Jahresendspurt – 4. Teil

NEEDFUL THINGS (USA 1993, Regie: Fraser Clarke Heston)

needful things

(Fassung: Blu-ray, EuroVideo, Deutschland)

 In einer verschlafenen Kleinstadt eröffnet ein neuer Laden, dessen Inhaber – der mysteriöse Leland Gaunt (Max von Sydow) – für die ganz speziellen Wünsche eines jeden Bewohners der Stadt genau das Richtige zu führen scheint. Doch das Erfüllen besonderer Wünsche hat auch seinen Preis…

Nach einem Roman von Stephen King erzählt Regisseur Fraser Clarke Heston in NEEDFUL THINGS die klassische Geschichte von Menschen, die sich – hier ohne es zu ahnen – auf einen Deal mit dem Teufel einlassen. Der von Max von Sydow grandios gespielte Beelzebub entwickelt eine diebische Freude dabei, negative Charaktereigenschaften der Bürger – wie Gier, Neid und Missgunst – für sich zu nutzen um sein Teufelswerk zu vollbringen und die verschlafene Stadt so ins absolute Chaos zu stürzen. NEEDFUL THINGS ist ebenso spannend wie rasant erzählt, überzeugt mit teils tiefschwarzem, bitterbösem Humor und gehört auch aufgrund seiner tollen Besetzung – neben Max von Sydow spielen u.a. Ed Harris, Bonnie Bedelia, Amanda Plummer, J.T. Walsh und Don S. Davis mit – definitiv zu den besten Stephen-King-Verfilmungen, die je das Licht einer großen Leinwand erblickt haben.

Bewertung: Gut!

 

THE DEVIL-DOLL (USA 1936, Regie: Tod Browning)

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(Fassung: DVD, Warner, USA)

Nach vielen Jahren Haft gelingt dem unschuldig verurteilten Pariser Bankier Paul Lavond (Lionel Barrymore) gemeinsam mit dem verrückten Wissenschaftler Marcel (Henry B. Walthall) die Flucht. In Marcels abgelegenem Haus findet er Unterschlupf und wird mit dessen Erfindung vertraut gemacht. Marcel hat ein Serum entwickelt, mit dem er Lebewesen auf Miniaturgröße verkleinern und diese sodann mit Gedankenkraft steuern kann. Regelrecht besessen davon, seine Forschungen weiterzuführen, erliegt Marcel nach den Strapazen der Flucht jedoch einem Herzinfarkt. Lavond begibt sich mit Marcels Witwe Malita (Rafaela Ottiano) daraufhin nach Paris, um sich Marcels Serum zu Nutzen zu machen und sich an all denen zu rächen, die ihn einst unschuldig ins Gefängnis brachten…

Ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie ungemein schnörkellos, effektiv und ökonomisch diese B-Movies aus den 30er Jahren – nicht nur innerhalb des Gruselfilms, sondern auch in vielen anderen Genres – inszeniert waren. In Laufzeiten zwischen 60 und knapp 90 Minuten wurden da mitunter durchaus komplexe Handlungen untergebracht und diese dann mit einer Rasanz erzählt, dass man als Zuschauer – auch heute noch – einfach nur große Anerkennung für die damaligen Filmemacher aufbringen kann.

Auch THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning, dessen Name übrigens nicht mal in den Credits auftaucht, macht da keine Ausnahme. Browning vermischt verschiedene Genreelemente (THE DEVIL-DOLL ist Gruselfilm, Science-Fiction, Thriller und Familiendrama) zu einem großen Ganzen, packt alles in eine Laufzeit von gerade mal 76 Minuten und lässt den Zuschauer praktisch keine Zeit zum Durchschnaufen. Es gibt keinerlei Leerlauf in der wendungsreichen Geschichte – deren Ende dann übrigens auch ein gutes Beispiel dafür ist, wie damalige Filmemacher versuchten, aus den streng auferlegten Regeln des Hays-Codes, doch noch das Beste rauszuholen – und ehe man sich versieht, ist THE DEVIL-DOLL leider auch schon wieder vorbei. Browning hat da einen schönen, stimmungsvollen Grusler gedreht, der auch heute noch funktioniert und dessen Effekte man – bedenkt man das Erscheinungsjahr – einfach nur als absoluten Hammer bezeichnen kann.

