziemlich überflüssig und langweilig finde). Und dann ist es umso schöner, festzustellen, dass diese Skepsis doch eigentlich relativ unbegründet gewesen ist.

Regisseurin Kimberly Peirce hat ihre Neuauflage von CARRIE zum einen sehr eng am Original angelegt, zum anderen aber auch überzeugend ins Hier und Heute übertragen. So kommt bspw. diese Diskrepanz zwischen den mobbenden Mitschülerinnen auf der einen Seite und der von ihrer fanatisch-religiösen Mutter unterdrückten Außenseiterin auf der anderen Seite – auch wegen des technischen Fortschritts, der sich in den letzten Jahrzehnten so zugetragen hat und eine ganz neue Dimension der Erniedrigung durch die Mitschülerinnen zulässt (Carrie wird währenddessen mit dem Smartphone gefilmt, das Video landet auf YouTube) – im Remake besonders krass zum Vorschein. Die Carrie aus dem Remake muss dann – auch wegen des erhöhten Schutzbedürfnisses durch ihre Mutter – tatsächlich noch etwas mehr vertragen als die Carrie aus dem Original. In diesem Zusammenhang finde ich auch die Besetzung der Hauptrolle mit Chloë Grace Moretz als ausgesprochen gelungen. Hier kam ja vermehrt Kritik auf, dass Moretz zu attraktiv und auch irgendwie zu tough für diese Rolle sei – letzteres wohl vor allem aufgrund ihres Parts in den beiden KICK ASS-Filmen -, in meinen Augen spielt sie diese neue Carrie absolut überzeugend und es ist gut so, dass sie – allein aufgrund der Tatsache, dass ihre Carrie einfach noch mehr zu ertragen hat als die Carrie von Sissy Spacek aus dem Original – in der Rolle nicht ganz so zerbrechlich und verschüchtert rüberkommt, da dies in der Neuauflage einfach nicht mehr glaubwürdig wäre. Und auch mit Julianne Moore als Carries Mutter haben die Macher einen echten Besetzungscoup gelandet. Mir würde keine Schauspielerin einfallen, die besser in die Fußstapfen von Piper Laurie hätte treten können als Julianne Moore.

Regisseurin Kimberley Pierce hat mit CARRIE auf jeden Fall verdammt viel verdammt richtig gemacht. De Palmas Original ist unantastbar, unerreichbar, über jeden Zweifel erhaben. Dieses Remake macht ihm keine Schande, ganz im Gegenteil.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

NIGHT OF THE COBRA WOMAN (Philippinen/USA 1972, Regie: Andrew Meyer)

night of the cobra woman

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

NIGHT OF THE COBRA WOMAN ist einer von Roger Cormans Exploitern, die der umtriebige Produzent Anfang der 70er Jahre reihenweise billig auf den Philippinen drehen ließ. Der Film dreht sich um die mysteriöse Lena Aruza (Marlene Clark), die einst von einer Cobra gebissen wurde, seitdem die ewige Jugend besitzt und mit der Schlange in einer Art symbiotischen Verhältnis lebt. Als die Cobra eines Tages getötet wird, fängt Lena an, zu altern und sich selbst in eine Schlange zu verwandeln…

Ich habe wirklich keine Ahnung, wer sich damals (und auch heute noch) die ganzen Storys für diese unzähligen Corman-Filme ausgedacht hat, aber in gewisser Weise hat der gute Mensch einen Orden verdient. NIGHT OF THE COBRA WOMAN ist in erster Linie ein Film der nicht nachvollziehbaren Handlungen und Entscheidungen. Der ganze Plot entwickelt sich von Anfang bis zum Ende ausschließlich aufgrund komplett hirnrissiger Taten, welche die diversen Figuren im Film begehen. In NIGHT OF THE COBRA WOMAN gibt es praktisch keine einzige erklärbare Vorgehensweise irgendeiner Figur und diese Selbstverständlichkeit, mit der die Figuren eine dumme Tat nach der anderen vollbringen, macht Meyers Film in gewisser Weise verdammt faszinierend und sympathisch. Auch dieser Film – so mies er objektiv betrachtet auch sein mag – ist ein wunderbares Beispiel für Cormans Talent, mir als Zuschauer die hanebüchensten Absurditäten auf eine Art und Weise zu präsentieren, dass es mir praktisch unmöglich ist, den Film nicht zu mögen. Ich habe keine Ahnung, was es ist, aber Cormans Filme habe einfach dieses gewisse Etwas, das vielen anderen Filmen im Exploitation-Bereich einfach fehlt. Und Vic Diaz stolpert ständig als Buckliger mit vorstehendem Gebiss und mutiertem Auge durchs Bild. Wie soll man NIGHT OF THE COBRA WOMAN bitte nicht mögen können?

Persönliche Bewertung: Nett!

J.D.’S REVENGE (USA 1976, Regie: Arthur Marks)

j.d.'s revenge

(Fassung: DVD, MGM, USA)

In J.D.’S REVENGE fährt während eines Hypnoseakts der Geist des vor 30 Jahren ermordeten Gangsters J.D. Walker (David McKnight) in den Körper des Studenten Ike (Glynn Turman), übernimmt nach und nach die Kontrolle über den Wirtskörper und versucht so, den damals an ihn und seiner Schwester (Alice Jubert) verübten Mord zu rächen…

