The Remains of April

PADDINGTON (Frankreich / Großbritannien 2014, Regie: Paul King)

paddington

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Basierend auf einer Kinderbuchserie des britischen Autoren Michael Bond – der bereits in den 70er, 80er und 90er Jahren als Vorlage diverser Animations-TV-Serien diente – erzählt PADDINGTON die Geschichte eines kleinen, sprechenden Bären, der aus dem Dschungel Perus nach London kommt und dort eine Bleibe sucht. Glücklicherweise wird er bereits kurz nach seiner Ankunft am Bahnhof Paddington von Henry Brown (Hugh Bonneville) und seiner Familie aufgegriffen, die ihm eine vorübergehende Unterkunft zur Verfügung stellen. Schon schnell wird das Leben der Browns von Paddington, dem der Schauspieler Ben Whishaw seine Stimme leiht, ziemlich auf den Kopf gestellt…

Regisseur Paul King hat mit PADDINGTON tatsächlich einen Kinder- bzw. Familienfilm gedreht, bei dem die abgedroschene “Unterhaltung für die ganze Familie“-Floskel passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Solch durch und durch harmlose Geschichten wie die des kleinen Bären hier neigen ja oft dazu, das kindliche Zielpublikum zwar in ihren Bann zu ziehen, erwachsene Zuschauer, die sich das mit anschauen müssen, aber maßlos zu langweilen. Durch die Figur der fiesen Millicent, die von einer bestens aufgelegten Nicole Kidman herrlich gemein interpretiert wird, kommt in PADDINGTON Leben in die Bude, wobei es King schafft, seinen weiblichen Bösewicht so zu inszenieren, dass Kinder von ihm wohl keine Albträume bekommen dürften. Die Balance zwischen spannenden, dramatischen und lustigen Momenten – allein die Badezimmerszene ist zum Schreien komisch – ist Regisseur King ganz vorzüglich gelungen und so bietet PADDINGTON – und nun komme ich zu einer Variation  der obigen Floskel zurück – über die komplette Laufzeit ausgesprochen kurzweilige Unterhaltung für Jung und Alt.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

DAWN OF THE PLANET OF THE APES (USA 2014, Regie: Matt Reeves)

dawn of the planet of the apes

(Fassung: Blu-ray 3D, 20th Century Fox, Deutschland)

 Die Vorgeschichte zum Sci-Fi-Klassiker PLANET OF THE APES, die Regisseur Rupert Wyatt mit RISE OF THE PLANET OF THE APES im Jahr 2011 bereits auf ausgesprochen sehenswerte Weise begonnen hat zu erzählen, wird von Regisseur Matt Reeves in dem drei Jahre später entstandenen DAWN OF THE PLANET OF THE APES nun fortgesetzt, jedoch ohne dabei qualitativ an den unmittelbaren Vorgänger heranzukommen.

Die vom Schimpansen Caesar (Andy Serkis) angeführten Affen haben sich in den Wäldern nun schon vor einigen Jahren eine Siedlung errichtet und kommen praktisch nicht mehr mit Menschen in Kontakt. Viel mehr gehen sie davon aus, dass die Menschheit das im Vorgänger freigesetzte Virus nicht überlebt hat. Weit gefehlt, im zerstörten San Francisco gibt es nicht wenige Überlebende und die sind dringend auf eine funktionierende Energieversorgung angewiesen. Hilfreich könnten dabei die Arbeiten an einem Staudamm sein, der sich jedoch unmittelbar in der Nähe der Affensiedlung befindet…

Das Problem von RISE OF THE PLANET OF THE APES ist, dass man diese Geschichte, die hier erzählt wird, auf die eine oder andere Weise schon unzählige Male gesehen hat. Wegen des Staudamms kommt es zu Konflikten, beiderseitiges Misstrauen schürt Hass und Kriegstreiber auf beiden Seiten versuchen, diese Situation für sich auszunutzen. RISE OF THE PLANET OF THE APES reiht Klischee an Klischee und wäre wirklich weit davon entfernt, als guter oder empfehlenswerter Film bezeichnet werden zu können, wenn er in visueller Hinsicht nicht wirklich alles richtig machen würde. Regisseur Reeves und seine Effekte-Crew ziehen hier wirklich alle Register ihres Könnens und man muss einfach neidlos anerkennen, dass RISE OF THE PLANET OF THE APES einfach phantastisch – streckenweise sogar atemberaubend – gut aussieht und man als Zuschauer ob der gebotenen Schauwerte während der Sichtung gar keine Zeit daran verschwenden mag, sich über den Inhalt des Gezeigten großartige Gedanken zu machen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

PLANET OF THE APES (USA 1968, Regie: Franklin J. Schaffner)

planet of the apes

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Nach der Sichtung von DAWN OF THE PLANET OF THE APES am Abend zuvor verspürte ich große Lust, mir Schaffners Original aus dem Jahr 1968 nach vielen, vielen Jahren – zuletzt dürfte ich den Film als Jugendlicher im Fernsehen gesehen haben – mal wieder anzusehen. Diese letzte Einstellung, mit der Freiheitsstatue im Sand, hat sich natürlich für alle Zeiten ins Gehirn und in die Netzhaut eingebrannt. Das Ende von PLANET OF THE APES gehört zur Allgemeinbildung innerhalb der Pop-Kultur, selbst Leute, die den Film nie gesehen haben, dürften wissen, dass sich der von Charlton Heston gespielte Astronaut nach seinem Raum-Zeit-Sprung nicht etwa auf einem fremden Planeten, sondern tatsächlich auf der Erde befindet. Was für ein filmisches Glück wäre es, wenn man Filme wie diesen hier, komplett ohne Vorwissen, zum ersten Mal ansehen und sich vom Twist am Ende genauso überraschen lassen könnte wie das damalige Premierenpublikum. Es spricht natürlich für Schaffners Film, dass er auch mit Kenntnis dieses Twists und knapp 50 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch hervorragend funktioniert.

PLANET OF THE APES ist eine der ganz großen Dystopien der Filmgeschichte, herausgekommen in einer Zeit, in der das Kino – gerade im Bereich des Sci-Fi-Films – immer wieder die Finger in die diversen Wunden der Menschheit gelegt hat und die Zuschauer auf mitunter drastische Art und Weise zum Umdenken bringen wollte. So drastisch, so intelligent, so spannend und so ungemein unterhaltsam wie hier wurde den Zuschauern jedoch nur selten der Spiegel vorgehalten und die Botschaft die hinter PLANET OF THE APES steckt, die Religions- und Ideologiekritik, die Schaffner – bzw. Romanautor Pierre Boulle als Vorlagengeber – dem Zuschauer hier auftischt, hat leider bis zum heutigen Tage nichts an ihrer Aktualität verloren.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

HOUSE OF CARDS: SEASON 2 (USA 2014, Idee: Beau Willimon)

house of cards

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Nachdem es der ebenso charismatische wie intrigante Kongressabgeordnete Francis Underwood (Kevin Spacey) zum Ende der ersten Staffel als Vizepräsident ins Weiße Haus geschafft hat, versucht er nun in der zweiten Staffel mit seinen Intrigen den Präsidenten zu stürzen…

Qualitativ steht diese zweite Season der Auftaktstaffel in so gut wie nichts nach. Die 13 Episoden umspannende Geschichte rund um den unwiderstehlichen Unsympathen lebt erneut von der glaubwürdigen Figurenzeichnung, der packenden Entwicklung des Plots und der erstklassigen Besetzung, der es spielerisch gelingt, diese ganzen, eigentlich unfassbaren Wendungen, welche die Geschichte so hervorbringt, als das realistischste und normalste der Welt erscheinen zu lassen.

