Shocktober 2015 – Second Batch

FRIGHT NIGHT (USA 2011, Regie: Craig Gillespie)

fright night

(Fassung: Blu-ray, Touchstone, Deutschland)

Mit FRIGHT NIGHT hat Regisseur Craig Gillespie eine Neuinterpretation des gleichnamigen Klassikers aus dem Jahr 1985 gedreht, die zumindest so gut gelungen ist, dass sich Fans des Originals nicht vor Wut die Haare raufen müssen. Positiv hervorzuheben ist vor allem die Tatsache, dass Craig Gillespie nicht penibel am Original klebt, sich im Endeffekt nur die wichtigsten Eckpunkte des Originals vorgeknöpft und diese zu etwas Neuem zusammengesetzt hat. Colin Farrell, der in der Rolle des Vampirs zu sehen ist, hat sichtlich Spaß an seinem Part und die Neuinterpretation der alten Roddy-McDowall-Rolle ist die absolute Schau. David Tennant als Vampirjäger Peter Vincent ist der heimliche Star dieses Films. FRIGHT NIGHT ist durchaus nett anzusehen, rasant erzählt und hat einen ziemlich hohen Unterhaltungswert. Aber er hat auch ein großes Manko, und das ist die technische Umsetzung. Die CGI-Effekte kann man – insbesondere für eine Kinoproduktion – fast nur noch als Frechheit bezeichnen und die 3D-Umsetzung des zu großen Teilen im Dunklen spielenden Films ist eine einzige Katastrophe. Die mir vorliegende Blu-ray war in der 3D-Version praktisch nicht ansehbar, das Bild war viel zu dunkel und zu unscharf, die Geschehnisse auf dem Bildschirm fast nicht zu erkennen und bereits nach gut 20 Minuten habe ich entnervt aufgegeben und den Film stattdessen in der 2D-Fassung weiter angeschaut.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

THE SHINING (Großbritannien/USA 1980, Regie: Stanley Kubrick)

the shining

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Kubricks geniale Verfilmung eines Romans von Stephen King (auch wenn der Autor anderer Ansicht war bzw. ist) ist einer dieser Filme, über die im Endeffekt eigentlich schon alles gesagt bzw. geschrieben wurde. Ein Film, dessen Status als zeitloser Klassiker absolut unbestritten sein dürfte. Ein Film, der ein ganzes Genre mit-definiert hat und der mit ein paar Handvoll weiteren Werken für immer im Olymp des Horrorgenres seinen Platz gefunden hat. THE SHINING hat im Jahr 1980 funktioniert, er funktioniert im Jahr 2015 noch immer und er wird wohl auch noch im Jahr 2050 funktionieren. Selbst wann man ihn wie ich schon mehrere Male gesehen hat und im Endeffekt genau weiß, was als nächstes passieren wird, zieht er einen in seinen Bann, lässt einen immer wieder erschaudern und verpasst eine Gänsehaut nach der anderen. Er ist der beste Beweis dafür, dass keine expliziten Gewaltorgien notwendig sind, um Horror so erschaffen. Kubrick löst das allein durch seine großartigen Schauspieler – Jack Nicholson in der Rolle des immer mehr in den Wahnsinn abdriftenden Schriftstellers ist schlichtweg genial -, durch kurze Andeutungen, durch eine unheimliche Stimmung und Atmosphäre und durch einen Score, in dem Musik- und Soundeffekte miteinander verschmelzen. THE SHINING ist einer der unheimlichsten Filme, die ich kenne und auch noch bei der x-ten Sichtung einfach nur spannend wie Sau!

Persönliche Bewertung: Meisterwerk/Lieblingsfilm!

VIDEODROME (Kanada 1983, Regie: David Cronenberg)

videodrome

(Fassung: Blu-ray (Director’s Cut), Koch Media, Österreich)

In VIDEODROME stößt Fernsehmacher Max Renn (James Woods) auf einen Piratensender, der mit seinem radikalen und ausschließlich auf Sex und Gewalt reduziertem Programm bei Renn große Begierden auslöst. Er will den titelgebenden Sender in sein Programm integrieren und versucht, die Macher von Videodrome aufzuspüren. Mit fatalen Folgen…

Cronenbergs VIDEODROME hat ja nun auch schon länger den Status des Kultfilms inne und gehört zu den unbestrittenen Klassikern des Genres. Wie Cronenberg hier Mensch und Technik, Realität und Fiktion, Normalität und Wahnsinn miteinander verschmelzen lässt ist einzigartig und heute noch genauso beunruhigend und verstörend, wie es vor etwas über 30 Jahren gewesen sein dürfte, als dieser kleine Bastard von einem Film das Licht der Leinwände erblickte und sein Publikum nachhaltig vor den Kopf gestoßen haben dürfte. Von einem Major-Studio wie Universal haben sich die Kinozuschauer damals sicher keinen Film wie VIDEODROME erwartet.