Ein Horrorthriller im Blaxploitation-Gewand, souverän inszeniert von Regisseur Arthur Marks, einem meiner persönlichen Lieblingsregisseure im Genrefilmbereich, hat er doch – soweit ich sie bisher gesehen habe – ausschließlich gute bis sehr gute Filme gedreht. Auch J.D.’S REVENGE ist da keine Ausnahme. Marks kommt ohne großes Vorgeplänkel relativ schnell zur Sache, erzählt seine Besessenen-Story auf rasante und spannende Art und Weise, verwöhnt sein Zielpublikum mit einer Vielzahl an Schauwerten und erschafft durch diverse Rückblenden sowie Visions- und Albtraum-Sequenzen immer wieder eine unheimliche Atmosphäre. Kein Meisterwerk, aber grundsolide und extrem kurzweilige Genreunterhaltung. Ich mochte den Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

Shocktober 2015 – First Batch

NIGHT OF THE BIG HEAT (Großbritannien 1967, Regie: Terence Fisher)night of the big heat

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Regisseur Terence Fisher hat Ende der 50er Jahre für die britischen Hammer-Studios Filmgeschichte geschrieben und u.a. DRACULA und THE CURSE OF FRANKENSTEIN mit dem Duo Christopher Lee und Peter Cushing gedreht. Ende der 60er Jahre neigte sich Fishers Karriere als Regisseur schon langsam dem Ende entgegen und mit NIGHT OF THE BIG HEAT hat der tolle Regisseur dann auch mindestens eine Gurke in seiner Vita stehen, aber zumindest eine liebenswerte und sympathische Gurke.

In NIGHT OF THE BIG HEAT geht es um eine unerklärliche Hitzewelle, die eine der Kanalinseln mitten im Winter heimsucht und während der allerhand mysteriöse Dinge geschehen. Zum Glück ist Wissenschaftler Christopher Lee vor Ort, der außerirdische Mächte im Spiel sieht und den Dingen auf den Grund gehen will. Unterstützung erhält er dabei von seinem alten Kumpel Peter Cushing, während der von Patrick Allen gespielt Autor und Gasthausbesitzer Jeff Callum ganz andere Sorgen hat, muss er doch versuchen, seine Ehefrau und seine Geliebte irgendwie unter einen Hut zu bekommen.

NIGHT OF THE BIG HEAT ist harmloser, liebevoller und irgendwie auch sympathischer Science-Fiction-Trash, dem es allerdings doch arg an Spannung mangelt und durch den man sich – ich will da nichts beschönigen – über 90 Minuten mitunter auch etwas durchkämpfen muss. Da auch die hinter der Hitzewelle steckenden Aliens nicht für großartige Überraschungen oder Schauwerte sorgen, liegt es letztendlich allein am Duo Lee/Cushing, den Tag zumindest halbwegs zu retten. So wirklich gelingen mag ihnen das jedoch auch nicht.

Persönliche Bewertung: Naja!

ANNABELLE (USA 2014, Regie: John R. Leonetti)

annabelle

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Paranormale Aktivitäten, Besessenheit, Okkultismus – das sind mit die Lieblingsthemen im Bereich des Horrorkinos. THE CONJURING aus dem Jahr 2013 war einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre in diesem Bereich und hat nun mit ANNABELLE ein Prequel spendiert bekommen, in dem die Vorgeschichte der besessenen Puppe aus THE CONJURING erzählt wird, allerdings in einem eher durchschnittlichen Film innerhalb des Subgenres. Regisseur John R. Leonetti versucht es mit Atmosphäre, vereinzelten Schockeffekten und diesem ungeschriebenen Gesetz, dass Puppen im Horrorfilm allein aufgrund ihrer Anwesenheit einfach immer verdammt creepy rüberkommen. So hat ANNABELLE dann auch durchaus seine Momente, insgesamt betrachtet fehlt es dem Film jedoch an Spannung und die Hauptfigur ist leider so klischeehaft und teilweise auch nervig gezeichnet, dass es schwer fällt, zu ihr eine Beziehung aufzubauen und mit ihr mitzufiebern. So schaut man sich die Kirmesveranstaltung eher im Berieselungsmodus an, erfreut sich am einen oder anderen Schockeffekt und kommt, wenn der Abspann schließlich einsetzt, mal wieder zu der Erkenntnis, dass man bei der persönlichen Bewertung von Horrorfilmen immer mal wieder das eine oder andere Auge zudrückt.

Persönliche Bewertung: Ok!

SATAN’S CHILDREN (USA 1975, Regie: Joe Wiezycki)

satan's children

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

In SATAN’S CHILDREN haut der junge Bobby Douglas (Stephen White) von zu Hause ab, weil er die ständigen Erniedrigungen seines Vaters und seiner Stiefschwester nicht mehr ertragen kann, wird kurz danach von einer Gruppe Homosexueller missbraucht, landet schließlich in den Armen einer Sekte von homophoben Teufelsanbetern und knallt im Finale ähnlich durch wie Regisseur Joe Wiezycki und seine Drehbuchautoren, die diesen unglaublichen Blödsinn zu verantworten haben.

SATAN’S CHILDREN ist einer dieser Filme, die man gesehen haben muss, um tatsächlich glauben zu können, dass sie existieren. Es ist allerdings keiner dieser Filme, die in die „So bad, it’s good“-Kategorie passen. (Fast) alles an SATAN’S CHILDREN ist einfach nur stümperhaft. Da helfen auch die vielen Unglaublichkeiten nicht mehr weiter, die Regisseur Joe Wiezycki im Lauf seiner gut 80 Minuten so aneinandergereiht hat (der Sleaze-Faktor dieses Underground-Exploiters ist verdammt hoch). Positiv hervorzuheben ist lediglich der Score von Ray Fletcher, dem es tatsächlich gelingt, ab und an zumindest einen Hauch von Atmosphäre zu erzeugen und der definitiv einen besseren Film als diesen hier verdient gehabt hätte. Die Darsteller (als Schauspieler mag man sie einfach nicht bezeichnen) agieren hölzern, die Settings sind ein Graus, der ganze Plot ergibt einfach keinen Sinn, die latent homophobe Grundaussage des Films ist ärgerlich (aber auch nicht wirklich ernst zu nehmen) und die meisten Kameraeinstellungen sind mit dem Begriff „abenteuerlich“ noch positiv beschrieben. Es gibt im Endeffekt nur eine richtig tolle Sequenz. Kurz nachdem die Hauptfigur abgehauen ist, folgt ihr die Kamera durch die nächtlichen Straßen, als Zuschauer ist man ihr als stiller Beobachter auf der Spur und zu diesem relativ frühen Zeitpunkt (die Szene kommt nach ca. 15 Minuten) hofft man noch, dass der Film vielleicht doch halbwegs ansehbar werden könnte. Es bleibt bei der Hoffnung…

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen ganz wenigen Momenten)!

