Jahresendspurt – 3. Teil

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS (Belgien / Frankreich / Luxemburg 2013, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS handelt vom Geschäftsmann Dan Kristensen (Klaus Tange), der von einer Geschäftsreise nach Hause kommt und feststellen muss, dass seine Frau spurlos verschwunden ist. Er macht sich auf die Suche nach ihr und gleitet schon bald in einen Zustand ab, in dem die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu verschmelzen scheinen…

Nach dem von mir vor einigen Wochen gesehenen AMER ist dies hier der zweite abendfüllende Spielfilm der beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich erneut der Stilmittel der klassischen Gialli bedienen und mit diesen einen Film erschaffen, dessen Sichtung schon fast einer sinnlichen Erfahrung gleichkommt. Konnte man der Handlung von AMER noch halbwegs folgen, hat man hier als Zuschauer eigentlich gar keine Chance mehr. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS besteht praktisch nur noch aus aufregenden, in satte Farben getauchten Bildern, aus Großaufnahmen von Augen, Mündern und sonstigen Körperpartien, aus beunruhigenden Geräuschen, aus Stimmung und Atmosphäre. Man kann sich diesem Film bereits nach kurzer Zeit einfach nur noch wehrlos ergeben, um was es hier letztendlich geht, wie die Lösung des Rätsels aussehen wird, all das ist vollkommen zweitrangig. L’ÉTRANGE COULEUR DES LARMES DE TON CORPS nimmt einen als Zuschauer in Gefangenschaft und führt einen in unbekannte Dimensionen. Ich hatte über die komplette Laufzeit des Films Gänsehaut, obwohl ich ihm auf Handlungsebene schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr folgen konnte. Wahnsinn, was ein Film alles auslösen kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DAMNATION ALLEY (USA 1977, Regie: Jack Smight)

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(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

DAMNATION ALLEY spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft und handelt von einer Handvoll Menschen, die sich in einem futuristischen Militärgefährt auf den Weg machen, um eine alte, in nicht gerade wirtlicher Gegend gelegene Militärbasis zu verlassen, und dabei hoffen, auf ihrer langen Reise auf einen Ort zu treffen, der tatsächlich noch bewohnbar ist.

Ich würde jetzt wirklich gerne etwas Positives über DAMNATION ALLEY schreiben, schon allein aus dem Grund, weil ich einfach ein Herz für Filme dieser Art habe und ich auf gewisse Art und Weise auch Smights Film ungemein sympathisch finde. Im vorliegenden Fall ist dies aber schon verdammt schwer, weil in DAMNATION ALLEY über die fast komplette Laufzeit einfach nichts Nennenswertes passiert. Smights Film ist nicht spannend, bietet fast keine Schauwerte und kommt zudem noch mit Effekten um die Ecke, denen man ihr Alter in jeder Einstellung ansieht. Und macht man sich dann auch noch bewusst, dass DAMNATION ALLEY im Jahr 1977 immerhin 17 Mio. US-Dollar gekostet hat und ein gewisser Herr Lucas im selben Jahr für 6 Mio. US-Dollar weniger STAR WARS in die Kinos brachte, fällt es noch ein gutes Stück schwerer, ein großartiges Lobeslied auf Smights Film anzustimmen. Sicher, auch DAMNATION ALLEY hat seine Momente, die sind aber leider viel zu rar gesät, um den Film in irgendeiner Weise großartig interessant für sein Zielpublikum zu machen.

Begrüßenswert, dass längst vergessene B-Movies wie DAMNATION ALLEY von umtriebigen Labeln, sowohl in Deutschland als auch in den USA, ausgegraben, für die Nachwelt erhalten und fein säuberlich restauriert auf DVD und Blu-ray veröffentlicht werden, ist es natürlich dennoch, auch wenn sich in den vielen liebevollen Veröffentlichungen die eine oder andere Gurke versteckt wie dieser Film hier.

Bewertung: Naja!

 

LUCY (Frankreich/USA 2014, Regie: Luc Besson)

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(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

In LUCY gerät Scarlett Johansson aufgrund widriger Umstände in die ungünstige Situation als Drogenkurier missbraucht zu werden. Ehe sie sich versieht, wird unter ihrer Bauchdecke ein Päckchen neuartiger, synthetischer Drogen verstaut, welches sie in die USA schmuggeln soll. Als das unheilvolle Paket jedoch in ihr aufplatzt und die austretende Droge ihre Wirkung entfaltet, hat das für alle Beteiligten ausgesprochen fatale Konsequenzen. Die bewusstseinserweiternde Droge führt schließlich dazu, dass die Titelheldin sämtliche Kapazitäten ihres Gehirns nutzen kann und übermenschliche Kräfte entwickelt…

