Ein Kessel Buntes

SICARIO (USA 2015, Regie: Denis Villeneuve)

sicario

(Fassung: Blu-ray, Studiocanal, Deutschland)

Emily Blunt spielt die FBI-Agentin Kate Mercer, eigentlich Spezialisten für Geiselnahmen, die nach einem traumatischen Einsatz, in dem ein gefährliches Drogenkartell involviert war, gefragt wird, ob sie an einem Spezialeinsatz gegen dieses Kartell teilnehmen würde. Kate sagt zu und lernt schon bald eine ausgesprochen skrupellose Form der Verbrechensbekämpfung kennen, die von Matt Graver (Josh Brolin), dem Leiter des Einsatzes billigend in Kauf genommen wird, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei schreckt dieser auch nicht vor der Zusammenarbeit mit dem eiskalten Söldner Alejandro (Benicio Del Toro) zurück…

Nicht gerade leicht verdauliche Kost, die Regisseur Denis Villeneuve hier seinen Zuschauern auftischt. SICARIO ist schon fast aufreizend ruhig und bedächtig erzählt, erzeugt dabei aber eine so intensive Atmosphäre und ist so ungemein spannend geraten, dass einem als Zuschauer regelrecht der Atem wegbleibt. In extrem stylisher und ausgefeilter Optik konfrontiert Villeneuve den Zuschauer mit einer wahrlich erschreckenden Zwischenwelt, in der sämtliche Grenzen zwischen Gut und Böse zu verschwimmen scheinen und jeder noch so abartige Zweck sämtliche Mittel heiligt. Die Geschichte, die Villeneuve erzählt, wird dabei ungemein glaubwürdig und authentisch rübergebracht, Emily Blunt ist schlicht grandios als hilf- und machtlose Agentin, die mit der Situation, in die sie sich letztendlich selbst gebracht hat, komplett überfordert ist, mit ihrem Latein sprichwörtlich am Ende zu sein scheint und sich dem Wahnsinn, der da vor ihren Augen abläuft, nur noch hilflos ergeben kann. Benicio Del Toro bietet als skrupelloser Söldner eine Leistung, die ich als einfach nur erschreckend realistisch bezeichnen möchte und die bestens dazu geeignet ist, diverse Albträume zu verursachen. Und dann diese unfassbaren Gewalteruptionen, die immer wieder unvermittelt über den Zuschauer hereinbrechen und die von Villeneuve ebenso effektiv wie nüchtern inszeniert worden sind. SICARIO ist definitiv einer dieser Filme, die im Gedächtnis bleiben werden.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

LET’S BE COPS (USA 2014, Regie: Luke Greenfield)

let's be cops

(Fassung: Blu-ray, 20th Century Fox, Deutschland)

Da sie die Einladung leicht fehlinterpretiert hatten, tauchen die beiden besten Freunde Ryan (Jake Johnson) und Justin (Damon Wayans Jr.) als Polizisten verkleidet bei ihrem Klassentreffen auf und werden dort, auch der Tatsache geschuldet, dass sie seit ihrem Abschluss noch nicht sonderlich viel in ihrem Leben erreicht haben, schnell zum Gespött der Veranstaltung. Als sie schließlich frustriert nach Hause laufen, merken sie plötzlich, welche Vorteile so eine Polizeiuniform haben kann und entschließen sich dazu, diese Vorteile fortan für sich zu nutzen, erwartungsgemäß mit teils fatalen Folgen…

Ok, die ganze Ausgangssituation von LET’S BE COPS ist schon arg konstruiert und wenn man diese nicht einfach als gegeben hinnehmen kann, wird man wohl wenig Spaß mit Greenfields Komödie haben, die einfach darauf aufgebaut ist, dass es keinerlei Probleme macht, sich als Polizist zu verkleiden, sich ein echtes Polizeiauto auf eBay zu ersteigern, anschließend Streife zu fahren und tatsächlich damit durchzukommen. Lässt man sich jedoch auf LET’S BE COPS ein, wird man mit einem stellenweise wirklich schreiend komischen Film belohnt. Es gab nicht wenige Sequenzen, in denen ich Tränen vor lauter Lachen in den Augen hatte und es ist auch insbesondere die tolle Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Jake Johnson und Damon Wayans Jr. – die sich ja bestens aus der Sitcom NEW GIRL kennen -, die LET’S BE COPS zu einem riesengroßen Spaß werden lässt. Vielleicht hätten ein paar mehr Überraschungen im Handlungsverlauf dem Film gut getan (der Plot ist schon sehr vorhersehbar) und im letzten Drittel geht LET’S BE COPS auch merklich die Puste aus, insgesamt betrachtet hat mich Greenfields Komödie aber absolut positiv überrascht. Der Film ist tatsächlich weitaus besser als zuvor von mir erwartet.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

