The Movies of February 2017

Der Monat ist zu Ende, es gibt wieder ein paar lose Gedanken zu allen gesehenen Filmen. Angeordnet sind die kurzen Texte in der Reihenfolge des persönlichen Gefallens.

the-proposition

Verdammt großartig ist THE PROPOSITION (Australien / Großbritannien 2005, Regie: John Hillcoat), ein Neo-Western, der im australischen Outback im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielt und in dem sich ein Gesetzloser auf einen Deal mit dem Gesetz einlässt, aus dem am Ende nur Verlierer hervorgehen können.

Überwältigende Bilder von Kameramann Benoît Belhomme, eine wahrlich unter die Haut gehende Geschichte aus der Feder von Nick Cave, der gemeinsam mit Warren Ellis auch noch die Musik beigesteuert hat, eine zutiefst melancholische Stimmung und Atmosphäre sowie mehr als überzeugende Darsteller sorgen dafür, dass Hillcoats THE PROPOSITION einer dieser Filme ist, denen man sich als Zuschauer unmöglich entziehen kann, die einen vollkommen vereinnahmen und schließlich regelrecht atemlos in den Abspann entlassen.

Bewertung: 9/10

 

Als faszinierendes Portrait einer außergewöhnlichen und nicht gerade unkomplizierten Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen möchte ich THE DUKE OF BURGUNDY (Großbritannien / Ungarn 2014, Regie: Peter Strickland) gerne bezeichnen.

Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Geben und Nehmen und das Missverhältnis, das entstehen kann, wenn der eine Teil zu viel vom anderen fordert. Und es geht natürlich nicht zuletzt um sexuelle Obsessionen und – in der filmischen Umsetzung – um den Umgang mit dem Tabuthema S&M. Regisseur Strickland nähert sich seinem Thema auf ungemein ästhetische und behutsame Art und Weise. Er nimmt seine beiden Hauptcharaktere ernst und bringt dem Zuschauer so auf ungemein einfühlsame Art deren gegenseitiges Dilemma näher. Strickland füttert das Kopfkino, verzichtet praktisch gänzlich auf nackte Tatsachen oder gar explizite Details und arbeitet stattdessen mit Andeutungen, symbolträchtiger Bildsprache und einer – in nicht wenigen Momenten – fast schon melancholisch-verträumten Atmosphäre.

Bewertung: 9/10

 

 

Chris Rock spielt sich in TOP FIVE (USA 2014, Regie: Chris Rock), bei dem er neben Hauptrolle und Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, wohl in gewisser Weise selbst. Zumindest dürfte dieser Film, in dem ein ehemaliger Stand-Up-Comedian und jetziger Superstar durch ein geführtes Interview mit einer Journalistin – gespielt von Rosario Dawson – damit beginnt, sein jetziges Leben zu reflektieren und dadurch am Ende des Tages wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet, mit Sicherheit den einen oder anderen autobiographischen Zug aufweisen.

Fälschlicherweise als Komödie beworben und vermarktet, ist TOP FIVE viel mehr ein authentisch wirkender Einblick in die Licht- und Schattenseiten des Showgeschäftes, ein Drama, welches vor allem durch die großartige Chemie zwischen Chris Rock und Rosario Dawson begeistert und darüber hinaus auch so einige denkwürdige Szenen zu bieten hat, von denen nicht wenige in meinen Augen als echte “Magic Moments“ durchgehen.

Bewertung: 8/10

 

Ein britischer Tontechniker wird von einem italienischen Regisseur engagiert und in das titelgebende BERBERIAN SOUND STUDIO (Großbritannien 2012, Regie: Peter Strickland) gebeten um dort an der Vertonung eines Films zu arbeiten, eine Arbeit, die den schüchternen Briten schon bald überfordert und die Grenzen zwischen Film und Realität mehr und mehr ineinander verschwimmen lässt.

Stricklands Film ist sowohl eine Liebeserklärung an die meist im Hintergrund stehenden Leute aus der Sound-Crew eines Filmes als auch an den italienischen Giallo der 70er Jahre. Wer großen Wert auf eine nachvollziehbare Handlung legt, dürfte hier massiv enttäuscht werden. Strickland erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern vermittelt mit seinen Bildern und seinen Tönen eher Stimmungen und Gefühle, erzeugt eine unheimliche Mystery-Atomsphäre und gleitet insbesondere im letzten Drittel des Films mehr und mehr ins Surreale ab. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte begeistert sein.

Bewertung: 8/10

 

Ganz wunderbaren B-Movie-Charme versprüht MOONSHINE COUNTY EXPRESS (USA 1977, Regie: Gus Trikonis) aus der Corman-Schmiede, in dem ein fieser Schurke einen lästigen Konkurrenten im Schwarzbrenner-Business umbringen lässt um das illegale Geschäft für sich alleine zu haben und sich schließlich damit auseinandersetzen muss, dass dessen drei attraktive Töchter in keinster Weise gewillt sind, klein beizugeben.

Trikonis’ Film bietet alles, was man sich von einem Streifen wie diesem hier erhofft: jede Menge bekannte Gesichter aus dem Exploitation-Bereich (u.a. John Saxon, Claudia Jennings und Candice Rialson), einen fiesen Bösewicht, sympathische Heldinnen, die sich diesem widersetzen, die eine oder andere spektakuläre Autoverfolgungsjagd und eine über die komplette Laufzeit ausgesprochen rasante und kurzweilige Art der Inszenierung. Geiler Film!