Bessons LUCY ist ein typischer 50/50-Film. Love it or hate it – großartige Meinungen dazwischen dürfte es wohl eher nicht geben. Ich bekenne mich dann mal zur “Love It!“- Fraktion, weil ich es schon beeindruckend fand, wie Besson einen Film, der anfangs noch auf ein typisches 08/15-Blockbuster-Publikum zugeschnitten zu sein scheint, innerhalb kürzester Zeit in ein Stadium kompletten Wahnsinns abdriften lässt. Je länger LUCY dauert, desto mehr knallt der Film einfach nur durch, entledigt sich sämtlicher Logik-Grenzen und wird zum rein visuellen Spektakel. Und als Zuschauer sitzt man mit runtergelassener Kinnlade vor dem heimischen Flachbild-TV und traut seinen Augen nicht.

Bewertung: Sehr gut!

 

MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION (USA 2015, Regie: Christopher McQuarrie)

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(Fassung: Blu-ray, Paramount, Deutschland)

 In seinem fünften Kinoeinsatz als Spezialagent Ethan Hunt muss Tom Cruise auf eigene Faust operieren um die gefährliche Verbrecherorganisation “The Syndicate” zu zerschlagen…

In den knapp 20 Jahren, in denen die Reihe nun schon existiert, hat sie in meinen Augen eine beachtliche Entwicklung hingelegt und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass fast jeder Film seinen ganz eigenen Stil hat. Vom reinen Agenten- und Suspensethriller, den Brian De Palma mit dem Auftaktfilm einst abgeliefert hatte, über komplette Over-the-top-Action von John Woo in Teil 2 hin zu mehr Ernsthaftigkeit im dritten Film von J.J. Abrams, nur um diese Ernsthaftigkeit dann in Teil 4 von Brad Bird wieder gehörig aufzulockern.

Für MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION wurde mit Christopher McQuarrie nun der fünfte Regisseur für den fünften Film verpflichtet. Der hatte vor diesem Film gerade erst 2 Regiearbeiten vorzuweisen, den ziemlich tollen THE WAY OF THE GUN aus dem Jahr 2000 und den eher nicht so tollen JACK REACHER aus dem Jahr 2012. Ihn auszuwählen war also erneut eine durchaus mutige Entscheidung der Produzenten – bereits J.J. Abrams (der damals vom TV kam) und Brad Bird (der zuvor nur Animationsfilme gedreht hatte) waren einst ebenso mutige Entscheidungen gewesen – und auch wenn ich der Meinung bin, dass dieser fünfte Teil gegenüber dem unmittelbaren Vorgänger etwas abfällt, so muss man nach Sichtung des Films doch konstatieren, dass die Entscheidung für McQuarrie eine gute gewesen ist.

Auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION kann durch einen eigenen Stil überzeugen, da der Film aber an die Ereignisse des Vorgängers anschließt und dessen Geschichte weitererzählt, ist der Stilbruch nicht ganz so eklatant wie zwischen den vier Filmen zuvor. McQuarrie setzt – wie schon Bird – auf Agentenkino im klassischen Bond-Stil mit humoristischen Einschlägen (für die der mal wieder toll aufspielende Simon Pegg sorgt), hat dem Zuschauer sehr viele verschiedene Locations zu bieten, an denen sein Film spielt, fährt aber im Vergleich zum Vorgänger die Actionsequenzen in ihrer Anzahl deutlich zurück, orientiert sich dabei mehr an De Palmas einstigen Auftaktfilm und setzt insbesondere auf Suspense. Die Sequenz in der Oper ist schlicht grandios, die Unterwasserszene an Spannung kaum zu überbieten. Für reine Action sorgen dagegen die etwas arg übertriebene Auftaktsequenz und die atemberaubende Verfolgungsjagd mit den Motorrädern (die dann auch ein bisschen was von Woos zweiten Teil hat).

Ja, auch MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION ist richtig gut geworden und stellt eine willkommene Abwechslung innerhalb des sonst einfach viel zu sehr von diversen Superhelden dominierten Blockbusterbereichs dar. Im direkten Vergleich mit dem unmittelbaren Vorgänger muss ich allerdings feststellen, dass mir Birds actionreicherer und spektakulärerer Film einen Tick besser gefallen hat.

Bewertung: Sehr gut!

 

INVICTUS (USA 2009, Regie: Clint Eastwood)

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(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

 Clint Eastwood erzählt in INVICTUS die Geschichte von Nelson Mandela, der Mitte der 90er Jahre, kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten von Südafrika, mit allen Mitteln versuchte, das gespaltene Land zu einen und sich dabei auch auf die Menschen verbindende Kraft des Sports verließ.

