November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 6

TATORT: REIFEZEUGNIS (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)

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(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

Ich habe jetzt nicht näher recherchiert, gehe aber fest davon aus, dass die in der ARD laufende TATORT-Reihe die dienstälteste Krimininalfilmreihe im deutschen Fernsehen ist. Und ich gehe weiter davon aus, dass, würde man eine Umfrage machen, welche Filme der Reihe zu den bekanntesten zählen, neben diversen Filmen mit Götz George als Horst Schimanski insbesondere auch Petersens REIFEZEUGNIS, der insgesamt sechste und letzte Film, den der spätere Hollywoodregisseur für die Reihe inszeniert hat, immer wieder genannt werden dürfte.

REIFEZEUGNIS erzählt die Geschichte einer unheilvollen Beziehung zwischen dem Lehrer Fichte (Christian Quadflieg) und seiner Schülerin Sina (Nastassja Kinski), die Geschichte des eifersüchtigen Klassenkameraden Michael (Markus Boysen) und die fatalen Folgen seines Erpressungsversuchs. Dieser endet nämlich in einer (versuchten) Vergewaltigung und damit, dass Michael von Sina in Notwehr getötet wird. Eine Tat, die Sina natürlich vertuschen möchte, um die Affäre mit ihrem Lehrer nicht auffliegen zu lassen. Und die Story, die sie Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) auftischt, scheint dieser auch fast zu glauben…

Sieht man REIFEZEUGNIS erst jetzt zum ersten Mal, kann man es fast nicht glauben, dass es sich hier um einen TV-Film handelt, der damals in dieser Form tatsächlich ausgestrahlt wurde. Denn REIFEZEUGNIS ist tatsächlich ziemlich heftiger Tobak. Wegen seiner Ausgangssituation, der – auch durchaus explizit dargestellten – Affäre zwischen dem Lehrer und der minderjährigen Schülerin, wegen der Darstellung einer versuchten Vergewaltigung unter Schülern mit anschließender Todesfolge, wegen des teilweise unfassbaren Verhaltens weiterer Beteiligter im Verlauf der Geschichte, welches einem aus heutiger Sicht nicht wenige Fragezeichen raushaut. Und vor allem auch wegen der doch sehr zeigefreudigen Inszenierung der bei den Dreharbeiten wohl noch nicht mal 16 Jahre alt gewesenen Nastassja Kinski, welche ich schon mehr als grenzwertig erachte. REIFEZEUGNIS könnte heute in dieser Form wohl aus verschiedenen Gründen definitiv nicht mehr gedreht werden und liefert so wie er ist natürlich auch ein interessantes Zeugnis einer unbekümmerteren und unbedarfteren Zeit ab.

Aber ganz ungeachtet diverser, aus heutiger Sicht sicher fragwürdiger Inszenierungsentscheidungen, ist REIFEZEUGNIS in erster Linie ein richtiger toller Mix aus Liebesdrama und Kriminalfilm geworden, der seine Spannung nicht aus der Frage zieht, wer das jugendliche Opfer umgebracht hat – hier hat der Zuschauer gegenüber den Ermittlern ja einen Wissensvorsprung -, sondern vielmehr daraus, ob und wie der Kommissar die Wahrheit herausfinden wird und welche Konsequenzen dies nach sich zieht. REIFEZEUGNIS ist von der ersten Minute an packend, wird mit zunehmender Laufzeit immer spannender und kann insbesondere auch auf schauspielerischer Seite absolut überzeugen. Besonders hervorzuheben ist dabei die Leistung von Nastassja Kinski. Die war zuvor im Wenders-Film FALSCHE BEWEGUNG und in der Hammer-Produktion TO THE DEVIL A DAUGHTER zu sehen und liefert in ihrer ersten echten Hauptrolle eine Darbietung ab, vor der man nur sämtliche etwa vorhandenen Hüte ziehen kann.

Bewertung: Hervorragend!