Das einzige Problem dieser zweiten Season macht sich die Serie selbst, und zwar mit der Auftaktepisode. Die ist – was das Überschlagen von Ereignissen angeht – einfach so unfassbar und legt, insbesondere in Sachen Spannung, die qualitative Messlatte so extrem hoch, dass es den folgenden 12 Episoden eigentlich nie gelingt, diese erste Folge in irgendeiner Weise noch zu übertreffen. Aber das ist jetzt Jammer auf extrem hohem Niveau.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

JURASSIC WORLD (USA 2015, Regie: Colin Trevorrow)jurassic world

(Fassung: Blu-ray 3D, Universal, Deutschland)

 Nach dem eher vergessenswerten JURASSIC PARK III dauerte es ganze 14 Jahre bis die von Steven Spielberg einst so erfolgreich gestartete Reihe wiederbelebt wurde. In JURASSIC WORLD wird der Zuschauer nun mit einem voll funktionsfähigen und von Tausenden zahlenden Besuchern bevölkerten Dino-Park konfrontiert, in dem ein genetisch verändertes und extrem aggressives Exemplar außer Kontrolle gerät. Und der von Steven Spielberg als ausführender Produzent betreute Film funktioniert tatsächlich richtig gut.

Regisseur Colin Trevorrow hat aus den Fehlern, die Joe Johnston beim Vorgänger unterlaufen sind, ganz offensichtlich seine Lehren gezogen und mit JURASSIC WORLD einen Film abgeliefert, der ganz eindeutig den Geist des Originals ausstrahlt und qualitativ in meinen Augen nicht sonderlich weit von diesem entfernt ist. Wie einst Spielberg in JURASSIC PARK konzentriert sich auch Trevorrow in JURASSIC WORLD in erster Linie auf seine handelnden Personen, ist darum bemüht, seine Charaktere zu entwickeln und lässt diese – nachdem dies geschehen ist – sodann in die brenzlige Situation geraten, um die sich der Film letztendlich dreht. JURASSIC WORLD zehrt vor allem von der Chemie, die sich zwischen den beiden Hauptdarstellern Chris Pratt und Bryce Dallas Howard langsam entwickelt und davon, dass Trevorrow diese so wichtige Balance zwischen ruhigen und spektakulären Momenten ganz vorzüglich gelungen ist. Die Action-Sequenzen sind auf der einen Seite so choreographiert und wohldosiert eingesetzt, dass man als Zuschauer nicht mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen hat, bieten auf der anderen Seite aber auch so viel Spektakel und Schauwerte, dass man auch als Erwachsener immer wieder mit großen, staunenden (Kinder-)Augen das Geschehen auf dem heimischen TV verfolgt. Eine Fortsetzung bzw. ein Reboot, welches dem Original wirklich zur Ehre gereicht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

PROMETHEUS (Großbritannien / USA 2012, Regie: Ridley Scott)

prometheus

(Fassung: Blu-ray 3D, 20th Century Fox, Deutschland)

Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, u.a. begeben sich in PROMETHEUS Ende des 21. Jahrhunderts auf eine Reise in die Tiefen des Weltalls um dort auf einem fernen Planeten Antworten auf die ewige Frage nach der Entstehung der Menschheit zu suchen und – so hoffen natürlich alle Beteiligten – wenn möglich auch zu finden…
Wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, sind die Kritiker damals nicht ganz so wohlwollend mit Scotts PROMETHEUS umgegangen. Obwohl Scott immer betont hatte, das PROMETHEUS lediglich im selben Universum wie die ALIEN-Filme spiele, deswegen aber nicht als direktes Prequel zu verstehen sei, dürften viele vielleicht doch enttäuscht gewesen sein, dass in PROMETHEUS (fast) keine Aliens vorkommen. Anders kann ich mir die durchwachsenen Stimmen zu Scotts Film ehrlich gesagt nicht erklären. Oder vielleicht war auch meine Erwartungshaltung aufgrund dieser Stimmen so niedrig, dass mich PROMETHEUS tatsächlich ohne jegliche Probleme für sich gewinnen konnte. Denn ich muss sagen, was Scott dem Zuschauer hier bietet, ist richtig gutes Science-Fiction-Kino. Vom Start weg hat mich insbesondere diese ganz vorzügliche Mystery-Atmosphäre begeistern können, die Scott aufbaut, die immer dichter wird und die im Zusammenspiel mit diesem philosophischen Unterbau der Handlung für nicht wenige Gänsehautmomente sorgt. Dazu gesellen sich dann noch diese wundervollen, auf Designs von H.R. Giger beruhenden Settings, eine sich stetig steigernde Spannung, der eine oder andere Schock-Effekt und eine tolle Besetzung und fertig ist ein Science-Fiction-Film, der weitaus besser ist als sein Ruf und von dem man sich – sofern man sich vorbehaltlos auf ihn einlässt – in meinen Augen nur begeistern lassen kann.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

BOLT (USA 2008, Regie: Byron Howard / Chris Williams)

bolt

(Fassung: Blu-ray 3D, Disney, Deutschland)

Gemeinsam mit seinem Frauchen Penny (Miley Cyrus) erlebt der kleine Hund Bolt (John Travolta) die tollsten Abenteuer und rettet diese aufgrund seiner Superkräfte immer wieder aus größter Gefahr. Als eine Rettungsaktion jedoch nicht gelingt und Penny den Bösen in die Finger fällt, bricht Bolt aus seiner Behausung aus und versucht auf eigene Faust, Penny aus den Klauen der Bösewichter zu befreien. Was Bolt dabei jedoch nicht weiß, ist, dass für Penny keinerlei Gefahr droht, er in Wirklichkeit ein Schauspielhund ist, in einer Action-TV-Serie mitwirkt und nicht wirklich über Superkräfte verfügt. So muss er sich außerhalb des ihm bekannten TV-Sets plötzlich ohne große Fähigkeiten in der Realität behaupten…

Die Ausgangssituation von BOLT stellt so etwas wie die Disney-Variante von Weirs THE TRUMAN SHOW dar, in der Jim Carrey als Truman Burbank einst feststellen musste, dass sein ganzes Leben nur Teil einer Fernsehsendung ist und die wahre Welt da draußen ganz anders aussieht. So ergeht es auch dem von John Travolta gesprochenen Hund Bolt, der sich auf einen wilden Road Trip begibt, um sein geliebtes Frauchen Penny zu retten. Wie es für Road Movies üblich ist, ist auch hier der Weg das Ziel und wie es für Disney-Filme üblich ist, gibt es für das junge Zielpublikum dann auch noch eine ebenso positive wie einfach gestrickte Botschaft mit auf den Weg. Den Trip, den Bolt unternimmt, haben die beiden Regisseure Byron Howard und Chris Williams ausgesprochen spannend, lustig, actionreich und spektakulär in Szene gesetzt und so ist BOLT ein Film, der definitiv auch erwachsene Freunde von Animationsfilmen ansprechen dürfte. Schon die Auftaktsequenz, in der der Zuschauer, der sich nicht vorher über den Plot des Films informiert hat, selbst nicht weiß, dass er es hier mit einer Film-im-Film-Szene zu tun hat, ist in ihrer Dynamik, in ihrem visuellen Einfallsreichtum und in ihrer Rasanz ziemlich atemberaubend geraten und dieses erste Highlight soll im weiteren Verlauf des Films nicht das einzige bleiben. BOLT macht richtig viel Spaß und präsentiert neben gelungener Animations-Action auch so einige, irrsinnig komische Sequenzen, wobei für die Gags insbesondere die beiden Sidekicks von Bolt, die dieser während seines Trips kennenlernt und die ihn schließlich auf seiner Suche begleiten und sich mit ihm anfreunden, eine Katze und ein dicklicher, sich mit einer durchsichtigen Plastikkugel fortbewegender Hamster, verantwortlich zeichnen. Und wenn die Macher dann auch noch den für Disney so typischen Kitschfaktor im Finale des Films etwas minimiert hätten, man könnte für BOLT wirklich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE DROP (USA 2014, Regie: Michaël R. Roskam)

