Shocktober 2015 – First Batch

NIGHT OF THE BIG HEAT (Großbritannien 1967, Regie: Terence Fisher)night of the big heat

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Regisseur Terence Fisher hat Ende der 50er Jahre für die britischen Hammer-Studios Filmgeschichte geschrieben und u.a. DRACULA und THE CURSE OF FRANKENSTEIN mit dem Duo Christopher Lee und Peter Cushing gedreht. Ende der 60er Jahre neigte sich Fishers Karriere als Regisseur schon langsam dem Ende entgegen und mit NIGHT OF THE BIG HEAT hat der tolle Regisseur dann auch mindestens eine Gurke in seiner Vita stehen, aber zumindest eine liebenswerte und sympathische Gurke.

In NIGHT OF THE BIG HEAT geht es um eine unerklärliche Hitzewelle, die eine der Kanalinseln mitten im Winter heimsucht und während der allerhand mysteriöse Dinge geschehen. Zum Glück ist Wissenschaftler Christopher Lee vor Ort, der außerirdische Mächte im Spiel sieht und den Dingen auf den Grund gehen will. Unterstützung erhält er dabei von seinem alten Kumpel Peter Cushing, während der von Patrick Allen gespielt Autor und Gasthausbesitzer Jeff Callum ganz andere Sorgen hat, muss er doch versuchen, seine Ehefrau und seine Geliebte irgendwie unter einen Hut zu bekommen.

NIGHT OF THE BIG HEAT ist harmloser, liebevoller und irgendwie auch sympathischer Science-Fiction-Trash, dem es allerdings doch arg an Spannung mangelt und durch den man sich – ich will da nichts beschönigen – über 90 Minuten mitunter auch etwas durchkämpfen muss. Da auch die hinter der Hitzewelle steckenden Aliens nicht für großartige Überraschungen oder Schauwerte sorgen, liegt es letztendlich allein am Duo Lee/Cushing, den Tag zumindest halbwegs zu retten. So wirklich gelingen mag ihnen das jedoch auch nicht.

Persönliche Bewertung: Naja!

ANNABELLE (USA 2014, Regie: John R. Leonetti)

annabelle

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Paranormale Aktivitäten, Besessenheit, Okkultismus – das sind mit die Lieblingsthemen im Bereich des Horrorkinos. THE CONJURING aus dem Jahr 2013 war einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre in diesem Bereich und hat nun mit ANNABELLE ein Prequel spendiert bekommen, in dem die Vorgeschichte der besessenen Puppe aus THE CONJURING erzählt wird, allerdings in einem eher durchschnittlichen Film innerhalb des Subgenres. Regisseur John R. Leonetti versucht es mit Atmosphäre, vereinzelten Schockeffekten und diesem ungeschriebenen Gesetz, dass Puppen im Horrorfilm allein aufgrund ihrer Anwesenheit einfach immer verdammt creepy rüberkommen. So hat ANNABELLE dann auch durchaus seine Momente, insgesamt betrachtet fehlt es dem Film jedoch an Spannung und die Hauptfigur ist leider so klischeehaft und teilweise auch nervig gezeichnet, dass es schwer fällt, zu ihr eine Beziehung aufzubauen und mit ihr mitzufiebern. So schaut man sich die Kirmesveranstaltung eher im Berieselungsmodus an, erfreut sich am einen oder anderen Schockeffekt und kommt, wenn der Abspann schließlich einsetzt, mal wieder zu der Erkenntnis, dass man bei der persönlichen Bewertung von Horrorfilmen immer mal wieder das eine oder andere Auge zudrückt.

Persönliche Bewertung: Ok!

SATAN’S CHILDREN (USA 1975, Regie: Joe Wiezycki)

satan's children

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

In SATAN’S CHILDREN haut der junge Bobby Douglas (Stephen White) von zu Hause ab, weil er die ständigen Erniedrigungen seines Vaters und seiner Stiefschwester nicht mehr ertragen kann, wird kurz danach von einer Gruppe Homosexueller missbraucht, landet schließlich in den Armen einer Sekte von homophoben Teufelsanbetern und knallt im Finale ähnlich durch wie Regisseur Joe Wiezycki und seine Drehbuchautoren, die diesen unglaublichen Blödsinn zu verantworten haben.

SATAN’S CHILDREN ist einer dieser Filme, die man gesehen haben muss, um tatsächlich glauben zu können, dass sie existieren. Es ist allerdings keiner dieser Filme, die in die „So bad, it’s good“-Kategorie passen. (Fast) alles an SATAN’S CHILDREN ist einfach nur stümperhaft. Da helfen auch die vielen Unglaublichkeiten nicht mehr weiter, die Regisseur Joe Wiezycki im Lauf seiner gut 80 Minuten so aneinandergereiht hat (der Sleaze-Faktor dieses Underground-Exploiters ist verdammt hoch). Positiv hervorzuheben ist lediglich der Score von Ray Fletcher, dem es tatsächlich gelingt, ab und an zumindest einen Hauch von Atmosphäre zu erzeugen und der definitiv einen besseren Film als diesen hier verdient gehabt hätte. Die Darsteller (als Schauspieler mag man sie einfach nicht bezeichnen) agieren hölzern, die Settings sind ein Graus, der ganze Plot ergibt einfach keinen Sinn, die latent homophobe Grundaussage des Films ist ärgerlich (aber auch nicht wirklich ernst zu nehmen) und die meisten Kameraeinstellungen sind mit dem Begriff „abenteuerlich“ noch positiv beschrieben. Es gibt im Endeffekt nur eine richtig tolle Sequenz. Kurz nachdem die Hauptfigur abgehauen ist, folgt ihr die Kamera durch die nächtlichen Straßen, als Zuschauer ist man ihr als stiller Beobachter auf der Spur und zu diesem relativ frühen Zeitpunkt (die Szene kommt nach ca. 15 Minuten) hofft man noch, dass der Film vielleicht doch halbwegs ansehbar werden könnte. Es bleibt bei der Hoffnung…

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen ganz wenigen Momenten)!

THE WICKER MAN (Großbritannien 1973, Regie: Robin Hardy)

the wicker man

(Fassung, DVD (Director’s Cut), Warner, Großbritannien)

Um das Verschwinden eines 12-jährigen Mädchens aufzuklären reist ein Polizist (Edward Woodward) auf eine kleine schottische Insel und trifft dort auf heidnische Rituale, eine Wand aus Ablehnung, Schweigen, Widersprüchen und auf den undurchsichtigen Lord Summerisle (Christopher Lee). Doch das Sträuben der Inselbewohner, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, stachelt die Motivation des Polizisten nur noch mehr an…

Wow, was für ein Brett von einem Film. Regisseur Robin Hardy lässt das Grauen heimlich, still und leise über seine Zuschauer hereinbrechen, baut Spannung und Atmosphäre ganz behutsam auf, erschafft mit Hilfe seines Kameramannes Harry Waxman gleichzeitig wunderschöne, verstörend und höchst beunruhigende Bilder und knallt dem Zuschauer ein Ende vor den Latz, welches gut als Äquivalent zum sprichwörtlichen Hieb in die Magengrube durchgehen kann. Und dann noch diese Musik von Paul Giovanni, die man wohl perfekter nicht hätte komponieren können und die einen ganz großen Anteil an der ungemein dichten Atmosphäre von THE WICKER MAN hat. Genrekino at its best.

Und wenn man das Gesehene schließlich nach dem Abspann langsam verarbeitet, fällt natürlich auch auf, dass Hardys Film neben dem Schrecken, den er transportiert, vor allem auch die Glaubensfrage nach dem Sinn und Unsinn von Religionen stellt. Die kann dann jeder für sich selbst beantworten.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE WOMAN IN BLACK (Großbritannien/Kanada/Schweden 2012, Regie: James Watkins)

the woman in black

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Mit der Action-Mystery-Komödie THE LADY VANISHES verabschiedeten sich die altehrwürdigen Hammer Studios aus Großbritannien im Jahr 1979 aus dem Filmgeschäft. 3 Jahre zuvor hatten sie mit TO THE DEVIL A DAUGHTER ihren letzten Horrorfilm in die Kinos gebracht. Das Ende einer der großartigsten Produktionsschmieden des Genrefilms.

Seit nunmehr 5 Jahren ist Hammer Films zurück und ja, es tut gut, in den Anfangscredits eines Horrorfilms zu lesen, dass dieser von Hammer (mit-)produziert wurde. THE WOMAN IN BLACK mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe in der Hauptrolle ist eine dieser neueren Hammer-Produktionen und zumindest mit diesem Film bleibt sich das Londoner Studio vom Stil her treu und versucht, an alte Taten aus den 50er, 60er und 70er Jahren anzuknüpfen. THE WOMAN IN BLACK präsentiert routinierten Gothic Horror, mit einem Hauptdarsteller, dem es erfolgreich gelingt, das Image des Zauberlehrlings abzustreifen, mit einer traumhaften Ausstattung und tollen Settings in typischer Hammer-Tradition, mit ein paar gelungenen Schockeffekten und mit einer wundervollen Gruselatmosphäre, die an die glorreichen Zeiten des Studios erinnert. Ein rundum sympathischer Film, dem es aber – und da nutzen auch die schönste Atmosphäre und die tollste Ausstattung nichts – für einen Film aus dem Horrorgenre doch zu sehr an Spannung mangelt und der aus diesem Grund nicht vollends zu überzeugen weiß. Die Verpackung von THE WOMAN IN BLACK ist grandios, wenn dann vielleicht auch bald wieder der Inhalt passt, kann man sich über die Auferstehung der Hammer Studios noch mehr freuen.

