The Movies of March 2017

Hier meine gesammelten Gedanken zu den von mir im März angesehenen Filmen. Die Reihenfolge der Texte entspricht dabei der Reihenfolge des persönlichen Gefallens, wobei die ersten drei Filme sich doch ziemlich deutlich vom Rest abheben.

the neon demon

Ein junges Mädchen aus der Provinz macht in THE NEON DEMON (Dänemark / Frankreich / USA 2016, Regie: Nicolas Winding Refn) bereits kurz nach ihrer Ankunft in Los Angeles große Karriere als Model und zieht dadurch schnell den Neid diverser Konkurrentinnen auf sich, die auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Was an THE NEON DEMON von Anfang an fasziniert ist reine Oberfläche. Ähnlich wie die Welt der Models, in der er spielt, geht es offensichtlich nur um den Schein und weitaus weniger um das Sein. Das wird erst im letzten Drittel zum Thema, wenn Nicolas Winding Refn sein visuelles Zauberwerk schließlich komplett durchdrehen lässt und den Zuschauer schließlich mit offen stehendem Mund in den Abspann entlässt. Ein faszinierendes, berauschendes Werk. Ein Film, in dem jeder Frame perfekt durchkomponiert zu sein scheint, von dem man sich unzählige Screenshots im XXL-Format an die Wand hängen könnte und der mit seiner einzigarten Optik und dem immer wieder treibenden Score von Cliff Martinez eine Symbiose eingeht, die man fast schon als perfekt bezeichnen kann.

Bewertung: 9/10

 

In VIZI PRIVATI, PUBBLICHE VIRTÙ (Italien / Jugoslawien 1976, Regie: Miklós Jancsó) versucht ein aufmüpfiger Thronfolger zu Zeiten des 19. Jahrhunderts seinen Vater immer wieder durch dekadente und ausufernde Feste zu provozieren und zahlt schließlich dafür einen hohen Preis.

Wow, Sexploitation Meets Arthouse-Cinema. Regisseur Miklís Jancsó präsentiert mit seinem provokanten Sittenbild der dekadenten Oberschicht ein ungemein ästhetisch und sinnlich gefilmtes Erotikdrama, welches – trotz viel Detailfreude und Schauwerten in exorbitanter Höhe – mit dem gemeinen Softcore-Schmuddel-Film der 70er Jahre nicht wirklich viel gemeinsam hat. Ob Setting, Kostüme oder Kameraarbeit – insbesondere in technischer Hinsicht ist Jancsós Film schlichtweg brillant und kann alleine schon aufgrund seiner wunderschönen Bilder, die er in einer Tour auf die Leinwand bzw. per Blu-ray auf den heimischen Flatscreen zaubert absolut begeistern.

Bewertung: 9/10

 

Ein homosexuelles Paar wandert in 春光乍泄 | CHUN GWONG CHA SIT (aka Happy Together, Hongkong / Japan / Südkorea 1997, Regie: Wong Kar-Wai) von Hongkong nach Argentinien aus um dort das gemeinsame Glück zu finden, nur um schon sehr schnell herausfinden zu müssen, dass es weder miteinander noch getrennt voneinander leben kann.

Regisseur Wong Kar-Wai zeichnet ein eindringliches Portrait einer dysfunktionalen Liebesbeziehung, eingefangen in einfach nur wunderschöne Bilder und dabei eine zutiefst melancholische Atmosphäre erzeugend, ist das hier ein Film, der einen als Zuschauer praktisch ab der ersten Szene einfach nicht mehr loslässt und bis zum Ende zutiefst bewegt und berührt. Großes Kino!

Bewertung: 9/10

 

 

Vier Gefängnisinsassen haben in LE TROU (Frankreich / Italien 1960, Regie: Jacques Becker) einen scheinbar perfekten Fluchtplan ausgeheckt und müssen sich plötzlich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass ein fünfter Sträfling in ihre Zelle verlegt wird, den sie nun wohl oder übel in ihren Plan einweihen müssen.

Beckers Film beruht auf wahren Begebenheiten, als Vorlage diente ein Roman von José Giovanni, der einst selbst an einem Gefängnisausbruch beteiligt war, fast alle Rollen wurden mit Laienschauspielern besetzt, einer der Insassen wird gar von einem ehemaligen Mithäftling Giovannis gespielt. Das alles, die kammerspielartige Inszenierung, der bis zum Abspann gänzliche Verzicht auf einen Score und teils minutenlange Einstellungen ohne Schnitte verleihen dem Film eine unglaubliche Authentizität und machen die Sichtung des Films zu einem ungemein intensiven und spannenden, mitunter aber auch extrem anstrengenden Erlebnis. Beeindruckend.

Bewertung: 8/10

 

Dustin Hoffman spielt in STRAIGHT TIME (USA 1978, Regie: Ulu Grosbard) einen auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassenen Straftäter, der, nachdem ihm eine faire Behandlung verwehrt bleibt, schnell wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Mischung aus Thriller und Drama, die ein ziemlich ernüchterndes Bild der Chancen entlassener Straftäter auf Rehabilitierung Resozialisierung in der Gesellschaft zeichnet. Der von Hoffman gespielte Max Dembo hat im Endeffekt nie eine Chance und wird durch Handlungen seines schmierigen Bewährungshelfers ziemlich schnell wieder auf die schiefe Bahn gebracht. STRAIGHT TIME braucht zwar ein gutes Stück, bis er in Fahrt kommt, lässt den Zuschauer aber spätestens nach ca. der Hälfte der Laufzeit einfach nicht mehr los und bleibt bis zum grandiosen Ende immer spannend. Mit Dustin Hoffman, Theresa Russell, Gary Busey, M. Emmet Walsh, Harry Dean Stanton und Kathy Bates ist der Film zudem exquisit besetzt und der Zeitkolorit des Los Angeles der späten 70er Jahre ist eh durch nichts zu ersetzen.

Bewertung: 8/10

 

In EN MAN SOM HETER OVE (Schweden 2015, Regie: Hannes Holm) wird das Leben eines verbitterten Spießbürgers mit Todessehnsucht durch eine junge Familie, die in das Nachbarschaft der Reihenhaussiedlung zieht, ganz gehörig auf den Kopf gestellt.

Ganz vorzüglich gespielte Tragikomödie aus Schweden, die dem Zuschauer einen scheinbar kompletten Unsympathen als Identifikationsfigur unterjubelt. In diversen Rückblenden erfährt man, warum Ove letztendlich so ist, wie er ist und man kommt als Zuschauer nicht umhin, große Empathie für den grantigen, älteren Herrn zu entwickeln, mögen seine Verhaltensweisen, die er im Lauf der Handlung an den Tag legt, stellenweise auch noch so obskur und verachtenswert sein. Das große Plus von Holms Film ist, dass er über weite Strecken ohne den für solche Geschichten typischen Kitsch auskommt. Ein kleines Minus von EN MAN SOM HETER OVE ist hingegen, dass so manche Ereignisse im Lauf des Films doch etwas arg dick aufgetragen zu sein scheinen. Hier wäre etwas Weniger ganz eindeutig deutlich Mehr gewesen. Diese kleine Schwäche macht dann aber im nächsten Moment der grandiose Rolf Lassgård in der Hauptrolle und der feine, subtile und manchmal auch schwarze Humor, der den Film durchzieht, wieder wett. Alleine diese kurze Szene, in der Ove eine aufdringliche Journalistin kurzerhand in seine Garage sperrt, um seine Ruhe vor ihr zu haben, ist nicht viel weniger als cineastisches Gold.

Bewertung: 8/10

 

Kompletten Irrsinn präsentiert D’WILD WILD WENG (Philippinen 1982, Regie: Eddie Nicart), in dem es der nur etwas über 80 cm große Weng Weng mit einem Fiesling in einer Art Westernstadt aufnimmt und diesen mit seinem “normal“ großen Sidekick gehörig aufmischt.

Wenn es diesen Film nicht geben würde, man müsste ihn einfach drehen. Hier gibt es so eine Masse an Unglaublichkeiten zu bestaunen, dass es wirklich jedem Freund des etwas absurderen Kinos während der Sichtung die eine oder andere Freudenträne in die Augen treiben dürfte. Spätestens wenn im Finale der kleine Held mit einer Gatling Gun und der Hilfe eines kleinwüchsigen Indianerstammes die Schergen des Fieslings – die u.a. aus Samurais und Ninjas bestehen – niedermacht, wähnt man sich im 7. Exploitation-Himmel.

Bewertung: 8/10

 

Ein skrupelloser Weltraumherrscher plant in SPACEBALLS (USA 1987, Regie: Mel Brooks) die Sauerstoffressourcen eines friedlichen Planeten zu rauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne einen wackeren Helden und dessen (halb-)tierischen Weggefährten gemacht.