Bewertung: 8/10

 

Spencer Tracy als alternden Rechtsanwalt mit Alkoholproblemen in THE PEOPLE AGAINST O’HARA (USA 1951, Regie: John Sturges) dabei zuzusehen, wie dieser verzweifelt versucht, einen offensichtlich zu Unrecht des Mordes angeklagten Mann freizubekommen, katapultiert einen als Zuschauer zurück in die klassische Hollywood-Zeit, in der einzig und allein die schauspielerischen Leistungen und die erzählte Geschichte im Mittelpunkt standen.

Dem Zahn der Zeit haben sicher nicht alle Filme von damals so gut standgehalten wie dieser hier. Sturges Film bleibt bis zum großen Finale spannend, kann auch heute noch aufgrund seiner tollen Schauspieler überzeugen und hat im Lauf der Jahre tatsächlich erstaunlich wenig Staub angesetzt.

Bewertung: 8/10

 

In GRIMSBY (Australien / Großbritannien / USA 2016, Regie: Louis Leterrier) gerät ein Top-Agent des britischen Geheimdienstes in den Verdacht des Verrats weil ihn sein tollpatschiger Bruder in Gestalt von Sacha Baron Cohen nach jahrelanger, verzweifelter Suche endlich ausfindig gemacht und sich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für das Wiedersehen ausgesucht hat.

Actionspezialist Louis Leterrier trifft auf den Chaoskomiker Sacha Baron Cohen – herausgekommen ist ein komplett irrsinniger Hybrid aus geiler Actionchoreographie und übelstem Gross-Out-Humor, der sämtliche Grenzen des guten Geschmacks sprengt und den man wohl nur hassen oder lieben kann. Ich muss zugeben, die eine oder andere Szene fand ich auch etwas zu sehr “over the top“ (und wie dieser Film hier eine Freigabe ab 12 Jahren von der FSK bekommen konnte, ist mir ein absolutes Rätsel), bei unzähligen anderen Sequenzen lag ich jedoch fast weinend vor Lachen auf der Couch. Ich mochte GRIMSBY, sehr sogar.

Bewertung: 8/10

 

Ein komplett bizarres Szenario bekommt man von SONNY BOY (Italien / USA 1989, Regie: Robert Martin Carroll) geliefert, in dem ein Kleinkind zufällig in die Hände eines komplett dysfunktionalen Pärchens gerät und von diesem zu einem willenlosen Werkzeug geformt wird, welches im Erwachsenenalter auf Befehl diverse kriminelle Handlungen durchzuführen hat.

Zunächst einmal ist dieser Film komplett aus seiner Entstehungszeit herausgefallen. Er fühlt sich – schon allein aufgrund der Ausgangssituation für die Geschichte und dem weiteren Verlauf der Handlung – praktisch über die komplette Laufzeit nach einem typischen Vertreter des alle Grenzen auslotenden 70er-Jahre-Exploitation-Kinos an und hat auch exakt den Look dieser damaligen Genrevertreter. Wer aufgrund des skizzierten Szenarios nun erwartet, dass Regisseur Carroll seinen Film vor allem mit Geschmacklosigkeiten am laufenden Band garniert hat, kann beruhigt bzw. muss enttäuscht werden. So bizarr SONNY BOY vielleicht auch sein mag, Carroll schafft den fast unmöglich wirkenden Spagat zwischen schriller Exploitation und einfühlsamer Geschichte praktisch mühelos, nimmt alle seine Figuren ernst und erschafft so vor allem im Schlussdrittel stellenweise einen Film von fast poetischer Schönheit.

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Lebensmitteln findet in SAUSAGE PARTY (USA 2016, Regie: Greg Tiernan / Conrad Vernon) heraus, was wirklich mit ihnen passiert, wenn sie von den Menschen aus dem Supermarkt mitgenommen werden.

Politisch höchst inkorrekter Animationsklamauk aus der Feder von u.a. Seth Rogen und Jonah Hill. Wer deren Art von Humor mag und schätzt wird auch mit SAUSAGE PARTY verdammt viel Spaß haben. Ein Film, der zwar genüsslich Grenzen überschreitet und teils extrem derben Gross-Out-Humor liefert, bei näherer Betrachtung aber auch ein satirisch komplett überzeichnetes Statement zur politischen Weltsituation abgibt, damit auf der richtigen Seite steht und allein aus diesem Grund zwei Daumen nach oben verdient hat.

Bewertung: 8/10

 

 

Durch die düsteren Ecken von L.A. begleitet man als Zuschauer den titelgebenden THE CANDY TANGERINE MAN (USA 1975, Regie: Matt Cimber), einen nicht zu großartigen Späßen aufgelegten Zuhälter, und wird dabei Zeuge seines Tages- und Nachtwerks.

Einen herkömmlichen Plot gibt es eigentlich nicht wirklich, der Film setzt sich eher aus verschiedenen Handlungselementen zusammen. Der von John Daniels gespielte Zuhälter versucht seine Prostituierten unter Kontrolle zu halten, liefert sich ein Katz- und Maus-Spiel mit zwei Polizisten, beginnt eine blutige Fehde mit der Konkurrenz und versucht nebenbei, noch ein richtig dickes Ding zu drehen, bei dem ein mehr als stattlicher Geldbetrag herausspringen könnte. Regisseur Cimber holt dabei aus den offensichtlich geringen Mitteln, die er zur Verfügung hatte, nahezu das Maximum raus. Sein Film spielt zwar nicht in einer Liga mit den großen Klassikern des Blaxploitation-Kinos, kann aber durch seine Authentizität vermittelnde Stimmung, sein Setting in den eher ungemütlicheren Ecken der Stadt der Engel, seinen megacoolen Hauptdarsteller, seine grimmige Atmosphäre und jede Menge teils ausgesprochen derber What-the-Fuck-Momente absolut überzeugen.