Persönliche Bewertung: Nett!

IL DIO SERPENTE (Italien/Venezuela 1970, Regie: Piero Vivarelli)

il dio serpente

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In IL DIO SERPENTE dreht sich alles um die attraktive Paola (Nadia Cassini), die gelangweilt und einsam auf einer Insel in der Karibik sitzt, weil ihr schwerreicher Ehemann mehr Zeit mit seinen Geschäften verbringt als mit seiner Ehefrau. Als sie die unabhängige und freiheitsliebende Stella (Beryl Cunningham) kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen schon bald eine innige Freundschaft. Über Stella kommt Paola mit einem Voodookult in Berührung und nimmt auch schon bald an einem Ritual teil, während dem sie dem titelgebenden Schlangengott verfällt. Mit fatalen Folgen…

Die IMDB listet IL DIO SERPENTE auch als Horrorfilm, so wirklich zutreffend ist diese Kategorisierung nicht. Gut, das ausführlich gezeigte Voodooritual würde auch in einen Horrorfilm passen und passagenweise weist Vivarellis Film auch eine durchaus unheimliche Atmosphäre auf, davon, ein echter Schocker zu sein, ist IL DIO SERPENTE jedoch meilenweit entfernt. Das liegt vor allem daran, dass Regisseur Piero Vivarelli sich nicht wirklich für das theoretisch vorhandene Horrorpotential – unheimlicher Voodookult, eine Frau unter dem Einfluss einer mysteriösen Gottheit – interessiert, einfach keine spannende Geschichte erzählen will, sondern sich einzig und allein auf seine Schauwerte verlässt. IL DIO SERPENTE fließt förmlich am Zuschauer vorbei und überzeugt bzw. unterhält einzig und allein aufgrund seiner traumhaften Kulisse, seines nichtwegzuleugnenden Mystery-Touchs, seines exotischen Story-Aufhängers und seiner ungemein attraktiven Hauptdarstellerin, die ihre formvollendeten Rundungen in nicht wenigen Szenen fast gänzlich unverhüllt in die Kamera hält.

Persönliche Bewertung: Ok!

OPERA (Italien 1987, Regie: Dario Argento)

opera

(Fassung: DVD, Arrow Video, Großbritannien)

Die junge Opernsängerin Betty (Cristina Marsillach) erhält kurzfristig die Chance auf die weibliche Hauptrolle in einer neuen Aufführung von MacBeth und lässt ihr Publikum begeistert zurück. Doch die Freude über den Erfolg ist nur von kurzer Dauer, denn Betty muss sich damit auseinandersetzen, dass ein verrückter Killer plötzlich anfängt, Menschen in ihrem Umfeld auf bestialische Weise zu ermorden – und Betty zwingt, bei den Morden zuzusehen…

Mit OPERA hat Altmeister Dario Argento einen mehr als beeindruckenden Spät-Giallo hingelegt, der sich weder vor Argentos eigenen Großtaten noch vor sonstigen Klassikern des insbesondere in den 70er Jahren erfolgreichen Subgenres verstecken muss. OPERA bietet tatsächlich alles, was man sich vom Genre erwartet und erhofft. Eine weibliche Hauptperson, mit der man ganz vorzüglich mitfiebern kann, einen mysteriösen Killer mit schwarzen Handschuhen, eine wendungsreiche und spannende Handlung, eine unheilschwangere Atmosphäre, extrem blutige Mordszenen, tolle Settings, grandiose Kamerafahrten und einen atmosphärischen Score. Ich habe OPERA erst jetzt zum allerersten Mal gesehen und bin ziemlich geplättet. Es sind Filme wie dieser hier, wegen denen ich dem italienischen Genrekino schon seit einigen Jahren hoffnungslos verfallen bin.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

HELLRAISER III: HELL ON EARTH (Kanada/USA 1992, Regie: Anthony Hickox)

hellraiser iii - hell on earth

(Fassung: DVD, Anchor Bay, Großbritannien)

Ich habe mir bisher immer nur die ersten beiden Teile der Hellraiser-Reihe angesehen und möchte mich nun auch mal an die Nachfolgefilme wagen. In HELLRAISER: HELL ON EARTH bekommt es dieses Mal eine TV-Reporterin (Terry Farrell) mit Pinhead (Doug Bradley) zu tun und hat alle Mühe, das Nadelgesicht und seine Kumpanen wieder zurück in die Hölle zu schicken.

An die beiden ziemlich tollen Vorgänger kommt dieser dritte Teil von Anthony Hickox erwartungsgemäß nicht heran. HELLRAISER III: HELL ON EARTH ist – obwohl sich Hickox in Sachen Settings und Effektkunst viel Mühe gegeben hat, den beiden Auftaktfilmen gerecht zu werden – deutlich eingängiger als die Filme von Clive Barker und Tony Randel geraten und wirkt auch deutlich weniger verstörend. Insbesondere im Vergleich zu Barkers Original aus dem Jahr 1987 wirkt dieser Film hier fast schon harmlos. Gefallen hat mir HELLRAISER III: HELL ON EARTH dennoch ziemlich gut. Weil er seine Geschichte ohne großartige Schnörkel an den Mann bringt, weil die Effekte wieder richtig gut gelungen sind und der Film visuell ein paar ausgesprochen hübsche Einfälle zu bieten hat, weil Hauptdarstellerin Terry Farrell einfach toll ist und sich die von ihr gespielte Reporterin bestens als beschützenswerte Identifikationsfigur eignet, weil insbesondere diese Szenen im Underground-Club klasse umgesetzt sind und – vielleicht der Hauptgrund, weswegen ich den Film mochte – weil Anthony Hickox insgesamt betrachtet mit diesem Film vielleicht sogar mehr geboten hat, als man von so einer Fortsetzung, die ja auch eher mit einem sehr schmalen Budget ausgestattet gewesen sein dürfte (lt. IMDB hat der Film ca. 5 Mio. Dollar gekostet) und eher im Hinblick darauf gedreht wurde, noch mal schnell ein bisschen Kohle mit dem Franchise zu machen, überhaupt erwarten konnte.

Persönliche Bewertung: Gut!

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Juli 2015 – Sammelbeitrag Nr. 3

CURSE OF THE CRIMSON ALTAR (Großbritannien 1968, Regie: Vernon Sewell)

curse of the crimson altar

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Britische Horror- bzw. Gruselkost aus den späten 60er Jahren – eigentlich immer eine sichere Bank. In CURSE OF THE CRIMSON ALTAR begibt sich ein Mann (Mark Eden) auf die Suche nach seinem verschwundenen Bruder. Diese führt ihn in das mondäne Anwesen des geheimnisvollen Morley (Christopher Lee) und auf die Spur alter Hexenkulte und Opferungszeremonien. Regisseur Vernon Sewell präsentiert mit CURSE OF THE CRIMSON ALTAR eine gelungene Mischung aus Gothic Horror und Sixties-Psychedelia. Die Handlung spielt sich innerhalb eines riesigen, alten Hauses ab, mit düsteren Ecken und Winkeln, mit Spinnweben verhangenen, geheimen Räumen und einem unheimlichen Privatfriedhof. Es gibt obskure Hexenzeremonien in grellen Farben zu bewundern, es gibt eine komplett aus dem Ruder laufende Partyszene, es gibt ein bisschen nackte Haut und es gibt eine rasant erzählte und auch heute noch eine gewisse Spannung verbreitende Geschichte. Und CURSE OF THE CRIMSON ALTAR bietet dem Genrefreund nicht nur Christopher Lee, sondern auch noch Boris Karloff, Michael Gough und Barbara Steele (letztere in einem irrsinnigen Outfit als Hexe Lavinia) in der Besetzungsliste. Sonderlich viel mehr geht eigentlich gar nicht.

Persönliche Bewertung: Gut!

TAKEN 3 (Frankreich 2014, Regie: Olivier Megaton)

taken 3

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Im dritten Teil der Reihe begibt sich Liam Neeson als Bryan Mills auf die Jagd nach den Mördern seiner Ex-Frau (Famke Janssen) und befindet sich dabei gleichzeitig auf der Flucht vor der Polizei in Gestalt von Forest Whitaker, denn die Mörder haben es geschickt hinbekommen, den Verdacht auf Mills zu lenken…

Die Geschichte des unschuldig Verdächtigen, der sich auf die Suche nach den wahren Tätern begibt um sowohl Rache zu üben als auch seine Unschuld zu beweisen, ist wahrscheinlich schon fast so alt wie das Kino selbst. TAKEN 3 ist also ziemlich weit davon entfernt, so etwas wie einen Innovationspreis für das Drehbuch gewinnen zu können. Regisseur Olivier Megaton gelingt es dennoch, diesen 08/15-Plot halbwegs spannend und kurzweilig umzusetzen und wie man Actionszenen gekonnt inszeniert, hat Megaton ja zuvor bereits mit TRANSPORTER 3, COLOMBIANA und TAKEN 2 bewiesen. Die Mischung aus Thrill und Action ist Megaton auch hier richtig gut gelungen, TAKEN 3 ist nicht so extrem überladen wie manch anderer Genrevertreter und vermeidet es, den Zuschauer mit Dauerbefeuerung zu ermüden. Die vorhandenen Actionsequenzen sind – trotz oft schneller Schnitte – übersichtlich geraten, gut choreographiert (insbesondere die Highway-Verfolgungsjagd und die Sache mit dem Flugzeug im Finale) und innerhalb der Handlung jeweils perfekt platziert. Das ist sicher kein Film, der das Rad neu erfinden kann, Freunde des Actionkinos können sich aber definitiv auf gute und solide Unterhaltung einstellen.