Es dürfte ca. 25 Jahre her sein, dass ich Brooks’ STAR WARS-Verarsche zum letzten Mal gesehen habe und das jetzige Wiedersehen nach so langer Zeit hat verdammt viel Spaß bereitet. Keine Ahnung, ob echte STAR WARS-Puristen über diesen Film ebenso herzhaft lachen können wie ich – deckt er die kindliche Naivität der Sternenkriegssaga doch gnadenlos auf -, aber das ist am Ende des Tages sowieso nur zweitrangig. SPACEBALLS hat es längst zum Kultfilm geschafft, bietet jede Menge zitier- und erinnerungswürdiger Sequenzen und liefert ein regelrechtes Feuerwerk meist zeitloser Gags ab. Geil!

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Einbruchspezialisten rund um Robert Redford soll in SNEAKERS (USA 1992, Regie: Phil Alden Robinson) für die US-Spionageabwehr ein geheimes Dechiffrierungsprogramm beschaffen und landet dabei in einem riesigen Schlamassel.

Ein Viertel Jahrhundert hat SNEAKERS mittlerweile auf dem Buckel und wenn man ihn sich so ansieht, merkt man, wie sehr sich doch das Blockbusterkino verändert hat. Eine starbesetzte Mischung aus Komödie, Kriminalfilm und Heist Movie wie diese hier würde heutzutage kaum noch realisiert werden. Das wäre viel zu wenig Spektakel für das angestrebte Zielpublikum und es gäbe wohl kaum die Chance, dass dieser Film auch heute noch das Dreifache seines Budgets wieder einspielen könnte. Irgendwie schade, eine gewisse Entschleunigung täte dem jetzigen Mainstream-Kino sicher ganz gut. SNEAKERS ist mit seiner unaufgeregten Art, seiner ebenso spannenden wie witzigen Geschichte und seiner grandiosen Besetzung schon ziemlich toll. Well, they just don’t make ’em like this anymore…

Bewertung: 8/10

 

Um eine der rein ausstattungstechnisch wohl erlesensten Verfilmungen der Geschichte des wohl berühmtesten Vampirs aller Zeiten handelt es sich bei BRAM STOKER’S DRACULA (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola).

Eine beeindruckende Besetzung, die fast zwangsläufig große Schauspielkunst liefert, edel ausgestattete Kulissen und Settings – das sieht schon alles nach richtig großem Kino aus, was Coppolas Film ja natürlich auch ist. Umso schöner, dass bei all der Größe nicht vergessen wurde, dass das hier eine Horrorgeschichte und kein Kostümball ist. Die Atmosphäre ist ungemein dicht und wirkt oft auch durchaus bedrohlich. Die Effekte sind teils ausgesprochen krude ausgefallen und Coppola geizt weder mit blutigen Details noch mit nackten Tatsachen. Und Szenen wie die in der Irrenanstalt, kann man sich heute – 25 Jahre später – in einer größeren Studioproduktion mit einer solchen Besetzung nicht mehr wirklich vorstellen.

Bewertung: 8/10

 

Ein goldenes Ticket gewährt fünf glücklichen Gewinnern in WILLY WONKA & THE CHOCOLATE FACTORY (USA 1971, Regie: Mel Stuart) Zutritt zu einer geheimnisvollen Schokoladenfabrik, in der alle Kinderträume wahr zu werden scheinen.

Herrlich skurrile Mischung aus Kinderfilm, Musical und Fantasyfilm. In kunterbunten Settings bekommt das junge Zielpublikum eine positive Botschaft – Wahrheit zahlt sich aus – vermittelt und als Erwachsener kann man sich an jeder Menge obskurer Einfälle und einem bestens aufgelegten Gene Wilder als mysteriösen Fabrikbesitzer erfreuen.

Bewertung: 8/10

 

 

Ein Medizinstudent entdeckt in BEZETEN – HE GAT IN DE MUUR (Deutschland / Niederlande 1969, Regie: Pim de la Parra) in seiner Bude ein Loch in der Wand, durch das sich ganz vorzüglich das auffällige Treiben in der Nachbarwohnung beobachten lässt.

Voyeurismus, Besessenheit, Drogen, Mord – die deutsch-niederländische Ko-Produktion geizt weder mit Schauwerten noch mit Spannung und präsentiert ein buntes Potpourri teils extrem sleaziger Abgründe. Hauptdarstellerin Alexandra Stewart, die hier die Freundin des Voyeurs spielen und mit diesem so einiges mitmachen muss, ist eine Augenweide und lohnt alleine schon die Sichtung des Films. Und für das Drehbuch zeichnete übrigens ein gewisser Herr Scorsese mitverantwortlich.

Bewertung: 7/10

 

Roy Scheider als Geheimagent, der in LAST EMBRACE (USA 1979, Regie: Jonathan Demme) verschiedenen Anschlägen und Morddrohungen ausgesetzt ist und auf eigene Faust versucht, herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet.

Unbedingt sehenswerter Film aus der früheren Schaffensphase von Jonathan Demme, der hier einen grundsoliden Thriller mit Mystery-Touch abgeliefert hat und der sich insbesondere durch seinen langsamen Spannungsaufbau und einer Atmosphäre stetigen Unbehagens auszeichnet. Toll auch der unverwechselbare Zeit- und Lokalkolorit des New Yorks der späten 70er Jahre und die bis in die kleinsten Nebenrollen mit bekannten Gesichtern – neben Roy Scheider spielen u.a. Charles Napier, Christopher Walken, John Glover, Sam Levene, David Margulies, Max Wright und Joe Spinell mit – gespickte Besetzungsliste.

Bewertung: 7/10

 

Ein von Kurt Russell angeführtes Quartett begibt sich in BONE TOMAHAWK (USA 2015, Regie: S. Craig Zahler) zu Zeiten des Wilden Westens auf die Suche nach der verschleppten Frau des örtlichen Rinderbarons.

Zu viele Vorschusslorbeeren tun oft auch nicht gut. Dieses unglaubliche Meisterwerk, als welches Zahlers Film vielerorts gefeiert wurde, ist er dann am Ende halt doch nicht. Aber Kurt Russell spielt die männliche Hauptrolle, was schon fast zwangsläufig dazu führt, dass dieser Kannibalen-Western ein ziemlich guter Film geworden ist. Besonders gefallen hat mir die wundervolle Kameraarbeit und wie die teils melancholische Grundstimmung des Films immer wieder durch plötzliche Gewalteruptionen erschüttert wird. Schwächen hat BONE TOMAHAWK vor allem im Mittelteil, wenn manchmal einfach zu wenig Abwechslungsreiches passiert um die Spannung wirklich hochhalten zu können.

Bewertung: 7/10

 

Ganz wunderbare Gruselatmosphäre gibt’s in THE CITY OF THE DEAD (Großbritannien 1960, Regie: John Llewellyn Moxey), in dem eine Studentin in einem abgelegenen Dorf Erkundungen zu Hexenritualen anstellen will.

Ein unheimlicher Hexenkult, ein nebelverhangenes Nest im Nirgendwo, Kellerverliese voller Spinnweben, Christopher Lee in einer undurchsichtigen Rolle und pünktlich zur Halbzeit des Films ein Plottwist, den man so nicht unbedingt erwartet hätte. Fans klassischen Gruselkinos machen hier definitiv nichts falsch.

Bewertung: 7/10

 

Bela Lugosi verwandelt Menschen mittels eines Elixiers in WHITE ZOMBIE (USA 1932, Regie: Victor Halperin) in willenlose Kreaturen und soll mit dieser Gabe auch einem reichen Schnösel behilflich sein, damit dieser die Frau seiner Träume für sich besitzen kann.

Visuell beeindruckendes und atmosphärisch ungemein dichtes Gruselkino aus den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bela Lugosi muss im Endeffekt nur anwesend sein um ein kreuzunheimliche Stimmung zu verbreiten, die Verwendung diverser Horror-Settings (u.a. aus DRACULA und FRANKENSTEIN) der Universal Studios ist für das Erzeugen dieser Stimmung natürlich auch bestens geeignet und die experimentelle Kameraarbeit und die tollen Make-Up-Effekte tun ihr Übriges, um aus Halperins Film – auch aus heutiger Sicht –  einen unbedingt sehenswerten Vertreter des klassischen Gruselkinos zu machen.

Bewertung: 7/10

 

Prince spielt sich in dem halbautobiografisch angelegten PURPLE RAIN (USA 1984, Regie: Albert Magnoli), in dem ein junger Musiker versucht, durch regelmäßige Auftritte in einem angesagten Club groß rauszukommen, im Endeffekt selbst und macht dabei natürlich vor allem in den zahlreichen Konzertsequenzen eine richtig gute Figur. Der Story rund um diese Konzertszenen ist fast zwangsweise etwas klischeebehaftet und lässt in ihrem Verlauf keine großartigen Überraschungen zu. Aber wer will das den Machern schon verdenken? Die Konzertszenen sind atemberaubend, der Titelsong ein einziger magischer Moment und mit dem Einsatz des Überhits “When Doves Cry“ gibt’s auch mindestens eine erinnerungswürdige Szene, die nicht im oder auf der Bühne des Clubs spielt.