the drop

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Barkeeper Bob (Tom Hardy) arbeitet in einer Bar seines Cousins Marv (James Gandolfini) in New York, die dem organisierten Verbrechen als vorübergehender Lagerort von dreckigem Geld dient. Als die Bar eines Tages überfallen wird, bekommen Bob und Marv ein Problem…

THE DROP ist ein erfreulich ruhig erzählter Gangsterfilm, der in seiner unaufgeregten Art an das Genrekino der 70er Jahre erinnert. Als Zuschauer kann man sich von der Stimmung und Atmosphäre, die THE DROP ausstrahlt wunderbar treiben lassen und dabei tief in die verschiedenen Handlungsstränge, die Roskam miteinander verbindet – neben der Sache mit dem Überfall geht es für Bob auch noch um eine sich anbahnende Romanze, einen kleinen Hund und einen psychopathischen Stalker – eintauchen, nur um immer wieder durch heftige Spannungs- und Gewalteruptionen ausgesprochen unsanft geweckt zu werden.

Tom Hardy und Noomi Rapace, die als Hardys Love Interest zu sehen ist, spielen schlicht großartig und der tolle James Gandolfini, der im Juni 2013 verstarb, hinterlässt mit dem erst nach seinem Tod veröffentlichten THE DROP ein mehr als sehenswertes Vermächtnis. Ein ganz wunderbarer, kleiner Film, der an dieser Stelle wärmstens weiterempfohlen werden soll.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

SEASON OF THE WITCH (USA 2011, Regie: Dominic Sena)

season of the witch

(Fassung: Blu-ray, Universum Film, Deutschland)

Angefixt von dem vor kurzem gesehenen GHOST RIDER: SPIRIT OF VENGEANCE landete mit SEASON OF THE WITCH gleich der nächste Film mit Nicolas Cage in der Hauptrolle im heimischen Blu-ray-Player. Ich hätte es einfach sein lassen sollen.

Nicolas Cage und Ron Perlman spielen zwei vom ewigen Schlachtengetümmel müde Tempelritter, denen wegen Untreue ein Leben im Kerker droht und die sich mit einer letzten Mission der diversen Anklagepunkte, die gegen sie erhoben werden, entledigen und ein Leben in Freiheit leben können. Im tiefsten Mittelalter wütet die Pest durch das Land und die beiden Protagonisten sollen eine junge Frau, die der Hexerei verdächtigt und für die Seuche verantwortlich gemacht wird, von A nach B bringen, damit dieser dort ein fairer Prozess gemacht werden kann. Eine enorm eintönige und unbeholfene Reise durch seltsame Settings und gesäumt von miesen CGI-Effekten nimmt ihren Lauf…

SEASON OF THE WITCH ist ein Paradebeispiel für einen Film, den nicht mal mehr seine unfreiwillige Komik und das unfassbare Overacting von Nicolas Cage retten kann. Es ist nun wirklich nicht meine Art, mich über Filme lustig zu machen, aber was Regisseur Dominic Sena dem Zuschauer hier auftischt, hätte es tatsächlich verdient, auf dem nächsten Marktplatz ausgestellt und ausgelacht zu werden. Es ist ja nicht so, dass SEASON OF THE WITCH nicht auch seine Momente hätte, diese generieren sich jedoch in erster Linie aus zumeist unfreiwilliger Komik. Zum Beispiel aus dem zwischen Cage und Perlman den ganz Film über stattfindenden Wettkampf im doof dreinschauen (aus dem jedoch kein Sieger hervorgeht), aus der interessanten Wischmoppfrisur, die Cage am Anfang des Films auf seinem Kopf spazieren trägt, aus der unglaublichen Maske, die man dem armen Christopher Lee verpasst hat, der als an der Pest erkrankter Kardinal in einem Bett liegt und aussieht, als hätte man ihm eine verfaulte Kartoffel auf die Stirn geklebt, aus diesen unzähligen, tollen Dialogzeilen der Marke “We believe what we want to believe.“, “Honor is not a thing to be dismissed or forgotten.“ oder auch “We’re going to need more holy water.“, die allesamt mit einer Inbrunst vorgetragen werden, als gäbe es kein Morgen mehr, und natürlich aus dieser schier unübersichtlichen Anzahl von Sequenzen purer Suspense, wie bspw. der, in der Nicolas Cage mit seinem Pferd über eine wacklige Holzbrücke schreitet. SEASON OF THE WITCH ist ganz großes Kino, die Schauspieltruppe des Laientheaters in Rheda-Wiedenbrück hätte es nicht viel besser hinbekommen. Schon besser, aber nicht viel besser.

Bewertung: Mies (mit ein paar netten Momenten)! – 3/10

 

 

CLICK (USA 2006, Regie: Frank Coraci)

click

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Adam Sandler spielt den ständig gestressten Michael Newman, der sich abrackert um in seiner Firma als Partner anerkannt zu werden und dabei leider seine Familie viel zu sehr vernachlässigt. Als er eines Tages von dem mysteriösen Morty (Christopher Walken) eine magische Fernbedienung geschenkt bekommt, mit der er sein eigenes Leben kontrollieren kann, scheinen alle Probleme gelöst zu sein. Doch mit dem übermäßigen Einsatz der Fernbedienung kommt es für Michael erst richtig dicke…

CLICK reiht sich ganz wunderbar in die bisher noch recht übersichtliche Filmographie von Regisseur Frank Coraci ein, der vor diesem bereits mit Sandler bei THE WEDDING SINGER und THE WATERBOY zusammengearbeitet hatte und nach CLICK u.a. die beiden Kevin-James-Komödien HERE COMES THE BOOM und ZOOKEEPER sowie BLENDED (wieder mit Adam Sandler in der Hauptrolle) drehen sollte. Allesamt Filme, die ungemein liebenswürdig sind und in ihrer kompletten Harmlosigkeit einfach nur verdammt sympathisch rüberkommen. Auch CLICK erlaubt sich – bis auf ein paar herrliche Szenen mit gemäßigterem Gross-Out-Humor – praktisch keinerlei Ausbrüche, die dazu führen könnten, dass man diesem Film irgendeine böswillige Agenda unterstellen könnte. Was ihn aber – insbesondere von den anderen Sandler-Filmen Coracis doch unterscheidet – ist die Tatsache, dass dieser Film hier, wohl wegen seines phantastischen Plots, weniger eingängig wirkt als seine Gesinnungsgenossen. Mitunter schleichen sich in CLICK doch einige Längen ein, nicht alle Gags wollen zünden und stellenweise fand ich die Konsequenzen, die Sandler wegen der Fernbedienung ertragen muss, doch arg konstruiert und “unglaubwürdig“ (wenn man dieses letzte Wort vor dem Hintergrund der phantastischen Handlung des Films so benutzen darf). Toll war dagegen dieser doppelte Twist am Ende, da er das so Offensichtliche doch wieder ins Gegenteil verkehrt hat.

