Shocktober 2015 – Final Batch / October 2015 – Non-Horror-Stuff

MAMA (Kanada/Spanien 2013, Regie: Andrés Muschietti)

mama

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Vor fünf Jahren verschwanden zwei kleine Mädchen (Megan Charpentier und Isabelle Nélisse) spurlos, nun werden sie in der Wildnis wiedergefunden und sollen künftig bei ihrem Onkel Lucas (Nikolaj Coster-Waldau) und dessen Freundin Annabel (Jessica Chastain) aufwachsen. Doch die Jahre in der Einsamkeit der Wildnis haben ihre Spuren bei den beiden Schwestern hinterlassen und als Lucas nach einem mysteriösen Unfall im Krankenhaus landet und Annabel fortan mit den Kindern allein im Haus ist, muss sie bald feststellen, dass hier etwas gar nicht mit rechten Dingen zugeht. Offensichtlich wurden die Mädchen in der Wildnis von einer Kreatur beschützt, welche die Kinder Mama nennen. Und diese Kreatur nimmt es mit der Aufgabe als Beschützer immer noch sehr genau…

Einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre. Weil Regisseur Andrés Muschietti eine sehr gute Balance zwischen ruhigen Momenten und Schockeffekten findet, über weite Strecken eine wahrlich beunruhigende Atmosphäre aufbaut und mit Jessica Chastain in der Hauptrolle – die ich mit ihren kurzen, schwarzen Haaren fast nicht erkannt hätte – eine Hauptdarstellerin am Start hat, die ihr Handwerk versteht und MAMA allein durch ihr Mitwirken ungemein aufwertet. Leider hat Muschietti (der auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnete) das Ende versaut und erweist seinem bis dahin eigentlich sehr guten Film einen Bärendienst. Der Schluss von MAMA ist tatsächlich eine ziemliche Katastrophe und mag so gar nicht zu dem passen, was man zuvor gesehen hat. Aber man muss ja nicht alle Entscheidungen verstehen, die ihm Laufe des Entstehungsprozesses eines Films so gefällt werden.

Persönliche Bewertung: Gut!

PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI (Italien 1980, Regie: Lucio Fulci)

paura nella città dei morti viventi

(Fassung: DVD, Blue Underground, USA)

Während einer Séance hat Mary Woodhouse (Catriona MacColl) eine Vision von einem Priester in einer Kleinstadt, der Selbstmord begeht und dadurch die Pforten zur Hölle öffnet. Gemeinsam mit dem Reporter Peter Bell (Christopher George) macht sich Mary auf die Suche nach dieser Stadt um das Schlimmste zu verhindern…

PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI ist einer von Fulcis berüchtigten Goreklassikern und trägt seit seinem Erscheinen die Last mit sich herum, immer wieder auf seine Gore-, Splatter- und Ekelsequenzen reduziert zu werden. Natürlich muss ich zugeben, dass diese Szenen – eine Frau kotzt sich nicht nur die Seele, sondern auch gleich sämtliche Gedärme aus dem Leib, der Kopf eines Mannes macht Bekanntschaft mit einer Bohrmaschine, die Protagonisten sind einem Wirbelsturm aus Maden ausgesetzt, usw. – auch in mir den kleinen Gorehound von früher wieder zum Leben erwecken und dessen Herz höher schlagen lassen, die wahre Qualität von PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI liegt aber woanders. Ich finde es einfach faszinierend, wie sich Fulcis Film – zwar noch nicht ganz so extrem, aber doch ähnlich wie in dem ein Jahr später entstandenen Glanzstück …E TU VIVRAI NEL TERRORE! L’ALDILÀ – den Regeln einer herkömmlichen Narration und eines herkömmlichen Spannungsaufbaus zu entziehen versucht. Dinge passieren hier einfach, ohne dass es weiterer Erklärungen bedarf und ohne dass großartig auf bestimmte Ereignisse hingearbeitet werden müsste. PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI definiert sich nicht durch seine Geschichte, sondern vielmehr durch seine albtraumhafte Stimmung, die er erzeugt, durch seine unheimliche Atmosphäre und durch seinen ebenso simplen wie intensiven Score von Komponist Fabio Frizzi, der den Zuschauer durch den Film trägt. Auch in PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI kommt man als Zuschauer irgendwann an einen Punkt, an dem es egal ist, ob man der Handlung nun noch folgen mag oder nicht, an dem nur noch die vermittelte Stimmung von Bedeutung ist und man bereit ist, Fulci alles abzunehmen und alles zu glauben, was er einem so vorsetzt. PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI ist ein Film von morbider Schönheit.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THE MASK OF FU MANCHU (USA 1932, Regie: Charles Brabin / Charles Vidor)

the mask of fu manchu

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Ein englisches Archäologenteam soll das erst vor kurzer Zeit entdeckte Grab des berühmt-berüchtigten Dschingis Khan sichern und die darin enthaltenen Schätze bergen, insbesondere die Maske und das Schwert des Eroberers, zwei Artefakte, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Die Zeit drängt, denn auch der von Boris Karloff gespielte Superverbrecher Dr. Fu Manchu will die sagenumwobenen Artefakte in seinen Besitz bringen und hat gar grausige Dinge mit diesen vor…

THE MASK OF FU MANCHU ist ein netter kleiner Gruselstreifen aus längst vergangenen Tagen, der Grusel- und Mystery-Elemente mit denen des Abenteuerfilms verbindet und so versucht, seine Zuschauer bei der Stange halten. Was vor gut über 80 Jahren noch gelungen haben mag, ist heute jedoch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Im Gegensatz zu ähnlichen Filmen aus der damaligen Zeit fehlt es THE MASK OF FU MANCHU einfach an Spannungspotential, an Atmosphäre und auch an Charme. Die Settings sind größtenteils ausgesprochen spartanisch ausgefallen und so etwas wie Gruselstimmung kommt nur sehr selten – und dann auch nur ansatzweise – auf. Lediglich ein paar wenige Szenen bleiben im Gedächtnis, die sind dann aber auch allesamt ziemlich toll geraten (Fu Manchu ganz am Anfang mit dem dampfenden Gebräu, eine aus einem Totenschädel krabbelnde Spinne, die Foltereinlagen der sadistischen Tochter Fu Manchus und die Sequenz mit den Krokodilen) und sorgen letztendlich dafür, dass ich doch eine verhaltene Empfehlung für den Film aussprechen möchte.

Persönliche Bewertung: Nett!

LADY IN THE WATER (USA 2006, Regie: M. Night Shyamalan)

lady in the water

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In LADY IN THE WATER findet Paul Giamatti als Hausmeister einer Apartmentanlage ein Fabelwesen im Swimmingpool und versucht, dieses mit Hilfe der Bewohner der Anlage vor fiesen Monstern zu retten…

Nach seinen vier erfolgreichen Plot-Twist-Filmen (THE SIXTH SENSE, UNBREAKABLE, SIGNS und THE VILLAGE) knallt Regie-Wunderkind M. Night Shyamalan dem Publikum diesen obskuren Fantasy-Mystery-Märchen-Mix um die Ohren, fiel damit komplett auf die Fresse und sollte sich danach dazu entschließen, sein Publikum mit Filmen wie THE HAPPENING (den ich persönlich richtig toll finde) noch mehr zu strapazieren bzw. auf die Probe zu stellen.