Bewertung: 7/10

 

Louis de Funès und seine Kollegen werden in LE GENDARME EN BALADE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean Girault) in den Ruhestand zwangsversetzt, was sie – um die schon bald einsetzende Langeweile zu bekämpfen – allerdings nicht daran hindert, weiter die Uniform anzuziehen und heimlich auf Streife zu gehen.

De Funès im Ruhestand ist sogar noch einen Tick witziger als De Funès mit Schmetterlingen im Bauch (den Text hierzu gibt es weiter unten). Girault inszeniert ausgesprochen rasant, gelungene Gags gibt es praktisch im Minutentakt und nebenbei ist der Film natürlich auch eine Liebeserklärung an alle Menschen, die sich nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mal einfach so nebenbei abschieben lassen sondern selbst noch aktiv bleiben.

Bewertung: 7/10

 

In seinem dritten Auftritt als Gendarm verliebt sich Louis de Funès in LE GENDARME SE MARIE (Frankreich / Italien 1968, Regie: Jean Girault) in die bezaubernde Claude Gensac.

Louis de Funès erneut in einer seiner Paraderollen. Als Gendarm mit Schmetterlingen im Bauch richtet er einmal mehr heilloses Chaos an und bereitet einem als Zuschauer so extrem vergnügliche 90 Minuten. Eine wunderbare 60er-Jahre-Atmosphäre, das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus diversen De-Funès-Filmen und die wiederholt federleichte Inszenierung von Regisseur Jean Girault machen auch aus dem dritten Teil der Reihe einen Film, den man sich als Fan immer wieder gerne ansieht.

Bewertung: 7/10

 

Ziemlich durchdrehende Exploitation aus Griechenland liefert ΤΑΓΚΟ 2001 | TANGO 2001 (Griechenland 1974, Regie: Kostas Karagiannis), in dem ein wohlhabender Außenseiter, der von allen nur belächelt und ausgenutzt wird, auf ganz eigene Art und Weise versucht, seinem Dilemma zu entfliehen.

Ganz viel Sleaze, psychedelische Nachtclubsequenzen, grandiose Inneneinrichtungen, What-the-Fuck-Momente im Überfluss und eine Geschichte, bei der man sich nie so sicher sein kann, welche Wendung sie als nächstes einschlagen wird. Ja, doch, TANGO 2001 bietet wirklich ganz schön viel für so einen kleinen, schmuddeligen Film.

Bewertung: 7/10

 

Die Dokumentation THE SEARCH FOR WENG WENG (Australien 2007, Regie: Andrew Leavold) begibt sich auf die Spuren des im Jahr 1992 verstorbenen Weng Weng, der mit nur 83 cm Körpergröße als einer der kleinsten Schauspieler aller Zeiten in die Annalen der Exploitation-Filmgeschichte eingegangen ist.

Regisseur Andrew Leavold hatte den Weng-Film FOR Y’UR HEIGHT ONLY gesehen und es sich danach zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des kleinwüchsigen Hauptdarstellers in einer Dokumentation zu beleuchten. Der nach jahrelangen Recherchearbeiten fertiggestellte Film gewährt einen einfühlsamen und über weite Strecken ausgesprochen interessanten Einblick in ein Mysterium der Filmgeschichte. Regisseur Leavold ist es gelungen, so viele Weggefährten wie möglich vor die Kameras zu locken und so nicht nur Licht ins Dunkel um Weng Weng zu bringen, sondern gleichzeitig auch einen Einblick in das philippinische Kino der 70er und 80er Jahre zu gewähren. Die dabei geleistete Recherchearbeit verdient höchste Anerkennung, wobei man allerdings auch konstatieren muss, dass der fertige Film eindeutig als nerdiges Fanprojekt verstanden werden sollte und nicht unbedingt als professionelle Filmdokumentation.

Bewertung: 7/10

 

Bud Spencer und Terence Hill lassen erneut die Fäuste fliegen und legen sich in PARI E DISPARI (Italien / USA 1978, Regie: Sergio Corbucci) mit der Glücksspielmafia an.

Corbuccis Film zeigt das kongeniale Duo in Bestform. Ausgesprochen hübsch choreographierte Prügeleien en masse, eine ungemein rasante Inszenierung und eine deutsche Synchro, die wahrlich keine Gefangenen macht – wo Spencer und Hill draufsteht ist im vorliegenden Fall auch definitiv Spencer und Hill drin.

Bewertung: 7/10

 

Sofern es einem gelingt, über die etwas krude Ausgangssituation hinwegzublicken, kann man auch mit BLACK FRIDAY (USA 1940, Regie: Arthur Lubin), einem weiteren Film in dem Lugosi und Karloff mitwirken, richtig viel Spaß haben. Lugosi hat hier allerdings eine etwas kleinere Rolle abbekommen. Mehr Screentime hat Karloff als Mediziner, der einem sterbenden Freund in einer illegalen Hauruckaktion das Gehirn eines Gangsters verpflanzt. Das zieht natürlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich, muss der so Geheilte fortan mit einer gespaltenen Persönlichkeit leben. Ein Fakt, aus der Karloff wiederum seinen Nutzen ziehen mag, denn irgendwo im Gehirn des Gangsters sind Informationen zum Versteck einer stattlichen Geldsumme verborgen und die gilt es nun hervorzuholen.

