The Movies of February 2017

Der Monat ist zu Ende, es gibt wieder ein paar lose Gedanken zu allen gesehenen Filmen. Angeordnet sind die kurzen Texte in der Reihenfolge des persönlichen Gefallens.

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Verdammt großartig ist THE PROPOSITION (Australien / Großbritannien 2005, Regie: John Hillcoat), ein Neo-Western, der im australischen Outback im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielt und in dem sich ein Gesetzloser auf einen Deal mit dem Gesetz einlässt, aus dem am Ende nur Verlierer hervorgehen können.

Überwältigende Bilder von Kameramann Benoît Belhomme, eine wahrlich unter die Haut gehende Geschichte aus der Feder von Nick Cave, der gemeinsam mit Warren Ellis auch noch die Musik beigesteuert hat, eine zutiefst melancholische Stimmung und Atmosphäre sowie mehr als überzeugende Darsteller sorgen dafür, dass Hillcoats THE PROPOSITION einer dieser Filme ist, denen man sich als Zuschauer unmöglich entziehen kann, die einen vollkommen vereinnahmen und schließlich regelrecht atemlos in den Abspann entlassen.

Bewertung: 9/10

 

Als faszinierendes Portrait einer außergewöhnlichen und nicht gerade unkomplizierten Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen möchte ich THE DUKE OF BURGUNDY (Großbritannien / Ungarn 2014, Regie: Peter Strickland) gerne bezeichnen.

Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Geben und Nehmen und das Missverhältnis, das entstehen kann, wenn der eine Teil zu viel vom anderen fordert. Und es geht natürlich nicht zuletzt um sexuelle Obsessionen und – in der filmischen Umsetzung – um den Umgang mit dem Tabuthema S&M. Regisseur Strickland nähert sich seinem Thema auf ungemein ästhetische und behutsame Art und Weise. Er nimmt seine beiden Hauptcharaktere ernst und bringt dem Zuschauer so auf ungemein einfühlsame Art deren gegenseitiges Dilemma näher. Strickland füttert das Kopfkino, verzichtet praktisch gänzlich auf nackte Tatsachen oder gar explizite Details und arbeitet stattdessen mit Andeutungen, symbolträchtiger Bildsprache und einer – in nicht wenigen Momenten – fast schon melancholisch-verträumten Atmosphäre.

Bewertung: 9/10

 

 

Chris Rock spielt sich in TOP FIVE (USA 2014, Regie: Chris Rock), bei dem er neben Hauptrolle und Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, wohl in gewisser Weise selbst. Zumindest dürfte dieser Film, in dem ein ehemaliger Stand-Up-Comedian und jetziger Superstar durch ein geführtes Interview mit einer Journalistin – gespielt von Rosario Dawson – damit beginnt, sein jetziges Leben zu reflektieren und dadurch am Ende des Tages wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet, mit Sicherheit den einen oder anderen autobiographischen Zug aufweisen.

Fälschlicherweise als Komödie beworben und vermarktet, ist TOP FIVE viel mehr ein authentisch wirkender Einblick in die Licht- und Schattenseiten des Showgeschäftes, ein Drama, welches vor allem durch die großartige Chemie zwischen Chris Rock und Rosario Dawson begeistert und darüber hinaus auch so einige denkwürdige Szenen zu bieten hat, von denen nicht wenige in meinen Augen als echte “Magic Moments“ durchgehen.

Bewertung: 8/10

 

Ein britischer Tontechniker wird von einem italienischen Regisseur engagiert und in das titelgebende BERBERIAN SOUND STUDIO (Großbritannien 2012, Regie: Peter Strickland) gebeten um dort an der Vertonung eines Films zu arbeiten, eine Arbeit, die den schüchternen Briten schon bald überfordert und die Grenzen zwischen Film und Realität mehr und mehr ineinander verschwimmen lässt.

Stricklands Film ist sowohl eine Liebeserklärung an die meist im Hintergrund stehenden Leute aus der Sound-Crew eines Filmes als auch an den italienischen Giallo der 70er Jahre. Wer großen Wert auf eine nachvollziehbare Handlung legt, dürfte hier massiv enttäuscht werden. Strickland erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern vermittelt mit seinen Bildern und seinen Tönen eher Stimmungen und Gefühle, erzeugt eine unheimliche Mystery-Atomsphäre und gleitet insbesondere im letzten Drittel des Films mehr und mehr ins Surreale ab. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte begeistert sein.

Bewertung: 8/10

 

Ganz wunderbaren B-Movie-Charme versprüht MOONSHINE COUNTY EXPRESS (USA 1977, Regie: Gus Trikonis) aus der Corman-Schmiede, in dem ein fieser Schurke einen lästigen Konkurrenten im Schwarzbrenner-Business umbringen lässt um das illegale Geschäft für sich alleine zu haben und sich schließlich damit auseinandersetzen muss, dass dessen drei attraktive Töchter in keinster Weise gewillt sind, klein beizugeben.

Trikonis’ Film bietet alles, was man sich von einem Streifen wie diesem hier erhofft: jede Menge bekannte Gesichter aus dem Exploitation-Bereich (u.a. John Saxon, Claudia Jennings und Candice Rialson), einen fiesen Bösewicht, sympathische Heldinnen, die sich diesem widersetzen, die eine oder andere spektakuläre Autoverfolgungsjagd und eine über die komplette Laufzeit ausgesprochen rasante und kurzweilige Art der Inszenierung. Geiler Film!

Bewertung: 8/10

 

Spencer Tracy als alternden Rechtsanwalt mit Alkoholproblemen in THE PEOPLE AGAINST O’HARA (USA 1951, Regie: John Sturges) dabei zuzusehen, wie dieser verzweifelt versucht, einen offensichtlich zu Unrecht des Mordes angeklagten Mann freizubekommen, katapultiert einen als Zuschauer zurück in die klassische Hollywood-Zeit, in der einzig und allein die schauspielerischen Leistungen und die erzählte Geschichte im Mittelpunkt standen.

Dem Zahn der Zeit haben sicher nicht alle Filme von damals so gut standgehalten wie dieser hier. Sturges Film bleibt bis zum großen Finale spannend, kann auch heute noch aufgrund seiner tollen Schauspieler überzeugen und hat im Lauf der Jahre tatsächlich erstaunlich wenig Staub angesetzt.

Bewertung: 8/10

 

In GRIMSBY (Australien / Großbritannien / USA 2016, Regie: Louis Leterrier) gerät ein Top-Agent des britischen Geheimdienstes in den Verdacht des Verrats weil ihn sein tollpatschiger Bruder in Gestalt von Sacha Baron Cohen nach jahrelanger, verzweifelter Suche endlich ausfindig gemacht und sich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für das Wiedersehen ausgesucht hat.

Actionspezialist Louis Leterrier trifft auf den Chaoskomiker Sacha Baron Cohen – herausgekommen ist ein komplett irrsinniger Hybrid aus geiler Actionchoreographie und übelstem Gross-Out-Humor, der sämtliche Grenzen des guten Geschmacks sprengt und den man wohl nur hassen oder lieben kann. Ich muss zugeben, die eine oder andere Szene fand ich auch etwas zu sehr “over the top“ (und wie dieser Film hier eine Freigabe ab 12 Jahren von der FSK bekommen konnte, ist mir ein absolutes Rätsel), bei unzähligen anderen Sequenzen lag ich jedoch fast weinend vor Lachen auf der Couch. Ich mochte GRIMSBY, sehr sogar.

Bewertung: 8/10

 

Ein komplett bizarres Szenario bekommt man von SONNY BOY (Italien / USA 1989, Regie: Robert Martin Carroll) geliefert, in dem ein Kleinkind zufällig in die Hände eines komplett dysfunktionalen Pärchens gerät und von diesem zu einem willenlosen Werkzeug geformt wird, welches im Erwachsenenalter auf Befehl diverse kriminelle Handlungen durchzuführen hat.

Zunächst einmal ist dieser Film komplett aus seiner Entstehungszeit herausgefallen. Er fühlt sich – schon allein aufgrund der Ausgangssituation für die Geschichte und dem weiteren Verlauf der Handlung – praktisch über die komplette Laufzeit nach einem typischen Vertreter des alle Grenzen auslotenden 70er-Jahre-Exploitation-Kinos an und hat auch exakt den Look dieser damaligen Genrevertreter. Wer aufgrund des skizzierten Szenarios nun erwartet, dass Regisseur Carroll seinen Film vor allem mit Geschmacklosigkeiten am laufenden Band garniert hat, kann beruhigt bzw. muss enttäuscht werden. So bizarr SONNY BOY vielleicht auch sein mag, Carroll schafft den fast unmöglich wirkenden Spagat zwischen schriller Exploitation und einfühlsamer Geschichte praktisch mühelos, nimmt alle seine Figuren ernst und erschafft so vor allem im Schlussdrittel stellenweise einen Film von fast poetischer Schönheit.

Bewertung: 8/10

 

Eine Gruppe von Lebensmitteln findet in SAUSAGE PARTY (USA 2016, Regie: Greg Tiernan / Conrad Vernon) heraus, was wirklich mit ihnen passiert, wenn sie von den Menschen aus dem Supermarkt mitgenommen werden.

Politisch höchst inkorrekter Animationsklamauk aus der Feder von u.a. Seth Rogen und Jonah Hill. Wer deren Art von Humor mag und schätzt wird auch mit SAUSAGE PARTY verdammt viel Spaß haben. Ein Film, der zwar genüsslich Grenzen überschreitet und teils extrem derben Gross-Out-Humor liefert, bei näherer Betrachtung aber auch ein satirisch komplett überzeichnetes Statement zur politischen Weltsituation abgibt, damit auf der richtigen Seite steht und allein aus diesem Grund zwei Daumen nach oben verdient hat.

Bewertung: 8/10

 

 

Durch die düsteren Ecken von L.A. begleitet man als Zuschauer den titelgebenden THE CANDY TANGERINE MAN (USA 1975, Regie: Matt Cimber), einen nicht zu großartigen Späßen aufgelegten Zuhälter, und wird dabei Zeuge seines Tages- und Nachtwerks.

Einen herkömmlichen Plot gibt es eigentlich nicht wirklich, der Film setzt sich eher aus verschiedenen Handlungselementen zusammen. Der von John Daniels gespielte Zuhälter versucht seine Prostituierten unter Kontrolle zu halten, liefert sich ein Katz- und Maus-Spiel mit zwei Polizisten, beginnt eine blutige Fehde mit der Konkurrenz und versucht nebenbei, noch ein richtig dickes Ding zu drehen, bei dem ein mehr als stattlicher Geldbetrag herausspringen könnte. Regisseur Cimber holt dabei aus den offensichtlich geringen Mitteln, die er zur Verfügung hatte, nahezu das Maximum raus. Sein Film spielt zwar nicht in einer Liga mit den großen Klassikern des Blaxploitation-Kinos, kann aber durch seine Authentizität vermittelnde Stimmung, sein Setting in den eher ungemütlicheren Ecken der Stadt der Engel, seinen megacoolen Hauptdarsteller, seine grimmige Atmosphäre und jede Menge teils ausgesprochen derber What-the-Fuck-Momente absolut überzeugen.

Bewertung: 7/10

 

Louis de Funès und seine Kollegen werden in LE GENDARME EN BALADE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean Girault) in den Ruhestand zwangsversetzt, was sie – um die schon bald einsetzende Langeweile zu bekämpfen – allerdings nicht daran hindert, weiter die Uniform anzuziehen und heimlich auf Streife zu gehen.

De Funès im Ruhestand ist sogar noch einen Tick witziger als De Funès mit Schmetterlingen im Bauch (den Text hierzu gibt es weiter unten). Girault inszeniert ausgesprochen rasant, gelungene Gags gibt es praktisch im Minutentakt und nebenbei ist der Film natürlich auch eine Liebeserklärung an alle Menschen, die sich nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mal einfach so nebenbei abschieben lassen sondern selbst noch aktiv bleiben.

Bewertung: 7/10

 

In seinem dritten Auftritt als Gendarm verliebt sich Louis de Funès in LE GENDARME SE MARIE (Frankreich / Italien 1968, Regie: Jean Girault) in die bezaubernde Claude Gensac.

Louis de Funès erneut in einer seiner Paraderollen. Als Gendarm mit Schmetterlingen im Bauch richtet er einmal mehr heilloses Chaos an und bereitet einem als Zuschauer so extrem vergnügliche 90 Minuten. Eine wunderbare 60er-Jahre-Atmosphäre, das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus diversen De-Funès-Filmen und die wiederholt federleichte Inszenierung von Regisseur Jean Girault machen auch aus dem dritten Teil der Reihe einen Film, den man sich als Fan immer wieder gerne ansieht.

Bewertung: 7/10

 

Ziemlich durchdrehende Exploitation aus Griechenland liefert ΤΑΓΚΟ 2001 | TANGO 2001 (Griechenland 1974, Regie: Kostas Karagiannis), in dem ein wohlhabender Außenseiter, der von allen nur belächelt und ausgenutzt wird, auf ganz eigene Art und Weise versucht, seinem Dilemma zu entfliehen.

Ganz viel Sleaze, psychedelische Nachtclubsequenzen, grandiose Inneneinrichtungen, What-the-Fuck-Momente im Überfluss und eine Geschichte, bei der man sich nie so sicher sein kann, welche Wendung sie als nächstes einschlagen wird. Ja, doch, TANGO 2001 bietet wirklich ganz schön viel für so einen kleinen, schmuddeligen Film.

Bewertung: 7/10

 

Die Dokumentation THE SEARCH FOR WENG WENG (Australien 2007, Regie: Andrew Leavold) begibt sich auf die Spuren des im Jahr 1992 verstorbenen Weng Weng, der mit nur 83 cm Körpergröße als einer der kleinsten Schauspieler aller Zeiten in die Annalen der Exploitation-Filmgeschichte eingegangen ist.

Regisseur Andrew Leavold hatte den Weng-Film FOR Y’UR HEIGHT ONLY gesehen und es sich danach zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des kleinwüchsigen Hauptdarstellers in einer Dokumentation zu beleuchten. Der nach jahrelangen Recherchearbeiten fertiggestellte Film gewährt einen einfühlsamen und über weite Strecken ausgesprochen interessanten Einblick in ein Mysterium der Filmgeschichte. Regisseur Leavold ist es gelungen, so viele Weggefährten wie möglich vor die Kameras zu locken und so nicht nur Licht ins Dunkel um Weng Weng zu bringen, sondern gleichzeitig auch einen Einblick in das philippinische Kino der 70er und 80er Jahre zu gewähren. Die dabei geleistete Recherchearbeit verdient höchste Anerkennung, wobei man allerdings auch konstatieren muss, dass der fertige Film eindeutig als nerdiges Fanprojekt verstanden werden sollte und nicht unbedingt als professionelle Filmdokumentation.

Bewertung: 7/10

 

Bud Spencer und Terence Hill lassen erneut die Fäuste fliegen und legen sich in PARI E DISPARI (Italien / USA 1978, Regie: Sergio Corbucci) mit der Glücksspielmafia an.

Corbuccis Film zeigt das kongeniale Duo in Bestform. Ausgesprochen hübsch choreographierte Prügeleien en masse, eine ungemein rasante Inszenierung und eine deutsche Synchro, die wahrlich keine Gefangenen macht – wo Spencer und Hill draufsteht ist im vorliegenden Fall auch definitiv Spencer und Hill drin.

Bewertung: 7/10

 

Sofern es einem gelingt, über die etwas krude Ausgangssituation hinwegzublicken, kann man auch mit BLACK FRIDAY (USA 1940, Regie: Arthur Lubin), einem weiteren Film in dem Lugosi und Karloff mitwirken, richtig viel Spaß haben. Lugosi hat hier allerdings eine etwas kleinere Rolle abbekommen. Mehr Screentime hat Karloff als Mediziner, der einem sterbenden Freund in einer illegalen Hauruckaktion das Gehirn eines Gangsters verpflanzt. Das zieht natürlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich, muss der so Geheilte fortan mit einer gespaltenen Persönlichkeit leben. Ein Fakt, aus der Karloff wiederum seinen Nutzen ziehen mag, denn irgendwo im Gehirn des Gangsters sind Informationen zum Versteck einer stattlichen Geldsumme verborgen und die gilt es nun hervorzuholen.

Das ist natürlich keine Geschichte, die einem größeren Logiktest standhält, wenn man das als gegeben hinnimmt und akzeptiert, bekommt man dafür eine ausgesprochen kurzweilige Mischung aus Horror- und Gangsterfilm serviert, die von Anfang an als Rückblende erzählt wird und bis zu ihrer endgültigen Auflösung den einen oder anderen Haken schlägt. Schön.