Weshalb jetzt gerade LADY IN THE WATER damals so extrem kritisiert wurde, mag sich mir nicht erschließen. Wahrscheinlich waren alle enttäuscht, dass es keinen Plot-Twist am Ende gab. Vielleicht hat Publikum und Kritik nicht gefallen, dass sich Shyamalan selbst als eine Art unverstandener Märtyrer inszeniert (er spielt einen Schriftsteller, dessen Werk irgendwann die Welt verändern wird, im Hier und Jetzt allerdings mit Missachtung gestraft wird) und in seinem Film zudem noch einen Filmkritiker als Witzfigur installiert hat. Hängt man sich an solchen Dingen auf, läuft man allerdings Gefahr, zu sehen, dass man es hier im Grunde mit einem ausgesprochen schönen Fantasy-Grusel-Märchen zu tun hat, mit einer zwar einfach gestrickten und vielleicht kitschigen, aber doch lobenswerten Botschaft, das mit tollen Schauspielern besetzt, toll fotografiert und mit einem stimmigen Score versehen ist und an dem es bei näherer Betrachtungsweise in meinen Augen rein gar nichts auszusetzen gibt.

Persönliche Bewertung: Gut!

TRICK ‚R TREAT (USA 2007, Regie: Michael Dougherty)

trick 'r treat

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

In TRICK ‚R TREAT verbindet Regisseur Michael Dougherty verschiedene, sich in der Halloweennacht abspielende Handlungsstränge lose miteinander und erschafft dadurch einen ausgesprochen kurzweiligen und unterhaltsamen Episodenfilm zum Thema Halloween. Urbane Legenden, fiese Killer, Werwölfe und ein im höchsten Maße aggressives Kürbismännchen sorgen für reichlich Abwechslung. Spannung, schwarzer Humor, eine unheimliche Atmosphäre, der eine oder andere What-the-Fuck-!?!-Moment und viele Schauwerte vereinen sich zu einem homogenen Ganzen und sorgen dafür, dass die extrem übersichtliche Laufzeit von gerade mal knapp 80 Minuten regelrecht wie im Flug vergeht. Dazu die tolle Kameraarbeit, die gelungene Song-Auswahl auf dem Soundtrack und einige bekannte Gesichter auf der Besetzungsliste (Anna Paquin, Brian Cox) und fertig ist ein rundum gelungener Horror- bzw. Gruselspaß, der wohl jedem Genrefreund ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte.

Persönliche Bewertung: Gut!

TEENAGE ZOMBIES (USA 1960, Regie: Jerry Warren)

teenage zombies

(Fassung: DVD, Vinegar Syndrome, USA)

In TEENAGE ZOMBIES geraten ein paar Teenager auf einer eigentlich menschenleeren Insel in die Fänge einer verrückten Wissenschaftlerin, die dringend menschlichen Nachschub für ihre Experimente mit einem Nervengas benötigt, durch das ihre Opfer in willenlose Kreaturen verwandelt werden…

Bereits im Jahr 1957 gedreht, erblickte Warrens Film – wenn man den Angaben in der IMDB glauben darf – erst drei Jahre später die Leinwände diverser Drive-In-Kinos. TEENAGE ZOMBIES ist dabei klar als B-Movie aus den 50er Jahren zu identifizieren, mit seiner Mischung aus Science Fiction, Verschwörungstheorien und sanftem Grusel (wenn man die unheimlichen Szenen des Films überhaupt so bezeichnen kann) und gefällt heute in erster Linie wegen seiner herrlich naiven Machart, dem komplett unschuldigen Tonfall, den er anschlägt, seiner strikten Trennung zwischen Gut und Böse und diesem fast schon kindlich-naiven Charme, den er verbreitet.

TEENAGE ZOMBIES dürfte schon damals niemanden schockiert haben und er tut es heute erst recht nicht. Und mit ganz großer Sicherheit hat man auch nichts in seinem Leben verpasst, wenn man nun gerade diesen Film hier nicht gesehen haben sollte. Trotzdem ist es schön, dass es ihn gibt und den Jungs vom US-Label Vinegar Syndrome, die solche kleinen obskuren Filme vor dem kompletten Vergessen bewahren und für die Nachwelt erhalten, sei an dieser Stelle mal mein aufrichtiger Dank ausgerichtet.

Persönliche Bewertung: Nett!

AMER (Belgien/Frankreich 2009, Regie: Hélène Cattet / Bruno Forzani)

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(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

In AMER folgt der Zuschauer der Protagonistin Ana in drei Stadien ihres Lebens. Als Kind (Cassandra Forêt) in einer albtraumhaften Sequenz in der heimischen Villa kurz nach dem Tod des Großvaters, als Teenager (Charlotte Eugène Guibeaud) im Sommerurlaub beim Austesten ihrer sexuellen Reize und schließlich als erwachsene Frau (Marie Bos), die in ihr Elternhaus, die mittlerweile verlassene Villa, zurückkehrt und dort mit den Ängsten ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. AMER ist eine Coming-of-Age-Geschichte im Horrorgewand, auf der einen Seite sehr experimentell und sehr artifiziell, auf der anderen Seite aber auch lebendig, organisch, berauschend und mitreißend.

Die beiden Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani erzählen die Geschichte, in der immer wieder die Grenzen von Fiktion und Realität ineinander verschwimmen, praktisch ausschließlich mit Bildern, Soundeffekten und der Musik. Es gibt in AMER so gut wie keine Dialoge und die wenigen, die vorhanden sind, tragen nichts dazu bei, die Geschichte weiterzubringen. Würde AMER komplett ohne gesprochenes Wort auskommen, es wäre im Endeffekt auch egal. Formal orientieren sich Cattet und Forzani am italienischen Giallo der 70er Jahre, brechen diesen auf sein visuelles Grundgerüst herunter und tauchen ihren Film in einfach nur atemberaubende Bilder. Die Farben Rot, Gelb, Grün und Blau dominieren, immer wieder gibt es Close-Ups, insbesondere vom menschlichen Auge, dann wieder werden die Bilder unscharf, verschwimmen regelrecht vor dem Auge des Betrachters – dazu der aus klassischen Gialli wie LA TARANTOLA DAL VENTRE NERO oder LA POLIZIA CHIEDE AIUTO entliehene Score; AMER ist wie ein einziger Rausch, ein beeindruckendes filmisches Experiment und ein mehr als würdiger Abschluss meiner Horrorsichtungen in diesem Oktober.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

AVENGERS: AGE OF ULTRON (USA 2015, Regie: Joss Whedon)

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(Fassung: Blu-ray 3D, Walt Disney, Deutschland)

Nachdem Marvel über Jahre hinweg zunächst in diversen Einzelfilmen ein zuvor (fast) nur in Comics existierendes Superheldenuniversum in die Filmwelt übertragen hatte, kam es im Jahr 2012 in THE AVENGERS zum lang herbeigesehnten Gipfeltreffen der einzelnen Protagonisten. Und dieses Gipfeltreffen war schlichtweg atemberaubend und die Vorfreude auf das, was da noch so kommen sollte, stieg ins Unermessliche.

3 Jahre später kehrt das aus Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) und dem Hulk (Mark Ruffalo) bestehende Superheldenteam nun in AVENGERS: AGE OF ULTRON zurück und die Vorfreude von damals wurde mittlerweile durch eine gewisse Übersättigung von heute ersetzt. Das Blockbusterkino scheint fast nur noch aus diversen Superheldenfilmen zu bestehen und in den beiden konkurrierenden Häusern Warner (welche das Universum der DC-Comics rund um Superman und Batman betreuen) und Marvel scheint es nur noch darum zu gehen, den anderen in Sachen Bombast zu übertreffen. Man darf durchaus gespannt sein, wann dieses System kollabieren wird und sich die noch zahlreich vorhandenen Zuschauer gelangweilt abwenden werden.