Das ist natürlich keine Geschichte, die einem größeren Logiktest standhält, wenn man das als gegeben hinnimmt und akzeptiert, bekommt man dafür eine ausgesprochen kurzweilige Mischung aus Horror- und Gangsterfilm serviert, die von Anfang an als Rückblende erzählt wird und bis zu ihrer endgültigen Auflösung den einen oder anderen Haken schlägt. Schön.

Bewertung: 7/10

 

Mel Gibson ist der titelgebende BLOOD FATHER (Frankreich 2016, Regie: Jean-François Richet), der versucht, seine Tochter vor einer ganzen Armee finsterer Gestalten zu beschützen.

Schnörkellos inszeniertes Jagd/Flucht-Szenario, welches Mel Gibson mal wieder in einer überzeugenden und irgendwie auch maßgeschneiderten Rolle präsentiert. Ich mochte diesen Old-School-Vibe, den der Film verbreitete. Erin Moriarty als Gibsons Tochter spielt zudem richtig gut und die Kameraarbeit von Robert Gantz ist über weite Strecke eine einzige Augenweide.

Bewertung: 7/10

 

In BAD MOMS (USA 2016, Regie: Jon Lucas / Scott Moore) sind drei Frauen in ihren Rollen als perfekte Mütter komplett überfordert und entschließen sich eines Tages dazu, einfach mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken – was sich am Ende des Tages natürlich positiv für sie und ihre Kinder auswirkt.

Durchaus gelungene Komödie, die weitaus harmloser daherkommt als der Titel womöglich zu versprechen mag. Der Verlauf der Geschichte ist natürlich ziemlich vorhersehbar und auch an jeder Menge Klischees wurde nicht gespart. Letztendlich gewinnt der Film durch jede Menge Funken von Wahrheit, die in ihm stecken und seine Armada von überzeugenden Schauspielerinnen.

Bewertung: 7/10

 

Solide 90er-Jahre-Action liefert MONEY TRAIN (USA 1995, Regie: Joseph Ruben), in dem sich Woody Harrelson als Cop mit Geldsorgen dazu entschließt, den titelgebenden Zug zu überfallen, mit dem die Einnahmen sämtlicher New Yorker U-Bahn-Stationen eingesammelt und transportiert werden.

Ein Hauch Buddy-Movie – Wesley Snipes ist als Harrelsons Adoptivbruder und Partner wider Willen mit an Bord -, ein bisschen Romantik – Jennifer Lopez fungiert als Love Interest -, ein paar hübsch anzusehende Subplots und ein zumindest halbwegs spektakuläres Finale runden einen Film ab, der zu keinem Zeitpunkt verleugnen kann, aus welchem Jahrzehnt er stammt, der heutigen Action- und Blockbuster-Filmen in Sachen Spektakel und Schauwerten natürlich nicht annähernd das Wasser reichen kann, diesen jedoch in Sachen Charme und Sympathiewerte haushoch überlegen ist.

Bewertung: 7/10

 

In THUNDERHEART (USA 1992, Regie: Michael Apted) soll Val Kilmer als junger FBI-Agent mit indianischen Vorfahren einen Mord in einem Indianerreservat gemeinsam mit einem älteren Partner aufklären und sticht bei seinen Ermittlungen mitten in ein Wespennest hinein.

Der Film hat kommt zwar nicht wirklich ohne Klischees aus, hat das Herz aber auf dem rechten Fleck und liefert dabei grundsolide und gute Thriller-Handlung mit Mystery-Touch.

Bewertung: 7/10

 

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter ohne jegliche Perspektive liefert sich in SHOPPING (Großbritannien / Japan 1994, Regie: Paul W.S. Anderson) – angeführt von einem jungen Jude Law – erbitterte Kämpfe mit der Polizei und einer rivalisierenden Bande.

Für einen Debütfilm – für den mittlerweile entweder leidenschaftlich geliebten oder ebenso leidenschaftlich verachteten Paul W.S. Anderson stellte dies hier die erste Regiearbeit dar und Jude Law, damals Anfang 20, gab hier sein Leinwanddebüt in einer Hauptrolle – ist SHOPPING mehr als ordentlich geraten. Ich mochte die Punkrock-Attitüde des Films, dieses Unverschämte, Rotzige, das er ausstrahlt, aber gleichzeitig auch die zutiefst melancholischen Momente, die ihn immer wieder durchziehen. In den Actionszenen zeigt Anderson schon deutlich sein gutes Gespür im Timing solcher Sequenzen und der Soundtrack des Films ist ziemlich geil geraten.

Bewertung: 7/10

 

 

In seinem fünften Auftritt als Gendarm bekommt es Louis de Funès in LE GENDARME ET LES EXTRA-TERRESTRES (Frankreich 1979, Regie: Jean Girault) mit Außerirdischen zu tun.