RED DAWN (USA 2012, Regie: Dan Bradley)

red dawn

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Im Jahr 1984 ließ Regisseur John Milius russische Truppen in die USA einfallen und diese von einer Handvoll Jugendlicher (damals u.a. gespielt von Patrick Swayze, C. Thomas Howell, Charlie Sheen, Lea Thompson und Jennifer Grey) in einem Guerillakrieg bekämpfen – der Film hörte auf den Titel RED DAWN und gehört bis heute zu den berüchtigtsten der berüchtigten Actionklopper aus den 80er Jahren.

Knapp 30 Jahre später bekam Milius’ Film dieses gleichnamige Remake spendiert, in dem es nun Truppen aus Nordkorea sind, die einen Angriff wagen und in dem sich nun erneut Jugendliche – die nun u.a. von Chris Hemsworth, Josh Hutcherson, Josh Peck und Adrianne Palicki gespielt werden – im Guerillakrieg versuchen. Die Ausgangslage, die bereits knapp 30 Jahre früher ziemlich hanebüchen war, aber thematisch zumindest in die damalige politische Landschaft passte (was dazu führt, dass Milius’ Original aufgrund seiner erzreaktionären Propaganda auch heute noch ziemlich verstörend rüberkommt), wirkt heute natürlich nur noch hirnrissig und führt am Ende des Tages auch dazu, dass man RED DAWN wirklich zu keiner Sekunde mehr ernst nehmen kann. Bradleys Film kann man nicht einmal mehr subversives Potential unterstellen, er wirkt einfach nur doof.

Diese extrem miesen Kritiken, die Bradley für RED DAWN eingesteckt hat, kann ich jedoch nicht wirklich nachvollziehen. Vielleicht war meine Erwartungshaltung aufgrund der überwiegend negativen Stimmen ja tatsächlich schon so extrem niedrig, dass ich gar nicht mehr wirklich enttäuscht werden konnte, reduziert man RED DAWN rein auf sein Unterhaltungspotential – und nichts anderes kann man in meinen Augen mit ihm anstellen – so kommt man sicher nicht umhin, zugeben zu müssen, dass dieses doch ziemlich hoch ausgefallen ist (mitunter auch etwas arg unfreiwillig). Es knallt und kracht ständig an allen Ecken und Enden, der auch in den Dialogen zur Schau getragene Patriotismus ist von entlarvender Dummheit, klischeehaft und immer wieder für einen Lacher gut und ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte mich bei diesem Blödsinn hier nicht doch königlich amüsiert.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

THE DOLL SQUAD (USA 1973, Regie: Ted V. Mikels)

the doll squad

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Ich hatte in meinem kurzen Text zu MISSION: KILLFAST anfangs des Jahres ja schon angemerkt, dass die Filme von Regisseur Ted V. Mikels im Bereich des Exploitationkinos immer noch eine Spur billiger zu sein scheinen als ihre ja oftmals auch nicht gerade kostspieligen Artverwandten. Das trifft auch auf THE DOLL SQUAD zu, in dem eine Gruppe von Spezialagentinnen einen größenwahnsinnigen Superverbrecher zu Fall bringen soll.

In THE DOLL SQUAD kultiviert Ted V. Mikels die unterhaltsame Langsamkeit, ein großer Teil der Laufzeit wird damit verbracht, dass Personen letztlich sinnlose Gespräche führen oder von Punkt A zu Punkt B gelangen, der Rest wird mit kostengünstigen Unglaublichkeiten befüllt, die vielleicht nicht immer überaus spektakulär geraten sind, dafür aber immer wieder die Grenzen hin zum schmierigen Sleaze genüsslich zu überschreiten versuchen. Ted V. Mikels ist einer dieser Exploitation-Regisseure, die versuchen, ihr Publikum über weite Strecken einzulullen und mit vereinzelten Höhepunkten bei Laune zu halten versuchen. Bei mir funktioniert das immer wieder ganz vorzüglich. Ich mag Mikels’ Filme einfach.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