In AVENGERS: AGE OF ULTRON geht es nun um die künstliche Intelligenz Ultron, die als Android ihr Unwesen treibt und – um die Erde zu retten – die gesamte Menschheit auslöschen will. Einmal mehr ist es an den Titelhelden, dies zu verhindern. Vergleicht man AVENGERS: AGE OF ULTRON mit seinen Vorgänger aus dem Jahr 2012 ist auffallend, dass diese Fortsetzung – anders als THE AVENGERS – weitaus nicht so homogen und in sich geschlossen wirkt. Ähnlich wie einst IRON MAN 2 scheint AVENGERS: AGE OF ULTRON ein Zwischenfilm zu sein, der benötigt wird, um künftige Filme vorzubereiten. Vieles in Whedons Film scheint nur kurz angerissen zu sein – sei es auf der Handlungsebene, beim Einführen neuer Charaktere oder bei der Weiterentwicklung der Beziehungen der Figuren untereinander – und so wirkt AVENGERS: AGE OF ULTRON irgendwie etwas unausgegoren und im Vergleich mit seinem genialen Vorgänger fast schon enttäuschend.

Gerettet wird der Film letztendlich durch seine Schauwerte. Die Action Set Pieces, die Whedon dem Zuschauer hier präsentiert, sind schlichtweg atemberaubend. Die Choreographie der verschiedenen Actionsequenzen scheint nicht von dieser Welt, als Zuschauer kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und – im Endeffekt macht ja auch immer der Ton die Musik – das Sound Design in diesen Actionszenen ist mit dem Wort brachial noch absolut unzureichend beschrieben. In diesem Bereich ist AVENGERS: AGE OF ULTRON nahe an der Perfektion, insbesondere auch weil es Whedon gelingt, seinen Zuschauer immer bei Laune zu halten und die Action so intensiv und abwechslungsreich zu inszenieren, dass sich wirklich keinerlei Ermüdungserscheinungen breitmachen. Und das ist ja durchaus eine Kunst, die nicht jeder Blockbuster-Regisseur beherrscht. AVENGERS: AGE OF ULTRON läuft vor Schauwerten fast über und wirkt dennoch nie überladen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL BAXTER (Deutschland 1994, Regie: Helge Schneider)

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(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Helge Schneider und seine Filme – entweder man hasst sie oder man liebt sie. Dazwischen gibt es nicht sonderlich viel Freiraum. Ich habe seine drei Filme aus den 90er Jahren – TEXAS – DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM, diesen hier und PRAXIS DR. HASENBEIN – damals wahrscheinlich nur ein einziges Mal (und wohl auch eher so nebenbei) gesehen und die Erinnerung an sie war bzw. ist komplett verblasst. So kam die jetzige Sichtung von 00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL, der gemeinhin als Schneiders bester Film gilt, praktisch einer Erstsichtung gleich.

Helge Schneider, der neben den beiden Hauptrollen gleich noch zwei kleinere Nebenrollen bekleidete, die Musik komponierte und für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete, versucht als 00 Schneider den Mord an einem Zirkusclown aufzuklären und gerät dabei dem Bösewicht Nihil Baxter (die zweite Hauptrolle, die Schneider spielt) auf die Spur. Schneider klamaukt sich dabei mit seinen kongenialen Partnern Helmut Körschgen (als Sidekick von 00 Schneider), Andreas Kunze (als Frau 00 Schneider) und Werner Abrolat (als Polizeipräsident) durch einen absurd-komischen Plot, der sich hauptsächlich in obskuren Settings (die Einrichtung des Unterschlupfs von Nihil Baxter ist der absolute Knaller) abspielt. Die absichtlich schlechte Machart des Films, der irrsinnige Humor und die noch irrsinnigere Geschichte vereinen sich dabei zu einem unwiderstehlichen Ganzen, welches dem dieser Art von Humor positiv zugeneigten Zuschauer eine Lachsalve nach der anderen garantiert. Ein Heidenspaß!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE (Deutschland 2013, Regie: Helge Schneider)

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(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Knapp 20 Jahre nach 00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL BAXTER kehrte Helge Schneider in der Titelrolle zurück und versucht erneut, ein reichlich obskures Verbrechen zu lösen. An die Qualität des Vorgängers reicht diese Quasi-Fortsetzung jedoch nicht ansatzweise heran. Das größte Problem von 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE ist, dass Helge Schneider im Lauf der Jahre seine kongenialen Mitstreiter verloren gegangen sind. Werner Abrolat verstarb bereits im Jahr 1997, Helmut Körschgen im Jahr 2002 und Andreas Kunze schließlich im Jahr 2010. Helge Schneider ist in 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE praktisch auf sich allein gestellt und die gezeigte One Man Show tut dem Film nicht wirklich gut, sondern wirkt mit zunehmender Laufzeit eher ermüdend. Das zweite Problem des Films ist – so doof sich das vielleicht anhören mag -, dass dieser Film hier handwerklich, insbesondere was die Kameraarbeit angeht, viel zu gut gemacht ist. Im Vorgänger war es gerade dieses Zusammenspiel aus vorgetäuschtem Dilettantismus und dem ganzen Blödsinn, den die Mitstreiter vor der Kamera veranstalteten, der den Film so unwiderstehlich machte. Hier mögen der Inhalt (Plot, Dialoge, Schauspiel) und die Verpackung (Kameraarbeit und Settings) einfach nicht zusammenpassen. Schneider wirkt fast etwas verloren in diesem Film, agiert irgendwie zu bemüht und kommt schon beinahe altersmüde rüber. So sehr es mir leid tut, es sagen zu müssen, aber im Vergleich zum Vorgänger ist 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE eine echte Enttäuschung.

Persönliche Bewertung: Naja!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 2

DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (Deutschland 1954, Regie: Kurt Hoffmann)

das fliegende klassenzimmer

(Fassung: DVD, DeAgostini, Deutschland)

Hoffmanns Film ist die erste von bis heute insgesamt drei Kinoverfilmungen des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner. DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER ist durchweg positiv, im Zentrum des Films stehen die Freundschaft verschiedener Schüler, ihre Loyalität und ihr Mut. Großartige Konflikte sind entweder erst gar nicht vorhanden, oder lösen sich relativ schnell in Wohlgefallen auf und auch für scheinbar gefährliche oder traurige Vorkommnisse wartet hinter der nächsten Ecke das sichere Happy End. Das kann man gerne kitschig finden, mir persönlich hat vor allem die glaubwürdige Zeichnung der kindlichen Protagonisten sehr gut gefallen. Es ist einfach schön zu sehen, wie sie in allen Situationen füreinander einstehen, immer zusammenhalten und in dem vertrauensvollen Lehrer Justus (Paul Dahlke) auch einen (von insgesamt zwei) Erwachsenen an ihrer Seite haben, der ihnen mit Verständnis begegnet und sie unterstützt. Zudem ist Hoffmanns Film ausgesprochen witzig ausgefallen, es gibt ein paar einfach nur urkomische Sequenzen und die Kommentare des Off-Erzählers sind oft mit fast schon staubtrockenem Humor vorgetragen.

