Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 02

TRAINWRECK (Japan / USA 2015, Regie: Judd Apatow)

trainwreck

(Fassung: Blu-ray (Extended Cut), Universal, Deutschland)

Der aktuellste Eintrag im Judd-Apatow-Universum rund um mal mehr und mal weniger funktionierende Beziehungsmodelle hört auf den Namen TRAINWRECK und wurde von Judd Apatow, der sonst ja auch oft nur als Produzent oder Drehbuchautor auftritt, sogar höchstpersönlich inszeniert. Im Mittelpunkt des Films steht eine Reporterin für ein Männermagazin, gespielt von Amy Schumer, die von ihrem nicht gerade treuen Vater geprägt wurde, vom herkömmlichen Familienkonzept nicht unbedingt überzeugt ist und sich lieber ständig mit One Night Stands vergnügt – bis sie schließlich bei den Recherchen zu einem neuen Artikel einen Sportarzt kennenlernt und sich tatsächlich in ihn verliebt, was schließlich vor allem dazu führt, dass sich der zuvor durchaus anarchisch angelegte TRAINWRECK in eine weitere, formelhafte RomCom verwandelt.

Die Grundidee des Films mit dem Vertauschen typischer Rollenklischees fand ich eigentlich ziemlich gut. Normalerweise sind es ja immer die Männer, die in solchen Filmen gezähmt werden müssen, hier läuft die Sache netterweise genau andersrum ab. Funktioniert hat TRAINWRECK für mich dennoch nicht, was in erster Linie an Hauptdarstellerin Amy Schumer lag, die bei mir als Zuschauer einfach nur unsympathisch und uninteressant  rüberkam. Ihr Charakter war mir über die komplette Laufzeit – und die ist Apatow-typisch mal wieder sehr lang ausgefallen und hat die 2-Stunden-Marke überschritten – einfach nur egal, was schließlich dazu führte, dass sich TRAINWRECK zog wie ein Kaugummi. Normalerweise mag ich die Filme aus dem Apatow-Universum ja immer sehr gerne, da in TRAINWRECK allerdings auch die Anzahl der gelungenen Gags eher im unterem Bereich anzusiedeln ist und der Film wirklich nur über ein paar wenige tolle Szenen verfügt, ist das hier tatsächlich der erste Apatow-Film, von dessen Sichtung ich eher abraten würde. TRAINWRECK hat mich doch ziemlich enttäuscht zurückgelassen.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

TREES LOUNGE (USA 1996, Regie: Steve Buscemi)

trees lounge

(Fassung: DVD, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

Steve Buscemi, der hier als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller agierte, spielt in TREES LOUNGE den arbeitslosen Mechaniker Tommy, der aus verschiedenen Gründen sein Leben einfach nicht mehr auf die Reihe bekommt, mit seinen diversen Schicksalen hadert und einen Großteil seines Tages in der titelgebenden Kneipe bzw. Bar verbringt.

TREES LOUNGE ist eine dieser kleinen Indie-Produktionen, die mit relativ wenig Geld (das Budget des Films lag laut IMDB bei ca. 1,3 Mio Dollar) und dafür umso mehr Herzblut entstanden zu sein scheinen und die den Zuschauer mit den Schicksalen möglichst skurriler und obskurer Gestalten konfrontieren. Bei mir treffen Filme wie dieser sehr häufig ins Schwarze. Ich liebe es, in diese von Alkohol durchtränkten und mit Zigarettenqualm durchsetzten Mikrokosmen einzutauchen, den diversen Kneipenpropheten zu lauschen und diesen liebenswerten Losern einfach beim Nichtstun zuzusehen. TREES LOUNGE ist ein Paradebeispiel für Filme dieser Art und so dürfte es niemanden wirklich erstaunen, dass ich mich auch in der Welt von Buscemis Film außerordentlich gern aufgehalten habe und diesen Film hiermit allen, die ein großes Herz für kleine Filme haben dringend weiterempfehlen möchte.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

황해 | HWANGHAE (aka The Yellow Sea, Hongkong / Südkorea / USA 2010, Regie: Na Hong-jin)

hwanghae

(Fassung: Blu-ray, Eureka, Großbritannien)

 Regisseur Na Hong-jin erzählt die Geschichte des von Ha Jung-woo gespielten Taxifahrers Gu-nam, der in der hauptsächlich von Koreanern besiedelten Stadt Yanji im Grenzgebiet von China, Russland und Nordkorea versucht, irgendwie über die Runden zu kommen. Seine Frau hat sich schon vor einiger Zeit nach Südkorea abgesetzt, seitdem wartet Gu-nam darauf, dass sie ihm Geld zukommen lässt, damit er die wegen seiner Spielsucht mittlerweile in exorbitanter Höhe entstandenen Schulden irgendwie abzahlen kann. Als er eines Tages die Möglichkeit bekommt, sich mit der Erledigung eines bestimmten Auftrags all seiner Schulden zu entledigen, nimmt er diesen an. Doch die Aufgabe hat es in sich: Gu-nam soll nach Südkorea reisen und dort einen ihm unbekannten Mann töten…

Nachdem Regisseur Na Hong-jin seine Charaktere vorgestellt und in Stellung gebracht hat, erzählt er seinen Film zunächst auf ausgesprochen ruhige Art und Weise im Stile eines klassischen Heist Movies – nur dass der Überfall hier eben ein Auftragsmord ist – weiter. Er lässt seinen Protagonisten die Gegend auskundschaften, lässt ihn die Gewohnheiten seines Opfers lernen und ihn schließlich zur Tat schreiten, wobei während dieser Phase des Films die Spannungsschraube von Minute zu Minute immer mehr angezogen wird. Nach der Tat verwandelt sich 황해 | HWANGHAE sehr schnell in ein packendes Jagd/Flucht-Szenario und einen teils äußerst derben Rachefilm, der spätestens zu diesem Zeitpunkt auch all die Zuschauer fesseln dürfte, denen die Inszenierung der ersten Filmhälfte vielleicht etwas zu ruhig geraten war. Wenn man an 황해 | HWANGHAE überhaupt etwas aussetzen möchte, dann vielleicht tatsächlich das, dass der Film mit einer Laufzeit von rund 140 Minuten einen Tick zu lang geraten ist. Hin und wieder schleichen sich ein paar wenige Längen ein, die den guten Gesamteindruck jedoch nicht wirklich schmälern können.

Ansonsten bleibt nach Sichtung dieses Films vor allem die Erkenntnis übrig, dass es im internationalen Kino – abseits der typischen Hollywood-Blockbuster-Unterhaltung – für aufgeschlossene Filmfreunde tatsächlich so unendlich viel zu entdecken gibt, dass man als Filmfan wohl 10 Leben zur Verfügung haben müsste, um seiner Leidenschaft ausgiebig nachgehen zu können.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (aka Branded to Kill, Japan 1967, Regie: Seijun Suzuki)

koroshi no rakuin

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Seijun Suzuki erzählt in seinem Gangstermelodram die Geschichte des Auftragsmörders Gorô Hanada (Jô Shishido), momentan die Nr. 3 im inoffiziellen Killer-Ranking der Verbrecherkartelle, der seinen aktuellen Auftrag versaut, da ihm Gefühle zu einer Frau in die Quere kommen. Fortan steht er auf der Abschussliste seiner Auftraggeber und muss sich schon bald mit der unbekannten Nr. 1 (Kôji Nanbara) auseinandersetzen, der Hanada endgültig aus dem Weg räumen soll…

Seijun Suzuki taucht seine Geschichte in Schwarz/Weiß-Bilder, die sein Kameramann Kazue Nagatsuka in wirklich betörender Schönheit abgelichtet hat und in die man sich als Zuschauer am besten einfach hineinfallen lässt. Wer eine herkömmliche Erzählstruktur erwartet, dürfte von Suzukis Film wohl eher enttäuscht werden. 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN ist über weite Strecken maximal seltsam, verbreitet eine ganz eigene Atmosphäre, ist voll skurriler Erotik aufgeladen (die höchste sexuelle Erfüllung findet die Hauptfigur beispielsweise, wenn sie an kochendem Reis schnüffeln darf) und mitunter auch etwas sperrig und alles andere als leicht zugängig. Aber all das ist auch ungemein faszinierend geraten und wer es schafft, sich auf den Film einzulassen, wird mit einem wahrlich beeindruckenden Werk belohnt. Nur Mut, in England gibt es Suzukis Film von Arrow Video in einer wundervoll aufgemachten Blu-ray-Edition käuflich zu erwerben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA (aka Trapped in Lust, Japan 1973, Regie: Atsushi Yamatoya)

aiyoku no wana

(Fassung: Blu-ray, Arrow Video, Großbritannien)

Regisseur Atsushi Yamatoya zeichnete für das Drehbuch des erst kurz zuvor gesehenen 殺しの烙印  | KOROSHI NO RAKUIN (mit-)verantwortlich und hat mit 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA eine Erotik- bzw. Exploitation-Variante von Suzukis Film gedreht. Auch hier geht es um einen hochrangingen Auftragskiller der bei einem höchst komplizierten Auftrag die notwendige Professionalität vermissen lässt und dadurch selbst auf einer Todesliste landet. Doch während Suzukis Original in betörend schönen Bildern schwelgte, eine sexuell aufgeladene Atmosphäre transportierte und den Zuschauer trotz seiner teils sperrigen Art komplett in seinen Bann zu ziehen vermochte, ist dieses Quasi-Remake eher etwas plump geraten. Ja, auch dieser Film hier hat seine höchst skurrilen Momente zu bieten – insbesondere die Sache mit dem Killer und der Puppe – und das Finale von 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist auch ein ziemlicher Knaller geworden, die über weite Strecken jedoch nicht unbedingt erotischen oder überhaupt in irgendeiner Weise ästhetischen Softsexsequenzen des Films torpedieren sein Gelingen jedoch in höchstem Maße. Schauwerte allein reichen am Ende des Tages halt doch nicht aus, man muss auch wissen, wie man sie in Szene setzt und das ist Atsushi Yamatoya leider nicht wirklich gelungen. 愛欲の罠 | AIYOKU NO WANA ist jetzt sicher kein Totalausfall, aber auch kein Film, den man unbedingt gesehen haben müsste (es sei denn, man hat es sich auf die Fahne geschrieben, im Lauf seines Lebens möglichst alle erhältlichen Exploitation-Flicks aus Japan sichten zu wollen).

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

LIVING IN OBLIVION (USA 1995, Regie: Tom DiCillo)

living in oblivion

(Fassung: Blu-ray, Shout! Factory, USA)

 Regisseur Tom DiCillo nimmt seine Zuschauer in LIVING IN OBLIVION mit an das Set einer Independent- bzw. Low-Budget-Produktion und führt ihm auf ebenso lustige wie bissige Art und Weise vor Augen, mit welchen Problemchen und Problemen unabhängige Filmemacher so zu kämpfen haben. Komplizierte Diven, untalentierte Stars und technischen Pannen machen die Drehs diverser Szenen zu einer Tortur für alle Beteiligten, wobei der Zuschauer während der Erstsichtung des Films nie sicher sein kann, ob hier nun nur einer Traumsequenz oder tatsächlich der filmischen Wirklichkeit beiwohnt.

LIVING IN OBLIVION wirkt dabei ungemein real und authentisch, Steve Buscemi ist in der Rolle des genervten Regisseurs einfach großartig, aber auch Catherine Keener, James Le Gros und Peter Dinklage als nicht gerade unkomplizierte Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie. Tom DiCillo hat mit LIVING IN OBLIVION einen ungemein lustigen und faszinierenden Film gedreht, eine Liebeserklärung des Independent-Kinos an sich selbst, einen dieser Filme, die einen als Zuschauer sofort in ihren Bann ziehen und mit ihrer liebevollen und auch durchaus eigenwilligen Art einfach nicht mehr loslassen.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

MAN WANTED (USA 1932, Regie: William Dieterle)

man wanted

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Mit MAN WANTED habe ich mal wieder einen meiner beliebten und eigentlich viel zu seltenen Ausflüge in die Pre-Code-Ära von Hollywood unternommen, in der Filmemacher noch nicht dem ab Mitte der 30er Jahre für gut 3 Jahrzehnte geltenden Zensurbestimmungen unterworfen waren und in der Filme gedreht wurden, die auch noch aus heutiger Sicht – und insbesondere im Hinblick auf ihren Entstehungszeitpunkt – einfach nur ungemein modern, erfrischend und lebendig wirken. Angestaubt ist hier wirklich überhaupt nichts.

In MAN WANTED geht es um die erfolgreiche Karrierefrau Lois Ames (Kay Francis), die mit dem von David Manners gespielten Thomas Sherman einen neuen Assistenten anheuert, der sich nach kurzer Zeit in seine mit einem windigen Playboy (gespielt von Kenneth Thomson) verheiratete Chefin verliebt. Regisseur William Dieterle erzählt die Geschichte dieser Liebe, die eigentlich nicht sein darf, auf ungemein rasante Art und Weise. Das schwache Geschlecht sind hier eindeutig die Männer, sei es nun der vergnügungssüchtige Ehemann an der Seite der starken Frau oder eben der verliebte Angestellte unter der mehr als dominanten Chefin. Überzeugende schauspielerische Leistungen, ein mit geschliffenen Dialogen nur so gespicktes Drehbuch und diese glaubwürdige Darstellung der Umkehr traditioneller Geschlechterrollen machen MAN WANTED zu einem dieser weiteren kleineren Filme aus der damaligen Zeit, die auch heute noch perfekt funktionieren und vor denen man wegen ihrer modernen Einstellung und Botschaft nur anerkennend den Hut ziehen kann.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

Diverse Kurzkommentare 2016, Vol. 01

YOUNG GUNS (USA 1988, Regie: Christopher Cain)

young guns

(Fassung: Blu-ray, Lionsgate, USA)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich YOUNG GUNS Ende der 80er Jahre komplett umgehauen hat. Ich habe ihn mir unzählige Male angesehen und diese im Neo-Western-Look gehaltene Interpretation der Geschichte des jungen Billy the Kid (gespielt von Emilio Estevez) gehörte definitiv zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Nun ein Wiedersehen ein gutes Viertel Jahrhundert später und auch wenn mir Cains Film noch immer sehr gut gefällt, so muss ich doch einräumen, dass der Zahn der Zeit gehörig an ihm genagt hat. Bei Erscheinen des Films dürfte es vor allem die Besetzung rund um die damals aufstrebenden Jungstars wie Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Charlie Sheen, Dermot Mulroney, Casey Siemaszko und Lou Diamond Phillips (von denen es im Endeffekt aber keiner zum absoluten Superstar geschafft hat) und alten Haudegen wie Terence Stamp und Jack Palance gewesen sein, die einen sofort für den Film einnehmen konnte und dafür sorgte, dass man wohl geflissentlich darüber hinweggesehen hat, dass in diesem wirklich ausgesprochen stylishen Film bei näherer Betrachtung gar nicht mal so viel passiert. Über weite Strecken plätschert YOUNG GUNS tatsächlich eher etwas gemächlich vor sich hin und Regisseur Christopher Cain scheint sich mehr auf die damals noch vorhandene Starpower und die Kraft seiner tollen Bilder verlassen zu haben und nicht unbedingt interessiert daran gewesen zu sein, so etwas wie einen packenden Spannungsbogen zu entwickeln. Was von YOUNG GUNS übrig bleibt sind seine wunderbare Kameraarbeit, die eine oder andere toll choreographierte Actionsequenz (insbesondere natürlich das Finale) und ein wirklich famos agierender Emilio Estevez in der Rolle des Billy the Kid, dessen Schauspiel sich ständig zwischen kindlicher Naivität, unverschämter Arroganz und gefährlichem Größenwahn bewegt. Aber schon diese Dinge reichen in Verbindung mit dem nicht zu vernachlässigenden Nostalgiefaktor locker aus, damit ich mich auch heute noch für Cains Film zumindest verhalten begeistern kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

YOUNG GUNS II (USA 1990, Regie: Geoff Murphy)

young guns ii

(Fassung: DVD, Warner, Deutschland)

YOUNG GUNS II beginnt im Jahr 1950 und greift die Geschichte von Brushy Bill Roberts auf, der damals behauptete Billy the Kid gewesen zu sein (eine Behauptung, die nie bewiesen werden konnte, Roberts selbst verstarb Ende Dezember 1950). In Murphys Film erzählt dieser einem Anwalt nun “seine“ Geschichte und somit schließt YOUNG GUNS II unmittelbar an das Ende von Cains Vorgänger an.