FOR Y’UR HEIGHT ONLY (Philippinen 1981, Regie: Eddie Nicart)

for y'ur height only

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Ähnlich wie in dem unmittelbar zuvor angesehenen THE DOLL SQUAD geht es auch in FOR Y’UR HEIGHT ONLY um eine gemeingefährliche Verbrecherorganisation, die von einem Agenten zur Strecke gebracht werden muss. In Nicarts Film reicht zum Stoppen der Gangster ein einziger Superagent, der wirklich alle Tricks drauf hat, um mit einem kompletten Syndikat spielend fertig zu werden – und das, obwohl er gerade mal 84 cm (!!!) groß ist! Hauptdarsteller Weng Weng ist damit – glaubt man der IMDB – der kleinste Schauspieler, der je in einem Action- oder Martial-Arts-Film die Hauptrolle übernommen hat und natürlich ist die “Größe“ des Stars in diesem schamlosen James-Bond-Rip-Off, in dem sogar der Score aus Variationen diverser Bond-Scores besteht, genau das Element, dass für den Unterhaltungswert des Films und die diversen Schauwerte herhalten muss.

FOR Y’UR HEIGHT ONLY gehört zu dieser Art von Filmen, die man einfach gesehen haben muss, um glauben zu können, dass sie tatsächlich existieren. Regisseur Eddie Nicart reiht hier eine Unglaublichkeit an die nächste und setzt seinen Film aus diversen Ereignissen zusammen, die letztendlich so etwas wie einen Plot ergeben sollen, was allerdings nicht wirklich gelingen mag. FOR Y’UR HEIGHT ONLY wirkt mitunter etwas gehetzt und episodenhaft und das gänzliche Fehlen etwas ruhigerer Passagen führt schließlich auch dazu, dass diese zusammengesetzten Zirkusnummern mit zunehmender Laufzeit doch ein kleines bisschen ermüdend wirken. Wer jedoch auch nur ein kleines Herz für etwas obskurere Filme haben sollte, kommt an FOR Y’UR HEIGHT ONLY definitiv nicht vorbei. Der Unterhaltungswert ist insgesamt betrachtet wirklich verdammt hoch.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

PIXELS (China / Kanada / USA 2015, Regie: Chris Columbus)

pixels

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Anfang der 80er Jahre wurde ein Video von einer Videospiel-Meisterschaft von der NASA ins All geschickt und erreichte dummerweise die falschen Adressaten. Aliens verstanden das Video als Kriegserklärung und nun, über 30 Jahre später, muss sich der US-Präsident (Kevin James) damit auseinandersetzen, dass die Erde von den angepissten Außerirdischen mit Kriegsmaschinen angegriffen wird, die alten Arcade-Spielen wie Pac-Man und Co. nachempfunden sind. Nun liegt es an einer kleinen Gruppe einst passionierter Arcade-Zocker (u.a. Adam Sandler und Peter Dinklage) die Welt zu retten…

Filme mit Adam Sandler und/oder Kevin James in der Hauptrolle genießen ja nicht wirklich den besten Ruf, werden gemeinhin als dumme und minderwertige Unterhaltung abgetan und fast allerorts belächelt. Ich persönlich habe ein Herz für die Filme dieser beiden Komiker, weil ich es prinzipiell sehr schön finde, welch positives Weltbild sie immer wieder zeichnen. Man mag dieses gezeichnete Weltbild gerne als naiv abtun, in den politischen Zeiten, in denen wir uns jedoch gerade befinden, halte ich es für absolut begrüßenswert, dass es Filme wie bspw. GROWN UPS und ZOOKEEPER gibt, die es einem erlauben, zumindest für 90 oder 120 Minuten ein bisschen Realitätsflucht zu betreiben.

Meine persönlichen Erwartungen an PIXELS waren – allein aufgrund seiner herrlich-absurden Grundidee – doch ziemlich hoch, konnten dieses Mal jedoch nicht ganz erfüllt werden. Vielleicht war Chris Columbus einfach nicht der richtige Regisseur für diesen Film, vielleicht wäre bei diesem Film Sandler-Spezialist Dennis Dugan die bessere Wahl gewesen. Zwar entdeckt man auch in PIXELS viele liebevoll zusammengestellte Details, das Zusammenspiel von Sandler und James bleibt jedoch erstaunlich blass, die Gags zünden nur bedingt und aufgrund der Ausgangssituation des Plots habe ich mir persönlich auch etwas mehr Spielfiguren-Action erhofft. Unterhaltsam ist PIXELS dennoch geraten und wer Filmen mit Adam Sandler und Kevin James in den Hauptrollen prinzipiell etwas abgewinnen kann, dürfte auch hier seinen Spaß haben. Vielleicht aber nicht ganz so viel Spaß wie mit den anderen Filmen der beiden Komiker.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM (aka The Good, the Bad, the Weird, Südkorea 2008, Regie: Kim Ji-woon)

joheunnom nabbeunnom isanghannom

(Fassung: Blu-ray, Splendid, Deutschland)

THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD – so lautet der internationale Titel des Films und allein aufgrund der Titelgebung dürften Filminteressierte sofort erkennen, dass es sich beim Film von Regisseur Kim Ji-woon in erster Linie um eine Variante des Italowestern-Klassikers IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO (aka The Good, the Bad and the Ugly) handelt, weiter gefasst um eine Hommage an den Italowestern im Allgemeinen.

좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM handelt von einer Schatzkarte, auf die es verschiedene Parteien abgesehen haben – insbesondere Jeong Woo-seong als Park Do-won in der Rolle von Clint Eastwood, Lee Byeong-heon als Park Chang-i in der Rolle des Bösen, die Lee Van Cleef in Leones Original bekleidete, und schließlich Song Kang-ho als Yoo Dae-goo, der dem von Eli Wallach im Leone-Film gespielten Tuco nachempfunden ist – und die von diesen erbittert gejagt wird.

Wie Regisseur Kim Ji-woon diese wilde Jagd bebildert und inszeniert ist schlicht atemberaubend. 좋은 놈, 나쁜 놈, 이상한 놈 | JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM ist ein wilde Mischung aus Western und Eastern, mit großartig choreographierten Actionsequenzen, slapstickartigen Comedy-Einlagen, teils heftigen Gewaltausbrüchen und vielen, vielen Momenten, in denen sich Kim Ji-woon vor seinen Vorbildern respektvoll verneigt und in denen spürbar ist, mit wie viel Liebe und Herzblut dieser Film hier hergestellt wurde. Ich persönlich fand vor allem die Mischung aus komischen, spektakulären, ruhigen und brutalen Sequenzen sehr ausgewogen und gelungen und diese irrsinnige Verfolgungsjagd im letzten Drittel zu den Klängen des von Bennie Benjamin und Gloria Caldwell komponierten Songs “Don’t Let Me Be Missunderstood“ war mit das Beste, was ich in letzter Seite im Bereich des Actionkinos zu sehen bekommen habe.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

KNOWING (Australien / Großbritannien / USA 2009, Regie: Alex Proyas)

knowing

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Nicolas Cage spielt John Koestler, einen alleinerziehenden und nach dem Tod seiner Frau vom Glauben abgefallenen Astrophysiker, dem zufällig ein 50 Jahre alter Zettel mit diversen Zahlenreihen in die Hände fällt. Als er sich daran macht, die Zahlenreihen näher zu untersuchen, stellt er fest, dass die Zahlen die Daten diverser Katastrophen incl. der exakten Opferzahlen und der Koordinaten des Unglücksortes darstellen. Da es sich bei den letzten enthaltenen Zahlen auf dem Zettel um Datumsangaben handelt, die nur wenige Tage nach dem Fund des Zettels liegen, beginnt für John ein Wettlauf gegen die Zeit…

Beim Ansehen von KNOWING sollte man nach Möglichkeit seine Gehirnzellen weitestgehend deaktivieren. Dann kann man sich von Cages berühmten Overacting, dem einen oder anderen miesen CGI-Effekt und einer – das muss man dem Film neidlos anerkennen – ungemein dichten und über weite Strecken auch durchaus unheimlichen Mystery-Atmosphäre und einem zumindest bis zum letzten Drittel des Films spannenden Plot ausgesprochen nett unterhalten lassen. Aber auch mit weitestgehend deaktivierter Gehirnaktivität dürfte man dann im letzten Drittel des Films erkennen, dass man es hier eigentlich mit religiösem Mumpitz der übelsten Sorte zu tun hat und KNOWING in erster Linie als Propagandafilm beliebiger religiöser Sekten zu gebrauchen ist und man sich insgeheim erhofft, man könnte es hier vielleicht auch einfach nur mit übertriebener Satire zu tun haben. Es steht jedoch zu befürchten, dass Proyas diesen Unsinn, den er hier verzapft ab, absolut ernst gemeint hat. Darauf ein dreifaches Halleluja. Wenigstens ist der Käse über weite Strecken extrem unterhaltsam geraten.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

Neues Jahr, neues (Film-)Glück – Part IV

DRACULA UNTOLD (Japan / USA 2014, Regie: Gary Shore)dracula untold

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Seit die Universal Studios Anfang der 30er Jahre Filme wie DRACULA und FRANKENSTEIN in die Kinos brachten, schlachten sie diese klassischen Horror-Franchises immer wieder aufs Neue aus.