Ein wirklich schöner Film, den ich allerdings zur falschen Jahreszeit gesehen habe. Als ich die DVD spontan aus dem Regal zog, war mir nicht bewusst, dass die Handlung von DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER in der Vorweihnachtszeit angesiedelt ist. Wenn dann am Ende plötzlich “Oh Tannenbaum“ ertönt, ist das Mitten im Juni schon etwas strange. 😀

Persönliche Bewertung: Gut!

WALK OF SHAME (USA 2014, Regie: Steven Brill)

walk of shame

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Der deutsche Titel “Mädelsabend“ klingt nach typischer Partykomödie und wird dem Film definitiv nicht gerecht. Ein Mädelsabend ist zwar der Ausgangspunkt des WALK OF SHAME, den Elizabeth Banks im Originaltitel des Films antreten muss, hat aber sonst nicht viel mit der Handlung zu tun. WALK OF SHAME steht eher in der Tradition von Filmen wie INTO THE NIGHT, AFTER HOURS, ADVENTURES IN BABYSITTING, DATE NIGHT oder auch RUN, in denen eine Person eigentlich nur von A nach B gelangen will und aufgrund widriger Umstände von einem Schlamassel in den nächsten schlittert.

In Brills Film ist es die von Elizabeth Banks gespielte Nachrichtensprecherin Meghan, die zuerst eine Absage für einen attraktiven Job bekommt, sich daraufhin hoffnungslos betrinkt und im Bett eines Fremden landet. Als sie mitten in der Nacht verkatert aufwacht und ihre Nachrichten abhört, erfährt sie, dass sie den Job doch bekommen könnte. Dafür muss sie allerdings am nächsten Tag topfit im TV-Studio erscheinen. Meghan macht sich sofort auf den Weg und scheint, um ihr Ziel erreichen zu können, die sämtlichen Kreise der Hölle durchschreiten zu müssen. Natürlich ist WALK OF SHAME extrem konstruiert und der eine oder andere Storyverlauf komplett hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen, sieht man darüber jedoch großzügig hinweg, kann man richtig viel Spaß mit Brills Film haben. WALK OF SHAME hat einige verdammt komische Sequenzen zu bieten, ist ausgesprochen kurzweilig geraten und sei an dieser Stelle jedem empfohlen, der einfach mal wieder Lust auf 90 vollkommen unbeschwerte Minuten netter Unterhaltung verspürt.

Persönliche Bewertung: Gut!

NOW YOU SEE ME (Frankreich/USA 2013, Regie: Louis Leterrier)

now you see me

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

In NOW YOU SEE ME rauben vier Magier (Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher und Dave Franco) am Ende ihrer Show auf spektakuläre Weise eine Bank aus ohne sich überhaupt in der Nähe dieser zu befinden und lassen auf ihre Zuschauer einen warmen Geldregen herunterprasseln. Die Behörden in Form von Mark Ruffalo und Mélanie Laurent heften sich an ihre Fersen und versuchen, die Zauberer dingfest zu machen.

NOW YOU SEE ME fordert vom Zuschauer verdammt viel Toleranz wenn es um Fragen wie Logik, Glaubwürdigkeit und insbesondere auch die Auflösung am Ende geht. Leterriers Film ist – passend zu seinem Thema – wie ein Zaubertrick: mehr Schein als Sein. NOW YOU SEE ME ist verdammt aufgeplustert, extrem konstruiert und wenn man sich auf die Geschichte nicht einlassen und sich in den Film regelrecht hineinfallen lassen kann, dürfte man wohl nicht allzu viel Spaß mit dem Gezeigten haben.

Mir persönlich hat NOW YOU SEE ME ziemlich gut gefallen. Ich mochte das vordergründige Spektakel, die spannende und wendungsreiche Handlung und empfand ihn als erfrischend abwechslungsreich im Vergleich zu den unzähligen 08/15-Thrillern, die sonst so produziert und auf das Publikum losgelassen werden.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE SHIELD: SEASON 1 (USA 2002, Idee: Shawn Ryan)

the shield

(Fassung: DVD, Sony, USA)

Nachdem die Serienerfahrung mit ENTOURAGE doch eher etwas lockerer Natur war, habe ich mir mit THE SHIELD nun eine ernsthaftere Serie vorgeknöpft, die sowieso schon viel zu lange ungesehen im Regal stand.

THE SHIELD ist eine dieser Serien, die mit Lob und Vorschusslorbeeren regelrecht überschüttet wurden und nach dieser ersten Staffel, nach diesen ersten dreizehn Episoden, scheint dies nun tatsächlich mal eine Serie zu sein, die ihrem mehr als guten Ruf absolut gerecht wird.

THE SHIELD steht in der Tradition alter Polizeifilme aus den 70er und 80er Jahren, die desillusionierte Polizisten in Problemgebieten mit oft fragwürdigen Methoden bei der Arbeit zeigten.

In THE SHIELD dreht sich alles um ein Polizeirevier in einem Problembezirk von Los Angeles, in dem eine von Det. Vic Mackey (Michael Chiklis) angeführte Spezialeinheit auf sehr eigenwillige Art und Weise das Verbrechen bekämpft und mit ihren Methoden dem für das Revier zuständigen Captain (Benito Martinez) ein Dorn im Auge ist. Nur zu gerne würde er Mackey und seine Truppe untergehen sehen, auf der anderen Seite benötigt er ihn und seine Methoden jedoch auch im Kampf gegen das Verbrechen.

Serienschöpfer Shawn Ryan konfrontiert den Zuschauer mit derbst schwerer Kost. THE SHIELD verweigert echte Identifikationsfiguren – der von Chiklis gespielte Hauptcharakter Mackey und seine Männer sind im Endeffekt Schwerverbrecher, die Drogengelder veruntreuen, illegale Drogen- und Waffengeschäfte tätigen und auch vor Folter und Mord nicht zurückschrecken (gleich in der Pilotfolge wird bspw. ein Kollege, der neu in das Strike Team aufgenommen wurde und als Spitzel für den von Martinez gespielten Captain tätig werden soll, bei einem Einsatz von Mackey eiskalt erschossen) -, kommt mit seinem halbdokumentarischen Stil (die Handkamera ist im Dauereinsatz und als Zuschauer ist man ständig mittendrin statt nur dabei) extrem glaubwürdig und realistisch rüber und lässt einen als Zuschauer immer und immer wieder fassungslos vor dem Bildschirm zurück. Die “What the Fuck“-Momente in THE SHIELD hört man irgendwann auf zu zählen. Ziemliches großes Fernsehen, ich bin schon sehr auf die nächsten Staffeln gespannt.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE BABADOOK (Australien/Kanada 2014, Regie: Jennifer Kent)

the babadook

(Fassung: Blu-ray, Icon, Großbritannien)

Was zunächst wie ein weiterer Vertreter des “Besessene Kinder“-Subgenres im Horrorbereich anmutet, entwickelt sich dann doch in eine andere Richtung und hält die eine oder andere Überraschung für den Zuschauer bereit. THE BABADOOK ist dabei ziemlich ruhig und behutsam erzählt. Regisseurin Jennifer Kent setzt zunächst auf einen eher langsamen Spannungsaufbau und weniger auf vordergründige Schocks (die soll es erst ziemlich zum Schluss geben), kreiert so eine Atmosphäre stetigen Unbehagens und konfrontiert den Zuschauer mit einem Film, bei dessen Sichtung man sich einfach nur unwohl fühlt. In jeder Nische dieses Haus, welches die alleinerziehende Amelia (Essie Davis) mit ihrem kleinen Sohn Samuel (toll: Noah Wiseman) bewohnt, scheint das Böse zu sitzen und es ist förmlich spürbar, dass es jederzeit unvermittelt herausbrechen könnte. THE BABADOOK ist sauspannend und wirklich kreuzunheimlich geraten und gehört definitiv zu den effektiveren Filmen, die innerhalb des Horrorgenres in den letzten Jahren so veröffentlicht worden sind. Von mir gibt’s ne klare Empfehlung für THE BABADOOK.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

