Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 01

YOUNG GUNS (USA 1988, Regie: Christopher Cain)

young guns

(Fassung: Blu-ray, Lionsgate, USA)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich YOUNG GUNS Ende der 80er Jahre komplett umgehauen hat. Ich habe ihn mir unzählige Male angesehen und diese im Neo-Western-Look gehaltene Interpretation der Geschichte des jungen Billy the Kid (gespielt von Emilio Estevez) gehörte definitiv zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Nun ein Wiedersehen ein gutes Viertel Jahrhundert später und auch wenn mir Cains Film noch immer sehr gut gefällt, so muss ich doch einräumen, dass der Zahn der Zeit gehörig an ihm genagt hat. Bei Erscheinen des Films dürfte es vor allem die Besetzung rund um die damals aufstrebenden Jungstars wie Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Charlie Sheen, Dermot Mulroney, Casey Siemaszko und Lou Diamond Phillips (von denen es im Endeffekt aber keiner zum absoluten Superstar geschafft hat) und alten Haudegen wie Terence Stamp und Jack Palance gewesen sein, die einen sofort für den Film einnehmen konnte und dafür sorgte, dass man wohl geflissentlich darüber hinweggesehen hat, dass in diesem wirklich ausgesprochen stylishen Film bei näherer Betrachtung gar nicht mal so viel passiert. Über weite Strecken plätschert YOUNG GUNS tatsächlich eher etwas gemächlich vor sich hin und Regisseur Christopher Cain scheint sich mehr auf die damals noch vorhandene Starpower und die Kraft seiner tollen Bilder verlassen zu haben und nicht unbedingt interessiert daran gewesen zu sein, so etwas wie einen packenden Spannungsbogen zu entwickeln. Was von YOUNG GUNS übrig bleibt sind seine wunderbare Kameraarbeit, die eine oder andere toll choreographierte Actionsequenz (insbesondere natürlich das Finale) und ein wirklich famos agierender Emilio Estevez in der Rolle des Billy the Kid, dessen Schauspiel sich ständig zwischen kindlicher Naivität, unverschämter Arroganz und gefährlichem Größenwahn bewegt. Aber schon diese Dinge reichen in Verbindung mit dem nicht zu vernachlässigenden Nostalgiefaktor locker aus, damit ich mich auch heute noch für Cains Film zumindest verhalten begeistern kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

YOUNG GUNS II (USA 1990, Regie: Geoff Murphy)

young guns ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

YOUNG GUNS II beginnt im Jahr 1950 und greift die Geschichte von Brushy Bill Roberts auf, der damals behauptete Billy the Kid gewesen zu sein (eine Behauptung, die nie bewiesen werden konnte, Roberts selbst verstarb Ende Dezember 1950). In Murphys Film erzählt dieser einem Anwalt nun “seine“ Geschichte und somit schließt YOUNG GUNS II unmittelbar an das Ende von Cains Vorgänger an.

Diesen Film hatte ich deutlich schwächer als YOUNG GUNS in Erinnerung und hier sind meine Eindrücke nach dem jetzigen Wiedersehen nun gänzlich anders. Ich möchte sogar behaupten, dass YOUNG GUNS II seinem Vorgänger qualitativ in nichts nach steht. Emilio Estevez brilliert erneut in der Rolle des Billy the Kid und als Zuschauer bereitet es einem wirklich einen Heidenspaß, Estevez dabei zuzusehen, wie er immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn und der Darstellung des Outlaws wandelt. Da die damaligen Jungstars aus dem Vorgänger aufgrund des Handlungsverlaufs des ersten Film natürlich nicht mehr alle zur Verfügung standen, wurde das verbleibende Trio (Emilio Estevez, Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips) um Christian Slater ergänzt, der sich ganz wunderbar in dieses Gefüge eingliedert und es auch durchaus schafft, dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Schauspielerisch brennt hier also rein gar nicht an – insbesondere auch aufgrund der Tatsache, dass in Murphys Film noch Leute wie William Petersen, Alan Ruck, R.D. Call, James Coburn, Balthazar Getty und Viggo Mortensen mitwirken – und in Sachen Rasanz, Action und Spannung ist YOUNG GUNS II dem Vorgänger sogar leicht überlegen. Vielleicht hat der Vorgänger die ikonischeren Szenen (Stichwort: “Reap the whirlwind, Brady. Reap it.“) und wahrscheinlich ist Cains Film dem von Murphy auch in Sachen Kameraarbeit einen Tick voraus, insgesamt betrachtet sehe ich persönlich jedoch keine großen qualitativen Unterschieden. Ein Double Feature mit den beiden Filmen sei jedem (Neo-)Western-Fan hiermit ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 5 (USA 2015; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