THE WICKER MAN (Großbritannien 1973, Regie: Robin Hardy)

the wicker man

(Fassung, DVD (Director’s Cut), Warner, Großbritannien)

Um das Verschwinden eines 12-jährigen Mädchens aufzuklären reist ein Polizist (Edward Woodward) auf eine kleine schottische Insel und trifft dort auf heidnische Rituale, eine Wand aus Ablehnung, Schweigen, Widersprüchen und auf den undurchsichtigen Lord Summerisle (Christopher Lee). Doch das Sträuben der Inselbewohner, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, stachelt die Motivation des Polizisten nur noch mehr an…

Wow, was für ein Brett von einem Film. Regisseur Robin Hardy lässt das Grauen heimlich, still und leise über seine Zuschauer hereinbrechen, baut Spannung und Atmosphäre ganz behutsam auf, erschafft mit Hilfe seines Kameramannes Harry Waxman gleichzeitig wunderschöne, verstörend und höchst beunruhigende Bilder und knallt dem Zuschauer ein Ende vor den Latz, welches gut als Äquivalent zum sprichwörtlichen Hieb in die Magengrube durchgehen kann. Und dann noch diese Musik von Paul Giovanni, die man wohl perfekter nicht hätte komponieren können und die einen ganz großen Anteil an der ungemein dichten Atmosphäre von THE WICKER MAN hat. Genrekino at its best.

Und wenn man das Gesehene schließlich nach dem Abspann langsam verarbeitet, fällt natürlich auch auf, dass Hardys Film neben dem Schrecken, den er transportiert, vor allem auch die Glaubensfrage nach dem Sinn und Unsinn von Religionen stellt. Die kann dann jeder für sich selbst beantworten.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE WOMAN IN BLACK (Großbritannien/Kanada/Schweden 2012, Regie: James Watkins)

the woman in black

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Mit der Action-Mystery-Komödie THE LADY VANISHES verabschiedeten sich die altehrwürdigen Hammer Studios aus Großbritannien im Jahr 1979 aus dem Filmgeschäft. 3 Jahre zuvor hatten sie mit TO THE DEVIL A DAUGHTER ihren letzten Horrorfilm in die Kinos gebracht. Das Ende einer der großartigsten Produktionsschmieden des Genrefilms.

Seit nunmehr 5 Jahren ist Hammer Films zurück und ja, es tut gut, in den Anfangscredits eines Horrorfilms zu lesen, dass dieser von Hammer (mit-)produziert wurde. THE WOMAN IN BLACK mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe in der Hauptrolle ist eine dieser neueren Hammer-Produktionen und zumindest mit diesem Film bleibt sich das Londoner Studio vom Stil her treu und versucht, an alte Taten aus den 50er, 60er und 70er Jahren anzuknüpfen. THE WOMAN IN BLACK präsentiert routinierten Gothic Horror, mit einem Hauptdarsteller, dem es erfolgreich gelingt, das Image des Zauberlehrlings abzustreifen, mit einer traumhaften Ausstattung und tollen Settings in typischer Hammer-Tradition, mit ein paar gelungenen Schockeffekten und mit einer wundervollen Gruselatmosphäre, die an die glorreichen Zeiten des Studios erinnert. Ein rundum sympathischer Film, dem es aber – und da nutzen auch die schönste Atmosphäre und die tollste Ausstattung nichts – für einen Film aus dem Horrorgenre doch zu sehr an Spannung mangelt und der aus diesem Grund nicht vollends zu überzeugen weiß. Die Verpackung von THE WOMAN IN BLACK ist grandios, wenn dann vielleicht auch bald wieder der Inhalt passt, kann man sich über die Auferstehung der Hammer Studios noch mehr freuen.

Persönliche Bewertung: Nett!

IL DIO SERPENTE (Italien/Venezuela 1970, Regie: Piero Vivarelli)

il dio serpente

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In IL DIO SERPENTE dreht sich alles um die attraktive Paola (Nadia Cassini), die gelangweilt und einsam auf einer Insel in der Karibik sitzt, weil ihr schwerreicher Ehemann mehr Zeit mit seinen Geschäften verbringt als mit seiner Ehefrau. Als sie die unabhängige und freiheitsliebende Stella (Beryl Cunningham) kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen schon bald eine innige Freundschaft. Über Stella kommt Paola mit einem Voodookult in Berührung und nimmt auch schon bald an einem Ritual teil, während dem sie dem titelgebenden Schlangengott verfällt. Mit fatalen Folgen…