Man mag Eastwood vielleicht vorwerfen, dass er es sich etwas zu einfach macht, die sicher extrem komplexe politische Situation auf ein Sportdrama herunter zu brechen, wie er dies allerdings inszeniert, wie geschickt er den Zuschauer emotional packt und manipuliert und wie großartig er seine Darsteller in Szene setzt, das ist wahrlich meisterhaft. Insbesondere Morgan Freeman liefert in der Rolle des Nelson Mandela eine Darbietung für die Annalen der Filmgeschichte ab, man kann sich nach Sichtung dieses Films tatsächlich keinen einzigen anderen Schauspieler in dieser Rolle vorstellen. Es ist vor allem auch Freemans Spiel, das INVICTUS so lebendig werden und so glaubwürdig erscheinen lässt, mag der Film auch noch so simpel gestrickt sein.

Mich persönlich hat INVICTUS emotional komplett mitgerissen und begeistert, ich hatte an mehreren Stellen des Films – insbesondere natürlich im Finale – vor lauter Rührung Tränen in den Augen und habe praktisch jede Sekunde von INVICTUS einfach nur genossen.

Bewertung: Meisterwerk!

 

JOSHÛ ORI (Japan 1983, Regie: Masaru Konuma)

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(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In den 70er und 80er Jahren produzierte das japanische Kult-Studio Nikkatsu fast ausschließlich Film mit (soft-)erotischen Inhalten um so größere Zuschauerzahlen zu generieren. Das Resultat waren dabei nicht selten wilde Exploitation-Filme, die innerhalb verschiedenster Subgenres versuchten, neue Grenzen auszuloten. JOSHÛ ORI von Regisseur Masaru Konuma ist ein Vertreter des – sich für das Zeigen nackter Tatsachen natürlich ganz vorzüglich geeigneten – Women-in-Prison-Films und handelt von der Gefangenen Masayo (Mina Asami), an der nach einem missglückten Ausbruchversuch ein Exempel statuiert werden soll, damit solche Versuche nicht plötzlich Mode machen. In seinen knapp 70 Minuten, die JOSHÛ ORI gerade mal dauert, werden dann auch alle Zutaten des WIP-Films abgearbeitet. Die – nennen wir es mal vorsichtig – Konflikte der Häftlinge untereinander, die fiesen und sadistischen Wärterinnen, die Hauptfigur, die sich einfach nicht brechen lässt. Leider vergisst Regisseur Konuma inmitten all seiner Schauwerte ein bisschen, auch so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. JOSHÛ ORI mangelt es an einem Spannungsbogen, Konuma konfrontiert den Zuschauer zwar mit so einigen “What the Fuck!?!“-Momenten, die bloße Aneinanderreihung solcher Sequenzen reicht am Ende aber doch nicht aus, um JOSHÛ ORI als guten Filmen bezeichnen zu können.

Bewertung: Ok!

 

DER ARZT VON ST. PAULI (Deutschland 1968, Regie: Rolf Olsen)

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(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

DER ARZT VON ST. PAULI war damals der Auftakt einer kleinen Reihe von St.-Pauli-Filmen, die zwischen 1968 und 1971 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle in die deutschen Kinos kamen. Leider ist die Verfügbarkeit der Film auf DVD noch sehr schlecht und so ist dieser Film hier – neben den schon vor etwas längerer Zeit gesehenen AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS – leider der einzige dieser Filme, die man sich problemlos zuhause ansehen kann ohne TV-Zeitschriften wälzen zu müssen und auf eine Ausstrahlung zu hoffen. Verdammt schade, denn Olsens Film macht definitiv Lust auf mehr.

Curd Jürgens spielt den Allgemeinarzt Dr. Jan Diffring, einem Mann mit großem Herzen und viel Liebe für seine Patientinnen und Patienten vom Kiez, der im Verlauf des Films in einen Kriminalfall hineingezogen wird und schließlich feststellen muss, dass es sich bei seinem Bruder, den als Gynäkologen praktizierenden Dr. Klaus Diffring (Horst Naumann) um einen skrupellosen Gangster handelt…