So, mit dieser fünften Staffel ist die Sichtung der letzten derzeit auf einem Heimkinomedium erhältlichen Staffel beendet und nun beginnt für mich persönlich die Wartezeit auf die entsprechende Veröffentlichung von Season Nr. 6 im nächsten Jahr. Die bereits in meinen kurzen Einträgen zu den 4 Staffeln zuvor niedergeschriebenen Eindrücke haben sich auch in Staffel 5 bestätigt und – was sich schon in der 4. Season angedeutet hatte – mittlerweile bin ich nicht mehr nur vom großen Unterhaltungswert und den ausufernden Schauwerten, sondern auch von der Handlung an sich ausgesprochen angetan. Spätestens jetzt hat GAME OF THRONES auch mich komplett gepackt, daran ändert auch die etwas verhaltenere erste Hälfte der Season nichts, in die sich doch zwei bis drei Füllerepisoden eingeschlichen hatten und bei der ich kurz die Befürchtung hatte, es könnte qualitativ etwas abwärts gehen. Bedenken, welche in der zweiten Staffelhälfte komplett weggewischt worden sind. Allein diese Episode mit der Schlacht gegen die Armee der “White Walker“ war so umwerfend gut, so visuell ungemein beeindruckend, dass man sich während der Sichtung ein ums andere Mal in Erinnerung rufen musste, dass man hier “nur“ eine TV-Serie ansieht und keine große Kinoproduktion. Und die diversen Cliffhanger am Ende der Staffel waren einfach nur massiv fies.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WHITE LINE FEVER (Kanada / USA 1976, Regie: Jonathan Kaplan)

white line fever

(Fassung: DVD, Explosive Media, Deutschland)

Jan-Michael Vincent ist Carrol Jo Hummer, ein junger Mann, der sich nach seiner Zeit beim Militär einen Truck zulegt und fortan als unabhängiger Trucker sein Geld verdienen und sich und seine Familie ernähren will. Da hierfür ist er auf Aufträge angewiesen und die haben in WHITE LINE FEVER ihren Preis. Denn hinter potentiellen Auftraggebern steht ein kriminelles Kartell und die nutzen unabhängige Trucker nur zu gerne aus, um illegale Waren von A nach B zu transportieren. Der grundehrliche Hummer versucht alles, um sich gegen diese Machenschaften zu wehren…

WHITE LINE FEVER behandelt eines der klassischsten Themen der Filmgeschichte. Es geht um Vergeltung, Rache, Widerstand, das Aufbegehren gegen ein System, den Kampf des David gegen den unbesiegbar erscheinenden Goliath. Das hat man natürlich alles schon unzählige Male in irgendeiner Form so gesehen, diese Tatsache ändert aber natürlich rein gar nichts daran, dass man es sich auch unzählige weitere Male gerne ansieht. Und wenn es dann auch noch in Form solider 70er-Jahre-Exploitation serviert wird, ist es natürlich umso besser.

Kaplans Film punktet in erster Linie mit dieser ganz besonderen Stimmung, die so viele Filme aus der damaligen Zeit auszeichnet und der ich mich unmöglich entziehen kann. Und dann ist WHITE LINE FEVER mit einer Besetzung gesegnet, die das Herz eines jeden Fans des Kinos der 70er Jahre höher schlagen lassen dürfte. Neben Jan-Michael Vincent geben sich u.a. Kay Lenz, Slim Pickens, L.Q. Jones, Don Porter, R.G. Armstrong, Martin Kove und – fast möchte man sagen natürlich – Dick Miller die Ehre und sorgen dafür, dass man sich in Kaplans Film von der ersten Minute an heimisch fühlt. Vielleicht hätten dem Film insgesamt betrachtet eine etwas härtere Gangart und ein bisschen mehr Schauwerte ganz gut zu Gesicht gestanden. Im Großen und Ganzen geht es hier trotz des behandelten Themas eher etwas harmlos und gemächlich zur Sache (WHITE LINE FEVER hat damals auch das familienfreundliche PG-Rating zugesprochen bekommen), den insgesamt positiven Gesamteindruck schmälert dies jedoch nicht. Und das Finale des Films ist der absolute Knaller!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DATE BAIT (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

date bait

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ich gebe zu, ich liebe ja solche Low- bzw. No-Budget-Produktionen wie diese hier. Vom Regisseur O’Dale Ireland stammt auch der erst vor wenigen Wochen von mir gesichtete und für ganz in Ordnung gefundene HIGH SCHOOL CAESAR, der wohl parallel zu diesem Werk hier entstanden ist. Zumindest lassen es die doch sehr ähnlich wirkenden Settings und der gemeinsame Starttermin – beide Filme starteten der IMDB zufolge damals im November 1960 in den US-Kinos – vermuten. Und mit der Sichtung von DATE BAIT habe ich mir nun auch schon das komplette Regiewerk von O’Dale Ireland reingezogen. Außer diesen beiden Filmen hat der gute Mann offensichtlich nichts mehr sonst gedreht.

In DATE BAIT dreht sich nun alles um ein jungverliebtes Paar – Danny (Gary Clarke) und Sue (Marlo Ryan) -, welches mit starken Widrigkeiten zu kämpfen hat. Zum einen sind Sues Eltern nicht wirklich von der Liaison angetan, zum anderen findet sich Sues ziemlich wahnsinniger und auch ziemlich gefährlicher Ex-Freund Brad (Dick Gering) nicht wirklich damit ab, dass seine Angebetete nun einen anderen Typen zu lieben scheint. Bevor es zum obligatorischen Happy End kommen kann, muss sich die angespannte Situation natürlich in einem spektakulären Finale entladen.

