Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 01

YOUNG GUNS (USA 1988, Regie: Christopher Cain)

young guns

(Fassung: Blu-ray, Lionsgate, USA)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich YOUNG GUNS Ende der 80er Jahre komplett umgehauen hat. Ich habe ihn mir unzählige Male angesehen und diese im Neo-Western-Look gehaltene Interpretation der Geschichte des jungen Billy the Kid (gespielt von Emilio Estevez) gehörte definitiv zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Nun ein Wiedersehen ein gutes Viertel Jahrhundert später und auch wenn mir Cains Film noch immer sehr gut gefällt, so muss ich doch einräumen, dass der Zahn der Zeit gehörig an ihm genagt hat. Bei Erscheinen des Films dürfte es vor allem die Besetzung rund um die damals aufstrebenden Jungstars wie Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Charlie Sheen, Dermot Mulroney, Casey Siemaszko und Lou Diamond Phillips (von denen es im Endeffekt aber keiner zum absoluten Superstar geschafft hat) und alten Haudegen wie Terence Stamp und Jack Palance gewesen sein, die einen sofort für den Film einnehmen konnte und dafür sorgte, dass man wohl geflissentlich darüber hinweggesehen hat, dass in diesem wirklich ausgesprochen stylishen Film bei näherer Betrachtung gar nicht mal so viel passiert. Über weite Strecken plätschert YOUNG GUNS tatsächlich eher etwas gemächlich vor sich hin und Regisseur Christopher Cain scheint sich mehr auf die damals noch vorhandene Starpower und die Kraft seiner tollen Bilder verlassen zu haben und nicht unbedingt interessiert daran gewesen zu sein, so etwas wie einen packenden Spannungsbogen zu entwickeln. Was von YOUNG GUNS übrig bleibt sind seine wunderbare Kameraarbeit, die eine oder andere toll choreographierte Actionsequenz (insbesondere natürlich das Finale) und ein wirklich famos agierender Emilio Estevez in der Rolle des Billy the Kid, dessen Schauspiel sich ständig zwischen kindlicher Naivität, unverschämter Arroganz und gefährlichem Größenwahn bewegt. Aber schon diese Dinge reichen in Verbindung mit dem nicht zu vernachlässigenden Nostalgiefaktor locker aus, damit ich mich auch heute noch für Cains Film zumindest verhalten begeistern kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

YOUNG GUNS II (USA 1990, Regie: Geoff Murphy)

young guns ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

YOUNG GUNS II beginnt im Jahr 1950 und greift die Geschichte von Brushy Bill Roberts auf, der damals behauptete Billy the Kid gewesen zu sein (eine Behauptung, die nie bewiesen werden konnte, Roberts selbst verstarb Ende Dezember 1950). In Murphys Film erzählt dieser einem Anwalt nun “seine“ Geschichte und somit schließt YOUNG GUNS II unmittelbar an das Ende von Cains Vorgänger an.

Diesen Film hatte ich deutlich schwächer als YOUNG GUNS in Erinnerung und hier sind meine Eindrücke nach dem jetzigen Wiedersehen nun gänzlich anders. Ich möchte sogar behaupten, dass YOUNG GUNS II seinem Vorgänger qualitativ in nichts nach steht. Emilio Estevez brilliert erneut in der Rolle des Billy the Kid und als Zuschauer bereitet es einem wirklich einen Heidenspaß, Estevez dabei zuzusehen, wie er immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn und der Darstellung des Outlaws wandelt. Da die damaligen Jungstars aus dem Vorgänger aufgrund des Handlungsverlaufs des ersten Film natürlich nicht mehr alle zur Verfügung standen, wurde das verbleibende Trio (Emilio Estevez, Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips) um Christian Slater ergänzt, der sich ganz wunderbar in dieses Gefüge eingliedert und es auch durchaus schafft, dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Schauspielerisch brennt hier also rein gar nicht an – insbesondere auch aufgrund der Tatsache, dass in Murphys Film noch Leute wie William Petersen, Alan Ruck, R.D. Call, James Coburn, Balthazar Getty und Viggo Mortensen mitwirken – und in Sachen Rasanz, Action und Spannung ist YOUNG GUNS II dem Vorgänger sogar leicht überlegen. Vielleicht hat der Vorgänger die ikonischeren Szenen (Stichwort: “Reap the whirlwind, Brady. Reap it.“) und wahrscheinlich ist Cains Film dem von Murphy auch in Sachen Kameraarbeit einen Tick voraus, insgesamt betrachtet sehe ich persönlich jedoch keine großen qualitativen Unterschieden. Ein Double Feature mit den beiden Filmen sei jedem (Neo-)Western-Fan hiermit ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 5 (USA 2015; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

So, mit dieser fünften Staffel ist die Sichtung der letzten derzeit auf einem Heimkinomedium erhältlichen Staffel beendet und nun beginnt für mich persönlich die Wartezeit auf die entsprechende Veröffentlichung von Season Nr. 6 im nächsten Jahr. Die bereits in meinen kurzen Einträgen zu den 4 Staffeln zuvor niedergeschriebenen Eindrücke haben sich auch in Staffel 5 bestätigt und – was sich schon in der 4. Season angedeutet hatte – mittlerweile bin ich nicht mehr nur vom großen Unterhaltungswert und den ausufernden Schauwerten, sondern auch von der Handlung an sich ausgesprochen angetan. Spätestens jetzt hat GAME OF THRONES auch mich komplett gepackt, daran ändert auch die etwas verhaltenere erste Hälfte der Season nichts, in die sich doch zwei bis drei Füllerepisoden eingeschlichen hatten und bei der ich kurz die Befürchtung hatte, es könnte qualitativ etwas abwärts gehen. Bedenken, welche in der zweiten Staffelhälfte komplett weggewischt worden sind. Allein diese Episode mit der Schlacht gegen die Armee der “White Walker“ war so umwerfend gut, so visuell ungemein beeindruckend, dass man sich während der Sichtung ein ums andere Mal in Erinnerung rufen musste, dass man hier “nur“ eine TV-Serie ansieht und keine große Kinoproduktion. Und die diversen Cliffhanger am Ende der Staffel waren einfach nur massiv fies.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WHITE LINE FEVER (Kanada / USA 1976, Regie: Jonathan Kaplan)

white line fever

(Fassung: DVD, Explosive Media, Deutschland)

Jan-Michael Vincent ist Carrol Jo Hummer, ein junger Mann, der sich nach seiner Zeit beim Militär einen Truck zulegt und fortan als unabhängiger Trucker sein Geld verdienen und sich und seine Familie ernähren will. Da hierfür ist er auf Aufträge angewiesen und die haben in WHITE LINE FEVER ihren Preis. Denn hinter potentiellen Auftraggebern steht ein kriminelles Kartell und die nutzen unabhängige Trucker nur zu gerne aus, um illegale Waren von A nach B zu transportieren. Der grundehrliche Hummer versucht alles, um sich gegen diese Machenschaften zu wehren…

WHITE LINE FEVER behandelt eines der klassischsten Themen der Filmgeschichte. Es geht um Vergeltung, Rache, Widerstand, das Aufbegehren gegen ein System, den Kampf des David gegen den unbesiegbar erscheinenden Goliath. Das hat man natürlich alles schon unzählige Male in irgendeiner Form so gesehen, diese Tatsache ändert aber natürlich rein gar nichts daran, dass man es sich auch unzählige weitere Male gerne ansieht. Und wenn es dann auch noch in Form solider 70er-Jahre-Exploitation serviert wird, ist es natürlich umso besser.

Kaplans Film punktet in erster Linie mit dieser ganz besonderen Stimmung, die so viele Filme aus der damaligen Zeit auszeichnet und der ich mich unmöglich entziehen kann. Und dann ist WHITE LINE FEVER mit einer Besetzung gesegnet, die das Herz eines jeden Fans des Kinos der 70er Jahre höher schlagen lassen dürfte. Neben Jan-Michael Vincent geben sich u.a. Kay Lenz, Slim Pickens, L.Q. Jones, Don Porter, R.G. Armstrong, Martin Kove und – fast möchte man sagen natürlich – Dick Miller die Ehre und sorgen dafür, dass man sich in Kaplans Film von der ersten Minute an heimisch fühlt. Vielleicht hätten dem Film insgesamt betrachtet eine etwas härtere Gangart und ein bisschen mehr Schauwerte ganz gut zu Gesicht gestanden. Im Großen und Ganzen geht es hier trotz des behandelten Themas eher etwas harmlos und gemächlich zur Sache (WHITE LINE FEVER hat damals auch das familienfreundliche PG-Rating zugesprochen bekommen), den insgesamt positiven Gesamteindruck schmälert dies jedoch nicht. Und das Finale des Films ist der absolute Knaller!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DATE BAIT (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

date bait

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ich gebe zu, ich liebe ja solche Low- bzw. No-Budget-Produktionen wie diese hier. Vom Regisseur O’Dale Ireland stammt auch der erst vor wenigen Wochen von mir gesichtete und für ganz in Ordnung gefundene HIGH SCHOOL CAESAR, der wohl parallel zu diesem Werk hier entstanden ist. Zumindest lassen es die doch sehr ähnlich wirkenden Settings und der gemeinsame Starttermin – beide Filme starteten der IMDB zufolge damals im November 1960 in den US-Kinos – vermuten. Und mit der Sichtung von DATE BAIT habe ich mir nun auch schon das komplette Regiewerk von O’Dale Ireland reingezogen. Außer diesen beiden Filmen hat der gute Mann offensichtlich nichts mehr sonst gedreht.

In DATE BAIT dreht sich nun alles um ein jungverliebtes Paar – Danny (Gary Clarke) und Sue (Marlo Ryan) -, welches mit starken Widrigkeiten zu kämpfen hat. Zum einen sind Sues Eltern nicht wirklich von der Liaison angetan, zum anderen findet sich Sues ziemlich wahnsinniger und auch ziemlich gefährlicher Ex-Freund Brad (Dick Gering) nicht wirklich damit ab, dass seine Angebetete nun einen anderen Typen zu lieben scheint. Bevor es zum obligatorischen Happy End kommen kann, muss sich die angespannte Situation natürlich in einem spektakulären Finale entladen.