Persönliche Bewertung: Gut!

THIEVES’ HIGHWAY (USA 1949, Regie: Jules Dassin)

thieves' highway

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In THIEVES’ HIGHWAY begibt sich Richard Conte als Nick Garcos in eine gefährliche Zwischenwelt skrupelloser Händler und Geschäftemacher. Eigentlich wollte er nur Licht in einen mysteriösen Unfall seines Vaters (Morris Carnovsky) bringen, an dem der fiese Großhändler Mike Figlia (Lee J. Cobb) wohl nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte. Aber auf das, was ihn letztendlich in den dunklen Straßen von San Francisco erwartet, ist Nick gänzlich unvorbereitet…

Regisseur Jules Dassin zeichnet in THIEVES’ HIGHWAY eine Welt, in der sich jeder selbst am nächsten ist, in der man niemandem trauen kann und in der man – sofern man nicht entsprechend gewappnet sein sollte – Gefahr läuft, komplett unter die Räder zu kommen. THIEVES’ HIGHWAY hat mich in erster Linie aufgrund seiner glaubwürdigen und ungemein authentisch rüberkommenden Zeichnung der handelnden Charaktere und ihres eigenen Mikrokosmos fasziniert. Fast könnte man meinen, hier habe ein Kamerateam einfach mal ihr Arbeitsgerät laufen lassen, während die Händler und Geschäftemacher ihre Waren anpreisen und sowohl ihre Geschäftspartner als auch ihre Kunden versuchen, übers Ohr zu hauen. Dassins Film zählt zum Genre des Film Noir, es dürfte einer der ungewöhnlichsten Vertreter seiner Art sein.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

47 RONIN (USA 2013, Regie: Carl Rinsch)

47 ronin

(Fassung: Blu-ray 3D, Universal, Deutschland)

Anfang des 18. Jahrhunderts rächten 47 herrenlose Samurai den Mord an ihrem Lehnsherren. Dieses historische Ereignis diente als Vorlage für den Film von Regisseur Carl Rinsch, der der Geschichte noch einen Fantasy-Touch in Form von Hexen, Drachen u.ä. hinzufügt. 47 RONIN spult sein Pensum dann auch erwartungsgemäß ohne größere Höhepunkte oder Überraschungen ab. Die Kampfszenen sind anspruchsvoll in Szene gesetzt, größere Längen sind praktisch nicht vorhanden und die beiden Wörter, mit denen man 47 RONIN wohl mit am besten beschreiben kann lauten unterhaltsam und solide. Wer sich mit dem asiatischen Kino im Allgemeinen und dem japanischen Kino im Speziellen schon näher auseinandergesetzt hat, dürfte Geschichten wie diese hier schon in Hülle und Fülle und häufig auch weitaus besser und überzeugender zu Gesicht bekommen haben. Für eine Produktion aus den USA geht der Film schon in Ordnung.

Persönliche Bewertung: Ok!

KINGSMAN: THE SECRET SERVICE (Großbritannien 2014, Regie: Matthew Vaughn)

kingsman - the secret service

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Der etwas andere Agentenfilm. War aber auch durchaus zu erwarten. Schließlich führte hier Matthew Vaughn Regie und der hat 4 Jahre vorher mit KICK-ASS ja auch den etwas anderen Superheldenfilm gedreht. KINGSMAN: THE SECRET SERVICE braucht zwar eine gute Stunde, bis er so richtig in Fahrt kommt, sprüht aber auch schon während dieser Zeit, in der er Geschwindigkeit langsam aufnimmt, vor lauter Einfallsreichtum und begeistert mit vielen tollen Ideen und absurden Situationen, in die die verschiedenen Pro- und Antagonisten immer wieder geraten. Das ist einer dieser Filme, die einfach nur richtig gute Laune verbreiten und von vorne bis hinten richtig viel Spaß machen. Erinnerungswürdige Szenen gibt es zuhauf, meine persönlichen Favoriten sind die komplett wahnsinnige Sequenz in der Kirche und dieses ganz spezielle Feuerwerk, welches im Finale gezündet wird. Und Samuel L. Jackson als lispelnder Supergangster ist die absolute Schau. Zu manchen Filmen muss man gar nicht mehr sagen als dieses eine Wort: Anschauen! KINGSMAN: THE SECRET SERVICE ist einer von ihnen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

CHAPPIE (Mexiko/USA 2015, Regie: Neill Blomkamp)

chappie

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Regisseur Neill Blomkamp bleibt sich selbst und dem Science-Fiction-Genre treu. In seinem nach DISTRICT 9 und ElYSIUM dritten, abendfüllenden Spielfilm dreht sich alles um einen Roboter mit einem Bewusstsein.

Dem für einen Waffenkonzern arbeitenden Deon Wilson (Dev Patel) ist nämlich ein bahnbrechender Durchbruch bei der Erforschung künstlicher Intelligenz gelungen. Doch dummerweise ist seine Chefin (Sigourney Weaver) nicht wirklich an seinen Erkenntnissen interessiert und möchte lieber ihre für die Polizei in Johannesburg angefertigten Kampfroboter, die mehr oder weniger selbständig auf Verbrecherjagd gehen können, weiter an den Mann bringen. Als einer dieser Roboter bei einem Einsatz irreparabel beschädigt wird und entsorgt werden soll, klaut Deon den defekten Roboter um ihn eine neue Software aufzuspielen, die dafür sorgen soll, dass der Roboter lernfähiger wird sowie Gefühle und ein eigenes Bewusstsein entwickeln kann. Doch dummerweise fallen Deon und sein Roboter einem Gangsterpärchen (gespielt vom südafrikanischen Alternative-Rap-Duo Die Antwoord, bestehend aus Yolandi Visser und Watkin Tudor Jones aka Ninja, welches auch für einen Großteil der Songs auf dem Soundtrack des Films verantwortlich zeichnet) in die Hände und die haben so ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Nutzen eines intelligenten Roboters…

CHAPPIE ist so etwas wie die Actionvariante von SHORT CIRCUIT, Badhams 80er-Jahre-Klassiker, in dem der kleine Roboter Number 5 ein eigenes Bewusstsein entwickelt, bzw. eine Kreuzung aus SHORT CIRCUIT und ROBOCOP. Blomkamp erzählt seine Geschichte in einer gelungenen Mischung aus dramatischen, komischen und spannenden Momenten, reichert seinen Film mit jeder Menge spektakulärer und druckvoll inszenierter Actionsequenzen an und konfrontiert den Zuschauer in diesen auch mit teils heftigen Gewaltausbrüchen und Splattereffekten. Gleichzeitig gelingt es ihm, den Titelhelden so zu zeichnen und zu entwickeln, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als Empathie für ihn zu entwickeln. Man hofft und bangt tatsächlich mit dieser Maschine und diese Tatsache kann man durchaus als verstörend bezeichnen.

Der in einer nicht allzu weit entfernt liegenden Zukunft spielende Film stellt dabei zwangsläufig die Frage, wie weit technischer Fortschritt noch gehen kann, muss und darf und befindet sich natürlich in bester Gesellschaft unzähliger anderer Genrevertreter, die auch bereits vor CHAPPIE vor der zunehmenden Hilflosigkeit des Menschen gegenüber den Maschinen gewarnt haben.

Lediglich das Finale, in dem es schließlich um das Schicksal des Roboters, seines Schöpfers und des Gangsterpaares geht, ist dann doch etwas arg übertrieben und hanebüchen ausgefallen – man könnte fast meinen, Neill Blomkamp seien da selbst ein paar Sicherungen durchgebrannt – und sorgt letztendlich leider dafür, dass aus einem zuvor noch sehr guten dann am Ende des Tages halt doch “nur“ ein guter Film wird.

Persönliche Bewertung: Gut!

TO THE DEVIL A DAUGHTER (Deutschland/Großbritannien 1976, Regie: Peter Sykes)

to the devil a daughter

(Fassung: DVD, Optimum, Großbritannien)

Okkult-Horror aus dem Hause Hammer Films, die mit TO THE DEVIL A DAUGHTER, den sie in Kooperation mit der Berliner Terra Filmkunst verwirklichten, damals den Versuch unternahmen, thematisch an die Erfolge solcher Filme wie ROSEMARY’S BABY und THE EXORCIST anzuknüpfen. Obwohl der Film – das kann man der auf der mir vorliegenden DVD enthaltenen Kurz-Dokumentation entnehmen – durchaus erfolgreich gewesen ist und beim Publikum gut ankam, sollte er damals der letzte Horrorfilm gewesen sein, der von den Hammer Film Studios produziert wurde und gar für sehr, sehr lange Zeit (die umtriebige Produktionsgesellschaft feierte erst im Jahr 2010 ihr Comeback) einer der letzten Filme von Hammer überhaupt (3 Jahre nach diesem Film kam noch ein Remake des Hitchcock-Klassikers THE LADY VANISHES heraus und das sollte es dann im Endeffekt erst mal gewesen sein).