Die IMDB listet IL DIO SERPENTE auch als Horrorfilm, so wirklich zutreffend ist diese Kategorisierung nicht. Gut, das ausführlich gezeigte Voodooritual würde auch in einen Horrorfilm passen und passagenweise weist Vivarellis Film auch eine durchaus unheimliche Atmosphäre auf, davon, ein echter Schocker zu sein, ist IL DIO SERPENTE jedoch meilenweit entfernt. Das liegt vor allem daran, dass Regisseur Piero Vivarelli sich nicht wirklich für das theoretisch vorhandene Horrorpotential – unheimlicher Voodookult, eine Frau unter dem Einfluss einer mysteriösen Gottheit – interessiert, einfach keine spannende Geschichte erzählen will, sondern sich einzig und allein auf seine Schauwerte verlässt. IL DIO SERPENTE fließt förmlich am Zuschauer vorbei und überzeugt bzw. unterhält einzig und allein aufgrund seiner traumhaften Kulisse, seines nichtwegzuleugnenden Mystery-Touchs, seines exotischen Story-Aufhängers und seiner ungemein attraktiven Hauptdarstellerin, die ihre formvollendeten Rundungen in nicht wenigen Szenen fast gänzlich unverhüllt in die Kamera hält.

Persönliche Bewertung: Ok!

OPERA (Italien 1987, Regie: Dario Argento)

opera

(Fassung: DVD, Arrow Video, Großbritannien)

Die junge Opernsängerin Betty (Cristina Marsillach) erhält kurzfristig die Chance auf die weibliche Hauptrolle in einer neuen Aufführung von MacBeth und lässt ihr Publikum begeistert zurück. Doch die Freude über den Erfolg ist nur von kurzer Dauer, denn Betty muss sich damit auseinandersetzen, dass ein verrückter Killer plötzlich anfängt, Menschen in ihrem Umfeld auf bestialische Weise zu ermorden – und Betty zwingt, bei den Morden zuzusehen…

Mit OPERA hat Altmeister Dario Argento einen mehr als beeindruckenden Spät-Giallo hingelegt, der sich weder vor Argentos eigenen Großtaten noch vor sonstigen Klassikern des insbesondere in den 70er Jahren erfolgreichen Subgenres verstecken muss. OPERA bietet tatsächlich alles, was man sich vom Genre erwartet und erhofft. Eine weibliche Hauptperson, mit der man ganz vorzüglich mitfiebern kann, einen mysteriösen Killer mit schwarzen Handschuhen, eine wendungsreiche und spannende Handlung, eine unheilschwangere Atmosphäre, extrem blutige Mordszenen, tolle Settings, grandiose Kamerafahrten und einen atmosphärischen Score. Ich habe OPERA erst jetzt zum allerersten Mal gesehen und bin ziemlich geplättet. Es sind Filme wie dieser hier, wegen denen ich dem italienischen Genrekino schon seit einigen Jahren hoffnungslos verfallen bin.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

HELLRAISER III: HELL ON EARTH (Kanada/USA 1992, Regie: Anthony Hickox)

hellraiser iii - hell on earth

(Fassung: DVD, Anchor Bay, Großbritannien)

Ich habe mir bisher immer nur die ersten beiden Teile der Hellraiser-Reihe angesehen und möchte mich nun auch mal an die Nachfolgefilme wagen. In HELLRAISER: HELL ON EARTH bekommt es dieses Mal eine TV-Reporterin (Terry Farrell) mit Pinhead (Doug Bradley) zu tun und hat alle Mühe, das Nadelgesicht und seine Kumpanen wieder zurück in die Hölle zu schicken.

An die beiden ziemlich tollen Vorgänger kommt dieser dritte Teil von Anthony Hickox erwartungsgemäß nicht heran. HELLRAISER III: HELL ON EARTH ist – obwohl sich Hickox in Sachen Settings und Effektkunst viel Mühe gegeben hat, den beiden Auftaktfilmen gerecht zu werden – deutlich eingängiger als die Filme von Clive Barker und Tony Randel geraten und wirkt auch deutlich weniger verstörend. Insbesondere im Vergleich zu Barkers Original aus dem Jahr 1987 wirkt dieser Film hier fast schon harmlos. Gefallen hat mir HELLRAISER III: HELL ON EARTH dennoch ziemlich gut. Weil er seine Geschichte ohne großartige Schnörkel an den Mann bringt, weil die Effekte wieder richtig gut gelungen sind und der Film visuell ein paar ausgesprochen hübsche Einfälle zu bieten hat, weil Hauptdarstellerin Terry Farrell einfach toll ist und sich die von ihr gespielte Reporterin bestens als beschützenswerte Identifikationsfigur eignet, weil insbesondere diese Szenen im Underground-Club klasse umgesetzt sind und – vielleicht der Hauptgrund, weswegen ich den Film mochte – weil Anthony Hickox insgesamt betrachtet mit diesem Film vielleicht sogar mehr geboten hat, als man von so einer Fortsetzung, die ja auch eher mit einem sehr schmalen Budget ausgestattet gewesen sein dürfte (lt. IMDB hat der Film ca. 5 Mio. Dollar gekostet) und eher im Hinblick darauf gedreht wurde, noch mal schnell ein bisschen Kohle mit dem Franchise zu machen, überhaupt erwarten konnte.