Ungeachtet des schmalen Budgets, der nicht gerade attraktiven Settings und der auch nicht gerade mit extrem viel Talent gesegneten Schauspieler hätte die Geschichte, die in DATE BAIT erzählt wird, durchaus dazu taugen können, zumindest ansatzweise so etwas wie einen Spannungsbogen zu entwickeln. Das scheint aus welchen Gründen auch immer jedoch einfach nicht möglich gewesen zu sein. DATE BAIT läuft gerade mal 71 Minuten, von denen geschlagene 65 Minuten lang nicht wirklich viel passiert und man sich bestenfalls von der gebotenen Langeweile einlullen lassen kann. Erst in den letzten 6 Minuten überschlagen sich dann die Ereignisse und fast scheint es so, als sei es Regisseur O’Dale Ireland da siedend heiß eingefallen, dass er auch noch einen Film abzuwickeln hat.

Wie im Eingangssatz schon geschrieben, ich habe ein unendlich großes Herz für Filme wie diesen, allerdings muss man als Fan solcher Filme schon auch aufpassen, dass man nicht mit jeden Quark, den man sich da so im Laufe eines Filmfanlebens reinzieht, komplett gnädig umgeht. DATE BAIT tut niemandem weh, hat sicher auch so einige Momente, ist aber in allererster Linie eine verdammt langweilige und öde Gurke, die man ehrlich gesagt nicht mal mehr als ganz in Ordnung bezeichnen kann.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

SILVER LININGS PLAYBOOK (USA 2012, Regie: David O. Russell)

silver linings playbook

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Bradley Cooper spielt den instabilen und gerade aus einer Nervenheilanstalt entlassenen Pat, in die er eingewiesen wurde weil er den Liebhaber seiner Frau übel zusammengeschlagen hatte, der in SILVER LININGS PLAYBOOK nun versucht, die Liebe seiner Frau zurückzugewinnen. Dabei soll ihm die psychisch auch nicht gerade besonders stabile Tiffany (Jennifer Lawrence) helfen, die ihre Hilfe jedoch an eine Bedingung knüpft: Pat muss mit ihr zusammen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen. Während des gemeinsamen Trainings kommen sich beide schließlich näher…

Am Ende des Tages präsentiert Regisseur David O. Russell mit SILVER LININGS PLAYBOOK natürlich auch nur eine weitere, romantische Komödie, an deren Ende sich die beiden Turteltauben finden werden. Was Russells Film vom Gros des Genres abhebt – und ihm einen Oscar (für Jennifer Lawrence als beste Hauptdarstellerin) und immerhin sieben (!!!) weitere Nominierungen des begehrten Filmpreises eingebracht hat – sind diese nahezu perfekte Balance zwischen Tragik und Komik, die dem Regisseur hier geglückt ist, die gelungene Zeichnung der Figuren und deren Entwicklung, die dazu führt, dass man als Zuschauer eine echte Bindung zu den handelnden Personen aufbauen kann und die gleichzeitig verhindert, dass hier einmal mehr nur weitere Abziehbilder der typischen Klischeefiguren präsentiert werden, und natürlich die Besetzung der beiden Haupt-, aber auch der diversen Nebenrollen. Bradley Cooper und Jennifer Lawrence harmonieren ganz vorzüglich als scheinbar dysfunktionales Paar wider Willen und in den Nebenrollen geben sich Schauspieler wie Robert De Niro, Jacki Weaver, Chris Tucker, Julia Stiles und Paul Herman die Ehre und tragen durch ihr Mitwirken einen großen Teil zum Gelingen des Films bei.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TROUBLE WITH THE CURVE (USA 2012, Regie: Robert Lorenz)

trouble with the curve

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In seinem zum jetzigen Zeitpunkt bisher letzten Leinwandauftritt ist Clint Eastwood in der Rolle eines alternden Talentscouts zu sehen, der im Auftrag seines langjährigen Arbeitgebers, einem renommierten Profi-Baseball-Team, einen talentierten Nachwuchsspieler beobachten und wenn möglich zur Verpflichtung empfehlen soll. Doch der von Eastwood gespielte Gus ist mittlerweile ein Relikt aus vergangenen Tagen, ist fast blind, will sich das jedoch nicht eingestehen und steht bei seinem Arbeitgeber letztendlich auf der Abschlussliste. Um den Job für Gus etwas leichter zu gestalten bittet sein langjähriger Freund und Kollege Pete (John Goodman) Gus’ Tochter Mickey (Amy Adams), eine aufstrebende und engagierte Anwältin, ihren Vater auf seiner Tour zu begleiten, wovon Gus jedoch alles andere als begeistert ist…

TROUBLE WITH THE CURVE ist eine dieser kleineren Independent-Produktionen, eine dieser immer wieder gern gesehenen Alternativen zu den Mega-Blockbustern aus Hollywood. Um Baseball, dem Ausgangspunkt des Plots, geht es nur nebenbei, weswegen ich TROUBLE WITH THE CURVE auch nur in zweiter Linie als Sportfilm bezeichnen würde. In erster Linie hat Regisseur Robert Lorenz da eine Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte (ja, ganz ohne Love Story kommt ein Film wie dieser hier einfach nicht aus) gedreht, eine Art Road Trip, während dem es einer von ihrem Vater entfremdeten Tochter gelingt, sich diesem wieder anzunähern und ganz nebenbei ihre wahre Bestimmung im Berufsleben und ihre große Liebe (Justin Timberlake als männlicher Love Interest) zu finden. TROUBLE WITH THE CURVE lebt von seinen Schauspielern. Vor allem natürlich von Clint Eastwood, der einmal mehr in seiner Paraderolle des mürrischen Grantlers zu sehen ist, dessen stahlharte Schale aber doch einen durchaus weichen Kern umgibt. Er lebt aber auch von dieser wundervollen Chemie, die sich zwischen Eastwood und seinem weiblichen Co-Star Amy Adams im Laufe des Films entwickelt und von dieser unglaublichen Prominenz, die sich da ihn den zahlreichen Nebenrollen tummelt. Neben den schon erwähnten John Goodman und Justin Timberlake sind in TROUBLE WITH THE CURVE u.a. Matthew Lillard, Robert Patrick, Bob Gunton, George Wyner, Chelcie Ross und Ed Lauter mit von der Partie, allesamt mehr als bekannte Gesichter, die dem Film durch ihr Mitwirken erhebliche Qualität verleihen. Natürlich sollte man auch kritisch anmerken, dass die erzählte Geschichte in ihrem Verlauf schon ziemlich vorhersehbar geraten ist, was vor allem auch für das Ende des Films gilt, welches schon sehr bald abzusehen ist. Aber bei Filmen wie diesen ist ja meistens eher der Weg das Ziel und dieser Weg ist im vorliegenden Fall mit von Kameramann Tom Stern wunderschön eingefangenen Sequenzen, tollen schauspielerischen Leistungen und ganz vielen Gänsehautmomenten gepflastert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CHEF (USA 2014, Regie: Jon Favreau)

chef

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Jon Favreau, der – sofern er nicht gerade Marvel-Superheldenfilme wie IRON MAN und IRON MAN 2 dreht – ja mehr vor als hinter der Kamera zu finden ist, scheint sich mit CHEF so etwas wie einen Lebenstraum verwirklich zu haben. Er fungierte als Produzent, verfasste das Drehbuch, führte Regie und übernahm zudem die Hauptrolle. Sonderlich viel mehr geht eigentlich nicht.

CHEF dreht sich um den von Favreau gespielten Gourmetkoch Carl Casper, der in einem angesehenen Restaurant arbeitet, von dessen Besitzer (Dustin Hoffman) jedoch in seiner Kreativität stark eingeschränkt wird. Als er aufgrund dessen von einem einflussreichen Essenskritiker (Oliver Platt) eine schlechte Bewertung bekommt, tickt Casper aus, wird gefeuert, macht sich mit einem Food Truck selbständig und erfüllt sich so einen Lebenstraum.

CHEF ist natürlich ein Film, der ohne Klischees nicht auskommen kann. So gibt es einen Handlungsstrang mit Caspers kleinem Sohn, von dem er sich aufgrund seines Jobs im Restaurant und der Trennung von seiner Frau entfremdet hat und mit dem er nun im Food Truck eine neue Bindung aufbauen kann. Und natürlich ist es klar, dass auch hinsichtlich der Beziehung zu seiner Frau am Ende eine neue Chance entstehen wird. Aber bei Filmen wie diesen sind solche Klischees auch irgendwie zwingend notwendig. Sonst würden sie wahrscheinlich einfach nicht funktionieren. CHEF ist einer dieser Filme, denen man einfach anmerkt, dass da mit verdammt viel Herzblut gearbeitet wurde. Es ist einer dieser Filme, die beim Zuschauer dieses wunderbar wohlige Gefühl in der Magengegend verursachen. Einer dieser Filme, bei denen man sich während der Sichtung von Minute zu Minute besser fühlt. Ein Film, der positive Energie regelrecht zu injizieren scheint. Besetzt ist CHEF mit Jon Favreau in der Hauptrolle und Schauspielern wie John Leguizamo, Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Oliver Platt und Robert Downey Jr. in diversen größeren und kleineren Nebenrollen übrigens fantastisch und lohnt schon allein wegen seiner Besetzung die Sichtung. CHEF ist eine Liebeserklärung an das Leben, eine Aufforderung, keine Zeit zu verschwenden und Chancen zu ergreifen, die einem geboten werden. Und er ist eine Liebeserklärung an gutes Essen. Ein Film, bei dem während der Sichtung richtiggehend Hunger bekommt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IRRATIONAL MAN (USA 2015, Regie: Woody Allen)

irrational man

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Woody Allen bleibt sich selbst treu. IRRATIONAL MAN behandelt mal wieder die Lieblingsthemen des Altmeisters. Es geht sowohl um verhängnisvolle Liebesbeziehungen als auch um einen ebenso kleinen wie feinen Kriminalfall.