 

THE LEGO MOVIE (Australien/Dänemark/USA 2014, Regie: Phil Lord/Christopher Miller)

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(Fassung: Blu-ray 3D, Warner, Deutschland)

Wer schon immer mal Superman, Batman, Green Lantern, Wonder Woman, Han Solo, C-3PO, Abraham Lincoln, Gandalf, Dumbledore, u.v.a. gemeinsam in einem Film sehen wollte, muss sich wohl oder übel THE LEGO MOVIE ansehen. Die beiden Regisseure Phil Lord und Christopher Miller, die vor allem durch ihre durchgeknallte Serienadaption 21 JUMP STREET und deren Fortsetzung bekannt sein dürften, schicken all diese Figuren in ein wildes Abenteuer durch diverse Legowelten. Held des Films ist der von Chris Pratt gesprochene Emmet, ein einfacher Arbeiter, der es gemeinsam mit der kämpferischen Lucy (gesprochen von Elizabeth Banks) gegen den fiesen President Business (Will Ferrell lieh seine Stimme) aufnehmen muss, um die verschiedenen Legowelten vor einer Katastrophe zu retten.

THE LEGO MOVIE ist laut, schrill, rasant, überzeugt mit einer großen Liebe zum Detail und funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Schließlich besteht (fast) der ganze Film aus zum Leben erweckten Lego-Figuren, die durch mit Lego-Bausteinen erbauten Welten wüten. Ich selbst bin mittlerweile jedoch einfach zu alt für so einen Kram, fand THE LEGO MOVIE zwar ganz hübsch gemacht, mit zunehmender Laufzeit aber auch extrem ermüdend. Zudem waren die 3D-Effekte für einen Animationsfilm eine echte Enttäuschung. Dafür war das Ende ziemlich toll.

Bewertung: Nett!

 

VELVET GOLDMINE (Großbritannien/USA 1998, Regie: Todd Haynes)

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(Fassung: Blu-ray, Miramax/Lionsgate, USA)

VELVET GOLDMINE erzählt die Geschichte des Journalisten Arthur Stuart (Christian Bale), der sich im Jahr 1984 für eine Story auf die Suche nach dem seit einigen Jahren wie vom Erdboden verschwundenen Glam-Rock-Superstar Brian Slade (Jonathan Rhys Meyers) macht und damit gleichzeitig eine Reise in die eigene Vergangenheit unternimmt…

VELVET GOLDMINE ist eine kunterbunte Liebeserklärung an die Glam-Rock-Zeit der 70er Jahre, der gesuchte Superstar Brian Slade dabei leicht an David Bowie und die zweite zentrale Musikerfigur des Films, der von Ewan McGregor gespielte Curt Wild, leicht an Iggy Pop angelehnt. Haynes’ Film lebt dabei in erster Linie von seiner – teils auch durchaus melancholischen – Stimmung, die einen als Zuschauer regelrecht per Zeitmaschine in die 70er Jahre zu versetzen scheint, von seinem verschachtelten Aufbau (die Geschichte wird nicht chronologisch sondern immer wieder in diversen Rückblenden erzählt), der dafür sorgt, dass keinerlei Langeweile aufkommt und VELVET GOLDMINE immer spannend bleibt, und ganz entscheidend auch von seinen audio-visuellen Schlüsselreizen, die Augen und Ohren des Zuschauers regelrecht zum Überlaufen bringen. Set- und Kostüm-Design sind schlicht atemberaubend und der Soundtrack ist – sofern man mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann – der absolute Knaller. Da VELVET GOLDMINE zudem auch noch hervorragend gespielt ist – insbesondere Ewan McGregor als Curt Wild wäre hervorzuheben – und es Abzüge lediglich in der B-Note gibt (weil der Film im letzten Drittel dann doch im einen oder anderen Klischee versinkt), kann ich für alle, die ein Faible für Musikfilme und/oder Zeitportraits der 70er Jahre haben, nur eine glasklare Empfehlung aussprechen.

Bewertung: Sehr gut!

 

DIE ENGEL VON ST. PAULI (Deutschland 1969, Regie: Jürgen Roland)

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(Fassung: Blu-ray, Subkultur Entertainment, Deutschland)