Persönliche Bewertung: Gut!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 3

ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN (Deutschland/Frankreich 1967, Regie: José Bénazéraf)

st. pauli zwischen nacht und morgen

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Liebesgeschichte mit leicht erotischem Touch, Milieustudie, Kriminalfilm – ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN ist all das und eventuell noch viel mehr, es ist einer dieser Filme, die man nur schwer zu fassen bekommt und noch viel schwerer in Worte fassen kann. Dabei ist die Handlung relativ einfach gestrickt und geradlinig erzählt – den Interpol-Agenten Helmut Schmidt (Helmut Förnbacher) führen Ermittlungen in einer Rauschgiftsache aus der Schweiz nach St. Pauli, wo er die Stripperin Arlette (Eva Christian) kennenlernt und sich in sie verliebt; durch sie und sein mutiges Verhalten während eines Raubüberfalls gelingt es ihm, sich in die Bande von Nachtclubbesitzer Bernie (Rolf Eden) einzuschleusen, der sein Interesse an Drogengeschäften mittlerweile verloren zu haben scheint und stattdessen den Überfall auf einen Geldtransporter plant; mehr und mehr erliegt Schmidt den Verführungen des Verbrechens -, es ist wahrscheinlich die Art der Erzählweise, die Regisseur José Bénazéraf gewählt hat und die ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN so seltsam erscheinen lässt. Viele Sequenzen scheinen einfach nur ohne großartige Bindung nebeneinander zu stehen, die Kamera wackelt hin und wieder wie in einem Amateurfilm, Gegenstände und Menschen werden plötzlich rangezoomt, sind in einem Moment scharf und im nächsten Moment wieder unscharf zu sehen und einen gewissen surrealen Touch kann man dem Film sicher nicht absprechen. Als Zuschauer verfolgt man das Geschehen wie durch einen Schleier, die Atmosphäre des Films gleicht oft einem auf den ersten Blick planlos wirkenden, bei konzentrierterer Betrachtung aber doch irgendwie Sinn ergebenden Traum. Ein sehr seltsamer, aber auch ausgesprochen faszinierender Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE DEVIL RIDES OUT (Großbritannien 1968, Regie: Terence Fisher)

the devil rides out

(Fassung: DVD, Anolis, Deutschland)

Okkult-Horror aus dem Hause Hammer Films, mehr als souverän inszeniert von Terence Fisher, einem der Stammregisseure der britischen Schmiede für Kultfilme. In THE DEVIL RIDES OUT heftet sich der von Christopher Lee gespielte Duc de Richleau an die Fersen des fiesen Mocata (Charles Gray, der 3 Jahre später den Bond-Bösewicht Blofeld in DIAMONDS ARE FOREVER spielen sollte), dem Anführer einer gefährlichen Satanssekte, der es auf die Seele eines Freunds von Richleau abgesehen hat.

THE DEVIL RIDES OUT gehört zu den Geheimtipps und Fanfavoriten innerhalb des großen Filmstocks der Hammer Studios. Zur Zeit seiner Entstehung war er innerhalb des Horrorbereichs der Studioproduktionen so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung, kam er doch zwischen verschiedenen Teilen der damals populären, klassischen Horrorreihen rund um Dracula, Frankenstein und die Mumie heraus. THE DEVIL RIDES OUT sorgt so für eine gewisse Abwechslung unter den typischen Hammer-Gruslern und überzeugt mit einer durchaus rasanten Inszenierung, moderneren Settings und einigen – auch heute noch ausgesprochen nett anzusehenden (z.B. die Spinnenszene) – Schauwerten. Über fehlende Spannung kann man sich definitiv nicht beklagen und wer auch nur ein kleines Faible für Horrorfilme mit okkultem Bezug hat, dürfte seine wahre Freude an THE DEVIL RIDES OUT haben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BATMAN (Großbritannien/USA 1989, Regie: Tim Burton)

batman

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burtons Version von BATMAN gefällt mir persönlich dann halt doch mit Abstand am besten. Das Set Design ist schlichtweg atemberaubend, die ganze Atmosphäre des Films ist einfach nur skurril und Jack Nicholson als Joker ist unfassbar gut und zeigt eine Darbietung, die alle Grenzen des gesunden Menschverstands zu sprengen scheint. Ich liebe diese unzähligen, irrsinnigen Einfälle, die Burton dem Zuschauer präsentiert. Ich liebe den makabren Humor des Films, den düsteren Gothik-Look von Gotham City, den Score von Danny Elfman mit den Songs von Prince und die anbetungswürdige Kim Basinger in der Rolle der Vicky Vale.

Ich habe keine Ahnung, ob Burton der Vorlage großartig gerecht wird, mit den Comics habe ich mich nie wirklich intensiv beschäftigt, und es könnte mir auch gar nicht egaler sein. Für Comic-Puristen, die sich über Burtons Umsetzung gerne echauffieren können, gibt es ja noch Nolans DARK KNIGHT-Trilogie, die diesem Film hier in meinen Augen aber auch nicht nur im Ansatz das Wasser reichen kann. BATMAN ist groß, übermenschlich groß!

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

BATMAN RETURNS (Großbritannien/USA 1992, Regie: Tim Burton)

batman returns

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

3 Jahre nach dem Erfolg von BATMAN legte Regisseur Tim Burton dieses Sequel nach. Den üblichen Sequel-Regeln folgend, funktioniert BATMAN RETURNS nach dem “Höher, schneller, weiter“-Prinzip, welches ja in nur wenigen Fällen aufgeht. BATMAN RETURNS ist einer der Glücksfälle, bei dem es perfekt funktioniert. Vom Stil her bleibt Burton dem Vorgänger treu. Die düstere Gothik-Atmosphäre, die atemberaubenden Settings, die unzähligen skurrilen Einfälle, die in jeder Sequenz auszumachende Liebe zum Detail, der makabre Humor – alles was den Vorgänger so sehenswert gemacht hat, ist in BATMAN RETURNS in verstärkter und intensivierter Form vorhanden und führt dazu, dass man diesen Film einfach nur als visuellen Augenschmaus bezeichnen kann. Im direkten Vergleich zum Vorgänger muss man Abstriche lediglich im Hinblick auf den Bösewicht machen. Diese Anmerkung soll jedoch keineswegs die Leistung von Danny DeVito schmälern, der einen grandiosen Gegenspieler abgibt und seinen Pinguin innerhalb der Schnittmenge zwischen abgrundtief bösen Psychopathen und bemitleidenswerten Außenseiter famos verkörpert, sie soll vielmehr darauf hinweisen, dass Jack Nicholson im Vorgänger nicht viel weniger als eine Jahrhundert-Performance hingelegt hat und unmöglich adäquat zu ersetzen gewesen ist. Bereits BATMAN war übermenschlich groß und unbeschreiblich gut, BATMAN RETURNS ist in meinen Augen sogar minimal besser. Nicht viel, aber ein klitzekleines bisschen.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