In DRACULA UNTOLD von Regisseur Gary Shore aus dem Jahr 2014 wird nun die Vorgeschichte des wohl berühmtesten Vampirs erzählt. Es ist die Geschichte des transsilvanischen Prinzen Vlad (Luke Evans), der einst als Sklave für die türkischen Heere kämpfte und als Pfähler in die Annalen der Kriegsgeschichte einging. Als viele Jahre später der türkische Eroberer Mehmed (Dominic Cooper) 1.000 Jünglinge von Vlad einfordert, um diese ebenfalls als Kämpfer für seine Armee auszubilden, weigert sich Vlad und verursacht dadurch einen Krieg, der gegen die türkische Übermacht praktisch nicht zu gewinnen ist. In seiner Verzweiflung lässt sich Vlad auf einen Deal mit einem mächtigen Dämon ein und wird schließlich zum unsterblichen Vampir.

Da diese Vorgeschichte meines Wissens noch nicht wirklich häufig Gegenstand von Dracula-Verfilmungen gewesen ist – in Coppolas DRACULA aus dem Jahr 1992 wurde sie zumindest angerissen – finde ich die Idee, aus ihr einen kompletten Film zu machen, prinzipiell durchaus begrüßenswert. Noch begrüßenswerter wäre es allerdings gewesen, wenn dabei nicht so ein uninspiriertes Etwas herausgekommen wäre wie DRACULA UNTOLD. Bis auf ein paar nette visuelle Einfälle und ein paar ganz hübsch choreographierte Schlachtsequenzen hat DRACULA UNTOLD dem Zuschauer leider nicht sonderlich viel zu bieten. Die Darsteller bleiben durch die Bank blass, die CGI-Effekte sind von der schwächeren Sorte und der ganze Film poltert am Zuschauer vorbei ohne diesen in irgendeiner Art und Weise mitreißen oder berühren zu können. Das mag ja zum kurzen Berieseln lassen durchaus noch halbwegs geeignet sein – die für diese Geschichte überraschend kurze Nettolaufzeit von knapp 90 Minuten trägt viel dazu bei, dass man von Shores Film nicht irgendwann genervt wird -, der Mythos Dracula hat aber definitiv einen besseren Film verdient wie diesen hier, insbesondere wenn er von dem Studio produziert wurde, das damals auch für die Ur-Version mit Bela Lugosi aus dem Jahr 1931 verantwortlich zeichnete.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

神龍猛探 | MIE JUE QI QI (aka Challenge of the Tiger, Italien / Hongkong / USA 1980, Regie: Bruce Le)

mie jue qi qi

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

Die Formel für ein neuartiges Serum ist in die falschen Hände geraten und muss nun dringend wiederbeschafft werden, bevor schlimme Dinge mit ihr veranstaltet werden können. Ein Job wie gemacht für die beiden Top-Agenten Huang Lung (Bruce Le) und Richard Cannon (Richard Harrison), die jedoch alle Hände voll zu tun bekommen, da hinter der Formel jede Menge zwielichtiger Gestalten mit verschiedenen Interessenlagen her zu sein scheinen. Und so prügeln und schießen sich Lung und Cannon durch ihre Gegner um am Ende des Films wie erwartet den Tag retten zu können. Wobei für die Abteilung Attacke vor allem der von Regisseur Bruce Le gespielte Lung zuständig ist, sein Partner Cannon nimmt den Auftrag eher als Chance wahr sich durch verschiedene Betten zu vögeln, was für den Filmemacher Le natürlich ein gefundenes Fressen in der Form ist, dass er die Möglichkeit hat, seinen sowieso schon nicht an Schauwerten armen Film auch noch mit jede Menge blanker Brüste anreichern zu können – das Oben-Ohne-Tennis-Match ist beispielsweise einfach nur unglaublich!