Olsen erzählt die Geschichte der beiden Brüder zunächst eher episodenhaft nebeneinander her und verbindet die beiden Handlungsstränge erst relativ spät miteinander (wobei man als Zuschauer allerdings immer einen Wissensvorsprung hat und somit den finalen Konflikt schon bald erahnen kann). Das führt – und das ist das einzige, kleine Manko des Films – leider etwas dazu, dass Curd Jürgens nicht allzu viel Screentime abbekommen hat und DER ARZT VON ST. PAULI nicht so sehr beherrschen kann, wie er nur ein Jahr später AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS beherrschen sollte. In den Szenen, die ihm bleiben, ist er dafür einfach grandios, spielt den Allgemeinarzt als gäbe es kein Morgen mehr und als würde das Schicksal der Welt davon abhängen, dass er diesem Charakter glaubwürdiges Leben verleiht. In Verbindung mit dem wirklich abwechslungsreichen Plot, den unzähligen Schauwerten des Films, die immer wieder auch die Grenze zum Sleaze genüsslich überschreiten, den herrlichen Dialogen und dem unschlagbaren Zeit- und Lokalkolorit ist DER ARZT VON ST. PAULI ein Paradebeispiel dieser Sittenreißer aus längst vergangenen Tagen und kann einen als Zuschauer nur hoffen lassen, dass noch mehr deutsche Filme dieser Art aus der damaligen Zeit geborgen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Bewertung: Sehr gut!

 

HERE COMES THE BOOM (USA 2012, Regie: Frank Coraci)

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(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Kevin James spielt den Highschool-Lehrer Scott Voss, der sich als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer versucht um auf dieser Art und Weise Geld aufzutreiben und den Job seines Freundes und Kollegen Marty (Henry Winkler) zu sichern, der aufgrund von Budgetkürzungen wegrationalisiert werden soll…

Sollte jemand behaupten, HERE COMES THE BOOM sei harmlos, kitschig, klischeehaft und vorhersehbar, könnte man ihm voll nicht großartig widersprechen. Aber diese eher negativen Eigenschaften macht Regisseur Coraci mit der Warmherzigkeit, der positiven Energie und der schlichten Schönheit, die sein Film ausstrahlt, locker wieder weg. Und natürlich mit den vielen, einfach nur urkomischen Szenen, die Coraci mit Hilfe seines Hauptdarstellers Kevin James zu bieten hat.

HERE COMES THE BOOM ist verdammt witzig und zudem einer der positivsten Filme, die ich je gesehen habe. Hier regiert der kindlich-naive Glaube an das Gute, es gibt so gut wie nichts Negatives in diesem Film und wenn es aus dramaturgischen Gründen doch notwendig sein sollte (wie bspw. vor dem finalen Kampf), wird es eher nebenbei erwähnt, nur um die positive Grundstimmung nicht zu gefährden. Nicht einmal Voss’ Gegner im Schlusskampf, der durchaus martialisch gezeichnete Ken Dietrich (Krzysztof Soszynski), taugt als “Bösewicht“, auch er zeigt plötzlich seine gute und positive Seite. Das alles macht HERE COMES THE BOOM in meinen Augen ungemein sympathisch, liebens- und absolut empfehlenswert.

Bewertung: Gut!

Shocktober 2015 – Final Batch / October 2015 – Non-Horror-Stuff

MAMA (Kanada/Spanien 2013, Regie: Andrés Muschietti)

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(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Vor fünf Jahren verschwanden zwei kleine Mädchen (Megan Charpentier und Isabelle Nélisse) spurlos, nun werden sie in der Wildnis wiedergefunden und sollen künftig bei ihrem Onkel Lucas (Nikolaj Coster-Waldau) und dessen Freundin Annabel (Jessica Chastain) aufwachsen. Doch die Jahre in der Einsamkeit der Wildnis haben ihre Spuren bei den beiden Schwestern hinterlassen und als Lucas nach einem mysteriösen Unfall im Krankenhaus landet und Annabel fortan mit den Kindern allein im Haus ist, muss sie bald feststellen, dass hier etwas gar nicht mit rechten Dingen zugeht. Offensichtlich wurden die Mädchen in der Wildnis von einer Kreatur beschützt, welche die Kinder Mama nennen. Und diese Kreatur nimmt es mit der Aufgabe als Beschützer immer noch sehr genau…

Einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre. Weil Regisseur Andrés Muschietti eine sehr gute Balance zwischen ruhigen Momenten und Schockeffekten findet, über weite Strecken eine wahrlich beunruhigende Atmosphäre aufbaut und mit Jessica Chastain in der Hauptrolle – die ich mit ihren kurzen, schwarzen Haaren fast nicht erkannt hätte – eine Hauptdarstellerin am Start hat, die ihr Handwerk versteht und MAMA allein durch ihr Mitwirken ungemein aufwertet. Leider hat Muschietti (der auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnete) das Ende versaut und erweist seinem bis dahin eigentlich sehr guten Film einen Bärendienst. Der Schluss von MAMA ist tatsächlich eine ziemliche Katastrophe und mag so gar nicht zu dem passen, was man zuvor gesehen hat. Aber man muss ja nicht alle Entscheidungen verstehen, die ihm Laufe des Entstehungsprozesses eines Films so gefällt werden.

Persönliche Bewertung: Gut!

PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI (Italien 1980, Regie: Lucio Fulci)

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(Fassung: DVD, Blue Underground, USA)

Während einer Séance hat Mary Woodhouse (Catriona MacColl) eine Vision von einem Priester in einer Kleinstadt, der Selbstmord begeht und dadurch die Pforten zur Hölle öffnet. Gemeinsam mit dem Reporter Peter Bell (Christopher George) macht sich Mary auf die Suche nach dieser Stadt um das Schlimmste zu verhindern…

PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI ist einer von Fulcis berüchtigten Goreklassikern und trägt seit seinem Erscheinen die Last mit sich herum, immer wieder auf seine Gore-, Splatter- und Ekelsequenzen reduziert zu werden. Natürlich muss ich zugeben, dass diese Szenen – eine Frau kotzt sich nicht nur die Seele, sondern auch gleich sämtliche Gedärme aus dem Leib, der Kopf eines Mannes macht Bekanntschaft mit einer Bohrmaschine, die Protagonisten sind einem Wirbelsturm aus Maden ausgesetzt, usw. – auch in mir den kleinen Gorehound von früher wieder zum Leben erwecken und dessen Herz höher schlagen lassen, die wahre Qualität von PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI liegt aber woanders. Ich finde es einfach faszinierend, wie sich Fulcis Film – zwar noch nicht ganz so extrem, aber doch ähnlich wie in dem ein Jahr später entstandenen Glanzstück …E TU VIVRAI NEL TERRORE! L’ALDILÀ – den Regeln einer herkömmlichen Narration und eines herkömmlichen Spannungsaufbaus zu entziehen versucht. Dinge passieren hier einfach, ohne dass es weiterer Erklärungen bedarf und ohne dass großartig auf bestimmte Ereignisse hingearbeitet werden müsste. PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI definiert sich nicht durch seine Geschichte, sondern vielmehr durch seine albtraumhafte Stimmung, die er erzeugt, durch seine unheimliche Atmosphäre und durch seinen ebenso simplen wie intensiven Score von Komponist Fabio Frizzi, der den Zuschauer durch den Film trägt. Auch in PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI kommt man als Zuschauer irgendwann an einen Punkt, an dem es egal ist, ob man der Handlung nun noch folgen mag oder nicht, an dem nur noch die vermittelte Stimmung von Bedeutung ist und man bereit ist, Fulci alles abzunehmen und alles zu glauben, was er einem so vorsetzt. PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI ist ein Film von morbider Schönheit.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THE MASK OF FU MANCHU (USA 1932, Regie: Charles Brabin / Charles Vidor)

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(Fassung: DVD, Warner, USA)

Ein englisches Archäologenteam soll das erst vor kurzer Zeit entdeckte Grab des berühmt-berüchtigten Dschingis Khan sichern und die darin enthaltenen Schätze bergen, insbesondere die Maske und das Schwert des Eroberers, zwei Artefakte, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Die Zeit drängt, denn auch der von Boris Karloff gespielte Superverbrecher Dr. Fu Manchu will die sagenumwobenen Artefakte in seinen Besitz bringen und hat gar grausige Dinge mit diesen vor…

THE MASK OF FU MANCHU ist ein netter kleiner Gruselstreifen aus längst vergangenen Tagen, der Grusel- und Mystery-Elemente mit denen des Abenteuerfilms verbindet und so versucht, seine Zuschauer bei der Stange halten. Was vor gut über 80 Jahren noch gelungen haben mag, ist heute jedoch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Im Gegensatz zu ähnlichen Filmen aus der damaligen Zeit fehlt es THE MASK OF FU MANCHU einfach an Spannungspotential, an Atmosphäre und auch an Charme. Die Settings sind größtenteils ausgesprochen spartanisch ausgefallen und so etwas wie Gruselstimmung kommt nur sehr selten – und dann auch nur ansatzweise – auf. Lediglich ein paar wenige Szenen bleiben im Gedächtnis, die sind dann aber auch allesamt ziemlich toll geraten (Fu Manchu ganz am Anfang mit dem dampfenden Gebräu, eine aus einem Totenschädel krabbelnde Spinne, die Foltereinlagen der sadistischen Tochter Fu Manchus und die Sequenz mit den Krokodilen) und sorgen letztendlich dafür, dass ich doch eine verhaltene Empfehlung für den Film aussprechen möchte.

Persönliche Bewertung: Nett!