Ungeachtet des schmalen Budgets, der nicht gerade attraktiven Settings und der auch nicht gerade mit extrem viel Talent gesegneten Schauspieler hätte die Geschichte, die in DATE BAIT erzählt wird, durchaus dazu taugen können, zumindest ansatzweise so etwas wie einen Spannungsbogen zu entwickeln. Das scheint aus welchen Gründen auch immer jedoch einfach nicht möglich gewesen zu sein. DATE BAIT läuft gerade mal 71 Minuten, von denen geschlagene 65 Minuten lang nicht wirklich viel passiert und man sich bestenfalls von der gebotenen Langeweile einlullen lassen kann. Erst in den letzten 6 Minuten überschlagen sich dann die Ereignisse und fast scheint es so, als sei es Regisseur O’Dale Ireland da siedend heiß eingefallen, dass er auch noch einen Film abzuwickeln hat.

Wie im Eingangssatz schon geschrieben, ich habe ein unendlich großes Herz für Filme wie diesen, allerdings muss man als Fan solcher Filme schon auch aufpassen, dass man nicht mit jeden Quark, den man sich da so im Laufe eines Filmfanlebens reinzieht, komplett gnädig umgeht. DATE BAIT tut niemandem weh, hat sicher auch so einige Momente, ist aber in allererster Linie eine verdammt langweilige und öde Gurke, die man ehrlich gesagt nicht mal mehr als ganz in Ordnung bezeichnen kann.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

SILVER LININGS PLAYBOOK (USA 2012, Regie: David O. Russell)

silver linings playbook

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Bradley Cooper spielt den instabilen und gerade aus einer Nervenheilanstalt entlassenen Pat, in die er eingewiesen wurde weil er den Liebhaber seiner Frau übel zusammengeschlagen hatte, der in SILVER LININGS PLAYBOOK nun versucht, die Liebe seiner Frau zurückzugewinnen. Dabei soll ihm die psychisch auch nicht gerade besonders stabile Tiffany (Jennifer Lawrence) helfen, die ihre Hilfe jedoch an eine Bedingung knüpft: Pat muss mit ihr zusammen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen. Während des gemeinsamen Trainings kommen sich beide schließlich näher…

Am Ende des Tages präsentiert Regisseur David O. Russell mit SILVER LININGS PLAYBOOK natürlich auch nur eine weitere, romantische Komödie, an deren Ende sich die beiden Turteltauben finden werden. Was Russells Film vom Gros des Genres abhebt – und ihm einen Oscar (für Jennifer Lawrence als beste Hauptdarstellerin) und immerhin sieben (!!!) weitere Nominierungen des begehrten Filmpreises eingebracht hat – sind diese nahezu perfekte Balance zwischen Tragik und Komik, die dem Regisseur hier geglückt ist, die gelungene Zeichnung der Figuren und deren Entwicklung, die dazu führt, dass man als Zuschauer eine echte Bindung zu den handelnden Personen aufbauen kann und die gleichzeitig verhindert, dass hier einmal mehr nur weitere Abziehbilder der typischen Klischeefiguren präsentiert werden, und natürlich die Besetzung der beiden Haupt-, aber auch der diversen Nebenrollen. Bradley Cooper und Jennifer Lawrence harmonieren ganz vorzüglich als scheinbar dysfunktionales Paar wider Willen und in den Nebenrollen geben sich Schauspieler wie Robert De Niro, Jacki Weaver, Chris Tucker, Julia Stiles und Paul Herman die Ehre und tragen durch ihr Mitwirken einen großen Teil zum Gelingen des Films bei.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TROUBLE WITH THE CURVE (USA 2012, Regie: Robert Lorenz)

trouble with the curve

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In seinem zum jetzigen Zeitpunkt bisher letzten Leinwandauftritt ist Clint Eastwood in der Rolle eines alternden Talentscouts zu sehen, der im Auftrag seines langjährigen Arbeitgebers, einem renommierten Profi-Baseball-Team, einen talentierten Nachwuchsspieler beobachten und wenn möglich zur Verpflichtung empfehlen soll. Doch der von Eastwood gespielte Gus ist mittlerweile ein Relikt aus vergangenen Tagen, ist fast blind, will sich das jedoch nicht eingestehen und steht bei seinem Arbeitgeber letztendlich auf der Abschlussliste. Um den Job für Gus etwas leichter zu gestalten bittet sein langjähriger Freund und Kollege Pete (John Goodman) Gus’ Tochter Mickey (Amy Adams), eine aufstrebende und engagierte Anwältin, ihren Vater auf seiner Tour zu begleiten, wovon Gus jedoch alles andere als begeistert ist…