Wie man vorstehenden Ausführungen sicher leicht entnehmen kann, ist 神龍猛探 | MIE JUE QI QI kein Film für das feingeistige Arthouse-Publikum, sondern spricht dann doch eher den Geschmack des B-Movie-Freaks an, der sich schon immer mal eine extrem sleazige Hongkong-Variante eines Bondfilms gewünscht hat. Regisseur Bruce Le jagt sich selbst als Hauptdarsteller, seine Mitstreiter vor und hinter der Kamera und natürlich auch sein Publikum durch einen hauchdünnen Plot, der ausschließlich durch Attraktionen verschiedenster Art zusammengehalten wird. Langeweile kommt in diesem wilden Reigen, in diesem atemberaubenden Kessel voll Buntem eigentlich nie auf und über fehlende “What the Fuck!?!“-Momente kann man sich auch nicht beschweren. 神龍猛探 | MIE JUE QI QI ist meilenweit davon entfernt, auch nur einen Hauch von Anspruch zu verbreiten und ich würde nicht mal so weit gehen wollen, ihn tatsächlich als guten Film zu bezeichnen, aber er ist unterhaltsam, extrem unterhaltsam. Und oft reicht allein diese Tatsache vollkommen aus!

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

MISSION: KILLFAST (USA 1991, Regie: Ted V. Mikels)

mission - killfast

(Fassung: Blu-ray, Vinegar Syndrome, USA)

Im Vergleich zu anderen Exploitern scheinen die Filme von Regisseur Ted V. Mikels immer noch einen Hauch billiger, schäbiger und schmieriger zu sein – was im Bereich des Exploitationfilms ja nun wahrlich nichts Negatives ist. Auch MISSION: KILLFAST übt durch seine ganz eigene Art und Weise eine gewisse Faszination auf den gestählten B- und C-Movie-Freak aus, ist mit seiner für Filme dieser Art als episch zu bezeichnenden Laufzeit von knapp 100 Minuten aber schon fast einen Tick zu lang geraten, um den Zuschauer über die komplette Distanz die erhoffte Unterhaltung bieten zu können.

Ähnlich wie in dem unmittelbar zuvor angesehenen 神龍猛探 | MIE JUE QI QI von Bruce Le geht es auch in MISSION: KILLFAST um eine Art MacGuffin um den der Plot konstruiert ist. Hier sind es gefährliche Zünder, die zum Bau einer Nuklearbombe verwendet werden können, in die falschen Hände geraten sind und im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes von einem Martial-Arts-Meister (Tiger Yang Cheng-Wu) wieder beschafft werden sollen. Auch Mikels reichert seinen Film mit einer Vielzahl an Schauwerten an. So gibt es Prügeleien, Schießereien, nackte Haut, einen Typen mit Augenbrauen- und Gesichtshaartoupets sowie derbe Gewaltspitzen in Hülle und Fülle und eigentlich sollte man meinen, dass mit diesen Zutaten ein ähnlich unterhaltsamer Cocktail hätte gemixt werden können wie in dem zuvor gesehenen Kracher von Bruce Le. Das gelingt Regisseur Mikels leider nicht ganz, was insbesondere daran liegt, dass er viel zu sehr damit beschäftigt ist, einen eigentlich simplen Plot auf wirklich so extrem komplizierte Weise abzuwickeln, dass man als Zuschauer irgendwann überhaupt nicht mehr durchblickt und die Harmonie zwischen den gezeigten Attraktionen und der erzählten Geschichte einfach nicht mehr stimmen mag. MISSION: KILLFAST wirkt seltsam zerfahren und mitunter vollkommen planlos, wobei zur Ehrenrettung von Mikels Film unbedingt angemerkt werden muss, dass MISSION: KILLFAST bereits Anfang der 80er Jahre gedreht wurde, aufgrund akuten Geldmangels jedoch erst Jahre später fertiggestellt werden konnte und so auch erst im Jahr 1991 (!) seine Erstveröffentlichung erfahren hat. Mit dieser Information im Hinterkopf kann man durchaus auch zu dem Schluss kommen, dass MISSION: KILLFAST genau der Film geworden ist, der er aufgrund der widrigen Entstehungsumstände werden konnte.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER (Deutschland 2014, Regie: Baran bo Odar)

who am i - kein system ist sicher

(Fassung: Blu-ray, Sony, Deutschland)

Computer-Freak Benjamin (Tom Schilling) ist ein Niemand – zumindest bis er Max (Elyas M’Barek), Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot Jr.) kennenlernt. Die vier schließen sich zur Hackergruppe “Clay“ zusammen und hinterlassen schon bald erste Spuren in der Szene. Doch aus anfangs kleinen Streichen wird schon bald blutiger Ernst und um ihre eigenen Köpfe zu retten, muss die Gruppe alles daran setzen, die Identität des Hackergenies Mr. X zu entlarven, das mit kriminellen Vereinigungen zusammenarbeitet…