Für mich selbst war dies nun tatsächlich die allererste Sichtung dieses Kultklassikers. Manche Filme fallen dann doch irgendwie über all die Jahre hinweg durch die Maschen, man hat sie zwar immer auf dem Radar, kommt aber aus verschiedenen Gründen einfach nie dazu, sie sich endlich anzusehen. VIDEODROME gehörte dummerweise zu diesen Filmen und so sehr er mich doch begeistert hat, so sehr bereue ich es auch, ihn mir nicht schon viel früher angesehen zu haben, zu einem Zeitpunkt, wo ich noch nicht so viel Vorwissen hatte und mich Cronenbergs Film gänzlich unvorbereitet in andere Sphären hätte katapultieren können. Ne Zeitmaschine hat hier keiner zufällig zur Hand?

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

IL MOSTRO DI FIRENZE (Italien 1986, Regie: Cesare Ferrario)

il mostro di firenze

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Von 1968 bis 1985 trieb in Florenz ein Killer sein Unwesen, der insgesamt 8 Paare bei ihrem nächtlichen Stelldichein getötet und die Leichen danach verstümmelt hat. Endgültig aufgeklärt wurde diese Mordserie nie.

IL MOSTRO DI FIRENZE, der ein Jahr nach dem letzten Mord in die italienischen Kinos kam, nimmt sich dieser realen Mordserie an und verknüpft sie mit fiktiven Spekulationen über den Killer. Im Zentrum von Ferrarios Film steht ein Schriftsteller (Leonard Mann), der versucht, sich in den Killer (Gabriele Tinti) hineinzuversetzen und Thesen aufzustellen, weswegen dieser die Morde verübt.

Das Problem an IL MOSTRO DI FIRENZE ist, dass es ihm einfach zu keinem Zeitpunkt gelingt, so etwas wie Spannung zu erzeugen, weil diese Mischung aus historischen Fakten und ausgedachten Spekulationen einfach nicht funktionieren will.

In den in Rückblenden gezeigten Mordszenen kann keinerlei Spannung aufkommen, da diese ja nur die dem Film zugrundeliegenden Taten abbilden und somit zumindest die theoretische Möglichkeit, dass ein Opfer dem Killer entkommen könnte, gar nicht vorhanden ist. In den Szenen schließlich, die den Background des Killers beleuchten, verhält es sich genauso, da man ja weiß, dass diese nur ein Abbild der Thesen des von Leonard Mann gespielten Schriftstellers darstellen und nichts mit der realen Vorlage zum Film zu tun haben.

Das Resultat ist ein Film, der gänzlich ohne Spannung auskommen muss, nur ganz wenige, atmosphärisch dichte Sequenzen zu bieten hat (die Szene in der Oper ist bspw. ziemlich klasse) und den Zuschauer mit seiner extrem ruhigen und behäbigen Erzählweise über die komplette Laufzeit einiges an Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt.

Persönliche Bewertung: Naja!

HOLOCAUST 2000 (Großbritannien/Italien 1977, Regie: Alberto De Martino)

holocaust 2000

(Fassung: DVD, Lionsgate, USA)

In HOLOCAUST 2000 möchte sich Kirk Douglas als Großindustrieller Robert Caine ein Denkmal setzen und ein riesiges Kernkraftwerk errichten. Doch je mehr Caine das Bauvorhaben vorantreibt, desto mehr kommen ihm Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns und schon bald muss Caine erkennen, dass er drauf und dran ist, im wahrsten Sinne des Wortes das Werk des Teufels zu verrichten…