Erzählt wird die Geschichte des mit einem mehr als verruchten Ruf ausgestatteten Philosophieprofessors Abe Lucas (Joaquin Phoenix), der schon kurz nach seinem Dienstantritt in einem Kleinstadt-College die Aufmerksamkeit zweier Frauen auf sich zieht. Mit seiner verheirateten und in ihrer Ehe gelangweilten Kollegin Rita (Parker Posey) beginnt er schon schnell eine Affäre, mit seiner talentiertesten Studentin Jill (Emma Stone) entwickelt sich eine enge Freundschaftsbeziehung, aus der schon bald echte Liebe wird. Und dann beschließt Abe, als er gemeinsam mit Jill in einem Diner zufällig ein am Nachbartisch geführtes Gespräch belauscht, einer wildfremden Frau aus ihrer Misere zu helfen. Doch dazu muss ein Richter sterben und Abe beginnt, den perfekten Mord zu planen…

Es gibt ja nicht wenige Stimmen, die Allen schon seit Jahren vorwerfen, dass er – leicht variiert – immer wieder die gleichen Filme dreht. Natürlich ist da nicht nur ein Funken Wahrheit dran. Ich stelle mir allerdings die Frage, mit welcher Erwartungshaltung solche Leute an Allens Filme herangehen. Der gute Mann hat letztes Jahr im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert. Glaubt jemand ernsthaft, er würde sich jetzt noch mal neu erfinden? Woody Allen dreht im Endeffekt schon sein ganzes Leben lang genau die Filme, auf die er eben Lust hat. Und meistens handeln sie von Beziehungen, Kunst und Kriminalfällen, da macht auch IRRATIONAL MAN – welch Überraschung – keine Ausnahme. Sicher wäre es mal wieder schön, ein Meisterwerk mit der Klasse eines MANHATTAN oder eines ANNIE HALL von ihm zu sehen, aber machen wir uns nichts vor, diese Zeiten scheinen einfach vorbei zu sein. Und so lange Allen noch so herrlich unaufgeregte, so wundervoll gespielte, mit so reichhaltigem Wortwitz ausgestattete und so hervorragend besetzte Filme wie IRRATIONAL MAN herausbringt, ist doch alles gut. Woody Allen gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und selbst ein nur guter oder mittelmäßiger Film innerhalb seines Gesamtwerkes ist meistens noch weitaus besser als vieles, was man sonst so aus Hollywood zum Fraß vorgeworfen bekommt. Und IRRATIONAL MAN gehört sogar zu den sehr guten Filmen des Meisters.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STILL ALICE (Frankreich / USA 2014, Regie: Richard Glatzer / Wash Westmoreland)

still alice

(Fassung: Blu-ray, Artificial Eye, Großbritannien)

Julianne Moore ist Dr. Alice Howland, eine Universitätsprofessorin, bei der mit Anfang 50 Alzheimer diagnostiziert wird und die fortan lernen muss, mit dieser Krankheit zu leben…

Die beiden Regisseure Richard Glatzer und Wash Westmoreland gehen bei ihrer Verfilmung der auf einem Roman basierenden Geschichte ausgesprochen ruhig und feinfühlig vor. STILL ALICE zeichnet sich durch eine sorgfältige Charakterisierung der handelnden Personen aus, wirkt jederzeit glaubwürdig und authentisch und zeigt auf beeindruckende und äußerst bewegende Art und Weise, wie die Alzheimer-Diagnose das Leben der Hauptfigur und ihres gesamten Umfeldes – sowohl familiär als auch beruflich – verändert. Getragen wird STILL ALICE von seinen durch die Bank großartig agierenden Schauspielern, insbesondere natürlich von Julianne Moore, die diese Rolle so hingebungsvoll und überzeugend spielt, dass das Schicksal ihrer Figur einem als Zuschauer wirklich extrem nahegeht. Richtig toll ist auch Kristen Stewart in der Rolle ihrer Tochter Lydia, die nun spätestens mit dieser Leistung endgültig aus dem TWILIGHT-Schatten herausgetreten sein dürfte und mit gutem Gewissen als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation bezeichnet werden kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

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Juni 2016: Beitrag Nr. 1

HIGH SCHOOL CAESAR (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

high school caesar

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ähnlich wie der kurze Zeit zuvor gesehene HIGH SCHOOL BIG SHOT handelt es sich auch bei HIGH SCHOOL CAESAR um einen typischen Vertreter des Juvenile-Delinquent- bzw. High-School-Films aus der damaligen Zeit. Im direkten Vergleich zu Rapps Film fällt vor allem auf, dass Regisseur O’Dale Ireland definitiv ein höheres Budget zur Verfügung gehabt haben dürfte. Die Settings sind nicht ganz so trist und trostlos geraten, die Schauspieler scheinen talentierter und mit der Sequenz des illegalen Autorennens und der anschließenden Verfolgungsjagd hat HIGH SCHOOL CAESAR sogar so etwas wie echtes Spektakel zu bieten. Was diesem Film hier jedoch fehlt und was ja in gewisser Weise das Salz in der Suppe solcher Filme ist, ist dieser gewisse Hauch von Wahnsinn, dieser Mut, dem Zuschauer mit etwas zu konfrontieren, an das sich dieser auch noch ein bisschen länger zurückerinnern kann. Die komplett obskure Handlung aus HIGH SCHOOL BIG SHOT wird sicher eine Zeit in meinem Gedächtnis bleiben, bei Irelands Film hier bin ich mir nicht so sicher.

In HIGH SCHOOL CAESAR dreht sich alles um den ebenso reichen wie verwöhnten Matt Stevens (John Ashley), der gemeinsam mit seinen Freunden versucht, die Macht an seiner Schule an sich zu reißen. Mit Schutzgelderpressung, das Verkaufen von geklauten Tests und einer getürkten Wahl, die ihm das Amt des Schülersprechers einbringt, versucht Matt seinen Einfluss ständig zu vergrößern, muss sich dabei aber auch mit einer Handvoll Widersachern rumärgern. HIGH SCHOOL CAESAR verläuft sehr konventionell und komplett harmlos, die Geschichte hält praktisch keine Überraschungen parat und es ist natürlich schon sehr schnell klar, wie die ganze Angelegenheit ausgehen wird und dass dieses Ende für den unsympathischen Bully der Schule kein positives sein wird. So ist Irelands Film zwar durchaus nett anzusehen und zum sinnlosen Totschlagen von Zeit sicher gut geeignet, so etwas wie Begeisterung oder auch nur gesteigertes Interesse beim Zuschauer zu wecken, gelingt HIGH SCHOOL CAESAR jedoch zu praktisch keinem Zeitpunkt.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

SNAKE EYES (Kanada / USA 1998, Regie: Brian De Palma)

snake eyes

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

Nicolas Cage spielt den Cop Rick Santoro, der wegen eines Boxkampfes in Atlantic City Zeuge eines Attentats auf den US-Verteidigungsminister wird. Gemeinsam mit dessen Sicherheitschef Kevin Dunne (Gary Sinise), gleichzeitig einer seiner ältesten und besten Freunde, versucht Santoro noch vor Ort den Fall zu lösen und landet mitten in einer typischen Verschwörung…

Als SNAKE EYES im Jahr 1998 in die Kinos kam befand sich Nicolas Cage gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Regisseur Brian De Palma hatte zuvor den Mega-Blockbuster MISSION: IMPOSSIBLE gedreht – eigentlich beste Voraussetzungen für einen ganz großen Erfolg und am Ende des Tages war SNAKE EYES mit einem Budget von 69 Mio. Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von knapp über 100 Mio. Dollar natürlich auch kein Verlustgeschäft für die Macher, so wirklich begeistert waren Publikum und Kritik damals jedoch nicht. In gewisser Weise durchaus nachvollziehbar, denn nach einer mehr als beeindruckenden Sequenz zum Auftakt, die über 12 Minuten ohne einen Schnitt auskommt und in der De Palma alle wichtigen Charaktere vorstellt, und der anfangs noch ausgesprochen spannend begonnenen Auflösung des Rätsels – mit Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven setzt sich das Puzzle langsam zusammen -, muss ich doch feststellen, dass SNAKE EYES nach etwas über der Hälfte der Laufzeit doch langsam die Puste auszugehen scheint und auch die Spannung mehr und mehr nachlässt. Da helfen dann auch ein wahrlich entfesselt aufspielender Nicolas Cage und alle formalen Kniffe des Regisseurs nicht mehr wirklich weiter.

Im Lauf der Jahre habe ich fast alle Filme von Brian De Palma gesehen und zähle ihn zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Innerhalb seiner Filmographie gehört SNAKE EYES für mich zu seinen wenigen, etwas schwächeren Werken, wobei an dieser Stelle natürlich unbedingt klargestellt werden muss, dass es sich auch bei einem schwächeren Film von Brian De Palma immer noch um einen guten Film handelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE NICE GUYS (USA 2016, Regie: Shane Black)

the nice guys

(Fassung: Savoy Kino Hamburg, O-Ton-Vorstellung)

Wenn ich schon mal die Gelegenheit habe, mir einen aktuellen Film im Kino im O-Ton anzusehen, dann muss ich diese natürlich auch wahrnehmen. So nun geschehen mit THE NICE GUYS, den in anlässlich eines Kurzaufenthalts in Hamburg im wirklich wunderschönen Savoy-Kino in der dortigen Bahnhofsgegend genießen konnte…

Im Mittelpunkt des Films stehen die gänzlich unterschiedlichen Privatdetektive Jackson Healy (Russell Crowe) und Holland March (Ryan Gosling), die im Los Angeles der späten 70er Jahre beide auf der Suche nach einer verschwundenen jungen Frau sind, sich zu einer eher unfreiwilligen Zweckgemeinschaft zusammenfinden und  mitten in eine Verschwörung hineingeraten, in der es u.a. auch um den mysteriösen Selbstmord eines Pornostarlets geht…