SIEBEN TAGE FRIST (Deutschland 1969, Regie: Alfred Vohrer)

sieben tage frist

(Fassung: DVD, Filmjuwelen, Deutschland)

In einem Internat in Norddeutschland verschwindet der Schüler Kurrat (Arthur Richelmann) spurlos, pikanterweise kurze Zeit nachdem er von seinem Lehrer Fromm (Konrad Georg) unberechtigterweise eine Ohrfeige bekommen hatte. Um kein Aufsehen zu erregen, versuchen die Internatsverantwortlichen – allen voran der Lehrer Hendriks (Joachim Fuchsberger) – das Verschwinden des Jungen auf eigene Faust aufzuklären. Als jedoch plötzlich die Leiche des Lehrers Stallmann (Paul Albert Krumm) aus der See gefischt wird, schaltet sich die Polizei in Form von Inspektor Klevenow (Horst Tappert) doch ein und beginnt ihre Ermittlungen im und rund um das Internat…

Was sich jetzt auf den ersten Blick vielleicht wie ein typischer und nicht sonderlich aufregender Krimi lesen mag, ist tatsächlich ein ausgesprochen ausgeklügeltes und wendungsreiches Kriminaldrama, welches den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt und ihm am Ende schließlich eine Auflösung präsentiert, bei der einem erst mal die Sprache wegbleibt. SIEBEN TAGE FRIST ist ungemein spannend, atmosphärisch dicht und einfach nur großartig besetzt. Horst Tappert gibt schon einen Vorgeschmack auf seine spätere Rolle als Stephan Derrick, der von Joachim Fuchsberger gespielte Hendriks erinnert hin und wieder an seine Ermittlerrollen in den Edgar-Wallace-Filmen, Konrad Georg als Fromm ist überragend gut und die diversen Darsteller der Jugendlichen sind perfekt gecastet.

Es scheint sich zu lohnen, in den Tiefen der deutschen Kinogeschichte nach noch unbekannten Perlen zu suchen. SIEBEN TAGE FRIST – den wahrscheinlich so gut wie kein Mensch kennt (in der IMDB kommt Vohrers Film gerade mal auf 63 Bewertungen) – ist nicht viel weniger als ein Glücksfall von einem Film.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

BATMAN FOREVER (Großbritannien/USA 1995, Regie: Joel Schumacher)

batman forever

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burton räumte den Regiestuhl und war hier nur noch als Produzent tätig. Mit Joel Schumacher als Regisseur kommt der Zirkus in die Stadt. Und nicht nur in Form des Artisten Dick Grayson (Chris O’Donnell), der hier im Verlauf des Films als Robin an Batmans (nicht mehr Michael Keaton, sondern nun Val Kilmer) Seite gegen die beiden Bösewichter des Films, Two-Face (Tommy Lee Jones) und den Riddler (Jim Carrey), kämpfen soll. BATMAN FOREVER ist eine kunterbunte Kirmesveranstaltung. Von Burtons Vision aus den ersten beiden Teilen ist im Endeffekt nur noch der düstere Look von Gotham City übrig – und selbst der wird durch viele bunte Farben aufgeweicht. BATMAN FOREVER krankt vor allem an seinen beiden Bösewichtern, die an den Joker und den Pinguin aus den ersten beiden Filmen nicht ansatzweise herankommen und deren Charakteren es einfach an Tiefe fehlt (was war der Joker doch für ein abgrundtief böser und erschreckender Fiesling und was war der Pinguin doch für eine zutiefst traurige Gestalt); beide bleiben – trotz vieler bunter Farben, viel Krawall und Tohuwabohu, doch relativ blass. Was für die Schurken gilt, gilt leider auch für die weibliche Hauptrolle. Nicole Kidman, hier noch nicht als Botoxbomber unterwegs, darf nicht sonderlich viel mehr tun als hübsch auszusehen. Kein Vergleich zu Kim Basinger aus BATMAN oder Michelle Pfeiffer aus BATMAN RETURNS.

Gegenüber Burtons Großtaten muss man hier also schon verdammt viele Abstriche machen und rein objektiv betrachtet ist BATMAN FOREVER doch ziemlich weit davon entfernt, so etwas wie ein guter Film zu sein. Aber so etwas wie Objektivität kann ich beim Ansehen von Filmen sowieso nie aufbringen und ich muss gestehen, dass ich BATMAN FOREVER trotz all seiner offensichtlichen Schwächen irgendwie sehr gerne mag, insbesondere, weil der Unterhaltungsfaktor dieses Films in meinen Augen schon verdammt hoch ausgefallen ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET (aka Thirsty for Love, Sex and Murder, Türkei 1972, Regie: Mehmet Aslan)

aska susayanlar seks ve cinayet

(Fassung: DVD, Onar Films, Griechenland)