Diesen Film hatte ich deutlich schwächer als YOUNG GUNS in Erinnerung und hier sind meine Eindrücke nach dem jetzigen Wiedersehen nun gänzlich anders. Ich möchte sogar behaupten, dass YOUNG GUNS II seinem Vorgänger qualitativ in nichts nach steht. Emilio Estevez brilliert erneut in der Rolle des Billy the Kid und als Zuschauer bereitet es einem wirklich einen Heidenspaß, Estevez dabei zuzusehen, wie er immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn und der Darstellung des Outlaws wandelt. Da die damaligen Jungstars aus dem Vorgänger aufgrund des Handlungsverlaufs des ersten Film natürlich nicht mehr alle zur Verfügung standen, wurde das verbleibende Trio (Emilio Estevez, Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips) um Christian Slater ergänzt, der sich ganz wunderbar in dieses Gefüge eingliedert und es auch durchaus schafft, dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Schauspielerisch brennt hier also rein gar nicht an – insbesondere auch aufgrund der Tatsache, dass in Murphys Film noch Leute wie William Petersen, Alan Ruck, R.D. Call, James Coburn, Balthazar Getty und Viggo Mortensen mitwirken – und in Sachen Rasanz, Action und Spannung ist YOUNG GUNS II dem Vorgänger sogar leicht überlegen. Vielleicht hat der Vorgänger die ikonischeren Szenen (Stichwort: “Reap the whirlwind, Brady. Reap it.“) und wahrscheinlich ist Cains Film dem von Murphy auch in Sachen Kameraarbeit einen Tick voraus, insgesamt betrachtet sehe ich persönlich jedoch keine großen qualitativen Unterschieden. Ein Double Feature mit den beiden Filmen sei jedem (Neo-)Western-Fan hiermit ans Herz gelegt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 5 (USA 2015; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

So, mit dieser fünften Staffel ist die Sichtung der letzten derzeit auf einem Heimkinomedium erhältlichen Staffel beendet und nun beginnt für mich persönlich die Wartezeit auf die entsprechende Veröffentlichung von Season Nr. 6 im nächsten Jahr. Die bereits in meinen kurzen Einträgen zu den 4 Staffeln zuvor niedergeschriebenen Eindrücke haben sich auch in Staffel 5 bestätigt und – was sich schon in der 4. Season angedeutet hatte – mittlerweile bin ich nicht mehr nur vom großen Unterhaltungswert und den ausufernden Schauwerten, sondern auch von der Handlung an sich ausgesprochen angetan. Spätestens jetzt hat GAME OF THRONES auch mich komplett gepackt, daran ändert auch die etwas verhaltenere erste Hälfte der Season nichts, in die sich doch zwei bis drei Füllerepisoden eingeschlichen hatten und bei der ich kurz die Befürchtung hatte, es könnte qualitativ etwas abwärts gehen. Bedenken, welche in der zweiten Staffelhälfte komplett weggewischt worden sind. Allein diese Episode mit der Schlacht gegen die Armee der “White Walker“ war so umwerfend gut, so visuell ungemein beeindruckend, dass man sich während der Sichtung ein ums andere Mal in Erinnerung rufen musste, dass man hier “nur“ eine TV-Serie ansieht und keine große Kinoproduktion. Und die diversen Cliffhanger am Ende der Staffel waren einfach nur massiv fies.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

WHITE LINE FEVER (Kanada / USA 1976, Regie: Jonathan Kaplan)

white line fever

(Fassung: DVD, Explosive Media, Deutschland)

Jan-Michael Vincent ist Carrol Jo Hummer, ein junger Mann, der sich nach seiner Zeit beim Militär einen Truck zulegt und fortan als unabhängiger Trucker sein Geld verdienen und sich und seine Familie ernähren will. Da hierfür ist er auf Aufträge angewiesen und die haben in WHITE LINE FEVER ihren Preis. Denn hinter potentiellen Auftraggebern steht ein kriminelles Kartell und die nutzen unabhängige Trucker nur zu gerne aus, um illegale Waren von A nach B zu transportieren. Der grundehrliche Hummer versucht alles, um sich gegen diese Machenschaften zu wehren…

WHITE LINE FEVER behandelt eines der klassischsten Themen der Filmgeschichte. Es geht um Vergeltung, Rache, Widerstand, das Aufbegehren gegen ein System, den Kampf des David gegen den unbesiegbar erscheinenden Goliath. Das hat man natürlich alles schon unzählige Male in irgendeiner Form so gesehen, diese Tatsache ändert aber natürlich rein gar nichts daran, dass man es sich auch unzählige weitere Male gerne ansieht. Und wenn es dann auch noch in Form solider 70er-Jahre-Exploitation serviert wird, ist es natürlich umso besser.

Kaplans Film punktet in erster Linie mit dieser ganz besonderen Stimmung, die so viele Filme aus der damaligen Zeit auszeichnet und der ich mich unmöglich entziehen kann. Und dann ist WHITE LINE FEVER mit einer Besetzung gesegnet, die das Herz eines jeden Fans des Kinos der 70er Jahre höher schlagen lassen dürfte. Neben Jan-Michael Vincent geben sich u.a. Kay Lenz, Slim Pickens, L.Q. Jones, Don Porter, R.G. Armstrong, Martin Kove und – fast möchte man sagen natürlich – Dick Miller die Ehre und sorgen dafür, dass man sich in Kaplans Film von der ersten Minute an heimisch fühlt. Vielleicht hätten dem Film insgesamt betrachtet eine etwas härtere Gangart und ein bisschen mehr Schauwerte ganz gut zu Gesicht gestanden. Im Großen und Ganzen geht es hier trotz des behandelten Themas eher etwas harmlos und gemächlich zur Sache (WHITE LINE FEVER hat damals auch das familienfreundliche PG-Rating zugesprochen bekommen), den insgesamt positiven Gesamteindruck schmälert dies jedoch nicht. Und das Finale des Films ist der absolute Knaller!

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DATE BAIT (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

date bait

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ich gebe zu, ich liebe ja solche Low- bzw. No-Budget-Produktionen wie diese hier. Vom Regisseur O’Dale Ireland stammt auch der erst vor wenigen Wochen von mir gesichtete und für ganz in Ordnung gefundene HIGH SCHOOL CAESAR, der wohl parallel zu diesem Werk hier entstanden ist. Zumindest lassen es die doch sehr ähnlich wirkenden Settings und der gemeinsame Starttermin – beide Filme starteten der IMDB zufolge damals im November 1960 in den US-Kinos – vermuten. Und mit der Sichtung von DATE BAIT habe ich mir nun auch schon das komplette Regiewerk von O’Dale Ireland reingezogen. Außer diesen beiden Filmen hat der gute Mann offensichtlich nichts mehr sonst gedreht.

In DATE BAIT dreht sich nun alles um ein jungverliebtes Paar – Danny (Gary Clarke) und Sue (Marlo Ryan) -, welches mit starken Widrigkeiten zu kämpfen hat. Zum einen sind Sues Eltern nicht wirklich von der Liaison angetan, zum anderen findet sich Sues ziemlich wahnsinniger und auch ziemlich gefährlicher Ex-Freund Brad (Dick Gering) nicht wirklich damit ab, dass seine Angebetete nun einen anderen Typen zu lieben scheint. Bevor es zum obligatorischen Happy End kommen kann, muss sich die angespannte Situation natürlich in einem spektakulären Finale entladen.

Ungeachtet des schmalen Budgets, der nicht gerade attraktiven Settings und der auch nicht gerade mit extrem viel Talent gesegneten Schauspieler hätte die Geschichte, die in DATE BAIT erzählt wird, durchaus dazu taugen können, zumindest ansatzweise so etwas wie einen Spannungsbogen zu entwickeln. Das scheint aus welchen Gründen auch immer jedoch einfach nicht möglich gewesen zu sein. DATE BAIT läuft gerade mal 71 Minuten, von denen geschlagene 65 Minuten lang nicht wirklich viel passiert und man sich bestenfalls von der gebotenen Langeweile einlullen lassen kann. Erst in den letzten 6 Minuten überschlagen sich dann die Ereignisse und fast scheint es so, als sei es Regisseur O’Dale Ireland da siedend heiß eingefallen, dass er auch noch einen Film abzuwickeln hat.

Wie im Eingangssatz schon geschrieben, ich habe ein unendlich großes Herz für Filme wie diesen, allerdings muss man als Fan solcher Filme schon auch aufpassen, dass man nicht mit jeden Quark, den man sich da so im Laufe eines Filmfanlebens reinzieht, komplett gnädig umgeht. DATE BAIT tut niemandem weh, hat sicher auch so einige Momente, ist aber in allererster Linie eine verdammt langweilige und öde Gurke, die man ehrlich gesagt nicht mal mehr als ganz in Ordnung bezeichnen kann.

Bewertung: Naja! – 4/10

 

 

SILVER LININGS PLAYBOOK (USA 2012, Regie: David O. Russell)

silver linings playbook

(Fassung: Blu-ray, Senator/Universum, Deutschland)

Bradley Cooper spielt den instabilen und gerade aus einer Nervenheilanstalt entlassenen Pat, in die er eingewiesen wurde weil er den Liebhaber seiner Frau übel zusammengeschlagen hatte, der in SILVER LININGS PLAYBOOK nun versucht, die Liebe seiner Frau zurückzugewinnen. Dabei soll ihm die psychisch auch nicht gerade besonders stabile Tiffany (Jennifer Lawrence) helfen, die ihre Hilfe jedoch an eine Bedingung knüpft: Pat muss mit ihr zusammen an einem Tanzwettbewerb teilnehmen. Während des gemeinsamen Trainings kommen sich beide schließlich näher…

Am Ende des Tages präsentiert Regisseur David O. Russell mit SILVER LININGS PLAYBOOK natürlich auch nur eine weitere, romantische Komödie, an deren Ende sich die beiden Turteltauben finden werden. Was Russells Film vom Gros des Genres abhebt – und ihm einen Oscar (für Jennifer Lawrence als beste Hauptdarstellerin) und immerhin sieben (!!!) weitere Nominierungen des begehrten Filmpreises eingebracht hat – sind diese nahezu perfekte Balance zwischen Tragik und Komik, die dem Regisseur hier geglückt ist, die gelungene Zeichnung der Figuren und deren Entwicklung, die dazu führt, dass man als Zuschauer eine echte Bindung zu den handelnden Personen aufbauen kann und die gleichzeitig verhindert, dass hier einmal mehr nur weitere Abziehbilder der typischen Klischeefiguren präsentiert werden, und natürlich die Besetzung der beiden Haupt-, aber auch der diversen Nebenrollen. Bradley Cooper und Jennifer Lawrence harmonieren ganz vorzüglich als scheinbar dysfunktionales Paar wider Willen und in den Nebenrollen geben sich Schauspieler wie Robert De Niro, Jacki Weaver, Chris Tucker, Julia Stiles und Paul Herman die Ehre und tragen durch ihr Mitwirken einen großen Teil zum Gelingen des Films bei.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

TROUBLE WITH THE CURVE (USA 2012, Regie: Robert Lorenz)

trouble with the curve

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

In seinem zum jetzigen Zeitpunkt bisher letzten Leinwandauftritt ist Clint Eastwood in der Rolle eines alternden Talentscouts zu sehen, der im Auftrag seines langjährigen Arbeitgebers, einem renommierten Profi-Baseball-Team, einen talentierten Nachwuchsspieler beobachten und wenn möglich zur Verpflichtung empfehlen soll. Doch der von Eastwood gespielte Gus ist mittlerweile ein Relikt aus vergangenen Tagen, ist fast blind, will sich das jedoch nicht eingestehen und steht bei seinem Arbeitgeber letztendlich auf der Abschlussliste. Um den Job für Gus etwas leichter zu gestalten bittet sein langjähriger Freund und Kollege Pete (John Goodman) Gus’ Tochter Mickey (Amy Adams), eine aufstrebende und engagierte Anwältin, ihren Vater auf seiner Tour zu begleiten, wovon Gus jedoch alles andere als begeistert ist…

TROUBLE WITH THE CURVE ist eine dieser kleineren Independent-Produktionen, eine dieser immer wieder gern gesehenen Alternativen zu den Mega-Blockbustern aus Hollywood. Um Baseball, dem Ausgangspunkt des Plots, geht es nur nebenbei, weswegen ich TROUBLE WITH THE CURVE auch nur in zweiter Linie als Sportfilm bezeichnen würde. In erster Linie hat Regisseur Robert Lorenz da eine Mischung aus Familiendrama und Liebesgeschichte (ja, ganz ohne Love Story kommt ein Film wie dieser hier einfach nicht aus) gedreht, eine Art Road Trip, während dem es einer von ihrem Vater entfremdeten Tochter gelingt, sich diesem wieder anzunähern und ganz nebenbei ihre wahre Bestimmung im Berufsleben und ihre große Liebe (Justin Timberlake als männlicher Love Interest) zu finden. TROUBLE WITH THE CURVE lebt von seinen Schauspielern. Vor allem natürlich von Clint Eastwood, der einmal mehr in seiner Paraderolle des mürrischen Grantlers zu sehen ist, dessen stahlharte Schale aber doch einen durchaus weichen Kern umgibt. Er lebt aber auch von dieser wundervollen Chemie, die sich zwischen Eastwood und seinem weiblichen Co-Star Amy Adams im Laufe des Films entwickelt und von dieser unglaublichen Prominenz, die sich da ihn den zahlreichen Nebenrollen tummelt. Neben den schon erwähnten John Goodman und Justin Timberlake sind in TROUBLE WITH THE CURVE u.a. Matthew Lillard, Robert Patrick, Bob Gunton, George Wyner, Chelcie Ross und Ed Lauter mit von der Partie, allesamt mehr als bekannte Gesichter, die dem Film durch ihr Mitwirken erhebliche Qualität verleihen. Natürlich sollte man auch kritisch anmerken, dass die erzählte Geschichte in ihrem Verlauf schon ziemlich vorhersehbar geraten ist, was vor allem auch für das Ende des Films gilt, welches schon sehr bald abzusehen ist. Aber bei Filmen wie diesen ist ja meistens eher der Weg das Ziel und dieser Weg ist im vorliegenden Fall mit von Kameramann Tom Stern wunderschön eingefangenen Sequenzen, tollen schauspielerischen Leistungen und ganz vielen Gänsehautmomenten gepflastert.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

CHEF (USA 2014, Regie: Jon Favreau)

chef

(Fassung: Blu-ray, Koch Media, Deutschland)

Jon Favreau, der – sofern er nicht gerade Marvel-Superheldenfilme wie IRON MAN und IRON MAN 2 dreht – ja mehr vor als hinter der Kamera zu finden ist, scheint sich mit CHEF so etwas wie einen Lebenstraum verwirklich zu haben. Er fungierte als Produzent, verfasste das Drehbuch, führte Regie und übernahm zudem die Hauptrolle. Sonderlich viel mehr geht eigentlich nicht.