THE NICE GUYS ist nach KISS KISS BANG BANG aus dem Jahr 2005 und IRON MAN THREE aus dem Jahr 2013 die erst dritte Regiearbeit von Shane Black, der – obwohl er lediglich eine relativ übersichtliche Filmographie auf den Seiten vor oder hinter der Kamera aufweisen kann – allerdings schon knapp 30 Jahre im Geschäft ist, nennenswert erstmals im Jahr 1987 in Erscheinung trat und damals als Drehbuchautor eines Films mit dem Titel LETHAL WEAPON maßgeblich dazu beitragen sollte, dass sich das Actionkino nachhaltig verändern sollte. Ob man ihn dafür nun eher lieben oder eher hassen soll, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn man also weiß, dass Shane Black einer der Männer gewesen ist, die dafür verantwortlich zeichneten, dass das Actionkino mittlerweile ohne Humor und gespielter Coolness nicht mehr vorstellbar zu sein scheint, dürfte man sich nicht wundern, dass es auch in THE NICE GUYS vornehmlich um Klamauk und Albernheiten im spektakulären Gewand geht. Die Story von der Suche nach der verschwundenen Frau, von der Verschwörung, die die beiden plötzlich aufdecken, ist im Endeffekt nicht viel mehr als ein MacGuffin, der dazu verwendet wird, die beiden Protagonisten in möglichst viele absurde Situationen zu bringen, aus denen sie sich möglichst witzig und cool zu befreien haben. Wer mit dieser Art von Kino also nichts oder nicht sonderlich viel anzufangen weiß, sollte wohl lieber die Finger von THE NICE GUYS lassen. Wer sich darauf einlassen kann und will, wird dafür mit einem unglaublich unterhaltsamen Film bewohnt, der von zwei herrlich aufgelegten Hauptdarstellern dominiert wird, die sich die Gags gegenseitig zuspielen und mit Sicherheit jede Menge Spaß beim Dreh gehabt haben dürften. Zudem ist die Zeichnung des L.A. der späten 70er Jahre unglaublich glaubwürdig und authentisch geraten und allein diese unfassbar geile und dekadente Partysequenz – incl. eines Einhorns und hinter Glas im Pool schwimmenden Meerjungfrauen – rechtfertigt für Freunde hübscher Schauwerte allein schon die Sichtung des Films.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER (Deutschland 1962, Regie: Werner Klingler)

das geheimnis der schwarzen koffer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg der Edgar-Wallace-Verfilmungen der Rialto, die seit 1959 die Zuschauer in Scharen in die Kinos lockten, sicherte sich der umtriebige Produzent Artur Brauner die Rechte an den Romanen von Wallaces Sohn und startete mit seiner Produktionsschmiede CCC im Jahr 1962 mit DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER eine Reihe von Bryan-Edgar-Wallace-Filmen, die sich natürlich stilistisch an den Vorbildern der Rialto orientierten.

In DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER muss sich Joachim Hansen als Inspektor Robert Finch mit einer geheimnisvollen und mysteriösen Mordserie auseinandersetzen, deren Rätsel nach einigen kruden Wendungen – auch das kennt man aus den Wallace-Filmen – am Ende natürlich aufgeklärt wird. Lust auf die weiteren Filme dieser Reihe macht dieser Auftakt jedoch nicht wirklich. Das liegt zu großen Teilen an der Tatsache, dass die Geschichte einfach nicht sonderlich spannend geraten ist und über die komplette Laufzeit etwas ziellos vor sich hinplätschert und den Zuschauer eher sanft in den Schlaf wiegt als in gebannt vor dem Bildschirm zu fesseln. Es liegt aber auch an Hauptdarsteller Joachim Hansen, dem einfach das Charisma der Ermittler der großen Vorbilder fehlt, und an Chris Howland als “comic relief“, der eine etwas armselige Eddi-Arent-Kopie abgibt. Positiv zu erwähnen wäre Senta Berger als “love interest“ und das Schlussdrittel des Films, in dem es Regisseur Werner Klingler dann auch endlich gelingt, so etwas wie Spannung und Atmosphäre zu erzeugen und zumindest ein kleines bisschen Wallace-Feeling aufkommen zu lassen.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE DELTA FORCE (Israel / USA 1986, Regie: Menahem Golan)

the delta force

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Chuck Norris ist Major Scott McCoy, der seinen Job bei der militärischen Spezialeinheit Delta Force eigentlich hingeschmissen hatte, aufgrund einer Flugzeugentführung durch palästinensische Terroristen aber dann doch wieder den Kampfanzug anzieht und natürlich den Tag rettet.

THE DELTA FORCE ist ein Paradebeispiel für das komplett humorbefreite Actionkino der 80er Jahre, für Filme, in denen es nur Gut und Böse gab, keinerlei fließende Grenzen vorhanden waren und die mit ihrer ultrareaktionären Agenda eigentlich jedem normal denkenden Menschen den Angstschweiß auf die Stirn treiben sollten, da durchaus zu befürchten ist, dass es den Machern mit der Botschaft, die Filme wie THE DELTA FORCE in die Welt sendeten, durchaus ernst gewesen sein dürfte. Was ihn von anderen Genrevertretern unterscheidet ist seine schon fast epische Länge von etwas über 2 Stunden und die Tatsache, dass die erste der beiden Stunden auf höchste manipulative Weise dazu genutzt wird, menschliche Tragödien in schwülstiger Musik entstehen zu lassen, natürlich nur, damit das fröhliche Action-Massaker in der zweiten Hälfte entsprechend gerechtfertigt werden kann.

Wenn man wie ich mit Filmen dieser Art aufgewachsen ist, sie sich als Jugendlicher aufgrund der meist immer spektakulären Actionszenen reingezogen hat und nie so wirklich auf den Gedanken gekommen ist, das Gezeigte in irgendeiner Weise zu hinterfragen, ist man bei einem Wiedersehen mit Filmen wie THE DELTA FORCE einfach nur hin- und hergerissen. Der Verstand sendet zwar die richtigen Signale, das Herz jedoch schwelgt in purer Nostalgie und zu behaupten, man würde hier nicht für gut 2 Stunden eine richtig gute Zeit mit dem Film haben, wäre natürlich glatt gelogen. Ich werde Kino dieser Art immer lieben, kann und will Filme wie THE DELTA FORCE eigentlich gar nicht so ernst nehmen, dass ich sie kritisch hinterfragen müsste und stehe einfach dazu, dass es mitunter nichts Schöneres gibt als für 2 Stunden in eine Welt zu flüchten, in der man einfach mal jegliche politische Korrektheit an der Garderobe abgeben kann um sich von Knallern wie THE DELTA FORCE einfach nur ganz vorzüglich unterhalten zu lassen. Deswegen muss man sich ja noch lange nicht mit der transportierten Botschaft identifizieren (was für mein Verständnis auch komplett unmöglich wäre).

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BISTURI, LA MAFIA BIANCA (Italien 1973, Regie: Luigi Zampa)

bisturi, la mafia bianca

(Fassung: DVD, filmArt, Deutschland)

In BISTURI, LA MAFIA BIANCA dreht sich alles um die Machenschaften in der Privatklinik des angesehenen Chirurgen Prof. Vallotti (Gabriele Ferzetti), der das dysfunktionale Gesundheitssystem im Italien der 70er Jahre gnadenlos ausnutzt um seine Taschen zu füllen. Um seine außergewöhnliche Stellung beizubehalten ist Vallotti dabei zu allem bereit. Kunstfehler und sonstige Schlampereien werden professionell vertuscht, nicht mehr zu heilende Patienten mit Medikamenten kurz aufgepäppelt und danach entlassen, damit die Klinik ja keine Todesfälle zu vermelden hat. Die einzigen, die sich trauen, Vallotti so etwas wie Paroli zu bieten, sind der desillusionierte Arzt Dr. Giordani (Enrico Maria Salerno) und die engagierte Krankenschwester Maria (Senta Berger)…

BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ein Paradebeispiel des gesellschaftskritischen Kinos aus Italien in den 70er Jahren. Zu sagen, dass das Drama von Regisseur Luigi Zampa den Finger in die sprichwörtliche Wunde legen würde, wäre noch milde ausgedrückt. Zampa legt den Finger auf die Wunde und sticht dann mit aller Kraft hinein. Der Film ist eine Anklage gegen ein Gesundheitssystem, welches nur den Reichen und Mächtigen nützt, ein Aufruf für eine dringend benötigte Gesundheitsreform (die dann ein paar Jahre später tatsächlich kommen sollte) und so ganz nebenbei auch noch ein überaus spannend – und in den nicht wenigen Operationsszenen auch enorm unangenehm – anzusehendes Beispiel einer gelungenen Mischung aus Drama und Thriller. BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ernstes, schwer verdauliches und mitunter vielleicht auch etwas sperrig wirkendes Kino aus Italien, von dem alle, die lediglich nach leichter Unterhaltung suchen, wohl lieber die Finger lassen sollten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE WALK (USA 2015, Regie: Robert Zemeckis)

the walk

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Regisseur Robert Zemeckis entführt den Zuschauer zunächst ins Paris und im weiteren Verlauf dann ins New York der 70er Jahre und erzählt die wahre Geschichte des Hochseilartisten Philippe Petit (toll: Joseph Gordon-Levitt), dem es im August des Jahrs 1974 in einer illegalen Nacht- und Nebelaktion mit diversen Helfern gelang, ein Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers zu spannen, nur um anschließend in schwindelerregender Höhe über dieses Drahtseil zu balancieren…

Was einen als Zuschauer an THE WALK sehr schnell einnimmt, ist diese ungemein sympathische, federleichte und auch irgendwie beschwingte Inszenierung. THE WALK ist ein Film, von dem man sich sofort mitreißen lässt, von dem man sich treiben lassen will und der es insbesondere im letzten Drittel schafft, Spannung zu erzeugen, wo eigentlich gar keine Spannung mehr entstehen dürfte, da aufgrund der wahren Tatsachen, auf denen THE WALK beruht, sein Ausgang ja bereits bekannt ist. Um diese Spannung aufzubauen bedient sich Robert Zemeckis in seiner Inszenierung bei alten Heist Movies – nur dass hier eben keine Bank oder ähnliches überfallen, sondern “lediglich“ ein Drahtseil gespannt werden soll – und das funktioniert, auch dank der überzeugend agierenden Darsteller und der authentischen Darstellung der beiden Weltstädte zur damaligen Zeit, wirklich ausgesprochen gut. Vielleicht wirkt THE WALK streckenweise etwas zu selbstverliebt (wenn man den Ausdruck so verwenden mag), etwas zu unkritisch der geplanten Aktion und seinem sicher auch streitbaren Protagonisten gegenüber, vielleicht an manchen Stellen vor dem Schlussdrittel des Films auch einfach ein bisschen zu langatmig, wirklichen Schaden können diese vermeintlichen Schwächen dieser Liebeserklärung an das Leben, den Mut, die Stadt New York und ihr einstiges Wahrzeichen allerdings nicht zufügen. Und die 3D-Effekte, die Zemeckis insbesondere während des Drahtseilakts auffährt, sind der absolute Hammer.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE (Deutschland 1970, Regie: Wolfgang Staudte)

die herren mit der weißen weste

(Fassung: Blu-ray, Pidax, Deutschland)