TROUBLE WITH THE CURVE ist eine dieser kleineren Independent-Produktionen, eine dieser immer wieder gern gesehenen Alternativen zu den Mega-Blockbustern aus Hollywood. Um Baseball, dem Ausgangspunkt des Plots, geht es nur nebenbei, weswegen ich TROUBLE WITH THE CURVE auch nur in zweiter Linie als Sportfilm bezeichnen würde. In erster Linie hat Regisseur Robert Lorenz da eine Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte (ja, ganz ohne Love Story kommt ein Film wie dieser hier einfach nicht aus) gedreht, eine Art Road Trip, während dem es einer von ihrem Vater entfremdeten Tochter gelingt, sich diesem wieder anzunähern und ganz nebenbei ihre wahre Bestimmung im Berufsleben und ihre große Liebe (Justin Timberlake als männlicher Love Interest) zu finden. TROUBLE WITH THE CURVE lebt von seinen Schauspielern. Vor allem natürlich von Clint Eastwood, der einmal mehr in seiner Paraderolle des mürrischen Grantlers zu sehen ist, dessen stahlharte Schale aber doch einen durchaus weichen Kern umgibt. Er lebt aber auch von dieser wundervollen Chemie, die sich zwischen Eastwood und seinem weiblichen Co-Star Amy Adams im Laufe des Films entwickelt und von dieser unglaublichen Prominenz, die sich da ihn den zahlreichen Nebenrollen tummelt. Neben den schon erwähnten John Goodman und Justin Timberlake sind in TROUBLE WITH THE CURVE u.a. Matthew Lillard, Robert Patrick, Bob Gunton, George Wyner, Chelcie Ross und Ed Lauter mit von der Partie, allesamt mehr als bekannte Gesichter, die dem Film durch ihr Mitwirken erhebliche Qualität verleihen. Natürlich sollte man auch kritisch anmerken, dass die erzählte Geschichte in ihrem Verlauf schon ziemlich vorhersehbar geraten ist, was vor allem auch für das Ende des Films gilt, welches schon sehr bald abzusehen ist. Aber bei Filmen wie diesen ist ja meistens eher der Weg das Ziel und dieser Weg ist im vorliegenden Fall mit von Kameramann Tom Stern wunderschön eingefangenen Sequenzen, tollen schauspielerischen Leistungen und ganz vielen Gänsehautmomenten gepflastert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CHEF (USA 2014, Regie: Jon Favreau)

chef

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Jon Favreau, der – sofern er nicht gerade Marvel-Superheldenfilme wie IRON MAN und IRON MAN 2 dreht – ja mehr vor als hinter der Kamera zu finden ist, scheint sich mit CHEF so etwas wie einen Lebenstraum verwirklich zu haben. Er fungierte als Produzent, verfasste das Drehbuch, führte Regie und übernahm zudem die Hauptrolle. Sonderlich viel mehr geht eigentlich nicht.

CHEF dreht sich um den von Favreau gespielten Gourmetkoch Carl Casper, der in einem angesehenen Restaurant arbeitet, von dessen Besitzer (Dustin Hoffman) jedoch in seiner Kreativität stark eingeschränkt wird. Als er aufgrund dessen von einem einflussreichen Essenskritiker (Oliver Platt) eine schlechte Bewertung bekommt, tickt Casper aus, wird gefeuert, macht sich mit einem Food Truck selbständig und erfüllt sich so einen Lebenstraum.

CHEF ist natürlich ein Film, der ohne Klischees nicht auskommen kann. So gibt es einen Handlungsstrang mit Caspers kleinem Sohn, von dem er sich aufgrund seines Jobs im Restaurant und der Trennung von seiner Frau entfremdet hat und mit dem er nun im Food Truck eine neue Bindung aufbauen kann. Und natürlich ist es klar, dass auch hinsichtlich der Beziehung zu seiner Frau am Ende eine neue Chance entstehen wird. Aber bei Filmen wie diesen sind solche Klischees auch irgendwie zwingend notwendig. Sonst würden sie wahrscheinlich einfach nicht funktionieren. CHEF ist einer dieser Filme, denen man einfach anmerkt, dass da mit verdammt viel Herzblut gearbeitet wurde. Es ist einer dieser Filme, die beim Zuschauer dieses wunderbar wohlige Gefühl in der Magengegend verursachen. Einer dieser Filme, bei denen man sich während der Sichtung von Minute zu Minute besser fühlt. Ein Film, der positive Energie regelrecht zu injizieren scheint. Besetzt ist CHEF mit Jon Favreau in der Hauptrolle und Schauspielern wie John Leguizamo, Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Oliver Platt und Robert Downey Jr. in diversen größeren und kleineren Nebenrollen übrigens fantastisch und lohnt schon allein wegen seiner Besetzung die Sichtung. CHEF ist eine Liebeserklärung an das Leben, eine Aufforderung, keine Zeit zu verschwenden und Chancen zu ergreifen, die einem geboten werden. Und er ist eine Liebeserklärung an gutes Essen. Ein Film, bei dem während der Sichtung richtiggehend Hunger bekommt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IRRATIONAL MAN (USA 2015, Regie: Woody Allen)

irrational man

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Woody Allen bleibt sich selbst treu. IRRATIONAL MAN behandelt mal wieder die Lieblingsthemen des Altmeisters. Es geht sowohl um verhängnisvolle Liebesbeziehungen als auch um einen ebenso kleinen wie feinen Kriminalfall.