Erste leichte Abnutzungserscheinungen machen sich breit. Nachdem die Gendarm-Reihe nach dem vierten Film eine Pause von immerhin 9 Jahren eingelegt hatte, krankt dieser fünfte Beitrag insbesondere daran, dass nicht mehr die komplette Besetzung zur Verfügung stand. Vor allem das Fehlen von Claude Gensac als Ehefrau des kleinen Cholerikers schmerzt doch sehr. Zudem war mir dieser Film mit den außerirdischen Blechkameraden auch einfach eine Spur zu albern und wirkte mit seinem ganzen Verwechslungsszenario – die Außerirdischen können die beliebige Gestalt von Menschen annehmen – mitunter doch sehr bemüht. Auch wenn das ganze Treiben über weite Strecken natürlich immer noch verdammt unterhaltsam ausgefallen ist, mir persönlich fehlte einfach die Leichtigkeit in der Inszenierung, welche die Vorgängerfilme allesamt ausgezeichnet hatte.

Bewertung: 6/10

 

Wenn Michael Bay etwas kann, dann ist das maximale Unterhaltung mit minimalstem Anspruch zu verbinden. Dazu muss er nicht mal selbst Regie führen, es genügt schon seine Mitwirkung als Produzent, um aus einem Film wie TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: OUT OF THE SHADOWS (China / Hongkong / Kanada / USA 2016, Regie: Dave Green), in dem Megan Fox und die vier riesigen Ninjaschildkröten mal wieder den Tag retten müssen, ein herrlich unbekümmertes Vergnügen zu machen. Das ist filmisches Fast Food mit dem größtmöglichen Unterhaltungsfaktor, rasant inszeniert, mit netten Gags und spektakulären Action-Set-Pieces ausgestattet und mit einem Sound Design gesegnet, welches – eine ordentliche Anlage vorausgesetzt – die heimische Couch unter dem Allerwertesten vibrieren lässt.

Bewertung: 6/10

 

Nett unterhaltsam ist EVE OF DESTRUCTION (USA 1991, Regie: Duncan Gibbins), in dem ein außer Kontrolle geratener Android wieder eingefangen werden muss.

Sympathische, kleine B-Produktion, die aus ihrem schmalen Budget so viel wie möglich herauszuholen vermag. Über ein Viertel Jahrhundert nach Erstveröffentlichung hat das alles zwar schon ordentlich Staub angesetzt und verbreitet nicht mehr wirklich viel Spannung, Zwei damals noch angesagte Hauptdarsteller (die heute wahrscheinlich niemand mehr kennt), das geradlinige Jagd-Flucht-Szenario und ein paar blutige Shoot-Outs sorgen aber dennoch dafür, dass Fans des Actionfilms der damaligen Zeit bei Sichtung dieses Streifens sicher ein paar wohlige Nostalgieschübe bekommen dürften.

Bewertung: 6/10

 

Bud Spencer und Terence Hill in Doppelrollen. In NON C’È DUE SENZA QUATTRO (Italien 1984, Regie: Enzo Barboni) werden die beiden angeheuert um in die Haut zweier Milliardäre zu schlüpfen, denen sie zum Verwechseln ähnlich sehen. Die fürchten nämlich um ihr Leben und wollen ihre Doppelgänger als Kanonenfutter verwenden. Aber natürlich kommt alles anders als erwartet.

So unterhaltsam diese weitere Zusammenarbeit von Spencer und Hill auch sein mag, an die Großtaten des schlagkräftigen Duos kommt Barbonis Film eigentlich nie heran. Dazu war mir der Film in seiner Gesamtheit doch etwas zu schlafmützig inszeniert und kam über die komplette Laufzeit eigentlich nie so richtig in Fahrt.

Bewertung: 6/10

 

Komplett harmlosen aber doch irgendwie auch unterhaltsamen Klamauk bietet das Heinz-Erhardt-Vehikel DAS KANN DOCH UNSREN WILLI NICHT ERSCHÜTTERN (Deutschland 1970, Regie: Rolf Olsen), in dem Erhardt mit der Familie in den gemeinsamen Italien-Urlaub fährt, nur um sich dort mit den ungeliebten Nachbarn zu duellieren (und am Ende natürlich zu versöhnen).

Wo Erhardt drauf steht, ist Erhardt drin. Die präsentierten Gags dürften schon damals nicht mehr ganz frisch gewesen sein, seine unzähligen Wortspiele sind altbekannt und das interessanteste an diesem Film dürfte noch sein, auf welch naiv-charmante Weise er das deutsche Spießbürgertum abbildet und so der kompletten Lächerlichkeit preisgibt.

Bewertung: 6/10

 

MARY REILLY (Großbritannien / USA 1996, Regie: Stephen Frears) erzählt die klassische Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus der Perspektive der titelgebenden und von Julia Roberts gespielten Haushälterin des Wissenschaftlers.

Einer dieser Filme bei denen zwar nicht sonderlich viel anbrennen kann, die dafür aber auch nicht besonders innovativ geraten sind, sondern eher für routinierte und – wenn man es so nennen mag – teils biedere Unterhaltung stehen. Die hier vorliegende Mischung aus Horror, Drama und Romanze ist überaus prominent besetzt und allein aufgrund dieser Tatsache absolut solide gespielt. Viel mehr – vielleicht noch die ziemlich tolle Ausstattung – dürfte von diesem Film auf lange Sicht jedoch nicht im Gedächtnis hängen bleiben.