CHEF dreht sich um den von Favreau gespielten Gourmetkoch Carl Casper, der in einem angesehenen Restaurant arbeitet, von dessen Besitzer (Dustin Hoffman) jedoch in seiner Kreativität stark eingeschränkt wird. Als er aufgrund dessen von einem einflussreichen Essenskritiker (Oliver Platt) eine schlechte Bewertung bekommt, tickt Casper aus, wird gefeuert, macht sich mit einem Food Truck selbständig und erfüllt sich so einen Lebenstraum.

CHEF ist natürlich ein Film, der ohne Klischees nicht auskommen kann. So gibt es einen Handlungsstrang mit Caspers kleinem Sohn, von dem er sich aufgrund seines Jobs im Restaurant und der Trennung von seiner Frau entfremdet hat und mit dem er nun im Food Truck eine neue Bindung aufbauen kann. Und natürlich ist es klar, dass auch hinsichtlich der Beziehung zu seiner Frau am Ende eine neue Chance entstehen wird. Aber bei Filmen wie diesen sind solche Klischees auch irgendwie zwingend notwendig. Sonst würden sie wahrscheinlich einfach nicht funktionieren. CHEF ist einer dieser Filme, denen man einfach anmerkt, dass da mit verdammt viel Herzblut gearbeitet wurde. Es ist einer dieser Filme, die beim Zuschauer dieses wunderbar wohlige Gefühl in der Magengegend verursachen. Einer dieser Filme, bei denen man sich während der Sichtung von Minute zu Minute besser fühlt. Ein Film, der positive Energie regelrecht zu injizieren scheint. Besetzt ist CHEF mit Jon Favreau in der Hauptrolle und Schauspielern wie John Leguizamo, Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Sofia Vergara, Oliver Platt und Robert Downey Jr. in diversen größeren und kleineren Nebenrollen übrigens fantastisch und lohnt schon allein wegen seiner Besetzung die Sichtung. CHEF ist eine Liebeserklärung an das Leben, eine Aufforderung, keine Zeit zu verschwenden und Chancen zu ergreifen, die einem geboten werden. Und er ist eine Liebeserklärung an gutes Essen. Ein Film, bei dem während der Sichtung richtiggehend Hunger bekommt.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

IRRATIONAL MAN (USA 2015, Regie: Woody Allen)

irrational man

(Fassung: Blu-ray, Warner, Deutschland)

Woody Allen bleibt sich selbst treu. IRRATIONAL MAN behandelt mal wieder die Lieblingsthemen des Altmeisters. Es geht sowohl um verhängnisvolle Liebesbeziehungen als auch um einen ebenso kleinen wie feinen Kriminalfall.

Erzählt wird die Geschichte des mit einem mehr als verruchten Ruf ausgestatteten Philosophieprofessors Abe Lucas (Joaquin Phoenix), der schon kurz nach seinem Dienstantritt in einem Kleinstadt-College die Aufmerksamkeit zweier Frauen auf sich zieht. Mit seiner verheirateten und in ihrer Ehe gelangweilten Kollegin Rita (Parker Posey) beginnt er schon schnell eine Affäre, mit seiner talentiertesten Studentin Jill (Emma Stone) entwickelt sich eine enge Freundschaftsbeziehung, aus der schon bald echte Liebe wird. Und dann beschließt Abe, als er gemeinsam mit Jill in einem Diner zufällig ein am Nachbartisch geführtes Gespräch belauscht, einer wildfremden Frau aus ihrer Misere zu helfen. Doch dazu muss ein Richter sterben und Abe beginnt, den perfekten Mord zu planen…

Es gibt ja nicht wenige Stimmen, die Allen schon seit Jahren vorwerfen, dass er – leicht variiert – immer wieder die gleichen Filme dreht. Natürlich ist da nicht nur ein Funken Wahrheit dran. Ich stelle mir allerdings die Frage, mit welcher Erwartungshaltung solche Leute an Allens Filme herangehen. Der gute Mann hat letztes Jahr im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert. Glaubt jemand ernsthaft, er würde sich jetzt noch mal neu erfinden? Woody Allen dreht im Endeffekt schon sein ganzes Leben lang genau die Filme, auf die er eben Lust hat. Und meistens handeln sie von Beziehungen, Kunst und Kriminalfällen, da macht auch IRRATIONAL MAN – welch Überraschung – keine Ausnahme. Sicher wäre es mal wieder schön, ein Meisterwerk mit der Klasse eines MANHATTAN oder eines ANNIE HALL von ihm zu sehen, aber machen wir uns nichts vor, diese Zeiten scheinen einfach vorbei zu sein. Und so lange Allen noch so herrlich unaufgeregte, so wundervoll gespielte, mit so reichhaltigem Wortwitz ausgestattete und so hervorragend besetzte Filme wie IRRATIONAL MAN herausbringt, ist doch alles gut. Woody Allen gehört zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und selbst ein nur guter oder mittelmäßiger Film innerhalb seines Gesamtwerkes ist meistens noch weitaus besser als vieles, was man sonst so aus Hollywood zum Fraß vorgeworfen bekommt. Und IRRATIONAL MAN gehört sogar zu den sehr guten Filmen des Meisters.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

STILL ALICE (Frankreich / USA 2014, Regie: Richard Glatzer / Wash Westmoreland)

still alice

(Fassung: Blu-ray, Artificial Eye, Großbritannien)

Julianne Moore ist Dr. Alice Howland, eine Universitätsprofessorin, bei der mit Anfang 50 Alzheimer diagnostiziert wird und die fortan lernen muss, mit dieser Krankheit zu leben…

Die beiden Regisseure Richard Glatzer und Wash Westmoreland gehen bei ihrer Verfilmung der auf einem Roman basierenden Geschichte ausgesprochen ruhig und feinfühlig vor. STILL ALICE zeichnet sich durch eine sorgfältige Charakterisierung der handelnden Personen aus, wirkt jederzeit glaubwürdig und authentisch und zeigt auf beeindruckende und äußerst bewegende Art und Weise, wie die Alzheimer-Diagnose das Leben der Hauptfigur und ihres gesamten Umfeldes – sowohl familiär als auch beruflich – verändert. Getragen wird STILL ALICE von seinen durch die Bank großartig agierenden Schauspielern, insbesondere natürlich von Julianne Moore, die diese Rolle so hingebungsvoll und überzeugend spielt, dass das Schicksal ihrer Figur einem als Zuschauer wirklich extrem nahegeht. Richtig toll ist auch Kristen Stewart in der Rolle ihrer Tochter Lydia, die nun spätestens mit dieser Leistung endgültig aus dem TWILIGHT-Schatten herausgetreten sein dürfte und mit gutem Gewissen als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation bezeichnet werden kann.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Europäisches (Genre-)Kino: Sammelbeitrag Nr. 01

DAS SIEBENTE OPFER (Deutschland 1964, Regie: Franz Josef Gottlieb)

das siebente opfer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Regisseur Franz Josef Gottlieb hatte vor diesem Film hier zwar schon denen einen oder anderen Krimi (auch innerhalb der Edgar-Wallace-Reihe) inszeniert, nach dieser Verfilmung eines Romans von Bryan Edgar Wallace sollte Gottlieb im weiteren Verlauf seiner Kinokarriere jedoch fast ausschließlich im Bereich der (erotischen) Komödie tätig sein. Und irgendwie merkt man diesem Film hier bereits an, dass sich Gottlieb eher für die komischen und absurden Momente und weniger für die spannenden Momente seiner Geschichte interessiert zu haben scheint.

In DAS SIEBENTE OPFER dreht sich alles um eine merkwürdige Mordserie, die sich im Umfeld eines an einem mondänen Schloss angeschlossenen Reitstalls ereignet, während parallel eine ganze Handvoll zwielichtiger Gestalten ein großes Engagement darin zeigen, ein anstehendes Pferderennen zu manipulieren. Das Opfer Nr. 7, welches dem Film seinen Titel gegeben hat, spielt dabei im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Weder ranken sich um dieses bestimmte Opfer ominöse Verwicklungen, noch hat dieses Opfer irgendeine Bedeutung für den Verlauf der Handlung oder für irgendeine Art des Spannungsaufbaus. Nein, es ist vielmehr für den ganzen Film bezeichnend, dass die oder der Tote Nr. 7 einzig und allein für einen netten Gag herhalten muss. Wer sich in irgendeiner Weise so etwas wie Spannung oder zumindest den Hauch einer Mystery-Atmosphäre von DAS SIEBENTE OPFER erhofft, sollte diese Hoffnungen lieber ganz schnell begraben. Gottlieb hat seinen Film nicht als Nailbiter, sondern als locker-flockiges Rätselraten rund um die Mordserie inszeniert und unterhält den Zuschauer dabei immer wieder mit komischen und teils auch albernen Kapriolen. Wer sich also mit dem Stil des Films anfreunden kann, kann sich auf spaßige und kurzweilige Unterhaltung freuen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LE CERCLE ROUGE (Frankreich / Italien 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

le cercle rouge

(Fassung: Blu-ray, Arthaus/Studiocanal, Deutschland)

In LE CERCLE ROUGE trifft Alain Delon als soeben aus dem Gefängnis entlassener Einbruchsspezialist Corey eher zufällig auf den aus Polizeigewahrsam geflüchteten Vogel (Gian Maria Volontè) und findet in diesem und dem Ex-Cop Jansen (Yves Montand) willige Partner, die ihm bei einem Einbruch in ein Juweliergeschäft zur Seite stehen sollen. Während das Trio den Bruch vorbereitet, ist der ehrgeizige Kommissar Mattei (Bourvil) fest entschlossen, den geflohenen Vogel aufzuspüren und kommt so zwangsläufig auch dem Trio in die Quere…

Melvilles Mischung aus Heist Movie, Gangsterfilm und Jagd/Flucht-Szenario gehört zu den ganz großen Klassikern des französischen Kinos und ist gleichzeitig ein Paradebeispiel für das – insbesondere in den 60er und 70er Jahren so beliebte – Subgenre des Heist Movies. In LE CERCLE ROUGE liegt in der Ruhe die Kraft. Wie Melville hier – ohne sonderlich viele Dialoge und vor allem durch die Kraft seiner Bilder – seine verschiedenen Charaktere entwickelt und diese in Stellung bringt, wie er seine Spannung über die gut 140 Minuten, die LE CERCLE ROUGE dauert, immer und immer wieder zu steigern versteht, wie er gänzlich unaufgeregt eine zwar unterkühlte, aber auch ungemein intensive Atmosphäre kreiert und den Zuschauer so über die komplette Laufzeit fesseln kann, ist wirklich mehr als beeindruckend.

Ich habe LE CERCLE ROUGE erst jetzt zum ersten Mal gesehen und wünschte mir, ich hätte ihn schon früher gekannt. Das war eine filmische Bildungslücke, die unbedingt geschlossen werden musste.

Bewertung: Hervorragend! – 9/10

 

 

DER SCHNEEMANN (Deutschland 1985, Regie: Peter F. Bringmann)

der schneemann

(Fassung: DVD, EuroVideo, Deutschland)

Nachdem Sänger Marius Müller-Westernhagen schon seit den 60er Jahren (und bereits vor seiner Karriere als Musiker) in zahlreichen TV-Produktionen mitgewirkt hatte, bekam er ab Ende der 70er Jahre auch die eine oder andere (Haupt-)Rolle in Kinofilmen ab. Eine davon ist die des Kleinganoven Siegfried Dorn, dem in DER SCHNEEMANN zufällig 2 kg Kokain in die Hände fallen und der so naiv ist, zu glauben, er könne den Stoff ohne große Konsequenzen verkaufen. Natürlich sind schon sehr schnell ausgesprochen zwielichtige und ausgesprochen gefährliche Gestalten hinter ihm her.

Wenn man sich Bringmanns Film heute ansieht, kann man es kaum glauben, dass der hier wirklich mal für ein großes Kinopublikum gedacht gewesen sein könnte, denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich DER SCHNEEMANN als eine nicht unbedingt spannende oder spektakuläre, dafür aber umso schmierigere Angelegenheit. Seine Faszination zieht Bringmanns Film vor allem aus seinen Schauwerten, dem teils unglaublichen Sleaze, den er dem Zuschauer serviert, und dem unglaublichen Staunen, das man als Zuschauer während der Sichtung des Films empfindet. Leider habe ich auf die Schnelle im Netz keine Angaben zum Erfolg bzw. Misserfolg des Films gefunden. Würde mich schon interessieren, wie der damals abgeschnitten hat und manchmal würde man nachträglich gerne in die Köpfe so mancher Produzenten und Regisseure schauen können um herauszufinden, was sie sich beim Dreh eines Films wie diesen hier eigentlich gedacht haben. Das ist deutsches Kino im Ausnahmezustand, die 80er waren wahrlich ein verrücktes Jahrzehnt. Ich habe keine Ahnung, ob man DER SCHNEEMANN guten Gewissens zur Sichtung empfehlen kann, ich persönlich fand ihn in all seiner Skurrilität eigentlich ziemlich geil.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

…PIÙ FORTE RAGAZZI! (Italien 1972, Regie: Giuseppe Colizzi)

...più forte ragazzi!

(Fassung: DVD, e-m-s, Deutschland)

Am Tag nach dem Tod von Bud Spencer habe auch ich das gemacht, was wohl eine Vielzahl der Menschen gemacht hat, die mit seinen Filmen aufgewachsen sind. Ich habe mir den Film mit ihm angeschaut, der mir persönlich am meisten bedeutet. Das ist schon seit Ewigkeiten …PIÙ FORTE RAGAZZI! aka ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEM WEG ZUR HÖLLE, in dem Spencer und sein kongenialer Filmpartner Terence Hill als Salud (Spencer) und Plata (Hill) zwei ständig am äußersten Rande der Legalität agierende Bruchpiloten spielen, die eines Tages im südamerikanischen Dschungel abstürzen und dort einer Gruppe von Diamantenschürfern gegen einen skrupellosen Geschäftemacher unterstützen.