Bewertung: Gut!

 

RUNNER RUNNER (USA 2013, Regie: Brad Furman)

runner runner

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Um sein Studium an der renommierten Princeton-University zu finanzieren, verdient sich Justin Timberlake als Student Richie Furst als eine Art Buchmacher für Online-Glücksspiele eine goldene Nase. Als ihm jedoch von der Universitätsleitung der Riegel vorgeschoben wird, ist die Finanzierung seines Studiums in Gefahr. Mit Mut zum Risiko setzt er sein ganzes Geld beim Online-Poker ein und verliert schließlich alles. Davon überzeugt, betrogen worden zu sein, reist er schließlich nach Costa Rica um Ivan Block (Ben Affleck), den schwerreichen Betreiber der Seite, zur Rede zu stellen, erliegt dort jedoch den Verlockungen von Blocks Luxusleben und lässt sich auf gefährliche Machenschaften mit dem charismatischen Menschenfänger ein…

Regisseur Brad Furman inszeniert seinen Thriller auf extrem ruhige Art und Weise und scheint sich weniger auf seine Geschichte und seine Schauspieler, sondern mehr auf seine visuelle Ästhetik und die entspannt-chillige Atmosphäre seines Films zu verlassen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man RUNNER RUNNER überhaupt als Thriller bezeichnen kann, denn Furmans Film funktioniert tatsächlich weniger als Spannungskino im herkömmlichen Sinn, sondern praktisch ausschließlich aufgrund seiner ausgesprochen hübsch anzusehenden Bilder. So plätschert RUNNER RUNNER über gut 90 Minuten vor sich hin, lullt den Zuschauer von Minute zu Minute mehr ein und die einzige Spannung, für die er sorgt, ist die Entspannung, die sich bei mir mit zunehmender Laufzeit als Betrachter breitgemacht hat. Film als Hintergrundrauschen, zum Runterkommen nach einem stressigen Arbeitstag, zum Berieseln. Film an der Grenze zur absoluten Belanglosigkeit – aber immerhin nett anzusehen.

Bewertung: Ok!

 

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA (Deutschland 1970, Regie: Werner Jacobs)

was ist denn bloß - mit willi los grüß sie gott frau stirnima.

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Heinz Erhardt in einer seiner Paraderollen als gutmütiger Finanzbeamter Willi Winzig, der kurz vor seiner Pension gerne mal ein Auge zudrückt und dem kleinen Mann auf eigene Faust von seiner Steuerschuld betreibt. Als die Sache auffliegt, droht Willi einen Großteil seiner Pension zu verlieren. Sein Kollege und bester Freund Felix Klein (Ralf Wolter) hat die Lösung für das Problem: Willi solle doch einfach komplett verrücktspielen und sich so als unzurechnungsfähig erklären lassen. In all das Tohuwabohu gesellt sich außerdem noch Willis Nichte Helga (Stella Mooney), die von zuhause ausgerissen ist, bei Willi nun Unterschlupf sucht und ihre neugewonnene Freiheit dergestalt nutzt, dass sie sich immer wieder heimlich mit ihren großen Liebe, dem Musiker Frankie (Rex Gildo), zum gemeinsamen Stelldichein trifft…

WAS IST DENN BLOSS – MIT WILLI LOS? GRÜSS SIE GOTT FRAU STIRNIMA ist ein typisches Produkt seiner Zeit, unterhält den Zuschauer mit maximal harmlosen und ungemein sympathischen Episödchen, die sich am Ende zu einem großen Ganzen vermischen. Rex Gildo darf ein paar Songs zum Besten geben und Heinz Erhardt und Ralf Wolter spielen sich die Gags gegenseitig zu. Natürlich lockt Jacobs’ Film heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor und die Tatsache, dass ein Film wie dieser das Publikum einst in Scharen in die Kinos locken konnte, mag aus heutiger Sicht ziemlich verwundern. Dass ich während der Sichtung des Films aber an einigen Stellen auch heute noch ein fettes Grinsen im Gesicht hatte, mag ich beim besten Willen nicht abstreiten. Das Schauspiel und der Wortwitz von Heinz Erhardt kann man in meinen Augen guten Gewissens als zeitlos bezeichnen. Erhardt schafft es mit Leichtigkeit, auch die größten Kalauer in einer Art zu präsentieren, dass man als Zuschauer regelrecht zum Lachen gezwungen wird.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