Erzählt wird die Geschichte des mit einem mehr als verruchten Ruf ausgestatteten Philosophieprofessors Abe Lucas (Joaquin Phoenix), der schon kurz nach seinem Dienstantritt in einem Kleinstadt-College die Aufmerksamkeit zweier Frauen auf sich zieht. Mit seiner verheirateten und in ihrer Ehe gelangweilten Kollegin Rita (Parker Posey) beginnt er schon schnell eine Affäre, mit seiner talentiertesten Studentin Jill (Emma Stone) entwickelt sich eine enge Freundschaftsbeziehung, aus der schon bald echte Liebe wird. Und dann beschließt Abe, als er gemeinsam mit Jill in einem Diner zufällig ein am Nachbartisch geführtes Gespräch belauscht, einer wildfremden Frau aus ihrer Misere zu helfen. Doch dazu muss ein Richter sterben und Abe beginnt, den perfekten Mord zu planen…

Es gibt ja nicht wenige Stimmen, die Allen schon seit Jahren vorwerfen, dass er – leicht variiert – immer wieder die gleichen Filme dreht. Natürlich ist da nicht nur ein Funken Wahrheit dran. Ich stelle mir allerdings die Frage, mit welcher Erwartungshaltung solche Leute an Allens Filme herangehen. Der gute Mann hat letztes Jahr im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert. Glaubt jemand ernsthaft, er würde sich jetzt noch mal neu erfinden? Woody Allen dreht im Endeffekt schon sein ganzes Leben lang genau die Filme, auf die er eben Lust hat. Und meistens handeln sie von Beziehungen, Kunst und Kriminalfällen, da macht auch IRRATIONAL MAN – welch Überraschung – keine Ausnahme. Sicher wäre es mal wieder schön, ein Meisterwerk mit der Klasse eines MANHATTAN oder eines ANNIE HALL von ihm zu sehen, aber machen wir uns nichts vor, diese Zeiten scheinen einfach vorbei zu sein. Und so lange Allen noch so herrlich unaufgeregte, so wundervoll gespielte, mit so reichhaltigem Wortwitz ausgestattete und so hervorragend besetzte Filme wie IRRATIONAL MAN herausbringt, ist doch alles gut. Woody Allen gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und selbst ein nur guter oder mittelmäßiger Film innerhalb seines Gesamtwerkes ist meistens noch weitaus besser als vieles, was man sonst so aus Hollywood zum Fraß vorgeworfen bekommt. Und IRRATIONAL MAN gehört sogar zu den sehr guten Filmen des Meisters.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STILL ALICE (Frankreich / USA 2014, Regie: Richard Glatzer / Wash Westmoreland)

still alice

(Fassung: Blu-ray, Artificial Eye, Großbritannien)

Julianne Moore ist Dr. Alice Howland, eine Universitätsprofessorin, bei der mit Anfang 50 Alzheimer diagnostiziert wird und die fortan lernen muss, mit dieser Krankheit zu leben…

Die beiden Regisseure Richard Glatzer und Wash Westmoreland gehen bei ihrer Verfilmung der auf einem Roman basierenden Geschichte ausgesprochen ruhig und feinfühlig vor. STILL ALICE zeichnet sich durch eine sorgfältige Charakterisierung der handelnden Personen aus, wirkt jederzeit glaubwürdig und authentisch und zeigt auf beeindruckende und äußerst bewegende Art und Weise, wie die Alzheimer-Diagnose das Leben der Hauptfigur und ihres gesamten Umfeldes – sowohl familiär als auch beruflich – verändert. Getragen wird STILL ALICE von seinen durch die Bank großartig agierenden Schauspielern, insbesondere natürlich von Julianne Moore, die diese Rolle so hingebungsvoll und überzeugend spielt, dass das Schicksal ihrer Figur einem als Zuschauer wirklich extrem nahegeht. Richtig toll ist auch Kristen Stewart in der Rolle ihrer Tochter Lydia, die nun spätestens mit dieser Leistung endgültig aus dem TWILIGHT-Schatten herausgetreten sein dürfte und mit gutem Gewissen als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation bezeichnet werden kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

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Hansel & Gretel: Witch Hunters / Entourage: Season 4 / Once / Magic in the Moonlight / Public Enemies / Entourage: Season 5 / The Terminal / The Longest Yard / Entourage: Season 6

Filme und TV-Serien im Mai 2015 – Teil 1

So, ich starte mit meinem ersten Sammelbeitrag kurzer Filmtexte. Ich werde immer zwischen 8 und 10 Texte in einem Beitrag zusammenfassen. Die Reihenfolge der Texte entspricht der Reihenfolge der Sichtungen. Here we go:

HANSEL & GRETEL: WITCH HUNTERS (Deutschland/USA 2013, Regie: Tommy Wirkola)

hansel & gretel - witch hunters

(Fassung: Extended Cut, 2D-Version, Blu-ray, Paramount, Deutschland)