Was mich an …PIÙ FORTE RAGAZZI! schon immer so extrem begeistert, war diese leichte Melancholie, die diesen Film durchzieht und diese unglaubliche Warmherzigkeit, die – auch wenn sie sicher in anderen Filmen des Duos oder auch von Spencer allein ebenfalls vorhanden ist – Colizzis Film neben all den typischen Prügeleien und neben all dem Klamauk, den die deutsche Synchro verbreitet, doch zu etwas ganz Besonderem macht. …PIÙ FORTE RAGAZZI! ist ungemein liebenswert und einfach nur wunderschön, ein Film, an dem einfach alles toll ist. Schon die ersten Klänge des grandiosen „Flying Through the Air“ von Oliver Onions sorgen für dieses wohlige Gefühl in der Magengegend. Dann diese einfach nur wundervolle Figur des von Cyril Cusack gespielten Matto, dessen Schicksal einem die Tränen in die Augen treiben kann, usw., usf.; ich liebe …PIÙ FORTE RAGAZZI!, habe ihn nun seit gut 10 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen und kann nur feststellen, dass er auch über die Jahre hinweg rein gar nichts an seiner Faszination einbüßt.

Bewertung: Lieblingsfilm! – 10/10

 

 

LA SOUPE AUX CHOUX (Frankreich 1981, Regie: Jean Girault)

la soupe aux choux

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Giraults LA SOUPE AUX CHOUX ist der vorletzte Film des französischen Starkomikers Louis de Funès, der zwei Jahre später im Alter von nur 68 Jahren an einem Herzinfarkt sterben sollte, nachdem er schon einige Jahre an einem schweren Herzleiden litt und bereits zwei Infarkte überlebt hatte.

Da sein Gesundheitszustand die Rolle des typischen Cholerikers einfach nicht mehr zuließ, ist LA SOUPE AUX CHOUX einer der Filme von de Funès, in denen sein Charakter eher ruhig und milde gestimmt ist und cholerische Anfälle nur in Ansätzen zu sehen sind. Es geht um den von de Funès gespielten Claude Ratinier, der gemeinsam mit seinem Nachbarn und besten und auch einzigen Freund Francis Chérasse (Jean Carmet) seinen Lebensabend in einem außerhalb einer französischen Kleinstadt gelegenen Bauernhof verbringt. Dort streiten sie, vertragen sich wieder, philosophieren über die Vergangenheit, essen Kohlsuppe und veranstalten vor ihren bescheidenen Häusern Abend für Abend Wettbewerbe im Dauerfurzen. Als von der Furzerei schließlich ein Außerirdischer (Jacques Villeret) angelockt wird, stellt dieser das Leben von Ratinier und Chérasse jedoch gehörig auf den Kopf…

In Deutschland ist Giraults Film unter dem Titel LOUIS UND SEINE AUSSERIRDISCHEN KOHLKÖPFE bekannt und dürfte hierzulande – auch wegen seiner unzähligen Ausstrahlungen im Fernsehen – wohl zu den beliebtesten und bekanntesten Filmen des französischen Komikers gehören. Auch ich bin damals mit LA SOUPE AUX CHOUX aufgewachsen, habe den Film als Kind und Jugendlicher unzählige Male im Fernsehen gesehen und natürlich wegen seiner ausufernden Albernheiten (die Furzerei, die Kommunikation mit dem Außerirdischen) geliebt. Beim jetzigen Wiedersehen nach sehr langer Zeit ist mir erstmals aufgefallen, dass LA SOUPE AUX CHOUX im Grunde genommen, trotz der vorhandenen Gags, ein überaus trauriger und auch zutiefst melancholischer Film ist. Es geht um würdevolles Altern, um Respekt vor älteren Menschen, um Perspektivlosigkeit und auch um die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen. In der französischen Originalversion gibt es bspw. eine längere Szene, in der der von Carmet gespielte Chérasse versucht, sich zu erhängen. Eine Sequenz, die in den deutschen Fassungen (auch in der mir vorliegenden DVD-Fassung) gekürzt wurde, ganz offensichtlich um die Klamauk-Szenen des Films nicht zu torpedieren (mittlerweile gibt es aber auch eine Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland, die komplett ungekürzt erschienen ist). Auch wenn der Film ein Happy End aufweisen kann, Ratinier und Chérasse mit dem Außerirdischen abhauen und einem würdevollen Lebensabend entgegenblicken können, von der oft unbeschwerten Leichtigkeit, welche die Filme von de Funès so häufig durchzogen hat, ist hier nicht mehr sonderlich viel zu spüren.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI (aka He Murdered His Wife, Griechenland 1976, Regie: Kostas Karagiannis)

eglima sto kavouri

(Fassung: DVD, Mondo Macabro, USA)

In ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI möchte ein schleimiger Playboy (Lakis Komninos) das stattliche Vermögen seiner älteren Ehefrau (Dorothy Moore) mit seiner jüngeren Geliebten verprassen und paktiert mit einem skrupellosen Frauenmörder (Vagelis Seilinos) um seine Gattin um die Ecke zu bringen…

Regisseur Kostas Karagiannis hat seine Mischung aus Thriller, Mystery und Horror im Stil der italienischen Gialli gedreht. Es gibt brutale Morde, viel nackte Haut und einen im Schlussdrittel wendungsreichen Plot zu bestaunen, in Sachen Spannung muss man aber – trotz der Haken, die die Handlung zum Ende hin schlägt – bedauerlicherweise gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Da die Identität des Killers von Anfang an feststeht und auch der Mordplan des betrügenden Ehemannes sehr schnell offengelegt wird, bezieht Karagiannis’ Film seine Spannung in erster Linie daraus, ob die Täter letztendlich davonkommen werden und wie sie beide versuchen, sich gegenseitig auszuschalten. Das ist ein Tick zu wenig, um den Film über die komplette Länge zu tragen. Freunde des gepflegten Exploitation-Kinos dürften an ἘΓΚΛΗΜΑ ΣΤΩ ΚΑΨΟΥΡΙ | EGLIMA STO KAVOURI dennoch ihre Freude haben und sich vor allem an den vorhandenen Schauwerten und der nicht zu verachtenden Menge an Sleaze, welche Karagiannis über seine Zuschauer ausschüttet, ergötzen.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

LA LAMA NEL CORPO (Frankreich / Italien 1966, Regie: Elio Scardamaglia)

la lama nel corpo

(Fassung: Blu-ray, FilmArt, Deutschland)

Regisseur Elio Scardamaglia lässt in LA LAMA NEL CORPO einen Killer in einer alten Nervenheilanstalt, welche in einem mehr als mondän zu nennenden, schon fast schlossartigem Anwesen angesiedelt ist, auf Patienten und Belegschaft los…

Scardamaglias Film ist wirklich wunderschön anzusehen. Allein das Setting in diesem alten, beeindruckenden Anwesen reicht aus, um Genrefreunde für den Film einzunehmen. LA LAMA NEL CORPO ist vollgestopft mit tollen Kameraeinstellungen und verbreitet mit seiner irgendwo zwischen Giallo und Gothic Horror angelegten Geschichte eine harmlos-sympathische Grusel-Atmosphäre. Sehr viel mehr hat LA LAMA NEL CORPO jedoch nicht zu bieten. Im Finale geht es zwar ein bisschen ruppiger und auch rasanter zur Sache als zuvor, bis es jedoch so weit ist, plätschert Scardamaglias Film eher gediegen vor sich hin, schwelgt in seinen schönen Bildern und lullt den Zuschauer mit diesen eher ein als ihn mit einer spannenden Geschichte zu packen. Auf seine ganz eigene Art und Weise dürfte LA LAMA NEL CORPO für Freunde des italienischen Genrekinos aber ganz sicher interessant sein. Ich würde ihn jetzt nicht unbedingt als Pflichtprogramm bezeichnen wollen, fand ihn trotz der fehlenden Spannungsmomente jedoch allein aufgrund seiner Settings und der Atmosphäre und Stimmung, die er kreiert durchaus sehenswert und unterhaltend.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

REMAKE, REMIX, RIP-OFF: ABOUT COPY CULTURE & TURKISH POP CINEMA (Deutschland / Türkei 2014, Regie: Cem Kaya)

remake, remix, rip-off - about copy culture & turkish pop cinema

(Fassung: Free-TV, ZDF HD, Deutschland)

Insbesondere zwischen den frühen 50er und späten 80er Jahren bestand das türkische Kino zu einem Großteil aus möglichst kostengünstig heruntergekurbelten Remakes bzw. Rip-Offs erfolgreicher Hollywood-Produktionen, welche so manche obskure Perle hervorgebracht haben. Regisseur Cem Kaya wirft in seiner Dokumentation einen Blick auf diese faszinierende Kinolandschaft, lässt damalige Schauspieler und Regisseure zu Wort kommen, teils ausgesprochen witzige Anekdoten von damals erzählen und gewährt dem interessierten Zuschauer so einen Einblick in eine Filmwirtschaft, die vor allem von Improvisationstalent und diversen Guerilla-Taktiken geprägt war (man erfährt bspw., dass es in der Türkei kein geltendes Urheberrecht gab und den Machern somit die Scores sämtlicher Hollywoodfilme zur freien Verfügung standen, welche diese natürlich gerne nutzten, um ihre eigenen Filme zur veredeln; vor allem die Filmmusik aus THE GODFATHER, diversen James-Bond-Filmen, SUPERMAN oder STAR WARS wurde immer wieder gerne verwendet). Insbesondere Çetin İnanç, Regisseur des berühmt-berüchtigten DÜNYAYI KURTARAN ADAM (besser bekannt als TURKISH STAR WARS), hat einige wunderbare Geschichten zu erzählen, insbesondere was die Entstehung seines vorgenannten Films angeht (in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die Filmrollen von STAR WARS aus einem türkischen Kino entwendet und um Szenen erleichtert, welche für den eigenen Film genutzt werden sollten und dann auch in diesen hineingeschnitten wurden), welche Probleme die Filmemacher mit den Zensurbehörden hatten und wie diese übergangen wurden, usw., usf., und weckt im Zuschauer durch seine Ausführungen ein großes Bedürfnis, diverse Filme aus der Türkei lieber heute als morgen sichten zu wollen.

Leider belässt es Regisseur Cem Kaya in seiner Dokumentation nicht bei diesen hoch interessanten Einblicken in diese längst vergangenen Zeiten, sondern will etwas zu viel. Kaya schlägt den Bogen in die Gegenwart, wirft einen Blick auf türkische TV-Produktionen, die mehr als schlechten Arbeitsbedingungen der Cast- und Crewmitglieder in der heutigen Zeit und die Respekt- und Rücksichtslosigkeit, mit der in der Türkei mit dem türkischen Filmerbe umgegangen wird. Das ist zwar sicher lobenswert, hätte aber im Endeffekt einen eigenen Film verdient gehabt und führt letztendlich dazu, dass REMAKE, REMIX, RIP-OFF in zwei Teile auseinanderfällt, die nicht wirklich harmonisch zusammengefügt werden können. Kayas Film wirkt aufgrund dieser Tatsache in der zweiten Hälfte etwas unstruktiert und konfus und in meinen Augen hätte Cem Kaya gut daran getan, wenn er sich auf sein ursprüngliches Thema bis zum Ende konzentriert hätte und den ernsthaften und politischen Teil seiner Dokumentation in einen eigenen Film ausgelagert hätte, der diesem ernsteren und sicher auch hochinteressantem Thema dann auch hätte gerecht werden können.

Bewertung: Gut! – 7/10

4 Frauen auf Geisterjagd

GHOSTBUSTERS (USA 2016, Regie: Paul Feig)ghostbusters

(Fassung: 3D-Originalfassung, Odeon Premierenkino, London)

Jetzt ist er also in der Welt. Dieser Film, der die Fans von Reitmans Original aus dem Jahr 1984 schon auf die Barrikaden gehen ließ, bevor er überhaupt das Licht der Leinwände erblicken konnte. Der von vielen sogenannten Filmfreunden aus Prinzip gehasst werden wird – nur aufgrund der Tatsache, dass die Rollen der Geisterjäger hier mit 4 Frauen besetzt worden sind – und der praktisch keine Chance auf eine faire Behandlung haben dürfte. Ich finde es sehr traurig, dass es scheinbar nicht möglich ist, an einen Film wie diesen hier erst mal unvoreingenommen heranzugehen, ihn sich anzusehen und sich danach eine Meinung zu bilden. Wenn man ihn dann immer noch beschissen findet, ist das ja in Ordnung. Aber dieser Shitstorm vorab? Man muss es nicht verstehen.

In Deutschland startet GHOSTBUSTERS Anfang Augst, anlässlich eines Kurzurlaubs in London hatte ich bereits am vergangenen Samstag die Gelegenheit, mir den Film in 3D im riesigen Odeon-Kino am Londoner Leicester Square anzusehen (in diesem Kino finden auch alle wichtigen Filmpremieren in England statt) und möchte nach Sichtung des Films all diesen selbsternannten Experten, all diesen bescheuerten Hatern und all diesen ekligen Supernerds, die GHOSTBUSTERS bereits vor Start und nur aufgrund der Besetzung und des Trailers zur Totgeburt erklärt hatten, ein fettes „FUCK YOU!!!“ entgegen schreien, denn Paul Feig hat hier zwar keinen perfekten, aber doch einen extrem unterhaltsamen Film gedreht. Einen Film, der mir persönlich über die komplette Laufzeit verdammt viel Vergnügen bereitet hat, den man sicher kritisch sehen kann, der diese breite Ablehnung und diesen Hass, der ihm schon seit Wochen und Monaten vielerorts entgegenschlägt, jedoch in keinster Weise verdient hat.

Was man den Machern vielleicht vorwerfen kann, darf und muss, ist, dass sie diesen Mut, den sie mit der Besetzung der vier Hauptrollen mit Frauen ja eigentlich bewiesen haben, nicht konsequent fortgeführt und so etwas gänzlich Neues erschaffen haben. GHOSTBUSTERS ist im Endeffekt ein Remake bzw. Reboot des Originals und seines Sequels aus dem Jahr 1989 und funktioniert eher als liebevolle Hommage an diese beiden Filme und weniger als eigenständige Geschichte. Dafür wurden einfach zu viele Elemente der beiden Ur-Filme aufgegriffen, dafür gibt es zu viele obligatorische Gastauftritte und dafür fehlt es dem Film einfach an Originalität und Einfallsreichtum was den Handlungsverlauf angeht. Und dafür übertreibt es Paul Feig im Finale etwas zu sehr mit den Reminiszenzen. Die Entstehung des „Endgegners“ ist bspw. komplett misslungen und das Finale des großen Finales ist in meinen Augen auch eher als missglückt zu bezeichnen. Bis auf diese beiden großen Schwächen zum Ende hin funktioniert GHOSTBUSTERS als Hommage jedoch nahezu perfekt und wenn man es schafft, sich auch mit den vier Damen in den Rollen der Geisterjäger anzufreunden (was mir glücklicherweise gelungen ist), dürfte einem mehr als vergnüglichem Filmerlebnis nichts mehr im Wege stehen.