TATORT: GRENZGÄNGER (Deutschland 1981, Regie: Ilse Hofmann)

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(Fassung: DVD, ARD Video, Deutschland)

In seinem zweiten Auftritt als Horst Schimanski gefährdet Götz George aufgrund leichtsinnigen Handelns das Leben seines Kollegen Hollai (Günther Maria Halmer), der undercover arbeitet und dessen Deckung nun aufzufliegen droht. Auf eigene Faust holt Schimanski seinen alten Kumpel Hollai aus dem Untergrund und sorgt somit dafür, dass dieser wieder im normalen Polizeidienst tätig sein kann/darf/muss. Doch bald schon bekommt Schimanski Zweifel an Hollais Integrität…

GRENZGÄNGER greift das klassische Motiv des Undercover-Cops auf, der den Verlockungen des Verbrechens nicht länger widerstehen zu können scheint. Georges zweiter Auftritt ist somit weniger ein klassischer Kriminalfall, sondern eher ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel, in dem auch noch genügend Zeit bleibt, die im ersten Fall begonnene Charakterisierung der beiden Hauptfiguren Schimanski und Thanner (Eberhard Feik) fortzuführen. Echte Spannungssequenzen sind in GRENZGÄNGER rat gesät, Regisseurin Hofmann verlässt sich voll und ganz auf ihre Hauptdarsteller und die sind es letztendlich dann auch, die dafür sorgen, dass auch der zweite Fall aus Duisburg zu einem der sehenswerten Krimis innerhalb der TATORT-Reihe gehört. George und Feik harmonieren als ungleiche Partner einfach ganz vorzüglich miteinander und schüren beim Zuschauer eine große Vorfreude auf all die anderen Fälle, welche die beiden noch zu lösen bekommen werden. Interessant fand ich bei GRENZGÄNGER auch die Darstellung des Handlungsortes. Duisburg wird im Vergleich zum Vorgänger DUISBURG-RUHRORT, in dem die Stadt einem halb verfallenen Moloch glich, deutlich positiver und freundlicher gezeichnet und kommt auf ihre eigene Art und Weise ausgesprochen sympathisch rüber. Und vom Soundtrack gibt es Songs von Marius Müller-Westernhagen, die ganz wunderbar zur Atmosphäre des Films passen.

Bewertung: Gut!

 

INVASION OF THE BODY SNATCHERS (USA 1978, Regie: Philip Kaufman)

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(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Bei meinen in umgedrehter Reihenfolge durchgeführten Sichtungen der Verfilmungen des Romans “The Body Snatchers“ von Jack Finney bin ich nun bei der zweiten Verfilmung angelangt, die Regisseur im Jahr 1978 realisiert hat. Hier ist es nun Donald Sutherland als Matthew Bennell, einem leitenden Angestellten des Gesundheitsamtes in San Francisco, der gemeinsam mit seiner Kollegin Elizabeth (Brooke Adams) der außerirdischen Invasion auf die Schliche kommt und mit allen Kräften versucht, diese zu verhindern.

Regisseur Philip Kaufman setzt verdammt viel auf die Karte “Stimmung und Atmosphäre“ und macht damit alles richtig. Das Grauen bricht langsam und ausweichlich über den Zuschauer herein und Kameramann Michael Chapman liefert entsprechend stimmungsvolle und furchterregende Bilder dazu ab. Diese Sequenz am Hafen beispielsweise, zu den Klängen von “Amazing Grace“, ist an Intensität kaum noch zu überbieten. Die Besetzung rund um Donald Sutherland – bestehend u.a. aus Brooke Adams, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright, Leonard Nimoy und Art Hindle – agiert hervorragend und so brennt auch auf schauspielerischer Seite nie etwas an. Und dann dieses für die 70er Jahre so typische Ende mit dieser letzten Einstellung von Donald Sutherland, die schon längst zum Kanon ikonischer Filmbilder gehören dürfte.