Bewertung: 7/10

 

Blake Lively wird in THE SHALLOWS (USA 2016, Regie: Jaume Collet-Serra) von einem Hai angegriffen und kann sich gerade noch auf einen Felsen retten, der allerdings nur bis zum Einsetzen der Flut Schutz bieten kann.

Nachdem das Subgenre des Hai-Films in den letzten Jahren praktisch komplett in den Sümpfen absurdester B- und C-Movies versunken ist, bringt THE SHALLOWS wieder so etwas wie Seriosität ins Genre zurück. Collet-Serra legt seinen Film als Kammerspiel unter freiem Himmel an. Das Natursetting ist atemberaubend, der Raum extrem begrenzt und der aggressiv seine Runden drehende Hai stellt tatsächlich eine permanente Bedrohung dar. Blake Lively macht ihre Sache als schwer verletzte Surferin auf diesem kleinen Felsen richtig gut und die sich stetig steigernde Spannung entlädt sich schließlich in einem fast schon etwas zu spektakulären Finale, in dem Collet-Serra dann doch etwas die Gäule durchgegangen sind und in dem die CGI-Effekte auch nicht immer die allerbeste Figur machen.

Bewertung: 7/10

 

In IS YOUR HONEYMOON REALLY NECESSARY? (Großbritannien 1953, Regie: Maurice Elvey) steht ein frisch verheirateter Ehemann in seiner Hochzeitsnacht plötzlich mit zwei Ehefrauen da.

Diese Geschichte des frisch verheirateten Ehemannes, der ausgerechnet in seiner Hochzeitsnacht feststellen muss, dass die Scheidung seiner vorherigen Ehe nie rechtskräftig geworden ist und nun – da seine Ex- bzw. Noch-Ehefrau plötzlich an seiner Tür klingelt – alle Hände voll damit zu tun hat, diese Angelegenheit vor seiner neuen Ehefrau zu vertuschen, ist natürlich ganz vorzüglich geeignet, den Zuschauer mit jeder Menge Verwechslungen, Albernheiten und absurden Ausflüchten über knapp 80 Minuten bei der Stange zu halten und ihm ausgesprochen kurzweilige und witzige Unterhaltung zu liefern. Ein diebischer Spaß.

Bewertung: 7/10

 

In the THE SECRET LIFE OF PETS (Japan / USA 2016, Regie: Chris Renaud / Yarrow Cheney) gehen während eines Spaziergangs zwei um die Gunst ihres Frauchens rivalisierende Hunde verloren und sehen sich plötzlich den Gefahren des wilden Lebens in den Straßen von New York ausgesetzt.

Für Liebhaber von Animationsfilmen ist ja schon seit einigen Jahren ein goldenes Zeitalter angebrochen. War diese Sparte früher – zumindest was die US-Produktionen angeht – fest in der Hand von Disney/Pixar, gibt es mittlerweile jede Menge Studios, die auf den Erfolgszug aufgesprungen sind und jede Menge gute Filme raushauen. Auch mit der Sichtung von PETS, von den Machern der DESPICABLE ME-Filme, macht man sicher nichts falsch. Renau und sein Co-Regisseur präsentieren extrem kurzweilige und rasante Action und eine Menge wirklich gelungener Gags. Der größte Pluspunkt des Films ist jedoch die feine Beobachtungsgabe, welche die Macher bei der Animation der Haustiere bewiesen haben. Jeder Halter eines Haustieres dürfte dem bunten Treiben in nicht wenigen Szenen mit einem fetten Grinsen beiwohnen. Ja, diese verrückten Viecher verhalten sich auch im echten Leben nicht viel anders als ihre animierten Freunde.

Bewertung: 7/10

 

In der dystopischen Zukunft des Jahres 2050 wird die USA von Konzernen regiert und das Volk in ROGER CORMAN’S DEATH RACE 2050 (USA 2017, Regie: G.J. Echternkamp) mit einem ultrabrutalen Autorennen bei Laune gehalten.

DEATH RACE 2000 aus dem Jahr 1975 war einer der ganz großen Hits von Produzent Roger Corman. Nachdem in den letzten Jahren bereits ein Remake und zwei Sequels hierzu das Licht der Leinwände bzw. Flatscreens erblickten, hat Roger Corman – mittlerweile 90 Jahre alt (!) – es sich nicht nehmen lassen, ein eigenes Remake seines Klassikers zu produzieren. Und dieses Remake dürfte vor allem einem etwas unbedarfteren Publikum die Haare zu Berge stehen lassen. DEATH RACE 2050 ist eine komplett überspitzte und bitterböse Satire auf den American Way of Life und präsentiert mit Malcolm McDowell als Präsident der Vereinten Konzerne von Amerika eine grelle Donald-Trump-Parodie, die nun – nachdem der Mann mit der verrückten Frisur tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde – eine noch größere Wirkung erzielt als sich die Macher damals beim Dreh gedacht haben dürften. Unbedingt positiv hervorzuheben wäre noch, dass auch bei diesem Film die Handschrift von Corman als Produzent unverkennbar zu erkennen ist. Es ging bei ihm nie ausschließlich um grelle Exploitation mit exorbitanten Schauwerten, es ging auch immer um die Figuren, die seine wilden Geschichten bevölkerten und diesem Stil ist er sich auch hier treu geblieben. Die einzige und wohl auch eklatanteste Schwäche des Films ist der heutigen Zeit, seinem sicher extrem niedrigen Budget und den technischen Möglichkeiten geschuldet, die hier einfach aufgrund Geldmangels nicht ausgenutzt werden konnten. Die 70er Jahre sind vorbei, der Charme und die Atmosphäre, die die damaligen Filme allein aufgrund ihrer Entstehungszeit ausgemacht haben, können mit teils grottenhässlichen CGI-Effekten einfach nicht reproduziert werden. Corman-Aficionados wie ich selbst es einer bin erfreuen sich natürlich trotzdem an den Film. Denn tief unter den missratenen Effekten ist ein großes Herz begraben, das definitiv an der richtigen Stelle schlägt.

Bewertung: 7/10

 

Prince als verführerischer Barpianist, der sich in UNDER THE CHERRY MOON (USA 1986, Regie: Prince) an der französischen Riviera von reichen Frauen aushalten lässt und auf einem seiner Beutezüge plötzlich die wahre Liebe findet.

Bereits diese kurze Skizzierung der Handlung dürfte klar machen, dass Prince in seinem zweiten Kinofilm – bei dem er auch gleich Regie führte – auf große Gefühle und großen Kitsch setzt. Hier ist wirklich alles komplett over the top; sei es das Produktions- und Kostümdesign, der Plot, das exaltierte Getue des Hauptdarstellers und die wirklich wunderbar anzusehende Schwarz/Weiß-Fotografie von Kameramann Michael Ballhaus (die in gewisser Weise jedoch auch dazu führt, den Film – der auch irgendwie komplett aus der Zeit gefallen zu sein scheint – zumindest noch halbwegs am Boden zu halten; in Farbe würde wohl die Leinwand bzw. der Bildschirm des heimischen TVs explodieren). Aber irgendwie funktionieren dieser ganze Kitsch und diese ganzen Übertreibungen erstaunlich gut. Man ist als Zuschauer geneigt, diesem Film einfach verdammt viel zu verzeihen und lässt sich nur zu gerne von diesem campy Märchen einlullen und verzaubern. Und das Ende ist der Knaller!

Bewertung: 7/10

 

Eine Astronomin hat in THE MAFU CAGE (USA 1978, Regie: Karen Arthur) alle Hände voll zu tun, um ihre jüngere Schwester, die spätestens seit dem plötzlichen Tod des gemeinsamen Vaters extreme Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legt, irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Einer dieser Filme, die heutzutage in dieser Form einfach nicht mehr entstehen könnten. THE MAFU CAGE verbindet ein psychologisches Drama rund um eine schwer dysfunktionale Beziehung zweier Schwestern mit Horrorelementen und ist über seine komplette Laufzeit einfach nur extrem seltsam, aufgrund dieser Tatsache aber auch wieder absolut faszinierend.

Bewertung: 7/10

 

Kim Basinger als Bankräuberin, die in THE REAL MCCOY (USA 1993, Regie: Russell Mulcahy) nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf Bewährung eigentlich ein normales Leben führen will, durch widrige Umstände aber zu einem allerletzten Bankraub gezwungen wird.

Typisches Kino der 90er Jahre, hier als Mischung aus Heist Movie und Familiendrama angelegt und mit Kim Basinger, Val Kilmer und Terence Stamp ganz vorzüglich besetzt. Im Verlauf der Handlung gibt’s zwar Logiklöcher die so tief sind wie die Schluchten des Grand Canyon, wenn man ein Faible für Kino dieser Art hat, kann man da aber locker drüber hinwegsehen. Ich mag den Film.

Bewertung: 7/10

 

Zac Efron begibt sich mit seinem Großvater Robert De Niro in DIRTY GRANDPA (USA 2016, Regie: Dan Mazer) auf einen Road Trip, der seine Zukunft nachhaltig verändern soll.