Für Freunde von Adam Sandler dürfte auch dieser nicht ganz so gute Film definitiv einen Blick wert sein, wer mit Sandler eh nix anfangen kann, sollte vielleicht gerade von diesem Film erst recht die Finger lassen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE WEDDING RINGER (USA 2015, Regie: Jeremy Garelick)

the wedding ringer

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Der gutmütige Doug Harris (Josh Gad) kann es noch immer nicht fassen, dass die ausgesprochen attraktive Gretchen (Kaley Cuoco) auf seinen Heiratsantrag mit Ja geantwortet hat. Doug ist ein absoluter Durchschnittstyp, hat keine Freunde und nun panische Angst, an seiner bald stattfindenden Hochzeit ohne Trauzeugen dastehen zu müssen. Damit dies nicht passiert, heuert er Jimmy Callahan (Kevin Hart) an, der sich als sein Trauzeuge ausgeben soll. Doch schon bald gerät die Lügengeschichte außer Kontrolle…

Ab in den Berieselungsmodus. THE WEDDING RINGER ist eine dieser mittlerweile schier unzähligen Komödien aus den USA, die irgendwie immer nach demselben Muster abzulaufen scheinen, bei denen einem während der Sichtung zu jeder Sekunde bewusst ist, dass das, was man sich gerade reinzieht, nicht sonderlich viel mit Qualitätskino zu tun hat sondern ausschließlich zum kurzweiligen Zeitvertreib geeignet ist. Allein die Ausgangssituation von THE WEDDING RINGER ist hanebüchener Blödsinn, der komplette Handlungsverlauf unglaubwürdig bis zum geht nicht mehr und die moralische Botschaft am Ende – Filme wie dieser benötigen neben dem ganzen Unfug, den sie präsentieren und der üblichen Portion Gross-Out-Humor (das Stichwort für diesen Film lautet Junggesellenabschied) natürlich auch immer eine moralische Botschaft – wirkt aufgesetzt und wie mit dem Holzhammer vorgetragen.

Warum mich persönlich Filme wie dieser hier immer wieder magisch anzuziehen scheinen kann ich mir mittlerweile selbst nicht mehr erklären. Am Ende des Tages ist es manchmal wahrscheinlich einfach nur angenehm, sich mit niveauloser Unterhaltung berieseln zu lassen. Ich mochte Garelicks Film trotz all seiner Schwächen die man ihm sicherlich vorwerfen könnte.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

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Jahresendspurt – 2. Teil

STAYING ALIVE (USA 1983, Regie: Sylvester Stallone)

staying alive

(Fassung: DVD, Paramount, Deutschland)

Bei STAYING ALIVE handelt es sich um die Fortsetzung des kürzlich von mir angesehenen SATURDAY NIGHT FEVER. John Travolta ist erneut in der Rolle des Tony Manero zu sehen, der zwar mittlerweile nach Manhattan geschafft hat, sich seine Brötchen allerdings nur als Tanzlehrer und Bedienung verdient und bei diversen Castings als Tänzer eine Absage nach der anderen erhält. Doch eines Tages hat Manero Glück und ergattert eine Rolle in einer großen Show am Broadway und verliebt sich dabei in Laura (Finola Hughes), die Startänzerin des Stücks. Doch seine Gefühle treffen auf wenig Gegenliebe.

Wahrscheinlich ist SATURDAY NIGHT FEVER der bessere Film, weil er insgesamt betrachtet einfach glaubwürdiger und authentischer wirkt, dafür ist STAYING ALIVE irgendwie eingängiger und kurzweiliger geraten als Badhams Vorgänger. Stallone hat mit STAYING ALIVE eine Mischung aus Tanzfilm und kitschiger Romanze gedreht, die – und das hat die Fortsetzung mit Badhams Film gemein – insbesondere von ihren teils spektakulären Tanzszenen (die Aufführung des Stücks am Ende ist schlichtweg der Hammer!) und John Travolta in der Hauptrolle lebt, der den Tony Manero einmal mehr ausgesprochen sympathisch (auch wenn man ihn für so manche Handlung ohrfeigen möchte) und authentisch rüberbringt. Es macht einfach Spaß, Tony und den anderen handelnden Personen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, in ihrem Leben zurechtzukommen und ihr Glück zu finden. Da stört es nicht sonderlich, dass man den Plot so oder so ähnlich schon unzählige Male vorher gesehen hat.

Und ganz am Ende – kurz vor den Endcredits – wenn sich der Kreis schließt, und Travolta in dem selben, unnachahmlichen Stil durch die Straßen New Yorks läuft, wie er es schon zu den Anfangscredits in SATURDAY NIGHT FEVER getan hat, weht durchaus ein Hauch von Magie durchs heimische Wohnzimmer.

Bewertung: Gut!

 

YOUNGBLOOD (USA 1986, Regie: Peter Markle)

youngblood

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Rob Lowe ist Dean Youngblood, ein talentierter, junger Eishockeyspieler, der gegen den Willen seines Vaters die heimische Farm verlässt um bei einem Team in der kanadischen Junior-League zu spielen. Dort will er auf sich aufmerksam machen und einen begehrten Profivertrag ergattern…

Wer aufgrund der kurzen Zusammenfassung des Inhalts nun der Meinung ist, YOUNGBLOOD könnte seinen Zuschauern durchaus das eine oder andere Klischee servieren, der irrt gewaltig. YOUNGBLOOD kommt nicht mit dem einen oder anderen Klischee um die Ecke, YOUNGBLOOD ist im Endeffekt das Klischee. Wenn man sich den Film so anschaut, muss man zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass Regisseur und Drehbuchautor Peter Markle seine Geldgeber irgendwann beim Verfassen des Drehbuchs mal die Frage gestellt haben muss, wie viele Klischees er in seinem Drehbuch verwursten darf. Und diese Frage dürfte ganz eindeutig mit einem einzig Wort beantwortet worden sein: Alle!

Wir haben das junge Talent, das gegen den Willen seines Vaters das schützende Zuhause verlässt. Wir haben den großen Bruder, der einst selbst ein talentierter Eishockeyspieler war, aufgrund einer schweren Verletzung den Sport aber nicht mehr ausüben kann. Wir haben den fiesen Gegenspieler, dem von unserem Protagonisten der Platz im Team weggeschnappt wurde und der nun beim härtesten Konkurrenzteam anheuert und nur darauf wartet, sich zu rächen. Wir haben die typischen Initiationsriten innerhalb der Mannschaft. Wir haben das typische “Sich-Respekt-Erkämpfen“ bei den Teamkollegen. Wir haben die Lovestory zwischen dem Titelhelden und – natürlich – der Tochter des Coachs (der davon – auch natürlich – nicht gerade begeistert ist). Wir haben das traumatische Erlebnis, welches den Protagonisten alles hinwerfen lässt, um auf die heimische Farm zurückzukehren. Wir haben das entscheidende Spiel, zu dem der reumütige Youngblood dann doch wieder zum Team zurückkehrt, bei dem er vom Trainer aber erst mal auf der Bank gelassen wird, nur um dann doch eingewechselt zu werden, sich dem fiesen Gegenspieler zu stellen und den entscheidenden Treffer – 3 Sekunden vor Spielende (!!!) – zu erzielen. Natürlich vor den Augen des Vaters und des Bruders, die sich zum ersten Mal auf den Zuschauerrängen einfinden.