Ich bin nun schon auf die Ursprungsversion von Don Siegel – der hier übrigens einen Gastauftritt als Taxifahrer absolviert – gespannt, wage aber zu bezweifeln, dass Kaufmans Variante von Finneys Roman nochmals übertroffen werden kann.

Bewertung: Sehr gut!

 

DOCTOR X (USA 1932, Regie: Michael Curtiz)

doctor x

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Eine schreckliche Mordserie führt die Polizei direkt zum Forschungszentrum des Wissenschaftlers Dr. Xavier (Lionel Atwill). Entweder er oder einer seiner Forschungskollegen scheint für die Morde verantwortlich zu sein. Um nicht in die Schlagzeilen zu geraten, bittet Dr. Xavier die Beamten um etwas Aufschub. Er möchte selbst herausfinden, wer der Täter in seinen Reihen ist. Gleichzeitig hat der Reporter Lee Taylor (Lee Tracy) Wind davon bekommen, dass gegen Dr. Xavier ermittelt wird, und wittert eine große Story…

Ähnlich wie der ein paar Tage zuvor gesehene THE DEVIL-DOLL von Regisseur Tod Browning ist auch DOCTOR X von Michael Curtiz ein Paradebeispiel des B-Movie-Gruslers aus den 30er Jahren. Gefilmt mit einem frühen Technicolor-Verfahren ist die mir vorliegende Farbfassung von DOCTOR X in schaurig-schöne Farben getaucht, die dem Film – ebenso wie das Setting in den Labors von Dr. Xavier mit ihrem ganzen Technikkram und den brodelnden Reagenzgläsern – eine wunderbare Gruselatmosphäre verleiht. Aufgelockert wird die spannende Suche nach dem Täter immer wieder durch Lee Tracy in der Rolle des Reporters, der hier ganz eindeutig als “comic relief“ besetzt ist und immer wieder für einige Lacher sorgt. So präsentiert DOCTOR X über die komplette Laufzeit eine ganz wunderbare Mischung aus spannenden, unheimlichen und komischen Momenten und sei hiermit jedem, der mit Filmen dieser Art auch nur ansatzweise etwas anfangen kann, dringendst ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut!

 

WHEELS OF FIRE (Philippinen/USA 1985, Regie: Cirio H. Santiago)

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(Fassung: Blu-ray, Code Red, USA)

 Wenn es jemand drauf hat, gelungene Rip-Offs zuvor erfolgreicher Kinofilme zu drehen bzw. drehen zu lassen, dann ist es Roger Corman. In seinem Auftrag wurde im Jahr 1985 auf den Philippinen von Stamm-Regisseur Cirio H. Santiago WHEELS OF FIRE gedreht, ein Film, der in einer post-apokalyptischen Welt spielt und ganz eindeutig als Rip-Off von MAD MAX 2 zu erkennen ist. Und Regisseur Santiago “delivers the goods“, sein Film ist vollgepackt mit Schauwerten, legt ein irres Tempo vor und begeistert mit geilen Wüsten-Settings, verrückten Klamotten, spektakulären Verfolgungsjagden in umgebauten Boliden, Schießereien, Prügeleien und einer gehörigen Portion Sleaze. WHEELS OF FIRE ist definitiv nichts für Feingeister, nichts für das Arthouse-Publikum mit dem Rotweinglas in der Hand und auch nichts für Leute, die sich von einem Film eine zumindest halbwegs vernünftige Geschichte erwarten. Fans des Exploitation-Kinos dürften bei WHEELS OF FIRE jedoch schon fast Freudentränen in den Augen haben. Verdammt, ist das Teil geil!

Bewertung: Sehr gut!