LADY IN THE WATER (USA 2006, Regie: M. Night Shyamalan)

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(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In LADY IN THE WATER findet Paul Giamatti als Hausmeister einer Apartmentanlage ein Fabelwesen im Swimmingpool und versucht, dieses mit Hilfe der Bewohner der Anlage vor fiesen Monstern zu retten…

Nach seinen vier erfolgreichen Plot-Twist-Filmen (THE SIXTH SENSE, UNBREAKABLE, SIGNS und THE VILLAGE) knallt Regie-Wunderkind M. Night Shyamalan dem Publikum diesen obskuren Fantasy-Mystery-Märchen-Mix um die Ohren, fiel damit komplett auf die Fresse und sollte sich danach dazu entschließen, sein Publikum mit Filmen wie THE HAPPENING (den ich persönlich richtig toll finde) noch mehr zu strapazieren bzw. auf die Probe zu stellen.

Weshalb jetzt gerade LADY IN THE WATER damals so extrem kritisiert wurde, mag sich mir nicht erschließen. Wahrscheinlich waren alle enttäuscht, dass es keinen Plot-Twist am Ende gab. Vielleicht hat Publikum und Kritik nicht gefallen, dass sich Shyamalan selbst als eine Art unverstandener Märtyrer inszeniert (er spielt einen Schriftsteller, dessen Werk irgendwann die Welt verändern wird, im Hier und Jetzt allerdings mit Missachtung gestraft wird) und in seinem Film zudem noch einen Filmkritiker als Witzfigur installiert hat. Hängt man sich an solchen Dingen auf, läuft man allerdings Gefahr, zu sehen, dass man es hier im Grunde mit einem ausgesprochen schönen Fantasy-Grusel-Märchen zu tun hat, mit einer zwar einfach gestrickten und vielleicht kitschigen, aber doch lobenswerten Botschaft, das mit tollen Schauspielern besetzt, toll fotografiert und mit einem stimmigen Score versehen ist und an dem es bei näherer Betrachtungsweise in meinen Augen rein gar nichts auszusetzen gibt.

Persönliche Bewertung: Gut!

TRICK ‚R TREAT (USA 2007, Regie: Michael Dougherty)

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(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In TRICK ‚R TREAT verbindet Regisseur Michael Dougherty verschiedene, sich in der Halloweennacht abspielende Handlungsstränge lose miteinander und erschafft dadurch einen ausgesprochen kurzweiligen und unterhaltsamen Episodenfilm zum Thema Halloween. Urbane Legenden, fiese Killer, Werwölfe und ein im höchsten Maße aggressives Kürbismännchen sorgen für reichlich Abwechslung. Spannung, schwarzer Humor, eine unheimliche Atmosphäre, der eine oder andere What-the-Fuck-!?!-Moment und viele Schauwerte vereinen sich zu einem homogenen Ganzen und sorgen dafür, dass die extrem übersichtliche Laufzeit von gerade mal knapp 80 Minuten regelrecht wie im Flug vergeht. Dazu die tolle Kameraarbeit, die gelungene Song-Auswahl auf dem Soundtrack und einige bekannte Gesichter auf der Besetzungsliste (Anna Paquin, Brian Cox) und fertig ist ein rundum gelungener Horror- bzw. Gruselspaß, der wohl jedem Genrefreund ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte.

Persönliche Bewertung: Gut!

TEENAGE ZOMBIES (USA 1960, Regie: Jerry Warren)

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(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

In TEENAGE ZOMBIES geraten ein paar Teenager auf einer eigentlich menschenleeren Insel in die Fänge einer verrückten Wissenschaftlerin, die dringend menschlichen Nachschub für ihre Experimente mit einem Nervengas benötigt, durch das ihre Opfer in willenlose Kreaturen verwandelt werden…

Bereits im Jahr 1957 gedreht, erblickte Warrens Film – wenn man den Angaben in der IMDB glauben darf – erst drei Jahre später die Leinwände diverser Drive-In-Kinos. TEENAGE ZOMBIES ist dabei klar als B-Movie aus den 50er Jahren zu identifizieren, mit seiner Mischung aus Science Fiction, Verschwörungstheorien und sanftem Grusel (wenn man die unheimlichen Szenen des Films überhaupt so bezeichnen kann) und gefällt heute in erster Linie wegen seiner herrlich naiven Machart, dem komplett unschuldigen Tonfall, den er anschlägt, seiner strikten Trennung zwischen Gut und Böse und diesem fast schon kindlich-naiven Charme, den er verbreitet.

TEENAGE ZOMBIES dürfte schon damals niemanden schockiert haben und er tut es heute erst recht nicht. Und mit ganz großer Sicherheit hat man auch nichts in seinem Leben verpasst, wenn man nun gerade diesen Film hier nicht gesehen haben sollte. Trotzdem ist es schön, dass es ihn gibt und den Jungs vom US-Label Vinegar Syndrome, die solche kleinen obskuren Filme vor dem kompletten Vergessen bewahren und für die Nachwelt erhalten, sei an dieser Stelle mal mein aufrichtiger Dank ausgerichtet.