Regisseur Baran bo Odar hat mit WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER einen immer spannend bleibenden Cyber-Thriller gedreht, dem es mit geschickt platzierten Wendungen immer wieder gelingt, den Zuschauer zu überraschen. Die vier Hauptfiguren harmonieren dabei ganz vorzüglich miteinander – insbesondere Antoine Monot Jr. und Wotan Wilke Möhring sind klasse in ihren Rollen – und wie Baran bo Odar diese Hackerszene zeichnet, wirkte zumindest auf mich als Computerlaien durchaus glaubwürdig und authentisch. Dazu noch ein paar nette visuelle Spielereien – mir hat vor allem die Visualisierung der Treffen in den Underground-Hacker-Foren sehr gut gefallen – und ein richtig geiler Soundtrack, der ganz entscheidend für den “Flow“ des Films verantwortlich zeichnet, und fertig ist ein Film, der sich erfreulich von der Masse der stromlinienförmigen, größeren deutschen Kinoproduktionen der vergangenen Jahre abhebt und dem man auch gerne verzeiht, dass er im letzten Drittel der Geschichte die Grenzen von Logik und Glaubwürdigkeit vielleicht ein klitzekleines bisschen zu sehr auszuloten versucht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

NIGHT MOVES (USA 2013, Regie: Kelly Reichardt)

night moves

(Fassung: Blu-ray, MFA/Ascot Elite, Deutschland)

Um ein deutliches Zeichen gegen die Zerstörung der Umwelt zu setzen, entschließen sich die drei jungen Umweltaktivisten Josh (Jesse Eisenberg), Dena (Dakota Fanning) und Harmon (Peter Sarsgaard) dazu, einen Staudamm in die Luft zu sprengen. Nach mühsamen Vorbereitungen gelingt der Plan, doch leider mit nicht einkalkulierten Konsequenzen. Bei dem Anschlag kommt ein Camper ums Leben und die drei Umweltschützer müssen nun irgendwie mit dieser Schuld zurechtkommen…

NIGHT MOVES verfällt in zwei Teile, die etwas unausgegoren nebeneinander zu stehen scheinen und nicht wirklich den Eindruck erwecken, miteinander verknüpft zu sein. Zuerst bekommt man als Zuschauer einen Einblick in die peniblen Vorbereitungen zur Sprengung des Damms, im Anschluss steht vor allem der von Jesse Eisenberg gespielte Josh im Mittelpunkt, wenn es schließlich darum geht, dem Zuschauer aufzuzeigen, wie dieser die aufgeladene Schuld verarbeitet. NIGHT MOVES ist in erster Linie auch ein Drama, in dem es um die Verarbeitung der eigenen Taten geht. Regisseurin Kelly Reichardt wählt für ihren Film eine fast schon aufreizend ruhige und langsame Erzählweise und ohne jetzt groß motzen zu wollen, muss ich doch feststellen, dass dem Film etwas mehr Dynamik oder vielleicht auch eine etwas andere Erzählweise – nicht ganz so chronologisch, vielleicht eher verschachtelt, mit Rückblenden arbeitend, usw. – sicher gut getan hätte. Man muss sich auf NIGHT MOVES einlassen können, was eine echte Herausforderung darstellt, weil Reichardt keine großartigen Identifikationsfiguren anbietet. Als Zuschauer bleibt man in der Rolle des stillen Beobachters, es ist mir persönlich etwas schwer gefallen, eine echte Bindung zum Film, zu den Figuren und zur Geschichte aufzubauen. Irgendwie hätte ich NIGHT MOVES gerne noch mehr gemocht, allein es ist mir einfach nicht gelungen, was ich insbesondere im Hinblick auf die durch die Bank guten Schauspielerleistungen etwas schade finde.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

FOCUS (Argentinien / USA 2015, Regie: Glenn Ficarra / John Requa)

focus

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Wahrscheinlich ist es müßig, sich über die Qualitäten eines Films wie FOCUS überhaupt großartige Gedanken zu machen. Der Film der beiden Regisseure Glenn Ficarra und John Requa existiert ganz offensichtlich einzig und allein zu dem Zweck, seinen Zuschauern gut 105 Minuten lang eine unbeschwerte und gute Zeit zu bereiten. FOCUS hat keine nennenswerte Aussage, erfindet das Rad nicht neu und ob man ihn nun gesehen hat oder nicht, dürfte relativ egal sein. In 20 oder 30 Jahren wird einen niemand schief ansehen, wenn man zugibt, diesen Film nicht zu kennen. Er hat nicht das Zeug zum Klassiker und taugt erst recht nicht zum Kultfilm. Im Endeffekt ist er wohl ziemlich überflüssig. Ist er deswegen aber auch schlecht? Ich denke nicht.