Mad Max: Fury Road / Non-Stop / Entourage: Season 8 / A Free Soul / Wall Street: Money Never Sleeps / Miami Vice: Season 5 / Verbrechen nach Schulschluss / Begin Again / Haywire

Filme und TV-Serien im Mai 2015 – Teil 3

Der letzte Sammeleintrag zu den in Mai gesehenen Filmen und TV-Serien:

MAD MAX: FURY ROAD (Australien/USA 2015, Regie: George Miller)

mad max fury road

(Fassung: Originalversion, 2D, Central Kino, Hof)

Ich gehe, weil ich mir schon seit Jahren Filme ausschließlich im Originalton anschaue, in Deutschland praktisch nicht mehr ins Kino. Wenn dann sogar hier im beschaulichen Hof alle heilige Zeiten mal ein Film im Originalton gezeigt wird und man das große Glück hat, dass es sich dabei auch noch um MAD MAX: FURY ROAD handelt, muss man das natürlich ausnützen. Zwar nur in 2D und auf einer der kleineren Leinwände, aber immerhin.
Nach knapp 30 Jahren schickt Regisseur George Miller seine Titelfigur, die hier von Tom Hardy gespielt wird, wieder auf eine irrsinnige Reise durch die postapokalyptische Welt. Wobei die Hauptfigur hier nicht komplett im Zentrum des Geschehens steht, es geht in erster Linie um die von Charlize Theron gespielte Furiosa, welche die fünf Frauen eines grausamen Warlords (Hugh Keays-Byrne) befreit hat und sich nun auf der Flucht ins gelobte Land befindet, den Warlord und unzählige seiner Schergen im Schlepptau. Max selbst gerät eher zufällig in dieses ganze Schlamassel, hilft aber natürlich, am Ende doch den Tag zu retten.
Das relativ simple Jagd/Flucht-Szenario inszeniert George Miller in einer Art und Weise, als ob es kein Morgen mehr gäbe. MAD MAX: FURY ROAD ist schlichtweg atemberaubend, drückt einen regelrecht in den Kinosessel und lässt einen die Augen überlaufen. Was Miller hier in einer perfekten Mischung aus handgemachten und computergenerierten Effekten auf die Leinwand gezaubert hat, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Mich persönlich hat MAD MAX: FURY ROAD komplett überrollt und platt gewalzt. Ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten Jahren einen visuell so ausgereiften und beeindruckenden Blockbuster gesehen zu haben wie diesen hier. Allein diese Sandsturmsequenz – der pure Wahnsinn. Ich kann meine Begeisterung nur schwer in Worte fassen und möchte einfach nur jedem, der ein Faible für Actionfilme hat, anraten, sich diesen Film im Kino anzusehen. Es ist der Hammer, der pure Wahnsinn.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk /potentieller Lieblingsfilm!

NON-STOP (Frankreich/Großbritannien/USA 2014, Regie: Jaume Collet-Serra)

non-stop

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Liam Neeson hat sich ja in den letzten Jahren zu einem echten Actionhelden auf der Leinwand entwickelt. In NON-STOP spielt er einen Air Marshall, der während eines Langstreckenfluges von einem Unbekannten erpresst wird. Dieser fordert die stolze Summe von $ 150 Mio. und droht damit, alle 20 Minuten ein Menschenleben innerhalb des Flugzeugs zu opfern, wenn das Geld nicht überwiesen wird…
Man muss sich schon vollkommen auf den teils obskur konstruierten Plotverlauf einlassen können, um mit NON-STOP seinen Spaß zu haben. Teilweise ist das, was Regisseur Jaume Collet-Serra seinen Zuschauern bietet, doch etwas arg abenteuerlich ausgefallen. Und auch über die extrem klischeehaft gezeichneten Charaktere sollte man wohlwollend hinwegsehen können. Gelingt dies, kann man sich von NON-STOP ziemlich gut unterhalten lassen. Der Film ist, so klischeehaft und konstruiert er auch sein und wirken mag, über weite Strecken tatsächlich verdammt spannend ausgefallen und vergeht – dem Thema des Films angemessen – sprichwörtlich “wie im Flug“.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!