Noch einer dieser wunderbaren St.-Pauli-Filme. Dieses Mal geht es um zwei rivalisierende Zuhälter, die sich auf der Reeperbahn mit harten Bandagen bekämpfen. Eine Geschichte, die Regisseur Jürgen Roland wohl so gut gefallen hat, dass er sie vier Jahre später in ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN – meinem persönlichen Lieblingsfilm aus diesem Subgenre – noch einmal so ähnlich und sogar ein bisschen spektakulärer erzählen sollte. Obwohl man sich auch hier nicht über fehlendes Spektakel beklagen kann. Denn auch DIE ENGEL VON ST. PAULI bietet dem Genrefreund all das, was er so sehr an diesen Filmen mag. Natürlich in erster Linie diesen unvergleichlichen Zeit- und Lokalkolorit und diesen wunderbaren Mikrokosmos, der randvoll mit authentisch wirkenden, durchtriebenen und rauen Typen ist, die sich zwar gegenseitig ohne Rücksicht auf große Verluste bekämpfen, dabei aber auch immer irgendwie ihre Ganovenehre im Hinterkopf zu haben scheinen. Schon die Begräbnis-Prozession über die Reeperbahn zu Beginn des Films, wenn der Tod einer Prostituierten betrauert wird, würde sich wunderbar für eine Hall of Fame unvergesslicher Momente in Exploitationfilmen eignen und so die Erwartungen, die dieser vielversprechende Auftakt beim Zuschauer entfacht, sollen in den folgenden knapp 100 Minuten mühelos erfüllt werden. Besonders hervorzuheben ist dabei das Duell der beiden Hauptdarsteller, die sich als Kontrahenten über die komplette Laufzeit des Films gegenüberstehen sollen. Auf der einen Seite der ebenso unterkühlt wie charismatisch wirkende Horst Frank als Jule Nickels, ein echter Hamburger, der einen mit durchdringendem Blick aus seinen stahlblauen Augen regelrecht zu durchbohren scheint. Auf der anderen Seite sein Widersacher Herbert Fux als schon mehr als schmierig wirkender Holleck, der mit originalgetreuem Wiener Schmäh die Macht über die sündige Meile an sich reißen will. Es sind auch die großartigen Leistungen von Frank und Fux, die DIE ENGEL VON ST. PAULI so sehenswert und unwiderstehlich machen.

Bewertung: Sehr gut!

 

SHUTTER (USA 2008, Regie: Masayuki Ochiai)

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(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Der grandiose RINGU von Regisseur Hideo Nakata aus dem Jahr 1998 hat den Horrorfilm entscheidend verändert. Fortan sollten Horrorfilme – insbesondere aus dem asiatischen Raum – bevorzugt von Mädchen mit schwarzen Haaren, Geistererscheinungen und schrecklichen, in der Vergangenheit liegenden Geheimnissen bevölkert werden. Und irgendwie scheint wirklich jeder dieser Horrorfilme aus Asien früher oder später ein US-Remake spendiert bekommen zu haben, welches nur in Ausnahmefällen an das Original herankam. Auch SHUTTER vom japanischen Regisseur Masayuki Ochiai ist ein Remake. Das gleichnamige Original, welches ich nicht kenne, stammt aus Thailand und kam 4 Jahre vor diesem Film hier in die Kinos. Eine Beurteilung, ob die US-Variante von SHUTTER eine der wenigen Ausnahmen sein könnte, welche die Regel bestätigt, und qualitativ dem Original ebenbürtig sein könnte, kann ich mir somit nicht wirklich erlauben. Ich lehne mich jedoch soweit aus dem Fenster, einfach mal behaupten zu wollen, dass ich es mir nach Sichtung dieses Films nicht wirklich vorstellen kann.

In SHUTTER wird ein junges Ehepaar von einem Geist verfolgt und am Ende des Films kommt ein mehr oder weniger schreckliches Geheimnis zum Vorschein. So weit, so gut, so wenig überraschend. Ochiais Film fügt sich wunderbar in diese schier unübersichtliche Masse von „Mädchen mit schwarzen Haaren“-Filmen ein. Während es Ochiai in der ersten Hälfte des Films noch durchaus gelingt, so etwas wie Spannung und eine Atmosphäre des stetigen Unbehagens mit den typischen Mitteln – flackernde Lichter, unerklärliche Streifen in gerade geknipsten Fotos, kurze Geistererscheinungen, usw. – zu erzeugen, flacht SHUTTER in der zweiten Hälfte, wenn es eigentlich ans Eingemachte gehen sollte, extrem ab. Die vorherigen Andeutungen werden konkreter,  der Geist ist immer häufiger und auch in längeren Einstellungen zu sehen und sein Erscheinen hat praktisch keinerlei „shock value“ mehr. Je länger SHUTTER dauert, desto mehr verkommt der Film zur billigen Kirmesveranstaltung und wenn der Abspann schließlich einsetzt, macht sich einmal mehr das Gefühl breit, dass man Filme dieser Art einfach schon viel zu häufig gesehen hat und es einfach keine Überraschungen mehr in diesem Bereich zu geben scheint. Aufgrund der guten ersten Hälfte geht SHUTTER schon in Ordnung, als mehr als einen netten Timewaster möchte ich ihn jetzt aber nicht unbedingt bezeichnen.