HOLOCAUST 2000 ist ein von den britischen Embassy Pictures co-produziertes Italo-Rip-Off diverser US-Okkult-Horror-Filme aus den 70er Jahren. Regisseur Alberto De Martino erzählt HOLOCAUST 2000 auf sehr ruhige und bedächtige Art und Weise, zieht langsam die Spannungsschraube an und kreiert von Minute zu Minute mehr eine Stimmung steten Unbehagens. Man könnte, wäre man böswillig, zwar durchaus behaupten, De Martino versuche, sein Publikum einzulullen, weil man bei näherer Betrachtung des Films doch feststellen muss, dass HOLOCAUST 2000 für einen Horrorfilm stellenweise etwas zu sehr vor sich hinplätschert. Bei mir persönlich hat das jedoch ganz vorzüglich funktioniert, was sicher auch daran liegen mag, dass ich einfach ein Faible für dieses Subgenre innerhalb des Horrorbereichs habe und mich allein aus diesem Grund gerne und bereitwillig von De Martino einlullen lasse. Denn in all der Ruhe, mit der die Geschichte erzählt wird, gibt es auch immer wieder heftige Eruptionen und fehlende Spannung oder fehlende Schauwerte kann man HOLOCAUST 2000 sicher nicht vorwerfen, als Beispiel sei hier nur mal die Helikoptersequenz genannt, die man einfach nur als “What the Fuck!?!“-Moment bezeichnen kann. Dann die Szenen in der Irrenanstalt, die einfach nur extrem creepy geraten sind und natürlich die surreale Albtraumsequenz in der Mitte des Films, die den inszenatorischen Höhepunkt von HOLOCAUST 2000 darstellt. Und das Ende des Films fand ich in all seiner ernüchternden Konsequenz einfach nur grandios.

Persönliche Bewertung: Gut!

CARRIE (USA 2013, Regie: Kimberly Peirce)

carrie

(Fassung: Blu-ray, MGM/20th Century Fox, Deutschland)

Das Original von Brian De Palma aus dem Jahr 1976 ist für mich persönlich nicht nur eine der besten Stephen-King-Verfilmungen, die je gedreht worden sind, sondern darüber hinaus auch einer dieser Horrorfilme, die wohl in jedem Horrorfilmkanon genannt werden müssen. Wenn ein Film, der einem persönlich besonders viel bedeutet, dann ein Remake spendiert bekommt, steht man diesem wohl von vornherein eher skeptisch gegenüber (wobei ich prinzipiell diese immer wieder neu aufkeimenden Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Remakes ziemlich überflüssig und langweilig finde). Und dann ist es umso schöner, festzustellen, dass diese Skepsis doch eigentlich relativ unbegründet gewesen ist.

Regisseurin Kimberly Peirce hat ihre Neuauflage von CARRIE zum einen sehr eng am Original angelegt, zum anderen aber auch überzeugend ins Hier und Heute übertragen. So kommt bspw. diese Diskrepanz zwischen den mobbenden Mitschülerinnen auf der einen Seite und der von ihrer fanatisch-religiösen Mutter unterdrückten Außenseiterin auf der anderen Seite – auch wegen des technischen Fortschritts, der sich in den letzten Jahrzehnten so zugetragen hat und eine ganz neue Dimension der Erniedrigung durch die Mitschülerinnen zulässt (Carrie wird währenddessen mit dem Smartphone gefilmt, das Video landet auf YouTube) – im Remake besonders krass zum Vorschein. Die Carrie aus dem Remake muss dann – auch wegen des erhöhten Schutzbedürfnisses durch ihre Mutter – tatsächlich noch etwas mehr vertragen als die Carrie aus dem Original. In diesem Zusammenhang finde ich auch die Besetzung der Hauptrolle mit Chloë Grace Moretz als ausgesprochen gelungen. Hier kam ja vermehrt Kritik auf, dass Moretz zu attraktiv und auch irgendwie zu tough für diese Rolle sei – letzteres wohl vor allem aufgrund ihres Parts in den beiden KICK ASS-Filmen -, in meinen Augen spielt sie diese neue Carrie absolut überzeugend und es ist gut so, dass sie – allein aufgrund der Tatsache, dass ihre Carrie einfach noch mehr zu ertragen hat als die Carrie von Sissy Spacek aus dem Original – in der Rolle nicht ganz so zerbrechlich und verschüchtert rüberkommt, da dies in der Neuauflage einfach nicht mehr glaubwürdig wäre. Und auch mit Julianne Moore als Carries Mutter haben die Macher einen echten Besetzungscoup gelandet. Mir würde keine Schauspielerin einfallen, die besser in die Fußstapfen von Piper Laurie hätte treten können als Julianne Moore.

Regisseurin Kimberley Pierce hat mit CARRIE auf jeden Fall verdammt viel verdammt richtig gemacht. De Palmas Original ist unantastbar, unerreichbar, über jeden Zweifel erhaben. Dieses Remake macht ihm keine Schande, ganz im Gegenteil.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

NIGHT OF THE COBRA WOMAN (Philippinen/USA 1972, Regie: Andrew Meyer)

night of the cobra woman

(Fassung: DVD, Scorpion Releasing, USA)

NIGHT OF THE COBRA WOMAN ist einer von Roger Cormans Exploitern, die der umtriebige Produzent Anfang der 70er Jahre reihenweise billig auf den Philippinen drehen ließ. Der Film dreht sich um die mysteriöse Lena Aruza (Marlene Clark), die einst von einer Cobra gebissen wurde, seitdem die ewige Jugend besitzt und mit der Schlange in einer Art symbiotischen Verhältnis lebt. Als die Cobra eines Tages getötet wird, fängt Lena an, zu altern und sich selbst in eine Schlange zu verwandeln…