YOUNGBLOOD lässt wirklich gar nichts aus und das wirklich Verwunderliche an dem Film ist die Tatsache, dass er trotzdem funktioniert. Ich habe keine Ahnung warum, aber er funktioniert sogar ganz vorzüglich. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich mit ihm zu viele nostalgische Erinnerungen verbinde (YOUNGBLOOD ist einer dieser Filme, mit denen ich in den 80ern meine Jugendzeit verbracht habe), vielleicht liegt es aber auch daran, dass diese ganzen Klischees irgendwie als das normalste der Welt präsentiert werden, so, als gäbe es gar keine andere Möglichkeit diese Geschichte zu erzählen. Und vielleicht liegt es auch daran, dass YOUNGBLOOD richtig gut besetzt ist. Rob Lowe ist super in der Titelrolle, George J. Finn als mieser Gegenspieler Racki ein Unsympath vor dem Herrn. Dazu überzeugt Patrick Swayze als alter Hase im Team auf ganzer Linie und Ed Lauter ist einfach nur herrlich in der Rolle des oft mürrischen Coachs. Und dann noch die einfach nur ungemein süße Cynthia Gibb als Youngbloods Love Interest Jessie. Wahrscheinlich ist es die Mischung aus allem, die dafür sorgt, dass YOUNGBLOOD auch knapp 30 Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner damaligen Faszination eingebüßt hat. Mir gefällt diese Mischung aus Sportfilm, Coming-of-Age-Geschichte und Lovestory auch heute noch richtig gut.

Bewertung: Sehr gut!

 

MINIONS (USA 2015, Regie: Kyle Balda/Pierre Coffin)

minions

(Fassung: Blu-ray 3D, Universal, Deutschland)

Nachdem sich die kleinen, gelben Helfer des Superkriminellen Gru in den beiden DESPICABLE ME-Filmen aus den Jahren 2010 und 2013 zu absoluten Publikumslieblingen entwickelt hatten, war klar, dass die produzierenden Universal-Studios diese sichere Geldquelle nicht versiegen lassen wollten und den gelben Sidekicks von Gru einen eigenen Film spendieren würden. Das fertige Produkt hört konsequenterweise auf den Namen MINIONS, funktioniert als Prequel zu DESPICABLE ME und erzählt die Vorgeschichte der titelgebenden Helden und wie diese schließlich in Gru ihren Meister fanden.

Und wenn man bedenkt, dass die sich im Endeffekt fast nur in unverständlichem Kauderwelsch artikulierenden Erdnussflips mit Augen ja nun nicht unbedingt dafür prädestiniert sind, alleine einen kompletten Film über 90 Minuten zu tragen, muss man doch eingestehen, dass MINIONS erstaunlich gut geworden ist und weitaus besser funktioniert, als ich das zuvor erwartet hätte. Die beiden Regisseure Balda und Coffin haben ihren Film ausgesprochen rasant inszeniert und mit einigen wirklich grandiosen Gags ausgestattet, bei denen Freunde des Animationsfilms voll auf ihre Kosten kommen dürften. Ich habe an vielen Stellen wirklich herzhaft gelacht und bin positiv überrascht vom Ergebnis. Wirklich enttäuschend sind eigentlich nur die 3D-Effekte geraten. Von einem Animationsfilm hätte ich gelungenere Effekte erwartet.

Bewertung: Gut!

 

BODY SNATCHERS (USA 1993, Regie: Abel Ferrara)

body snatchers

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Wie schon im Text zu THE INVASION angekündigt, schaue ich mir die “The Body Snatchers“-Verfilmungen in umgekehrter Reihenfolge an. Ich verspreche mir davon eine Steigerung von Film zu Film und natürlich ist es auch interessant zu sehen, wie die einzelnen Verfilmungen das Thema variieren. Gab es in THE INVASION zumindest noch die Chance gegen die Außerirdischen immun zu sein und Hoffnung auf ein Gegenmittel, welches den Übernahmeprozess durch die außerirdische Lebensform wieder rückgängig machen konnte, gibt es in Ferraras BODY SNATCHERS aus dem Jahr 1993 keinerlei Hoffnung. Einmal in der Gewalt der Außerirdischen, wird dem Wirtskörper sämtliche Lebensenergie entzogen bis nur noch ein paar Überreste übrig bleiben; parallel wird in ein perfekter, außerirdischer Klon des Wirtskörpers geboren, der fortan dessen Stellung einnimmt. Heilung gibt es hier nicht.

Ferraras Film ist deutlich kleiner als der 14 Jahre später in die Kinos gekommene THE INVASION, die Handlung spielt auf einer Militärbasis, von der aus die Außerirdischen im ganzen Land verteilt werden sollen und der Handlungsort ist im Gegensatz zu THE INVASION somit sehr eingeschränkt. Auch auf echte Starpower muss man als Zuschauer verzichten, am prominentesten dürfte wohl Forest Whitaker in einer Nebenrolle sein, der damals erst ein Jahr vor diesem Film mit seiner Hauptrolle in THE CRYING GAME einem größeren Publikum bekannt wurde. Aber diese Bescheidenheit, der Verzicht auf echte Stars, die Beschränkung der Handlung auf einen abgeschlossenen Raum, steht BODY SNATCHERS richtig gut zu Gesicht. Ferraras Film strahlt diese wunderbare B-Movie-Atmosphäre aus, ist spannend und rasant inszeniert und geizt auch nicht mit Schauwerten. Genrefans dürften definitiv ihren Spaß mit diesem Film haben.

Bewertung: Gut!

 

THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES (Neuseeland/USA 2014, Regie: Peter Jackson)

the hobbit - the battle of the five armies_1

the hobbit - the battle of the five armies_2

(Fassung: Blu-ray 3D Extended Cut, Warner, Deutschland)

 Jacksons letzter Ausflug nach Mittelerde endet in einem bombastischen Schlachtengemälde, welches aus rein technischer Sicht absolut begeisternd geraten ist. Der wuchtige Sound drückt einen regelrecht in die heimische Couch, die visuelle Kraft der Bilder ist überragend und die 3D-Effekte gehören wohl mit zu den besten, die ich je in einem Film gesehen habe. Wenn man sich selbst dabei ertappt, wie man sich auf der Couch vor heranfliegenden Pfeilen duckt, können die Macher nicht wirklich viel falsch gemacht haben. Würde man THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES rein aus technischer Sicht beurteilen, man müsste ihn wohl tatsächlich als Meisterwerk bezeichnen.