ENTOURAGE: SEASON 8 (USA 2011, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

In der achten und letzten Staffel von ENTOURAGE richtet sich der Fokus mehr und mehr auf die titelgebende Gefolgschaft von Vincent Chase (Adrian Grenier), von denen sich letztendlich jeder ein eigenes Standbein aufbauen kann. Und es geht um den von Jeremy Piven gespielten Ari Gold, der sich praktisch am Abgrund befindet und alles versucht, um seine Ehe zu retten…
Serienschöpfer Doug Ellin bringt ENTOURAGE in leider nur acht Episoden, die mal wieder wie im Flug vergangen sind, zu einem ausgesprochen schönen Ende. Als Zuschauer kann man sich insbesondere von dieser letzten Staffel ganz wunderbar treiben lassen und hat diese acht Folgen auch Zeit, sich auf den Abschied von die liebgewonnen Charakteren und ihren ganzen Macken, Schwächen und Stärken vorzubereiten. Es ist nur konsequent, dass die letzte Szene der Serie – nach dem Abspann – Jeremy Piven und seinem Ari Gold gehört. Er war der heimliche Star von ENTOURAGE, ich bin mir nicht sicher, ob die Serie ohne ihn auch so extrem gut funktioniert hätte.
Was Doug Ellin, seine Crew und seine Schauspieler mit ENTOURAGE erschaffen haben war definitiv überlebensgroßes Fernsehen. Eine der besten Serien, die ich persönlich je gesehen habe. Umso schöner, dass in Kürze der Kinofilm zur Serie anlaufen wird. So war diese letzte Episode glücklicherweise kein Abschied für immer.

A FREE SOUL (USA 1931, Regie: Clarence Brown)

a free soul

(Fassung: DVD, Warner, USA)

In A FREE SOUL geht es um Jan Ashe (Norma Shearer), eine junge und selbstbewusste Frau, die sich von niemandem etwas vorschreiben lassen will. Durch ihren Vater (Lionel Barrymore), einen alkoholkranken Anwalt, lernt sie den Gangster Ace Wilfong (Clark Gable) kennen – es entwickelt sich eine Liaison, die letztendlich in einer Katastrophe endet…
Mal wieder ein Film aus der Ära vor dem Production-Code, der Filmemacher in den USA wenige Jahre später in ihren Möglichkeiten stark beschränken sollte. Wie so viele andere Beispiele aus dieser Zeit überzeugt A FREE SOUL vor allem durch die erfreulich moderne und emanzipierte Zeichnung der weiblichen Hauptrolle. Die von Norma Shearer einfach nur famos gespielte Jan Ashe weiß genau, was sie will und ist nicht bereit, großartige Kompromisse einzugehen. Das müssen sowohl ihr Vater und ihr Freund (Leslie Howard), dessen Heiratsantrag sie ausschlägt, als auch der Gangster Ace, der glaubt, hier eine gehorsame Gespielin erobert zu haben, auf teils drastische Art und Weise erkennen.
Die für einen solchen Film relativ üppige Laufzeit von knapp über 90 Minuten (normalerweise wurde Geschichten dieser Art Anfang der 30er Jahre in maximal 75-80 Minuten erzählt) vergeht wie im Flug und es ist mir persönlich immer wieder eine Freude, mir Produktionen aus dieser Zeit anzusehen und mich von ihrer Frische, ihrem Mut und ihrem Tempo einnehmen zu lassen.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS (USA 2010, Regie: Oliver Stone)

wall street money never sleeps

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

23 Jahre nach WALL STREET hat Regisseur Oliver Stone – wohl auch als Reaktion auf die Entwicklungen innerhalb der Finanzmärkte in den Jahren zuvor – diese Fortsetzung gedreht, in der Shia LaBeouf den jungen Investmentbanker Jake Moore spielt, der mit der Tochter (Carey Mulligan) von dem mittlerweile wieder aus dem Gefängnis entlassenen Gordon Gecko (Michael Douglas) liiert ist und der Geckos Manipulationskünsten zum Opfer fällt, da dieser hofft, über Moore wieder Kontakt zu seiner Tochter bekommen zu können.
WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS sieht toll aus, ist großartig besetzt und überzeugend gespielt – Michael Douglas ist erneut über jeden Zweifel erhaben, Eli Wallach ist in seiner letzten Rolle zu sehen, Josh Brolin gibt einen herrlich schmierigen Fiesling und dem Gastauftritt von Charlie Sheen als Bud Fox kann man ein gewisses Gänsehautpotential sicher auch nicht absprechen -, so wirklich gepackt hat mich diese Fortsetzung allerdings nicht. WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS fehlt einfach der Biss des Vorgängers, die Faszination, die dieser auf mich als Zuschauer ausgeübt hat, ist hier nur in ganz wenigen Momenten vorhanden. Ein schlechter Film ist diese Fortsetzung natürlich trotzdem, aber halt auch kein wirklich guter.