Nach ihrem traumatischen Kindheitserlebnis im Hexenhaus ziehen die mittlerweile erwachsenen Geschwister Hansel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) mit dicken Wummen ausgestattet durch die Wälder und machen Jagd auf böse Hexen…
HANSEL & GRETEL: WITCH HUNTERS ist natürlich komplett überzogener Blödsinn, erinnert an einen rein auf Krawall gebürsteten Comictrip, der sich ausschließlich über “Krawumm“-Sprechblasen definiert, und befeuert den Zuschauer logischerweise über die komplette Laufzeit mit irgendwelchen Effekten, Kämpfen und Actionsequenzen und – sehr zu meiner Freude – mit der einen oder anderen überraschend zeigefreudigen Splattereinlage. Ich will ja gar nicht abstreiten, dass der ganze Unfug in gewissem Maße durchaus Spaß bereitet, aber selbst bei der relativ übersichtlichen Dauer von 90 Minuten (man muss ja noch dankbar sein, dass der Film nicht auf 2 Stunden und mehr gestreckt wurde) machen sich irgendwann Ermüdungserscheinungen breit und man ergibt sich regelrecht in sein Schicksal, lässt die Bilder nur noch auf sich niederprasseln und kann gar nicht mehr so genau definieren, was man sich da eigentlich ansieht.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam?!?

ENTOURAGE: SEASON 4 (USA 2007, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

Nachdem Shootingstar Vincent Chase (Adrian Grenier) seine kompletten Ersparnisse geopfert hat, um sich sein Traumprojekt – die Verfilmung der Biographie von Pablo Escobar – zu erfüllen, heißt es nun, möglichst schnell einen Verleih für das ambitionierte Projekt zu finden und gleichzeitig eine neue Hauptrolle zu ergattern, damit das Luxusleben von Vincent und seiner Gefolgschaft auch weiter finanziert werden kann. Doch der exzentrische Regisseur Billy Walsh (Rhys Coiro), der sich den Final Cut am Film zugesichert hat, macht alle Pläne eines schnellen Verkaufs zunichte. Er reicht seinen Film bei Cannes ein und weigert sich, das fertige Werk vor der Welturaufführung interessierten Studios zu zeigen.
Wenn in einer chronologischen Auflistung der in einem Monat gesehenen Filme und Serien eine komplette Serienstaffel bereits an zweiter Stelle auftaucht, dann sagt schon allein diese Tatsache verdammt viel über die Qualität und das Suchtpotential dieser Serie aus. Silke und ich haben auch diese vierte, insgesamt 12 Episoden umfassende Staffel von ENTOURAGE regelrecht verschlungen. Das ist einfach nur ganz, ganz großes Fernsehen, was die Macher hier abliefern, welches den kompletten Irrsinn des Showgeschäfts auf – ich kann mich nur wiederholen – extrem glaubwürdige und überzeugende Art und Weise ins heimische Wohnzimmer bringt. Und auch wenn es vielleicht unfair ist, von den durch die Bank großartigen Schauspielern einen besonders herauszuheben, so muss ich doch sagen, dass es auch in dieser vierten Staffel einmal mehr Jeremy Piven in der Rolle des Agenten Ari Gold ist, der alle anderen überstrahlt und ohne den ENTOURAGE wahrscheinlich nicht so funktionieren würde, wie es letztendlich funktioniert. Großartig, einfach nur großartig!

ONCE (Irland 2006, Regie: John Carney)

once

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

Es gibt Filme, in die würde man sich während der Sichtung am liebsten hineinfallen lassen um ganz tief in ihnen zu versinken. Die in nur 2 Wochen abgedrehte, irische Low-Budget-Produktion ONCE des Regisseurs John Carney ist so ein Film. In ONCE geht es um einen an Liebeskummer leidenden Straßenmusiker (Glen Hansard), auf den eher zufällig eine alleinerziehende Blumenverkäuferin und Hobbypianistin (Markéta Irglová) aufmerksam wird. Eine Begegnung, die das Leben beider Protagonisten nachhaltig verändern soll.
ONCE ist einer dieser Filme, die man wohl einfach nur als schön und magisch bezeichnen kann. Das tolle Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, die großartigen Songs, diese perfekte Verbindung, die Bild und Musik miteinander eingehen. Kleines, großes Kino zum Wohlfühlen, ohne nervigen Kitsch und unnötigen Ballast. Wer ihn noch nicht kennt: anschauen, wohlfühlen, glücklich sein…

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

MAGIC IN THE MOONLIGHT (Großbritannien/USA 2014, Regie: Woody Allen)