Bewertung: 7/10

 

Mel Gibson ist der titelgebende BLOOD FATHER (Frankreich 2016, Regie: Jean-François Richet), der versucht, seine Tochter vor einer ganzen Armee finsterer Gestalten zu beschützen.

Schnörkellos inszeniertes Jagd/Flucht-Szenario, welches Mel Gibson mal wieder in einer überzeugenden und irgendwie auch maßgeschneiderten Rolle präsentiert. Ich mochte diesen Old-School-Vibe, den der Film verbreitete. Erin Moriarty als Gibsons Tochter spielt zudem richtig gut und die Kameraarbeit von Robert Gantz ist über weite Strecke eine einzige Augenweide.

Bewertung: 7/10

 

In BAD MOMS (USA 2016, Regie: Jon Lucas / Scott Moore) sind drei Frauen in ihren Rollen als perfekte Mütter komplett überfordert und entschließen sich eines Tages dazu, einfach mal ein bisschen mehr an sich selbst zu denken – was sich am Ende des Tages natürlich positiv für sie und ihre Kinder auswirkt.

Durchaus gelungene Komödie, die weitaus harmloser daherkommt als der Titel womöglich zu versprechen mag. Der Verlauf der Geschichte ist natürlich ziemlich vorhersehbar und auch an jeder Menge Klischees wurde nicht gespart. Letztendlich gewinnt der Film durch jede Menge Funken von Wahrheit, die in ihm stecken und seine Armada von überzeugenden Schauspielerinnen.

Bewertung: 7/10

 

Solide 90er-Jahre-Action liefert MONEY TRAIN (USA 1995, Regie: Joseph Ruben), in dem sich Woody Harrelson als Cop mit Geldsorgen dazu entschließt, den titelgebenden Zug zu überfallen, mit dem die Einnahmen sämtlicher New Yorker U-Bahn-Stationen eingesammelt und transportiert werden.

Ein Hauch Buddy-Movie – Wesley Snipes ist als Harrelsons Adoptivbruder und Partner wider Willen mit an Bord -, ein bisschen Romantik – Jennifer Lopez fungiert als Love Interest -, ein paar hübsch anzusehende Subplots und ein zumindest halbwegs spektakuläres Finale runden einen Film ab, der zu keinem Zeitpunkt verleugnen kann, aus welchem Jahrzehnt er stammt, der heutigen Action- und Blockbuster-Filmen in Sachen Spektakel und Schauwerten natürlich nicht annähernd das Wasser reichen kann, diesen jedoch in Sachen Charme und Sympathiewerte haushoch überlegen ist.

Bewertung: 7/10

 

In THUNDERHEART (USA 1992, Regie: Michael Apted) soll Val Kilmer als junger FBI-Agent mit indianischen Vorfahren einen Mord in einem Indianerreservat gemeinsam mit einem älteren Partner aufklären und sticht bei seinen Ermittlungen mitten in ein Wespennest hinein.

Der Film hat kommt zwar nicht wirklich ohne Klischees aus, hat das Herz aber auf dem rechten Fleck und liefert dabei grundsolide und gute Thriller-Handlung mit Mystery-Touch.

Bewertung: 7/10

 

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter ohne jegliche Perspektive liefert sich in SHOPPING (Großbritannien / Japan 1994, Regie: Paul W.S. Anderson) – angeführt von einem jungen Jude Law – erbitterte Kämpfe mit der Polizei und einer rivalisierenden Bande.

Für einen Debütfilm – für den mittlerweile entweder leidenschaftlich geliebten oder ebenso leidenschaftlich verachteten Paul W.S. Anderson stellte dies hier die erste Regiearbeit dar und Jude Law, damals Anfang 20, gab hier sein Leinwanddebüt in einer Hauptrolle – ist SHOPPING mehr als ordentlich geraten. Ich mochte die Punkrock-Attitüde des Films, dieses Unverschämte, Rotzige, das er ausstrahlt, aber gleichzeitig auch die zutiefst melancholischen Momente, die ihn immer wieder durchziehen. In den Actionszenen zeigt Anderson schon deutlich sein gutes Gespür im Timing solcher Sequenzen und der Soundtrack des Films ist ziemlich geil geraten.

Bewertung: 7/10

 

 

In seinem fünften Auftritt als Gendarm bekommt es Louis de Funès in LE GENDARME ET LES EXTRA-TERRESTRES (Frankreich 1979, Regie: Jean Girault) mit Außerirdischen zu tun.

Erste leichte Abnutzungserscheinungen machen sich breit. Nachdem die Gendarm-Reihe nach dem vierten Film eine Pause von immerhin 9 Jahren eingelegt hatte, krankt dieser fünfte Beitrag insbesondere daran, dass nicht mehr die komplette Besetzung zur Verfügung stand. Vor allem das Fehlen von Claude Gensac als Ehefrau des kleinen Cholerikers schmerzt doch sehr. Zudem war mir dieser Film mit den außerirdischen Blechkameraden auch einfach eine Spur zu albern und wirkte mit seinem ganzen Verwechslungsszenario – die Außerirdischen können die beliebige Gestalt von Menschen annehmen – mitunter doch sehr bemüht. Auch wenn das ganze Treiben über weite Strecken natürlich immer noch verdammt unterhaltsam ausgefallen ist, mir persönlich fehlte einfach die Leichtigkeit in der Inszenierung, welche die Vorgängerfilme allesamt ausgezeichnet hatte.

Bewertung: 6/10

 

Wenn Michael Bay etwas kann, dann ist das maximale Unterhaltung mit minimalstem Anspruch zu verbinden. Dazu muss er nicht mal selbst Regie führen, es genügt schon seine Mitwirkung als Produzent, um aus einem Film wie TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: OUT OF THE SHADOWS (China / Hongkong / Kanada / USA 2016, Regie: Dave Green), in dem Megan Fox und die vier riesigen Ninjaschildkröten mal wieder den Tag retten müssen, ein herrlich unbekümmertes Vergnügen zu machen. Das ist filmisches Fast Food mit dem größtmöglichen Unterhaltungsfaktor, rasant inszeniert, mit netten Gags und spektakulären Action-Set-Pieces ausgestattet und mit einem Sound Design gesegnet, welches – eine ordentliche Anlage vorausgesetzt – die heimische Couch unter dem Allerwertesten vibrieren lässt.

Bewertung: 6/10

 

Nett unterhaltsam ist EVE OF DESTRUCTION (USA 1991, Regie: Duncan Gibbins), in dem ein außer Kontrolle geratener Android wieder eingefangen werden muss.

Sympathische, kleine B-Produktion, die aus ihrem schmalen Budget so viel wie möglich herauszuholen vermag. Über ein Viertel Jahrhundert nach Erstveröffentlichung hat das alles zwar schon ordentlich Staub angesetzt und verbreitet nicht mehr wirklich viel Spannung, Zwei damals noch angesagte Hauptdarsteller (die heute wahrscheinlich niemand mehr kennt), das geradlinige Jagd-Flucht-Szenario und ein paar blutige Shoot-Outs sorgen aber dennoch dafür, dass Fans des Actionfilms der damaligen Zeit bei Sichtung dieses Streifens sicher ein paar wohlige Nostalgieschübe bekommen dürften.

Bewertung: 6/10

 

Bud Spencer und Terence Hill in Doppelrollen. In NON C’È DUE SENZA QUATTRO (Italien 1984, Regie: Enzo Barboni) werden die beiden angeheuert um in die Haut zweier Milliardäre zu schlüpfen, denen sie zum Verwechseln ähnlich sehen. Die fürchten nämlich um ihr Leben und wollen ihre Doppelgänger als Kanonenfutter verwenden. Aber natürlich kommt alles anders als erwartet.

So unterhaltsam diese weitere Zusammenarbeit von Spencer und Hill auch sein mag, an die Großtaten des schlagkräftigen Duos kommt Barbonis Film eigentlich nie heran. Dazu war mir der Film in seiner Gesamtheit doch etwas zu schlafmützig inszeniert und kam über die komplette Laufzeit eigentlich nie so richtig in Fahrt.

Bewertung: 6/10

 

Komplett harmlosen aber doch irgendwie auch unterhaltsamen Klamauk bietet das Heinz-Erhardt-Vehikel DAS KANN DOCH UNSREN WILLI NICHT ERSCHÜTTERN (Deutschland 1970, Regie: Rolf Olsen), in dem Erhardt mit der Familie in den gemeinsamen Italien-Urlaub fährt, nur um sich dort mit den ungeliebten Nachbarn zu duellieren (und am Ende natürlich zu versöhnen).

Wo Erhardt drauf steht, ist Erhardt drin. Die präsentierten Gags dürften schon damals nicht mehr ganz frisch gewesen sein, seine unzähligen Wortspiele sind altbekannt und das interessanteste an diesem Film dürfte noch sein, auf welch naiv-charmante Weise er das deutsche Spießbürgertum abbildet und so der kompletten Lächerlichkeit preisgibt.

Bewertung: 6/10

 

MARY REILLY (Großbritannien / USA 1996, Regie: Stephen Frears) erzählt die klassische Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus der Perspektive der titelgebenden und von Julia Roberts gespielten Haushälterin des Wissenschaftlers.

Einer dieser Filme bei denen zwar nicht sonderlich viel anbrennen kann, die dafür aber auch nicht besonders innovativ geraten sind, sondern eher für routinierte und – wenn man es so nennen mag – teils biedere Unterhaltung stehen. Die hier vorliegende Mischung aus Horror, Drama und Romanze ist überaus prominent besetzt und allein aufgrund dieser Tatsache absolut solide gespielt. Viel mehr – vielleicht noch die ziemlich tolle Ausstattung – dürfte von diesem Film auf lange Sicht jedoch nicht im Gedächtnis hängen bleiben.

Bewertung: 6/10

 

 

Für dieses riesige, kreative Loch, in dem sich Hollywood nun schon seit Jahren befindet, ist JASON BOURNE (China / Großbritannien / USA 2016, Regie: Paul Greengrass), in dem sich Matt Damon als Jason Bourne mal wieder ein Katz- und Mausspiel mit seinem früheren Arbeitgeber liefert, ein perfektes Beispiel.

Regisseur Greengrass hält seine Kamera, seine diversen Pro- und Antagonisten und seinen Film zwar immer in Bewegung, doch diese ständige Bewegung führt zu keinerlei Intensität, weckt kein großartiges Interesse und lässt den Zuschauer eher als teilnahmslosen Beobachter zurück. Der Hauptplot ist aus den vorherigen Filmen hinlänglich bekannt und mittlerweile nun wirklich nicht mehr dazu geeignet, so etwas wie Spannung zu verbreiten und der Nebenplot um das neue Geheimprogramm der CIA mit dem erfolgreichen Jungunternehmerstar ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk. Wenigstens sind ein paar nette Actionszenen vorhanden und in ein paar wenigen Momenten blitzt auch kurz so etwas wie Potential auf, insgesamt betrachtet ist das alles aber viel zu wenig um so etwas wie echte Begeisterung bei mir als Zuschauer hervorzurufen. Der mit Abstand schwächste Teil der ganzen Reihe.

Bewertung: 5/10

The Movies of January 2017

In den letzten Monaten hatte ich leider weder die Zeit noch die Muse, diesen Blog hier weiterzuführen. Um ihn nicht komplett einschlafen zu lassen, gibt es nun – so zumindest der Plan – immer am Monatsende eine kleine Rückschau auf meinen persönlichen Filmmonat mit ein paar losen Gedanken zu den gesehenen Filmen.

 

Im Januar 2017 stachen für mich insbesondere 4 Filme heraus, die ich allesamt als herausragend bezeichnen möchte:

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Mein persönliches Filmhighlight im Januar war HELL OR HIGH WATER (USA 2016, Regie: David Mackenzie), in dem Ben Foster und Chris Pine als Brüderpaar im ländlichen Texas Banken ausrauben um mit dem erbeuteten Geld den Familienbesitz in Form einer Farm zu retten. Alles geht gut, bis die beiden zu unvorsichtig werden und sich mit Jeff Bridges ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger an ihre Fersen heftet, der als letzte Amtshandlung die Bankräuber unbedingt zur Strecke bringen will.

Der Film lebt von seinen drei phantastischen Hauptdarstellern, seiner tollen Kameraarbeit, seinem wundervollen Score von Nick Cave und Warren Ellis, seiner behutsam die Spannungsschraube immer mehr anziehenden Geschichte und seiner ungemein intensiven Atmosphäre.

 

RAMPART (USA 2011, Regie: Oren Moverman), in dem Woody Harrelson einen dreckigen Cop spielt, der ins Visier der Abteilung für Innere Angelegenheiten gerät, war der zweitbeste Film, den ich im Januar gesehen habe.

Ein ungemein intensiv und glaubwürdig gespieltes Cop-Drama, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Am Ende des Tages machen dann wohl doch die Schauspieler den Unterschied zwischen herausragenden, sehr guten, guten, durchschnittlichen und eher schlechten Filmen aus. In RAMPART spielen neben Woody Harrelson u.a. Robin Wright, Ned Beatty, Sigourney Weaver, Steve Buscemi, Anne Heche, Cynthia Nixon, Brie Larson, Ben Foster, Robert Wisdom und Ice Cube mit. Noch Fragen?

 

Platz 3 des persönlichen Januarrankings geht an SING STREET (Großbritannien / Irland / USA 2016, Regie: John Carney), in dem sich ein Teenager im Dublin der 80er Jahre Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt und kurzerhand eine Band gründet, um die Angebetete für sich zu gewinnen.

Nach ONCE und BEGIN AGAIN spielt auch im dritten Film von Regisseur John Carney die Musik bzw. die Liebe zur Musik die heimliche Hauptrolle. Wer insbesondere mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen ist, dürfte sich bei diesem Film von Beginn an einfach nur wohl fühlen. Der Soundtrack ist göttlich und für seine Geschichte findet Carney genau die richtige Balance zwischen tragischen und komischen Momenten.

 

Beim vierten hervorragenden Film des vergangenen Monats handelt es sich um BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua), der die Geschichten dreier verschiedener Polizisten in den Straßen von Brooklyn erzählt.

Ethan Hawke versucht dabei während teils waghalsiger Einsätze schmutziges Geld auf die Seite zu schaffen, um seiner Familie ein besseres Leben zu bieten, Richard Gere ist als desillusionierter Polizist kurz vor dem Ruhestand zu sehen, der lieber mal in die andere Richtung schaut um jeglichen Ärger kurz vor der Pensionierung aus dem Weg zu gehen und Don Cheadle ist der Undercover-Cop, bei dem die Grenzen zwischen Dienstpflicht und den Verlockungen des organisierten Verbrechens langsam zu verschwimmen drohen.

Erwartungsgemäß nicht ganz ohne Klischees auskommend lässt Regisseur Fuqua seine drei parallel und teils extrem ruhig erzählten Handlungsstränge unaufhaltsam auf ein Finale zulaufen, welches an Intensität kaum zu überbieten ist.

 

 

Sehr gut gefallen haben mir folgende Filme:

Den Anfang macht FEDORA (Deutschland / Frankreich 1978, Regie: Billy Wilder), in dem William Holden als klammer Filmproduzent versucht, eine zurückgezogen lebende Filmdiva aus vergangenen Tagen ausfindig zu machen und diese zu einem Comeback zu überreden. Dabei stößt er auf einige Geheimnisse.

Knapp 30 Jahre nach seinem Meisterwerk SUNSET BLVD. griff Billy Wilder mit FEDORA noch einmal das Thema Traumfabrik auf und besetzte seinen Film abermals mit William Holden in der männlichen Hauptrolle, der sich erneut mit einer alternden Filmdiva herumschlagen musste. Hier nun allerdings mit umgekehrten Voraussetzungen. Sollte Holden knapp 30 Jahre zuvor noch für die Diva arbeiten, versucht er nun eine solche davon zu überzeugen, für ihn vor die Kamera zurückzukehren. Natürlich kommt man nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen und fast zwangsläufig muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass FEDORA in diesem Vergleich nur als zweiter Sieger hervorgehen kann. Die große Klasse eines SUNSET BLVD. erreicht der Film leider nie, was aber natürlich nichts daran ändert, dass es sich auch bei Wilders vorletzter Regiearbeit um einen sehr guten Film handelt. Wegen seiner überzeugenden Schauspieler, wegen des südländischen Flairs, das er verbreitet, wegen seines Mystery-Touchs und nicht zuletzt, weil er diese unausweichliche Problematik der Showbranche, mit dem Alter nicht klar zu kommen und alles für die ewige Jugend zu tun, ausgesprochen überzeugend auf die Leinwand bringt.