Bewertung: Ok!

 

GIGI (USA 1958, Regie: Vincente Minnelli)

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(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Zum Abschluss meines Filmmonats November, der ja doch von einer gewissen Genrevielfalt geprägt war, noch ein klassisches Hollywood-Musical aus den 50er Jahren.

GIGI entführt den Zuschauer ins Paris Anfang des 20. Jahrhunderts, in dem sich der ebenso gelangweilte wie dekadente Lebemann Gaston (Louis Jourdan) über eine Laufzeit von knapp 2 Stunden mehr und mehr in die ebenso zauberhafte wie unbedarfte Gigi (Leslie Caron) verliebt.

Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Kamera, Beste Ausstattung, Beste Kostüme, Bester Schnitt, Bester Originalsong und Bester Score – GIGI hat insgesamt 9 Oscars gewonnen und steht sinnbildlich für ein pompöses, sich selbst feierndes Hollywood. GIGI versinkt auf allen Ebenen im Kitsch, ist ebenso harmlos wie naiv und das aufregendste an dem Film ist der eine oder andere leicht frivol angehauchte Dialog. Man muss sich auf so einen Film einlassen können und wollen um nicht kreischend davonzulaufen. Gelingt einem dies, wird man von Minnellis für knapp 2 Stunden in eine Parallelwelt entführt, in die man sich einfach ohne große Gedanken fallen lassen kann. Man landet ausgesprochen weich, kann für die Dauer des Films abschalten und vom lästigen Alltag entfliehen. Sonderlich viel mehr kann ein Film wie GIGI heute nicht mehr leisten.

Bewertung: Nett!

 

 

November 2015 – Sammelbeitrag Nr. 5

THE RUNNING MAN (USA 1987, Regie: Paul Michael Glaser)

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(Fassung: Blu-ray, Olive Films, USA)

Lose basierend auf einem Roman von Stephen King, den dieser einst unter seinem Pseudonym Richard Bachmann verfasste, katapultiert THE RUNNING MAN den Zuschauer in eine dystopische Zukunft, in der die USA nach einer großen Wirtschaftskrise von einem totalitären System regiert werden, die Bevölkerung mit Hilfe des Fernsehens belogen und manipuliert wird und eine sadistische Gameshow, in der Verbrecher von schwerbewaffneten Killern gejagt und getötet werden, zum größten Opium für das Volk geworden ist. Die Idee des Films an sich ist natürlich nicht neu, bereits der deutsche TV-Film DAS MILLIONENSPIEL aus dem Jahr 1970 zeichnete eine ganz ähnliche, düstere Zukunftsvision und übte – ebenso wie Glasers King-Verfilmung – harsche Medienkritik.

An die ganz große Klasse vieler weiterer Actionfilme, die Schwarzenegger damals gedreht hatte – ich denke an COMMANDO, PREDATOR, TOTAL RECALL und natürlich THE TERMINATOR – kommt THE RUNNING MAN nicht ganz heran. Der Film kommt einem zwischen diesen Dinos fast etwas klein vor, das unterirdische Game-Show-Setting wirkt arg beengt, die verschiedenen Jäger werden relativ schnell abgefertigt und wirklich ausufernde Actionsequenzen sind auch eher Mangelware. Aus halbwegs objektiver Sicht wird man wohl auch zugeben müssen, dass THE RUNNING MAN von allen Schwarzenegger-Filmen aus den 80er Jahren der ist, der vielleicht am schlechtesten gealtert ist. Die damals noch futuristischen Kostüme der Gejagten und Jäger muten nur noch absurd-komisch an – insbesondere Dynamo kommt eher als Lachnummer und nicht ernstzunehmende Bedrohung rüber – und was von THE RUNNING MAN unterhaltungstechnisch am Ende bleibt sind vor allem Arnies typische One-Liner.