magic in the moonlight

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Lästermäuler können gerne konstatieren, dass Woody Allen seit Jahrzehnten immer und immer wieder ein und denselben Film dreht. Fans des “auteurs“ aus New York lieben ihn gerade aus diesem Grund. Auch in MAGIC IN THE MOONLIGHT dreht sich mal wieder alles um die Irrungen und Wirrungen der Liebe, verpackt in eine Geschichte rund um einen Zauberer (Colin Firth) und ein Medium (Emma Stone), angesiedelt Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Firth soll nachweisen, dass es sich bei Stone um eine Schwindlerin handelt, doch dieser Nachweis will und will ihm einfach nicht gelingen. Stattdessen kommen sich die beiden Protagonisten im Laufe der knapp 100 Minuten immer näher.
Ja, wo Woody Allen draufsteht ist halt einfach auch Woody Allen drin. Einen wirklich schlechten Film habe ich von Allen noch nicht gesehen, was den jüngeren Werken Allens jedoch immer mehr abgeht – absolute Glücksfälle wie MIDNIGHT IN PARIS mal ausgenommen -, ist diese Magie, die insbesondere seine New-York-Filme Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre auszeichnete. Zwar ist auch MAGIC IN THE MOONLIGHT ein guter Film, in den man ganz vorzüglich versinken kann, von der Qualität eines ANNIE HALL oder eines MANHATTAN ist er jedoch meilenweit entfernt. Sonderlich schlimm und tragisch finde ich persönlich das nicht. Solange am Ende des Tages noch Filme wie dieser hier dabei rumkommen, kann Allen gerne noch viele Jahre weiterdrehen. Gerne auch mal wieder vermehrt in New York.

Persönliche Bewertung: Gut!

PUBLIC ENEMIES (Japan/USA 2009, Regie: Michael Mann)

public enemies

(Fassung: Blu-ray, Universal, Deutschland)

Ich liebe die Filme von Michael Mann und ich liebe auch immer diese ganze spezielle Optik, die er seinen Filmen zu geben vermag. Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel und eine solche Ausnahme stellt leider PUBLIC ENEMIES dar. Denn der Einsatz von Hand- bzw. Wackelkamera und dieser extreme digitale Look des Films mögen irgendwie so gar nicht zur Geschichte rund um den von Johnny Depp gespielten John Dillinger – in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Staatsfeind Nr. 1 in den USA – passen. Diese Geschichte verlangt nach epischer Breite, nach klassischem Kinolook. Episch ist hier allerdings nur die Lauflänge von gut 140 Minuten, ansonsten bleibt Manns Biopic in wirklich jeder Hinsicht erstaunlich schwach. Die Figuren sind beispielsweise viel zu klischeehaft gezeichnet und als Zuschauer bleiben einem die handelnden Personen über die komplette Laufzeit schlichtweg egal. Irgendeine Bindung zu den Charakteren aufzubauen fällt immens schwer und für die Art und Weise wie Mann diese Geschichte erzählt, ist PUBLIC ENEMIES einfach viel zu lang geraten. Und dann ist die größte Schwäche des Films ausgerechnet auch noch das, was ansonsten mit die größte Stärke in Manns Filmen ist, nämlich die Optik. PUBLIC ENEMIES sieht einfach nur beschissen aus, manche Sequenzen scheinen fast aus einer während der Dreharbeiten entstandenen Behind-the-Scenes-Dokumentation entnommen, viel zu viele andere Szenen sehen aus als kämen sie unmittelbar aus einer beliebigen Vorabendserie eines Privatsenders. Wenn so die Zukunft des digitalen Kinos aussehen soll, bekomme ich bereits jetzt das kalte Grausen. Ach ja, die Soundabmischung war auch ne ziemliche Katastrophe (kann aber natürlich auch an der Blu-ray gelegen haben).

Persönliche Bewertung: Naja!

ENTOURAGE: SEASON 5 (USA 2008, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

Nachdem sich Vincent Chase (Adrian Grenier) mit seinem Traumprojekt “Medellin“ einen fatalen Flop geleistet hat, ist er nicht nur pleite, sondern scheint für Hollywood komplett verbrannt zu sein. Kein Regisseur und kein Studio wollen mehr mit ihm zusammenarbeiten. Für seinen besten Kumpel und Manager E (Kevin Connolly) und seinen Agenten Ari (Jeremy Piven) kommt es einer regelrechten Sisyphosaufgabe gleich, für Vincent einen neuen Job zu ergattern…
Die mittlerweile fünfte Staffel von ENTOURAGE zeigt den Superstar zurück auf dem Boden der Tatsachen. Diverse Fehlentscheidungen haben dazu geführt, dass der von Adrian Grenier gespielte Vincent Chase innerhalb der Nahrungskette von Hollywood mittlerweile ziemlich weit unten angekommen ist und der erneute Weg an die Spitze scheint nicht nur steinig, sondern schier unmöglich zu sein. ENTOURAGE-Schöpfer Doug Ellin und sein Team bringen dem Zuschauer auch diese Schattenseiten des Showbiz auf extrem glaubwürdige, realistische und abermals verdammt unterhaltsame und kurzweilige Art und Weise näher. Auch die fünfte Staffel von ENTOURAGE erlaubt sich über die insgesamt 12 Episoden keinerlei Schwächen und befindet sich – wie schon die vier Staffeln zuvor – auf einem irrsinnig hohen Niveau. Und das Staffelfinale liefert dann auch nicht viel weniger als pures Gänsehautgefühl. Jeremy Piven als Ari Gold ist erneut der heimliche Star der Serie – alle Sequenzen mit ihm sind wortwörtlich nicht mit Gold aufzuwiegen. Einfach nur geil!