 

Ein sehr guter Film ist auch ZOOTOPIA (USA 2016, Regie: Byron Howard / Rich Moore / Jared Bush) aus dem Hause Disney/Pixar geworden, in dem ein Kaninchen allen Widerständen zum Trotz seinen Traum verwirklicht und als Polizeibeamtin Furore macht.

Besonders zu erwähnen ist, dass ZOOTOPIA einfach auf der richtigen Seite steht und seinem jungen Zielpublikum auf einfache Art und Weise eine positive und zutiefst humanitäre Botschaft vermittelt. Und das nicht mit dem Vorschlaghammer oder dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf ausgesprochen rasante, spannende und lustige Art und Weise.

 

Sehr gut und komplett außergewöhnlich ist THE LOBSTER (Frankreich / Griechenland / Großbritannien / Irland / Niederlande 2015, Regie: Yorgos Lanthimos) geraten, in dessen nicht allzu fernen Zukunft alleinstehende Menschen in ein Hotel gebeten werden, in dem sie 45 Tage Zeit haben, um einen neuen Partner fürs Leben zu finden, andernfalls werden sie in ein Tier verwandelt. Zu den Betroffenen gehört auch Colin Farrell, der in einen Hummer verwandelt werden soll und kurz vor Ablauf seiner Zeit verzweifelt nach Alternativen sucht.

Stellenweise ist THE LOBSTER zwar vielleicht etwas zu bemüht skurril geraten, insgesamt betrachtet stellt diese krude Mischung aus Komik, Spannung und Dramatik aber eine willkommene Abwechslung zum üblichen Mainstream-Einheitsbrei dar, begeistert zudem mit teils atemberaubend schönen Kameraeinstellungen und einem Colin Farrell in Höchstform in einer für ihn ausgesprochen ungewöhnlichen Rolle.

 

Das Prädikat “sehr gut“ hat sich auch LE GENDARME DE SAINT-TROPEZ (Frankreich / Italien 1964, Regie: Jean Girault) verdient, der Auftaktfilm der Gendarm-Reihe mit Louis de Funès, in dem er von einem beschaulichen kleinen Ort, den er mit eiserner Faust regiert hatte, ins weltoffene Saint Tropez versetzt wird und dort allerhand Chaos anrichtet.

Neben de Funès, der mal wieder voll in seinem Element ist, möchte ich hier unbedingt noch die bezaubernde Geneviève Grad in der Rolle seiner Tochter erwähnen, die ihre Sache als ebenso charmanter wie attraktiver Gegenpol zum cholerischen Hauptdarsteller richtig gut macht und so dafür sorgt, dass Giraults Film nicht zur kompletten Ein-Mann-Show verkommt.

 

Mit THE RAVEN (USA 1935, Regie: Lew Landers) habe ich mich ins klassische Gruselkino der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts begeben. Bela Lugosi spielt einen genialen Chirurgen, den die nicht erwiderte Liebe einer jungen Frau zu drastischen Taten animiert.

Als Gegenpart zu Lugosi ist mal wieder Boris Karloff mit von der Partie, die Atmosphäre ist unheimlich und das Finale hat es tatsächlich ziemlich in sich. Für Fans solcher Filme gibt’s ‘ne ganz dicke Empfehlung.

 

 

Zwar nicht mehr sehr gut, aber doch immer noch gut haben mir folgende Filme gefallen:

THE VISIT (USA 2015, Regie: M. Night Shyamalan) erzählt die Geschichte eines Geschwisterpaares, welches zum ersten Mal in seinem Leben für eine Woche zu Besuch bei seinen Großeltern ist und schon bald mit außerordentlich seltsamen Verhaltensweisen der Großeltern konfrontiert wird.

Eigenwillige Kameraperspektiven – der komplette Film ist im Doku-Look gedreht -, obskurer Humor mit teils urkomischen Sequenzen und dann auch immer wieder eine Atmosphäre des Unbehagens. Shyamalan macht sich mal wieder einen Spaß daraus, das 08/15-Blockbuster-Publikum gehörig vor den Kopf zu stoßen. Auf seine ganz eigene Art und Weise schon irgendwie ein diebischer Spaß, dieser Film.

 

Bud Spencer ist der titelgebende BANANA JOE (Deutschland / Italien 1982, Regie: Steno), dessen unbekümmerter Bananenhandel von finsteren Burschen torpediert wird, denen er für ein geplantes Großprojekt ein Dorn im Auge ist. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, wird eine Erlaubnis benötigt. Und diese zu beschaffen ist komplizierter als gedacht.

Ich habe mir schon in den ganzen letzten Monaten immer mal wieder Filme mit Bud Spencer angesehen und musste dabei feststellen, dass so richtig gut eigentlich nur die Filme funktioniert haben, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Der Nostalgiefaktor halt. Stenos Film kannte ich vorher auch noch nicht und der hat trotzdem funktioniert. Denn wie Bud Spencer hier in den Mühlen der Bürokratie aufgerieben wird ist über weite Strecken einfach nur zum Schreien komisch.

 

In TAKE THIS WALTZ (Japan / Kanada / Spanien 2011, Regie: Sarah Polley) lässt sich Michelle Williams auf eine Affäre mit ihrem Nachbarn ein und betrügt dabei ihren Ehemann Seth Rogen.

Durchaus glaubwürdige und einfühlsame Geschichte einer Ehe, in die sich zu viel Routine eingeschlichen hat. Gut an dem Film ist vor allem die Tatsache, dass der Plot einen für Filme dieser Art eher untypischen Verlauf nimmt. Schön auch zu sehen, dass Seth Rogen weitaus mehr kann als nur den Pausenclown zu spielen. Als betrogener und komplett hilfloser Ehemann macht er seine Sache aber mal richtig gut.

 

In CENTRAL INTELLIGENCE (USA 2016, Regie: Rawson Marshall Thurber) trifft Kevin Hart, der ehemalige Star seiner Highschool, kurz vor der 20-Jahr-Feier auf seinen ehemaligen Mitschüler Dwayne Johnson, dem einst pummeligen Außenseiter, der ihn um einen Gefallen bittet, was für Hart bleihaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Ja, doch, mein Faible für Filme, in denen ein Normalo aufgrund Verkettung unglücklicher Ereignisse in einen gehörigen Schlamassel gerät und praktisch über sich hinauswachsen muss, um diesem wieder zu entkommen, kann ich definitiv nicht verleugnen. CENTRAL INTELLIGENCE schlägt genau in diese Kerbe, fügt dem ganzen noch einen Schuss Buddy-Movie-Theatralik hinzu und hat mich auf diese Weise richtig gut unterhalten. Thurber hat seinen Film rasant inszeniert, eine Vielzahl der Gags funktioniert, die vorhandenen Actionszenen sind ausgesprochen nett anzusehen und die Chemie zwischen Hart und Johnson passt wie die Faust aufs Auge. Guter Film!

 

In seinem zweiten Auftritt als Polizist verschlägt es Louis de Funès in LE GENDARME À NEW YORK (Frankreich / Italien 1965, Regie: Jean Girault) nach New York, wo er mit seinem Vorgesetzten und seinen Männern an einem internationalen Polizeikongress teilnimmt und schon schnell mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sich seine Tochter verbotenerweise ebenfalls mit in die amerikanische Metropole geschmuggelt hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist dieser zweite Teil für meinen Geschmack etwas arg episodenhaft geraten und wirkt weitaus weniger homogen als der Auftaktfilm der Reihe. Diebischen Spaß macht dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen de Funès und seiner erneut bezaubernden Filmtochter Geneviève Grad natürlich trotzdem und die eine oder andere Länge, die sich da ab und zu einzuschmuggeln droht, wird von de Funès und seinen unnachahmlichen Grimassen immer und immer wieder zuverlässig übertüncht.

 

Jean-Claude Van Damme versucht in MAXIMUM RISK (USA 1996, Regie: Ringo Lam) den Mord an seinem Zwillingsbruder aufzuklären.

Ein Film, über den man keine großen Worte verlieren muss. Ringo Lam präsentiert routinierte 90er-Jahre-Action. Der Film ist rasant, spannend und wird nie langweilig. Kino dieser Art wird heutzutage leider viel zu selten gedreht.

 

Bei RENEGADES (USA 1989, Regie: Jack Sholder), in dem sich Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips als ungleiches Gespann zusammenraufen müssen um einen skrupellosen Killer zur Strecke zu bringen, handelt es sich um grundsolide und schnörkellose Action aus den späten 80er Jahren.

Die beiden Hauptdarsteller gehörten damals zu den großen Hoffungsträgern ihrer Schauspielergeneration und geben in der kurzweiligen Mischung aus Jagd/Flucht- und Racheszenario, in der der damals im Actionfilm schon langsam obligatorisch werdende Humor erfreulicherweise noch fast gänzlich abwesend ist, ein überzeugendes Gespann auf der Jagd nach einem herrlich schmierigen Bösewicht. Das Ganze ist zwar nicht übermäßig spannend geraten, Fans solcher Filme dürfen sich dafür aber an ein paar spektakulären Verfolgungsjagden und jeder Menge blutiger Shoot-Outs erfreuen.

 

Auf seine Weise gut war auch noch UNBROKEN (USA 2014, Regie: Angelina Jolie), der die wahre Geschichte des Mittelstreckenläufers Louis Zamperini erzählt, der während des zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Der immer wieder schwierige Spagat, ein so ernsthaftes Thema wie den 2. Weltkrieg in einen Film zu packen, der am Ende des Tages seine Zuschauer ja auch irgendwie fesseln und unterhalten soll, gelingt Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit zwar nicht immer, eindrucksvoll gefilmt und toll gespielt ist UNBROKEN aber trotzdem. Hin und wieder schleichen sich etwas zu viele Längen ein und vielleicht hätte dem Film eine etwas kürzere Laufzeit gut getan, aber da Filme gegen das “Vergessen“ gerade in der heutigen Zeit mehr als wichtig sind, möchte ich auch für UNBROKEN eine Empfehlung aussprechen.

 

Den Abschluss der guten Filme dieses Monats macht SUOR OMICIDI (Italien 1979, Regie: Giulio Berruti), in dem Anita Ekberg eine Nonne spielt, die in einer Klinik immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen scheint, während in ihrem direkten Umfeld die Todesfälle rapide zunehmen.

Der wie alle seine Genrekollegen angeblich auf Geheimakten aus dem Vatikan basierende Film wälzt sich – auch das hat er mit praktisch allen Vertretern des Nunsploitation-Films gemein – genüsslich in diversen Geschmacklosigkeiten und möchte auf diese Weise natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch die Verlogenheit der katholischen Kirche als Institution anprangern, die sich einfach mal kurz über alle weltlichen Gesetze stellt und Unpässlichkeiten wie die im Film dargestellten einfach auf ihre eigene Art und Weise zu lösen versucht. Dass dies nicht immer funktioniert zeigt der kleine Twist am Ende des Films, den aufmerksame Filmeschauer natürlich schon ein gutes Stück vorher erahnen können. SUOR OMICIDI überzeugt mit ein bisschen Spannung, einem netten Mystery-Touch und jeder Menge Sleaze und sei jedem Freund des unterschlagenen Kinos an dieser Stelle zur bedenkenlosen Sichtung empfohlen.

 

 

Nicht mehr richtig gut, aber immerhin noch unterhaltsam waren:

An der Spitze der noch unterhaltsamen Filme des vergangenen Monats steht THE PURGE: ELECTION YEAR (Frankreich / USA 2016, Regie: James DeMonaco), der mittlerweile dritte Teil rund um diese eine Nacht in den USA, in der alle Verbrechen – inklusive Mord – legal sind. Die im dritten Teil behandelte Nacht fällt mitten hinein in den Wahlkampf und die regierende Rechte versucht durch die Aufhebung aller Regeln ihre politische Gegnerin loszuwerden.

Regisseur James DeMonaco, der bereits die ersten beiden Teile realisierte, verlässt mit dem dritten Film nun endgültig den Bereich des Home-Invasion- und Horror-Films und wendet sich mit dem hier gezeigten Jagd/Flucht-Szenario praktisch fast ausschließlich dem Actionfilm zu. Was dem Film im direkten Vergleich zu den beiden Vorgängern vielleicht an Wahnsinn und Spannung fehlen mag, macht er dafür mit einem irren Erzähltempo und überzeugenden Actionszenen wieder wett. Und nach der Vereidigung von Donald Trump als US-Präsident hat man als Zuschauer bei der Sichtung dieses Films doch ein mulmiges Gefühl. So überzeichnet diese dystopische Zukunftsvision auch sein mag, spätestens seit dem 20.01.2017 leben wir alle in einer dystopischen Realität.

 

In höchstem Maße unterhaltsam war auch BASTILLE DAY (Frankreich / Großbritannien / USA 2016, Regie: James Watkins), in dem ein Taschendieb ins Visier der CIA gerät, nachdem er versehentlich eine Bombenexplosion verursacht hatte.

Das hier ist sicher kein Film, der das Rad neu erfindet, aber er erzählt seine Geschichte auf ausgesprochen rasante und wendungsreiche Art und Weise, hat einige tolle Actionsequenzen zu bieten und mit Idris Elba als kompromisslosen CIA-Agenten einen Star in der Hauptrolle, der den Film trägt und vor lauter Coolness nur so strotzt.

 

Heutige Zuschauer dürften für einen Film wie PROJECT MOON BASE (USA 1953, Regie: Richard Talmadge), in dem sich ein russischer Spion in einen bemannten Raumflug der Amerikaner schmuggelt um die erste Raumstation der USA zu zerstören, wohl nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig haben. Hohn und Spott dürfte sich ergießen über die etwas hölzerne Geschichte, die teils unbeholfen wirkenden Schauspieler, die putzigen Kostüme und die nie so wirklich passenden Größenverhältnisse der zum Einsatz kommenden Modelle. Auf mich wirkt das jedoch alles ungemein anziehend, Filme wie dieser verzaubern mich immer wieder mit ihrem kindlich-naivem Charme und dem nicht wegzuleugnenden Enthusiasmus, mit dem damals alle Beteiligten am Werke gewesen sein dürften. Und die Geschichte stammt immerhin aus der Feder von Robert A. Heinlein, der u.a. auch die Romanvorlage für Verhoevens STARSHIP TROOPERS lieferte.

 

Aus der Ära der klassischen Universal-Grusler der 30er Jahre stammt – ebenso wie der weiten oben bereits angesprochene THE RAVEN – THE INVISIBLE RAY (USA 1936, Regie: Lambert Hillyer), der einmal mehr Boris Karloff und Bela Lugosi vor der Kamera vereint. Die Entdeckung eines neuen Elements auf einer wissenschaftlichen Expedition in Afrika hat hier durchaus verheerende Konsequenzen, was allerdings nicht unbedingt dazu führt, dass man sich als Zuschauer vor lauter Anspannung auf den Fingernägeln kauen müsste. Normalerweise weisen Filme wie dieser hier eine Laufzeit von ca. 60, maximal 70 Minuten auf; Hillyers Film dauert geschlagene 80 Minuten und diese für Horrorfilme der damaligen Zeit extrem üppige Laufzeit steht dem Gelingen des Films leider etwas im Weg. Es schleichen sich doch einige Längen ein und Spannung und Atmosphäre entwickelt sich eigentlich erst in den letzten 20 Minuten. Nett anzusehen und durchaus unterhaltsam ist THE INVISIBLE RAY natürlich dennoch geraten.

 

RIDE ALONG (USA 2014, Regie: Tim Story) und die nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip gestrickte Fortsetzung RIDE ALONG 2 (USA 2016, Regie: Tim Story), in denen sich Ice Cube als tougher Cop mit dem hyperaktiven Kevin Hart herumschlagen muss.

Regisseur Tim Story versucht sich in seinen Buddy Movies an einer typischen Mischung aus Klamauk und Action. Als Feierabendsnack durchaus brauchbar, Qualitätskino sieht jedoch komplett anders aus. Sonderlob gibt es für den Soundtrack-Einsatz des genialen „Sound of da Police“ von KRS-One in beiden Filmen (in der Fortsetzung leider nur im Abspann).

 

Ebenfalls noch unterhaltsam, aber fast noch einen Tick uninteressanter geraten ist MECHANIC: RESURRECTION (Frankreich / USA 2016, Regie: Dennis Gansel), in dem Profikiller Jason Statham drei Auftragsmorde ausführen muss, um Jessica Alba ihren hübschen Hintern zu retten.

Der zweite Auftragsmord mit dem Swimming Pool bleibt im Gedächtnis, vielleicht auch noch das Hinterteil von Jessica Alba. Ansonsten verblasst das Erinnerungsvermögen an den Film bereits während des Abspanns.