Ich habe wirklich keine Ahnung, wer sich damals (und auch heute noch) die ganzen Storys für diese unzähligen Corman-Filme ausgedacht hat, aber in gewisser Weise hat der gute Mensch einen Orden verdient. NIGHT OF THE COBRA WOMAN ist in erster Linie ein Film der nicht nachvollziehbaren Handlungen und Entscheidungen. Der ganze Plot entwickelt sich von Anfang bis zum Ende ausschließlich aufgrund komplett hirnrissiger Taten, welche die diversen Figuren im Film begehen. In NIGHT OF THE COBRA WOMAN gibt es praktisch keine einzige erklärbare Vorgehensweise irgendeiner Figur und diese Selbstverständlichkeit, mit der die Figuren eine dumme Tat nach der anderen vollbringen, macht Meyers Film in gewisser Weise verdammt faszinierend und sympathisch. Auch dieser Film – so mies er objektiv betrachtet auch sein mag – ist ein wunderbares Beispiel für Cormans Talent, mir als Zuschauer die hanebüchensten Absurditäten auf eine Art und Weise zu präsentieren, dass es mir praktisch unmöglich ist, den Film nicht zu mögen. Ich habe keine Ahnung, was es ist, aber Cormans Filme habe einfach dieses gewisse Etwas, das vielen anderen Filmen im Exploitation-Bereich einfach fehlt. Und Vic Diaz stolpert ständig als Buckliger mit vorstehendem Gebiss und mutiertem Auge durchs Bild. Wie soll man NIGHT OF THE COBRA WOMAN bitte nicht mögen können?

Persönliche Bewertung: Nett!

J.D.’S REVENGE (USA 1976, Regie: Arthur Marks)

j.d.'s revenge

(Fassung: DVD, MGM, USA)

In J.D.’S REVENGE fährt während eines Hypnoseakts der Geist des vor 30 Jahren ermordeten Gangsters J.D. Walker (David McKnight) in den Körper des Studenten Ike (Glynn Turman), übernimmt nach und nach die Kontrolle über den Wirtskörper und versucht so, den damals an ihn und seiner Schwester (Alice Jubert) verübten Mord zu rächen…

Ein Horrorthriller im Blaxploitation-Gewand, souverän inszeniert von Regisseur Arthur Marks, einem meiner persönlichen Lieblingsregisseure im Genrefilmbereich, hat er doch – soweit ich sie bisher gesehen habe – ausschließlich gute bis sehr gute Filme gedreht. Auch J.D.’S REVENGE ist da keine Ausnahme. Marks kommt ohne großes Vorgeplänkel relativ schnell zur Sache, erzählt seine Besessenen-Story auf rasante und spannende Art und Weise, verwöhnt sein Zielpublikum mit einer Vielzahl an Schauwerten und erschafft durch diverse Rückblenden sowie Visions- und Albtraum-Sequenzen immer wieder eine unheimliche Atmosphäre. Kein Meisterwerk, aber grundsolide und extrem kurzweilige Genreunterhaltung. Ich mochte den Film.

Persönliche Bewertung: Gut!

Filme und Serien im Juni 2015 – Teil 1

THE CALL (USA 2013, Regie: Brad Anderson)

the call

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Halle Berry spielt Jordan Turner, eine Telefonistin in der Notrufzentrale in Los Angeles, die einst aufgrund einer falschen Entscheidung ein junges Mädchen einem Killer auslieferte. Nun, ein halbes Jahr später, wird erneut ein junges Mädchen (Abigail Breslin) entführt und Jordan setzt alles daran, das Leben des Teenagers zu retten…

Regisseur Brad Anderson hat mit THE CALL einen kleinen und ziemlich feinen Thriller hingelegt. Natürlich gibt es Klischees zuhauf (insbesondere natürlich die Zeichnung, der Background und das “Motiv“ des Killers, aber natürlich auch die Tatsache, dass die von Berry gespielte Jordan ihre zweite Chance bekommt und so ihre Katharsis erfährt) und auch die eine oder andere Entscheidung der handelnden Personen scheint nicht immer logisch zu sein, aber letztendlich sind diese Klischees und diese falschen Entscheidungen der Pro- und Antagonisten ja auch erforderlich, damit die Handlung des Films möglichst spannend und spektakulär  entwickelt werden kann. Wer sich als Zuschauer einfach fallen und von Regisseur Brad Anderson gefangen nehmen lässt, wird mit einem zeitweise sauspannenden und extrem kurzweiligen Thriller belohnt. THE CALL erfindet das Rad definitiv nicht neu, aber er unterhält ganz vorzüglich und ist für Fans des Genres sicher einen Blick wert.