Persönliche Bewertung: Nett!

AMER (Belgien/Frankreich 2009, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

In AMER folgt der Zuschauer der Protagonistin Ana in drei Stadien ihres Lebens. Als Kind (Cassandra Forêt) in einer albtraumhaften Sequenz in der heimischen Villa kurz nach dem Tod des Großvaters, als Teenager (Charlotte Eugène Guibeaud) im Sommerurlaub beim Austesten ihrer sexuellen Reize und schließlich als erwachsene Frau (Marie Bos), die in ihr Elternhaus, die mittlerweile verlassene Villa, zurückkehrt und dort mit den Ängsten ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. AMER ist eine Coming-of-Age-Geschichte im Horrorgewand, auf der einen Seite sehr experimentell und sehr artifiziell, auf der anderen Seite aber auch lebendig, organisch, berauschend und mitreißend.

Die beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani erzählen die Geschichte, in der immer wieder die Grenzen von Fiktion und Realität ineinander verschwimmen, praktisch ausschließlich mit Bildern, Soundeffekten und der Musik. Es gibt in AMER so gut wie keine Dialoge und die wenigen, die vorhanden sind, tragen nichts dazu bei, die Geschichte weiterzubringen. Würde AMER komplett ohne gesprochenes Wort auskommen, es wäre im Endeffekt auch egal. Formal orientieren sich Cattet und Forzani am italienischen Giallo der 70er Jahre, brechen diesen auf sein visuelles Grundgerüst herunter und tauchen ihren Film in einfach nur atemberaubende Bilder. Die Farben Rot, Gelb, Grün und Blau dominieren, immer wieder gibt es Close-Ups, insbesondere vom menschlichen Auge, dann wieder werden die Bilder unscharf, verschwimmen regelrecht vor dem Auge des Betrachters – dazu der aus klassischen Gialli wie LA TARANTOLA DAL VENTRE NERO oder LA POLIZIA CHIEDE AIUTO entliehene Score; AMER ist wie ein einziger Rausch, ein beeindruckendes filmisches Experiment und ein mehr als würdiger Abschluss meiner Horrorsichtungen in diesem Oktober.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

AVENGERS: AGE OF ULTRON (USA 2015, Regie: Joss Whedon)

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(Fassung: Blu-ray 3D, Walt Disney, Deutschland)

Nachdem Marvel über Jahre hinweg zunächst in diversen Einzelfilmen ein zuvor (fast) nur in Comics existierendes Superheldenuniversum in die Filmwelt übertragen hatte, kam es im Jahr 2012 in THE AVENGERS zum lang herbeigesehnten Gipfeltreffen der einzelnen Protagonisten. Und dieses Gipfeltreffen war schlichtweg atemberaubend und die Vorfreude auf das, was da noch so kommen sollte, stieg ins Unermessliche.

3 Jahre später kehrt das aus Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) und dem Hulk (Mark Ruffalo) bestehende Superheldenteam nun in AVENGERS: AGE OF ULTRON zurück und die Vorfreude von damals wurde mittlerweile durch eine gewisse Übersättigung von heute ersetzt. Das Blockbusterkino scheint fast nur noch aus diversen Superheldenfilmen zu bestehen und in den beiden konkurrierenden Häusern Warner (welche das Universum der DC-Comics rund um Superman und Batman betreuen) und Marvel scheint es nur noch darum zu gehen, den anderen in Sachen Bombast zu übertreffen. Man darf durchaus gespannt sein, wann dieses System kollabieren wird und sich die noch zahlreich vorhandenen Zuschauer gelangweilt abwenden werden.

In AVENGERS: AGE OF ULTRON geht es nun um die künstliche Intelligenz Ultron, die als Android ihr Unwesen treibt und – um die Erde zu retten – die gesamte Menschheit auslöschen will. Einmal mehr ist es an den Titelhelden, dies zu verhindern. Vergleicht man AVENGERS: AGE OF ULTRON mit seinen Vorgänger aus dem Jahr 2012 ist auffallend, dass diese Fortsetzung – anders als THE AVENGERS – weitaus nicht so homogen und in sich geschlossen wirkt. Ähnlich wie einst IRON MAN 2 scheint AVENGERS: AGE OF ULTRON ein Zwischenfilm zu sein, der benötigt wird, um künftige Filme vorzubereiten. Vieles in Whedons Film scheint nur kurz angerissen zu sein – sei es auf der Handlungsebene, beim Einführen neuer Charaktere oder bei der Weiterentwicklung der Beziehungen der Figuren untereinander – und so wirkt AVENGERS: AGE OF ULTRON irgendwie etwas unausgegoren und im Vergleich mit seinem genialen Vorgänger fast schon enttäuschend.