Was auf den ersten Blick wie eine weitere, niveaulose Gross-Out-Komödie aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung sogar als ziemlich guter Film. Natürlich gibt es derben Humor unter der Gürtellinie und deftige Zoten, es gibt aber auch nicht wenige Momente der ruhigeren Sorte. Im Endeffekt geht es um das Treffen richtiger Entscheidungen und das Wahrnehmen zweiter Chancen. Klar, vielleicht ist das alles etwas zu klischeehaft und platt geraten, aber allein dabei zuschauen zu können, welchen riesigen Spaß De Niro an dieser für ihn doch eher ungewöhnlichen Rolle gehabt haben dürfte, macht den Film schon sehenswert.

Bewertung: 7/10

 

Heinz Erhardt versucht als Vorstandsvorsitzender eines hochverschuldeten Fußballvereins in WILLI WIRD DAS KIND SCHON SCHAUKELN (Deutschland 1972, Regie: Werner Jacobs) gegenüber seiner in Brasilien lebenden Schwester – um deren großzügige Mitgiftversprechen der Vereinskasse überführen zu können – mit Hilfe von Fotomontagen vorzutäuschen, dass seine drei Töchter geheiratet hätten, landet mit dieser Masche aber ganz schnell im tiefsten Schlamassel nachdem sich seine Schwester kurzfristig zu einem Heimatbesuch angekündigt hat.

Einer der Erhardt-Filme, die auch nach vielen Jahrzehnten noch ganz vorzüglich funktionieren. Weil hier tatsächlich eine echte Geschichte erzählt wird und nicht nur einzelne Episoden aneinandergereiht werden. Weil Erhardt hier nicht den kompletten Alleinunterhalter geben muss und sein Wortwitz nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern fester Bestandteil der Handlung ist. Und weil diese Verwechslungsgeschichte so extrem schwungvoll und kurzweilig inszeniert ist, dass sie einem auch heute einfach nur verdammt viel Spaß bereitet.

Bewertung: 7/10

 

Terence Hill und Bud Spencer verschlägt es als zerstrittenes Duo in CHI TROVA UN AMICO TROVA UN TESORO (Italien / USA 1981, Regie: Sergio Corbucci) auf eine einsame Insel, auf der angeblich ein Schatz begraben sein soll.

Ein komplett grenzdebiler Beitrag aus dem Spencer/Hill-Kosmos, der nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute enorm viel Laune verbreitet, ein hohes Tempo geht und in der deutschen Vertonung mit einer Gaga-Synchro gesegnet ist, die einem vor Fremdscham ein ums andere Mal die Röte in die Wangen treibt. Ich fand das bunte Treiben vielleicht auch gerade deshalb jedoch extrem kurzweilig und verdammt unterhaltsam.

Bewertung: 7/10

 

 

Chris Hemsworth und Jessica Chastain versuchen in THE HUNTSMAN: WINTER’S WAR (USA 2016, Regie: Cedric Nicolas-Troyan) zu verhindern, dass das sich in Charlize Theron und Emily Blunt personifizierte Böse die Macht über einen magischen Spiegel erlangt.

Wirklich ausgesprochen nett anzusehendes Fantasy-Abenteuer, welches vor allem durch seine Besetzung, seine teils atemberaubenden Bilder und sein tolles Production Design zu überzeugen weiß. Großartige Überraschungen darf man sich von der erzählten Geschichte erwartungsgemäß nicht erhoffen, wer Lust auf einen kurzweiligen Snack aus Action, Fantasy und Humor haben sollte, darf hier aber auf jeden Fall gerne zugreifen. Ein Film für verregnete Sonntagnachmittage.

Bewertung: 6/10

 

Nachdem seine Schwester samt Familie bei ihm eingezogen ist, wird für Heinz Erhardt als Finanzbeamter im Ruhestand in UNSER WILLI IST DER BESTE (Deutschland 1971, Regie: Werner Jacobs) das Geld knapp und er ist gezwungen, einen Job als Vertreter von Elektrogeräten anzunehmen.

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen. Hier verbreitet er als Vertreter diverser Haushaltsgeräte in stimmig aneinandergereihten Episoden das komplette Chaos und als Zuschauer und Freund eskapistischen Blödsinns lehnt man sich grinsend auf der Couch zurück und harrt der Dinge, die da so kommen mögen. Großartige Überraschungen darf man natürlich nicht erwarten. Der Meister des Wortspiels wirft einmal mehr die Kalauerkanone an, feuert damit aus allen Rohren, stiftet heilloses Durcheinander und steht am Ende – wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat – doch als strahlender Sieger da.

Bewertung: 6/10

 

In seinem letzten Auftritt als Gendarm gehen Louis de Funès und seinen in LE GENDARME ET LES GENDARMETTES (Frankreich 1982, Regie: Jean Girault) vier junge Politessen verloren, die den schusseligen Polizisten zur Ausbildung anvertraut wurden.

Der letzte Auftritt von de Funès als Gendarm war dann leider auch der letzte Leinwandauftritt des französischen Komikers überhaupt. Nur knapp 4 Monate nach dem französischen Kinostart dieses Films starb de Funès im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als Fan des Komikers hätte man ihm sicher einen besseren letzten Film gewünscht als diesen hier. Man kann zwar auch diesem insgesamt sechsten Gendarm-Film einen gewissen – mitunter auch durchaus hohen – Unterhaltungswert nicht absprechen, der präsentierte Klamauk bietet jetzt allerdings nicht wirklich großartig neues. Die aus den vorherigen Filmen bekannten Muster und Klischees werden brav abgearbeitet und von Highlights wie OSCAR oder JO ist de Funès’ letzter Film qualitativ leider meilenweit entfernt.

Bewertung: 6/10

 

 

Jake Gyllenhaal und Ben Kingsley liefern sich in PRINCE OF PERSIA: THE SANDS OF TIME (USA 2010, Regie: Mike Newell) ein abenteuerliches und actionreiches Wettrennen um einen magischen Dolch.

Seltsam sterile Videospieladaption, die dem Zuschauer zwar über die knapp 2-stündige Laufzeit immer etwas zu bieten versucht, der es aber dennoch praktisch zu keiner Sekunde gelingt, den Zuschauer so für sie zu interessieren, dass dieser irgendeine Beziehung zum Film, zur erzählten Geschichte oder zu den handelnden Personen aufbauen könnte. Newells Wüsten-Abenteuer fließt an einem vorbei, die diversen Actionszenen wirken bald schon ermüdend und während der Abspann läuft, kann man sich fast schon nicht mehr daran erinnern, um was es in dem Film nun eigentlich gegangen ist.

Bewertung: 5/10

 

 

Ex-Basketball-Superstar Dennis Rodman als Geheimagent, der sich in SIMON SEZ (Belgien / Deutschland / USA 1999, Regie: Kevin Elders) mit einem ebenso verrückten wie gefährlichen Waffenhändler anlegt.

Was Regisseur Kevin Elders da eigentlich genau gedreht hat, dürfte er wahrscheinlich selbst nicht wissen. Vielleicht sollte der Film eine überdrehte Agentenfilmparodie werden. Ich habe keine Ahnung, was er letztendlich geworden ist. Der Film sieht aus, als habe man Bewusstseinsströme verschiedener Kleinkinder abgefilmt und wild durcheinander gemischt. Nichts ergibt wirklich Sinn, nicht wenige Sequenzen laden zur Fremdscham ein und wenn nach knapp 80 Minuten schließlich der Abspann einsetzt, raucht einem als Zuschauer aufgrund des dargebotenen Unfugs regelrecht der Kopf. Immerhin haben es ein paar nette Action- und Kampfchoreographien in den Film geschafft und Langeweile kann man ihm sicher auch nicht vorwerfen. Am Ende des Tages ist das Teil hier natürlich nur für filmische Allesfresser noch halbwegs interessant und goutierbar.

Bewertung: 4/10

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Europäisches (Genre-)Kino: Sammelbeitrag Nr. 01

DAS SIEBENTE OPFER (Deutschland 1964, Regie: Franz Josef Gottlieb)

das siebente opfer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Regisseur Franz Josef Gottlieb hatte vor diesem Film hier zwar schon denen einen oder anderen Krimi (auch innerhalb der Edgar-Wallace-Reihe) inszeniert, nach dieser Verfilmung eines Romans von Bryan Edgar Wallace sollte Gottlieb im weiteren Verlauf seiner Kinokarriere jedoch fast ausschließlich im Bereich der (erotischen) Komödie tätig sein. Und irgendwie merkt man diesem Film hier bereits an, dass sich Gottlieb eher für die komischen und absurden Momente und weniger für die spannenden Momente seiner Geschichte interessiert zu haben scheint.