Persönliche Bewertung: Gut!

THAT GUY DICK MILLER (USA 2014, Regie: Elijah Drenner)

that guy dick miller

(Fassung: DVD, Indiecan Entertainment, USA)

Es gibt ja diese typischen Nebendarsteller, deren Gesichter man zwar aus unzähligen Filmen und TV-Serien kennt, deren Namen den meisten Zuschauern allerdings unbekannt bleiben. Dick Miller ist der Inbegriff eines solchen Darstellers. Zwischen 1955 und 2014 hat der mittlerweile 86 Jahre alte Schauspieler in immerhin 175 Filmen und TV-Serien mitgewirkt und jeder, der sich für Filme interessiert, sollte sein Gesicht kennen. Er war bspw. der Waffenhändler, der von Arnold Schwarzenegger in THE TERMINATOR niedergeschossen wird, er hat in wohl jedem Film von Regisseur Joe Dante (z.B. GREMLINS, THE ‘BURBS und EXPLORERS) mitgespielt und er hat – insbesondere in den 60er und 70er Jahren – unzählige Filme für Roger Corman gedreht. Das besondere an Dick Miller war dabei immer, dass er jeder Rolle – so klein sie auch gewesen ist – in gewisser Weise seinen Stempel aufgedrückt hat. Gerade Freunde des Genrefilms freuen sich immer wieder, wenn sie ihn in einem Film entdecken.

Regisseur Elijah Drenner, der bereits die sehr sehenswerte Dokumentation AMERICAN GRINDHOUSE gedreht hat und außerdem ein vielbeschäftigter Mann ist, wenn es um Kurzdokumentationen zu Exploitationfilmen anhand bevorstehender Heimkinoveröffentlichungen geht, hat Dick Miller nun mit THAT GUY DICK MILLER ein kleines Denkmal gesetzt. Der Zuschauer bekommt einen Einblick in die lange Karriere des sympathischen Schauspielers, es gibt viel Archivmaterial – auch eine Menge private Aufnahmen – zu sehen und Weggefährten wie Joe Dante, Roger Corman, Allan Arkush, Jonathan Kaplan und Mary Woronov plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen die eine oder andere hörenswerte Anekdote. Neben dem Portrait eines Schauspielers ist THAT GUY DICK MILLER aber auch gleichzeitig ein interessanter und nostalgischer Blick zurück auf die B-Movies aus der Corman-Schmiede und für den Exploitationfan auch als eine Art Filmführer bestens geeignet. Da gibt es schon so einige Ausschnitte aus mir bisher unbekannten Filmen zu sehen, die man nach Sichtung dieser Doku gerne entdecken möchte.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

GLI INTOCCABILI (Italien 1969, Regie: Giuliano Montaldo)

gli intoccabili

(Fassung: Blu-ray, Blue Underground, USA)

In GLI INTOCCABILI geht es um Hank McCain (großartig: John Cassavetes), der ohne es zu wissen zum Spielball des Mafioso Charlie Adamo (Peter Falk) wird. Adamo versuchte sich in ein Casino einzukaufen, jedoch ohne Erfolg, und nun soll McCain dieses Casino für ihn ausrauben. Als Adamo jedoch erfährt, dass einer der Casinoeigner ausgerechnet sein Boss Don DeMarco (Gabriele Ferzetti) ist, muss er alles daran setzen, McCain, der fest davon überzeugt ist, auf eigene Rechnung zu handeln, aufzuhalten. Doch das gestaltet sich ausgesprochen schwierig…

Regisseur Giuliano Montaldo präsentiert seinen Zuschauern eine schöne Mischung aus Gangsterfilm, Heist Movie und Thriller. GLI INTOCCABILI ist spannend und wendungsreich inszeniert, toll gespielt und bis in die kleinsten Nebenrollen mit (Genre-)Stars wie John Cassavetes, Britt Ekland, Peter Falk, Gabriele Ferzetti, Luigi Pistilli, Florinda Bolkan und Gena Rowlands hervorragend besetzt. Und dann diese einfach nur unwiderstehliche Atmosphäre, die GLI INTOCCABILI bereits innerhalb kürzester Zeit entwickelt und die einen als Zuschauer sofort packt und bis zum spektakulären Finale nicht mehr loslässt.

Persönliche Bewertung: Gut!