Regisseur Paul Feig zelebriert mal wieder den aus seinen bisherigen Filmen bekannten, etwas kruden Humor und hat insbesondere mit Melissa McCarthy und Kristen Wiig zwei Schauspielerinnen am Start, die sich die Gags wie die sprichwörtlichen Bälle hin- und her spielen. Chris Hemsworth als männliche und leicht unterbelichtete Empfangsdame ist teilweise zum Schreien komisch und komplettiert mit seinem Part die Umkehr der Geschlechterrollen des Originals. Die aus den beiden Ur-Filmen zusammengesetzten Handlungselemente hat Feig zudem mit jeder Menge netter Ideen angereichert und die Kreativität, die im großen Ganzen des Plots vielleicht etwas fehlen mag, ist in den Details jederzeit erkennbar (man achte bspw. nur mal auf die zeitgenössischen Movie Marquees während der Times-Square-Sequenz im Finale). Über die diversen Variationen altbekannter Geistererscheinungen habe ich mich genauso gefreut wie über die ausgesprochen gelungenen Gastauftritte diverser Stars des Originals – neben Bill Murray als Wissenschaftler und Dan Aykroyd als Taxifahrer geben sich auch Annie Potts, Ernie Hudson und Sigourney Weaver die Ehre – und diese Konzertsequenz (incl. eines Gastauftritts von Ozzy Osbourne) in der Mitte des Films ist der absolute Knaller. Toll auch die Effekte, vor allem die 3D-Effekte in den Actionszenen. Alles in allem ist GHOSTBUSTERS ein riesengroßer Spaß. Wer dem Film eine echte Chance geben will soll doch einfach reingehen, sich hinsetzen, ihn sich anschauen, hoffentlich Spaß haben und vor allem bis nach dem Abspann sitzen bleiben.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

Juni 2016: Beitrag Nr. 2

SOUTHPAW (Hongkong / USA 2015, Regie: Antoine Fuqua)

southpaw

(Fassung: Blu-ray, Tobis, Deutschland)

In Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Kurt Sutter schickt Regisseur Antoine Fuqua Jake Gyllenhaal als erfolgreichen Boxer in den Ring, malträtiert ihn mit fiesen Schicksalsschlägen, lässt ihn von ganz oben nach ganz unten abstürzen, nur um ihn im Schlussdrittel wie Phoenix aus der Asche wieder aufsteigen zu lassen…

Obwohl mich der Boxsport im wahren Leben überhaupt nicht interessiert, habe ich im Lauf meiner filmischen Sozialisierung – vor allem wegen der ROCKY-Reihe – eine Vorliebe für Boxfilme entwickelt und musste mir aus diesem Grund natürlich auch SOUTHPAW ansehen, einen Film, an den ich doch relativ hohe Erwartungen hatte. Wegen seines Hauptdarstellers, den ich immer gerne sehe. Und natürlich auch wegen seines Regisseurs, von dem ich spätestens seit SHOOTER ein großer Fan bin.

Vielleicht bin ich ja an meiner Erwartungshaltung gescheitert, aber so wirklich mitreißen konnte mich SOUTHPAW eigentlich nur im Schlussdrittel, beim wirklich atemberaubend inszenierten Schlusskampf, bei dem der Film dann alle Erwartungen erfüllen konnte und mich mit Gänsehaut und einer Träne im Auge in den Abspann entließ. Die Mischung aus Sportfilm und Drama in den knapp 90 Minuten davor hat leider nicht so gut funktioniert. Das wirkte alles viel zu konstruiert, viel zu übertrieben und viel zu unglaubwürdig und konnte mich als Zuschauer eigentlich nie so wirklich berühren. Eigentlich plätscherte SOUTHPAW über weite Strecken nur so dahin. Bis dann dieses Schlussdrittel kam und aus einem bis zu diesem Zeitpunkt höchstens halbwegs unterhaltsamen Film dann doch noch einen guten Film machte.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

PERSONAL BEST (USA 1982, Regie: Robert Towne)

personal best

(Fassung: DVD, Warner, USA)

Regisseur und Drehbuchautor Robert Towne erzählt die Geschichte zweier Fünfkämpferinnen (Mariel Hemingway und Patrice Donnelly), die in Qualifikationswettkämpfen versuchen, einen Platz im US-Team für die olympischen Sommerspiele 1980 zu ergattern, sich ineinander verlieben und schon schnell ihre Gefühle füreinander auf der einen und den bestehenden Konkurrenzkampf auf der anderen Seite nicht mehr miteinander vereinbaren können, natürlich noch nicht ahnend, dass die Teilnahme an der anstehenden Olympiade aus politischen Gründen von den USA boykottiert werden wird…

Robert Towne gelingt sowohl ein intimer und auch authentisch wirkender Einblick in das Innenleben eines Sportteams, dem alltäglichen Konkurrenzkampf, den die verschiedenen Sportlerinnen ausgesetzt sind und der harten Trainingsarbeit, die hinter den erhofften Erfolgen steckt, als auch ein einfühlsames Portrait zweier Frauen, denen ihre Gefühle einen gehörigen Strich durch ihre sportlichen Karriereplanungen zu machen drohen. Sehr schön auch zu sehen, wie vollkommen normal und natürlich Robert Towne die gleichgeschlechtliche Beziehung der beiden Frauen darstellt, für einen Film aus dem Jahr 1982 ist das ja nicht unbedingt selbstverständlich.

So wirklich gepackt hat mich PERSONAL BEST allerdings nicht. Townes Film kann zwar auch in schauspielerischer Hinsicht – vor allem wegen Hemingway und Donnelly in den Rollen der beiden Sportlerinnen und Scott Glenn in der Rolle des Trainers – durchaus überzeugen, hat aber mit dem großen Problem zu kämpfen, dass er mit einer Laufzeit von über 2 Stunden mindestens 30 Minuten zu lang gewesen ist und die Sportart des Fünfkampfs nun auch nicht unbedingt optimal dazu geeignet ist, den Film mit wirklich packenden Sportszenen zu füllen und so die Spannung zumindest ein bisschen hochzuhalten. Irgendwann zieht sich PERSONAL BEST fast nur noch wie Kaugummi und ich war am Ende dann auch schon fast froh, als er endlich vorbei war. Irgendwie schade, hätte den Film gerne mehr gemocht. Von seinem Ansatz und seiner Aussage her steht PERSONAL BEST auf jeden Fall auf der Seite der Guten.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

AMERICAN ULTRA (Schweiz / USA 2015, Regie: Nima Nourizadeh)

american ultra

(Fassung: Blu-ray, Concorde, Deutschland)

Jesse Eisenberg spielt Mike Howell, einen in einer amerikanischen Kleinstadt lebenden und nicht gerade selten bekifften Loser, der bereits Panikattacken bekommt, wenn er mit seiner Freundin Phoebe (Kristen Stewart) mal die Stadtgrenze überschreiten soll und dessen Leben von der einen auf die andere Sekunde komplett auf den Kopf gestellt wird, als er sich einem Killerkommando gegenüber sieht und plötzlich ungeahnte Fähigkeiten entdeckt. Denn der von Eisenberg gespielte Howell ist in Wahrheit eine vom CIA ausgebildete und stillgelegte Tötungsmaschine, die nun für immer zum Schweigen gebracht werden soll…

Regisseur Nima Nourizadeh zeichnete vor AMERICAN ULTRA für den im Found-Footage-Stil gedrehten PROJECT X verantwortlich, in dem eine Party komplett außer Kontrolle geriet und der den Zuschauer mit Unglaublichkeiten am laufenden Band konfrontierte. So ähnlich geht es auch in AMERICAN ULTRA zu, auch wenn dieser Film hier natürlich – was die Handlung und die eingesetzten Stilmittel angeht – rein gar nicht mit dem Erstlingswerk des Regisseurs zu vergleichen ist.

Als Zuschauer sitzt man staunend und kopfschüttelnd vor dieser komplett durchgeknallten Wundertüte von Film, die Nourizadeh da auf einen loslässt und kann sich über die ganze Laufzeit nie so richtig entscheiden, ob man das, was man da sieht, nun gut oder beschissen finden soll. Die Handlung ist komplett hanebüchen, Spannung und Atmosphäre sind praktisch nicht vorhanden, stattdessen wird AMERICAN ULTRA von seinen Schauwerten regiert, die reichlich vorhanden sind und zu großen Teilen aus oft derben Gewaltausbrüchen bestehen. Ich selbst bin mir auch drei Tage nach Sichtung des Films noch immer nicht ganz sicher, was ich da eigentlich gesehen habe. Es war auf jeden Fall verdammt unterhaltsam, auch wenn streckenweise die Gefahr bestand, Ermüdungserscheinungen wegen kompletter Reizüberflutung zu erleiden.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR (Deutschland 1963, Regie: Harald Reinl)

der würger von schloss blackmoor

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Im Gegensatz zum Vorgänger DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER orientiert sich der zweite Film in Brauners Bryan-Edgar-Wallace-Reihe was Settings und Atmosphäre angeht doch deutlich mehr an den großen Vorbildern der Rialto. Angesiedelt ist DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR in einem dieser wunderbaren Schloss-Settings und die Handlung dreht sich um einen maskierten Killer, der Menschen rund um das titelgebende Schloss auf diverse Methoden um die Ecke bringt, um die typischen Querelen rund um ein Erbe und um wertvolle Diamanten, auf die es nicht gerade wenige zwielichtige Typen abgesehen haben.

Was an DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR in erster Linie positiv hervorzuheben ist, sind seine Schauwerte und die Tatsache, dass der Film von Regisseur Harald Reinl ohne große Längen und überaus flott inszeniert wurde. Toll ist natürlich vor allem das alte Schloss mit seinen Geheimgängen, seinen unheimlichen Kellerverliesen und seinen undurchsichtigen Bewohnern, u.a. einem irren Diener, der in einem Kellergewölbe mit Wahnsinn in den Augen seine Zeit mit dem Schleifen von Diamanten verbringt. Zudem sind die Morde, die der titelgebende Würger begeht, erstaunlich derbe ausgefallen. Da wird nicht nur gewürgt, sondern gleich noch enthauptet und mitunter auch mit schweren Kalibern geschossen. Schön auch zu sehen, dass das obligatorische “comic relief“ im Vergleich zum Vorgänger hier deutlich verhaltener agiert. War es in DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER noch Chris Howland, der sich zum Deppen machen durfte, ist es hier nun Walter Giller, der als schrulliger Schlossbesitzer für Heiterkeit sorgen soll, dabei für den Zuschauer aber nie so anstrengend wird, wie es eben Howland im Film zuvor noch gewesen ist. Und dann hat Reinl in der Rolle der Leading Lady Karin Dor zur Verfügung, die ihren Part natürlich souverän meistert und dem Film das verleiht, was ihm sonst – und das ist dann auch seine große Schwäche – leider vollends abgeht, nämlich einen Hauch von Starpower. Die Rolle des Ermittlers wurde mit Harry Riebauer erneut mit einem Schauspieler besetzt, der diesen wichtigen Part praktisch zu keiner Sekunde so wirklich ausfüllen kann. In den Vorbildern der Rialto wurden diese Rollen mit Charakterköpfen wie Fuchsberger oder Drache besetzt, denen Riebauer leider in keinster Weise das Wasser reichen kann.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

FLED (USA 1996, Regie: Kevin Hooks)

fled

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Aufgrund einer Verkettung dummer Zufälle befinden sich in FLED die beiden Häftlinge Piper (Laurence Fishburne) und Dodge (Stephen Baldwin) plötzlich aneinander gekettet auf der Flucht aus Gefängnisgewahrsam und vor den sie verfolgenden Ordnungshütern. Dass sich die beiden nun nicht gerade bestens miteinander erschweren erleichtert ihre missliche Lage ebenso wenig wie die Tatsache, dass neben den Behörden auch die kubanische Mafia hinter ihnen her ist…

Herausgekommen im Jahr 1996, könnte man meinen, FLED müsste schon allein aufgrund seiner Ausgangssituation mit den beiden aneinander geketteten Streithähnen ein Paradebeispiel für einen dieser von Humor durchsetzten Actionfilme aus den 90ern sein. Aber weit gefehlt, FLED ist zwar nicht gänzlich von Humor befreit – ein paar komische Momente mussten damals wohl einfach in jeden Actionfilm integriert werden -, über weite Strecken geht es in diesem rasanten Jagd/Flucht-Szenario aber durchaus ernst und auch ausgesprochen grimmig zur Sache. Regisseur Kevin Hooks, der hauptsächlich fürs TV arbeitet und für den FLED neben dem 4 Jahre zuvor entstandenen PASSENGER 57 mit Wesley Snipes in der Hauptrolle einen der ganz wenigen nennenswerten Ausflüge ins Kino darstellt, geht hier wirklich alles andere als zimperlich zur Sache. FLED wird von blutigen Shoot-Outs und druckvollen Actionszenen beherrscht, die geschickt innerhalb des Handlungsverlaufs platziert sind und dem Zuschauer nur wenig Zeit zum Verschnaufen lassen. Hooks treibt seine Handlung ohne große Schnörkel voran, baut dabei geschickt Spannung auf und entwickelt seine beiden Hauptcharaktere inmitten einer Ansammlung ziemlich klischeehafter Figuren immerhin so weit, dass sie einem als Zuschauer nicht egal bleiben und man relativ schnell eine Bindung zu ihnen aufbauen kann. FLED ist ein Beispiel für grundsolides und im höchsten Maße unterhaltsames Actionkino an dem es im Endeffekt nichts groß auszusetzen gibt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HOTEL TRANSYLVANIA 2 (USA 2015, Regie: Genndy Tartakovsky)

hotel transylvania 2_01

hotel transylvania 2_02

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Nachdem sich der ein Hotel für Monster betreibende Graf Dracula im Vorgänger aus dem Jahr 2012 noch damit auseinandersetzen musste, dass ein Menschenjunge in sein Hotel gelangt war und er dies vor seinen Gästen verzweifelt zu vertuschen versuchte, beginnt HOTEL TRANSYLVANIA 2 nun mit der Hochzeit eben dieses Menschenjungen mit Draculas Tochter Mavis, eine Verbindung, aus der schon bald Nachwuchs hervorgehen soll. Als sein Enkelsohn bereits knapp 5 Jahre alt ist und noch immer keine Anzeichen zeigt, dass auch in ihm ein echter Vampir steckt, wird Dracula jedoch langsam nervös und versucht mit allen Mitteln, den tief im Inneren des Jungen schlummernden Vampir zu wecken…

Regisseur Genndy Tartakovsky verlässt sich bei seiner Fortsetzung zwar erneut auf all die Zutaten, die bereits seinen Vorgänger zu einem großen Spaß für alte Altersklassen haben werden lassen, an die extrem hohe Gagdichte von HOTEL TRANSYLVANIA kommt der zweite Teil jedoch leider nicht heran. Es dauert einige Zeit bis der Film so richtig Fahrt aufnimmt und richtig lustig wird HOTEL TRANSYLVANIA 2 eigentlich erst in der zweiten Hälfte, wenn Dracula sich mit seinen Monsterkumpels seinen Enkelsohn schnappt und diesen ohne das Wissen seiner Tochter, die sich derweil in Kalifornien auf Haussuche befindet, da sie plant, mit ihrem Mann und ihrem Sohn aus Transsilvanien wegzuziehen, auf einen Road Trip der etwas anderen Art mitnimmt um endlich den Vampir in ihm zu wecken. Ab diesem Zeitpunkt haben sich schon einige zum Schreien komische Szenen in HOTEL TRANSYLVANIA 2 eingeschlichen, nennenswert dabei vor allem die leider schon im Trailer verheizte Sequenz, in der Dracula seinem Enkel das Fliegen beibringen will.