Regisseur Wolfgang Staudte lässt in DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE eine Gruppe von rüstigen Rentnern und Pensionären auf Mario Adorf los, der als gewiefter Gauner Dandy Stiegler nach einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA nach Berlin zurückkehrt um dort mit seinen Komplizen (u.a. Herbert Fux) und seiner Geliebten Susan (Hannelore Elsner) ein ganz großes Ding zu drehen, jedoch nicht ahnt, dass der mittlerweile pensionierte Oberlandesgerichtsrat Zänker (Martin Held) einen ausgeklügelten Plan ausgeheckt hat, um ihm endlich das Handwerk zu legen. Zu seiner aktiven Zeit ist Zänker das nie gelungen und nun versucht er gemeinsam mit seinen sich ebenfalls bereits im Ruhestand befindlichen Freunden (u.a. Rudolf Schündler und Heinz Erhardt), Dandy mit dessen eigenen Waffen zu schlagen.

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE ist eine ganz wunderbare Mischung aus Kriminalfilm, Heist Movie und Komödie geworden, die vor allem durch ihre ungemein sympathische, federleichte und unaufgeregte Inszenierung sowie mit ihrer bestens aufgelegten Rentnergang rund um Martin Held zu begeistern weiß. Es macht richtig viel Spaß, den Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie den Profi-Gaunern immer wieder einen Schritt voraus sind und diese dadurch regelrecht in den Wahnsinn zu treiben scheinen und man merkt es den Schauspielern auch an, dass sie beim Dreh dieses Films eine verdammt gute Zeit gehabt haben dürften. Hervorheben möchte ich dabei vor allem Heinz Erhardt, der es sichtlich zu genießen scheint, nicht komplett im Mittelpunkt zu stehen und dessen Wortwitz in diesen wohldosierten Einheiten in diesem Film weitaus besser zur Geltung kommt als in den Filmen, die er als Hauptdarsteller alleine zu tragen hatte. Richtig toll sind natürlich auch Mario Adorf und Herbert Fux auf Seite der Bösen und für Hannelore Elsner gibt es im Endeffekt nur ein Wort, welches sie in ihrer Rolle adäquat beschreiben kann und das lautet: atemberaubend.

Wer mit dem deutschen Kino aus der damaligen Zeit etwas anfangen kann, sollte sich DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE auf keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung: Gut! – 7/10

Final Thoughts of May

THE SLAMS (USA 1973, Regie: Jonathan Kaplan)

the slams

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Jim Brown ist Curtis X. Hook, der soeben den Mob um stattliche 1,5 Mio Dollar erleichtert und das erbeutete Geld sicher versteckt hat und nun wegen einer eigentlichen Lappalie im Knast landet. Seine Zeit dort würde er eigentlich locker absitzen, dumm nur, dass ihm sowohl die Beklauten und auch korrupte Staatsdiener, die von der Sache Wind bekommen haben, das Leben zur Hölle machen möchten, um ihm das Versteck der Beute zu entlocken. Als Hook auch noch mitbekommt, dass sein Versteck in wenigen Tagen abgerissen werden soll und das Geld dann für immer verloren sein dürfte, entschließt er sich dazu, einen Ausbruchsversuch zu wagen…

Für Regisseur Jonathan Kaplan, der einst unter Roger Corman seine ersten Schritte als Regisseur unternahm, Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre einige größere Erfolge verzeichnen konnte – u.a. drehte er das Oscar-prämierte Vergewaltigungsdrama THE ACCUSED mit Jodie Foster in der Hauptrolle – und mittlerweile beim TV gelandet ist, war THE SLAMS damals die dritte Regiearbeit und stellte einen weiteren Versuch eines größeren Hollywood-Studios – hier: MGM – dar, unter seinem Banner auf den damals so erfolgreichen Blaxploitation-Zug aufzuspringen. Und die Zutaten passen durchaus: Hauptdarsteller Jim Brown bringt die nötige Coolness eines echten Blaxploitation-Helden mit, der Film geizt nicht mit Gewalt und präsentiert in ein paar außerhalb des Gefängnisses spielenden Szenen natürlich auch die obligatorischen, nackten Damenbrüste. Etwas problematisch ist das Setting im Gefängnis, da sich bis zur Planung und Durchführung der Flucht – die übrigens mit einigen netten Ideen und Wendungen überraschen kann – im räumlich arg begrenzten Gefängnis-Setting doch etwas Längen einschleichen, man sich als Zuschauer natürlich nur wenig Sorgen um das Wohlergehen der Hauptfigur machen muss und echte Spannung erst im Finale aufkommen kann.

Für Freunde des Kinos der 70er Jahre im Allgemeinen und für Fans des Exploitationfilms im Speziellen gibt’s für THE SLAMS natürlich trotzdem eine Empfehlung. Allein schon wegen der kantigen Typen, die diesen Film bevölkern, wegen dieses unnachahmlichen 70er-Jahre-Looks und vor allem auch wegen dieser wundervollen Atmosphäre, die praktisch alle guten Genreproduktionen aus der damaligen Zeit für Fans so unwiderstehlich macht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN (USA 1991, Regie: Simon Wincer)

harley davidson and the marlboro man

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Mickey Rourke und Don Johnson spielen die beiden Titelfiguren Harley (Rourke) und Marlboro (Johnson), zwei waschechte Haudegen, die – weil sie gerade nichts anderes zu tun haben – einen Geldtransporter überfallen um ihre Lieblingskneipe vor der Schließung zu retten. Doch statt Geld erbeuten sie Drogen und deren Besitzer sind darüber nicht gerade erfreut…

Wenn man HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN halbwegs objektiv betrachten möchte, muss man sicher eingestehen, dass Simon Wincer hier einen ziemlichen Schmarrn fabriziert hat. Die Ausgangssituation und der komplette Handlungsverlauf des Films sind absolut hanebüchen und nicht wirklich dazu geeignete, Argumente für ein Gelingen des Films ins Feld zu führen. Wincers Film lebt einzig und allein von seinen beiden Hauptdarstellern, die – wie es sich für ein Buddy Movie gehört – die zwischen ihnen ständig schwelenden Konflikte auf möglichst alberne und coole Art untereinander austragen, nie um einen Spruch verlegen sind und ein paar hübsch fotografierte Actionsequenzen zu bewältigen haben. Man merkt Wincers Film an, dass er in einer Zeit entstanden ist, in dem das humorbefreite Actionkino der 80er Jahre langsam aber sicher durch Filme abgelöst werden sollte, in denen Action und Gewalt nur noch mit Humor und dummen Sprüchen einhergingen.

Ich selbst habe HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN nun seit über 20 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen und muss gestehen, dass ich den Film – wohl vor allem aus nostalgischen Gründen, aber auch weil ich finde, dass Rourke und Johnson in diese Rollen passen wie die Faust aufs Auge und herrlich miteinander (dis-)harmonieren – auch heute noch sehr gerne mag. Dass er Menschen, die ihn jetzt, im Jahr 2016, zum ersten Mal in ihrem Leben sehen, auf irgendeine Art und Weise noch ansprechen könnte, möchte ich jedoch stark anzweifeln.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SHOOT TO KILL (USA 1988, Regie: Roger Spottiswoode)

shoot to kill

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

In SHOOT TO KILL bzw. DEADLY PURSUIT (so der internationale englische Titel, der die Handlung des Films im Gegensatz zum US-Originaltitel kurz und knapp auf den Punkt bringt) jagen Sidney Poitier als FBI-Agent und Tom Berenger als Bergführer einen gefährlichen Killer (Clancy Brown) durch unwirtliche Gebirge nahe der kanadischen Grenze und liefern sich einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der skrupellose Verbrecher hat Berengers Filmfreundin Kirstie Alley in seiner Gewalt und es steht zu befürchten, dass er sie nicht mit dem Leben davonkommen lassen wird, sobald er sich in Sicherheit wiegt…

Ich habe das Anfang des Monats schon in meinem Text zu MIDNIGHT RUN angemerkt und kann es auch hier einfach nur wiederholen: schade, dass solche Filme nicht mehr gedreht werden. Ohne großartige Exposition ist man sofort drin in Spottiswoodes Film, der – aufs wesentliche herunter gebrochen – zwar nicht viel mehr als eine simple Jagd/Flucht-Story anzubieten hat, es aber ohne Probleme versteht, den Zuschauer für sich einzunehmen. Die Einführung und Charakterisierung der Figuren erfolgt praktisch nebenbei und ist doch so gelungen, dass man sofort eine Bindung zu den handelnden Personen aufbaut. Sofort hofft und bangt man mit den Protagonisten und mindestens ebenso schnell verteufelt man den Bösewicht. SHOOT TO KILL ist jetzt vielleicht kein kompletter Über-Film geworden (dazu haben sich im Mittelteil etwas zu viele Längen eingeschlichen und die Szene mit der schnell ausgegrabenen Höhle im Schnee strapazierte die Glaubwürdigkeit des Films doch sehr und war mir einfach etwas “too much“), aber er liefert spannende, schnörkellose und unaufgeregte Unterhaltung vor teils extrem atemberaubender Kulisse. Wer ein Herz für das Kino der 80er Jahre hat, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LANTANA (Australien / Deutschland 2001, Regie: Ray Lawrence)

lantana

(Fassung: DVD, Universal, Großbritannien)

Regisseur Ray Lawrence konfrontiert den Zuschauer in LANTANA mit verschiedenen Paaren, die alle ihre Beziehungsprobleme haben und die – ohne es unbedingt auf Anhieb zu ahnen – alle in gewisser Weise miteinander in Verbindung stehen. Und dann geht es auch noch um eine wie vom Erdboden verschwundene Frau. Bis es soweit ist, dauert es jedoch relativ lange, und das ist vielleicht auch die eine große Schwäche dieses Films, der vielleicht etwas zielgerichteter inszeniert hätte werden müssen und den man – würde man allein die schauspielerischen Leistungen bewerten – als Zuschauer eigentlich gerne als hervorragenden Film weiterempfehlen würde.