THE GIRLFRIEND EXPERIENCE (USA 2009, Regie: Steven Soderbergh)

the girlfriend experience

(Fassung: Blu-ray, Magnolia, USA)

In Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist auch der Job von Chelsea (Sasha Grey), einem Luxus-Call-Girl, nicht mehr krisensicher. Sie lebt zwar gemeinsam mit ihrem Freund Chris (Chris Santos) in einem luxuriösen Loft in Manhattan, muss sich aber ernsthafte Gedanken darüber machen, wie sie sich in Zukunft weiter vermarkten will. Zur wirtschaftlichen Krise gesellt sich auch noch eine Krise privater Natur, als Chelsea in einem potentiellen Kunden ihren Seelenverwandten gefunden zu haben scheint und Chris davon verständlicherweise nicht überaus begeistert ist…

Was durchaus als Vorlage für einen interessanten Plot gedient hätte, interessiert Regisseur Steven Soderbergh nur am Rande. Mit einem extrem schmalen Budget von gerade mal 1,7 Mio. Dollar innerhalb von 14 Tagen abgedreht und mit der – mittlerweile ehemaligen, zum damaligen Zeitpunkt noch aktiven – Pornodarstellerin Sasha Grey in der Hauptrolle durchaus radikal und eigenwillig besetzt, ist THE GIRLFRIEND EXPERIENCE mehr Arthouse-Experiment und weniger das Erzählen einer Geschichte. Soderbergh arbeitet viel mit Rückblenden, verschiedenen Handlungs- und Erzählebenen und verleiht jeder von diesen einen ganz eigenen Look. Storytechnisch hat THE GIRLFRIEND EXPERIENCE nicht sonderlich viel Substanz, aufgrund seiner eigenwilligen “Erzähl“weise und seiner noch eigenwilligeren Optik übt Soderberghs Low-Budget-Experiment aber dennoch einen ganz eigenen Reiz und eine ganz eigene Faszination aus.

Persönliche Bewertung: Gut!

JOHN WICK (USA 2014, Regie: Chad Stahelski)

john wick

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Meine Fresse, was für ein Brett! Keanu Reeves spielt den ehemaligen Profikiller John Wick, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, als der Sohn eines russischen Gangsterbosses nichts Besseres zu tun hat, als ihn zu überfallen, sein Auto zu stehlen und seinen Hund zu töten. Wick begibt sich auf einen Rachefeldzug, der in der jüngeren Kinovergangenheit seinesgleichen sucht und hinterlässt nicht viel mehr als Schutt und Asche.

Mit JOHN WICK hat Regisseur Chad Stahelski die vielleicht ultimative Hommage an das Actionkino der 80er Jahre gedreht. Hier gibt es ohne große Kompromisse voll eins auf die Zwölf, Stahelskis Film ist komplett humorbefreit, derbst brutal und mit einfach nur grandiosen Shoot-Out-, Fight- und sonstigen Action-Sequenzen gesegnet. Hier dürfte das Herz eines jeden Actionfans deutlich höher schlagen und es ist einfach schön zu sehen, dass ein Film wie dieser auch heutzutage noch für die große Leinwand gedreht werden kann. JOHN WICK würde auch im Double-Feature mit Filmen wie COMMANDO, COBRA, INVASION U.S.A. oder DEATH WISH 3 mehr als vorzüglich funktionieren und fast scheint es so, als habe dieser Film die letzten 30 Jahre irgendwo in einer Zeitkapsel verbracht und wurde erst jetzt durch Zufall entdeckt. Wenn doch auch die THE EXPENDABLES-Filme so oder so ähnlich ausgesehen hätten wie dieser Film hier…

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE GORGON (Großbritannien 1964, Regie: Terence Fisher)

the gorgon

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Wie am 11.06. bekannt wurde, verstarb am 07.06. in London Christopher Lee an Herzversagen, keine zwei Wochen nach seinem 93. Geburtstag. In Gedenken an diesen ebenso groß- wie einzigartigen Schauspieler musste ich mir einfach einen Film mit ihm ansehen. Die Wahl fiel auf THE GORGON, eine von Lees Hammer-Produktionen. Ein mir bisher unbekannter Film, in dem der unvergessliche – und durch seine Filme ja auch in gewisser Weise unsterbliche – Schauspieler einmal mehr gemeinsam mit Peter Cushing vor der Kamera stand.