Gerettet wird der Film letztendlich durch seine Schauwerte. Die Action Set Pieces, die Whedon dem Zuschauer hier präsentiert, sind schlichtweg atemberaubend. Die Choreographie der verschiedenen Actionsequenzen scheint nicht von dieser Welt, als Zuschauer kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und – im Endeffekt macht ja auch immer der Ton die Musik – das Sound Design in diesen Actionszenen ist mit dem Wort brachial noch absolut unzureichend beschrieben. In diesem Bereich ist AVENGERS: AGE OF ULTRON nahe an der Perfektion, insbesondere auch weil es Whedon gelingt, seinen Zuschauer immer bei Laune zu halten und die Action so intensiv und abwechslungsreich zu inszenieren, dass sich wirklich keinerlei Ermüdungserscheinungen breitmachen. Und das ist ja durchaus eine Kunst, die nicht jeder Blockbuster-Regisseur beherrscht. AVENGERS: AGE OF ULTRON läuft vor Schauwerten fast über und wirkt dennoch nie überladen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL BAXTER (Deutschland 1994, Regie: Helge Schneider)

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(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Helge Schneider und seine Filme – entweder man hasst sie oder man liebt sie. Dazwischen gibt es nicht sonderlich viel Freiraum. Ich habe seine drei Filme aus den 90er Jahren – TEXAS – DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM, diesen hier und PRAXIS DR. HASENBEIN – damals wahrscheinlich nur ein einziges Mal (und wohl auch eher so nebenbei) gesehen und die Erinnerung an sie war bzw. ist komplett verblasst. So kam die jetzige Sichtung von 00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL, der gemeinhin als Schneiders bester Film gilt, praktisch einer Erstsichtung gleich.

Helge Schneider, der neben den beiden Hauptrollen gleich noch zwei kleinere Nebenrollen bekleidete, die Musik komponierte und für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete, versucht als 00 Schneider den Mord an einem Zirkusclown aufzuklären und gerät dabei dem Bösewicht Nihil Baxter (die zweite Hauptrolle, die Schneider spielt) auf die Spur. Schneider klamaukt sich dabei mit seinen kongenialen Partnern Helmut Körschgen (als Sidekick von 00 Schneider), Andreas Kunze (als Frau 00 Schneider) und Werner Abrolat (als Polizeipräsident) durch einen absurd-komischen Plot, der sich hauptsächlich in obskuren Settings (die Einrichtung des Unterschlupfs von Nihil Baxter ist der absolute Knaller) abspielt. Die absichtlich schlechte Machart des Films, der irrsinnige Humor und die noch irrsinnigere Geschichte vereinen sich dabei zu einem unwiderstehlichen Ganzen, welches dem dieser Art von Humor positiv zugeneigten Zuschauer eine Lachsalve nach der anderen garantiert. Ein Heidenspaß!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE (Deutschland 2013, Regie: Helge Schneider)

00 schneider - im wendekreis der eidechse 100 schneider - im wendekreis der eidechse 2

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Knapp 20 Jahre nach 00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL BAXTER kehrte Helge Schneider in der Titelrolle zurück und versucht erneut, ein reichlich obskures Verbrechen zu lösen. An die Qualität des Vorgängers reicht diese Quasi-Fortsetzung jedoch nicht ansatzweise heran. Das größte Problem von 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE ist, dass Helge Schneider im Lauf der Jahre seine kongenialen Mitstreiter verloren gegangen sind. Werner Abrolat verstarb bereits im Jahr 1997, Helmut Körschgen im Jahr 2002 und Andreas Kunze schließlich im Jahr 2010. Helge Schneider ist in 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE praktisch auf sich allein gestellt und die gezeigte One Man Show tut dem Film nicht wirklich gut, sondern wirkt mit zunehmender Laufzeit eher ermüdend. Das zweite Problem des Films ist – so doof sich das vielleicht anhören mag -, dass dieser Film hier handwerklich, insbesondere was die Kameraarbeit angeht, viel zu gut gemacht ist. Im Vorgänger war es gerade dieses Zusammenspiel aus vorgetäuschtem Dilettantismus und dem ganzen Blödsinn, den die Mitstreiter vor der Kamera veranstalteten, der den Film so unwiderstehlich machte. Hier mögen der Inhalt (Plot, Dialoge, Schauspiel) und die Verpackung (Kameraarbeit und Settings) einfach nicht zusammenpassen. Schneider wirkt fast etwas verloren in diesem Film, agiert irgendwie zu bemüht und kommt schon beinahe altersmüde rüber. So sehr es mir leid tut, es sagen zu müssen, aber im Vergleich zum Vorgänger ist 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE eine echte Enttäuschung.

Persönliche Bewertung: Naja!