In DAS SIEBENTE OPFER dreht sich alles um eine merkwürdige Mordserie, die sich im Umfeld eines an einem mondänen Schloss angeschlossenen Reitstalls ereignet, während parallel eine ganze Handvoll zwielichtiger Gestalten ein großes Engagement darin zeigen, ein anstehendes Pferderennen zu manipulieren. Das Opfer Nr. 7, welches dem Film seinen Titel gegeben hat, spielt dabei im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Weder ranken sich um dieses bestimmte Opfer ominöse Verwicklungen, noch hat dieses Opfer irgendeine Bedeutung für den Verlauf der Handlung oder für irgendeine Art des Spannungsaufbaus. Nein, es ist vielmehr für den ganzen Film bezeichnend, dass die oder der Tote Nr. 7 einzig und allein für einen netten Gag herhalten muss. Wer sich in irgendeiner Weise so etwas wie Spannung oder zumindest den Hauch einer Mystery-Atmosphäre von DAS SIEBENTE OPFER erhofft, sollte diese Hoffnungen lieber ganz schnell begraben. Gottlieb hat seinen Film nicht als Nailbiter, sondern als locker-flockiges Rätselraten rund um die Mordserie inszeniert und unterhält den Zuschauer dabei immer wieder mit komischen und teils auch albernen Kapriolen. Wer sich also mit dem Stil des Films anfreunden kann, kann sich auf spaßige und kurzweilige Unterhaltung freuen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LE CERCLE ROUGE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

le cercle rouge

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

In LE CERCLE ROUGE trifft Alain Delon als soeben aus dem Gefängnis entlassener Einbruchsspezialist Corey eher zufällig auf den aus Polizeigewahrsam geflüchteten Vogel (Gian Maria Volontè) und findet in diesem und dem Ex-Cop Jansen (Yves Montand) willige Partner, die ihm bei einem Einbruch in ein Juweliergeschäft zur Seite stehen sollen. Während das Trio den Bruch vorbereitet, ist der ehrgeizige Kommissar Mattei (Bourvil) fest entschlossen, den geflohenen Vogel aufzuspüren und kommt so zwangsläufig auch dem Trio in die Quere…

Melvilles Mischung aus Heist Movie, Gangsterfilm und Jagd/Flucht-Szenario gehört zu den ganz großen Klassikern des französischen Kinos und ist gleichzeitig ein Paradebeispiel für das – insbesondere in den 60er und 70er Jahren so beliebte – Subgenre des Heist Movies. In LE CERCLE ROUGE liegt in der Ruhe die Kraft. Wie Melville hier – ohne sonderlich viele Dialoge und vor allem durch die Kraft seiner Bilder – seine verschiedenen Charaktere entwickelt und diese in Stellung bringt, wie er seine Spannung über die gut 140 Minuten, die LE CERCLE ROUGE dauert, immer und immer wieder zu steigern versteht, wie er gänzlich unaufgeregt eine zwar unterkühlte, aber auch ungemein intensive Atmosphäre kreiert und den Zuschauer so über die komplette Laufzeit fesseln kann, ist wirklich mehr als beeindruckend.

Ich habe LE CERCLE ROUGE erst jetzt zum ersten Mal gesehen und wünschte mir, ich hätte ihn schon früher gekannt. Das war eine filmische Bildungslücke, die unbedingt geschlossen werden musste.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

DER SCHNEEMANN (Deutschland 1985, Regie: Peter F. Bringmann)

der schneemann

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Nachdem Sänger Marius Müller-Westernhagen schon seit den 60er Jahren (und bereits vor seiner Karriere als Musiker) in zahlreichen TV-Produktionen mitgewirkt hatte, bekam er ab Ende der 70er Jahre auch die eine oder andere (Haupt-)Rolle in Kinofilmen ab. Eine davon ist die des Kleinganoven Siegfried Dorn, dem in DER SCHNEEMANN zufällig 2 kg Kokain in die Hände fallen und der so naiv ist, zu glauben, er könne den Stoff ohne große Konsequenzen verkaufen. Natürlich sind schon sehr schnell ausgesprochen zwielichtige und ausgesprochen gefährliche Gestalten hinter ihm her.

Wenn man sich Bringmanns Film heute ansieht, kann man es kaum glauben, dass der hier wirklich mal für ein großes Kinopublikum gedacht gewesen sein könnte, denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich DER SCHNEEMANN als eine nicht unbedingt spannende oder spektakuläre, dafür aber umso schmierigere Angelegenheit. Seine Faszination zieht Bringmanns Film vor allem aus seinen Schauwerten, dem teils unglaublichen Sleaze, den er dem Zuschauer serviert, und dem unglaublichen Staunen, das man als Zuschauer während der Sichtung des Films empfindet. Leider habe ich auf die Schnelle im Netz keine Angaben zum Erfolg bzw. Misserfolg des Films gefunden. Würde mich schon interessieren, wie der damals abgeschnitten hat und manchmal würde man nachträglich gerne in die Köpfe so mancher Produzenten und Regisseure schauen können um herauszufinden, was sie sich beim Dreh eines Films wie diesen hier eigentlich gedacht haben. Das ist deutsches Kino im Ausnahmezustand, die 80er waren wahrlich ein verrücktes Jahrzehnt. Ich habe keine Ahnung, ob man DER SCHNEEMANN guten Gewissens zur Sichtung empfehlen kann, ich persönlich fand ihn in all seiner Skurrilität eigentlich ziemlich geil.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

…PIÙ FORTE RAGAZZI! (Italien 1972, Regie: Giuseppe Colizzi)

...più forte ragazzi!

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Am Tag nach dem Tod von Bud Spencer habe auch ich das gemacht, was wohl eine Vielzahl der Menschen gemacht hat, die mit seinen Filmen aufgewachsen sind. Ich habe mir den Film mit ihm angeschaut, der mir persönlich am meisten bedeutet. Das ist schon seit Ewigkeiten …PIÙ FORTE RAGAZZI! aka ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE, in dem Spencer und sein kongenialer Filmpartner Terence Hill als Salud (Spencer) und Plata (Hill) zwei ständig am äußersten Rande der Legalität agierende Bruchpiloten spielen, die eines Tages im südamerikanischen Dschungel abstürzen und dort einer Gruppe von Diamantenschürfern gegen einen skrupellosen Geschäftemacher unterstützen.

Was mich an …PIÙ FORTE RAGAZZI! schon immer so extrem begeistert, war diese leichte Melancholie, die diesen Film durchzieht und diese unglaubliche Warmherzigkeit, die – auch wenn sie sicher in anderen Filmen des Duos oder auch von Spencer allein ebenfalls vorhanden ist – Colizzis Film neben all den typischen Prügeleien und neben all dem Klamauk, den die deutsche Synchro verbreitet, doch zu etwas ganz Besonderem macht. …PIÙ FORTE RAGAZZI! ist ungemein liebenswert und einfach nur wunderschön, ein Film, an dem einfach alles toll ist. Schon die ersten Klänge des grandiosen „Flying Through the Air“ von Oliver Onions sorgen für dieses wohlige Gefühl in der Magengegend. Dann diese einfach nur wundervolle Figur des von Cyril Cusack gespielten Matto, dessen Schicksal einem die Tränen in die Augen treiben kann, usw., usf.; ich liebe …PIÙ FORTE RAGAZZI!, habe ihn nun seit gut 10 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen und kann nur feststellen, dass er auch über die Jahre hinweg rein gar nichts an seiner Faszination einbüßt.

Bewertung: Lieblingsfilm! – 10/10

 

 

LA SOUPE AUX CHOUX (Frankreich 1981, Regie: Jean Girault)

la soupe aux choux

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Giraults LA SOUPE AUX CHOUX ist der vorletzte Film des französischen Starkomikers Louis de Funès, der zwei Jahre später im Alter von nur 68 Jahren an einem Herzinfarkt sterben sollte, nachdem er schon einige Jahre an einem schweren Herzleiden litt und bereits zwei Infarkte überlebt hatte.