 

Und dass es dann tatsächlich noch egaler geht beweist X-MEN: APOCALYPSE (USA 2016, Regie: Bryan Singer), der in 2,5 Stunden Bombast und Effekte ohne Ende auffährt und dabei auch nichts anderes macht, als diese Gute-Mutanten-gegen-böse-Mutanten-Geschichte abermals durch den sprichwörtlichen Fleischwolf zu drehen. Ja, das ist schon alles nett anzusehen und ja, auch diesem Film ist ein gewisser Unterhaltungswert sicher nicht abzusprechen, mich persönlich langweilt dieser Superheldenkram jedoch von Film zu Film mehr und ich sollte irgendwann mal dieses zwanghafte Verhalten einstellen, mir diese ganzen doofen Superhelden-Blockbuster ansehen zu wollen.

 

Nicht mal mehr als unterhaltsam sondern als ausgesprochen zwiespältige Angelegenheit habe ich HIGH-RISE (Belgien / Großbritannien 2015, Regie: Ben Wheatley) empfunden, in dem Tom Hiddleston einen Mediziner spielt, der in ein futuristisches Hochhaus mit unzähligen Apartmenteinheiten zieht um dort Anonymität zu genießen und stattdessen in einen Strudel aus Dekadenz, Wahnsinn und Gewalt gerissen wird.

Filme wie dieser hier bekommen von mir immer das Gütesiegel “naja“ verpasst und reihen sich qualitativ irgendwo zwischen Filmen ein, die ich als noch unterhaltsam empfunden habe und solchen, die in meinen Augen einfach nur mies gewesen sind. Das Problem an HIGH-RISE ist, dass diese dystopische Klassenkampfthematik mit ihren ganzen dysfunktionalen Beziehungen einfach nur erschreckend oberflächlich und inhaltsleer daherkommt. Natürlich ist der Film komplett “over the top“, aber die unzähligen Provokationen erscheinen selbstzweckhaft, die Figuren sind allesamt komplett uninteressant und bleiben einem als Zuschauer einfach nur egal. Da gibt es keinen einzigen Charakter, zu dem man auch nur den Hauch einer Bindung aufbauen könnte. Das ist alles ziemlich schade, denn rein handwerklich gibt es an Wheatleys Film nicht wirklich viel auszusetzen. Kameraarbeit, Bildkomposition und Farbgebung möchte ich gar als exzellent bezeichnen und die Szene, in der die Portishead-Version des ABBA-Klassikers “SOS“ ertönt, geht definitiv als Paradebeispiel für perfekte Musikauswahl durch.

 

Und nun zum Bodensatz filmischen Schaffens:

Die Gurke des Monats geht an CRIMINAL (Großbritannien / USA 2016, Regie: Ariel Vromen), in dem Kevin Costner einen nicht zur Empathie fähigen Killer spielt, dem die Erinnerungen eines getöteten Agenten in das Gehirn verpflanzt werden und der daraufhin zur Begierde verschiedener Interessengruppen wird.

Ok, die größte Leistung des Films besteht dann am Ende des Tages halt doch darin, es hinzubekommen, offensichtlich vorhandenes Talent – neben Kevin Costner spielen u.a. Tommy Lee Jones, Gary Oldman, Ryan Reynolds und Gal Gadot mit – so komplett zu vergeuden. Die unfassbar hanebüchene Ausgangssituation entwickelt sich zu einer konfusen, uninteressanten, nervigen und stinklangweiligen Geschichte, die praktisch zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Zur 45-Minuten-Marke gibt es mal eine hübsche Kameraeinstellung (von oben herab in ein Treppenhaus gefilmt) und den Song im Abspann fand ich ganz nett. Ansonsten ist CRIMINAL einfach nur grottenschlechter und schier unerträglicher Rotz. Einer der beschissensten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Enough said…

Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 02

TRAINWRECK (Japan / USA 2015, Regie: Judd Apatow)

trainwreck

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Deutschland)

Der aktuellste Eintrag im Judd-Apatow-Universum rund um mal mehr und mal weniger funktionierende Beziehungsmodelle hört auf den Namen TRAINWRECK und wurde von Judd Apatow, der sonst ja auch oft nur als Produzent oder Drehbuchautor auftritt, sogar höchstpersönlich inszeniert. Im Mittelpunkt des Films steht eine Reporterin für ein Männermagazin, gespielt von Amy Schumer, die von ihrem nicht gerade treuen Vater geprägt wurde, vom herkömmlichen Familienkonzept nicht unbedingt überzeugt ist und sich lieber ständig mit One Night Stands vergnügt – bis sie schließlich bei den Recherchen zu einem neuen Artikel einen Sportarzt kennenlernt und sich tatsächlich in ihn verliebt, was schließlich vor allem dazu führt, dass sich der zuvor durchaus anarchisch angelegte TRAINWRECK in eine weitere, formelhafte RomCom verwandelt.

Die Grundidee des Films mit dem Vertauschen typischer Rollenklischees fand ich eigentlich ziemlich gut. Normalerweise sind es ja immer die Männer, die in solchen Filmen gezähmt werden müssen, hier läuft die Sache netterweise genau andersrum ab. Funktioniert hat TRAINWRECK für mich dennoch nicht, was in erster Linie an Hauptdarstellerin Amy Schumer lag, die bei mir als Zuschauer einfach nur unsympathisch und uninteressant  rüberkam. Ihr Charakter war mir über die komplette Laufzeit – und die ist Apatow-typisch mal wieder sehr lang ausgefallen und hat die 2-Stunden-Marke überschritten – einfach nur egal, was schließlich dazu führte, dass sich TRAINWRECK zog wie ein Kaugummi. Normalerweise mag ich die Filme aus dem Apatow-Universum ja immer sehr gerne, da in TRAINWRECK allerdings auch die Anzahl der gelungenen Gags eher im unterem Bereich anzusiedeln ist und der Film wirklich nur über ein paar wenige tolle Szenen verfügt, ist das hier tatsächlich der erste Apatow-Film, von dessen Sichtung ich eher abraten würde. TRAINWRECK hat mich doch ziemlich enttäuscht zurückgelassen.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

TREES LOUNGE (USA 1996, Regie: Steve Buscemi)

trees lounge

(Fassung: DVD, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

Steve Buscemi, der hier als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller agierte, spielt in TREES LOUNGE den arbeitslosen Mechaniker Tommy, der aus verschiedenen Gründen sein Leben einfach nicht mehr auf die Reihe bekommt, mit seinen diversen Schicksalen hadert und einen Großteil seines Tages in der titelgebenden Kneipe bzw. Bar verbringt.

TREES LOUNGE ist eine dieser kleinen Indie-Produktionen, die mit relativ wenig Geld (das Budget des Films lag laut IMDB bei ca. 1,3 Mio Dollar) und dafür umso mehr Herzblut entstanden zu sein scheinen und die den Zuschauer mit den Schicksalen möglichst skurriler und obskurer Gestalten konfrontieren. Bei mir treffen Filme wie dieser sehr häufig ins Schwarze. Ich liebe es, in diese von Alkohol durchtränkten und mit Zigarettenqualm durchsetzten Mikrokosmen einzutauchen, den diversen Kneipenpropheten zu lauschen und diesen liebenswerten Losern einfach beim Nichtstun zuzusehen. TREES LOUNGE ist ein Paradebeispiel für Filme dieser Art und so dürfte es niemanden wirklich erstaunen, dass ich mich auch in der Welt von Buscemis Film außerordentlich gern aufgehalten habe und diesen Film hiermit allen, die ein großes Herz für kleine Filme haben dringend weiterempfehlen möchte.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

황해 | HWANGHAE (aka The Yellow Sea, Hongkong / Südkorea / USA 2010, Regie: Na Hong-jin)

hwanghae

(Fassung: Blu-ray, Eureka, Großbritannien)

 Regisseur Na Hong-jin erzählt die Geschichte des von Ha Jung-woo gespielten Taxifahrers Gu-nam, der in der hauptsächlich von Koreanern besiedelten Stadt Yanji im Grenzgebiet von China, Russland und Nordkorea versucht, irgendwie über die Runden zu kommen. Seine Frau hat sich schon vor einiger Zeit nach Südkorea abgesetzt, seitdem wartet Gu-nam darauf, dass sie ihm Geld zukommen lässt, damit er die wegen seiner Spielsucht mittlerweile in exorbitanter Höhe entstandenen Schulden irgendwie abzahlen kann. Als er eines Tages die Möglichkeit bekommt, sich mit der Erledigung eines bestimmten Auftrags all seiner Schulden zu entledigen, nimmt er diesen an. Doch die Aufgabe hat es in sich: Gu-nam soll nach Südkorea reisen und dort einen ihm unbekannten Mann töten…

Nachdem Regisseur Na Hong-jin seine Charaktere vorgestellt und in Stellung gebracht hat, erzählt er seinen Film zunächst auf ausgesprochen ruhige Art und Weise im Stile eines klassischen Heist Movies – nur dass der Überfall hier eben ein Auftragsmord ist – weiter. Er lässt seinen Protagonisten die Gegend auskundschaften, lässt ihn die Gewohnheiten seines Opfers lernen und ihn schließlich zur Tat schreiten, wobei während dieser Phase des Films die Spannungsschraube von Minute zu Minute immer mehr angezogen wird. Nach der Tat verwandelt sich 황해 | HWANGHAE sehr schnell in ein packendes Jagd/Flucht-Szenario und einen teils äußerst derben Rachefilm, der spätestens zu diesem Zeitpunkt auch all die Zuschauer fesseln dürfte, denen die Inszenierung der ersten Filmhälfte vielleicht etwas zu ruhig geraten war. Wenn man an 황해 | HWANGHAE überhaupt etwas aussetzen möchte, dann vielleicht tatsächlich das, dass der Film mit einer Laufzeit von rund 140 Minuten einen Tick zu lang geraten ist. Hin und wieder schleichen sich ein paar wenige Längen ein, die den guten Gesamteindruck jedoch nicht wirklich schmälern können.

Ansonsten bleibt nach Sichtung dieses Films vor allem die Erkenntnis übrig, dass es im internationalen Kino – abseits der typischen Hollywood-Blockbuster-Unterhaltung – für aufgeschlossene Filmfreunde tatsächlich so unendlich viel zu entdecken gibt, dass man als Filmfan wohl 10 Leben zur Verfügung haben müsste, um seiner Leidenschaft ausgiebig nachgehen zu können.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (aka Branded to Kill, Japan 1967, Regie: Seijun Suzuki)

koroshi no rakuin

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Seijun Suzuki erzählt in seinem Gangstermelodram die Geschichte des Auftragsmörders Gorô Hanada (Jô Shishido), momentan die Nr. 3 im inoffiziellen Killer-Ranking der Verbrecherkartelle, der seinen aktuellen Auftrag versaut, da ihm Gefühle zu einer Frau in die Quere kommen. Fortan steht er auf der Abschussliste seiner Auftraggeber und muss sich schon bald mit der unbekannten Nr. 1 (Kôji Nanbara) auseinandersetzen, der Hanada endgültig aus dem Weg räumen soll…

Seijun Suzuki taucht seine Geschichte in Schwarz/Weiß-Bilder, die sein Kameramann Kazue Nagatsuka in wirklich betörender Schönheit abgelichtet hat und in die man sich als Zuschauer am besten einfach hineinfallen lässt. Wer eine herkömmliche Erzählstruktur erwartet, dürfte von Suzukis Film wohl eher enttäuscht werden. 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN ist über weite Strecken maximal seltsam, verbreitet eine ganz eigene Atmosphäre, ist voll skurriler Erotik aufgeladen (die höchste sexuelle Erfüllung findet die Hauptfigur beispielsweise, wenn sie an kochendem Reis schnüffeln darf) und mitunter auch etwas sperrig und alles andere als leicht zugängig. Aber all das ist auch ungemein faszinierend geraten und wer es schafft, sich auf den Film einzulassen, wird mit einem wahrlich beeindruckenden Werk belohnt. Nur Mut, in England gibt es Suzukis Film von Arrow Video in einer wundervoll aufgemachten Blu-ray-Edition käuflich zu erwerben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA (aka Trapped in Lust, Japan 1973, Regie: Atsushi Yamatoya)

aiyoku no wana

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Atsushi Yamatoya zeichnete für das Drehbuch des erst kurz zuvor gesehenen 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (mit-)verantwortlich und hat mit 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA eine Erotik- bzw. Exploitation-Variante von Suzukis Film gedreht. Auch hier geht es um einen hochrangingen Auftragskiller der bei einem höchst komplizierten Auftrag die notwendige Professionalität vermissen lässt und dadurch selbst auf einer Todesliste landet. Doch während Suzukis Original in betörend schönen Bildern schwelgte, eine sexuell aufgeladene Atmosphäre transportierte und den Zuschauer trotz seiner teils sperrigen Art komplett in seinen Bann zu ziehen vermochte, ist dieses Quasi-Remake eher etwas plump geraten. Ja, auch dieser Film hier hat seine höchst skurrilen Momente zu bieten – insbesondere die Sache mit dem Killer und der Puppe – und das Finale von 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist auch ein ziemlicher Knaller geworden, die über weite Strecken jedoch nicht unbedingt erotischen oder überhaupt in irgendeiner Weise ästhetischen Softsexsequenzen des Films torpedieren sein Gelingen jedoch in höchstem Maße. Schauwerte allein reichen am Ende des Tages halt doch nicht aus, man muss auch wissen, wie man sie in Szene setzt und das ist Atsushi Yamatoya leider nicht wirklich gelungen. 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist jetzt sicher kein Totalausfall, aber auch kein Film, den man unbedingt gesehen haben müsste (es sei denn, man hat es sich auf die Fahne geschrieben, im Lauf seines Lebens möglichst alle erhältlichen Exploitation-Flicks aus Japan sichten zu wollen).

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

LIVING IN OBLIVION (USA 1995, Regie: Tom DiCillo)

living in oblivion

(Fassung: Blu-ray, Shout! Factory, USA)

 Regisseur Tom DiCillo nimmt seine Zuschauer in LIVING IN OBLIVION mit an das Set einer Independent- bzw. Low-Budget-Produktion und führt ihm auf ebenso lustige wie bissige Art und Weise vor Augen, mit welchen Problemchen und Problemen unabhängige Filmemacher so zu kämpfen haben. Komplizierte Diven, untalentierte Stars und technischen Pannen machen die Drehs diverser Szenen zu einer Tortur für alle Beteiligten, wobei der Zuschauer während der Erstsichtung des Films nie sicher sein kann, ob hier nun nur einer Traumsequenz oder tatsächlich der filmischen Wirklichkeit beiwohnt.

LIVING IN OBLIVION wirkt dabei ungemein real und authentisch, Steve Buscemi ist in der Rolle des genervten Regisseurs einfach großartig, aber auch Catherine Keener, James Le Gros und Peter Dinklage als nicht gerade unkomplizierte Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie. Tom DiCillo hat mit LIVING IN OBLIVION einen ungemein lustigen und faszinierenden Film gedreht, eine Liebeserklärung des Independent-Kinos an sich selbst, einen dieser Filme, die einen als Zuschauer sofort in ihren Bann ziehen und mit ihrer liebevollen und auch durchaus eigenwilligen Art einfach nicht mehr loslassen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

MAN WANTED (USA 1932, Regie: William Dieterle)

man wanted

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mit MAN WANTED habe ich mal wieder einen meiner beliebten und eigentlich viel zu seltenen Ausflüge in die Pre-Code-Ära von Hollywood unternommen, in der Filmemacher noch nicht dem ab Mitte der 30er Jahre für gut 3 Jahrzehnte geltenden Zensurbestimmungen unterworfen waren und in der Filme gedreht wurden, die auch noch aus heutiger Sicht – und insbesondere im Hinblick auf ihren Entstehungszeitpunkt – einfach nur ungemein modern, erfrischend und lebendig wirken. Angestaubt ist hier wirklich überhaupt nichts.