Aus dem direkten Vergleich mit den im Eingangssatz genannten Vorbildern geht TO THE DEVIL A DAUGHTER jedoch nur als zweiter Sieger hervor. Der mit Christopher Lee, Richard Widmark, Honor Blackman, Denholm Elliott und der jungen Nastassja Kinski wirklich ganz hervorragend besetzte Film wirkt stellenweise etwas zerfahren, es dauert sehr lange, bis sich so etwas wie Spannung entwickeln kann und insbesondere das Ende kann nicht wirklich überzeugen. Zuzuschreiben ist das alles wohl in erster Linie den widrigen Produktionsumständen, unter denen der Film entstand. Die Zusammenarbeit mit Richard Widmark, der Hollywood-Standards erwartete und wohl ziemlich kompliziert sein konnte, soll laut Aussagen in der o.g. Kurzdoku die Hölle gewesen sein und die zu Drehbeginn vorliegende Drehbuchfassung war wohl nicht zu gebrauchen, so dass Regisseur Peter Sykes ohne Skript mit den Dreharbeiten beginnen musste und das Drehbuch während der Produktion erst umgeschrieben und überarbeitet wurde.

Bedenkt man diese Umstände, so kann sich das fertige Ergebnis durchaus sehen lassen. TO THE DEVIL A DAUGHTER verbreitet stellenweise eine ziemlich unheimliche und beunruhigende Atmosphäre und dass der Film mit Schauwerten geizen würde, kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Teilweise geht es ziemlich derb zur Sache und so manche Grenze des guten Geschmacks wird in so einigen Sequenzen genüsslich überschritten.  Freunde gepflegter Exploitation machen mit diesem Film hier sicherlich nichts falsch.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE INTERVIEW (USA 2014, Regie: Evan Goldberg/Seth Rogen)

the interview

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Seth Rogen und James Franco spielen zwei TV-Journalisten, die nicht gerade für seriöse Unterhaltung bekannt sind, jedoch die einmalige Chance bekommen, den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un (Randall Park) zu interviewen. Das bleibt auch dem CIA nicht verborgen und die beiden werden vom Geheimdienst angeheuert, einen Mordanschlag auf Kim zu verüben…

THE INTERVIEW hat zur Jahreswende hohe Wellen geschlagen. Die nordkoreanische Führung war über den Inhalt des Films verständlicherweise “not amused“ und bezeichnete die Herstellung des Films als terroristischen Akt. Auf Sony Pictures – als Mutterkonzern der produzierenden Columbia Pictures – wurde im folgenden ein massiver Hackerangriff ausgeübt, bei dem nicht nur eine Kopie dieses Films, sondern unzählige weitere Daten gestohlen wurden und mit der Veröffentlichung dieser Daten gedroht wurde, solle THE INTERVIEW tatsächlich veröffentlicht werden. Als schließlich auch noch ernstzunehmende Anschlagsdrohungen auf Kinos ausgesprochen wurden, die den Film zeigen wollten, zog Sony den Kinostart zurück, Rogen und Franco stellten jede Promotion für den Film ein. Es war schließlich US-Präsident Obama höchstpersönlich, der einen Start des Films forderte und dafür sorgte, dass THE INTERVIEW an Weihnachten 2014 in ausgewählten Programmkinos startete und kurze Zeit später auch im Internet gestreamt wurde. Im Endeffekt war diese Kontroverse natürlich perfekte Werbung für den Film, sorgte auf der anderen Seite aber auch dafür, dass THE INTERVIEW die Erwartungshaltung des Publikums, die aufgrund des Trubels entstanden war nur schwer erfüllen konnte.

Natürlich ist THE INTERVIEW im höchsten Maße respektlos und politisch absolut unkorrekt, verhöhnt den alles andere als ungefährlichen Diktator Nordkoreas auf teils derbe Art und Weise und ist – vor dem Hintergrund des politischen Weltklimas – sicher nicht ganz unproblematisch. Die Frage, wie weit Satire letztendlich gehen darf und ob THE INTERVIEW tatsächlich zu weit geht, muss wohl jeder für sich selbst beantworten.

Ich persönlich stelle mir jedoch eher die Frage, ob man THE INTERVIEW überhaupt ernstnehmen kann. Denn Rogen und Goldberg haben auch ihre Satire mit dem typischen Fäkalhumor angereichert, der praktisch in allen Komödien mit Seth Rogen in der Hauptrolle vorhanden ist und das führt letztendlich dazu, dass der Film stellenweise so extrem überzeichnet rüberkommt, dass er von bitterböser Komik, bei der einem das Lachen regelrecht im Halse steckenzubleiben droht – wie beispielsweise in der Dschihad-Komödie FOUR LIONS perfekt praktiziert – doch meilenweit entfernt ist. Am Ende des Tages ist das hier ein typischer Seth-Rogen-Film mit einigen irrsinnig lustigen Sequenzen und jeder Menge pubertierendem Fäkalhumor. Wenn man – wie ich – die Filme des Komikers mag, wird man auch THE INTERVIEW mögen, wenn man weniger mit seiner Form des Humors anfangen kann, dürfte die Sichtung dieses Films eher verschwendete Lebenszeit darstellen.

Persönliche Bewertung: Gut!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 3

ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN (Deutschland/Frankreich 1967, Regie: José Bénazéraf)

st. pauli zwischen nacht und morgen

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Liebesgeschichte mit leicht erotischem Touch, Milieustudie, Kriminalfilm – ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN ist all das und eventuell noch viel mehr, es ist einer dieser Filme, die man nur schwer zu fassen bekommt und noch viel schwerer in Worte fassen kann. Dabei ist die Handlung relativ einfach gestrickt und geradlinig erzählt – den Interpol-Agenten Helmut Schmidt (Helmut Förnbacher) führen Ermittlungen in einer Rauschgiftsache aus der Schweiz nach St. Pauli, wo er die Stripperin Arlette (Eva Christian) kennenlernt und sich in sie verliebt; durch sie und sein mutiges Verhalten während eines Raubüberfalls gelingt es ihm, sich in die Bande von Nachtclubbesitzer Bernie (Rolf Eden) einzuschleusen, der sein Interesse an Drogengeschäften mittlerweile verloren zu haben scheint und stattdessen den Überfall auf einen Geldtransporter plant; mehr und mehr erliegt Schmidt den Verführungen des Verbrechens -, es ist wahrscheinlich die Art der Erzählweise, die Regisseur José Bénazéraf gewählt hat und die ST. PAULI ZWISCHEN NACHT UND MORGEN so seltsam erscheinen lässt. Viele Sequenzen scheinen einfach nur ohne großartige Bindung nebeneinander zu stehen, die Kamera wackelt hin und wieder wie in einem Amateurfilm, Gegenstände und Menschen werden plötzlich rangezoomt, sind in einem Moment scharf und im nächsten Moment wieder unscharf zu sehen und einen gewissen surrealen Touch kann man dem Film sicher nicht absprechen. Als Zuschauer verfolgt man das Geschehen wie durch einen Schleier, die Atmosphäre des Films gleicht oft einem auf den ersten Blick planlos wirkenden, bei konzentrierterer Betrachtung aber doch irgendwie Sinn ergebenden Traum. Ein sehr seltsamer, aber auch ausgesprochen faszinierender Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE DEVIL RIDES OUT (Großbritannien 1968, Regie: Terence Fisher)

the devil rides out

(Fassung: DVD, Anolis, Deutschland)

Okkult-Horror aus dem Hause Hammer Films, mehr als souverän inszeniert von Terence Fisher, einem der Stammregisseure der britischen Schmiede für Kultfilme. In THE DEVIL RIDES OUT heftet sich der von Christopher Lee gespielte Duc de Richleau an die Fersen des fiesen Mocata (Charles Gray, der 3 Jahre später den Bond-Bösewicht Blofeld in DIAMONDS ARE FOREVER spielen sollte), dem Anführer einer gefährlichen Satanssekte, der es auf die Seele eines Freunds von Richleau abgesehen hat.

THE DEVIL RIDES OUT gehört zu den Geheimtipps und Fanfavoriten innerhalb des großen Filmstocks der Hammer Studios. Zur Zeit seiner Entstehung war er innerhalb des Horrorbereichs der Studioproduktionen so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung, kam er doch zwischen verschiedenen Teilen der damals populären, klassischen Horrorreihen rund um Dracula, Frankenstein und die Mumie heraus. THE DEVIL RIDES OUT sorgt so für eine gewisse Abwechslung unter den typischen Hammer-Gruslern und überzeugt mit einer durchaus rasanten Inszenierung, moderneren Settings und einigen – auch heute noch ausgesprochen nett anzusehenden (z.B. die Spinnenszene) – Schauwerten. Über fehlende Spannung kann man sich definitiv nicht beklagen und wer auch nur ein kleines Faible für Horrorfilme mit okkultem Bezug hat, dürfte seine wahre Freude an THE DEVIL RIDES OUT haben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

BATMAN (Großbritannien/USA 1989, Regie: Tim Burton)

batman

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burtons Version von BATMAN gefällt mir persönlich dann halt doch mit Abstand am besten. Das Set Design ist schlichtweg atemberaubend, die ganze Atmosphäre des Films ist einfach nur skurril und Jack Nicholson als Joker ist unfassbar gut und zeigt eine Darbietung, die alle Grenzen des gesunden Menschverstands zu sprengen scheint. Ich liebe diese unzähligen, irrsinnigen Einfälle, die Burton dem Zuschauer präsentiert. Ich liebe den makabren Humor des Films, den düsteren Gothik-Look von Gotham City, den Score von Danny Elfman mit den Songs von Prince und die anbetungswürdige Kim Basinger in der Rolle der Vicky Vale.

Ich habe keine Ahnung, ob Burton der Vorlage großartig gerecht wird, mit den Comics habe ich mich nie wirklich intensiv beschäftigt, und es könnte mir auch gar nicht egaler sein. Für Comic-Puristen, die sich über Burtons Umsetzung gerne echauffieren können, gibt es ja noch Nolans DARK KNIGHT-Trilogie, die diesem Film hier in meinen Augen aber auch nicht nur im Ansatz das Wasser reichen kann. BATMAN ist groß, übermenschlich groß!