Wenn man wie ich THE RUNNING MAN jedoch damals im Kino sehen durfte, in einer Zeit, in der sie es mit Alterskontrollen zum Glück noch nicht ganz so ernst nahmen, wird man verzeihen, dass ich diesen Film hier unmöglich objektiv und neutral bewerten kann. Ich habe ihn nun schon lange Jahre nicht mehr gesehen und die jetzige Sichtung war wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Schwarzenegger war neben Stallone der ganz große Action-Held meiner Jugend, ich werde alle seine Filme von damals für immer im Herzen tragen und liebe auch THE RUNNING MAN auf seine ganz eigene Art und Weise.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

 

POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE (Deutschland 1964, Regie: Jürgen Roland)

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(Fassung: DVD, Polar Film, Deutschland)

Der Film beginnt mit einem Erzähler aus dem Off, der eine Bürgerversammlung kommentiert und mit dramatischer Stimme diverse Protagonisten vorstellt. Die Anfangs-Credits bestehen zu einem großen Bestandteil aus einer Texttafel, aus der hervorgeht, dass alle Vorkommnisse im folgenden Film wahr seien. POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE erinnert in diesen ersten Minuten an einen frühen Vertreter der wenige Jahre später so erfolgreichen Report-Filme, entpuppt sich dann aber doch schnell als episodenhaft erzählter Kriminalfilm mit einem Hauptplot und diversen Nebenhandlungsfäden.

Zentrale Figuren in POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE sind der gerade aus dem Gefängnis entlassene Bruno Kapp (Günther Ungeheuer) und Hauptwachtmeister Glantz (Wolfgang Kieling), der Kapp einst ins Zuchthaus brachte und an dem sich dieser nun rächen will. Während Glantz die Bedrohung nicht wirklich ernst nimmt, versucht Kapp alles, um an eine Waffe zu kommen. In das für Glantz anfangs gar nicht richtig wahrgenommene Katz-und-Maus-Spiel fügt Roland noch diverse andere Charaktere ein, von denen jeder in gewisser Weise seine ganze eigene Reeperbahn-Geschichte verpasst bekommt.

POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE ist ungemein abwechslungsreich und spannend inszeniert und überzeugt zudem mit verdammt viel Liebe zum Detail. Heimlicher Hauptdarsteller des Films ist natürlich der berühmt-berüchtigte Hamburger Stadtteil, der dem Zuschauer hier mit überzeugendem und für die Qualität solcher Filme praktisch unbezahlbarem Lokalkolorit näher gebracht wird. Ein Mikrokosmos verschiedenster Charaktere, der in Rolands Film ungeheuer authentisch, lebendig und sympathisch wirkt.

Persönliche Bewertung: Gut!

 

TONARI NO TOTORO (aka MY NEIGHBOR TOTORO) (Japan 1988, Regie: Hayao Miyazaki)

tonari no totoro

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

 In TONARI NO TOTORO beziehen die beiden Schwestern Mei und Satsuki gemeinsam mit ihrem Vater ein Haus auf dem Land um näher bei ihrer Mutter zu sein, die sich im nahegelegenen Krankenhaus von einer schweren Krankheit erholt, und freunden sich beim Spielen im Wald mit dem riesigen Waldwesen Totoro an…

TONARI NO TOTORO zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es ein durchweg positiver Film geworden ist, es gibt keine Bösewichter, hier regiert einzig und allein das Gute und würde man behaupten, Miyazakis Film wärme regelrecht das Herz seiner Zuschauer, man würde sicher keinen Unsinn erzählen.

Die Animationen (heißt das bei diesen alten Trickfilmen schon so?) sind einfach nur wunderschön geraten, und die Tatsache, dass sie vielleicht noch keinen so extremen Detailreichtum aufzuweisen haben wie Miyazakis spätere Filme – insbesondere SEN TO CHIHIRO NO KAMIKAKUSHI und HAURU NO UGOKU SHIRO kommen da ins Gedächtnis – fällt in keiner Weise negativ ins Gewicht. TONARI NO TOTORO ist einfach toll und schon allein wegen dieser grandiosen Sequenz sehenswert, in der die beiden Kinder und Totoro im Regen auf den Bus warten. Pure Kinomagie ohne echte Schauspieler.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

 