Persönliche Bewertung: Ok!

MIAMI VICE: SEASON 5 (USA 1988-1989; Idee: Anthony Yerkovich)

miami vice

(Fassung: DVD, Universal, USA)

Die letzten 21 Episoden der Kultserie aus den 80er Jahren. Und ja, wenn diese allerletzte, spielfilmlange Episode der Serie langsam auf ihr Ende zusteuert und kurz vor und auch während des Abspanns diverse Szenen zurückliegender Episoden und Staffeln eingeblendet werden, macht sich schon so etwas wie Wehmut breit und man mag es gar nicht so richtig glauben, dass es nun keine neuen Fälle vor Crockett und Tubbs mehr zu bearbeiten geben soll. Aber diese Wehmut darf – nüchtern betrachtet – natürlich auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ende von MIAMI VICE zwingend erforderlich gewesen ist, um die Serie positiv im Gedächtnis behalten zu können. In dieser fünften Staffel, das merkt man überdeutlich, ist die Luft einfach raus. Es gibt zwar keine qualitativen Ausreißer mehr nach unten (wie in der Staffel zuvor), die einzelnen Folgen sind aber bestenfalls als solide und gut zu bezeichnen, auf echte Highlights wartet man vergebens und die Tatsache, dass in sehr vielen Episoden einzelne Hauptpersonen überhaupt nicht oder nur kurz auftauchen – vor allem Don Johnson macht sich verdammt rar in dieser Staffel – hat sich auch nicht unbedingt positiv auf das Seherlebnis ausgewirkt. Und dann ist auch noch der Start in die Staffel – mit dem Auflösen des Cliffhangers aus Season Nr. 4 und der Amnesie von Crockett – komplett misslungen. Hanebüchener kann man einen Plot gar nicht entwickeln. Es ist etwas schade, dass MIAMI VICE in den letzten beiden Staffeln so extrem abgebaut hat. So bleiben die ersten drei Staffeln als ganz vorzüglich und großartig, die letzten beiden Staffeln als solide und durchwachsen und die komplette Serie in der Gesamtbetrachtung als sehr gut in Erinnerung.

VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (Deutschland 1959, Regie: Alfred Vohrer)

verbrechen nach schulschluss

(Fassung: DVD, Pidax, Deutschland)

Mischung aus Juvenile-Delinquent-Drama und Kriminalfilm aus deutschen Landen. Regisseur Alfred Vohrer zeichnet ein lebhaftes Bild des jungen Rebellen Fabian König (Christian Wolff), der wegen einer Nichtigkeit von der Schule fliegt, anschließend eine kriminelle Jugendbande gründet und schließlich zwischen zwei Frauen gerät, was ihm zum Verhängnis werden soll. Ich hatte – insbesondere aufgrund des Erscheinungsjahres – erwartet, dass VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS in der Tradition der diversen “scare movies“ aus den USA stehen dürfte, Filme, die gesellschaftliche Missstände (insbesondere innerhalb jugendlicher Subkulturen) mit erhobenem Zeigefinger anprangern und pflegen, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Zwar gibt es auch in VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS die einfache Botschaft, dass sich Verbrechen am Ende doch nicht auszahlen, den erhobenen Zeigefinger lässt Vohrer jedoch weg. VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS wirkt rein gar nicht angestaubt oder altbacken, sondern ist vielmehr erstaunlich unbeschwert, spannend, wendungsreich und in gewisser Weise auch rasant inszeniert und bietet so herrlich kurzweilige Genreunterhaltung. Und diese (Party-)Szenen, die die Jugendlichen unter sich zeigen, sind so toll inszeniert, dass man sich am liebsten in den Film hineinbeamen möchte, nur, um sich in eine Ecke zu setzen und die diversen Protagonisten zu beobachten.

Persönliche Bewertung: Gut!