In MAN WANTED geht es um die erfolgreiche Karrierefrau Lois Ames (Kay Francis), die mit dem von David Manners gespielten Thomas Sherman einen neuen Assistenten anheuert, der sich nach kurzer Zeit in seine mit einem windigen Playboy (gespielt von Kenneth Thomson) verheiratete Chefin verliebt. Regisseur William Dieterle erzählt die Geschichte dieser Liebe, die eigentlich nicht sein darf, auf ungemein rasante Art und Weise. Das schwache Geschlecht sind hier eindeutig die Männer, sei es nun der vergnügungssüchtige Ehemann an der Seite der starken Frau oder eben der verliebte Angestellte unter der mehr als dominanten Chefin. Überzeugende schauspielerische Leistungen, ein mit geschliffenen Dialogen nur so gespicktes Drehbuch und diese glaubwürdige Darstellung der Umkehr traditioneller Geschlechterrollen machen MAN WANTED zu einem dieser weiteren kleineren Filme aus der damaligen Zeit, die auch heute noch perfekt funktionieren und vor denen man wegen ihrer modernen Einstellung und Botschaft nur anerkennend den Hut ziehen kann.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 01

YOUNG GUNS (USA 1988, Regie: Christopher Cain)

young guns

(Fassung: Blu-ray, Lionsgate, USA)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich YOUNG GUNS Ende der 80er Jahre komplett umgehauen hat. Ich habe ihn mir unzählige Male angesehen und diese im Neo-Western-Look gehaltene Interpretation der Geschichte des jungen Billy the Kid (gespielt von Emilio Estevez) gehörte definitiv zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Nun ein Wiedersehen ein gutes Viertel Jahrhundert später und auch wenn mir Cains Film noch immer sehr gut gefällt, so muss ich doch einräumen, dass der Zahn der Zeit gehörig an ihm genagt hat. Bei Erscheinen des Films dürfte es vor allem die Besetzung rund um die damals aufstrebenden Jungstars wie Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Charlie Sheen, Dermot Mulroney, Casey Siemaszko und Lou Diamond Phillips (von denen es im Endeffekt aber keiner zum absoluten Superstar geschafft hat) und alten Haudegen wie Terence Stamp und Jack Palance gewesen sein, die einen sofort für den Film einnehmen konnte und dafür sorgte, dass man wohl geflissentlich darüber hinweggesehen hat, dass in diesem wirklich ausgesprochen stylishen Film bei näherer Betrachtung gar nicht mal so viel passiert. Über weite Strecken plätschert YOUNG GUNS tatsächlich eher etwas gemächlich vor sich hin und Regisseur Christopher Cain scheint sich mehr auf die damals noch vorhandene Starpower und die Kraft seiner tollen Bilder verlassen zu haben und nicht unbedingt interessiert daran gewesen zu sein, so etwas wie einen packenden Spannungsbogen zu entwickeln. Was von YOUNG GUNS übrig bleibt sind seine wunderbare Kameraarbeit, die eine oder andere toll choreographierte Actionsequenz (insbesondere natürlich das Finale) und ein wirklich famos agierender Emilio Estevez in der Rolle des Billy the Kid, dessen Schauspiel sich ständig zwischen kindlicher Naivität, unverschämter Arroganz und gefährlichem Größenwahn bewegt. Aber schon diese Dinge reichen in Verbindung mit dem nicht zu vernachlässigenden Nostalgiefaktor locker aus, damit ich mich auch heute noch für Cains Film zumindest verhalten begeistern kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

YOUNG GUNS II (USA 1990, Regie: Geoff Murphy)

young guns ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

YOUNG GUNS II beginnt im Jahr 1950 und greift die Geschichte von Brushy Bill Roberts auf, der damals behauptete Billy the Kid gewesen zu sein (eine Behauptung, die nie bewiesen werden konnte, Roberts selbst verstarb Ende Dezember 1950). In Murphys Film erzählt dieser einem Anwalt nun “seine“ Geschichte und somit schließt YOUNG GUNS II unmittelbar an das Ende von Cains Vorgänger an.

Diesen Film hatte ich deutlich schwächer als YOUNG GUNS in Erinnerung und hier sind meine Eindrücke nach dem jetzigen Wiedersehen nun gänzlich anders. Ich möchte sogar behaupten, dass YOUNG GUNS II seinem Vorgänger qualitativ in nichts nach steht. Emilio Estevez brilliert erneut in der Rolle des Billy the Kid und als Zuschauer bereitet es einem wirklich einen Heidenspaß, Estevez dabei zuzusehen, wie er immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn und der Darstellung des Outlaws wandelt. Da die damaligen Jungstars aus dem Vorgänger aufgrund des Handlungsverlaufs des ersten Film natürlich nicht mehr alle zur Verfügung standen, wurde das verbleibende Trio (Emilio Estevez, Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips) um Christian Slater ergänzt, der sich ganz wunderbar in dieses Gefüge eingliedert und es auch durchaus schafft, dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Schauspielerisch brennt hier also rein gar nicht an – insbesondere auch aufgrund der Tatsache, dass in Murphys Film noch Leute wie William Petersen, Alan Ruck, R.D. Call, James Coburn, Balthazar Getty und Viggo Mortensen mitwirken – und in Sachen Rasanz, Action und Spannung ist YOUNG GUNS II dem Vorgänger sogar leicht überlegen. Vielleicht hat der Vorgänger die ikonischeren Szenen (Stichwort: “Reap the whirlwind, Brady. Reap it.“) und wahrscheinlich ist Cains Film dem von Murphy auch in Sachen Kameraarbeit einen Tick voraus, insgesamt betrachtet sehe ich persönlich jedoch keine großen qualitativen Unterschieden. Ein Double Feature mit den beiden Filmen sei jedem (Neo-)Western-Fan hiermit ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 5 (USA 2015; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

So, mit dieser fünften Staffel ist die Sichtung der letzten derzeit auf einem Heimkinomedium erhältlichen Staffel beendet und nun beginnt für mich persönlich die Wartezeit auf die entsprechende Veröffentlichung von Season Nr. 6 im nächsten Jahr. Die bereits in meinen kurzen Einträgen zu den 4 Staffeln zuvor niedergeschriebenen Eindrücke haben sich auch in Staffel 5 bestätigt und – was sich schon in der 4. Season angedeutet hatte – mittlerweile bin ich nicht mehr nur vom großen Unterhaltungswert und den ausufernden Schauwerten, sondern auch von der Handlung an sich ausgesprochen angetan. Spätestens jetzt hat GAME OF THRONES auch mich komplett gepackt, daran ändert auch die etwas verhaltenere erste Hälfte der Season nichts, in die sich doch zwei bis drei Füllerepisoden eingeschlichen hatten und bei der ich kurz die Befürchtung hatte, es könnte qualitativ etwas abwärts gehen. Bedenken, welche in der zweiten Staffelhälfte komplett weggewischt worden sind. Allein diese Episode mit der Schlacht gegen die Armee der “White Walker“ war so umwerfend gut, so visuell ungemein beeindruckend, dass man sich während der Sichtung ein ums andere Mal in Erinnerung rufen musste, dass man hier “nur“ eine TV-Serie ansieht und keine große Kinoproduktion. Und die diversen Cliffhanger am Ende der Staffel waren einfach nur massiv fies.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WHITE LINE FEVER (Kanada / USA 1976, Regie: Jonathan Kaplan)

white line fever

(Fassung: DVD, Explosive Media, Deutschland)

Jan-Michael Vincent ist Carrol Jo Hummer, ein junger Mann, der sich nach seiner Zeit beim Militär einen Truck zulegt und fortan als unabhängiger Trucker sein Geld verdienen und sich und seine Familie ernähren will. Da hierfür ist er auf Aufträge angewiesen und die haben in WHITE LINE FEVER ihren Preis. Denn hinter potentiellen Auftraggebern steht ein kriminelles Kartell und die nutzen unabhängige Trucker nur zu gerne aus, um illegale Waren von A nach B zu transportieren. Der grundehrliche Hummer versucht alles, um sich gegen diese Machenschaften zu wehren…

WHITE LINE FEVER behandelt eines der klassischsten Themen der Filmgeschichte. Es geht um Vergeltung, Rache, Widerstand, das Aufbegehren gegen ein System, den Kampf des David gegen den unbesiegbar erscheinenden Goliath. Das hat man natürlich alles schon unzählige Male in irgendeiner Form so gesehen, diese Tatsache ändert aber natürlich rein gar nichts daran, dass man es sich auch unzählige weitere Male gerne ansieht. Und wenn es dann auch noch in Form solider 70er-Jahre-Exploitation serviert wird, ist es natürlich umso besser.

Kaplans Film punktet in erster Linie mit dieser ganz besonderen Stimmung, die so viele Filme aus der damaligen Zeit auszeichnet und der ich mich unmöglich entziehen kann. Und dann ist WHITE LINE FEVER mit einer Besetzung gesegnet, die das Herz eines jeden Fans des Kinos der 70er Jahre höher schlagen lassen dürfte. Neben Jan-Michael Vincent geben sich u.a. Kay Lenz, Slim Pickens, L.Q. Jones, Don Porter, R.G. Armstrong, Martin Kove und – fast möchte man sagen natürlich – Dick Miller die Ehre und sorgen dafür, dass man sich in Kaplans Film von der ersten Minute an heimisch fühlt. Vielleicht hätten dem Film insgesamt betrachtet eine etwas härtere Gangart und ein bisschen mehr Schauwerte ganz gut zu Gesicht gestanden. Im Großen und Ganzen geht es hier trotz des behandelten Themas eher etwas harmlos und gemächlich zur Sache (WHITE LINE FEVER hat damals auch das familienfreundliche PG-Rating zugesprochen bekommen), den insgesamt positiven Gesamteindruck schmälert dies jedoch nicht. Und das Finale des Films ist der absolute Knaller!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DATE BAIT (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

date bait

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ich gebe zu, ich liebe ja solche Low- bzw. No-Budget-Produktionen wie diese hier. Vom Regisseur O’Dale Ireland stammt auch der erst vor wenigen Wochen von mir gesichtete und für ganz in Ordnung gefundene HIGH SCHOOL CAESAR, der wohl parallel zu diesem Werk hier entstanden ist. Zumindest lassen es die doch sehr ähnlich wirkenden Settings und der gemeinsame Starttermin – beide Filme starteten der IMDB zufolge damals im November 1960 in den US-Kinos – vermuten. Und mit der Sichtung von DATE BAIT habe ich mir nun auch schon das komplette Regiewerk von O’Dale Ireland reingezogen. Außer diesen beiden Filmen hat der gute Mann offensichtlich nichts mehr sonst gedreht.

In DATE BAIT dreht sich nun alles um ein jungverliebtes Paar – Danny (Gary Clarke) und Sue (Marlo Ryan) -, welches mit starken Widrigkeiten zu kämpfen hat. Zum einen sind Sues Eltern nicht wirklich von der Liaison angetan, zum anderen findet sich Sues ziemlich wahnsinniger und auch ziemlich gefährlicher Ex-Freund Brad (Dick Gering) nicht wirklich damit ab, dass seine Angebetete nun einen anderen Typen zu lieben scheint. Bevor es zum obligatorischen Happy End kommen kann, muss sich die angespannte Situation natürlich in einem spektakulären Finale entladen.

Ungeachtet des schmalen Budgets, der nicht gerade attraktiven Settings und der auch nicht gerade mit extrem viel Talent gesegneten Schauspieler hätte die Geschichte, die in DATE BAIT erzählt wird, durchaus dazu taugen können, zumindest ansatzweise so etwas wie einen Spannungsbogen zu entwickeln. Das scheint aus welchen Gründen auch immer jedoch einfach nicht möglich gewesen zu sein. DATE BAIT läuft gerade mal 71 Minuten, von denen geschlagene 65 Minuten lang nicht wirklich viel passiert und man sich bestenfalls von der gebotenen Langeweile einlullen lassen kann. Erst in den letzten 6 Minuten überschlagen sich dann die Ereignisse und fast scheint es so, als sei es Regisseur O’Dale Ireland da siedend heiß eingefallen, dass er auch noch einen Film abzuwickeln hat.

Wie im Eingangssatz schon geschrieben, ich habe ein unendlich großes Herz für Filme wie diesen, allerdings muss man als Fan solcher Filme schon auch aufpassen, dass man nicht mit jeden Quark, den man sich da so im Laufe eines Filmfanlebens reinzieht, komplett gnädig umgeht. DATE BAIT tut niemandem weh, hat sicher auch so einige Momente, ist aber in allererster Linie eine verdammt langweilige und öde Gurke, die man ehrlich gesagt nicht mal mehr als ganz in Ordnung bezeichnen kann.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

SILVER LININGS PLAYBOOK (USA 2012, Regie: David O. Russell)

silver linings playbook

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Bradley Cooper spielt den instabilen und gerade aus einer Nervenheilanstalt entlassenen Pat, in die er eingewiesen wurde weil er den Liebhaber seiner Frau übel zusammengeschlagen hatte, der in SILVER LININGS PLAYBOOK nun versucht, die Liebe seiner Frau zurückzugewinnen. Dabei soll ihm die psychisch auch nicht gerade besonders stabile Tiffany (Jennifer Lawrence) helfen, die ihre Hilfe jedoch an eine Bedingung knüpft: Pat muss mit ihr zusammen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen. Während des gemeinsamen Trainings kommen sich beide schließlich näher…

Am Ende des Tages präsentiert Regisseur David O. Russell mit SILVER LININGS PLAYBOOK natürlich auch nur eine weitere, romantische Komödie, an deren Ende sich die beiden Turteltauben finden werden. Was Russells Film vom Gros des Genres abhebt – und ihm einen Oscar (für Jennifer Lawrence als beste Hauptdarstellerin) und immerhin sieben (!!!) weitere Nominierungen des begehrten Filmpreises eingebracht hat – sind diese nahezu perfekte Balance zwischen Tragik und Komik, die dem Regisseur hier geglückt ist, die gelungene Zeichnung der Figuren und deren Entwicklung, die dazu führt, dass man als Zuschauer eine echte Bindung zu den handelnden Personen aufbauen kann und die gleichzeitig verhindert, dass hier einmal mehr nur weitere Abziehbilder der typischen Klischeefiguren präsentiert werden, und natürlich die Besetzung der beiden Haupt-, aber auch der diversen Nebenrollen. Bradley Cooper und Jennifer Lawrence harmonieren ganz vorzüglich als scheinbar dysfunktionales Paar wider Willen und in den Nebenrollen geben sich Schauspieler wie Robert De Niro, Jacki Weaver, Chris Tucker, Julia Stiles und Paul Herman die Ehre und tragen durch ihr Mitwirken einen großen Teil zum Gelingen des Films bei.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TROUBLE WITH THE CURVE (USA 2012, Regie: Robert Lorenz)

trouble with the curve

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In seinem zum jetzigen Zeitpunkt bisher letzten Leinwandauftritt ist Clint Eastwood in der Rolle eines alternden Talentscouts zu sehen, der im Auftrag seines langjährigen Arbeitgebers, einem renommierten Profi-Baseball-Team, einen talentierten Nachwuchsspieler beobachten und wenn möglich zur Verpflichtung empfehlen soll. Doch der von Eastwood gespielte Gus ist mittlerweile ein Relikt aus vergangenen Tagen, ist fast blind, will sich das jedoch nicht eingestehen und steht bei seinem Arbeitgeber letztendlich auf der Abschlussliste. Um den Job für Gus etwas leichter zu gestalten bittet sein langjähriger Freund und Kollege Pete (John Goodman) Gus’ Tochter Mickey (Amy Adams), eine aufstrebende und engagierte Anwältin, ihren Vater auf seiner Tour zu begleiten, wovon Gus jedoch alles andere als begeistert ist…

TROUBLE WITH THE CURVE ist eine dieser kleineren Independent-Produktionen, eine dieser immer wieder gern gesehenen Alternativen zu den Mega-Blockbustern aus Hollywood. Um Baseball, dem Ausgangspunkt des Plots, geht es nur nebenbei, weswegen ich TROUBLE WITH THE CURVE auch nur in zweiter Linie als Sportfilm bezeichnen würde. In erster Linie hat Regisseur Robert Lorenz da eine Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte (ja, ganz ohne Love Story kommt ein Film wie dieser hier einfach nicht aus) gedreht, eine Art Road Trip, während dem es einer von ihrem Vater entfremdeten Tochter gelingt, sich diesem wieder anzunähern und ganz nebenbei ihre wahre Bestimmung im Berufsleben und ihre große Liebe (Justin Timberlake als männlicher Love Interest) zu finden. TROUBLE WITH THE CURVE lebt von seinen Schauspielern. Vor allem natürlich von Clint Eastwood, der einmal mehr in seiner Paraderolle des mürrischen Grantlers zu sehen ist, dessen stahlharte Schale aber doch einen durchaus weichen Kern umgibt. Er lebt aber auch von dieser wundervollen Chemie, die sich zwischen Eastwood und seinem weiblichen Co-Star Amy Adams im Laufe des Films entwickelt und von dieser unglaublichen Prominenz, die sich da ihn den zahlreichen Nebenrollen tummelt. Neben den schon erwähnten John Goodman und Justin Timberlake sind in TROUBLE WITH THE CURVE u.a. Matthew Lillard, Robert Patrick, Bob Gunton, George Wyner, Chelcie Ross und Ed Lauter mit von der Partie, allesamt mehr als bekannte Gesichter, die dem Film durch ihr Mitwirken erhebliche Qualität verleihen. Natürlich sollte man auch kritisch anmerken, dass die erzählte Geschichte in ihrem Verlauf schon ziemlich vorhersehbar geraten ist, was vor allem auch für das Ende des Films gilt, welches schon sehr bald abzusehen ist. Aber bei Filmen wie diesen ist ja meistens eher der Weg das Ziel und dieser Weg ist im vorliegenden Fall mit von Kameramann Tom Stern wunderschön eingefangenen Sequenzen, tollen schauspielerischen Leistungen und ganz vielen Gänsehautmomenten gepflastert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CHEF (USA 2014, Regie: Jon Favreau)

chef

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Jon Favreau, der – sofern er nicht gerade Marvel-Superheldenfilme wie IRON MAN und IRON MAN 2 dreht – ja mehr vor als hinter der Kamera zu finden ist, scheint sich mit CHEF so etwas wie einen Lebenstraum verwirklich zu haben. Er fungierte als Produzent, verfasste das Drehbuch, führte Regie und übernahm zudem die Hauptrolle. Sonderlich viel mehr geht eigentlich nicht.