ALL CHEERLEADERS DIE (USA 2013, Regie: Lucky McKee/Chris Sivertson)

all cheerleaders die

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Regisseur Lucky McKee hat mit THE WOMAN im Jahr 2011 einen der verstörendsten Horrorfilme der letzten Jahre gedreht, ein Film, der dem Zuschauer einiges abverlangt hat und bestens dazu geeignet war, unbedarfte Menschen nachhaltig zu verschrecken. ALL CHEERLEADERS DIE, den McKee gemeinsam mit Chris Sivertson realisiert hat – die beiden haben mit diesem abendfüllenden Spielfilm praktisch ein Remake ihres eigenen, gleichnamigen Debüt-Kurzfilms gedreht -, könnte sich vom Vorgängerfilm wohl nicht größer unterscheiden. ALL CHEERLEADERS DIE ist eine Horrorkomödie um Zombie-Cheerleader, in der genüsslich vorherrschende Rollenklischees zunächst überspitzt dargestellt und dann komplett durch den Fleischwolf gedreht werden. Was dem Film jedoch abgeht, ist ein gewisser Drive. ALL CHEERLEADERS plätschert eher gemächlich vor sich hin, präsentiert einige nette Gags und ein paar ebenso nette Effekte, kommt dabei aber irgendwie auch nie über das Qualitätsmerkmal nett und unterhaltsam hinaus.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

 

WARRIOR (USA 2011, Regie: Gavin O’Connor)

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(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

In WARRIOR nehmen zwei Brüder (Joel Edgerton und Tom Hardy) aus verschiedenen Gründen an einem mit 5 Mio. Dollar dotierten Mixed-Martial-Arts-Turnier teil und stehen sich letztendlich im Finale als Gegner gegenüber…

Das Grundkonstrukt von WARRIOR ist vielleicht recht simpel, unter der Fassade des Sportfilms steckt aber noch ein bewegendes Familiendrama, welches mit authentischen und glaubwürdigen Charakteren zu überzeugen weiß. Der große Clou von WARRIOR ist es, dem Zuschauer zwei potentielle Sympathieträger zu präsentieren, die sich hier gegenüber stehen. Beide mit Ecken und Kanten, beide mit Fehlern, beide sicher streitbar. Es liegt am Zuschauer, wem er letztendlich die Daumen drücken will und das führt dazu, dass der Schlusskampf dann auch wirklich zur spannenden Zerreißprobe wird, da man eben nicht schon von vornherein davon ausgehen kann, dass der persönliche Favorit als Sieger hervorgehen wird. Gespielt ist WARRIOR schlicht grandios, die Kampfszenen sind atemberaubend inszeniert und den ganzen Film möchte ich einfach mal mit dem Wort einnehmend beschreiben. Es ist lange her, dass mich ein Film so dermaßen vor dem heimischen Fernseher gefesselt hat wie dieser hier. Da schaltet man ohne große Erwartungen den Blu-ray-Player an und wird dann über knapp 2,5 Stunden regelrecht weggeblasen. Ich bin schlichtweg begeistert, WARRIOR ist einer dieser Filme, die ich persönlich einfach mal als perfekt bezeichnen möchte.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!

 

HIN UND WEG (Deutschland 2014, Regie: Christian Zübert)

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(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

In HIN UND WEG begibt sich eine Handvoll Freunde auf eine alljährliche Radtour, die sie dieses Mal nach Belgien führen wird, einem Land, das Hannes (Florian David Fitz), der Organisator der Reise, aus gutem Grund gewählt hat. Hannes ist unheilbar an ALS erkrankt und möchte nach Belgien, um dort in Frieden sterben zu können. Und auf dem Weg dorthin müssen seine Freunde wohl oder übel irgendwann von seiner Krankheit und seinem Vorhaben erfahren…

Trotz seines ernsten Themas ist HIN UND WEG kein betrübender oder gar deprimierender Film geworden. Regisseur Christian Zübert hat über weite Strecken eigentlich sogar das Gegenteil davon gedreht. HIN UND WEG ist in erster Linie positiv, lebensbejahend und eine Liebeserklärung an echte Freundschaften, daran, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Die verschiedenen Charaktere mögen in Ansätzen vielleicht klischeehaft erscheinen, sind bei näherer Betrachtung aber vielleicht auch einfach nur ganz gewöhnliche Menschen mit typischen Stärken und Schwächen. Als Zuschauer kann man sich wunderbar mit den verschiedenen Protagonisten identifizieren, man scheint ihre Macken teilweise nur zu gut zu kennen, kann ihre Handlungen nachvollziehen, leidet und lacht mit ihnen gemeinsam. In gewisser Weise ist HIN UND WEG ein ausgesprochen schöner Film geworden und es tut gut, zu sehen, dass das deutsche Kino ab und zu auch mal Filme hervorbringt, die nicht in das typische Beziehungskomödienklischee passen.