Vielleicht ist das auch einfach nur mal wieder ein Jammern auf hohem Niveau, aber für meinen Geschmack hat sich Regisseur Ray Lawrence einfach etwas zu viel Zeit gelassen um seine Charaktere einzuführen und zu entwickeln, um seine Figurenkonstellationen zu positionieren und um seine Zuschauer mit vagen Hinweisen hinters Licht zu führen um so auch die Spannung des Films hochzuhalten. Wenn man sich vorher nicht die Inhaltsangabe durchgelesen hat – was eigentlich immer von Vorteil ist – kann man tatsächlich nie so richtig einschätzen, in welche Richtung sich LANTANA letztendlich entwickeln wird. Das Problem dabei ist, dass man ab einem gewissen Punkt das Gefühl einfach nicht mehr losbekommt, dass das, was man hier zu sehen kriegt, nur wenig zielgerichtet zu sein scheint. So gut mir die schauspielerischen Leistungen auch gefallen haben und so sehr ich mich von dem leichten Mystery-Touch des Films gefangen nehmen lassen wollte, am Ende des Films – wenn sich dann mehr oder weniger doch alles wieder in Wohlgefallen aufzulösen scheint – reift bei mir als Zuschauer auch die Erkenntnis, dass der Aufwand, den Regisseur Lawrence in den ersten 2/3 des Films betrieben hat, ein weitaus besseres Schlussdrittel verdient hätte und eine nüchterne Aufwand/Ertrag-Rechnung hier wohl nicht gerade positiv ausfallen würde. Gut und sehenswert ist LANTANA natürlich dennoch. Wie schon geschrieben, Gejammer auf hohem Niveau.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MO’ BETTER BLUES (USA 1990, Regie: Spike Lee)

mo' better blues

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Denzel Washington ist Bleek Gilliam, ein überaus talentierter Jazztrompeter, der mit seinen Bandkollegen (u.a. Wesley Snipes und Giancarlo Esposito) Abend für Abend in einem angesagten Club das Publikum begeistert. Musik ist Bleeks Leben, ihr ordnet er alles unter und übersieht dabei fast, die diversen Pulverfässer, die um ihn herum jederzeit hochzugehen drohen: da wäre sein von Snipes gespielter Saxophonist Shadow, der endlich für seine Auftritte angemessen entlohnt werden möchte und ernsthafte Planungen anstrebt, die Band zu verlassen, da wäre sein Freund und Manager Giant (Spike Lee), den seine Wettsucht in den Ruin getrieben hat und der Schulden bei Menschen angehäuft hat, bei denen man besser keine Schulden haben sollte, und da wären nicht zuletzt seine Beziehungen zu zwei verschiedenen Frauen, zur Lehrerin Indigo (Joie Lee) und zur Sängerin Clarke (Cynda Williams), die sich immer komplizierter organisieren lassen…

Einmal mehr kreiert Regisseur Spike Lee mit MO’ BETTER BLUES einen Mikrokosmos voller Emotionen, im vorliegenden Fall jedoch einen Mikrokosmos in den es sich als Zuschauer etwas leichter und unbekümmerter eintauchen lässt als in die seiner unmittelbaren Vorgänger- und Nachfolgefilme DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER. Obwohl in MO’ BETTER BLUES neben den vielen komischen Momenten auch jede Menge tragische Augenblicke vorkommen, ist das hier ein Film, der für seine Zuschauer mit seiner ruhigen Art, seiner einladenden Farbgebung, seiner beruhigenden, teils traumhaften Atmosphäre und seiner mitreißenden Musik eine Art Wohlfühloase generiert, in der man sich – bildlich gesprochen – nur zu gerne niederlässt um in ihr zu verweilen. MO’ BETTER BLUES ist einer dieser Filme, in die man mit spielerischer Leichtigkeit versinken kann, über deren manchmal etwas schrullige Art – insbesondere in den Szenen mit Spike Lee – man nur zu gerne schmunzeln möchte und von denen man mit einem mehr als positiven Gefühl in den Abspann entlassen wird. Und dann ist MO’ BETTER BLUES natürlich so ganz nebenbei eine Liebeserklärung an die Kunst der Musik.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 3 (USA 2013, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Der Kampf um Thronfolgen, diverse Schlachten, das Paktieren und Intrigieren (angeblich) Verbündeter, die versuchte Flucht vor Feinden, usw., usf. – dies alles geht nun in die dritte Runde und dies alles ist auch in dieser dritten Runde ungemein unterhaltsam und wegen der einfach nicht weniger werden wollenden Schauwerte auch ausgesprochen nett anzusehen.

Aber auch wenn mir GAME OF THRONES noch immer außerordentlich gut gefällt, muss ich doch anmerken, dass die Serie für mich persönlich nicht so funktioniert wie sie wohl – wenn man den Hype berücksichtigt, der schon seit Jahren um sie gemacht wird – für den Großteil der Zuschauer funktionieren dürfte. Ich gebe zu, ich lasse mich von GAME OF THRONES ausschließlich berieseln, der Verlauf der Handlung ist mir dabei ziemlich egal und ich verspüre keinerlei Motivation, wirklich jeden dieser unzähligen Nebencharaktere seinem Clan zuzuordnen oder mir einen Überblick zu verschaffen wer nun aus welchem Grund gegen wen kämpft, mit wem paktiert und auf was auch immer irgendwelche Ansprüche erhebt und ich finde es ehrlich gesagt richtig bewundernswert, dass sich die Vielzahl der Zuschauer wohl offensichtlich tatsächlich für diese in meinen Augen ziemlich aufgeblasene Handlung begeistern kann, in Gedanken Stammbäume erstellt und es schafft, so etwas wie Sympathien für einzelne Charaktere aufzubauen und mit diesen mitzufiebern.

Für mich funktioniert GAME OF THRONES nur als perfektes “eye candy“, als Musterbeispiel für Exploitation im aufwändigen Gewand – als das funktioniert die Serie aber auch wirklich richtig, richtig gut. Ich freue mich schon auf die vierte Staffel.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

HIGH SCHOOL BIG SHOT (USA 1959, Regie: Joel Rapp)

high school big shot

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

 Ein kleiner No-Budget-Beitrag aus dem Bereich des zum damaligen Entstehungszeitpunkt überaus beliebten Subgenre des Juvenile-Delinquent-Films. In HIGH SCHOOL BIG SHOT dreht sich alles um den Musterschüler Marv (Tom Pittman), der sich eines Tages ernsthafte Hoffnungen macht, bei Betty (Virginia Aldridge), der beliebtesten (und scheinbar auch einzigen) Schülerin seiner Schule zu landen und dafür sogar bereit ist, einen kriminellen Pfad einzuschlagen…

Man könnte sich nun natürlich mit Leichtigkeit über HIGH SCHOOL BIG SHOT lustig machen. Bspw. über seine tristen Settings, seine hölzernen Darsteller oder seine überkonstruierte Handlung. Regisseur Joel Rapp hat seinen Film ganz offensichtlich ohne nennenswertes Budget mit nicht unbedingt hochtalentierten Schauspielern in ein paar Hinterzimmern gedreht. So wird bspw. die Highschool lediglich von einem Lehrer und einer Handvoll Schülern bevölkert – letztere sehen zum Großteil viel zu alt für ihre Rollen aus -, irgend ein geschäftiges Treiben auf Straßen oder in Bars, in die der Film kurze Ausflüge unternimmt, findet praktisch nicht statt und irgendwie wirkt HIGH SCHOOL BIG SHOT auf krude Art und Weise etwas leblos. Und doch möchte ich an dieser Stelle eine kleine Lanze für den Film brechen, denn bei näherer Betrachtung der – zugegebenermaßen etwas arg abenteuerlichen – Handlung fällt doch auf, Regisseur und Drehbuchautor Joel Rapp es auf wundersame Weise geschafft hat, in einen Film, der gerade mal 60 Minuten dauert, schier unendlich viel hineinzustecken. HIGH SCHOOL BIG SHOT ist Coming-of-Age-Geschichte, Love Story, Familiendrama, Kriminalfilm und Heist Movie in einem und wird durch diese ziemlich verrückte Mischung – und natürlich auch wegen seiner ausgesprochen kurzen Laufzeit – zu keinem Zeitpunkt langweilig und zaubert dem geneigten Zuschauer das eine oder andere fette Grinsen während der Sichtung ins Gesicht.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ARMED AND DANGEROUS (USA 1986, Regie: Mark L. Lester)

armed and dangerous

(Fassung: DVD, Sony, Großbritannien)

Zwischen Kultfilmen wie CLASS OF 1984, COMMANDO und EXTREME JUSTICE, die ja allesamt eher etwas heftigere Kost zu bieten hatten, drehte Regisseur Mark L. Lester diese kleine Action-Komödie mit John Candy und Eugene Levy in den Hauptrollen. Candy spielt einen gescheiterten Polizisten, Levy einen ebenfalls gescheiterten Rechtsanwalt. Die beiden Protagonisten lernen sich in ARMED AND DANGEROUS bei einer Security-Firma kennen, bei der sie untergekommen sind, sorgen zunächst für viel Chaos, kommen schließlich einer waschechten Verschwörung auf die Spur und retten am Ende natürlich den Tag.