Bewertung: 6/10

 

 

Für dieses riesige, kreative Loch, in dem sich Hollywood nun schon seit Jahren befindet, ist JASON BOURNE (China / Großbritannien / USA 2016, Regie: Paul Greengrass), in dem sich Matt Damon als Jason Bourne mal wieder ein Katz- und Mausspiel mit seinem früheren Arbeitgeber liefert, ein perfektes Beispiel.

Regisseur Greengrass hält seine Kamera, seine diversen Pro- und Antagonisten und seinen Film zwar immer in Bewegung, doch diese ständige Bewegung führt zu keinerlei Intensität, weckt kein großartiges Interesse und lässt den Zuschauer eher als teilnahmslosen Beobachter zurück. Der Hauptplot ist aus den vorherigen Filmen hinlänglich bekannt und mittlerweile nun wirklich nicht mehr dazu geeignet, so etwas wie Spannung zu verbreiten und der Nebenplot um das neue Geheimprogramm der CIA mit dem erfolgreichen Jungunternehmerstar ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk. Wenigstens sind ein paar nette Actionszenen vorhanden und in ein paar wenigen Momenten blitzt auch kurz so etwas wie Potential auf, insgesamt betrachtet ist das alles aber viel zu wenig um so etwas wie echte Begeisterung bei mir als Zuschauer hervorzurufen. Der mit Abstand schwächste Teil der ganzen Reihe.

Bewertung: 5/10

Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 2

BATMAN & ROBIN (Großbritannien/USA 1997, Regie: Joel Schumacher)

batman & robin

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

War in Schumachers Vorgänger BATMAN FOREVER zumindest noch ein Ansatz der Vision aus Burtons ersten beiden Filmen und der düsteren Atmosphäre von Gotham City vorhanden, so ist dieser in BATMAN & ROBIN überhaupt nicht mehr existent. Was wohl insbesondere daran liegen mag, dass Burton beim Vorgänger zumindest noch als Produzent regulierenden Einfluss gehabt haben dürfte und hier einfach nicht mehr an Bord war um die große Katastrophe zu verhindern.

Regisseur Joel Schumacher führt den Franchise mit BATMAN & ROBIN nach Absurdistan. Sein Film ist komplett überzeichneter Kintopp, macht einfach überhaupt gar keinen Sinn mehr und kann wohl als Paradebeispiel eines völlig aus der Bahn geratenen Multi-Millionen-Dollar-Projekts bezeichnet werden. BATMAN & ROBIN hat ca. 125 Mio. Dollar gekostet und es ist unfassbar, dass der Film in dieser Form überhaupt auf ein Publikum losgelassen wurde. Schumacher präsentiert über die komplette Laufzeit von gut 2 Stunden nicht viel mehr als debiles und infantiles Kasperletheater, BATMAN & ROBIN ist Trash in Reinform, allerdings keiner aus der “so bad, it’s good“-Kategorie. Sicher, auch dieser Film hat seine Momente, die sind jedoch ausgesprochen rar gesät und erzeugen ihre Wirkung mehr aus der Fassungslosigkeit des Betrachters heraus und haben weniger mit einer in irgendeiner Weise vorhandenen Qualität zu tun. Unglaublich, einfach unglaublich! Und es ist kein Wunder, dass die Warner Studios nach diesem Film die Reißleine zogen und dem Franchise 8 Jahre später mit BATMAN BEGINS und dem Auftakt von Nolans Trilogie rund um den schwarzen Ritter einen Reboot mit gänzlich anderer Ausrichtung spendierten.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)!

THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Deutschland/Großbritannien/USA 2014, Regie: Wes Anderson)

grand budapest hotel

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Wes Anderson und seine komischen Filme. THE GRAND BUDAPEST HOTEL ist der aktuellste Streich des eigenwilligen Regisseurs und natürlich zu jeder Sekunde als Film von Wes Anderson zu identifizieren. Allerdings muss ich sagen, dass Andersons Stil – zumindest bei mir – langsam erste Abnutzungserscheinungen erkennen lässt. Fand ich den vor ein paar Wochen gesehenen MOONRISE KINGDOM beispielsweise noch ziemlich hervorragend und witzig ohne Ende, so konnte mich THE GRAND BUDAPEST HOTEL eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich zum Lachen bringen. Natürlich ist das Staraufgebot wieder durchaus beeindruckend geraten und natürlich sieht auch THE GRAND BUDAPEST HOTEL in fast allen Einstellungen atemberaubend gut aus (man könnte sich unzählige Screenshots in Postergröße ausdrucken und an die Wand hängen) und vielleicht war das hier – was die visuelle Gestaltung betrifft – sogar einer der beeindruckendsten Filme, die ich seit langer Zeit gesehen habe (THE GRAND BUDAPEST HOTEL ist komplett aufgeräumt, jede Einstellung scheint in perfekter Symmetrie komponiert zu sein und das für den größten Teil der Laufzeit gewählte 1,37:1-Format passt da natürlich hervorragend dazu), aber unter der ganzen Oberfläche, unter den tollen Bildern, den absurden Situationen und den skurrilen Charakteren, befindet sich im Endeffekt ein großes Nichts. THE GRAND BUDAPEST wirkt seltsam kalt und steril, es ist ein Film ohne Herz und ohne Seele (vielleicht kann man das Andersons anderen Filmen auch vorwerfen, aber nie ist es mir so sehr aufgefallen wie hier). Das ist zwar alles ganz hübsch und nett anzusehen, aber das war es dann auch schon wieder.

Persönliche Bewertung: Ok!