Da sein Gesundheitszustand die Rolle des typischen Cholerikers einfach nicht mehr zuließ, ist LA SOUPE AUX CHOUX einer der Filme von de Funès, in denen sein Charakter eher ruhig und milde gestimmt ist und cholerische Anfälle nur in Ansätzen zu sehen sind. Es geht um den von de Funès gespielten Claude Ratinier, der gemeinsam mit seinem Nachbarn und besten und auch einzigen Freund Francis Chérasse (Jean Carmet) seinen Lebensabend in einem außerhalb einer französischen Kleinstadt gelegenen Bauernhof verbringt. Dort streiten sie, vertragen sich wieder, philosophieren über die Vergangenheit, essen Kohlsuppe und veranstalten vor ihren bescheidenen Häusern Abend für Abend Wettbewerbe im Dauerfurzen. Als von der Furzerei schließlich ein Außerirdischer (Jacques Villeret) angelockt wird, stellt dieser das Leben von Ratinier und Chérasse jedoch gehörig auf den Kopf…

In Deutschland ist Giraults Film unter dem Titel LOUIS UND SEINE AUSSERIRDISCHEN KOHLKÖPFE bekannt und dürfte hierzulande – auch wegen seiner unzähligen Ausstrahlungen im Fernsehen – wohl zu den beliebtesten und bekanntesten Filmen des französischen Komikers gehören. Auch ich bin damals mit LA SOUPE AUX CHOUX aufgewachsen, habe den Film als Kind und Jugendlicher unzählige Male im Fernsehen gesehen und natürlich wegen seiner ausufernden Albernheiten (die Furzerei, die Kommunikation mit dem Außerirdischen) geliebt. Beim jetzigen Wiedersehen nach sehr langer Zeit ist mir erstmals aufgefallen, dass LA SOUPE AUX CHOUX im Grunde genommen, trotz der vorhandenen Gags, ein überaus trauriger und auch zutiefst melancholischer Film ist. Es geht um würdevolles Altern, um Respekt vor älteren Menschen, um Perspektivlosigkeit und auch um die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen. In der französischen Originalversion gibt es bspw. eine längere Szene, in der der von Carmet gespielte Chérasse versucht, sich zu erhängen. Eine Sequenz, die in den deutschen Fassungen (auch in der mir vorliegenden DVD-Fassung) gekürzt wurde, ganz offensichtlich um die Klamauk-Szenen des Films nicht zu torpedieren (mittlerweile gibt es aber auch eine Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland, die komplett ungekürzt erschienen ist). Auch wenn der Film ein Happy End aufweisen kann, Ratinier und Chérasse mit dem Außerirdischen abhauen und einem würdevollen Lebensabend entgegenblicken können, von der oft unbeschwerten Leichtigkeit, welche die Filme von de Funès so häufig durchzogen hat, ist hier nicht mehr sonderlich viel zu spüren.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI (aka He Murdered His Wife, Griechenland 1976, Regie: Kostas Karagiannis)

eglima sto kavouri

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI möchte ein schleimiger Playboy (Lakis Komninos) das stattliche Vermögen seiner älteren Ehefrau (Dorothy Moore) mit seiner jüngeren Geliebten verprassen und paktiert mit einem skrupellosen Frauenmörder (Vagelis Seilinos) um seine Gattin um die Ecke zu bringen…

Regisseur Kostas Karagiannis hat seine Mischung aus Thriller, Mystery und Horror im Stil der italienischen Gialli gedreht. Es gibt brutale Morde, viel nackte Haut und einen im Schlussdrittel wendungsreichen Plot zu bestaunen, in Sachen Spannung muss man aber – trotz der Haken, die die Handlung zum Ende hin schlägt – bedauerlicherweise gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Da die Identität des Killers von Anfang an feststeht und auch der Mordplan des betrügenden Ehemannes sehr schnell offengelegt wird, bezieht Karagiannis’ Film seine Spannung in erster Linie daraus, ob die Täter letztendlich davonkommen werden und wie sie beide versuchen, sich gegenseitig auszuschalten. Das ist ein Tick zu wenig, um den Film über die komplette Länge zu tragen. Freunde des gepflegten Exploitation-Kinos dürften an ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI dennoch ihre Freude haben und sich vor allem an den vorhandenen Schauwerten und der nicht zu verachtenden Menge an Sleaze, welche Karagiannis über seine Zuschauer ausschüttet, ergötzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LA LAMA NEL CORPO (Frankreich / Italien 1966, Regie: Elio Scardamaglia)

la lama nel corpo

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Regisseur Elio Scardamaglia lässt in LA LAMA NEL CORPO einen Killer in einer alten Nervenheilanstalt, welche in einem mehr als mondän zu nennenden, schon fast schlossartigem Anwesen angesiedelt ist, auf Patienten und Belegschaft los…

Scardamaglias Film ist wirklich wunderschön anzusehen. Allein das Setting in diesem alten, beeindruckenden Anwesen reicht aus, um Genrefreunde für den Film einzunehmen. LA LAMA NEL CORPO ist vollgestopft mit tollen Kameraeinstellungen und verbreitet mit seiner irgendwo zwischen Giallo und Gothic Horror angelegten Geschichte eine harmlos-sympathische Grusel-Atmosphäre. Sehr viel mehr hat LA LAMA NEL CORPO jedoch nicht zu bieten. Im Finale geht es zwar ein bisschen ruppiger und auch rasanter zur Sache als zuvor, bis es jedoch so weit ist, plätschert Scardamaglias Film eher gediegen vor sich hin, schwelgt in seinen schönen Bildern und lullt den Zuschauer mit diesen eher ein als ihn mit einer spannenden Geschichte zu packen. Auf seine ganz eigene Art und Weise dürfte LA LAMA NEL CORPO für Freunde des italienischen Genrekinos aber ganz sicher interessant sein. Ich würde ihn jetzt nicht unbedingt als Pflichtprogramm bezeichnen wollen, fand ihn trotz der fehlenden Spannungsmomente jedoch allein aufgrund seiner Settings und der Atmosphäre und Stimmung, die er kreiert durchaus sehenswert und unterhaltend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

REMAKE, REMIX, RIP-OFF: ABOUT COPY CULTURE & TURKISH POP CINEMA (Deutschland / Türkei 2014, Regie: Cem Kaya)

remake, remix, rip-off - about copy culture & turkish pop cinema

(Fassung: Free-TV, ZDF HD, Deutschland)

Insbesondere zwischen den frühen 50er und späten 80er Jahren bestand das türkische Kino zu einem Großteil aus möglichst kostengünstig heruntergekurbelten Remakes bzw. Rip-Offs erfolgreicher Hollywood-Produktionen, welche so manche obskure Perle hervorgebracht haben. Regisseur Cem Kaya wirft in seiner Dokumentation einen Blick auf diese faszinierende Kinolandschaft, lässt damalige Schauspieler und Regisseure zu Wort kommen, teils ausgesprochen witzige Anekdoten von damals erzählen und gewährt dem interessierten Zuschauer so einen Einblick in eine Filmwirtschaft, die vor allem von Improvisationstalent und diversen Guerilla-Taktiken geprägt war (man erfährt bspw., dass es in der Türkei kein geltendes Urheberrecht gab und den Machern somit die Scores sämtlicher Hollywoodfilme zur freien Verfügung standen, welche diese natürlich gerne nutzten, um ihre eigenen Filme zur veredeln; vor allem die Filmmusik aus THE GODFATHER, diversen James-Bond-Filmen, SUPERMAN oder STAR WARS wurde immer wieder gerne verwendet). Insbesondere Çetin İnanç, Regisseur des berühmt-berüchtigten DÜNYAYI KURTARAN ADAM (besser bekannt als TURKISH STAR WARS), hat einige wunderbare Geschichten zu erzählen, insbesondere was die Entstehung seines vorgenannten Films angeht (in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die Filmrollen von STAR WARS aus einem türkischen Kino entwendet und um Szenen erleichtert, welche für den eigenen Film genutzt werden sollten und dann auch in diesen hineingeschnitten wurden), welche Probleme die Filmemacher mit den Zensurbehörden hatten und wie diese übergangen wurden, usw., usf., und weckt im Zuschauer durch seine Ausführungen ein großes Bedürfnis, diverse Filme aus der Türkei lieber heute als morgen sichten zu wollen.

Leider belässt es Regisseur Cem Kaya in seiner Dokumentation nicht bei diesen hoch interessanten Einblicken in diese längst vergangenen Zeiten, sondern will etwas zu viel. Kaya schlägt den Bogen in die Gegenwart, wirft einen Blick auf türkische TV-Produktionen, die mehr als schlechten Arbeitsbedingungen der Cast- und Crewmitglieder in der heutigen Zeit und die Respekt- und Rücksichtslosigkeit, mit der in der Türkei mit dem türkischen Filmerbe umgegangen wird. Das ist zwar sicher lobenswert, hätte aber im Endeffekt einen eigenen Film verdient gehabt und führt letztendlich dazu, dass REMAKE, REMIX, RIP-OFF in zwei Teile auseinanderfällt, die nicht wirklich harmonisch zusammengefügt werden können. Kayas Film wirkt aufgrund dieser Tatsache in der zweiten Hälfte etwas unstruktiert und konfus und in meinen Augen hätte Cem Kaya gut daran getan, wenn er sich auf sein ursprüngliches Thema bis zum Ende konzentriert hätte und den ernsthaften und politischen Teil seiner Dokumentation in einen eigenen Film ausgelagert hätte, der diesem ernsteren und sicher auch hochinteressantem Thema dann auch hätte gerecht werden können.

Bewertung: Gut! – 7/10

September 2015: 10 Kurzkommentare

BRICK MANSIONS (Frankreich/Kanada 2014, Regie: Camille Delamarre)

brick mansions

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universum, Deutschland)

BRICK MANSIONS ist ein für den englischsprachigen Markt gedrehtes Remake des französischen Films BANLIEUE 13 aus dem Jahr 2004, in dem in einen an Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK erinnernden Plot ein Cop an der Seite eines aufrechten Gangsters in einem von Mauern umgebenen Ghetto im Paris der nahen Zukunft dem gefährlichen Herrscher über das Ghetto das Handwerk legen und eine Bombe entschärfen sollte.