SERENITY (USA 2005, Regie: Joss Whedon)

serenity

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Nachdem FIREFLY nach nur einer – und nicht einmal komplett – ausgestrahlten Staffel von Fox wieder aus dem Programm genommen wurde, entwickelte sich die Serie bei der Heimkinoauswertung zu einem echten Renner. Dies ermöglichte Serienschöpfer Joss Whedon wiederum, seine mit FIREFLY angefangene Geschichte doch noch zu Ende zu erzählen. Von Universal produziert, geben sich in SERENITY alle Hauptdarsteller aus FIREFLY die Ehre und stürzen sich gemeinsam in ein letztes, großes Abenteuer, welches viele offene Fragen aus der Serie beantwortet und Whedons Projekt zu einem sehr schönen Abschluss bringt. Ohne Kenntnis der Serie macht die Sichtung von SERENITY allerdings nur wenig Sinn, zu viele Informationen würden fehlen um alle Geschehnisse auch wirklich einordnen zu können. So ist SERENITY vor allem ein Geschenk an die Fans der Serie, ein ausgesprochen spannendes und actionreiches noch dazu, mit tollen Effekten, viel Witz, viel Drive und – das merkt man dem Film an – mit verdammt viel Herzblut und auch Liebe zum Detail inszeniert.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

DEEPSTAR SIX (USA 1989, Regie: Sean S. Cunningham)

deep star six

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Ein kleiner Trip in die eigene Vergangenheit. Ich mochte DEEPSTAR SIX früher sehr und habe ihn nun seit über 20 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen. Und er funktioniert tatsächlich immer noch.

In DEEPSTAR SIX gerät ein Team von Forschern auf dem Meeresboden durch eine Verkettung ungünstiger Ereignisse in arge Bedrängnis und als die Männer und Frauen letztendlich merken, womit sie es hier zu tun haben – nämlich einem gefräßigen Unterwassermonster (das wunderbar trashig und herrlich schleimig geraten ist), welches sie durch die Freilegung eines Höhlensystems aus dem Tiefschlaf geholt haben – ist es praktisch schon zu spät. Das Monster selbst kommt erst im letzten Drittel zum Einsatz, zuvor kreiert Cunningham seine Spannung durch sein klaustrophobisches Unterwassersetting und fesselnde Rettungsversuchs-Sequenzen. DEEPSTAR SIX entwickelt sich auch in Abwesenheit des Monsters von Minute zu Minute immer mehr zu einem echten Nailbiter und entlädt seine Spannung schließlich in einem spektakulären Finale mit ein paar netten Splatter- und Ekeleffekten. Vielleicht ist da auch viel nostalgische Verklärung dabei, aber ich finde DEEPSTAR SIX auch heute noch ziemlich toll!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MÄDCHEN MIT GEWALT (Deutschland 1970, Regie: Roger Fritz)

mädchen mit gewalt

(Fassung: Blu-ray, Subkultur, Deutschland)

Die beiden besten Freunde Werner (Klaus Löwitsch) und Mike (Arthur Brauss) lieben es, in ihrem Auto durch München zu fahren, junge Frauen abzuschleppen, sich mit ihnen zu vergnügen und sich dann wieder davonzuschleichen. Als ihre neueste Eroberung Alice (Helga Anders), die sie auf der Kartrennbahn aufgegabelt haben und mit der sie ein nächtliches Bad in einer Kiesgrube nehmen wollen, sich ihnen jedoch nicht so bereitwillig hingibt, wie sie es gewohnt sind, wenden sie Gewalt an, nicht nur gegen ihr hilfloses Opfer, sondern auch gegen sich selbst…

Auf dem Original-Kinoplakat von MÄDCHEN MIT GEWALT steht geschrieben, dass dies “Der Film [ist], dem jedes Mittel recht ist, die Härte und Brutalität unserer Tage aufzuzeichnen.“ – eine klare Aussage, die man tatsächlich ernst nehmen kann. MÄDCHEN MIT GEWALT ist harter Tobak, ein radikaler, zutiefst beunruhigender Film, mit erschreckend überzeugenden schauspielerischen Leistungen (Klaus Löwitsch wurde für seine Darstellung des Werner mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet), der den Zuschauer wütend und ratlos zurück lässt. Regisseur Roger Fritz verweigert sowohl dem weiblichen Opfer als auch dem Zuschauer ein kathartisches Ende, die beiden Täter kommen im Endeffekt ungestraft davon und es steht zu befürchten, dass dies nicht ihr letzter, nächtlicher Ausflug mit weiblicher Begleitung gewesen sein dürfte. Die Aussage von Regisseur Fritz ist dabei eindeutig: das Leben ist kein Film, in dem der Böse am Ende seine gerechte Strafe bekommt.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

KRANKENSCHWESTERN-REPORT (Deutschland 1972, Regie Walter Boos)

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(Fassung: DVD, WVG Medien, Deutschland)

Als im Jahr 1970 SCHULMÄDCHEN-REPORT: WAS ELTERN NICHT FÜR MÖGLICH HALTEN in den deutschen Kinos anlief, hätten sich die Macher wohl nicht in ihren kühnsten Träumen erhofft, welchen Erfolg sie mit dem Film einfahren sollten. Mit rund 7 Millionen (!!!) Kinozuschauern steht der Auftaktfilm der mit weltweit über 100 Millionen Zuschauern erfolgreichsten deutschen Filmreihe aller Zeiten noch immer – im Jahr 2015 – auf Platz 5 der erfolgreichsten deutschen Filme in Deutschland nach Zuschauerzahlen. Vor Filmen wie dem aktuellen Schweiger-Vehikel HONIG IM KOPF, vor GOOD BYE, LENIN!, DER BEWEGTE MANN und KEINOHRHASEN. Kein Wunder, dass Hofbauers Film eine regelrechte Welle von Sex- und Report-Filmen in Deutschland in den 70er Jahren auslöste, die die deutschen Kinos überfluten sollte. Ehemänner, Lehrmädchen, Hausfrauen, Stewardessen, Hostessen, Ostfriesen, Bademeister, Studentinnen und natürlich – für Filme dieser Art prädestiniert – Krankenschwestern, sie alle und noch viele mehr waren Teile knallharter Reportagen, die unter dem Deckmantel, (sexuelle) Missstände in Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten aufzuzeigen, die Zuschauer in die Kinos lockten und ihnen genau das präsentierten, was diese sehen wollten: eine Mischung aus Drama und Klamauk und natürlich viel nackte Haut.

KRANKENSCHWESTERN-REPORT von Regisseur Walter Boos ist mit seinem episodenhaften Aufbau, den gestellten Interviewsequenzen auf der Straße und dem todernsten Off-Kommentator ein Paradebeispiel dieses Subgenres des Erotikfilms (wobei diese Genrebezeichnung eigentlich gar nicht zutrifft, denn erotisch ist an Filmen wie diesem hier im Endeffekt rein gar nichts) und sorgte damals für einen echten Skandal. Wenn man dem Wikipedia-Artikel zum Film Glauben schenken darf, ging der hier portraitierte Berufsstand auf die Barrikaden, allein bei der Staatsanwaltschaft München gingen 3.200 Strafanzeigen von Krankenschwestern wegen Beleidigung ein und diese zog Boos’ Film daraufhin aus dem Verkehr und beschlagnahmte ihn. Erst ein Jahr später wurde KRANKENSCHWESTERN-REPORT unter Kürzungsauflagen wieder freigegeben.