CHEF dreht sich um den von Favreau gespielten Gourmetkoch Carl Casper, der in einem angesehenen Restaurant arbeitet, von dessen Besitzer (Dustin Hoffman) jedoch in seiner Kreativität stark eingeschränkt wird. Als er aufgrund dessen von einem einflussreichen Essenskritiker (Oliver Platt) eine schlechte Bewertung bekommt, tickt Casper aus, wird gefeuert, macht sich mit einem Food Truck selbständig und erfüllt sich so einen Lebenstraum.

CHEF ist natürlich ein Film, der ohne Klischees nicht auskommen kann. So gibt es einen Handlungsstrang mit Caspers kleinem Sohn, von dem er sich aufgrund seines Jobs im Restaurant und der Trennung von seiner Frau entfremdet hat und mit dem er nun im Food Truck eine neue Bindung aufbauen kann. Und natürlich ist es klar, dass auch hinsichtlich der Beziehung zu seiner Frau am Ende eine neue Chance entstehen wird. Aber bei Filmen wie diesen sind solche Klischees auch irgendwie zwingend notwendig. Sonst würden sie wahrscheinlich einfach nicht funktionieren. CHEF ist einer dieser Filme, denen man einfach anmerkt, dass da mit verdammt viel Herzblut gearbeitet wurde. Es ist einer dieser Filme, die beim Zuschauer dieses wunderbar wohlige Gefühl in der Magengegend verursachen. Einer dieser Filme, bei denen man sich während der Sichtung von Minute zu Minute besser fühlt. Ein Film, der positive Energie regelrecht zu injizieren scheint. Besetzt ist CHEF mit Jon Favreau in der Hauptrolle und Schauspielern wie John Leguizamo, Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Oliver Platt und Robert Downey Jr. in diversen größeren und kleineren Nebenrollen übrigens fantastisch und lohnt schon allein wegen seiner Besetzung die Sichtung. CHEF ist eine Liebeserklärung an das Leben, eine Aufforderung, keine Zeit zu verschwenden und Chancen zu ergreifen, die einem geboten werden. Und er ist eine Liebeserklärung an gutes Essen. Ein Film, bei dem während der Sichtung richtiggehend Hunger bekommt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IRRATIONAL MAN (USA 2015, Regie: Woody Allen)

irrational man

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Woody Allen bleibt sich selbst treu. IRRATIONAL MAN behandelt mal wieder die Lieblingsthemen des Altmeisters. Es geht sowohl um verhängnisvolle Liebesbeziehungen als auch um einen ebenso kleinen wie feinen Kriminalfall.

Erzählt wird die Geschichte des mit einem mehr als verruchten Ruf ausgestatteten Philosophieprofessors Abe Lucas (Joaquin Phoenix), der schon kurz nach seinem Dienstantritt in einem Kleinstadt-College die Aufmerksamkeit zweier Frauen auf sich zieht. Mit seiner verheirateten und in ihrer Ehe gelangweilten Kollegin Rita (Parker Posey) beginnt er schon schnell eine Affäre, mit seiner talentiertesten Studentin Jill (Emma Stone) entwickelt sich eine enge Freundschaftsbeziehung, aus der schon bald echte Liebe wird. Und dann beschließt Abe, als er gemeinsam mit Jill in einem Diner zufällig ein am Nachbartisch geführtes Gespräch belauscht, einer wildfremden Frau aus ihrer Misere zu helfen. Doch dazu muss ein Richter sterben und Abe beginnt, den perfekten Mord zu planen…

Es gibt ja nicht wenige Stimmen, die Allen schon seit Jahren vorwerfen, dass er – leicht variiert – immer wieder die gleichen Filme dreht. Natürlich ist da nicht nur ein Funken Wahrheit dran. Ich stelle mir allerdings die Frage, mit welcher Erwartungshaltung solche Leute an Allens Filme herangehen. Der gute Mann hat letztes Jahr im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert. Glaubt jemand ernsthaft, er würde sich jetzt noch mal neu erfinden? Woody Allen dreht im Endeffekt schon sein ganzes Leben lang genau die Filme, auf die er eben Lust hat. Und meistens handeln sie von Beziehungen, Kunst und Kriminalfällen, da macht auch IRRATIONAL MAN – welch Überraschung – keine Ausnahme. Sicher wäre es mal wieder schön, ein Meisterwerk mit der Klasse eines MANHATTAN oder eines ANNIE HALL von ihm zu sehen, aber machen wir uns nichts vor, diese Zeiten scheinen einfach vorbei zu sein. Und so lange Allen noch so herrlich unaufgeregte, so wundervoll gespielte, mit so reichhaltigem Wortwitz ausgestattete und so hervorragend besetzte Filme wie IRRATIONAL MAN herausbringt, ist doch alles gut. Woody Allen gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und selbst ein nur guter oder mittelmäßiger Film innerhalb seines Gesamtwerkes ist meistens noch weitaus besser als vieles, was man sonst so aus Hollywood zum Fraß vorgeworfen bekommt. Und IRRATIONAL MAN gehört sogar zu den sehr guten Filmen des Meisters.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STILL ALICE (Frankreich / USA 2014, Regie: Richard Glatzer / Wash Westmoreland)

still alice

(Fassung: Blu-ray, Artificial Eye, Großbritannien)

Julianne Moore ist Dr. Alice Howland, eine Universitätsprofessorin, bei der mit Anfang 50 Alzheimer diagnostiziert wird und die fortan lernen muss, mit dieser Krankheit zu leben…

Die beiden Regisseure Richard Glatzer und Wash Westmoreland gehen bei ihrer Verfilmung der auf einem Roman basierenden Geschichte ausgesprochen ruhig und feinfühlig vor. STILL ALICE zeichnet sich durch eine sorgfältige Charakterisierung der handelnden Personen aus, wirkt jederzeit glaubwürdig und authentisch und zeigt auf beeindruckende und äußerst bewegende Art und Weise, wie die Alzheimer-Diagnose das Leben der Hauptfigur und ihres gesamten Umfeldes – sowohl familiär als auch beruflich – verändert. Getragen wird STILL ALICE von seinen durch die Bank großartig agierenden Schauspielern, insbesondere natürlich von Julianne Moore, die diese Rolle so hingebungsvoll und überzeugend spielt, dass das Schicksal ihrer Figur einem als Zuschauer wirklich extrem nahegeht. Richtig toll ist auch Kristen Stewart in der Rolle ihrer Tochter Lydia, die nun spätestens mit dieser Leistung endgültig aus dem TWILIGHT-Schatten herausgetreten sein dürfte und mit gutem Gewissen als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation bezeichnet werden kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Europäisches (Genre-)Kino: Sammelbeitrag Nr. 01

DAS SIEBENTE OPFER (Deutschland 1964, Regie: Franz Josef Gottlieb)

das siebente opfer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Regisseur Franz Josef Gottlieb hatte vor diesem Film hier zwar schon denen einen oder anderen Krimi (auch innerhalb der Edgar-Wallace-Reihe) inszeniert, nach dieser Verfilmung eines Romans von Bryan Edgar Wallace sollte Gottlieb im weiteren Verlauf seiner Kinokarriere jedoch fast ausschließlich im Bereich der (erotischen) Komödie tätig sein. Und irgendwie merkt man diesem Film hier bereits an, dass sich Gottlieb eher für die komischen und absurden Momente und weniger für die spannenden Momente seiner Geschichte interessiert zu haben scheint.

In DAS SIEBENTE OPFER dreht sich alles um eine merkwürdige Mordserie, die sich im Umfeld eines an einem mondänen Schloss angeschlossenen Reitstalls ereignet, während parallel eine ganze Handvoll zwielichtiger Gestalten ein großes Engagement darin zeigen, ein anstehendes Pferderennen zu manipulieren. Das Opfer Nr. 7, welches dem Film seinen Titel gegeben hat, spielt dabei im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Weder ranken sich um dieses bestimmte Opfer ominöse Verwicklungen, noch hat dieses Opfer irgendeine Bedeutung für den Verlauf der Handlung oder für irgendeine Art des Spannungsaufbaus. Nein, es ist vielmehr für den ganzen Film bezeichnend, dass die oder der Tote Nr. 7 einzig und allein für einen netten Gag herhalten muss. Wer sich in irgendeiner Weise so etwas wie Spannung oder zumindest den Hauch einer Mystery-Atmosphäre von DAS SIEBENTE OPFER erhofft, sollte diese Hoffnungen lieber ganz schnell begraben. Gottlieb hat seinen Film nicht als Nailbiter, sondern als locker-flockiges Rätselraten rund um die Mordserie inszeniert und unterhält den Zuschauer dabei immer wieder mit komischen und teils auch albernen Kapriolen. Wer sich also mit dem Stil des Films anfreunden kann, kann sich auf spaßige und kurzweilige Unterhaltung freuen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LE CERCLE ROUGE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

le cercle rouge

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

In LE CERCLE ROUGE trifft Alain Delon als soeben aus dem Gefängnis entlassener Einbruchsspezialist Corey eher zufällig auf den aus Polizeigewahrsam geflüchteten Vogel (Gian Maria Volontè) und findet in diesem und dem Ex-Cop Jansen (Yves Montand) willige Partner, die ihm bei einem Einbruch in ein Juweliergeschäft zur Seite stehen sollen. Während das Trio den Bruch vorbereitet, ist der ehrgeizige Kommissar Mattei (Bourvil) fest entschlossen, den geflohenen Vogel aufzuspüren und kommt so zwangsläufig auch dem Trio in die Quere…

Melvilles Mischung aus Heist Movie, Gangsterfilm und Jagd/Flucht-Szenario gehört zu den ganz großen Klassikern des französischen Kinos und ist gleichzeitig ein Paradebeispiel für das – insbesondere in den 60er und 70er Jahren so beliebte – Subgenre des Heist Movies. In LE CERCLE ROUGE liegt in der Ruhe die Kraft. Wie Melville hier – ohne sonderlich viele Dialoge und vor allem durch die Kraft seiner Bilder – seine verschiedenen Charaktere entwickelt und diese in Stellung bringt, wie er seine Spannung über die gut 140 Minuten, die LE CERCLE ROUGE dauert, immer und immer wieder zu steigern versteht, wie er gänzlich unaufgeregt eine zwar unterkühlte, aber auch ungemein intensive Atmosphäre kreiert und den Zuschauer so über die komplette Laufzeit fesseln kann, ist wirklich mehr als beeindruckend.

Ich habe LE CERCLE ROUGE erst jetzt zum ersten Mal gesehen und wünschte mir, ich hätte ihn schon früher gekannt. Das war eine filmische Bildungslücke, die unbedingt geschlossen werden musste.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

DER SCHNEEMANN (Deutschland 1985, Regie: Peter F. Bringmann)

der schneemann

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Nachdem Sänger Marius Müller-Westernhagen schon seit den 60er Jahren (und bereits vor seiner Karriere als Musiker) in zahlreichen TV-Produktionen mitgewirkt hatte, bekam er ab Ende der 70er Jahre auch die eine oder andere (Haupt-)Rolle in Kinofilmen ab. Eine davon ist die des Kleinganoven Siegfried Dorn, dem in DER SCHNEEMANN zufällig 2 kg Kokain in die Hände fallen und der so naiv ist, zu glauben, er könne den Stoff ohne große Konsequenzen verkaufen. Natürlich sind schon sehr schnell ausgesprochen zwielichtige und ausgesprochen gefährliche Gestalten hinter ihm her.

Wenn man sich Bringmanns Film heute ansieht, kann man es kaum glauben, dass der hier wirklich mal für ein großes Kinopublikum gedacht gewesen sein könnte, denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich DER SCHNEEMANN als eine nicht unbedingt spannende oder spektakuläre, dafür aber umso schmierigere Angelegenheit. Seine Faszination zieht Bringmanns Film vor allem aus seinen Schauwerten, dem teils unglaublichen Sleaze, den er dem Zuschauer serviert, und dem unglaublichen Staunen, das man als Zuschauer während der Sichtung des Films empfindet. Leider habe ich auf die Schnelle im Netz keine Angaben zum Erfolg bzw. Misserfolg des Films gefunden. Würde mich schon interessieren, wie der damals abgeschnitten hat und manchmal würde man nachträglich gerne in die Köpfe so mancher Produzenten und Regisseure schauen können um herauszufinden, was sie sich beim Dreh eines Films wie diesen hier eigentlich gedacht haben. Das ist deutsches Kino im Ausnahmezustand, die 80er waren wahrlich ein verrücktes Jahrzehnt. Ich habe keine Ahnung, ob man DER SCHNEEMANN guten Gewissens zur Sichtung empfehlen kann, ich persönlich fand ihn in all seiner Skurrilität eigentlich ziemlich geil.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

…PIÙ FORTE RAGAZZI! (Italien 1972, Regie: Giuseppe Colizzi)

...più forte ragazzi!

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Am Tag nach dem Tod von Bud Spencer habe auch ich das gemacht, was wohl eine Vielzahl der Menschen gemacht hat, die mit seinen Filmen aufgewachsen sind. Ich habe mir den Film mit ihm angeschaut, der mir persönlich am meisten bedeutet. Das ist schon seit Ewigkeiten …PIÙ FORTE RAGAZZI! aka ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE, in dem Spencer und sein kongenialer Filmpartner Terence Hill als Salud (Spencer) und Plata (Hill) zwei ständig am äußersten Rande der Legalität agierende Bruchpiloten spielen, die eines Tages im südamerikanischen Dschungel abstürzen und dort einer Gruppe von Diamantenschürfern gegen einen skrupellosen Geschäftemacher unterstützen.

Was mich an …PIÙ FORTE RAGAZZI! schon immer so extrem begeistert, war diese leichte Melancholie, die diesen Film durchzieht und diese unglaubliche Warmherzigkeit, die – auch wenn sie sicher in anderen Filmen des Duos oder auch von Spencer allein ebenfalls vorhanden ist – Colizzis Film neben all den typischen Prügeleien und neben all dem Klamauk, den die deutsche Synchro verbreitet, doch zu etwas ganz Besonderem macht. …PIÙ FORTE RAGAZZI! ist ungemein liebenswert und einfach nur wunderschön, ein Film, an dem einfach alles toll ist. Schon die ersten Klänge des grandiosen „Flying Through the Air“ von Oliver Onions sorgen für dieses wohlige Gefühl in der Magengegend. Dann diese einfach nur wundervolle Figur des von Cyril Cusack gespielten Matto, dessen Schicksal einem die Tränen in die Augen treiben kann, usw., usf.; ich liebe …PIÙ FORTE RAGAZZI!, habe ihn nun seit gut 10 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen und kann nur feststellen, dass er auch über die Jahre hinweg rein gar nichts an seiner Faszination einbüßt.

Bewertung: Lieblingsfilm! – 10/10

 

 

LA SOUPE AUX CHOUX (Frankreich 1981, Regie: Jean Girault)

la soupe aux choux

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Giraults LA SOUPE AUX CHOUX ist der vorletzte Film des französischen Starkomikers Louis de Funès, der zwei Jahre später im Alter von nur 68 Jahren an einem Herzinfarkt sterben sollte, nachdem er schon einige Jahre an einem schweren Herzleiden litt und bereits zwei Infarkte überlebt hatte.