Für Drehbuch und Produktion des Originals zeichnete Luc Besson verantwortlich, der nun auch dieses Remake produzierte und mit David Belle einen der Hauptdarsteller des Originals hier seine Rolle als aufrechter Gangster wiederholen ließ. Als Bösewicht ist Wu-Tang-Clan-Mastermind RZA zu sehen, den Cop spielt Paul Walker in seinem letzten, vollständig abgedrehten Film.

BRICK MANSIONS ist ein Paradebeispiel für komplett überstilisierte Action, ein Plot ist zwar vorhanden, dieser fungiert aber lediglich als Vorwand um möglichst viele atemberaubende Actionszenen und Schauwerte miteinander zu verbinden. Praktisch alles in BRICK MANSIONS ist auf den größtmöglichen Schlüsselreiz, den spektakulärsten Schauwert und die aufwendigste Actionsequenz hin ausgerichtet und die Stilmittel, welche Regisseur Camille Delamarre wählt – treibender Soundtrack, schnelle Schnitte, Zeitlupensequenzen – sind natürlich bestens dazu geeignet, dieses Vorhaben über die komplette Laufzeit von gut 100 Minuten (im von mir gesehenen Extended Cut) durchzuziehen. BRICK MANSIONS sieht größtenteils tatsächlich richtig toll aus und insbesondere die zahlreich vorhandenen Parkour-Sequenzen sind der absolute Knaller, über die komplette Laufzeit gesehen machten sich bei mir als Zuschauer aber doch Ermüdungserscheinungen bemerkbar und dieses komplette Abhandensein einer gewissen Substanz wirkte sich alles andere als positiv auf das Filmerlebnis aus.

Ich habe keine Ahnung, wie BRICK MANSIONS auf Leute wirkt, die das französische Original, welches im Gegensatz zum Remake ziemlich gute Kritiken bekommen hat, kennen; wahrscheinlich dürfte ihr Urteil ziemlich vernichtend ausfallen. Ich bin froh, dass ich das Original noch nicht kenne und das Remake nun zuerst gesehen habe, kann ich so Delamarres Film doch unvoreingenommen und aufgrund seines nicht wegzuleugnenden Unterhaltungswertes weitaus wohlwollender beurteilen.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ARMORED (USA 2009, Regie: Nimród Antal)

armored

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Die Geschichte eines eigentlich todsicheren Plans – und wie dieser durch einen dummen Zufall in die Binsen geht. In ARMORED will eine Gruppe von Sicherheitsleuten den eigenen Geldtransport ausrauben, eine scheinbar unkomplizierte Sache, die sich jedoch sehr schnell verkompliziert.

Nimród Antal hat seinen Film als Mischung aus Heist Movie und Belagerungsthriller angelegt, der insbesondere in der zweiten Hälfte, nachdem das Geld in einem abgelegenen Fabrikgelände eigentlich sicher verstaut werden sollte, auch aufgrund dieses Settings im Fabrikgelände, stark an Walter Hills TRESPASS erinnert. Denn einer der Kollegen versucht dann halt doch, das Richtige zu tun und verschanzt sich in einem der beiden Geldtransporter, die anderen versuchen verzweifelt, in den gepanzerten Wagen hineinzukommen – halt ganz so wie einst die Gangmitglieder in Hills TRESPASS versucht hatten, Zugriff auf zwei in einem alten Fabrikgebäude verschanzte Feuerwehrmänner zu bekommen. Was Antal mit ARMORED leider nicht so richtig gelingen mag, ist, sein klaustrophobisches Setting zu nutzen und die Spannungsschraube mit zunehmender Laufzeit immer mehr anzuziehen. Irgendwann im letzten Drittel geht ARMORED doch ziemlich die Luft aus, großartige Spannungsmomente sind nicht mehr zu verzeichnen und wie die ganze Geschichte verlaufen wird, ist – auch wegen der teils arg klischeehaften Zeichnung der verschiedenen Charaktere – sowieso schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt innerhalb des Films vorhersehbar. Am Ende des Tages bleibt ein Film übrig, den man sich gerne mal ansehen kann – schon allein wegen seiner illustren Besetzung mit u.a. Matt Dillon, Jean Reno, Laurence Fishburne und Fred Ward -, aber sicher nicht unbedingt ansehen muss.

Persönliche Bewertung: Ok!

WILD CARD (USA 2015, Regie: Simon West)

wild card

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Aus dem ursprünglichen Gedanken, nur in ganz kurzen Worten ein paar Eindrücke zu gesehenen Filmen niederzuschreiben, sind dann doch immer wieder etwas längere Texte geworden.

Für WILD CARD kehre ich zum ursprünglichen Gedanken zurück. Denn Wests Film kann so gut wie gar nichts. WILD CARD zieht sich wie Kaugummi, ist langweilig ohne Ende und lediglich ein paar inmitten der ganzen Trost- und Bedeutungslosigkeit untergebrachte und nett anzusehende Kampfchoreographien retten WILD CARD am Ende des Tages davor, als absolutes Ärgernis bezeichnet zu werden. Und mehr Worte gibt es dann auch gar nicht zu verlieren. Kurzkommentar Ende.

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen wenigen Momenten)

THE PURGE: ANARCHY (Frankreich/USA 2014, Regie: James DeMonaco)

the purge - anarchy

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco entführt den Zuschauer ein zweites Mal in eine dystopische Zukunft der USA, in der an einer Nacht im Jahr über einen Zeitraum von 12 Stunden alle Verbrechen legal sind – incl. Mord.

Zeichnete sich der ein Jahr zuvor entstandene THE PURGE noch durch eine unheimliche Atmosphäre und die Tatsache aus, dass er das immer wieder mal gern gesehene Home-Invasion-Motiv mit einem aus klassischen Western bestens bekannten Belagerungsszenario auf durchaus spannende Art und Weise kreuzte, verlegt James DeMonaco in seiner Fortsetzung die Szenerie nun in die verlassenen Straßen einer Großstadt, in der eine Handvoll Menschen sich durch ein typisches Jagd/Flucht-Szenario kämpfen muss. Was Spannung und Atmosphäre anbelangt kommt THE PURGE: ANARCHY nicht wirklich an den Vorgänger heran. Dafür punktet der Film mit ein paar netten Actionsequenzen und ein paar doch ziemlich derben “What the Fuck!?!“-Momenten, die DeMonaco innerhalb des Plotverlaufs seiner satirischen Abrechnung mit dem amerikanischen Waffenfetischismus geschickt platziert hat. So wirklich überzeugen oder begeistern kann der Film aber trotzdem zu eigentlich keinem Zeitpunkt.

Persönliche Bewertung: Naja!

THIRD PERSON (Belgien / Deutschland /Frankreich / Großbritannien / USA 2013, Regie: Paul Haggis)

third person

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Paul Haggis zeichnete einst für Regie und Drehbuch von CRASH verantwortlich, dem – für mich persönlich – vielleicht besten Ensemble-Film des noch relativ jungen Jahrtausends. Entsprechend gespannt war ich natürlich auf THIRD PERSON, in dem Haggis als Regisseur und Drehbuchautor erneut verschiedene Geschichten erzählt. Geschichten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen und sich letztendlich doch nach und nach zusammenfügen.

Es geht um eine junge Frau (Mila Kunis), die in New York um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpft, einen Autor (Liam Neeson), der in einem Pariser Hotel sein neuestes Buch schreibt und  eine Art Industriespion (Adrien Brody), der in Rom versucht, einer jungen Frau zu helfen, damit diese ihr Kind wieder in die Arme schließen kann.

Anders als der ganz vorzüglich konstruierte CRASH überzeugt THIRD PERSON weniger aufgrund seiner Handlung, sondern viel mehr mit der Atmosphäre, die er erzeugt und mit den technischen Mitteln, mit denen er umgesetzt ist. Denn die Handlung ist hier eigentlich nur Nebensache und wen die Stimmung des Films einfach nicht packt und wer sich auch nicht von der ausgefeilten Schnitttechnik, die Haggis und sein Film Editor Jo Francis hier präsentieren, begeistern lässt, der wird wohl nicht sonderlich viel Spaß mit diesem Film haben und wird wahrscheinlich auch vom doch etwas arg billigen Ende des Films maßlos enttäuscht sein.

Ich persönlich mochte THIRD PERSON sehr gerne. Weil er wie ein langer, ruhiger Fluss unaufgeregt am Zuschauer vorbeizieht, weil er so wunderbar melancholisch und atmosphärisch geraten ist, weil er mit Schauspielern und Schauspielerinnen wie Liam Neeson, Adrien Brody, James Franco, Mila Kunis, Kim Basinger, Maria Bello und Olivia Wilde ganz vorzüglich besetzt ist, weil er diese Grenzen zwischen Fiktion und Realität und zwischen Raum und Zeit (wer ganz genau hinsieht, dürfte ziemlich schnell ahnen, wie das alles ausgehen wird) immer wieder aufhebt, weil mich die bereits weiter oben genannte Schnitttechnik absolut fasziniert hat und weil mir Filme, die Kim Basinger mit an Bord haben, schon aus Prinzip gefallen.