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

BATMAN RETURNS (Großbritannien/USA 1992, Regie: Tim Burton)

batman returns

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

3 Jahre nach dem Erfolg von BATMAN legte Regisseur Tim Burton dieses Sequel nach. Den üblichen Sequel-Regeln folgend, funktioniert BATMAN RETURNS nach dem “Höher, schneller, weiter“-Prinzip, welches ja in nur wenigen Fällen aufgeht. BATMAN RETURNS ist einer der Glücksfälle, bei dem es perfekt funktioniert. Vom Stil her bleibt Burton dem Vorgänger treu. Die düstere Gothik-Atmosphäre, die atemberaubenden Settings, die unzähligen skurrilen Einfälle, die in jeder Sequenz auszumachende Liebe zum Detail, der makabre Humor – alles was den Vorgänger so sehenswert gemacht hat, ist in BATMAN RETURNS in verstärkter und intensivierter Form vorhanden und führt dazu, dass man diesen Film einfach nur als visuellen Augenschmaus bezeichnen kann. Im direkten Vergleich zum Vorgänger muss man Abstriche lediglich im Hinblick auf den Bösewicht machen. Diese Anmerkung soll jedoch keineswegs die Leistung von Danny DeVito schmälern, der einen grandiosen Gegenspieler abgibt und seinen Pinguin innerhalb der Schnittmenge zwischen abgrundtief bösen Psychopathen und bemitleidenswerten Außenseiter famos verkörpert, sie soll vielmehr darauf hinweisen, dass Jack Nicholson im Vorgänger nicht viel weniger als eine Jahrhundert-Performance hingelegt hat und unmöglich adäquat zu ersetzen gewesen ist. Bereits BATMAN war übermenschlich groß und unbeschreiblich gut, BATMAN RETURNS ist in meinen Augen sogar minimal besser. Nicht viel, aber ein klitzekleines bisschen.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!

SIEBEN TAGE FRIST (Deutschland 1969, Regie: Alfred Vohrer)

sieben tage frist

(Fassung: DVD, Filmjuwelen, Deutschland)

In einem Internat in Norddeutschland verschwindet der Schüler Kurrat (Arthur Richelmann) spurlos, pikanterweise kurze Zeit nachdem er von seinem Lehrer Fromm (Konrad Georg) unberechtigterweise eine Ohrfeige bekommen hatte. Um kein Aufsehen zu erregen, versuchen die Internatsverantwortlichen – allen voran der Lehrer Hendriks (Joachim Fuchsberger) – das Verschwinden des Jungen auf eigene Faust aufzuklären. Als jedoch plötzlich die Leiche des Lehrers Stallmann (Paul Albert Krumm) aus der See gefischt wird, schaltet sich die Polizei in Form von Inspektor Klevenow (Horst Tappert) doch ein und beginnt ihre Ermittlungen im und rund um das Internat…

Was sich jetzt auf den ersten Blick vielleicht wie ein typischer und nicht sonderlich aufregender Krimi lesen mag, ist tatsächlich ein ausgesprochen ausgeklügeltes und wendungsreiches Kriminaldrama, welches den Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten lockt und ihm am Ende schließlich eine Auflösung präsentiert, bei der einem erst mal die Sprache wegbleibt. SIEBEN TAGE FRIST ist ungemein spannend, atmosphärisch dicht und einfach nur großartig besetzt. Horst Tappert gibt schon einen Vorgeschmack auf seine spätere Rolle als Stephan Derrick, der von Joachim Fuchsberger gespielte Hendriks erinnert hin und wieder an seine Ermittlerrollen in den Edgar-Wallace-Filmen, Konrad Georg als Fromm ist überragend gut und die diversen Darsteller der Jugendlichen sind perfekt gecastet.

Es scheint sich zu lohnen, in den Tiefen der deutschen Kinogeschichte nach noch unbekannten Perlen zu suchen. SIEBEN TAGE FRIST – den wahrscheinlich so gut wie kein Mensch kennt (in der IMDB kommt Vohrers Film gerade mal auf 63 Bewertungen) – ist nicht viel weniger als ein Glücksfall von einem Film.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

BATMAN FOREVER (Großbritannien/USA 1995, Regie: Joel Schumacher)

batman forever

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Tim Burton räumte den Regiestuhl und war hier nur noch als Produzent tätig. Mit Joel Schumacher als Regisseur kommt der Zirkus in die Stadt. Und nicht nur in Form des Artisten Dick Grayson (Chris O’Donnell), der hier im Verlauf des Films als Robin an Batmans (nicht mehr Michael Keaton, sondern nun Val Kilmer) Seite gegen die beiden Bösewichter des Films, Two-Face (Tommy Lee Jones) und den Riddler (Jim Carrey), kämpfen soll. BATMAN FOREVER ist eine kunterbunte Kirmesveranstaltung. Von Burtons Vision aus den ersten beiden Teilen ist im Endeffekt nur noch der düstere Look von Gotham City übrig – und selbst der wird durch viele bunte Farben aufgeweicht. BATMAN FOREVER krankt vor allem an seinen beiden Bösewichtern, die an den Joker und den Pinguin aus den ersten beiden Filmen nicht ansatzweise herankommen und deren Charakteren es einfach an Tiefe fehlt (was war der Joker doch für ein abgrundtief böser und erschreckender Fiesling und was war der Pinguin doch für eine zutiefst traurige Gestalt); beide bleiben – trotz vieler bunter Farben, viel Krawall und Tohuwabohu, doch relativ blass. Was für die Schurken gilt, gilt leider auch für die weibliche Hauptrolle. Nicole Kidman, hier noch nicht als Botoxbomber unterwegs, darf nicht sonderlich viel mehr tun als hübsch auszusehen. Kein Vergleich zu Kim Basinger aus BATMAN oder Michelle Pfeiffer aus BATMAN RETURNS.

Gegenüber Burtons Großtaten muss man hier also schon verdammt viele Abstriche machen und rein objektiv betrachtet ist BATMAN FOREVER doch ziemlich weit davon entfernt, so etwas wie ein guter Film zu sein. Aber so etwas wie Objektivität kann ich beim Ansehen von Filmen sowieso nie aufbringen und ich muss gestehen, dass ich BATMAN FOREVER trotz all seiner offensichtlichen Schwächen irgendwie sehr gerne mag, insbesondere, weil der Unterhaltungsfaktor dieses Films in meinen Augen schon verdammt hoch ausgefallen ist.

Persönliche Bewertung: Gut!

AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET (aka Thirsty for Love, Sex and Murder, Türkei 1972, Regie: Mehmet Aslan)

aska susayanlar seks ve cinayet

(Fassung: DVD, Onar Films, Griechenland)

Ein Killer mit einer Rasierklinge, weibliche Opfer, Blut, nackte Haut, Intrigen, Ereignisse, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragen, Ehebruch, Gier – all das sind die Zutaten von Mehmet Aslans knapp 60-minütigem AŞKA SUSAYANLAR SEKS VE CINAYET, einem lupenreinen Giallo, wie ihn auch so mancher italienische Regisseur nicht viel besser hätte hinkriegen können, auf dessen Handlung – das muss man dann bei aller Sympathie aber doch eingestehen – Drehbuchautor Aykut Düz jetzt nicht wirklich das alleinige Urheberrecht anmelden kann, denn im Endeffekt handelt es sich bei Aslans Film um eine Variation des Sergio-Martino-Klassikers LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH. Aber wer will sich darüber beschweren, wenn dann so ein Film dabei herauskommt. Und vor allem, wenn man sieht, was Aslan hier mit – ganz offensichtlich – verdammt wenig Kohle auf die Leinwand gezaubert hat. Das fehlende Budget macht Aslan mit ganz viel Atmosphäre und Schauwerten wieder wett, die (geklaute) Handlung seines Films ist wendungsreich und rast regelrecht am Zuschauer vorbei und Zeit zum Durchschnaufen gönnt Aslan seinem Publikum nicht. Und dann dieser komplett irrsinnige – natürlich mal wieder “geliehene“ – Score, der den Zuschauer von der Tonspur regelrecht entgegen schreit und verdammt viel zur Wirkung dieser Sleazegranate beiträgt.

Persönliche Bewertung: Gut!

HORROR EXPRESS (Großbritannien/Spanien 1972, Regie: Eugenio Martín)

horror express

(Fassung: DVD, CCI, Deutschland)

Christopher Lee spielt den Anthropologie-Professor Saxton, der ein im Eis eingefrorenes Wesen entdeckt, dieses birgt und eingeschlossen in einer riesigen Kiste im Transsibirien-Express zu weiteren Forschungszwecken nach England bringen will. Als der sich ebenfalls im Zug befindliche Dr. Wells (Peter Cushing) unbedingt herausfinden will, was sich in der geheimen Kiste befindet, wird das Wesen versehentlich befreit…

Lee und Cushing in Hochform, gepaart mit einem Regisseur, der ganz genau weiß, was er tun muss, um sein Zielpublikum glücklich zu machen. HORROR EXPRESS steckt voller toller Sachen. Es gibt einen außerirdischen Affenmenschen, gruselig entstellte Mordopfer, blutige Autopsien, einen verrückten Mönch (großartig: Alberto de Mendoza) und im Finale sogar eine von Telly Savalas angeführte Zombie-Armee.