BEGIN AGAIN (USA 2013, Regie: John Carney)

begin again

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg seines Low-Budgets-Werks ONCE (den ich mir Anfang des Monats angesehen hatte) verschlug es den irischen Regisseur John Carney in die USA, wo er BEGIN AGAIN drehen durfte. Einen Film mit deutlich höherem Budget, zwei namhaften Hauptdarstellern (Keira Knightley und Mark Ruffalo) und New York als heimlichen Star.
Carney bleibt auch in BEGIN AGAIN dem Thema Musik treu. Der Film dreht sich um einen verzweifelten Musikagenten (Ruffalo), der auf der Suche nach einem neuen Star eher zufällig auf die Sängerin und Songwriterin Gretta (Knightley) trifft und versucht, dieser einen Plattenvertrag zu verschaffen. Doch sein Plattenlabel, bei dem er kurz vorher die Segel geschmissen hatte, hat kein Interesse an einer Verpflichtung und aus Geldmangel entsteht die aberwitzige Idee, eine Demo-CD nicht in einem Studio, sondern an verschiedenen Orten New Yorks aufzunehmen, mit dem Sound der Stadt im Hintergrund.
BEGIN AGAIN ist einer dieser Filme, die man wohl einfach nur als schön bezeichnen kann. Die Chemie zwischen Ruffalo und Knightley stimmt, die Guerilla-Aufnahmesessions in den Straßen von New Yorks verursachen Gänsehaut und der bei einem Film wie diesen fast zwangsweise vorhandene Kitschfaktor wird dabei glücklicherweise relativ niedrig gehalten. Sehr schön auch zu sehen, dass der Plot – was die “Beziehung“ der beiden Hauptfiguren angeht – eben nicht diese typischen Verlauf nimmt. In 99 von 100 ähnlichen Filmen würden die Sängerin und der Produzent am Ende des Tages als Liebespaar in den Abspann entlassen werden und sich der ganze Film darauf konzentrieren, dass sich zwischen den beiden Protagonisten eine Liebesbeziehung entwickelt. Carney konzentriert sich stattdessen auf die Musik und legt BEGIN AGAIN als Liebeserklärung an die Alternative- & Indieszene an und hat ganz nebenbei noch einen der schönsten New-York-Filme der letzten Jahre gedreht. Der “deutsche“ Titel von BEGIN AGAIN stellt die Fragen “Can a Song Save Your Life?“ – nach Sichtung von BEGIN AGAIN darf man diese gerne mit Ja beantworten.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

HAYWIRE (Irland/USA 2011, Regie: Steven Soderbergh)

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(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

HAYWIRE oder: Action Goes Arthouse. Regisseur Steven Soderbergh, der nun wahrlich nicht als Spezialist in Sachen Actionkino bekannt ist, schnappt sich mit Gina Carano eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin für die Hauptrolle und lässt diese in einem typischen Racheplot mit Jagd/Flucht-Szenario auf Stars wie Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Channing Tatum, Michael Fassbender, Mathieu Kassovitz und Bill Paxton treffen (wobei jetzt nicht alle der vorgenannten Schauspieler im Filme auf der Seite der Bösen stehen). Seinen eigentlich relativ simplen Plot erzählt Soderbergh verschachtelt, in Rückblenden und teils atemberaubend schönen Bildern. Die Kampfchoreographien sind exzellent und die Kampf- und Actionszenen kommen immer wieder unerwartet aus dem Nichts und zeichnen sich nicht durch übertriebenen Schnickschnack sondern eher durch staubtrockene Härte aus. Von den zahlreichen Fights ist insbesondere der am Strand im letzten Drittel des Films hervorzuheben, der einfach nur wunderschön in Szene gesetzt ist.
HAYWIRE ist auf seine Art und Weise schon ziemlich toll, aber irgendwie wurde ich während der Sichtung das Gefühl nicht los, dass diesem Film doch irgendetwas fehlt. Ich kann es nicht wirklich beschreiben, aber so richtig begeistert hat mich Soderberghs Ausflug ins Actiongenre dann doch nicht. Kann mir aber gut vorstellen, dass HAYWIRE das Potential hat, nach weiteren Sichtungen noch zu wachsen.

Persönliche Bewertung: Gut!