Schaut man sich Filme wie diesen heute an, kann man gar nicht glauben, dass der hier gezeigte Unfug tatsächlich mal von Menschen so ernst genommen wurde, dass er sogar zum Gegenstand gerichtlicher Verhandlungen werden konnte. KRANENSCHWESTERN-REPORT ist heute – vor allem wegen des grandiosen Off-Kommentars, der einen Knaller nach dem nächsten liefert – insbesondere als Partyfilm goutierbar und hat sowohl mich als auch meinen Mitseher das eine oder andere Mal laut loslachen lassen. In vorsichtigen Dosen genossen, bieten Filme wie KRANKENSCHWESTERN-REPORT nicht viel weniger als grandiose Unterhaltung. Herrlich!

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

MORTDECAI (Großbritannien/USA 2015, Regie: David Koepp)

mortdecai

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Die neueste Reinkarnation von Depps Jack-Sparrow-Rolle hört auf den Namen Charlie Mortdecai, ist ein über beide Ohren verschuldeter Kunsthändler/Teilzeitgauner und soll den Behörden in Gestalt von Ewan McGregor dabei behilflich sein, ein verschwundenes Gemälde wieder zu beschaffen.

MORTDECAI ist erneut ein Film, den Johnny Depp förmlich an sich reißt. Seine Clownsrolle macht ihm sichtlich Spaß und es ist durchweg unterhaltsam, ihm dabei zuzusehen, wie er sich durch diesen unbeschwerten Klamauk kaspert. MORTDECAI ist komplett albern, voller skurriler Momente, wahrlich federleicht inszeniert und in seinen besten Momenten erinnert Koepps Film – was Stimmung und Atmosphäre angeht – an die diversen Agenten- und Kriminalfilmparodien aus den 60er Jahren. In gewissem Maße macht ein Film wie MORTDECAI richtig Spaß, die Tatsache, dass sich Johnny Depp nun schon seit Jahren größtenteils selbst zu spielen scheint, stimmt aber auch ein bisschen traurig. Das wird von Film zu Film mehr Schein als Sein, wirkt gekünstelt, konstruiert und irgendwie seelenlos. So ist auch MORTDECAI nicht viel mehr als ein weiteres Johnny-Depp-Vehikel, nett anzusehen, aber am Ende des Tages mit wenig Substanz und noch weniger Potential, sich im Gedächtnis des Zuschauers auf längere Zeit festsetzen zu können.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 1

THE CALL (USA 2013, Regie: Brad Anderson)

the call

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Halle Berry spielt Jordan Turner, eine Telefonistin in der Notrufzentrale in Los Angeles, die einst aufgrund einer falschen Entscheidung ein junges Mädchen einem Killer auslieferte. Nun, ein halbes Jahr später, wird erneut ein junges Mädchen (Abigail Breslin) entführt und Jordan setzt alles daran, das Leben des Teenagers zu retten…

Regisseur Brad Anderson hat mit THE CALL einen kleinen und ziemlich feinen Thriller hingelegt. Natürlich gibt es Klischees zuhauf (insbesondere natürlich die Zeichnung, der Background und das “Motiv“ des Killers, aber natürlich auch die Tatsache, dass die von Berry gespielte Jordan ihre zweite Chance bekommt und so ihre Katharsis erfährt) und auch die eine oder andere Entscheidung der handelnden Personen scheint nicht immer logisch zu sein, aber letztendlich sind diese Klischees und diese falschen Entscheidungen der Pro- und Antagonisten ja auch erforderlich, damit die Handlung des Films möglichst spannend und spektakulär  entwickelt werden kann. Wer sich als Zuschauer einfach fallen und von Regisseur Brad Anderson gefangen nehmen lässt, wird mit einem zeitweise sauspannenden und extrem kurzweiligen Thriller belohnt. THE CALL erfindet das Rad definitiv nicht neu, aber er unterhält ganz vorzüglich und ist für Fans des Genres sicher einen Blick wert.

Persönliche Bewertung: Gut!

THAT GUY DICK MILLER (USA 2014, Regie: Elijah Drenner)

that guy dick miller

(Fassung: DVD, Indiecan Entertainment, USA)

Es gibt ja diese typischen Nebendarsteller, deren Gesichter man zwar aus unzähligen Filmen und TV-Serien kennt, deren Namen den meisten Zuschauern allerdings unbekannt bleiben. Dick Miller ist der Inbegriff eines solchen Darstellers. Zwischen 1955 und 2014 hat der mittlerweile 86 Jahre alte Schauspieler in immerhin 175 Filmen und TV-Serien mitgewirkt und jeder, der sich für Filme interessiert, sollte sein Gesicht kennen. Er war bspw. der Waffenhändler, der von Arnold Schwarzenegger in THE TERMINATOR niedergeschossen wird, er hat in wohl jedem Film von Regisseur Joe Dante (z.B. GREMLINS, THE ‘BURBS und EXPLORERS) mitgespielt und er hat – insbesondere in den 60er und 70er Jahren – unzählige Filme für Roger Corman gedreht. Das besondere an Dick Miller war dabei immer, dass er jeder Rolle – so klein sie auch gewesen ist – in gewisser Weise seinen Stempel aufgedrückt hat. Gerade Freunde des Genrefilms freuen sich immer wieder, wenn sie ihn in einem Film entdecken.

Regisseur Elijah Drenner, der bereits die sehr sehenswerte Dokumentation AMERICAN GRINDHOUSE gedreht hat und außerdem ein vielbeschäftigter Mann ist, wenn es um Kurzdokumentationen zu Exploitationfilmen anhand bevorstehender Heimkinoveröffentlichungen geht, hat Dick Miller nun mit THAT GUY DICK MILLER ein kleines Denkmal gesetzt. Der Zuschauer bekommt einen Einblick in die lange Karriere des sympathischen Schauspielers, es gibt viel Archivmaterial – auch eine Menge private Aufnahmen – zu sehen und Weggefährten wie Joe Dante, Roger Corman, Allan Arkush, Jonathan Kaplan und Mary Woronov plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen die eine oder andere hörenswerte Anekdote. Neben dem Portrait eines Schauspielers ist THAT GUY DICK MILLER aber auch gleichzeitig ein interessanter und nostalgischer Blick zurück auf die B-Movies aus der Corman-Schmiede und für den Exploitationfan auch als eine Art Filmführer bestens geeignet. Da gibt es schon so einige Ausschnitte aus mir bisher unbekannten Filmen zu sehen, die man nach Sichtung dieser Doku gerne entdecken möchte.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

GLI INTOCCABILI (Italien 1969, Regie: Giuliano Montaldo)

gli intoccabili

(Fassung: Blu-ray, Blue Underground, USA)