Ein Killer mit einer Rasierklinge, weibliche Opfer, Blut, nackte Haut, Intrigen, Ereignisse, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragen, Ehebruch, Gier – all das sind die Zutaten von Mehmet Aslans knapp 60-minütigem AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET, einem lupenreinen Giallo, wie ihn auch so mancher italienische Regisseur nicht viel besser hätte hinkriegen können, auf dessen Handlung – das muss man dann bei aller Sympathie aber doch eingestehen – Drehbuchautor Aykut Düz jetzt nicht wirklich das alleinige Urheberrecht anmelden kann, denn im Endeffekt handelt es sich bei Aslans Film um eine Variation des Sergio-Martino-Klassikers LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH. Aber wer will sich darüber beschweren, wenn dann so ein Film dabei herauskommt. Und vor allem, wenn man sieht, was Aslan hier mit – ganz offensichtlich – verdammt wenig Kohle auf die Leinwand gezaubert hat. Das fehlende Budget macht Aslan mit ganz viel Atmosphäre und Schauwerten wieder wett, die (geklaute) Handlung seines Films ist wendungsreich und rast regelrecht am Zuschauer vorbei und Zeit zum Durchschnaufen gönnt Aslan seinem Publikum nicht. Und dann dieser komplett irrsinnige – natürlich mal wieder “geliehene“ – Score, der den Zuschauer von der Tonspur regelrecht entgegen schreit und verdammt viel zur Wirkung dieser Sleazegranate beiträgt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HORROR EXPRESS (Großbritannien/Spanien 1972, Regie: Eugenio Martín)

horror express

(Fassung: DVD, CCI, Deutschland)

Christopher Lee spielt den Anthropologie-Professor Saxton, der ein im Eis eingefrorenes Wesen entdeckt, dieses birgt und eingeschlossen in einer riesigen Kiste im Transsibirien-Express zu weiteren Forschungszwecken nach England bringen will. Als der sich ebenfalls im Zug befindliche Dr. Wells (Peter Cushing) unbedingt herausfinden will, was sich in der geheimen Kiste befindet, wird das Wesen versehentlich befreit…

Lee und Cushing in Hochform, gepaart mit einem Regisseur, der ganz genau weiß, was er tun muss, um sein Zielpublikum glücklich zu machen. HORROR EXPRESS steckt voller toller Sachen. Es gibt einen außerirdischen Affenmenschen, gruselig entstellte Mordopfer, blutige Autopsien, einen verrückten Mönch (großartig: Alberto de Mendoza) und im Finale sogar eine von Telly Savalas angeführte Zombie-Armee.

Das Zug-Setting ist toll – gibt es Menschen da draußen, die Filmen, die in Zügen spielen, tatsächlich gar nichts abgewinnen können (ich kann es nicht glauben)? -, Schauwerte sind, wie oben schon angeführt, mehr als reichlich vorhanden und die teils herrlich trashigen Dialoge, in denen wissenschaftliche Erklärungen für die schrecklichen Ereignisse während der Zugfahrt gesucht werden, tragen zudem viel zum unwiderstehlichen Charme des Films bei.

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 5 (USA 2009-2010, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In der fünften Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER müssen sich Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) damit auseinandersetzen, dass sie sich tatsächlich ineinander verliebt zu haben scheinen und schließlich schon bald mit der Konsequenz leben, dass sie für eine gemeinsame Beziehung einfach nicht gemacht sind. Gleichzeitig versuchen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) weiterhin, die Tücken des Ehelebens zu meistern und Ted (Josh Radnor) ist noch immer auf der Suche nach der Mutter seiner beiden zukünftigen Kinder…

Die beiden Serienerfinder Carter Bays und Craig Thomas halten HOW I MET YOUR MOTHER auch in der mittlerweile fünften Staffel auf einem guten bis sehr guten Niveau. Die einzelnen, jeweils für sich abgeschlossenen Episoden, werden durch lose Handlungsfäden miteinander verknüpft und den fünf Freunden wird es ermöglicht, sich auch in dieser fünften Staffel stetig weiterzuentwickeln. Der Star dieser Staffel ist natürlich wieder Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney, der den Großteil der Lacher auf seiner Seite hat und der hier neben seiner sonstigen Souveränität auch vermehrt Schwächen zeigen darf. Ein Fakt, der den zynischen Womanizer zeitweise schon fast sympathisch erscheinen lässt. Highlight der Staffel: die Episode GIRLS VS. SUITS, die in einem famosen Musical-Finale endet und in der sich Barney zwischen seinen geliebten Anzügen und der Eroberung einer Frau entscheiden muss, die für Anzugträger rein gar nichts übrig hat.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND (Deutschland/Frankreich 1974, Regie: Alfred Vohrer)

die antwort kennt nur der wind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Ich hatte mir vor mittlerweile doch schon etwas längerer Zeit mal die erste Simmel-Verfilmung UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN angesehen und war damals doch ziemlich überrascht, welch bizarrer Film das im Endeffekt doch gewesen ist. Der ursprüngliche Plan war damals, mir auch die weiteren Simmel-Filme anzusehen und dieser Plan soll nun nach und nach in die Tat umgesetzt werden.

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist der sechste von insgesamt acht Filmen, die zwischen 1971 und 1976 ins Kino gekommen sind und gleichzeitig der letzte, den Alfred Vohrer inszeniert hat. Es geht um den von Maurice Ronet gespielten Robert Lucas, einen Ermittler einer Versicherungsgesellschaft, der Beweise dafür finden soll, dass der deutsche Bankier Hellmann, der vor Cannes gemeinsam mit seiner Luxusyacht in die Luft flog, nicht Opfer eines Mordanschlags wurde, sondern Selbstmord begangen hat. In diesem Fall müsste die stattliche Versicherungssume von 15 Millionen Mark nicht ausgezahlt werden. Lucas stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf jede Menge zwielichtige Personen, sondern auch auf zwei schöne Frauen (Karin Dor und Marthe Keller), die durchaus hilfreiche Informationen für ihn haben könnten. Doch je länger die Ermittlungen andauern, desto mehr lässt sich Lucas selbst auf ein gefährliches Spiel ein…