Da sein Gesundheitszustand die Rolle des typischen Cholerikers einfach nicht mehr zuließ, ist LA SOUPE AUX CHOUX einer der Filme von de Funès, in denen sein Charakter eher ruhig und milde gestimmt ist und cholerische Anfälle nur in Ansätzen zu sehen sind. Es geht um den von de Funès gespielten Claude Ratinier, der gemeinsam mit seinem Nachbarn und besten und auch einzigen Freund Francis Chérasse (Jean Carmet) seinen Lebensabend in einem außerhalb einer französischen Kleinstadt gelegenen Bauernhof verbringt. Dort streiten sie, vertragen sich wieder, philosophieren über die Vergangenheit, essen Kohlsuppe und veranstalten vor ihren bescheidenen Häusern Abend für Abend Wettbewerbe im Dauerfurzen. Als von der Furzerei schließlich ein Außerirdischer (Jacques Villeret) angelockt wird, stellt dieser das Leben von Ratinier und Chérasse jedoch gehörig auf den Kopf…

In Deutschland ist Giraults Film unter dem Titel LOUIS UND SEINE AUSSERIRDISCHEN KOHLKÖPFE bekannt und dürfte hierzulande – auch wegen seiner unzähligen Ausstrahlungen im Fernsehen – wohl zu den beliebtesten und bekanntesten Filmen des französischen Komikers gehören. Auch ich bin damals mit LA SOUPE AUX CHOUX aufgewachsen, habe den Film als Kind und Jugendlicher unzählige Male im Fernsehen gesehen und natürlich wegen seiner ausufernden Albernheiten (die Furzerei, die Kommunikation mit dem Außerirdischen) geliebt. Beim jetzigen Wiedersehen nach sehr langer Zeit ist mir erstmals aufgefallen, dass LA SOUPE AUX CHOUX im Grunde genommen, trotz der vorhandenen Gags, ein überaus trauriger und auch zutiefst melancholischer Film ist. Es geht um würdevolles Altern, um Respekt vor älteren Menschen, um Perspektivlosigkeit und auch um die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen. In der französischen Originalversion gibt es bspw. eine längere Szene, in der der von Carmet gespielte Chérasse versucht, sich zu erhängen. Eine Sequenz, die in den deutschen Fassungen (auch in der mir vorliegenden DVD-Fassung) gekürzt wurde, ganz offensichtlich um die Klamauk-Szenen des Films nicht zu torpedieren (mittlerweile gibt es aber auch eine Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland, die komplett ungekürzt erschienen ist). Auch wenn der Film ein Happy End aufweisen kann, Ratinier und Chérasse mit dem Außerirdischen abhauen und einem würdevollen Lebensabend entgegenblicken können, von der oft unbeschwerten Leichtigkeit, welche die Filme von de Funès so häufig durchzogen hat, ist hier nicht mehr sonderlich viel zu spüren.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI (aka He Murdered His Wife, Griechenland 1976, Regie: Kostas Karagiannis)

eglima sto kavouri

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI möchte ein schleimiger Playboy (Lakis Komninos) das stattliche Vermögen seiner älteren Ehefrau (Dorothy Moore) mit seiner jüngeren Geliebten verprassen und paktiert mit einem skrupellosen Frauenmörder (Vagelis Seilinos) um seine Gattin um die Ecke zu bringen…

Regisseur Kostas Karagiannis hat seine Mischung aus Thriller, Mystery und Horror im Stil der italienischen Gialli gedreht. Es gibt brutale Morde, viel nackte Haut und einen im Schlussdrittel wendungsreichen Plot zu bestaunen, in Sachen Spannung muss man aber – trotz der Haken, die die Handlung zum Ende hin schlägt – bedauerlicherweise gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Da die Identität des Killers von Anfang an feststeht und auch der Mordplan des betrügenden Ehemannes sehr schnell offengelegt wird, bezieht Karagiannis’ Film seine Spannung in erster Linie daraus, ob die Täter letztendlich davonkommen werden und wie sie beide versuchen, sich gegenseitig auszuschalten. Das ist ein Tick zu wenig, um den Film über die komplette Länge zu tragen. Freunde des gepflegten Exploitation-Kinos dürften an ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI dennoch ihre Freude haben und sich vor allem an den vorhandenen Schauwerten und der nicht zu verachtenden Menge an Sleaze, welche Karagiannis über seine Zuschauer ausschüttet, ergötzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LA LAMA NEL CORPO (Frankreich / Italien 1966, Regie: Elio Scardamaglia)

la lama nel corpo

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Regisseur Elio Scardamaglia lässt in LA LAMA NEL CORPO einen Killer in einer alten Nervenheilanstalt, welche in einem mehr als mondän zu nennenden, schon fast schlossartigem Anwesen angesiedelt ist, auf Patienten und Belegschaft los…

Scardamaglias Film ist wirklich wunderschön anzusehen. Allein das Setting in diesem alten, beeindruckenden Anwesen reicht aus, um Genrefreunde für den Film einzunehmen. LA LAMA NEL CORPO ist vollgestopft mit tollen Kameraeinstellungen und verbreitet mit seiner irgendwo zwischen Giallo und Gothic Horror angelegten Geschichte eine harmlos-sympathische Grusel-Atmosphäre. Sehr viel mehr hat LA LAMA NEL CORPO jedoch nicht zu bieten. Im Finale geht es zwar ein bisschen ruppiger und auch rasanter zur Sache als zuvor, bis es jedoch so weit ist, plätschert Scardamaglias Film eher gediegen vor sich hin, schwelgt in seinen schönen Bildern und lullt den Zuschauer mit diesen eher ein als ihn mit einer spannenden Geschichte zu packen. Auf seine ganz eigene Art und Weise dürfte LA LAMA NEL CORPO für Freunde des italienischen Genrekinos aber ganz sicher interessant sein. Ich würde ihn jetzt nicht unbedingt als Pflichtprogramm bezeichnen wollen, fand ihn trotz der fehlenden Spannungsmomente jedoch allein aufgrund seiner Settings und der Atmosphäre und Stimmung, die er kreiert durchaus sehenswert und unterhaltend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

REMAKE, REMIX, RIP-OFF: ABOUT COPY CULTURE & TURKISH POP CINEMA (Deutschland / Türkei 2014, Regie: Cem Kaya)

remake, remix, rip-off - about copy culture & turkish pop cinema

(Fassung: Free-TV, ZDF HD, Deutschland)

Insbesondere zwischen den frühen 50er und späten 80er Jahren bestand das türkische Kino zu einem Großteil aus möglichst kostengünstig heruntergekurbelten Remakes bzw. Rip-Offs erfolgreicher Hollywood-Produktionen, welche so manche obskure Perle hervorgebracht haben. Regisseur Cem Kaya wirft in seiner Dokumentation einen Blick auf diese faszinierende Kinolandschaft, lässt damalige Schauspieler und Regisseure zu Wort kommen, teils ausgesprochen witzige Anekdoten von damals erzählen und gewährt dem interessierten Zuschauer so einen Einblick in eine Filmwirtschaft, die vor allem von Improvisationstalent und diversen Guerilla-Taktiken geprägt war (man erfährt bspw., dass es in der Türkei kein geltendes Urheberrecht gab und den Machern somit die Scores sämtlicher Hollywoodfilme zur freien Verfügung standen, welche diese natürlich gerne nutzten, um ihre eigenen Filme zur veredeln; vor allem die Filmmusik aus THE GODFATHER, diversen James-Bond-Filmen, SUPERMAN oder STAR WARS wurde immer wieder gerne verwendet). Insbesondere Çetin İnanç, Regisseur des berühmt-berüchtigten DÜNYAYI KURTARAN ADAM (besser bekannt als TURKISH STAR WARS), hat einige wunderbare Geschichten zu erzählen, insbesondere was die Entstehung seines vorgenannten Films angeht (in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die Filmrollen von STAR WARS aus einem türkischen Kino entwendet und um Szenen erleichtert, welche für den eigenen Film genutzt werden sollten und dann auch in diesen hineingeschnitten wurden), welche Probleme die Filmemacher mit den Zensurbehörden hatten und wie diese übergangen wurden, usw., usf., und weckt im Zuschauer durch seine Ausführungen ein großes Bedürfnis, diverse Filme aus der Türkei lieber heute als morgen sichten zu wollen.

Leider belässt es Regisseur Cem Kaya in seiner Dokumentation nicht bei diesen hoch interessanten Einblicken in diese längst vergangenen Zeiten, sondern will etwas zu viel. Kaya schlägt den Bogen in die Gegenwart, wirft einen Blick auf türkische TV-Produktionen, die mehr als schlechten Arbeitsbedingungen der Cast- und Crewmitglieder in der heutigen Zeit und die Respekt- und Rücksichtslosigkeit, mit der in der Türkei mit dem türkischen Filmerbe umgegangen wird. Das ist zwar sicher lobenswert, hätte aber im Endeffekt einen eigenen Film verdient gehabt und führt letztendlich dazu, dass REMAKE, REMIX, RIP-OFF in zwei Teile auseinanderfällt, die nicht wirklich harmonisch zusammengefügt werden können. Kayas Film wirkt aufgrund dieser Tatsache in der zweiten Hälfte etwas unstruktiert und konfus und in meinen Augen hätte Cem Kaya gut daran getan, wenn er sich auf sein ursprüngliches Thema bis zum Ende konzentriert hätte und den ernsthaften und politischen Teil seiner Dokumentation in einen eigenen Film ausgelagert hätte, der diesem ernsteren und sicher auch hochinteressantem Thema dann auch hätte gerecht werden können.

Bewertung: Gut! – 7/10

4 Frauen auf Geisterjagd

GHOSTBUSTERS (USA 2016, Regie: Paul Feig)ghostbusters

(Fassung: 3D-Originalfassung, Odeon Premierenkino, London)

Jetzt ist er also in der Welt. Dieser Film, der die Fans von Reitmans Original aus dem Jahr 1984 schon auf die Barrikaden gehen ließ, bevor er überhaupt das Licht der Leinwände erblicken konnte. Der von vielen sogenannten Filmfreunden aus Prinzip gehasst werden wird – nur aufgrund der Tatsache, dass die Rollen der Geisterjäger hier mit 4 Frauen besetzt worden sind – und der praktisch keine Chance auf eine faire Behandlung haben dürfte. Ich finde es sehr traurig, dass es scheinbar nicht möglich ist, an einen Film wie diesen hier erst mal unvoreingenommen heranzugehen, ihn sich anzusehen und sich danach eine Meinung zu bilden. Wenn man ihn dann immer noch beschissen findet, ist das ja in Ordnung. Aber dieser Shitstorm vorab? Man muss es nicht verstehen.

In Deutschland startet GHOSTBUSTERS Anfang Augst, anlässlich eines Kurzurlaubs in London hatte ich bereits am vergangenen Samstag die Gelegenheit, mir den Film in 3D im riesigen Odeon-Kino am Londoner Leicester Square anzusehen (in diesem Kino finden auch alle wichtigen Filmpremieren in England statt) und möchte nach Sichtung des Films all diesen selbsternannten Experten, all diesen bescheuerten Hatern und all diesen ekligen Supernerds, die GHOSTBUSTERS bereits vor Start und nur aufgrund der Besetzung und des Trailers zur Totgeburt erklärt hatten, ein fettes „FUCK YOU!!!“ entgegen schreien, denn Paul Feig hat hier zwar keinen perfekten, aber doch einen extrem unterhaltsamen Film gedreht. Einen Film, der mir persönlich über die komplette Laufzeit verdammt viel Vergnügen bereitet hat, den man sicher kritisch sehen kann, der diese breite Ablehnung und diesen Hass, der ihm schon seit Wochen und Monaten vielerorts entgegenschlägt, jedoch in keinster Weise verdient hat.

Was man den Machern vielleicht vorwerfen kann, darf und muss, ist, dass sie diesen Mut, den sie mit der Besetzung der vier Hauptrollen mit Frauen ja eigentlich bewiesen haben, nicht konsequent fortgeführt und so etwas gänzlich Neues erschaffen haben. GHOSTBUSTERS ist im Endeffekt ein Remake bzw. Reboot des Originals und seines Sequels aus dem Jahr 1989 und funktioniert eher als liebevolle Hommage an diese beiden Filme und weniger als eigenständige Geschichte. Dafür wurden einfach zu viele Elemente der beiden Ur-Filme aufgegriffen, dafür gibt es zu viele obligatorische Gastauftritte und dafür fehlt es dem Film einfach an Originalität und Einfallsreichtum was den Handlungsverlauf angeht. Und dafür übertreibt es Paul Feig im Finale etwas zu sehr mit den Reminiszenzen. Die Entstehung des „Endgegners“ ist bspw. komplett misslungen und das Finale des großen Finales ist in meinen Augen auch eher als missglückt zu bezeichnen. Bis auf diese beiden großen Schwächen zum Ende hin funktioniert GHOSTBUSTERS als Hommage jedoch nahezu perfekt und wenn man es schafft, sich auch mit den vier Damen in den Rollen der Geisterjäger anzufreunden (was mir glücklicherweise gelungen ist), dürfte einem mehr als vergnüglichem Filmerlebnis nichts mehr im Wege stehen.

Regisseur Paul Feig zelebriert mal wieder den aus seinen bisherigen Filmen bekannten, etwas kruden Humor und hat insbesondere mit Melissa McCarthy und Kristen Wiig zwei Schauspielerinnen am Start, die sich die Gags wie die sprichwörtlichen Bälle hin- und her spielen. Chris Hemsworth als männliche und leicht unterbelichtete Empfangsdame ist teilweise zum Schreien komisch und komplettiert mit seinem Part die Umkehr der Geschlechterrollen des Originals. Die aus den beiden Ur-Filmen zusammengesetzten Handlungselemente hat Feig zudem mit jeder Menge netter Ideen angereichert und die Kreativität, die im großen Ganzen des Plots vielleicht etwas fehlen mag, ist in den Details jederzeit erkennbar (man achte bspw. nur mal auf die zeitgenössischen Movie Marquees während der Times-Square-Sequenz im Finale). Über die diversen Variationen altbekannter Geistererscheinungen habe ich mich genauso gefreut wie über die ausgesprochen gelungenen Gastauftritte diverser Stars des Originals – neben Bill Murray als Wissenschaftler und Dan Aykroyd als Taxifahrer geben sich auch Annie Potts, Ernie Hudson und Sigourney Weaver die Ehre – und diese Konzertsequenz (incl. eines Gastauftritts von Ozzy Osbourne) in der Mitte des Films ist der absolute Knaller. Toll auch die Effekte, vor allem die 3D-Effekte in den Actionszenen. Alles in allem ist GHOSTBUSTERS ein riesengroßer Spaß. Wer dem Film eine echte Chance geben will soll doch einfach reingehen, sich hinsetzen, ihn sich anschauen, hoffentlich Spaß haben und vor allem bis nach dem Abspann sitzen bleiben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Juni 2016: Beitrag Nr. 2

SOUTHPAW (Hongkong / USA 2015, Regie: Antoine Fuqua)

southpaw

(Fassung: Blu-ray, Tobis, Deutschland)

In Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Kurt Sutter schickt Regisseur Antoine Fuqua Jake Gyllenhaal als erfolgreichen Boxer in den Ring, malträtiert ihn mit fiesen Schicksalsschlägen, lässt ihn von ganz oben nach ganz unten abstürzen, nur um ihn im Schlussdrittel wie Phoenix aus der Asche wieder aufsteigen zu lassen…

Obwohl mich der Boxsport im wahren Leben überhaupt nicht interessiert, habe ich im Lauf meiner filmischen Sozialisierung – vor allem wegen der ROCKY-Reihe – eine Vorliebe für Boxfilme entwickelt und musste mir aus diesem Grund natürlich auch SOUTHPAW ansehen, einen Film, an den ich doch relativ hohe Erwartungen hatte. Wegen seines Hauptdarstellers, den ich immer gerne sehe. Und natürlich auch wegen seines Regisseurs, von dem ich spätestens seit SHOOTER ein großer Fan bin.