Unbedingt erwähnenswert ist natürlich auch die erneute Liebe zum Detail, die bereits den Vorgänger auszeichnete und die hier auch wieder in praktisch jeder Szene zum Vorschein kommt. In allen Ecken und Winkeln des Films gibt es erneut jede Menge an liebevollen Kleinigkeiten zu entdecken und allein diese Tatsache macht – wie bereits den Vorgänger – HOTEL TRANSYLVANIA 2 zu einem Film, der nicht nur das kindliche Zielpublikum anspricht, sondern auch einem erwachsenen, horrorfilmbegeisterten Publikum in nicht wenigen Sequenzen ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 4 (USA 2014; Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Deutschland)

Die mittlerweile vierte Staffel von GAME OF THRONES ist die erste Staffel, die nicht auf einem ständig konstant bleibenden Niveau am Zuschauer vorbeizieht, sondern innerhalb der 10 Folgen auch mal den einen oder anderen Ausreißer nach unten und nach oben parat hält, was der Serie durchaus zum Vorteil gereicht. Diese Staffel ist auch die erste Staffel, die mich nun nicht allein aufgrund der grandiosen Oberfläche, sondern auch aufgrund des Inhalts für sich einnehmen konnte.

Ein Markenzeichen der Serie (bzw. der Romanvorlagen, die ich allerdings nicht gelesen habe) ist ja, dass sie mit Hauptfiguren nicht sonderlich zimperlich umgeht. Man muss jederzeit damit rechnen, dass eine etablierte Hauptfigur auf möglichst derbe Art und Weise aus dem Leben scheiden muss und wie in den drei Staffeln zuvor, müssen natürlich auch in Season 4 so einige größere Charaktere ihren Hut nehmen. Das hat den großen Vorteil, dass dieses irrsinnige Figurengeflecht, mit all den gegenseitigen Interessen, welche die einzelnen Personen so haben, und für das man insbesondere in der vorherigen Staffel schon langsam aber sicher einen Stammbaum hätte aufzeichnen müssen um es komplett überblicken zu können, nun langsam etwas ausgedünnt wird und GAME OF THRONES in dieser vierten Staffel erstmals weitaus übersichtlicher geraten ist als in den drei Staffeln zuvor. Inmitten von Sex und Gewalt, von blanken Brüsten, rollenden Köpfen und heraushängenden Eingeweiden ist es mir nun endlich gelungen, auch echtes Interesse für den Handlungsverlauf und die verschiedenen Figuren zu entwickeln und mich nicht allein aufgrund der exorbitanten Schauwerte unterhalten zu lassen. Mal schauen, wie es weitergeht.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

ORPHAN (Deutschland / Kanada / USA 2009, Regie: Jaume Collet-Serra)

orphan

(Fassung: Blu-ray, Kinowelt, Deutschland)

Horrorfilme, in denen Kinder der Ausgangs- und Mittelpunkt des Horrorgeschehens sind, halte ich in ihrer Wirkung meist für besonders effektiv. Auch ORPHAN macht da keine große Ausnahme. Im Mittelpunkt steht die 9-jährige Esther (unfassbar unheimlich: Isabelle Fuhrman), die von den Ehegatten Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard) adoptiert wird und sich schon bald zu einer echten Gefahr – vor allem für die beiden leiblichen Kinder des Paares – entwickelt, wobei insbesondere der von Peter Sarsgaard gespielte Vater seine Augen vor diesen Entwicklungen verschließt und die Bedenken seiner Frau in keinster Weise ernst nehmen will. Wie es in solchen Filmen nun mal ist, steuert alles auf die unausweichliche Katastrophe zu…

Regisseur Jaume Collet-Serra, der sich in den Jahren nach ORPHAN ja zu so etwas wie dem Hausregisseur von Liam Neeson entwickeln sollte (er inszenierte UNKNOWN, NON-STOP und RUN ALL NIGHT mit Neeson in der Hauptrolle), lässt das Böse in Gestalt eines zunächst unschuldig wirkenden Mädchens langsam und unausweichlich über die Protagonisten des Films und über sein Publikum hereinbrechen. Wie Collet-Serra die Spannungsschraube immer mehr anzieht, eine immer dichtere Atmosphäre entwickelt, dem Zuschauer immer einen kleinen Wissensvorsprung gewährt und es so schafft, dass man dem Geschehen auf dem Bildschirm in kompletter Hilflosigkeit und der bösen Vorahnung folgt, dass dieser Film kein Happy End für alle Beteiligten bereit halten dürfte, ist ungemein effektiv und macht ORPHAN zu einem absoluten Nailbiter. Dass ein Film wie dieser natürlich auch nicht ohne typische Horrorfilmklischees auskommen kann und dass der Twist um die Identität der Adoptivtochter doch etwas arg konstruiert wirkt, trübt den positiven Gesamteindruck zwar ein kleines bisschen, an der Tatsache, dass ORPHAN als Horrorfilm richtig gut funktioniert, können diese Schwächen jedoch auch nichts ändern. Und Vera Farmiga in der Rolle der Mutter spielt einfach großartig. Auch das muss unbedingt noch erwähnt werden.

Bewertung: Gut! – 7/10

Juni 2016: Beitrag Nr. 1

HIGH SCHOOL CAESAR (USA 1960, Regie: O’Dale Ireland)

high school caesar

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

Ähnlich wie der kurze Zeit zuvor gesehene HIGH SCHOOL BIG SHOT handelt es sich auch bei HIGH SCHOOL CAESAR um einen typischen Vertreter des Juvenile-Delinquent- bzw. High-School-Films aus der damaligen Zeit. Im direkten Vergleich zu Rapps Film fällt vor allem auf, dass Regisseur O’Dale Ireland definitiv ein höheres Budget zur Verfügung gehabt haben dürfte. Die Settings sind nicht ganz so trist und trostlos geraten, die Schauspieler scheinen talentierter und mit der Sequenz des illegalen Autorennens und der anschließenden Verfolgungsjagd hat HIGH SCHOOL CAESAR sogar so etwas wie echtes Spektakel zu bieten. Was diesem Film hier jedoch fehlt und was ja in gewisser Weise das Salz in der Suppe solcher Filme ist, ist dieser gewisse Hauch von Wahnsinn, dieser Mut, dem Zuschauer mit etwas zu konfrontieren, an das sich dieser auch noch ein bisschen länger zurückerinnern kann. Die komplett obskure Handlung aus HIGH SCHOOL BIG SHOT wird sicher eine Zeit in meinem Gedächtnis bleiben, bei Irelands Film hier bin ich mir nicht so sicher.

In HIGH SCHOOL CAESAR dreht sich alles um den ebenso reichen wie verwöhnten Matt Stevens (John Ashley), der gemeinsam mit seinen Freunden versucht, die Macht an seiner Schule an sich zu reißen. Mit Schutzgelderpressung, das Verkaufen von geklauten Tests und einer getürkten Wahl, die ihm das Amt des Schülersprechers einbringt, versucht Matt seinen Einfluss ständig zu vergrößern, muss sich dabei aber auch mit einer Handvoll Widersachern rumärgern. HIGH SCHOOL CAESAR verläuft sehr konventionell und komplett harmlos, die Geschichte hält praktisch keine Überraschungen parat und es ist natürlich schon sehr schnell klar, wie die ganze Angelegenheit ausgehen wird und dass dieses Ende für den unsympathischen Bully der Schule kein positives sein wird. So ist Irelands Film zwar durchaus nett anzusehen und zum sinnlosen Totschlagen von Zeit sicher gut geeignet, so etwas wie Begeisterung oder auch nur gesteigertes Interesse beim Zuschauer zu wecken, gelingt HIGH SCHOOL CAESAR jedoch zu praktisch keinem Zeitpunkt.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

SNAKE EYES (Kanada / USA 1998, Regie: Brian De Palma)

snake eyes

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

Nicolas Cage spielt den Cop Rick Santoro, der wegen eines Boxkampfes in Atlantic City Zeuge eines Attentats auf den US-Verteidigungsminister wird. Gemeinsam mit dessen Sicherheitschef Kevin Dunne (Gary Sinise), gleichzeitig einer seiner ältesten und besten Freunde, versucht Santoro noch vor Ort den Fall zu lösen und landet mitten in einer typischen Verschwörung…

Als SNAKE EYES im Jahr 1998 in die Kinos kam befand sich Nicolas Cage gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Regisseur Brian De Palma hatte zuvor den Mega-Blockbuster MISSION: IMPOSSIBLE gedreht – eigentlich beste Voraussetzungen für einen ganz großen Erfolg und am Ende des Tages war SNAKE EYES mit einem Budget von 69 Mio. Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von knapp über 100 Mio. Dollar natürlich auch kein Verlustgeschäft für die Macher, so wirklich begeistert waren Publikum und Kritik damals jedoch nicht. In gewisser Weise durchaus nachvollziehbar, denn nach einer mehr als beeindruckenden Sequenz zum Auftakt, die über 12 Minuten ohne einen Schnitt auskommt und in der De Palma alle wichtigen Charaktere vorstellt, und der anfangs noch ausgesprochen spannend begonnenen Auflösung des Rätsels – mit Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven setzt sich das Puzzle langsam zusammen -, muss ich doch feststellen, dass SNAKE EYES nach etwas über der Hälfte der Laufzeit doch langsam die Puste auszugehen scheint und auch die Spannung mehr und mehr nachlässt. Da helfen dann auch ein wahrlich entfesselt aufspielender Nicolas Cage und alle formalen Kniffe des Regisseurs nicht mehr wirklich weiter.

Im Lauf der Jahre habe ich fast alle Filme von Brian De Palma gesehen und zähle ihn zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Innerhalb seiner Filmographie gehört SNAKE EYES für mich zu seinen wenigen, etwas schwächeren Werken, wobei an dieser Stelle natürlich unbedingt klargestellt werden muss, dass es sich auch bei einem schwächeren Film von Brian De Palma immer noch um einen guten Film handelt.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE NICE GUYS (USA 2016, Regie: Shane Black)

the nice guys

(Fassung: Savoy Kino Hamburg, O-Ton-Vorstellung)

Wenn ich schon mal die Gelegenheit habe, mir einen aktuellen Film im Kino im O-Ton anzusehen, dann muss ich diese natürlich auch wahrnehmen. So nun geschehen mit THE NICE GUYS, den in anlässlich eines Kurzaufenthalts in Hamburg im wirklich wunderschönen Savoy-Kino in der dortigen Bahnhofsgegend genießen konnte…

Im Mittelpunkt des Films stehen die gänzlich unterschiedlichen Privatdetektive Jackson Healy (Russell Crowe) und Holland March (Ryan Gosling), die im Los Angeles der späten 70er Jahre beide auf der Suche nach einer verschwundenen jungen Frau sind, sich zu einer eher unfreiwilligen Zweckgemeinschaft zusammenfinden und  mitten in eine Verschwörung hineingeraten, in der es u.a. auch um den mysteriösen Selbstmord eines Pornostarlets geht…

THE NICE GUYS ist nach KISS KISS BANG BANG aus dem Jahr 2005 und IRON MAN THREE aus dem Jahr 2013 die erst dritte Regiearbeit von Shane Black, der – obwohl er lediglich eine relativ übersichtliche Filmographie auf den Seiten vor oder hinter der Kamera aufweisen kann – allerdings schon knapp 30 Jahre im Geschäft ist, nennenswert erstmals im Jahr 1987 in Erscheinung trat und damals als Drehbuchautor eines Films mit dem Titel LETHAL WEAPON maßgeblich dazu beitragen sollte, dass sich das Actionkino nachhaltig verändern sollte. Ob man ihn dafür nun eher lieben oder eher hassen soll, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn man also weiß, dass Shane Black einer der Männer gewesen ist, die dafür verantwortlich zeichneten, dass das Actionkino mittlerweile ohne Humor und gespielter Coolness nicht mehr vorstellbar zu sein scheint, dürfte man sich nicht wundern, dass es auch in THE NICE GUYS vornehmlich um Klamauk und Albernheiten im spektakulären Gewand geht. Die Story von der Suche nach der verschwundenen Frau, von der Verschwörung, die die beiden plötzlich aufdecken, ist im Endeffekt nicht viel mehr als ein MacGuffin, der dazu verwendet wird, die beiden Protagonisten in möglichst viele absurde Situationen zu bringen, aus denen sie sich möglichst witzig und cool zu befreien haben. Wer mit dieser Art von Kino also nichts oder nicht sonderlich viel anzufangen weiß, sollte wohl lieber die Finger von THE NICE GUYS lassen. Wer sich darauf einlassen kann und will, wird dafür mit einem unglaublich unterhaltsamen Film bewohnt, der von zwei herrlich aufgelegten Hauptdarstellern dominiert wird, die sich die Gags gegenseitig zuspielen und mit Sicherheit jede Menge Spaß beim Dreh gehabt haben dürften. Zudem ist die Zeichnung des L.A. der späten 70er Jahre unglaublich glaubwürdig und authentisch geraten und allein diese unfassbar geile und dekadente Partysequenz – incl. eines Einhorns und hinter Glas im Pool schwimmenden Meerjungfrauen – rechtfertigt für Freunde hübscher Schauwerte allein schon die Sichtung des Films.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER (Deutschland 1962, Regie: Werner Klingler)

das geheimnis der schwarzen koffer

(Fassung: DVD, Universum, Deutschland)

Nach dem großen Erfolg der Edgar-Wallace-Verfilmungen der Rialto, die seit 1959 die Zuschauer in Scharen in die Kinos lockten, sicherte sich der umtriebige Produzent Artur Brauner die Rechte an den Romanen von Wallaces Sohn und startete mit seiner Produktionsschmiede CCC im Jahr 1962 mit DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER eine Reihe von Bryan-Edgar-Wallace-Filmen, die sich natürlich stilistisch an den Vorbildern der Rialto orientierten.

In DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER muss sich Joachim Hansen als Inspektor Robert Finch mit einer geheimnisvollen und mysteriösen Mordserie auseinandersetzen, deren Rätsel nach einigen kruden Wendungen – auch das kennt man aus den Wallace-Filmen – am Ende natürlich aufgeklärt wird. Lust auf die weiteren Filme dieser Reihe macht dieser Auftakt jedoch nicht wirklich. Das liegt zu großen Teilen an der Tatsache, dass die Geschichte einfach nicht sonderlich spannend geraten ist und über die komplette Laufzeit etwas ziellos vor sich hinplätschert und den Zuschauer eher sanft in den Schlaf wiegt als in gebannt vor dem Bildschirm zu fesseln. Es liegt aber auch an Hauptdarsteller Joachim Hansen, dem einfach das Charisma der Ermittler der großen Vorbilder fehlt, und an Chris Howland als “comic relief“, der eine etwas armselige Eddi-Arent-Kopie abgibt. Positiv zu erwähnen wäre Senta Berger als “love interest“ und das Schlussdrittel des Films, in dem es Regisseur Werner Klingler dann auch endlich gelingt, so etwas wie Spannung und Atmosphäre zu erzeugen und zumindest ein kleines bisschen Wallace-Feeling aufkommen zu lassen.

Bewertung: Ganz ok! – 5/10

 

 

THE DELTA FORCE (Israel / USA 1986, Regie: Menahem Golan)

the delta force

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Chuck Norris ist Major Scott McCoy, der seinen Job bei der militärischen Spezialeinheit Delta Force eigentlich hingeschmissen hatte, aufgrund einer Flugzeugentführung durch palästinensische Terroristen aber dann doch wieder den Kampfanzug anzieht und natürlich den Tag rettet.