ARMED AND DANGEROUS erinnert vom Ansatz zunächst stark an die in den 80er Jahren ausgesprochen beliebte und erfolgreiche POLICE ACADEMY-Reihe – ein ganzer Haufen von chaotischen Typen, die alle einen Job ausüben möchten, für den sie offensichtlich nicht geeignet sind, werden nach lustigen Trainingssequenzen auf die Menschheit losgelassen -, die, als Lesters Film startete, bereits 3 Filme umfasste, wendet sich dann aber sehr schnell seinen beiden Protagonisten und der aufzudeckenden Verschwörung zu und erinnert im weiteren Verlauf dann doch eher an ein Buddy-Movie. Lester inszeniert seinen Film unheimlich rasant, hat einige verdammt witzige Sequenzen zu bieten, bemüht sich so gut es eben geht um Spannung und beendet seine gut 80 Minuten dauernde Geschichte schließlich in einer äußert hübsch anzusehenden Verfolgungsjagd. Das größte Plus des Films ist jedoch seine grandiose Besetzung. Neben den beiden Stars und Meg Ryan, die so etwas wie die weibliche Hauptrolle abbekommen hat, geben sich bis in die kleinsten Nebenrollen aus unzähligen (Genre-)Produktionen bekannte Gesichter die sprichwörtliche Klinke in die Hand. U.a. sind Robert Loggia, Brion James, Don Stroud, Steve Railsback, Tony Burton und Tommy ‚Tiny‘ Lister mit von der Partie (um nur mal ein paar Namen zu nennen) und in einer Mini-Sequenz habe ich sogar den großartigen David Hess entdecken können. ARMED AND DANGEROUS ist schon allein aufgrund seiner Besetzung unbedingt sehenswert und sei hiermit jedem 80er-Jahre-Afficionado zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

KNOCK KNOCK (Chile / USA 2015, Regie: Eli Roth)

knock knock

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Keanu Reeves spielt den Architekten Evan, der eigentlich ein Wochenende mit seiner Familie am Strand verbringen sollte, wegen dringend zu erledigender Arbeiten aber stattdessen alleine zuhause geblieben ist – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als zwei junge und vollkommen durchnässte Frauen (Lorenza Izzo und Ana de Armas) vor seiner Tür stehen und um Hilfe bitten. Evan lässt sie herein und begeht damit den Fehler seines Lebens. Von der Exaltiertheit und Freizügigkeit seiner beiden Gäste komplett überfordert, lässt er sich auf ein sexuelles Abenteuer ein und erwacht schließlich in einem Albtraum…

Mal wieder ein Beispiel des allseits beliebten Terror- bzw. Home-Invasion-Films, nur dass Regisseur Eli Roth, der auch am Drehbuch mitarbeitete, die Genrekonventionen mit KNOCK KNOCK umkehrt und komplett auf den Kopf stellt. Sind die Eindringline normalerweise männlichen Geschlechts und die Opfer in solchen Filmen vornehmlich weiblich, ist es hier ein scheinbar starker Mann, der gegen die Waffen des vermeintlich schwächeren Geschlechts einfach nicht ankommen mag. Als Zuschauer möchte man dem von Reeves gespielten Evan regelrecht zurufen, dass er sich doch endlich mal effektiv zur Wehr setzen solle, muss aber hilflos mit ansehen, wie dieser gegen seine immer mehr in den Wahnsinn abzudriften scheinenden Gegnerinnen einfach keinerlei Chance zur Gegenwehr bekommt.

Warum dieser in meinen Augen ungemein spannende und als Terror- bzw. Horrorfilm auch verdammt effektive Film beim Publikum komplett durchgefallen zu sein scheint – in der IMDB kommt KNOCK KNOCK momentan auf eine durchschnittliche Punktzahl von gerade mal 4.9/10 – mag sich mir nicht wirklich ergründen. Vielleicht war KNOCK KNOCK seinem Zielpublikum ja einfach zu unangenehm. Unbeschwerte Unterhaltung sieht definitiv anders aus, aber das war ja noch nie die Sache von Eli Roth. Und das ist auch gut so.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Mad Max: Fury Road / Non-Stop / Entourage: Season 8 / A Free Soul / Wall Street: Money Never Sleeps / Miami Vice: Season 5 / Verbrechen nach Schulschluss / Begin Again / Haywire

Filme und TV-Serien im Mai 2015 – Teil 3

Der letzte Sammeleintrag zu den in Mai gesehenen Filmen und TV-Serien:

MAD MAX: FURY ROAD (Australien/USA 2015, Regie: George Miller)

mad max fury road

(Fassung: Originalversion, 2D, Central Kino, Hof)

Ich gehe, weil ich mir schon seit Jahren Filme ausschließlich im Originalton anschaue, in Deutschland praktisch nicht mehr ins Kino. Wenn dann sogar hier im beschaulichen Hof alle heilige Zeiten mal ein Film im Originalton gezeigt wird und man das große Glück hat, dass es sich dabei auch noch um MAD MAX: FURY ROAD handelt, muss man das natürlich ausnützen. Zwar nur in 2D und auf einer der kleineren Leinwände, aber immerhin.
Nach knapp 30 Jahren schickt Regisseur George Miller seine Titelfigur, die hier von Tom Hardy gespielt wird, wieder auf eine irrsinnige Reise durch die postapokalyptische Welt. Wobei die Hauptfigur hier nicht komplett im Zentrum des Geschehens steht, es geht in erster Linie um die von Charlize Theron gespielte Furiosa, welche die fünf Frauen eines grausamen Warlords (Hugh Keays-Byrne) befreit hat und sich nun auf der Flucht ins gelobte Land befindet, den Warlord und unzählige seiner Schergen im Schlepptau. Max selbst gerät eher zufällig in dieses ganze Schlamassel, hilft aber natürlich, am Ende doch den Tag zu retten.
Das relativ simple Jagd/Flucht-Szenario inszeniert George Miller in einer Art und Weise, als ob es kein Morgen mehr gäbe. MAD MAX: FURY ROAD ist schlichtweg atemberaubend, drückt einen regelrecht in den Kinosessel und lässt einen die Augen überlaufen. Was Miller hier in einer perfekten Mischung aus handgemachten und computergenerierten Effekten auf die Leinwand gezaubert hat, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Mich persönlich hat MAD MAX: FURY ROAD komplett überrollt und platt gewalzt. Ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten Jahren einen visuell so ausgereiften und beeindruckenden Blockbuster gesehen zu haben wie diesen hier. Allein diese Sandsturmsequenz – der pure Wahnsinn. Ich kann meine Begeisterung nur schwer in Worte fassen und möchte einfach nur jedem, der ein Faible für Actionfilme hat, anraten, sich diesen Film im Kino anzusehen. Es ist der Hammer, der pure Wahnsinn.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk /potentieller Lieblingsfilm!

NON-STOP (Frankreich/Großbritannien/USA 2014, Regie: Jaume Collet-Serra)

non-stop

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Liam Neeson hat sich ja in den letzten Jahren zu einem echten Actionhelden auf der Leinwand entwickelt. In NON-STOP spielt er einen Air Marshall, der während eines Langstreckenfluges von einem Unbekannten erpresst wird. Dieser fordert die stolze Summe von $ 150 Mio. und droht damit, alle 20 Minuten ein Menschenleben innerhalb des Flugzeugs zu opfern, wenn das Geld nicht überwiesen wird…
Man muss sich schon vollkommen auf den teils obskur konstruierten Plotverlauf einlassen können, um mit NON-STOP seinen Spaß zu haben. Teilweise ist das, was Regisseur Jaume Collet-Serra seinen Zuschauern bietet, doch etwas arg abenteuerlich ausgefallen. Und auch über die extrem klischeehaft gezeichneten Charaktere sollte man wohlwollend hinwegsehen können. Gelingt dies, kann man sich von NON-STOP ziemlich gut unterhalten lassen. Der Film ist, so klischeehaft und konstruiert er auch sein und wirken mag, über weite Strecken tatsächlich verdammt spannend ausgefallen und vergeht – dem Thema des Films angemessen – sprichwörtlich “wie im Flug“.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ENTOURAGE: SEASON 8 (USA 2011, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

In der achten und letzten Staffel von ENTOURAGE richtet sich der Fokus mehr und mehr auf die titelgebende Gefolgschaft von Vincent Chase (Adrian Grenier), von denen sich letztendlich jeder ein eigenes Standbein aufbauen kann. Und es geht um den von Jeremy Piven gespielten Ari Gold, der sich praktisch am Abgrund befindet und alles versucht, um seine Ehe zu retten…
Serienschöpfer Doug Ellin bringt ENTOURAGE in leider nur acht Episoden, die mal wieder wie im Flug vergangen sind, zu einem ausgesprochen schönen Ende. Als Zuschauer kann man sich insbesondere von dieser letzten Staffel ganz wunderbar treiben lassen und hat diese acht Folgen auch Zeit, sich auf den Abschied von die liebgewonnen Charakteren und ihren ganzen Macken, Schwächen und Stärken vorzubereiten. Es ist nur konsequent, dass die letzte Szene der Serie – nach dem Abspann – Jeremy Piven und seinem Ari Gold gehört. Er war der heimliche Star von ENTOURAGE, ich bin mir nicht sicher, ob die Serie ohne ihn auch so extrem gut funktioniert hätte.
Was Doug Ellin, seine Crew und seine Schauspieler mit ENTOURAGE erschaffen haben war definitiv überlebensgroßes Fernsehen. Eine der besten Serien, die ich persönlich je gesehen habe. Umso schöner, dass in Kürze der Kinofilm zur Serie anlaufen wird. So war diese letzte Episode glücklicherweise kein Abschied für immer.