Vohrer inszeniert DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND als spannenden, wendungsreichen Thriller, der – und das dürfte definitiv der Vorlage geschuldet sein – jedoch nicht ohne eine kleine Portion Schmalz und Kitsch auskommt. Im Vergleich zu UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (soweit ich mich noch an ihn erinnern kann) ist DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND weit weniger bizarr ausgefallen und erinnert über weite Strecken an eine bessere TV-Produktion aus der damaligen Zeit und nicht unbedingt an einen Film, der für die große Leinwand gemacht wurde. Obwohl teilweise an Originalschauplätzen in Cannes und Nizza gedreht, kommt Vohrers Film – insbesondere was die potentiellen Schauwerte der Drehorte betrifft – ziemlich unspektakulär daher, was ihm allerdings nicht wirklich schadet, sondern sogar eher nützt. DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist stellenweise ziemlich düster ausgefallen und verbreitet über die komplette Laufzeit – auch unterstützt durch den Score von Komponist Erich Ferstl – eine extrem melancholische Grundstimmung, die ganz hervorragend zu den Ereignissen auf der Leinwand passt. Auch diese Simmel-Verfilmung hat mich mehr als positiv überrascht und mir im Endeffekt sogar besser gefallen als der o.g. UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN. Ich bin auf die anderen Filme der Reihe schon sehr gespannt.

Persönliche Bewertung: Gut!

ROTE SONNE (Deutschland 1970, Regie: Rudolf Thome)

rote sonne

(Fassung: DVD, Galileo Medien, Deutschland)

In ROTE SONNE trennen sich vier WG-Bewohnerinnen (u.a. Uschi Obermaier) jeweils nach fünf Tagen auf ausgesprochen drastische Art und Weise von ihren männlichen Liebhabern – sie bringen sie einfach um. Als jedoch mit Thomas (Marquard Bohm) der Ex-Freund der von Uschi Obermaier gespielten Peggy vor der Tür steht, um Asyl bittet und sich zwischen ihm und Peggy plötzlich wieder etwas anzubandeln scheint, gerät das ungeschriebene Gesetz zum Umgang mit Männern schnell ins Wanken…

Ziemlich skurriler Film, den Regisseur Rudolf Thome da gedreht hat. So wirklich Zugang habe ich nicht zu ihm gefunden, fasziniert hat er mich in gewisser Weise trotzdem. ROTE SONNE ist phasenweise extrem witzig (wobei ich nicht ganz einschätzen kann, ob das aus heutiger Sicht nur so wirkt, oder auch damals schon lustig war), plätschert dann wieder einfach nur so vor sich hin und knallt dem Zuschauer dann unvermittelt Szenen vor den Latz, bei denen man seinen Augen kaum zu trauen vermag. ROTE SONNE ist in gleichem Maße sperrig und hochinteressant, insbesondere diese ständige Konfrontation zwischen dem Macho Thomas und den vier radikalen Feministinnen hat ihren Reiz, die Stilmittel, die Thome teilweise verwendet, sind aber durchaus gewöhnungsbedürftig. ROTE SONNE scheint nie “im Fluss“ zu sein, wirkt extrem sprunghaft und der fast gänzliche Verzicht auf einen extradiegetischen Score raubt dem Film zudem die Dynamik und lässt ihn sehr trocken erscheinen. Aber dann halt auch Uschi Obermaier, die tatsächlich der Inbegriff von “sexiness“ zu sein scheint und die ROTE SONNE unbedingt sehenswert macht. Oder die teils wunderschöne Kameraarbeit von Bernd Fiedler, die den Film in kunterbunten Farben von der Leinwand (bzw. dem heimischen Flatscreen) strahlen lässt. Irgendwie war ROTE SONNE schon ziemlich toll, irgendwie aber auch nicht…

Persönliche Bewertung: Gut!

UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI (Deutschland 1970, Regie: Alfred Weidenmann)

unter den dächern von st. pauli

(Fassung: DVD, Lighthouse, Deutschland)

Wie es der Titel in gewisser Weise schon verrät, handelt es sich bei Weidenmanns Film um einen der in den späten 60er und frühen 70er Jahren so beliebten Sittenreißer, welche zwar durchaus auch in anderen deutschen Großstädten, am häufigsten jedoch im Hamburger Stadtteil St. Pauli angesiedelt waren.

Regisseur Weidenmann lässt in UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI verschiedene Charaktere in einem Zeitraum von gut 2 Tagen aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht viel miteinander zu tun haben und deren Wege sich auch oft eher zufällig kreuzen. Weidenmann erzählt seine Geschichten in episodenhafter Struktur. Als Zuschauer verfolgt man bspw. einen Mann, der von Rache getrieben einem Gangsterboss nachstellt, einen besorgten Vater, der seine erst 17 Jahre alte Tochter davon abhalten will, in einem Stripclub aufzutreten, einen eifersüchtigen Ehemann, der es nicht mehr aushält, dass seine Frau der Star einer angesagten Sexshow ist, diese ermordet und auf seiner Flucht vor der Polizei eine Teenagerin als Geisel nimmt, einen Lehrer, der mit einer kurz vor dem Abitur stehenden Schulklasse einen Ausflug nach St. Pauli unternimmt und von seinen Schülern üble Streiche gespielt bekommt, einen Trunkenbold, der immer auf der Suche nach einem Gratisschnaps durch die Straßen zieht, usw.; die erzählten Episoden sind in gleichem Maße spannend, dramatisch und komisch und es ist vor allem diese Mischung, die UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI extrem kurzweilig und sehenswert macht. Und über fehlende Schauwerte kann man sich beim besten Willen auch nicht beklagen.

Persönliche Bewertung: Gut!