Leider (bzw. zum Glück) ist die technische Seite jedoch nicht alles und in all diesen anderen Kleinigkeiten, die einen Film halt auch noch irgendwie ausmachen (z.B. Handlung und Figurenzeichnung) offenbart der Abschluss der THE HOBBIT-Trilogie ähnliche Schwächen wie die beiden Vorgänger und ist – da die eh schon viel zu dünne Buchvorlage für diesen letzten Film nun wirklich gar nichts mehr hergibt und die knapp 3-stündige Handlung sich somit praktisch ausschließlich mit der finalen Schlacht beschäftigt, was irgendwann doch etwas ermüdend wirkt – sogar von allen drei Filmen, die natürlich trotz aller offensichtlichen Schwächen meilenweit davon entfernt sind, auch nur ansatzweise als schlecht bezeichnet zu werden, tatsächlich sogar der schwächste Film geworden. Irgendwie ist es schade, dass es Jackson mit der THE HOBBIT-Trilogie nicht gelungen ist, einen ähnlichen Zauber zu entfachen wie mit seinen grandiosen THE LORD OF THE RINGS-Filmen. Da ist die eher überschaubare Handlung der Vorlage gar nicht mal so entscheidend, den THE HOBBIT-Filmen fehlt es einfach an echten Typen wie es sie in der THE LORD OF THE RINGS-Trilogie einfach zuhauf gab. Ohne echte Charakterköpfe wie es Aragorn oder Gimli gewesen sind, fehlt es einfach an Identifikationsfiguren und als Zuschauer lässt man sich zwar von der visuellen Kraft des Films begeistern, emotional gepackt wird man dadurch aber eher nicht. Es ist bezeichnend, dass die mit Abstand beste und magischste Szene des Films diese kurze Sequenz ganz am Ende ist, in der plötzlich wieder Ian Holm in der Rolle des nun gealterten Bilbo in seinem Zuhause zu sehen ist und Jackson zum Abschluss der THE HOBBIT-Trilogie seinen Film exakt so enden lässt wie das Abenteuer in THE LORD OF THE RINGS: THE FELLOWSHIP OF THE RING einst begann. Zumindest da, wenn auch nur kurz: Gänsehaut!

Bewertung: Gut!

 

YOU BETTER WATCH OUT (USA 1980, Regie: Lewis Jackson)

you better watch out

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

 So ganz ohne Filme mit Weihnachtsbezug geht’s in der Adventszeit ja dann auch nicht. Da mir gerade aber nicht der Sinn nach dem ganzen Besinnlichkeitsoverkill ist, hab ich mich für einen Weihnachtsfilm der etwas anderen Art entschieden.

YOU BETTER WATCH OUT handelt von Harry Stadling (Brandon Maggart), der einst als kleines Kind auf eher drastische Art und Weise erfahren musste, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt und von diesem Erlebnis auch über 30 Jahre später noch zutiefst traumatisiert ist. Das ganze Jahr über beobachtet Harry die Kinder in der Nachbarschaft, führt genau Buch darüber, wer von ihnen brav gewesen ist und wer nicht, und entscheidet für sich selbst, wer es letztendlich verdient hat, zu Weihnachten Geschenke zu erhalten. Als Weihnachtsmann verkleidet streift er in der Vorweihnachtszeit durch die Straßen, versucht die lieben Kinder mit Geschenken zu bedenken und legt dabei ein immer psychotischeres Verhalten an den Tag. Bis es am Weihnachtsabend schließlich zur Katastrophe kommt…

Regisseur Lewis Jackson hat mit YOU BETTER WATCH OUT eine Mischung aus Psychostudie und Horrorfilm gedreht. Sonderlich spannend geraten ist YOU BETTER WATCH OUT zwar nicht, dafür überzeugt Jacksons Film mit einem Hauptdarsteller, der diese Rolle des immer mehr dem Wahnsinn verfallenden Psychopathen aber mal richtig glaubwürdig interpretiert. Da gibt es schon einige Sequenzen, bei denen man als Zuschauer einfach nur noch dasitzt und mit offenem Mund auf den Fernseher starrt, sei es weil sie einfach nur absurd komisch (der klägliche Versuch, in ein Haus über den Schornstein einzusteigen) oder halt praktisch aus dem Nichts vollkommen “over the top“ (die Sequenz vor der Kirche, der wütende Mob mit den Fackeln) geraten sind.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

DON’T OPEN TILL CHRISTMAS (Großbritannien 1984, Regie: Edmund Purdom)

don't open till christmas

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Vom tötenden Weihnachtsmann in YOU BETTER WATCH OUT hin zu getöteten Weihnachtsmännern in DON’T OPEN TILL CHRISTMAS, in dem ein irrer Killer in der Vorweihnachtszeit in London Jagd auf Weihnachtsmänner macht, diese auf verschiedenste Art und Weise ins Jenseits befördert und die ermittelnden Polizisten so vor eine schwierige Aufgabe stellt. Für Edmund Purdom, der in unzähligen – meist in Italien produzierten – Genrefilmen aus den 60er, 70er und 80er Jahren vor der Kamera stand und auch hier die Rolle des ermittelnden Inspektors übernommen hat, sollte DON’T OPEN TILL CHRISTMAS leider der einzige Ausflug ins Regiefach bleiben, was sehr schade ist, denn Purdoms Weihnachtsslasher ist rasant inszeniert, über weite Strecken durchaus spannend geraten, hat – für einen Slasher das sprichwörtliche A und O – eine ganze Reihe an “creative kills“ zu bieten und überschreitet genüsslich diverse Grenzen des guten Geschmacks. Sicher kein Film, den man sich am Heiligabend gemeinsam mit der Schwiegermutter ansehen sollte.

Bewertung: Unterhaltsam!

 

DIE KATZE (Deutschland 1988, Regie: Dominik Graf)

die katze

(Fassung: DVD, FAZ/EuroVideo, Deutschland)

Komplett gegen sein heißblütiges Schimanski-Image besetzt, brilliert Götz George in Grafs DIE KATZE als eiskalter und unterkühlter Gangster im feinen Zwirn, der aus einem Hotelzimmer heraus einen Bankraub samt Geiselnahme organisiert, den seine beiden Komplizen Heinz Hoenig und Ralf Richter ausführen.

DIE KATZE ist reinstes Genrekino, ungemein packend inszeniert, großartig besetzt und spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Mit zunehmender Laufzeit wird das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gangstern und der Polizei immer intensiver, wird der Plot, den Regisseur Dominik Graf erzählt, immer wendungsreicher, überraschender und spannender.

Schaut man sich DIE KATZE heute an, muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, was in den letzten 25 Jahren eigentlich falsch gelaufen ist in der deutschen Filmproduktion, warum Filme wie dieser heutzutage praktisch nicht mehr gedreht werden. Es kann doch nicht sein, dass es für Filme wie DIE KATZE kein Publikum mehr geben soll. Das hier ist überlebensgroßes Kino, ein in allen Bereichen nahezu perfekter Film, der sauspannende und eingängige Unterhaltung bietet und schlicht grandios gespielt ist. Ich fasse es einfach nicht, dass das Publikum Filme dieser Art offensichtlich nicht mehr sehen will. Viel Spaß bei “Kokowääh 15“ und “Siebenohrelefanten“…

Bewertung: Meisterwerk!

Shocktober 2015 – First Batch

NIGHT OF THE BIG HEAT (Großbritannien 1967, Regie: Terence Fisher)night of the big heat

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Regisseur Terence Fisher hat Ende der 50er Jahre für die britischen Hammer-Studios Filmgeschichte geschrieben und u.a. DRACULA und THE CURSE OF FRANKENSTEIN mit dem Duo Christopher Lee und Peter Cushing gedreht. Ende der 60er Jahre neigte sich Fishers Karriere als Regisseur schon langsam dem Ende entgegen und mit NIGHT OF THE BIG HEAT hat der tolle Regisseur dann auch mindestens eine Gurke in seiner Vita stehen, aber zumindest eine liebenswerte und sympathische Gurke.