Aber HIN UND WEG hat in meinen Augen auch ein paar Schattenseiten. Das letzte Drittel, in dem die Freunde ans Ziel ihrer Tour angelangen und dieses Ziel gleichzeitig das Ende von Hannes’ Leben bedeuten wird, hätte ich mir etwas mehr Zurückhaltung in der Inszenierung gewünscht. Die Geschehnisse sind mir persönlich etwas zu explizit und zu krass dargestellt, man hätte das auch anders lösen können.

Wobei ich mir im Endeffekt da gar kein großes Urteil erlauben möchte, vielleicht war genau diese Form auch die richtige. Vielleicht waren dieser extreme Bruch in der Stimmung des Films und das explizite Zeigen der Sterbehilfe auch zwingend notwendig, um die Zuschauer wachzurütteln und zum Nachdenken über dieses ernste Thema zu bewegen. Vielleicht hätte eine zurückhaltendere Inszenierung das doch ernste Thema des Films zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Am Ende des Tages muss das wohl jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

 

TED 2 (USA 2015, Regie: Seth MacFarlane)

ted 2

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Großbritannien)

Etwas maue Fortsetzung des doch so wunderbar bissigen Vorgängers aus dem Jahr 2012. In TED 2 heiratet der einst lebendig gewordene Teddybär – dem erneut Regisseur Seth MacFarlane seine Stimme geliehen hat – seine große Liebe Tami-Lynn (Jessica Barth) und führt zunächst ein eigentlich stinknormales Leben. Doch schon bald gibt es erste Probleme in der Beziehung, die jedoch mit Nachwuchs gelöst werden sollen. Da dies jedoch nicht auf dem herkömmlichen Weg möglich ist, stellt das ungleiche Paar einen Adoptionsantrag und gerät so ins Visier der Behörden. Ted soll vor Gericht zum Gebrauchsobjekt deklariert werden und kämpft nun gemeinsam mit seinem besten Kumpel John (Mark Wahlberg) und der kiffenden Anwältin Samantha (Amanda Seyfried) um seine Persönlichkeitsrechte.

Der Plot von TED 2 ist – ähnlich wie der des Vorgängers – natürlich wieder herrlich absurd geraten und der Handlungsverlauf verfügt auch durchaus über ein nicht wegzuleugnendes Unterhaltungspotential abgeht. Was TED 2 jedoch fast komplett abgeht ist die extreme Bissigkeit von TED und dessen irrsinniger Gross-Out-Humor. Der beste Gag in dieser Richtung – Stichwort: Samenbank – wird schon relativ früh abgefeuert, danach gibt es noch ein paar vereinzelte Geschmacklosigkeiten der etwas derberen Sorte und ein bisschen „offensive dialogue“, über weite Strecken geht es in TED 2 aber doch sehr gesittet, harmlos und verdammt gemäßigt zur Sache.

Persönliche Bewertung: Nett!

 

JÜRGEN ROLAND’S ST. PAULI-REPORT (Deutschland 1971, Regie: Jürgen Roland)

jürgen roland's st. pauli-report

(Fassung: DVD, Kinowelt, Deutschland)

Wie es der Titel schon verrät ist dieser Film von Regisseur Jürgen Roland – im Gegensatz zu dem einige Tage zuvor gesehenen POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE – nun tatsächlich ein echter Report-Film mit allem, was so dazugehört. Der Regisseur selbst führt als aktiver Erzähler vor der Kamera durch den Film und konfrontiert den nach Unterhaltung und Schauwerten lechzenden Zuschauer diverse Geschichten von der sündigen Meile. Wie sich das für echte Report-Filme gehört, sind diese abwechselnd komisch, spannend und dramatisch geraten und verfügen jeweils über recht schwankende Qualität. Auch dieser Film lebt vor allem von seinem Handlungsort und den sympathisch-obskuren Figuren, die ihn bevölkern. Für den Freund des gepflegten Exploitationfilms gibt es ein paar nette Schauwerte und – insbesondere in der Episode mit Rudolf Schündler als notgeilem Onkel Troll (!!!) – eine gehörige Portion Sleaze. An die Qualität eines Films wie POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE kommt JÜRGEN ROLAND’S ST. PAULI-REPORT jedoch nie heran.

Persönliche Bewertung: Nett!