Das Zug-Setting ist toll – gibt es Menschen da draußen, die Filmen, die in Zügen spielen, tatsächlich gar nichts abgewinnen können (ich kann es nicht glauben)? -, Schauwerte sind, wie oben schon angeführt, mehr als reichlich vorhanden und die teils herrlich trashigen Dialoge, in denen wissenschaftliche Erklärungen für die schrecklichen Ereignisse während der Zugfahrt gesucht werden, tragen zudem viel zum unwiderstehlichen Charme des Films bei.

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 5 (USA 2009-2010, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In der fünften Staffel von HOW I MET YOUR MOTHER müssen sich Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harris) damit auseinandersetzen, dass sie sich tatsächlich ineinander verliebt zu haben scheinen und schließlich schon bald mit der Konsequenz leben, dass sie für eine gemeinsame Beziehung einfach nicht gemacht sind. Gleichzeitig versuchen Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hannigan) weiterhin, die Tücken des Ehelebens zu meistern und Ted (Josh Radnor) ist noch immer auf der Suche nach der Mutter seiner beiden zukünftigen Kinder…

Die beiden Serienerfinder Carter Bays und Craig Thomas halten HOW I MET YOUR MOTHER auch in der mittlerweile fünften Staffel auf einem guten bis sehr guten Niveau. Die einzelnen, jeweils für sich abgeschlossenen Episoden, werden durch lose Handlungsfäden miteinander verknüpft und den fünf Freunden wird es ermöglicht, sich auch in dieser fünften Staffel stetig weiterzuentwickeln. Der Star dieser Staffel ist natürlich wieder Neil Patrick Harris in der Rolle des Barney, der den Großteil der Lacher auf seiner Seite hat und der hier neben seiner sonstigen Souveränität auch vermehrt Schwächen zeigen darf. Ein Fakt, der den zynischen Womanizer zeitweise schon fast sympathisch erscheinen lässt. Highlight der Staffel: die Episode GIRLS VS. SUITS, die in einem famosen Musical-Finale endet und in der sich Barney zwischen seinen geliebten Anzügen und der Eroberung einer Frau entscheiden muss, die für Anzugträger rein gar nichts übrig hat.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND (Deutschland/Frankreich 1974, Regie: Alfred Vohrer)

die antwort kennt nur der wind

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Ich hatte mir vor mittlerweile doch schon etwas längerer Zeit mal die erste Simmel-Verfilmung UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN angesehen und war damals doch ziemlich überrascht, welch bizarrer Film das im Endeffekt doch gewesen ist. Der ursprüngliche Plan war damals, mir auch die weiteren Simmel-Filme anzusehen und dieser Plan soll nun nach und nach in die Tat umgesetzt werden.

DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist der sechste von insgesamt acht Filmen, die zwischen 1971 und 1976 ins Kino gekommen sind und gleichzeitig der letzte, den Alfred Vohrer inszeniert hat. Es geht um den von Maurice Ronet gespielten Robert Lucas, einen Ermittler einer Versicherungsgesellschaft, der Beweise dafür finden soll, dass der deutsche Bankier Hellmann, der vor Cannes gemeinsam mit seiner Luxusyacht in die Luft flog, nicht Opfer eines Mordanschlags wurde, sondern Selbstmord begangen hat. In diesem Fall müsste die stattliche Versicherungssume von 15 Millionen Mark nicht ausgezahlt werden. Lucas stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf jede Menge zwielichtige Personen, sondern auch auf zwei schöne Frauen (Karin Dor und Marthe Keller), die durchaus hilfreiche Informationen für ihn haben könnten. Doch je länger die Ermittlungen andauern, desto mehr lässt sich Lucas selbst auf ein gefährliches Spiel ein…

Vohrer inszeniert DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND als spannenden, wendungsreichen Thriller, der – und das dürfte definitiv der Vorlage geschuldet sein – jedoch nicht ohne eine kleine Portion Schmalz und Kitsch auskommt. Im Vergleich zu UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN (soweit ich mich noch an ihn erinnern kann) ist DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND weit weniger bizarr ausgefallen und erinnert über weite Strecken an eine bessere TV-Produktion aus der damaligen Zeit und nicht unbedingt an einen Film, der für die große Leinwand gemacht wurde. Obwohl teilweise an Originalschauplätzen in Cannes und Nizza gedreht, kommt Vohrers Film – insbesondere was die potentiellen Schauwerte der Drehorte betrifft – ziemlich unspektakulär daher, was ihm allerdings nicht wirklich schadet, sondern sogar eher nützt. DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND ist stellenweise ziemlich düster ausgefallen und verbreitet über die komplette Laufzeit – auch unterstützt durch den Score von Komponist Erich Ferstl – eine extrem melancholische Grundstimmung, die ganz hervorragend zu den Ereignissen auf der Leinwand passt. Auch diese Simmel-Verfilmung hat mich mehr als positiv überrascht und mir im Endeffekt sogar besser gefallen als der o.g. UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN. Ich bin auf die anderen Filme der Reihe schon sehr gespannt.

Persönliche Bewertung: Gut!

ROTE SONNE (Deutschland 1970, Regie: Rudolf Thome)

rote sonne

(Fassung: DVD, Galileo Medien, Deutschland)

In ROTE SONNE trennen sich vier WG-Bewohnerinnen (u.a. Uschi Obermaier) jeweils nach fünf Tagen auf ausgesprochen drastische Art und Weise von ihren männlichen Liebhabern – sie bringen sie einfach um. Als jedoch mit Thomas (Marquard Bohm) der Ex-Freund der von Uschi Obermaier gespielten Peggy vor der Tür steht, um Asyl bittet und sich zwischen ihm und Peggy plötzlich wieder etwas anzubandeln scheint, gerät das ungeschriebene Gesetz zum Umgang mit Männern schnell ins Wanken…

Ziemlich skurriler Film, den Regisseur Rudolf Thome da gedreht hat. So wirklich Zugang habe ich nicht zu ihm gefunden, fasziniert hat er mich in gewisser Weise trotzdem. ROTE SONNE ist phasenweise extrem witzig (wobei ich nicht ganz einschätzen kann, ob das aus heutiger Sicht nur so wirkt, oder auch damals schon lustig war), plätschert dann wieder einfach nur so vor sich hin und knallt dem Zuschauer dann unvermittelt Szenen vor den Latz, bei denen man seinen Augen kaum zu trauen vermag. ROTE SONNE ist in gleichem Maße sperrig und hochinteressant, insbesondere diese ständige Konfrontation zwischen dem Macho Thomas und den vier radikalen Feministinnen hat ihren Reiz, die Stilmittel, die Thome teilweise verwendet, sind aber durchaus gewöhnungsbedürftig. ROTE SONNE scheint nie “im Fluss“ zu sein, wirkt extrem sprunghaft und der fast gänzliche Verzicht auf einen extradiegetischen Score raubt dem Film zudem die Dynamik und lässt ihn sehr trocken erscheinen. Aber dann halt auch Uschi Obermaier, die tatsächlich der Inbegriff von “sexiness“ zu sein scheint und die ROTE SONNE unbedingt sehenswert macht. Oder die teils wunderschöne Kameraarbeit von Bernd Fiedler, die den Film in kunterbunten Farben von der Leinwand (bzw. dem heimischen Flatscreen) strahlen lässt. Irgendwie war ROTE SONNE schon ziemlich toll, irgendwie aber auch nicht…

Persönliche Bewertung: Gut!

UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI (Deutschland 1970, Regie: Alfred Weidenmann)

unter den dächern von st. pauli

(Fassung: DVD, Lighthouse, Deutschland)

Wie es der Titel in gewisser Weise schon verrät, handelt es sich bei Weidenmanns Film um einen der in den späten 60er und frühen 70er Jahren so beliebten Sittenreißer, welche zwar durchaus auch in anderen deutschen Großstädten, am häufigsten jedoch im Hamburger Stadtteil St. Pauli angesiedelt waren.

Regisseur Weidenmann lässt in UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI verschiedene Charaktere in einem Zeitraum von gut 2 Tagen aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht viel miteinander zu tun haben und deren Wege sich auch oft eher zufällig kreuzen. Weidenmann erzählt seine Geschichten in episodenhafter Struktur. Als Zuschauer verfolgt man bspw. einen Mann, der von Rache getrieben einem Gangsterboss nachstellt, einen besorgten Vater, der seine erst 17 Jahre alte Tochter davon abhalten will, in einem Stripclub aufzutreten, einen eifersüchtigen Ehemann, der es nicht mehr aushält, dass seine Frau der Star einer angesagten Sexshow ist, diese ermordet und auf seiner Flucht vor der Polizei eine Teenagerin als Geisel nimmt, einen Lehrer, der mit einer kurz vor dem Abitur stehenden Schulklasse einen Ausflug nach St. Pauli unternimmt und von seinen Schülern üble Streiche gespielt bekommt, einen Trunkenbold, der immer auf der Suche nach einem Gratisschnaps durch die Straßen zieht, usw.; die erzählten Episoden sind in gleichem Maße spannend, dramatisch und komisch und es ist vor allem diese Mischung, die UNTER DEN DÄCHERN VON ST. PAULI extrem kurzweilig und sehenswert macht. Und über fehlende Schauwerte kann man sich beim besten Willen auch nicht beklagen.