In THE GORGON dreht sich alles um einen jungen Mann (Richard Pasco), der den mysteriösen Tod seines Vaters mit Hilfe des von Christopher Lee gespielten Prof. Meister aufklären will und dabei auf eine Wand des Schweigens stößt. Insbesondere der von Cushing gespielte Arzt der kleinen Stadt scheint etwas zu verbergen zu haben…

THE GORGON bietet grundsolide, routinierte und ausgesprochen schöne Gruselunterhaltung, welche sich im vorliegenden Fall der griechischen Medusa-Sage bedient, und ist angesiedelt in den typischen Settings (ich liebe diese spinnwebenverhangenen, alten Schlösser) der britischen Kultschmiede und ausgestattet mit dieser unnachahmlichen Atmosphäre, die so viele Filme der Hammer Studios auszeichnet. Undurchsichtige Machenschaften sorgen für kurzweilige Spannung und mit Cushing und Lee sind zwei absolute Großmeister ihres Fachs in den beiden Hauptrollen zu sehen (auch wenn der Part von Christopher Lee leider deutlich kleiner ausgefallen ist als der von Cushing). Wer Filme dieser Art zu schätzen weiß, dürfte auch an THE GORGON seinen Spaß haben, dessen bin ich mir sicher.

Persönliche Bewertung: Gut!

INVADERS FROM MARS (USA 1986, Regie: Tobe Hooper)

invaders from mars

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Hoopers Remake des gleichnamigen Science-Fiction- und Paranoia-Films aus den 50er Jahren passt ganz wunderbar in seine Entstehungszeit, machten in den 80er Jahren ja nicht gerade wenige Filme Furore, die Kinder und Jugendliche zu Hauptprotagonisten meist phantastischer Abenteuer machten.

In INVADERS FROM MARS muss der junge David (Hunter Carson) mit ansehen, wie alle Erwachsenen um ihn herum von außerirdischen Invasoren zu willenlosen Werkzeugen umfunktioniert werden. Mit Hilfe der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) wendet er sich an das Militär in Form des von James Karen gespielten General Wilson und versucht, so den Tag zu retten.

Und auch wenn INVADERS FROM MARS an die hohe Qualität manch ähnlicher (Sub-)Genrevertreter wie beispielsweise THE GOONIES, GREMLINS oder auch YOUNG SHERLOCK HOLMES vielleicht nicht ganz herankommen mag, so weiß Hoopers Film doch mit einer schwungvollen Mischung aus Action, Spannung und Humor zu überzeugen. Das Finale ist spektakulär und das von Stan Winston stammende Creature Design über jeden Zweifel erhaben.

Persönliche Bewertung: Gut!

MOONRISE KINGDOM (USA 2012, Regie: Wes Anderson)

moonrise kingdom

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Ein Waisenjunge (Jared Gilman) verlässt in einer Nacht- und Nebelaktion sein Pfadfindercamp, ein Mädchen (Kara Hayward) haut von zu Hause ab. Zusammen wollen sie in eine gemeinsame Zukunft flüchten, doch die Eltern des Mädchens (Bill Murray und Frances McDormand), der ortsansässige Polizist (Bruce Willis) sowie der Leiter des Camps (Edward Norton) und jede Menge Mitpfadfinder befinden sich bereits auf ihrer Fährte…

Die Filme von Regisseur Wes Anderson kann man entweder lieben oder hassen. Ein Zwischending ist eigentlich nicht möglich. Entweder man kommt mit dieser ganz besonderen Art klar, mit der Anderson seine Geschichten erzählt oder es dürfte problematisch werden, seine Filme gut zu finden. MOONRISE KINGDOM ist wieder ein typischer Anderson-Film und für mich als Fan des eigenwilligen Regisseurs bedeutete dies, dass ich gut 90 Minuten einen riesengroßen Spaß hatte. Ich liebe die Optik, die Andersons Filme auszeichnet, den trockenen und teils rabenschwarzen Humor, der sie durchzieht, die skurrilen und schrulligen Charaktere, die sie bevölkern und die einfach nur wunderschönen Geschichten, die von ihnen erzählt werden. Auch auf MOONRISE KINGDOM trifft all dies zu. Ein visuell beeindruckender, saukomischer, herrlich schräger und einfach nur richtig, richtig guter Film!

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

FIREFLY: SEASON 1 (USA 2002-2003, Idee: Joss Whedon)

firefly

(Fassung: DVD, 20th Century Fox, Deutschland)