Vielleicht bin ich ja an meiner Erwartungshaltung gescheitert, aber so wirklich mitreißen konnte mich SOUTHPAW eigentlich nur im Schlussdrittel, beim wirklich atemberaubend inszenierten Schlusskampf, bei dem der Film dann alle Erwartungen erfüllen konnte und mich mit Gänsehaut und einer Träne im Auge in den Abspann entließ. Die Mischung aus Sportfilm und Drama in den knapp 90 Minuten davor hat leider nicht so gut funktioniert. Das wirkte alles viel zu konstruiert, viel zu übertrieben und viel zu unglaubwürdig und konnte mich als Zuschauer eigentlich nie so wirklich berühren. Eigentlich plätscherte SOUTHPAW über weite Strecken nur so dahin. Bis dann dieses Schlussdrittel kam und aus einem bis zu diesem Zeitpunkt höchstens halbwegs unterhaltsamen Film dann doch noch einen guten Film machte.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

PERSONAL BEST (USA 1982, Regie: Robert Towne)

personal best

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Regisseur und Drehbuchautor Robert Towne erzählt die Geschichte zweier Fünfkämpferinnen (Mariel Hemingway und Patrice Donnelly), die in Qualifikationswettkämpfen versuchen, einen Platz im US-Team für die olympischen Sommerspiele 1980 zu ergattern, sich ineinander verlieben und schon schnell ihre Gefühle füreinander auf der einen und den bestehenden Konkurrenzkampf auf der anderen Seite nicht mehr miteinander vereinbaren können, natürlich noch nicht ahnend, dass die Teilnahme an der anstehenden Olympiade aus politischen Gründen von den USA boykottiert werden wird…

Robert Towne gelingt sowohl ein intimer und auch authentisch wirkender Einblick in das Innenleben eines Sportteams, dem alltäglichen Konkurrenzkampf, den die verschiedenen Sportlerinnen ausgesetzt sind und der harten Trainingsarbeit, die hinter den erhofften Erfolgen steckt, als auch ein einfühlsames Portrait zweier Frauen, denen ihre Gefühle einen gehörigen Strich durch ihre sportlichen Karriereplanungen zu machen drohen. Sehr schön auch zu sehen, wie vollkommen normal und natürlich Robert Towne die gleichgeschlechtliche Beziehung der beiden Frauen darstellt, für einen Film aus dem Jahr 1982 ist das ja nicht unbedingt selbstverständlich.

So wirklich gepackt hat mich PERSONAL BEST allerdings nicht. Townes Film kann zwar auch in schauspielerischer Hinsicht – vor allem wegen Hemingway und Donnelly in den Rollen der beiden Sportlerinnen und Scott Glenn in der Rolle des Trainers – durchaus überzeugen, hat aber mit dem großen Problem zu kämpfen, dass er mit einer Laufzeit von über 2 Stunden mindestens 30 Minuten zu lang gewesen ist und die Sportart des Fünfkampfs nun auch nicht unbedingt optimal dazu geeignet ist, den Film mit wirklich packenden Sportszenen zu füllen und so die Spannung zumindest ein bisschen hochzuhalten. Irgendwann zieht sich PERSONAL BEST fast nur noch wie Kaugummi und ich war am Ende dann auch schon fast froh, als er endlich vorbei war. Irgendwie schade, hätte den Film gerne mehr gemocht. Von seinem Ansatz und seiner Aussage her steht PERSONAL BEST auf jeden Fall auf der Seite der Guten.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

AMERICAN ULTRA (Schweiz / USA 2015, Regie: Nima Nourizadeh)

american ultra

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Jesse Eisenberg spielt Mike Howell, einen in einer amerikanischen Kleinstadt lebenden und nicht gerade selten bekifften Loser, der bereits Panikattacken bekommt, wenn er mit seiner Freundin Phoebe (Kristen Stewart) mal die Stadtgrenze überschreiten soll und dessen Leben von der einen auf die andere Sekunde komplett auf den Kopf gestellt wird, als er sich einem Killerkommando gegenüber sieht und plötzlich ungeahnte Fähigkeiten entdeckt. Denn der von Eisenberg gespielte Howell ist in Wahrheit eine vom CIA ausgebildete und stillgelegte Tötungsmaschine, die nun für immer zum Schweigen gebracht werden soll…

Regisseur Nima Nourizadeh zeichnete vor AMERICAN ULTRA für den im Found-Footage-Stil gedrehten PROJECT X verantwortlich, in dem eine Party komplett außer Kontrolle geriet und der den Zuschauer mit Unglaublichkeiten am laufenden Band konfrontierte. So ähnlich geht es auch in AMERICAN ULTRA zu, auch wenn dieser Film hier natürlich – was die Handlung und die eingesetzten Stilmittel angeht – rein gar nicht mit dem Erstlingswerk des Regisseurs zu vergleichen ist.

Als Zuschauer sitzt man staunend und kopfschüttelnd vor dieser komplett durchgeknallten Wundertüte von Film, die Nourizadeh da auf einen loslässt und kann sich über die ganze Laufzeit nie so richtig entscheiden, ob man das, was man da sieht, nun gut oder beschissen finden soll. Die Handlung ist komplett hanebüchen, Spannung und Atmosphäre sind praktisch nicht vorhanden, stattdessen wird AMERICAN ULTRA von seinen Schauwerten regiert, die reichlich vorhanden sind und zu großen Teilen aus oft derben Gewaltausbrüchen bestehen. Ich selbst bin mir auch drei Tage nach Sichtung des Films noch immer nicht ganz sicher, was ich da eigentlich gesehen habe. Es war auf jeden Fall verdammt unterhaltsam, auch wenn streckenweise die Gefahr bestand, Ermüdungserscheinungen wegen kompletter Reizüberflutung zu erleiden.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR (Deutschland 1963, Regie: Harald Reinl)

der würger von schloss blackmoor

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Im Gegensatz zum Vorgänger DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER orientiert sich der zweite Film in Brauners Bryan-Edgar-Wallace-Reihe was Settings und Atmosphäre angeht doch deutlich mehr an den großen Vorbildern der Rialto. Angesiedelt ist DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR in einem dieser wunderbaren Schloss-Settings und die Handlung dreht sich um einen maskierten Killer, der Menschen rund um das titelgebende Schloss auf diverse Methoden um die Ecke bringt, um die typischen Querelen rund um ein Erbe und um wertvolle Diamanten, auf die es nicht gerade wenige zwielichtige Typen abgesehen haben.

Was an DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR in erster Linie positiv hervorzuheben ist, sind seine Schauwerte und die Tatsache, dass der Film von Regisseur Harald Reinl ohne große Längen und überaus flott inszeniert wurde. Toll ist natürlich vor allem das alte Schloss mit seinen Geheimgängen, seinen unheimlichen Kellerverliesen und seinen undurchsichtigen Bewohnern, u.a. einem irren Diener, der in einem Kellergewölbe mit Wahnsinn in den Augen seine Zeit mit dem Schleifen von Diamanten verbringt. Zudem sind die Morde, die der titelgebende Würger begeht, erstaunlich derbe ausgefallen. Da wird nicht nur gewürgt, sondern gleich noch enthauptet und mitunter auch mit schweren Kalibern geschossen. Schön auch zu sehen, dass das obligatorische “comic relief“ im Vergleich zum Vorgänger hier deutlich verhaltener agiert. War es in DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER noch Chris Howland, der sich zum Deppen machen durfte, ist es hier nun Walter Giller, der als schrulliger Schlossbesitzer für Heiterkeit sorgen soll, dabei für den Zuschauer aber nie so anstrengend wird, wie es eben Howland im Film zuvor noch gewesen ist. Und dann hat Reinl in der Rolle der Leading Lady Karin Dor zur Verfügung, die ihren Part natürlich souverän meistert und dem Film das verleiht, was ihm sonst – und das ist dann auch seine große Schwäche – leider vollends abgeht, nämlich einen Hauch von Starpower. Die Rolle des Ermittlers wurde mit Harry Riebauer erneut mit einem Schauspieler besetzt, der diesen wichtigen Part praktisch zu keiner Sekunde so wirklich ausfüllen kann. In den Vorbildern der Rialto wurden diese Rollen mit Charakterköpfen wie Fuchsberger oder Drache besetzt, denen Riebauer leider in keinster Weise das Wasser reichen kann.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

FLED (USA 1996, Regie: Kevin Hooks)

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(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Aufgrund einer Verkettung dummer Zufälle befinden sich in FLED die beiden Häftlinge Piper (Laurence Fishburne) und Dodge (Stephen Baldwin) plötzlich aneinander gekettet auf der Flucht aus Gefängnisgewahrsam und vor den sie verfolgenden Ordnungshütern. Dass sich die beiden nun nicht gerade bestens miteinander erschweren erleichtert ihre missliche Lage ebenso wenig wie die Tatsache, dass neben den Behörden auch die kubanische Mafia hinter ihnen her ist…

Herausgekommen im Jahr 1996, könnte man meinen, FLED müsste schon allein aufgrund seiner Ausgangssituation mit den beiden aneinander geketteten Streithähnen ein Paradebeispiel für einen dieser von Humor durchsetzten Actionfilme aus den 90ern sein. Aber weit gefehlt, FLED ist zwar nicht gänzlich von Humor befreit – ein paar komische Momente mussten damals wohl einfach in jeden Actionfilm integriert werden -, über weite Strecken geht es in diesem rasanten Jagd/Flucht-Szenario aber durchaus ernst und auch ausgesprochen grimmig zur Sache. Regisseur Kevin Hooks, der hauptsächlich fürs TV arbeitet und für den FLED neben dem 4 Jahre zuvor entstandenen PASSENGER 57 mit Wesley Snipes in der Hauptrolle einen der ganz wenigen nennenswerten Ausflüge ins Kino darstellt, geht hier wirklich alles andere als zimperlich zur Sache. FLED wird von blutigen Shoot-Outs und druckvollen Actionszenen beherrscht, die geschickt innerhalb des Handlungsverlaufs platziert sind und dem Zuschauer nur wenig Zeit zum Verschnaufen lassen. Hooks treibt seine Handlung ohne große Schnörkel voran, baut dabei geschickt Spannung auf und entwickelt seine beiden Hauptcharaktere inmitten einer Ansammlung ziemlich klischeehafter Figuren immerhin so weit, dass sie einem als Zuschauer nicht egal bleiben und man relativ schnell eine Bindung zu ihnen aufbauen kann. FLED ist ein Beispiel für grundsolides und im höchsten Maße unterhaltsames Actionkino an dem es im Endeffekt nichts groß auszusetzen gibt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOTEL TRANSYLVANIA 2 (USA 2015, Regie: Genndy Tartakovsky)

hotel transylvania 2_01

hotel transylvania 2_02

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Nachdem sich der ein Hotel für Monster betreibende Graf Dracula im Vorgänger aus dem Jahr 2012 noch damit auseinandersetzen musste, dass ein Menschenjunge in sein Hotel gelangt war und er dies vor seinen Gästen verzweifelt zu vertuschen versuchte, beginnt HOTEL TRANSYLVANIA 2 nun mit der Hochzeit eben dieses Menschenjungen mit Draculas Tochter Mavis, eine Verbindung, aus der schon bald Nachwuchs hervorgehen soll. Als sein Enkelsohn bereits knapp 5 Jahre alt ist und noch immer keine Anzeichen zeigt, dass auch in ihm ein echter Vampir steckt, wird Dracula jedoch langsam nervös und versucht mit allen Mitteln, den tief im Inneren des Jungen schlummernden Vampir zu wecken…

Regisseur Genndy Tartakovsky verlässt sich bei seiner Fortsetzung zwar erneut auf all die Zutaten, die bereits seinen Vorgänger zu einem großen Spaß für alte Altersklassen haben werden lassen, an die extrem hohe Gagdichte von HOTEL TRANSYLVANIA kommt der zweite Teil jedoch leider nicht heran. Es dauert einige Zeit bis der Film so richtig Fahrt aufnimmt und richtig lustig wird HOTEL TRANSYLVANIA 2 eigentlich erst in der zweiten Hälfte, wenn Dracula sich mit seinen Monsterkumpels seinen Enkelsohn schnappt und diesen ohne das Wissen seiner Tochter, die sich derweil in Kalifornien auf Haussuche befindet, da sie plant, mit ihrem Mann und ihrem Sohn aus Transsilvanien wegzuziehen, auf einen Road Trip der etwas anderen Art mitnimmt um endlich den Vampir in ihm zu wecken. Ab diesem Zeitpunkt haben sich schon einige zum Schreien komische Szenen in HOTEL TRANSYLVANIA 2 eingeschlichen, nennenswert dabei vor allem die leider schon im Trailer verheizte Sequenz, in der Dracula seinem Enkel das Fliegen beibringen will.

Unbedingt erwähnenswert ist natürlich auch die erneute Liebe zum Detail, die bereits den Vorgänger auszeichnete und die hier auch wieder in praktisch jeder Szene zum Vorschein kommt. In allen Ecken und Winkeln des Films gibt es erneut jede Menge an liebevollen Kleinigkeiten zu entdecken und allein diese Tatsache macht – wie bereits den Vorgänger – HOTEL TRANSYLVANIA 2 zu einem Film, der nicht nur das kindliche Zielpublikum anspricht, sondern auch einem erwachsenen, horrorfilmbegeisterten Publikum in nicht wenigen Sequenzen ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 4 (USA 2014; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

Die mittlerweile vierte Staffel von GAME OF THRONES ist die erste Staffel, die nicht auf einem ständig konstant bleibenden Niveau am Zuschauer vorbeizieht, sondern innerhalb der 10 Folgen auch mal den einen oder anderen Ausreißer nach unten und nach oben parat hält, was der Serie durchaus zum Vorteil gereicht. Diese Staffel ist auch die erste Staffel, die mich nun nicht allein aufgrund der grandiosen Oberfläche, sondern auch aufgrund des Inhalts für sich einnehmen konnte.

Ein Markenzeichen der Serie (bzw. der Romanvorlagen, die ich allerdings nicht gelesen habe) ist ja, dass sie mit Hauptfiguren nicht sonderlich zimperlich umgeht. Man muss jederzeit damit rechnen, dass eine etablierte Hauptfigur auf möglichst derbe Art und Weise aus dem Leben scheiden muss und wie in den drei Staffeln zuvor, müssen natürlich auch in Season 4 so einige größere Charaktere ihren Hut nehmen. Das hat den großen Vorteil, dass dieses irrsinnige Figurengeflecht, mit all den gegenseitigen Interessen, welche die einzelnen Personen so haben, und für das man insbesondere in der vorherigen Staffel schon langsam aber sicher einen Stammbaum hätte aufzeichnen müssen um es komplett überblicken zu können, nun langsam etwas ausgedünnt wird und GAME OF THRONES in dieser vierten Staffel erstmals weitaus übersichtlicher geraten ist als in den drei Staffeln zuvor. Inmitten von Sex und Gewalt, von blanken Brüsten, rollenden Köpfen und heraushängenden Eingeweiden ist es mir nun endlich gelungen, auch echtes Interesse für den Handlungsverlauf und die verschiedenen Figuren zu entwickeln und mich nicht allein aufgrund der exorbitanten Schauwerte unterhalten zu lassen. Mal schauen, wie es weitergeht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ORPHAN (Deutschland / Kanada / USA 2009, Regie: Jaume Collet-Serra)

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(Fassung: Blu-ray, Kinowelt, Deutschland)

Horrorfilme, in denen Kinder der Ausgangs- und Mittelpunkt des Horrorgeschehens sind, halte ich in ihrer Wirkung meist für besonders effektiv. Auch ORPHAN macht da keine große Ausnahme. Im Mittelpunkt steht die 9-jährige Esther (unfassbar unheimlich: Isabelle Fuhrman), die von den Ehegatten Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard) adoptiert wird und sich schon bald zu einer echten Gefahr – vor allem für die beiden leiblichen Kinder des Paares – entwickelt, wobei insbesondere der von Peter Sarsgaard gespielte Vater seine Augen vor diesen Entwicklungen verschließt und die Bedenken seiner Frau in keinster Weise ernst nehmen will. Wie es in solchen Filmen nun mal ist, steuert alles auf die unausweichliche Katastrophe zu…

Regisseur Jaume Collet-Serra, der sich in den Jahren nach ORPHAN ja zu so etwas wie dem Hausregisseur von Liam Neeson entwickeln sollte (er inszenierte UNKNOWN, NON-STOP und RUN ALL NIGHT mit Neeson in der Hauptrolle), lässt das Böse in Gestalt eines zunächst unschuldig wirkenden Mädchens langsam und unausweichlich über die Protagonisten des Films und über sein Publikum hereinbrechen. Wie Collet-Serra die Spannungsschraube immer mehr anzieht, eine immer dichtere Atmosphäre entwickelt, dem Zuschauer immer einen kleinen Wissensvorsprung gewährt und es so schafft, dass man dem Geschehen auf dem Bildschirm in kompletter Hilflosigkeit und der bösen Vorahnung folgt, dass dieser Film kein Happy End für alle Beteiligten bereit halten dürfte, ist ungemein effektiv und macht ORPHAN zu einem absoluten Nailbiter. Dass ein Film wie dieser natürlich auch nicht ohne typische Horrorfilmklischees auskommen kann und dass der Twist um die Identität der Adoptivtochter doch etwas arg konstruiert wirkt, trübt den positiven Gesamteindruck zwar ein kleines bisschen, an der Tatsache, dass ORPHAN als Horrorfilm richtig gut funktioniert, können diese Schwächen jedoch auch nichts ändern. Und Vera Farmiga in der Rolle der Mutter spielt einfach großartig. Auch das muss unbedingt noch erwähnt werden.

Bewertung: Gut! – 7/10