THE DELTA FORCE ist ein Paradebeispiel für das komplett humorbefreite Actionkino der 80er Jahre, für Filme, in denen es nur Gut und Böse gab, keinerlei fließende Grenzen vorhanden waren und die mit ihrer ultrareaktionären Agenda eigentlich jedem normal denkenden Menschen den Angstschweiß auf die Stirn treiben sollten, da durchaus zu befürchten ist, dass es den Machern mit der Botschaft, die Filme wie THE DELTA FORCE in die Welt sendeten, durchaus ernst gewesen sein dürfte. Was ihn von anderen Genrevertretern unterscheidet ist seine schon fast epische Länge von etwas über 2 Stunden und die Tatsache, dass die erste der beiden Stunden auf höchste manipulative Weise dazu genutzt wird, menschliche Tragödien in schwülstiger Musik entstehen zu lassen, natürlich nur, damit das fröhliche Action-Massaker in der zweiten Hälfte entsprechend gerechtfertigt werden kann.

Wenn man wie ich mit Filmen dieser Art aufgewachsen ist, sie sich als Jugendlicher aufgrund der meist immer spektakulären Actionszenen reingezogen hat und nie so wirklich auf den Gedanken gekommen ist, das Gezeigte in irgendeiner Weise zu hinterfragen, ist man bei einem Wiedersehen mit Filmen wie THE DELTA FORCE einfach nur hin- und hergerissen. Der Verstand sendet zwar die richtigen Signale, das Herz jedoch schwelgt in purer Nostalgie und zu behaupten, man würde hier nicht für gut 2 Stunden eine richtig gute Zeit mit dem Film haben, wäre natürlich glatt gelogen. Ich werde Kino dieser Art immer lieben, kann und will Filme wie THE DELTA FORCE eigentlich gar nicht so ernst nehmen, dass ich sie kritisch hinterfragen müsste und stehe einfach dazu, dass es mitunter nichts Schöneres gibt als für 2 Stunden in eine Welt zu flüchten, in der man einfach mal jegliche politische Korrektheit an der Garderobe abgeben kann um sich von Knallern wie THE DELTA FORCE einfach nur ganz vorzüglich unterhalten zu lassen. Deswegen muss man sich ja noch lange nicht mit der transportierten Botschaft identifizieren (was für mein Verständnis auch komplett unmöglich wäre).

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

BISTURI, LA MAFIA BIANCA (Italien 1973, Regie: Luigi Zampa)

bisturi, la mafia bianca

(Fassung: DVD, filmArt, Deutschland)

In BISTURI, LA MAFIA BIANCA dreht sich alles um die Machenschaften in der Privatklinik des angesehenen Chirurgen Prof. Vallotti (Gabriele Ferzetti), der das dysfunktionale Gesundheitssystem im Italien der 70er Jahre gnadenlos ausnutzt um seine Taschen zu füllen. Um seine außergewöhnliche Stellung beizubehalten ist Vallotti dabei zu allem bereit. Kunstfehler und sonstige Schlampereien werden professionell vertuscht, nicht mehr zu heilende Patienten mit Medikamenten kurz aufgepäppelt und danach entlassen, damit die Klinik ja keine Todesfälle zu vermelden hat. Die einzigen, die sich trauen, Vallotti so etwas wie Paroli zu bieten, sind der desillusionierte Arzt Dr. Giordani (Enrico Maria Salerno) und die engagierte Krankenschwester Maria (Senta Berger)…

BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ein Paradebeispiel des gesellschaftskritischen Kinos aus Italien in den 70er Jahren. Zu sagen, dass das Drama von Regisseur Luigi Zampa den Finger in die sprichwörtliche Wunde legen würde, wäre noch milde ausgedrückt. Zampa legt den Finger auf die Wunde und sticht dann mit aller Kraft hinein. Der Film ist eine Anklage gegen ein Gesundheitssystem, welches nur den Reichen und Mächtigen nützt, ein Aufruf für eine dringend benötigte Gesundheitsreform (die dann ein paar Jahre später tatsächlich kommen sollte) und so ganz nebenbei auch noch ein überaus spannend – und in den nicht wenigen Operationsszenen auch enorm unangenehm – anzusehendes Beispiel einer gelungenen Mischung aus Drama und Thriller. BISTURI, LA MAFIA BIANCA ist ernstes, schwer verdauliches und mitunter vielleicht auch etwas sperrig wirkendes Kino aus Italien, von dem alle, die lediglich nach leichter Unterhaltung suchen, wohl lieber die Finger lassen sollten.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

THE WALK (USA 2015, Regie: Robert Zemeckis)

the walk

(Fassung: Blu-ray 3D, Sony, Deutschland)

Regisseur Robert Zemeckis entführt den Zuschauer zunächst ins Paris und im weiteren Verlauf dann ins New York der 70er Jahre und erzählt die wahre Geschichte des Hochseilartisten Philippe Petit (toll: Joseph Gordon-Levitt), dem es im August des Jahrs 1974 in einer illegalen Nacht- und Nebelaktion mit diversen Helfern gelang, ein Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers zu spannen, nur um anschließend in schwindelerregender Höhe über dieses Drahtseil zu balancieren…

Was einen als Zuschauer an THE WALK sehr schnell einnimmt, ist diese ungemein sympathische, federleichte und auch irgendwie beschwingte Inszenierung. THE WALK ist ein Film, von dem man sich sofort mitreißen lässt, von dem man sich treiben lassen will und der es insbesondere im letzten Drittel schafft, Spannung zu erzeugen, wo eigentlich gar keine Spannung mehr entstehen dürfte, da aufgrund der wahren Tatsachen, auf denen THE WALK beruht, sein Ausgang ja bereits bekannt ist. Um diese Spannung aufzubauen bedient sich Robert Zemeckis in seiner Inszenierung bei alten Heist Movies – nur dass hier eben keine Bank oder ähnliches überfallen, sondern “lediglich“ ein Drahtseil gespannt werden soll – und das funktioniert, auch dank der überzeugend agierenden Darsteller und der authentischen Darstellung der beiden Weltstädte zur damaligen Zeit, wirklich ausgesprochen gut. Vielleicht wirkt THE WALK streckenweise etwas zu selbstverliebt (wenn man den Ausdruck so verwenden mag), etwas zu unkritisch der geplanten Aktion und seinem sicher auch streitbaren Protagonisten gegenüber, vielleicht an manchen Stellen vor dem Schlussdrittel des Films auch einfach ein bisschen zu langatmig, wirklichen Schaden können diese vermeintlichen Schwächen dieser Liebeserklärung an das Leben, den Mut, die Stadt New York und ihr einstiges Wahrzeichen allerdings nicht zufügen. Und die 3D-Effekte, die Zemeckis insbesondere während des Drahtseilakts auffährt, sind der absolute Hammer.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE (Deutschland 1970, Regie: Wolfgang Staudte)

die herren mit der weißen weste

(Fassung: Blu-ray, Pidax, Deutschland)

Regisseur Wolfgang Staudte lässt in DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE eine Gruppe von rüstigen Rentnern und Pensionären auf Mario Adorf los, der als gewiefter Gauner Dandy Stiegler nach einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA nach Berlin zurückkehrt um dort mit seinen Komplizen (u.a. Herbert Fux) und seiner Geliebten Susan (Hannelore Elsner) ein ganz großes Ding zu drehen, jedoch nicht ahnt, dass der mittlerweile pensionierte Oberlandesgerichtsrat Zänker (Martin Held) einen ausgeklügelten Plan ausgeheckt hat, um ihm endlich das Handwerk zu legen. Zu seiner aktiven Zeit ist Zänker das nie gelungen und nun versucht er gemeinsam mit seinen sich ebenfalls bereits im Ruhestand befindlichen Freunden (u.a. Rudolf Schündler und Heinz Erhardt), Dandy mit dessen eigenen Waffen zu schlagen.

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE ist eine ganz wunderbare Mischung aus Kriminalfilm, Heist Movie und Komödie geworden, die vor allem durch ihre ungemein sympathische, federleichte und unaufgeregte Inszenierung sowie mit ihrer bestens aufgelegten Rentnergang rund um Martin Held zu begeistern weiß. Es macht richtig viel Spaß, den Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie den Profi-Gaunern immer wieder einen Schritt voraus sind und diese dadurch regelrecht in den Wahnsinn zu treiben scheinen und man merkt es den Schauspielern auch an, dass sie beim Dreh dieses Films eine verdammt gute Zeit gehabt haben dürften. Hervorheben möchte ich dabei vor allem Heinz Erhardt, der es sichtlich zu genießen scheint, nicht komplett im Mittelpunkt zu stehen und dessen Wortwitz in diesen wohldosierten Einheiten in diesem Film weitaus besser zur Geltung kommt als in den Filmen, die er als Hauptdarsteller alleine zu tragen hatte. Richtig toll sind natürlich auch Mario Adorf und Herbert Fux auf Seite der Bösen und für Hannelore Elsner gibt es im Endeffekt nur ein Wort, welches sie in ihrer Rolle adäquat beschreiben kann und das lautet: atemberaubend.

Wer mit dem deutschen Kino aus der damaligen Zeit etwas anfangen kann, sollte sich DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE auf keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung: Gut! – 7/10

Final Thoughts of May

THE SLAMS (USA 1973, Regie: Jonathan Kaplan)

the slams

(Fassung: DVD, Warner Archive, USA)

Jim Brown ist Curtis X. Hook, der soeben den Mob um stattliche 1,5 Mio Dollar erleichtert und das erbeutete Geld sicher versteckt hat und nun wegen einer eigentlichen Lappalie im Knast landet. Seine Zeit dort würde er eigentlich locker absitzen, dumm nur, dass ihm sowohl die Beklauten und auch korrupte Staatsdiener, die von der Sache Wind bekommen haben, das Leben zur Hölle machen möchten, um ihm das Versteck der Beute zu entlocken. Als Hook auch noch mitbekommt, dass sein Versteck in wenigen Tagen abgerissen werden soll und das Geld dann für immer verloren sein dürfte, entschließt er sich dazu, einen Ausbruchsversuch zu wagen…

Für Regisseur Jonathan Kaplan, der einst unter Roger Corman seine ersten Schritte als Regisseur unternahm, Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre einige größere Erfolge verzeichnen konnte – u.a. drehte er das Oscar-prämierte Vergewaltigungsdrama THE ACCUSED mit Jodie Foster in der Hauptrolle – und mittlerweile beim TV gelandet ist, war THE SLAMS damals die dritte Regiearbeit und stellte einen weiteren Versuch eines größeren Hollywood-Studios – hier: MGM – dar, unter seinem Banner auf den damals so erfolgreichen Blaxploitation-Zug aufzuspringen. Und die Zutaten passen durchaus: Hauptdarsteller Jim Brown bringt die nötige Coolness eines echten Blaxploitation-Helden mit, der Film geizt nicht mit Gewalt und präsentiert in ein paar außerhalb des Gefängnisses spielenden Szenen natürlich auch die obligatorischen, nackten Damenbrüste. Etwas problematisch ist das Setting im Gefängnis, da sich bis zur Planung und Durchführung der Flucht – die übrigens mit einigen netten Ideen und Wendungen überraschen kann – im räumlich arg begrenzten Gefängnis-Setting doch etwas Längen einschleichen, man sich als Zuschauer natürlich nur wenig Sorgen um das Wohlergehen der Hauptfigur machen muss und echte Spannung erst im Finale aufkommen kann.

Für Freunde des Kinos der 70er Jahre im Allgemeinen und für Fans des Exploitationfilms im Speziellen gibt’s für THE SLAMS natürlich trotzdem eine Empfehlung. Allein schon wegen der kantigen Typen, die diesen Film bevölkern, wegen dieses unnachahmlichen 70er-Jahre-Looks und vor allem auch wegen dieser wundervollen Atmosphäre, die praktisch alle guten Genreproduktionen aus der damaligen Zeit für Fans so unwiderstehlich macht.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN (USA 1991, Regie: Simon Wincer)

harley davidson and the marlboro man

(Fassung: DVD, MGM, Deutschland)

Mickey Rourke und Don Johnson spielen die beiden Titelfiguren Harley (Rourke) und Marlboro (Johnson), zwei waschechte Haudegen, die – weil sie gerade nichts anderes zu tun haben – einen Geldtransporter überfallen um ihre Lieblingskneipe vor der Schließung zu retten. Doch statt Geld erbeuten sie Drogen und deren Besitzer sind darüber nicht gerade erfreut…

Wenn man HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN halbwegs objektiv betrachten möchte, muss man sicher eingestehen, dass Simon Wincer hier einen ziemlichen Schmarrn fabriziert hat. Die Ausgangssituation und der komplette Handlungsverlauf des Films sind absolut hanebüchen und nicht wirklich dazu geeignete, Argumente für ein Gelingen des Films ins Feld zu führen. Wincers Film lebt einzig und allein von seinen beiden Hauptdarstellern, die – wie es sich für ein Buddy Movie gehört – die zwischen ihnen ständig schwelenden Konflikte auf möglichst alberne und coole Art untereinander austragen, nie um einen Spruch verlegen sind und ein paar hübsch fotografierte Actionsequenzen zu bewältigen haben. Man merkt Wincers Film an, dass er in einer Zeit entstanden ist, in dem das humorbefreite Actionkino der 80er Jahre langsam aber sicher durch Filme abgelöst werden sollte, in denen Action und Gewalt nur noch mit Humor und dummen Sprüchen einhergingen.

Ich selbst habe HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN nun seit über 20 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen und muss gestehen, dass ich den Film – wohl vor allem aus nostalgischen Gründen, aber auch weil ich finde, dass Rourke und Johnson in diese Rollen passen wie die Faust aufs Auge und herrlich miteinander (dis-)harmonieren – auch heute noch sehr gerne mag. Dass er Menschen, die ihn jetzt, im Jahr 2016, zum ersten Mal in ihrem Leben sehen, auf irgendeine Art und Weise noch ansprechen könnte, möchte ich jedoch stark anzweifeln.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

SHOOT TO KILL (USA 1988, Regie: Roger Spottiswoode)

shoot to kill

(Fassung: DVD, Touchstone, Deutschland)

In SHOOT TO KILL bzw. DEADLY PURSUIT (so der internationale englische Titel, der die Handlung des Films im Gegensatz zum US-Originaltitel kurz und knapp auf den Punkt bringt) jagen Sidney Poitier als FBI-Agent und Tom Berenger als Bergführer einen gefährlichen Killer (Clancy Brown) durch unwirtliche Gebirge nahe der kanadischen Grenze und liefern sich einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der skrupellose Verbrecher hat Berengers Filmfreundin Kirstie Alley in seiner Gewalt und es steht zu befürchten, dass er sie nicht mit dem Leben davonkommen lassen wird, sobald er sich in Sicherheit wiegt…

Ich habe das Anfang des Monats schon in meinem Text zu MIDNIGHT RUN angemerkt und kann es auch hier einfach nur wiederholen: schade, dass solche Filme nicht mehr gedreht werden. Ohne großartige Exposition ist man sofort drin in Spottiswoodes Film, der – aufs wesentliche herunter gebrochen – zwar nicht viel mehr als eine simple Jagd/Flucht-Story anzubieten hat, es aber ohne Probleme versteht, den Zuschauer für sich einzunehmen. Die Einführung und Charakterisierung der Figuren erfolgt praktisch nebenbei und ist doch so gelungen, dass man sofort eine Bindung zu den handelnden Personen aufbaut. Sofort hofft und bangt man mit den Protagonisten und mindestens ebenso schnell verteufelt man den Bösewicht. SHOOT TO KILL ist jetzt vielleicht kein kompletter Über-Film geworden (dazu haben sich im Mittelteil etwas zu viele Längen eingeschlichen und die Szene mit der schnell ausgegrabenen Höhle im Schnee strapazierte die Glaubwürdigkeit des Films doch sehr und war mir einfach etwas “too much“), aber er liefert spannende, schnörkellose und unaufgeregte Unterhaltung vor teils extrem atemberaubender Kulisse. Wer ein Herz für das Kino der 80er Jahre hat, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

LANTANA (Australien / Deutschland 2001, Regie: Ray Lawrence)

lantana

(Fassung: DVD, Universal, Großbritannien)

Regisseur Ray Lawrence konfrontiert den Zuschauer in LANTANA mit verschiedenen Paaren, die alle ihre Beziehungsprobleme haben und die – ohne es unbedingt auf Anhieb zu ahnen – alle in gewisser Weise miteinander in Verbindung stehen. Und dann geht es auch noch um eine wie vom Erdboden verschwundene Frau. Bis es soweit ist, dauert es jedoch relativ lange, und das ist vielleicht auch die eine große Schwäche dieses Films, der vielleicht etwas zielgerichteter inszeniert hätte werden müssen und den man – würde man allein die schauspielerischen Leistungen bewerten – als Zuschauer eigentlich gerne als hervorragenden Film weiterempfehlen würde.