In GLI INTOCCABILI geht es um Hank McCain (großartig: John Cassavetes), der ohne es zu wissen zum Spielball des Mafioso Charlie Adamo (Peter Falk) wird. Adamo versuchte sich in ein Casino einzukaufen, jedoch ohne Erfolg, und nun soll McCain dieses Casino für ihn ausrauben. Als Adamo jedoch erfährt, dass einer der Casinoeigner ausgerechnet sein Boss Don DeMarco (Gabriele Ferzetti) ist, muss er alles daran setzen, McCain, der fest davon überzeugt ist, auf eigene Rechnung zu handeln, aufzuhalten. Doch das gestaltet sich ausgesprochen schwierig…

Regisseur Giuliano Montaldo präsentiert seinen Zuschauern eine schöne Mischung aus Gangsterfilm, Heist Movie und Thriller. GLI INTOCCABILI ist spannend und wendungsreich inszeniert, toll gespielt und bis in die kleinsten Nebenrollen mit (Genre-)Stars wie John Cassavetes, Britt Ekland, Peter Falk, Gabriele Ferzetti, Luigi Pistilli, Florinda Bolkan und Gena Rowlands hervorragend besetzt. Und dann diese einfach nur unwiderstehliche Atmosphäre, die GLI INTOCCABILI bereits innerhalb kürzester Zeit entwickelt und die einen als Zuschauer sofort packt und bis zum spektakulären Finale nicht mehr loslässt.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE GIRLFRIEND EXPERIENCE (USA 2009, Regie: Steven Soderbergh)

the girlfriend experience

(Fassung: Blu-ray, Magnolia, USA)

In Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist auch der Job von Chelsea (Sasha Grey), einem Luxus-Call-Girl, nicht mehr krisensicher. Sie lebt zwar gemeinsam mit ihrem Freund Chris (Chris Santos) in einem luxuriösen Loft in Manhattan, muss sich aber ernsthafte Gedanken darüber machen, wie sie sich in Zukunft weiter vermarkten will. Zur wirtschaftlichen Krise gesellt sich auch noch eine Krise privater Natur, als Chelsea in einem potentiellen Kunden ihren Seelenverwandten gefunden zu haben scheint und Chris davon verständlicherweise nicht überaus begeistert ist…

Was durchaus als Vorlage für einen interessanten Plot gedient hätte, interessiert Regisseur Steven Soderbergh nur am Rande. Mit einem extrem schmalen Budget von gerade mal 1,7 Mio. Dollar innerhalb von 14 Tagen abgedreht und mit der – mittlerweile ehemaligen, zum damaligen Zeitpunkt noch aktiven – Pornodarstellerin Sasha Grey in der Hauptrolle durchaus radikal und eigenwillig besetzt, ist THE GIRLFRIEND EXPERIENCE mehr Arthouse-Experiment und weniger das Erzählen einer Geschichte. Soderbergh arbeitet viel mit Rückblenden, verschiedenen Handlungs- und Erzählebenen und verleiht jeder von diesen einen ganz eigenen Look. Storytechnisch hat THE GIRLFRIEND EXPERIENCE nicht sonderlich viel Substanz, aufgrund seiner eigenwilligen “Erzähl“weise und seiner noch eigenwilligeren Optik übt Soderberghs Low-Budget-Experiment aber dennoch einen ganz eigenen Reiz und eine ganz eigene Faszination aus.

Persönliche Bewertung: Gut!

JOHN WICK (USA 2014, Regie: Chad Stahelski)

john wick

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Meine Fresse, was für ein Brett! Keanu Reeves spielt den ehemaligen Profikiller John Wick, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, als der Sohn eines russischen Gangsterbosses nichts Besseres zu tun hat, als ihn zu überfallen, sein Auto zu stehlen und seinen Hund zu töten. Wick begibt sich auf einen Rachefeldzug, der in der jüngeren Kinovergangenheit seinesgleichen sucht und hinterlässt nicht viel mehr als Schutt und Asche.

Mit JOHN WICK hat Regisseur Chad Stahelski die vielleicht ultimative Hommage an das Actionkino der 80er Jahre gedreht. Hier gibt es ohne große Kompromisse voll eins auf die Zwölf, Stahelskis Film ist komplett humorbefreit, derbst brutal und mit einfach nur grandiosen Shoot-Out-, Fight- und sonstigen Action-Sequenzen gesegnet. Hier dürfte das Herz eines jeden Actionfans deutlich höher schlagen und es ist einfach schön zu sehen, dass ein Film wie dieser auch heutzutage noch für die große Leinwand gedreht werden kann. JOHN WICK würde auch im Double-Feature mit Filmen wie COMMANDO, COBRA, INVASION U.S.A. oder DEATH WISH 3 mehr als vorzüglich funktionieren und fast scheint es so, als habe dieser Film die letzten 30 Jahre irgendwo in einer Zeitkapsel verbracht und wurde erst jetzt durch Zufall entdeckt. Wenn doch auch die THE EXPENDABLES-Filme so oder so ähnlich ausgesehen hätten wie dieser Film hier…

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE GORGON (Großbritannien 1964, Regie: Terence Fisher)

the gorgon

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Wie am 11.06. bekannt wurde, verstarb am 07.06. in London Christopher Lee an Herzversagen, keine zwei Wochen nach seinem 93. Geburtstag. In Gedenken an diesen ebenso groß- wie einzigartigen Schauspieler musste ich mir einfach einen Film mit ihm ansehen. Die Wahl fiel auf THE GORGON, eine von Lees Hammer-Produktionen. Ein mir bisher unbekannter Film, in dem der unvergessliche – und durch seine Filme ja auch in gewisser Weise unsterbliche – Schauspieler einmal mehr gemeinsam mit Peter Cushing vor der Kamera stand.

In THE GORGON dreht sich alles um einen jungen Mann (Richard Pasco), der den mysteriösen Tod seines Vaters mit Hilfe des von Christopher Lee gespielten Prof. Meister aufklären will und dabei auf eine Wand des Schweigens stößt. Insbesondere der von Cushing gespielte Arzt der kleinen Stadt scheint etwas zu verbergen zu haben…

THE GORGON bietet grundsolide, routinierte und ausgesprochen schöne Gruselunterhaltung, welche sich im vorliegenden Fall der griechischen Medusa-Sage bedient, und ist angesiedelt in den typischen Settings (ich liebe diese spinnwebenverhangenen, alten Schlösser) der britischen Kultschmiede und ausgestattet mit dieser unnachahmlichen Atmosphäre, die so viele Filme der Hammer Studios auszeichnet. Undurchsichtige Machenschaften sorgen für kurzweilige Spannung und mit Cushing und Lee sind zwei absolute Großmeister ihres Fachs in den beiden Hauptrollen zu sehen (auch wenn der Part von Christopher Lee leider deutlich kleiner ausgefallen ist als der von Cushing). Wer Filme dieser Art zu schätzen weiß, dürfte auch an THE GORGON seinen Spaß haben, dessen bin ich mir sicher.

Persönliche Bewertung: Gut!

INVADERS FROM MARS (USA 1986, Regie: Tobe Hooper)

invaders from mars

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Hoopers Remake des gleichnamigen Science-Fiction- und Paranoia-Films aus den 50er Jahren passt ganz wunderbar in seine Entstehungszeit, machten in den 80er Jahren ja nicht gerade wenige Filme Furore, die Kinder und Jugendliche zu Hauptprotagonisten meist phantastischer Abenteuer machten.

In INVADERS FROM MARS muss der junge David (Hunter Carson) mit ansehen, wie alle Erwachsenen um ihn herum von außerirdischen Invasoren zu willenlosen Werkzeugen umfunktioniert werden. Mit Hilfe der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) wendet er sich an das Militär in Form des von James Karen gespielten General Wilson und versucht, so den Tag zu retten.