In Nerdkreisen ist die Empörung darüber, dass FIREFLY nach nur 11 ausgestrahlten Folgen (von insgesamt 14 produzierten) wieder abgesetzt wurde, noch heute ziemlich groß. Irgendwie verständlich, denn FIREFLY hätte es durchaus verdient gehabt, eine echte Chance zu bekommen. Diese hatte die Serie jedoch niemals. Die Differenzen der ausstrahlenden Fox Studios und des Machers Joss Whedon waren einfach zu groß und so war das TV-Projekt FIREFLY praktisch von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Nicht nur, dass Fox lediglich 11 der 14 produzierten Folgen ausstrahlte, sie wurden auch noch in komplett chaotischer und sinnentstellender Reihenfolge gesendet (Höhepunkt des Chaos dürfte sicherlich die Tatsache sein, dass ausgerechnet die Pilotfolge, also der Einstieg in die Serie, von Fox als letztes ausgestrahlt wurde). Zwar verfügt jede Episode für sich über eine abgeschlossene Handlung, die sich im Laufe dieser ersten und einzigen Season jedoch aufbauende Rahmenhandlung und die Entwicklung der verschiedenen Charaktere wurde durch die chaotische Ausstrahlungsreihenfolge komplett torpediert und so ist es nicht verwunderlich, dass nur wenige Zuschauer einschalteten. Erst auf DVD, als alle 14 Folgen in der korrekten Reihenfolge veröffentlicht wurden, entwickelte sich FIREFLY zur Kultserie und ermöglichte es Whedon, im Jahr 2005 mit SERENITY einen Kinofilm zu drehen, mit dem er sein Objekt schließlich doch noch zu einem Ende bringen konnte.

Ich selbst habe FIREFLY erst jetzt zum ersten Mal gesehen (der Kinofilm folgt dann in ein paar Tagen) und muss sagen, dass ich die Empörung über das Absetzen der Serie zwar durchaus nachvollziehen kann, den extremen Hype, der um sie gemacht wurde, aber dann doch nicht ganz verstehe.

FIREFLY ist sicherlich innovativ und außergewöhnlich und die Idee, das Science-Fiction-Genre mit dem Genre des Westerns und auch mit dem Genre des Abenteuerfilms zu verbinden, halte ich für ausgesprochen gelungen. Was mir ein bisschen fehlt, ist die Nachhaltigkeit des Ganzen. Als wirklich herausragend hab ich beispielsweise keine einzige Episode empfunden, die Qualität der erzählten Geschichten schwankt zwischen solide, gut und sehr gut und für eine Serie, die erst Anfang dieses Jahrtausends produziert wurde, empfand ich FIREFLY als erstaunlich “dated“, was vielleicht auch an den – wohl aus Budgetgründen – nicht immer wirklich gut gelungenen Effekten liegen dürfte. Toll ist dagegen die Mischung aus teils ziemlich krudem Humor und durchaus heftigen Gewaltspitzen (nicht aufgrund der graphischen Darstellung, sondern aufgrund der Handlungen, die die Personen vollziehen). Nathan Fillion und Adam Baldwin rocken zudem – jeder auf seine eigene Art und Weise – ziemlich das Haus und Morena Baccarin ist “hot as hell“. Da war durchaus viel Potential vorhanden, welches sicherlich genutzt und weiterentwickelt hätte werden können.

Persönliche Bewertung: Gut!

WANTED DEAD OR ALIVE (USA 1987, Regie: Gary Sherman)

wanted dead or alive

(Fassung: DVD, Anchor Bay, USA)

Kopfgeldjäger Rutger Hauer soll Gene Simmons (ja, den Bassisten von KISS) zur Strecke bringen, der hier einen Terroristen aus Nahost zum Besten gibt. Schon bald wird die Angelegenheit persönlich…

Actionkino aus den 80er Jahren – die Rollen zwischen Gut und Böse sind klar verteilt und natürlich kann man Filmen wie diesen hier, die aufgrund ihrer Terrorismus-Thematik ja leider immer noch eine gewisse Aktualität aufweisen, den Vorwurf machen, ideologisch durchaus fragwürdig geraten zu sein. Kann man, muss man aber nicht. Man kann sich als Fan des 80er-Jahre-Kinos auch einfach nur von ihnen unterhalten lassen. Bei WANTED DEAD OR ALIVE fällt insbesondere auf, das weniger die Action, sondern mehr der Thrill im Vordergrund steht. Echte Actionszenen sind rar gesät und Regisseur Gary Sherman ist viel mehr am Spannungsaufbau und der Charakterisierung des von Rutger Hauer gespielten Protagonisten interessiert und das gelingt ihm auch richtig gut. WANTED DEAD OR ALIVE zeigt keinen Amoklauf eines schießwütigen Militaristen, sondern die penible Jagd eines desillusionierten Mannes, der eine persönliche Rechnung zu begleichen hat. WANTED DEAD OR ALIVE ist praktisch der Thriller unter den Actionfilmen aus den 80er Jahren und sei hiermit jedem Freund dieser Art von Kinos wärmstens empfohlen. Und das Ende des Bösewichts – “Fuck the bonus!“ – ist “priceless“!

Persönliche Bewertung: Gut!