In FOCUS dreht sich alles um den von Will Smith gespielten Nicky, dem ungekrönten König der Trickbetrüger, der eine junge und talentierte Diebin (gespielt von der bezaubernden Margot Robbie) unter seine Fittiche nimmt und ihr sein Handwerk lernt, nur um sie kurze Zeit später wieder fallen lassen. Aber natürlich sehen sich die beiden Protagonisten – fast wie im richtigen Leben – einige Jahre später ein weiteres Mal…

FOCUS hat mich ziemlich schnell für sich eingenommen. Mit seinen bestens aufgelegten Darstellern, mit seinen schönen Bildern, mit seiner tiefenentspannten Erzählweise, mit seinem eingängigen Soundtrack und mit seiner gelungenen Mischung aus komischen und spannenden Momenten. Vielleicht übertreiben es Glenn Ficarra und John Requa – die nicht nur gemeinsam Regie führten, sondern auch das Drehbuch zusammen verfassten – das eine oder andere Mal etwas damit, den Zuschauer und die Opfer der Trickbetrüger in die Irre zu führen, so wirklich böse sein mag man ihnen aber selbst bei den abenteuerlichsten Plotkonstruktionen nicht. Dafür ist FOCUS insgesamt betrachtet einfach viel zu sympathisch, viel zu gechillt und viel zu unterhaltsam geraten und in seinen besten Momenten erinnert der Film gar an diese wunderbaren, oft ebenfalls federleicht inszenierten Gaunerfilme aus den 60er Jahren. Das hier ist der perfekte Film für einen verregneten Sonntagnachmittag auf der heimischen Couch.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE REAPING (USA 2007, Regie: Stephen Hopkins)

the reaping

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

Regisseur Stephen Hopkins hat einst PREDATOR 2 und JUDGMENT NIGHT gedreht, die als Produzenten tätigen Joel Silver und Robert Zemeckis sind ja auch für den einen oder anderen gelungenen Genrefilm bekannt und mit Hilary Swank und Idris Elba kann THE REAPING auch auf schauspielerischer Seite durchaus großes Talent anbieten. Zudem mag ich persönlich Horrorfilme und Thriller mit okkultem bzw. religiösem Bezug. Ein komplett hoffnungsloser Fall schien mir THE REAPING aus all diesen Gründen also nicht zu sein. War er dann auch nicht, ein wirklich guter Film ist er dennoch nicht geworden.

Regisseur Stephen Hopkins packt seinen Horrorfilm um die diversen Zeichen der drohenden Apokalypse, die in einer Kleinstadt in Louisiana beobachtet werden, und die die von Hilary Swank gespielte Wissenschaftlerin Katherine gemeinsam mit ihrem von Idris Elba gespielten Partner versucht, wissenschaftlich zu erklären, mit allerlei Humbug, Klischees und Jahrmarktattraktionen voll, vergisst dabei allerdings, auch so etwas wie eine spannende Geschichte zu erzählen. So bietet THE REAPING über lange Strecken seiner Laufzeit nur leidlich spannende Unterhaltung und hat außer ein paar netten Schockeffekten, einigen schön atmosphärischen Sequenzen und zwei guten Hauptdarstellern, die gerade noch retten, was zu retten ist, nicht sonderlich viel auf der Pfanne, was einen als Zuschauer für ihn einnehmen könnte. Und über die Effekte im Finale legen wir mal lieber den Deckmantel des Schweigens.

Irgendwie ist ein Film wie THE REAPING so etwas wie das filmische Äquivalent zur guten alten Geisterbahn. Man weiß von vornherein, dass es wohl nicht sonderlich toll werden wird, steigt dennoch ein, lässt sich ein oder zwei Mal erschrecken und steigt letztendlich mit der Erkenntnis aus, dass man nichts verpasst hätte, wenn man nicht gefahren wäre, die Fahrt an sich aber dennoch nicht bereut. Denn eigentlich war sie ja schon ganz in Ordnung.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10