THE TERMINAL (USA 2004, Regie: Steven Spielberg)

the terminal

(Fassung: DVD, DreamWorks, Deutschland)

Das Leben schreibt die irrsten Storys. Inspiriert von der Geschichte des Mehran Karimi Nasseri, der 18 Jahre lang im Pariser Flughafen Charles de Gaulle lebte, schickt Regisseur Steven Spielberg den durch einen Putsch in seinem Heimatstaat staatenlos gewordenen Tom Hanks ins internationale Terminal des JFK-Flughafens in New York. Der von Hanks gespielte Viktor Navorski muss sich mit der Tatsache anfreunden, weder in die USA ein-, noch in seine Heimat ausreisen zu dürfen und richtet sich mit rudimentären Sprachkenntnissen und einer Engelsgeduld im Terminal des Flughafens häuslich ein, findet Freunde, einen Job und – natürlich muss es so kommen – nach knapp 2 Stunden Laufzeit schließlich doch ein Happy End.
Kitsch as Kitsch can – Spielberg inszeniert THE TERMINAL wahrlich zuckersüß, komplett harmlos und fast durchweg positiv (lediglich der von Stanley Tucci gespielte Chef der Einreisebehörde taugt als Unsympath). Man mag dem Film vorwerfen, dass ihm jegliche Ecken und Kanten fehlen, aber manchmal tut es auch einfach nur gut, sich einen Film wie diesen hier anzuschauen, sich von seiner positiven Grundstimmung verzaubern und berieseln zu lassen und sich einfach nur wohlzufühlen. THE TERMINAL ist schön – nicht mehr und auch nicht weniger.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!

THE LONGEST YARD (USA 2005, Regie: Peter Segal)

the longest yard

(Fassung: DVD, Sony, Deutschland)

Adam Sandler ist Ex-Football-Profi Paul Crewe, der, nachdem er sich eine wilde Verfolgungsjagd in einem “geklauten“ Wagen geliefert hat, im Knast landet und dort ein Häftlings-Football-Team zusammenstellen soll, welches gegen ein Team der Wärter anzutreten hat. Ihm zur Seite steht Burt Reynolds als Coach, der im Jahr 1974 selbst Paul Crewe gewesen ist, und zwar im gleichnamigen Klassiker von Regisseur Robert Aldrich.
Manchmal ist es ganz gut, wenn man das Original noch nicht kennt (ich möchte dieses Versäumnis möglichst schnell nachholen), denn dann kann man vollkommen unbelastet an das Remake rangehen. Regisseur Peter Segal, der mit Hauptdarsteller Adam Sandler zuvor bereits 50 FIRST DATES und ANGER MANAGEMENT gedreht hatte, zieht THE LONGEST YARD als Mischung aus Knast-, Sportfilm und Komödie auf und macht damit ziemlich viel richtig. Die Gags sitzen, die Action- und Sportsequenzen sind toll choreographiert und das finale Spiel ist – wie sich das für einen Sportfilm gehört – packend inszeniert und mit dem einen oder anderen Gänsehautmoment ausgestattet. Wirkliche Tiefe darf man von THE LONGEST YARD jedoch nicht erwarten, dafür ist Segals Film viel zu unbekümmert und unbeschwert geraten und auch potentiell dramatische Höhepunkte innerhalb des Handlungsverlaufs werden eher weggelächelt und hinterlassen bei den handelnden Personen keine echten Wunden oder Narben. Einem Film, der so herrlich kurzweilige Unterhaltung bietet wie dieser hier, verzeihe ich eine solche “Schwäche“ jedoch gerne.

Persönliche Bewertung: Gut!

ENTOURAGE: SEASON 6 (USA 2009, Idee: Doug Ellin)

entourage

(Fassung: DVD, HBO/Warner, Großbritannien)

Nachdem Vincent Chase (Adrian Grenier) am Ende der fünften Staffel das überraschende Angebot erhalten hat, in einem Film von Martin Scorsese die Hauptrolle zu übernehmen, ist er wieder zurück auf der Erfolgsspur und lebt in dieser mittlerweile sechsten Staffel von ENTOURAGE erst mal gechillt in den Tag hinein. Sein großer Bruder Johnny (Kevin Dillon) und seine beiden besten Freunde E (Kevin Connolly) und Turtle (Jerry Ferrara) beginnen gleichzeitig, sich etwas von ihrem “Unterstützer“ zu lösen und eigene Standbeine aufzubauen. Und Agent Ari Gold (Jeremy Piven) ist weiter der Macher im Hintergrund und das faszinierende Ekel, welches alles möglich zu machen scheint. In dieser sechsten Staffel rückt die Gefolgschaft rund um Vincent Chase mehr in den Vordergrund und diese Tatsache sorgt für verdammt viel Abwechslung und insbesondere auch dafür, dass die Serie auch im sechsten Jahr ihrer Ausstrahlung keinerlei Abnutzungserscheinungen zeigt. Auch die insgesamt 12 Folgen dieser Staffel flogen regelrecht an mir vorbei und ich kann einfach nicht damit aufhören, mir ENTOURAGE anzusehen. Langsam hasse ich die Serie schon fast dafür, dass sie so unverschämt gut und großartig ist und ich praktisch überhaupt nicht mehr dazu komme, mir auch einmal einen Film anzusehen. 😉