In NIGHT OF THE BIG HEAT geht es um eine unerklärliche Hitzewelle, die eine der Kanalinseln mitten im Winter heimsucht und während der allerhand mysteriöse Dinge geschehen. Zum Glück ist Wissenschaftler Christopher Lee vor Ort, der außerirdische Mächte im Spiel sieht und den Dingen auf den Grund gehen will. Unterstützung erhält er dabei von seinem alten Kumpel Peter Cushing, während der von Patrick Allen gespielt Autor und Gasthausbesitzer Jeff Callum ganz andere Sorgen hat, muss er doch versuchen, seine Ehefrau und seine Geliebte irgendwie unter einen Hut zu bekommen.

NIGHT OF THE BIG HEAT ist harmloser, liebevoller und irgendwie auch sympathischer Science-Fiction-Trash, dem es allerdings doch arg an Spannung mangelt und durch den man sich – ich will da nichts beschönigen – über 90 Minuten mitunter auch etwas durchkämpfen muss. Da auch die hinter der Hitzewelle steckenden Aliens nicht für großartige Überraschungen oder Schauwerte sorgen, liegt es letztendlich allein am Duo Lee/Cushing, den Tag zumindest halbwegs zu retten. So wirklich gelingen mag ihnen das jedoch auch nicht.

Persönliche Bewertung: Naja!

ANNABELLE (USA 2014, Regie: John R. Leonetti)

annabelle

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Paranormale Aktivitäten, Besessenheit, Okkultismus – das sind mit die Lieblingsthemen im Bereich des Horrorkinos. THE CONJURING aus dem Jahr 2013 war einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre in diesem Bereich und hat nun mit ANNABELLE ein Prequel spendiert bekommen, in dem die Vorgeschichte der besessenen Puppe aus THE CONJURING erzählt wird, allerdings in einem eher durchschnittlichen Film innerhalb des Subgenres. Regisseur John R. Leonetti versucht es mit Atmosphäre, vereinzelten Schockeffekten und diesem ungeschriebenen Gesetz, dass Puppen im Horrorfilm allein aufgrund ihrer Anwesenheit einfach immer verdammt creepy rüberkommen. So hat ANNABELLE dann auch durchaus seine Momente, insgesamt betrachtet fehlt es dem Film jedoch an Spannung und die Hauptfigur ist leider so klischeehaft und teilweise auch nervig gezeichnet, dass es schwer fällt, zu ihr eine Beziehung aufzubauen und mit ihr mitzufiebern. So schaut man sich die Kirmesveranstaltung eher im Berieselungsmodus an, erfreut sich am einen oder anderen Schockeffekt und kommt, wenn der Abspann schließlich einsetzt, mal wieder zu der Erkenntnis, dass man bei der persönlichen Bewertung von Horrorfilmen immer mal wieder das eine oder andere Auge zudrückt.

Persönliche Bewertung: Ok!

SATAN’S CHILDREN (USA 1975, Regie: Joe Wiezycki)

satan's children

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

In SATAN’S CHILDREN haut der junge Bobby Douglas (Stephen White) von zu Hause ab, weil er die ständigen Erniedrigungen seines Vaters und seiner Stiefschwester nicht mehr ertragen kann, wird kurz danach von einer Gruppe Homosexueller missbraucht, landet schließlich in den Armen einer Sekte von homophoben Teufelsanbetern und knallt im Finale ähnlich durch wie Regisseur Joe Wiezycki und seine Drehbuchautoren, die diesen unglaublichen Blödsinn zu verantworten haben.

SATAN’S CHILDREN ist einer dieser Filme, die man gesehen haben muss, um tatsächlich glauben zu können, dass sie existieren. Es ist allerdings keiner dieser Filme, die in die „So bad, it’s good“-Kategorie passen. (Fast) alles an SATAN’S CHILDREN ist einfach nur stümperhaft. Da helfen auch die vielen Unglaublichkeiten nicht mehr weiter, die Regisseur Joe Wiezycki im Lauf seiner gut 80 Minuten so aneinandergereiht hat (der Sleaze-Faktor dieses Underground-Exploiters ist verdammt hoch). Positiv hervorzuheben ist lediglich der Score von Ray Fletcher, dem es tatsächlich gelingt, ab und an zumindest einen Hauch von Atmosphäre zu erzeugen und der definitiv einen besseren Film als diesen hier verdient gehabt hätte. Die Darsteller (als Schauspieler mag man sie einfach nicht bezeichnen) agieren hölzern, die Settings sind ein Graus, der ganze Plot ergibt einfach keinen Sinn, die latent homophobe Grundaussage des Films ist ärgerlich (aber auch nicht wirklich ernst zu nehmen) und die meisten Kameraeinstellungen sind mit dem Begriff „abenteuerlich“ noch positiv beschrieben. Es gibt im Endeffekt nur eine richtig tolle Sequenz. Kurz nachdem die Hauptfigur abgehauen ist, folgt ihr die Kamera durch die nächtlichen Straßen, als Zuschauer ist man ihr als stiller Beobachter auf der Spur und zu diesem relativ frühen Zeitpunkt (die Szene kommt nach ca. 15 Minuten) hofft man noch, dass der Film vielleicht doch halbwegs ansehbar werden könnte. Es bleibt bei der Hoffnung…

Persönliche Bewertung: Mies (mit einigen ganz wenigen Momenten)!

THE WICKER MAN (Großbritannien 1973, Regie: Robin Hardy)

the wicker man

(Fassung, DVD (Director’s Cut), Warner, Großbritannien)

Um das Verschwinden eines 12-jährigen Mädchens aufzuklären reist ein Polizist (Edward Woodward) auf eine kleine schottische Insel und trifft dort auf heidnische Rituale, eine Wand aus Ablehnung, Schweigen, Widersprüchen und auf den undurchsichtigen Lord Summerisle (Christopher Lee). Doch das Sträuben der Inselbewohner, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, stachelt die Motivation des Polizisten nur noch mehr an…

Wow, was für ein Brett von einem Film. Regisseur Robin Hardy lässt das Grauen heimlich, still und leise über seine Zuschauer hereinbrechen, baut Spannung und Atmosphäre ganz behutsam auf, erschafft mit Hilfe seines Kameramannes Harry Waxman gleichzeitig wunderschöne, verstörend und höchst beunruhigende Bilder und knallt dem Zuschauer ein Ende vor den Latz, welches gut als Äquivalent zum sprichwörtlichen Hieb in die Magengrube durchgehen kann. Und dann noch diese Musik von Paul Giovanni, die man wohl perfekter nicht hätte komponieren können und die einen ganz großen Anteil an der ungemein dichten Atmosphäre von THE WICKER MAN hat. Genrekino at its best.

Und wenn man das Gesehene schließlich nach dem Abspann langsam verarbeitet, fällt natürlich auch auf, dass Hardys Film neben dem Schrecken, den er transportiert, vor allem auch die Glaubensfrage nach dem Sinn und Unsinn von Religionen stellt. Die kann dann jeder für sich selbst beantworten.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

THE WOMAN IN BLACK (Großbritannien/Kanada/Schweden 2012, Regie: James Watkins)

the woman in black

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Mit der Action-Mystery-Komödie THE LADY VANISHES verabschiedeten sich die altehrwürdigen Hammer Studios aus Großbritannien im Jahr 1979 aus dem Filmgeschäft. 3 Jahre zuvor hatten sie mit TO THE DEVIL A DAUGHTER ihren letzten Horrorfilm in die Kinos gebracht. Das Ende einer der großartigsten Produktionsschmieden des Genrefilms.