Persönliche Bewertung: Gut!

VEHICLE 19 (USA 2013, Regie: Mukunda Michael Dewil)

vehicle 19

(Fassung: Blu-ray, StudioCanal, Deutschland)

Ich mag ja Filme, in denen die Protagonisten durch einen dummen Zufall in einen Schlamassel geraten, aus dem sie einfach nicht mehr herauskommen wollen. Auch VEHICLE 19 ist einer dieser Filme. Hier erhält Paul Walker kurz nach seiner Ankunft in Südafrika den falschen Leihwagen und muss schon bald feststellen, dass er einen blinden Passagier im Kofferraum hat und von der Polizei gejagt wird.

VEHICLE 19 ist insbesondere in der ersten Hälfte ziemlich spannend geraten und überzeugt durch einen leichten Mystery-Touch. Die Spannung und auch die Atmosphäre werden jedoch in der zweiten Filmhälfte zugunsten wenig spektakulärer Actionsequenzen geopfert und insbesondere im letzten Drittel verflacht Dewils Film dann doch zunehmend. Definitiv kein Film, über den man größere Worte verlieren müsste. VEHICLE 19 eignet sich vor allem als netter Zeitvertreib, wenn man sich ohne großartige Ansprüche einfach mal 90 Minuten lang berieseln lassen will.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

A LEAGUE OF THEIR OWN (USA 1992, Regie: Penny Marshall)

a league of their own

(Fassung: DVD, Columbia TriStar, Deutschland)

Regisseurin Penny Marshall erzählt mit A LEAGUE OF THEIR OWN die Geschichten einer Frauen-Baseball-Mannschaft, die in den 40er Jahren zusammengestellt wurde, um in der eigens gegründeten Frauen-Baseball-Profiliga ihr Glück zu versuchen.

A LEAGUE OF THEIR OWN ist natürlich typisches Award-Material (der Film war dann zumindest auch für 2 Golden Globes nominiert), ein Film, der darauf abzielt, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, nirgendwo anzuecken und mit einer Mischung aus komischen und dramatischen Momenten zumindest vorzutäuschen so etwas wie anspruchsvolle Unterhaltung zu liefern. Ein Film ohne großartige Ecken und Kanten (lediglich ein paar böse Spitzen sind in diversen Dialogen versteckt), eigentlich verabscheuenswert, aber dann kriegen sie es halt doch hin, mich als Zuschauer so sehr zu manipulieren, dass ich eigentlich gar kein böses Wort über A LEAGUE OF THEIR OWN verlieren möchte. Weil diese Mischung aus Komik, Dramatik und Kitsch wirklich ganz vorzüglich unterhält, weil Geena Davis in der Rolle der Starspielerin Dottie Hinson großartig aufspielt, weil Tom Hanks als ständig betrunkener und motzender Trainer eine echte Schau ist, weil dieses entscheidende Spiel am Ende nicht dem typischen Sportfilmklischee entspricht und weil auch ich nicht verleugnen kann, dass ich mich, als ganz zum Schluss die ersten Klänge des Madonna-Hits „This Used to Be My Playground“ einsetzten, gegen die aufkommende Gänsehaut einfach nicht mehr wehren konnte. A LEAGUE OF THEIR OWN ist auf seine eigene Art dann doch ziemlich toll und diese „There’s no crying in baseball“-Sequenz ist tatsächlich eine dieser Szenen für die Ewigkeit.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

ROCKY BALBOA (USA 2006, Regie: Sylvester Stallone)

rocky balboa - 1rocky balboa - 2

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

16 Jahre nach ROCKY V kam mit ROCKY BALBOA der sechste Teil der Reihe rund um den aus Philadelphia stammenden Boxer in die Kinos. Stallone selbst übernahm – wie schon beim 2., 3. und 4. Film – die Regie und verfasste auch das Drehbuch und führte die Reihe so zu einem versöhnlichen (vorläufigen) Ende (mit dem Spin-Off CREED, in dem der von Stallone gespielte Rocky dann als Trainer zu sehen sein wird, steht ja schon der nächste Film in den Startlöchern).

Was mir besonders gut an diesem Film hier gefallen hat ist die Tatsache, dass hier wieder der Mensch Rocky im Mittelpunkt steht und sich Stallone wieder mehr auf die Charaktere und ihre Geschichte konzentriert hat. Der Titelheld ist in die Jahre gekommen, seine große Liebe Adrian ist schon vor längerer Zeit einem Krebsleiden erlegen, sein Sohn Robert (Milo Ventimiglia) hält immer mehr Abstand zu seinem übergroßen Vater und die einzige Konstante in Rockys Leben ist sein Schwager Paulie (Burt Young). Der ehemalige Champion trauert alten Zeit nach, erzählt in seinem italienischen Restaurant von seinen früheren Kämpfen und lebt mehr in der Vergangenheit als im Hier und Jetzt. Als er die Gelegenheit erhält, noch ein letztes Mal in den Ring zu steigen, nimmt er diese Chance war – insbesondere um endgültig mit der Vergangenheit abzuschließen und in der Hoffnung, endlich wieder nach vorne blicken zu können.

ROCKY BALBOA ist ein ausgesprochen schöner Film geworden, gewährt dem Zuschauer einen melancholisch-verträumten Rückblick auf diese 30 Jahre, die diese Filmfigur ihn begleitet hat und bereitet dem Titelhelden einen mehr als würdevollen Abgang. Ein Film, der Gänsehaut verursacht. Hoffentlich macht sich Stallone mit CREED dieses wundervolle Vermächtnis nicht wieder kaputt.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE SHIELD: SEASON 4 (USA 2005, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

Nach drei wirklich herausragenden Staffeln erlaubt sich THE SHIELD mit dieser vierten Season nun eine erste Auszeit. Was Shawn Ryan und sein Team vor und hinter der Kamera hier abgeliefert haben, hat mir zwar immer noch richtig gut gefallen (die im Durchschnitt doch ziemlich schlechten Bewertungen, die praktisch jede einzelne Episode dieser Staffel in der IMDB erhalten hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen), es ist aber definitiv nicht wegzuleugnen, dass Season 4 im direkten Vergleich zu den drei Staffeln zuvor qualitativ deutlich abfällt. Schauspielerisch und stilistisch ist zwar alles beim Alten geblieben, aber irgendwie mag der in dieser Staffel erzählte Main Plot von der ersten Folge an einfach nicht richtig in Schwung kommen. THE SHIELD tröpfelt über fast 10 Episoden in dieser Season einfach nur so vor sich hin, weist teilweise deutliche Längen auf und an glorreiche THE SHIELD-Zeiten können im Endeffekt erst die letzten paar Episoden erinnern. Die machen dann jedoch auch Hoffnung, dass es in der nächsten Staffel qualitativ wieder aufwärts geht und ich persönlich Season Nr. 5 wieder mit „hervorragend“ und nicht nur mit „gut“ bewerten kann.

Persönliche Bewertung: Gut!

HOW I MET YOUR MOTHER: SEASON 6 (USA 2010/2011, Idee: Carter Bays/Craig Thomas)

how i met your mother

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In den fünf Staffeln zuvor war – so zumindest mein Empfinden – die von Carter Bays und Craig Thomas erdachte Serie mehr eine Aneinanderreihung von einzelnen, in sich abgeschlossenen Episoden, die durch einen losen Handlungsstrang miteinander verbunden waren.

In Staffel Nr. 6 scheint nun erstmals die episodenübergreifende Handlung im Vordergrund zu stehen, die über die bisherigen Staffeln natürlich ausgesprochen lieb gewonnenen Charaktere entwickeln sich weiter, die Serie ist nicht mehr ganz so abhängig von dem von Neil Patrick Harris wieder genial gespielten Barney Stinson und erstmals scheint tatsächlich das große Ganze im Mittelpunkt zu stehen und weniger der schnelle Gag für zwischendurch. Es gibt sogar immer wieder mal nachdenklichere Momente in den einzelnen Episoden und diese neue Ausrichtung tut HOW I MET YOUR MOTHER richtig gut. Mir persönlich hat diese Staffel insgesamt betrachtet bisher am besten gefallen. Wer jetzt Angst hat, dass unter der größeren Konzentration auf den Plot die Gagdichte leiden würde, den kann ich getrost beruhigen. Auch diese Staffel sorgt für so einige Lachanfälle – mein persönliches Highlight: die Folge „Oh Honey“, in der Ted (Josh Radnor) realisiert, dass er sich tatsächlich in Zoey (Jennifer Morrison) verliebt hat und Marshall (Jason Segel) davon in Häppchen am Telefon erfährt – und in Sachen Wortwitz macht den Autoren der Serie sowieso niemand was vor. Freue mich schon auf Staffel Nr. 7.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!