Persönliche Bewertung: Gut!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 1

THE CALL (USA 2013, Regie: Brad Anderson)

the call

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Halle Berry spielt Jordan Turner, eine Telefonistin in der Notrufzentrale in Los Angeles, die einst aufgrund einer falschen Entscheidung ein junges Mädchen einem Killer auslieferte. Nun, ein halbes Jahr später, wird erneut ein junges Mädchen (Abigail Breslin) entführt und Jordan setzt alles daran, das Leben des Teenagers zu retten…

Regisseur Brad Anderson hat mit THE CALL einen kleinen und ziemlich feinen Thriller hingelegt. Natürlich gibt es Klischees zuhauf (insbesondere natürlich die Zeichnung, der Background und das “Motiv“ des Killers, aber natürlich auch die Tatsache, dass die von Berry gespielte Jordan ihre zweite Chance bekommt und so ihre Katharsis erfährt) und auch die eine oder andere Entscheidung der handelnden Personen scheint nicht immer logisch zu sein, aber letztendlich sind diese Klischees und diese falschen Entscheidungen der Pro- und Antagonisten ja auch erforderlich, damit die Handlung des Films möglichst spannend und spektakulär  entwickelt werden kann. Wer sich als Zuschauer einfach fallen und von Regisseur Brad Anderson gefangen nehmen lässt, wird mit einem zeitweise sauspannenden und extrem kurzweiligen Thriller belohnt. THE CALL erfindet das Rad definitiv nicht neu, aber er unterhält ganz vorzüglich und ist für Fans des Genres sicher einen Blick wert.

Persönliche Bewertung: Gut!

THAT GUY DICK MILLER (USA 2014, Regie: Elijah Drenner)

that guy dick miller

(Fassung: DVD, Indiecan Entertainment, USA)

Es gibt ja diese typischen Nebendarsteller, deren Gesichter man zwar aus unzähligen Filmen und TV-Serien kennt, deren Namen den meisten Zuschauern allerdings unbekannt bleiben. Dick Miller ist der Inbegriff eines solchen Darstellers. Zwischen 1955 und 2014 hat der mittlerweile 86 Jahre alte Schauspieler in immerhin 175 Filmen und TV-Serien mitgewirkt und jeder, der sich für Filme interessiert, sollte sein Gesicht kennen. Er war bspw. der Waffenhändler, der von Arnold Schwarzenegger in THE TERMINATOR niedergeschossen wird, er hat in wohl jedem Film von Regisseur Joe Dante (z.B. GREMLINS, THE ‘BURBS und EXPLORERS) mitgespielt und er hat – insbesondere in den 60er und 70er Jahren – unzählige Filme für Roger Corman gedreht. Das besondere an Dick Miller war dabei immer, dass er jeder Rolle – so klein sie auch gewesen ist – in gewisser Weise seinen Stempel aufgedrückt hat. Gerade Freunde des Genrefilms freuen sich immer wieder, wenn sie ihn in einem Film entdecken.

Regisseur Elijah Drenner, der bereits die sehr sehenswerte Dokumentation AMERICAN GRINDHOUSE gedreht hat und außerdem ein vielbeschäftigter Mann ist, wenn es um Kurzdokumentationen zu Exploitationfilmen anhand bevorstehender Heimkinoveröffentlichungen geht, hat Dick Miller nun mit THAT GUY DICK MILLER ein kleines Denkmal gesetzt. Der Zuschauer bekommt einen Einblick in die lange Karriere des sympathischen Schauspielers, es gibt viel Archivmaterial – auch eine Menge private Aufnahmen – zu sehen und Weggefährten wie Joe Dante, Roger Corman, Allan Arkush, Jonathan Kaplan und Mary Woronov plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen die eine oder andere hörenswerte Anekdote. Neben dem Portrait eines Schauspielers ist THAT GUY DICK MILLER aber auch gleichzeitig ein interessanter und nostalgischer Blick zurück auf die B-Movies aus der Corman-Schmiede und für den Exploitationfan auch als eine Art Filmführer bestens geeignet. Da gibt es schon so einige Ausschnitte aus mir bisher unbekannten Filmen zu sehen, die man nach Sichtung dieser Doku gerne entdecken möchte.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

GLI INTOCCABILI (Italien 1969, Regie: Giuliano Montaldo)

gli intoccabili

(Fassung: Blu-ray, Blue Underground, USA)

In GLI INTOCCABILI geht es um Hank McCain (großartig: John Cassavetes), der ohne es zu wissen zum Spielball des Mafioso Charlie Adamo (Peter Falk) wird. Adamo versuchte sich in ein Casino einzukaufen, jedoch ohne Erfolg, und nun soll McCain dieses Casino für ihn ausrauben. Als Adamo jedoch erfährt, dass einer der Casinoeigner ausgerechnet sein Boss Don DeMarco (Gabriele Ferzetti) ist, muss er alles daran setzen, McCain, der fest davon überzeugt ist, auf eigene Rechnung zu handeln, aufzuhalten. Doch das gestaltet sich ausgesprochen schwierig…

Regisseur Giuliano Montaldo präsentiert seinen Zuschauern eine schöne Mischung aus Gangsterfilm, Heist Movie und Thriller. GLI INTOCCABILI ist spannend und wendungsreich inszeniert, toll gespielt und bis in die kleinsten Nebenrollen mit (Genre-)Stars wie John Cassavetes, Britt Ekland, Peter Falk, Gabriele Ferzetti, Luigi Pistilli, Florinda Bolkan und Gena Rowlands hervorragend besetzt. Und dann diese einfach nur unwiderstehliche Atmosphäre, die GLI INTOCCABILI bereits innerhalb kürzester Zeit entwickelt und die einen als Zuschauer sofort packt und bis zum spektakulären Finale nicht mehr loslässt.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE GIRLFRIEND EXPERIENCE (USA 2009, Regie: Steven Soderbergh)

the girlfriend experience

(Fassung: Blu-ray, Magnolia, USA)

In Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist auch der Job von Chelsea (Sasha Grey), einem Luxus-Call-Girl, nicht mehr krisensicher. Sie lebt zwar gemeinsam mit ihrem Freund Chris (Chris Santos) in einem luxuriösen Loft in Manhattan, muss sich aber ernsthafte Gedanken darüber machen, wie sie sich in Zukunft weiter vermarkten will. Zur wirtschaftlichen Krise gesellt sich auch noch eine Krise privater Natur, als Chelsea in einem potentiellen Kunden ihren Seelenverwandten gefunden zu haben scheint und Chris davon verständlicherweise nicht überaus begeistert ist…

Was durchaus als Vorlage für einen interessanten Plot gedient hätte, interessiert Regisseur Steven Soderbergh nur am Rande. Mit einem extrem schmalen Budget von gerade mal 1,7 Mio. Dollar innerhalb von 14 Tagen abgedreht und mit der – mittlerweile ehemaligen, zum damaligen Zeitpunkt noch aktiven – Pornodarstellerin Sasha Grey in der Hauptrolle durchaus radikal und eigenwillig besetzt, ist THE GIRLFRIEND EXPERIENCE mehr Arthouse-Experiment und weniger das Erzählen einer Geschichte. Soderbergh arbeitet viel mit Rückblenden, verschiedenen Handlungs- und Erzählebenen und verleiht jeder von diesen einen ganz eigenen Look. Storytechnisch hat THE GIRLFRIEND EXPERIENCE nicht sonderlich viel Substanz, aufgrund seiner eigenwilligen “Erzähl“weise und seiner noch eigenwilligeren Optik übt Soderberghs Low-Budget-Experiment aber dennoch einen ganz eigenen Reiz und eine ganz eigene Faszination aus.

Persönliche Bewertung: Gut!

JOHN WICK (USA 2014, Regie: Chad Stahelski)

john wick

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Meine Fresse, was für ein Brett! Keanu Reeves spielt den ehemaligen Profikiller John Wick, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, als der Sohn eines russischen Gangsterbosses nichts Besseres zu tun hat, als ihn zu überfallen, sein Auto zu stehlen und seinen Hund zu töten. Wick begibt sich auf einen Rachefeldzug, der in der jüngeren Kinovergangenheit seinesgleichen sucht und hinterlässt nicht viel mehr als Schutt und Asche.

Mit JOHN WICK hat Regisseur Chad Stahelski die vielleicht ultimative Hommage an das Actionkino der 80er Jahre gedreht. Hier gibt es ohne große Kompromisse voll eins auf die Zwölf, Stahelskis Film ist komplett humorbefreit, derbst brutal und mit einfach nur grandiosen Shoot-Out-, Fight- und sonstigen Action-Sequenzen gesegnet. Hier dürfte das Herz eines jeden Actionfans deutlich höher schlagen und es ist einfach schön zu sehen, dass ein Film wie dieser auch heutzutage noch für die große Leinwand gedreht werden kann. JOHN WICK würde auch im Double-Feature mit Filmen wie COMMANDO, COBRA, INVASION U.S.A. oder DEATH WISH 3 mehr als vorzüglich funktionieren und fast scheint es so, als habe dieser Film die letzten 30 Jahre irgendwo in einer Zeitkapsel verbracht und wurde erst jetzt durch Zufall entdeckt. Wenn doch auch die THE EXPENDABLES-Filme so oder so ähnlich ausgesehen hätten wie dieser Film hier…

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE GORGON (Großbritannien 1964, Regie: Terence Fisher)

the gorgon

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Wie am 11.06. bekannt wurde, verstarb am 07.06. in London Christopher Lee an Herzversagen, keine zwei Wochen nach seinem 93. Geburtstag. In Gedenken an diesen ebenso groß- wie einzigartigen Schauspieler musste ich mir einfach einen Film mit ihm ansehen. Die Wahl fiel auf THE GORGON, eine von Lees Hammer-Produktionen. Ein mir bisher unbekannter Film, in dem der unvergessliche – und durch seine Filme ja auch in gewisser Weise unsterbliche – Schauspieler einmal mehr gemeinsam mit Peter Cushing vor der Kamera stand.