NASHVILLE GIRL (USA 1976, Regie: Gus Trikonis)

nashville girl

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

Jamie (Monica Gayle), ein Teenager aus Kentucky, träumt von einer großen Karriere als Country-Star und haut von zu Hause ab um ihr Glück in Nashville, der Hochburg der Country-Szene, zu versuchen. Doch der Weg an die Spitze erweist sich als ausgesprochen steinig…

Roger Corman hatte schon immer ein Gespür für die richtigen Geschichten zum richtigen Zeitpunkt. NASHVILLE GIRL entstand im Jahr 1976, auf dem absoluten Höhepunkt der Country-Welle und außerdem auch in dem Jahr, in dem Robert Altman NASHVILLE drehte. Mit – für Corman üblich – geringsten Mitteln gedreht, wurde natürlich auch dieser Film hier für Corman zum Erfolg. Wahrscheinlich liegt das insbesondere auch daran, dass diese B-Movies, bei denen Roger Corman seine Finger im Spiel hatte, doch immer noch ein kleines bisschen mehr waren als bloße Exploitation. Wie so viele andere Corman-Produktionen auch, zeichnet sich NASHVILLE GIRL vor allem dadurch aus, dass die zahlreich vorhandenen Schauwerte nicht nur lieblos aneinandergereiht wurden, sondern sich in eine Geschichte einfügen, die tatsächlich Interesse beim Zuschauer weckt und diesem nicht vollkommen egal ist. Man möchte einfach wissen, wie es mit Jamie weitergeht, man bangt und hofft mit ihr und wünscht ihr, dass sich all ihre Träume erfüllen mögen. Das ist der kleine und feine Unterschied zu so vielen anderen Filmen aus dem Exploitation-Bereich und das ist auch der Grund, weswegen Roger Corman nun schon seit mittlerweile über 60 Jahren (!!!) mit dem, was er tut, so verdammt erfolgreich ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

BLACKHAT (USA 2015, Regie: Michael Mann)

blackhat

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Nach seinem eher etwas durchwachsenen Ausflug in die Welt des John Dillinger mit PUBLIC ENEMIES kehrt Regisseur Michael Mann mit seinem aktuellen Film wieder ins Hier und Jetzt zurück. BLACKHAT handelt von dem Cyber-Kriminellen Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth), der vom FBI aus dem Knast geholt wird und gemeinsam mit einem chinesischen Agenten (Leehom Wang) Jagd auf einen gefährlichen Hacker machen soll, der durch eine Cyberattacke eine Explosion in einem chinesischen Atomkraftwerk ausgelöst hat…

Spätestens seit dem großartigen, phantastischen, einfach phänomenalen MIAMI VICE scheinen sich an Michael Mann die Geister extrem zu scheiden. PUBLIC ENEMIES fand ich persönlich auch nicht sonderlich gelungen, da der typische Look von Manns Filmen einfach nicht in das im Film dargestellte USA der 30er Jahre gepasst hat. Was es aber nun schon wieder allerorts an BLACKHAT auszusetzen gibt, kann ich ebenso wenig nachvollziehen wie die Kritik an MIAMI VICE vor 9 Jahren.

BLACKHAT ist einfach nur packend und spannend geraten und führt man sich vor Augen, dass Mann hier ja eigentlich ein eher “trockenes“ Thema in einen Thriller umzusetzen hatte, dann kann man nur seinen Hut vor dem Ergebnis ziehen. Über den speziellen Look von Manns Filmen muss man wohl keine großen Worte verlieren, auch BLACKHAT ist visuell wieder allererste Sahne und erinnert – was Stimmung und Atmosphäre angeht, welche ja vor allem durch Manns Bildsprache erzeugt wird (natürlich auch in Verbindung mit dem sensationell guten Score) – stark an COLLATERAL und MIAMI VICE. Die Spannung baut sich langsam und stetig auf und wenn man sich auf den Film einlässt, wird man schon bald in seinen Bann gezogen, versinkt in dieser ganz eigenen Atmosphäre und hat keine Chance, dieser zu entkommen. Und während man gespannt der Handlung des Films folgt, wird man von den wenigen vorhandenen Actionsequenzen, die förmlich aus dem Nichts kommen, staubtrocken, nüchtern und verdammt druckvoll umgesetzt und innerhalb des Handlungsverlaufs jeweils perfekt platziert sind, regelrecht aufgerüttelt und durchgeschüttelt, nur um danach wieder tief einsinken zu können in Manns einzigartige Bilderwelten. Ich bin ziemlich begeistert von BLACKHAT.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE STUNT MAN (USA 1980, Regie: Richard Rush)

the stunt man

(Fassung: Blu-ray, Explosive Media, Deutschland)

Auf der Flucht vor der Polizei landet Cameron (Steve Railsback) eher zufällig am Set des exzentrischen Regisseurs Eli Cross (Peter O’Toole). Dieser bietet ihm Unterschlupf vor der Polizei, im Gegenzug soll Cameron jedoch als Stuntman bei den Dreharbeiten des Kriegsfilms mitwirken, den Cross gerade inszeniert. Die Win-Win-Situation wird schon bald eine einseitige Angelegenheit, denn Eli verlangt von Cameron immer waghalsigere und gefährlichere Stunts und der Stuntman wider Willen ist schon bald fest davon überzeugt, dass ihm der Regisseur nach dem Leben trachtet und seinen Tod vor der Kamera provozieren will…