Seit nunmehr 5 Jahren ist Hammer Films zurück und ja, es tut gut, in den Anfangscredits eines Horrorfilms zu lesen, dass dieser von Hammer (mit-)produziert wurde. THE WOMAN IN BLACK mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe in der Hauptrolle ist eine dieser neueren Hammer-Produktionen und zumindest mit diesem Film bleibt sich das Londoner Studio vom Stil her treu und versucht, an alte Taten aus den 50er, 60er und 70er Jahren anzuknüpfen. THE WOMAN IN BLACK präsentiert routinierten Gothic Horror, mit einem Hauptdarsteller, dem es erfolgreich gelingt, das Image des Zauberlehrlings abzustreifen, mit einer traumhaften Ausstattung und tollen Settings in typischer Hammer-Tradition, mit ein paar gelungenen Schockeffekten und mit einer wundervollen Gruselatmosphäre, die an die glorreichen Zeiten des Studios erinnert. Ein rundum sympathischer Film, dem es aber – und da nutzen auch die schönste Atmosphäre und die tollste Ausstattung nichts – für einen Film aus dem Horrorgenre doch zu sehr an Spannung mangelt und der aus diesem Grund nicht vollends zu überzeugen weiß. Die Verpackung von THE WOMAN IN BLACK ist grandios, wenn dann vielleicht auch bald wieder der Inhalt passt, kann man sich über die Auferstehung der Hammer Studios noch mehr freuen.

Persönliche Bewertung: Nett!

IL DIO SERPENTE (Italien/Venezuela 1970, Regie: Piero Vivarelli)

il dio serpente

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In IL DIO SERPENTE dreht sich alles um die attraktive Paola (Nadia Cassini), die gelangweilt und einsam auf einer Insel in der Karibik sitzt, weil ihr schwerreicher Ehemann mehr Zeit mit seinen Geschäften verbringt als mit seiner Ehefrau. Als sie die unabhängige und freiheitsliebende Stella (Beryl Cunningham) kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen schon bald eine innige Freundschaft. Über Stella kommt Paola mit einem Voodookult in Berührung und nimmt auch schon bald an einem Ritual teil, während dem sie dem titelgebenden Schlangengott verfällt. Mit fatalen Folgen…

Die IMDB listet IL DIO SERPENTE auch als Horrorfilm, so wirklich zutreffend ist diese Kategorisierung nicht. Gut, das ausführlich gezeigte Voodooritual würde auch in einen Horrorfilm passen und passagenweise weist Vivarellis Film auch eine durchaus unheimliche Atmosphäre auf, davon, ein echter Schocker zu sein, ist IL DIO SERPENTE jedoch meilenweit entfernt. Das liegt vor allem daran, dass Regisseur Piero Vivarelli sich nicht wirklich für das theoretisch vorhandene Horrorpotential – unheimlicher Voodookult, eine Frau unter dem Einfluss einer mysteriösen Gottheit – interessiert, einfach keine spannende Geschichte erzählen will, sondern sich einzig und allein auf seine Schauwerte verlässt. IL DIO SERPENTE fließt förmlich am Zuschauer vorbei und überzeugt bzw. unterhält einzig und allein aufgrund seiner traumhaften Kulisse, seines nichtwegzuleugnenden Mystery-Touchs, seines exotischen Story-Aufhängers und seiner ungemein attraktiven Hauptdarstellerin, die ihre formvollendeten Rundungen in nicht wenigen Szenen fast gänzlich unverhüllt in die Kamera hält.

Persönliche Bewertung: Ok!

OPERA (Italien 1987, Regie: Dario Argento)

opera

(Fassung: DVD, Arrow Video, Großbritannien)

Die junge Opernsängerin Betty (Cristina Marsillach) erhält kurzfristig die Chance auf die weibliche Hauptrolle in einer neuen Aufführung von MacBeth und lässt ihr Publikum begeistert zurück. Doch die Freude über den Erfolg ist nur von kurzer Dauer, denn Betty muss sich damit auseinandersetzen, dass ein verrückter Killer plötzlich anfängt, Menschen in ihrem Umfeld auf bestialische Weise zu ermorden – und Betty zwingt, bei den Morden zuzusehen…

Mit OPERA hat Altmeister Dario Argento einen mehr als beeindruckenden Spät-Giallo hingelegt, der sich weder vor Argentos eigenen Großtaten noch vor sonstigen Klassikern des insbesondere in den 70er Jahren erfolgreichen Subgenres verstecken muss. OPERA bietet tatsächlich alles, was man sich vom Genre erwartet und erhofft. Eine weibliche Hauptperson, mit der man ganz vorzüglich mitfiebern kann, einen mysteriösen Killer mit schwarzen Handschuhen, eine wendungsreiche und spannende Handlung, eine unheilschwangere Atmosphäre, extrem blutige Mordszenen, tolle Settings, grandiose Kamerafahrten und einen atmosphärischen Score. Ich habe OPERA erst jetzt zum allerersten Mal gesehen und bin ziemlich geplättet. Es sind Filme wie dieser hier, wegen denen ich dem italienischen Genrekino schon seit einigen Jahren hoffnungslos verfallen bin.

Persönliche Bewertung: Hervorragend!

HELLRAISER III: HELL ON EARTH (Kanada/USA 1992, Regie: Anthony Hickox)

hellraiser iii - hell on earth

(Fassung: DVD, Anchor Bay, Großbritannien)

Ich habe mir bisher immer nur die ersten beiden Teile der Hellraiser-Reihe angesehen und möchte mich nun auch mal an die Nachfolgefilme wagen. In HELLRAISER: HELL ON EARTH bekommt es dieses Mal eine TV-Reporterin (Terry Farrell) mit Pinhead (Doug Bradley) zu tun und hat alle Mühe, das Nadelgesicht und seine Kumpanen wieder zurück in die Hölle zu schicken.

An die beiden ziemlich tollen Vorgänger kommt dieser dritte Teil von Anthony Hickox erwartungsgemäß nicht heran. HELLRAISER III: HELL ON EARTH ist – obwohl sich Hickox in Sachen Settings und Effektkunst viel Mühe gegeben hat, den beiden Auftaktfilmen gerecht zu werden – deutlich eingängiger als die Filme von Clive Barker und Tony Randel geraten und wirkt auch deutlich weniger verstörend. Insbesondere im Vergleich zu Barkers Original aus dem Jahr 1987 wirkt dieser Film hier fast schon harmlos. Gefallen hat mir HELLRAISER III: HELL ON EARTH dennoch ziemlich gut. Weil er seine Geschichte ohne großartige Schnörkel an den Mann bringt, weil die Effekte wieder richtig gut gelungen sind und der Film visuell ein paar ausgesprochen hübsche Einfälle zu bieten hat, weil Hauptdarstellerin Terry Farrell einfach toll ist und sich die von ihr gespielte Reporterin bestens als beschützenswerte Identifikationsfigur eignet, weil insbesondere diese Szenen im Underground-Club klasse umgesetzt sind und – vielleicht der Hauptgrund, weswegen ich den Film mochte – weil Anthony Hickox insgesamt betrachtet mit diesem Film vielleicht sogar mehr geboten hat, als man von so einer Fortsetzung, die ja auch eher mit einem sehr schmalen Budget ausgestattet gewesen sein dürfte (lt. IMDB hat der Film ca. 5 Mio. Dollar gekostet) und eher im Hinblick darauf gedreht wurde, noch mal schnell ein bisschen Kohle mit dem Franchise zu machen, überhaupt erwarten konnte.

Persönliche Bewertung: Gut!