Und auch wenn INVADERS FROM MARS an die hohe Qualität manch ähnlicher (Sub-)Genrevertreter wie beispielsweise THE GOONIES, GREMLINS oder auch YOUNG SHERLOCK HOLMES vielleicht nicht ganz herankommen mag, so weiß Hoopers Film doch mit einer schwungvollen Mischung aus Action, Spannung und Humor zu überzeugen. Das Finale ist spektakulär und das von Stan Winston stammende Creature Design über jeden Zweifel erhaben.

Persönliche Bewertung: Gut!

MOONRISE KINGDOM (USA 2012, Regie: Wes Anderson)

moonrise kingdom

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Ein Waisenjunge (Jared Gilman) verlässt in einer Nacht- und Nebelaktion sein Pfadfindercamp, ein Mädchen (Kara Hayward) haut von zu Hause ab. Zusammen wollen sie in eine gemeinsame Zukunft flüchten, doch die Eltern des Mädchens (Bill Murray und Frances McDormand), der ortsansässige Polizist (Bruce Willis) sowie der Leiter des Camps (Edward Norton) und jede Menge Mitpfadfinder befinden sich bereits auf ihrer Fährte…

Die Filme von Regisseur Wes Anderson kann man entweder lieben oder hassen. Ein Zwischending ist eigentlich nicht möglich. Entweder man kommt mit dieser ganz besonderen Art klar, mit der Anderson seine Geschichten erzählt oder es dürfte problematisch werden, seine Filme gut zu finden. MOONRISE KINGDOM ist wieder ein typischer Anderson-Film und für mich als Fan des eigenwilligen Regisseurs bedeutete dies, dass ich gut 90 Minuten einen riesengroßen Spaß hatte. Ich liebe die Optik, die Andersons Filme auszeichnet, den trockenen und teils rabenschwarzen Humor, der sie durchzieht, die skurrilen und schrulligen Charaktere, die sie bevölkern und die einfach nur wunderschönen Geschichten, die von ihnen erzählt werden. Auch auf MOONRISE KINGDOM trifft all dies zu. Ein visuell beeindruckender, saukomischer, herrlich schräger und einfach nur richtig, richtig guter Film!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

FIREFLY: SEASON 1 (USA 2002-2003, Idee: Joss Whedon)

firefly

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In Nerdkreisen ist die Empörung darüber, dass FIREFLY nach nur 11 ausgestrahlten Folgen (von insgesamt 14 produzierten) wieder abgesetzt wurde, noch heute ziemlich groß. Irgendwie verständlich, denn FIREFLY hätte es durchaus verdient gehabt, eine echte Chance zu bekommen. Diese hatte die Serie jedoch niemals. Die Differenzen der ausstrahlenden Fox Studios und des Machers Joss Whedon waren einfach zu groß und so war das TV-Projekt FIREFLY praktisch von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Nicht nur, dass Fox lediglich 11 der 14 produzierten Folgen ausstrahlte, sie wurden auch noch in komplett chaotischer und sinnentstellender Reihenfolge gesendet (Höhepunkt des Chaos dürfte sicherlich die Tatsache sein, dass ausgerechnet die Pilotfolge, also der Einstieg in die Serie, von Fox als letztes ausgestrahlt wurde). Zwar verfügt jede Episode für sich über eine abgeschlossene Handlung, die sich im Laufe dieser ersten und einzigen Season jedoch aufbauende Rahmenhandlung und die Entwicklung der verschiedenen Charaktere wurde durch die chaotische Ausstrahlungsreihenfolge komplett torpediert und so ist es nicht verwunderlich, dass nur wenige Zuschauer einschalteten. Erst auf DVD, als alle 14 Folgen in der korrekten Reihenfolge veröffentlicht wurden, entwickelte sich FIREFLY zur Kultserie und ermöglichte es Whedon, im Jahr 2005 mit SERENITY einen Kinofilm zu drehen, mit dem er sein Objekt schließlich doch noch zu einem Ende bringen konnte.

Ich selbst habe FIREFLY erst jetzt zum ersten Mal gesehen (der Kinofilm folgt dann in ein paar Tagen) und muss sagen, dass ich die Empörung über das Absetzen der Serie zwar durchaus nachvollziehen kann, den extremen Hype, der um sie gemacht wurde, aber dann doch nicht ganz verstehe.

FIREFLY ist sicherlich innovativ und außergewöhnlich und die Idee, das Science-Fiction-Genre mit dem Genre des Westerns und auch mit dem Genre des Abenteuerfilms zu verbinden, halte ich für ausgesprochen gelungen. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Nachhaltigkeit des Ganzen. Als wirklich herausragend hab ich beispielsweise keine einzige Episode empfunden, die Qualität der erzählten Geschichten schwankt zwischen solide, gut und sehr gut und für eine Serie, die erst Anfang dieses Jahrtausends produziert wurde, empfand ich FIREFLY als erstaunlich “dated“, was vielleicht auch an den – wohl aus Budgetgründen – nicht immer wirklich gut gelungenen Effekten liegen dürfte. Toll ist dagegen die Mischung aus teils ziemlich krudem Humor und durchaus heftigen Gewaltspitzen (nicht aufgrund der graphischen Darstellung, sondern aufgrund der Handlungen, die die Personen vollziehen). Nathan Fillion und Adam Baldwin rocken zudem – jeder auf seine eigene Art und Weise – ziemlich das Haus und Morena Baccarin ist “hot as hell“. Da war durchaus viel Potential vorhanden, welches sicherlich genutzt und weiterentwickelt hätte werden können.

Persönliche Bewertung: Gut!

WANTED DEAD OR ALIVE (USA 1987, Regie: Gary Sherman)

wanted dead or alive

(Fassung: DVD, Anchor Bay, USA)

Kopfgeldjäger Rutger Hauer soll Gene Simmons (ja, den Bassisten von KISS) zur Strecke bringen, der hier einen Terroristen aus Nahost zum Besten gibt. Schon bald wird die Angelegenheit persönlich…

Actionkino aus den 80er Jahren – die Rollen zwischen Gut und Böse sind klar verteilt und natürlich kann man Filmen wie diesen hier, die aufgrund ihrer Terrorismus-Thematik ja leider immer noch eine gewisse Aktualität aufweisen, den Vorwurf machen, ideologisch durchaus fragwürdig geraten zu sein. Kann man, muss man aber nicht. Man kann sich als Fan des 80er-Jahre-Kinos auch einfach nur von ihnen unterhalten lassen. Bei WANTED DEAD OR ALIVE fällt insbesondere auf, das weniger die Action, sondern mehr der Thrill im Vordergrund steht. Echte Actionszenen sind rar gesät und Regisseur Gary Sherman ist viel mehr am Spannungsaufbau und der Charakterisierung des von Rutger Hauer gespielten Protagonisten interessiert und das gelingt ihm auch richtig gut. WANTED DEAD OR ALIVE zeigt keinen Amoklauf eines schießwütigen Militaristen, sondern die penible Jagd eines desillusionierten Mannes, der eine persönliche Rechnung zu begleichen hat. WANTED DEAD OR ALIVE ist praktisch der Thriller unter den Actionfilmen aus den 80er Jahren und sei hiermit jedem Freund dieser Art von Kinos wärmstens empfohlen. Und das Ende des Bösewichts – “Fuck the bonus!“ – ist “priceless“!

Persönliche Bewertung: Gut!