In THE GORGON dreht sich alles um einen jungen Mann (Richard Pasco), der den mysteriösen Tod seines Vaters mit Hilfe des von Christopher Lee gespielten Prof. Meister aufklären will und dabei auf eine Wand des Schweigens stößt. Insbesondere der von Cushing gespielte Arzt der kleinen Stadt scheint etwas zu verbergen zu haben…

THE GORGON bietet grundsolide, routinierte und ausgesprochen schöne Gruselunterhaltung, welche sich im vorliegenden Fall der griechischen Medusa-Sage bedient, und ist angesiedelt in den typischen Settings (ich liebe diese spinnwebenverhangenen, alten Schlösser) der britischen Kultschmiede und ausgestattet mit dieser unnachahmlichen Atmosphäre, die so viele Filme der Hammer Studios auszeichnet. Undurchsichtige Machenschaften sorgen für kurzweilige Spannung und mit Cushing und Lee sind zwei absolute Großmeister ihres Fachs in den beiden Hauptrollen zu sehen (auch wenn der Part von Christopher Lee leider deutlich kleiner ausgefallen ist als der von Cushing). Wer Filme dieser Art zu schätzen weiß, dürfte auch an THE GORGON seinen Spaß haben, dessen bin ich mir sicher.

Persönliche Bewertung: Gut!

INVADERS FROM MARS (USA 1986, Regie: Tobe Hooper)

invaders from mars

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Hoopers Remake des gleichnamigen Science-Fiction- und Paranoia-Films aus den 50er Jahren passt ganz wunderbar in seine Entstehungszeit, machten in den 80er Jahren ja nicht gerade wenige Filme Furore, die Kinder und Jugendliche zu Hauptprotagonisten meist phantastischer Abenteuer machten.

In INVADERS FROM MARS muss der junge David (Hunter Carson) mit ansehen, wie alle Erwachsenen um ihn herum von außerirdischen Invasoren zu willenlosen Werkzeugen umfunktioniert werden. Mit Hilfe der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) wendet er sich an das Militär in Form des von James Karen gespielten General Wilson und versucht, so den Tag zu retten.

Und auch wenn INVADERS FROM MARS an die hohe Qualität manch ähnlicher (Sub-)Genrevertreter wie beispielsweise THE GOONIES, GREMLINS oder auch YOUNG SHERLOCK HOLMES vielleicht nicht ganz herankommen mag, so weiß Hoopers Film doch mit einer schwungvollen Mischung aus Action, Spannung und Humor zu überzeugen. Das Finale ist spektakulär und das von Stan Winston stammende Creature Design über jeden Zweifel erhaben.

Persönliche Bewertung: Gut!

MOONRISE KINGDOM (USA 2012, Regie: Wes Anderson)

moonrise kingdom

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Ein Waisenjunge (Jared Gilman) verlässt in einer Nacht- und Nebelaktion sein Pfadfindercamp, ein Mädchen (Kara Hayward) haut von zu Hause ab. Zusammen wollen sie in eine gemeinsame Zukunft flüchten, doch die Eltern des Mädchens (Bill Murray und Frances McDormand), der ortsansässige Polizist (Bruce Willis) sowie der Leiter des Camps (Edward Norton) und jede Menge Mitpfadfinder befinden sich bereits auf ihrer Fährte…

Die Filme von Regisseur Wes Anderson kann man entweder lieben oder hassen. Ein Zwischending ist eigentlich nicht möglich. Entweder man kommt mit dieser ganz besonderen Art klar, mit der Anderson seine Geschichten erzählt oder es dürfte problematisch werden, seine Filme gut zu finden. MOONRISE KINGDOM ist wieder ein typischer Anderson-Film und für mich als Fan des eigenwilligen Regisseurs bedeutete dies, dass ich gut 90 Minuten einen riesengroßen Spaß hatte. Ich liebe die Optik, die Andersons Filme auszeichnet, den trockenen und teils rabenschwarzen Humor, der sie durchzieht, die skurrilen und schrulligen Charaktere, die sie bevölkern und die einfach nur wunderschönen Geschichten, die von ihnen erzählt werden. Auch auf MOONRISE KINGDOM trifft all dies zu. Ein visuell beeindruckender, saukomischer, herrlich schräger und einfach nur richtig, richtig guter Film!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

FIREFLY: SEASON 1 (USA 2002-2003, Idee: Joss Whedon)

firefly

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In Nerdkreisen ist die Empörung darüber, dass FIREFLY nach nur 11 ausgestrahlten Folgen (von insgesamt 14 produzierten) wieder abgesetzt wurde, noch heute ziemlich groß. Irgendwie verständlich, denn FIREFLY hätte es durchaus verdient gehabt, eine echte Chance zu bekommen. Diese hatte die Serie jedoch niemals. Die Differenzen der ausstrahlenden Fox Studios und des Machers Joss Whedon waren einfach zu groß und so war das TV-Projekt FIREFLY praktisch von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Nicht nur, dass Fox lediglich 11 der 14 produzierten Folgen ausstrahlte, sie wurden auch noch in komplett chaotischer und sinnentstellender Reihenfolge gesendet (Höhepunkt des Chaos dürfte sicherlich die Tatsache sein, dass ausgerechnet die Pilotfolge, also der Einstieg in die Serie, von Fox als letztes ausgestrahlt wurde). Zwar verfügt jede Episode für sich über eine abgeschlossene Handlung, die sich im Laufe dieser ersten und einzigen Season jedoch aufbauende Rahmenhandlung und die Entwicklung der verschiedenen Charaktere wurde durch die chaotische Ausstrahlungsreihenfolge komplett torpediert und so ist es nicht verwunderlich, dass nur wenige Zuschauer einschalteten. Erst auf DVD, als alle 14 Folgen in der korrekten Reihenfolge veröffentlicht wurden, entwickelte sich FIREFLY zur Kultserie und ermöglichte es Whedon, im Jahr 2005 mit SERENITY einen Kinofilm zu drehen, mit dem er sein Objekt schließlich doch noch zu einem Ende bringen konnte.

Ich selbst habe FIREFLY erst jetzt zum ersten Mal gesehen (der Kinofilm folgt dann in ein paar Tagen) und muss sagen, dass ich die Empörung über das Absetzen der Serie zwar durchaus nachvollziehen kann, den extremen Hype, der um sie gemacht wurde, aber dann doch nicht ganz verstehe.

FIREFLY ist sicherlich innovativ und außergewöhnlich und die Idee, das Science-Fiction-Genre mit dem Genre des Westerns und auch mit dem Genre des Abenteuerfilms zu verbinden, halte ich für ausgesprochen gelungen. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Nachhaltigkeit des Ganzen. Als wirklich herausragend hab ich beispielsweise keine einzige Episode empfunden, die Qualität der erzählten Geschichten schwankt zwischen solide, gut und sehr gut und für eine Serie, die erst Anfang dieses Jahrtausends produziert wurde, empfand ich FIREFLY als erstaunlich “dated“, was vielleicht auch an den – wohl aus Budgetgründen – nicht immer wirklich gut gelungenen Effekten liegen dürfte. Toll ist dagegen die Mischung aus teils ziemlich krudem Humor und durchaus heftigen Gewaltspitzen (nicht aufgrund der graphischen Darstellung, sondern aufgrund der Handlungen, die die Personen vollziehen). Nathan Fillion und Adam Baldwin rocken zudem – jeder auf seine eigene Art und Weise – ziemlich das Haus und Morena Baccarin ist “hot as hell“. Da war durchaus viel Potential vorhanden, welches sicherlich genutzt und weiterentwickelt hätte werden können.

Persönliche Bewertung: Gut!

WANTED DEAD OR ALIVE (USA 1987, Regie: Gary Sherman)

wanted dead or alive

(Fassung: DVD, Anchor Bay, USA)

Kopfgeldjäger Rutger Hauer soll Gene Simmons (ja, den Bassisten von KISS) zur Strecke bringen, der hier einen Terroristen aus Nahost zum Besten gibt. Schon bald wird die Angelegenheit persönlich…

Actionkino aus den 80er Jahren – die Rollen zwischen Gut und Böse sind klar verteilt und natürlich kann man Filmen wie diesen hier, die aufgrund ihrer Terrorismus-Thematik ja leider immer noch eine gewisse Aktualität aufweisen, den Vorwurf machen, ideologisch durchaus fragwürdig geraten zu sein. Kann man, muss man aber nicht. Man kann sich als Fan des 80er-Jahre-Kinos auch einfach nur von ihnen unterhalten lassen. Bei WANTED DEAD OR ALIVE fällt insbesondere auf, das weniger die Action, sondern mehr der Thrill im Vordergrund steht. Echte Actionszenen sind rar gesät und Regisseur Gary Sherman ist viel mehr am Spannungsaufbau und der Charakterisierung des von Rutger Hauer gespielten Protagonisten interessiert und das gelingt ihm auch richtig gut. WANTED DEAD OR ALIVE zeigt keinen Amoklauf eines schießwütigen Militaristen, sondern die penible Jagd eines desillusionierten Mannes, der eine persönliche Rechnung zu begleichen hat. WANTED DEAD OR ALIVE ist praktisch der Thriller unter den Actionfilmen aus den 80er Jahren und sei hiermit jedem Freund dieser Art von Kinos wärmstens empfohlen. Und das Ende des Bösewichts – “Fuck the bonus!“ – ist “priceless“!

Persönliche Bewertung: Gut!