Einer der späteren Vertreter des New-Hollywood-Kinos, entstanden und herausgekommen zu einer Zeit, in der die ambitionierte New-Hollywood-Bewegung bereits dem Blockbuster-Kino geopfert wurde. THE STUNT MAN ist ein Film, der sich nur schwer greifen lässt, er bewegt sich irgendwo in Grauzonen zwischen Thriller, Komödie, Satire und Drama, Ernsthaftigkeit und exaltierter Klamauk geben sich die Klinke in die Hand und als Zuschauer sitzt man nicht selten etwas ratlos da, weil man einfach nicht genau weiß, wie man das Gezeigte nun einschätzen soll. Aber das macht auch den großen Reiz von Rushs Film aus, der ständig neue Wege einschlägt und so nie Gefahr läuft, in irgendeiner Weise langweilig zu werden. Der Dreh des Kriegsfilms als Rahmenhandlung des Gezeigten sorgt zudem für jede Menge Action, Spektakel und Schauwerte und die beiden Hauptdarsteller agieren einfach großartig. Insbesondere Peter O’Toole als verrückter Regisseur ist schier unglaublich gut.

Schade, dass THE STUNT MAN, der im Jahr 1981 immerhin für 3 Oscars nominiert war, damals kein allzu großer Erfolg beim Publikum gewesen ist und im Endeffekt sogar das Ende der Karriere von Regisseur Richard Rush bedeutete.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE SHIELD: SEASON 2 (USA 2003, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

Detective Vic Mackey (Michael Chiklis) und sein Strike Team sind zurück und planen in dieser zweiten Staffel von THE SHIELD den Coup ihres Lebens. Und dazwischen gibt es natürlich auch noch ein kleines bisschen echte Polizeiarbeit zu erledigen – bevorzugt mit eher fragwürdigen Methoden.

Die zweite Staffel geht ähnlich vielversprechend weiter wie die erste Staffel zu Ende gegangen ist. Shawn Ryan und seine kreativen Köpfe vor und hinter der Kamera werfen den Zuschauer mitten hinein in den von Mackey bearbeiteten Problembezirk von L.A. und konfrontieren diesen erneut mit einem Hauptcharakter, der streitbarer nicht sein könnte. Michael Chiklis ist erneut grandios in der Rolle des kriminellen Cops, der es mit unglaublicher Arroganz immer wieder schafft, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen und einfach sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen. Erschreckend an THE SHIELD ist insbesondere, wie unheimlich authentisch das Gezeigte wirkt – was natürlich auch dem halbdokumentarischen Stil geschuldet ist, aufgrund des überwiegenden Einsatzes von Handkameras, vielen verwackelten und grobkörnigen Aufnahmen und teils abenteuerlichen Einstellungen und Schnitten, wird man als Zuschauer regelrecht ins Geschehen katapultiert – und es steht zu hoffen, dass es den Machern lediglich verdammt gut gelungen ist, so etwas wie Realität vorzutäuschen. Dass das hier tatsächlich so etwas wie den Polizeialltag wiederspiegeln könnte, kann und will ich einfach nicht glauben.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

SNITCH (USA/Vereinigte Arabische Emirate 2013, Regie: Ric Roman Waugh)

snitch

(Fassung: Blu-ray, Tobis, Deutschland)

In SNITCH lässt sich ein verzweifelter Vater (Dwayne Johnson) auf einen gefährlichen Deal mit den Behörden ein. Um seinen Sohn aus dem Gefängnis zu holen, versucht er einen mächtigen Drogendealer zu Fall zu bringen. SNITCH startet mit einer Hinweistafel, dass der folgende Film auf wahren Begebenheiten beruhe. Wahr dürfte dabei allerdings weniger der konkrete Fall sein, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Ric Roman Waugh für seine fiktive Geschichte von einer gleichnamigen Dokumentation aus dem Jahr 1999 inspirieren ließ.

Im Grunde erzählt SNITCH eine Geschichte, wie sie schon unzählige Male vorher erzählt wurde. Die Geschichte des verzweifelten Vaters, der alles tun würde, um seine Familie zu beschützen, die Geschichte des Underdogs, der es mit einer Übermacht aufnimmt und die Geschichte eines verlogenen Justizsystems, welches Kollateralschäden billigend in Kauf nimmt um irgendwie diesen einen, großen Fisch an die Angel zu bekommen. Großartige Überraschungen darf man von SNITCH also nicht unbedingt erwarten. Waugh erzählt seine Geschichte auf zunächst ausgesprochen ruhige und behutsame Art und Weise, es ist ihm viel daran gelegen, die Spannung langsam aufzubauen und seine Charaktere ordentlich zu entwickeln. Das gelingt ihm im Großen und Ganzen auch recht ansprechend und SNITCH ist durchaus ein Film – vor allem dank Hauptdarsteller Dwayne Johnson, der seine Sache richtig gut macht und den Part des verzweifelten Vaters überzeugend spielt – bei dem man dranbleiben möchte, bei dem man doch irgendwann gespannt ist, welchen Weg das Drehbuch nehmen wird um zum unumgänglichen Happy End zu gelangen. Es ist aber kein Film der großartig fesseln würde, den man seinen Freunden sofort weiterempfehlen möchte und der lange im Gedächtnis bleiben wird. Dafür ist das dann doch alles viel zu austauschbar und vorhersehbar geraten. Solide Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger.

Persönliche Bewertung: Ok!