Vielleicht ist das auch einfach nur mal wieder ein Jammern auf hohem Niveau, aber für meinen Geschmack hat sich Regisseur Ray Lawrence einfach etwas zu viel Zeit gelassen um seine Charaktere einzuführen und zu entwickeln, um seine Figurenkonstellationen zu positionieren und um seine Zuschauer mit vagen Hinweisen hinters Licht zu führen um so auch die Spannung des Films hochzuhalten. Wenn man sich vorher nicht die Inhaltsangabe durchgelesen hat – was eigentlich immer von Vorteil ist – kann man tatsächlich nie so richtig einschätzen, in welche Richtung sich LANTANA letztendlich entwickeln wird. Das Problem dabei ist, dass man ab einem gewissen Punkt das Gefühl einfach nicht mehr losbekommt, dass das, was man hier zu sehen kriegt, nur wenig zielgerichtet zu sein scheint. So gut mir die schauspielerischen Leistungen auch gefallen haben und so sehr ich mich von dem leichten Mystery-Touch des Films gefangen nehmen lassen wollte, am Ende des Films – wenn sich dann mehr oder weniger doch alles wieder in Wohlgefallen aufzulösen scheint – reift bei mir als Zuschauer auch die Erkenntnis, dass der Aufwand, den Regisseur Lawrence in den ersten 2/3 des Films betrieben hat, ein weitaus besseres Schlussdrittel verdient hätte und eine nüchterne Aufwand/Ertrag-Rechnung hier wohl nicht gerade positiv ausfallen würde. Gut und sehenswert ist LANTANA natürlich dennoch. Wie schon geschrieben, Gejammer auf hohem Niveau.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

MO’ BETTER BLUES (USA 1990, Regie: Spike Lee)

mo' better blues

(Fassung: DVD, Universal, Deutschland)

Denzel Washington ist Bleek Gilliam, ein überaus talentierter Jazztrompeter, der mit seinen Bandkollegen (u.a. Wesley Snipes und Giancarlo Esposito) Abend für Abend in einem angesagten Club das Publikum begeistert. Musik ist Bleeks Leben, ihr ordnet er alles unter und übersieht dabei fast, die diversen Pulverfässer, die um ihn herum jederzeit hochzugehen drohen: da wäre sein von Snipes gespielter Saxophonist Shadow, der endlich für seine Auftritte angemessen entlohnt werden möchte und ernsthafte Planungen anstrebt, die Band zu verlassen, da wäre sein Freund und Manager Giant (Spike Lee), den seine Wettsucht in den Ruin getrieben hat und der Schulden bei Menschen angehäuft hat, bei denen man besser keine Schulden haben sollte, und da wären nicht zuletzt seine Beziehungen zu zwei verschiedenen Frauen, zur Lehrerin Indigo (Joie Lee) und zur Sängerin Clarke (Cynda Williams), die sich immer komplizierter organisieren lassen…

Einmal mehr kreiert Regisseur Spike Lee mit MO’ BETTER BLUES einen Mikrokosmos voller Emotionen, im vorliegenden Fall jedoch einen Mikrokosmos in den es sich als Zuschauer etwas leichter und unbekümmerter eintauchen lässt als in die seiner unmittelbaren Vorgänger- und Nachfolgefilme DO THE RIGHT THING und JUNGLE FEVER. Obwohl in MO’ BETTER BLUES neben den vielen komischen Momenten auch jede Menge tragische Augenblicke vorkommen, ist das hier ein Film, der für seine Zuschauer mit seiner ruhigen Art, seiner einladenden Farbgebung, seiner beruhigenden, teils traumhaften Atmosphäre und seiner mitreißenden Musik eine Art Wohlfühloase generiert, in der man sich – bildlich gesprochen – nur zu gerne niederlässt um in ihr zu verweilen. MO’ BETTER BLUES ist einer dieser Filme, in die man mit spielerischer Leichtigkeit versinken kann, über deren manchmal etwas schrullige Art – insbesondere in den Szenen mit Spike Lee – man nur zu gerne schmunzeln möchte und von denen man mit einem mehr als positiven Gefühl in den Abspann entlassen wird. Und dann ist MO’ BETTER BLUES natürlich so ganz nebenbei eine Liebeserklärung an die Kunst der Musik.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

GAME OF THRONES: SEASON 3 (USA 2013, Idee: David Benioff / D.B. Weiss)

game of thrones

(Fassung: Blu-ray, HBO/Warner, Großbritannien)

Der Kampf um Thronfolgen, diverse Schlachten, das Paktieren und Intrigieren (angeblich) Verbündeter, die versuchte Flucht vor Feinden, usw., usf. – dies alles geht nun in die dritte Runde und dies alles ist auch in dieser dritten Runde ungemein unterhaltsam und wegen der einfach nicht weniger werden wollenden Schauwerte auch ausgesprochen nett anzusehen.

Aber auch wenn mir GAME OF THRONES noch immer außerordentlich gut gefällt, muss ich doch anmerken, dass die Serie für mich persönlich nicht so funktioniert wie sie wohl – wenn man den Hype berücksichtigt, der schon seit Jahren um sie gemacht wird – für den Großteil der Zuschauer funktionieren dürfte. Ich gebe zu, ich lasse mich von GAME OF THRONES ausschließlich berieseln, der Verlauf der Handlung ist mir dabei ziemlich egal und ich verspüre keinerlei Motivation, wirklich jeden dieser unzähligen Nebencharaktere seinem Clan zuzuordnen oder mir einen Überblick zu verschaffen wer nun aus welchem Grund gegen wen kämpft, mit wem paktiert und auf was auch immer irgendwelche Ansprüche erhebt und ich finde es ehrlich gesagt richtig bewundernswert, dass sich die Vielzahl der Zuschauer wohl offensichtlich tatsächlich für diese in meinen Augen ziemlich aufgeblasene Handlung begeistern kann, in Gedanken Stammbäume erstellt und es schafft, so etwas wie Sympathien für einzelne Charaktere aufzubauen und mit diesen mitzufiebern.

Für mich funktioniert GAME OF THRONES nur als perfektes “eye candy“, als Musterbeispiel für Exploitation im aufwändigen Gewand – als das funktioniert die Serie aber auch wirklich richtig, richtig gut. Ich freue mich schon auf die vierte Staffel.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10

 

 

HIGH SCHOOL BIG SHOT (USA 1959, Regie: Joel Rapp)

high school big shot

(Fassung: DVD, Something Weird Video, USA)

 Ein kleiner No-Budget-Beitrag aus dem Bereich des zum damaligen Entstehungszeitpunkt überaus beliebten Subgenre des Juvenile-Delinquent-Films. In HIGH SCHOOL BIG SHOT dreht sich alles um den Musterschüler Marv (Tom Pittman), der sich eines Tages ernsthafte Hoffnungen macht, bei Betty (Virginia Aldridge), der beliebtesten (und scheinbar auch einzigen) Schülerin seiner Schule zu landen und dafür sogar bereit ist, einen kriminellen Pfad einzuschlagen…

Man könnte sich nun natürlich mit Leichtigkeit über HIGH SCHOOL BIG SHOT lustig machen. Bspw. über seine tristen Settings, seine hölzernen Darsteller oder seine überkonstruierte Handlung. Regisseur Joel Rapp hat seinen Film ganz offensichtlich ohne nennenswertes Budget mit nicht unbedingt hochtalentierten Schauspielern in ein paar Hinterzimmern gedreht. So wird bspw. die Highschool lediglich von einem Lehrer und einer Handvoll Schülern bevölkert – letztere sehen zum Großteil viel zu alt für ihre Rollen aus -, irgend ein geschäftiges Treiben auf Straßen oder in Bars, in die der Film kurze Ausflüge unternimmt, findet praktisch nicht statt und irgendwie wirkt HIGH SCHOOL BIG SHOT auf krude Art und Weise etwas leblos. Und doch möchte ich an dieser Stelle eine kleine Lanze für den Film brechen, denn bei näherer Betrachtung der – zugegebenermaßen etwas arg abenteuerlichen – Handlung fällt doch auf, Regisseur und Drehbuchautor Joel Rapp es auf wundersame Weise geschafft hat, in einen Film, der gerade mal 60 Minuten dauert, schier unendlich viel hineinzustecken. HIGH SCHOOL BIG SHOT ist Coming-of-Age-Geschichte, Love Story, Familiendrama, Kriminalfilm und Heist Movie in einem und wird durch diese ziemlich verrückte Mischung – und natürlich auch wegen seiner ausgesprochen kurzen Laufzeit – zu keinem Zeitpunkt langweilig und zaubert dem geneigten Zuschauer das eine oder andere fette Grinsen während der Sichtung ins Gesicht.

Bewertung: Unterhaltsam! – 6/10

 

 

ARMED AND DANGEROUS (USA 1986, Regie: Mark L. Lester)

armed and dangerous

(Fassung: DVD, Sony, Großbritannien)

Zwischen Kultfilmen wie CLASS OF 1984, COMMANDO und EXTREME JUSTICE, die ja allesamt eher etwas heftigere Kost zu bieten hatten, drehte Regisseur Mark L. Lester diese kleine Action-Komödie mit John Candy und Eugene Levy in den Hauptrollen. Candy spielt einen gescheiterten Polizisten, Levy einen ebenfalls gescheiterten Rechtsanwalt. Die beiden Protagonisten lernen sich in ARMED AND DANGEROUS bei einer Security-Firma kennen, bei der sie untergekommen sind, sorgen zunächst für viel Chaos, kommen schließlich einer waschechten Verschwörung auf die Spur und retten am Ende natürlich den Tag.

ARMED AND DANGEROUS erinnert vom Ansatz zunächst stark an die in den 80er Jahren ausgesprochen beliebte und erfolgreiche POLICE ACADEMY-Reihe – ein ganzer Haufen von chaotischen Typen, die alle einen Job ausüben möchten, für den sie offensichtlich nicht geeignet sind, werden nach lustigen Trainingssequenzen auf die Menschheit losgelassen -, die, als Lesters Film startete, bereits 3 Filme umfasste, wendet sich dann aber sehr schnell seinen beiden Protagonisten und der aufzudeckenden Verschwörung zu und erinnert im weiteren Verlauf dann doch eher an ein Buddy-Movie. Lester inszeniert seinen Film unheimlich rasant, hat einige verdammt witzige Sequenzen zu bieten, bemüht sich so gut es eben geht um Spannung und beendet seine gut 80 Minuten dauernde Geschichte schließlich in einer äußert hübsch anzusehenden Verfolgungsjagd. Das größte Plus des Films ist jedoch seine grandiose Besetzung. Neben den beiden Stars und Meg Ryan, die so etwas wie die weibliche Hauptrolle abbekommen hat, geben sich bis in die kleinsten Nebenrollen aus unzähligen (Genre-)Produktionen bekannte Gesichter die sprichwörtliche Klinke in die Hand. U.a. sind Robert Loggia, Brion James, Don Stroud, Steve Railsback, Tony Burton und Tommy ‚Tiny‘ Lister mit von der Partie (um nur mal ein paar Namen zu nennen) und in einer Mini-Sequenz habe ich sogar den großartigen David Hess entdecken können. ARMED AND DANGEROUS ist schon allein aufgrund seiner Besetzung unbedingt sehenswert und sei hiermit jedem 80er-Jahre-Afficionado zur Sichtung empfohlen.

Bewertung: Gut! – 7/10

 

 

KNOCK KNOCK (Chile / USA 2015, Regie: Eli Roth)

knock knock

(Fassung: Blu-ray, Universum, Deutschland)

Keanu Reeves spielt den Architekten Evan, der eigentlich ein Wochenende mit seiner Familie am Strand verbringen sollte, wegen dringend zu erledigender Arbeiten aber stattdessen alleine zuhause geblieben ist – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als zwei junge und vollkommen durchnässte Frauen (Lorenza Izzo und Ana de Armas) vor seiner Tür stehen und um Hilfe bitten. Evan lässt sie herein und begeht damit den Fehler seines Lebens. Von der Exaltiertheit und Freizügigkeit seiner beiden Gäste komplett überfordert, lässt er sich auf ein sexuelles Abenteuer ein und erwacht schließlich in einem Albtraum…

Mal wieder ein Beispiel des allseits beliebten Terror- bzw. Home-Invasion-Films, nur dass Regisseur Eli Roth, der auch am Drehbuch mitarbeitete, die Genrekonventionen mit KNOCK KNOCK umkehrt und komplett auf den Kopf stellt. Sind die Eindringline normalerweise männlichen Geschlechts und die Opfer in solchen Filmen vornehmlich weiblich, ist es hier ein scheinbar starker Mann, der gegen die Waffen des vermeintlich schwächeren Geschlechts einfach nicht ankommen mag. Als Zuschauer möchte man dem von Reeves gespielten Evan regelrecht zurufen, dass er sich doch endlich mal effektiv zur Wehr setzen solle, muss aber hilflos mit ansehen, wie dieser gegen seine immer mehr in den Wahnsinn abzudriften scheinenden Gegnerinnen einfach keinerlei Chance zur Gegenwehr bekommt.

Warum dieser in meinen Augen ungemein spannende und als Terror- bzw. Horrorfilm auch verdammt effektive Film beim Publikum komplett durchgefallen zu sein scheint – in der IMDB kommt KNOCK KNOCK momentan auf eine durchschnittliche Punktzahl von gerade mal 4.9/10 – mag sich mir nicht wirklich ergründen. Vielleicht war KNOCK KNOCK seinem Zielpublikum ja einfach zu unangenehm. Unbeschwerte Unterhaltung sieht definitiv anders aus, aber das war ja noch nie die Sache von Eli Roth. Und das ist auch gut so.

Bewertung: Sehr gut! – 8/10