A FREE SOUL (USA 1931, Regie: Clarence Brown)

a free soul

(Fassung: DVD, Warner, USA)

In A FREE SOUL geht es um Jan Ashe (Norma Shearer), eine junge und selbstbewusste Frau, die sich von niemandem etwas vorschreiben lassen will. Durch ihren Vater (Lionel Barrymore), einen alkoholkranken Anwalt, lernt sie den Gangster Ace Wilfong (Clark Gable) kennen – es entwickelt sich eine Liaison, die letztendlich in einer Katastrophe endet…
Mal wieder ein Film aus der Ära vor dem Production-Code, der Filmemacher in den USA wenige Jahre später in ihren Möglichkeiten stark beschränken sollte. Wie so viele andere Beispiele aus dieser Zeit überzeugt A FREE SOUL vor allem durch die erfreulich moderne und emanzipierte Zeichnung der weiblichen Hauptrolle. Die von Norma Shearer einfach nur famos gespielte Jan Ashe weiß genau, was sie will und ist nicht bereit, großartige Kompromisse einzugehen. Das müssen sowohl ihr Vater und ihr Freund (Leslie Howard), dessen Heiratsantrag sie ausschlägt, als auch der Gangster Ace, der glaubt, hier eine gehorsame Gespielin erobert zu haben, auf teils drastische Art und Weise erkennen.
Die für einen solchen Film relativ üppige Laufzeit von knapp über 90 Minuten (normalerweise wurde Geschichten dieser Art Anfang der 30er Jahre in maximal 75-80 Minuten erzählt) vergeht wie im Flug und es ist mir persönlich immer wieder eine Freude, mir Produktionen aus dieser Zeit anzusehen und mich von ihrer Frische, ihrem Mut und ihrem Tempo einnehmen zu lassen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS (USA 2010, Regie: Oliver Stone)

wall street money never sleeps

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

23 Jahre nach WALL STREET hat Regisseur Oliver Stone – wohl auch als Reaktion auf die Entwicklungen innerhalb der Finanzmärkte in den Jahren zuvor – diese Fortsetzung gedreht, in der Shia LaBeouf den jungen Investmentbanker Jake Moore spielt, der mit der Tochter (Carey Mulligan) von dem mittlerweile wieder aus dem Gefängnis entlassenen Gordon Gecko (Michael Douglas) liiert ist und der Geckos Manipulationskünsten zum Opfer fällt, da dieser hofft, über Moore wieder Kontakt zu seiner Tochter bekommen zu können.
WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS sieht toll aus, ist großartig besetzt und überzeugend gespielt – Michael Douglas ist erneut über jeden Zweifel erhaben, Eli Wallach ist in seiner letzten Rolle zu sehen, Josh Brolin gibt einen herrlich schmierigen Fiesling und dem Gastauftritt von Charlie Sheen als Bud Fox kann man ein gewisses Gänsehautpotential sicher auch nicht absprechen -, so wirklich gepackt hat mich diese Fortsetzung allerdings nicht. WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS fehlt einfach der Biss des Vorgängers, die Faszination, die dieser auf mich als Zuschauer ausgeübt hat, ist hier nur in ganz wenigen Momenten vorhanden. Ein schlechter Film ist diese Fortsetzung natürlich trotzdem, aber halt auch kein wirklich guter.

Persönliche Bewertung: Ok!

MIAMI VICE: SEASON 5 (USA 1988-1989; Idee: Anthony Yerkovich)

miami vice

(Fassung: DVD, Universal, USA)

Die letzten 21 Episoden der Kultserie aus den 80er Jahren. Und ja, wenn diese allerletzte, spielfilmlange Episode der Serie langsam auf ihr Ende zusteuert und kurz vor und auch während des Abspanns diverse Szenen zurückliegender Episoden und Staffeln eingeblendet werden, macht sich schon so etwas wie Wehmut breit und man mag es gar nicht so richtig glauben, dass es nun keine neuen Fälle vor Crockett und Tubbs mehr zu bearbeiten geben soll. Aber diese Wehmut darf – nüchtern betrachtet – natürlich auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ende von MIAMI VICE zwingend erforderlich gewesen ist, um die Serie positiv im Gedächtnis behalten zu können. In dieser fünften Staffel, das merkt man überdeutlich, ist die Luft einfach raus. Es gibt zwar keine qualitativen Ausreißer mehr nach unten (wie in der Staffel zuvor), die einzelnen Folgen sind aber bestenfalls als solide und gut zu bezeichnen, auf echte Highlights wartet man vergebens und die Tatsache, dass in sehr vielen Episoden einzelne Hauptpersonen überhaupt nicht oder nur kurz auftauchen – vor allem Don Johnson macht sich verdammt rar in dieser Staffel – hat sich auch nicht unbedingt positiv auf das Seherlebnis ausgewirkt. Und dann ist auch noch der Start in die Staffel – mit dem Auflösen des Cliffhangers aus Season Nr. 4 und der Amnesie von Crockett – komplett misslungen. Hanebüchener kann man einen Plot gar nicht entwickeln. Es ist etwas schade, dass MIAMI VICE in den letzten beiden Staffeln so extrem abgebaut hat. So bleiben die ersten drei Staffeln als ganz vorzüglich und großartig, die letzten beiden Staffeln als solide und durchwachsen und die komplette Serie in der Gesamtbetrachtung als sehr gut in Erinnerung.

VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (Deutschland 1959, Regie: Alfred Vohrer)

verbrechen nach schulschluss

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Mischung aus Juvenile-Delinquent-Drama und Kriminalfilm aus deutschen Landen. Regisseur Alfred Vohrer zeichnet ein lebhaftes Bild des jungen Rebellen Fabian König (Christian Wolff), der wegen einer Nichtigkeit von der Schule fliegt, anschließend eine kriminelle Jugendbande gründet und schließlich zwischen zwei Frauen gerät, was ihm zum Verhängnis werden soll. Ich hatte – insbesondere aufgrund des Erscheinungsjahres – erwartet, dass VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS in der Tradition der diversen “scare movies“ aus den USA stehen dürfte, Filme, die gesellschaftliche Missstände (insbesondere innerhalb jugendlicher Subkulturen) mit erhobenem Zeigefinger anprangern und pflegen, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Zwar gibt es auch in VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS die einfache Botschaft, dass sich Verbrechen am Ende doch nicht auszahlen, den erhobenen Zeigefinger lässt Vohrer jedoch weg. VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS wirkt rein gar nicht angestaubt oder altbacken, sondern ist vielmehr erstaunlich unbeschwert, spannend, wendungsreich und in gewisser Weise auch rasant inszeniert und bietet so herrlich kurzweilige Genreunterhaltung. Und diese (Party-)Szenen, die die Jugendlichen unter sich zeigen, sind so toll inszeniert, dass man sich am liebsten in den Film hineinbeamen möchte, nur, um sich in eine Ecke zu setzen und die diversen Protagonisten zu beobachten.

Persönliche Bewertung: Gut!

BEGIN AGAIN (USA 2013, Regie: John Carney)

begin again

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg seines Low-Budgets-Werks ONCE (den ich mir Anfang des Monats angesehen hatte) verschlug es den irischen Regisseur John Carney in die USA, wo er BEGIN AGAIN drehen durfte. Einen Film mit deutlich höherem Budget, zwei namhaften Hauptdarstellern (Keira Knightley und Mark Ruffalo) und New York als heimlichen Star.
Carney bleibt auch in BEGIN AGAIN dem Thema Musik treu. Der Film dreht sich um einen verzweifelten Musikagenten (Ruffalo), der auf der Suche nach einem neuen Star eher zufällig auf die Sängerin und Songwriterin Gretta (Knightley) trifft und versucht, dieser einen Plattenvertrag zu verschaffen. Doch sein Plattenlabel, bei dem er kurz vorher die Segel geschmissen hatte, hat kein Interesse an einer Verpflichtung und aus Geldmangel entsteht die aberwitzige Idee, eine Demo-CD nicht in einem Studio, sondern an verschiedenen Orten New Yorks aufzunehmen, mit dem Sound der Stadt im Hintergrund.
BEGIN AGAIN ist einer dieser Filme, die man wohl einfach nur als schön bezeichnen kann. Die Chemie zwischen Ruffalo und Knightley stimmt, die Guerilla-Aufnahmesessions in den Straßen von New Yorks verursachen Gänsehaut und der bei einem Film wie diesen fast zwangsweise vorhandene Kitschfaktor wird dabei glücklicherweise relativ niedrig gehalten. Sehr schön auch zu sehen, dass der Plot – was die “Beziehung“ der beiden Hauptfiguren angeht – eben nicht diese typischen Verlauf nimmt. In 99 von 100 ähnlichen Filmen würden die Sängerin und der Produzent am Ende des Tages als Liebespaar in den Abspann entlassen werden und sich der ganze Film darauf konzentrieren, dass sich zwischen den beiden Protagonisten eine Liebesbeziehung entwickelt. Carney konzentriert sich stattdessen auf die Musik und legt BEGIN AGAIN als Liebeserklärung an die Alternative- & Indieszene an und hat ganz nebenbei noch einen der schönsten New-York-Filme der letzten Jahre gedreht. Der “deutsche“ Titel von BEGIN AGAIN stellt die Fragen “Can a Song Save Your Life?“ – nach Sichtung von BEGIN AGAIN darf man diese gerne mit Ja beantworten.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

HAYWIRE (Irland/USA 2011, Regie: Steven Soderbergh)

haywire

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

HAYWIRE oder: Action Goes Arthouse. Regisseur Steven Soderbergh, der nun wahrlich nicht als Spezialist in Sachen Actionkino bekannt ist, schnappt sich mit Gina Carano eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin für die Hauptrolle und lässt diese in einem typischen Racheplot mit Jagd/Flucht-Szenario auf Stars wie Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Channing Tatum, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz und Bill Paxton treffen (wobei jetzt nicht alle der vorgenannten Schauspieler im Filme auf der Seite der Bösen stehen). Seinen eigentlich relativ simplen Plot erzählt Soderbergh verschachtelt, in Rückblenden und teils atemberaubend schönen Bildern. Die Kampfchoreographien sind exzellent und die Kampf- und Actionszenen kommen immer wieder unerwartet aus dem Nichts und zeichnen sich nicht durch übertriebenen Schnickschnack sondern eher durch staubtrockene Härte aus. Von den zahlreichen Fights ist insbesondere der am Strand im letzten Drittel des Films hervorzuheben, der einfach nur wunderschön in Szene gesetzt ist.
HAYWIRE ist auf seine Art und Weise schon ziemlich toll, aber irgendwie wurde ich während der Sichtung das Gefühl nicht los, dass diesem Film doch irgendetwas fehlt. Ich kann es nicht wirklich beschreiben, aber so richtig begeistert hat mich Soderberghs Ausflug ins Actiongenre dann doch nicht. Kann mir aber gut vorstellen, dass HAYWIRE das Potential hat, nach weiteren Sichtungen noch zu wachsen.

Persönliche Bewertung: Gut!